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Ilmenau (Stadt)

Ilmenau (Stadt)

Die Goethe- und Universitätsstadt Ilmenau liegt im Bundesland Thüringen, südlich von Erfurt und nordöstlich von Suhl. Sie hat den Status einer großen kreisangehörigen Stadt und liegt im Ilm-Kreis. Über Ilmenau erhebt sich der 861m hohe Hausberg Kickelhahn. Ilmenau ist stark geprägt von der Technischen Universität Ilmenau mit ihren derzeit 7.170 Studenten (WS 04/05). Ferner sind hier das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie (IDMT) und das Fraunhofer-Anwendungszentrum für Systemtechnik (AST) ansässig.

Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung ist auf das Jahr 1273 datiert und bezieht sich auf das Recht der Münzprägung im Zusammenhang mit dem Silber- und Kupferbergbau in der Region. 1334 erhielt Ilmenau das Stadtrecht und zählte damals 800 Einwohner. Bedeutsam für die Entscheidung dürfte neben dem örtlichen Bergbau die Tatsache gewesen sein, dass die damalige Handelsstraße Erfurt-Nürnberg den Ort berührte. Im Jahre 1343 werden die ersten Herren der Stadt, die Grafen von Käfernburg, erwähnt, die die Stadt an den Grafen von Henneberg verkauften. In den darauffolgenden Jahrhunderten wechselte die Herrschaft über Ilmenau mehrfach, bis sie wieder an die Henneberger zurückfiel. Nach dem Aussterben dieses Geschlechtes 1583 wurde Ilmenau dem Herzogtum Sachsen und bei der Erbteilung 1660/61 dem Herzogtum Sachsen-Weimar zugesprochen (ab 1815 Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach). Dem Großherzogtum gehörte die Stadt dann bis 1918 an. 1918 Wichtiger Wirtschaftsfaktor Ilmenaus war seit langem der Bergbau. Vor allem Silber, Kupfer und Flussspat wurden in der Gegend abgebaut. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts betrug die Zahl der Bergleute ca. 500. In der Münze wurden während der gesamten Betriebszeit 40.842 Taler geprägt. Die Mitte des 18. Jahrhunderts brachte aber herbe Rückschläge. Die Rohstoffe versiegten, die sächsische Konkurrenz war erdrückend. 1739 führte ein Wassereinbruch zum Erliegen der Förderung. Zudem verheerte 1752 ein Brand die Stadt. Ihm fielen die offiziellen Gebäude und 284 Wohnhäuser zum Opfer. Während die Bevölkerung total verarmte, steckten die Beamten der Stadtverwaltung die kargen Hilfsgelder, die aus Weimar flossen, in die eigene Tasche. Beschwerden wurden von der Herzogin Anna Amalia abgewiesen. Die Bürgerschaft wehrte sich unter anderem mit einem Prozess vorm Reichskammergericht, den sie 1771 gewann. 1776 kam Goethe erstmals in die Stadt. Einige Zeit später wurde er von Herzog Carl August mit der Förderung des Bergbaus beauftragt. Energisch widmete er sich dieser Aufgabe, kümmerte sich aber auch um die Not der Bevölkerung und erreichte nach einer Revision die Verurteilung der korrumpierten Stadtverwaltung. Der Wiederbelebung des Bergbaus war nach einem erneuten Wassereinbruch 1796 kein Glück beschieden, doch förderte Goethe die Glas- und Porzellanherstellung (1777 erste Porzellanmanufaktur), die zu einem wichtigen wirtschaftlichen Bestandteil Ilmenaus wurde. Goethe selbst blieb Ilmenau zeitlebens nicht nur durch seine Amtspflichten, sondern auch durch seine schriftstellerische und naturwissenschaftliche Arbeit sehr verbunden. Seinen 82. und letzten Geburtstag feierte er in Ilmenau. In der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Ilmenau zum Luftkur- und Badeort, stand dabei jedoch meist im Schatten des damals bekannteren Friedrichroda. Das endgültige Aus wurde durch einen Brand der Badeanstalten im Jahre 1920 eingeleitet. Die parallel stattfindende Industrialisierung verlief dagegen erfolgreicher: 1852 entstand die erste Glashütte, ab 1864 gab es dann Porzellanmalereibetriebe bis sich im Jahr 1870 der Thermometer- und Glasinstrumentebau in Ilmenau etablierte. Die 1879 eröffnete Bahnlinie Ilmenau-Neudietendorf förderte diesen Aufschwung sowie die Bevölkerungsentwicklung der Stadt. 1894 wurde das Thüringische Technikum eröffnet, aus welchem über mehrere Stufen die heutige TU Ilmenau hervorging.

Kultur

Die Kultur Ilmenaus ist stark durch die Tätigkeiten Goethes in der Stadt geprägt. So ist Ilmenau die einzige Stadt, der ein ganzes Werk Goethes gewidmet ist und der er damit ein poetisches Denkmal setzte. Mit dem Gedicht Ilmenau finden Goethes Zeiten, die von Spaß und Vergnügen mit dem jungen Herzog (ab 1815 Großherzog) Karl August geprägt waren, einen Abschluss. Doch gerade in jüngster Zeit wird die Kultur stark durch die Universität geprägt. Ein wichtiger Teil der studentischen Kultur wird zu großen Teilen vom Ilmenauer Studentenclub e.V. gestaltet. Dieser Verein betreibt auf dem Campus vier Studentenclubs sowie ein Studentencafé mit einem reichhaltigen Party- und Diskothekenprogramm, unterstützt verschiedene kulturelle Schwerpunkte wie Film, Musik und Unterhaltung. Einen weiteren großen Anteil an der kulturellen Arbeit an der Universität hat der KuKo e.V. (kulturelle Koordinierung), welcher verschiedene Interessengebiete, wie Fotografie, Theater oder Musik vereint. Aus dem universitären Umfeld sind verschiedene Initativen entstanden, die mit Veranstaltungen das kulturelle Programm der Stadt erweitern. Eines der größten Events ist das Himmelblau-Festival der Veranstalter Reizkultur, welches jährlich im Stadtpark stattfindet. Kultureller Höhepunkt außerhalb des Campus ist das im Juni jeden Jahres stattfindende Altstadtfest. Auf mehreren in der Stadt verteilten Bühnen werden unterschiedlichste musikalische Darbietungen geboten, die durch in der Altstadt aufgestellte Verkaufsstände ergänzt werden. Weitere, regelmäßig in der Innenstadt stattfindende Veranstaltungen sind das Ilmenauer Kneipenfest, der Töpfermarkt, das Lichterfest sowie der Weihnachtsmarkt. Ilmenau ist auch ein Veranstaltungsort der Konzertreihe Jazzmeile, einem Zusammenschluss mehrerer thüringer Städte, die im Herbst jeden Jahres ein landesweites, über zwei Monate verteiltes Musikfestival organisieren. Die Abschlußveranstaltung der Jazzmeile 2005 findet am 9.12. in Ilmenau statt.

Politik

Stadtrat: (30 Mitglieder)
CDU-Fraktion 14, SPD-Fraktion 4,
PDS-Fraktion 7, Fraktion BÜBÜ/FWG 5
(Ergebnis der Stadtratswahl vom 27. Juni 2004) Oberbürgermeister: Gerd-Michael Seeber

Geographie

Ilmenau liegt in einer Höhe von etwa 500 m ü. NN am Nordrand des Thüringer Waldes. Klima: Mittelgebirgsklima
- mittlere Jahresniederschlagsmenge: 933 mm,
- mittlere Lufttemperatur: 8,4 Grad Celsius

Sehenswürdigkeiten


- Stadtkirche St. Jakobus : Die Stadtkirche Ilmenaus brannte in den vergangenen Jahrhunderten mehrfach ab, und wurde ebenfalls mehrfach Opfer von Plünderungen. Der heutige Bau wurde im 18. Jahrhundert auf den Resten der nach dem Ilmenauer Stadtbrand zerstörten Kirche errichtet. Die 1911 eingebaute Orgel ist mit 65 Registern die größte Orgel Thüringens.
- Sächsischer Hof / Posthalterei : Der Sächsische Hof war die alte Posthalterei der Grafen von Thurn und Taxis.
- Alte Försterei : Die Alte Försterei wurde 1733 als Jägerhaus und Nebengebäude des 1752 abgebrannten Ilmenauer Schlosses errichtet. Sie war Wohnung der Jäger- und Forstmeister. Auch Goethe war hier mehrmals zu Gast. Die Alte Försterei ist heute eines der ältesten Gebäude der Stadt.
- Rathaus und Amtshaus am Marktplatz : Das Ilmenauer Rathaus wurde in mehreren Bauphasen in den vergangenen Jahrhunderten einige mal verändert. Lediglich das Renaissanceportal und die Erkerkonsolen stammen noch aus dem Jahre 1625. Alles übrige wurde durch den Stadtbrand von 1752 zerstört. Das heute barocke Rathaus entstand in den Jahren 1768 bis 1786. Um 1900 wurde das Rathaus dann um noch drei weitere Flügel ergänzt. Der Rathausplatz wurde im Jahr 1996 komplett neu gestaltet. Gegenüber vom Rathaus steht das im Jahr 1616 erbaute barocke Amtshaus. Das jetzige Aussehen gab ihm der Thüringer Barockbaumeister Gottfried Heinrich Krohne in den Jahren 1753 - 1756.
- Die Wettersäule : Die Ilmenauer Wettersäule wurde im Jahr 1895 in der Lindenstraße aufgestellt. Heute ist sie am Ende der Friedrich-Hofmann-Straße zu finden. Ausgestattet ist die Säule mit Thermometer, Barometer, Hygrometer und Erdboden-Thermometer. Im Jahr 2004 wurde sie vollständig restauriert.
- Der Kickelhahn : Der Kickelhahn ist mit 861 m Höhe der "Hausberg" der Stadt Ilmenau. Dort befinden sich der 1852 erbaute Aussichtsturm, eine kleine Schutzhütte (das "Goethehäuschen"), in dem unter Glas Goethes Gedicht Wanderers Nachtlied in mehreren Übersetzungen zu lesen ist, sowie eine Gaststätte, die man von Ilmenau oder Manebach in etwa einer Stunde auf steilem Fußweg (Höhenunterschied etwa 380 m) erreichen kann.

Wirtschaft

Die Wirtschaft ist stark geprägt durch die hier traditionell angesiedelte Glasindustrie. In den letzten Jahren haben sich darüber hinaus im Umfeld der TU Ilmenau zahlreiche Betriebe der Technologie- und Medienbranche angesiedelt.

Städtepartnerschaften


- Homburg an der Saar, seit 1989
- Wetzlar, seit 1990
- Târgu Mureş (Rumänien), seit 1997
- Blue Ash (USA), seit 2002

Persönlichkeiten


- Dagmar Schipanski (CDU), eine Professorin der Universität, kandidierte 1999 für das Amt als Bundespräsidentin. Obwohl diese Kanditatur scheiterte, blieb sie anschließend politisch aktiv, so war sie von 1999 bis 2004 Thüringer Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Seit 2004 ist sie Präsidentin des Thüringer Landtages.
- Rennrodler Hans Rinn, Ehrenbürger der Stadt Ilmenau
- Rennrodlerin Ute Oberhoffner, Ehrenbürgerin der Stadt Ilmenau
- Rennrodler Jens Müller, Ehrenbürger der Stadt Ilmenau
- Rennrodler Stefan Krauße, geboren in Ilmenau und Ehrenbürger der Stadt Ilmenau
- Rennrodler Jan Behrendt, Ehrenbürger der Stadt Ilmenau
- Biathletin Andrea Henkel, geboren in Ilmenau
- Biathlet Peter Sendel, geboren in Ilmenau

Literatur


- Claudia Fiala, Karl-Heinz Veit, Rainer Paschy, Ilmenau, Goethestadt und Universitätsstadt (ISBN 3-8968-31232)
- Wilfried Nax, Carola Rittig, Petra Lindner, Die Technische Universität Ilmenau (ISBN 3-8970-26031)

Siehe auch


- Ilmtal-Radweg

Weblinks


- [http://www.ilmenau.de/ Offizielle Webseite der Stadt Ilmenau]
- Bild:Blick_auf_Ilmenau.jpg|Blick auf Ilmenau vom Kickelhahn, (Winter) Bild:Kickelhahn aussicht.jpg|Blick auf Ilmenau vom Kickelhahn, (Sommer) Bild:Ilmenau_lindenstrasse.jpg|Lindenstraße in Ilmenau mit Touristen-Information Kategorie: Ort in Thüringen Kategorie:Ilmenau

Johann Wolfgang von Goethe

Johann Wolfgang von Goethe (
- 28. August 1749 in Frankfurt am Main als J.W. Goethe; † 22. März 1832 in Weimar; auch Göthe) ist als Dichter, Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker und Staatsmann der bekannteste Vertreter der Weimarer Klassik. Als Verfasser von Gedichten, Dramen und Prosa-Werken gilt er als der größte deutsche Dichter und ist eine herausragende Persönlichkeit der Weltliteratur. Weltliteratur

Leben

Herkunft und Jugend (1749–1765)

Weltliteratur Goethes Vater, Johann Caspar Goethe (
- 1710; † 1782), war im kaiserlichen Rat vertreten. Er ging zunächst auf eine der besten Schulen des Landes, auf das Gymnasium Casimirianum in Coburg, hatte in Leipzig Rechtswissenschaften studiert, am Reichskammergericht in Wetzlar gearbeitet, Reisen nach Rom und Paris unternommen, und sich schließlich in seiner Vaterstadt Frankfurt niedergelassen, wo die Familie in einem geräumigen Haus am Großen Hirschgraben lebte. Er ging dort seinen Neigungen und Interessen nach; so widmete er sich der Zusammenstellung eines Naturalienkabinetts und der Sammlung von Gemälden. Goethes Mutter Catharina Elisabeth Goethe (
- 1731; † 1808) war eine geborene Textor. Die Tochter des Frankfurter Bürgermeisters hatte mit 17 Jahren den damals 38-jährigen Rat Goethe geheiratet. Außer der am 7. Dezember 1750 geborenen Schwester Cornelia Friderike Christiana starben alle anderen Geschwister früh. 1758 erkrankte Goethe an den Blattern (Pocken). Goethe wurde von seinem Vater und durch Privatlehrer unterrichtet; auch erhielt er Unterricht im Reiten und Fechten. Schon früh interessierte er sich für die Literatur, wobei er sein Augenmerk zunächst auf Friedrich Gottlieb Klopstock und Homer richtete. Mit 14 Jahren bewarb er sich bereits um die Mitgliedschaft in der Arkadischen Gesellschaft zu Phylandria. Auch begeisterte er sich für das Theater – so besuchte er während der französischen Besetzung 1759 häufig das französische Theater im Junghof. 1763 erlebte er ein Konzert des damals 7 Jahre alten Mozart. Am 30. September 1765 verließ er Frankfurt, um in Leipzig das Studium der Rechte aufzunehmen.

Studium und Geniezeit (1765–1775)

Leipzig

Leipzig (1765–1768)

Von 1765 bis 1768 studierte Goethe in Leipzig. Er hörte dort die Poetikvorlesung von Christian Fürchtegott Gellert und nahm an dessen Stilübungen teil. Auch nahm er Zeichenunterricht bei Adam Friedrich Oeser, dem Direktor der Leipziger Akademie. Er verliebte sich in Käthchen Schönkopf und besang diese Liebe in heiter-verspielten Versen in der Tradition des Rokoko (Gedichtzyklus Annette). Auerbachs Keller und die dort beheimatete Sage von Fausts Fassritt 1525 beeindruckten ihn so sehr, dass er später Auerbachs Keller als einzigen konkret existierenden Ort in sein Drama Faust I aufnahm. – Ein Blutsturz zwang ihn, das Studium abzubrechen und am 28. August 1768 nach Frankfurt zurückzukehren.

Frankfurt/Straßburg (1768–1770)

Eine eineinhalbjährige, von manchen Rückfällen unterbrochene Genesungszeit folgte. Während der Rekonvaleszenz wurde er liebevoll von Mutter und Schwester umsorgt. Eine Freundin der Mutter, Susanne von Klettenberg, brachte ihn mit pietistischen Vorstellungen in Berührung. Im April 1770 verließ er Frankfurt, um dem Wunsch seines Vaters entsprechend in Straßburg sein Studium zu beenden. In Straßburg lernte er Friederike Brion, eine Pfarrerstochter, kennen. Ihr widmete er einige Gedichte, darunter z. B. „Willkommen und Abschied“, „Sessenheimer Lieder“ und „Heidenröslein“.

Frankfurt und Darmstadt (1771) und dann nach Wetzlar (1772)

Am 31. Aug. 1771 wurde Goethe in Frankfurt als Advokat zugelassen. Damals stand er in Verbindung mit dem Darmstädter Hof, der der Empfindsamkeit huldigte; aus diesem Kreis sind Schlosser und Johann Heinrich Merck hervorzuheben. Am 10. Mai 1772 ging Goethe zum Abschluss der juristischen Ausbildung als Referendar an das Reichskammergericht in Wetzlar. Er war vom 25. Mai desselben Jahres an Rechtspraktikant am Reichskammergericht. Seine Großtante, Frau Hofrat Susanne Cornelia Lange, die in Wetzlar lebte, vermittelte ihm ein Haus, in dem er zusammen mit Jakob Heinrich Born, einem Bekannten aus der Leipziger Studienzeit und Sohn des Bürgermeisters von Leipzig, wohnte. Nach der unglücklichen Liebe zu Charlotte Buff verließ Goethe Wetzlar am 11. September 1772 wieder. Er hatte gerade sein Studium der Rechtswissenschaften abgeschlossen und wollte auf Drängen seines Vaters Kenntnisse im Kameralrecht und in der Prozessführung sammeln. Goethes Vater hatte große Pläne mit seinem einzigen Sohn: Sein Ziel war es, ihn zum Schultheißen in Frankfurt zu machen. Daher hatte er seinen Sohn schon früh mit Rechtsbüchern vertraut gemacht und ihn viel auswendig lernen lassen. Es war nicht so, dass Goethe das Praktikum am Reichskammergericht unwichtig gewesen wäre. Er war durchaus interessiert am Erscheinungsbild des Reichskammergerichtes, da er hoffte, sich daraus ein Bild über die Zustände im Reich machen zu können. Er nahm Veränderungen in der Rechtspraxis wahr und konnte diese als Ganzes überschauen, war sich aber der Lückenhaftigkeit seiner Fachkenntnisse beim Studienabschluss bewusst. Goethe wollte im Sinne von fortschrittlicher, humaner Rechtsprechung und Vollzug und systematisch strukturierten und philosophisch begründeten Gesetzen unter Berücksichtigung von psychischen und sozialen Faktoren arbeiten. Dies lässt sich aus den erhaltenen 28 Akten des Advokaten Goethe ableiten. Dennoch besuchte er das Reichskammergericht sehr selten und nutzte es kaum als Ausbildungsmöglichkeit. Denn zum einen war er gegenüber der Rechtspraxis skeptisch wegen der Korruption, die er als Ausdruck der zerrütteten Verhältnisse in Deutschland sah. Diese hatte sein Vater schon, als Goethe noch ein Kind war, angeprangert. Zum anderen misstraute er dem Reichskammergericht und den Visitationen zwischen 1767 und 1776. Er glaubte wie viele andere junge Juristen, mit denen er sich im Gasthof »Zum Kronprinzen« traf, nicht, dass diese etwas verbessern könnten. Außerdem behauptet Goethe später, als er Dichtung und Wahrheit niederschreibt, es habe sich schon in seiner Kindheit gezeigt, dass er kaum aus Interesse an den Rechtswissenschaften Jurist werden wollte, sondern vielmehr aus Reiselust. Nach dem Suizid des Gesandtschaftssekretärs Karl Wilhelm Jerusalem Ende Oktober 1772 kehrte Goethe vom 6. bis 10. November 1772 noch einmal für kurze Zeit nach Wetzlar zurück. Jerusalem war ein entfernter Bekannter von Goethe. Sein Suizid war für Goethe der Auslöser, seinen Roman Die Leiden des jungen Werthers zu schreiben. Darin verbindet er die eigenen Erlebnisse mit seiner angebeteten Charlotte Buff mit dem Schicksal Jerusalems, das er in Gesprächen mit Personen, die kurz vor seinem Tod noch mit ihm zu tun gehabt hatten, ergründete. Der Roman wird ein großer Erfolg und gilt als literarische Initialzündung der Empfindsamkeit und der Sturm und Drang-Literatur. 1774 Lahnreise mit seinen Freunden Basedow und Lavater nach Ehrenbreitstein. Im Anblick der Burg Lahneck: Geistesgruß.

Weimar (1775–1805)

Burg Lahneck 17751776 betreibt Goethe einen intensiven Briefwechsel mit Gräfin Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg, die in dem adeligen Kloster zu Uetersen lebt. 1776 tritt Goethe als Geheimer Legationsrat in den Staatsdienst des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach ein und bekam weitere politische Aufgaben. Er wohnte sechs Jahre in seinem „Gartenhaus“ (Goethes Gartenhaus), das der Herzog ihm schenkte und dessen umliegenden Garten er als Parkgarten selbst plante und gestaltete. Diesen „Garten am Stern“ bezeichnete er später in seinen Tagebüchern als „untern Garten“. Maßgeblich beteiligt war er auch an der Planung des Landschaftsgartens an der Ilm. Wollte, Gott hätte mich zum Gärtner oder Laboranten gemacht, ich könnte glücklich sein schreibt er in seinem Tagebuch. Er lernte die Hofdame Charlotte von Stein kennen. Zehn Jahre lang verband die beiden eine innige Beziehung. Charlotte von Stein schrieb Goethe 1780 sein Gedicht „Wanderers Nachtlied“]] 1779 wird er zum Geheimrat befördert. Die Entscheidung, das Angebot des acht Jahre jüngeren Herzog Carl August in dem Weimarer Mini-Staat ein wichtiges Amt anzunehmen, war eine für politische Reformtätigkeit. Goethe war innerhalb des Kabinetts verantwortlich für eine wachsende Zahl von Zuständigkeiten. Politik blieb – auch nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst – ein Feld, dem er seine stetige Aufmerksamkeit schenkte. In diesen Jahren begann er sich intensiv mit der Naturwissenschaft zu beschäftigen. Am 23. Juni 1780 wird er als Lehrling in die Weimarer Freimaurerloge Anna Amalia zu den drei Rosen aufgenommen. Der Meister vom Stuhl, Staatsminister Jakob Friedrich Freiherr von Fritsch, sah Goethe mit Skepsis und übergab daher den Hammer an Johann Christoph Bode. Er dachte sogar wegen Goethes Ernennung zum Geheimrat an Rücktritt von seinem Amt als Staatsminister. Zum Gesellen wird Goethe am 23. Juni 1781 befördert, am 2. März 1782 zum Meister erhoben. Wenige Wochen nach dieser Erhebung musste die Loge Amalia ihre Arbeit einstellen, da es in der Freimaurerei in dieser Zeit zu Zerwürfnissen kam. Der Herzog vermietete ihm 1782 dann ein Haus am Frauenplan, das er ihm 1792 schließlich schenkte. Hier lebte Goethe bis zu seinem Tod. Auch den Garten am Frauenplan gestaltete der Dichter selbst. (1885, nach dem Tod des letzten Enkels und Erben Goethes, wurde das Haus am Frauenplan zum Nationalmuseum erklärt. Da nach dem Zweiten Weltkrieg sehr viel zerstört wurde, kam Karl Foerster nach Weimar und gestaltete den Garten neu). Aufnahme in den Illuminatenorden am 11. Februar 1783 unter dem Namen „Abaris“, geworben von Johann Christoph Bode. 1777 Erste Reise in den Harz Am 10. Dezember ist er auf dem Brocken; dies gilt als die erste Winterbesteigung dieses Berges. 1783 erfolgt die zweite Reise in den Harz, im darauffolgenden Jahr 1784 die dritte und letzte Harzreise. 1784 entdeckte er den Zwischenkieferknochen am menschlichen Schädel.

Reise nach Italien (1786–1788)

Zwischenkieferknochen Am 3. September 1786 verließ Goethe fluchtartig die heimischen Gefilde. In Weimar war nur seinem vertrauten Diener und Sekretär Philipp Seidel sein Reiseziel bekannt. Goethe gab sich in Italien unter dem Namen „Filippo Miller“ aus. Die ersten Briefe, welche Goethe nach Hause richtete, waren undatiert. Erst von Rom aus gab er den Nächststehenden Nachricht über seine eigentlichen Entschlüsse und die Absicht, längere Zeit in Italien zu bleiben. Seinen Aufenthalt in Italien beschreibt Goethe in der Italienischen Reise. In Rom freundete er sich 1786 mit Heinrich Tischbein an, mit dem er 1787 unter anderem nach Neapel reiste. Im selben Jahr entstand auch das berühmte Gemälde Tischbeins, das Goethe als Reisenden in der römischen Campagna zeigt (siehe abgebildetes Detail). Auch Angelika Kauffmann lernte er dort kennen. Goethe beschreibt seinen 15-monatigen Aufenthalt in der „Hauptstadt der Welt“ als Erfüllung eines Lebenstraumes – als „einen zweiten Geburtstag, eine wahre Wiedergeburt“. Er lässt sich als Künstler von der Monumentalität der antiken Bauten inspirieren (Pantheon, Kolosseum, Kaiserthermen u. a.)und studiert antike Skulpturen (Apoll vom Belvedere, Herkules Farnese, Juno Ludovisi u. a.). Darüber hinaus beschäftigt er sich intensiv mit der italienischen Renaissance-Malerei und bewundert neben Michelangelo vor allem Raffael als den Gipfel der abendländischen Kunst und wahren Erneuerer der Antike. In den „Römischen Elegien“ (1795) blickt der Begründer der deutschen Klassik wehmütig auf sein Rom-Erlebnis zurück und äußert den Wunsch einst an der Pyramide des Cestius begraben zu werden. Damit macht er deutlich, dass der Aufenthalt in Rom der entscheidende Anstoß für die Entwicklung einer klassischen deutschen Dichtung war, die an die antike Größe anknüpft.

1788 bis 1805

Etwa ab dem 40. Lebensjahr muss Goethe unbeweglich und steif gewesen sein. Er litt, wie sich später herausstellte, unter schweren Bandscheibenschäden und Verwachsungen mehrerer Brustwirbel. 1795 begann seine Freundschaft mit Schiller, der zuerst als Historieprofessor nach Jena gekommen war. Ihre Freundschaft dauerte bis zu Schillers Tod 1805. 1798 schrieb er die Elegie „Die Metamorphose der Pflanzen“.

Nach 1805

Im Jahr nach Schillers Tod heiratete Goethe Christiane Vulpius, mit der er bereits seit 1789 zusammenlebte und mit der er den gemeinsamen Sohn August hatte. Am Rande des Erfurter Fürstenkongresses 1808 wurde Goethe von Napoléon I. empfangen, der ihm das Kreuz der Ehrenlegion verlieh. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegenden. 1816 starb seine Frau Christiane. 1817 begann er die „Geschichte seines botanischen Studiums“ „Zeitschrift Zur Naturwissenschaft überhaupt, besonders zur Morphologie“ (bis 1824). Freundschaft mit Kaspar Maria von Sternberg und Karl Friedrich Zelter. Goethe starb am 22. März 1832. Seine berühmten letzten Worte sollen „Mehr Licht!“ gewesen sein. Er wurde am 26. März in der Fürstengruft bestattet. Seine Grabrede hielt Johann Friedrich Röhr, Generalsuperintendent in Weimar.

Nachkommen

Johann Wolfgang von Goethe und seine Frau Christiane hatten fünf Kinder. Außer August, dem ältesten, wurden alle tot geboren oder starben früh. August hatte drei Kinder: Walther Wolfgang (
- 1818), Wolfgang Maximilian (
- 1820) und Alma Sedina von Goethe (
- 1827). August starb zwei Jahre früher als Goethe selbst in Rom. Seine Frau Ottilie von Goethe gebar nach seinem Tod ein weiteres (nicht von August stammendes) Kind namens Anna Sybille, welches nach einem Jahr starb. Alma starb 1844 mit 16 Jahren, Wolfgang starb 1883 und Walther 1885. Alle waren unverheiratet, und so starben die direkten Nachkommen von Johann Wolfgang von Goethe 1885 aus. Wolfgang und Walther, der 1859 Freiherr wurde, vermachten den Nachlass der Großherzogin Sophie und dem Staat Sachsen-Weimar-Eisenach. Friedrich Georg (
- 1657) (weitere 8 jüngere Geschwister) | Johann Kaspar G. + Katharina Elisabeth Textor ______________|________________ | | | Johann Wolfgang Cornelia weitere früh Gestorbene + Christiane Vulpius | |_______________
- | | August vier früh Gestorbene + Ottilie von Pogwisch |_______________________________ | | | Walther Wolfgang Alma (
- ) Cornelia hatte zwei Töchter: Luise Maria Anna (1774–1811) und Julie (1777–1793; nur 16 Jahre). Luise hatte mit Ludwig Nicolovius neun Kinder. Vier davon waren früh gestorben oder kinderlos. Die anderen fünf Kinder hatten zahlreiche Nachkommen, wovon heute noch einige leben.

Einzelaspekte des Lebens

1859 Goethe ist eine faszinierende Persönlichkeit. Grund dafür ist vor allem seine Vielgestaltigkeit: Diese zeigt sich in vielen Aspekten, die sich gegenseitig erhellen. Jeder dieser Aspekte lässt sich oft über Jahrzehnte hindurch verfolgen und bildet gewissermaßen eine eigene Biografie. Zwei spezielle Aspekte sind seine Beziehungen zu Frauen – und seine Krankheiten. Wobei diese beiden Aspekte einander insofern entgegengesetzt sind, als Frauen häufig die Anfangspunkte einer Entwicklung in Goethes Leben markieren – ein neues Kapitel wird aufgeschlagen -, während die (teilweise schweren) Erkrankungen häufig Endpunkt, Abschluss, aber auch Flucht kennzeichnen.

Lieben, Liebchen und Liebeleien: Goethe und die Frauen

Anna Katharina Schönkopf (auch „Käthchen“ und „Annette“) (1746–1810): Tochter des Zinngießers Christian Gottlieb Schönkopf, bei dessen Familie Goethe während seiner Leipziger Studienzeit den Mittagstisch nahm. Dort lernt er 1766 das drei Jahre ältere Käthchen kennen und verliebt sich in sie; eine Liebe, die ihn zur Produktion verspielter Lyrik im Stile des Rokoko anregt (unter anderem die sogenannten Annettenlieder). Im Frühjahr 1768 wird die Beziehung gelöst, die – wegen Goethes extremer Eifersucht – von Anfang an unter Belastungen litt. Während der Zeit der Beziehung entsteht das Stück Die Laune des Verliebten. In diesem Schäferspiel wird ein eifersüchtiger Liebhaber von seiner Eifersucht geheilt, als er erkennt, dass auch er untreu sein kann. Auch nach dem Ende der Beziehung schrieb Goethe noch einige Zeit – durchaus galante – Briefe an Anna Katharina. Diese heiratete dann 1770 den achtbaren Juristen Dr. Karl Kanne, der später Vizebürgermeister von Leipzig wurde. Interessant ist, dass er den „von“-Titel von Graf Theodorius von Burgschaften verliehen bekam.
- Susanne von Klettenberg
- Friederike Brion
- Charlotte Buff
- Maximiliane von La Roche, Mutter von Clemens Brentano
- Lilli Schönemann
- Henriette von Lüttwitz
- Charlotte von Stein
- Christiane Vulpius
- Marianne von Willemer
- Ulrike von Levetzow
- Corona Schröter
- Christiane Friederike Wilhelmine Frommann ist Minna Herzlieb. Der Dichter hat ihr mit der Gestalt der Ottilie in seinen „Wahlverwandschaften“ ein unvergängliches Denkmal gesetzt. In Görlitz gestorben und auf dem städtischen Friedhof begraben.
- Anna Amalie von Sachsen-Weimar-Eisenach, Förderin in Weimar

Goethes Freunde


- Friedrich Schiller
- Karl Ludwig von Knebel
- Herzog Karl August
- Johann Peter Eckermann
- Johann Gottfried von Herder
- Friedrich von Müller

Goethes „Widersacher“


- Jakob Michael Reinhold Lenz
- Heinrich von Kleist

Krankheiten


- 1758: Goethe erkrankt an den Blattern (Pocken), die Narbenspuren der Krankheit bleiben ihm bis ins Alter
- 1768: Während der Leipziger Studienzeit kommt es zu einer lebensgefährlichen Erkrankung (Halsgeschwulst und Blutsturz, wohl aus einer tuberkulösen Kaverne), die möglicherweise Ausdruck einer seelischen Krise war. Goethe kehrt nach Frankfurt zurück. Es folgt eine eineinhalbjährige Genesungsphase, die von Rückfällen und Depressionen unterbrochen wird.
- 1801: Er erkrankt an einer Gesichtsrose
- 1805: Nierensteinleiden mit häufigen Koliken
- 1823: Erster Herzinfarkt und Herzbeutelentzündung
- 1830: Erneuter Blutsturz
- 1832: Erneuter Herzinfarkt mit kardiogenem Schock und Lungenödem

Einzelaspekte des Werkes

Naturwissenschaftliche Arbeiten

Lungenödem In der Weimarer Zeit begann Goethe sich auch naturwissenschaftlich zu beschäftigen, vor allem auf dem Gebiet der Geologie und Botanik. Vor allem in Italien suchte er seine „Urpflanze“. Sein wissenschaftlicher Ansatz als Botaniker: Alles ist Blatt und durch diese Einfachheit wird die größte Mannigfaltigkeit möglich scheint heute allerdings wissenschaftlich widerlegt. Er selbst betrachtete die Farbenlehre als sein naturwissenschaftliches Hauptwerk. Aus physikalischer Sicht gilt seine Farbenlehre heute als wenig naturwissenschaftlich; gerade zu diesem Werk haben sich aber die bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts geäußert. In der Zoologie wurde er bekannt durch die Entdeckung des Zwischenkieferknochens beim Menschenembryo, dessen Fehlen bis zu diesem Zeitpunkt eines der wichtigsten Argumente gegen die Verwandtschaft des Menschen mit den Affen war. Zu den naturwissenschaftlichen Spätwerken Goethes gehört die Spiraltendenz der Vegetation (1831) in welcher er aufzeigt, dass Lebendiges dazu tendiert, sich in Spiralen zu entfalten. Mehr Beachtung als die Einzelergebnisse in Goethes naturwissenschaftlichen Arbeiten fand die den Naturstudien zugrunde liegende Wissenschaftsmethodik (Goetheanismus), die sich, anders als die Naturphilosophie der Romantik, als empirisch (nicht spekulativ) versteht und die im Unterschied zum positivistischen Empirismus den Menschen nicht als externen Beobachter, sondern als innerhalb des Beobachteten und als zu diesem gehörend behandelt.

Galerie

Bild:Kupfer zu J. W. Goethe, Das römische Carneval.jpg|Kupfer zu J. W. Goethe, Das römische Carneval Bild:Die tote Ottilie, der Architekt und Nanny.jpg|Die tote Ottilie, der Architekt und Nanny – Kupferstich zu Goethes Wahlverwandtschaften Bild:Goethes Wohnhaus am Frauenplan, 1828.jpg|Goethes Wohnhaus am Frauenplan (Weimar), 1828 Bild:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis Bild:Goethe, Farbenkreis zur Symbolisierung des menschlichen Geistes- und Seelenlebens, 1809.jpg|Goethe, Farbenkreis zur Symbolisierung des menschlichen Geistes- und Seelenlebens, 1809 Bild:Louis Ernst Moritz, Johann Wolfgang von Goethes Gartenhaus, 1830.jpg|Louis Ernst Moritz, Johann Wolfgang von Goethes Gartenhaus, 1830 Bild:Johann Wolfgang Goethe, Wartburg mit Mönch und Nonne, 14.12.1807.jpg|Johann Wolfgang Goethe, Wartburg mit Mönch und Nonne,
14. Dezember 1807 Bild:Goethe, Italienische Küstenlandschaft - Aquarellierte Federzeichnung.jpg|Goethe, Italienische Küstenlandschaft – Aquarellierte Federzeichnung Bild:Gartenhaus2.JPG|Goethes Gartenhaus in Weimar

Rezeption

Empirismus Hauptartikel: Johann Wolfgang von Goethe: Rezeption Wie kein anderer wurde Goethe schon zu Lebzeiten als unerreichter und unerreichbarer Gipfel deutscher Dichtung stilisiert, wozu sein eigenes Auftreten im Alter zweifellos beitrug. Goethe ist einer der berühmtesten Autoren der Weltliteratur. Seine Werke gehören in vielen Ländern zum festen Bestandteil des Literaturunterrichts und wurden vielfach vertont und verfilmt.

Werke

Einzelausgaben zu Lebzeiten (Erstausgaben)

Es war eine der besonderen Eigenarten Goethes, begonnene Dichtungen oft Jahre, manchmal Jahrzehnte liegen zu lassen, bereits gedruckte Werke erheblichen Umarbeitungen zu unterwerfen und manches Fertiggestellte erst nach langer Zeit in den Druck zu geben. Eine chronologische Liste der Werke ist daher insofern schwierig zu erstellen, da der Zeitraum der Bearbeitung häufig unklar, das Jahr des Erstdrucks aber oft nicht mit der dichterischen Entwicklung Goethes korrespondiert. Die folgende Liste orientiert sich im Zweifelsfall am (vermutlichen) Zeitpunkt der Entstehung.
- Die Laune des Verliebten (Schäferspiel), verfasst 1768, im Druck 1806
- Die Mitschuldigen (Lustspiel), begonnen 1769, im Druck 1787
- Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand (Schauspiel), 1773
- Prometheus (Gedicht), 1774
- Neueröffnetes moralisch-politisches Puppenspiel, 1774
- Ein Fastnachtsspiel vom Pater Bray, 1774
- Jahrmarktsfest zu Plundersweilern, 1774
- Götter Helden und Wieland (Farce), 1774
- Clavigo (Trauerspiel), 1774
- Geistesgruß (Gedicht), 1774 Burg Lahneck
- Die Leiden des jungen Werther (Briefroman), 1774, 2. Fassung 1787
- Egmont (Trauerspiel), begonnen 1775, im Druck 1788
- Erwin und Elmire (Schauspiel mit Gesang), 1775
- Wilhelm Meisters theatralische Sendung („Urmeister“, Roman), ab 1776, Im Druck 1911
- Stella. Ein Schauspiel für Liebende, 1776
- Iphigenie auf Tauris (Drama), Prosafassung 1779, im Druck 1787
- Torquato Tasso (Drama), ab 1780, im Druck 1790
- Über den Zwischenkiefer der Menschen und der Tiere, 1786
- Römische Elegien, entstanden 1788–90
- Venezianische Epigramme, 1790
- Faust. Ein Fragment, 1790
- Beiträge zur Optik (Abhandlungen, 2 Bde.), 1791/92
- Der Groß-Cophta (Lustspiel), 1792
- Der Bürgergeneral (Lustspiel), 1793
- Reineke Fuchs (Tierepos), 1794
- In allen guten Stunden (freimaurerisches Bundeslied), 1775
- Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten (Rahmenerzählung), 1795
- Wilhelm Meisters Lehrjahre, 1795/96 [http://gutenberg.spiegel.de/goethe/meisterl/meisterl.htm (Text)]
- Xenien (Gedichte, zusammen mit Friedrich Schiller), 1796
- Faust. Eine Tragödie (entspricht dem ersten Teil des Faust), ab 1797, im Druck unter diesem Titel zuerst 1808 erschienen
- Das Leben des Benvenuto Cellini (Aufsatz), 1797
- Novelle, ab 1797
- Herrmann und Dorothea (Idylle in Hexametern), 1798
- Die natürliche Tochter (Trauerspiel), 1804
- Wilhelm Meisters Wanderjahre (Roman), ab 1807, im Druck 1821, erweiterte Fassung 1829 [http://gutenberg.spiegel.de/goethe/meisterw/meisterw.htm (Text)]
- Pandora (Festspiel), entstanden 1807/08, im Druck 1817
- Die Wahlverwandtschaften, 1809 [http://gutenberg.spiegel.de/goethe/wahlverw/wahlv001.htm (Text)]
- Zur Farbenlehre (wiss. Abhandlung), 1810
- Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit (autobiografische Dichtung, 4 Bde.), 1811–33
- Vom Sänger hat man viel erzählt (freimaurerisches Gedicht zum Dank des Sängers), 1815
- Wenn die Liebste zum Erwidern (freimaurerisches Gedicht zur Verschwiegenheit), 1816
- Italienische Reise, 1816/17
- Die guten Weiber, 1817
- Über Kunst und Altertum (6 Bde., zusammen mit Johann Heinrich Meyer), 1816–32
- West-östlicher Divan (Gedichte), 1819
- Einleitung zu den Trauerreden (freimaurerische Trauerrede zum Ableben des Meisters vom Stuhl Ridel), 1821
- Kampagne in Frankreich (Bericht), 1822
- Rede zum brüderlichen Andenken Wielands (freimaurerische Trauerrede), von Goethe vorgetragen am 18. Februar 1830
- Dem würdigen Bruderfeste: „Fünfzig Jahre sind vorüber“ (poetischer Dank für eine Ehrenurkunde seines fünfzigjährigen Maurerjubiläums), 1830
- Faust II. (2. Teil des Faust), 1833 (posthum veröffentlicht)
- Maximen und Reflexionen, 1833 (posthum veröffentlicht)

Ausgaben


- Karl Eibl, Fotis Jannidis und Marianne Willems (Hg.): Der junge Goethe in seiner Zeit, 2 Bde. mit einer (Windows-)CD-ROM, 1998.

Literatur


-
- Karl Otto Conrady: Goethe – Leben und Werk, Artemis Verlag Zürich 1994, 1040 Seiten.
- Richard Friedenthal: Goethe – sein Leben und seine Zeit, Piper-Verlag München
- Nicholas Boyle: Goethe. Der Dichter in seiner Zeit. Aus dem Engl. übers. von Holger Fliessbach. Frankfurt am Main: Insel 2004.
  - Bd. 1: 1749–1790. (Insel-Taschenbuch. 3025) ISBN 3-458-34725-9
  - Bd. 2: 1790–1803. (Insel-Taschenbuch. 3050) ISBN 3-458-34750-X
- Gero von Wilpert: Goethe-Lexikon, Stuttgart 1998, Kröner, ISBN 3-520-40701-9
- Goethe, Johann Wolfgang, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Leipzig, München 1875–1912, Bd. 9, S. 413ff.
- Wolfram Voigt/Ulrich Sucker, Johann Wolfgang von Goethe, BSB B. G. Teubner Verlagsgesellschaft, Reihe: Biographien hervorragender Naturwissenschaftler, Techniker und Mediziner Band 38, Leipzig 1987
- Renate Wieland: Schein Kritik Utopie. Zu Goethe und Hegel, München (edition text + kritik) 1992, ISBN 3-88377-419-7
- Ekkehart Krippendorff: Jefferson und Goethe, Hamburg (Europäische Verlangsanstalt/Rotbuch) 2001, ISBN 3-43450-210-6 (alles was man von Lehrern über den Politiker und kritischen Zeitgenossen G. nicht erfährt!)
- Ettore Ghibellino: Goethe und Anna Amalia – eine verbotene Liebe, A.J. Denkena-Verlag, Weimar 2003, ISBN 3-936177-02-3
- Peter Matussek: Goethe zur Einführung, Hamburg: Junius, 2002, 2. Aufl., ISBN 3885069725

Weblinks

Originaltexte


- [http://gutenberg.spiegel.de/autoren/goethe.htm Texte aus dem kommerziellen Projekt Gutenberg] (siehe auch: Projekt Gutenberg-DE)
- [http://www.sternenfall.de Gedichte von J. W. Goethe] als HTML/PDF, Verzeichnisse, Wörterbuch (Sternenfall.de)
- [http://corpus.en.kyushu-u.ac.jp/ Goethe-Corpus Für Suche nach Textstellen in Werken und Briefen]
- [http://sciencesoft.at/index.jsp?link=literature&book=Faust1&lang=de Faust I] HTML/XML Version, inklusive Suchfunktion
- [http://literaturnetz.org/autoren/johann_wolfgang_von_goethe Werke von Goethe] im Literaturnetz
- [http://www.digbib.org/Johann_Wolfgang_von_Goethe_1749/ Goethe-Corpus in der freien digitalen Bibliothek]
- [http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/gwb/wbwelcome Goethe-Wörterbuch online]

Weitere Links


- [http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=800 Dieter Borchmeyer: Schnellkurs Goethe]: Knapper und konkreter Überblick über Goethes Leben an den Wirkungsstätten Frankfurt, Leipzig, Straßburg, Italien und Weimar, sowie Beschreibung seiner wichtigsten Dichtungen und nichtpoetischen Schriften vor dem Hintergrund der Zeitgeschichte.
- [http://weias.ub.uni-weimar.de:8080/DB=4.1/ Goethe-Bibliographie (Teilbibliographie)]
- [http://www.biblint.de/goethe_galerie.html Kommentierte Goethe-Galerie]
- [http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=433 Zeitgenössische Goethe-Porträts]
- [http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=425 Goethe-Plastiken]
- [http://natune.net/zitate/autor/Johann+Wolfgang+von+Goethe Zitate von Goethe]
- [http://www.thorwalds-internetseiten.de/weltbgoetbio.htm Inhaltsübersicht der Goethe-Biografie Karl Otto Conradys, Schwerpunkt: Das Weltbild Goethes]
- [http://www.ub.fu-berlin.de/internetquellen/fachinformation/germanistik/autoren/multi_fgh/goethe/index.html Linksammlung der FU Berlin]
- [http://www.goethe-gesellschaft.de Goethe-Gesellschaft in Weimar e.V.]
- [http://www.goethe-museum.com/ Goethe-Museum]
- [http://home.tu-clausthal.de/~gpij Stationen von Goethes Harzreise im Jahre 1784]
- [http://www.bad-bad.de/elsass/goethe.htm Auf den Spuren Goethes im Elsass]
- [http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=1732 Goethe-Denkmäler und Goethe-Erinnerungsorte auf Postkarten]
- [http://www.univie.ac.at/sternberg/ Das Sternberg-Projekt]
- [http://www.kobuli.de/goethe/index.html Maximen und Reflexionen in zufälliger Reihenfolge] (Diesen Link bitte in neuem Browserfenster öffnen)
- [http://www.seilnacht.tuttlingen.com/Lexikon/goethe1.htm Die Farbenlehre Goethes]
- [http://www.garten-literatur.de/Leselaube/goethe/goethe1_gartenfreund.htm Goethe als Gartenfreund, Botaniker und Naturwissenschaftler]
- [http://www-public.tu-bs.de:8080/~wittram/reisen/Th90/goethe.html Geheimaktion der DDR – Goethes Gebeine wurden 1970 konserviert] Braunschweiger Zeitung 18. März 1999
- [http://lorsbach.filo.de/goethe/index.html Goethe und der Orientalist Georg Wilhelm Lorsbach]/Goethe, Lorsbach und ihr Werk „West-östlicher Divan“
- [http://goethe.chadwyck.com/ Weimarer Ausgabe]
- [http://www.rg.fr.bw.schule.de/stewe/faecher/deutsch/goethe/index.htm Literarischer Reiseführer zu Goethe]
- [http://www.anna-amalia.de/ Freimaurerloge Anna Amalia zu den drei Rosen]
- [http://www.angelfire.com/poetry/seidel/ Goethe und sein "Blitz page" Philipp Seidel - Zur Homosexualität des Dichterfürsten] Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Wolfgang von als:Johann Wolfgang von Goethe ja:ヨハン・ヴォルフガング・フォン・ゲーテ ko:요한 볼프강 폰 괴테 simple:Johann Wolfgang von Goethe

Universitätsstadt

Universitäten (vom lateinischen Wort universitas, Gesamtheit) sind Hochschulen, die die Wissenschaften in Forschung, Lehre, Studium und Ausbildung vollständig vertreten, in systematischer Ordnung lehren sowie Bildungsinhalte und Berufsqualifikationen mit den jeweils höchsten Ansprüchen ihres Geltungsbereichs vermitteln sollen.

Charakteristika und Aufgaben

Prägend für den Begriff der Universität sind seit dem europäischen Mittelalter
- die Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden (universitas magistrorum et scholarium),
- das Recht zur Selbstverwaltung mit der Möglichkeit der eigenständigen Erstellung und Ausführung von Studienplänen und Forschungsvorhaben (Akademische Freiheit) sowie
- das Privileg der Verleihung öffentlich anerkannter akademischer Grade (zum Beispiel Doktorgrad). Die ersten Universitäten entstanden im Mittelalter. Mit dem Aufkommen der Universitäten wurde das Wissensmonopol der Klöster, und damit des Klerus, durchbrochen. Seit der Einrichtung der Berliner Universität (seit 1949: Humboldt-Universität) im Jahre 1810 setzte sich auch international das Humboldtsche Modell der Einheit von Forschung und Lehre durch, das besagt, dass die Lehrkräfte zusätzlich zu ihrer Lehrtätigkeit auch Forschung betreiben sollen, damit das hohe Niveau der Lehre erhalten bleibt und den Studierenden wissenschaftliche Qualifikationen besser vermittelt werden können. Im Gegensatz zu anderen Hochschulen zeichnen sich die Universitäten durch einen breiten Fächerkanon aus. Typisch sind die klassischen, schon im Mittelalter eingeführten Fakultäten für Philosophie (Geisteswissenschaften, heute auch die philologischen und historischen Fächer), Medizin, Theologie und Rechtswissenschaften. Dazu kommen die Naturwissenschaften - die bis in die Renaissance als ein Teilgebiet der Philosophie gelehrt wurden, ebenso wie die Mathematik - sowie die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und weitere Arbeitsgebiete. Andere Hochschulen, die nicht die Bezeichnung "Universität" führen, beschränken sich dagegen auf Themengebiete wie Technik und Kunst oder gar nur auf einzelne Fächer wie Medizin und Tiermedizin.
- Technische Universitäten bieten zwar eine breite Auswahl an Fächern an, haben aber einen Schwerpunkt in den Ingenieurwissenschaften. Die früheren Hochschulen für Agrarwissenschaft und Forstwissenschaft wurden in der Regel mit klassischen Universitäten zusammengelegt, so dass diese Ingenieurstudiengänge heute an Universitäten angeboten werden.
- Fachhochschulen haben im Gegensatz zu Universitäten kein Promotionsrecht.
- Das Konzept der Gesamthochschule, das an mehreren Studienorten in Nordrhein-Westfalen und in Kassel (Bundesland Hessen) umgesetzt worden war, sah eine Integration der Fachhochschul- und Hochschul- beziehungsweise Universitäts-Studiengänge vor, ist aber zurzeit ein Auslaufmodell. Letzte Immatrikulationen waren zum Wintersemester 2005/2006 möglich.
- Es gibt zwei Universitäten der Bundeswehr (UniBw), eine in München und eine in Hamburg. Der Großteil aller Offizieranwärter der Bundeswehr studiert an einer dieser Universitäten, die nahezu die gesamte Bandbreite der bei der Bundeswehr benötigten Studienrichtungen abdecken können. Das sind vor allem technische, aber auch wirtschafts- und organisationswissenschaftliche Fächer sowie Pädagogik. An diesen Universitäten können auch Fachhochschulabschlüsse erworben werden. Die Offizieranwärter, die Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin oder Pharmazie studieren, besuchen reguläre zivile Universitäten.
- Für Deutschland neu ist das Konzept der Stiftungsuniversität, das zurzeit (Stand 2005) an drei Universitäten in Niedersachsen (Göttingen, Lüneburg, Hildesheim) zumindest teilweise umgesetzt ist. Grundgedanke ist dabei, der Universität ein Stiftungskapital zur Verfügung zu stellen, aus dessen Erträgen sich die Universität finanziert. Das soll die Universitäten von staatlichen Zwängen befreien und flexibler in ihren Entscheidungen machen. Traditionell existiert dieses Modell in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die bekannten Universitäten verfügen dort über ein sehr großes Stiftungskapital, das aus v.a. Wirtschaftserträgen und Erbschaften sowie privaten Schenkungen resultiert.
- Zunehmend werden aber auch in Deutschland Privatuniversitäten gegründet. Kleinere Stiftungs- und Privatuniversitäten, wie sie traditionell im anglo-amerikanischen Raum existieren, haben häufig mit dem Problem zu kämpfen, nicht finanziell in zu starke Abhängigkeit von einem bestimmten Sponsor zu geraten. Zudem sind eine weitere Finanzierungsquelle Studiengebühren in erheblicher Höhe, was zu einer finanziellen Auslese unter den Studieninteressierten führen kann.
- Die German University Cairo (GUC) in Kairo/Ägypten ist das zurzeit weltweit größte von Deutschland unterstützte Projekt im Bildungsbereich. Historisch werden auch mittelalterliche Bildungseinrichtungen in außereuropäischen Ländern (in Afrika und Asien, dabei vor allem im islamischen Raum) als Universitäten bezeichnet, die nicht alle Merkmale einer euopäischen Universität erfüllen (siehe auch: Madrasa). Dabei ist vor allem die Verleihung akademischer Grade als speziell europäische Erfindung zu betrachten. Bildungseinrichtungen der Antike, so zum Beispiel im antiken Ägypten, Griechenland oder im Römischen Reich werden in der Regel nicht als Universitäten bezeichnet.

Struktur

Madrasa In Deutschland sind die meisten Universitäten heute als öffentlich-rechtliche Körperschaften organisiert und unterstehen der Aufsicht der Bundesländer. Zuständig ist entsprechende Ministerium beziehungsweise der Senator für Wissenschaft und Kunst. Für allgemeinbildende Schulen ist in der Regel ein anderes Ministerium zuständig. Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) ist der freiwillige Zusammenschluss beinahe aller deutschen Universitäten und Hochschulen und vertritt die Hochschulen gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Die Hochschulrektorenkonferenz wurde am 21. April 1949 als Westdeutsche Rektorenkonferenz (WRK) gegründet und vertrat anfangs nur die Universitäten und sog. "wissenschaftlichen" Hochschulen (d.h. diejenigen mit Promotionsrecht) der früheren Bundesrepublik und West-Berlins. Seit 1974 wurden auch andere Hochschulen und Fachhochschulen aufgenommen. Nach der Wiedervereinigung kamen auch die Hochschulen aus der ehemaligen DDR dazu. Deshalb erfolgte auch im Jahre 1990 die Umbenennung. Die HRK hat gegenwärtig 262 Mitgliedshochschulen, an denen circa 98 Prozent aller Studierenden in Deutschland immatrikuliert sind. Auf der Ebene der Bundesländer arbeiten die jeweiligen Landesrektorenkonferenzen. In der Schweiz sind die Kantone Träger der Universitäten und Hochschulen. Einzige Ausnahme ist die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, die von der Schweizer Bundesregierung getragen wird. Die Lernenden an einer Universität bezeichnet man als Studenten oder heute zunehmend als "Studierende". Die verschiedenen Arten von Lehrenden werden unter dem Oberbegriff Dozenten zusammengefasst. Lehre und Forschung werden an einer Universität von den Professoren des entsprechenden Faches eigenverantwortlich geleitet. An der Spitze einer Universität steht ein Rektor (traditionelle Anrede: Magnifizenz) oder Präsident, der in der Regel selbst ein Universitätsprofessor ist. Der Leiter der Verwaltung wird in der Regel Kanzler genannt. Ein Kanzler einer Universität ist in der Regel ein Verwaltungsfachmann und kein Wissenschaftler. Als wichtigstes Entscheidungsgremium fungiert der Senat, in dem Professoren, wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Mitarbeiter sowie teilweise auch Studenten ihren Sitz haben. Universitäten gliedern sich in einzelne Fakultäten, Fachbereiche oder Departemente, die von einem Dekan (traditionelle Anrede: Spektabilität) geleitet werden (siehe auch: Medizinische Fakultät, Theologische Fakultät). Die Position des Dekans wechselt turnusmäßig zwischen den Professoren der Fakultät (siehe auch: Fakultätsentwicklung). Fakultäten haben ein eigenes Siegelrecht und das Recht, akademische Prüfungen abzunehmen sowie daraufhin die entsprechenden akademischen Grade zu verleihen. Die akademischen Grade, insbesondere der Doktortitel sind deshalb auch immer fakultätsspezifisch. Diese Eigenständigkeit der Fakultäten geht bis auf das Mittelalter zurück, als die Universitäten erst langsam aus eigenständigen Einheiten zusammengewachsen sind. Die Fakultäten gliedern sich wiederum in die einzelnen "Institute" oder "Seminare", an denen die jeweiligen Fächer unterrichtet werden. Diese Einrichtungen werden von einem der dort lehrenden Professoren (zum Beispiel mit dem Titel "Institutsdirektor") geleitet. Siegel Zu jeder Universität gehören auch zentrale, fakultätsübergreifende Einrichtungen.
- Ein Beispiel ist das Studentenwerk, das sich um die sozialen Belange der Studenten kümmert. So sorgen Studentenwerke für einen regelmäßigen preiswerten Mittagstisch, die so genannte Mensa (lat. für "Tisch"), und betreiben Studentenwohnheime.
- Das Studentensekretariat ist in einer Universität für die Verwaltung der Studenten zuständig. Hier immatrikulieren und exmatrikulieren sich die Studenten. Aufgrund der hier geführten Unterlagen ist das Sekretariat auch in der Lage, Studienbescheinigungen für die unterschiedlichsten Zwecke auszustellen.
- Wichtig für die wissenschaftliche Arbeit sind die Universitätsbibliotheken, die für die Sammlung und Bereithaltung der erforderlichen wissenschaftlichen Literatur zuständig sind. Dabei werden nicht nur Bücher (Monografien) beschafft, sondern auch wissenschaftliche Zeitschriften und Buchreihen abonniert.
- Das Sportzentrum einer Universität ist in der Regel nicht nur für die Forschung und Lehre im Bereich der Sportwissenschaften zuständig, sondern bietet auch für Studenten aller Fakultäten Trainingsmöglichkeiten in den verschiedensten Disziplinen im Rahmen des Universitätssports an. An einigen Universitäten gibt es Universitäts-Sportclubs (USC).
- Alle Universitäten mit Medizinischer Fakultät haben ein Universitätsklinikum, was einen größeren Posten im Etat der jeweiligen Universität darstellt. Die Chefärzte der einzelnen Fachkliniken sind in der Regel Universitätsprofessoren.
- Das Universitäts-Rechenzentrum ist eine zentrale Einrichtung, die informationstechnische (IT) Infrastruktur (Zentralrechner, Server etc.) bereithält und IT-Dienstleistungen erbringt. Aufgrund der zunehmenden Nutzung von Online-Medien in Lehre und Forschung gewinnen diese Einrichtungen weiter an Bedeutung.
- Weitere institutsübergreifende Einrichtungen können zum Beispiel größere Laboratorien, Observatorien oder Botanische Gärten sein, die von naturwissenchaftlichen Fakultäten unterhalten werden. Manche Institute unterhalten Museen oder Sammlungen für Archäologie, Völkerkunde, Paläontologie oder Biologie.

Ablauf der akademischen Ausbildung

Der Weg zum Examen

Biologie] Das Studium beginnt für den Studenten mit der Immatrikulation und endet mit der Exmatrikulation. Das Studienjahr ist in zwei Semester unterteilt, an manchen Spezialuniversitäten in drei Trimester. Nach der Hälfte des Studiums wird in der Regel eine Zwischenprüfung abgelegt, die oft fakultätsspezifische Bezeichnungen trägt. So legen Mediziner nach der Hälfte ihres regulären Studiums ihr Physikum ab, bevor sie mit dem Klinikum beginnen. Nach dem Hauptstudium, der zweiten Hälfte der regulären Studienzeit, legt der Student sein Examen ab, das auch wieder fakultätsspezifisch nach dem zu erlangenden akademischen Grad bezeichnet wird ("Magisterprüfung", "Diplomprüfung" etc.). Für die Zulassung zum Examen werden Leistungsnachweise, die so genannten "Scheine", verlangt. Zum Examen müssen in der Regel schriftliche und mündliche Prüfungen abgelegt sowie oft eine schriftliche Arbeit eingereicht werden, die nachweisen soll, dass der Student in der Lage ist, den Forschungsstand der von ihm studierten Wissenschaft wiederzugeben. Bei Prüfungen, die auf den Staatsdienst vorbereiten (Rechtswissenschaften, Lehramt etc.) oder einer besonderen staatlichen Aufsicht unterliegen (Medizin, Pharmazie, Lebensmittelchemie etc.), wird ein Staatsexamen abgelegt. Theologen werden für die kirchliche Laufbahn durch eine kirchliche Prüfung qualifiziert. Nach dem erfolgreichen Examen bekommt der Student einen fakultätsspezifischen akademischen Grad (Diplom, Magister etc.) verliehen, der berufsqualifizierend ist. Im Rahmen des im Jahre 1999 begonnen Bologna-Prozesses wird sich diese Struktur des akademischen Studiums bis zum Jahre 2010 grundsätzlich ändern. Bereits heute werden die Studiengänge in Deutschland sukzessive auf die Erreichung der neuen Master- und Bachelor-Abschlüsse umgestellt, die europaweit harmonisiert werden und vergleichbar sein sollen. EU-übergreifend haben sich 45 Länder diesem Prozess angeschlossen.

Der Weg zum Doktorgrad

Nach dem Examen kann ein Promotionsstudium begonnen werden, nach dessen Abschluss der Doktorand den Doktorgrad erwirbt, was in einigen Fakultäten für die Berufsqualikation erwartet wird. Dies sind vor allem die Geistes- und Naturwissenschaften sowie die Medizin. Die Promotion wird durch die Vorlage einer Dissertation, einer eigenständigen Forschungsarbeit, erlangt sowie durch das Bestehen eines Rigorosums, einer wissenschaftlichen Disputation, in deren Verlauf der Doktorand seine Arbeit wissenschaftlich argumentativ verteidigen muss.

Der Weg zum Professorentitel

Nach der Promotion kann sich der Doktor - in der Regel in der Position eines "wissenschaftlichen Mitarbeiters" oder "Assistenten" - auf die Habilitation vorbereiten, nach deren Abschluss er die Venia legendi erhält. Dies ist die Erlaubnis, an einer Universität Vorlesungen zu halten. Diese Vorlesungen kann er, wenn er noch keine Professorenstelle eingenommen hat, als Privatdozent halten. Angestrebt wird aber die Einnahme einer Position als Professor, die nach einem bestimmten Berufungsverfahren erfolgt. Eine Professorenstelle ist in Deutschland traditionell eine Beamtenposition und mit einer Einstellung in den Staatsdienst auf Lebenszeit verbunden. Das bisherige Verfahren befindet sich im Zusammenhang mit der Reform der Ausbildungsysteme im Umbruch. Neuerdings gibt es auch die Einrichtung des Juniorprofessors, eine Position, die auch ohne Habilitation erreicht werden kann. Dies dient der Harmonisierung der akademischen Laufbahnen in Europa, da die meisten Länder außerhalb des deutschsprachigen Raums keine Habilitation kennen. Des Weiteren wird als zwingende Voraussetzung für eine Professorenstelle eine Habilitation nicht mehr verlangt. In manchen Fachbereichen (Kunst, Design, Architektur) kann auch derjenige Lehrstuhlinhaber werden, der anstatt einer promotion so genannte promotionsgleiche Leistungen nachweist; hierzu zählt eine umfangreiche Publikationsliste.

Geschichte

Altertum

Juniorprofessor, 1510/11, Stanzen des Vatikans, Rom.]] Die abendländischen Universitäten sind Erzeugnisse des späteren Mittelalters, doch haben ältere Vorbilder auf ihre Entstehung mehr oder weniger eingewirkt. Als solche sind zunächst die großen Lehranstalten des späteren Altertums zu nennen: Das von Ptolemäos Philadelphos um 280 v. Chr. gegründete Museion zu Alexandria, die Philosophenschule zu Athen, anstaltlich verfasst namentlich durch Kaiser Hadrian und Herodes Atticus (130 n.Chr.), und die nach diesen Mustern gebildeten Athenäen zu Rom (135), Lugdunum (Lyon), Nemausus (Nîmes), Konstantinopel (424). Ferner kommen in Betracht die arabischen Medressen, unter denen im früheren Mittelalter die zu Córdoba, Toledo, Syrakus, Bagdad und Damaskus hohen Ruf genossen.

Klosterschulen

Direkter schlossen die ersten Universitäten sich an die alten Kloster- und Domschulen an, unter denen schon im 8. und 9. Jahrhundert einzelne, wie beispielsweise Tours, St. Gallen, Fulda, Lüttich, Paris als scholae publicae von auswärts zahlreiche Schüler an sich gezogen hatten. Bis Ende des 11. Jahrhunderts lehren die Magister ausschließlich im Auftrag eines Domkapitels oder Kollegiatstifts, oftmals mit kirchlichen Pfründen versehen. Im 12. Jahrhundert treten jedoch immer mehr wandernde Magister und Scholaren auf und viele Kathedralschulen und abgelegene Klosterschulen können mit der regionalen Schwerpunktbildung nicht mehr mithalten. Hinzu treten die seit dem 11. Jahrhundert laut werdenden kirchlichen Bedenken gegen die Lehrtätigkeit von Mönchen. Die Ausbildung des Diözesanklerus hält sie zwar am Leben, das Niveau bleibt aber auf Elementarausbildung beschränkt. 1155 erlässt Kaiser Friedrich I. die Authentica „Habita“, die die wandernden und sich in Korporationen zusammenschließenden Schüler und Lehrer schützt und ihnen Gerichtswahl unter Bischof oder Magister sichert. Zumal für Finanzverwaltung und Rechtswesen benötigen Adel wie auch die päpstliche Kurie ausgebildete Scholaren, so dass seit 1200 Klärungen ihrer Rechtsstellung zugunsten von bischöflichem Jurisdiktionsprimat vor allem über die Lehrbefugnis autonomer Forschung und Lehre. Eine zunehmend um ihrer selbst willen und nicht mehr für die kirchliche Ausbildung betriebene Wissenschaft ermöglicht freilich erst die im 13. Jh. aus der Verbindung der Magister mit den Kathedralschulen entstandene, als Organisationsform aber neue Universität. Diese Entwicklung bleibt freilich zunächst regional beschränkt, erfasst etwa das deutsche Reich sehr verspätet und so bleibt die Universität teils bis zum 15. Jahrhundert im kirchlichen Rahmen.

Mittelalterliche Universitäten

kirchlichen Die ersten Universitäten, die nach heutigem Sprachgebrauch jedoch nur einzelne Fakultäten waren, finden wir im 11. Jahrhundert in Italien; es waren die Rechtsschulen zu Ravenna, Bologna und Padua und die medizinische Schule von Salerno. Festere korporative Verfassung als Hochschule, obwohl immer noch klerikaler Art, errang zuerst die Universität zu Paris, die seit dem 12. Jahrhundert die Führung auf dem Gebiet der Theologie und Philosophie übernahm und als die eigentliche Heimat der Scholastik bezeichnet werden muss.
Die Universität zu Paris wurde Ausgangspunkt und Muster für fast alle abendländischen Universitäten, besonders die englischen, unter denen Oxford durch eine Auswanderung aus Paris unter der Königin Blancha von Kastilien (1226-36), der Ehefrau Ludwig IX. mindestens erst zu höherer Bedeutung gelangte, und die deutschen. Eine mit besonderen staatlichen und kirchlichen Privilegien ausgestattete Fakultät bildeten freilich schon früher die Juristen in Bologna. Als die Bedeutung dieser Körperschaften für das geistige Leben der Völker wuchs, nahmen die Päpste die Schutzherrschaft über die neuen Anstalten in Anspruch und dehnten den besonderen Gerichtsstand, den die Kirche für ihre Angehörigen besaß, auch auf die weltlichen Universitätsangehörigen aus.

Nationen und Fakultäten

Bild:Universität_Leipzig_-_Sächsische_Nation.jpg|Universität Leipzig: Abzeichen der (nieder-) sächsischen Landsmannschaft Bild:Universität_Leipzig_-_Meißnische_Nation.jpg|Abzeichen der meißnischen Landsmannschaft Bild:Universität_Leipzig_-_Polnische_Nation.jpg|Abzeichen der polnischen Landsmannschaft Bild:Universität_Leipzig_-_Bayrische_Nation.jpg|Abzeichen der bayerischen Landsmannschaft Die innere Organisation der Universitäten orientierte sich ab 1249 an den verschiedenen Nationalitäten, wobei sich die kleineren an eine der größeren anschlossen. So entstand in Paris die Einteilung in vier so genannte Nationes: Gallikaner oder Gallier (zu denen auch Italiener, Spanier, Griechen und Morgenländer zählten), Picarden, Normannen und Engländer (die auch die Deutschen und weitere Nord- und Mitteleuropäer beinhalteten). Diese Einteilung galt sowohl für die Universitätsschüler als auch -lehrer. Normannen in Prag]] Jede Nation hatte ihre besondern Statuten, besondere Beamten und einen Vorsteher (Prokurator). Die Prokuratoren wählten den Rektor der Universität. Papst Honorius III. verordnete 1219, dass nur diejenigen Gelehrten zu Lehrern wählbar wären, die vom Bischof oder vom Scholastikus des zuständigen Stifts die Lizenz dazu erhalten hätten. Allmählich entstanden jedoch zunftartige Verbände unter den Lehrern (magistri, Meistern) der Theologie, der Jurisprudenz und der Medizin, die als geschlossene Kollegien zuerst 1231 von Gregor IX. in Paris anerkannt und ordines oder facultates, Fakultäten, genannt wurden. Diese Einteilung löste allmählich die der Nationen ab. Etwas später nahm auch das Kollegium der Artisten, das heißt der Lehrer der "sieben freien Künste", die Verfassung einer vierten Fakultät an, die jedoch bis in die spätere Neuzeit zunächst nur die Aufgabe hatte, für das Studium einer der höheren Fachwissenschaften vorzubereiten. Dementsprechend waren ihre Lehrer häufig auch Scholaren in einer der oberen Fakultäten. Vorrecht der Fakultäten war bald die Verleihung akademischer Grade. In Paris waren dies drei Hauptgrade, die der Bakkalarien (Bakkalaureen), Lizentiaten und Magister (Meister). Die Bakkalarien wurden von den einzelnen Magistern ernannt; der Grad eines Lizentiaten wurde nach einer Prüfung durch die Fakultätsmeister von Seiten der Kanzler oder Bischöfe erteilt, die aber zuletzt nur noch ihre Bestätigung gaben. Nur die Magister hatten das uneingeschränkte Recht, als Lehrer ihrer Fakultät aufzutreten. Sie hießen auch oft Doktoren. In Deutschland galt die Bezeichnung Doktor meist für die drei alten oder oberen Fakultäten, während die Fakultäten der freien Künste Magister ernannten. Die Ernennung zum Doktor wurde als Promotion bezeichnet. Diese fanden meistens unter festlichen Zeremonien statt, als Zeichen der Doktorwürde wurde der Doktorhut überreicht.

Kollegien

Ein drittes für die mittelalterliche Verfassung der Universität wichtiges Institut waren die Kollegien oder Kollegiaturen; ursprünglich kirchliche Anstalten, in denen Studierende freien Unterhalt, Lehre und Beaufsichtigung fanden. Eins der ersten Universitätskollegien war die berühmte Pariser Sorbonne. Vorwiegend in Deutschland traten zusätzlich als private, dem Kolleg ähnliche Einrichtungen die Bursen auf; in England und Frankreich verbreiteten sich hingegen die Kollegien stärker, in denen später auch der Unterricht statt fand. Zusätzlich zu Kollegs- oder Bursenangehörigen gab es im Mittelalter die so genannten fahrenden Schüler unterschiedlichster Alters- und Bildungsstufen.

Alte Universitäten im deutschen Sprachraum und in Mitteleuropa

Das deutsche Universitätswesen hat seine Ursprünge im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation (HRR) mit der Gründung der Universität Prag 1348 durch Karl IV. Die dort vertretenen vier Länder waren: Böhmen, Polen, Bayern und Sachsen. Es entstanden vor der Reformation zahlreiche weitere Universitäten, so zum Beispiel 1365 in Wien, 1386 in Heidelberg, 1392 in Erfurt, 1402 in Würzburg, 1409 in Leipzig, 1419 in Rostock, 1456 in Greifswald und 1477 in Tübingen. Tübingen Durch die rasante Entwicklung der Landesfürstentümer seit dem 15. Jahrhundert und die humanistische Bewegung wurde die Bindung zwischen Kirche und Universität gelockert. Im 16. und 17. Jahrhundert entstanden weitere, zum Teil dezidiert evangelische (lutherische oder calvinistische), Universitäten (z.B. Marburg 1527, Albertina (Königsberg) 1544, Gießen 1607, Kiel 1665). Viele dieser Hochschulen dienten den jeweiligen Landesherren dazu, selbst die Fachleute auszubilden, die für die Verwaltung der Territorien dringend benötigt wurden. Es entstand zudem eine Mittelform zwischen den so genannten lateinischen Schulen (Gymnasien) und Universitäten, die als akademische Gymnasien oder gymnasia illustria bezeichnet wurden. Diese wurden von freien Städten und kleineren Landesfürsten eingerichtet, um ein Abwandern der gebildeten Jugend zu den Universitäten zu vermeiden. Sie unterschieden sich von den Universitäten meist in der Größe und darin, dass sie keine Titel verleihen konnten. Mehrere dieser akademischen Gymnasien entwickelten sich später zu wirklichen Hochschulen. freien Städten Während im protestantischen Norden die Universitäten im allmählichen Übergang Staatsanstalten mit einer gewissen korporativen Selbständigkeit wurden, blieben die "neuen" jesuitischen Universitäten des 16. und 17. Jahrhunderts (Würzburg 1582, Olmütz 1573, Graz 1582, Paderborn 1614), nach deren Muster auch mehrere der schon bestehenden katholischen Universitäten umgestaltet wurden, dem älteren Typus im Wesentlichen treu. An den protestantischen Universitäten entstanden in dieser Zeit die Studentenverbindungen, gleichzeitig fand eine Beteiligung der Studenten an der Universitätsverwaltung nicht mehr statt. Die Wahl junger, studierender Fürsten zum Rektor wurde reine Formsache, da die eigentliche Verwaltung von Prorektoren, die aus der Gruppe der Professoren gewählt wurden, geführt wurde.

Alte Universitäten in Osteuropa


- Universität Vilnius gilt als die älteste Universität im Baltikum. Gegründet von Jesuiten 1579.
- Immanuel-Kant-Universität Kaliningrad, Preußen, 1544 von Herzog Albrecht gegründet.

Verfassung des Lehrkörpers

In der Zeit von 1500 bis 1650 begann auch die Entwicklung des akademischen Lehrkörpers zu der im Wesentlichen noch heute geltenden Verfassung. Danach bilden die ordentlichen Professoren (professores publici ordinarii) als vollberechtigte Mitglieder der vier Fakultäten den akademischen (großen) Senat. Die ordentlichen Professoren einer Fakultät wählen aus ihrer Mitte den Dekan, sämtliche ordentliche Professoren den Rektor. Zudem gibt es nicht dem Senat angehörige Professoren und Privatdozenten, die zwar eine Lehrerlaubnis, aber keine Lehrverpflichtung haben.

Moderne Universitäten

Erste Vorlesungen in deutscher Sprache hielt Christian Thomasius an der durch seine Bemühungen gegründeten Universität in Halle. Dort erschien auch unter seiner Leitung die erste kritische akademische Zeitschrift. Die erste Universität, die mit einer Akademie der Wissenschaften verbunden wurde, war die Universität Göttingen. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verlagerte sich der Schwerpunkt an den Universitäten vom Sammeln, Ordnen und Vermitteln von Wissen verstärkt hin zur Forschung, also zum Erzeugen von Wissen. Dies geschah inspiriert durch das Humboldtsche Bildungsideal der Einheit von Forschung und Lehre, das in der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, der heutigen Humboldt-Universität begründet wurde und weltweite Nachahmung fand. In den 1880er Jahren begann eine Neuordnung der Fakultäten an den Universitäten, so entstanden natur-, staats-, geistes- oder wirtschaftswissenschaftliche Fakultäten. Zudem wurden die akademischen Seminare beliebt, bei denen die Studierenden unter Anleitung praktische Übungen durchführen. Gleichzeitig entwickelten sich die Laboratorien, Observatorien und Kliniken, so dass in den Naturwissenschaften und in der Medizin eine praxisnahe Ausbildung vorgenommen werden konnte. Allerdings traten in dieser Zeit auch erstmals "überfüllte" Studiengänge auf. Einen besonderen Typus der Universität stellt die Stiftungsuniversität dar (Frankfurt am Main, 1912/14). Der anhaltende wirtschaftliche Nachkriegsaufschwung und spätere Bildungsreformen gewährten in der Bundesrepublik ab 1960 allmählich Kindern aus allen gesellschaftlichen Schichten einfachen Zugang zu höherer Bildung. Ab 1970 wurden neue Universitäten und Gesamthochschulen gegründet, u.a. in Bremen, Bochum, Augsburg, Regensburg, Düsseldorf, Oldenburg, Trier in Deutschland sowie Salzburg und Linz in Österreich. Die seit 1965 aufkommende Studentenbewegung war ein Teil des internationalen reformerischen Aufbruchs, der besonders 1968 von Berkeley (USA) über Paris, Berlin bis Prag reichte. Die deutsche "68-er"-Generation rebellierte gegen das Totschweigen der Verbrechen des "Dritten Reiches" durch die Elterngeneration und deckte die unaufgearbeiteten Verstrickungen erheblicher Teile der deutschen Wissenschaft in der Hitlerzeit auf. Der die Diskussion bestimmende Teil der damals Studierenden sah die gründliche Aufarbeitung und Abkehr von Traditionen, die das Dritte Reich vorbereitet hatten, als Voraussetzung für jeden weiteren wissenschaftlichen und sozialen Fortschritt an. Der gesellschaftliche Umbruch reichte über die Universitäten hinaus: In der Bundesrepublik Deutschland begann die neu gebildete Sozialliberale Koalition eine Aussöhnungspolitik mit dem Osten und schuf damit wesentliche Voraussetzungen für die heutige deutsche Einheit. Die sexuelle Revolution, Dritte-Welt-Solidarität, Ökologiebewegung, Hausbesetzerbewegung, aber auch der RAF-Terrorismus waren nur einige Aspekte, die die tiefgreifende Veränderung des gesellschaftlichen Klima zeigten. Die Studentenbewegung hat die universitäre Landschaft nachhaltig beeinflusst: Eine erweiterte Mitbestimmung - Drittel- und Viertelparität - in den Universitätgremien der akademischen Selbstverwaltung eröffnete den Studenten eine Fülle an neuen politischen Wirkungsmöglichkeiten. Es existiert heute an den Universitäten eine pluralistische Vielfalt von Vereinigungen. Darunter sind studentische Selbstverwaltungsorgane wie AStA-Referate für hochschul- und gesellschaftspolitische Fragen (z.B. Schwulenreferate, Ausländerreferate), politische Fachbereichsinitiativen, Freizeiteinrichtungen, z.B. Studentencafés, Entrepreneur-Vereine und Ausgründungsinitiativen zur Karriere-Förderung. Studentische Dachverbände wie die fzs verstehen sich bewusst als Gegengewicht zu herkömmlichen Studentenverbindungen, lehnen diese ab und bekämpfen sie offen. Neben den staatlichen und den privaten kommerziellen Universitäten gab es auch immer wieder Versuche, nichthierarchisch organisierte "offene" Universitäten zu schaffen. Einen solchen Versuch stellt gegenwärtig die [http://www.offeneuni.tk Offene Universität Berlins] dar. Die German University Cairo (GUC) in Kairo/Ägypten ist das zurzeit weltweit größte von Deutschland unterstützte Projekt im Bildungsbereich. Mit Unterstützung der Universitäten Ulm und Stuttgart wurde die GUC im Jahre 2001 gegründet und hatte bereits zwei Jahre später 3.300 Studierende mit einem Frauenanteil von 40 Prozent. Eine derzeit große Veränderung in der europäischen Hochschullandschaft ist das Bestreben zur Harmonisierung und Internationalisierung des europäischen Hochschulraums (Bologna-Prozess), der weit über die EU-Grenzen hinausgreift und an dem sich 45 Länder beteiligen. Wichtigste Veränderung für die Studenten ist dabei der einheitliche Wechsel der Studienabschlüsse zum angelsächsischen Bachelor und Master bis 2010. Damit soll ein einfacherer Universitätswechsel sowie eine leichtere Anerkennung und ein besserer Vergleich der Studienabschlüsse beim Berufseinstieg oder -wechsel über alle Ländergrenzen hinweg erreicht werden. Moderne Universitätsbauten im Bild: Bild:Tübingen_Uni.jpg|Eberhard-Karls-Universität Tübingen: Blick auf naturwissenschaftliche und medizinische Fakultäten "Auf der Morgenstelle" Bild:Marburger_Mensa_Lahnberge.jpg|Universität Marburg: Mensa auf den Lahnbergen Image:Goe.Uni.Nordbereich.Faculty.Buildings.May.2005.image01.JPG|Universität Göttingen: Nordbereich Bild:Berlin_Charlottenburg_TU-Berlin_Hauptgebaeude.jpg|Technische Universität Berlin: Hauptgebäude Image:CAUKielLuftaufnahmeUniBib.jpg|Unibibliothek und Fakultätenblöcke der Universität Kiel Bild:Uni_Hohenheim.jpg|Biologiezentrum der Universität Hohenheim

Die ältesten europäischen Universitäten

siehe auch: Graphische Darstellung der europäischen Universitäten

Liste von Universitäten


- Liste deutscher Hochschulen
- Liste der afrikanischen Universitäten
- Universitäten in Australien
- Liste niederländischer Universitäten
- Österreichische Universitäten und Fachhochschulen
- Schweizer Universitäten und Fachhochschulen
- Liechtensteiner Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen
- Italienische Universitäten und Hochschulen
- Japanische Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen
- Britische Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen
- Universitäten in Kalifornien
- Spanische Universitäten
- Universitäten in Tschechien
- Universitäten in der Ukraine
- Universitäten in Frankreich
- Universitäten in Türkei

Literatur


- Karl Griewank: "Deutsche Studenten und Universitäten in der Revolution von 1848", Böhlau 1949, ISBN B0000BIRT2
- Die Idee der deutschen Universität: die fünf Grundschriften aus der Zeit ihrer Neubegründung durch klassischen Idealismus und romantischen Idealismus (darin u.a. Wilhelm von Humboldt: Über die innere und äußere Organisation der höheren wissenschaftlichen Anstalten in Berlin. 1810). Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1956, ISBN B0000BJR17
- Ernst Anrich: "Die Idee der deutschen Universität und die Reform der deutschen Universitäten", Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1960, ISBN B0000BFU6B
- Walther Hubatsch: "Deutsche Universitäten und Hochschulen im Osten", Westdeutscher Verlag 1964, ISBN B0000BOSE0
- Joachim Ehlers, Die hohen Schulen. In: Peter Weimar (Hrsg.): Die Renaissance der Wissenschaften im 12. Jahrhundert, Zürich 1981, 57-86.
- Michael Klant, Universität in der Karikatur - Böse Bilder aus der kuriosen Geschichte der Hochschulen, Hannover 1984, ISBN 3-7716-1451-1
- Klaus Heinrich, Zur Geistlosigkeit der Universität heute, Universität Oldenburg 1987, ISBN 3814210085
- Otto Krammer: "Bildungswesen und Gegenreformation. Die Hohen Schulen der Jesuiten im katholischen Teil Deutschlands vom 16. bis zum 18. Jahrhundert", ISBN 3923621302
- Johann J. Engel, Johann B. Erhard, Friedrich A. Wolf: "Gelegentliche Gedanken über Universitäten", ISBN 3379005312
- M. J. F. M. Hoenen, Jakob Hans Josef Schneider, Georg Wieland (Hrsg.): "Philosophy and Learning. Universities in the Middle Ages" Brill Leiden 1997, ISBN 9004102124
- Beate Krais, Wissenschaftskultur und Geschlechterordnung. Über die verborgenen Mechanismen männlicher Dominanz in der akademischen Welt, Frankfurt am Main/New York, Campus 2000, ISBN 3593362309
- Dieter Langewiesche, Wozu braucht die Gesellschaft Geisteswissenschaften? Wieviel Geisteswissenschaften braucht die Universität? In: Florian Keisinger u. a. (Hrsg.): Wozu Geisteswissenschaften? Kontroverse Argumente für eine überfällige Debatte, Frankfurt a. M./New York 2003 ISBN 359337336X
- Christian Bremen, Armin Heinen, Rüdiger Stotz: "Die Europäische Union als Rechts- und Verfassungsraum. Zukünftige Aufgaben und Gegenwart : Vorträge und Diskussionen eines Kolloquiums der Universitäten Aachen, Lüttich, Maastricht, 3.-5. April 2000", Itschert, Michael 2000, ISBN 3897960648
- Wolfgang E.J. Weber, Geschichte der europäischen Universität, Kohlhammer Stuttgart 2002, ISBN 3170164821
- Franco Cardini, Mariaterese Fumagalli Beonio-Brocchieri (Hrsgg.), Universitäten im Mittelalter. Die Europäischen Stätten des Wissens. München 1991, ISBN 3517012726

Siehe auch


- Akademisches Auslandsamt, Auslandsstudium
- Universitätsbibliothek
- Dies academicus
- Eliteuniversität, Ivy League
- Kinder-Uni, Bürgeruniversität
- Liste der Fachgebiete, von der aus auch Artikel zu den einzelnen Studienfächern verlinkt sind
- Studentenverbindung, Studentenstiftung
- Universitätsgeschichte
- Studentenunruhen, Studentenprotest
- Hochschulreform, Centrum für Hochschulentwicklung
- Stiftungsuniversität,

Weblinks


- [http://www.studieren.de/hochschulliste.asp?show=alle Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien in Deutschland]
- [http://de.wikiversity.org/ Wikiversität]
- [http://www.daad.de/portrait/de/1.10.1.html Wie wettbewerbsfähig ist die deutsche Universität ?]
- [http://univ.cc/?dom=ru&key=&start=1 Universities Worldwide]
- [http://www.braintrack.com/index.htm Braintrack University Index]
- [http://www.colleges.com/index.html "Complete List of worldwide Universities and Colleges" (en.)] Kategorie:Akademische Bildung Kategorie:Studium ! Kategorie:Körperschaft des öffentlichen Rechts ja:大学 ko:대학교 ms:Universiti simple:University th:มหาวิทยาลัย

Erfurt

Erfurt ist die Landeshauptstadt und größte Stadt des Freistaates Thüringen, eines der sechzehn Bundesländer der Bundesrepublik Deutschland. Die Universitätsstadt ist eines der drei Oberzentren des Landes, katholischer Bischofssitz, Sitz des Bundesarbeitsgerichts und hat den Status einer Kreisfreien Stadt. Die nächsten größeren Städte sind Leipzig, 105 km Luftlinie nordöstlich, Kassel, 115 km westlich, Hannover, 180 km nordwestlich und Frankfurt am Main, 190 km südwestlich. Die Einwohnerzahl der Stadt Erfurt überschritt etwa 1906 die Grenze von 100 000, wodurch sie zur Großstadt wurde.

Geografie

Erfurt liegt nur 45,5 km südöstlich des geografischen Mittelpunkts von Deutschland, womit es seit der Wiedervereinigung von BRD und DDR (