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| Individuation |
IndividuationIndividuation (lat. individuare = sich untrennbar machen) ist der Weg zu einem eigenen Ganzen.
Die Individuation sucht den Seinsgrund von Einzelwesen (principium individuationis). Im Scotismus bezieht man sich auf die Diesheit (Haecceitas), welche auf die Individualität ausgerichtet ist.
In der Sprachanalyse ist Individuation der Schritt vom allgemeinen Oberbegriff zum konkreten einzelnen Gegenstand. Insofern ist Individuation das Gegenteil von Abstraktion.
Der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung hat lange Traumserien ausgewertet und daraufhin die These aufgestellt, dass die Träume als ein wie in planvollen Stufen verlaufender Entwicklungs- und Ordnungsprozess auffassbar sind. Diesen Vorgang bezeichnete er als Individuation. Wenn wir schlafen, arbeitet demnach unsere Seele an unserer Ganzwerdung.
Individuation und Sozialisation wirken zunächst als polare Gegensätze, beide lassen sich jedoch auch als zwei Phasen einer dialogischen Anthropologie auffassen (Kuno Lorenz).
Siehe auch
- Individuationsprinzip (sehr umfangreiche Darstellung des philosophischen Aspektes!)
- Individualisierung,
- Individualität
Literatur
- Johannes Assenmacher, Geschichte des Individuationsprinzips in der Scholastik; (=Forschungen zur Geschichte der Philosophie und der Pädagogik 1,2); Leipzig (Meiner) 1926
- W.F.J. Werner Die Ablehnung der Lehre des hl. Thomas von Aquin von der "materia signata" als Individuationsprinzip durch Franz Suárez, Mainz 1952.
- Theodor W. Köhler, Der Begriff der Einheit und ihr ontologisches Prinzip nach dem Sentenzenkommentar des Jakob von Metz; (=Studia Anselmiana 58), Rom 1971
- Carl Gustav Jung: Erinnerungen, Träume, Gedanken. Aufgezeichnet und herausgegeben von Aniela Jaffé. Zürich, Düsseldorf: Walter-Verlag, 13. Aufl. 2003, ISBN 3-530-40734-8
- Kuno Lorenz (hrsg.): Identität und Individuation, Stuttgart 1982
- Kuno Lorenz: Einführung in die philosophische Anthropologie, Darmstadt 1990, ISBN 3534048792
- Kenneth F. Barber (Hg.), Individuation and identity in early modern philosophy. Descartes to Kant; Albany/New York State (State University of New York Press) 1994
- Paola-Ludovika Coriando, Individuation und Einzelnsein : Nietzsche, Leibniz, Aristoteles; Frankfurt a.M. (Klostermann) 2003 ISBN 3465032462
Kategorie:Philosophie des Geistes
Kategorie:Metaphysik
Kategorie:Entwicklungspsychologie
Kategorie:Anthropologie
Principium individuationisDas Individuationsprinzip ( lat. "principium individuationis" von "individuare" zu "individuus" : unteilbar) bezeichnet das die Individualität und Konkretheit des Seienden Bedingende, Ermöglichende und die Vielfalt und Verschiedenheit der Individuen Erklärende.
Zur Erklärung der Individuation
Die Individuation - eigentlich: Unteilbarmachung - bezeichnet
- die Besonderung des Allgemeinen, Einheitlichen im Einzelwesen (z.B. der Weltsubstanz in den Einzeldingen, der Menschheit in den einzelnen Völkern und Menschen)
- den Prozess der Selbstwerdung des Menschen, in dessen Verlauf sich das Bewusstsein der eigenen Individualität bzw. der Unterschiedenheit von anderen zunehmend herausbildet
Zur Frage der Vielheit in Bezug auf das Individuationsprinzip
Die Frage nach dem Individuationsprinzip wird in allen Philosophien zum Problem, die nicht anerkennen, dass die objektive Realität grundsätzlich durch konkrete und individuelle Formen existiert, insofern das Allgemeine als das Ursprüngliche überbewerten und als den eigentlichen Seinskern im Seienden ansehen. Für diese Lehren entsteht zwangsläufig die Frage, wie es kommt, dass die Arten dennoch nicht als solche, sondern vielmehr in einer mehr oder weniger großen Vielheit von Individuen existieren. Die Antwort darauf gibt das Individuationsprinzip. Es beantwortet also die Frage: Was muss im Seienden zu dem Allgemeinen, das im Begriff erfasst wird, hinzukommen, damit es zu einem Einzelnen konkret wird?
Zur Erklärung des Verhältnisses Allgemeines zum Einzelnen bei Aristoteles
Die Frage nach dem Individuationsprinzip spielte eine große Rolle in der aristotelischen Metaphysik und in den auf diese aufbauenden Systemen der mittelalterlichen Scholastik.
Aristoteles hatte die Trennung des Allgemeinen und Einzelnen in der Philosophie Platons zurückgewiesen und das Allgemeine in die Dinge zurückgenommen. Da er jedoch keine richtige Auffassung darüber gewinnen konnte, wie das Verhältnis von Allgemeinem und Einzelnem in den Dingen zu denken sei, entwickelte er seinen Stoff-(Materie-)Form-Schematismus, der den Grundfehler der platonischen Lehre letztlich nicht überwinden konnte. So fasste er die Individuation als Synolon auf, als eine Komposition der Form und des Stoffes. Avicenna hat diesen Zusammenhang in seiner Metaphysik spezifiziert: "Cum enim materia sola pricinpium sit individuationis et nihil sit singulare nisi materia vel per materiam ... omnes formas potentia ess in materia et per motum educi de ipsa". Die platonische Idee wurde somit zum Begriff der Form, und es blieb die Besonderung des Allgemeinen wie auch seine allgemeine Höherstellung und Höherbewertung. Unter diesen Umständen musste das folgende Problem auftreten:
Zur Komposition von Form und Materie
Wenn sich der allgemeine Arttypus von der Form herleitet, worauf ist dann die Vielfalt der Gegenstände innerhalb der Art zurückzuführen? Auf diese Frage antwortete Aristoteles: es ist der Stoff (Materie), die die Individuation bedingt. Jedes Seiende ist eine Komposition aus Form und Materie, wobei die erstere für das Allgemeine, die letztere für das Individuelle aufkommt (in: Metaphysik, VII, 8). Da diese Auffassung schon zu ihrer Zeit erhebliche Unklarheiten hervorrief, weil es nicht einsichtig war, wie die Materie, als reine Potenz und damit völlig unbestimmt, die Individuation bewirken sollte. Da diese Auffassung erhebliche Konsequenzen für den Wert der menschlichen Person nach sich zog, entstand in der Folgezeit, vor allem im Mittelalter, um das Individuationsprinzip ein langer und heftiger Streit.
Zur Entwicklung der Standpunkte zum Individuationsprinzip
In dieser Auseinandersetzung, die naturgemäß sehr eng mit dem Universalienstreit zusammenhing, wurden im wesentlichen folgende Auffassungen vertreten:
Zur Auffassung bei Thomas von Aquin
- 1. der Standpunkt von Thomas von Aquin und seiner Anhänger, die im Prinzip den Lehren des Aristoteles folgen und in der materia signata vel individualis den konkreten Stoff, der mit betimmten Ausdehnungs- und Größenverhältnissen ausgestatteten Materie, als principium individuationis sehen. Die materia sensibus signata ist individuationis et singularitatis principium. Und formae, quae sunt receptibiles, in materia individuantur per materiam, quae non potest esse in alio. Materia non quomodolibet accepta est principium individuationis, sed solum materia signata (in: De ente et essentia, 1250).
Zur Auffassung bei Bonaventura
- 2. der Standpunkt der älteren Franziskanerschule (bei Alexander von Hales, Bonaventura). Nach Bonaventura kann weder ein unbestimmtes, dem Nichts nahestehenden Substrat noch ein Akzidens wie die Quantität die Grundlage der Individuation sein. Die Individuation leite sich her aus der aktualen Verbindung von Materie und Form (Materie ist bei ihm das hoc esse, die Form aliquid esse) und ihrer gegenseitigen Ermächtigung: Individuatio est ex communicatione materia cum forma. Dabei wird die numerische Individualität durch die Materie, die qualitative Individualiät durch die Form begründet. Er versuchte, diese Auffassung zu stützen, indem er eine Mehrheit der Formen für das Seiende annahm und auch von der Materie lehrte, dass sie gänzlich unbestimmt sei.
Zur Auffassung der bestimmenden Form als Grund der Individuation
- 3. der Standpunkt derjenigen, die das Individuationsprinzip in der Form sehen und dementsprechend eine Vielheit der Formen (d.h. der Individualideen) annahmen. (bei Heinrich von Gent, Roger Bacon, Richard von Middletown). In der Spezifik dieses Standpunktes bei Duns Scotus ist die Individualität bedingende Form. Die Form der "Washeit" (quidditas) wird zur Form der "Diesheit" (haecceitas). Und unitas individui consequitur aliquam entitatem aliam determinantem istam, et illa faciet unum per se cum entitate naturae.
Zur Auffassung der Nominalisten
- 4. der Standpunkt der Nominalisten (Roscelin von Compiègne, Durand von St. Pourcain, Wilhelm von Ockham und seine Schule), die lehrten, dass der Grund der Individuation im Einzelseienden selbst liegt. Es gibt überhaupt nur das Individuelle und das Einzelne. Mit dieser Auffassung wurde jedoch die Frage nach dem Individuationsprinzip praktisch gegenstandslos. Von den verschiedenen Nominalisten (Durand von St. Pourcain, Petrus Aureoli) wurde dies auch ausdrücklich betont. Das Problem des Individuationsprinzips sei eine falsch gestellte Frage. Die Frage laute nicht: Was muss im Gegenstand zum Allgemeinen hinzukommen, damit er individuell wird; die Frage lautet umgekehrt: Es gibt prinzipiell Einzelnes - und es ist nicht zu fragen, was der Grund des Allgemeinen ist, was uns berechtigt, von den seit jeher individuellen Gegenständen in der Form der Allgemeinheit zu sprechen.
Zu der Entwicklung der Frage des Individuationsprinzips in der Renaissance
Obwohl in der Lehre des Nominalismus die Frage bereits hinreichend gestellt war, ging auch in der folgenden Zeit die Auseinandersetzung um das Individuationsprinzip bzw. um das sich dahinter verbergende Problem des Einzelnen (d.h. des Individuellen) weiter. In der Philosophie der Renaissance waren es vor allem Nikolaus von Kues, Giordano Bruno, Agrippa von Nettesheim, Johann Baptist van Helmont, Franciscus Mercurius van Helmont, Paracelsus und Valentin Weigel, die das Problem erörterten, wobei sie immer stärker die Eigenständigkeit und den Wert des Individuellen betonten und die überkommene Überschätzung des Allgemeinen und seine metaphysische Trennung vom Einzelnen zurückdrängten.
Zur Auffassung bei Leibniz
Einen Höhepunkt und gleichzeitig einen gewissen Abschluss dieser Auseinandersetzung stellten die Lehren von Leibniz dar. In seiner Schrift Über das Individuationsprinzip (1663) setzte er sich mit den vorausgegangenen Auffassungen auseinander und zeigte, dass allein die Nominalisten den richtigen Weg wiesen, während alle anderen Versuche der Lösung dieses Problems der Kritik nicht standhielten. Die Lösung des Problems liegt nach Leibniz in der Anerkennung, dass in der Wirklichkeit nur Individuen existieren, und dass man den Grund der Individuation nicht in irgendeinem Teil der Dinge sucht, sondern die Gegenstände auf Grund ihrer Gesamtentität für individuiert hält. Sein Grundsatz lautete deshalb:
- Ein jedes Individuum wird durch seine ganze Entität individuiert.
Literatur
- Johannes Assenmacher: Geschichte des Individuationsprinzips in der Scholastik; (=Forschungen zur Geschichte der Philosophie und der Pädagogik 1,2); Leipzig (Meiner) 1926
- Kenneth F. Barber (Hg.): Individuation and identity in early modern philosophy. Descartes to Kant; Albany/New York State (State University of New York Press) 1994
- Paola-Ludovika Coriando: Individuation und Einzelnsein: Nietzsche, Leibniz, Aristoteles; Frankfurt a.M. (Klostermann) 2003, ISBN 3465032462
- Theodor W. Köhler: Der Begriff der Einheit und ihr ontologisches Prinzip nach dem Sentenzenkommentar des Jakob von Metz; (=Studia Anselmiana 58), Rom 1971
- Franciscus Suarez: Über die Individualität und das Individuationsprinzip (Fünfte metaphysische Disputation), lateinisch – deutsch, herausgegeben, übersetzt und mit Erläuterungen versehen von Rainer Specht, Hamburg 1976
Siehe auch: Einzelnes, Individuation
Kategorie: Ontologie
Duns Scotus
Johannes Duns Scotus, englisch John Duns Scotus, ( - 1266 in Duns, Schottland, † 8. November 1308 in Köln an der Pest gestorben) war ein schottischer Theologe und Philosoph der Scholastik.
Er wurde in Northampton zum Priester geweiht und studierte und lehrte anschließend in Cambridge, Oxford, Paris und Köln. Er war einer der bedeutendsten franziskanischen Theologen und war der Gründer des Scotismus, einer Variante der Scholastik. Da er verschiedene Sichtweisen und Denkrichtungen (z.B. aristotelische Lehren, Augustinismus und Franziskanismus) auf subtile Art miteinander verband wurde er auch Doctor Subtilis genannt. Er wendete bei diesen Untersuchungen Formen modaler Logiken in nichtformaler Weise an, die auch heute noch in der Philosophie eine große Rolle spielen. Er wertete Glaube, Wille und Liebe höher als Wissen und Vernunft.
Sein Grab befindet sich in der Minoritenkirche in Köln, in der auch Adolf Kolping beigesetzt ist.
Werke
- Opus Pariense
- Opus Oxiense
- Tractatus de Primo Principio
- Quaestiones Quodlibetales
Literatur
- A. Vos, H. Veldhuis, E. Dekker, N.W. den Bok and A.J. Beck: Duns Scotus on Divine Love: Texts and Commentary on Goodness and Freedom, God and Humans, Aldershot, Ashgate, 2003.
- John Duns Scotus, Contingency and Freedom. Lectura I 39, transl., comment. and intro. by A. Vos Jaczn, H. Veldhuis, A.H. Looman-Graaskamp, E. Dekker and N.W. den Bok. The New Synthese Historical Library 4. Dordrecht/Boston/London: Kluwer, 1994.
- L. Honnefelder: Scientia transcendens: Die formale Bestimmung der Seiendheit und Realität in der Metaphysik des Mittelalters und der Neuzeit (Duns Scotus – Suárez – Wolff – Kant – Peirce). Paradeigmata 9. Hamburg. Meiner, 1990.
- Mechthild Dreyer/ Mary Beth Ingham: Johannes Duns Scotus zur Einführung, Hamburg: Junius, 2003, ISBN 3885063883
Weblinks
-
Kategorie:Scholastik
Duns Scotus, Johannes
Duns Scotus, Johannes
Duns Scotus, Johannes
Kategorie:Schotte
Duns Scotus, Johannes
Duns Scotus, Johannes
Duns Scotus, Johannes
ja:ヨハネス・ドゥンス・スコトゥス
IndividualitätMit dem Begriff Individualität wird im weitesten Sinne die Einzigartigkeit und Besonderheit von etwas gemeint. Dies hat zur Folge, dass der dabei jeweils in Betracht gezogene Gegenstand im Gesamten und damit als Gesamtheit betrachtet, also immer als jeweils Ganzes gesehen werden muss, als einheitliches Ganzes oder kürzer als Einheit.
Dieser Ganzheitsaspekt wird wörtlich am genauesten durch das Fremdwort "Individuum" zum Ausdruck gebracht, von dem der Begriff 'Individualität' abgeleitet ist. Individuum bedeutet nämlich wörtlich nicht zu Teilendes, und zwar durchaus im vorschreibenden oder vielleicht auch warnenden Sinn. Lebewesen sind beispielsweise immer Individuen. Sie beliebig zu teilen wäre mit ihrer Eigenart, nur insgesamt - im Gesamten! - am Leben sein und bleiben zu können, nicht vereinbar; insbesondere würde sie nicht wieder lebendig werden, wenn man die Teile, die man dabei erhalten hätte, wieder zusammenfügte. Wegen dieser spezifischen Besonderheit wird 'Individuum' auch in seiner Adjektivform 'individuell' praktisch ausschließlich auf Lebewesen angewendet.
Zur Bezeichnung unserer eigenen Individualität als Menschen haben wir neben dem Wort 'Individuum', das in verschiedenen Wendungen wie etwa in dem Ausdruck "so ein Individuum" auch abwertend verwendet werden kann, den Begriff "Person" zur Verfügung. Auch mit Person ist deshalb immer der 'ganze' Mensch mit seinen – wie dann zu sagen möglich ist – individuellen Zügen und Eigenheiten gemeint, die seine dann eben persönliche Individualiät ausmachen. — Auch der Begriff "Charakter" als Bezeichnung für alle diese Eigenheiten ist ersichtlich ganzheitlich gemeint, was auch daran zu ersehen ist, dass wir diese Eigenheiten selbst "Charakterzüge" nennen können; dasselbe gilt für den Begriff "Persönlichkeit", zu dem es die analoge Detailbezeichnung "Persönlichkeitszug" gibt.
Die Begriffe "Charakter" und "Persönlichkeit" weisen allerdings eine zeitliche Konnotation auf. Sie werden nämlich üblicherweise zur Bezeichnung des Gesamtgefüges individueller Eigenheiten verwendet, die sich im Laufe des Lebens eines Menschen erst herausgebildet und ausgeprägt haben, so dass davon das Temperament abgegrenzt wird, das von Anfang an erkennbar ist und im allgemeinen konstant bleibt. Spricht man demgegenüber von der Individualität eines Menschen, dann werden damit einerseits auch alle über seinen Charakter hinausgehenden für ihn charakteristischen Eigenheiten bis hin zu seinem Körperbau und Aussehen gemeint, und gleichzeitig außer Betracht gelassen, ob sich die einzelnen und das Gesamt aller unterscheidbaren Eigenarten erst entwickelt haben oder schon immer vorhanden waren. Wird dieser letzte zeitliche Aspekt mitgedacht, ist fachpsychologisch von Individuation die Rede. Hierbei wird jedoch nicht nur die Art und Weise des jeweils für eine Person 'typischen' Handelns und Verhaltens (Agierens und Reagierens) in Betracht gezogen, sondern auch noch das persönliche Selbstverständnis und die gesamte individuelle Lebensauffassung dieser Person mit einbezogen, potentiell also 'das Gesamt' aller für sie relevanten Aspekte ihres Lebens. — Der aus der Soziologie stammende Begriff Individualisierung bezieht sich dagegen auf die seit langem zu beobachtende zunehmende Vereinzelung von Menschen in der Gesellschaft, bei der überindividuelle, gesamtgesellschaftliche Entwicklungen eine Rolle spielen. Die Individualität des Einzelnen kommt dabei nur insoweit in den Blick, wie sie wie die von anderen durch eben die Entwicklung des Gesamt der gesellschaftlichen Verhältnisse mitgeprägt wird.
Kategorie:Philosophie des Geistes
Kategorie:Soziologie
kategorie:Gesellschaft
OberbegriffAls Oberbegriff oder Terminus major wird in der Logik jener Außenbegriff eines Syllogismus bezeichnet, der im Schlusssatz als Prädikat erscheint und das Ziel der Beweisführung bestimmt.
:Beispiel:
:Prämisse 1 (oder Obersatz, propositio major): Alle Menschen (M) sind sterblich (P).
:Prämisse 2 (oder Untersatz, propositio minor): Sokrates (S) ist ein Mensch (M).
:Konklusion (oder Schlussfolgerung, Schlusssatz, conclusio): Also ist Sokrates (S) sterblich (P).
:(M) = Mittelbegriff; (P) = Prädikat; (S) = Subjekt
Der Oberbegriff ist hier "sterblich". Dem Tod haben sich somit der Mensch "an und für sich" wie auch der ansonsten "unsterbliche" Sokrates "unterzuordnen".
Siehe auch: Oberbegriff (Linguistik), Grammatik, Schlussfigur, Terminus
Kategorie:Logik
Kategorie:Dokumentationssprache
Carl Gustav Jung
Carl Gustav Jung ( - 26. Juli 1875 in Kesswil, Kanton Thurgau, Schweiz; † 6. Juni 1961 in Küsnacht ZH am Zürichsee) war Schüler von Sigmund Freud und Begründer der Komplexen oder Analytischen Psychologie.
Biographie
Jung wurde als Sohn eines Pfarrers geboren. Ab 1895 studierte er in Basel Medizin und wurde 1900 als Assistent von Eugen Bleuler im Burghölzli psychiatrisch tätig. Seine Dissertation von 1902 war ein Beitrag Zur Psychologie und Pathologie sogenannter occulter Phänomene. Danach war er für ein halbes Jahr bei Pierre Janet in Paris; 1903 heiratete er Emma Rauschenbach.
Bei Bleuler konnte sich Jung 1905 mit umfangreichen diagnostischen Assoziationsstudien habilitieren, denen er 1907, dem Jahr seiner ersten Begegnung mit Sigmund Freud, seine Arbeit Über die Psychologie der Dementia Praecox folgen ließ. Wegen Zerwürfnissen mit Bleuler gab er 1909 seine Tätigkeit bei ihm auf und engagierte sich in Freuds Bewegung, für den er als Redakteur des Internationalen Jahrbuch für psychologische und psychotherapeutische Forschung tätig wurde. Von 1910 bis 1914 war er Präsident der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung. 1912 publizierte er sein Buch Wandlungen und Symbole der Libido, das zum Bruch mit Freud führte, da Jung darin Freuds Libidotheorie kritisierte.
1913 gab Jung auch seine Lehrtätigkeit an der Universität Zürich auf. Fortan war er bis auf Unterbrechungen durch ausgedehnte Reisen in den zwanziger Jahren - vor allem nach Afrika und Asien - in eigener Praxis tätig, publizierte jedoch weiter seine Überlegungen und Ansichten, die er nunmehr Analytische Psychologie oder Komplexe Psychologie nannte.
Seine zunehmene Reputation führte dazu, dass er 1929 eingeladen wurde, eines der Hauptreferate auf dem von Teilnehmern aus ganz Europa besuchten Jahreskongress der Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie (AÄGP) zu halten. Im Jahr darauf wurde er als 2. Vorsitzender in den Vorstand dieser bedeutenden Vereinigung gewählt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten fiel ihm wegen des solidarischen Rücktritts des bisherigen Vorsitzenden Ernst Kretschmer der Vorsitz zu, gleichzeitig wurde er dadurch formaler Herausgeber des verbandseigenen Zentralblatts für Psychotherapie, das bis dahin neben J.H.Schultz und Rudolf Allers wesentlich von Kretschmers Freund Arthur Kronfeld als Schriftleiter organisiert worden war, der als deutscher Jude jedoch sofort jedes öffentliche Wirken hatte einstellen müssen. Als "Präsident" trug Jung ab 1934 bis zu seinem Rücktritt im Jahre 1939 dazu bei, die ursprüngliche und europaweite Bedeutung der AÄGP, die organisatorisch weiter in Deutschland und dort von nationalsozialistisch eingestellten "deutschen" Mitgliedern organisiert und geleitet wurde, unter der Bezeichnung "Überstaatliche" und ab 1935 Internationale Allgemeine Ärztliche Gesellschaft für Psychotherapie wenigstens dem Namen nach weiter aufrecht zu halten. Seine Präsidentschaft der IAÄGP wurde vielfach kritisiert, und brachte ihn in den Verdacht des Antisemitismus.
In der Schweiz nahm er 1933 an der ETH Zürich - ab 1935 als Titularprofessor - wieder eine Lehrtätigkeit auf, die er bis 1942 fortführte. Ab 1944 war er Professor in Basel. In seinen letzten Lebensjahren führte er vermehrt Forschungen über seine Theorie des kollektiven Unbewussten und die Bedeutung der Religion für die Psyche durch.
Bedeutung
Carl Gustav Jung hat mit seinem Werk nicht nur die Psychotherapie, sondern auch die Psychologie, Theologie, Völkerkunde, Literatur und Kunst beeinflusst.
In die Psychologie sind vor allem seine Begriffe Komplex, Introversion und Extraversion eingegangen.
Ein Komplex ist eine Konstellation von Gefühlen, Gedanken, Wahrnehmungen und Erinnerungen, die sich um einen bestimmten bedeutenden Zusammenhang gesammelt haben und mit diesem Kern des Komplexes assoziiert sind. Komplexe, die in das Unbewusste verdrängt sind, können im Bewusstsein als "Affekt" erscheinen. Ein Beispiel: Ein Mutterkomplex ist das Kernelement des Komplexes. Alle Gefühle, Gedanken, Wahrnehmungen und Erinnerungen, die direkt oder indirekt mit der Mutter zu tun haben, werden von dem Kernelement des Komplexes angezogen und sind mit ihm assoziiert. Sie werden so dem Bewusstsein entzogen und können die bewusste Absicht stören. Als extravertiert bezeichnete er einen Menschen, dessen Verhalten auf die äußere, objektive Welt ausgerichtet und von ihr geleitet wird. Introvertierte Menschen sind dagegen auf ihre innere, subjektive Welt ausgerichtet und verhalten sich nach ihr.
Persönlichkeitsstruktur: Das Ich ist nur ein Komplex unter vielen anderen. Es ist aber gleichzeitig auch das Zentrum des Bewusstseins. Bewusst wahrnehmen kann man folglich nur Dinge, die mit dem Ich-Komplex assoziiert sind.
Das persönliche Unbewusste besteht meist aus gefühlsbetonten Komplexen, sowie aus Verdrängtem, Vergessenem oder Ignoriertem.
Die persona (grch.: Maske) dient der Anpassung an die Außenwelt im Sinne eines normativen, sozialverträglichen Verhaltens. Sie ist nicht mit dem Ich identisch, eher dem Über-Ich Freuds ähnlich.
Der Schatten ist die dunkle Seite der Persönlichkeit, die wegen Sozialfeindlichkeit unterdrückten und ins Unbewusste abgeschobenen negativen Eigenschaften eines Menschen. Solange keine Auseinandersetzung des Ichs mit dem Schatten stattgefunden hat, wird dieser häufig auf Personen oder Objekte außerhalb des Ichs projiziert.
Die Auseinandersetzung mit dem Schatten ("Integration") stellt einen wichtigen und unabdingbaren Schritt auf dem Weg zur Ganzwerdung ("Individuation") der Persönlichkeit dar. Sie stellt ein vorwiegend moralisches Problem dar, das vom Individuum beträchtliche seelische Anpassungsleistungen erfordert. Zu Beginn der Lebensmitte steht indes mehr die Integration der eigenen Anteile des jeweils anderen Geschlechts im Vordergrund, d.h. für einen Mann, seine Anima und für eine Frau ihren Animus.
Das "Kollektive Unbewusste" besteht aus ererbten Grundlagen der Menschheitsgeschichte. Auf ihm beruhen alle entwicklungsgeschichtlich jüngeren Persönlichkeitsstrukturen, wie etwa das Ich. Im kollektiven Unbewussten manifestieren sich Archetypen.
Archetypen sind universell vorhandene Urbilder in der Seele aller Menschen, unabhängig von ihrer Geschichte und Kultur. Dazu zählen Gegenstände und Lebewesen aus der Umwelt wie etwa Bäume oder Bären. Die Existenz der Urbilder konnte Jung mit seinen Mitarbeitern nachweisen, indem er Menschen, die nachweislich noch nie einen Baum oder einen Bären gesehen hatten, und auch nicht mit Massenmedien in Berührung gekommen waren, ihre Träume malen ließ. Darauf malten sie deutlich Bäume und Bären. Jung recherchierte Jahrtausende altes Material aus vielen Kulturen und stellte in den Darstellungen fest, dass bestimmte Bilder, Motive und Symbole immer wieder auftauchten, unabhängig voneinander. Andere Urbilder treten dem Menschen in seinen Träumen vor Augen. Dazu gehören der "Schatten", "Anima" und "Animus", die Große Mutter, der oder die alte Weise, das Mandala, der Abstieg der Seele zum Wasser, der Abstieg ins Totenreich, das Numinose und andere.
Archetypen sind "Energiekomplexe", die besonders in Träumen, Neurosen und Wahnvorstellungen ihre Wirkung entfalten. Jung erklärt eine Psychose, die unter anderem dann entstehen kann, wenn eine Neurose nicht behandelt wird, als Überhandnehmen des Unbewussten, das sich des Bewusstseins bemächtigt, um dessen Einstellung zu korrigieren und das Individuum auf dem Weg zur Ganzwerdung zu befreien. Die nun "symbolisch" wirksamen Archetypen zielen darauf ab, die Gesamtpersönlichkeit wieder ins Lot zu bringen, indem sie urzeitliche, durch Numinosität sehr attraktive Zielbilder ins Bewusstsein aufsteigen lassen. Diese Bilder und die Beschäftigung der Seele mit ihnen haben die Aufgabe, der Persönlichkeit eine fundamentale Balance zurückzugeben, Sinn und Ordnung zu stiften. Sie manifestieren sich daher in symbolischen Bildern universeller Gültigkeit, die einen beträchtlichen Anteil am Leben eines jeden haben. Das Selbst ist das Zentrum der Persönlichkeit. In ihm werden alle gegenläufigen Teile der Persönlichkeit zusammengefasst und vereinigt. Es ist das Ziel des lebenslangen Individuationsprozesses, der im wesentlichen daraus besteht, möglichst große Teile des Unbewussten dem Bewusstsein einzugliedern. Die "Individuation" setzt immer neue und umfassendere Anpassungsleistungen der Persönlichkeit voraus und in Gang. Er findet auf der "Ich-Selbst-Achse" statt.
Jung selbst sieht den Psychotherapeuten als einen Begleiter des Patienten, der sich frei machen sollte von allen theoretischen Erkenntnissen, die er erlernt hat, und der sich möglichst vorurteilsfrei auf das einlassen sollte, was der Patient an Bildern, Eindrücken etc. aus seinem Unbewussten mitbringt oder im Verlaufe der Therapie entwickelt. Beim Abstieg des Patienten in seine eigenen seelischen Tiefen sah sich Jung als Begleiter, der allenfalls mehr Erfahrung hat und dadurch zum Gelingen des jeweils einzigartigen und individuellen Weges der betreffenden Persönlichkeit zur Individuation beitragen kann.
Eine lebendige Einführung in sein Werk bietet Jungs Autobiographie "Erinnerungen, Träume, Gedanken". Dort schreibt er:
"Die Erinnerung an die äußeren Fakten meines Lebens ist mir zum größten Teil verblaßt oder entschwunden. Aber die Begegnung mit der inneren Wirklichkeit, der Zusammenprall mit dem Unbewußten, haben sich meinem Gedächtnis unverlierbar eingegraben. Ich kann mich nur aus den inneren Geschehnissen verstehen. Sie machen das Besondere meines Lebens aus, und von ihnen handelt meine Autobiographie."
Werk
Individuation
Die Gesamtausgabe von Jungs Schriften liegt unter dem Titel Gesammelte Werke von C.G. Jung in 20 Bänden vor, sein Grundwerk in einer neunbändigen Ausgabe. Populär wurde sein 1964 von seiner Mitarbeiterin Marie-Louise Franz zunächst auf Englisch herausgebrachtes Buch Der Mensch und seine Symbole, das seit 1968 auch in vielen Sonderausgaben erschien. - Die Sekundärliteratur zur Leistung Jungs ist unübersehbar.
Jung ist ein wichtiger Vertreter der Selbstpsychologie innerhalb der Psychoanalyse. Sein Werk lässt sich nicht verstehen, wenn man nicht die Beziehung des Ichs zu seinem Persönlichkeitskern, dem Selbst, in die Psychologie mit aufnimmt. Er gehört daher in eine Reihe von Psychoanalytikern, die den Selbstbezug und die Individualität als Kern der Menschwerdung (Objektstufe) bzw. der Kulturgeschichte (Subjektstufe i.S.d. Außenwelt) ansehen.
Kritik
- Kritisiert wurden die Ansichten von C. G. Jung vor allem von S. Freud und seiner Schule, der Psychoanalyse. Die Kritik richtet sich vor allem an die Auffassung des Unbewussten, das in der Analytischen Psychologie von C. G. Jung sehr weitgefasst ist. So bezweifeln die meisten Psychoanalytiker, dass bestimmte Bahnungen von Vorstellung im Sinne der Archetypenlehre vorgefunden werden können. Die Psychoanalyse sieht die Inhalte des Unbewussten lediglich aus der persönlichen Vergangenheit determiniert. Obwohl sich die beiden Schulen der Tiefenpsychologie in vielem gleichen, haben viele spezielle Annahmen in der Vergangenheit und Gegenwart zu Zerwürfnissen geführt. Die beiden Richtungen der Tiefenpsychologie nähern sich jetzt langsam erst wieder an (siehe hierzu: A. Samuels, „Jung und seine Nachfolger“ Klett Kotta, Stuttgart 1989).
- Kritik an der Tiefenpsychologie findet sich vor allem aus den Reihen der sog. Akademischen Psychologie. Hier wird vor allem kritisiert, dass die Theorien und Modelle der Tiefenpsychologie durch „unwissenschaftliche“ Methoden gefunden wurden. Die sog. Akademische Psychologie gründet sich auf der Bewusstseins- und Verhaltenspsychologie. D. h., dass die Grundannahmen der Akademischen Psychologie, einige spezielle Methoden und Ansichten und auch ihre Ergebnisse empirisch, statistisch nachweisbar sind. Zwar gründet sich die A. P. und die Psychoanalyse ebenfalls auf empirischen Methoden, allerdings werden diese bezweifelt, da sie nur schwer oder über Umwege nachvollziehbar d.h. replizierbar sind. Des Weiteren bedient sich die Tiefenpsychologie auch anderer wissenschaftlicher Methoden, die den Geisteswissenschaften zuzuordnen sind, vor allem der Hermeneutik, dem Konstruktivismus, der Systemtheorie (Psyche als System) sowie der Phänomenologie. Zwar lässt sich heute das Unbewusste, welches zumeist der Stein des Anstoßes ist, statistisch nachweisen, und auch die moderne Bewusstseinspsychologie (Kognitivismus) nimmt an, dass es ein Unbewusstes gibt, aber viele sehr spezielle Aussagen der Tiefenpsychologie hinsichtlich der Inhalte und der Struktur des Unbewussten werden von der sog. Akademischen Psychologie als unwissenschaftlich betrachtet. Auch hier haben sich die Tiefenpsychologie und die sog. Akademische Psychologie angenähert. Es finden allerdings zur Zeit (2005) vermehrt Debatten über die Wissenschaftlichkeit statt. Diese werden von den verschiedenen Schulen der Psychotherapie geführt, welche den Nutzen der jeweils anderen Schule in Frage stellen.
Literatur über C.G. Jung
- C.G. Jung - Erinnerungen, Träume, Gedanken. Aufgezeichnet und herausgegeben von Aniela Jaffé. Zürich und Düsseldorf: Walter, 2003 (13. Aufl.) ISBN 3-530-40734-8
- Jolande Jacobi: Die Psychologie von C.G. Jung. Eine Einführung in das Gesamtwerk. Fischer Taschenbuch 6365. ISBN 3-596-26365-4
- Micha Brumlik: C.G. Jung zur Einführung. Junius, Hamburg 2004 (Neufassung) ISBN 3885063972
- Deirdre Bair: Jung. A Biography. New York: Little Brown and Co. 2003, dt. C.G.Jung. Eine Biographie. München: Albrecht Knaus 2005. ISBN 3-8135-0242-2 (Leider in Details nicht sehr zuverlässig!)
verwandte Themen
- Myers-Briggs-Typindikator (kurz MBTI): dieser Test baut auf Jungs Erkenntnissen auf, und ist der am weitesten verbreitete und anerkannte Persönlichkeitstest der Welt.
- David Keirsey hat den MBTI weiterentwickelt und maßgeblich zu seiner Bekanntheit beigetragen.
Weblinks
-
- [http://www.junginstitut.ch C. G. Jung Institut] im schweizerischen Küsnacht ZH
- [http://www.schlafkampagne.de/traumdeutung.php?mod=2&a=1586 Weitere Links über C. G. Jung bei schlafkampagne.de]
- [http://de.geocities.com/abrademi/jungagramm.html C.G. Jungs ungelöstes Anagramm]
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PolaritätDer Ausdruck Polarität bezeichnet allgemein das Verhältnis zweier entgegengesetzter, in Wechselwirkung miteinander stehender und sich gegenseitig bedingender Pole, Kräfte oder Dinge, wie z. B. männlich/weiblich, Aktion/Reaktion.
Die Begriffe "Polarität", "Polarisation", "Pole", "polar" entstammen meist dem elektromagnetischen Sprachgebrauch (zum Beispiel magnetischer Nord- und Südpol, Pole negativer und positiver Ladung in der Elektrizitätslehre und anderem, siehe Dipol) oder aus der digitalen Schalttechnik.
Oft setzen sie auch eine quantifizierbare Skala voraus: warm-kalt-Polarität, groß-klein-Polarität und lassen sich so exakt definieren.
Zur Anwendung in der Chemie siehe Polarität (Chemie).
Philosophie
In der deutschen idealistischen Philosophie findet der Begriff Polarität besonders Verwendung bei Schelling und Hegel. So spricht Hegel von der Polarität als "von einem Unterschiede, in welchem die Unterschiedenen untrennbar sind" (in: Hegel, Logik I, 11). Wichtig ist die Aufdeckung einer polaren Struktur in der dialektischen Bewegung aus dem Prinzip von Einheit und Trennung der Gegensätze (vgl. Widerspruch (Dialektik)).
Politik
In politischen Zusammenhängen wird polarisiert, wenn Gruppen oder Parteien besonders die Gegensätze zueinander hervorheben, um sich gegeneinander (z.B. im Wahlkampf) zu profilieren.
Farbenlehre
In Goethes Farbenlehre bilden die Komplementärfarben Pole. Gelegentlich wird der Mensch als ein Einheitssuchender aufgefasst, der zwischen Polen pendelt.
Taoismus, Taiji
Der Begriff Polarität wird oft dann verwendet, wenn man ein dualistisches Denken ablehnt oder überwinden will. Dies ist insbesondere im Taoismus der Fall, insofern die Polarität von Yin und Yang oder von gegenüberliegenden Elementen eines Kreislaufs als eine Einheit gefasst wird. Taiji (nicht zu verwechseln mit Taijiquan) ist ein chinesischer Begriff für Polarität.
Siehe auch
Dualismus, Gegensatz, Kontrast, Unterscheidung
Kategorie:Ontologie
Kuno LorenzKuno Lorenz ( - 7. September 1932 in Vachdorf, Thüringen) ist ein deutscher Philosoph. Er entwickelt eine dialogische Philosophie im Anschluss an die pragmatische Handlungstheorie des Erlanger Konstruktivismus'.
Werdegang
Nach dem Studium der Mathematik und Physik in Tübingen, Hamburg, Bonn und Princeton promovierte Lorenz 1961 bei Paul Lorenzen in Kiel mit einer Dissertation über Arithmetik und Logik als Spiele. 1969 konnte er sich bei ihm in Erlangen auch für Philosophie habilitieren. 1970 wurde er in Nachfolge von Carl Friedrich von Weizsäcker auf den Lehrstuhl für Philosophie der Universität Hamburg berufen. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1997 lehrte er an der Universität des Saarlands in Saarbrücken.
Lorenz entwickelte zusammen mit Paul Lorenzen die so genannte Dialogische Logik. Die Sequenzenkalkülen verwandten Kalküle werden dabei upside-down geschrieben, so dass die Anfangsbehauptung eines Proponenten oben steht und wie in einem Spiel gegen einen Opponenten verteidigt wird.
Er hat auch wesentlichen Anteil an der Klärung und Rekonstruktion des sprachlich grundlegenden Vorgangs der Prädikation, der für Sprache grundlegend ist und in der Logischen Propädeutik des frühen Erlanger Konstruktivismus wie in der Sprachphilosophie deshalb von zentaler Bedeutung ist.
An der von Jürgen Mittelstraß herausgegebenen vierbändigen Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie hat Lorenz entscheidend mitgewirkt.
Dialogische Anthropologie, indische Denker
Nicht nur die Logik, sondern die gesamte Philosophie erhält bei Lorenz eine dialogische Komponente: Nur im Spiegel des jeweiligen Gegenüber ist es möglich auf sich zu reflektieren. - So können wir von Johann Gottfried von Herder und Charles Sanders Peirce lernen, dass Fremdes sich lernend aneignen läßt, ohne in die Alternativen Abgrenzung, Assimilation oder Akkommodation zu verfallen.
Eine besondere Eigenart der Lorenzschen Philosophie liegt in einer komplementären Gegenüberstellung - etwa von
- Albert Camus mit Wilhelm Kamlah oder von
- Vergegenständlichung (Semiotisierung) mit Aneignung (Pragmatisierung)
Dabei wird eine Dialogische Anthropologie entworfen:
Nur durch differenzierte Ausbildung von Ich und Du und damit die Rückbindung der Werke des Menschen an die in ihnen verkörperten Prozesse der Individuation und der Sozialisation können Menschen ihres Menschseins innewerden.
Lorenz' philosophische Schwerpunkte sind
- indische (vor allem buddhistische) Denker bzw. Philosophie
- Sprachphilosophie
- Konventionalismus
- Semiotik, Zeichentheorie
- Pragmatismus, Handlungstheorie und
- Vergleichende Philosophie.
Literatur
- 1969 und Jürgen Mittelstraß: Die methodische Philosophie Hugo Dinglers. in: Hugo Dingler Die Ergreifung des Wirklichen. Kapitel I-IV. Suhrkamp, Frankfurt (Reihe Theorie 1)
- 1970 Elemente der Sprachkritik. Eine Alternative zum Dogmatismus und Skeptizismus in der Analytischen Philosophie. Suhrkamp, Frankfurt (Reihe Theorie)
- 1977 Einführung zu: Richard Gätschenberger Zeichen, die Fundamente des Wissens. Zweite, unveränderte Auflage vermehrt um eine Einführung von Kuno Lorenz. [Nachdruck von 1932] frommann-holzboog, Stuttgart (problemata; 59)
- 1978 mit Paul Lorenzen: Dialogische Logik. WBG, Darmstadt
- 1978 (Hrsg.): Konstruktionen versus Positionen: Beiträge zur Diskussion um die konstruktive Wissenschaftstheorie. Paul Lorenzen zum 60. Geburtstag. de Gruyter, Berlin, New York
- 1982 (Hrsg.): Identität und Individuation. (2 Bde.) frommann-holzboog, Stuttgart
- 1990 Einführung in die philosophische Anthropologie. WBG, Darmstadt ²1992 ISBN 3534048792
- 1998 Indische Denker. Beck, München ISBN 3-406-41945-3 [http://lit.polylog.org/3/slkwf-de.htm (Rezension])
Gerhardus, Dietfried und Silke M. Kledzik (Hrsg.): Vom Finden und Erfinden in Kunst, Philosophie, Wissenschaft: k(l)eine Denkpause für Kuno Lorenz zum 50. Geburtstag. Universitätsdruck Saarbrücken 1985
Astroh, Michael (Hrsg.): Dialogisches Handeln: eine Festschrift für Kuno Lorenz. Spektrum Verlag, Heidelberg u.a. 1997
Weblinks
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Lorenz, Kuno
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IndividualisierungDer Begriff der Individualisierung stammt aus der Soziologie und bezeichnet einen, mit der Industrialisierung und Modernisierung der westlichen Gesellschaften einhergehenden Prozess eines Übergangs des Individuums von der Fremd- zur Selbstbestimmung. Philosophische Grundlage der Individualisierung ist der Individualismus.
Prozess
Der Prozess der Individualisierung kann in zwei Phasen unterteilt werden: Der historisch gewachsene Individualisierungsprozess, der mit der Herausbildung einer modernen bürgerlichen Gesellschaft zur Zeiten der Industrialisierung beginnt, seine philosophisch-kulturgeschichtliche Grundlage jedoch schon in der Aufklärung hat. Dieser Prozess bei dem eine erweiterte Arbeitsteilung gleichzeitig mit einer Schwächung sozialer Bande einhergeht, wird unter anderem von Georg Simmel und Emile Durkheim beschrieben. Dies zeigte sich in der Zunahme von ökonomisch und utilitaristisch (Utilitarismus) geprägten Beziehungen einerseits und dem damit einhergehenden Rückzug der Großfamilie und dem Zerfall der dörflichen Gemeinschaften. Dem Zerfall traditioneller Bindungen steht eine zunehmende Selbstbestimmung des Individuums gegenüber: Autobiographien werden vermehrt geschrieben, das Konzept der romantischen Liebe entwickelt sich, die Beziehung zu Gott wird im Protestantismus personalisiert.
Viele Soziologen beschreiben einen zweiten, den ersten überlagernden und modifizierenden Individualisierungsprozess seit Ende der 1950er Jahre. Nach Anthony Giddens und Ulrich Beck entwickelt sich in der gegenwärtigen postmodernen Gesellschaft eine qualitativ neue Radikalisierung und Universalisierung dieses Prozesses. Alte gesellschaftliche Zuordnungen wie Stand und Klasse würden obsolet, zunehmender Zwang zur reflexiven Lebensführung geht mit einer Steigerung der Bildung einher, die Pluralisierung von Lebensstilen nimmt weiter zu, Identitäts- und Sinnfindung wird zur individuellen Leistung. Dies wird durch eine Veränderung des staatlichen und ökonomischen Rahmens weiter gefördert.
Ulrich Beck war auch derjenige, der diesen Terminus für die Beschreibung der heutigen sozialen Lebenskonditionen prägte. Er behandelte ihn 1986 in seinem Buch "Risikogesellschaft" zum ersten Mal.
Neben der Individualisierungsthese beschreibt auch die kultursoziologische Theorie von der Erlebnisgesellschaft von Gehard Schulze die veränderten Lebensgewohnheiten und -ziele der Menschen.
Literatur
- Georg Simmel: Die Philosophie des Geldes, 1900. ([http://www.digbib.org/Georg_Simmel_1858/Zur_Psychologie_des_Geldes DigBib.Org Onlinetext])
- Georg Simmel: Der Konflikt der modernen Kultur, 1918.
- Ulrich Beck: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, 1986.
- Ulrich Beck: Riskante Freiheiten - Gesellschaftliche Individualisierungsprozesse in der Moderne, 1994. (gemeinsam mit Elisabeth Beck-Gernsheim)
- Ulrich Beck: Reflexive Modernisierung - Eine Debatte, 1996. (gemeinsam mit Anthony Giddens und Scott Lash)
- Thomas Kron (Hrsg.): Individualisieurung und soziologische Theorie., Opladen 2000, Leske + Budrich.
Kategorie:Soziologie
IndividualitätMit dem Begriff Individualität wird im weitesten Sinne die Einzigartigkeit und Besonderheit von etwas gemeint. Dies hat zur Folge, dass der dabei jeweils in Betracht gezogene Gegenstand im Gesamten und damit als Gesamtheit betrachtet, also immer als jeweils Ganzes gesehen werden muss, als einheitliches Ganzes oder kürzer als Einheit.
Dieser Ganzheitsaspekt wird wörtlich am genauesten durch das Fremdwort "Individuum" zum Ausdruck gebracht, von dem der Begriff 'Individualität' abgeleitet ist. Individuum bedeutet nämlich wörtlich nicht zu Teilendes, und zwar durchaus im vorschreibenden oder vielleicht auch warnenden Sinn. Lebewesen sind beispielsweise immer Individuen. Sie beliebig zu teilen wäre mit ihrer Eigenart, nur insgesamt - im Gesamten! - am Leben sein und bleiben zu können, nicht vereinbar; insbesondere würde sie nicht wieder lebendig werden, wenn man die Teile, die man dabei erhalten hätte, wieder zusammenfügte. Wegen dieser spezifischen Besonderheit wird 'Individuum' auch in seiner Adjektivform 'individuell' praktisch ausschließlich auf Lebewesen angewendet.
Zur Bezeichnung unserer eigenen Individualität als Menschen haben wir neben dem Wort 'Individuum', das in verschiedenen Wendungen wie etwa in dem Ausdruck "so ein Individuum" auch abwertend verwendet werden kann, den Begriff "Person" zur Verfügung. Auch mit Person ist deshalb immer der 'ganze' Mensch mit seinen – wie dann zu sagen möglich ist – individuellen Zügen und Eigenheiten gemeint, die seine dann eben persönliche Individualiät ausmachen. — Auch der Begriff "Charakter" als Bezeichnung für alle diese Eigenheiten ist ersichtlich ganzheitlich gemeint, was auch daran zu ersehen ist, dass wir diese Eigenheiten selbst "Charakterzüge" nennen können; dasselbe gilt für den Begriff "Persönlichkeit", zu dem es die analoge Detailbezeichnung "Persönlichkeitszug" gibt.
Die Begriffe "Charakter" und "Persönlichkeit" weisen allerdings eine zeitliche Konnotation auf. Sie werden nämlich üblicherweise zur Bezeichnung des Gesamtgefüges individueller Eigenheiten verwendet, die sich im Laufe des Lebens eines Menschen erst herausgebildet und ausgeprägt haben, so dass davon das Temperament abgegrenzt wird, das von Anfang an erkennbar ist und im allgemeinen konstant bleibt. Spricht man demgegenüber von der Individualität eines Menschen, dann werden damit einerseits auch alle über seinen Charakter hinausgehenden für ihn charakteristischen Eigenheiten bis hin zu seinem Körperbau und Aussehen gemeint, und gleichzeitig außer Betracht gelassen, ob sich die einzelnen und das Gesamt aller unterscheidbaren Eigenarten erst entwickelt haben oder schon immer vorhanden waren. Wird dieser letzte zeitliche Aspekt mitgedacht, ist fachpsychologisch von Individuation die Rede. Hierbei wird jedoch nicht nur die Art und Weise des jeweils für eine Person 'typischen' Handelns und Verhaltens (Agierens und Reagierens) in Betracht gezogen, sondern auch noch das persönliche Selbstverständnis und die gesamte individuelle Lebensauffassung dieser Person mit einbezogen, potentiell also 'das Gesamt' aller für sie relevanten Aspekte ihres Lebens. — Der aus der Soziologie stammende Begriff Individualisierung bezieht sich dagegen auf die seit langem zu beobachtende zunehmende Vereinzelung von Menschen in der Gesellschaft, bei der überindividuelle, gesamtgesellschaftliche Entwicklungen eine Rolle spielen. Die Individualität des Einzelnen kommt dabei nur insoweit in den Blick, wie sie wie die von anderen durch eben die Entwicklung des Gesamt der gesellschaftlichen Verhältnisse mitgeprägt wird.
Kategorie:Philosophie des Geistes
Kategorie:Soziologie
kategorie:Gesellschaft
Kategorie:Philosophie des GeistesKategorie:Philosophische Disziplin
Kategorie:MetaphysikZur Einordnung der philosophischen Begriffe aus dem Bereich Metaphysik
Kategorie:Philosophische Disziplin
Kategorie:EntwicklungspsychologieKategorie:Psychologie
Kategorie:AnthropologieKategorie:Soziologie
Kategorie:Biologie
Kategorie:Geschichte
ja:Category:人類学
Seeing disk
Astronomical seeing refers to the blurring and twinkling of astronomical objects such as stars caused by the Earth's atmosphere. The astronomical seeing conditions on a given night at a given location describe how much the Earth's atmosphere perturbs the images of stars as seen through a telescope. The most common seeing measurement is the diameter (technically Full Width Half Maximum) of the seeing disc. The seeing disc diameter ("seeing") is a reference to the best possible angular resolution which can be achieved by an optical telescope in a long photographic exposure, and corresponds to the diameter of the fuzzy blob seen when observing a point-like star through the atmosphere. The size of the seeing disc is determined by the astronomical seeing conditions at the time of the observation. The best conditions give a seeing disc diameter of ~0.4 arcseconds and are found at high-altitude observatories on small islands such as Mauna Kea or La Palma. A detailed description of the seeing disc can be found in the FWHM of the seeing disc subsection of the following article.
Seeing is one of the biggest problems for Earth-based astronomy: while the big telescopes have theoretically milli-arcsecond resolution, the real image will never be better than the average seeing disc during the observation. This can easily mean a factor of 100 between the potential and practical resolution.
The Effects of Astronomical Seeing
Image:Zeta_bootis_short_exposure.png|Typical short-exposure negative image of a binary star (Zeta Bootis in this case) as seen through atmospheric seeing. Each star should appear as a single point, but the atmosphere causes the images of the two stars to break up into two patterns of speckles (one pattern above left, the other below right). The speckles are a little difficult to make out in this image due to the coarse pixel size on the camera used (see the simulated images below for a clearer example). The speckles move around rapidly, so that each star appears as a single fuzzy blob in long exposure images (called a seeing disc). The telescope used had a diameter of about 7r0 (see definition of r0 below, and example simulated image through a 7r0 telescope).
Astronomical seeing has several effects:
# It causes the images of point-sources (e.g. stars) to break up into speckle patterns, which change very rapidly with time (the resulting speckled images can be processed using speckle imaging)
# Long exposure images of these changing speckle patterns result in a blurred image of the point source, called a seeing disc
# The brightness of stars appears to fluctuate in a process known as scintillation or twinkling
# Atmospheric seeing causes the fringes in an astronomical interferometer to move rapidly
# The distribution of atmospheric seeing through the atmosphere (the CN2 profile described below) causes the image quality in adaptive optics systems to degrade the further you look from the location of reference star
The effects of atmospheric seeing were indirectly responsible for the belief that there were canals on Mars. In viewing a bright object such as Mars, occasionally a still patch of air will come in front of the planet, resulting in a brief moment of clarity. Before the use of charge-coupled devices, there was no way of recording the image of the planet in the brief moment other than having the observer remember the image and draw it later. This had the effect of having the image of the planet be dependent on the observer's memory and preconceptions which led the belief that Mars had linear features.
The effects of atmospheric seeing are qualitatively similar throughout the visible and near infra-red wavebands. At large telescopes the long exposure image resolution is generally slightly higher at longer wavelengths, and the timescale (t0 - see below) for the changes in the dancing speckle patterns is substantially lower.
Measures of Astronomical Seeing
There are three common descriptions of the astronomical seeing conditions at an observatory:
# The FWHM of the seeing disc
# r0 and t0
# The CN2 profile
These are described in the sub-sections below:
The FWHM of the seeing disc
Without an atmosphere, a small star would have an apparent size in a telescope image determined by diffraction and would be inversely proportional to the diameter of the telescope. However when light enters the Earth's atmosphere, the different temperature layers and different wind speeds distort the light waves leading to distortions in the image of a star. The effects of the atmosphere can be modelled as rotating cells of air moving turbulently. At most observatories the turbulence is only significant on scales larger than r0 (see below -- the seeing parameter r0 is 10-20 cm at visible wavelengths under the best conditions) and this limits the resolution of telescopes to be about the same as given by a space-based 10-20 cm telescope.
The distortion changes at a high rate, typically more frequently than 100 times a second. In a typical astronomical image of a star with an exposure time of seconds or even minutes, the different distortions average out as a filled disc called the seeing disc. The diameter of the seeing disc (technically the Full Width at Half Maximum intensity (FWHM)) is a common measure of the astronomical seeing conditions.
It follows from this definition that seeing is always a variable quantity, different from place to place, from night to night and even variable on a scale of minutes. Astronomers often talk about "good" nights with a low average seeing disc diameter, and "bad" nights where the seeing diameter was so high that all observations were worthless.
Image:Eps_aql_movie_not_2000.gif|Slow motion movie of what you see through a telescope when you look at a star at high magnification (negative images). The telescope used had a diameter of about 7r0 (see definition of r0 below, and example simulated image through a 7r0 telescope). Notice how the star breaks up into multiple blobs (speckles) -- entirely an atmospheric effect. Some telescope vibration is also noticible.
The FWHM of the seeing disc (or just Seeing) is usually measured in arcseconds, abbreviated with the symbol ("). A 1.0" seeing is a good one for average astronomical sites. The seeing of an urban environment is usually much worse. Good seeing nights tend to be clear, cold nights without wind gusts. Warm air rises (convection) degrading the seeing as does wind and clouds. At the best high-altitude mountaintop observatories the wind brings in stable air which has not previously been in contact with the ground, sometimes providing seeing as good as 0.4".
r0 and t0
The astronomical seeing conditions at an observatory can be well described by the parameters r0 and t0. For telescopes with diameters smaller than r0, the resolution of long-exposure images is inversely proportional to the telescope diameter. For telescopes with diameters larger than r0, the image resolution is independent of telescope diameter, remaining constant at the value given by a telescope of diameter equal to r0. r0 also corresponds to the length-scale over which the turbulence becomes significant (10-20 cm at visible wavelengths at good observatories), and t0 corresponds to the time-scale over which the changes in the turbulence become significant. r0 determines the spacing of the actuators needed in an adaptive optics system, and t0 determines the correction speed required to compensate for the effects of the atmosphere.
r0 and t0 vary with the wavelength used for the astronomical imaging, allowing slightly higher resolution imaging at longer wavelengths using large telescopes.
r0 is often known as the Fried parameter (pronounced freed), named after David L. Fried.
Mathematical Description of r0 and t0
David L. Fried
David L. Fried
David L. Fried
Mathematical models can give an accurate model of the effects of astronomical seeing on images taken through ground-based telescopes. Three simulated short-exposure images are shown at the right through three different telescope diameters (as negative images to highlight the fainter features more clearly -- a common astronomical convention). The telescope diameters are quoted in terms of the Fried parameter (defined below). is a commonly used measurement of the astronomical seeing at observatories. At visible wavelengths, varies from 20 cm at the best locations to 5 cm at typical sea-level sites.
In reality the pattern of blobs (speckles) in the images changes very rapidly, so that long exposure photographs would just show a single large blurred blob in the centre for each telescope diameter. The diameter (FWHM) of the large blurred blob in long exposure images is called the seeing disc diameter, and is independent of the telescope diameter used (as long as adaptive optics correction is not applied).
It is first useful to give a brief overview of the basic theory of optical
propagation through the atmosphere. In the standard classical theory,
light is treated as an oscillation in a field . For
monochromatic plane waves arriving from a distant point source with
wave-vector :
where is the complex field at position and
time , with real and imaginary parts corresponding to the electric
and magnetic field components, represents a phase offset,
is the frequency of the light determined by , and is the
amplitude of the light.
The photon flux in this case is proportional to the square of the
amplitude , and the optical phase corresponds to the complex
argument of . As wavefronts pass through the Earth's
atmosphere they may be perturbed by refractive index variations in the
atmosphere. The diagram at the top-right of this page shows schematically a turbulent layer in the
Earth's atmosphere perturbing planar wavefronts before they enter a
telescope. The perturbed wavefront may be related at any
given instant to the original planar wavefront in the following way:
where represents the fractional
change in wavefront amplitude and
is the change in wavefront phase introduced by the atmosphere. It is
important to emphasise that and
describe the effect of the Earth's
atmosphere, and the timescales for any changes in these functions will
be set by the speed of refractive index fluctuations in the atmosphere.
The Kolmogorov model of turbulence
A description of the nature of the wavefront perturbations introduced
by the atmosphere is provided by the Kolmogorov model developed
by Tatarski (1961), based partly on the studies of turbulence by the
Russian mathematician Andreï Kolmogorov
(see references below by Kolmogorov). This model is supported by a variety of
experimental measurements
(see e.g. references below by Buscher et al 1995, Nightingale and Buscher 1991, O’Byrne 1988, Colavita et al 1987) and is widely used in
simulations of astronomical imaging. The model assumes that the
wavefront perturbations are brought about by variations in the
refractive index of the atmosphere. These refractive index variations
lead directly to phase fluctuations described by , but any amplitude fluctuations are only
brought about as a second-order effect while the perturbed wavefronts
propagate from the perturbing atmospheric layer to the telescope. For
all reasonable models of the Earth's atmosphere at optical and
infra-red wavelengths the instantaneous imaging performance is
dominated by the phase fluctuations . The amplitude fluctuations described by
have negligible effect on the
structure of the images seen in the focus of a large telescope.
The phase fluctuations in Tatarski's model are usually assumed to have
a Gaussian random distribution with the following second order
structure function:
where is the
atmospherically induced variance between the phase at two parts of the
wavefront separated by a distance in the aperture
plane, and represents the ensemble average.
The structure function of Tatarski (1961) can be described in terms
of a single parameter :
indicates the strength of the phase fluctuations as it
corresponds to the diameter of a circular telescope aperture at which
atmospheric phase perturbations begin to seriously limit the image
resolution. Typical values for I band (900 nm wavelength)
observations at good sites are 20---40 cm. Fried (1965) and
Noll (1976) noted that also corresponds to the aperture
diameter for which the variance of the wavefront phase
averaged over the aperture comes approximately to unity:
This equation represents a commonly used definition for , a parameter frequently used to describe the atmospheric conditions at astronomical observatories.
can be determined from a measured CN2 profile (described below) as follows:
where the turbulence strength varies as a function of height above the telescope, and is the angular distance of the astronomical source from the zenith (from directly overhead).
The timescale t0 is simply proportional to r0 divided by the mean wind speed.
References
zenith
Much of the above text is taken (with permission) from http://www.mrao.cam.ac.uk/telescopes/coast/theses/rnt/
- BUSCHER, D. F., ARMSTRONG, J. T., HUMMEL, C. A., QUIRRENBACH, A., MOZURKEWICH, D., JOHNSTON, K. J., DENISON, C. S., COLAVITA, M. M., & SHAO, M. 1995. [http://ukads.nottingham.ac.uk/cgi-bin/nph-bib_query?bibcode=1995ApOpt..34.1081B&db_key=INST Interferometric seeing measurements on Mt. Wilson: power spectra and outer scales]. Applied Optics, 34(Feb.), 1081-1096.
- COLAVITA, M. M., SHAO, M., & STAELIN, D. H. 1987. [http://ukads.nottingham.ac.uk/cgi-bin/nph-bib_query?bibcode=1987ApOpt..26.4106C&db_key=INST Atmospheric phase measurements with the Mark III stellar interferometer]. Applied Optics, 26(Oct.), 4106-4112.
- FRIED, D. L. 1965. [http://ukads.nottingham.ac.uk/cgi-bin/nph-bib_query?bibcode=1965OSAJ...55.1427F&db_key=AST Statistics of a Geometric Representation of Wavefront Distortion], Optical Society of America Journal, 55, 1427-1435.
- KOLMOGOROV, A. N. 1941. Dissipation of energy in the locally isotropic turbulence. Comptes rendus (Doklady) de l'Académie des Sciences de l'U.R.S.S., 32, 16-18.
- KOLMOGOROV, A. N. 1941. The local structure of turbulence in incompressible viscous fluid for very large Reynold's numbers. Comptes rendus (Doklady) de l'Académie des Sciences de l'U.R.S.S., 30, 301-305.
- NIGHTINGALE, N. S., & BUSCHER, D. F. 1991. [http://ukads.nottingham.ac.uk/cgi-bin/nph-bib_query?bibcode=1991MNRAS.251..155N&db_key=AST Interferometric seeing measurements at the La Palma Observatory]. Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, 251(July), 155-166.
- NOLL, R. J. 1976. [http://ukads.nottingham.ac.uk/cgi-bin/nph-bib_query?bibcode=1976OSAJ...66..207N&db_key=INST Zernike polynomials and atmospheric turbulence]. Optical Society of America Journal, 66(Mar.), 207-211.
- O'BYRNE, J. W. 1988. [http://ukads.nottingham.ac.uk/cgi-bin/nph-bib_query?bibcode=1988PASP..100.1169O&db_key=AST Seeing measurements using a shearing interferometer]. Publications of the Astronomical Society of the Pacific, 100(Sept.), 1169-1177.
- TATARSKI, V. I. 1961. Wave Propagation in a Turbulent Medium. McGraw-Hill Books.
The CN2 profile
A more thorough description of the astronomical seeing at an observatory is given by producing a profile of the turbulence strenght as a function of altitude, called a CN2 profile. CN2 profiles are generally performed when deciding on the type of adaptive optics system which will be needed at a particular telescope, or in deciding whether or not a particular location would be a good site for setting up a new astronomical observatory. Typically, several methods are used simultaneously for measuring the CN2 profile and then compared. Some of the most common methods include:
# SCIDAR (imaging the shadow patterns in the scintillation of starlight)
# SLODAR
# RADAR mapping of turbulence
# Balloon-borne thermometers to measure how quickly the air temperature is fluctuating with time due to turbulence
There are also mathematical functions describing the CN2 profile. Some are empirical fits from measured data and others attempt to incorporate elements of theory. One common model for continental land masses is known as Hufnagel-Valley after two workers in this subject.
Overcoming Atmospheric Seeing
The first answer to this problem was speckle imaging, which allowed bright objects to be observed with very high resolution. Later came NASA's Hubble Space Telescope, working outside the atmosphere and thus not have any seeing problems and allowing observations of faint targets for the first time (although with poorer resolution than speckle observations of bright sources from ground-based telescopes because of Hubble's smaller telescope diameter). The highest resolution visible and infrared images currently come from imaging optical interferometers such as the Navy Prototype Optical Interferometer or Cambridge Optical Aperture Synthesis Telescope.
Starting in the 1990s, many telescopes have begun to develop adaptive optics systems that partially solve the seeing problem, but none of the systems so far built or designed completely removes the atmosphere effect, and observations are usually limited to a small region of the sky surrounding relatively bright stars.
Category:Astronomical_imaging
Category:Observational astronomy
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