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Ilm (Thüringen)

Ilm (Thüringen)

Die Ilm ist ein Fluss in Thüringen. Sie ist ein linker Nebenfluss der Saale. Ihre Länge beträgt 123 km.

Quelle

Die Ilm entspringt im Ilm-Kreis, dem sie seinen Namen gab, am Nordhang der Thüringer Waldes. Abgeleitet wird der Name von Ulmen, die früher im Oberlauf den Fluss säumten und sich auch im Ilmenauer Wappen wiederfinden. Fälschlicherweise wird behauptet, dass die Ilm drei Quellbäche habe, die Taubach, die Freibach und die Lengwitz, die sich unterhalb von Stützerbach bei 575 m über dem Meeresspiegel zur Ilm vereinigen. Dagegen spricht, dass der Begriff Lengwitz (slawisch) früher sowohl in der Bezeichnung des Gebietes (Lengwitzgau), als auch in der ehemaligen Hauptstadt Langewiesen (Ort an der Ilm) enthalten ist. Somit wurde sicher die Ilm früher als Lengwitz bezeichnet und die am Oberlauf siedelnden slawischen Bewohner behielten diesen Namen auch später bei. Zudem zeigt die einheitliche Streichrichtung des Tales, in dem Ilm und Lengwitz fließen, dass diese der Oberlauf der Ilm, und die Lengwitzquelle unterhalb des Ortes Allzunah, die einzige Ilmquelle ist.

Wichtige Nebenflüsse


- Taubach (entspringt am Finsterberg, mündet bei Stützerbach)
- Freibach (entspringt an der Schmücke, mündet bei Stützerbach)
- Gabelbach (entspringt am Kickelhahn, mündet in Ilmenau)
- Schorte (entspringt am Osthang des Pferdeberges bei Stützerbach, mündet im Ilmenauer Ortsteil Grenzhammer)
- Krummbach (mündet bei Kranichfeld)
- Tonndorfbach (mündet bei München)
- Steingrabenbach (mündet bei Bad Berka)
- Klingelbach (mündet bei Bad Berka)
- Hengstbach (mündet bei Hetschburg)
- Schwarza (mündet bei Tannroda)
- Madel (mündet bei Mellingen)

Verlauf

Die Ilm verläuft auf der wasserarmen Ilm-Saale-Kalksteinplatte. Mit nur 123 Kilometer Länge und Zuflüssen, die alle nahe der Wasserscheide liegen, ist sie nicht sehr wasserreich. Allerdings besteht durchaus zu Zeiten der Schneeschmelze und bei hohen Niederschlagsmengen Hochwassergefahr. Weitestgehend unreguliert, doch durch eine Reihe von Wehren unterbrochen schlängelt sich die Ilm nach Norden. Sie bildet den Manebacher Grund und verlässt bei Ilmenau den Thüringer Wald, um im Gebiet um Bad Berka das mittlere Ilmtal zu durchströmen. Die Breite der Ilm ist vergleichsweise gering. Von nicht einmal zwei Metern im Oberlauf wächst sie auf nur acht bis zehn Meter kurz vor der Mündung an. Bedingt durch den geologischen Untergrund ist das Wasser nährstoffreich und liegt im ph-Bereich um sieben. Auencharakter und Beschattung durch Bäume behindern das Wachstum von Wasserpflanzen beträchtlich. Der Flussgrund wird aus Kieseln unterschiedlicher Größe, Felsgestein, teilweise auch Sand gebildet. Im klaren Wasser sind Äschen, Bach- und Regenbogenforellen, Elritzen, Gründlinge, Schmerlen, Koppen, Flußbarsche, Plötze, Rotfedern, Döbeln und gelegentlich auch Aale zu finden. Der Fluss hat maßgeblich die Landschaft geprägt. Durch die Kraft des Wassers sind enge Täler mit steilen Hängen entstanden. Die Ilm fließt durch die Landkreise Ilm-Kreis und Weimarer Land sowie die kreisfreie Stadt Weimar. Bei Großheringen südlich von Bad Sulza mündet sie in die Saale.

Gliederung

Der Oberlauf der Ilm (Obere Ilm) erstreckt sich etwa von der Quelle bis zum Singer Berg. Das Mittlere Ilmtal umfasst den Bereich von Stadtilm bis Weimar und gibt einem Landschaftsschutzgebiet seinen Namen. Das LSG Mittleres Ilmtal Der Unterlauf der Ilm erstreckt sich von Weimar bis zur Mündung in die Saale.

Geschichtliches

Vielfältig war in vergangenen Zeiten der Nutzen, den die Anwohner aus der Ilm zogen. Neben der Fischerei, die sie ermöglichte, wurden durch sie zahlreiche Schneidemühlen, Papier- und Getreidemühlen, Hammer-, bzw Pochwerke und Massemühlen betrieben. Daneben diente sie den Gerbern, sowie Glashütten als Wasserspender. Trotz ihrer Wasserarmut war die Ilm ein lange genutzter Verkehrs- und Wirtschaftsweg, vornehmlich zur Hölzflößerrei. Die dazu angelegten Teiche im Schortetal (Knöpfelstaler Teich) und der große Teich in Stützerbach dienten als Staubecken. Letzterer wurde zusätzlich zum Schutz vor Hochwasser und zur Lieferung von Aufschlagswasser für den Ilmenauer Bergbau genutzt. Heute existierte er nicht mehr. Verheerend waren die Schäden beim Bruch seines Deiches, der quer durch den Ort verlief. Am 29. Mai 1613 war die Ilm einer der Flüsse, die von der Thüringer Sintflut betroffen waren. Schwere Gewitter ließen damals in weiten Teilen Thüringens innerhalb weniger Stunden die Flüsse über die Ufer treten und verursachten dadurch große Schäden. So stieg in der Ortschaft Zottelstedt bei Apolda der Wasserspiegel der Ilm um ca. 6 - 8 m und zerstörte das Dorf im Uferbereich fast vollständig, auch in Weimar wurden 44 Häuser ein Opfer der Flutkatastrophe. In Ilmenau wurde während der Zeit des Bergbaus das Flußbett verlegt, um den Grundwasserspiegel zu senken. In den Jahren der Industrialisierung entstanden an der Ilm eine Reihe von Betrieben, die aus ihr sowohl Brauchwasser bezogen, als auch Abwässer in sie einleiteten. Darunter Glashütten in Stützerbach und Ilmenau, eine Ilmenauer Farbfabrik, ein chemisches Werk in Königsee und landwirtschaftliche Einrichtungen.

Ilmtourismus

Entlang ihres gesamten Verlaufs wurde der Ilmtal-Radweg angelegt, der sehr gute Bedingungen zum autoverkehrsarmen bzw. -freien Radwandern entlang des Flusses bietet. Der Radweg hat am Oberlauf Anschluss an den Rennsteig-Radwanderweg und an der Mündung an den Saale-Radweg.

Orte an der Ilm


- Stützerbach
- Manebach
- Ilmenau
- Langewiesen
- Gräfinau-Angstedt
- Dörnfeld
- Griesheim (Ilmtal)
- Stadtilm
- Groß- und Kleinhettstedt
- Dienstedt
- Barchfeld (Ilm)
- Stedten an der Ilm
- Kranichfeld
- Tannroda
- Bad Berka
- Hetschburg
- Buchfart
- Oettern
- Mellingen
- Weimar
- Kromsdorf
- Oßmannstedt
- Apolda
- Niederroßla
- Mattstedt
- Wickerstedt
- Niedertrebra
- Bad Sulza
- Großheringen
- Kaatschen-Weichau

Die Ilm und Goethe

Johann Wolfgang von Goethe / Friedrich Schiller: Meine Ufer sind arm, doch höret die leisere Welle, Führt der Strom sie vorbei, manches unsterbliche Lied. Johann Wolfgang von Goethe: Main und Ilm (1826) Großen Fluss hab ich verlassen, Einem kleinen mich zu weihn; Sollte der doch eine Quelle Manches Guten, Schönen sein. Johann Wolfgang von Goethe:
Die Ilme
Wenn der Ilme Bach bescheiden
Schlängelnd still im Tale fließt,
Überdeckt von Zweig und Weiden
Halb versteckt sich weiter gießt,
Hört er öfter mal die Flöte
Seiner Dichter treu und gut
Wenn der Glanz der Morgenröte
Auf den sanften Wellen ruht.
Vieles ist an mir entsprungen,
Manches ward euch dargebracht,
Und so ist es mir gelungen,
Dass man mich zum Flusse macht.
Will ein Reisender mich sehen
Wie die Donau, wie den Rhein,
Ich versteck´ mich, lass ihn gehen,
Denn ich bin doch gar zu klein.
Kategorie:Fluss in Deutschland Kategorie:Fluss_in_Th%C3%BCringen

Thüringen

Thüringen ist ein Bundesland und zugleich einer von drei Freistaaten in Deutschland. Angrenzend sind die Bundesländer Sachsen im Osten und Südosten, Sachsen-Anhalt im Norden und Nordosten, Niedersachsen im Nordwesten, Hessen im Westen sowie Bayern im Süden.

Geografie

Thüringen liegt in der Mitte Deutschlands und grenzt an die Länder Hessen (270 km), Bayern (381 km), Sachsen (265 km), Sachsen-Anhalt (296 km) und Niedersachsen (112 km). Der Freistaat Thüringen gehört zusammen mit Sachsen-Anhalt und Sachsen zu Mitteldeutschland. Wegen seines Waldreichtums wird Thüringen auch das „Grüne Herz Deutschlands“ genannt. Die maximale Nord-Süd-Ausdehnung Thüringens beträgt 160 km, die maximale West-Ost-Ausdehnung 198 km. Thüringen wird von den Autobahnen 4, 9, 38, sowie 71 und 73 durchzogen. An der A 4 liegen wie an einer Perlenkette aufgereiht von West nach Ost die Städte Eisenach, Gotha, Erfurt, Weimar, Jena und Gera. Der Süden des Landes wird dominiert vom Thüringer Wald, der sich von Eisenach bis Sonneberg durch das Land zieht. Nördlich davon liegt das Thüringer Becken. Nach Osten schließt sich an den Thüringer Wald das Thüringer Schiefergebirge an. Im Norden reicht der Freistaat bis an den Harz. Weitere Gebirge und Höhenzüge sind die Rhön, der Dün, der Kyffhäuser und der Hainich. Die wichtigsten Flüsse Thüringens sind die Saale, die Ilm, die Werra, die Unstrut und die Weiße Elster. Der höchste Berg Thüringens ist mit 982,9 m der Große Beerberg (weitere Berge siehe Liste der Berge in Thüringen), die tiefste Stelle liegt mit 114 m am Unstrutflutgraben bei Wiehe.

Staatsaufbau

Allgemein

Der gesamte Staatsaufbau Thüringens basiert auf der Verfassung des Freistaates Thüringen von 1993. Laut der Verfassung ist Thüringen ein Land der Bundesrepublik Deutschland. Es ist ein demokratischer, sozialer und dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen verpflichteter Rechtsstaat (Art. 44). Artikel 45 besagt, dass alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht und dass das Volk seinen Willen durch Wahlen, Volksbegehren und Volksentscheid verwirklicht.

Legislative

Die Legislative steht dem Thüringer Landtag zu. Im Weiteren besteht die Möglichkeit der aktiven Teilnahme an der Legislative des Volks durch Volksentscheid. Der Landtag wird alle fünf Jahre nach dem Personalisierten Verhältniswahlrecht neu gewählt. Momentan haben 88 Abgeordnete einen Sitz im Landtag. Siehe auch: Wahlergebnisse und Landesregierungen in Thüringen seit 1990.

Exekutive

Die Exekutive besteht aus dem Ministerpräsidenten und den Ministern. Der Ministerpräsident wird vom Landtag mit der Mehrheit seiner Mitglieder ohne Aussprache in geheimer Abstimmung für die gesamte Legislaturperiode gewählt. Der Ministerpräsident ernennt und entlässt die Minister. Er bestimmt außerdem einen Minister zu seinem Stellvertreter. Der Landtag kann den Ministerpräsidenten nur durch ein konstruktives Misstrauensvotum absetzen. Seit 1999 ist in Thüringen eine Alleinregierung der CDU im Amt, die bei der Landtagswahl 2004 ihre absolute Mehrheit knapp verteidigen konnte. Die derzeitigen Regierungsmitglieder sind:
- Thüringer Ministerpräsident: Dieter Althaus
- Thüringer Finanzministerin und Stellvertretende Ministerpräsidentin: Birgit Diezel
- Thüringer Innenminister: Dr. Karl Heinz Gasser
- Thüringer Minister für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt: Dr. Volker Sklenar
- Thüringer Kultusminister: Prof. Dr. Jens Goebel
- Thüringer Justizminister: Harald Schliemann
- Thüringer Minister für Soziales, Familie und Gesundheit: Dr. Klaus Zeh
- Thüringer Minister für Wirtschaft und Arbeit: Jürgen Reinholz
- Thüringer Minister für Bau und Verkehr: Andreas Trautvetter
- Thüringer Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten in der Staatskanzlei: Gerold Wucherpfennig Die derzeitigen Staatssekretäre sind:
- Thüringer Finanzministerium: Dr. Rainer Spaeth (bis 31. Juli 2005 Michael Schneider)
- Thüringer Innenministerium: Stefan Baldus
- Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt:Christian Juckenack
- Thüringer Kultusministerium: Prof. Dr Walter Bauer-Wabnegg und Kjell Eberhardt
- Thüringer Justizministerium: Manfred Scherer
- Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit: Stephan Illert
- Thüringer Ministerium für Wirtschaft und Arbeit: Dr. Jürgen Aretz
- Thüringer Ministerium für Bau und Verkehr: Roland Richwien

Judikative

Die Judikative wird vom Verfassungsgerichtshof und von den weiteren Gerichten des Landes ausgeübt. Der Verfassungsgerichtshof besteht aus einem Präsidenten und acht weiteren Mitgliedern. Die ordentliche Gerichtsbarkeit gliedert sich in das Thüringer Oberlandesgericht in Jena, die Landgerichte in Erfurt,Gera, Mühlhausen und Meiningen sowie die nachgeordneten Amtsgerichte.

Geschichte

Die Geschichte Thüringens wird im Hauptartikel Geschichte Thüringens dargestellt.

Chronologie


- bis 531: Die Besiedlung Thüringens erfolgt zunächst durch die Kelten, später dann durch verschiedene Germanenstämme (z.B die Hermunduren). Es bildet sich ein Königreich Thüringen heraus, mit einer Ausdehnung von der Elbe bis zur Donau, wobei enge Verbindungen bestehen mit dem Ostgotenreich Theodorichs.
- 531: kommt es nach der verlorenen Schlacht an der Unstrut (vermutlich bei Burgscheidungen) zur Unterwerfung durch die Franken, östlich der Saale siedeln sich Sorben (Slawen) an, somit fällt der Teil Thüringens aus der Frankischen Herrschaft heraus.
- nach 650: Die Franken beginnen Thüringen zu einer Grenzmark mit Grafschaftsverfassung auszubauen. Nicht ganz geklärt ist, ob Thüringen zwischenzeitlich ein Herzogtum war. Gleichzeitig beginnt um 700 die planmäßige Christianisierung Thüringens durch die Franken, wobei hier besonders der heilige Bonifatius hervorstach.
- nach 800: Wiederholt kommt es zu Einfällen der Sorben, die dadurch benötigten Befugnisse der thüringischen Herrscher zur Verteidigung ermöglicht eine Weiterentwicklung zum Markherzogtum (Herscher z.B.: Thakulf bis 873, Ratolf bis ?, Poppo bis 892, und Burchard bis um 910). In Friedenszeiten tritt Erfurt als Handelspunkt hervor.
- um 900: Thüringen gerät unter die Oberhoheit Sachsens durch Heinrich, Herzog von Sachsen und späteren König Heinrich den I.
- um 1000: Mehrere Grafengeschlechter konkurrieren um die Vorherrschaft in Thüringen, keines kann sich durchsetzen (Grafen von: Weimar-Orlemünde, Tonna-Gleichen, Käfernburg-Schwarzburg). Einzig von Bedeutung ist hier das Geschlecht der Ludowinger, dessen Begründer Ludwig der Bärtige um 1074? die Schauenburg bei Friedrichroda bauen lässt.
- 1067: Ludwig der Springer, Sohn von Ludwig dem Bärtigen, verlegt seinen Stammsitz auf die Wartburg und beginnt selbige auf den Status auszubauen, der heute noch zu sehen ist. Später gilt die Wartburg als die Hauptburg der Ludowinger.
- 1131: Der Sohn Ludwigs des Springers, Ludwig I., erhält die Landgrafenwürde auf dem Reichstag zu Goslar durch Kaiser Lothar III. Die nun folgende Zeit der Ludowinger als Landgrafen ist eine der bekanntesten in der Geschichte des Landes (Sängerkrieg auf der Wartburg. In diese Zeit fällt auch das Wirken der heiligen Elisabeth).
- 1247: Mit Heinrich Raspe stirbt der letzte Ludowinger. Thüringen fällt an die Wettiner.
- 1485: Mit der Leipziger Teilung der wettinischen Gebiete fällt Thüringen an die Linie der Ernestiner.
- 1521/22: Aufenthalt Martin Luthers auf der Wartburg, wo er als "Junker Jörg" unter dem Schutz der Weimarer Fürsten vor der Verfolgung des Papstes das Neue Testament übersetzte und damit die Grundlage einer einheitlichen deutschen Schriftsprache schuf.
- 1525: Thüringen ist ein Zentrum des Deutschen Bauernkrieges.
- 1546/47: Schmalkaldischer Krieg
- ab 1572: Mehrere Jahrhunderte währende Erbteilungen des Landes führen zu einer Vielzahl von entstandenen und wieder aufgelösten Fürstentümern.
- 1794-1805: Zeit der Weimarer Klassik als Blütezeit der deutschen Literatur
- 1806: Schlacht bei Jena und Auerstedt
- 1817: Wartburgfest der Burschenschaften
- 1. Mai 1920: Das Land Thüringen entsteht aus dem Zusammenschluss der sieben Volks- beziehungsweise Freistaaten der ehemaligen Großherzog- beziehungsweise Fürstentümer Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Gotha (ohne Coburg, dieses schloss sich Bayern an), Sachsen-Altenburg, Sachsen-Meiningen, beiden Fürstentümern Reuß j.L. und Reuß ä.L., die sich 1919 zum Volksstaat Reuß vorab vereinigt hatten, Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen. Zum Freistaat Preußen gehörten weiterhin dessen Regierungsbezirk Erfurt mit diversen Exklaven wie Schleusingen und Ziegenrück, sowie der Kreis Herrschaft Schmalkalden der preußischen Provinz Hessen-Nassau.
- 23. Januar 1930: Erste völkisch-nationalsozialistische Regierung in Deutschland (Baum-Frick-Regierung)
- 1932-1945: Regierung der NSDAP in Thüringen
- 1. Juli 1944: Unterstellung der Regierungsbezirks Erfurt der aufgelösten Provinz Sachsen unter die Verwaltung des Reichsstatthalters für Thüringen in Weimar.
- 1945-1952: Bildung des Landes Thüringen innerhalb der Sowjetischen Besatzungszone beziehungsweise der DDR, bestehend aus dem Land Thüringen von 1920, jedoch ohne die Exklaven Allstedt und Ostheim, ferner aus dem Gebiet des früheren preußischen Regierungsbezirkes Erfurt und der Herrschaft Schmalkalden.
- 1952-1990: Aufteilung Thüringens in die Bezirke Erfurt, Gera und Suhl.
- 1990: Neubildung des Freistaates Thüringen, bestehend aus den Bezirken Erfurt, Gera und Suhl sowie unter Einbeziehung der Kreise Altenburg, Artern und Schmölln, mit Josef Duchač als erstem Ministerpräsidenten.

Die Regierungschefs von Thüringen

Vorsitzenden des Staatsministeriums von 1920 bis 1933:
- 1920 - 1921: Dr. Arnold Rudolf Paulssen, DDP
- 1921 - 1924: August Frölich, SPD
- 1924 - 1928: Dr. Richard Leutheußer, DVP
- 1928 - 1930: Dr. Arnold Rudolf Paulssen, DDP
- 1930 - 1932: Erwin Baum, ThLB
- 1932 - 1933: Fritz Sauckel, NSDAP Ministerpräsident von 1933 bis 1945:
- 1933 - 1945: Willy Marschler, NSDAP Reichsstatthalter von 1933 bis 1945:
- 1933 - 1945: Fritz Sauckel, NSDAP Regierungspräsidenten von 1945 bis 1952:
- 1945: Hermann Brill
- 1945 - 1947: Rudolf Paul, SPD/SED
- 1947 - 1952: Werner Eggerath, SED Ministerpräsidenten von 1990 bis heute:
- 1990 - 1992: Josef Duchač, CDU
- 1992 - 2003: Dr. Bernhard Vogel, CDU
- 5. Juni 2003 - heute: Dieter Althaus, CDU

Wirtschaft

In Thüringen werden vor allem Glas, Keramik, Spielwaren, Holz und Textilien und viele Produkte aus der Metallverarbeitung hergestellt. Die meisten Arbeiter sind in Eisenach und Walthershausen im Maschinen- und Fahrzeugbau beschäftigt, aber auch in der Kleineisen- und Werkzeugproduktion. Von Bedeutung sind auch Elektrotechnik und Gerätebau in Erfurt, Eisenach, Ruhla, Suhl und Meiningen. Der Sitz des Unternehmens Jenoptik (früher Carl Zeiss Jena) in Jena macht die Stadt weltweit für seinen Präzisionsgerätebau bekannt. Im Thüringer Becken, in der Orlasenke und im Gebiet südlich von Altenburg wird viel Ackerbau betrieben. Angebaut werden vor allem Weizen, Gerste und Zuckerrüben, im Untereichsfeld und im Werragebiet vielfach sogar Tabak. In den Flusstälern wachsen Obst und Gemüse und in Erfurt waren Blumenzucht und Gemüseanbau die Grundlage für die deutschlandweit bekannte Erfurter Saatzucht. Der Tourismus ist aber ein genauso wichtiger Wirtschaftszweig für das Bundesland. Die Erholungsgebiete befinden sich hauptsächlich im Thüringer Wald und im Thüringer Schiefergebirge. Zahlreiche Wanderwege erschließen diese Gebirge. Der etwa 160 km lange Fernwanderweg „Rennsteig“, der auf dem Kamm des gesamten Thüringer Waldes und des Thüringer Schiefergebirges entlangführt, bietet sehr gute Fernsichten. Ein bekanntes Wintersportzentrum ist Oberhof, welches ca. 10 km nördlich von Suhl liegt. Die soziale Marktwirtschaft hat mit der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion und dem Beitritt zur Bundesrepublik 1990 die sozialistische Zentralverwaltungswirtschaft in Thüringen abgelöst. Dieser tief greifende Umstrukturierungsprozess löste in verschiedenen Branchen Krisen aus und führte zu hohen Arbeitslosenraten. Zwei Drittel der alten Arbeitplätze Thüringens fielen zwischen 1989 und 1995 der politischen und wirtschaftlichen Wende zum Opfer.

Verwaltungsgliederung

Die Geschichte der Verwaltungsgliederung Thüringens wird im entsprechenden Zusatzartikel dargestellt. Seit der Kreisreform vom 1. Juli 1994 ist der Freistaat Thüringen in 17 Landkreise unterteilt. Es gibt außerdem sechs kreisfreie Städte.

Landkreise

:in Klammern: Kreisstadt (sofern anderslautend als Landkreis) und Kfz-Kennzeichen kreisfreie Städte # Altenburger Land (Altenburg) (ABG) # Eichsfeld (Heilbad Heiligenstadt) (EIC) # Gotha (GTH) # Greiz (GRZ) # Hildburghausen (HBN) # Ilm-Kreis (Arnstadt) (IK) # Kyffhäuserkreis (Sondershausen) (KYF) # Nordhausen (NDH) # Saale-Holzland-Kreis (Eisenberg) (SHK) # Saale-Orla-Kreis (Schleiz) (SOK) # Saalfeld-Rudolstadt (Saalfeld/Saale) (SLF) # Schmalkalden-Meiningen (Meiningen) (SM) # Sömmerda (SÖM) # Sonneberg (SON) # Unstrut-Hainich-Kreis (Mühlhausen) (UH) # Wartburgkreis (Bad Salzungen) (WAK) # Weimarer Land (Apolda) (AP)

Kreisfreie Städte

Städte und Gemeinden

Es gibt in Thüringen 998 selbstständige Städte und Gemeinden. Zum großen Teil sind diese jedoch Mitglieder von Verwaltungsgemeinschaften.

Größte Städte

¹ Bildung der Gemeinde am 16. März 2004

Regionen

Sprache

Es gibt keinen einheitlichen thüringischen Dialekt, vielmehr ist das Gebiet des heutigen Bundeslands Thüringen, auch auf Grund seiner Geschichte, in sprachlicher Hinsicht stark differenziert. Thüringisch wird nördlich des Rennsteigs gesprochen. Südlich dieses als Sprachscheide fungierenden Mittelgebirgszugs herrscht fränkisch geprägte Mundart vor. Auch im Südosten Thüringens, entlang der Grenze zu Bayern befindet sich ein streifenförmiges fränkisch beeinflusstes Mundartgebiet, welches erst weiter nördlich ins Thüringische übergeht. Weitere kleinräumige Dialektgebiete in Thüringen befinden sich im Südwesten, im Gebiet um Vacha, wo in einigen Orten hessischer Dialekt gesprochen wird. Im Norden Thüringens, nördlich von Worbis und südlich von Duderstadt (Niedersachsen) wird in einer Anzahl von Orten, die sich nördlich der ik-ich- Linie befinden, niederdeutscher Dialekt, genauer Ostfälisch, gesprochen. [http://www.personal.uni-jena.de/~x8wisu/woerterbuch/materialien/karten/index.html Hier] findet man Abbildungen, welche die sprachlichen Verhältnisse in Thüringen illustrieren. Nähere Informationen zu den sprachlichen Gegebenheiten in Thüringen liefern die [http://www.uni-jena.de/thwb Webseiten der Arbeitsstelle Thüringisches Wörterbuch, Jena]

Kultur

Kulinarische Spezialitäten

Thüringisch Die als deftig geltende Thüringer Küche ist vor allem für Thüringer Klöße, die Thüringer Rostbratwurst und das Thüringer Rostbrätl bekannt. Regionale Spezialitäten sind der Mutzbraten und der Schmandkuchen.

Besondere Sehenswürdigkeiten


- Weimar, die Stadt der deutschen Klassik
- Wartburg
- Rennsteig im Thüringer Wald
- Saalfelder Feengrotten
- Deutsches Spielzeugmuseum
- Naturpark Obere Saale
- Kyffhäuserdenkmal
- Barbarossahöhle
- Oberweißbacher Bergbahn
- Mon plaisir – Puppenmuseum in Arnstadt
- Blick vom Emberg zum Thüringer Wald [http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/468966/display/1701904]
- Erlebnisbergwerke in Sondershausen (mit Kahnfahren, Kegeln oder Moutainbikefahren unter Tage in ca. 700 m Tiefe) und Merkers (mit dem größten untertägigen Schaufelradbagger der Welt und Kristallgrotte)
- Possen bei Sondershausen mit dem Possenturm, dem höchstem Fachwerkturm Deutschlands
- Nationalpark Hainich
- Erfurter Dom
- Bunkermuseum in Frauenwald
- Ruine Brandenburg/Werratal

Religion

Auf dem Gebiet des heutigen Thüringens ist der christliche Glauben durch die Missionierung des Heiligen Bonifazius eingezogen. Nach der Reformation sind fast alle Gebiete evangelisch geworden. Nur das Eichsfeld und Erfurt blieben katholische Hochburgen. 8,2 % der Bevölkerung gehören der Römisch-katholischen Kirche an (Stand: 2003).

Siehe auch


- Portal:Thüringen
- Geschichte Thüringens
- Liste der Orte in Thüringen
- Liste bedeutender Thüringer
- Thüringische Staaten

Weblinks


-
- [http://www.thueringen.de Freistaat Thüringen]
- [http://www.thueringen.info Urlaub im Freistaat Thüringen]
- [http://www.tls.thueringen.de Thüringer Landesamt für Statistik]
- [http://www.wahlen.thueringen.de/WahlSeite.asp Wahlergebnisse (Landeswahlleiter)]
ja:テューリンゲン州 ko:튀링겐 주 simple:Thuringia

Saale

Die Saale, auch Sächsische Saale, ist ein Fluss in Oberfranken/Bayern, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Sie ist nach der Moldau der zweitlängste Nebenfluss der Elbe.

Geografie

Die Gesamtlänge wurde durch Begradigungen im Rahmen des Wasserstraßenausbaues Elbe/Saale in den Jahren 1933 bis 1942 von 427 km auf rund 413 km verkürzt. Der damals begonnene Bau des für die Fluss-Schifffahrt gedachten Elster-Saale-Kanals, der bis nach Leipzig führen sollte, wird nie vollendet.

Verlauf

Die Saale entspringt am Waldstein im Fichtelgebirge bei Münchberg. Münchberg Der Oberlauf der Saale zwischen Münchberg und Hof ist noch ziemlich gemächlich. Dann verläuft der Fluss quer durch das Thüringer Schiefergebirge und berührt Saalfeld, Rudolstadt und Jena. An ihrem Mittellauf ist die Saale mehrfach angestaut, die größten Stauseen einer fünfstufigen Kaskade sind der Hohenwarte- und der Bleiloch-Stausee. Der Unterlauf verläuft in einer flachen Landschaft durch die Städte Weißenfels, Bad Dürrenberg, Merseburg, Halle (Saale), (südlich von Halle liegen die ökologisch wertvollen Saaleauen, im halleschen Stadtgebiet mehrere Inseln und Felsen am Ufer - Klausberge, Kröllwitzer Felsen, u.a. der Giebichenstein mit der gleichnamigen Burgruine) unterhalb von Halle passiert die Saale die Steilufer der Brachwitzer Alpen, Wettin, die Rothenburger Porphyrfelsen und Bernburg. Die Saale mündet bei Barby in die Elbe.

Stauseen an der Saale

Am Oberlauf der Saale liegen in dieser Reihenfolge folgende Stauseen:
- Bleilochtalsperre
- Talsperre Burgkhammer
- Walsburg
- Hohenwartetalsperre
- Talsperre Eichicht
- Siehe http://www.saale-orla-kreis.de/cdaada.htm

Nebenflüsse


- Lamitz (Fluss)
- Schweßnitz
- Selbitz
- Wisenta
- Schwarza
- Loquitz
- Sormitz
- Orla
- Ilm
- Unstrut
- Weiße Elster
- Wipper
- Bode

Orte entlang der Saale

Bayern

Thüringen

Sachsen-Anhalt

Sehenswürdigkeiten und Bauwerke

An der Saale mit ihrem Nebenfluss Unstrut liegt das Weinbaugebiet Saale-Unstrut. Entlang des Flusses verläuft der (vor allem im Ober- und Mittellauf radtouristisch anspruchsvolle) Fernradweg Saale-Radweg. Die Saale fließt an den Dornburger Schlössern, der Burg Saaleck, der Rudelsburg und Bad Kösen mit seinem Gradierwerk vorbei.

Wirtschaft

Bedeutung als Verkehrsweg

Ab Halle-Trotha ist die Saale schiffbar. Eine EU-Norm-gerechte Kanalisierung des Unterlaufs ist geplant (Saale-Kanal), stößt aber auf Widerstand durch Umweltschutzgruppen: Weder ließe sich diese Investition mit dem derzeitigen Güteraufkommen rechtfertigen noch sei der Ausbau verkehrstechnisch sinnvoll ohne einen Ausbau der vorgeschalteten Elbe. Die Via Regia folgt streckenweise dem Lauf der Saale.

Siehe auch


- Saale-Eiszeit
- Saale-Radweg
- Liste der Gewässer in Sachsen
- Liste der Gewässer in Thüringen

Weblinks


- http://www.blaues-band.de/saale/
- http://www.vhds.de Kategorie:Fluss in Deutschland Kategorie:Fluss in Bayern Kategorie:Fluss_in_Sachsen-Anhalt Kategorie:Fluss_in_Thüringen

Ilm-Kreis

Der Ilm-Kreis ist ein Landkreis in der Mitte von Thüringen.

Geografie

Nachbarkreise sind im Norden die kreisfreie Stadt Erfurt, im Nordosten der Landkreis Weimarer Land, im Osten der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, im Süden der Landkreis Hildburghausen und die kreisfreie Stadt Suhl, im Südwesten der Landkreis Schmalkalden-Meiningen und im Westen der Landkreis Gotha. Im Nord-Osten herrscht ein eher flaches, vereinzelt hügeliges, Land vor. Im Süd-Westen hingegen erhebt sich im Thüringer Wald der höchste Berg Thüringens, der Große Beerberg mit 982 Metern. Hier sind auch die großen Fichtenwälder zu finden. Die beiden größten Städte Arnstadt und Ilmenau sind auf diese zwei Landstriche verteilt.

Verkehr

Im Ilm-Kreis verlaufen die Autobahnen A 4 und die A 71, auch Thüringer-Wald-Autobahn genannt. Daneben gibt es noch die B4, B87 und B88, welche sich alle in Ilmenau treffen. Die Eisenbahnstrecken Erfurt-Arnstadt-Suhl-Würzburg, Erfurt-Arnstadt-Stadtilm-Saalfeld und Erfurt-Arnstadt-Ilmenau liegen auf dem Gebiet des Ilm-Kreises. Auf den Strecken Ilmenau-Großbreitenbach und Ilmenau-Rennsteig-Themar-Grimmenthal wird zur Zeit kein Schienenverkehr bestellt. Die ursprünglich im Bundesverkehrwegeplan 1992 vorgesehene Hochgeschwindigkeitstrecke Erfurt-Nürnberg ist auf dem Abschnitt Erfurt-Wümbach (bei Ilmenau) fertiggestellt. Die weitere Fertigstellung scheitert im Moment an den hohen Kosten des Thüringer-Wald-Tunnels und an dem wegen des Umwegs von 100 km verkehrstechnisch umstrittenen Verlauf der Strecke Berlin-München über Erfurt. Deshalb gibt es Vorschläge, die vorhandene Bauruine für einen Bruchteil der ursprünglichen Kosten in ein Regionalnetz zu integrieren, das Städte des Thüringer Waldes und Frankens verbindet.

Geschichte

Der Ilm-Kreis wurde 1994 durch Zusammenlegung der Landkreise Arnstadt und Ilmenau gegründet. Er umfasst im wesentlichen das Gebiet des 1923 gebildeten Landkreises Arnstadt, der 1952 mit der Einteilung der DDR in Bezirke in zwei Kreise geteilt wurde. Der Kreis Arnstadt gehörte zum Bezirk Erfurt, der Kreis Ilmenau zum Bezirk Suhl.

Wappen

Für das Wappen wurden Symbole von Territorialherrschaften gewählt, die die Region ehemals geprägt haben. Der goldene Löwe auf blauem Grund als Symbol des Fürsten von Schwarzburg ist zweimal im Wappen, da sich der Hauptteil des heutigen Kreisgebietes ehemals im Besitz des Fürsten von Schwarzburg befand. Weiter vertreten ist das farblich veränderte Wappen der Grafen von Henneberg (ein schwarzer Hahn auf goldenem Grund, unten rechts) sowie das Stadtwappen der Stadt Arnstadt.

Städte und Gemeinden

Dialekte im Kreisgebiet

Im Landkreis werden überwiegend zentralthüringische, ilmthüringische und südostthüringische Mundarten gesprochen, die zur großen thüringisch-obersächsischen Dialektgruppe gehören.

Weblinks


- [http://www.ilm-kreis.de/ Webseite des Ilm-Kreises] Kategorie:Ilm-Kreis

Ilmenau (Stadt)

Die Goethe- und Universitätsstadt Ilmenau liegt im Bundesland Thüringen, südlich von Erfurt und nordöstlich von Suhl. Sie hat den Status einer großen kreisangehörigen Stadt und liegt im Ilm-Kreis. Über Ilmenau erhebt sich der 861m hohe Hausberg Kickelhahn. Ilmenau ist stark geprägt von der Technischen Universität Ilmenau mit ihren derzeit 7.170 Studenten (WS 04/05). Ferner sind hier das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie (IDMT) und das Fraunhofer-Anwendungszentrum für Systemtechnik (AST) ansässig.

Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung ist auf das Jahr 1273 datiert und bezieht sich auf das Recht der Münzprägung im Zusammenhang mit dem Silber- und Kupferbergbau in der Region. 1334 erhielt Ilmenau das Stadtrecht und zählte damals 800 Einwohner. Bedeutsam für die Entscheidung dürfte neben dem örtlichen Bergbau die Tatsache gewesen sein, dass die damalige Handelsstraße Erfurt-Nürnberg den Ort berührte. Im Jahre 1343 werden die ersten Herren der Stadt, die Grafen von Käfernburg, erwähnt, die die Stadt an den Grafen von Henneberg verkauften. In den darauffolgenden Jahrhunderten wechselte die Herrschaft über Ilmenau mehrfach, bis sie wieder an die Henneberger zurückfiel. Nach dem Aussterben dieses Geschlechtes 1583 wurde Ilmenau dem Herzogtum Sachsen und bei der Erbteilung 1660/61 dem Herzogtum Sachsen-Weimar zugesprochen (ab 1815 Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach). Dem Großherzogtum gehörte die Stadt dann bis 1918 an. 1918 Wichtiger Wirtschaftsfaktor Ilmenaus war seit langem der Bergbau. Vor allem Silber, Kupfer und Flussspat wurden in der Gegend abgebaut. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts betrug die Zahl der Bergleute ca. 500. In der Münze wurden während der gesamten Betriebszeit 40.842 Taler geprägt. Die Mitte des 18. Jahrhunderts brachte aber herbe Rückschläge. Die Rohstoffe versiegten, die sächsische Konkurrenz war erdrückend. 1739 führte ein Wassereinbruch zum Erliegen der Förderung. Zudem verheerte 1752 ein Brand die Stadt. Ihm fielen die offiziellen Gebäude und 284 Wohnhäuser zum Opfer. Während die Bevölkerung total verarmte, steckten die Beamten der Stadtverwaltung die kargen Hilfsgelder, die aus Weimar flossen, in die eigene Tasche. Beschwerden wurden von der Herzogin Anna Amalia abgewiesen. Die Bürgerschaft wehrte sich unter anderem mit einem Prozess vorm Reichskammergericht, den sie 1771 gewann. 1776 kam Goethe erstmals in die Stadt. Einige Zeit später wurde er von Herzog Carl August mit der Förderung des Bergbaus beauftragt. Energisch widmete er sich dieser Aufgabe, kümmerte sich aber auch um die Not der Bevölkerung und erreichte nach einer Revision die Verurteilung der korrumpierten Stadtverwaltung. Der Wiederbelebung des Bergbaus war nach einem erneuten Wassereinbruch 1796 kein Glück beschieden, doch förderte Goethe die Glas- und Porzellanherstellung (1777 erste Porzellanmanufaktur), die zu einem wichtigen wirtschaftlichen Bestandteil Ilmenaus wurde. Goethe selbst blieb Ilmenau zeitlebens nicht nur durch seine Amtspflichten, sondern auch durch seine schriftstellerische und naturwissenschaftliche Arbeit sehr verbunden. Seinen 82. und letzten Geburtstag feierte er in Ilmenau. In der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Ilmenau zum Luftkur- und Badeort, stand dabei jedoch meist im Schatten des damals bekannteren Friedrichroda. Das endgültige Aus wurde durch einen Brand der Badeanstalten im Jahre 1920 eingeleitet. Die parallel stattfindende Industrialisierung verlief dagegen erfolgreicher: 1852 entstand die erste Glashütte, ab 1864 gab es dann Porzellanmalereibetriebe bis sich im Jahr 1870 der Thermometer- und Glasinstrumentebau in Ilmenau etablierte. Die 1879 eröffnete Bahnlinie Ilmenau-Neudietendorf förderte diesen Aufschwung sowie die Bevölkerungsentwicklung der Stadt. 1894 wurde das Thüringische Technikum eröffnet, aus welchem über mehrere Stufen die heutige TU Ilmenau hervorging.

Kultur

Die Kultur Ilmenaus ist stark durch die Tätigkeiten Goethes in der Stadt geprägt. So ist Ilmenau die einzige Stadt, der ein ganzes Werk Goethes gewidmet ist und der er damit ein poetisches Denkmal setzte. Mit dem Gedicht Ilmenau finden Goethes Zeiten, die von Spaß und Vergnügen mit dem jungen Herzog (ab 1815 Großherzog) Karl August geprägt waren, einen Abschluss. Doch gerade in jüngster Zeit wird die Kultur stark durch die Universität geprägt. Ein wichtiger Teil der studentischen Kultur wird zu großen Teilen vom Ilmenauer Studentenclub e.V. gestaltet. Dieser Verein betreibt auf dem Campus vier Studentenclubs sowie ein Studentencafé mit einem reichhaltigen Party- und Diskothekenprogramm, unterstützt verschiedene kulturelle Schwerpunkte wie Film, Musik und Unterhaltung. Einen weiteren großen Anteil an der kulturellen Arbeit an der Universität hat der KuKo e.V. (kulturelle Koordinierung), welcher verschiedene Interessengebiete, wie Fotografie, Theater oder Musik vereint. Aus dem universitären Umfeld sind verschiedene Initativen entstanden, die mit Veranstaltungen das kulturelle Programm der Stadt erweitern. Eines der größten Events ist das Himmelblau-Festival der Veranstalter Reizkultur, welches jährlich im Stadtpark stattfindet. Kultureller Höhepunkt außerhalb des Campus ist das im Juni jeden Jahres stattfindende Altstadtfest. Auf mehreren in der Stadt verteilten Bühnen werden unterschiedlichste musikalische Darbietungen geboten, die durch in der Altstadt aufgestellte Verkaufsstände ergänzt werden. Weitere, regelmäßig in der Innenstadt stattfindende Veranstaltungen sind das Ilmenauer Kneipenfest, der Töpfermarkt, das Lichterfest sowie der Weihnachtsmarkt. Ilmenau ist auch ein Veranstaltungsort der Konzertreihe Jazzmeile, einem Zusammenschluss mehrerer thüringer Städte, die im Herbst jeden Jahres ein landesweites, über zwei Monate verteiltes Musikfestival organisieren. Die Abschlußveranstaltung der Jazzmeile 2005 findet am 9.12. in Ilmenau statt.

Politik

Stadtrat: (30 Mitglieder)
CDU-Fraktion 14, SPD-Fraktion 4,
PDS-Fraktion 7, Fraktion BÜBÜ/FWG 5
(Ergebnis der Stadtratswahl vom 27. Juni 2004) Oberbürgermeister: Gerd-Michael Seeber

Geographie

Ilmenau liegt in einer Höhe von etwa 500 m ü. NN am Nordrand des Thüringer Waldes. Klima: Mittelgebirgsklima
- mittlere Jahresniederschlagsmenge: 933 mm,
- mittlere Lufttemperatur: 8,4 Grad Celsius

Sehenswürdigkeiten


- Stadtkirche St. Jakobus : Die Stadtkirche Ilmenaus brannte in den vergangenen Jahrhunderten mehrfach ab, und wurde ebenfalls mehrfach Opfer von Plünderungen. Der heutige Bau wurde im 18. Jahrhundert auf den Resten der nach dem Ilmenauer Stadtbrand zerstörten Kirche errichtet. Die 1911 eingebaute Orgel ist mit 65 Registern die größte Orgel Thüringens.
- Sächsischer Hof / Posthalterei : Der Sächsische Hof war die alte Posthalterei der Grafen von Thurn und Taxis.
- Alte Försterei : Die Alte Försterei wurde 1733 als Jägerhaus und Nebengebäude des 1752 abgebrannten Ilmenauer Schlosses errichtet. Sie war Wohnung der Jäger- und Forstmeister. Auch Goethe war hier mehrmals zu Gast. Die Alte Försterei ist heute eines der ältesten Gebäude der Stadt.
- Rathaus und Amtshaus am Marktplatz : Das Ilmenauer Rathaus wurde in mehreren Bauphasen in den vergangenen Jahrhunderten einige mal verändert. Lediglich das Renaissanceportal und die Erkerkonsolen stammen noch aus dem Jahre 1625. Alles übrige wurde durch den Stadtbrand von 1752 zerstört. Das heute barocke Rathaus entstand in den Jahren 1768 bis 1786. Um 1900 wurde das Rathaus dann um noch drei weitere Flügel ergänzt. Der Rathausplatz wurde im Jahr 1996 komplett neu gestaltet. Gegenüber vom Rathaus steht das im Jahr 1616 erbaute barocke Amtshaus. Das jetzige Aussehen gab ihm der Thüringer Barockbaumeister Gottfried Heinrich Krohne in den Jahren 1753 - 1756.
- Die Wettersäule : Die Ilmenauer Wettersäule wurde im Jahr 1895 in der Lindenstraße aufgestellt. Heute ist sie am Ende der Friedrich-Hofmann-Straße zu finden. Ausgestattet ist die Säule mit Thermometer, Barometer, Hygrometer und Erdboden-Thermometer. Im Jahr 2004 wurde sie vollständig restauriert.
- Der Kickelhahn : Der Kickelhahn ist mit 861 m Höhe der "Hausberg" der Stadt Ilmenau. Dort befinden sich der 1852 erbaute Aussichtsturm, eine kleine Schutzhütte (das "Goethehäuschen"), in dem unter Glas Goethes Gedicht Wanderers Nachtlied in mehreren Übersetzungen zu lesen ist, sowie eine Gaststätte, die man von Ilmenau oder Manebach in etwa einer Stunde auf steilem Fußweg (Höhenunterschied etwa 380 m) erreichen kann.

Wirtschaft

Die Wirtschaft ist stark geprägt durch die hier traditionell angesiedelte Glasindustrie. In den letzten Jahren haben sich darüber hinaus im Umfeld der TU Ilmenau zahlreiche Betriebe der Technologie- und Medienbranche angesiedelt.

Städtepartnerschaften


- Homburg an der Saar, seit 1989
- Wetzlar, seit 1990
- Târgu Mureş (Rumänien), seit 1997
- Blue Ash (USA), seit 2002

Persönlichkeiten


- Dagmar Schipanski (CDU), eine Professorin der Universität, kandidierte 1999 für das Amt als Bundespräsidentin. Obwohl diese Kanditatur scheiterte, blieb sie anschließend politisch aktiv, so war sie von 1999 bis 2004 Thüringer Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Seit 2004 ist sie Präsidentin des Thüringer Landtages.
- Rennrodler Hans Rinn, Ehrenbürger der Stadt Ilmenau
- Rennrodlerin Ute Oberhoffner, Ehrenbürgerin der Stadt Ilmenau
- Rennrodler Jens Müller, Ehrenbürger der Stadt Ilmenau
- Rennrodler Stefan Krauße, geboren in Ilmenau und Ehrenbürger der Stadt Ilmenau
- Rennrodler Jan Behrendt, Ehrenbürger der Stadt Ilmenau
- Biathletin Andrea Henkel, geboren in Ilmenau
- Biathlet Peter Sendel, geboren in Ilmenau

Literatur


- Claudia Fiala, Karl-Heinz Veit, Rainer Paschy, Ilmenau, Goethestadt und Universitätsstadt (ISBN 3-8968-31232)
- Wilfried Nax, Carola Rittig, Petra Lindner, Die Technische Universität Ilmenau (ISBN 3-8970-26031)

Siehe auch


- Ilmtal-Radweg

Weblinks


- [http://www.ilmenau.de/ Offizielle Webseite der Stadt Ilmenau]
- Bild:Blick_auf_Ilmenau.jpg|Blick auf Ilmenau vom Kickelhahn, (Winter) Bild:Kickelhahn aussicht.jpg|Blick auf Ilmenau vom Kickelhahn, (Sommer) Bild:Ilmenau_lindenstrasse.jpg|Lindenstraße in Ilmenau mit Touristen-Information Kategorie: Ort in Thüringen Kategorie:Ilmenau

Stützerbach

Stützerbach ist eine Gemeinde im Ilm-Kreis (Thüringen). Die Gemeinde gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Rennsteig, die ihren Sitz in Schmiedefeld am Rennsteig hat.

Lage

Am Nordosthang des Thüringer Waldes gelegen, ist Stützerbach nur etwa 3 km vom Kammweg des Thüringer Waldes, dem Rennsteig entfernt. Der Ort zieht sich im Tal der Lengwitz, dem Oberlauf der Ilm entlang. Unterhalb des Ortes fließen der Lengwitz die Bäche Taubach und Freibach zu. Ab diesem Punkt wird das Gewässer als Ilm bezeichnet. Die Bundesstraße 4 verbindet Stützerbach mit Ilmenau und Schleusingen.

Wissenswertes

Geprägt ist der Ort durch seine über 700 m hohen Berge, die mit ihren Wiesen und Wäldern zum Wandern einladen. Von hier aus lassen sich die höchsten Berge Thüringens, der Große Beerberg (982 m) und der Schneekopf (978 m), sowie der Finsterberg (944 m) und der Kickelhahn (861 m) erwandern. Die Vielzahl der Quellen in Stützerbachs Umgebung verbunden mit stetig wechselnden Wettereinflüssen (Reizklima) führten dazu, dass sich Stützerbach zum Kneippkurort entwickelte. Besonders Kreislauf-, Herz- und Gefäßerkrankungen, Migräne oder Durchblutungs- beziehungsweise Stoffwechselstörungen werden hier seit 1870 nach den Methoden von Sebastian Kneipp behandelt. In Stützerbach befindet sich das größte Naturbad Thüringens. Im Jahr 1998 wurde hier ein Senioren-Wohnpark eröffnet, der älteren Bürgern die notwendige Betreuung bietet und die Vorteile der Lage des Ortes nutzt. Bekannt wurde Stützerbach durch die Besuche Johann Wolfgang von Goethes. Als Staatsminister des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach weilte er oft in Ilmenau und dreizehnmal in Stützerbach. Von der einst in vielen Teilen der Welt anerkannten Glasindustrie ist nach der Wende 1989/90 nur noch wenig geblieben. Ein Laborgeräte- und Messgerätehersteller wahrt die Tradition der Stützerbacher Glasmacher. Diese war sowohl durch die Glasherstellung in mehreren Hütten, zuletzt im "VEB Westglas", einem Teilbetrieb des "VEB Kombinat Technisches Glas Ilmenau", als auch durch die Glasbläserei begründet. Zum ersten Mal in der Welt, beziehungsweise in Deutschland wurden in Stützerbach die Röntgenröhre, sowie die Glühlampe, ein Isoliergefäß für Thermosbehälter, das industriell gefertigte Thermometer und das uns bekannte Barometer hergestellt, sowie der Normschliff entwickelt. (siehe unter "Stützerbach und die Glasindustrie") Heute versucht sich die Gemeinde als Kneippkurort zu etablieren. Südlich von Stützerbach entspringt die Lengwitz, der eigentliche Quellfluss der Ilm. Nördlich des Ortes vereinigt sich diese mit den Bächen Taubach und Freibach. Von diesem Zusammenfluss ab wird das Gewässer als die Ilm bezeichnet.

Wappen

Das Wappen zeigt den Fluss Lengwitz, der sich durch den Ort schlängelt, steht aber auch für die Teilung Stützerbachs in einen dem Amt Schleusingen (Preußen) und einen dem Amt Ilmenau (Sachsen-Weimar-Eisenach) zugehörigen Ortsteil. Nadelbaum und Geweihstangen deuten auf die umgebenden Wälder hin.

Geschichte


- Um 1506 erste Erwähnung einer Schneidemühle von Stocer am Bach oder am Stocerbach.
- 18. Oktober 1570, Erwähnung eines herrschaftlichen Viehhofes in "Stutzerbach", der zur Pferdezucht diente.
- Ab 1648 - Ansiedlung von Glasmachern aus Gehlberg und Lauscha.
- Es entstanden weitere Schneidemühlen, Glashütten, Papiermühlen und eine Porzellanfabrik.
- 1660 - das nur aus wenigen Häusern bestehende Stützerbach wurde in Folge der Teilung des hennebergischen Landes in einen sächsisch-weimarschen und preußischen Ort durch die Lengwitz geteilt.
- in der Folge entstehen zwei Kirchen, zwei Friedhöfe, zwei Schulen, zwei Feuerwehren und zwei Gemeindeverwaltungen.
- 1700 der gesamte Ort (beide Teile) bestand aus zwei Glashütten, zwei Mahl- und Papiermühlen, einem Forsthaus, einem Schulhaus und 32 Wohnhäusern.
- 1733-1734 Bau des Jagdschlosses "Dianenburg" auf den Schlossberg, von dem heute noch die terassenförmigen Wallanlagen zu erkennen sind.
- 1749 Abriss des Stützerbacher Jagdschlosses Dianenburg wegen Baufälligkeit und Verkauf des Materials, von dem heute noch Teile an einigen Häusern zu erkennen sind.
- 1776 bis 1780 - dreizehnmal besuchte Johann Wolfgang von Goethe Stützerbach.
- 1800 Stützerbach bestand aus 45 Häusern, in denen 279 Einwohner lebten.
- 1826 Gründung einer Porzellanfabrik durch die Brüder Franz und Carl Wilhelm Ferdinand Friedrichs I. aus Ilmenau.
- 1830 Herstellung des ersten deutschen industriell gefertigten Thermometers durch den Stützerbacher Franz Ferdinand Greiner und den Wandergesellen Wilhelm Berkes.
- Ab 1870 - zunehmender Kneippbetrieb.
- 1883 Herstellung der ersten Glühlampe in Deutschland durch die Fa. Greiner & Friedrichs.
- 1885 Herstellung des ersten Thermosgefäßes durch die Fa. Greiner & Friedrichs.
- 1896 Herstellung der ersten Röntgenröhre durch das gleiche Unternehmen.
- 1945 - Vereinigung des Ortes im Landkreis Arnstadt des Landes Thüringen.

Stützerbach und die Glasindustrie

Die Gegend um Stützerbach, Manebach, Gehlberg, Schmiedefeld am Rennsteig und Ilmenau eignete sich besonders für die frühe Glaserzeugung. Der Waldreichtum bot ausreichend Brennmaterial, die Bäume dienten zudem der Pottascheherstellung und besonders der Boden um die Pörlitzer Dörfer war reich an dem benötigtem Sand. Produziert wurde das "Waldglas", ein durch Verunreinigungen von Eisenoxiden in der Pottasche grün gefärbtes Material. Im Jahr 1656 wurde die erste Glashütte in Ilmenau von Zacharias Holland etwa auf dem Gelände des ehemaligen VEB "Westglas" erbaut. Hans Greiner, ein Teilhaber dieser Hütte, gründete in der Mitte des Dorfes, auf dem "Hüttenplatz" nach der Teilung des Ortes eine neue, nun auf sächsisch-weimarschen Boden befindliche Fabrik. Ferdinand Friedrichs I. aus Ilmenau erwarb den Hüttenanteil Gundlachs (siehe auch unter Goethe und Ilmenau) und verlegte die Produktion seiner Ilmenauer Hütte ganz nach Stützerbach. Aus dieser ging die Firma Greiner und Friedrichs hervor, die neben der Hüttenproduktion auch Glasinstrumente fertigte. In dieser Einrichtung wurden 1883 die erste Glühlampe in Deutschland, 1885 das erste Isoliergefäß aus Glas für die Thermoskanne und 1896 die erste Röntgenröhre der Welt entwickelt. In der 1924 neu gebauten Glashütte wurde der Normschliff entwickelt, der die Zusammenstellung komplizierter Laborgeräte nach dem Baukastenprinzip ermöglicht. Auch die Gründung der weltbekannten Jenaer Glaswerke geht auf Stützerbacher Glastradditionen zurück. Arbeitete doch 1879 Otto Schott bei der Firma Greiner & Friedrichs und betrieb Entwicklungen, um ein neuartiges, feuerfestes Glas herzustellen. Mehreren anderen Glashütten, die in Stützerbachs Umgebung entstanden, war kein dauerhafter Erfolg beschieden. Um 1910 existierten neben der erwähnten Friedrichshütte noch zwei weitere Glashütten. Nach 1945 verließen die Unternehmer Friedrichs gemeinsam mit vielen Glasbläsern die sowjetische Besatzungszone und siedelten sich in Wertheim an. Noch heute gibt es dort für mehrere Straßenzüge die Bezeichnung "Klein Ilmenau". Die Firma "Greiner und Friedrichs" wurde in Volkseigentum überführt und produzierte als "VEB Westglas" weiter. Die Handelsbeziehungen dieses Unternehmens, die in die gesamte Welt reichten, machten den Ort über seine kulturhistorische Bedeutung hinaus bekannt. In den 1980er Jahren wurde das Stützerbacher Glaswerk Teil des "VEB Kombinates Technisches Glas Ilmenau". Nach der Wende verlor es mit dem Niedergang der Ilmenauer Glasindustrie gänzlich an Bedeutung und wurde 1995 schließlich durch die Treuhand abgerissen. Neben der Glasherstellung spielte im Ort die Weiterverarbeitung eine große Rolle. In Heimarbeit wurden von Glasbläsern Schmuck- und Gebrauchsartikel gefertigt. Früh schon suchten die Stützerbacher nach neuen Märkten. Franz Ferdinand Greiner entwickelte hier 1830 im heutigem Gasthaus und Hotel "Zum Deutschen Kaiser" gemeinsam mit Wilhelm Berkes das erste industriell zu fertigende Thermometer Deutschlands und machte den Ort zu einem damaligen Zentrum der Thermometerindustrie. Seine aufblühende Firma stellte 64 verschiedenen Sorten von Aerometern und Thermometern sowie weitere physikalische und technische Instrumente her. wurden. Da er ohne Nachkommen verstarb, übernahm sein Schwiegersohn Reimann mit wenig Erfolg die Firma. 1870 meldete er somit Konkurs an. Der Geschäftsführer der Unternehmens von Franz Ferdinand Greiner, Ephraim Greiner gründete im Gundlachschen Haus eine eigene Firma. Daneben existierten noch einige kleinere Werkstätten. 1862 gründeten Otto Friedrichs, der älteste Sohn des Glashüttenbesitzers Ferdinand Friedrichs I. und Wilhelm Greiner die Glasinstrumentenfabrik Greiner & Friedrichs in Stützerbach. Auch die Stützerbacher Hütten wandten sich der Herstellung von Laborglasgeräten zu und belieferten u.a. Justus von Liebig und die Jenaer Universität. In der DDR schlossen sich die Glasbläser in einer PGH zusammen, deren Produktionsräume sich in der o.g. Gasinstrumentenfabrik befanden. Später ging die Genossenschaft in das "VEB Kombinates Technisches Glas Ilmenau" ein. Nach 1990 wurde auch diese Produktion eingestellt. 1991 wurde von den Nachkommen der Unternehmerfamilie Friedrichs eine neue Firma im Ort gegründet.

Goethe und Stützerbach

Im Mai 1776 besuchte Johann Wolfgang von Goethe anlässlich eines Ausflugs auf den Finsterberg den Ort zum ersten Mal. Schon zwei Monate später jagte der Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar in diesem Revier. Goethe weilte gemeinsam mit ihm in Stützerbach, weniger der Staatsgeschäfte wegen, als vielmehr, um immer wieder dem Jagdvergnügen zu frönen. Am 3. August 1776 schrieb Goethe ein kleines Gedicht, das später unter "Einschränkungen" veröffentlicht wurde. :"Was weiß ich, was mir hier gefällt,
In dieser kleinen, engen Welt,
Mit leisem Zauberband mich hält"
Die wildreiche Gegend lockte die Herren des Weimarer Hofes häufig in den Ort, wo sie in Ermangelung einer geeigneten Unterkunft (das Jagdschloss Dianenburg auf dem Schlossberg war wegen Baufälligkeit bereits abgerissen), bei reichen Bürgern nächtigten. Sie kamen im Hause Gundlachs unter, hielten sich aber auch beim Kaufmann Johann Elias Glaser in der Auerhahnstr. 12 auf. Beide Häuser existieren heute noch, in ersterem befindet sich das Goethemuseum. Toll war das Treiben der beiden Herren, die bis in die Nacht im Gasthaus "Zum weißen Roß" mit den Bauernmädels tanzten und, so Goethe in seinem Tagebuch, "liederliche Wirtschaft trieben". Das Gasthaus konnte nicht erhalten werden, es befand sich auf dem Gelände des heutigen Senioren-Wohnparks. Anlässlich einer 1783 zu Ehren des Herzogs von Kurland, gegebenen Jagd im Gebiet zwischen Ilmenau - Manebach und Stützerbach wurde als, standesgemäße Unterkunft das "Große Gabelbachhaus", heute ebenfalls Goethemuseum, unterhalb des Kickelhahns erbaut. Im Finsteren Loch, im oberen Schortetal fand ein Jagdlager statt, das Goethe in seinem Gedicht Ilmenau poetisch verarbeitete.

Stützerbach und der Ilmenauer Bergbau

Der Ilmenauer Bergbau krankte unter anderem auch an stetig steigendem Grundwasser. Dieses zu bannen wurden kostspielige Künste (Wasserräder und Pumpwerke) gebaut. Um das benötigte Aufschlagswasser zu sichern wurden südlich von Ilmenau in der Manebacher und Stützerbacher Flur kostspielige Teiche angelegt. Von 1611 bis 1612 wurde in der Nähe des jetzigen Rosa Luxemburg-Parkes die Lengwitz umgeleitet und ein Damm errichtet, der sich quer durch das Tal zog. Von 1661 bis 1693 wurden im Tal der Freibach drei weitere Dämme errichtet, deren Reste noch heute zu sehen sind. In künstlich angelegten Berggräben, der untere verlief etwa im heutigem Straßengraben der B 4, wurde das Wasser nach Ilmenau geleitet. War auch ihre Existenz für den Bergbau segensreich, so wurden sie während der Schneeschmelze zur Gefahr. Bei mehreren Dammbrüchen nahmen sowohl Stützerbach als auch Manebach und Ilmenau Schaden. Der große Bruch des mittleren Freibachteiches in der Nacht des 9. Mai 1739 verwüstete die Bergwerksanlagen und brachte so den Bergbau für Jahrzehnte zum Erliegen. 1739

Tourismus

Geprägt ist der Ort durch die Kneippbehandlungen. Die Kurverwaltung befindet sich in der Bahnhofstraße 1. Schon in den 1950er Jahre herrschte ein reger Kurbetrieb. Die Patienten wurden privat untergebracht, erhielten die Mahlzeiten im nun abgerissenen Gasthof "Zur Tanne" und unterzogen sich den Heilbehandlungen im dafür ausgebauten Gebäude einer Gastwirtschaft. Auf den Wanderwegen rund um Stützerbach wurden Quellläufe eingefasst und in Arm- oder Beinbecken geleitet. Das erfrischend klare Wasser, verbunden mit dem Reizklima und den Wandermöglichkeiten ermöglichte die Heilbehandlung nach dem Kneippschen Prinzip. Zusätzlich stand eine Wassertretanlage im Ort zur Verfügung. Durch Stützerbach verläuft der 124 km lange Ilmradweg. Kategorie: Ort in Thüringen Kategorie:Ilm-Kreis

Slawen

Slawen sind neben den Germanen und Romanen eine der Hauptgruppen der indoeuropäischen Sprachfamilie, vor allem in Ostmittel- und Osteuropa. Staaten mit mehrheitlich slawischer Bevölkerung sind Russland, die Ukraine, Polen, Tschechien, Weißrussland, die Slowakei, Slowenien, Kroatien, Serbien und Montenegro, Bulgarien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina. Große slawische Minderheiten leben in Kasachstan, Moldawien, Estland und Lettland. In Deutschland gibt es die slawische Minderheit der Sorben mit gewissen Sonderrechten (wie zweisprachige Ortsschilder) in der Lausitz. Im Norden Polens existiert die slawische Minderheit der Kaschuben und in Österreich gibt es eine kroatische Minderheit im Burgenland und eine slowenische in Kärnten, welche durch den Artikel 7 des Österreichischen Staatsvertrags geschützt sind.

Sprache

Es ist umstritten, ob sich die baltischen und slawischen Sprachen aus einer gemeinsamen Protosprache ausgliederten oder ob die vorhandenen Gemeinsamkeiten erst durch die benachbarte geographische Lage und den daraus folgenden kulturellen Kontakt ergaben (s. Balto-slawische Hypothese). Siehe auch: Indoeuropäer, Streitaxtkulturen

Ursprünge und Ausbreitung

Historisch und archäologisch lassen sich die Slawen erst in der Spätantike (um 500) fassen. Unter Kaiser Justinian I. (527-565) gerieten Slawen erstmals in das Blickfeld byzantinischer Chronisten wie Prokopios von Caesarea, Jordanes und Theophylaktos Simokates. Sie berichten von Venetern, Sklavinen und Anten (die man zusammen auch Sporen nennt) die aus den Gebieten zwischen Karpaten, unterer Donau und Schwarzem Meer kommend plündernd in das Byzantinische Reich und seine Randgebiete einfielen. Zwar erwähnen bereits Plinius der Ältere, Tacitus und Ptolemäus von Alexandria ab dem 1. Jahrhundert in unterschiedlicher Schreibweise ein Volk der Venedi, Venethi, Venadi oder Ouenedai, das östlich der Weichsel beziehungsweise an der Danziger Bucht siedelte, doch beziehen sich diese Angaben zweifellos auf die den Germanen zuzurechnenden Vandalen. Der Sammelbegriff Veneter wurde im 6. Jahrhundert offenbar auf das bis dahin unbekannte "Volk" der Slawen übertragen, obwohl keine direkten Beziehungen zwischen beiden bestanden. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde in oft erbitterten und zumeist nationalistisch gefärbten Debatten eine "Urheimat" der Slawen gesucht, da man sich "Völker" nur als homogene Einheiten vorstellen konnte. Inzwischen wurde jedoch erkannt, dass die verschiedenen historischen Disziplinen wie Archäologie, Historiographie und Sprachwissenschaft eigene, spezifische Quellen und Aussagemöglichkeiten besitzen, die sich nicht ohne weiteres zu einem Gesamtbild zusammenfügen lassen. Sie alle haben jedoch große methodische Schwierigkeiten, mit Hilfe ihrer Quellen der Ethnogenese näherzukommen. Offensichtlich folgt die Suche nach der slawischen "Urheimat" einer falsch gestellten Frage. Erst mit ihrer Erwähnung in den oströmischen Quellen werden die Slawen als historische Größe greifbar, wobei diese Großgruppe nicht unbedingt auch als ethnisch homogene Gruppierung aufgetreten sein muss. Neu entstandene Großverbände waren wahrscheinlich fragil und "polyethnisch", das heißt sie setzten sich aus Personen und Gruppen unterschiedlicher Herkunft zusammen, die allein durch den Glauben an eine gemeinsame Kultur und eine gemeinsame Abstammung zusammengehalten wurden, sich aber nicht zwangsläufig tatsächlich auch auf eine gemeinsame Kultur und gemeinsame Sprache begründen mussten. Ethnogenese ist ein historischer Prozess, an dessen Ende das historisch bekannte Volk der Slawen stand. Für die Bildung der slawischen Sprache (Topogenese) konnte ein Gebiet zwischen mittlerer Weichsel beziehungsweise Bug und mittlerem Dnepr herausgearbeitet werden. Doch nicht allein Wanderungen der Träger dieser Sprache, sondern auch die Assimilation von Menschen verschiedener Herkunft führte zu der "Slawisierung" Ostmittel- und Osteuropas. Ein einheitliches ("proto")-slawisches "Urvolk" hat es, wie bei allen Völkern, sicherlich nicht gegeben. In den folgenden Jahrhunderten besiedelten die Slawen auf diese Weise allmählich weite Gebiete Ostmittel- und Osteuropas, die vom Schwarzen und Ägäischen Meer bis zur Ostsee und dem Ilmensee sowie von der Elbe, Saale, dem Böhmerwald, dem Inn, den Alpen und der Adria bis zum oberen Don und unteren Dnepr erstreckten.

Ausbreitung der heutigen Westslawen

Gegen Ende des 5. Jahrhunderts wurde der mittlere Donauraum (die heutige Slowakei, Ungarn, wohl auch das heutige Südmähren) und in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts auch Böhmen besiedelt. Gleichzeitig begannen die Slawen nach dem Abzug der Langobarden, sich von der Donau aus über Pannonien, Noricum und Karnien auszubreiten und siedelten sich allmählich in dem Gebiet des heutigen Oberösterreich, Steiermark, Kärnten, Krain und Tirol an. Um 600 und im Verlauf des 7. Jahrhunderts drangen slawische Gruppen bis über die Saale und Elbe hinaus in das heutige Ostdeutschland und in polnisches Gebiet vor. Die südlichen Westslawen bildeten um 623 - als Reaktion auf die Besetzung Pannoniens durch die Awaren in den 60er-Jahren des 6. Jahrhunderts - das Reich des Samo mit vermutetem Mittelpunkt im südlichen March-Raum. Danach existierten gegen Ende des 8. Jahrhunderts das Mährische Fürstentum im südlichen March-Gebiet sowie das Nitraer Fürstentum (Neutraer Fürstentum) in der heutigen Slowakei, durch deren Vereinigung 833 das Großmährische Reich entstand, das dann schnell expandierte und in der 1. Hälfte des 10. Jh. von den nomadischen Stämmen der Ungarn (Magyaren) zerstört wurde. Die Bewohner des zentralen Groß-Mähren werden in slawischen Texten als slověne, das heißt Slawen (Aussprache: slowäne oder slowene), oder als „mährische Völker“ bezeichnet. Als slověne wurden damals auch die Slawen im heutigen Ungarn, Slowenien und Slawonien bezeichnet - die späteren Bezeichnungen Slowake / Slowakei (auf Slowakisch: Slovák (weiblich: Slovenka) / Slovensko) sowie Slowene / Slowenien (auf Slowenisch: Slovenec (weiblich: Slovenka) / Slovenija) sind aus diesem Wort entstanden. Dauerhafte Reichsbildungen gelangen den Přemysliden in Böhmen und den Piasten in Großpolen im 10. und 11. Jahrhundert. Die heutige Slowakei geriet zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert (der Großteil bis 1100) sukzessive unter die Herrschaft der Ungarn/Magyaren. vergleiche auch: Austroslawismus Nördliche Westslawen: Im Verlaufe des 7. Jahrhunderts drangen westslawische Gruppen allmählich entlang der Elbe bis zur Mündung der Saale vor. Anschließend wurden die zuvor von den Germanen weitgehend geräumten Gebiete zwischen den beiden Flüssen aufgesiedelt. Die hier lebenden Slawen bezeichneten sich selbst als Sorben. Ab dem Ende des 7. Jahrhunderts und im Verlauf des 8. Jahrhunderts wurden auch die übrigen Gebiete in Ostdeutschland besiedelt. Hier bildeten sich mehrere Stammesverbände heraus, von denen insbesondere die Milzener und Lusitzer in der Lausitz, die Heveller an der Havel im heutigen Brandenburg und die Wilzen/Liutizen und Obotriten in Mecklenburg-Vorpommern zu nennen sind. Noch weiter westlich siedelten die Wagrier (Waigri) im nördlichen Holstein und die Drewaner im Lüneburgischen. Die slawischen Verbände in Nordostdeutschland werden von der Forschung unter dem Begriff Polaben oder Elbslawen zusammengefasst. Der westlichste Fürstensitz war das wagrische Aldinburg (slaw. Starigrad) an der Ostsee, das heutige Oldenburg in Holstein, zugleich wichtiger Handelsplatz für den Ostseehandel mit Beziehung zum sächsischen Hamburg und zur wikingischen Siedlung Haithabu. Die nachbarschaftlichen Beziehungen im Norden Deutschlands waren nicht immer friedlich. So gab es im 9. und 10. Jahrhundert mehrfach Überfälle auf Hamburg, 1066 wurde Haithabu von den Slawen geplündert. Unter Kaiser Otto I. erfolgte die Christianisierung der Nordwestslawen über die Erzbistümer Hamburg und Magdeburg, Bistümer wurden in Oldenburg, Merseburg, Meißen, Zeitz (1028 verlegt nach Naumburg), Brandenburg und Havelberg. Im Mittelalter zogen sehr viele Deutsche in diese dünnbesiedelten Gebiete und die Slawen gingen in den Deutschen auf. Im heutigen Polen lebten mehrere Stämme. Das Land zu beiden Seiten der Weichsel bis an die Oder hin bewohnte der Stamm der Lechen oder Polanen (Feldbewohner), die im 10. Jahrhundert den Kern des entstehenden Staates Polen bildeten.

Ausbreitung der heutigen Ostslawen

Parallel zur Ausbreitung in südliche und westliche Richtung erfolgte eine Ausweitung des Siedlungsgebietes nach Norden in finno-ugrisches und baltisches Gebiet. Im osteuropäischen Tiefland waren schließlich zahlreiche kleinere slawische Stämme ansässig, wie zum Beispiel:
- Dregowitschen (Дреговичи) - im Zentrum des heutigen Weißrussland
- Drewljanen (Древляне) - entlang des Prypjat (Iskorosten)
- Kriwitschen (Кривичи) - rund um Smolensk und Pskow
- Poljanen (Поляне) - rund um Kiew am rechten Ufer des Dnjepr
- Sewerjanen (Северяне) - rund um Tschernigow
- Slovenen (Словене) - zwischen Ilmensee und Ladogasee (Nowgorod)
- Tiwerzen (Тиверцы) oder Ulitschen (Уличи) - entlang des Dniester
- Weiße Kroaten (Белые Хорваты) - im heutigen Galizien (Ukraine)
- Wjatitschen (Вятичи) - entlang der Oka
- Wolhyner (Волыняне) - im heutigen Wolhynien, auch Duleben (Дулебы) genannt. Unter Einfluss wikingischer (skandinavischer) Händler, Siedler und Söldner entstand in der heutigen Ukraine, in Weißrussland und in Westrussland gegen Ende des 9. Jahrhunderts das erste ostslawische Reich, die Kiewer Rus. Im Spätmittelalter spalteten sich die Ostslawen in Weißrussen, Ukrainer und Russen auf - letztere breiteten sich seit dem späten 16. Jahrhundert und verstärkt im 19. und 20. Jahrhundert (entlang der Transsibirischen Eisenbahn) bis zum Pazifik aus.

Ausbreitung der heutigen Südslawen

In der ausgehenden Spätantike, im 6. Jahrhundert, rückten die Slawen über die untere (im 5. Jahrhundert von den Westgoten verlassene) Donau nach Moesien, Thrakien, Makedonien, ja bis zur Peloponnes vor. Etwa seit 585 scheinen die Oströmer die Kontrolle über den Balkan verloren zu haben. Im 7. Jahrhundert haben die Slawen die ganze Balkan-Halbinsel sowie Kreta, Dalmatien und Oberitalien - natürlich zum Teil neben der ursprünglichen Bevölkerung - besiedelt. Die genauen Prozesse der slawischen "Landnahme" sind allerdings Gegenstand angeregter wissenschaftlicher Diskussionen, in die auch politische und nationale Motive einfließen: Wie "slawisch" sind etwa die heutigen Griechen? In der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts drangen offenbar die Kroaten aus ihren hinterkarpatischen Ländern sowie die Serben über die Donau und siedelten sich nach Vertreibung der Awaren Slawen in Pannonien, in Dalmatien und im übrigen Illyricum an. In der 2. Hälfte des 7. Jahrhunderts kam ein Teil der asiatischen Wolgabulgaren auf der östlichen Balkan-Halbinsel an und gründete dort 681 das Bulgarische Reich, wobei sich das asiatische Reitervolk sehr schnell mit der ursprünglichen slawischen Bevölkerung vermischte und das heutige slawische Volk der Bulgaren bildete. Im heutigen Albanien wurden die Slawen von der ursprünglichen illyrischen Bevölkerung assimiliert. Mit dem Ende des 7. Jahrhunderts dürfen wir die großen westlichen und südlichen Wanderungen der Slawen als abgeschlossen ansehen. Nahe mit den Serben und den Bulgaren sind die Mazedonier verwandt. Den Serben und den Kroaten stehen ethnisch ferner die Montenegriner und die Bosniaken nahe. Siehe auch: Liste der slawischen Stämme

Name

Als geschichtliches Volk erscheinen die Slawen zuerst unter dem Namen der Serben (Sporen) und der Veneter; sie waren unter diesem Namen bis in 5. Jahrhundert in den Ländern zwischen Ostsee und dem Schwarzen Meer ansässig, zwischen den Karpaten und dem Don, an der oberen Wolga bis nach Nowgorod und von da bis zur Scheide der Weichsel und der Oder. Etwa mit dem 6. Jahrhundert treten die Namen Anten (für die Ostslawen) und "Slovieni" (für manche Westslawen) auf. Beide erhielten sich aber als Bezeichnung der Gesamtheit nicht lange, und der Name Serben verengte sich bis zur Benennung einzelner slawischer Stämme (zu den Slovieni siehe oben unter Ausbreitung der heutigen Westslawen). Aus der Bezeichnung Veneter aber wurde Wenden, die Bezeichnung der Slawen bei den Deutschen (für die heutigen Sorben). Die Bezeichnung Slawen ist zumindest seit dem frühen Mittelalter üblich, Adam von Bremen bezeichnet sie in seiner Chronik des Erzbistums Hamburg als Sclavi. Neben anderen Slawisten schreibt auch der sorbische Gelehrte Heinz Schuster-Šewc in seiner Abhandlung Über die Geschichte und Geographie des ethnischen Namens Sorb/Serb/Sarb/Srb, wonach sich der serbische Name aus dem altslawischen surbh, sirbh, serbh ableiten soll, das begrifflich für säugen, schlürfen, trinken, fließen stand. Ähnlichkeiten finden sich heute im Deutschen in schlürfen oder sürfen, im Englischen in surf für Brandung oder surface für Oberfläche bzw. auftauchen, oder im Lateinischen in sorbeo, ebenfalls für säugen, trinken und fließen. Die semantische Entwicklung fand sich dann weiter in Srb für Brüder und Schwestern nach der Muttermilch, also die von der gleichen Mutter gesäugt wurden, ohne unbedingt blutsverwandt gewesen zu sein. Daraus folgte die Bezeichnung für Angehörige einer gleichen Familie oder Sippe und später für Angehörige eines gleichen Stammes. Andere wollen den serbischen Namen mit den antiken Sarmaten in Verbindung bringen. Der tschechisch-slowakische Slawist Pavol Jozef Šafárik (1795-1861) wie auch Gottfried Wilhelm von Leibniz (1646-1716) vertraten die Meinung, wonach Srb ursprünglich der Eigenname aller Slawen gewesen sei. Jedenfalls, mit dem historischen Auftreten sowohl der Serben wie auch der Sorben im 7. Jahrhundert stand der serbisch-sorbische Name für Stammesangehörige, Verwandte, Verbündete (M. Budimir, Über die alte Er