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| Indochina |
IndochinaDer Begriff Indochina wurde erstmals von dem dänisch-französischen Geografen Conrad Malte-Brun (auch Malthe Konrad Bruun; 1775–1826) in seinem 1810 in Paris erschienen Werk „Précis de la Géographie Universelle“ verwendet. Damit sollte der prägende kulturelle Einfluss Indiens und Chinas auf die Völker und Länder des kontinentalen Südostasien ausgedrückt werden.
Im engeren Sinn umfasste Indochina historisch die Länder Laos, Kambodscha und Vietnam, die (zusammen mit Burma) bis 1885/85 unter formaler chinesischer Oberhoheit gestanden hatten, ab 1887 als „Union Indochinoise“ - „Französisch-Indochina“ - dem französischen Kolonialreich eingegliedert waren und erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder ihre Unabhängigkeit erlangten.
In der Geografie wurde der Begriff als Bezeichnung für die Indochinesische Halbinsel beibehalten.
Siehe auch
- Hinterindien
- Südostasien
Kategorie:Südostasien
Kategorie:Asien
ja:インドシナ半島
ko:인도차이나 반도
GeografieDie Geographie (auch: Geografie, griechisch Γεωγραφια geographia; gaia – Erde; gráphein – kritzeln, schreiben, zeichnen), vor allem in Deutschland umgangssprachlich auch Erdkunde genannt, untersucht die Beschaffenheit der Erdoberfläche und deren Auswirkungen auf den Menschen und bildet so eine Nahtstelle zwischen den Natur- und den Sozialwissenschaften. Dabei werden sowohl die Topographie der Landschaft als auch wirtschaftliche Faktoren (z. B. Lagerstätten, Wasserhaushalt) und die Stadtentwicklung ins Kalkül gezogen. Dort, wo diese Untersuchungen vom Menschen aus gesehen werden, bildet sich eine Überschneidung zur Ethnologie (Völkerkunde).
Geographie ist also die Lehre von der Umwelt des Menschen und vom wechselseitigen Beziehungsgefüge Mensch - Umwelt in räumlicher Sicht.
Die Definition, was Geographie ist, gestaltet sich entsprechend obiger Kurzbeschreibung problematisch und ist historischen und politischen Veränderungen unterworfen. Der Begriff Geographie wurde erstmals von dem griechischen Gelehrten Eratosthenes verwendet.
Geschichte
Die Bedeutung geographischen Wissens wurde erstmals in der Antike von den Griechen erkannt. Deren Erkenntnisse nutzten die Römer weiter. Während des europäischen Mittelalters geriet die Geographie, wie andere Wissenschaftszweige auch, wieder in Vergessenheit. Lediglich aus dem Kaiserreich China und dem aufstrebenden Orient kamen neue Impulse.
In den Anfängen der heutigen wissenschaftlichen Geographie im 19. Jahrhundert war deren Ziel im Wesentlichen die Entdeckung, Erkundung bisher unbekannter Regionen der Erde (terra incognita); sie hatte sich die Auffüllung und Entdeckung der "weißen Flecke" auf der Landkarte zur Aufgabe gemacht. Die damalige Geographie kann daher als eine Wissenschaft "vom wo" umschrieben werden. Die Geographie muss man bis in das 19. Jahrhundert hinein als eine Wissenschaft beschreiben, die Tatsachen sammelte und zum Beispiel in Form von Bildern, Karten und Berichten dokumentierte. Sie war also rein deskriptiv (beschreibend). Geographie ist die Wissenschaft der räumlichen Strukturen und der raumzeitlichen Prozesse.
"Unschuldig" war die Geographie damit nie. Die seitens der Staaten geförderte Geographie (Universitäten, Expeditionen) stand immer im Kontext der Geschichte. Für den Kolonialismus beispielsweise waren die deskriptiven Ergebnisse seitens der Geographen unabdingbar und sind in diesem Sinne Produkte desselben.
Siehe auch: Liste der Entdecker
Einteilung
Physische Geographie
Die Physische Geographie beschäftigt sich in erster Linie mit den natürlichen Bestandteilen und Strukturen der Erdoberfläche. Dabei wird die Tätigkeit des Menschen zur Erklärung der Landschaftsgenese tendenziell ausgeklammert:
Teilgebiete sind
- Geomorphologie,
- Klimageographie,
- Bodengeographie,
- Vegetationsgeographie, Biogeographie und
- Hydrogeographie.
Mathematische Geographie
Siehe Geodäsie, Kartografie
Anthropogeographie
Die Anthropogeographie (Geographie des Menschen; auch Humangeographie oder Kulturgeographie) beschäftigt sich mit dem Einfluss des Menschen auf den geographischen Raum, wie auch mit dem Einfluss des Raums auf den Menschen beispielsweise im Zusammenhang mit der räumlichen Verteilung von Bevölkerung oder von Wirtschaftsgütern.
Teilgebiete der Anthropogeographie sind unter anderem:
- die Politische Geographie, Historische Geographie,
- Wirtschaftsgeographie, Industriegeographie, Agrargeographie
- Bevölkerungsgeographie, Sozialgeographie,
- Siedlungsgeographie, Geographie des ländlichen Raums,
- Stadtgeographie,
- Kulturgeographie,
- Verkehrsgeographie, Dienstleistungsgeographie,
- Wahrnehmungsgeographie und
- Religionsgeographie
- Geographie der Freizeit und des Tourismus.
Der Anthropogeographie nahe stehen Raumordnung und Raumplanung. Begründer der Anthropogeographie war Alexander von Humboldt, der die wechselseitigen Beziehungen zwischen Mensch und Natur erstmals erkannte.
Zitate
- Es ist nichts, was den geschulten Verstand mehr kultiviert und bildet, als Geographie. - Immanuel Kant
- Geographie ist die Mutter der Wissenschaften! - Immanuel Kant
- Without Geography we are nowhere. - ([http://www.metskers.com Metsker Maps of Seattle])
- "Geography is what geographers do!"
- "Krieg ist Gottes Weg, den Amerikanern Geografie beizubringen."
Siehe auch
Portal:Geographie – Geowissenschaften – Länder der Welt –
Liste geographischer Namen in mehreren Sprachen
Weblinks
- [http://www.gender-arbeit-geographie.de Arbeitsgruppe Gender Arbeit Geographie] Bietet Informationen zur Geschlechterforschung in der Geographie, Newsletter: feministisches Geo-RundMail
- [http://www.geoportal.de geoportal.de] Bietet tagesaktuelle Nachrichten, ein Diskussionsforum, Literaturtipps und vieles mehr für geographische Themen
- [http://www.geographie-diplom.de Das Portal der erdwissenschaftlichen Intelligenz]
- [http://www.geographie.de Deutsche Gesellschaft für Geographie]
- [http://www.geographie.de/dvag/ Deutscher Verband für angewandte Geographie]
- [http://www.erdkunde-wissen.de Erdkunde-Portal]
- [http://www.geoworld.de Geographisches Informationssystem] inkl. Literatur-, Adress- und Linksuche sowie Web-Mapping-Anwendung
- [http://www.mygeo.info Geographisches Portal www.mygeo.info] mit [http://dict.mygeo.info Online Wörterbuch Deutsch Englisch]
- [http://www.geosciences-forum.com/ Geosciences-Forum: Geographie]
- [http://www.gfe-berlin.de Gesellschaft für Erdkunde]
- [http://www.uni-graz.at/geowww Institut für Geographie und Raumforschung der Universität Graz] inkl. Geographie Magazin, europaweitem Veranstaltungskalender u. v. m
- [http://www.kartenmeister.com/ Kartenmeister Datenbank]
- [http://www.kritische-geographie.at Kritische Geographie] inkl. Download-Material
- [http://www.critical-geography.de.vu www.critical-geography.de.vu - Die Seite des offenen AK Kritische Geographie] von Studis für Studis
!Geographie
Kategorie:Geowissenschaft
Kategorie:Sozialwissenschaft
Kategorie:Erde
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ja:地理学
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Indien
Indien (hindi भारत, Bhārat; englisch India) ist ein Staat in Südasien, der den größten Teil des indischen Subkontinents umfasst. Im Norden bildet der Himalaya die natürliche Nordgrenze Indiens, im Süden umschließt der Indische Ozean das Staatsgebiet. Indien grenzt an Pakistan, China, Nepal, Bhutan, Myanmar und Bangladesch.
Seine Bezeichnung hat Indien von dem in Tibet entspringenden Strom Indus, dessen Name sich von dem Sanskrit-Wort Sindhu mit der Bedeutung Fluss herleitet. In Urdu heißt das Land Hind, in Hindi Bharat; diese Bezeichnung wurde zum amtlichen Namen der Republik Indien. Als Hindustan, „Land der Hindus“, bezeichneten die muslimischen Eroberer den Nordteil Indiens.
Geographie
Hauptartikel: Geographie Indiens
Indien, mit einer Fläche von 3.287.590 km² der siebtgrößte Staat der Erde, erstreckt sich vom 68. bis zum 97. östlichen Längengrad über rund 3200 Kilometer. Von West nach Ost, zwischen dem 8. bis zum 37. Grad nördlicher Breite, beträgt die Ausdehnung rund 2800 Kilometer. Indien grenzt an sechs Staaten: Pakistan, China (Tibet), Nepal, Bhutan, Myanmar und Bangladesch. Da der nördliche Teil des umstrittenen Kaschmirs seit 1949 unter pakistanischer Kontrolle steht, hat Indien keine gemeinsame Grenze mit Afghanistan mehr.
Die natürliche Grenze im Norden und Nordosten bildet der Himalaya, das höchste Gebirge der Welt. Südlich davon schließen sich die breiten, fruchtbaren Stromebenen der Flüsse Indus, Ganges und Brahmaputra an. Den Nordosten Indiens, einschließlich der Brahmaputra-Ebene, verbindet nur ein schmaler Korridor zwischen Bangladesch und Nepal bzw. Bhutan mit dem Rest des Landes.
Im Westen geht das Stromland des Ganges in die Wüste Thar über, die im Osten und Süden vom Aravalligebirge begrenzt wird. Südlich davon liegen die Sümpfe des Rann von Kutch sowie die Halbinsel Kathiawar.
Kathiawar
Das Hochland von Dekkan nimmt den größten Teil der keilförmig in den Indischen Ozean vorragenden indischen Halbinsel ein. Die Vindhya- und Satpura-Berge schirmen den Dekkan von der Gangesebene im Norden ab. Im Westen wird er von den bis zu 2700 Meter hohen Westghats, im Osten von den flacheren Ostghats begrenzt. Beide Gebirgszüge treffen im Süden, wo die Halbinsel spitz zum Kap Komorin zuläuft, zusammen. Die Westghats fallen steil zur Konkan- und Malabarküste entlang des Arabischen Meeres ab. Die Ostghats gehen in die breiteren östlichen Küstenebenen am Golf von Bengalen über.
Zu Indien gehören außerdem drei dem Indischen Subkontinent vorgelagerte Inselgruppen. Rund 300 Kilometer westlich der Malabarküste liegen die Korallenatolle der Lakkadiven. Südöstlich der Halbinsel, zwischen 1000 und 1600 Kilometer vom indischen Festland entfernt, erstrecken sich die Inseln der Andamanen und Nikobaren.
Der höchste Punkt Indiens ist der Berg Kanchenjunga mit 8.598 Metern Höhe, der sich im äußersten Westen Sikkims in unmittelbarer Grenznähe zu Nepal erhebt. Der höchste vollständig auf indischem Gebiet liegende Berg ist die Nanda Devi mit 7.822 Metern. Der tiefste Punkt ist die zwei Meter unter dem Meeresspiegel gelegene Kuttanad-Senke an der Malabarküste.
Flüsse
Kuttanad
Alle größeren Flüsse Indiens entspringen in einer der drei Hauptwasserscheiden des Subkontinents: im Himalaya, in den zentralindischen Vindhya- und Satpura-Bergen oder in den Westghats.
Indiens längster und zweifellos wichtigster Fluss ist der Ganges, der im Himalaya entspringt. Seine längsten Nebenflüsse sind die Yamuna und der Gumti; der Chambal ist ein Zufluss der Yamuna. Der Brahmaputra, der das Land im Nordosten durchfließt, vereinigt sich mit dem Ganges und bildet vor der Mündung in den Golf von Bengalen ein gewaltiges Delta, an dem Indien jedoch nur im Westen Anteil hat. Der Großteil des Gangesdeltas liegt auf dem Territorium des Nachbarstaates Bangladesch. Fast ein Drittel der Fläche Indiens gehört zum Einzugsgebiet von Ganges und Brahmaputra.
Im äußersten Norden durchquert der Indus in Südost-Nordwest-Richtung den Bundesstaat Jammu und Kashmir.
Das Hochland von Dekkan wird von mehreren großen Flüssen entwässert. Die Narmada und der Tapti münden ins Arabische Meer, während Godavari, Krishna, Mahanadi und Kaveri zum Golf von Bengalen fließen.
Geologie
Indien gehörte bis gegen Ende des Jura zum Südkontinent Gondwana. Erst in der Kreidezeit riss es von der Antarktis ab und driftete in erdgeschichtlich extrem kurzen 50 Millionen Jahren quer durch den gesamten Tethys-Ozean gegen Eurasien, wo sein Aufprall gegen Ende der Kreidezeit den Himalaya schuf und Tibet anhob.
Tibet
Klima
Mit Ausnahme der Bergregionen ist Indiens Klima vornehmlich tropisch, wobei Nord- und Zentralindien kontinentaler geprägt sind als der maritime Süden. So treten im Norden im Jahresverlauf teils erhebliche Temperaturschwankungen auf. Während in den nördlichen Tiefebenen im Dezember und Januar Temperaturen von nur 10 bis 15 Grad Celsius vorherrschen, sind in der heißesten Zeit zwischen April und Juni 40 bis über 50 Grad Celsius keine Seltenheit. Im Süden ist es dagegen ganzjährig heiß.
Die Niederschlagsverhältnisse werden im ganzen Land maßgeblich vom Monsun beeinflusst. Der Südwest- oder Sommermonsun setzt in den meisten Landesteilen im Juni ein und bringt je nach Region bis September oder Oktober ergiebige Niederschläge. Auf Grund der sehr unterschiedlichen Topographie ist die Niederschlagsverteilung allerdings höchst ungleichmäßig. Die stärksten Regengüsse gehen an der Westküste, in den Westghats, an den Hängen des Himalayas und in Nordostindien nieder. Am trockensten ist es dagegen in der Thar. Die aus Zentralasien kommenden Nordost- oder Wintermonsunwinde zwischen Oktober und Juni bringen kaum Feuchtigkeit, daher entfallen in den meisten Gegenden 80 bis über 90 Prozent der jährlichen Gesamtniederschlagsmenge auf die Sommermonate. Lediglich der Südosten erhält auch während des Nordostmonsuns Regen, da die Luftströmungen über dem Golf von Bengalen Feuchtigkeit aufnehmen.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Indiens
Die Industal-Zivilisation (größtenteils im heutigen Pakistan gelegen) war eine der frühen Hochkulturen der Welt, mit einer eigenen Schrift, der bisher nicht entzifferten Indus-Schrift. Um etwa 2500 v.Chr. existierten dort geplante Städte wie Harappa, mit einer Kanalisation, Seehäfen und Bädern, während angenommen wird, dass in Südindien noch weniger entwickelte Verhältnisse herrschten. Weiter östlich machen sich andere archäologische Komplexe bemerkbar wie die sogenannte Copper Hoard Culture. Ab 1700 v.Chr. setzte aus bislang unbekannten Gründen der Zerfall der Indus-Kultur ein.
Eine für die weitere Entwicklung Indiens sehr wichtige Periode, war die vedische Zeit (1500 v.Chr. - 500 v.Chr.), in der die Grundlagen der heutigen Kultur geschaffen wurden. Über die politische Entwicklung ist weitaus weniger bekannt, als über die religiöse und philosophische Entwicklung. Gegen Ende der vedischen Zeit wurden die Upanishaden geschaffen, die in vielerlei Hinsicht die Basis der in Indien entstandenen Religionen Hinduismus, Buddhismus und Jainismus bilden. In diese Zeit fällt die Urbanisierung in der Gangesebene und das Heraufkommen von Königreichen wie Magadha. Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. entfaltete sich der Buddhismus, der während rund 500 Jahren neben dem Hinduismus die maßgebliche Geistesströmung Indiens darstellte.
Arabische Eroberungszüge im 8. Jh. und zentralasiatische Invasionen ab dem 12. Jahrhundert führten zu einer Dominanz muslimischer Staaten im Norden, sowie zur Islamisierung von Teilen der dortigen Bevölkerung. Das Delhi-Sultanat und die Mogul-Dynastie gehörten zu den wichtigsten Herrscherhäusern dieser Zeit. Hinduistische Königstümer gab es nur noch in Südindien (z.B. Vijayanagar).
Ab 1505 begannen europäische Mächte kleinere Küstenkolonien zu erobern (vgl. Portugiesisch-Indien). Von 1756 an unterwarf die britische East India Company von ihren Hafenstützpunkten Kalkutta, Madras und Bombay aus weite Teile Indiens. Mitte des 19. Jahrhundert erlangte sie die vollständige politische Kontrolle über alle indischen Territorien (von einigen kleineren portugiesischen und französischen Gebieten abgesehen). Loyale Fürsten behielten Staaten mit begrenzter Souveränität wie Hyderabad, Bhopal, Mysore, Kashmir. 1857 erhoben sich Teile der Bevölkerung Nordindiens gegen die Herrschaft der East India Company. Nach der Niederwerfung des Aufstandes wurde Indien der direkten Kontrolle durch Großbritannien unterstellt.
1884 wurde in Bombay die Kongresspartei (Indian National Congress) gegründet. Sie forderte zunächst politische Mitsprache. Ihre Mitglieder waren vorwiegend Hindus und Parsen. Die muslimische Oberschicht blieb auf Abstand. Ihr Wortführer Sayyid Ahmad Khan befürchtete, dass sie durch Einführung des Mehrheitsprinzips aus der Verwaltung gedrängt würden. Als Interessenvertretung der Muslime wurde 1906 die Muslim League gegründet.
Im Ersten Weltkrieg verhielt sich die große Mehrheit der Bevölkerung loyal. Aus Verärgerung darüber, dass die Briten an der Aufteilung des Osmanischen Reiches beteiligt waren, schlossen sich nun auch viele Muslime der Unabhängigkeitsbewegung an. Der gewaltfreie Widerstand gegen die britische Kolonialherrschaft, vor allem unter Mahatma Gandhi und Jawaharlal Nehru, führte 1947 zur Unabhängigkeit.
Gleichzeitig verfügte die Kolonialmacht die Teilung der fast den gesamten indischen Subkontinent umfassenden Kolonie Britisch-Indien in zwei Staaten, die säkulare Indische Union sowie die kleinere Islamische Republik Pakistan. Die Briten erfüllten damit Forderungen der Muslim League nach einem eigenen Nationalstaat mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit.
Die Teilung führte zu der größten Vertreibungs- und Fluchtbewegung der Geschichte. Ungefähr 10 Millionen Hindus und Sikhs wurden aus Pakistan vertrieben, etwa 7 Millionen Muslime aus Indien. 750.000 bis eine Million Menschen kamen ums Leben. Die Vertreibung nahezu aller Hindus und Sikhs aus dem Gebiet des damaligen West- und Ostpakistan (heute Pakistan und Bangladesch) und der Vertreibung der Muslime aus Indien gilt als Beispiel für eine sog. ethnische Säuberung ohne unmittelbare Verursachung durch einen Krieg.
Der Maharaja von Kashmir, selbst Hindu bei überwiegend moslemischer Bevölkerung, verzögerte seine Entscheidung und verursachte damit eine Krise, die zur de-facto-Teilung der Region Kashmir führte. Seitdem herrscht in der Grenzregion beider Länder der Kaschmirkonflikt.
Nach zwei vorangegangenen Kriegen führte die indische Unterstützung einer Unabhängigkeitsbewegung im damaligen Ost-Pakistan zu einem dritten Krieg 1971 mit folgender Teilung Pakistans und Gründung des neuen, ebenfalls islamisch geprägten Staates Bangladesch.
Heute sind die fundamentalen Probleme Indiens einerseits der fortdauernde Streit mit Pakistan um die Region Kashmir, andererseits die starke Überbevölkerung, die zunehmende Umweltverschmutzung, die ausgedehnte Armut, sowie ethnische und religiöse Konflikte zwischen Hindus und Moslems.
Bevölkerung
Demographie
Moslems
Moslems
Indien ist in puncto Einwohnerzahl nach der Volksrepublik China und vor den USA der zweitgrößte Staat der Erde.
Am 11. Mai 2000 überschritt Indiens Bevölkerungszahl offiziell die Milliardengrenze. Während es von 1920 - damals hatte Indien 250 Millionen Einwohner - 47 Jahre bis zu einer Verdoppelung der Bevölkerung gedauert hat, waren es von 1967 bis 2000 nur noch 33 Jahre. Das Wachstum der Bevölkerung hat sich in den letzten Jahrzehnten nur wenig abgeschwächt und liegt im Moment bei 1,5 Prozent pro Jahr. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt für Männer 63,57 Jahre (1971 waren es nur 44 Jahre) und für Frauen 65,16 Jahre (1971 waren es nur 46 Jahre). In Deutschland sind es zum Vergleich bei Männern 75 Jahre und bei Frauen 81 Jahre. Indien ist damit eines der wenigen Länder der Erde, wo die Lebenserwartung bei Männern und Frauen fast identisch ist.
Die Bevölkerungsdichte beträgt 329 Einwohner pro km² (Deutschland 231 pro km²). Das Bevölkerungswachstum erklärt sich jedoch nicht aus einer gestiegenen Geburtenrate, sondern aus der in den letzten Jahrzehnten gestiegenen Lebensdauer, d.h. Reduktion der Sterberate. Dies ist unter anderem auf eine Verbesserung der Gesundheitsfürsorge zurückzuführen. In der Sterberate hatte Indien bereits 1991 mit Deutschland gleichgezogen (10 pro Tausend), für 2005 wird sie auf 8.28 geschätzt. Die Geburtenrate blieb allerdings hoch (sie betrug 1991 30 pro Tausend) und sinkt nur allmählich (für 2005 wird sie auf 22,32 pro Tausend geschätzt). Die Fertilitätsrate (Anzahl der Kinder pro Frau) ging von 5,2 (1971) auf 3,6 (1991) zurück, für 2005 wird sie auf 2,78 geschätzt.
Indien gehört zu den Ländern, wo es deutlich mehr Männer gibt: auf 1000 Männer kommen 933 Frauen. Der durchschnittliche Inder ist 26 Jahre alt (Median-Wert).
Mit einem jährlichen Bevölkerungszuwachs von 15 Millionen Menschen hat Indien im Moment den größten absoluten Zuwachs aller Staaten der Erde. Der relative Zuwachs liegt jedoch mit 1,4 % nur wenig über dem Weltdurchschnitt. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird Indien in den nächsten Jahrzehnten sein Bevölkerungswachstum kaum abschwächen und die VR China bis zum Jahre 2045 als bevölkerungsreichstes Land der Erde abgelöst haben.
Nachfolgend sind Einwohnerzahlen Indiens zwischen 1700 und 2050 aufgeführt. Die Zahlen für 2025 und 2050 sind eine Prognose.
Die Zahlenangaben bis 1875 sind nach dem Gebietsstand von Britisch-Indien, also einschließlich Bangladesch, Myanmar und Pakistan berechnet, die Angaben ab 1900 nach dem heutigen Gebietsstand der Republik Indien. Quelle: [http://www.library.uu.nl/wesp/populstat/Asia/indiac.htm]
Sprachen und Schriften
In Indien werden insgesamt 415 Sprachen und Idiome gesprochen. Neben den beiden überregionalen Amtssprachen Hindi und Englisch sind die folgenden 21 Sprachen als Nationalsprachen anerkannt: Asamiya, Bengali, Bodo, Dogri, Gujarati, Kannada, Kashmiri, Konkani, Maithili (seit 2003), Malayalam, Marathi, Meitei, Nepali, Oriya, Punjabi, Santali, Sanskrit, Sindhi, Tamil, Telugu und Urdu. Englisch ist Verwaltungs-, Unterrichts- und Wirtschaftssprache.
Neben Hindustani (im Norden Indiens weit verbreitet und der Vorgänger von Hindi und Urdu) sind auch noch die Sprachen Rajasthani und Mizo erwähnenswert. Bihari ist z.B. der Oberbegriff für die Dialekte in Bihar, wozu auch Maithili, Bhojpuri und Magahi gehören.
In letzter Zeit gab es Versuche, den Gebrauch des Sanskrit, welches ebenfalls eine Amtssprache ist, wiederzubeleben.
Das Central Board of Secondary Education (CBSE) hat in den Schulen, die es reguliert, Sanskrit zur dritten der unterrichteten Sprachen gemacht.
In diesen Schulen ist der Sanskritunterricht für die fünften bis achten Schulklassen obligatorisch.
Sanskrit
Von den 23 Verfassungssprachen gehören sechzehn der indoarischen, vier der dravidischen (Telugu, Tamil, Kannada und Malayalam), eine der austroasiatischen (Santali) und eine der tibetobirmanisch bzw. sinotibetischen Sprachfamilie (Meitei) an.
Erschwerend wirkt sich der Umstand aus, dass die meisten der Sprachen unterschiedliche Schriftsysteme aufweisen. Während für Hindi, Marathi, Nepali, Konkani und Sanskrit eine gemeinsame Schrift verwendet wird (Devanagari), werden Telugu, Tamil, Kannada, Malayalam, Gujarati, Oriya, Punjabi durch eine jeweils eigene Schrift charakterisiert. Für Bengali, Asamiya und Meitei (Manipuri) wird eine weitere Schrift (Bengalische Schrift) verwendet. Urdu wird in arabischer Schrift geschrieben, Kashmiri und Sindhi werden in arabischer Schrift oder auch in Devanagari geschrieben.
Jedes der von verschiedenen Sprachen verwendeten Schriftsysteme beinhaltet ergänzende, sprachlich bedingte Sonderzeichen. Indien mit seinen 23 Sprachen ist daher das Land mit den meisten Amtssprachen weltweit.
Über die Beibehaltung des Status des Englischen als Amtssprache wird alle 15 Jahre neu entschieden. Englisch gilt weiterhin als Prestige-Sprache und wird nur von einer privilegierten Minorität der Bevölkerung fließend gesprochen. Wenn sich Menschen unterschiedlicher Sprachgemeinschaften begegnen, sprechen sie – im Norden – entweder Hindi oder Englisch miteinander, im Süden eine der drawidischen Sprachen oder Englisch.
Siehe auch: Indische Schriften und Indische Sprachen
Religionen
Indische Sprachen]
In Indien entstanden vier der großen Religionen: Hinduismus, Buddhismus, Jainismus und Sikhismus. Der Islam kam infolge von Eroberungen, das Christentum durch frühe Missionierung im ersten Jahrhundert und dann durch den Kolonialismus, der Parsismus aufgrund von Einwanderungen ins Land. Indien bietet also eine außerordentlich reichhaltige Religionslandschaft. Obwohl der Buddhismus über Jahrhunderte die bevorzugte Religion war, starb der Hinduismus nie aus und konnte seine Stellung als dominierende Religion langfristig behaupten.
Die Religionen verteilen sich wie folgt: 80,5 % Hindus, 13,4 % Moslems, 2,3 % Christen, 1,9 % Sikhs, 0,8 % Buddhisten, 0,4 % Jainas und 0,6 % andere: (z.B. Adivasi, Baha'i, Parsen) (Quelle: Census of India 2001)
Die Adivasi (Ureinwohner) widersetzten sich oft den Missionsversuchen der großen Religionen und behielten teilweise ihre eigene Religion. Die indigenen Völker Indiens haben einiges mit dem Hinduismus gemeinsam, so u.a. der Glaube an die Reinkarnation, eine äußere Vielfalt von Göttern und eine Art von Kastenwesen. Nicht selten werden lokale Gottheiten oder Stammesgottheiten einfach in das hinduistische Panthenon integriert - eine Herangehensweise, die historisch zur Ausbreitung des Hinduismus beigetragen hat. Besonders heute besteht eine starke Tendenz der "Hinduisierung", gesellschaftliche Sitten der Hindus und deren Formen der Religionsausübung werden übernommen.
Der Buddhismus ist heute vor allem als „Neobuddhismus“ bei dem unberührbaren Kasten populär, die auf diese Art und Weise versuchen, den Diskriminierungen des Kastensystems zu entkommen. Ins Leben gerufen wurde diese Bewegung durch den Rechtsanwalt Bhimrao Ramji Ambedkar (1891 - 1956), der selbst einer unberührbaren Kaste angehörte. Hinzu kommen die traditionell buddhistischen Gegenden wie Ladakh.
Die Parsen, die heute hauptsächlich in Mumbai leben, bilden eine kleine, überwiegend wohlhabende und einflussreiche Gemeinschaft (ca. 70.000 Menschen). Nicht zuletzt auch durch ihr ausgeprägtes soziales Engagement spielen sie trotz geringer Bevölkerungsanzahl in der indischen Gesellschaft eine wichtige Rolle. In Europa sind sie durch ihre Bestattungsgepflogenheiten, bekannt, die „Türme des Schweigens“. Auch die Jainas sind oft wohlhabend, da sie aufgrund ihres Glaubens, der das Töten von Lebewesen verbietet, überwiegend Kaufleute und Händler sind. Parsen und Jainas gehören meist der Mittel- und Oberschicht an.
Weniger gut gestellt sind häufig Muslime in Indien. Nur ein geringer Teil gehört der Mittelschicht an, ein großer Prozentsatz ist im unteren Drittel der Gesellschaft zu finden. In Politik und Staatsdienst sind sie unterrepräsentiert. Anders die Sikhs, die hauptsächlich in Nordwesten Indien (Punjab) beheimatet sind und zum Beispiel oft sowohl im militärischen als auch politischen Bereich erfolgreich sind. Der Premierminister Manmohan Singh ist ein Sikh.
Bei den Christen in Indien handelt es sich zum einen um Familien, die bereits vor einigen hundert Jahren unter den Portugiesen konvertiert waren (z.B. in Goa) oder auch um unberührbare Kasten und Adivasis, die der Ungerechtigkeit des Kastensystems entkommen möchten.
53 n.Ch. soll ein Apostel von Jesus, Thomas, nach Indien gekommen sein und dort entlang der südwestlichen Malabarküste mehrere christliche Gemeinden gegründet haben. Diese sogenannten "Thomas Christen" sind noch heute etwa im Bundesstaat Kerala zu finden und machen einen erheblichen Prozentsatz der dortigen Bevölkerung aus. Die indische christliche Kirche ist somit älter als die europäische.
Siehe auch: Hinduismus, Jainismus, Sikhismus
Politik
Politisches System
Indien ist eine parlamentarische Demokratie und damit die größte Demokratie der Erde. Das indische Parlament besteht aus zwei Kammern: dem Unterhaus (Lok Sabha) und dem Oberhaus (Rajya Sabha). In Indien gilt das Mehrheitswahlrecht. Die Parteienlandschaft des Landes ist äußerst vielfältig (vgl. Liste politischer Parteien in Indien). Viele Parteien sind zwar auf bestimmte Bundesländer beschränkt, dennoch ergibt sich immer wieder die Notwendigkeit Koalitionen zu bilden. Die „National Democratic Alliance“ (NDA) war eine Koalition, die zu Beginn ihrer Regierungszeit 1998 aus 13 Parteien bestand (unter Führung der BJP).
Der Präsident wird (ähnlich wie in Deutschland) von einem Gremium der Abgordneten des Bundes und der Länder gewählt. Die eigentliche Macht hat jedoch der Premierminister inne, der das Recht hat das Parlament aufzulösen und die Minister bestimmt, die der Präsident dann ernennt. Die Verfassung sieht vor, dass Bundesländer unter president´s rule gestellt werden können, wenn das Land als „unregierbar“ gilt. Dies war schon des öfteren in Bihar der Fall. Den politischen Konventionen zufolge erteilt der Premierminister dem Präsidenten einen entsprechenden „Rat“, der in der Regel befolgt wird. Nach den Unruhen in Ayodhya ließ Premierminister P. V. Narasimha Rao 1993 alle vier BJP-Landesregierungen ihres Amtes entheben und die Länder unter president´s rule stellen.
Innenpolitik
Während des Unabhängigkeitskampfes bildete sich der Nationalkongress, der die Kolonialherrschaft der Engländer beenden sollte. Nach der Unabhängigkeit 1947 wurde die Kongresspartei (Symbol: Handfläche) stärkste Partei und bildete mit Jawaharlal Nehru die erste Regierung. Bis Mitte der 1990er Jahre dominierte die Kongresspartei meist unter Führung der Nehru-Gandhi-Familie, mit nur zwei kurzen Unterbrechungen, die Politik des Landes.
Erst im Zusammenhang mit der geplanten „Wieder“-Errichtung des Ram Janmabhumi-Tempels anstelle der Babri-Moschee gelang es der (Bharatiya Janata Party BJP (Indische Volkspartei, Symbol: Lotusblüte) mit nationalistischen Parolen Unterstützung auf breiter Ebene zu finden. Dies gipfelte in dem Marsch auf Ayodhya und dem Abriss der Moschee, der im ganzen Land zu Ausschreitungen und Übergriffen (vor allem gegen Muslime) mit vielen Toten führte. Die polarisierende und pro-hinduistisch ausgerichtete Politik der BJP steht ganz im Zeichen der hindunationalistischen Hindutva-Bewegung, die - auch unter Beteiligung von paramilitärischen Gruppen, wie dem Nationalen Freiwilligencorps (Rashtriya Swayamsevak Sangh, kurz RSS) - die Hinduisierung Indiens und in ihren extremen Auswüchsen die Vertreibung der muslimischen und christlichen Bevölkerung zum Ziel hat. Von 1998 bis 2004 stellte die BJP die Regierung unter dem als eher gemäßigt geltenden Atal Bihari Vajpayee als Premierminister.
Nach einem Anschlag auf einen Zug mit Pilgern im Jahre 2002 begannen Massaker in Gujarat, die von der dort regierenden BJP nur halbherzig bekämpft wurden. Diese Unruhen haben dann doch wohl viele moderate Hindus zu einem gewissen Umdenken gebracht, zumal die von der Indischen Volkspartei hochgehaltene Vision eines Shining India ("Strahlendes Indien") weite Teile der Bevölkerung, die nicht vom Boom der letzten Jahre profitierten, ob der hochgesteckten Ziele eher skeptisch werden ließ.
Bei der Parlamentswahl 2004 erzielte die oppositionelle Kongresspartei unter Sonia Gandhi einen unerwarteten Sieg. Überraschend für ihre Parteienkoalition lehnte sie es ab, den Posten des Premierministers zu übernehmen, Manmohan Singh wurde am 22. Mai 2004 als Premierminister vereidigt.
Außenpolitik
Die außenpolitische Ziele Indiens werden durch das Bemühen, einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu erlangen, charakterisiert. Hierbei misst sich Indien mit China als Vergleichsmaßstab und strebt eine Statusaufwertung an. Indien beansprucht aufgrund von Größe und zivilisatorischer Bedeutung den selben Rang wie China, das jedoch anerkannte Atommacht mit ständigem Sitz im UN-Sicherheitsrat ist.
Die Nukleartests im Mai 1998 wurden zwar immer mit dem Verweis auf die chinesische Bedrohung gerechtfertigt (Angriff Chinas von 1962), in erster Linie aber verfolgte Indien mit den Tests eine internationale Statusaufwertung, welche auch die Gleichrangigkeit mit China untermauern sollten.
Indien führte bereits zwei Atomtests durch, den ersten 1974 unter Indira Gandhi, den zweiten 1998 unter Atal Bihari Vajpayee. Zwei Wochen nach dem letzten Versuch reagierte Pakistan mit eigenen Atomtests. Sowohl Indien, als auch Pakistan haben den Atomwaffensperrvertrag nicht unterschrieben. Einen letzten Höhepunkt der „Eiszeit“ zwischen Indien und Pakistan bildeten die Gefechte in Kargil 1999. Derzeit gibt es wieder aktive diplomatische Bemühungen zwischen Indien und Pakistan, wie der Besuch des indischen Außenministers in Pakistan dokumentiert.
Vier Jahrzehnte lang war die indische Außenpolitik durch das Engagement in der Bewegung der blockfreien Staaten und das „besondere Freundschaftsverhältnis“ mit der Sowjetunion geprägt. Dies wurde insbesondere durch Jawaharlal Nehru begründet. Das Ende des Kalten Krieges brachte für Indien eine Neuorientierung mit sich. Die historisch eher schwierigen Beziehungen zu den USA verbesserten sich seit dem Besuch Bill Clintons in Indien im März 2000. Die USA bemühten sich nun stärker um Indien als strategischen Partner. Hinsichtlich des Kaschmirkonflikts stützten die USA nun stärker die Haltung Indiens. Nach dem 11. September 2001 stellte sich Indien ohne Einschränkung auf die Seite der USA.
Soziale Probleme
Kaschmirkonflikt
Laut Angaben der Weltbank haben heute 44 Prozent der Einwohner Indiens weniger als einen Dollar pro Tag zur Verfügung. Über ein Viertel der Bevölkerung ist zu arm, um sich eine adäquate Ernährung zu leisten. Unzureichende Beratung in Fragen der reproduktiven Gesundheit hat zur Folge, dass die Zahl der HIV-Infizierten rapide steigt (derzeit 3,73 Fälle pro 1000 Einwohner). Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten bis 2010 allein in Indien über zehn Millionen Menschen an der Immunschwächekrankheit leiden.
Ein seit der Gründung Indiens schwelendes Problem ist der Hindu-Moslem-Konflikt. Bereits bei der Teilung Indiens 1947 und beim Bangladesch-Krieg 1971 kam es zu massiven Ausschreitungen. Religiöse Unruhen brechen in Indien in gewissen Zeitabständen immer wieder aus. Die letzten Unruhen fanden 2002 in Gujarat statt, als 59 Hindu-Aktivisten (kar sevaks) in einem Zug verbrannt wurden. Infolge der eskalierenden Gewalt kamen ca. 2000 Menschen um, hauptsächlich Moslems.
Auch bei anderen Religionen traten Konflikte auf. Bei den Anti-Sikh-Krawallen im Jahre 1984 - ausgelöst durch die Ermordung Indira Gandhis durch ihre eigenen Sikh-Leibwächter - wurden mehr als 3000 Sikhs getötet. Die politische Situation in Kashmir kostete seit 1989 aufgrund der Aktivitäten von Terroristen über 29.000 Zivilpersonen das Leben.
Ungefähr 16,2 Prozent der indischen Bevölkerung werden zu den sogenannten Unberührbaren (scheduled castes) gerechnet, 8,2 Prozent zählen zur indischen Stammesbevölkerung (scheduled tribes). Die indische Verfassung sieht eine Förderung der unberührbaren Kasten in Form von Quoten vor.
Über diese "positive Diskriminierung" werden in Universitäten und berufsbildenden Institutionen bis zu 50% der Plätze für die "scheduled castes" (Angehörige der unteren Kasten) reserviert.
Verwaltungsgliederung
Indien ist ein Mitglied im Commonwealth of Nations und ist in 28 Bundesstaaten (states) und sieben Unionsterritorien (union territories, einschließlich des Territoriums der Hauptstadt) gegliedert, die sich in insgesamt 593 Bezirke (districts) unterteilen.
Vor der Unabhängigkeit umfasste Indien sowohl selbständige Fürstentümer unter britischer Aufsicht als auch britische Provinzen, die von britischen Kolonialverwaltern regiert wurden. Nach der Unabhängigkeit wurden die ehemaligen Fürstentümer von einem ernannten Gouverneur, die ehemaligen Provinzen jedoch von einem gewählten Parlament und einem gewählten Gouverneur regiert. Im Jahre 1956 beseitigte der States Reorganization Act die Unterschiede zwischen ehemaligen Provinzen und Fürstentümern und schuf einheitliche Bundesstaaten mit einer gewählten Regionalregierung. Bei der Neuordnung der Bundesstaaten wurde die jeweilige Muttersprache der Bewohner als Grundlage der Grenzziehung verwendet. Am 1. Mai 1960 wurde der bisherige Staat Bombay in die neuen ethnischen Staaten Gujarat und Maharashtra aufgeteilt. 2000 entstanden drei neue Bundesstaaten: Jharkhand aus den südlichen Teilen von Bihar, Chhattisgarh aus den östlichen Teilen von Madhya Pradesh, and Uttaranchal aus dem nordwestlichen Teil von Uttar Pradesh.
Siehe auch Hauptartikel
- Indische Staaten (Basisdaten) (alle Staaten und Territorien mit Fläche, Einwohnerzahl und Bevölkerungsdichte)
- Indische Staaten (mehrsprachig) (alle Staaten und Territorien mit Bezeichnung deutsch, englisch, Hindi und in der regionalen Sprache)
Bundesstaaten
Indische Staaten (mehrsprachig)
# Andhra Pradesh
# Arunachal Pradesh
# Assam
# Bihar
# Chhattisgarh
# Goa
# Gujarat
# Haryana
# Himachal Pradesh
# Jammu und Kashmir
# Jharkhand
# Karnataka
# Kerala
# Madhya Pradesh
# Maharashtra
# Manipur
# Meghalaya
# Mizoram
# Nagaland (Naga Pradesh)
# Orissa
# Punjab
# Rajasthan
# Sikkim
# Tamil Nadu
# Tripura
# Uttaranchal
# Uttar Pradesh
# Westbengalen (West Bengal)
Unionsterritorien
- Andamanen und Nikobaren - A
- Chandigarh - B
- Dadra und Nagar Haveli - C
- Daman und Diu - D
- Delhi - G
- Lakkadiven (Lakshadweep) - E
- Pondicherry - F
Pondicherry]
Städte
Hauptstadt Indiens ist Neu-Delhi in unmittelbarer Nähe zu Delhi, das mit rund 11 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes darstellt. Delhi ist kultureller Mittelpunkt der hindisprachigen Gemeinschaft des Nordens. Indiens größte Stadt und wirtschaftliches Zentrum ist jedoch Mumbai (früher Bombay). Die Metropole an der Westküste zählt fast 17 Millionen Einwohner. An dritter Stelle folgt Bangalore. In der 5-Millionen-Stadt im südlichen Dekkan-Hochland sind zahlreiche Hochtechnologiefirmen angesiedelt, was ihr den Beinamen „Silicon Valley Indiens“ eingebracht hat. Kolkata (Kalkutta), die wichtigste Metropole des Ostens, liegt mit 4,6 Millionen Menschen an vierter Stelle. Es gilt als intellektuelles Zentrum. Chennai (ehemals Madras), die mit 4,3 Millionen Einwohnern fünftgrößte Stadt Indiens, ist als kultureller Mittelpunkt Südindiens und insbesondere der Tamilen bekannt.
Siehe auch: Liste der Städte in Indien
Wirtschaft
Hauptartikel: Wirtschaft Indiens
Wirtschaft Indiens
Indien ist eine gelenkte Volkswirtschaft, die in den letzten Jahren zunehmend dereguliert und privatisiert wurde. Seither erlebt das Land ein großes Wachstum und profitiert besonders von der Globalisierung. Es zählt jedoch weiterhin zu den Entwicklungsländern.
Die indische Wirtschaft umfasst sowohl traditionell bäuerliche Betriebe, moderne Agrarbetriebe, Handwerksbetriebe und moderne Industrie, als auch eine breite Palette von Dienstleistungsunternehmen. Etwa zwei Drittel der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft. Sie profitieren nur selten direkt vom Hightechboom in den Metropolen. Somit herrscht ein großes Einkommensgefälle zwischen bäuerlicher Landbevölkerung und hochqualifizierten, städtischen Fachkräften.
Die größten Wachstumssektoren sind die durch Outsourcing, insbesondere amerikanischer Unternehmen, prosperierenden Bereiche Hard- und Softwareherstellung, Call-Center, das Verlags- und das Gesundheitswesen (Zahnbehandlung, plastische Chirurgie etc).
Nach Schätzungen sind mehr als 200 000 Dienstleistungsjobs aus aller Welt schon nach Indien verlagert: demnach werden die Aufträge bis 2010 einen Umfang von 1,1 Milliarden Dollar haben.
Indiens internationale Zahlungsfähigkeit blieb 2001 stabil, was sich in leicht sinkenden Devisenkursen und angemessenen Reserven an Auslandswährungen widerspiegelt. Das Wachstum des Produktionsoutputs hat sich verlangsamt und die Kürzung der Stromzufuhr in manchen Regionen dauert weiter an. Schlechte Straßen und unzureichende Wasserversorgung sind an der Tagesordnung und bremsen die Wirtschaftsentwicklungen massiv.
Indien ist ein wichtiger Exporteur von Rohstoffen und Fertigprodukten, aber auch Arbeitskräften. Aus Indien kommen Softwareprodukte und Programmierer; es verfügt über eine große Zahl gut ausgebildeter Fachkräfte. Die wichtigsten Exportgüter sind Textilien, Chemikalien, Edelsteine, Juwelen (Schmuck) und Lederwaren. Indien importiert vor allem Rohöl, Maschinen, Diamanten, Dünger und Chemikalien.
Das Haushaltsdefizit betrug im Jahr 2004 4,4 % vom Bruttoinlandsprodukt gegenüber 4,8 % im Jahr zuvor.
Infrastruktur und Umwelt
2001 verfügten 55,8 % der indischen Haushalte über einen Stromanschluss (im ländlichen Bereich 43,5 %, in den Städten 87,6 %). Häufige Stromausfälle beeinträchtigen jedoch immer wieder die Verfügbarkeit von Elektrizität. Der gegenwärtige Stromverbrauch von 560 kWh pro Einwohner gehört zu den niedrigsten der Welt. Die Hälfte des Energiebedarfs wird von Kohle, ein Viertel von Erdöl, -gas und Wasserkraft, ein Fünftel von Viehdung, Feuerholz u.a. und ein Zwanzigstel von Kernenergie geliefert. Indien verfügt über 15 Kernreaktoren; acht weitere sind im Bau. Da Indien den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet hat, sind europäische und amerikanische Firmen an den Bauarbeiten nicht beteiligt.
Die unzureichenden technischen Anlagen in Fabriken führen immer wieder zu Beeinträchtigungen. In Bhopal traten 1984 in der Pestizidfabrik der amerikanischen Union Carbide Corporation (UCC) giftige Gase aus. Innerhalb von Tagen verstarben 7.000 Menschen. 15.000 weitere starben im Laufe der Jahre an den Folgen, während Tausende unter chronischen und lähmenden Krankheiten litten. 20 Jahre nach dem Vorfall ist das Gelände noch immer nicht bereinigt, die von der UCC zugesagten Schadenszahlungen wurden nie vollständig ausbezahlt.
Nur 16 Prozent der Einwohner Indiens haben Zugang zu sanitären Anlagen und verschmutztes und verseuchtes Wasser ist eine der Hauptursachen für viele Infektionskrankheiten. Die Wasserknappheit gehört schon jetzt zu den größten Problemen des Landes. Die Versorgungslage in den ländlichen Gebieten hat sich zwar seit Anfang der 1980er Jahre verbessert, doch nur wenige Haushalte verfügen über eine Abwasserentsorgung.
Die Luftverschmutzung ist inbesondere in den indischen Metropolen bedenklich. Der hohe Gehalt an Feinstaub stellt das größte Problem dar. Die Ursachen liegen sowohl in Fabrikanlagen, Kleinindustrie und Verkehr als auch in den privaten Haushalten. Kolkata war die erste Stadt, die 1984 ein U-Bahnnetz in Betrieb nahm, Neu-Delhi war 2002 die zweite. Mumbai und Chennai verfügen über ein vergleichweise gut ausgebautes Zugnetz. Die öffentliche Busse, Autorikshas und privaten PKWs tragen jedoch nach wie vor zur Luftverschmutzung der Städte bei (wenngleich die PKW-Nutzung mit 7,61 PKW pro 1000 Einwohner gering erscheint).
Telekommunikation
Die Verbreitung von Telekommunikation und Computern ist in Indien auch heute noch von einem starken Stadt-Land-Gefälle geprägt.
Häufig sieht man in den Straßen ein so genanntes "Public Call Office" (PCO). Dies sind öffentliche Telefone, die in der Regel an einem kleinen Straßenstand betrieben werden. Dabei handelt es sich meist nicht um einen Münzfernsprecher, sondern um ein normales Telefon, für dessen Benutzung persönlich kassiert wird. Von den üblichen PCO sind nur nationale Gespräche (STD) möglich, weshalb für internationale Gespräche (ISD) besondere, internationale PCO's aufgesucht werden müssen.
Quelle: www.welt-in-zahlen.de
Kultur
Autoriksha
Hauptartikel: Indische Kultur
Die indische Kultur war prägend für den gesamten Raum Südasien und Südostasien und umfasst unter anderem die indische Küche, die indische Kleidung, die indische Musik, den indischen Tanz (u.A. Bhangra), die indische Philosophie und Religionen wie den Hinduismus und Buddhismus.
Im indischen Film gibt es neben den kommerziellen Großproduktionen (Bollywood/Kollywood) eine reiche Tradition des Autorenkinos. Wegen der Vielzahl der Sprachen gibt es nicht "die" indische Literatur sondern eine Vielzahl indischer Literaturen.
Literatur: Arundhati Roy, Salman Rushdie, Amitav Ghosh, Rabindranath Tagore
Indische Kleidung und Schmuck: Sari, Bindi, Mehndi
Indische Musikinstrumente: Sitar, Tabla, Sarod, Tanpura
Indische Feste: Divali, Holi, Raksha Bandhan, Pongal, Ganesh-Chaturthi
Architektur in Indien: Taj Mahal, Mahabalipuram, Fatehpur Sikri, Hampi
Siehe auch: bedeutende Persönlichkeiten Indiens
Sport
Viele der in Indien ausgeübten Sportarten haben ihren Ursprung in England und haben sich während der britischen Kolonialherrschaft verbreitet. Das englische Cricket ist die mit Abstand beliebteste Sportart, es wird in Indien sogar mittlerweile besser gespielt als im Ursprungsland, die zweitbeliebteste Sportart ist Hockey. Der 28-jährige [http://www.narainracing.com/index.php Narain Karthikeyan] aus Chennai ist seit 2005 Indiens erster Formel-1-Pilot.
Siehe auch: Polo, Carrom, Kabaddi
Yoga
Hauptartikel Yoga
Die Körperstellungen (Asanas) des ca. 2.000 Jahre alten Yoga sind der im Westen bekannteste Teil des Yoga (vgl. Hatha Yoga). Autogenes Training und andere verwandte Übungsarten sind daraus abgeleitet. Yoga bereitet Meditation vor und ergänzt Religionen, obwohl es selbst keine ist. Beispiel: Der Sonnengruß (auch Sonnengebet), ist eine dynamische Abfolge von Bewegungen, die auch der symbolischen indischen Sonnenanbetung (Surya) entspricht. Asanas und Ayurveda sind ein Bestandeil alter indischer Praktiken, die weitaus mehr als westliche die ganzheitliche Gesundheit und spirituelle Erfahrung einschließen.
Fußnoten
1 [http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/ CIA World Factbook, Juli 2005]
Literatur
- Import / Export. Wege des Kulturtransfers zwischen Indien und Deutschland / Österreich, Herausgegeben von Wenner, Dorothee / Schneider, Alexandra / Dutta, Madhusree / Fitz, Angelika / Kröger, Merle, Parthas Verlag 2005, ISBN 3-86601-910-6
- Paul R. Brass, The Politics of India Since Independence, Cambridge University Press 1994
- Paul R. Brass, The Production of Hindu-Muslim Violence in Contemporary India, University of Washington Press, 2003
- Maria Mies, Indische Frauen zwischen Unterdrückung und Befreiung, Frankfurt am Main: Syndikat 1986
- Yves Thoraval, The Cinemas of India (1896-2000), Macmillan 2000
- Dietmar Rothermund: Indien: Kultur, Geschichte, Politik, Wirtschaft, Umwelt - ein Handbuch, München: Verlag C.H.Beck, 1995
Weblinks
- [http://www.indischebotschaft.de/German/ghomepge.htm Netzpräsenz der Indischen Botschaft Berlin]
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?land_id=60 Länder- und Reiseinformationen] des Auswärtiges Amtes
- [http://www.indien-abenteuer-reisen.de Informationen über Indien]
- [http://www.Kultur-in-Asien.de/Indien/seite239.htm Indische Kultur: Kunst, Religion, Kult, Feste, Kalender, Architektur, Geschichte, Reiseberichte (von Dr. Bernhard Peter)]
- [http://www.indien-aktuell.de Forum für Indieninteressierte]
- [http://www.asien-auf-einen-blick.de/indien/index.php Indien auf einen Blick]
- [http://www.bpb.de/publikationen/2KZ7Q0,0,0,Glossar.html Indien] von der Bundeszentrale für politische Bildung (Navigation rechts unter der Abbildung des Titels)
- [http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/geos/in.html CIA World Fact Book - Indien]
- [http://www.censusindia.net/ Census of India, Demografische Daten]
- [http://www.suedasien.net/themen/konflikte/indo-pak.htm Suedasien.net, Indisch-pakistanischer Konflikt]
- [http://www.cpcb.nic.in./mcity/m2002.htm Luftverschmutzung in sieben indischen Metropolen]
- [http://www.welt-in-zahlen.de/laenderinformation.phtml?country=80 Die Welt in Zahlen: Indien]
- [http://www.destatis.de/download/d/veroe/laenderprofile/lp_indien.pdf Länderprofil Indien des Statistischen Bundesamts]
Kategorie:Indien
Kategorie:Staat
als:Indien
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Chinesische GeschichteChina gehört zu den ältesten Zivilisationen und Hochkulturen der Menschheit. Als Träger dieser Kultur und dominierende Volksgruppe haben sich in der Geschichte Chinas die Han-Chinesen etabliert. Schriftliche Aufzeichnungen über die chinesische Kultur reichen über 3.500 Jahre zurück. Im Mythos geht sie ursprünglich auf die drei Urkaiser zurück: Fu-Xi, Shen-Nong und schließlich der Gelbe Kaiser Huang-Di als eigentlicher Kulturschöpfer – ihnen voran gingen 16 irdische und eine Reihe himmlischer Kaiser. Historische Belege für die Existenz dieser Persönlichkeiten gibt es allerdings keine, sie sollen laut Überlieferung vor 5.000 bis 6.000 Jahren gelebt haben.
Für eine schematische zeitliche Übersicht siehe: Zeittafel der chinesischen Geschichte.
Vorgeschichte
Die frühesten menschlichen Funde auf dem Gebiet des heutigen China sind zwei Zähne und Steinwerkzeuge, die in der Provinz Yunnan gefunden wurden (Yuanmou-Menschen); sie werden auf 1,7 Millionen Jahre vor unserer Zeit datiert. Diese frühen Menschen waren Angehörige der Hominiden-Gattung Homo erectus. Auch die späteren Peking-Menschen, von denen zwei gut erhaltene Schädel gefunden wurden und die vor etwa 400.000 Jahren in der Nähe des heutigen Peking lebten, werden den Homo erectus Hominiden zugerechnet. Die zwei Schädel gingen jedoch in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verloren.
Der Homo sapiens, der anatomisch dem modernen Menschen entspricht, gelangte nach der Out-of-Africa-Theorie etwa vor 65.000 Jahren ins heutige Gebiet Chinas. Viele chinesische Wissenschafter bevorzugen aber die These, wonach sich der moderne Mensch weltweit gleichzeitig entwickelt habe.
Auffälligerweise wurden bei allen vorgeschichtlichen Funden relativ wenige Steinwerkzeuge gefunden. Es wird deshalb allgemein angenommen, dass in Asien das leichter zu bearbeitende, jedoch weniger haltbare Material Bambus für den Werkzeugbau verwendet wurde.
Archäologische Funde vor allem im Mittellauf des Gelben Flusses und des Yangtse zeigen, dass die Menschen vor etwa 8.000 Jahren Landwirtschaft betrieben, unter anderem bereits Reis und Hirse anbauten und Keramik herstellten. Die vor kurzem noch in der Fachwelt vorherrschende Ansicht, dass der mittlere Lauf des Gelben Flusses (Hoang-ho) das Kerngebiet der chinesischen Kultur sei, gerät angesichts der Ergebnisse neuer Ausgrabungen am mittleren und unteren Lauf des Yangtse zusehends unter Druck. Mittlerweile geht die Mehrheit der Fachwelt eher von einer multizentralen Entstehungsgeschichte aus.
Antike Geschichte
Hoang-ho
Vor etwa 4000 Jahren existierte die Xia-Dynastie, die angeblich auf den Kaiser Yu zurückgeht. Da es aus dieser Zeit kein direktes, schriftliches Zeugnis gibt und die späteren Berichte nicht besonders zuverlässig sind, wurden die Existenz dieser Dynastie und die der überlieferten Kaiser für lange Zeit von einigen Gelehrten bezweifelt. Die archäologischen Funde scheinen jedoch ihre Existenz zu bestätigen. Es handelte sich bei dieser Dynastie wahrscheinlich um eine Art Stammeszusammenschluss.
Noch zur Zeit der Xia-Dynastie (ab 1766 v. Chr.) soll das Volk der späteren Hunnen entstanden sein: Kia, das 17. Mitglied dieses Herrscherhauses, wurde durch eine blutige Rebellion entthront und zog sich mit einer kleinen Schar in die nördlichen Gebiete zurück.
Hunnen
Abgelöst wurde die Xia-Dynastie von der Shang-Dynastie (ca. 1570 - 1066 v. Chr., auch Yin genannt). Aus dieser Zeit stammen die ersten Funde von Schriftzeugnissen; es wurde bereits Bronze verarbeitet, Wälle gebaut und es gab Pferde-Streitwagen. Die Shang-Dynastie verfügte über eine gut ausgebaute Bürokratie. Zu ihrer stärksten Zeit reichte ihr Einfluss bereits über das gesamte Gebiet des mittleren und unteren Laufs des Gelben Flusses, bis in das Gebiet der heutigen Provinz Liaoning hinein und bis zum Lauf des Yangtse.
Funde legen nahe, dass es parallel weitere eigenständige Kulturen gab. Am bekanntesten sind die aus Gold, Bronze und Jade gefertigten Objekte, die bei Sanxingdui (Chengdu) gefunden wurden.
Chengdu
Die Zhou-Dynastie (1045 - 221 v. Chr.) wird in die beiden Perioden Westliche Zhou-Dynastie und Östliche Zhou-Dynastie aufgeteilt. Letztere wiederum in die Zeit der Frühlings- und Herbstannalen und die Zeit der Streitenden Reiche. Während aus der ersten Periode nur späte Überlieferungen vorhanden sind, gibt es aus der Östlichen Zhou-Zeit viele zeitgenössische Dokumente. Die Zhou-Dynastie war wahrscheinlich ein Zusammenschluss verschiedener kleiner Stämme, die Kleinstaaten bildeten und deren Oberhaupt Zhou war. In der Östlichen Zhou-Zeit nannten sich nur die Zhou-Herrscher König (Wang 王), während sich die anderen Herrscher Gong (公, gewöhnlich als Herzog übersetzt) nannten. Erst in der Periode des Frühlings und des Herbstes begannen die übrigen Herrscher sich ebenfalls König zu nennen, was einen eindeutigen Hinweis auf den Autoritätsverlust der Zhou-Herrscher darstellt.
Ab der Zhou-Zeit ist es auch möglich, historischen Ereignissen eindeutige Jahreszahlen zuzuordnen. Durch den Machtverlust der Zhou-Herrscher fand gleichzeitig eine zunehmende Zentralisierung statt. Anfangs gab es etwa 170 kleine Königreiche, bei denen es zwar nur einen lockeren Zusammenhalt gab, die sich allerdings schon als ein Volk betrachteten - vor allem in Abgrenzung zu den 'Barbaren' der umliegenden Nomadenstämme.
Durch Kriege, Heirat und Diplomatie schlossen sich die Königreiche immer weiter zusammen. Zur Zeit der Periode der kämpfenden Staaten existierten nur noch sieben Königreiche. In jener Zeit wuchsen die Bevölkerungszahlen durch verbesserte landwirtschaftliche Anbaumethoden stark an. Es wurden Waffen aus Eisen benutzt. Die Zhou-Zeit war die Blütezeit der großen Philosophen Chinas.
Kaiserzeit
In den über 2000 Jahren des chinesischen Kaiserreichs wechseln sich Zeiten relativer Stabilität mit Einfällen nomadischer Völker (vor allem aus den nördlichen Regionen) und heftigen Verwerfungen zwischen den Dynastien ab, durch die es zu teils langandauernden Teilungen kam.
Die traditionelle chinesische Geschichtsschreibung legt großen Wert auf die Beschreibung der jeweiligen Hauptdynastien, während die Zeiten der Teilung eher vernachlässigt werden. Nachfolgend findet sich eine Auflistung aller Epochen mit jeweils einer kurzen Beschreibung. Die detaillierten Beschreibungen der jeweiligen Dynastien, Perioden oder Staaten finden sich im ausführlichen Artikel.
Qin-Dynastie (221 - 207 v. Chr.): Einigung des Reiches
Qin-Dynastie
Das Reich Qin war eines der sieben Königreiche am Ende der Zhou-Dynastie. Es verfügte über eine effektive Verwaltung und eine äußerst restriktive Gesetzgebung, die das Leben der Bauern regelte. Durch Intrigen erreichte der Kaufmann Lü Buwei, dass der Prinz Zhuangxiang die Thronfolge erlangte. Dieser ernannte Lü Buwei zum Kanzler.
Nach dem Tod des Prinzen wurde dessen Sohn Zhao Zheng neuer König. Er zeichnete sich durch eine besondere Brutalität aus. Es gab mehrere Attentate, die jedoch scheiterten. In mehreren Feldzügen unterwarf Zheng die anderen Reiche und führte dadurch 221 v. Chr. die Reichseinigung herbei. Er ließ sich als erster Kaiser krönen und nannte sich Qin Shi Huangdi - 'Erster Gottkaiser Qin'. In der Folge wurde eine Reihe von Reformen durchgeführt. Ganz China erhielt das effektive Verwaltungssystem des Reiches Qin. Außerdem wurden Maße und Gewichte standardisiert. Minister Li Si vereinheitlichte die Schrift.
Gegen die Nomadenstämme im Norden und Westen (Hsiung-nu u.a.) ließ er in Zwangsarbeit die große chinesische Mauer durch die Verbindung bereits bestehender Mauern der sieben Reiche errichten. Auch erste Kanäle für den Transport von Waren wurden gebaut.
210 v. Chr. starb Kaiser Qin Shi Huangdi. Er wurde in einer großen Anlage beigesetzt, die berühmte Terrakottaarmee ist eine seiner Grabbeigaben (und eine so "unbedeutende", dass sie in der Geschichtsschreibung nicht einmal Erwähnung fand!). Sein Grab ist bislang ungeöffnet; die bisherige Erkundung ergab, dass es bislang nicht von Grabräubern angetastet wurde. Kurz nach seinem Tod kam es unter seinem Sohn zu Aufständen der Bauern, die in einem Bürgerkrieg zur Gründung der Han-Dynastie führten.
Han-Dynastie (206 v. Chr. - 220 n. Chr.): Konsolidierung des Kaiserreichs
Han-Dynastie
Angesichts der desolaten Zustände im Land versuchten die ersten Han-Kaiser, die Lage durch niedrige Steuern und großzügige Landverteilung zu konsolidieren. Die erfolgreichen Maßnahmen machten die Han-Zeit zu einer Blütezeit der Kaiserperiode. In der Tat war die Han-Dynastie militärisch und wirtschaftlich so erfolgreich, dass man fortan das chinesische Volk auch als Han-Chinesen bezeichnete.
So fällt in ihre Regierungszeit die Angliederung der Volksgruppen im heutigen Südchina (111 v. Chr. Eroberung von Kanton). Mit der Unterwerfung der Kleinstaaten entlang der Seidenstraße entstand eine, allerdings nicht direkte, Handelsbeziehung mit dem Römischen Reich. Gleichzeitig erreichte der Buddhismus auf diesem Weg China.
Zur Staatsphilosophie erhoben die Han-Kaiser jedoch den Konfuzianismus. Er sollte in dieser Funktion in den nächsten zwei Jahrtausenden Gültigkeit behalten.
Die Usurpation des Kaiserthrons durch Wang Mang (8 n. Chr. bis 25 n. Chr) beendete die sogenannte Westliche Han-Dynastie. Ihr folgte die Östliche Han-Dynastie. Die Herrschaft des letzten Han-Kaisers schließlich wurde vor allem durch innere Machtkämpfe im Kaiserhaus und das Erstarken regionaler Militärmachthaber geschwächt. Der Aufstand der Gelben Turbane, angeführt von einer Sekte des Taoismus, stürzte das Land vollends ins Chaos.
Die Drei Königreiche (220 - 280 n. Chr.): Kampf um das Han-Erbe
Die Drei Königreiche
Schon lange bevor der letzte Han-Kaiser abgesetzt wurde, war er zu einem Machtinstrument ambitionierter Warlords, die ihn gefangen hielten, verkommen. Der Staat war in Teile zerbrochen, mit regionalen Kriegsfürsten, die kurzzeitig Bündnisse untereinander eingingen, nur um kurze Zeit später wieder gegeneinander zu kämpfen.
Im Jahre 220, als der letzte Han-Kaiser abtreten musste, hatten sich drei regionale Mächte aus diesen Kämpfen herauskristallisiert: Cao Caos Wei kontrollierten das chinesische Kernland am mittleren und unteren Lauf des Gelben Flusses. Shu (Kanzler Zhuge Liang) hatte sich in der schwer zugänglichen Kesselprovinz Sichuan eingeigelt. Die Wu-Dynastie schließlich kontrollierte das fruchtbare Land südlich des Yangtse und konnte den Strom als natürliche Grenze gegen die starken Wei behaupten.
Durch den sehr populären Roman "Die Geschichte der drei Königreiche" sowie unzählige Theaterstücke sind viele Geschichten und Helden aus dieser Epoche unter den Chinesen so bekannt wie Adam und Eva in der westlichen Welt. Einige der Helden wurden sogar als Götter verehrt oder von späteren Kaisern zu Gottkaisern erhoben.
Beendet wurde diese Zwischenzeit von Sima Yan, einem General der Wei. Er setzte den letzten Wei-Kaiser ab, nahm selbst seinen Platz ein und begründete so die Dynastie der Jin. Die Schwäche der anderen beiden Reiche erlaubte es ihm, das Land nach 60jähriger Teilung und einer noch längeren Zeit der Unruhe wieder zu einen.
Jin-Dynastie (265 - 420): Die kurze Vereinigung
Jin-Dynastie
Die Jin-Dynastie wurde nach kurzer Zeit von inneren Machtkämpfen erschüttert, als zwischen den Brüdern des Kaisers bewaffnete Auseinandersetzungen ausbrachen. Diese Schwäche konnten die Nomaden aus dem Norden (Hsiung-nu) ausnutzen. Mit der Gefangennahme und Hinrichtung des Jin-Kaisers endete die Westliche Jin-Dynastie. Ein Verwandter des Kaisers flüchtete ins heutige Nanjing und gründete die östliche Jin-Dynastie, während das alte chinesische Kernland ins Chaos abdriftete. Die eingefallenen Nomaden konnten keine stabile Regierung errichten, so lösten sich sechs Königreiche in schneller Folge ab.
Am Ende der Jin-Dynastie hatten sich zwei Machtblöcke etabliert: Am Lauf des Gelben Flusses die fremde Nördliche Dynastie und entlang des Yangtse eine nationalchinesische südliche Dynastie. Beide Machtblöcke kämpften in wechselnder Intensivität um das ganze Land, keiner von beiden konnte es jedoch einen.
Als Ergebnis dieser Kämpfe stieg die Macht der Militärbefehlshaber beständig. Im Süden lösten einander innerhalb von knapp 150 Jahren vier Dynastien ab. Alle Wechsel folgten demselben Muster: der Militärbefehlshaber setzte den jeweils herrschenden Kaiser ab und sich selbst an seiner Stelle ein. Im Norden konnten sich dagegen die Nördlichen Wei über längere Zeit behaupten, ihr Reich zerfiel aber schließlich in zwei Teile.
In dieser Periode der Unruhe erlebte eine fremde Religion ihre erste Blütezeit: der Buddhismus verbreitete sich in China. Im Norden waren einige Königreiche sogar dazu übergegangen, ihn als Staatsreligion zu installieren. Auch stammen viele Klöster aus dieser Zeit.
Sui-Dynastie (589-618): Ein kurzes Intermezzo
Sui-Dynastie
Die kurzlebige Sui-Dynastie stellte eine Vereinigung des Landes nach einer fast 300-jährigen Teilung dar. Allerdings führten hohe Steuern und schwere Fronarbeiten, die der Sui-Kaiser den Bauern auferlegte, schnell zu Aufständen, die den Weg für die Tang-Dynastie ebneten. Diese profitierte von Reformen und Bauvorhaben der Sui. Das beste Beispiel hierfür ist der Kaiserkanal, der unter dem Sui-Kaiser Wen Di (581-604) begonnen wurde und bis heute das Yangtse-Delta mit Nordchina verbindet.
Tang-Dynastie (618-907): Der Höhepunkt der Kaiserzeit
Tang-Dynastie
Wie die Han-Dynastie stellt die Tang-Dynastie einen Höhepunkt der chinesischen Kaiserzeit dar. Die Chinatowns in amerikanischen Städten heißen auf Chinesisch Tang-Ren-Jie (Straßen der Tang-Menschen). Auch wenn die Glorifizierung durch die spätere Geschichtsschreibung nicht immer zutrifft - so stellte zum Beispiel die Heirat der Tang-Prinzessin Wen Cheng mit dem Herrscher von Tibet keineswegs einen Akt der Souveränität, sondern eher eine Beschwichtigungspolitik dar - so blieben die ersten 150 Jahre der Tang-Zeit eine friedliche und prosperierende Zeit. Die klassischen fünfsilbigen und siebensilbigen Gedichte erreichten ihre Blütezeit (Dichter Li Bai), auch der Handel mit dem Westen über die Seidenstraße florierte. Das Christentum erreichte zum ersten Mal China. Auch nach Japan und Korea pflegte man intensive Beziehungen. Über den Seeweg erreichte der Zen-Buddhismus Japan.
Eine Schwäche der Tang-Dynastie waren ihre inneren Machtkämpfe. So konnte die einzige Kaiserin in der chinesischen Geschichte, Kaiserin Wu Zetian (reg. 690-705) mit Intrigen und sehr brutalen Methoden an die Macht kommen. Auch der Rebell An Lushan war ein Adoptivsohn des Kaisers. Die Rebellion von An Lushan (756-763) stürzte Tang-China ins Chaos und schwächte die Dynastie auf Dauer.
Der 907 an die Macht geputschte Kaiser der Späteren Liang-Dynastie konnte jedoch keineswegs die Situation kontrollieren. Nicht nur dass bereits sein Sohn von einem neuen Putsch gestürzt wurde, auch hatten sich überall in den fernen Provinzen regionale Militärführer eigenständig gemacht. Innerhalb von knapp 50 Jahren wechselten sich in rascher Folge fünf Dynastien in der Hauptstadt ab.
Westliche Xia-Dynastie
Der Song-Dynastie (960-1279) gelang zunächst die weitgehende Wiedervereinigung Chinas nach einer 53-jährigen Periode innerer Kämpfe (Fünf Dynastien). Als Lehre aus dem Untergang der Tang-Dynastie wurde die Armee unter ein ziviles Oberkommando gestellt. Das ganze Reich, das die chinesischen Kernprovinzen umfasste, war mit Polizeistationen und Ämtern überzogen, die die Zentralmacht des Kaisers sicherstellten. Es wurde Papiergeld ausgegeben und der Seehandel gewann an Bedeutung. Die Song-Dynastie war, nicht zuletzt weil Erfinder vom Staat entlohnt wurden, eine Zeit der kulturellen Blüte und Erfindungen (um 1100 gab es große Eisengießereien, die etwa 150.000 t Eisen und Stahl erzeugten).
Die in der Song-Zeit zu ihrer Blüte entwickelte Gedichtform Ci durchbrach die einheitliche Silbenzahl der Tang-Gedichte, führte Rhythmik in den Vortrag ein und wirkte viel lebhafter und intensiver.
Ein radikalprogressiver Reformversuch des Wang An-schi, um die ungerechte Landverteilung und das korrupte Beamtensystem zu mildern, scheiterte am Widerstand der lokalen Beamten, die sich benachteiligt sahen (1069-85).
Militärisch war die Song-Dynastie eine unentschlossene Dynastie. Nicht nur dass sie den Selbstständigkeitsbestrebungen an ihren Grenzen (Tangutenreich, Nanchao) nichts entgegen zu setzen hatte, bedingt durch das zivile Oberkommando konnte die Nördliche Song-Dynastie auch nichts Wirksames gegen die Liao- und später die Jin-Dynastie in Nordchina unternehmen, so dass im Jahr 1126 die Hauptstadt Kaifeng fiel und der Kaiser Hui-tsung gefangen genommen wurde. Die von einem Verwandten des Kaisers gegründete Südliche Song-Dynastie konnte sich durch den Yangtse als natürliche Grenze und durch eine Beschwichtigungspolitik annähernd weitere 150 Jahre halten.
Obwohl China schon früher öfter von nördlichen Völkern regiert wurde, bildete sich in der Song-Zeit erstmals Nationalbewusstsein. Der Grund dafür lag wahrscheinlich in der Diskriminierungspolitik der Liao- und der Jin-Herrscher, die die Han-Chinesen im eroberten Nordchina zu Menschen zweiter Klasse degradierten. An dieser Stelle tauchte zum ersten Mal in der chinesischen Geschichte der Begriff Nationalhelden (zum Beispiel Yo-Fei) auf.
Yuan-Dynastie (1261 - 1368): Die Mongolen-Herrschaft
Yuan-Dynastie
Dem mongolischen Heer, das den eurasischen Kontinent überrollte, fiel zuerst die Jin-Dynastie zum Opfer, wenig später die Westliche Xia-Dynastie und zum Schluss die Südlichen Song. Kublai Khan errichtete in China die Yuan-Dynastie. Die Yuan-Herrscher setzten die Politik der Rassentrennung fort, was dazu führte, dass sie in China nie richtig akzeptiert wurden. Von der traditionellen Geschichtsschreibung wurden die Yuan-Dynastie und ihre Herrscher allgemein sehr abschätzig beurteilt. Dessen ungeachtet erlebte der Handel mit Zentralasien und darüber hinaus eine Zeit der Blüte. Marco Polo gelangte über die Seidenstraße nach China. Den Plan einer Eroberung Japans machte ein Taifun zunichte.
Ming-Dynastie (1368 - 1644): Ein Land schottete sich ab
Ming-Dynastie
Das chinesische Volk war mit der Fremdherrschaft unzufrieden. Dies führte schließlich zu einer Bauernrevolte (Rote Turbane), durch die die Mongolen zurückgedrängt wurden. Die Ming-Dynastie übernahm 1368 die Herrschaft. China blühte wieder auf. Kunst und Kunsthandwerk, insbesondere die Porzellan-Herstellung (Ming-Vasen), erreichten neue Höhen.
Gründer der Dynastie war Zhu Yuanzhang (Hong Wu). Er legte - nicht zuletzt wohl aufgrund seiner bäuerlichen Abstammung - besonderen Wert auf die Landwirtschaft. Große Latifundien wurden vom Staat konfisziert, aufgeteilt und an Kleinbauern verpachtet. Private Sklaverei wurde verboten. Die Rolle des Kaisers wurde noch autokratischer. Fremde Kaufleute unterlagen den gleichen Restriktionen wie einheimische.
Während der Mongolenherrschaft hatte die Bevölkerung um 40 Prozent auf etwa 60 Millionen abgenommen. Zwei Jahrhunderte später hatte sie sich unter den Ming-Kaisern verdoppelt. Die Urbanisierung nahm zu. Große Städte wie Nanking und Peking trugen zum Wachstum des Handwerks bei.
Die Anfangszeit der Ming-Dynastie war eine Epoche besonderer seefahrerischer Leistungen unter Kaiser Zhu Di und seinem Admiral Zheng He, die China zur technologisch und nautisch führenden Seenation der damaligen Welt machten.
Die späteren Ming-Kaiser nahmen eine defensive Strategie ein. Gegen das aufkommende Piratentum an der Küste und die Emigration nach Südostasien verfügten sie ein Seeverbot, Schiffe durften nur noch einen Mast haben. Um sich gegen die Mongolen zu schützen, ließen sie die Große Mauer reparieren und auf den heutigen Stand bringen. Selbst im Land ließen sie mächtige Schutzwälle um die Städte aufziehen.
Gleichwohl legten die Reisen Zheng Hes den Grundstein für die folgende Besiedlung Südostasiens durch Chinesen und für weiteren Handel über See. 1550 wurde das Seefahrtsverbot (Hai jin) wieder gelockert.
Während der Ming-Zeit wurde der erste westliche Handelsposten von den Portugiesen in Macao eröffnet.
Nach innen errichteten die Ming-Kaiser ein in der chinesischen Geschichte beispielloses Netzwerk von Geheimdiensten, bald angeführt von mächtigen Eunuchen. Als der letzte Ming-Kaiser Chongzhen an die Macht kam, versuchte er, die Macht der Eunuchen zu beschneiden und durch eine Landreform die Not der Landbevölkerung zu lindern. Dennoch kamen die Maßnahmen zu spät. Als in der Provinz Shaanxi die Bauern rebellierten, war die Situation nicht mehr unter Kontrolle zu bringen. Der Kaiser erhängte sich, als die Aufständischen in Peking einmaschierten.
Der General Wu Sangui, der die Chinesische Mauer nordöstlich von Peking bewachen sollte, rief die Mandschu zu Hilfe und öffnete die Tore der Mauer für die Qing-Armeen.
Qing-Dynastie oder Mandschu-Dynastie (1644 - 1911): Die letzte Dynastie
Qing-Dynastie
Qing-Dynastie
Die Mandschu gründeten nach dem Sturz der Ming-Dynastie 1644 die letzte chinesische Dynastie. Bis Ende des Jahrhunderts hatten sie ihre Macht im ganzen Territorium, das die Ming beherrscht hatten, konsolidiert und mit erheblichem Aufwand um Xinjiang, Tibet und die Mongolei erweitert. Der Schlüssel zum Erfolg war die Kombination aus kriegerischer Begabung der Mandschu und chinesischer Verwaltung.
Unter den Qing wurden einige herausragende kulturelle Leistungen vollbracht. Unter Kaiser Kangxi wurde das größte Wörterbuch zusammengestellt, und unter Kaiser Qianlong wurde ein Lexikon aller wichtigen kulturellen Arbeiten geschrieben. Das berühmte Buch "Der Traum der roten Kammer" stammt ebenfalls aus dieser Periode. Die Fortschritte in der Landwirtschaft ermöglichten zwischen 1700 und 1800 eine Verdoppelung der Bevölkerung von 180 Millionen auf 400 Millionen. 1759 erreichte das Chinesische Reich mit 11,5 Millionen km2 die maximale Ausdehung in seiner gesamten Geschichte und war somit deutlich größer als heute.
Trotzdem ist es eine verbreitete historische Ansicht, dass die Qing den Niedergang der Ming nur fortgesetzt haben. Um ihre Herrschaft zu festigen, setzten die frühen Qing-Kaiser gezielt Intellektuelle unter Druck. Grausame Strafen wie zum Beispiel die Vernichtung des gesamten Hauses wurden bereits wegen Verwendung bestimmter Wörter verhängt. Im 19. Jahrhundert erlebte China massive soziale Spannungen. Eine Folge von Naturkatastrophen in Verbindung mit vermehrtem Druck der Europäer (vor allem Englands), die Wirtschaft in den entstehenden Weltmarkt zu integrieren, führte zur Verarmung der Massen.
Der Versuch, sich gegen das zunehmend übermächtige Ausland und seine Freihandelspolitik abzuschotten, schlug fehl. Großbritannien setzte im Ersten Opiumkrieg und im Zweiten Opiumkrieg das Recht durch, mit Opium handeln zu dürfen. China musste weitere "Konzessionen" an ausländische Mächte abgeben und im Vertrag von Nanking 1842 Hongkong sowie weitere Vertragshäfen an Großbritannien abtreten.
Der Taiping-Aufstand und Nian-Aufstand sowie von Russland unterstützte islamische und separatistische Bestrebungen in der Mongolei und Xinjiang brachten die Qing-Dynastie in Bedrängnis und konnten teilweise nur mit ausländischer militärischer Hilfe niedergeschlagen werden. Damit geriet China mehr und mehr auf das Niveau einer Kolonie. Das über zwei Jahrtausende andauernde Kaisertum war in einer schweren Krise: Die konfuzianische Herrschaft stützt sich vor allem auf das Ansehen des Kaisers - die letzten Kaiser der Qing-Dynastie mussten zu viele Gesichtsverluste hinnehmen und büßten erheblich an Prestige ein. Vor allem in den letzten Jahren des ausgehenden 19. Jahrhundert kam es zu einer Demütigung Chinas nach der anderen: 1895 die Niederlage gegen Japan, der außer Kontrolle geratene Boxeraufstand 1900 und das mit ihm verbundene Boxerprotokoll von 1901. Die Qing-Dynastie war Anfang des 20. Jahrhunderts am Ende und musste dem Ruf nach Reformen nachgeben.
Zwar versuchten die Qing-Kaiser zunächst noch mit Modernisierungsbestrebungen gegenzusteuern, zum Beispiel mit der so genannten Kampagne zur Selbststärkung. Konservative Kräfte, allen voran Kaiserinwitwe Cixi vereitelten das, indem sie 1898 einen Militärputsch anzettelten und die Reformer ihrer Ämter enthoben (beispielsweise den Kaiser Guangxu, siehe auch: Hundert-Tage-Reform). Korruption lähmte die Armee; so wurden die modernisierten Truppen in mehreren Kriegen vernichtend geschlagen.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lag die Qing-Dynastie in Trümmern. Im Land hatten sich zwei Oppositionsbewegungen gegründet: zum einen die Gemäßigten, die eine Reform des Kaisertums hin zu einer konstitutionellen Monarchie im Sinn hatten, zum anderen die Revolutionäre, die das Kaisertum endgültig beseitigen und China zu einer Republik machen wollten.
Republik China und letztes Kaiserreich (1912 - 1949)
Die Monarchie geht zu Ende
1911 kam es zum Ende der Qing-Dynastie und des letzten Kaisers, Pu Yi. Der General Yuan Shikai verhandelte einerseits mit den Revolutionären unter Sun Yatsen, der am 1. Januar 1912 die Republik China ausrief, andererseits setzte er das Kaiserhaus unter Druck. Um einen Bürgerkrieg und unnötiges Blutvergießen zu verhindern, verzichtete Sun auf das Präsidentenamt zugunsten Yuans, falls dieser die Dynastie kampflos zum Verzicht bewegen konnte.
Yuan Shikai war ein Mann der Tradition. Als bekannt wurde, dass er 1915 selbst den Kaiserthron besteigen wollte, rebellierten nicht nur die Provinzen, selbst seine eigenen Generäle versagten ihm die Unterstützung. Zutiefst enttäuscht und gekränkt starb Yuan kurz darauf am 6. Juni 1916. Für zwei Wochen wurde 1917 nochmals Pu Yi restauriert.
In der Folgezeit kam es zu diversen Aufständen. Die mächtige Beiyang(Peking) Armee von Yuan Shikai zerfiel in mehreren Fraktionen, die einander bekämpften (Nördliche Militaristen). Viele Südprovinzen erklärten sich für unabhängig. Sun Yatsen († 12. März 1925) versuchte, in Kanton eine eigene Machtbasis aufzubauen, um seine Ideale einer Republik wieder herzustellen (ab 1921).
Dies endete im chinesischen Bürgerkrieg.
Der erste Weltkrieg
1917 wurde China nach der Erklärung des U-Boot-Kriegs durch das Deutsche Reich in den Ersten Weltkrieg einbezogen, indem es den Mittelmächten Deutschland und Österreich-Ungarn den Krieg erklärte. China sandte jedoch keine Truppen auf den europäischen, kleinasiatischen oder afrikanischen Kriegsschauplatz. Die inneren Wirren hielten es davon ab und außerdem war Chinas einziges Motiv, überhaupt in den Krieg einzutreten, die Angst vor Japans harter imperialistischer Interessenspolitik. Im November 1914 hatten die Japaner kurz nach ihrem Eintritt in den Weltkrieg die deutsche Kolonie Kiautschou/Tsingtau an Chinas Küste eingenommen. Japan hatte nun Appetit auf neue Eroberungen bekommen. China wollte den Beistand der europäischen und amerikanischen Alliierten des Weltkriegs, um sein Territorium gegen Japan zu sichern - und diesen Beistand wollte es bekommen, indem es den Feinden der Alliierten den Krieg erklärte.
Japanische Expansion und Zweiter Weltkrieg
Alliierte
Japan eroberte 1931 die Mandschurei und errichtete dort 1932 den Marionettenstaat Mandschuko mit Pu Yi als Kaiser. 1937 setzten die Japaner die Eroberungen fort und es kam zum zweiten sino-japanischen Krieg. Der Krieg endete erst 1945 mit dem Ende des zweiten Weltkriegs. Im zweiten Weltkrieg hatte China die zweitgrösste Opferzahl von allen beteiligten Nationen (grösste Opferzahl hatte Russland) (siehe auch: Massaker von Nanking, Einheit 731). Der im Kampf gegen Japan ruhende Konflikt zwischen Kommunisten und Nationalisten flammte danach erneut auf. 1949 besiegten die Mannschaften Mao Zedongs endgültig die Kuomintang unter Chiang Kai-shek. Die Nationalisten flohen auf das erst kürzlich von Japan zurückgewonnene Taiwan, wo die Republik bis heute fortbesteht. Auf dem Festland wurde die Volksrepublik China gegründet.
Volksrepublik und Taiwan
Nach dem Sieg der Kommunistischen Partei über die Kuomintang im chinesischen Bürgerkrieg wurde am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China ausgerufen. Die neue Regierung übernahm schnell die Kontrolle über das jahrzehntelang von Kriegen heimgesuchte Land und formte einen Staat nach dem Vorbild der Sowjetunion.
Erfolge bei der Bekämpfung der Inflation und dem Wiederaufbau der Infrastruktur bescherten der kommunistischen Führung eine gewisse Popularität. Die darniederliegende Landwirtschaft wieder so weit aufgebaut, dass China sich selbst versorgen konnte. Maschinen, ja teilweise selbst einfachste Werkzeuge fehlten, der Wiederaufbau erfolgte mit bloßen Händen. Es war eine Zeit der großen Entbehrungen.
Unter dem Slogan "Lasst hundert Blumen blühen" wurden 1957 Vorschläge und Kritik von der Bevölkerung gefördert. Die chinesischen Intellektuellen nutzten die Gelegenheit und ließen die Tradition der chinesischen Beamten, den Staat frei zu kritisieren, wieder aufleben. Das wurde der kommunistischen Partei schnell zu viel und die gebildete Schicht wurde aufs Land umgesiedelt oder interniert.
Außenpolitisch kam es 1965 zum Bruch mit dem Verbündeten Moskau. Ohne den Ostblock war China nun plötzlich international isoliert.
Industrialisierung (ab 1958) und Kulturrevolution (1966 - 1976)
Im Versuch, schnell die Industrie- und Landwirtschaftsproduktion zu verbessern, wurde von Mao Zedong 1958 ein neues Wirtschaftsprogramm, der sogenannte Große Sprung Nach Vorn verkündet. Diese Politik der Bildung landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften, der Volkskommunen, und der Errichtung tausender industrieller Produktionsbetriebe auf dem Lande scheiterte. Der erzeugte Stahl war nur minderer Qualität und das Chaos der Umstrukturierung endete in einer Hungersnot, die Schätzung der Totenzahlen geht in die Millionen.
Als Mao nach diesem Fehlschlag in die Defensive gegenüber pragmatischeren Parteigenossen geriet, inszenierte er 1966 die Kulturrevolution (auch"Große Proletarische Kulturrevolution" genannt), die das Land in ein Jahrzehnt von Anarchie und Chaos stürzte. Junge Rote Garden zerschlugen, was Bürgerkrieg und Japaner vom reichen chinesischen Erbe übrig gelassen hatten. Besonders hatte Tibet zu leiden, wo ein Großteil der Klöster und historischen Stätten blind zerstört wurde. Die gesamte Kultur, die nicht in das proletarische Schema paßte, Literatur, Musik, Malerei, wurde unterdrückt, verboten, zerstört.
Die Außenpolitik jener Zeit war von Isolation, besonders dem Chinesisch-Sowjetischen Zerwürfnis gekennzeichnet. In den Vereinten Nationen war nach 1945 die ROC (also Taiwan) als Nachfolger der chinesischen Republik vertreten. Seit 1960 gab es von verschiedenen Staaten des Ostblocks, unter anderem Albanien, den Versuch, Taiwan den Status als einziger legitimer chinesischer Staat abzuerkennen und statt dessen die Volksrepublik anzuerkennen und als Mitglied in die UNO aufzunehmen. Dies hatte allerdings erst am 25 | | |