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Indogermanische Sprachen
Die indogermanische Sprachfamilie, von der nicht deutschsprachigen Philologie eher als indoeuropäische Sprachfamilie bezeichnet, deren Vokabular Übereinstimmung bei Flexion, Numerus, Genus und Ablaut aufweist, ist die mittlerweile vor allem auf Grund der Kolonisation meistverbreitete Sprachfamilie auf der Welt mit mehr als 2,5 Mrd. Muttersprachlern.
Der Begriff „indogermanisch“
Bei der Bildung der Bezeichnung Indogermanisch im 19. Jahrhundert gingen die Sprachforscher von den beiden Sprachgruppen aus, die damals als die räumlich am weitesten voneinander entfernten angesehen wurden, d. h. der indischen im Osten und im Westen der germanischen Gruppe (mitsamt des Isländischen).
Die keltischen Sprachen wurden damals aufgrund grammatikalischer Besonderheiten noch nicht als indogermanisch angesehen und das Tocharische weiter östlich wurde erst 1890 entdeckt.
Die Bezeichnung Indogermanisch wurde im deutschen Sprachraum, der in dieser Forschungsdisziplin weltweit immer noch führend ist, beibehalten.
In anderen Sprachen wird hingegen die Bezeichnung Indoeuropäisch (IE) verwendet. Der amerikanische Linguist Merritt Ruhlen benutzt die Bezeichnung Indo-Hethitisch, um eine vorgebliche Sonderstellung des Hethitischen bzw. der anatolischen Sprachgruppe innerhalb des Indogermanischen zu betonen. Ein solcher Stammbaum wird jedoch (zumindest in der weitreichenden Form) von den meisten anderen Forschern abgelehnt. Heute nehmen viele Forscher aber an, dass sich die anatolischen Sprachen tatsächlich als erste von der Ursprache abgespalten haben.
Ursprung und Entwicklung
Die indogermanischen Sprachen sind nach Meinung der Indogermanistik im linguistischen Sinne genetisch verwandt. Dass ihre Ähnlichkeit nur auf typologischer Angleichung nach Art eines Sprachbunds zustande kam, kann ausgeschlossen werden.
Ende des 18. Jahrhunderts erkannte der englische Orientalist William Jones aus Ähnlichkeiten zwischen dem Sanskrit und einigen europäischen Sprachen wie Litauisch, dass es für diese Sprachen eine gemeinsame Wurzel gibt.
Der Deutsche Franz Bopp brachte 1816 in seinem Buch Über das Konjugationssystem der Sanskritsprache in Vergleichung mit jenem der griechischen, lateinischen, persischen und germanischen Sprache den methodischen Beweis für die Verwandtschaft dieser Sprachen und gilt zumindest im deutschsprachigen Raum als Entdecker des Indogermanischen.
Diese indogermanische Ursprache ließ sich sprachwissenschaftlich rekonstruieren, obwohl aus dieser Zeit keine Schriftdokumente vorliegen.
Für die Sprachen, die auf das Indogermanische zurückgehen, lässt sich auf der Grundlage der Forschungsergebnisse des deutschen Linguisten August Schleicher ein „Stammbaum“ darstellen, der den Ursprung und die Verwandtschaftsstruktur dieser Sprachen wiedergibt. In diesem „Stammbaum“ gibt es sowohl gesicherte als auch spekulative Verzweigungen; letztere betreffen insbesondere ausgestorbene Sprachen, die keine Nachfolgesprachen hinterlassen haben.
Schleicher versuchte das hypothetische Protoindogermanische zu rekonstruieren, indem er sich ursprünglicher Formen diverser indogermanischer Sprachen bediente. Daraus entstand eine Übersetzung der sog. indogermanischen Fabel „Das Schaf und die Pferde“ als „Avis akvasasca“.
Man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass solche Sprachrekonstruktion in der Regel zu Wortwurzeln einerseits und morphologischen und phonologischen Erscheinungen andererseits führen.
Auch syntaktische Merkmale des Indogermanischen konnten mit Einschränkungen rekonstruiert werden.
Eine Grundsprache im Sinne eines kommunikativen Verständnisses wird mit dieser Rekonstruktion jedoch nicht erreicht.
Ausgehend von Wortstämmen, die allen indogermanischen Sprachen gemeinsam sind, wurde weiterhin in Zusammenarbeit mit der Archäologie versucht, das Ursprungsgebiet der Indogermanen zu bestimmen.
Dabei wurden sowohl Ostanatolien, Gebiete nördlich des Schwarzen Meeres oder Südosteuropa vorgeschlagen. Von den zahlreichen Hypothesen über diese Urheimat der Indogermanen, beispielsweise Kurgan-These, Anatolien-These ist keine allgemein akzeptiert.
Einige Wissenschaftler stellen den Migrationsmodellen die Konzeption eines ausgedehnten indogermanischen Sprachkontinuums gegenüber. Es ist sogar strittig, ob eine 'Urheimat' überhaupt definiert werden kann, weil schon deren Existenz nicht gesichert werden könne, geschweige denn eine auch nur mehr als vage zeitliche und räumliche Ansetzung möglich sei.
Auch die Methodik der Glottochronologie liefert nur vermeintlich exakte Daten. Sie versucht an Hand einer Testliste von Begriffen, die in möglichst vielen Sprachen vorhanden sind, Verwandtschaftsbeziehungen von Sprachen festzustellen: je größer der Prozentsatz an als verwandt vermuteten Wörtern der Liste, desto enger seien die Sprachen verwandt. Unter der Hypothese einer konstanten Ersetzungsrate (früher für alle Sprachen, heute je Einzelsprache oder gar Einzelwort) wird der Verlust an gemeinsamem Wortbestand in einem belegbaren Zeitraum mit verschiedenen Methoden einfach zurückprojiziert. Daraus ergäbe sich dann automatisch der zeitliche Abstand der Trennung der Schwestersprachen.
Kritisiert an dieser Methodik wird v. a. die Überzeugung, dass für die verschiedenen Stufen der Ausgliederung eine absolute Chronologie bestimmt werden könne. Dies gilt auch für die in der Presse stark beachtete Berechnung von Gray/Atkinson von der Universität Auckland (Neuseeland) aus dem Jahr 2003, die mit Computerprogrammen der Bioinformatik arbeitet.
Wahrscheinlich lassen sich sprachliche Rekonstruktionen nur in der Zusammenarbeit von Sprachwissenschaft und Archäologie erarbeiten.
Ob die Humangenetik dabei eine Rolle spielen kann, ist umstritten.
Populationsgenetiker wie Luigi Cavalli-Sforza versuchen nachzuweisen, dass sich zwischen der genetischen Verwandtschaft auch weit auseinander lebender Bevölkerungsgruppen (z. B. Balten und Hindi) und sprachlicher Verwandtschaft Parallelen ziehen lassen.
Vermutungen zu entfernter Verwandtschaft wurden zu beinahe allen Sprachen der Welt angestellt.
Die engste Verwandtschaft wird auf Grund grammatisch-morphologischer Gemeinsamkeiten mit den uralischen Sprachen angenommen. Darüber hinaus wird eine lose Verwandtschaft mit unter anderem Afro-Asiatischen Sprachen, sowie mit den altaischen Sprachen angenommen und unter dem Begriff Nostratisch untersucht.
Eine überholte Unterteilung der indogermanischen Sprachen erfolgte früher nach dem Zahlwort für „hundert", der erschlossenen Urform - kmtom, siehe Kentumsprachen.
Untergruppen
Zu den indogermanischen Sprachen gehören die folgenden Gruppen lebender und ausgestorbener (†) Sprachen:
- Indogermanische Ursprache †
- Albanisch
- Anatolische Sprachen †
- Armenisch
- Baltische Sprachen
- Ostbaltische Sprachen
- Westbaltische Sprachen (Altpreußisch) †
- Germanische Sprachen
- Nordgermanische Sprachen
- Ostgermanische Sprachen †
- Westgermanische Sprachen
- Griechisch
- Illyrisch †
- Indoiranische Sprachen
- Indoarische Sprachen
- Iranische Sprachen
- Italische Sprachen
- Latino-faliskische Sprachen (mit Latein und den romanischen Sprachen)
- Oskisch-umbrische Sprachen †
- Keltische Sprachen
- Festlandkeltische Sprachen †
- Inselkeltische Sprachen
- Phrygisch †
- Slawische Sprachen
- Ostslawische Sprachen
- Westslawische Sprachen
- Südslawische Sprachen
- Thrakisch †
- Tocharisch †
- Venetisch †
Verwandtschaftsverhältnisse
Schon oft wurde versucht, die eben genannten Untergruppen zu größeren Einheiten zusammenzufassen. Nur in seltenen Fällen konnten sich diese Theorien in der Fachwelt durchsetzen, so z. B. die Zusammenfassung der indoarischen und der iranischen Sprachen zu den "indoiranischen Sprachen". Erwogen wurden, um nur einige wenige Beispiele zu nennen, eine "balto-slawische" Sprachgruppe (balto-slawische Hypothese), die Abstammung des Albanischen vom Illyrischen, eine nähere Verwandtschaft zwischen den italischen und den keltischen Sprachen, die Zuordnung des Venetischen sowohl zum Illyrischen als auch zu den italischen Sprachen, eine "thrakisch-phrygische" Sprachgemeinschaft und vieles mehr. Da bisher keine dieser Theorien stichhaltig nachgewiesen werden konnte, wurde in der Liste oben darauf verzichtet, genauere Zuordnungen vorzunehmen, d. h. "Streitfälle" stehen oben als Einzelgruppen und ohne Hinweise auf vermutete Verwandtschaftsverhältnisse. Wer mehr dazu wissen will, kann sich in den Artikeln über die einzelnen Untergruppen genauer informieren.
Siehe auch
- Indogermanische Wortwurzeln
- Indogermanische Ursprache
Literatur
- Robert S. P. Beekes: Comparative Indo-European Linguistics. An Introduction, Benjamins, Amsterdam 1995, ISBN 1-55619-505-2
- Frederik Bodmer: Die Sprachen der Welt, Parkland-Verlag, Köln 1997, ISBN 3-88059-880-0 (Schlechte Populärwissenschaft mit zahllosen sehr ärgerlichen Fehlern bei allen behandelten Themen (nicht nur der Indogermanistik), im Großen ebenso wie im Détail. Untauglich.)
- Luigi Luca Cavalli-Sforza: Gene, Völker und Sprachen. Die biologischen Grundlagen unserer Zivilisation, dtv, München 2001, ISBN 3-423-33061-9
- Cowgill, Waren 1986 Indogermanische Grammatik, I: Einleitung; II: Lautlehre; begr. v. Jerzy Kuryłowicz, hrsg. v. Manfred Mayrhofer, (=Indogermanische Bibliothek: Reihe 1, Lehr- und Handbücher), Heidelberg: Winter.
- Delbrück, Bertold 1919 Einleitung in das Studium der indogermanischen Sprachen. Ein Beitrag zur Geschichte und Methodik der vergleichenden Sprachforschung, (=Bibliothek indogermanischer Grammatiken, IV). 6. Aufl. Leipzig: Breitkopf & Härtel - Beste Darstellung der Wissenschaftsgeschichte mit allen Details im frühen 19. Jh.
- Thomas W. Gamkrelidse, Wjatscheslaw Iwanow: Die Frühgeschichte der indoeuropäischen Sprachen, In: Spektrum der Wissenschaft. Dossier: Die Evolution der Sprachen, 1/2000, S. 50-57, ISSN 09477934
- Marija Gimbutas: The Kurgan Culture and the Indo-Europeanization of Europe. Selected Articles Form 1952 to 1993, Institute for the Study of Man, Washington 1997, ISBN 0-941694-56-9
- Marija Gimbutas: Das Ende Alteuropas. Der Einfall von Steppennomaden aus Südrussland und die Indogermanisierung Mitteleuropas, In: Archeolingua, Budapest 1994 (series minor, 6)
- Werner König: dtv-Atlas deutsche Sprache, 14. Auflage, dtv, München 2004, ISBN 3-423-03025-9
- James P. Mallory: In Search of the Indo-Europeans. Language, Archaeology and Myth, Thames & Hudson, London 1991, ISBN 0-500-27616-1
- James P. Mallory, D. Q. Adams (Hrsg.): Encyclopedia of Indo-European Culture, Fitzroy Dearborn, London 1997, ISBN 1-884964-98-2
- Michael Meier-Brügger: Indogermanische Sprachwissenschaft, 8. Auflage, Walter de Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-017243-7 (Ursprünglich von Hans Krahe. Gegenwärtig die umfassendste Darstellung, mit vorzüglicher Bibliographie zu sämtlichen Einzelthemen)
- Colin Renfrew: Die Indoeuropäer - aus archäologischer Sicht, In: Spektrum der Wissenschaft. Dossier: Die Evolution der Sprachen, 1/2000, S. 40-48, ISSN 09477934
- Colin Renfrew: Archaeology and Language. The Puzzle of Indo-European Origins, University Press, Cambridge 1995, ISBN 0-521-38675-6
- August Schleicher: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen, Böhlau, Weimar 1861/62, Nachdruck: Olms, Hildesheim 1974, ISBN 3-487-05382-9
- Reinhard Schmoeckel: Die Indoeuropäer, Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 1999, ISBN 3-404-64162-0
- Szemerényi, Oswald: Einführung in die vergleichende Sprachwissenschaft, wb Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1989, ISSN 0724-5009, ISBN 3-534-04216-6. Sehr gute und umfangreiche wissenschaftliche Darstellung von Entwicklung und Verwandtschaftsverhältnissen der einzelnen indogermanischen Sprachen, referiert u. a. über die Entwicklung der Kasus, der Genus, der unterschiedlichen Konjugationen, des Lautsystems etc. Anfängern ist es allerdings nicht zu empfehlen.
- Eva Tichy: Indogermanistisches Grundwissen, Hempen Verlag, Bremen 2000, ISBN 3-934106-14-5 (Augenblicklich beste Einführung, nicht nur für Studierende. Im Gegensatz zu Meier-Brügger kein Abschnitt zur Syntax, aber ausführliche Diskussion der Entstehung des Systems der drei grammatischen Geschlechter, insbesondere des Femininums, im Indogermanischen. - Reiche weiterführende Literaturangaben. Als Leitfaden fürs (Selbst-)Studium bestens geeignet.)
Weblinks
- http://pages.unibas.ch/klaphil/idg/texte/ie.html - Indogermanisch oder Indoeuropäisch?
- http://www.zeit.de/archiv/2001/51/200151_sprachgen.xml - Wie Gene die Lippen spitzen
- http://www.civisdigitalis.de/em/info/archive_article.asp?article=121003 - Das große Rätsel der indoeuropäischen Sprache – neuer Disput um Alter und Herkunft
- http://static.unilang.org/resources/other/languagefamily_ie.jpg - Stammbaum der indogermanischen Sprachfamilie
- http://www.dabis.at/Anwender.htm/Alscher/contents.htm - The Ergativic Stage of Early Proto-Indoeuropean - Written by Hans-Joachim Alscher
Kategorie:Sprachfamilie
ja:インド・ヨーロッパ語族
zh-cn:印欧语系
Sprachfamilie
Die Sprachen der Welt lassen sich in Sprachfamilien aufteilen.
Eine Sprachfamilie ist eine Gruppe genetisch verwandter, das heißt von einer gemeinsamen Grundsprache (Ursprache, Gemeinsprache) abstammender Sprachen, zwischen denen regelmäßige Lautentsprechungen bestehen.
Die genetische Klassifikation steht in Abgrenzung zur typologischen Klassifikation nach Merkmalen der Sprache, und ebenso zur geographischen Klassifikation in Sprachbünde. In manchen Fällen lässt sich diese Ursprache zu weiten Teilen durch Vergleich der einzelnen Sprachen rekonstruieren. Die Liste der Sprachfamilien ist ungefähr nach der Zahl der Muttersprachler der Gesamtfamilie geordnet. Entsprechend der von August Schleicher entwickelten Stammbaumtheorie findet man in der jeweiligen Sprachfamilie ihre Zweige und Unterzweige, bis man zu einzelnen Sprachen, deren Dialektgruppen und Dialekten kommt. Nicht in Sprachfamilien einzuordnen sind, wie der Name schon sagt, isolierte Sprachen.
Ferner entziehen sich die Kreolsprachen völlig dem Konzept der genetischen Sprachverwandtschaft.
Um zu erfahren, welche Sprachfamilien wo gesprochen werden, siehe: Sprachfamilien nach Kontinenten geordnet
Gesicherte Sprachfamilien
- Indoeuropäische Sprachen (~48% der Menschheit)
- Sino-tibetische Sprachen (~23%)
- Kongo-kordofanische Sprachen (~10%)
- Afro-asiatische Sprachen (~5%)
- Austronesische Sprachen (~3%)
- Dravidische Sprachen (~3%)
- Altaisprachen (~3%) (enthält die Turksprachen)
- Austroasiatische Sprachen (~1 %)
- Uralische Sprachen (~0,4%)
- Kaukasische Sprachen (~0,2%)
- Nilotische Sprachen (~0,12%)
- Hochlandindianer-Sprachen (~0,12%)
- Tupi-Guarani-Sprachen (<0,1%)
- Dagestanische Sprachen (<0,1%)
- Nachische Sprachen (<0,1%)
- Maya-Sprachen (<0,1%)
- Uto-aztekische Sprachen (<0,1%)
- Na-Dene-Sprachen (<0,1%)
- Khoisan-Sprachen (<0,1%)
- Algonkin-Sprachen (<0,1%)
- Salish-Sprachen (<0,1%)
- Wakash-Sprachen (<0,1%)
- Muskogee-Sprachen (<0,1%)
- Sioux-Sprachen (<0,1%)
- Irokesische Sprachen (<0,1%)
- Caddo-Sprachen (<0,1%)
- Hoka-Sprachen (<0,1%)
- Penuti-Sprachen (<0,1%)
- Mixe-Zoque-Sprachen (<0,1%)
- Totonakische Sprachen (<0,1%)
- Kiowa-Tano-Sprachen (<0,1%)
- Otomangue-Sprachen (<0,1%)
- Misumalpan-Sprachen (<0,1%)
- Chibcha-Sprachen (<0,1%)
- Ge-Sprachen (<0,1%)
- Pano-Sprachen (<0,1%)
- Karaibische Sprachen (<0,1%)
- Mataco-Guaicuru-Sprachen (<0,1%)
- Arawak-Sprachen (<0,1%)
- Araukanische Sprachen (<0,1%)
- Eskimo-aleutische Sprachen (<0,1%)
weitere Sprachfamilien und Klassifikationen:
- Kam-Tai-Sprachen
- Japonische Sprachen (Japonisch oder auch austronesisch-altaiische Mischform enthält Japanisch. Sie wird von vielen Sprachwissenschaftlern auch zu den Altaisprachen gerechnet oder als Einzelsprache angesehen).
Sprachfamilien nach Anzahl der Einzelsprachen
Gemäß Ethnologue (einer Liste der Sprachen der Welt) haben folgende Sprachfamilien die meisten Sprachen:
- Kongo-kordofanische Sprachen (2061 Sprachen)
- Austronesische Sprachen (1304 Sprachen)
- Indogermanische Sprachen (861 Sprachen)
- Afro-asiatische Sprachen (584 Sprachen)
- Sino-tibetische Sprachen (431 Sprachen)
- Nilo-saharanische Sprachen (279 Sprachen)
- Austro-asiatische Sprachen (227 Sprachen)
- Oto-Mangue-Sprachen (144 Sprachen)
- Australische Sprachen (120 Sprachen)
- Dravidische Sprachen (87 Sprachen)
- Aztekisch-tanoische Sprachen (55 Sprachen)
- Khoisan-Sprachen (51 Sprachen)
- Turksprachen (32 Sprachen)
Siehe auch: isolierte Sprachen, Liste von Sprachen
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Kategorie:Historische Linguistik
Kategorie:Liste (Sprache)
ja:言語の分類一覧
ko:어족
simple:Language families and languages
zh-cn:语言系属分类
WortschatzAls Wortschatz (auch Vokabular oder Lexik(on)) bezeichnet man
# die Gesamtheit aller Wörter einer Sprache zu einem bestimmten Zeitpunkt.
# die Gesamtheit aller Wörter einer Sprache, die ein einzelner Sprecher kennt oder verwendet. Man unterscheidet in dieser Bedeutung zwischen passivem und aktivem (präziser: produktivem) Wortschatz.
: - Der passive Wortschatz wird vom Sinn her verstanden, wird jedoch nicht aktiv verwendet.
: - Der aktive Wortschatz wird auch beim Sprechen benutzt, seine Einsatzmöglichkeiten sind so weit bekannt, dass sinnvolle verständliche Sätze damit geformt werden können.
Der Wortschatz der deutschen Standardsprache umfasst ca. 75.000 Wörter, die Gesamtgröße des deutschen Wortschatzes wird je nach Quelle und Zählweise auf 300.000 bis 500.000 Wörter bzw. Lexeme geschätzt. Ein durchschnittlicher Sprecher verfügt dagegen über einen aktiven Wortschatz von nur etwa 8.000 bis 10.000 Wörtern. Zum Vergleich: In einem gewöhnlichen Kaufhaus findet man schon etwa 60.000 unterschiedliche Markennamen.
Im Allgemeinen reichen für Alltagsgespräche 400 bis 800 Wörter aus. Um anspruchsvollere Texte zu verstehen (Zeitschriften, Zeitungen, Klassiker) benötigt man 4.000 bis 5.000 Wörter, in Ausnahmefällen wie bei Goethe (ca. 80.000) oder Joyce (ca. 100.000) auch bedeutend mehr. In letzter Zeit wird beobachtet, dass sich neue Kommunikationsbereiche (Chat, SMS, ...) bilden, in denen ein Wortschatz von nur noch 100 bis 200 Worte benutzt werden.
Zum Vergleich: Der Duden enthält ca. 120.000 Stichwörter. Durch Flexion kann in flektierenden Sprachen aus vielen dieser relativ wenigen Grundformen ein mehrfaches an Wortformen entstehen, im Deutschen (ca. Faktor 10) zum Beispiel erheblich mehr als in dem die Flexion langsam verlierenden Englischen (ca. Faktor 4). Die Häufigkeitsverteilung von Wörtern lässt sich mit dem Zipfschen Gesetz beschreiben.
Ein Problem bei dem Messen des Umfangreichtums eines Wortschatzes kann beispielsweise die Frage darstellen, ob zusammengesetzte Wörter mitgezählt werden (z.B. Blumenstrauß — ein neues Wort, oder zwei Wörter?)
In etwa gilt: Je höher der Bildungsstand eines Menschen ist, desto größer ist sein Wortschatz. Ein größerer Wortschatz hilft beim differenzierteren Informationsaustausch. Einfache Boulevardzeitungen nutzen einen Wortschatz von etwa 400 Wörtern, intellektuelle Tageszeitungen dagegen einen Wortschatz von etwa 5.000 Wörtern. Ähnlich kann man Fernsehsendungen kategorisieren. Ein Wortschatz einer Person ist abhängig vom Interessensgebiet dieser Person (u.a. Fachterminologie).
Literatur
- Franz Dornseiff: Der deutsche Wortschatz nach Sachgruppen, Berlin, 1934 (div. Neuauflagen)
- Duden: Das große Wörterbuch der deutschen Sprache, Mannheim, 2000
- Ulrike Haß-Zumkehr: Deutsche Wörterbücher, Berlin, 2001 (bes. Kap. 17: Umfang des Wortschatzes)
Siehe auch
- Lexikologie
- Korpuslinguistik
- Terminologie
- Wörterbuch
- Basiswortschatz
- Basic English
- Kommunikative Kompetenz
Weblinks
- [http://wortschatz.uni-leipzig.de wortschatz.uni-leipzig.de: Automatische Relationsanalyse des Deutschen Wortschatzes mit 9 Mio. Einträgen]
Kategorie:Sprache
Kategorie:Wort
ja:語彙
simple:Vocabulary
Numerus
Der Numerus (Plural: Numeri) ist in der Grammatik eine Zählform zur Bestimmung von Mengenwertigkeiten, also zur Festlegung beziehungsweise Unterscheidung der Anzahl.
Es gibt je nach Sprache folgende Formen: Singular, Dual, Trial, Quadral, Paukal, Plural. Beispielsweise verfügen das klassische Arabisch, das Hebräische, das Slowenische und das Sorbische für sämtliche Substantive und Verben über Dualformen. Viele außereuropäische Sprachen, etwa das Chinesische, kennen hingegen keinen Numerus.
Im Deutschen gebräuchlich sind davon der Singular (Einzahl) sowie der Plural (Mehrzahl).
Die Verwendung des richtigen Numerus ist wichtig bei folgenden Wortarten: Substantiv, Adjektiv, Verb, Artikel und Pronomen.
Es gibt auch Wörter, die entweder nur in der Einzahl oder nur in der Mehrzahl vorkommen; diese heißen Singulariatantum bzw. Pluraliatantum.
Beispiele für den unterschiedlichen Numerus bei deutschen Substantiven im Nominativ:
- Schule (Singular) - Schulen (Plural)
- Bibel (Singular) - Bibeln (Plural)
- Kind (Singular) - Kinder (Plural)
- Apfel (Singular) - Äpfel (Plural)
- Sofa (Singular) - Sofas (Plural)
- Lehrer (Singular) - Lehrer (Plural)
- Band (Singular) - Bänder (Plural)
- Mädchen (Singular) - Mädchen (Plural)
- Ferien (Pluraletantum)
- Milch (Singularetantum)
Siehe auch: Zählen
Kategorie:Grammatik
ja:数 (文法)
GenusIn der deutschen Schulgrammatik wird das Genus [] (lat. für Geschlecht; Pl.: Genera []) auch als grammatisches Geschlecht bezeichnet. Geschlecht ist hier nicht als biologisches Geschlecht (Sexus (Sprache)) zu verstehen, sondern als Klassifizierungsbezeichnung. Wenn man also sagt, ein Wort weise ein bestimmtes Genus auf, heißt das, es gehört zu einer bestimmten Klasse von Wörtern, die sich grammatisch gleich verhalten.
Das Genus-System, das vor allem in den indogermanischen (mit ursprünglich drei Genera) und semitischen Sprachen (ursprünglich zwei Genera) vorkommt, ist nur eine spezielle Ausprägung des Nominalklassen-Systems, das sich in anderen Ausprägungen auch noch in vielen anderen Sprachgruppen findet, zum Beispiel findet man bei den Bantusprachen bis zu zehn solcher Klassen. Viele andere Sprachen, z.B. die Turksprachen, kommen jedoch ohne Nominalklassen aus.
Genauere Definition in der Linguistik
In der Linguistik ist das Genus eine morphologische Kategorie vor allem im Bereich der Substantive. In einigen Sprachen sind auch Verben vom Genus abhängig, zum Beispiel im Russischen und Arabischen. Sprachen, die den Zusammenhang von Wörtern dadurch anzeigen, dass diese Wörter formal in Übereinstimmung gebracht werden (Kongruenz), können Substantive in Klassen einteilen, die auch als Genera bezeichnet werden. Wörter, die sich auf das Substantiv beziehen, müssen dann so flektiert werden, dass sie zum Genus des Substantivs passen (Genuskongruenz).
Beispiele
Hier ein Beispiel aus dem Italienischen und aus dem Deutschen (Übersetzung). Beide Sprachen zeigen Genuskongruenz.
Questa è una faccenda seria. 'Das ist eine ernsthafte Angelegenheit.'
Hier kongruieren questa, una und seria mit faccenda im Genus. Im Deutschen hingegen kongruieren nur eine und ernsthafte mit dem Substantiv Angelegenheit. Wird ein anderes Substantiv eingesetzt, das zu einem anderen Genus gehört, müssen die kongruierenden Wörter angepasst werden:
Questo è un problema serio. 'Das ist ein ernsthaftes Problem.'
problema gehört (trotz gleicher Endung wie faccenda) einem anderen Genus an. Genauso verhält es sich mit dem Unterschied zwischen den deutschen Wörtern Angelegenheit und Problem.
Verwechslung von Genus und Sexus
In der europäischen Grammatiktradition werden die verschiedenen Genera irreführenderweise mit Termini wie Maskulinum, Femininum und Neutrum bezeichnet, die einen Zusammenhang zum biologischen Geschlecht (vergleiche Sexus) nahe legen. Ein solcher Zusammenhang ist im Bereich der Wörter, die belebte Wesen bezeichnen, zwar sehr häufig, aber keineswegs zwingend, denn das Mädchen ist weiblich, obwohl es im Neutrum steht (der Artikel bezieht sich hier auf den Diminutiv, welcher immer sächlich ist); ein Kind ist entweder männlich oder weiblich, obwohl es immer im Neutrum steht; ein Gast, eine Geisel oder eine Person können männlich oder weiblich sein, obwohl das Substantiv immer im Maskulinum oder Femininum steht. (Extrem-Beispiel: Der Dienstbote und die Schildwache hatten ein Verhältnis; er wurde schwanger, und sie wurde dem Kind ein guter Vater. – Der Dienstbote war typischerweise eine Frau, und die Wache war früher immer ein Mann. Jedoch ist der zweite Satzteil ungrammatisch, da im Deutschen die Wörter er und sie nur in dem Falle, dass sie sich auf das natürliche Geschlecht beziehen, eine kontrastive (gegenüberstellende) Bedeutung haben.)
Die Feministische Linguistik hat darauf aufmerksam gemacht, dass aufgrund dieser Problematik eine Wahrnehmungsverzerrung stattfindet, die insbesondere immer dann zusätzlich verstärkt wird, wenn das spezifische Maskulinum nicht gekennzeichnet wird.
Genus verbi
In der lateinischen Schulgrammatik wird die Unterscheidung von Aktiv und Passiv traditionell als Genus verbi (also Geschlecht des Verbs) bezeichnet, heute wird diese Kategorie als Diathese bezeichnet.
Kategorie:Grammatik
ja:性 (文法)
Kolonisation
Der Begriff Kolonisation bezeichnet den Prozess der Gründung und Entwicklung von Kolonien. Veraltet, aber insbesondere für die Expansion der Wikinger im nordeuropäischen Raum sowie für die Ausbreitung der Magyaren in der pannonischen Tiefebene ist auch der Ausdruck Landnahme in Gebrauch.
Einordnung
Kolonisationen gibt es seit der frühesten Geschichte. Eine Kolonisation war mit zahlreichen Begleiterscheinungen verbunden.
Es gab u.a. die nationalisten
- unbewohnten Landes.
- von bewohnten Gebieten, die mit der Unterwerfung und wirtschaftlichen Ausnutzung einherging.
- von bewohnten Gebieten, die mit der Ausrottung der einheimischen Bevölkerung, und Besiedlung durch die Kolonisatoren einherging
- von unterentwickelten Gebieten (auch eigenen Territorien) und deren damit einhergehender Höherentwicklung
Kolonisation ist von Kolonialismus als Herrschaftsprinzip zu unterscheiden.
Ursachen für Kolonisation
Kolonisation kann verschiedene Gründe haben. Zu Zeiten, in denen der Handel unsicher war, war oft Ressourcenknappheit eine Hauptursache. Man benötigte direkten Zugriff auf Ressourcen im fremden Gebiet. Damit ging oft die Überbevölkerung eines Landstriches einher. Ein weiterer Grund war die Suche nach Macht und Wohlstand, ohne dass eine zwingende Notwendigkeit gegeben wäre. Man erhielt durch die Kolonien einen guten Absatzmarkt, sowie günstige Arbeitskräfte und billige Rohstoffe. Weiterhin gab es oft Kolonisation aufgrund von religiöser und politischer Verfolgung. Im 19. Jahrhundert, mit dem Aufkommen der Nationalstaaten kam als weiterer Grund das Expansionsstreben von Nationen hinzu. Kolonien waren Prestigeobjekte. Diese Art der Kolonisation aus reinem Expansionsstreben bezeichnet man als Imperialismus.
Geschichte der Kolonisation
Antike
In der Antike gab es drei hauptsächliche Kolonialmächte: Die Phönizier, die Griechen und die Römer. Während die ersten beiden meist lokal begrenzte Städte gründeten und mit der ansässigen Bevölkerung vornehmlich Handel trieben, war die römische Kolonisation (wenn man überhaupt von einer solchen sprechen kann) darauf ausgerichtet, ganze Landstriche zu unterwerfen.
Phönizische Kolonisation
Anfang des 1. Jahrtausend v. Chr. machte sich in Phönizien Ressourcenknappheit bemerkbar. Phönizische Händler begannen an der nordafrikanischen Küste Niederlassungen zu errichten. Später stießen sie bis zur Straße von Gibraltar vor. Bekannteste Gründung war die Stadt Karthago im heutigen Tunesien. Karthago selbst sollte mehrere Jahrhunderte lang führende Macht im westlichen Mittelmeerraum bleiben.
Griechische Kolonisation
Bei den Griechen gab es in der Antike mehrere Kolonisationsbewegungen:
- Umstritten ist, ob es bereits mykenische Kolonien gab. Vor allem im 14. und 13. Jh. v. Chr. sind mykenische Keramik und andere griechische Produkte zwar in vielen Gegenden des Mittelmeer-Gebiets verbreitet, eindeutige Beweise für Kolonien fehlen bislang, wenn man von dem bereits minoisch besiedelten Milet an der kleinasiatischen Westküste absieht. Dieses wurde offenbar in der 2. Hälfte des 15. Jh. v. Chr. von mykenischen Griechen eingenommen. Da ein Großteil der gefundenen mykenischen Keramik lokal hergestellt wurde, vor allem auch die Gebrauchskeramik, ist sicher, dass Milet damals zu einer griechischen Stadt wurde. Da Milet dicht am mykenischen Kulturkreis lag, sprechen die meisten Forscher nicht von einer "Kolonie". Ausserhalb des Ägäisraums werden von einigen Forschern zumindest mykenische Viertel, bzw. Händlerniederlassungen oder Faktoreien für Ugarit in Nordsyrien, Tell Abu Huwam in Palästina und Süditalien (Scoglio del Tonno bei Tarent, Thapsos in Ostsizilien) angenommen. Eine eigentliche Kolonie, d. h. ein Ort an dem (hauptsächlich) Griechen dauerhaft lebten, ist bisher ausserhalb der Ägäis nicht entdeckt worden.
:Ab dem frühen 12. Jh. werden dann Tarsos und Mersin in Kilikien (Südost-Anatolien) sowie Zypern sehr wahrscheinlich von Trägern der mykenischen Kultur besiedelt. Der Bruch zu vorangegangenen Stufen ist eklatant: In den beiden erstgenannten Orten gehen massive Zerstörungen zeitlich voran. In den Schichten darüber wurden nicht nur massenweise mykenische Keramik und Gebrauchsgüter gefunden, auch die Architekturreste sind eindeutig ägäischen Typus´. Möglicherweise steht diese Entwicklung mit den Operationen der sog."Seevölker" im Zusammenhang.
- Die "ionische Kolonisation", bei der - nach antiken Quellen - ab ca. 1050 v. Chr. Städte an der Westküste Kleinasiens von Ioniern (wieder-?)besiedelt wurden. Dass sie stattgefunden hat, gilt als wahrscheinlich, wann genau und aus welchen Motiven ist umstritten. Das früheste Datum ist 1053 v. Chr. für Milet. Dieses wurde - nach Angaben des Ausgräbers Wolf-Dietrich Niemeier - um 1100 zerstört. Funde protogeometrischer Keramik, scheinen griechische Präsenz um 1000 v. Chr. zu belegen. Möglicherweise wurde Milet um 1100 von Griechen verlassen und einige Jahrzehnte später von Ioniern(?) wiederbesiedelt. Es mag sein, dass die Erinnerung an diese Neubesiedlung nach kurzem Hiatus Jahrhunderte später in der legenderen "ionischen Kolonisation" widerspiegelt. Andere Städte an der kleinasiatischen Ägäis-Küste, die im Zusammenhang mit der ionischen Kolonisation genannt werden, brachten bisher keine eindeutigen Beweise für griechische Bevölkerung in so früher Zeit.
- Die "Große Griechische Kolonisation" zwischen ca. 750 und 550 v. Chr.: In deren Verlauf kam es zur Gründung zahlreicher Kolonien vor allem in Süditalien ("Magna Graecia"), auf Sizilien und Nordwest-Kleinasien (strittig, ob nicht schon früher durch Griechen besiedelt!) sowie - vornehmlich durch Milet - in Ägypten (Naukratis) und rund um das Schwarze Meer. Im Mittelmeer standen die griechischen Kolonisten im Wettstreit mit den Phöniziern. Auf Korsika vereitelten Phönizier zusammen mit verbündeten Etruskern griechische Kolonisationsversuche, dafür drangen die Griechen schließlich bis an die Rhône-Mündung und nach Nordost-Spanien vor.
:Das früheste Datum, das uns der griechische Historiker Thukydides nennt, ist 735 v. Chr. In diesem Jahr soll Naxos auf Sizilien durch Chalkidier von Euböa aus gegründet worden sein (Thuk. VI, 3) . Bereits ein Jahr später gründete Korinth die Kolonie Syrakus. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wurden viele weitere Kolonien in Unteritalien und auf Sizilien durch unterschiedliche griechische Poleis gegründet (Thuk. VI, 4ff.). Die archäologische Forschung konnte die Angaben Thukydides´ im Großen und Ganzen bestätigen. Zwar ist die griechische Keramik jener Zeit nicht auf das Jahr genau zu datieren und die zeitliche Einordnung ist zudem dünn und strittig; jedoch ist sicher, dass die frühesten griechischen Ansiedlungen in Unteritalien und Sizilien auf jeden Fall noch in die 2. Hälfte des 8. Jh. entstanden sind.
:Besonders vorgetan bei der Kolonisation haben sich Milet (zahlreiche Kolonien im Schwarzmeergebiet und Naukratis in Ägypten) sowie vor allem flächenmäßig kleinere Poleis des griechischen Festlands. Dagegen ist von Sparta nur eine Tochterstadt (Tarent) belegt und Athen beteiligte sich erst spät aktiv an der Kolonisation. Als Grund dafür, dass die beiden "Großen" unter Polis-Statten kaum oder erst spät aktiv wurden, wird vermutet, dass Athen erst eine "Binnenkolonisation" in Attika betrieb und Sparta durch kriegerische Mittel (s. Messenische Kriege) sein Gebiet ausdehnte. Dadurch mangelte es nicht an Land und Siedlungsraum für die eigene Bevölkerung.
:Frühe Gründungsdaten sind - durch andere Griechische Historiker - auch für einige Gründungen Milets am Marmarameer und im Schwarzmeergebiet überliefert. So sollen Kyzikos und Sinope schon kurz vor der Mitte des 8. Jh. gegründet worden sein. Allerdings sind für beide Städte auch Gründungsdaten Mitte des 7. Jh. überliefert. Archäologisch nachgewiesen werden konnten Koloniegründungen erst ab der ersten Hälfte des 7. Jh. für die Propontis bzw. ab dem 3. Viertel des 7. Jh. für das Schwarzmeergebiet. Die frühen Gründungsdaten sind vermutlich Erinnerungen an präkoloniale Kontakte bereits im 8. Jh., die für einige Gebiete belegt sind.
:Die Gründe für die "Große Griechische Kolonisation" waren mannigfaltig und verschieden und müssen im Einzelfall differenziert betrachtet werden. Stark vereinfacht lässt sich sagen, das folgende Komponenten - in unterschiedlicher Gewichtung, je nach Einzelfall - eine Rolle gespielt haben:
- Überbevölkerung in einigen Mutterstädten (in der Forschung strittig!).
- Politische Rivalitäten, die dazu führten, dass eine der verfeindeten Gruppen auswanderte.
- Sicherung von Handelskontakten und -wegen (spielte vor allem bei den Gründungen unter Leitung von Milet eine wichtige Rolle).
- "Aufbruch zu neuen Ufern" (Abenteuerlust), ähnlich wie in der Neuzeit bei der Besiedlung des mittleren Westens der USA.
:Vielfach scheinen die Orakel, insbesondere das Orakel zu Delphi, eine wichtige Rolle bei der Gründung einer Kolonie gespielt zu haben. Oftmals gaben die Orakelpriester Rat, wann und wo genau eine Kolonie am besten zu gründen sei. Wenngleich die Kolonien in der Regel von einer Mutterstadt aus gegründet wurden, stammten in der Regel nicht alle Neuansiedler aus dieser Stadt. Es haben sich meistens Menschen aus anderen Städten auf der Suche nach einer neuen Heimat angeschlossen.
:Meistens wurde eine erste Siedlung in der Fremde auf einer Insel nahe der Küste oder auf einer Halbinsel errichtet. Hatte die Kolonisten ihre Stellung dort gesichert, dehnten sie sich auf das Festland bzw. Hinterland aus. Neben den geographischen Gegebenheiten und dem Nutzens aus handelspolitischer Sicht spielte sicherlich auch das Verhalten der einheimischen Bevölkerung eine entscheidende Rolle. Von diesem hing ab, ob eine Gründung gewagt wurde bzw. Erfolg hatte. Einige Gebiete wurden gar nicht oder recht spät kolonisiert, obwohl sie günstige Punkte für eine Koloniegründung waren und in benachbarten Regionen früh Kolonien entstanden. In diesen Fällen trafen die Kolonisten vermutlich auf zu heftigen Widerstand der einheimischen Bevölkerung. Es wird gemutmaßt, das hierin der Grund zu suchen ist, weswegen z. B. im Bereich um die Krim oder an einigen Abschnitten der apulischen Adria-Küste deutlich später griechische Tochterstädte entstanden als in benachbarte Regionen.
- Die Kolonisation unter Alexander d. Gr. und seinen Nachfolgern ab dem letzten Drittel des 4. Jh. v. Chr. Zwar unternahm Alexander zunächst primär Eroberungsfeldzüge; aber es wurden daraufhin in den teils sehr weit entfernten unterworfenen Gebieten zahlreiche neue Städte gegründet, in denen sich Griechen ansiedelten. Unter diesem Blickwinkel kann man hier ebenfalls zurecht von einer Kolonisation sprechen.
Mittelalter
Aufgrund häufiger Kriege, dem Fehlen einer zentralen Macht und einem durch Krankheit und Armut bedingten Bevölkerungsschwund war im Mittelalter bis auf wenige Ausnahmen kein Interesse an einer Kolonisation gegeben.
Die Normannen
Die Wikinger, die in Skandinavien lebten, waren die einzige "Kolonialmacht" des Mittelalters. Aufgrund des Mangels an Ackerboden in Norwegen ließen sich viele Wikinger als "Normannen" in Irland und Britannien, in der Normandie und sogar auf Sizilien nieder. Um 900 wurde von Norwegen aus Island besiedelt. Um das Jahr 1000 wurde unter der Führung des verbannten Eriks den Roten Grönland in Besitz genommen. Sein Sohn Leif Eriksson drang sogar nach Nordamerika, das er Vinland nannte, vor. Widerstand der Indianer stoppte aber die Expansion.
Die Besiedlung der bis dato unbewohnten Färöer und Islands durch Wikinger aus diversen nordischen Ländern, vor allem Norwegen, sowie keltische Siedler wird als Landnahme bezeichnet. Diese fand zwischen dem 9. und 10. Jahrhundert n. Chr. statt. Über sie wird im berühmten Landnámabók berichtet. Es ist in drei Fassungen aus dem 13. Jahrhundert erhalten. Man weiß aber, dass noch ältere, uns nicht erhaltene Fassungen existierten. In diesem Buch, das zu den ältesten Schriftzeugnissen Islands zählt, werden über 400 frühe Siedler mit allen Verwandtschaftsgraden genau dargestellt.
Der deutsche Orden
Im späten Mittelalter waren es die deutschen Ordensritter, die im Baltikum Städte gründeten und auf diese Weise die deutsche Sprache und Kultur in den Osten trugen. Siehe auch unter Deutsche Ostsiedlung.
Zeitalter der Entdecker
Im ausgehenden Mittelalter entdeckte Europa sein Interesse für fremde Länder. Es waren vor allem wirtschaftliche und religiöse Gründe, die dabei eine vorrangige Rolle gespielt haben. Marco Polo, ein venezianischer Kaufmann, hat mit seiner Chinareise im 13. Jahrhundert das Zeitalter der Entdeckungen eingeleitet. Zwar ist die Authentizität seiner Reiseberichte umstritten, trotzdem waren die Erzählungen über China Inspiration für spätere Zeiten. Vor allem die Suche nach Gold, der Mangel an Gewürzen und eine zunehmende Behinderung des Handels mit dem Orient veranlassten dann im 15. Jahrhundert die Portugiesen, einen Seeweg nach Indien zu suchen. Der portugiesische König Heinrich der Seefahrer stattete eine Reihe von Expeditionen aus, die sich an der Westküste Afrikas vorschifften. Die ersten Niederlassungen entstanden als portugiesische Handels- und Nachschubsposten auf den Inseln vor Afrika (z.B. Madeira, aber auch an der westafrikanischen Küste (z.B. Elmina).
Spanische Kolonisation Lateinamerikas
Der berühmteste Entdecker wurde aber Christoph Kolumbus aus Genua. Er vertrat die Meinung, man könne Indien bzw. China einfacher als auf dem Weg um Afrika erreichen, wenn man den Atlantik direkt nach Westen überquere. Auf dieser Grundlage suchte er Sponsoren für eine Expedition. In Portugal wurde er verlacht, da portugiesische Gelehrte bereits recht genau den Erdumfang vermessen hatten und daher die Strecke richtigerweise für viel zu weit hielten. In Spanien, wo diese Information nicht bekannt war und eifersüchtig auf die Handelserfolge Portugals geschielt wurde, fand er dagegen Unterstützung.
Spanien hatte im Zuge der Reconquista, der Vertreibung der maurischen Eroberer des Landes, eine am Krieg ausgerichtete Gesellschaftsstruktur und einen intolerant-fanatischen Katholizismus entwickelt. Dazu gehörte, dass sich die jüngeren Söhne des Adels als Caballeros (Ritter) selbst Land erobern mussten, um ihr Leben finanzieren zu können. Da in Spanien alles Land verteilt war, stürzten sich die kriegerischen Abenteurer auf die neu entdeckten Länder in "Westindische Inseln" - der Karibik - sowie in Mittel- und Südamerika (benannt nach dem späteren Entdeckungsreisenden Amerigo Vespucci).
Berichte über reiche Goldschätze lockten auf eigene Rechnung arbeitende Söldner an. Sie trafen in Mexiko und später auch in Peru auf Reiche, die aufgrund ihrer gewaltsamen Expansion viele Feinde hatten und leicht zu destabilisieren waren. Ihre Eroberungen wurden nachträglich als Kronkolonien "legitimiert". Ihnen folgten Kolonisatoren, die sich die Ländereien aneigneten, auf die die in ihren Augen "wilden Heiden" nach spanischem Recht ohnehin kein Eigentumsrecht anmelden konnten; die Einheimischen selbst wurden als billige Arbeitskräfte versklavt. Aufgrund deren hoher Sterblichkeit - einerseits durch die brutale Ausbeutung, andererseits durch eingeschleppte Krankheiten bedingt - wurden sie aber bald durch aus Afrika "importierte" Sklaven ersetzt.
Um den Streit zwischen Portugal und Spanien über die Vorherrschaft in den überseeischen Gebieten zu schlichten, kam auf Vermittlung von Papst Alexander VI. 1494 der Vertrag von Tordesillas zustande, der die Gebiete westlich 46° 37' West (370 spanische Leguas westlich der Kapverden) Spanien zusprach, die Gebiete östlich davon Portugal. 1499 wurde die Küste Brasiliens entdeckt und durch Amerigo Vespucci erforscht; da diese östlich der Trennlinie lag, erlaubte der Vertrag Portugal, hier eigene Kolonien in Südamerika zu gründen.
1529 wurde im Vertrag von Saragossa eine zweite Trennlinie im Pazifik festgelegt, durch die die Molukken als wichtige "Gewürzinseln" in den portugiesischen Raum fielen.
Zeitalter des Imperialismus
Siehe auch: Mondkolonisation, Marskolonisation
Siehe auch
Kolonialismus, Kolonie, Liste von Kolonien, Dekolonisation
Kategorie:Kolonialismus
als:Landnahme
Sprachfamilie
Die Sprachen der Welt lassen sich in Sprachfamilien aufteilen.
Eine Sprachfamilie ist eine Gruppe genetisch verwandter, das heißt von einer gemeinsamen Grundsprache (Ursprache, Gemeinsprache) abstammender Sprachen, zwischen denen regelmäßige Lautentsprechungen bestehen.
Die genetische Klassifikation steht in Abgrenzung zur typologischen Klassifikation nach Merkmalen der Sprache, und ebenso zur geographischen Klassifikation in Sprachbünde. In manchen Fällen lässt sich diese Ursprache zu weiten Teilen durch Vergleich der einzelnen Sprachen rekonstruieren. Die Liste der Sprachfamilien ist ungefähr nach der Zahl der Muttersprachler der Gesamtfamilie geordnet. Entsprechend der von August Schleicher entwickelten Stammbaumtheorie findet man in der jeweiligen Sprachfamilie ihre Zweige und Unterzweige, bis man zu einzelnen Sprachen, deren Dialektgruppen und Dialekten kommt. Nicht in Sprachfamilien einzuordnen sind, wie der Name schon sagt, isolierte Sprachen.
Ferner entziehen sich die Kreolsprachen völlig dem Konzept der genetischen Sprachverwandtschaft.
Um zu erfahren, welche Sprachfamilien wo gesprochen werden, siehe: Sprachfamilien nach Kontinenten geordnet
Gesicherte Sprachfamilien
- Indoeuropäische Sprachen (~48% der Menschheit)
- Sino-tibetische Sprachen (~23%)
- Kongo-kordofanische Sprachen (~10%)
- Afro-asiatische Sprachen (~5%)
- Austronesische Sprachen (~3%)
- Dravidische Sprachen (~3%)
- Altaisprachen (~3%) (enthält die Turksprachen)
- Austroasiatische Sprachen (~1 %)
- Uralische Sprachen (~0,4%)
- Kaukasische Sprachen (~0,2%)
- Nilotische Sprachen (~0,12%)
- Hochlandindianer-Sprachen (~0,12%)
- Tupi-Guarani-Sprachen (<0,1%)
- Dagestanische Sprachen (<0,1%)
- Nachische Sprachen (<0,1%)
- Maya-Sprachen (<0,1%)
- Uto-aztekische Sprachen (<0,1%)
- Na-Dene-Sprachen (<0,1%)
- Khoisan-Sprachen (<0,1%)
- Algonkin-Sprachen (<0,1%)
- Salish-Sprachen (<0,1%)
- Wakash-Sprachen (<0,1%)
- Muskogee-Sprachen (<0,1%)
- Sioux-Sprachen (<0,1%)
- Irokesische Sprachen (<0,1%)
- Caddo-Sprachen (<0,1%)
- Hoka-Sprachen (<0,1%)
- Penuti-Sprachen (<0,1%)
- Mixe-Zoque-Sprachen (<0,1%)
- Totonakische Sprachen (<0,1%)
- Kiowa-Tano-Sprachen (<0,1%)
- Otomangue-Sprachen (<0,1%)
- Misumalpan-Sprachen (<0,1%)
- Chibcha-Sprachen (<0,1%)
- Ge-Sprachen (<0,1%)
- Pano-Sprachen (<0,1%)
- Karaibische Sprachen (<0,1%)
- Mataco-Guaicuru-Sprachen (<0,1%)
- Arawak-Sprachen (<0,1%)
- Araukanische Sprachen (<0,1%)
- Eskimo-aleutische Sprachen (<0,1%)
weitere Sprachfamilien und Klassifikationen:
- Kam-Tai-Sprachen
- Japonische Sprachen (Japonisch oder auch austronesisch-altaiische Mischform enthält Japanisch. Sie wird von vielen Sprachwissenschaftlern auch zu den Altaisprachen gerechnet oder als Einzelsprache angesehen).
Sprachfamilien nach Anzahl der Einzelsprachen
Gemäß Ethnologue (einer Liste der Sprachen der Welt) haben folgende Sprachfamilien die meisten Sprachen:
- Kongo-kordofanische Sprachen (2061 Sprachen)
- Austronesische Sprachen (1304 Sprachen)
- Indogermanische Sprachen (861 Sprachen)
- Afro-asiatische Sprachen (584 Sprachen)
- Sino-tibetische Sprachen (431 Sprachen)
- Nilo-saharanische Sprachen (279 Sprachen)
- Austro-asiatische Sprachen (227 Sprachen)
- Oto-Mangue-Sprachen (144 Sprachen)
- Australische Sprachen (120 Sprachen)
- Dravidische Sprachen (87 Sprachen)
- Aztekisch-tanoische Sprachen (55 Sprachen)
- Khoisan-Sprachen (51 Sprachen)
- Turksprachen (32 Sprachen)
Siehe auch: isolierte Sprachen, Liste von Sprachen
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Kategorie:Historische Linguistik
Kategorie:Liste (Sprache)
ja:言語の分類一覧
ko:어족
simple:Language families and languages
zh-cn:语言系属分类
MutterspracheAls Muttersprache bezeichnet man die in der frühen Kindheit ohne formalen Unterricht erlernte Sprache. Diese prägt sich in ihrer Lautgestalt und grammatischen Struktur so tief in das Bewusstsein ein, dass im Allgemeinen etwa ab der Pubertät keine andere Sprache mehr diesen Platz einnehmen kann. Jeder nicht an einer besonderen Sprachschwäche leidende Mensch erlernt in dieser Zeit die in seiner Umgebung vorherrschende Sprache in der gleichen Perfektion wie die vorherige Generation. Die Muttersprache verbindet sich eng mit mentalen Strukturen und der Begriffsbildung. Insofern ist es wichtig, dass Kinder sie komplett ausbilden.
In den USA, aber auch in anderen Teilen der Welt, ist die Tendenz zu beobachten, jede Person, die über einigermaßen brauchbare Fremdsprachenkenntnisse verfügt, als "bilingual" beziehungsweise "multilingual" zu bezeichnen. Sprachenpolitisch kann dies als der Versuch gesehen werden, die tatsächliche Mehrsprachigkeit großer Bevölkerungsgruppen, die neben der Majoritätssprache eine andere Muttersprache sprechen als die der sie umgebenden sprachlichen Majorität, im Verhältnis zu der als idealisiert aufzufassenden und nur vorgestellten reinen und perfekten Einsprachigkeit aufzuwerten. In Deutschland trifft dies unter anderem auf die Migrantengruppen der Nachkriegszeit zu.
Bilingual im strengeren Sinne heißt, dass die zweite Sprache mit gleicher hoher Kompetenz wie die Muttersprache gesprochen werden.
Der Psychologe Stephen Pinker und der Linguist Noam Chomsky nehmen an, dass die Gehirnstruktur des jungen Menschen den Spracherwerb aktiv unterstützt. Diesen Ansatz erweitert Jerome Bruner um ein elterliches Spracherwerbsunterstützungssystem, das dazu führt, dass Interaktion mit Kleinkindern deren Lernen besonders anregt. Neuere Forschungen zeigen, dass der Spracherwerb auch ohne angeborene Gehirnstrukturen erklärbar ist (Konnektionismus, Kulturtheorien); der Neocortex zeigt eine hohe Plastizität in den frühen Jahren und das Kind ist in der Regel äußerst anregenden Lernumgebungen über lange Zeit ausgesetzt. Wichtig ist die Erkenntnis, dass andere Menschen über vergleichbare geistige Strukturen (Absichten, Zwecke) verfügen, die das Kind mit ihnen durch die Sprache teilen kann ("Theory of Mind", Kulturtheorie von Tomasello). Gemeinsame Praxis in größeren Gruppen scheint auch evolutionär Anlass zur Ausbildung der Sprache gewesen zu sein (Dunbar). Spezifischer Sprachmodule bedarf es nicht.
Erkenntnissen des Neurowisenschaftlichen Instituts in La Jolla zufolge, soll die Musik eines Komponisten die Sprachmelodie seiner Muttersprache widerspiegeln. Die Muttersprache prägt nach diesem Forschungsergebnis also auch die Musik eines Landes. Unterscheidet sich etwa die Tonhöhe aufeinanderfolgender Silben in einer bestimmten Sprache stark, dann zeigt auch die Musik ausgeprägte Tonsprünge.
Eine weitere Unterscheidung wird bisweilen bei Minderheitensprachen zwischen Muttersprache und Erstsprache getroffen.
Siehe auch
- Weltsprache
- Muttersprachler
- Erstsprache
- Zweitsprache
- Fremdsprache
- Muttersprachenprinzip in der Übersetzung
- Muttersprache (Anzahl der Sprecher)
- Sprache
- Sprachbildung
Kategorie:Sprache
Kategorie:Leseförderung
ja:母語
simple:Mother tongue
zh-min-nan:Bó-gí
Indische Sprachen
Indische Sprachen, die in Indien gesprochenen Sprachen, umfassen über 400 Einzelsprachen und Dialekte, vorwiegend aus zwei Sprachfamilien, den Indoarischen Sprachen und den Dravidischen Sprachen, sowie das Englische. 23 Sprachen sind durch Bundesgesetz privilegiert, zusätzlich benennen Gesetze der Bundesstaaten weitere anerkannte Regionalsprachen. Wie hoch die genaue Zahl aller Sprachen anzunehmen ist, hängt von der Einstufung als Dialekt oder Einzelsprache ab, insbesondere der zahlreichen Sprachen, die Hindi ähneln.
Die indische Verfassung sieht Hindi und Englisch als offizielle Sprachen der Republik vor, die für alle Regierungsdokumente zu benutzen seien. Nach den ursprünglichen Plänen sollte Englisch diesen gleichberechtigten Status 1965 verlieren, auf den Status einer zusätzlichen offiziellen Sprache herabgestuft werden und in einem noch zu festzulegenden Prozess auch diesen Status später verlieren. Insbesondere durch den Widerstand der südindischen Bundesstaaten, voran Tamil Nadu, ist dieser Plan de facto gestoppt.
22 Sprachen sind anerkannte Nationalsprachen, als scheduled languages in der Verfassung verankert, wodurch sie in der Offiziellen Sprachkomission Indiens vertreten sind. Ein wichtiges Privileg dieser Sprachen ist, dass Bewerber für den Staatsdienst ihre Eingangsprüfung in eine dieser Sprachen ihrer Wahl ablegen können.
Offizielle Sprachen
#Hindi
# Englisch
Anerkannte Nationalsprachen
#Asamiya, offizielle Sprache in Assam
#Bengali, offizielle Sprache in Tripura und Westbengalen
#Bodo, offizielle Sprache in Assam
#Dogri, offizielle Sprache in Jammu und Kashmir
#Gujarati, offizielle Sprache in Dadra und Nagar Haveli, Daman und Diu und Gujarat
#Hindi, offizielle Sprache auf den Andamanen und Nikobaren, in Bihar, Chandigarh, Chhattisgarh, Delhi, Haryana, Himachal Pradesh, Jharkhand, Madhya Pradesh, Rajasthan, Uttar Pradesh and Uttaranchal
#Kannada, offizielle Sprache in Karnataka
#Kashmiri
#Konkani, offizielle Sprache in Goa
#Maithili, offizielle Sprache in Bihar
#Malayalam, offizielle Sprache in Kerala und Lakshadweep
#Meitei (Manipuri), offizielle Sprache in Manipur
#Marathi, offizielle Sprache in Maharashtra
#Nepali, offizielle Sprache in Sikkim
#Oriya, offizielle Sprache in Orissa
#Punjabi, offizielle Sprache im Punjab
#Sanskrit
#Santali, die Sprache der Santal
#Sindhi
#Tamil, offizielle Sprache in Tamil Nadu und Pondicherry
#Telugu, offizielle Sprache in Andhra Pradesh
#Urdu, offizielle Sprache in Jammu und Kashmir
Weitere Sprachen
Eine Auswahl weiterer Sprachen:
#Awadhi (sehr nahe dem Hindi)
#Bagri, gesprochen in Rajasthan (sehr nahe dem Hindi)
#Bhili, die Sprache der Bhil
#Bhojpuri, gesprochen in Bihar (sehr nahe dem Hindi)
#Bundeli (sehr nahe dem Hindi)
#Chhattisgarhi, gesprochen in Chhattisgarh (sehr nahe dem Hindi)
#Garhwali (sehr nahe dem Hindi)
#Gondi, die Sprache der Gond
#Haryanvi, gesprochen in Haryana (sehr nahe dem Hindi)
#Ho, austroasiatische Sprache in Jharkhand
#Kanauji, gesprochen in Uttar Pradesh ((sehr nahe dem Hindi)
#Khasi, die austroasiatische Sprache der Khasi in Meghalaya
#Kodava, gesprochen im Kodagu-Distrikt von Karnataka
#Kumauni, gesprochen in Uttaranchal (sehr nahe dem Hindi)
#Kurukhi (Oraon), eine dravidische Sprache
#Kutchi, gesprochen in der Kutch-Region von Gujarat
#Ladakhisch, gesprochen in Ladakh (Jammu und Kashmir)
#Magahi, gesprochen im südlichem Bihar (sehr nahe dem Hindi)
#Malvi, gesprochen in Rajasthan (sehr nahe dem Hindi)
#Marwari, gesprochen in Rajasthan (sehr nahe dem Hindi)
#Mewari, gesprochen in Rajasthan (sehr nahe dem Hindi)
#Mewati, gesprochen in Rajasthan (sehr nahe dem Hindi)
#Mizo, die tibeto-birmanische Sprache der Mizo in Mizoram
#Mundari, die austroasiatische Sprache der Munda
#Nimadi (sehr nahe dem Hindi)
#Rajbanshi, gesprochen in Westbengalen (sehr nahe dem Hindi)
#Sadri, eine Bihari-Sprache (sehr nahe dem Hindi)
#Shekhawati, gesprochen in Rajasthan (sehr nahe dem Hindi)
#Sylheti (sehr nahe dem Bengali)
#Tulu, die dravidische Sprache der Tulu in Karnataka und Kerala
#Waddar, eine dravidische Sprache (sehr nahe dem Telugu)
Weblinks
- [http://rajbhasha.nic.in/ Department of Official Language (DOL)]
- [http://www.ciil.org/ Central Institute of Indian Languages]
- [http://www.languageinindia.com/ Language in India]
- [http://www.ethnologue.com/show_country.asp?name=IN Ethnologue]
ko:인디아의 국가언어 목록
ja:インドの国語の一覧
th:ภาษาราชการของอินเดีย
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Germanische SprachenDie germanischen Sprachen sind ein Zweig der indoeuropäischen bzw. indogermanischen Sprachfamilie.
Ein charakteristisches lautliches Phänomen bei der Entstehung der germanischen Sprachen sind Veränderungen im Konsonantismus (Lautverschiebungen).
In der folgenden Auflistung werden nur die Eigenarten der größten Sprachgruppen genannt, Dialekte findet man unter dem jeweiligen Extraartikel. Zum Beispiel werden viele niederdeutsche Dialekte nur unter Niederdeutsch bzw. Plattdeutsch im Artikel westgermanische Sprachen aufgeführt.
West- Ost- Nord-Gliederung
Die Sprachgrenze zwischen Nord- und Westgermanisch ist heute durch die deutsch-dänische Grenze markiert und lag früher etwas weiter südlich an der Eider. Innerhalb der beiden großen Sprachgruppen gibt es fließende Übergänge durch lokale Dialekte (fließende Sprachgrenzen).
Westgermanische Sprachen
Unter anderen: Deutsch, Englisch, Niedersächsisch, Niederfränkisch, Niederländisch, Friesisch, Jiddisch (weiteres siehe Westgermanische Sprachen).
Ostgermanische Sprachen
Alle ostgermanischen Sprachen sind ausgestorben (weiteres siehe Ostgermanische Sprachen).
Nordgermanische Sprachen
Schwedisch, Dänisch, Norwegisch, Färöisch und Isländisch (weiteres siehe Nordgermanische Sprachen).
Geschichte
Man geht von einer hypothetischen protogermanischen (vor- oder gemeingermanischen) Sprache als Ursprung aller germanischen Sprachen aus. Heute unterscheidet man die westgermanischen und die nordgermanischen Sprachen, die sich um das 1. Jahrhundert trennten. Schon vorher spaltete sich das ausgestorbene Ostgermanisch ab. Diese Sprachperiode nennt man auch gemeingermanisch.
Nordgermanische Sprachen stammen vom Altnordischen ab. Diese Vorform der heutigen skandinavischen Sprachen ist uns in Runendenkmälern sowie der reichen Literatur des mittelalterlichen Skandinaviens bezeugt. Bereits vor der frühesten Überlieferung der altnordischen Sprache teilte sich diese in Altwestnordisch und Altostnordisch. Aus dem ersten Zweig gingen das heutige Isländische und Färöische hervor, aus dem zweiten Zweig das heutige Dänische und Schwedische.
Aufgrund des jahrhundertelangen Einflusses der dänischen Herrscher auf das Königreich Norwegen gilt dessen heutige Amtssprache Bokmål ebenfalls als ostnordisch, während die Dialekte Westnorwegens, aus denen der Sprachforscher Ivar Aasen die zweite Amtssprache Norwegens, das Nynorsk, schuf, dem westnordischen Zweig angehören.
Siehe auch
- Germanen,
- Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Frühneuhochdeutsch, Neuhochdeutsch
- Germanische Dichtung
Literatur
Claus Jürgen Hutterer: Die germanischen Sprachen, 3. überarbeitete Auflage, Wiesbaden 1990, Drei Lilien Verlag, ISBN 3-922383-52-1
Weblinks
- [http://www.stefanjacob.de/Geschichte/Unterseiten/Sprache.php Germanisch-deutsche Sprachgeschichte]
- [http://www.linguasphere.net/secure/ip/pdf/zones/52.pdf "The Linguasphere Register", Zone 52- Germanische Sprachen]
Kategorie:Sprachfamilie
Kategorie:Indogermanisch
Kategorie:Germanisch
ja:ゲルマン語派
ko:게르만어
Keltische SpracheDie keltischen Sprachen sind eine Gruppe von Sprachen, die in Europa gesprochen wurden und werden.
Systematisierung
Die keltischen Sprachen werden von der Sprachwissenschaft den indogermanischen Sprachen zugeordnet; sie sind also mit den germanischen, slawischen, indischen und anderen Sprachen dieser Sprachfamilie verwandt. Früher wurde die keltische Gruppe der italischen Sprachgruppe (z. B. Latein, aber auch das Oskische, das Umbrische und andere) am nächsten gestellt. Man sprach deshalb vom hypothetischen „Italo-Keltischen“ als der Vorstufe von beiden. Diese Hypothese gilt mittlerweile als veraltet, da sie nicht ausreichend belegt werden konnte.
Untergruppen der keltischen Sprachen sind die festlandkeltischen Sprachen und die inselkeltischen Sprachen.
Abgrenzung und Merkmale
Ob es sich beim Keltischen um mehrere Einzelsprachen oder um Gruppen von Sprachen oder Dialekten handelte, ist umstritten, zumal es sich bei der Auftrennung in Einzelsprachen um einen Entwicklungsprozess handelte, der einen längeren Zeitraum beanspruchte. Das Keltische bildete jedoch innerhalb des Indogermanischen eine eigenständige Gruppe, die vermutlich durch eine geographische Trennung von den übrigen gesprochenen Sprachen entstanden war. Wann diese Trennung genau stattfand, ist wohl nicht mehr überzeugend zu rekonstruieren, möglicherweise während der Hallstattzeit ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. Die Merkmale, die das Keltische von den anderen Sprachen unterschieden, sind jedoch weitgehend unumstritten, da sie aus den belegten keltischen Sprachen gut rekonstruiert werden konnten. Alle keltischen Sprachen können auf frühere Sprachstufen zurückgeführt werden, die alle folgenden Merkmale aufwiesen:
- Wegfall des indogermanischen Lautes - /p/: altirisch athir („Vater“) aus indogermanisch - pH2tēr (jedoch Wandel zu /x/ vor Plosiven: altirisch secht („sieben“) aus indogermanisch - septm; in p-keltischen Sprachen wurde später ein „neues“ /p/ aus /kw/ gebildet, im q-keltischen Irischen ist der Laut /p/ nur in Lehnwörtern und Wörtern mit bestimmten Lautkombinationen (z. B. /b/ + /h/ > /p/) vorhanden
- Umbau des Vokalsystems (lange „Mittelvokale“ /ē/ und /ō/ wurden zu /ī/ bzw. /ā/ oder /ū/ (je nach Position im Wort): gallisch rīx („König“, „Fürst“) aus indogermanisch - rēks; /ē/ und /ō/ wurden aus ererbten Diphthongen neu gebildet
- Wandel des indogermanischen Lautes /gw/ zu /b/: altirisch bó („Kuh“) aus indogermanisch - gwous-
- Wandel der indogermanischen silbentragenden Laute /l/ und /r/ je nach Lautumgebung zu /al/, /li/ oder /lā/ bzw. /ar/, /ri/ oder /rā/.
Die typischen Merkmale der heutigen keltischen Sprachen wie die Anlautmutationen der inselkeltischen Sprachen oder auch die phonemische Palatalisierung in den goidelischen Sprachen sind auf spätere Entwicklungen zurückzuführen. In den belegten festlandkeltischen Sprachen sind diese Entwicklungen nicht (Palatalisierung) bzw. nicht eindeutig (Mutationen) nachweisbar. Diese Merkmale können daher nicht als gemeinkeltisch betrachtet werden.
Ursprüngliche Ausbreitung und Quellen
Die Verbreitung der keltischen Sprachen folgte im Großen und Ganzen der Wanderbewegung der keltischen Völker, Kultur oder Sprache und erreichte dadurch vom Kerngebiet im südlichen Mitteleuropa aus auch die iberische Halbinsel, die britischen Inseln sowie Kleinasien. Von der kontinentalen keltischen Kultur ist aus der Archäologie viel bekannt. Da die Kelten in der frühesten Zeit noch keine Schriftkultur betrieben, ist man jedoch für die Kenntnisse ihrer hypothetischen Ursprache vor allem auf überlieferte Orts- und Personennamen sowie auf Rekonstruktionen aus den überlieferten Sprachen, auch vom Kontinent selbst, angewiesen.
In späterer Zeit hinterließen keltische Sprachen sprechende Volksgruppen hingegen sehr wohl schriftliche Zeugnisse, vor allem als steinerne Inschriften und auf Münzen. Dies geschah aber stets unter dem Antrieb anderer Völker, d. h. der Iberer in Spanien, der Römer in Gallien usw. Zusätzlich liegen griechische und römische Berichte vor, auf die sich die Forschung ebenfalls stützen kann, meist aber vor allem das äußere Erscheinungsbild und die Sitten der „Kelten“ behandelten. Diese werden in solchen Berichten jedoch meist als eine ethnische Einheit behandelt, die sie wahrscheinlich nie bildeten, zudem ist es fraglich, ob bei der Beschreibung fremder Völker immer strikt zwischen einzelnen Sprachgruppen unterschieden wurde, die wiederum mit ethnischen Gruppen nicht immer konform gingen. Die antiken Berichte sind wertvoll, aber mit Vorsicht zu lesen.
Auf dem Festland verschwanden in den ersten Jahrhunderten u. Z. sämtliche keltischen Sprachen vor allem unter dem dominierenden Einfluß des Latein des römischen Reiches sowie durch die Ausbreitung der germanischen Sprachen. Aus frühmittelalterlichen Quellen geht hervor, dass möglicherweise noch im fünften Jahrhundert in der Gegend um Trier von einem Teil der Bevölkerung ein keltischer Dialekt gesprochen wurde. Nur vier festlandkeltische Sprachen sind, zum Teil recht spärlich, überliefert: das Gallische, das Keltiberische, das Lepontische und das Galatische. Von diesen Sprachen weicht das Keltiberische am stärksten ab, die anderen drei Sprachen sind sich relativ ähnlich.
Heutige Verbreitung
Hingegen konnten sich keltische Sprachen auf den britischen Inseln halten. Diese so genannten inselkeltischen Sprachen können in zwei Gruppen unterteilt werden, die britannischen Sprachen und die goidelischen Sprachen. Diese werden häufig auch als p-keltisch und q-keltisch genannt, obwohl diese Zuordnung nicht ganz zutreffend ist. In diese Gruppierungen zerfallen nämlich alle keltischen, nicht nur die inselkeltischen Sprachen.
Die östliche inselkeltische Gruppe, das Britannische oder auch Brythonische, umfasst das heutige Bretonische, das Kornische, das weitgehend unbekannte und nur mit wenigen Wörtern überlieferte Kumbrische in Nordengland sowie das Walisische (oder Kymrische). Auch die Sprache der Pikten, die nur aus Ortsnamen Nordost-Schottlands bekannt ist, gehörte möglicherweise dieser Gruppe an. Eine gemeinsame Vorstufe dieser Sprachen ist nicht belegt, doch die frühmittelalterlichen britannischen Sprachen waren sich so ähnlich, dass man sich vielleicht ohne weiteres verstanden hat. Das Bretonische, das heute noch in der Bretagne gesprochen wird, gelangte infolge der angelsächsischen Eroberung der Britischen Inseln über Fluchtbewegungen von Cornwall nach Nordfrankreich und gehört daher zu den inselkeltischen Sprachen obwohl es heute auf dem Festland gesprochen wird.
Die kornische Sprache ist seit dem 18. Jahrhundert ausgestorben, wird aber mittlerweile wieder von etwa 1.000 Menschen gesprochen (davon von 250 bis 300 fließend; Quelle: SGRÙD-Report 2000), während das Walisische mit ca. 500.000 Sprechern noch relativ stark verbreitet ist. Das Bretonische wird nach neuen Schätzungen (Broudig 1999) von ca. 250.000 Menschen gesprochen.
Die westliche inselkeltische Gruppe, das Goidelische, besteht aus dem Altirischen und den drei davon abgeleiteten modernen Sprachen, dem Irischen, dem Schottisch-Gälischen (selten – nach dem Scots-Begriff Erse – als „Ersisch“ bezeichnet) sowie dem Manx. Gälisch kam im frühen Mittelalter nach Schottland, im Zuge einer Expansion aus dem Norden Irlands (durch den Stamm der Dál Riata), die zum Untergang des piktischen Königreichs führte.
Heutige Sprachsituationen
Die Republik Irland bemüht sich, die irische Sprache (die wie alle goidelischen Sprachen auch „Gälisch“ genannt wird) zu erhalten. Schätzungen der Sprecherzahlen schwanken stark zwischen knapp 10.000 und 70.000. In Nordirland wird das Irische seit den 50er Jahren nicht mehr als Mutter- oder Erstsprache gebraucht, jedoch besitzt es dort eine starke identifikatorische und politische Bedeutung.
Weniger staatliche Unterstützung erhält das Schottisch-Gälische, das von offiziell 60.000 Personen gesprochen wird, wovon möglicherweise aber nur 20.000 Personen die Sprache auch täglich verwenden. Gälisch wird vereinzelt auch in Neuschottland (Kanada) gesprochen. Der letzte traditionelle Sprecher (nicht Muttersprachler, da er die Sprache zwar als Kind, aber erst nach dem Englischen gelernt hatte) des Manx, Ned Madrell, starb in hohem Alter im Jahre 1974, doch wird die Sprache in den Schulen fakultativ unterrichtet.
Allen keltischen Sprachen ist in verschiedenem Maße gemeinsam, dass die Alters- und Sozialpyramiden ihrer Sprecher sehr ungünstig gestaltet sind. Dies bedeutet, dass sie vorwiegend von älteren Leuten gesprochen werden, die zudem häufig aus niederen sozialen Schichten stammen. In Irland wird dies jedoch wenigstens zum Teil durch einen hohen Anteil von Nichtmuttersprachlern mit guten oder sehr guten Irischkenntnissen ausgeglichen, und auch in Wales trifft dieser Umstand nur bedingt zu. Gerade in Wales sorgt das Schulsystem (vielfach Unterricht auf Walisisch, nicht nur Walisisch als Fremdsprache) jedoch wieder für eine stärkere Verbreitung von Walisischkenntnissen in jüngeren Altersgruppen.
Auswirkungen auf andere Sprachen
Verschiedene europäische Sprachen wurden von keltischen Sprachen auf unterschiedliche Weise beeinflusst. Dieser Einfluss war zwar beschränkt, aber auch nicht zu unterschätzen. Dabei muss zwischen den Auswirkungen der altkeltischen Sprachen einerseits und den späteren Auswirkungen der inselkeltischen Sprachen andererseits unterschieden werden. Die Auswirkungen können zudem in reine Lehnwörter, Orts- und Gewässernamen sowie allgemeinere Einflüsse (Syntax, Phonetik usw.) unterteilt werden.
Da im Laufe der Zeit weite Teile Mittel-, Süd- und Westeuropas von Volksgruppen mit keltischen Sprachen besiedelt wurden, sind Überbleibsel aus diesen Sprachen in vielen Sprachen dieser Regionen zu finden.
Am häufigsten finden sich Ortsnamen, die auf keltische Ursprünge zurückzuführen sind. Dazu zählen z. B. die meisten maskulinen Flussnamen in Süddeutschland, die Flussnamen Rhône und Seine (letzterer aus Gallisch - sequan-) sowie Städtenamen wie Lyon (aus - Lugu-dunom, „Festung des (Gottes) Lugos“) und Verdun (aus - ver(o)-dunom, „oben gelegene Festung“).
Direkt aus einer keltischen Sprache (wahrscheinlich dem Gallischen) entlehnt sind die deutschen Begriffe „Amt“, „Eisen“ und „Reich“ (bzw. das Adjektiv „reich“): sie stammen aus - ambaktos „Höriger, Dienstmann“ (eigentlich: „derjenige, der herumgetrieben wird“), - isarno- und - rigjom „das zum König (rix) gehörige“). Erst am Ende des Altertums wurde über das Provinzlatein Galliens die griechisch-gallische Mischform para-veredus „Beipferd zum Postpferd“ entlehnt, vgl. dt. Pferd.
Eine interessante Entwicklung hat das keltische Wort - karros („Wagen“) genommen. Zunächst gelangte es als carrus ins Lateinische, über dieses in die romanischen Sprachen, später aus diesen in verschiedene andere Sprachen, u. a. ins Deutsche („Karre, Karrosse“) und über das Englische auch ins Irische, also wiederum in eine keltische Sprache (carr, „Auto“, neben der Eigenbildung gluaisteán, eigentl. etwa „Beweger“).
Die Auswirkungen auf den Wortschatz der verschiedenen romanischen Sprachen sind vergleichsweise gering. Alle in Frage kommenden Wörter gingen zunächst ins Provinzlatein Galliens über, so zum Beispiel - ivos „Eibe“, vgl. franz. if und verschiedene andere Ausdrücke meistens aus Flora und Fauna.
Die Auswirkungen der heute existenten inselkeltischen Sprachen sind recht gering, werden jedoch meist auch unterschätzt. Lehnwörter in anderen Sprachen gibt es relativ wenige. Zu diesen zählen, um nur einige zu nennen, Whisk(e)y (aus ir.-schott. uisce (beatha), „Wasser des Lebens“; vgl. frz. eau de vie mit der gleichen Bedeutung) sowie die Ausdrücke galore („viel, massenhaft“; aus schottisch-gälisch gu leor, „viel, zahlreich“ wahrscheinlich das einzige im Englischen nachgestellte Adjektiv) und smashing („großartig, toll“; wohl aus irisch is maith sin, „das ist gut“). Ins Deutsche sind Ausdrücke aus keltischen Sprachen nur über Vermittlung anderer Sprachen, meist des Englischen gelangt. Neben dem Whisk(e)y zählt dazu das Wort Flanell. Dieses stammt ursprünglich von einer bestimmten grammatischen Form des walisischen Wortes für „Wolle“ ab: wlanen /wlanen/, von gwlân /gwla:n/, mit leniertem Initiallaut /g/ und Singularsuffix -en. Im Englischen wurden das auslautende -n und das -n- im Inlaut dissimiliert und die Endung ergab -l.
Weiterhin hatten alle inselkeltischen Sprachen starke Auswirkungen auf die jeweilige regionale Aussprache und Syntax der größeren Nachbarsprachen. Dafür ist insbesondere das Hiberno-Englische bekannt. Durch den Einfluss des Bretonischen wurde jedoch z. B. auch die Betonung der regionalen Variante des Französischen von der letzten auf die vorletzte Silbe verschoben (also wie im Bretonischen).
Diskutiert werden weiterhin allgemeinere Einflüsse wie das auf der 20 basierende Zählsystem in den inselkeltischen Sprachen, im Französischen sowie in Ansätzen im Englischen (score, „20“). Die Vermutung liegt nahe, dass dieses System aus den keltischen Sprachen stammt, da es in allen inselkeltischen Sprachen vorhanden ist bzw. war. Außerdem ist die Verlaufsform des Englischen (I am a-going, I am going) ein möglicher Kandidat für einen inselkeltischen Ursprung. Diese Verlaufsform ist ebenfalls in allen inselkeltischen Sprachen vorhanden: Irisch Tá mé ag dul („bin ich am Gehen“), Walisisch Rydw i'n mynd („bin ich am Gehen“) usw. Möglicherweise sind auch parallele Bildungen im Französischen und in den rheinischen Dialekten (indirekt) auf diese Weise entstanden.
Übersicht
- Keltische Sprachen
- Festlandkeltische Sprachen alle ausgestorben
- Gallisch
- Galatisch
- Lepontisch
- Keltiberisch
- Inselkeltische Sprachen
- Britannische Sprachen
- Bretonisch
- Kornisch ausgestorben, schwach wiederbelebt
- Kumbrisch ausgestorben
- Walisisch
- Piktisch (?: eventuell keine keltische Sprache) ausgestorben
- Goidelische Sprachen
- Irisch
- Manx ausgestorben, schwach wiederbelebt
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