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Indio

Indio

Bei den indigenen Völkern Südamerikas unterscheidet man Andenvölker von den Völkern des Tieflandes. Die bekanntesten indigenen Völker sind die Quechua, Aymara, Tupi und Mapuche.

Politische Situation

Nur wenige indigene Völker haben es bis zur Anerkennung ihrer Sprache als Amtssprache gebracht, so die Aymara (Bolivien), Quechua (Bolivien), Guaraní (Paraguay). In einigen Ländern stellen die indigenen Völker einen wesentlichen Anteil der Bevölkerung, so in Ecuador und Bolivien. Die indigenen Völker Südamerikas haben jeweils nationale Organisationen gegründet, über die sie ihre Interessen vertreten. Im amazonischen Kontext wurde 1984 die COICA (Coordinadora de las Organizaciones Indígenas de la Cuenca Amazónica) gegründet, um die Interessen der Amazonasindianer zu verteidigen. Gegenwärtig dient die Agenda Indígena Amazónica als strategisches Leitbild für den Kampf um indigene Rechte. Sie umfasst fünf strategische Linien:
- Humane Nachhaltigkeiten
- Territorien und natürliche Ressourcen
- Angemessenes Rechtssystem
- Stärkung traditionellen Wissens und Organisationsstrukturen
- Akademische und wissenschaftliche Bildung

Geschichte

Siehe: Geschichte Südamerikas

Kulturelle Entwicklung

Im Gegensatz zu den Hochkulturen Mittelamerikas gab es in Südamerika in vorkolumbischer Zeit nach heutigem Stand der Forschung keine Schrift im heutigen Sinne. Die Knotenschrift Quipu der Inka bestand nach heutigem Wissensstand ausschließlich aus Ziffern und diente im wesentlichen zur Erfassung statistischer Daten. Neuere Forschungen behaupten, dass auch die in Textilien gewebten Tocapu-Muster schriftähnlich verwendet wurden. Als Hochkulturen galten vor allem die Völker Perus, nach dem Beginn der Kultivierung des Mais und der Einführung der Töpferei um 2000 v. Chr.. Beginn der Metallbearbeitung um das Jahr 0 (erst Gold, dann Kupfer und Silber). Bronze wurde seit etwa 1000 verarbeitet.

Religion

Berichte über die Religionen Südamerikas finden sich vor allem in Berichten europäischer Missionare. Im Inkareich verdrängte der staatliche Sonnenkult den Mondkult unterworfener Völker. Menschenopfer spielten - anders als in Mittelamerika - eine geringe Rolle.

Liste indigener südamerikanischer Völker


- seit der Kolonialzeit anstelle der eigenen Sprache verwendet

Weiterführende Informationen

Siehe auch

Indigene Völker Mittelamerikas und der Karibik, Indianer Nordamerikas

Weblinks


- [http://home.snafu.de/duerr/NAM.html Nord- und mesoamerikanische Sprachen]
- [http://www.gtz.de/indigenas/ GTZ: Indigene Völker in Lateinamerika & der Karibik]
- [http://www.klimabuendnis.org Klima-Bündnis der europäischen Städte mit indigenen Völkern der Regenwälder e.V.]
- [http://www.socioambiental.org/pib/portugues/quonqua/cadapovo.shtm Sehr ausführliche Übersicht zu brasilianischen indigenen Völkern (in port./engl.)]
- [http://www.etniasdecolombia.org/grupos_pueblos.asp Indigene Völker in Kolumbien (in span.)]
- [http://www.obib.de/Schriften/AlteSchriften/Suedamerika/Suedamerika.html Liste indigener Völker].
- [http://www.wissen.swr.de/sf/begleit/bg0029/bg_go19.htm Xingú Nationalpark in Brasilien]

Literatur


- Kayser, Hartmut-Emanuel, Die Rechte der indigenen Völker Brasiliens - historische Entwicklung und gegenwärtiger Stand, Shaker Verlag, Aachen, 2005, 666 Seiten, 9 Abb. ISBN 3-8322-3991-X
- Winter, Johannes und Scharmanski, André (2005): Sind die Andenstaaten unregierbar? Ursachen der politischen Krise in Bolivien, Ecuador und Peru. In: Zeitschrift Entwicklungspolitik 14/2005, S. 30-34. Kategorie:Südamerika Völker, Südamerika ! Kategorie:Indigene Völker

Indigene Völker

Indigene Völker ist eine relativ junge Lehnübersetzung, wahrscheinlich vom spanischen Pueblos indígenas und bezeichnet Gemeinschaften von Ureinwohnern einer Region oder eines Landes. Der Ausdruck "Indigene Völker" hat in Lateinamerika als Sammelbezeichnung für alle Nachkommen der vorkolumbianischen Bevölkerung die auf Kolumbus' Verwechslung mit Indien beruhenden Begriffe Indios/Indianer ersetzt. In internationalen politischen Kontexten ist "Indigene Völker"/"Indigenous Peoples"/"Pueblos Indígenas" die übliche Sammelbezeichnung für Ureinwohnervölker aller Kontinente, während im nationalen Rahmen oft andere Sammelbegriffe verwendet werden (z.B. Aborigines, Native Americans, First Nations, Adivasi).

Definition

Die heute meistgebrauchte Definition dieses Begriffs geht auf UN-Sonderberichterstatter José Martínez-Cobo zurück, der diesen 1986 in seiner grundlegenden Studie über Diskriminierung gegen Indigene Völker (UN-Dokument Nr. E/CN.4/Sub.2/1986/87) an vier Kriterien knüpfte. Der hier gewählte Wortlaut weicht leicht von der Cobo-Definition ab und orientiert sich an der weiter präzisierten Fassung von Erika-Irene Daes, der langjährigen Vorsitzenden der WGIP. (Siehe: Working Paper by the Chairperson-Rapporteur, Mrs. Erica-Irene A. Daes, on the concept of indigenous people[http://www.unhchr.ch/Huridocda/Huridoca.nsf/(Symbol)/E.CN.4.Sub.2.AC.4.1996.2.En?Opendocument]):
- Zeitliche Priorität in Bezug auf die Nutzung oder Besiedlung eines bestimmten Territoriums: Indigene Völker sind relativ die "ersten" Bewohner eines Gebiets.
- Die freiwillige Bewahrung kultureller Besonderheit (voluntary perpetuation of cultural distinctiveness), die die Bereiche Sprache, Gesellschaftsorganisation, Religion und spirituelle Werte, Produktionsweisen und Institutionen betreffen kann: Indigene Völker sind kulturell deutlich von der dominierenden Gesellschaft unterschieden.
- Selbstidentifikation und Anerkennung durch andere als eine distinkte Gemeinschaft: Die Betroffenen müssen selbst mehrheitlich der Ansicht sein, dass sie einer distinkten Gruppe (einem Volk) angehören und dass dieses als "indigen" anzusehen ist. Gleichzeitig muss diese Ansicht von anderen, etwa von Angehörigen anderer indigener Völker in nennenswertem Umfang geteilt werden.
- Eine Erfahrung von Unterdrückung, Marginalisierung, Enteignung, Ausschluss oder/und Diskriminierung, wobei diese Bedingungen fortbestehen oder nicht: Der Grad der heute fortbestehenden Unterdrückung kann höchst unterschiedlich sein - von struktureller Benachteilung bei Aufstiegsmöglichkeiten bis hin zu Zwangsvertreibung und Ausrottung. Als Gruppe erfahrene Unterdrückung ist in jedem Fall konstitutiv für das politische Selbstverständnis indigener Völker. Diese vier Kriterien müssen nicht immer in gleicher Weise zutreffen, sondern es handelt sich hierbei um eine Arbeitsdefinition, die die Mehrzahl der Fälle angemessen beschreibt. Ein exklusive, "harte" Definition des Begriffs "Indigene Völker" kann und soll es nach Ansicht ihrer Vertreter, die aber auch von der UNO-Arbeitsgruppe über indigene Bevölkerungen geteilt wird, nicht geben. (Siehe: Working Paper by the Chairperson-Rapporteur, Mrs. Erica-Irene A. Daes, on the concept of "indigenous people"[http://www.unhchr.ch/Huridocda/Huridoca.nsf/(Symbol)/E.CN.4.Sub.2.AC.4.1996.2.En?Opendocument]) Es kann immer Fälle geben, in denen das Konzept "indigen" Anwendung findet, obwohl einzelne Kriterien nicht bzw. nicht mehr zutreffen. So kann die Selbstidentifikation als "indigen" fortdauern, auch wenn die erlittene Marginalisierung bereits (weitestgehend) überwunden ist, so etwa bei den Inuit Grönlands. Ein zentrales Element der Unterscheidung indigener Gemeinschaften von der nicht-indigenen Mehrheitsgesellschaft ist oftmals die besonders enge Bindung indigener Kulturen an ihr jeweiliges Territorium sowie die besonders enge Beziehung zu diesem, die zumeist auch spirituelle Dimension besitzt. (Siehe auch Indigenous Peoples and their Relationship to Land[http://www.unhchr.ch/Huridocda/Huridoca.nsf/(Symbol)/E.CN.4.Sub.2.2001.21.En?Opendocument], Arbeitspapier von Erika-Irene Daes, der früheren Vorsitzenden der WGIP.) Zentral zum Verständnis des Begriffs ist der Aspekt des Kollektivs. Indigene Völker existieren als Gesellschaften, nicht als bloße Ansammlung von Individuen. Somit sind die Forderungen nach indigenen Rechten überwiegend Forderungen nach Kollektivrechten.

Unterscheidung zu anderen Begriffen

Eingeborene

Die deutsche Übersetzung des Begriffs "indigen" lautet eingeboren. Wegen des kolonialen bzw. romantisierenden Beiklangs ist dieser Begriff jedoch belastet. (Eine weitere, bislang im Deutschen nicht eingebürgerte Variante der Übersetzung wäre "einheimisch", vgl. niederländ.
Inheemse Volken.)

Naturvölker

Der romantisierende Begriff Naturvolk wird im Deutschen oft synonym mit "Indigene Völker" verwandt. Dieser Begriff kennt keine englische Entsprechung und spielt daher international keine Rolle. Während indigen eine
politische Kategorie ist, rekurriert Naturvolk auf das romantische Ideal des Edlen Wilden, der in vollkommener Harmonie mit der Natur lebe. Dabei wird übersehen, dass auch "naturverbundene" menschliche Gemeinschaften stets auch Kultur hervorbringen. So sind beispielsweise auch die tropischen Regenwälder und die Tundren des russischen Nordens Kulturlandschaften, die durch indigene Völker geprägt wurden und werden. "Indigene Völker" bezieht sich zentral auf den Umstand der Diskriminierung und fordert die Realisierung und Respektierung von Menschenrechten ein. Für Anhänger des "Naturvolk"-Begriffs (im deutschsprachigen Raum etwa der Verein Freunde der Naturvölker e.V.[http://naturvoelker.org]) stehen dagegen Menschenrechte nicht im Vordergrund, sondern sie streben die Konservierung einer vermeintlich oder tatsächlich naturnahen, nicht-technisierten Lebensweise an, was die Gefahr des Paternalismus birgt. Wenn sie nach technischen Errungenschaften oder europäischer Bildung streben, begehen "Naturvölker" nach dieser Überzeugung Verrat an sich selbst. Dagegen impliziert das Konzept "indigene Völker" zuallererst das Recht der Betroffenen, selbst über die eigene Entwicklung zu bestimmen, unabhängig davon, ob das Resultat dem Klischee vom Edlen Wilden entspricht, oder nicht.

Nationale Minderheiten/Volksgruppen

Vertreter indigener Völker legen großen Wert auf die Unterscheidung zwischen nationalen Minderheiten bzw. Volksgruppen und "indigenen Völkern". Zu den wichtigsten Unterscheidungsmerkmalen gehören die spezifische Bindung indigener Völker an ihre jeweiligen Territorien, der Umstand der politischen und ökonomischen Marginalisierung, sowie der größere kulturelle und soziale Abstand zur jeweiligen Mehrheitsgesellschaft. Eindeutig um nationale Minderheiten handelt es sich bei Angehörigen einer Ethnie, die in einem anderen Staat die Titularnation stellt, also etwa Ungarn in Rumänien, Dänen in Schleswig-Holstein, Serben in Kroatien oder Polen in Litauen. Gleichzeitig werden aber auch Bevölkerungsgruppen ohne ein solches "Mutterland" oft als "nationale Minderheiten" und keineswegs als "indigene Völker" eingestuft, so etwa Bretonen in Frankreich oder Sorben und Friesen in Deutschland. Im letzteren Fall hängt die Unterscheidung zwischen Minderheit und indigenem Volk wesentlich von ökonomischen und kulturellen Faktoren sowie insbesondere von der Selbsteinschätzung der Betroffenen ab. So haben Vertreter der Sorben eine Selbstidentifikation als "indigen" stets abgelehnt.

Stammesvölker

Der Terminus Stammesvölker wird von der britischen Organisation Cultural Survival bevorzugt und ist in der Praxis zumeist deckungsgleich mit "indigene Völker". Der letztere Terminus hat jedoch den Vorteil, genauer und umfassender definiert und nicht an eine bestimmte Form der Sozialorganisation gebunden zu sein.

Autochthone Völker

Der Begriff "Autochthonen Völker" ist ein Synonym zu "indigene Völker", das v.a. im Französischen häufiger verwendet wird ("peuples autochtones").

Konfliktfelder

Land- und Ressourcenkonflikte

Da viele indigene Völker in enorm ressourcenreichen Gebieten der Erde leben, sind Konflikte, v.a. um Landnutzung und -rechte, ein generelles Problem dieser Völker. Ein Großteil der Uran-, Erdöl-, Gold- und Kohleförderung der Erde findet in den Gebieten indigener Völker statt. Ähnliches gilt für einen großen Teil der Atomtests der letzten Jahrzehnte, für Atommüllendlager und Großstaudämme. Dabei ziehen die Aktivitäten transnationaler Konzerne oftmals Militarisierung, Gewalt und bewaffnete Konflikte nach sich, so etwa auf der zu Papua-Neuguinea gehörenden Insel Bougainville, bei der ein Bürgerkrieg um eine Kupfermine des Konzerns Rio Tinto etwa 10 000 Menschen das Leben kostete. Für eine allgemeine Analyse
siehe auch das Arbeitspapier Indigenous Peoples and Conflict Resolution[http://www.ohchr.org/english/issues/indigenous/docs/wgip22/2.pdf ] von Miguel Alfonso Martínez, dem gegenwärtigen Vorsitzenden der UNWGIP

Der Streit um das kleine 's'

Der "Streit ums kleine 's'", also die Frage, ob es indigenous
peoples (Völker) oder nur indigenous people (Menschen) gibt, gehört zu den bis heute am heftigsten umkämpften Fragen. Aus diesem Grund heißt die zuständige UNO-Arbeitsgruppe bis heute Working Group on Indigenous Populations (UNWGIP) und nicht "Working Group on Indigenous Peoples". Ebenso heißt das von der UNO ausgerufene Jahrzehnt der Indigenen Völker offiziell "Decade of the World's Indigenous People" und ein neu eingerichtes UN-Gremium in New York, das ursprünglich den Namen "Permanent Forum on Indigenous Peoples" erhalten sollte, wurde letztendlich unter dem Namen "Permanent Forum on Indigenous Issues" (Ständiges Forum über indigene Angelegenheiten) begründet. Der ernsthafte Hintergrund dieses Streits ist, dass das Völkerrecht mit dem Begriff Volk weitreichende spezifische Rechte verbindet, zuallererst das Recht auf Selbstbestimmung, was die freie Verfügung über Land und Ressourcen einschließt. Da indigene Völker häufig in der ressourcenreichen Regionen leben, fürchten zahlreiche Regierungen, im Falle einer Anerkennung dieses Rechts, die Kontrolle über diese Bodenschätze zu verlieren. Weiterhin besteht in Ländern, wo gewaltsame Konflikte zwischen Regierungen und indigenen Völkern stattfinden, mitunter die Befürchtung einer Sezession der letzteren. Historisch gibt es jedoch zahlreiche Beispiele dafür, dass Kolonialmächte indigene Völker als souveräne Rechtssubjekte anerkannt haben. Dies dokumentieren zuallererst zahlreiche historische Verträge, die etwa zwischen der englischen oder spanischen Krone oder der US-Regierung und indigenen Völkern in Nordamerika abgeschlossen wurden.

Forderungen indigener Völker

Zentrale Forderung der meisten Organisationen indigener Völker ist die verbindliche und uneingeschränkte Anerkennung ihrer Menschenrechte, beginnend mit dem Recht auf Selbstbestimmung, wie es in den ersten Artikeln der Internationalen Pakte über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte sowie über bürgerliche und politische Rechte, also der beiden wichtigsten völkerrechtlich verbindlichen Menschenrechtsdokumente ausdrücklich anerkannt wird. Dabei ist
Selbstbestimmung keineswegs gleichbedeutend mit Sezession und der Gründung eines eigenen Staates, sondern es geht um die prinzipielle Anerkennung eines Rechts. In Fällen, wo z.B. transnationale Konzerne große industrielle Vorhaben (z.B. Bau von Großstaudämmen, Erdöl- oder Uranförderung, Atomtests, Entsorgung von Giftmüll) auf von indigenen Völkern genutzten oder bewohnten Territorien planen, fordern indigene Völker, dass dies nur nach einer Freien, Vorherigen und Informierten Zustimmung ([http://www.ohchr.org/english/issues/indigenous/docs/wgip22/4.pdf Free, Prior and Informed Consent]) geschehen darf. In einigen Ländern ist die Forderung nach Free, Prior and Informed Consent bereits gesetzlich verwirklicht, so etwa auf den Philippinen. Auf der Ebene des internationalen Rechts lauten die wichtigsten Forderungen: Verabschiedung der Erklärung der Rechte der Indigenen Völker sowie die Ratifierung des Übereinkommens Nr. 169[http://www.ilo169.de/index.php?option=content&task=view&id=20&Itemid=31] der Internationalen Arbeitsorganisation.

Indigene Völker weltweit

Die Gesamtzahl der Angehörigen der indigenen Völker der Erde wird auf etwa 350 Millionen Menschen geschätzt. Dabei existieren v.a. in Asien und Afrika erhebliche Unsicherheiten. Denn in diesen beiden vormals fast vollständig kolonisierten Kontinenten stellen sich zahlreiche Regierungen auf den Standpunkt, dass die gesamte Bevölkerung gleichermaßen
indigen sei, wobei sie jedoch übersehen, dass "echte" indigene auch in einer postkolonialen Ära oftmals einer fortdauernden Unterdrückung ausgesetzt sind, von der die Mehrheit nicht mehr betroffen ist. Indigene Völker werden daher oft auch als innere Kolonien oder Vierte Welt bezeichnet. Siehe auch:
- Liste indigener Völker
- Indigene Völker Südamerikas
- Indianer Nordamerikas
- Indigene Völker Mittelamerikas und der Karibik
- Indigene Völker Europas
- Indigene Völker Afrikas
- Indigene Völker Asiens
- Indigene Völker Australien-Ozeaniens

Siehe auch


- Ethnische Minderheit
- Ethnos
- Volksstamm
- Ureinwohner
- Naturvolk
- Arbeitsgruppe über Indigene Bevölkerungen
- Menschenrechte

Weblinks


- [http://www.infoe.de/ Institut für Ökologie und Aktions-Ethnologie e.V. (infoe)]
- [http://www2.gtz.de/indigenas/deutsch/einleitung/index.html GTZ: Wer sind indigene Völker?]
- [http://www.ilo169.de/ Kampagne zur Ratifizierung der ILO-Konvention 169 über indigene Völker]
- [http://www.speaking4earth.com/ Speaking 4 Earth] - Menschenrechtsportal des Netherlands Centre for Indigenous Peoples
- [http://www.iwgia.org/ International Work Group on Indigenous Affairs (IWGIA)]
- [http://www.cwis.org/ Centre for World Indigenous Studies]
- [http://www.pygmies.info/ Indigene Völker Afrikas]
- [http://www.hrusa.org/indig/ Indigenous Peoples' Human Rights Project]
- [http://www.oew.org/de/aktuellesartikel.php?id=227 Eine Definition (Quelle: OEW)]
- [http://www.oew.org/de/aktuellesartikel.php?id=228 Ein gut gehütetes Geheimnis: Die UN-Dekade der Indigenen Völker - ein relatives Scheitern, eine Dekade der Rhetorik? (Quelle: OEW)] ! als:Ureinwohner ja:先住民 nb:Urfolk


Aymara

Die Aymara (auch Aimara) sind ein indigenes Volk Südamerikas. Sie leben im Andenraum auf dem Altiplano in Bolivien (ca. 30-40% der Bevölkerung) im Süden Perus (ca. 5% der Bevölkerung) und (in geringerer Anzahl, ca. 0,3% der Bevölkerung) im Norden Chiles. Eine äußerst geringe Verbreitung findet sich zudem in Ecuador - spanische Zwangsumsiedelungen in der Kolonialzeit sind hierfür verantwortlich, deren Zweck es war, einem "Wir-Gefühl" der indigenen Bevölkerungsgruppen vorzubeugen, aus dem sich Widerstand gegen die Kolonialherren hätte bilden können.

Herkunft

Über die Herkunft der Aymara gibt es verschiedene Thesen. Indigene Autoren vertreten hauptsächlich die These, dass die Kultur der Aymara von der andinene Hochkultur Tiwanaku (1580 v. Chr - 1172 n.Chr) abstammt: Das ehemalige Reichsgebiet stimmt ungefähr mit dem heutigen Sprachraum des Aymara überein. Die auf 3600 m gelegene Hauptstadt des Tiwanakureiches hatte im 12. Jahrhundert vermutlich über 40.000 Einwohner und diese Kultur gilt als eine der ersten Gesellschaften Südamerikas überhaupt, die mit Stein bauten. Obwohl Archäologen diese Stätte bislang erst zu einem Sechstel freigelegt haben, gilt sie jetzt schon mitunter als die wichtigste Sehenswürdigkeit Südamerikas. Tiwanaku gilt bei einigen Historikern sogar als Erklärung für die rätselhaften Skulpturen auf der Osterinsel: Mit Zerstörung der Tiwanakukultur seien Menschen übers Meer nach Rapa Nui geflüchtet und hätten neben Kartoffel- und Schilfpflanzen auch ihre Steinmetzkunst mitgebracht. Doch gerade weil die kulturellen Leistungen der Tiwanakukultur so herausragend waren, verdächtigen einige Historiker die indigene Geschichtsschreibung der Mythenbildung und gehen vielmehr davon aus, dass die Aymara sogar für den Untergang der Tiwanaku verantwortlich waren und so das alte Siedlungsgebiet der Tiwanaku allmählich von der Sprache Aymara dominiert wurde. Dieser Auffassung nach sind die Aymara ursprünglich ein Volk aus Coquimbo in Chile, die in einer Wanderung nach Norden gekommen sind. Dem widersprechen Sprachforscher, die den Ursprung des Aymara in nördlich gelegenen Teilen der Anden, vor allem in Peru vermuten. Die Dialekte dort hätten sich allmählich nach Süden in den bolivianischen Altiplano ausgeweitet und seien später schließlich vor allem von den Inka stark beeinflusst worden. Eine weitere These geht davon aus, dass die Volksgruppe der Aymara erst mit der spanischen Eroberung entstanden ist, als verschiedene ethnische Gruppen von den spanischen Eroberern gewaltsam zusammengeführt und als "Indios" untergeordnet wurden. Dieses gemeinsame Schicksal habe zu einem Gefühl der Verbundenheit und Zusammengehörigkeit geführt. Für diese These spricht vor allem der Befund, dass viele Bräuche und Traditionen der Aymara spanische Wurzeln haben. Ihre Sprache, das Aymara, ist in Bolivien Amtssprache. Kategorie:Südamerikanische Ethnie ja:アイマラ

Tupi

Tupi gehört mit dem eng verwandten Guaraní zu den verbreitetsten Indianersprachen Südamerikas und ist auch die Bezeichnung für die diese Sprache sprechenden Indios. Es hat den Wortschatz des brasilianischen Portugiesisch um hunderte von Wörten, vor allem aus dem Bereich der Botanik und Zoologie erweitert. Zu den Tupi-Wortern, die bis ins Deutsche gelangt sind, gehören unter anderem Piranha (Zahn-Fisch), Tapir, Kashew (Nierenbaum), Maracuja (Pflanze, die Früchte gibt), Maniok (Haus der Göttin Mani) und Carioka (Bewohner des Hauses von Cari = Einwohner von Rio de Janeiro nach dem Dorf Carioka, an dessen Stelle Rio erbaut wurde). Siehe auch: Indigene Völker Südamerikas Kategorie:Südamerikanische Ethnie Kategorie:Einzelsprache

Amtssprache

Eine Amtssprache ist die Sprache, in der die Behörden (Regierung, Gerichte) eines Staates miteinander und mit der Bevölkerung kommunizieren und mit der sich Bürger und Bewohner an die Verwaltungseinrichtungen wenden können. Ein Land kann gleichzeitig mehrere Amtssprachen haben. Im Gegensatz zur Amtssprache bezeichnet Schulsprache eine Sprache, die im Unterricht an den Schulen eines Landes verwendet wird.

Was wird zur Amtssprache?

Nicht immer spiegeln die Amtssprache(n) die tatsächlichen Muttersprachen der Bewohner eines Landes wider. In Europa, Asien oder Amerika ist meist die am häufigsten gesprochene Sprache eines Landes auch gleichzeitig dessen Amtssprache; so ist Deutsch die Amtssprache Deutschlands und Portugiesisch die Amtssprache Brasiliens. In Afrika dagegen sind meist Kolonialsprachen Amtssprache, so Französisch in Mali oder Englisch in Sambia. Diese Sprachpolitik begünstigt oft die herrschende Elite, die, im Gegensatz zum "gemeinen" Volk als einzige Klasse die Amtssprache beherrscht. Nur in wenigen Fällen (Schweiz mit 4 Amtssprachen, Südafrika mit 12) sind alle verbreiteten Sprachen eines Landes auch Amtssprachen. So ist z.B. das in Deutschland mit über 2 Millionen Muttersprachlern (davon fast 1 Million deutscher Nationalität) stark vertretene Türkisch keine Amtssprache genauso wenig wie Elsässisch Amtssprache in Frankreich ist. Diese Tendenz wird mit der Notwendigkeit der nationalen Einheit und dem verwaltungsmäßigen Mehraufwand (Ausbildung aller Beamten und Ausdruck aller Formulare in mehreren Sprachen) begründet, führt aber in der Praxis zu einer sozialen Abwertung der Sprecher von solchen Nicht-Amtssprachen. Ein Kompromiss ist, dass Minderheitensprachen nur auf regionaler Ebene den Status einer Amtssprache erhalten (so Deutsch in Südtirol, Sorbisch in der Lausitz).

Amtssprachen in einzelnen Ländern

Nicht alle Staaten haben ihre Amtssprache offiziell festgelegt.

USA

In den USA haben zwar manche Bundesstaaten Englisch als Amtssprache festgelegt, die Legislative der Vereinigten Staaten selbst jedoch hat es nie in diesen Status erhoben. Da aber die Verfassung und sämtliche Gesetze auf Englisch vorliegen, kann es durchaus als offizielle Sprache angesehen werden. (Die oft gehörte Behauptung, Deutsch wäre im 18. Jahrhundert beinahe Amtssprache der USA geworden, ist eine Legende (die sogenannte Muehlenberg-Legende).)

Deutschland

In Deutschland legt § 23 Abs. 1 VwVfG Deutsch als Amtssprache fest. Durch die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen sind Behörden einzelner Bundesländer verpflichtet, auch in den Regionalsprachen Niedersächsisch (umgangssprachlich als Niederdeutsch bezeichnet), Friesisch, Dänisch bzw. Sorbisch zu korrespondieren.

Österreich

In Österreich ist Deutsch als Amtssprache festgelegt. Die Minderheitensprachen sind im österreichischen Staatsvertrag 1955 und in zahlreichen Verordnungen über die genauen Regionen festgelegt. Minderheitensprachen als Amtssprachen sind (nach Anzahl der Sprecher geordnet):
- Kroatisch (in Burgenland und Steiermark)
- Slowenisch (in Kärnten) Weiteres unter Minderheitssprachen in Österreich

Schweiz

In der Schweiz existieren vier Amtssprachen:
- Deutsch
- Französisch
- Italienisch
- Rätoromanisch

Indien

In Indien existieren 17 regionale Amtssprachen (neben den 2 überregionalen Amtssprachen Hindi und Englisch):
- Asamiya
- Bengali
- Gujarati
- Kannada
- Kashmiri
- Konkani
- Malayalam
- Marathi
- Meitei
- Nepali
- Oriya
- Punjabi
- Sanskrit
- Sindhi
- Tamil
- Telugu
- Urdu

Siehe auch


- Liste der Amtssprachen
- Amtssprachen der Europäischen Union

Literatur


- [http://stattweb.de/cgi-bin/baseportal.pl?htx=/stattweb.de/ArchivDetail&db=Archiv&Id=176 Anonym (sp): Staat, "Nation" und Sprache. Vierteilige Artikelreihe zur Sprachpolitik in Nationalstaaten und in der Europäischen Union. In: Stattzeitung für Südbaden, Ausgaben 56-59 (2004).]

Weblinks


- http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/vwvfg/__23.html - §23 VwVfG Kategorie:Sprache Kategorie:Allgemeines Verwaltungsrecht ja:公用語 ko:공용어 simple:Official language zh-min-nan:Koaⁿ-hong gí-giân

Bolivien

Bolivien (span.: Bolivia) ist ein Staat in Südamerika. Es ist ein Binnenland und grenzt im Westen an Peru und Chile, im Süden an Argentinien und Paraguay, im Osten und Norden an Brasilien.

Geographie

Hauptartikel: Geographie Boliviens Bolivien, wird von zwei großen und weit auseinander liegenden Ketten der Anden durchzogen, deren Höhe bis über 6.500 m reicht (Sajama 6.542 m, Illimani 6.462 m). Dazwischen liegt das zentrale Hochland, das 3.000 bis 4.000 m hohe Altiplano. Dieses bis weit in das Nachbarland Peru reichende Gebiet ist das eigentliche Kernland, in dem rund 80 Prozent aller Bolivianer leben, obwohl es nur etwa ein Drittel der Fläche Boliviens ausmacht. Zwischen dem Ostabhang der Anden und dem Ostbolivianischen Bergland erstrecken sich die Yungas in einer Höhe zwischen 1.200 und 1.800 m ü. NN. Der flächenmäßig größte Teil Boliviens sind die Llanos, die sich vom Ostbolivianischen Bergland bis an die Grenzen nach Brasilien und Paraguay erstrecken. Dieses nur äußerst dünn besiedelte tropisch-heiße Tiefland untergliedert sich in die trockenen Savannen des Gran Chaco und die tropischen Regenwaldgebiete Amazoniens. Inmitten des Altiplano liegt der Titicaca-See, einer der höchstgelegenen Seen der Erde. Durch dessen Mitte verläuft die Grenze zum Nachbarland Peru.

Klima

Bevölkerung

Seen Etwa zwei Drittel der Bevölkerung sind Indígenas, meist Quechua und Aymara; einen großen Anteil der Bevölkerung bilden Mestizen. Die übrigen Bewohner des Landes sind Weiße und Nachkommen der altspanischen Kolonisten. Die Bevölkerung Boliviens gehört zu 92 % der Römisch-Katholischen Kirche an, der Rest besteht aus Anhängern des Protestantismus und anderer Glaubensrichtungen (3 % Baha'i).

Städte

Die offizielle Hauptstadt Boliviens ist Sucre, der Sitz der Regierung befindet sich jedoch in La Paz, der wichtigsten Stadt des Landes, die in 3.200 bis 4.100 m Höhe liegt und damit der höchstgelegene Regierungssitz der Erde ist. Die größten Städte Boliviens, geordnet nach der Zahl ihrer Einwohner, sind Santa Cruz de la Sierra (1.113.582 Einwohner), La Paz (789.585), El Alto (647.350), Cochabamba (516.683), Oruro (201.230), Sucre (193.876), Tarija (135.783) und Potosí (132.966). Siehe: Liste der Städte in Bolivien

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Boliviens Bolivien wurde von verschiedenen Kulturen besiedelt, die wichtigste war die Zivilisation von Tiahuanaco. Es wurde im 15. Jahrhundert Teil des Inka-Reiches. Als die Spanier im 16. Jahrhundert das Land eroberten, wurde Bolivien, reich an Silbervorkommen, Teil des Vizekönigreiches Peru und später Teil des Vizekönigreiches Río de la Plata. Der Kampf um die Unabhängigkeit begann 1809, aber Bolivien blieb spanische Kolonie, bis es 1825 von Simón Bolívar befreit wurde, nach dem es später benannt wurde. Nach einer kurzen Union mit Peru wurde Bolivien völlig unabhängig. Die Union hatte den Confederación Perú-Boliviana Krieg (1836-1839) gegen Chile verloren. Im Salpeterkrieg (1879-1883) verlor Bolivien große Teile des seit der Unabhängigkeit umstrittenen Territoriums mit Zugang zum Pazifik an Chile endgültig. Im Chacokrieg (1932-1935) verliert Bolivien riesige Landesteile im Süden an Paraguay. In den folgenden Jahren begann der Niedergang aufgrund der Kriege und ökonomischer Verkäufe. Bolivien gehört zu der 1969 gegründeten Andengemeinschaft, die seit 1995 eine Freihandelszone zwischen den Mitgliedsstaaten aufgebaut hat. Mit ethnischen und kulturellen Kämpfen konfrontiert, gab es in Bolivien Revolutionen und militärische Coups. Eine Militär-Junta wurde in den frühen 1980ern gestürzt, um eine Demokratie zu installieren. Im Oktober 2003 kam es zu breiten Unruhen mit dem Charakter eines Volksaufstands, als Gewerkschaften gegen den Ausverkauf des wichtigen Bodenschatzes Erdgas an US-amerikanische Konzerne protestierten und Streiks organisierten. Dies stellte zugleich den Höhepunkt der teilweise gewaltsamen Proteste gegen die Reformen und Einsparungen im Staatshaushalt (im Rahmen der vom IWF geforderten Maßnahmen zur Verringerung der Auslandsverschuldung) dar, die im Februar 2003 mit einem Polizeistreik begonnen hatten. Die Regierung setzte Militär gegen die "Rebellen" ein; rund 60 Menschen kamen dabei ums Leben. Dies führte jedoch zur Solidarisierung weiterer Volksschichten mit den Demonstranten. Im Ergebnis musste Präsident Gonzalo Sánchez de Lozada ins Exil in die USA gehen; ein Jahr später erhob das bolivianische Parlament Anklage gegen ihn. Durch den Rücktritt Lozadas ging die Präsidentschaft auf den Vizepräsidenten Carlos Mesa über. Im Januar 2005 versuchte ein Bündnis politischer Gruppen in der rohstoffreichen Region Santa Cruz die Autonomie zu erlangen. Vorausgegangen waren Massenproteste wegen hoher Benzinpreise, bei denen die Verstaatlichung der Gas-Industrie gefordert wurde. Mehrere Institutionen, wie zum Beispiel die Praefektur, waren kurzzeitig von den Demonstranten besetzt. Im Juni 2005 führten soziale Unruhen zum Rücktritt von Präsident Carlos Mesa. Wochenlange Streiks und Straßenblockaden zwangen ihn zu diesem Schritt, angesichts der Tatsache, dass die Versorgungslage in der Hauptstadt prekär wurde. Die Unruhen setzten sich fort, um zu verhindern, dass der Präsident des Senates, der konservative Hornando Vaca Díez aus Santa Cruz, die Präsidentschaft verfassungsgemäß übernimmt. Die Blockade von La Paz zwang den Senat, in Sucre zusammenzutreten, um den Rücktritt Carlos Mesas formell anzunehmen und seinen Nachfolger zu vereidigen. Die Proteste zwangen Vaca Díez zum Verzicht auf seine Nachfolge, so dass das Präsidentenamt verfassungsgemäß auf den Präsidenten des Obersten Gerichtshofes Eduardo Rodríguez als Übergangspräsident überging mit der Maßgabe, Neuwahlen herbeizuführen. Diese sollten am 4. Dezember 2005 stattfinden. Innenpolitische Machtkämpfe verzögern den Wahltermin. Hintergrund ist ein Urteil des Verfassungsgerichts vom 22. September 2005, dass die Sitzverteilung im Partalament nicht mehr den aktuellen Bevölkerungszahlen der Departamentos entspricht und vor der Wahl eine Neuregelung (zugunsten der Departamentos Santa Cruz und Cochabamba) gefunden werden muss. Nachdem sich das Parlament nicht auf eine Neuverteilung der Sitze einigen konnte, ordnete Präsident Rodríguez am 1. November 2005 per Dekret eine Neuverteilung der Sitze an (La Paz (-2), Oruro (-1) und Potosí (-1) zugunsten Santa Cruz (+3) und Cochabamba) (+1)) und bestimmte den Wahltermin auf den 18. Dezember 2005. Siehe auch: Liste der Präsidenten Boliviens

Politik

An der Spitze der Zentralregierung mit Sitz in La Paz steht der für fünf Jahre gewählte Präsident. Aufgrund der sehr häufigen Umstürze konnten sich jedoch nur wenige über die volle Legislaturperiode halten. Das Zweikammer-Parlament besteht aus der Abgeordnetenkammer (Cámara de Diputados) mit 130 Abgeordneten als Unterhaus (Cámara baja) und dem Senat (Senado) mit 27 Senatoren (drei aus jedem Departamento) als Oberhaus (Cámara alta). Die Mitglieder beider Kammern werden für je fünf Jahre gewählt. Es besteht Wahlpflicht. Der Oberste Gerichtshof hat seinen Sitz in Sucre, der formellen Hauptstadt des Landes. Die Verfassung bestimmt die Lehre der Römisch-Katholischen Kirche als Staatsreligion, gewährt den Bürgern aber Religionsfreiheit.

Militär

Die Streitkräfte Boliviens sind unterteilt in die Armee (Ejército Boliviano), die Marine (Fuerza Naval Boliviana) und die Luftstreitkräfte (Fuerza Aérea Boliviana). Ebenfalls militärisch organisiert ist die Nationalpolizei (Policía Nacional de Bolivia). Zwar gibt es eine grundsätzliche Wehrpflicht, falls es jedoch genug Freiwillige gibt, wird auf Einberufungen verzichtet. Die Freiwilligen müssen mindestens 18 Jahre alt sein; bei Einberufungen erlaubt das Gesetz aber, die Altersgrenze bis auf 14 abzusenken. Laut Schätzungen sind 40% der Streitkräfte unter 18 Jahren alt, die Hälfte davon sogar unter 16 (Quelle: CIA World Factbook). Die Dauer des Wehrdienstes beträgt 12 Monate. Die Gesamtstärke der Streitkräfte schwankt zwischen 31.500 und 35.000 Mann, davon etwa 20.000 Wehrdienst Leistende. Die Militärausgaben betrugen 2003 vergleichweise niedrige 123 Mio US-$ (Quelle: CIA World Factbook), damit jedoch immerhin 1,6 % des Bruttoinlandsprodukts. Zur Anschaffung neuer Ausrüstung sind die bolivianischen Streitkräfte daher weitgehend auf US-Militärhilfe angewiesen.

Armee

Die bolivianische Armee ist mit rund 25.000 Mann die bei weitem stärkste Teilstreitkraft innerhalb des bolivianischen Militärs. Mit rund 50 leichten Kampfpanzern, 76 Artillerie- und 50 Flugabwehrgeschützen ist sie aber vergleichsweise schwach für einen Krieg gegen einen äußeren Feind ausgerüstet (Quelle: [http://www.globaldefence.net/deutsch/suedamerika/bolivien/bolivien.htm www.globaldefence.net]). Die Armee Chiles - zu dem die Beziehungen immer noch gespannt sind - zum Beispiel hat nicht nur ein 24x grösseres Budget, sondern ist auch mit Hunderten von moderneren schweren und leichten Panzerfahrzeugen, unter anderem 250 Leopard Panzern, wesentlich stärker ausgestattet. Seit dem Salpeterkrieg hat sich die Armee denn auch mehr und mehr auf die "Innere Sicherheit" konzentriert.

Marine

Innere Sicherheit Bolivien hat zwar seit dem Salpeterkrieg keinen Zugang mehr zum Pazifik, besitzt aber dennoch eine kleine Marine-Truppe. Obwohl der Salpeterkrieg schon mehr als ein Jahrhundert zurück liegt, besteht unverändert Hoffnung auf die Wiedergewinnung eines zwischen Chile und Peru verlaufenden Korridors zum Pazifik. Dieses langfristige Ziel verleiht der (ohne Marineinfanterie) 1.800 Mann starken Marine Aufschwung, die zumindest für die nähere Zukunft eine reine Binnenmarine bleibt. Die Kommandostruktur umfasst sechs Marinebezirke, jeder mit einer Flottille ausgestattet. Ein Bezirk umfasst den Titicaca-See, die übrigen liegen an den großen Flüssen. Das größte Schiff ist ein Hochsee-Frachter, die "Libertador Bolívar", von der Marine bemannt, um eine seemännische Ausbildung zu gewährleisten für den Fall, dass der Korridor entsteht und die Marine wieder von einem bolivianischen Hafen an der Pazifikküste operieren kann. Das Schiff wird als normales Handelsfrachtschiff eingesetzt, dessen Einnahmen dem Marineministerium zufließen. Es ist ein Geschenk Venezuelas und hat seinen Heimathafen in Argentinien. Die restliche Marine besteht aus etwa 60 Patrouillenbooten und Patrouillenbarkassen sowie aus einem der Marine gehörenden Patrouillenflugzeug vom Typ Cessna U 206. Zur Marineinfanterie zählen weitere etwa 1.700 Mann. Die Haupteinheit ist das Marineinfanterie-Bataillon "Almirante Grau" mit einer detachierten Kompanie in jedem Marinebezirk.

Luftstreitkräfte

Die bolivianische Luftwaffe umfasst rund 3.000 Mann. Die Ausstattung ist größtenteils überaltert; dazu gehören u.a. von Canadair in Lizenz gebaute Lockheed T-33A/N Kampfflieger aus den 70ern des letzten Jahrhunderts (je nach Quelle zwischen 12 und 18; teilweise vor kurzem in Kanada modernisiert) und vermutlich noch 11 Trainingsflugzeuge des schweizerischen Typs Pilatus PC-7, die auch zur Bekämpfung des Drogenanbaus eingesetzt werden. Dazu kommen etwa zwei Dutzend Transportflugzeuge und rund 50 Transporthubschrauber unterschiedlicher Typen. Die bolivianische Luftwaffe betreibt mit dem Transporte Aéreo Militar (TAM) einen landesweiten, öffentlichen Linienflugverkehr auch in abgelegene Landesteile.

Politische Gliederung

Siehe: Bolivianische Departamentos Bolivien ist in neun Departamentos aufgeteilt. Die Departamentos werden von einem Präfekten (Prefecto) verwaltet, der vom Präsident ernannt wird. Als Zugeständnis an Autonomiebestrebungen sollen die Präfekten in Zukunft vom Volk gewählt werden. Die ersten Präfekturwahlen sollen gemeinsam mit den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen stattfinden, die für Dezember 2005 geplant sind. Die Departamentos gliedern sich ihrerseits in insgesamt 112 Provinzen (Provincias), die jeweils von einem ernannten Unterpräfekten (Subprefecto) verwaltet werden. Die Provinzen sind wiederum in 324 municipios untergliedert. Auf kommunaler Ebene gibt es gewählte Bürgermeister (Alcalde), in größeren Städten und Gemeinden auch einen gewählten Stadtrat (Consejo municipal).

Wirtschaft

Bolivien ist das ärmste und exportschwächste Land Lateinamerikas, sein Bruttoinlandsprodukt ist mit etwa 2.400 US-Dollar pro Kopf/Jahr (2002, nach Kaufkraftparität berechnet) unterdurchschnittlich. Ein Großteil der Bevölkerung ist nach wie vor in der Landwirtschaft beschäftigt. Nur im tropischen Tiefland im Osten wird die Landwirtschaft dabei einigermaßen modern betrieben, im Altiplano dagegen wird traditionell auf Subsistenz-Basis angebaut. Die Industrie ist wenig entwickelt, Hauptindustriezweige sind neben dem in der Bedeutung schwindenden Bergbau die Lebensmittel- und Textilindustrie sowie die Metallverarbeitung. Der kontrovers diskutierte Coca-Anbau bleibt nach wie vor einer der Hauptwirtschaftszweige des Landes, vor allem in den Regionen Yungas und Chapare im Nordosten. Von Seiten der USA wird er zu unterbinden versucht, doch ist dabei zu bedenken, dass Coca nicht nur ein Rohstoff für Kokain ist, sondern von der Bevölkerung der gesamten Andenregion als Genussmittel genutzt wird, ob als Tee (mate de coca) oder zum Kauen. Um den Cocaanbau ist ein heftiger Streit zwischen der Regierung und den Cocabauern entbrannt, der mit zu der chaotischen politischen Situation 2002-2003 führte. Der Führer der so genannten cocaleros, Evo Morales, trat in der letzten Präsidentenwahl als Kandidat an, verpasste jedoch die Stichwahl um wenige Prozentpunkte.

Tourismus

Evo Morales Der Tourismus hat in den letzten Jahren zwar einen hohen Zuwachs erfahren, ist aber trotzdem nur von untergeordneter Bedeutung - im Jahr 2004 kamen grade 367.000 ausländische Besucher ins Land. Die meisten Touristen reisen in die Hauptstadt, an den Titicacasee und in das Salar de Uyuni - nur etwa 10% der Touristen entfallen auf die weite Ebene des Amazonasbeckens mit ihren 21 bolivianischen Nationalparks. Darunter zählt der Noel-Kempff-Mercado-Nationalpark seit dem Jahr 2000 zum Weltnaturerbe der UNESCO. Die landschaftliche Schönheit des Altiplanos, aber auch der Amazonasregion, werden von immer mehr Ausländern geschätzt. Die Einheimischen reisen wegen der schlechten Wirtschaftslage eher wenig, Massentourismus gibt es also kaum. Hauptziele des Tourismus sind:
- die Hauptstädte La Paz und Sucre wegen ihrer kolonialen Bauten,
- Potosí mit seinen Minen und ebenfalls wegen der hier besonders prachtvollen Bauten aus der goldenen Zeit der Stadt
- der Titicacasee mit seinen "heiligen Inseln" (Sonnen- und Mondinsel)
- die Amazonasregion um Rurrenabaque
- das Salar de Uyuni, der größte Salzsee Amerikas
- Tupiza, eine in einer vielfarbigen Gebirgslandschaft gelegene Kleinstadt im Süden
- Tiahuanaco, das religiöse und administrative Zentrum einer präkolumbianischen Kultur Die Infrastruktur ist in den meisten Fällen gut, die Preise vor allem für Europäer sehr niedrig. In den höher gelegenen Gebieten (besonders im Westen des Landes) kann man Probleme mit der Höhenkrankheit bekommen (Soroche). Empfohlen wird ein Coca-Mate-Tee oder die sogenannte Soroche-Pill (eine Art Pastille). Auch sollte man schwere Speisen und Alkohol meiden.

Sport

Bolivien gehört traditionell zu den schwächeren Fußballmannschaften Südamerikas. In der Qualifikation zur Fußball-WM 2006 sind sie bereits ausgeschieden. Stärkster Spieler ist der Stürmer José Alfredo Castillo vom mexikanischen Erstligisten Tecos UAG. In Europa spielen Sergio Jauregui und Getulio Vaca Diez (beide Yverdon-Sports) sowie Juan Pena (Villarreal CF). (Stand Okt. 2005).

Siehe auch


- Portal:Südamerika
- Mercosur
- Barriadas

Literatur


- Johannes Winter und André Scharmanski (2005): Sind die Andenstaaten unregierbar? Ursachen der politischen Krise in Bolivien, Ecuador und Peru. In: Zeitschrift Entwicklungspolitik 14/2005, S. 30-34.
- Herbert S. Klein, "A Concise History of Bolivia", Cambridge 2003
- Johannes Winter, "Integrationsprozesse im ländlichen Bolivien", CeLA Münster, 2005. In: http://www.uni-muenster.de/CeLA/publik/Ah/AH91.htm
- Robert Lessmann, "Zum Beispiel: Bolivien", Lamuv Göttingen, 2004
- Jorge Sanjininés, Oscar Zambrano, "Kino für das Volk - die bolivianische Erfahrung" in: Peter B. Schumann (Hrsg.), "Kino und Kampf in Lateinamerika. Zur Theorie und Praxis des politischen Kinos", München und Wien: Carl Hanser 1976, S. 144-167
- Moema Viezzer, "Wenn man mir erlaubt zu sprechen", Lamuv Göttingen, 1977/83(org/deu)

Weblinks


-
- [http://www.bolivialine.de/bolivia/index.html Bolivialine online Reiseführer, Informatiosdienst über Tourismus und Reisen in Boliven]
- [http://www.bolivien-erleben.de Bolivien erleben. Ein Internet-Reiseführer]
- [http://www.boliviatoday.org Bolivia Today (Englisch)]
- [http://www.bolivia-info.de Bolivia - Die Zeitschrift für Bolivien]
- [http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/geos/bl.html Eintrag im CIA World Factbook (Englisch)]
- [http://www.payer.de/bolivien2/bolivien02.htm Umfangreiche Infos zur Geschichte Bolviens]
- [http://www.redbolivia.com/ RedBolivia International (spanisch)]
- [http://www.noticiasbolivianas.com/ Nachrichtenportal aller großen bolivianischen Tageszeitungen (spanisch)]
- [http://www.kantuta.com Kantuta.com - Großes Portal über Bolivien (englisch/deutsch)]
- http://www.valor-support.de - Verein mit Zentren für Jugendliche unterer sozialer Schichten in La Paz & El Alto - Informationen über die Situation der bolivianischen Jugend
- [http://www.bolivia.de Offizielle Website der bolivianischen Botschaft in Deutschland mit ausführlichen Informationen über Geschichte, Politik und Tourismus]
- [http://www.jbh-bolivien.de Verein Jugend-Bildung-Hilfe e.V. Infos zur direkten Unterstützung kleiner pädagogischer, sozialer und kultureller Projekte in Bolivien ]
- [http://www.uni-muenster.de/CeLA/publik/Ah/AH91.htm Studie zur Integration von Migranten in Bolivien; Winter, Johannes (2005), Lateinamerika-Zentrum Münster]
- [http://www.voluntariasalemanas.org/index.htm Deutsche Helferinnen - Voluntarias Alemanas e.V. Infos zur Arbeit deutscher Helferinnen im Hospital del Niño in La Paz]
- [http://www.sariry.de Verein zur Unterstützung eines kleinen Gemeindeprojektes in der Nähe von La Paz]
- [http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?id=1307 Demokratiekrisen in Lateinamerika. Bolivien und Venezuela als Testfälle für das demokratische Engagement der internationalen Gemeinschaft, SWP-Aktuell 25/2005 (Juni 2005)]
- [http://www.bolivienhilfe.de Verein zur Unterstützung eines Gemeindeprojektes in der Nähe von Sucre]
Kategorie:Staat Kategorie:Südamerika Bolivien ja:ボリビア ko:볼리비아 ms:Bolivia th:ประเทศโบลิเวีย zh-min-nan:Bolivia

Guaraní (Sprache)

Guaraní [] (eigener Name: avañe'ẽ) ist eine Sprache, die in Paraguay, im nordöstlichen Argentinien, Teilen von Bolivien, und im südwestlichen Brasilien gesprochen wird. Guaraní gehört zur Sprachfamilie der Tupi-Guaraní-Sprachen. Es gibt etwa 6 Millionen Guaraní-Sprecher in der Welt.

Geschichte

Guaraní wurde schon in der spanischen Kolonialzeit zum Zwecke der christlichen Missionierung als Schriftsprache verwendet. Jedoch blieb das Spanische auch im unabhängigen Paraguay alleinige Amtssprache. Das Guaraní wurde zwar als ein wichtiges kulturelles Merkmal der paraguayischen Nation betrachtet, seine Verwendung blieb jedoch auf den mündlichen Gebrauch und auf Literatur vorwiegend folkloristischen Charakters beschränkt. Erst in jüngerer Zeit wurde in Paraguay begonnen, das Guaraní auch im Bildungswesen und als Amtssprache zu verwenden und die unterschiedlichen in Gebrauch befindlichen Rechtschreibsysteme zu einer weitgehend phonetischen Orthographie zu vereinheitlichen.

Guaraní in Paraguay

Zusammen mit Spanisch ist Guarani in Paraguay Amtssprache. Die Verfassung von 1992 ist allerdings einer der wenigen offiziellen Texte, die ins Guarani übersetzt wurden. Offiziell gilt Paraguay als "zweisprachig". Die Realität ist komplizierter. Nahezu niemand spricht eine der Sprachen in ihrer Reinform. Höher gebildete, städtische, eurozentrische Schichten sprechen ein rioplatensisches Spanisch mit eingemischten Guaraní-Phrasen, während weniger gebildete, ländliche, bäuerliche Schichten ein Guaraní mit starken Anteilen von spanischem Vokabular sprechen, das als Jopará [] bekannt ist. Durch die vermehrte Verwendung des Guaraní auch im Bildungswesen und als Amtssprache trug man ansatzweise der Tatsache Rechnung, dass über 80 % der paraguayischen Bevölkerung guaranisprachig ist und ein beträchtlicher Teil nur rudimentäre Kenntnisse des Spanischen besitzt.

Phonologie

Vokale: Außerdem gibt es von allen 6 Vokalen auch noch nasale Varianten (ã, ẽ, ĩ, õ, ũ, ỹ) Die Nasalvokale sind nur in der betonten Silbe distinktiv, die vortonigen Vokale werden infolge der Nasalassimilation vor folgenden nasalen Vokalen oder nasalen Konsonaten nasal, in anderen Fällen nichtnasal ausgesprochen. Konsonanten: Der Akzent liegt zumeist auf der letzten Silbe des Stammes, die suffigierten grammatischen Morpheme sind unbetont (enklitisch).

Grammatik

Nomina und Verben werden nicht so scharf getrennt wie bei uns. Guarani ist eine stark agglutinierende bzw. polysynthetische Sprache, also werden viele Affixe verwendet. Hingegen gibt es keine Kasus, Geschlechter oder Unterschied Singular-Plural. Eine weitere Besonderheit ist eine bestimmte Art der Anlautmutation, die Eklipse: Viele Wörter, die mit /t-/ anfangen, ändern diesen Anlaut, wenn sie von anderen Wörtern abhängen oder mit ihnen zusammengesetzt werden:

Siehe auch


- Guaraní (Volk)

Weblinks


- [http://gn.wikipedia.org/ Wikipedia auf Guaraní] (wenig aktiv)
- [http://www.guarani.de Guarani Ñanduti Rogue – Guaranisprachige Kultur Paraguays] (mehrsprachig)
- [http://www.guaranirenda.com www.guaranirenda.com] Informationssammlung zu Guarani (auf Spanisch)
- [http://www.sckell.ch/papers/diskurs_guarani.pdf Der Diskurs des Guaraní – Eine kommentierte Bibliographie (PDF-Datei)] Kategorie:Einzelsprache ko:과라니어 ja:グアラニー語

Ecuador

Die Republik Ecuador (span. República del Ecuador, dt. auch Ekuador, vgl. „Äquator“) ist ein Staat in Südamerika und grenzt an Kolumbien und Peru. Er liegt am Pazifik zwischen 1° 30' n. Br. und 5° 00 s.Br. sowie zwischen 75° 15' und 81° 00' w.L. (Festland). Die etwa 1.000 km westlich des Festlands gelegenen Galápagos-Inseln befinden sich auf etwa gleicher Breite und zwischen 89° 15' und 91° 40' w.L. Die Bevölkerung gehört überwiegend der katholischen Glaubensrichtung an und spricht neben der Amtssprache Spanisch auch die Sprachen Quichua und Shuar, sowie einige weitere lokale Indianersprachen.

Geografie

Indianer Das am Äquator gelegene Land lässt sich in vier völlig unterschiedliche Zonen aufteilen: den Küstenbereich (Costa), die Anden (Sierra), das bewaldete Amazonas-Tiefland (Oriente) und die Galápagos-Inseln. Die Küste Ecuadors ist eine fruchtbare Ebene, nur etwas über dem Meeresspiegel gelegen, und deshalb sehr warm (bis 40°C). Dort befindet sich die größte Stadt des Landes - Guayaquil. Von Nord nach Süd verläuft die Bergkette der Anden mitten durch Ecuador. In den Hochebenen um 2.500 m mit gemäßigter Temperatur liegen die Hauptstadt Quito und die drittgrößte, aber vergleichsweise kleine Stadt Cuenca. Die Berge, teilweise aktive Vulkane, erreichen 5.000 bis 6.000 Meter. Unter ihnen ist die höchste Erhebung der Erde (vom Erdmittelpunkt aus), der Chimborazo, mit 6.310 m über dem Meeresspiegel. In diesem Gebiet liegen auch viele sehenswerte Kraterseen, wie z.B. der Kratersee Quilotoa. Im Osten des Landes beginnt der Wald des Amazonas-Tieflandes mit heißem und feuchtem Klima. Alle Flüsse dort sind Oberläufe des Amazonas. Die wichtigsten von ihnen sind der Napo, der Coca, der Pastaza, der Putumayo und der Aguarico. Als vierte Zone bezeichnet man die weit im Pazifik gelegenen Galápagos-Inseln. Auf diesen Inseln hat sich eine weltweit einzigartige Pflanzen- und Tierwelt entwickelt.

Bevölkerung

Galápagos-Inseln Die ethnische Zusammensetzung der Einwohner von Ecuador ist sehr heterogen und spiegelt die verschiedenen Phasen der Geschichte des Landes wider. Mit dem Stand von 2004 wird folgende ungefähre Zusammensetzung der Bevölkerung angegeben:
- Indigenas: 20,0 % (nach Angaben der Indigena-Organisation CONAIE bis zu 50%),
- Mestizen: 35,0 %,
- Mulatten: 15,0 %,
- Afroamerikaner: 5,0 %,
- europäischer Abstammung: 25,0%. Dabei gibt es große geografische Unterschiede: Während der Anteil der indigenen Bevölkerung im Hochland besonders hoch ist, konzentrieren sich die Menschen mit afrikanischer Herkunft in der Region um Esmeraldas sowie im Chota-Tal (spanisch: Valle de Chota) (Provinz Imbabura) im Nordwesten des Landes. Über 90% der Einwohner sind Katholiken.

Geschichte

Katholiken Hauptartikel: Geschichte Ecuadors Das Gebiet Ecuadors war vor der Kolonialisierung zunächst in mehrere kleinere unabhängige Indianersstaaten aufgeteilt. Erst Ende des 15. Jahrhunderts eroberten die Inka das gesamte Land, wurden aber bereits Anfang des 16. Jahrhunderts wiederum von den Spaniern unterworfen. Während der Kolonialzeit nahm die Real Audiencia de Quito das heutige Gebiet Ecuadors ein. Das Land erkämpfte sich unter Simón Bolívar und Antonio José de Sucre 1821 die Unabhängigkeit von Spanien und gehörte bis 1830 zur Gran Colombia. Sein weiterer eigenständiger geschichtlicher Weg war durch hohe politische und territoriale Instabilität gekennzeichnet. Die unablässige Abfolge zahlreicher Putsche und Staatsstreiche reicht bis in heutige Zeit. Im 19. Jahrhundert kam es immer wieder zu kürzeren Bürgerkriegsepisoden, eine Entwicklung, die nach der Mitte des Jahrhunderts durch die klerikale Diktatur des Gabriel García Moreno für einige Jahre unterbrochen werden konnte. In der Gegenreaktion gelang es Eloy Alfaro am Ende des Jahrhunderts, eine erste radikalliberale Regierung zu etablieren. Während des gesamten 20. Jahrhunderts verlor Ecuador in schneller Folge weitreichende Territorien an seine Nachbarn, das letzte Mal noch 1998 an Peru. Siehe auch: Liste der Präsidenten von Ecuador

Verwaltungsgliederung

Liste der Präsidenten von Ecuador Entsprechend der Verfassung ist Ecuador ein unteilbarer Staat. Zur Verwaltung des Landes gibt es eine Aufteilung in Provinzen (provincias), Kantone (cantones) und Gemeinden (parroquias). Die 22 Provinzen, ihre Größe und die entsprechenden Provinzhauptstädte sind:
- im Andenhochland (sierra):
  - Azuay (8.100 km², 650.000 Einwohner, Hauptstadt: Cuenca),
  - Bolívar (4.000 km², 200.000 Einw., Hauptstadt: Guaranda),
  - Cañar (3.100 km², 200.000 Einwohner, Hauptstadt: Azogues),
  - Carchi (3.600 km², 240.000 Einwohner, Hauptstadt: Tulcán),
  - Cotopaxi 6.000 km², 350.000 Einwohner, Hauptstadt: Latacunga),
  - Chimborazo (6.600 km², 480.000 Einwohner, Hauptstadt: Riobamba),
  - Imbabura (4.600 km², 350.000 Einwohner, Hauptstadt: Ibarra),
  - Loja (11.000 km², 500.000 Einwohner, Hauptstadt: Loja),
  - Pichincha (13.000 km², 2,5 Millionen Einwohner, Hauptstadt: Quito),
  - Tungurahua (3.340 km², 450.000 Einwohner, Hauptstadt: Ambato).
- an der Küste (costa):
  - El Oro (5.850 km², 700.000 Einwohner, Hauptstadt: Machala),
  - Esmeraldas (15.200 km², 450.000 Einwohner, Hauptstadt: Esmeraldas),
  - Guayas (20.500 km², 3,6 Millionen Einwohner, Hauptstadt: Guayaquil),
  - Los Ríos (7.200 km², 750.000 Einwohner, Hauptstadt: Babahoyo),
  - Manabí (19.000 km², 1,6 Millionen Einwohner, Hauptstadt: Portoviejo).
- in Amazonien (Oriente):
  - Morona Santiago (25.700 km², 100.000 Einwohner, Hauptstadt: Macas),
  - Napo (34.000 km², 150.000 Einwohner, Hauptstadt: Tena),
  - Orellana (20.700 km², 71.000 Einwohner, Hauptstadt: Puerto Francisco de Orellana)
  - Pastaza (30.000 km², 100.000 Einwohner, Hauptstadt: Puyo),
  - Sucumbíos (18.300 km², 120.000 Einwohner, Hauptstadt: Nueva Loja),
  - Zamora Chinchipe (23.000 km², 100.000 Einwohner, Hauptstadt: Zamora).
- Dazu kommt die Insulare Region Galápagos: (8.010 km², 30.000 Einwohner, Hauptstadt: Puerto Baquerizo Moreno) Siehe auch: Liste der Städte in Ecuador

Infrastruktur

Der Straßenverkehr, wichtigster Verkehrsträger des Landes, findet auf einem Straßennetz mit einer Gesamtlänge von 43.197 km (1999) statt, von dem jedoch gerade einmal 8.165 km befestigt sind. Wichtigste Straße ist das Teilstück der Carretera Panamericana, die von Nord nach Süd das Land durchquert. Das Eisenbahnnetz ist 812 km lang und besitzt eine Spurweite von 1.067 mm. In den 1980ern hat die Bedeutung der Bahn nachgelassen. Die einzigen regelmäßigen Verbindungen sind für Touristen gedacht. Der öffentliche Personenverkehr wird hauptsächlich durch Busse realisiert, die von Privatunternehmen, sog. Cooperativas, betrieben werden. Internationale Flughäfen befinden sich in Quito und Guayaquil. Der Außenhandel findet vor allem auf dem Seeweg statt. Wichtige Hafenstädte sind Guayaquil, Puerto Bolívar und El Balao.

Wirtschaft

Die Wirtschaftsleistung des Landes ist gering und Ecuador gehört zu den ärmeren Ländern Lateinamerikas. Bis zu einem Viertel der Bevölkerung lebt bereits als Arbeitsmigranten im Ausland, vor allem in den USA (Miami) und Spanien (v.a. Madrid). Ecuador hat im Jahre 2000 seine eigene Währung, den Sucre, zu Gunsten des US-Dollar aufgegeben, prägt aber in vertraglicher Absprache mit den USA weiterhin Kleinmünzen mit der Denomination US-Cent (centavos) und eigenem Vorder- und Rückbild. Über die Hälfte der Wirtschaftsleistung hängt mit der Förderung und dem Export von Erdöl zusammen. Weitere wichtige Exportartikel sind traditionell Bananen, Garnelen (camarones) und Kakao sowie der berühmte Panama-Hut, der nur hier hergestellt wird. In den letzten Jahren hat sich auch der Tourismus zu einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt, gilt Ecuador doch als eines der Länder mit der höchsten Biodiversität der Welt. Ecuador bietet darüber hinaus eine Vielfalt an Landschaften, die ihresgleichen suchen. Genannt seien die Galápagos-Inseln, die Straße der Vulkane und der tropische Bergwald am Osthang der Anden.

Historische Nationalflaggen von Ecuador

Der Wechsel von der an die Flagge Großkolumbiens angelehnten dreifarbigen Flagge (Tricolor) auf die auch in anderen südamerikanischen Staaten vorzufindende Kombination weiß-hellblau-weiß (s. Flagge Argentiniens) erfolgte nach der sog. Märzrevolution gegen Präsident General Juan José Flores (1845). Nach dem Sieg des klerikal-konservativen Gabriel García Moreno gegen die liberale Partei in der nationalen Krise von 1859/60 machte dieser die Tricolor wieder zur Nationalflagge Ecuadors, was bis heute so geblieben ist.

Weitere Themen


- Literatur: Diego Viga, Benjamín Carrión, Jorge Icaza
- Bildende Kunst: Oswaldo Guayasamin
- Musik: andine Musik
- Sport: Ecuadorianische Fußballnationalmannschaft, Jefferson Pérez siehe auch: Portal:Südamerika

Weblinks


-
- http://www.inwent.org/v-ez/lis/ecuador/index.htm - Landeskundliche Informationsseite deutscher Entwicklungshilfe-Organisationen zu Ecuador (auf deutsch)
- http://www.vivecuador.com/html2/eng/home.htm - Portal des ecuadorianischen Informations- und Tourismusministeriums (auf Englisch)
- http://www.edufuturo.com - Informationsportal über alle Aspekte der ecuadorianischen Gesellschaft, entstanden im Rahmen von Schulbildungsprojekten der Provinz Pichincha (spanisch)
- http://www.ecuador.org - Seiten der ecuadorianischen Botschaft in Washington mit Informationen über Politik, Wirtschaft, etc. (englisch)
- http://www.amnesty-ecuador.de - Ecuador-Koordinationsgruppe von amnesty international

Zeitungen


- http://www.eluniverso.com - El Universo, auflagenstärkste Zeitung des Landes, erscheint in Guayaquil (spanisch)
- http://www.elcomercio.com - El Comercio, wichtigste Zeitung in Quito (spanisch)
- http://www.hoy.com.ec - Diario Hoy, weitere Zeitung in Quito (spanisch), auf den Seiten finden sich die Inhalte umfangreicher Beilagen zu Geschichte, Kultur, etc.
- http://www.elmercurio.com.ec - El Mercurio, wichtigste Tageszeitung in Cuenca (spanisch)
Kategorie:Südamerika Kategorie:Staat Kategorie:Ecuador ja:エクアドル ko:에콰도르 ms:Ecuador zh-min-nan:Ecuador

Präkolumbisch

Der Begriff "präkolumbisch" (oft wird auch der Begriff vorkolumbisch gebraucht), bezieht sich auf die geschichtliche Epoche zwischen der Besiedlung Amerikas und dessen Entdeckung 1492 durch Christoph Kolumbus und der damit verbundenen Beeinflussung durch die Europäer. Der Begriff wird aber auch verwendet, um Vorkommnisse zu beschreiben, die zwar nach der Entdeckung durch Kolumbus, aber ohne europäische Einflüsse geschehen sind. "Präkolumbisch" bzw. "vorkolumbisch" ist jedoch nicht mit dem in diesem Zusammenhang oft fälschlicherweise verwendeten "präkolumbianisch" bzw. "vorkolumbianisch" zu verwechseln. Dies bedeutet nämlich "vor Kolumbien" und bezieht sich daher auf die Zeit vor 1819 im damaligen Gebiet von Großkolumbien. Kategorie:Zeitalter Kategorie:Präkolumbisches Mesoamerika Kategorie:Altamerikanistik

Schrift

Schrift dient der Kommunikation und der Konservierung von sprachlicher Information. Mit einem vereinbarten, festgelegten Zeichensystem werden Informationen auf einen Träger geschrieben und somit chiffriert und können von diesem wieder abgelesen, sprich dechiffriert werden. Schrift bedeutet umgangssprachlich auch eine Schriftart (gestalteter Zeichensatz, Typografie), eine Schriftdatei (Computertechnik), eine Handschrift (Schriftbild : »ich kann deine Schrift nicht lesen«), schriftliche Werke (»Goethes Schriften zur Farbenlehre«) und dient als Eigenname für religiöse Texte (»Heilige Schrift«) Siehe auch: Inschrift, Blindenschrift

Definition

Man unterscheidet:
- Alphabetschrift – die grundlegende Beziehung hier ist: ein Zeichen entspricht einem Laut (bzw. Phonem)
- Silbenschrift – hier entspricht weitgehend ein Zeichen einer Silbe
- Logogramme – ein Zeichen steht hier in der Regel für ein Wort bzw. für eine Aussage oder Anweisung Alphabet- und Silbenschriften sind mehr oder weniger phonologisch, also lautbasiert. Logogramm- oder Ideogramm-Schriften sind hingegen eher bedeutungsbasiert: das Schriftzeichen entspricht eher einer bestimmten Bedeutung als einem bestimmten Laut. Beispiele für eine solche Schrift sind die arabischen Ziffern (1,2,3 ...), mathematische Symbole, Verkehrszeichen, Piktogramme, Gefahrensymbole. Diese sind international, also über Sprachgrenzen hinweg, verständlich. Bei den Alphabetschriften unterscheidet man zwischen Alphabetschriften im engeren Sinne und Konsonantenschriften, bei denen nur die Konsonanten bezeichnet werden. Bei ersteren kann man noch zwischen solchen unterscheiden, in denen jeder Laut ein gleichberechtigtes Zeichen erhält, wie in der lateinischen Schrift, und solchen, in denen Vokale als obligatorische Hilfszeichen von Konsonanten auftauchen, wie in indischen Schriften. Diese sind also in gewisser Weise das Bindeglied zwischen Alphabetschriften im engeren Sinne und Konsonantenschriften, in gewisser Weise auch zu den Silbenschriften. Manche Sprachen nutzen gemischte Schriften, die Züge von zwei oder allen drei Schriftsystemen haben, oder mehrere Schriften nebeneinander. Eine Besonderheit bilden die Geheimschriften, die zur verschlüsselten Informationsübertragung verwendet werden.

Schriftfamilien

Entwicklung

Vor der Entwicklung der Schrift war Jahrtausende lang die mündliche Überlieferung von wesentlichen Inhalten üblich. Sie barg schon immer gewisse Risiken in sich. Eine mögliche Sinnentstellung des ursprünglichen Quelleninhaltes und das Weglassen oder Hinzufügen von Inhalten sind in der mündlichen Vermittlung des jeweils einzelnen Erzählers immanent enthalten. Psychologische, soziale und kulturelle Faktoren spielen bei der mündlichen Überlieferung eine wesentliche Rolle. Weltweit wurden seit jeher überlebenswichtige Informationen, aber auch geheimes Wissen, Rituale, Mythen, Legenden und Sagen mündlich weitergegeben (wie u.a. die Geschichte von der großen Sintflut), die einen ähnlichen Kern aufweisen, in ihren Details aber beträchtlich voneinander abweichen können. Auch heute noch existieren Kulturen, in denen die mündliche Überlieferung von Traditionen und Wissen üblich ist. Bei den Aborigines in Australien steht das mündliche Zeugnis sogar im Vordergrund, obwohl sie in engem Kontakt mit einer schreibenden Kultur stehen. Die wortwörtliche Wiedergabe an nachfolgende Generationen trägt dazu bei, eigene Kultur und Werte zu bewahren, und charakterisiert zugleich eine Besonderheit dieser Kultur. Gemeinsam mit der Fähigkeit des Lesens bilden Schreiben, Schrift und Rechnen die Grundlage von Tradition, Kultur und Bildung durch die mittelbare Weitergabe von Wissen. Die Erfindung der Schrift gilt als eine der wichtigsten Errungenschaften der Zivilisation, da sie die Überlieferung von Wissen und kulturellen Traditionen über Generationen hinweg erlaubt, und deren Erhaltung (je nach Qualität des beschrifteten Materials) über einen langen Zeitraum garantiert. Alle bekannten Hochkulturen (Sumer, Ägypten, Indus-Kultur, Reich der Mitte, Amerika) werden mit der Verwendung der Schrift in Verbindung gebracht. Traditionell wird Sumer als die Kultur genannt, in der die Schrift erstmals verwendet wurde. Die wohl ältesten Schriftfunde stammen von dem Fundort Uruk aus Abfallschichten unter der sogenannten Uruk-III-Schicht. Sie werden somit ins 4. Jahrtausend vor Christus datiert. Es handelt sich dabei um Wirtschaftstexte. Die verwendete Schrift lässt allerdings keine Rückschlüsse auf die Sprache zu, es ist daher falsch, diese Schrift im strengen Sinne als sumerisch zu bezeichnen. Nur wenige Forscher glauben, daß es sich bei den spärlichen Symbolzeichen der Vinča-Kultur, die in das 5. Jahrtausend v. Chr. datiert werden, um eine tatsächliche Schrift handelt. Die ägyptischen Hieroglyphen werden oft als eine aus Vorderasien importierte Idee angesehen; neuere Funde von Günter Dreyer in Ägypten stellen diese Lehrmeinung allerdings in Frage, und er vermutet eine eigenständige Erfindung. In China und Mittelamerika (Maya) wurde die Schrift ebenfalls unabhängig entwickelt. Andere Ausprägungen der Schrift sind meistens direkte Übertragungen von einer Kultur zu einer anderen (etwa die Entwicklung des lateinischen aus dem griechischen Alphabet). In einigen Fällen hat die Beobachtung, dass eine fremde Kultur eine Schrift besitzt, die Entwicklung einer eigenen Schrift bewirkt (die Silbenschrift der Cherokee). Der uns heute bekannten Schrift gehen Felszeichnungen, z.B. in der Höhle von Lascaux, vor ca. 20 000 Jahren voraus. Seit Zehntausenden von Jahren benutzen Menschen Zeichen oder Bilder, um Botschaften zu hinterlassen. Von Schrift kann aber erst gesprochen werden, wenn ein festgelegtes Zeichensystem zum Ausdruck für verschiedene Informationen zur Verfügung steht. Bereits in der Jungsteinzeit (Neolithikum) wurden Steine mit geometrischen Linien hergestellt, von denen die Forschung mit einiger Gewissheit sagen kann, dass sie zum Zählen dienten. Diese Steine wurden entsprechend lateinisch calculi genannt, woraus sich das französische calcul (Rechnen, Rechnung) und das deutsche kalkulieren ableiten. Zur Entwicklung der Schreibschrift in Deutschland siehe Schreibschrift

Schriftklassifikation

In der westlichen Welt gibt es verschiedene Schriftklassifikationsmodelle, die voneinander teils erheblich abweichen. Davon sind in Deutschland insbesondere zwei Modelle gebräuchlich:

DIN 16518

Die Norm DIN 16518 aus dem Jahr 1964 teilt Bleisatzschriften in elf Gruppen ein:
- Venezianische Renaissance-Antiqua (Stichwort Antiqua)
- Französische Renaissance-Antiqua
- Barock-Antiqua
- Klassizistische Antiqua
- Serifenbetonte Linear-Antiqua (Egyptienne)
- Serifenlose Linear-Antiqua (Grotesk)
- Antiqua-Varianten
- Schreibschriften
- Handschriftliche Antiqua
- Gebrochene Schriften
- Fremde Schriften Die Schriftklassifikation entspricht dabei der historischen Entwicklung und berücksichtigt besonders detailliert die im deutschen und westeuropäischen Sprachbereich üblichen lateinischen Schriften. In anderen Ländern gibt es vergleichbare Einteilungen.

Matrix Beinert

Ein modernes Schriftklassifikationsmodell für das Electronic Publishing ist die Matrix Beinert, welche 2001 vom deutschen Typographen Wolfgang Beinert erarbeitet wurde. Sie ordnet westeuropäische Druck- und Bildschirmschriften sowie Bildzeichen in eine Matrix von neun Hauptgruppen.

Literatur

Eine besondere Herausforderung stellt die Entzifferung alter Schriften dar. Oft gelingt sie, wenn ein Text mit Übersetzungen gefunden wird, oder wenn man die Sprache oder einen Dialekt der Sprache kennt. Viele Schriften konnte man entziffern, eine Reihe geben aber noch Rätsel auf.

Bücher


- Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1983, ISBN 3-520-45201-4
- Florian Coulmas: The Blackwell Encyclopedia of Writing Systems. Blackwell, New York, 1996, ISBN 0-631-21481-X
- Florian Coulmas: Writing Systems. An Introduction to their linguistic analysis. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-78737-8
- Werner Ekschmitt: Das Gedächtnis der Völker. Hieroglyphen, Schriften und Schriftfunde, Heyne, München 1980, ISBN 3-453-01058-2
- Ernst Doblhofer: Die Entzifferung alter Schriften und Sprachen. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1993, ISBN 3-15-008854-2
- Carl Faulmann: Schriftzeichen und Alphabete aller Zeiten und Völker. Weltbild, Freiburg 2003 (Reprint von 1898), ISBN 3-8289-0799-7
- Karoly Földes-Papp, Vom Felsbild zum Alphabet - die Geschichte der Schrift von ihren frühesten Vorstufen bis zur modernen lateinischen Schreibschrift. Chr. Belser Verlag, Stuttgart, 1966, ISBN 3-811-20007-0
- Harald Haarmann: Geschichte der Schrift. C. H. Beck, München 2002, ISBN 3-406-47998-7
- Harald Haarmann: Universalgeschichte der Schrift. Campus Verlag, Frankfurt/Main; New York 1990, ISBN 3-593-34346-0
- Hans Jensen: Die Schrift in Vergangenheit und Gegenwart. 1987(Reprint). ISBN 3326002327
- Werner König: dtv-Atlas zur deutschen Sprache. Tafeln und Texte. München 1985, ISBN 3-423-03025-9
- Andrew Robinson: Die Geschichte der Schrift. 2004. ISBN 3491961297

Aufsätze


- Herbert E. Brekle: Vom Rinderkopf zum Abc. Spektrum der Wissenschaft, April 2005, S. 44 - 51 (2005),

Verweise

Schriftsprache, Medientheorie, Portal:Schrift, Alphabet, Analphabetismus, Buchdruck, Typografie, Manuskript, Orthografie, Schreiben, Schreibschrift, Schriftreform, Schriften der Welt, Sonderschrift, Geschichte der Schrift

Download von Schriften


- [http://www.omniglot.com/links/fonts.htm Omniglot]
- [http://www.vistawide.com/languages/foreign_language_fonts.htm Schriften für Fremdsprachen] - Zahlreiche Schriftarten für über 40 Sprachen kostenlos herunterladen

Weblinks


- [http://www.profil.at/index.html?/articles/0523/560/114219_s2.shtml Der Wiener Altorientalist und Archäologe Gebhard Selz über die Anfänge der Schrift]
- [http://www.typolis.de/version1/ www.typolis.de Typografie, Schrift und Gestaltung]
- http://www.schriftgrad.de/ - Alphabete, Typologie, Typografie, Schriftkunst, Glossar und vieles mehr
- http://www.schriften-lernen.de/ - Exotische Schriften lernen - leicht gemacht
- [http://www.holger-rada.de/themen/Schrift-%20und%20Druckgeschichte.pdf Schrift- und Druckgeschichte]
- [http://www.typolexikon.de/s/schriftklassifikation-bei.html Beinert, Wolfgang: Typolexikon.de, Das Lexikon der westeuropäischen Typographie, Die Schriftklassifikation Matirx Beinert]
- [http://www.designguide.at/typologie.html Typologie der Schrift] Kategorie:Schrift zh-min-nan:Bûn-jī hē-thóng

Peru

Peru (spanisch Perú, amtlich Republik Peru, spanisch República del Perú Quetchua Piruw) ist ein Staat in Südamerika und grenzt an Ecuador, Kolumbien, Brasilien, Bolivien und Chile.

Geographie

Landschaftszonen

Peru besitzt drei völlig unterschiedliche Klimaregionen:
- Costa (Küste; ca. 11 % der Staatsfläche)
- Sierra (Anden; ca. 15 %)
- Selva (Regenwald; ca. 64 %).

Costa

Regenwald Die Costa steht unter dem Einfluss des Humboldtstroms und ist weitgehend eine Küstenwüste, in der nur entlang der aus den Anden kommenden Flüsse, in Flussoasen, Landwirtschaft möglich ist. Im Süden Perus, an der Grenze zu Chile, beginnt die trockenste Wüste der Erde, die Atacama-Wüste. Im südlichen Bereich der Costa bis nach Lima, das ungefähr auf der Hälfte des Küstenstreifens liegt, sind Regenfälle während des Jahres extrem selten. Nördlich von Lima nehmen Bodenqualität und Regenfall etwas zu, so dass hier auch Landwirtschaft außerhalb der Flussoasen möglich ist. Die Temperaturen schwanken zwischen 12 Grad im Winter und 35 Grad im Sommer.

Sierra

Atacama Hinter der schmalen Küstenregion beginnt die Sierra. Sie besteht aus mehreren Bergzügen der Anden, die von Längstälern (span. callejón oder valle) unterbrochen werden. Typisch für die gesamte Andenregion sind dazu tief eingeschnittene Täler (Canyons) und Durchbrüche der Gebirgsketten (span. Pongo]] durch große Flüsse, an der West- und Ostseite der Kordillere. Einen typischen Querschnitt der Anden zeigt sich in der zentralen Region Ancash: Von West nach Ost sind das die "Schwarzen Kordilleren" (Cordillera Negra, bis ca. 5.000 m), gefolgt vom Callejón de Huaylas (um 3.000 m). Der nächste Bergzug sind die "Weißen Kordilleren" (Cordillera Blanca), hier befindet sich der höchste Berg Perus, der Huascarán (6.768 m). Weiter Richtung Osten erstreckt sich das Callejón de Conchucos (mit dem Fluss Marañón, einem Quellfluss des Amazonas), abgelöst von weiteren Bergketten. Höchste Berge: Nevado Huascarán (6768 m), Yerupaja (6634 m), Coropuna (6425 m), Ampato (6310 m), Chachani (6075 m), Volcán Misti (5822 m) Während im Norden des Landes die Anden nicht bis zur Schneegrenze reichen und sehr vegetationsreich sind (klimatische Zone des Paramo), zeigen sie sich im zentralen Gebiet sehr steil, teilweise mit breiteren Tälern und hohen Bergen mit ewigem Schnee und Eis (Gletscher). Im mittleren Süden Perus zeigt sich die Landschaft eher "hügelig" zwischen 3.000 und 4.000 Metern, mit wenigen markanten schneebedeckten Bergmassiven über 5.000 Metern. Ab hier Richtung Süden treten ebenfalls Vulkankegeln mit teilweise noch aktuell sporadischer vulkanischen Aktivität auf, und die Andenkette verbreitet sich stark, mit Ausprägung von wenigen Gebirgsketten und dazwischenliegenden hügeligen Hochebenen. Im Süden des Landes zeigt sich insbesondere eine gewisse Abflachung der Hochebene, es bildet sich der sogenannte Altiplano, der seine typische Ausprägung um den Titicacasee erhält. Die mittlere Jahrestemperatur in 3.300 m Höhe liegt bei 16 Grad. Mitunter sind in der eher niederschlagsarmen Region heftige Regenfälle von Oktober bis April zu erwarten. Größere Städte in dieser Region sind Huaraz (ein Paradies für Bergkletterer) und Cuzco. In der Nähe Cuzcos liegt auch die legendäre Inka-Stadt Machu Picchu.

Selva

Machu Picchu Östlich der Anden beginnt die Regenwaldregion ("Selva"). Der Übergang ist dabei fließend, da es einen tropischen Bergwald gibt, in dem ein milderes Klima herrscht. In der durch Tageszeitenklima bestimmten Region beträgt die Jahresmitteltemperatur ca. 26 °C und der Jahresniederschlag erreicht bis zu 3.800 mm. Dort entspringen auch weitere Quellflüsse des Amazonas, der durch das Amazonasbecken in Richtung Brasilien fließt. Der peruanische Regenwald ist dicht und fast undurchdringlich. Die Flüsse, die von den Ketten der Anden in weiten Flussschlingen zum Amazonas strömen, sind die einzigen Verkehrsadern durch die weiten Waldgebiete. Die einzige größere und auch für den Tourismus wichtige Stadt in dieser Region ist Iquitos. Sie ist von Lima aus nicht auf dem Landweg erreichbar, sondern nur mit dem Flugzeug oder dem Boot.

Gewässer

Wichtigste Flüsse in Peru sind der Amazonas und seine Quellflüsse Río Apurímac, Río Urubamba, Río Ucayali und Río Marañón, außerdem die Amazonas-Nebenflüsse Napo, Putumayo und Huallaga. Die größten und wichtigsten Seen Perus sind der Titicacasee und der Lago di Junín zwischen den Andenketten.

Flora und Fauna

Die Flora Perus ist sehr abwechslungsreich und vielfältig. In den trockenen und sandigen Küstenebenen wachsen nur wenige Gräser und Sträucher. In den Regenwaldregionen findet man hingegen eine große Fülle an Pflanzen. Vertreter dieser Vegetationen sind unter anderem Kautschuk- und Mahagonibäume, Zedern und Vanillepflanzen. Im Hochgebirge herrscht auf Grund der natürlichen Bedingungen nur eine spärliche Pflanzenvielfalt vor. Hier wachsen hauptsächlich Trockenpflanzen (Xerophyten), wie etwa Kakteen und Mesquiten. Ebenso wie die Flora hat auch die Tierwelt Perus eine große Vielfalt zu bieten. In der Küstenebene und auf den Küsten vorgelagerten Inseln leben Möwen und Seeschwalben, Eidechsen, Skorpione, Robben und Pinguine. In den peruanischen Küstengewässern findet man unter anderem Sardinen, Hummer und Makrelen. Tiere der fruchbareren Regionen im Osten sind beispielsweise Gürteltiere, Alligatoren, Jaguare, Pumas, Papageien und Flamingos.

Städte

Größte Städte: Lima (8.000.000 Einw.), Callao (750.000), Arequipa (720.000), Trujillo (610.000), Chiclayo (480.000), Iquitos (400.000) Siehe auch: Liste der Städte in Peru

Bevölkerung

Peru ist neben Bolivien und Guatemala eines der drei Länder mit mehrheitlich indianischer Bevölkerung. 45 Prozent der Einwohner sind indianischer Abstammung, sie gehören überwiegend zu den Quechua oder Aymará sprechenden Völkern. 37 % der Einwohner sind Mestizen, 15 % sind europäischer Abstammung und die übrigen 3 % sind afrikanischer oder asiatischer Abstammung. Religionen: Katholiken (89 %), Protestanten (7 %), Anhänger von indigenen Religionen. Rund zweieinhalb Millionen Peruaner leben aufgrund einer anhaltenden Emigration im Ausland, vor allem in den USA, Europa und Japan.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Perus Peru ist ein Land mit Jahrtausende alten prä-inkaischen Kulturen. Die ersten Einwanderer kamen etwa 20.000 bis 10.000 v. Chr in das heutige Peru. Etwa 4.000 v. Chr. begannen Ackerbau und Viehzucht. Die früheste heute noch erkennbare Hochkultur war die der Chavín de Huántar, die etwa 800 v. Chr. bis 300 v. Chr. existierte. Um den Titicacasee entwickelte sich ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. bis etwa 1000 n. Chr. die Tiahuanaco-Kultur. Auch an der Küste entwickelten sich im Bewässerungsgebiet der Andenflüsse im ersten Jahrtausend n.Chr. differenzierte Kulturen wie die der Moche in der Region um Lambayeque. Vor dem Inkareich war Chanchan als Hauptstadt der Chimú eine Großstadt mit entwickelter städtischer Kultur. Das Reich der