:: wikimiki.org ::
| Illyrien |
IllyrienIllyrien ist eine vage Bezeichnung für den westlichen Teil der Balkanhalbinsel. Illyricum ist der alte lateinische Name für das ursprünglich von den Illyrern bewohnte Gebiet östlich der Adria. Im Altertum selbst wurde das Gebiet häufiger als Dalmatia bezeichnet, Illyricum als Bezeichnung für die Balkanhalbinsel war aber ebenfalls in Gebrauch. In der Spätantike, nach der Reichsreform des Diokletian, unterstanden die italienischen, nordwestafrikanischen, pannonischen und dalmatischen Provinzen einem Praefectus praetorio Illyrici, Italiae et Africae.
Seit der Renaissance kam dieser Name gemäß der latinisierenden Zeitmode wieder in Gebrauch. Die Begriffe Illyrer und Illyrisch wurden dabei oft mit den Südslawen beziehungsweise den Südslawische Sprachen gleichgesetzt.
Während der Napoleonischen Kriege wurden dieser Name gemäß der klassizistischen Zeitmode auch für administrative Zwecke verwendet. Die im Frieden von Schönbrunn 1809 abgetrennten Teile Österreichs wurden von Frankreich als Illyrische Provinzen (mit Hauptstadt Laibach) organisiert. Es bestand aus den Départements Carinthie (Osttirol und der Westteil Kärntens - Unterkärnten blieb bei Österreich), Carniole (Krain), Istrie (das Küstenland), Croatie Civile ("Zivilkroatien") und Croatie Militaire ("Militärkroatien", das heißt die Militärgrenze), Dalmatie (Dalmatien), Raguse (Ragusa, das heißt Dubrovnik).
Nach der Rückgabe dieser Provinzen an Österreich 1814 organisierte dieses Gebiet als Königreich Illyrien mit etwas anderen Grenzen: Unterkärnten wurde dazugenommen, dafür das westliche Kroatien und Dalmatien ausgeschieden. 1849 wurde dieses Königreich aufgelöst.
Von den Illyristen, den vor allem aus Kroatien stammenden Begründern des südslawischen Nationalismus in Österreich-Ungarn Mitte des 19. Jahrhunderts, wurde der Begriff als Gesamtbezeichnung für die südslawischen Länder verwendet. Illyrer war dabei als die Einzelvölker zusammenfassnede ethnische Bezeichnung für alle Südslawen vorgesehen. In dieser Rolle wurde es später jedoch von der Bezeichnung Jugoslawen abgelöst.
Eine Erinnerung an diese Gebietsbezeichnung ist der Name der slowenischen Stadt Ilirska Bistrica.
Bereits im 19. Jahrhundert hatten Philologen und Historiker die Vermutung geäußert, dass nicht die Südslawen, sondern die Albaner, die Nachfahren der antiken Illyrer seien. Intensive sprachwissenschaftliche und archäologische Forschungen des 20. Jahrhunderts haben diese These weitgehend bestätigt, wenngleich die Verbindungen der Albaner an die antiken Illyrer nicht so eng und direkt sind, wie es von albanischen Nationalisten gern dargestellt wird. Die Albaner sind somit die Nachfahren der Illyrer und werden es auch immer bleiben.
Kategorie:Illyrer
Illyrische Provinzen
Kategorie:Historische Landschaft
ko:일리리아
BalkanDer Begriff Balkan bezeichnet:
- eine Halbinsel in Südosteuropa, siehe Balkanhalbinsel
- ein Gebirge in Südosteuropa, siehe Balkangebirge
- ein Bergmassiv in Turkmenistan, siehe Großer Balkan
Siehe zu diesem Begriff auch:
- Balkanbund
- Balkanentente
- Balkanisierung
- Balkankonflikt
- Balkankriege
- Balkanküche
- Balkanpakt
- Balkanspiele
- Balkansprachen
- Balkan-Storchschnabel
- Balkan-Windröschen
!
Illyrer
Die indogermanischen Illyrer lebten nach den Quellen der griechischen Antike in den nordwestlich an Griechenland anschließenden Regionen (in etwa Epirus, Albanien, Montenegro, Herzegowina sowie Süd- und Mitteldalmatien, die in der Antike unter dem Namen Illyrien zusammengefasst wurden. Außerdem lebten illyrische Stämme in Pannonien und im Ostalpenraum bis zum Brenner (Breonen). Die Illyrer sind vermutlich überwiegend aus Trägern der Urnenfelderkultur hervorgegangen. Die Zugehörigkeit von ostmitteleuropäischen Kulturen (Lausitzer Kultur) zu den Illyrern ist umstritten.
Je nach den landschaftlichen Gegebenheiten bildeten Viehzucht oder Ackerbau die ökonomische Basis der eisenzeitlichen Illyrer. An der Wende vom 2. zum 1. vorchristlichen Jahrtausend dominierten noch die Hirtenkulturen. In den Gebirgsregionen des westlichen Balkans änderte sich daran wenig, während sich in den Ebenen der Feldbau durchsetzte. Die eisenzeitliche illyrische Gesellschaft war in Sippen- und Familienverbänden gegliedert. Anhand der Grabfunde ist belegbar, dass die einzelnen Stammesgebiete von Fürsten beherrscht wurden, deren Familien sich sozial deutlich von der übrigen Bevölkerung abhoben.
Seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. legten griechische Siedler Kolonien im illyrischen Siedlungsgebiet an. Durch den nicht immer friedlichen Kontakt der Illyrer zu den griechischen Städten kam es zur Übernahme griechischer Kulturelemente. Griechische Luxuswaren wurden Prestigegüter der illyrischen Eliten. In den großen und reich ausgestatteten Sippengrabhügeln im Mati-Tal (Nordalbanien) oder am Ohrid-See fanden sich zahlreiche griechische Importe.
Die verstärkten griechischen Einflüsse zeigen sich besonders in der Entstehung und im Ausbau der befestigten Höhensiedlungen zu städtischen Zentralorten (z.B. Byllis u. Berat, was mit bedeutenden Veränderungen in der Wirtschaft und der Gesellschaftsstruktur verbunden war. Städtisches Handwerk und Handel gewannen an Bedeutung und die Illyrer betrieben nun auch Seefahrt an den Küsten der Adria (Handel und Piraterie). Auf der Basis der Städte entstanden seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. kleinere Fürstentümer und es kam zu meistens recht kurzlebigen Reichsbildungen.
Für das 4. Jahrhundert v. Chr. gibt es vermehrt schriftliche Nachrichten über die Illyrer von griechischen Geschichtsschreibern. Häufig war das Königreich Makedonien in jener Zeit in Kriege mit den Illyrern und den Molossern in Epiros verwickelt. So fiel der makedonische König Perdikkas III. 359 v. Chr. im Kampf gegen die Illyrer unter König Bardyllis.
Sein Nachfolger, König Philipp II. (359-336 v. Chr.) entscheidend schlagen. Von einer Einverleibung in das Reich Alexander des Großen (336-323 v. Chr.) blieben die Illyrer jedoch verschont und im 3. Jahrhundert konnte mehrere illyrische Könige (Glaukias, Agron bedeutende regionale Herrschaften errichten.
Die Illyrer waren in dieser Zeit auch als Seeräuber berüchtigt. Deshalb unterstellten sich 229 v. Chr. die griechischen Kolonien im adriatischen Küstengebiet und auf den vorgelagerten dalmatinischen Inseln dem Schutz Roms. Im anschließenden 1. Illyrischen Krieg 229-228 v. Chr. errichteten die Römer einen Brückenkopf an der dalmatinischen Küste. Im 2. Illyrischen Krieg (etwa 218-201 v. Chr.) gelangte die Region größtenteils unter römische Herrschaft. Der letzte illyrische König Genthios, der in Shkodra residierte, wurde von den Römern 168 v. Chr. besiegt und gefangen nach Rom geführt. Die illyrischen Gebiete wurden in kleine von den Römern abhängige Klientelstaaten aufgeteilt.
Unter Caesar wurden sie schließlich in das Imperium eingegliedert. Mit dem Erreichen der Donaugrenze unter Augustus wurden die Provinzen Dalmatia und Pannonia geschaffen. Nach einem Aufstand 9 v. Chr. setzte eine intensive Romanisierung ein. Die Armee des spätrömischen Reiches bestand zu großen Teilen aus diesen romanisierten Illyrern. Mehrere römische Kaiser waren Illyrer, z.B. Claudius II. Gothicus, Aurelian, Probus, Diokletian und Constantin. Nach dem Einfall der Slawen ging die illyrische Vorbevölkerung, wie auch die Thraker, im Laufe weniger Jahrhunderte zum großen Teil in den Südslawen auf.
Illyrische Stämme
- Arbër
- Ardianer
- Breonen
- Breuker
- Chaonier
- Dalmater
- Dardaner
- Dasareter
- Enkelejter
- Eordejer
- Epiroter
- Japoden
- Japyger
- Labeaten
- Liburner
- Messapier
- Molosser
- Paionier
- Parthiner
- Penester
- Piruster
- Taulantier
- Thesproter
Illyrer und Albaner
Noch immer umstritten ist die Beziehung der antiken Illyrer zu den modernen Albanern. Da es nur sehr wenige Quellen über die illyrische Sprache gibt, ist eine Beweisführung sehr schwierig.
Vor allem erwogen werden eine direkte Abkommenschaft der Albaner von den Illyrern, aber auch eine spätere Einwanderung der Albaner in ihren heutigen Sprachraum. Am wahrscheinlichsten ist jedoch, dass die Illyrer zwar durchaus in einer Beziehung zu den heutigen Albanern stehen, aber dabei nur eines von mehreren Elementen der Ethnogenese darstellen. Mehr dazu im Artikel über die illyrische Sprache.
Viele illyrischen Stammesnamen sowie Königsnamen sind immer noch in der albanischen Sprache zu finden, die meisten dieser Namen haben eine Bedeutung in der heutigen albanischen Sprache. Allerdings geht der häufige Gebrauch altilyrischer Personennamen unter den Albanern im Wesentlichen auf die Zeit des Kommunismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück und es handelt sich keineswegs um eine ungebrochen aus der Antike bis in die Gegenwart reichende Traditionslinie. Die albanischen Kommunisten propagierten die illyrische Abstammung der Albaner und lehnten gleichzeitig offensichtliche muslimische oder christliche Namen ab. So kam es zum Rückgriff auf das altillyrische Namengut. Auch bei national gesonnenen Albanern im alten Jugoslawien erfreuten sich illyrische Vornamen seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts wachsender Beliebtheit
Illyrismus und Südslawen
Durch ihren halb legendenhaften Charakter eigneten sich die Illyrer gut als Anknüpfungspunkt für nationale Identitätsstiftung. Die Vorkämpfer der südslawischen Nationalismen im 19. Jahrhundert behaupteten, dass ihre Völker von den Illyrern abstammen. Besonders verbreitet war diese These bei den Kroaten und Slowenen. Der südslawische Illyrismus postulierte die ethnische Einheit aller Südslawen, die nur in eng verwandte Stämme untergliedert seien.
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts spielte die Illyrerthese für die südslawischen Nationalismen keine Rolle mehr.
Heute berufen sich nur die Albaner auf ihre illyrische Abstammung.
Der Illyrerbegriff in der Archäologie
Im frühen 20. Jahrhundert galten die Illyrer als Träger der Hallstattkultur. Man nahm an, dass indoeuropäisch-sprachige Illyrer ein Gebiet besiedelten, das von Ostösterreich über Serbien und Albanien bis nach Nordgriechenland reichte. Sie wurden auch mit der bronzezeitlichen Lausitzer Kultur in Verbindung gebracht, allerdings gilt insbesondere letzteres in der modernen Archäologie als nicht beweisbar.
Siehe auch
- Illyrien
- Veneter
- Nordwestblock
- Seevölker
Literatur
- Albanien. Schätze aus dem Land der Skipetaren (Ausstellungskatalog). Mainz 1988.
- Cabanes, Pierre: Les Illyriens de Bardylis à Genthios (IVe - IIe siècles avant J.-C.). (= Regards sur l'histoire. 65). Paris 1988. ISBN 2-7181-3841-6
- Cabanes, Pierre (Hrsg.): Grecs et Illyriens dans les inscriptions en langue grecque d'Epidamne-Dyrrhachion et d'Apollonia d'Illyrie. Actes de la table ronde internationale (Clermont-Ferrand, 19 - 21 octobre 1989). Paris 1993. ISBN 2-86538-241-9
- Cavallaro, Maria Adele: Da Teuta a epulo. Interpretazione delle guerre illyriche e histriche tra 229 e 177 a.C. Bonn 2004. ISBN 3-7749-3150-X
- Ceka, Neritan: Ilirët. Tiranë 2000. ISBN 99927-0-098-X
- Frommer, Hansjörg: Die Illyrer. 4000 Jahre europäischer Geschichte. Vom 3. Jahrtausend bis zum Beginn der Neuzeit. Karlsruhe 1988. ISBN 3-88190-100-0. Kommentar hier
- Lippert, Andreas (Hrsg.): Die Illyrer. Katalog zu einer Ausstellung von archäologischen Funden der albanischen Eisenzeit (12. - 4. Jh. v. Chr.) aus den Sammlungen des Archäologischen Institutes der Albanischen Akademie der Wissenschaften in Tirana und des Archäologischen Museums in Durrës. Sonderausstellung im Museum für Urgeschichte des Landes Niederösterreich, Asparn an der Zaya vom 3. April bis 30. November 2004. (= Katalog des NÖ. Landesmuseums. N.F. 448).[St. Pölten] 2004. ISBN 3-85460-215-4.
- Urso, Gianpaolo (Hrsg.): Dall'Adriatico al Danubio. l'Illirico nell'età greca e romana. Atti del Convegno internazionale, Cividale del Friuli, 25-27 settembre 2003. (=I convegni della Fondazione Niccolò Canussio. 3). Pisa 2004. ISBN 88-467-1069-X. Vgl. unten Weblinks
- Wilkes, John: The Illyrians. Oxford [u.a.] 1995. ISBN 0-631-19807-5
Eine Quelle zum kroatischen Illyrismus:
- Draskovic, Janko: Ein Wort an Iliriens hochherzige Töchter über die ältere Geschichte und neueste literarische Regeneration ihres Vaterlandes. Agram 1838.
Weblinks
- [http://www.fondazionecanussio.org/atti2003/siewiert.pdf Peter Siewert Politische Organisationsformen im vorrömischen Südillyrien. In: G. Urso (Hrsg.): Dall’Adriatico al Danubio. L’Illirico nell’età greca e romana. Pisa 2004. S. 53-61.]
Kategorie:Antike
Kategorie:Historische europäische Ethnie
Dalmatien
Dalmatien (kroatisch Dalmacija, serbisch Далмација, italienisch Dalmazia, lateinisch Dalmatia) ist eine historische Region an der Ostküste der Adria im Süden Kroatiens. Es erstreckt sich vom Gebiet um Zadar im Norden bis zur Bucht von Kotor im Süden und bis zur Grenze zu Bosnien und Herzegowina im Osten. Die wichtigsten Städte sind Zadar (das zu venezianischer und österreichischer Zeit Hauptstadt war), Split (heute die größte Stadt und das wirtschaftliche Zentrum) und Dubrovnik.
Die Bezeichnung Dalmatien besteht seit dem 1. Jahrhundert und geht auf den Namen der Delmaten (Dalmaten), eines Stammes der Illyrer, zurück.
Dieser Artikel beschränkt sich auf die heutige kroatische historische Region Dalmatien. Das Gebiet des Antiken oder Spätantiken Dalmatien weicht wesentlich vom Dalmatien der Neuzeit ab.
Geographie
Bevölkerung
Die Bevölkerung Dalmatiens konzentriert sich längs der Küste, wo auch fast alle größeren Städte liegen. Das Landesinnere ist hingegen nur dünn besiedelt.
Aufgrund seiner wirtschaftlichen Rückständigkeit war Dalmatien lange Zeit ein Auswanderungsland. Ein großer Teil der kroatischen Diaspora im Ausland stammt von hier.
Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts lagen die bevorzugten Ziele der Auswanderer in Übersee: Nordamerika, Südamerika (vor allem Chile und Argentinien), Australien und Neuseeland.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hingegen gingen viele Dalmatiner als "Gastarbeiter" nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz.
Nationalitäten
Die Bevölkerung besteht zur großen Mehrheit aus Kroaten.
Die zahlenmäßig größte Minderheit bilden die Serben, die vor dem Krieg von 1990-1995 in einem Teil des Hinterlandes Norddalmatiens (um die Stadt Knin) die Bevölkerungsmehrheit stellten. Bei der Rückeroberung dieses Gebietes durch die kroatische Armee verließ die Mehrheit der dortigen Serben das Land; im Laufe der letzten Jahre ist nur ein Teil von ihnen zurückgekehrt.
In Zadar gibt es eine kleine italienische Minderheit. Die Mehrzahl der ehemaligen italienischen Einwohner Dalmatiens ist jedoch teilweise schon nach dem Ersten, teilweise nach dem Zweiten Weltkrieg nach Italien übergesiedelt.
Außerdem gibt es in jugoslawischer Zeit zugewanderte Gruppen von Bosniaken, Albanern und Mazedoniern.
Zusammensetzung der Bevölkerung der dalmatinischen Gespanschaften nach Nationalitäten laut Volkszählung von 2001:
- Gespanschaft Zadar: 93,30% Kroaten, 3,53% Serben, 0,39% Albaner, 0,16% Slowenen, 0,16% Bosniaken
- Gespanschaft Šibenik-Knin: 88,44% Kroaten, 9,06% Serben, 0,29% Albaner, 0,13% Slowenen, 0,13% Bosniaken
- Gespanschaft Split-Dalmatien: 96,30% Kroaten, 1,19% Serben, 0,19% Albaner, 0,19% Bosniaken, 0,16% Slowenen, 0,13% Montenegriner
- Gespanschaft Dubrovnik-Neretva: 93,29% Kroaten, 1,96% Serben, 1,43% Bosniaken, 0,30% Montenegriner, 0,27% Albaner, 0,13% Slowenen
Größte Städte
Die größten Städte Dalmatiens sind (Einwohnerzahlen gemäß der Volkszählung von 2001):
#Split 188.694
#Zadar 72.718
#Šibenik 51.553
#Dubrovnik 43.770
#Kaštela 34.103
#Sinj 25.373
#Solin 19.011
#Omiš 15.472
#Knin 15.190
#Metković 15.384
#Makarska 13.716
#Trogir 12.995
#Ploče 10.834
#Trilj 10.799
#Imotski 10.213
Verwaltungsgliederung
Dalmatien ist heute in vier kroatische Gespanschaften (kroatisch županije) gegliedert. Das sind von Norden nach Süden:
Geschichte
Altertum
Gespanschaften
Die Geschichte Dalmatiens wird mit der Unabhängigkeitserklärung der Dalmaten gegenüber dem illyrischen König Gentius fassbar. Sie errichteten einen Staat mit der Hauptstadt Delminium (heute: Tomislavgrad). Das Gebiet erstreckte sich nordwärts von der Neretva bis zur Cetina und später bis zur Krka, wo es die Grenzen von Liburnien traf.
Im Jahre 156 v. Chr. wurden die Dalmaten zum ersten Mal von einer römischen Armee angegriffen und unterworfen. Sie wurden tributpflichtig, aber erst unter Augustus (31 v. Chr.-14 n. Chr.) wurde das Land annektiert, nachdem die letzte von zahlreichen bemerkenswerten Revolten durch Tiberius im Jahre 9 unserer Zeitrechnung niedergeschlagen wurde. Dem folgte die vollständige Unterwerfung und die Übernahme der lateinischen Zivilisation, welche auf ganz Illyrien übergriff.
Die römische Provinz Dalmatien umfaßte seinerzeit nahezu das gesamte heutige Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro.
Bedeutende dalmatische Städte zur Zeit des Römischen Reiches waren:
- Aspalathos (Split)
- Tarsatica (Trsat, heute Stadtteil von Rijeka)
- Senia (Senj)
- Vegium (Karlobag)
- Aenona (Nin)
- Iader (heute Teil der Stadt Zadar)
- Scardona (Skradin, nördlich von Šibenik)
- Tragurium (Trogir)
- Aequum (Čitluk in der Nähe von Sinj)
- Oneum (Omiš, südlich von Split)
- Issa (Vis)
- Pharus (Hvar)
- Bona (Blagaj)
- Corcyra (Korčula)
- Narona (nahe der heutigen Stadt Metković)
- Epidaurus (Cavtat südlich von Dubrovnik)
- Rhizinium (Risan)
- Acruvium (Kotor)
- Dulcigno (Ulcinj)
- Scodra (Shkodër)
Nach dem Ende des weströmischen Reiches wurde Dalmatien 481 von Odoaker erobert und fiel nach dessen Tod bis 535 unter die Herrschaft des gotischen Königs Theoderich. Die Gotenherrschaft endete als Justinian I. Dalmatien Ostrom einverleibte.
Mittelalter
Die große Wanderung der Slawen in die römischen Provinzen Illyrien und Dalmatien in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts war ein weiterer Wendepunkt in der Geschichte des Landes:
während in anderen Teilen des Balkans die Invasoren keine Schwierigkeiten hatten, die Urbevölkerung zu vertreiben oder einzugliedern, trafen sie hier auf mächtige maritime Stadtstaaten. Während also die anderen Bereiche durch die Slawen besiedelt wurden, zog die lateinische Bevölkerung in die Schutz bietenden großen Städte wie Ragusa (dem heutigen Dubrovnik), Jadera (heute Zadar) oder andere, wo sich auch noch lange romanische Idiome halten konnten, die in der modernen Romanistik als dalmatische Sprache bezeichnet werden.
Die Herrschaft Ostroms über Dalmatien (535-1102) blieb nach der slawischen Einwanderung - abgesehen von der Oberhoheit über die Küstenstädte - nur noch nominell bestehen.
Mit der Zeit entwickelte sich der Handel zwischen der Bevölkerung in den Städten und der in Stadtnähe angesiedelten Bevölkerung. Es kam allmählich zu einer Vermischung der Bevölkerung, so daß die Slawen zunehmend in den Städten siedelten und diese dadurch zunehmend ihre romanischen Merkmale verloren.
Im Hinterland der Küste entstanden in den folgenden Jahrhunderten mehrere slawische Staaten: In Nord- und Mitteldalmatien des Kroatische Königreich, im Gebiet der Neretva-Mündung der Staat Paganien der Narentaner (Neretvani) und weiter südlich im Hinterland von Dubrovnik in der heutigen Herzegowina die Fürstentümer Hum und Travunien. Während Kroatien schon früh christianisiert wurde, blieben die Narentaner noch längere Zeit heidnisch.
Ab ca. dem Jahre 800 gibt es gesicherte Nachrichten über das kroatische Fürstentum im nördlichen und mittleren Dalmatien.
806 wurde Dalmatien dem Heiligen Römischen Reich zugeschlagen. 829 plünderten Sarazenen die Küste. Eine Republik slawischer Piraten entstand an der Mündung der Neretva, denen es gar gelang, 887 eine Flotte Venedigs vernichtend zu schlagen und bis zu ihrer Vernichtung durch den Dogen Pietro II. Orseolo 998 Tribut von Venedig selbst einzufordern. Mit diesem Sieg nahm der Doge den Titel Fürst von Dalmatien an.
Der kroatische Fürst Mislav (835-845) verlegte seine Hauptresidenz nach Klis in der Nähe von Split. Fürst Trpimir (845-864) rief den Benediktiner- Orden ins Land und bot dem in Franken verfolgten Gottschalk von Orbais Zuflucht an seinem Hof. Fürst Domagoj (876-874) kämpfte so intensiv gegen Venedig, daß ihn Byzanz in dessen Besitz sich Venedig seinerzeit befand, versuchte durch eine Verschwörung zu beseitigen. Dem Fürsten Branimir (879-892) zahlen die romanischen Städte in Dalmatien Tribut, die bis dahin den Tribut an Byzanz zahlten. Nach der Niederlage bei Makarska im Jahr 887 (bei der der Doge Pietro Candiano fiel) zahlten die Venezianer Abgaben für die Passage entlang der kroatischen Küste. Fürst Branimir erhielt vom Papst Johannes VIII. am 7. Juni 879 die Anerkennung über die "weltliche Macht" über Dalmatien. Unter König Tomislav (910-928) wurde Kroatien zu einem Königreich.
Das Fürstentum Travunien dagegen fiel in den Einflussbereich der serbischen Groß-Župane der Vlastimirić. In Hum wiederum herrschte die heimische Dynastie der Višević.
Währenddessen erweiterten die Könige von Kroatien ihre Herrschaft über das nördliche und mittlere Dalmatien, forderten Tribut von den romanischen Städten wie Zadar ein und konsolidierten ihre eigene Macht in den kroatischen Städten.
Im Küstengebiet Norddalmatiens verbreitete sich - von den ehemals byzantinischen Inseln des Kvarner ausgehend - die slawische Liturgie mit kirchenslawischer Sprache und glagolitsicher Schrift, so dass sich hier einer der wenigen Fälle ergab, in denen in der Römisch-katholischen Kirche nicht Latein als Liturgiesprache verwendet wurde. Dieser Zustand wurde zwar lange Zeit nicht offiziell anerkannt; die Synode von Split 1059 forderte, dass die Liturgien auf Latein oder Griechisch zu halten seien. In der Praxis bestand die slawische Liturgie jedoch fort.
1100 kam Kroatien durch eine Entscheidung der Adeligen in Personalunion zur ungarischen Krone. Im Jahr 1102 krönte sich der ungarische König Koloman in Biograd zum kroatischen König.
Der byzantinische Kaiser Manuel I. Komnenos erzwang noch einmal die Herrschaft über Dalmatien und die Vasallitätsverhältnisse in Kroatien und Serbien, doch im Jahr 1186 schlossen Byzanz und das Königreich Ungarn einen Friedensvertrag, in dem Byzanz den Verzicht auf Kroatien und die dalmatinischen Städte erklärte.
In den dalmatinischen Städten entwickelte sich im Laufe des Mittelalters eine im übrigen östlichen Europa einmalige Synthese aus romanischer und slawischer Kultur.
Im 12. Jahrhundert ist Dalmatien häufigen Angriffen Venedigs ausgesetzt. Besonders Zadar, das neben Zagreb der Hauptsitz des kroatischen Ban ist.
Im Jahr 1241 flieht der ungarische König Bela vor den Mongolen nach Dalmatien. Auf dem Grobnik-Feld (Grobničko polje) nahe der Stadt Rijeka wurden die Mongolen nach kroatischer Überlieferung schließlich 1242 von kroatischen Truppen geschlagen. Die Mongolen zogen jedenfalls südwärts, plünderten Dubrovnik, und fielen in Serbien und Bulgarien ein. Danach zogen sich die Reste der einstmalig mächtigen Mongolen nach Russland und weiter nach Asien zurück.
Ein Raubzug der Normannen 1073 konnte nur mit Mühe und der Hilfe der venezianischen Flotte aufgehalten werden.
Unfähig dem Sturm der Zeiten alleine zu widerstehen, ohne den Schutz Ostroms und durch die internen Querelen daran gehindert, ein Verteidigungsbündnis zu errichten, bitten die Stadtstaaten Venedig und Ungarn um Unterstützung. Die Venezianer waren im Gegensatz zu den Ungarn nicht an der territorialen Ausbreitung ihres Landes interessiert, sondern wollten lediglich das Aufblühen einer konkurrierenden politischen oder wirtschaftlichen Macht an der östlichen Adriaküste verhindern, und halfen deswegen großzügig.
Doch auch Ungarn hatte seine Unterstützer - was hier wirtschaftlich zu begründen ist: wie in fast allen Stadtstaaten entstanden auch hier zwei entgegengesetzte Parteien, die kaum zu einander fanden.
Während die Bauern und Binnenhändler eher zu dem mächtigen Nachbar Ungarn standen, warben die seefahrenden Händler um die Unterstützung durch Venedig.
Viele der Städte zahlten somit faktisch Tribut an eine der beiden Mächte, doch hielten sie stets an ihre Stadtrechte fest. Selbst nachdem 1102-1105 Koloman von Ungarn König von Kroatien und Dalmatien geworden war, wurden die Rechte der Städte bestätigt:
- sie wählten ihre eigenen Magistrat, Bischof und Richter;
- das römische Recht blieb in Kraft;
- sie durften gar weiterhin eine eigene 'Außenpolitik' führen';
- kein Fremder, nicht einmal ein Ungar, durfte sich in einer Stadt niederlassen, ohne willkommen zu sein;
- derjenige, der die ungarische Herrschaft ablehnen, konnte jederzeit mit seinem gesamten Besitz auswandern;
- die Zolleinkommen wurden zwischen dem Ungarischen König, dem Magistratsherren, dem Bischof und der Bürgerschaft aufgeteilt.
Die Venezianer boten den Städten, die zu ihnen gehörten, prinzipiell dieselben Freiheiten und Rechte.
Nicht überraschend blieben die weiterhin sehr eigenwilligen dalmatinischen Städte ihren Herren nur treu, wenn es ihnen passte, und es kam häufig zu Aufständen. Zwischen 1180 und 1345 kam es sogar in Zara zu vier Aufständen, obwohl die Stadt durch ihre venezianischen Herren mit besonderer Obacht behandelt wurde, da diese den Besitz der Stadt als grundlegend für ihren maritimen Aufstieg betrachteten. Die Verbreitung der bogomilen Häretiker, die Konkurrenz zwischen Venedig und Ungarn und die vagen, fast in Vergessenheit geratenen Ansprüche Ostroms trugen nicht zum Frieden in der Region bei.
1202 unterstützte Dalmatien die Armee Venedigs im Vierten Kreuzzug. 1242 brachen Tartaren in das Land ein.
In Süden Dalmatiens und im Hinterland Dubrovniks festigte sich unterdessen die Herrschaft serbischer Könige. Der Archont von Dioklitien Mihailo Vojisavljević bekam vom Papst Gregor VII. 1077 die Königsinsignalien und wurde damit der erste gekrönte König von Serbien. In sein Machtbereich fiel das südliche Dalmatien bis an Makarska, ausgenommen Dubrovnik. Seine Nachfolger nannten sich Könige von Dioklitien und Dalmatien. Mit Stefan Nemanja begann 1167 die Ära der Nemanjiden, der bedeutendsten serbischen Herrscherdynastie des Mittelalters. Die Nemanjiden herrschten über Dioklitien, Hum, Travunien, und den Süden Dalmatiens.
Um 1323 machte sich in Hum der lokale Adel der Branojević selbstständig, der mit Dubrovnik befehdet war. Da die Hilfsgesuche an den serbischen König Stefan Dečanski erfolglos blieben, wandte sich der Senat von Dubrovnik an den bosnischen Ban Stefan II. Kotromanić. Dieser begann nun einen Feldzug gegen die Branojević, schlug diese und annektierte Hum 1326. Mit dieser Eroberung gewann das mittelalterliche Bosnien erstmals einen Zugang zum Meer.
Der serbische Zar Stefan Dušan versuchte zwar, Hum zurück zu gewinnen, doch richteten sich seine Ambitionen überwiegend gegen Byzanz. Weswegen er gute diplomatische Beziehungen zu Dubrovnik suchte, und der Republik 1333 alle dalmatinischen Besitzungen nördlich von Dubrovnik bis zur Mündung der Neretva überließ.
Im Norden Dalmatiens übertraf die Macht gewisser kroatischer Magnaten - insbesondere der Grafen von Bribir - gar diejenige Ungarns. Stephan Tvrtko begründete das bosnische Königreich und annektierte 1389 die gesamte adriatische Küste zwischen Cattaro (heute Kotor in Montenegro) und Fiume (heute Rijeka), abgesehen von dem venezianischen Zara und seinem unabhängigen Alliierten Ragusa.
Ladislaus von Anjou verkaufte im Jahr 1409 Dalmatien für 100.000 Dukaten an Venedig.
Als schließlich die Macht Bosniens und sogar Ungarns durch den Ansturm der Türken zerbrach, konnte Venedig einen leichten Sieg feiern: 1420 war abgesehen von Almissa (dieses erst 1444) und Ragusa (das seine Unabhängigkeit wahrte) ganz Dalmatien gefallen. Da die neue Herrschaft Frieden versprach, hießen viele Städte den Wechsel willkommen.
Kurz herrschte Frieden im Land, doch die Türken zogen weiter vorwärts. Konstantinopel fiel 1453, Serbien 1459, Bosnien 1463 und die Herzegowina 1483. Die Grenzen Venedigs und des Osmanischen Reiches trafen aufeinander und die Zeit der so genannten Türkenkriege begann.
Frühe Neuzeit
Dubrovnik (Ragusa) suchte Schutz in der Freundschaft mit den Invasoren. Nachdem 1508 Venedig seine Truppen nach Hause abzog und Ungarn 1526 sich mit Dalmatien überwarf, eroberten die Türken mit Leichtigkeit den größten Teil Dalmatiens.
Der Friede von 1540 ließ Venedig nur wenige Küstenstädte, während der Rest zu einer türkischen Provinz unter der Leitung eines Schanjakbegam - eines Verwalters mit militärischem Oberbefehl - von der Festung Klis (Clissa) aus regiert wurde.
Allein Dubrovnik (Ragusa) hat im Verlauf der Jahrhunderte dank seiner unangetasteten Autonomie, seiner Politik und Diplomatie, seinem Handel, seiner Seefahrt und seiner Kultur nichts von seinem Glanz eingebüßt.
Im 16. Jahrhundert war die Handelsflotte Dubrovniks die drittgrößte im Mittelmeer und bestand aus über 300 Schiffen.
Kroaten aus dem umliegenden Land zogen nun in die Städte und bildeten bald schon den größten Teil ihrer Bevölkerung.
Die Piratengemeinschaft der Uskoken bildeten sich ursprünglich aus diesen Flüchtlingen. Deren Taten führten zu einer Wiederauflage des Krieges zwischen Venedig und den Türken von 1571-1573.
Ein Bericht eines venezianischen Agenten malt ein überraschendes Bild dieser Kämpfe: der Krieg erinnert sehr an einen mittelalterlichen Ritterroman, voll von Einzelkämpfen, Turnieren und anderen ritterlichen Abenteuern. Sie zeigen auch deutlich, dass die dalmatinischen Söldner die italienischen in Mut und Fähigkeiten übertrafen. Viele dieser Truppen dienten außerhalb, etwa in Lepanto (heute Naupaktos), als 1571 eine dalmatinische Schwadron die alliierte Flotte der Spanier, Venedigs, Österreichs und des Kirchenstaates beim Sieg gegen die türkische Marine unterstützten.
Ein neuer Krieg brach 1645 aus, und dauerte - mit Unterbrechungen - bis 1699 an, als der Frieden von Karlowitz (Sremski Karlovci) ihn beendete. Der Friedensvertrag gab Dalmatien an Venedig, einschließlich der Küste der Herzegowina aber ohne Dubrovnik und das umgebende Land, welches durch das Osmanische Reich beschützt wurde.
Die Venezianer überließen den besetzten kroatischen Städten zwar eine gewisse Autonomie, jedoch mussten die Oberhäupter der Städte venezianische Adelige sein.
Unter venezianischer Herrschaft wurde erstmalig auch eine antikroatische Politik geführt: Bürgern der Stadt Zadar war es beispielsweise verboten, Ehen mit Kroaten einzugehen.
Venedig machte über seine Abgaben- und Zollpolitik und massives Abholzen der dalmatinischen Wälder großen Profit, ohne an einem ernsthaften Fortschritt der Region interessiert zu sein. Die Stadt Venedig steht zu einem großen Teil auf Baumstämmen aus Dalmatien, die venezianische Flotte verschlang ebenfalls Unmengen von Holz. Die teilweise vegetationslosen Karstbereiche Istriens und Dalmatiens entstanden größtenteils durch den Raubbau der Venezianer.
Einzig der katholische Glaube verband die Kroaten mit den Venezianern. Die oligarchische und kolonialistische Politik Venedigs führte zu Widerstand und Aufständen. Der größte Aufstand fand im Jahr 1510 unter der Führung von Matija Ivanić auf der Insel Hvar statt. Die Uskoken bekämpften die Venezianer zu Lande mit Guerilla-Taktiken, zur See mit Piraterie.
Nach weiteren Kämpfen wurde der Friede 1718 durch den Vertrag von Passarowitz wiederhergestellt, in welchem Österreich-Ungarn in Dalmatien auf den Plan trat.
Erst die Truppen Napoleon Bonapartes beendeten während seiner kurzen Regierungszeit die Herrschaft Venedigs über den Großteil Dalmatiens.
19. Jahrhundert bis 1918
Nach dem Untergang der Republik Venedig 1797 fiel Dalmatien im Vertrag von Campo Formio an Österreich. Die Republiken Ragusa und Poglizza behielten ihre Unabhängigkeit, und die Bedeutung Ragusas wuchs durch seine Neutralität in den Napoleonischen Kriegen.
Mit dem Frieden von Pressburg 1805 kam das Land an Frankreich und bildete einen Teil seiner Illyrischen Provinzen. Die Besetzung wurde durch Russland in Frage gestellt, welches die Bucht von Cattaro besetzte und die Unterstützung Montenegros gegen die Franzosen gewann. Nach dem Wiener Kongress 1814/15 fiel der gesamte Landstrich an Österreich zurück.
In der Folge war Dalmatien ein Kronland der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Nach dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich, als Kroatien an die ungarische Reichshälfte fiel, blieb Dalmatien in der österreichischen, was in Kroatien heftige Proteste auslöste. Sowohl Kroaten als auch Deutschnationale agitierten für einen Zusammenschluss mit Kroatien (letztere um die deutschsprachige Mehrheit in der westlichen Reichshälfte zu zementieren).
Alle Pläne, insbesondere des Erzherzogs Franz Ferdinand, zusammen mit Bosnien einen dritten, südslawischen Reichsteil zu gründen wurden durch den Ersten Weltkrieg zunichte gemacht. Die Ermordung des Erzherzogs in Sarajewo hing nicht zuletzt mit diesen Plänen zusammen, die den Traum eines vereinigten Südslawenstaates unter serbischer Führung untergraben hätten.
Im Jahr 1900 hatte das Königreich Dalmatien 12.835 km² und 610.000 Einwohner.
Jüngste Geschichte
Nach Beendigung des Ersten Weltkrieges kam Dalmatien im Jahre 1918/1919 größtenteils zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (ab 1929 Königreich Jugoslawien), die Stadt Zadar und die Insel Lastovo jedoch zu Italien.
Verwaltungsmäßig bildete Dalmatien innerhalb des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen zunächst eine eigene Provinz. Nach der Auflösung der historischen Provinzen durch die Verfassung von 1920 wurde es in zwei Verwaltungsbezirke (oblasti) mit Verwaltungssitzen in Split und Dubrovnik aufgeteilt. Durch die Neugliederung Jugoslawiens in 9 Banschaften (Banovine) nach dem Staatsstreich König Alexanders I. im Jahre 1929 wurde aus dem nördlichen und mittleren Dalmatien zusammen mit der westlichen Herzegowina die Küstenbanschaft (Primorska Banovina) mit Verwaltungssitz Split. Das süddalmatinische Gebiet um Dubrovnik wurde zusammen mit Montenegro, der östlichen Herzegowina und einem Teil des Kosovo in der Zeta-Banschaft (Zetska Banovina) mit Verwaltungssitz Cetinje (in Montenegro) zusammengefasst. Diese Abtrennung Dubrovniks vom übrigen Dalmatien und sein Anschluss an einen serbisch dominierten Verwaltungsbezirk führte zu Protesten der kroatischen Bevölkerung, blieb jedoch bis 1939 bestehen. Durch das Abkommen zwischen der jugoslawischen Regierung und der Kroatischen Bauernpartei von 1939 wurde dann ganz Dalmatien (abgesehen vom italienischen Zadar und der Bucht von Kotor) Teil der neugeschaffenen autonomen Banschaft Kroatien (Banovina Hrvatska).
Im Zweiten Weltkrieg wurden 1941-1943 große Teile des Küstengebietes einschließlich der Städte Split und Šibenik und der vorgelagerten Inseln von den faschistischen Truppen Mussolinis italienisch besetzt, während der Rest Dalmatiens zum mit den Achsenmächten verbündeten "Unabhängigen Staat Kroatien" kam.
Unmittelbar nach der Annexion Dalmatiens begannen die italienischen Faschisten mit antikroatischen Maßnahmen: Kroatische Beamte wurden entlassen und deren Posten mit Italienern Besetzt. Die Zuwanderung von Italienern wurde gefördert.
Auf den Inseln Rab und in Molat wurden von den italienischen Faschisten Konzentrationslager errichtet.
Schikanöse Anordnungen der neuen Herrscher, Italianisierungsmaßnahmen und sonstiger nationalistischer Terror führten dazu, daß die dortigen Kroaten sich zunehmend der antifaschistischen Bewegung und den Tito-Partisanen anschlossen.
Mit dem Sieg der Partisanen über die Achsenmächte 1944/1945 kam ganz Dalmatien zur kroatischen Teilrepublik innerhalb Jugoslawiens. Die Bucht von Kotor blieb jedoch auf Dauer aus Dalmatien ausgegliedert und wurde Montenegro angeschlossen.
Ende der sechziger Jahre begann sich die Tourismusindustrie in Dalmatien zu entwickeln. Jedoch blieb nur ein kleiner Teil der erwirtschafteten Gewinne in Dalmatien. Wirtschaftlich blieb die Region weiterhin unterentwickelt. Nach der Niederschlagung des kroatischen Frühlings 1971 wurde von der kommunistischen Partei Jugoslawiens beschlossen, den Bau der für die Infrastruktur Dalmatiens wichtige Autobahnverbindung von Zagreb (und somit Westeuropa) nach Split zu stoppen.
Seit dem Zerfall Jugoslawiens 1991/1992 gehört Dalmatien zur unabhängigen Republik Kroatien.
Während der Krieges in Kroatien kam der Tourismus in den Jahren 1991 und 1992 nahezu zum erliegen. Zahlreiche Hotels wurden zu Flüchtlingslagern für die zeitweilig bis zu 460.000 von serbischen Freischärlern und der JNA vertriebenen Kroaten und Bosniaken umfunktioniert. Andererseits flohen 1995 angesichts der Militäroperation Oluja an die 92.000 Serben in den serbisch kontrollierten Teil Bosnien und Herzegowinas oder nach Serbien. Ihre Rückkehr nach Dalmatien wird hauptsächlich durch lokale Stellen immer noch erschwert.
Seit der Reintegration der ehemals serbisch besetzten Gebiete Kroatiens im Jahr 1995 wurde die verkehrstechnische Anbindung Dalmatiens kontinuierlich ausgebaut. Im Jahr 2004 wurde die Autobahnverbindung von Zagreb nach Split fertiggestellt, der weitere Ausbau bis Dubrovnik ist bis zum Jahr 2007 geplant.
Siehe auch
- die Hunderasse Dalmatiner
Weblinks
- [http://92.1911encyclopedia.org/D/DA/DALMATIA.htm Encyclopaedia Britannica von 1911] (der Abschnitt zur Geschichte Dalamtiens in diesem Artikel entspricht nicht dem heutigen Forschungsstand)
- [http://www.newadvent.org/cathen/04606b.htm Catholic Encyclopedia, eng.]
- [http://www.euratlas.com/big/big0400.htm Landkarte Europas im 4. Jahrhundert]
Kategorie:Region
Kategorie:Historisches Territorium
Kategorie:Historische Landschaft
Kategorie:Geographie (Kroatien)
Kategorie:Kroatische Geschichte
ja:ダルマチア
Spätantike, Türkei, (Baubeginn 325, Neubau unter Justinian I.). Die Minarette wurden erst nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken 1453 hinzugefügt]]
Spätantike ist eine moderne Bezeichnung für die Epoche der Mittelmeerwelt im Übergang von der Antike zum Mittelalter; der Begriff selbst wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom österreichischen Kunsthistoriker Alois Riegl geschaffen. Auch wenn die zeitliche Abgrenzung der Spätantike in der Forschung umstritten ist, gilt als Beginn dieser Übergangsepoche meist der Regierungsantritt des römischen Kaisers Diokletian 284 n. Chr. Das Ende ist Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion. Als grober Rahmen kann gelten: Im Westen des römischen Reiches dauert die Spätantike mindestens bis zur Ablösung des letzten Kaisers Romulus Augustulus im Jahre 476, eher aber bis zum Einfall der Langobarden in Italien (568). Im Osten reicht die Epoche bis etwa zum Tod des oströmischen Kaisers Justinian I. 565 n. Chr. bzw. bis zur arabischen Expansion (ab 632).
Die Spätantike bildet einen relativ eigenständigen Zeitraum des Altertums, der zwar nicht mehr der klassischen Antike angehört, aber auch noch nicht dem Mittelalter zugerechnet werden kann. Sie ist durch ein Nebeneinander von antiken Traditionen und christlich-germanischer Überformung gekennzeichnet. Statt wie früher von einem Niedergang, sollte für die Jahre von ca. 300 bis 600 eher von einer Transformation des antiken Erbes gesprochen werden. Ein herausragendes Ereignis dieser Epoche stellt der Siegeszug des Christentums und damit verbunden der langsame Niedergang heidnischer Traditionen dar. Auch in der Kunst und der Literatur entsteht durch die Ablösung klassisch römischer durch christlich geprägte Formen und Themen ein eigener, charakteristischer Stil.
Die Spätantike steht außerdem unter den Zeichen der Reformierung von Heer und Verwaltung durch Diokletian und Konstantin den Großen, der Zementierung der sakralen Stellung des Kaisers, der Völkerwanderung und in deren Folge schließlich der Transformation des westlichen Teils des römischen Reiches in jene germanisch-romanische Welt, die das westliche Mittelalter prägen sollte.
Zeitliche Abgrenzung
Allgemeines
Die zeitliche Abgrenzung der Spätantike ist – wie Epocheneinschnitte allgemein – Gegenstand der geschichtswissenschaftlichen Diskussion und bis zu einem gewissen Grad willkürlich gesetzt. Die Jahrhunderte zwischen Diokletian und Mohammed stellen eine Übergangsepoche dar, bei der es schwerfällt, eindeutige Schnitte zu setzen. Nicht alle Forschungsrichtungen gewichten die verschiedenen politik-, kunst-, kultur- und religionshistorischen Faktoren des allmählichen Wandels gleich. Zudem gibt es erhebliche regionale Unterschiede, im östlichen Mittelmeerraum hielten sich antike Strukturen fraglos länger als etwa am Rhein oder in Britannien. Für den Beginn wird meist das Jahr 284 n. Chr. (Herrschaftsantritt Diokletians) angegeben, aber auch die Zeit Konstantins mit ihrer religiösen Neuorientierung kann als entscheidender Einschnitt gelten. Hingegen ist das Ende der Spätantike weitgehend offen, da je nach Lehrmeinung und Forschungsinteresse verschiedene Ansätze möglich sind.
Die Frage nach dem „Ende der Antike“
Früher wurde für das Ende der Spätantike oft ein Einschnitt mit dem Ende des römischen Reiches im Westen 476 n. Chr. gesetzt (so vor allem die ältere Lehrmeinung, beispielsweise Otto Seeck, anders dagegen bereits Ernst Kornemann und auch Adolf Lippold). Diese Vorstellung lässt sich in den Quellen, etwa bei Marcellinus Comes, aber erst gut 40 Jahre später fassen. Es erscheint heute als mehr als fraglich, ob die damaligen Menschen dieses Jahr ebenfalls als Zäsur begriffen haben: Es gab zwar in Ravenna keinen Kaiser mehr, aber dies bedeutete nur, dass die Herrschaftsrechte im Westen nun auf den oströmischen Kaiser übergingen - und noch Justinian I. hat diese Ansprüche dann auch tatsächlich verwirklichen wollen. In der neueren Forschung wird dem Jahr 476 daher nicht mehr so viel Gewicht beigemessen wie früher.
476
Sehr vereinzelt wird heute schon die Reichsteilung nach dem Tod des römischen Kaisers Theodosius I. im Jahre 395, meist aber erst das Ende der Regierung Justinians I. im Jahre 565 als entscheidende Zäsur gewählt. Justinian stand noch klar in der Tradition der antiken römischen Kaiser, was unter anderem in seiner universalen Herrschaftsauffassung deutlich wird; er betrieb gar eine Politik, die auf die Wiederherstellung des Reiches in seinen alten Grenzen abzielte (Restauratio imperii), was in Teilen sogar kurzfristig gelang. Der letzte große Zug der spätantiken Völkerwanderung, der Einfall der Langobarden in Italien, erfolgte 568, nur drei Jahre nach Justinians Tod, so dass die 560er Jahre für den ganzen Mittelmeerraum einen deutlichen Einschnitt markieren. Damit ergeben sich als die derzeit gängigste Begrenzung der Epoche also die Jahre 284 bis 565.
Nicht wenige Historiker setzen das Ende der Epoche aber deutlich später an, und zwar mit dem Einbruch der Araber in den Mittelmeerraum (siehe auch so genannte Pirenne-These). Dass die Kontakte zwischen Ostrom und dem Westen noch zu Beginn des siebenten Jahrhunderts recht eng waren, wird heute nicht mehr bestritten. Das letzte antike Monument auf dem Forum Romanum ist die Säule des oströmischen Kaisers Phokas (602-610).
Unabhängig davon, dass Pirennes Annahme, erst islamische Seeräuber hätten die antike "Einheit der Mittelmeerwelt" zerstört, heute als widerlegt gilt, stellt die arabische Expansion zumindest für das Oströmische Reich einen massiven Einschnitt dar, da das Imperium nun im wesentlichen auf Kleinasien und den Balkan beschränkt war und sich unter dem äußeren Druck auch im Innern vieler antiker Traditionen entledigte. Erst unter Kaiser Herakleios (610-641) endete damit die spätrömische Phase des Oströmischen Reiches, dessen Reste sich dann in das mittelalterliche Byzanz verwandelten.
Insgesamt herrscht im anglo-amerikanischen Raum die Tendenz vor, das Ende der Antike frühestens mit dem Ende der Herrschaft Justinians anzusetzen, so etwa Averil Cameron und John B. Bury (etwas eigenwillig Arnold Hugh Martin Jones 602 mit dem Tod des Kaisers Maurikios). Der letzte Band der neuen "Cambridge Ancient History" behandelt die Jahre 425 bis 600. Und auch im deutschsprachigen Raum ist man allgemein davon abgerückt, weiter am künstlichen Epochenjahr 476 festzuhalten (siehe etwa Alexander Demandt, Heinz Bellen, Jochen Martin oder Hartwin Brandt), und bevorzugt nun zumeist 565.
Doch eine Ausweitung der Epoche bis 632 erscheint sinnvoll und setzt sich zunehmend durch, da zumindest für Ostrom erst der Einfall der Araber (siehe dazu Islamische Expansion) den entscheidenden Einschnitt markierte. Die arabischen Truppen eroberten dabei nicht nur den römischen Orient, sondern vernichteten auch das Neupersische Reich der Sassaniden, das die gesamte Spätantike hindurch als zweite Großmacht neben Rom ein bedeutender Machtfaktor gewesen war und von manchen Althistorikern (so etwa Josef Wiesehöfer, Erich Kettenhofen, Zeev Rubin oder Michael Whitby) in die Erforschung der Epoche miteinbezogen wird.
Auch im Westen muss man die Zeit Theoderichs des Großen wohl eher zur Antike als zum Mittelalter zählen, sodass es fast unmöglich ist, ein exaktes Datum festzulegen. Bis zum Langobardeneinfall lässt sich antike Kultur in Italien nachweisen; der weströmische Senat verschwindet erst gegen Ende des sechsten Jahrhunderts aus den Quellen. In ähnlicher Weise knüpften auch die frühen Merowinger an das antike Erbe an; bereits Chlodwig legte Wert auf römische Ehrentitel. Man muss so von einer Übergangsphase sprechen, die je nach Region unterschiedlich lange andauerte, wenn man auch leicht der Versuchung erliegen kann, das Mittelalter sehr spät anzusetzen - in Gallien waren der Übergang der Franken zum Christentum unter Chlodwig und seinen Nachfolgern, in Italien der Einfall der Langobarden insgesamt betrachtet die Anfänge des Mittelalters in diesen Regionen. Das Problem lässt sich auch umkehren: So greifen auch viele Mediävisten, die sich mit dem Frühmittelalter beschäftigen (etwa Friedrich Prinz, Hans-Werner Goetz, Patrick Geary, Herwig Wolfram und andere) rückwärts auf die Spätantike zurück, um die Veränderungen im frühen Mittelalter zu erklären.
Die Problematik liegt letztlich darin begründet, dass die Spätantike eine Epoche des Um- und Aufbruchs war, wobei einerseits noch eine Kontinuität zur Antike gegeben war, und andererseits sich bereits die Welt des Mittelalters abzeichnete, die mit der Spätantike vor allem eines verband: die Verklammerung der Gesellschaft durch die christliche Kirche. Kulturell kann als wichtiger Unterschied zur späteren Zeit der in der Spätantike noch vorhandene Zugriff auf die klassischen Traditionen gelten. Noch im sechsten Jahrhundert blühte die spätantike, an klassischen Vorbildern orientierte Literatur (Boëthius, Cassiodor, Corippus, Prokopios von Caesarea, Agathias). Die mittelalterliche Welt mit ihrer weitaus geringeren Arbeitsteilung verfügte dann nicht mehr über die Kapazität, die klassische Bildung völlig zu bewahren - der größte Teil der antiken Literatur ging im Westen nach etwa 600 verloren.
Die Existenz von Byzanz in einer „intakten Spätantike“
Das oströmische bzw. byzantinische Reich existierte in einer relativ intakten 'Spätantike' bis zum Fall Konstantinopels 1453, da es im Osten zu keinem derart radikalen Bruch der antiken Tradition gekommen war wie im Westen. Die Byzantinistik bezeichnet daher etwa den gleichen Zeitraum, der auf dem Boden des weströmischen Reichs als Spätantike gilt, in Ostrom auch als "frühbyzantinisch". Für den Osten des Imperiums sind beide Begriffe mithin praktisch gleichbedeutend.
Allerdings sind auch in Ostrom die Unterschiede zwischen den Zuständen im vierten bis sechsten Jahrhundert und der folgenden mittel- und spätbyzantinischen Zeit erheblich. Im Ostreich ist dabei neben der arabischen Expansion auch die endgültige Verdrängung der lateinischen Amtssprache durch das Griechische unter Kaiser Herakleios als signifikanter Einschnitt zu betrachten.
Herakleios
Die Angriffe der Araber führten in Ostrom zudem zum Untergang der spätantiken senatorialen Aristokratie und zu einem erheblichen Rückgang an antiker Bildung; überdies brachte der weitgehende militärische und ökonomische Zusammenbruch des Reiches nach 636 auch das endgültige Ende der klassischen Städte (Poleis), die seit der Archaik den Mittelmeerraum geprägt hatten, mit sich. Die Entwicklung der byzantinischen Themenordnung schließlich bedeutete auch im administrativen Bereich einen deutlichen Bruch mit der spätantiken Tradition.
Quellensituation und Forschungsstand
Quellen
Die Quellenlage für die Spätantike ist wohl die beste des gesamten Altertums, vor allem aufgrund der recht reichhaltigen „monumentalen“ Quellen. Allerdings verfügen wir über keine durchgehende Historiografie; vor allem für das 5. Jahrhundert lassen uns die Quellen recht oft im Stich. Im Folgenden werden nur einige bekanntere Beispiele genannt; relativ detailliert geht A.H.M. Jones auf die Quellen ein, ansonsten sei auf die entsprechenden Quellenverzeichnisse der in der Bibliographie aufgeführten Werke hingewiesen.
Die wichtigste lateinische erzählende Quelle ist Ammianus Marcellinus (4. Jahrhundert), und auch die griechischen Werke des Prokopios von Caesarea (6. Jahrhundert) sind eine hervorragende Quelle für die ausgehende Antike. Dem folgen mit weitem Abstand der sehr subjektiv berichtende Heide Zosimos und mehrere Kirchengeschichten (wie die des Eusebius, des Evagrius Scholasticus, des Theodoret, des Socrates Scholasticus, des Sozomenos und anderer) sowie die Werke des Ambrosius und des Augustinus. Hinzu kommen unter anderem Jordanes, Agathias, Menander Protektor, Theophylakt Simokattes, Gregor von Tours und die Werke und Fragmente anderer Historiker, unter denen Priscus der wichtigste ist; daneben sind auch die (wenigen) Fragmente aus den Werken des Eunapios von Sardes und des Olympiodoros von Theben zu beachten.
In der Spätantike entstanden auch mehrere Chroniken, die zum Teil wichtige Informationen liefern (beispielsweise Marcellinus Comes, Johannes Malalas). Des Weiteren sind Reden wie die des Libanios, des Synesios von Kyrene, des Quintus Aurelius Symmachus und des Themistios sowie eine Fülle von Urkunden (der beste Bestand aus der Antike) von Bedeutung. Für die ausgehende Spätantike in Gallien sind die Briefe und Lobreden des Sidonius Apollinaris eine wichtige Quelle. Die Notitia dignitatum (eine Art Staatshandbuch) bietet zahlreiche Informationen über die spätantike (zivile wie militärische) Administration. Dazu kommen das berühmte Corpus iuris civilis (der Name ist allerdings nicht zeitgenössisch) aus dem sechsten Jahrhundert, Inschriften (die allerdings längst nicht mehr so zahlreich sind wie in der hohen Kaiserzeit), Münzfunde und Papyri, wie auch die Befunde der Archäologie.
Forschungsstand
Als problematisch galt die Erforschung der Spätantike lange, wie bereits angesprochen, schon aufgrund der relativ fließenden Grenze zum Mittelalter hin. In der älteren Forschung wurde die Auffassung vertreten, dass die Spätantike ein Zeitalter des moralischen und kulturellen Verfalls gewesen sei (Dekadenztheorie nach Edward Gibbon: Decline and Fall of the Roman Empire; auch Voltaire: Essai sur les moeurs et l'esprit des nations; Assoziation von spät mit Dahinwelken, Verfall). Diese Lehrmeinung war auch noch im 19. Jahrhundert vorherrschend, und noch Otto Seeck vertrat diesen Standpunkt in seinem berühmten Hauptwerk Geschichte des Untergangs der antiken Welt.
Diese negative Bewertung der Spätantike ist jedoch nach allgemeiner Ansicht inzwischen obsolet geworden und wird in neueren Darstellungen nicht mehr angeführt; sie ist in populären Darstellungen und im Film aber immer noch verbreitet. Die Studien von John B. Bury (siehe unter anderem sein Standardwerk History of the Later Roman Empire, 2 Bde., 1923) und anderen sorgten vielmehr für eine Neubewertung dieser Epoche, die nun nicht mehr als reine Verfallszeit begriffen wurde. Inwieweit der spätantike Staat ein "Zwangsstaat" gewesen ist, bleibt zwar weiter umstritten, auch wenn die "harte" Meinung der älteren Forschung so nicht mehr akzeptiert werden kann. In neuerer Zeit hat etwa Peter Robert Lamont Brown in seinen Arbeiten auf die Metamorphose der antiken Welt in dieser Zeit aufmerksam gemacht, wobei er sich vor allem den kulturellen und religiösen Veränderungen widmete; bald folgten diesem Ansatz auch Averil Cameron und andere. Insgesamt hat das Interesse der althistorischen Forschung an der Spätantike in den letzten Jahren stark zugenommen; vor allem im angelsächsischen Raum sind dabei viele früher selbstverständliche Annahmen und Urteile in Frage gestellt worden: Das Bild der Epoche, das sich noch immer in den meisten Schulbüchern findet, hat nur noch wenig mit dem gemein, was derzeit an den Hochschulen vertreten wird. Allerdings darf über die berechtigte Betonung von Kontinuitäten nicht vergessen werden, dass die Völkerwanderungszeit in vielerlei Hinsicht auch mit Gewalt, Zerstörung und ökonomischem Niedergang verbunden war; dies betonten jüngst erst Bryan Ward-Perkins und Peter J. Heather in ihren neuesten Darstellungen, welche sich teils wie ein Gegenentwurf zu den „Reformern“ um Peter Brown lesen. Beide - Ward-Perkins und Heather - räumen aber ein, dass die Antike im römischen Osten, der erst nach 600 einen ökonomischen Verfall erlebte, deutlich länger gedauert habe als im Westen, wo es im fünften Jahrhundert zu einem "Ende der Zivilisation" (Ward-Perkins) gekommen sei.
Die Forschungsliteratur hat dabei einen kaum noch zu bewältigenden Umfang erreicht, aber in vielen Punkten konnte bislang dennoch keine Einigkeit erzielt werden. Zu den besonders heftig diskutierten Fragen zählt unter anderem die nach den Prozessen, die im Westen zum Erlöschen des Kaisertums führten; und auch die Pirenne-These findet inzwischen wieder Anhänger - allerdings mit neuen Argumenten. Viele der alten Erklärungen sind inzwischen unhaltbar geworden, doch ist es oft noch nicht gelungen, sie durch überzeugende Alternativen zu ersetzen: Je näher man sich mit der Spätantike befasst, desto offensichtlicher wird die Unmöglichkeit von einfachen Antworten und allgemeingültigen Aussagen.
Geschichtlicher Grundriss
Diokletian - Stabilisierung und Reform
Pirenne-These
Mit dem Regierungsantritt des Kaisers Diokletian trat das Römische Reich in seine Spätphase ein. Die vorangegangene Krisenzeit der Soldatenkaiser (235-284/5; siehe auch Reichskrise des 3. Jahrhunderts) hatte das Reich destabilisiert. Von außen sah sich das Imperium mit der ständigen Bedrohung durch das Sassanidenreich, dem großen Gegner des Römischen Reiches im Osten, und die Germanen an Rhein und Donau konfrontiert. Im Inneren war es teilweise zu einer Handlungsunfähigkeit der Verwaltung gekommen sowie zur zeitweiligen Loslösung von Teilgebieten des Imperiums (siehe Gallisches Sonderreich und Palmyra), allerdings war es den Kaisern seit Aurelian langsam gelungen, der Krise Herr zu werden. Diokletian bemühte sich nun, den römischen Staat weiter zu stabilisieren und zu reformieren. Dabei griff er zahlreiche Ansätze auf, die bereits von seinen Vorgängern als Antwort auf die Krise entwickelt worden waren, und bemühte sich um eine Systematisierung.
So kam es zu einer grundlegenden Reform der Verwaltung, wie etwa zu einer stärkeren Zentralisierung und Bürokratisierung, was sich auch in einem restriktiveren Steuersystem bemerkbar machte. Der zivile Sektor wurde nun grundsätzlich vom militärischen getrennt; an diesem Prinzip wurde dann bis zum Ende der Epoche festgehalten. Auch wurde das Reich in Diözesen eingeteilt, um so eine bessere Verwaltung zu garantieren. Um dem Staat stetig fließende Steuereinnahmen zu sichern, wurde das Capitatio-Iugatio-System (im wesentlichen handelt es sich um eine Kombination von Kopf- und Grundsteuer, die regelmäßig geschätzt wurde) geschaffen, das die Berechnung der Abgaben erleichterte, und gleichzeitig eine Währungsreform in Angriff genommen, der jedoch wohl kein durchschlagender Erfolg beschieden war.
Zentrales Element der Heeresreform war die Aufteilung in ein Feldheer (Comitatenses) und ein Grenzheer (Limitanei), sodass Durchbrüche an der Grenze leichter mit dem Bewegungsheer abgefangen werden konnten. Diese Reformen sollten sich insgesamt bewähren und dem Chaos, das teils noch in der Zeit der Soldatenkaiser geherrscht hatte, ein Ende bereiten, sowie die Grenzverteidigung an Rhein und Donau stärken. Im Osten behauptete sich Rom nun auch gegen die Sassaniden, die 297/298 von Diokletians Caesar Galerius geschlagen wurden.
Weniger Erfolg hatte Diokletian allerdings mit dem von ihm erdachten Regierungssystem der Tetrarchie (Viererherrschaft), welches je zwei Seniorkaiser (Augusti) und zwei Juniorkaiser (Caesares) vorsah und zudem religiös durch die künstliche "Adoption" der Götter zementiert wurde. So nahm etwa Diokletian, der auch in diesem System weiterhin die bestimmende Figur war, den Beinamen Iovius an (etwa = Schützling und Abkömmling des Gottes Jupiter). Vermutlich war diese enge Bindung der Kaiser an die traditionellen Kulte ein Grund für die Durchführung der letzten großen Christenverfolgung, die in den letzten Regierungsjahren Diokletians begann.
Das System der Tetrarchie konnte sich gegen die dynastische Idee letztlich nicht durchsetzen, wie es die Ereignisse in den Jahren nach Diokletians freiwilligen Rücktritt 305 zeigen sollten.
Konstantin der Große und der Durchbruch des Christentums
305
Konstantin der Große, der Sohn des Tetrarchen Constantius Chlorus, setzte sich in dem Machtkampf durch, der kurz nach dem Rücktritt Diokletians 305 entbrannt war. 306 war er nach dem Tod seines Vaters von dessen Soldaten in York zum Kaiser ausgerufen worden, wurde von den anderen Tetrarchen aber nicht akzeptiert. Zuerst bekämpfte Konstantin Maxentius, den Sohn des Tetrarchen Maximian, der sich ebenfalls gegen die diokletianische Ordnung gestellt hatte. Im Zusammenhang des Machtkampfes zwischen Konstantin und Maxentius kam es 312 zur Schlacht bei der Milvischen Brücke und zur rätselhaften "Bekehrung" Konstantins zum Christentum, da ihm angeblich vor der Schlacht das Zeichen des Kreuzes erschienen war, und er anschließend im Zeichen des Kreuzes auch den Sieg errang. Damit hatte Konstantin den Westen des Imperiums für sich gewonnen.
Nach 324 war Konstantin Alleinherrscher des Reiches, nachdem er auch seinen letzten Konkurrenten Licinius, mit dem er sich 313 noch verständigt hatte, im Osten ausgeschaltet hatte. Konstantin baute anschließend die Reformen des Diokletian weiter aus, so in der Verwaltung (Schaffung neuer Hofämter, Umwandlung des Praefectus praetorio in den höchsten Zivilbeamten, Einführung zusätzlicher Steuern) und im Militär (Schaffung des Amtes des Magister militum). Unter seiner Herrschaft erfolgte auch der weitreichendste Schritt eines römischen Kaisers seit der Begründung des Prinzipats durch Augustus: die Förderung des nur Jahre zuvor noch verfolgten Christentums als eine staatlich anerkannte und privilegierte Religion, auch wenn Konstantins eigenes Verhältnis zum Christentum, welches keineswegs zur Staatsreligion erhoben wurde, weiterhin in der Forschung umstritten ist. Am ehesten kann man ihn wohl als "Anhänger des Christengottes" bezeichnen, ohne dass dies etwas über seine Beziehung zu den anderen Kulten aussagen muss; zumal Heiden weiterhin ihre Kulte ausüben durften, und ebenso Zugang zu hohen Staatsämtern hatten, wobei die Christen jedoch ebenfalls favorisiert wurden. Konstantin ließ seine Söhne im christlichen Glauben erziehen, machte der Kirche reiche Geschenke und stärkte die Macht der Bischöfe.
Ein weiteres wichtiges Ereignis in seiner Regierungszeit war die Errichtung einer neuen Hauptstadt: Konstantinopel, die "Stadt des Konstantin", das Neue Rom. Damit verlagerte sich der Schwerpunkt des Reiches nach Osten, in die ökonomisch stärkere Hälfte des Imperiums. Kurz vor dem Beginn eines geplanten Feldzugs gegen den Sassanidenkönig Schapur II. verstarb Konstantin in der Nähe von Nikomedia, nachdem er sich, wie zur damaligen Zeit keineswegs unüblich, erst kurz vor seinem Tod hatte taufen lassen.
Das Ende der konstantinischen Dynastie
Nikomedia
Nach dem Tod Konstantins 337 entbrannte ein blutiger Machtkampf, der die konstantinische Dynastie dezimierte. Konstantins Sohn Constantius II. setzte sich schließlich 351 als Alleinherrscher durch, nachdem er den Usurpator Magnentius geschlagen hatte (Magnentius hatte 350 den Bruder des Constantius, Konstans, ermordet; der dritte überlebende Sohn Konstantins des Großen, Konstantin II., war bereits 340 im Kampf gegen Konstans gefallen).
Constantius II. förderte den Arianismus und war bei der Stabilisierung der Grenzen recht erfolgreich. Für die Zeit ab 353 bis 378 steht uns das letzte große in Latein abgefasste Geschichtswerk der Antike zur Verfügung, die Kaisergeschichte des römischen Offiziers Ammianus Marcellinus, wenn sein Werk auch nicht völlig frei ist von Parteinahme, vor allem für den Vetter des Constantius, Julian. Dieser war auch bei dem von ihm geführten gallischen Heer sehr beliebt, sodass es bald zu Spannungen zwischen ihm und dem Kaiser kam. Julian, der die Rheingrenze wenigstens vorläufig wieder gesichert hatte, wurde von den Truppen in Paris zum Kaiser ausgerufen und nur der bald darauf folgende Tod des Constantius bewahrte das Reich vor einem neuen Bürgerkrieg.
Den neuen Kaiser, der hochgebildet und auch literarisch aktiv war, kennt die Nachwelt unter dem Namen Julian Apostata ("Julian der Abtrünnige"), da er kurz nach seinem Regierungsantritt im Jahre 361 eine Renaissance des Heidentums einleitete. Diese hatte jedoch keinen nachhaltigen Erfolg, zumal Julians Versuch, aus den vielen Kulten eine vereinheitlichte heidnische Staatskirche zu schaffen, um so das Christentum zurückdrängen zu können, misslang. Nach dem Tod Kaiser Julians auf einem Feldzug gegen die Sassaniden im Jahr 363, welcher gleichzeitig eine der größten Militäroperationen der Spätantike darstellte, blieb das Christentum die beherrschende Religion.
Alle nachfolgenden Kaiser waren Christen, wie bereits der Julian nachfolgende und nur kurze Zeit regierende Jovian, der mit den Persern nach dem missglückten Feldzug Julians Frieden schließen musste, wobei die unter Galerius eroberten Gebiete um Nisibis wieder an die Sassaniden fielen. Der Osten wurde nun immer stärker christianisiert, aber auch der Westen, vor Konstantin weitgehend heidnisch, öffnete sich mehr und mehr dem Christentum, auch wenn es in der Folgezeit zu einer ganzen Reihe von schweren innerkirchlichen Krisen kam (Donatisten, Arianer, später im Osten die Monophysiten). Allerdings hielt sich das Heidentum noch lange Zeit, vor allem im Westen, und zwar besonders bei der Landbevölkerung (daher der Ausdruck paganus = Landbewohner), sowie in Teilen der Senatsaristokratie und in verschiedenen philosophischen Kreisen.
Außenpolitisch kam das Reich nicht mehr zur Ruhe. Am Rhein und entlang der Donau wurde es von Germanen und später von den Hunnen bedrängt, während im Osten die Gefahr durch die Sassaniden weiter bestand.
Von Valentinian I. bis zum Tod Theodosius' des Großen - Völkerwanderung und die Behauptung des Imperium Romanum
Sassaniden
Das Reich wurde seit Kaiser Valentinian I., der Jovian 364 nachfolgte, wieder von je zwei Kaisern regiert, da man sich ansonsten nicht in der Lage sah, der äußeren Bedrohung Herr werden zu können.
Valentinian setzte seinen Bruder Valens im Osten ein und widmete sich selbst intensiv der Grenzverteidigung. Es gelang ihm denn auch, die Rheingrenze nachhaltig zu stabilisieren. Währenddessen ereigneten sich im Osten umwälzende Veränderungen. In den 70er Jahren des 4. Jahrhunderts setzte die Völkerwanderung in Europa ein. Die vor den Hunnen über die Donau geflüchteten Goten, die zunächst vom Imperium aufgenommen wurden, dann aber aufgrund unzureichender Versorgung revoltierten, fügten dem Ostkaiser Valens 378 in der Schlacht von Adrianopel eine vernichtende Niederlage zu, in der auch Valens fiel.
Gratian, der älteste Sohn Valentinians I. und seit 375 Kaiser im Westen, setzte daher 379 den aus Hispanien stammenden Theodosius als Kaiser im Ostteil des Imperiums ein. Theodosius übernahm denn die schwierige Aufgabe, den Osten des Reiches wenigstens vorläufig wieder zu stabilisieren. 382 schloss er einen Vertrag mit den Goten, wonach sie im Reich bleiben konnten und als Soldaten (Foederati) dienen sollten, aber autonom blieben. Dieser Gotenvertrag ebnete den Weg für die Reichsbildungen der Germanen innerhalb des Imperiums, stabilisierte aber vorläufig die Lage, da Theodosius nun wieder über ausreichend Truppen verfügen konnte.
387 folgte ein Vertrag mit Persien in Bezug auf den alten Zankapfel Armenien, welches seit Jahrhunderten zwischen den beiden Großmächten umstritten war: Rom erhielt etwa ein Fünftel, Persien den Rest des Landes (das so genannte Persarmenien). Mit dieser Lösung waren beide Seiten offensichtlich zufrieden, denn abgesehen von zwei kurzen Konflikten herrschte bis 502 Frieden zwischen Römern und Sassaniden - die Ruhe an der Euphratfront sollte dann ein wesentlicher Grund dafür sein, dass die östliche Reichshälfte das fünfte Jahrhundert überstehen konnte. Darüber hinaus betrieb Theodosius eine antiheidnische Kirchenpolitik, für die ihm von den Christen später der Beiname der Große gegeben wurde.
Sassaniden
Im Westen hatten sich währenddessen die Ereignisse überschlagen: Gratian, der einige erfolgreiche Feldzüge (wie gegen die Alamannen) geführt hatte, wurde 383 infolge eines Soldatenaufstandes in Britannien, der sich rasch auf das Festland ausgebreitet hatten, in Lyon ermordet. Theodosius hatte sich mit dem Usurpator Magnus Maximus zunächst noch einigen können, ihn schließlich 388 aber besiegt und hingerichtet. Daraufhin übergab er dem 17jährigen Valentinian II., dem jüngeren Bruder Gratians, die Herrschaft im Westen. Der faktischen Macht des Heermeisters des Westens, des Franken Arbogast, hatte der junge Kaiser aber nichts entgegenzusetzen. Er fand schon 392 ein gewaltsames Ende durch Mord oder Selbstmord. Anschließend ließ Arbogast den heidnisch gesinnten Rhetor Eugenius zum Kaiser erheben und betrieb mit ihm eine ausgeprägte Restauration der heidnischen Tradition. Diese Situation konnte Theodosius nicht akzeptieren, so dass er wieder nach Westen marschierte, wo er das Heer des Eugenius 394 in der Schlacht am Frigidus vernichtend schlagen konnte. Eugenius wurde hingerichtet, woraufhin Arbogast sich das Leben nahm. Das Heidentum, welches Theodosius bereits 380/81 in mehreren Gesetzen empfindlich beeinträchtigt und durch weitergehende Gesetz in Jahren 391 und 392 verboten hatte, erhielt damit den endgültigen politischen Todesstoß - auch wenn es faktisch noch mindestens 200 Jahre lang eine beachtliche (allerdings abnehmende) Zahl von Heiden im Reich geben sollte.
Theodosius einte das Reich noch einmal für eine kurze Zeit, bevor es nach seinem Tod unter seinen Söhnen Honorius (im Westen) und Arcadius (im Osten) 395 zur endgültigen Reichsteilung kam. Die Zeitgenossen nahmen diese Teilung, die nur "zufällig" die letzte in einer ganzen Reihe war, allerdings nicht als besondere Zäsur wahr. Und tatsächlich wurde die prinzipielle Reichseinheit auch weiterhin betont - so galten die Gesetze der Kaiser jeweils im ganzen Reich, und der Westkonsul wurde ebenso in Ostrom anerkannt wie umgekehrt der östliche im Westreich (dies sollte sich übrigens bis zum Erlöschen des Konsulats unter Justinian nicht ändern). Dennoch kam es seit 395 faktisch zu einer immer rascheren Auseinanderentwicklung der beiden Hälften, wobei der Westen offenbar bereits um 400 ökonomisch schlechter dastand als der Osten.
Von der Reichsteilung 395 bis zur Eroberung Roms 410
395
Im Osten begann eine Periode relativen Friedens, der nur von gelegentlichen Kämpfen an der Donaufront (Hunnen und Germanen) sowie 420-422 und 441 durch zwei kurze Kriege gegen die Sassaniden gestört wurde. Erst in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts musste sich auch das Ostreich wieder verstärkt der Verteidigung seiner Grenzen zuwenden. Der Osten war wirtschaftlich weiterhin der stärkere Reichsteil und konnte noch immer große Summen Geldes mobilisieren; zudem gelang es der oströmischen Diplomatie offenbar, mehrere Angriffswellen nach Westen "umzuleiten". Vor allem konnte der Einfluss der Heermeister, die oft barbarischer Abstammung waren, teils eingedämmt und schließlich zurückgedrängt werden. Arcadius und sein Sohn Theodosius II. waren zwar keine fähigen Herrscher, doch funktionierte die Verwaltung des Reiches weiterhin relativ reibungslos, auch wenn es zu Beginn der Regierungszeit des Arcadius zu einem Konflikt mit dem Westreich um den Besitz des Illyricum gekommen war.
Der erste Kaiser im Westen, Honorius, hatte eine Zeitlang, vom mächtigen Heermeister Stilicho gedrängt, vielleicht sogar erwogen, gegen das Ostreich militärisch vorzugehen, was aber unterblieben war, zumal die Reichsgrenze am Rhein zum Jahreswechsel 406/407 endgültig kollabierte, und sich eine wahre Flut von Germanen (so etwa Vandalen und Sueben, später auch Burgunden) und Alanen über das Westreich ergoss. 408 wurde auch Stilicho mit dem Wissen seines Schwiegersohnes Honorius umgebracht. Es zeigte sich wieder einmal, dass die Kaiser allzu mächtigen Militärs misstrauten - und dies nicht immer zu Unrecht.
Der Westen kam nicht mehr zur Ruhe. Von Germanen und Hunnen bedroht, zudem immer der Gefahr eines Putsches durch einen Heermeister ausgesetzt und teils von unfähigen Kindkaisern regiert, verlor das Weströmische Reich nach und nach seine wichtigsten Provinzen an die Germanen. Britannien ging zu Beginn des 5. Jahrhunderts verloren, während sich die weströmische Armee, die immer mehr durch die Aufnahme von Germanen barbarisiert worden war, nach dem Tod des Aetius um die Mitte des 5. Jahrhunderts de facto selbst auflöste. Im Westen formierten sich ab der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts auf dem Boden des Imperium Romanum germanische Reiche (Vandalen, Westgoten, Franken, Angelsachsen, Ostgoten u.a.), und 410 wurde gar Rom, zwar längst nicht mehr Hauptstadt des Westreiches, aber immer noch ein Prestigeobjekt, von den Westgoten unter Alarich geplündert. Dieser war schon zuvor im Ostreich aktiv gewesen, teils als Verbündeter des Stilicho und Westroms, teils auf eigene Faust, und wollte nun im Westreich für sein Volk neues Siedlungsland erkämpfen. Der Fall Roms war ein Fanal - für die Heiden war dies ein untrügliches Zeichen der Götter, die das Reich für die Abkehr vom alten Glauben bestrafen wollten. Augustinus von Hippo schrieb daraufhin sein großes Werk De Civitate Dei (Über den Gottesstaat), als direkte Antwort auf diese Unterstellung.
Stabilisierung im Osten und der Zusammenbruch des Westens
Die militärische Katastrophe war für den Westen mit dem Zusammenbruch der Rheingrenze 406 vollkommen, auch wenn die germanischen Heere in der Regel einer entschlossen geführten römischen Armee weiterhin nicht widerstehen konnten. Die wichtigsten Provinzen des Reiches gingen den weströmischen Kaisern (die seit Honorius in Ravenna residierten) verloren, indem die germanischen Foederaten angesichts der Schwäche der römischen Zentralregierung langsam eine faktische Unabhängigkeit von Ravenna erlangten. Die Westgoten wurden 418 in Aquitanien angesiedelt, wo sie dann bald nach 460 das formale Abhängigkeitsverhältnis zum Kaiser lösten und einen Staat im Staate errichteten, was jedoch weitgehend im Einvernehmen mit der einheimischen Aristokratie geschah - die Germanen traten schrittweise an die Stelle der römischen Zentralgewalt, ohne dass dies zunächst spürbare Folgen für die Bevölkerung der Gebiete gehabt zu haben scheint. Die exakten Modalitäten der Ansiedlung (erhielten sie Land oder einen Anteil an den Steuereinnahmen) werden noch in der Forschung diskutiert. Es existierte seit etwa 455 aber ohnehin kein schlagkräftiges römisches Heer im Westen mehr. Die Westgoten nahmen in den folgenden Jahrzehnten mit den Sueben Hispanien in Besitz, während sich die Franken in der Belgica, im Norden Galliens einrichteten.
Gallien
Die Vandalen setzten 429 von Spanien nach Africa über, eroberten 439 Karthago und entrissen so die reichste Provinz des Westreiches dem Zugriff des weströmischen Kaisers, der danach effektiv nur noch über Italien und Teile Südgalliens herrschte. Die Gefahr der Hunnen unter Attila konnte jedoch durch den römischen Heermeister Aëtius, der seit den 30er Jahren der mächtigste Mann des Westreiches war, 451 abgewendet werden. Aëtius hatte dabei aber bezeichnenderweise auch auf germanische Foederati zurückgreifen müssen - die weströmische Armee war bereits im Verschwinden begriffen und löste sich nach seinem Tod faktisch auf: 454 ließ Kaiser Valentinian III., der letzte Kaiser des Westens aus der theodosianischen Dynastie, den General aus Furcht vor dessen Einfluss umbringen - was der Kaiser bald darauf mit seinem Leben bezahlen musste: Er wurde 455 von früheren Gefolgsleuten des Heermeisters ermordet.
Die nachfolgenden Kaiser im Westen waren zumeist unfähig (wenngleich Majorian oder Anthemius durchaus bemüht waren), zumal nach dem Ende des Aetius bis 472 der Magister militum Ricimer de facto alleine die Reichsgeschäfte im Westen führte. Ricimer konnte durchaus einige kleinere Erfolge im Abwehrkampf Westroms verbuchen, dennoch wurde Rom 455 von den Vandalen geplündert. Eine gemeinsame Operation des West- und des Ostreiches gegen die Vandalen scheiterte dann 468, was zur Anerkennung des Vandalenreiches durch Ostrom führte.
Mit der Absetzung von Romulus Augustulus 476 durch Odoaker erlosch das weströmische Kaisertum (letzter legitimer Kaiser war allerdings Julius Nepos, der 480 in Dalmatien verstarb), welches jedoch bereits seit der Reichsteilung, spätestens aber nach dem Zusammenbruch der Rheingrenze, wohl kaum noch lebensfähig gewesen ist. Die Könige der germanischen Foederatenreiche sahen nun den Oströmischen Kaiser als ihren nominellen Oberherren an.
Denn der Osten des Imperiums erwehrte sich weitaus erfolgreicher der äußeren Bedrohung. Kaiser Markian, der 450 die Nachfolge von Theodosius II. angetreten hatte, verweigerte gar den Hunnen den Tribut und schaffte es, dass sie ihre Angriffe gegen das Westreich richteten - nicht zuletzt wohl deshalb, weil Attila wusste, dass die oströmischen Balkanprovinzen bereits verwüstet und ausgeblutet waren. Die übrigen Provinzen des Ostens befanden sich aber nicht in Reichweite von Hunnen oder Germanen, da die starke Festung Konstantinopel den Hellespont kontrollierte, und ein Übersetzen von Europa nach Asien verhinderte. An der römischen Ostgrenze konnte mit den Sassaniden, die selbst von hunnischen Völkern bedroht wurden, bis 502 Frieden gehalten werden, was eine große Entlastung darstellte, da die Regierung in Konstantinopel daher ungestört auf die Einkünfte der reichen Orientprovinzen zurückgreifen konnte.
Das daher ökonomisch leistungsfähigere und dichter bevölkerte Oströmische Reich konnte sich im Gegensatz zum weströmischen Reich behaupten; offenbar gelang es dem Staat hier bereits früh, weitaus besser auf seine Ressourcen zurückzugreifen: Im fünften Jahrhundert betrugen die östlichen Staatseinnahmen ein Vielfaches der westlichen. Kaiser Leo I. schaltete zudem mit Hilfe des späteren Kaisers Zenon den gotischen Heermeister Aspar aus; viele germanische Soldaten in römischen Diensten wurden in der Folge erschlagen, und die Kaiser griffen bei der Rekrutierung fortan wieder weitaus stärker auf Reichsangehörige zurück - auch wenn diese meist aus jenen Gebieten stammten, die am wenigsten romanisiert waren. Zenon konnte dann nicht zuletzt mit Hilfe eines dieser halbbarbarischen Völker, der Isaurier, zu denen er selbst gehörte, die militärische Lage des Oströmischen Reiches weiter verbessern, und damit den Grundstein für die Vormachtstellung legen, die die Kaiser des folgenden Jahrhunderts im Mittelmeerraum einnehmen sollten.
Zenon schloss 488 einen Vertrag mit dem Ostgotenkönig Theoderich und schickte ihn im Jahre 489 nach Italien, wobei die Hintergründe umstritten sind. Der Kaiser profitierte jedenfalls insofern, als er eine potentielle Gefahr umleitete, während sich für Theoderich die Möglichkeit auf neues und reiches Siedlungsland anbot. Theoderich, den man später aufgrund seiner Leistungen „den Großen“ nannte, gelang es bald, das gesamte Land unter seine Kontrolle zu bringen. 493 ermordete er Odoaker und regierte formal als Statthalter des Kaisers in Italien, wobei er jedoch eine sehr eigenständige Politik betrieb. Im Ostgotenkönigreich hielt man an der römischer Verwaltungspraxis fest, während das Land kulturell eine späte Blütezeit erlebte (siehe auch Boëthius).
Das sechste Jahrhundert: Oströmische Hegemonie
Im Osten dauerte die Antike bis ins siebte Jahrhundert, und der Einfluss des noch immer römisch-antik geprägten Reiches auf die Geschicke im Westen war im ganzen sechsten Jahrhundert erheblich. Kaiser Anastasios I. befreite den oströmischen Staat kurz vor 500 vom Einfluss der Isaurier und hinterließ aufgrund einer klugen Wirtschaftspolitik seinen Nachfolgern den gewaltigsten Staatsschatz in der römischen Geschichte. Allerdings hatte er sich auch mit Usurpationsversuchen auseinanderzusetzen, und seine Religionspolitik betonte die Unterschiede zur päpstlichen Position. Doch sein Nachfolger Justin I. beendete 519 das Akakianische Schisma, das die Kirchen von Konstantinopel und Rom etwa 30 Jahre lang getrennt hatte; er verschärfte durch diese Wiederannäherung an den Westen aber den Konflikt mit den Monophysiten.
Monophysiten
Kaiser Justinian I., eine der großen Herrschergestalten der Spätantike, konnte dann seit 534 eine offenbar großangelegte Restaurationspolitik betreiben, wobei diesem Versuch der Wiederherstellung des Imperiums ein zwar nur beschränkter, aber dennoch zunächst erstaunlicher Erfolg beschieden war: Mit Nordafrika, Italien und Südspanien wurden die Kerngebiete des Reiches wieder der römischen Herrschaft unterworfen, allerdings gingen wichtige Teile Italiens, welches erst nach harten Kämpfen erobert worden war, bald nach Justinians Tod wieder an die Langobarden verloren. Zudem wurde das Reich seit 541 von einer verheerenden Pest heimgesucht, was offenbar zu einer demografischen und - daraus folgend - ökonomischen wie militärischen Krise führte; im Osten musste sich Justinian zudem gegen die Perser zur Wehr setzen, deren König Chosrau I. sich zum großen Gegenspieler Justinians entwickelte. Dennoch erlebte die spätantike Kultur unter Justinian einen letzten Höhepunkt; die auf seinen Befehl hin vorgenommene Kodifikation des römischen Rechts erwies sich als dauerhafte Errungenschaft, und der kaiserliche Machtanspruch wurde auch von den meisten verbliebenen Germanenreichen (mit der Ausnahme des Frankenkönigs Theudebert I.) akzeptiert. Als Justinian 565 nach langer Herrschaft starb, war Ostrom ungeachtet aller Krisensymptome die Vormacht der Mittelmeerwelt.
Im Oströmischen Reich bestand das Imperium Romanum staatsrechtlich fort - ebenso lebte dort die Zivilisation der Antike weiter, wobei das kulturelle Leben im Osten in den nachfolgenden Jahrhunderten einen Wandel erfuhr, und das Reich schon recht bald nach Justinian, der als letzter Kaiser Latein zur Muttersprache hatte, eigene Wege ging. Eine Reihe innerer Reformen ließen das Reich langsam seinen spätrömischen Charakter verlieren; hinzu kam der stetig zunehmende äußere Druck. Zwischen 540 und 630 befand sich Ostrom die meiste Zeit in einem immer verbissener geführten Krieg mit den Sassaniden, der nur von zwei kurzen Friedensperioden (562 bis 572 und 591 bis 602) unterbrochen wurde; und unter Kaiser Maurikios gingen die Balkanprovinzen trotz energischer Gegenwehr weitgehend an die Slawen verloren. Der letzte Kaiser, der noch aktiv und wirksam in die Geschicke des Westens eingreifen konnte, war der (vielleicht zu Unrecht) übel beleumundete Phokas.
In den ersten Jahren des 7. Jahrhunderts eroberten die Sassaniden dann bis zum Jahr 619 zeitweilig Ägypten, Syrien und Kleinasien, und nur unter größten Anstrengungen gelang schließlich unter Herakleios eine erfolgreiche Gegenwehr: Herakleios trat 622 zur Gegenoffensive an und konnte die Perser, die noch 626 vergeblich Konstantinopel belagert hatten, Ende 627 entscheidend schlagen, woraufhin Großkönig Chosrau II. entthront und ermordet wurde. Die Sassaniden traten die eroberten Gebiete wieder an Ostrom ab, während Persien im Chaos versank.
Das militärisch und ökonomisch entkräftete Oströmische Reich konnte den Arabern dann wenig entgegensetzen; die Oströmer unterlagen 636 in der Schlacht am Jarmuk und verloren in den folgenden Jahren wiederum ihre Ost- und Südprovinzen - diesmal aber endgültig. Zuletzt fiel im Jahr 698 auch das oströmische Karthago. Die Reste des jetzt gänzlich gräzisierten Reiches befanden sich in den folgenden Jahrzehnten in einem verzweifelten Abwehrkampf, so dass die Kaiser den Westen weitgehend sich selbst überlassen mussten. Die kurzzeitige Verleg | | |