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Industriedenkmal]
Unter einem Industriedenkmal versteht man eine Industrieanlage, die als Kulturdenkmal anerkannt und in die Denkmalliste aufgenommen wurde. Es soll die Erinnerung an die Geschichte der Industrie vor allem im 19. und 20. Jahrhundert (Industrialisierung) wach halten.
Diese Industrieanlagen sind oft bereits außer Betrieb. Industriedenkmale werden daher häufig als Museen oder zu Ausstellungs- und Veranstaltungszwecken genutzt (siehe dazu auch Umnutzung alter Hallen). Soweit sie in Privatbesitz sind, sind sie kaum öffentlich zugänglich. Insbesondere im Zuge des Strukturwandels des Rheinisch-Westfälischen-Industriegebietes oder Ruhrgebietes und der Einrichtung der "Internationalen Bauausstellung Emscher Park" seit dem Ende des 20. Jahrhunderts sind dort viele Industriedenkmale erhalten. Aber auch andere Regionen weisen eine Vielzahl von Industriedenkmalen auf, so etwa das Saarland mit Zeugen der Montanindustrie, Sachsen, Katalonien, Nordengland und Norditalien mit Textil- und Maschinenbauindustrie.
Beispiele von Industriedenkmälern
- Bergbau- und Montanindustrie
- Völklinger Hütte
- Zeche Zollverein in Essen - ehemaliges Kohlebergwerk
- Landschaftspark Duisburg-Nord - ehemaliges Hüttenwerk
- Ferropolis bei Bitterfeld - ehemaliger Braunkohletagebau
- Malakow-Turm - als Fördereinrichtungen des Bergbaus im 19. und 20. Jhdt.
- siehe auch Route der Industriekultur und Liste der Ausflugsziele und Sehenswürdigkeiten im Ruhrgebiet
- Textilindustrie
- Textilviertel in Augsburg
Augsburg, Blick von Berlin-Niederschöneweide]]
- Rüstungsindustrie
- Sauerstoffwerk II in Peenemünde
- Prüfstand VII in Peenemünde
- Energieversorgung
- Gasometer z. B. der Gasometer Oberhausen, Gasometer Wien oder die Gasometer in Augsburg, Duisburg, Münster (Westfalen)
- Kraftwerk Walchensee in Kochel am See - voll in Betrieb!
- Koepchenwerk in Herdecke - ehemaliges Wasserkraftwerk
- Peter-Behrens-Bau der AEG von 1901 in Berlin-Oberschöneweide
- Binnenschiffahrt
- Innenhafen in Duisburg - ehemaliger Industriehafen
- Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop
- Schiffshebewerk Niederfinow am Oder-Havel-Kanal in Brandenburg
- Funktechnik
- Maschinensender SAQ, Grimeton
- Sender Königs Wusterhausen
- Sonstige
- Denkmalgeschützte Industriebauten entlang der Spree in Berlin-Oberschöneweide und -Niederschöneweide
Siehe auch: Rheinisches Industriemuseum - Westfälisches Industriemuseum - Windmühle - Wülfing-Museum
Weblinks
- http://www.industriedenkmal-stiftung.de/
- http://www.industriedenkmal.de/
- http://www.dubtown.de/
Kategorie:Kulturdenkmal
Kategorie:Städtebau
DenkmallisteAuch Denkmalbuch oder Denkmalverzeichnis
In Deutschland werden die anerkannten Kulturdenkmale in Denkmallisten aufgeführt. Allerdings stehen nicht unbedingt alle Kulturdenkmale in der Denkmalliste: Dies ist abhängig vom jeweiligen Bundesland und seinem Denkmalschutzgesetz (DSchG). So werden bewegliche Denkmale zum Beispiel in manchen Bundesländern nur eingetragen, wenn es einen historisch begründeten Ortsbezug gibt.
Da der Denkmalschutz in Deutschland unter die Kulturhoheit der Bundesländer fällt, gibt es für jedes Bundesland ein eigenes Denkmalschutzgesetz. Die genauen Regelungen zum Führen der Denkmalliste sind Teil des Denkmalschutzgesetzes und somit von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Für präzise Angaben über die Denkmalliste sei also an dieser Stelle auf das Denkmalschutzgesetz des jeweiligen Bundeslandes verwiesen.
Arten von Listen
Hauptsächlich wird unterschieden in:
# deklaratorische Denkmallisten
# konstitutive Denkmallisten
# Denkmalbuch
Deklaratorische Denkmallisten
werden nachrichtlich geführt. In sie werden Objekte aufgenommen, die die im jeweiligen Gesetz genannten Voraussetzungen erfüllen, wobei die Denkmaleigenschaft eines Objektes nicht von der Eintragung in die Liste abhängt. Für bewegliche Denkmale gibt es spezielle Regelungen.
Ist ein Eigentümer mit der Denkmalausweisung nicht einverstanden, kann er sie nur auf dem verwaltungsgerichtlichen Weg anfechten. Dieser eröffnet sich ihm in einem denkmalrechtlichen Genehmigungsverfahren oder, wo dies vorgesehen ist, einem hierzu zu beantragenden Verwaltungsakt.
Deklaratorische Listen gibt es in folgenden deutschen Bundesländern: Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen.
Konstitutive Denkmallisten
dienen nicht nur der Inventarisierung, sondern sind verwaltungsrechtliche Werkzeuge. Ein Denkmal ist erst gesetzlich geschützt, wenn es durch einen bestandskräftigen Verwaltungsakt in die Liste aufgenommen wurde. Dazu sind die entsprechenden Stellen zu hören, der Denkmaleigner hat die Möglichkeit, verwaltungsgerichtlich gegen die Aufnahme in die Denkmalliste vorzugehen. Konstitutive Listen werden in den folgenden deutschen Bundesländern geführt: Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein.
Denkmalbuch
Denkmalbuch und Denkmalliste wird oft als gleichwertig bzw. Synonym verstanden. In einigen Bundesländern wird jedoch neben den Denkmallisten ein gesondertes Denkmalbuch geführt. So werden in Baden-Württemberg "Kulturdenkmale von besonderer Bedeutung" (DSchG-BW §12) speziell in das Denkmalbuch eingetragen, während sonst eine deklakatorische Denkmalliste geführt wird, d.h. ein Kulturdenkmal wird durch das Denkmaschutzgesetz (DSchG-BW §2) definiert und nicht erst durch eine Eintragung in die Denkmalliste.
Verfahren (am Beispiel Nordrhein-Westfalen)
An dieser Stelle wird das Prinzip anhand des DSchG von Nordrhein-Westfalen erklärt. Das Thema Denkmalliste wird explizit in §3 und in der angehängten Verordnung über die Führung der Denkmalliste (Denkmallisten-Verordnung) behandelt.
Wie kommt ein Objekt in die Denkmalliste Nordrhein-Westfalens ?
Den Anstoß, ein Denkmal in die Liste aufzunehmen gibt entweder der Eigentümer, der Landschaftsverband oder er kommt von Amts wegen. Zuständig für die Bearbeitung und Eintragung eines Denkmals ist die Untere Denkmalbehörde.
- Als erstes wird geprüft, ob das vorgeschlagene Objekt die nötigen Denkmaleigenschaften nach dem DSchG besitzt. Dies erfolgt durch die Benehmensherstellung der Unteren Denkmalbehörde mit dem Landschaftsverband. Das dort angesiedelte Amt für Denkmalpflege erstellt im Rahmen dieses Verfahrensschrittes eine ausführliche Denkmalwertbegründung, die nach den verschiedenen Kriterien des DSchG die Bedeutung des Objektes darlegt.
- Bei der Beurteilung des Denkmalwertes erfolgt keine Abwägung. Wird der Denkmalwert festgestellt, ist das Objekt einzutragen (zweistufiges Verfahren). Anwägungen erfolgen erst auf der zweiten Stufe, wenn Veränderungen des Baudenkmals beabsichtigt werden - denkmalrechtliche Erlaubnis.
- Bei Differenzen zwischen der Unteren Denkmalbehörde und dem Landschaftsverband über den Denkmalwert kann der Landschaftsverband eine Entscheidung der Obersten Denkmalbehörde (das zuständige Ministerium) anstreben. Diese Entscheidung ist für beide Seiten verbindlich.
- Dann folgt die Anhörung des Eigentümers und/oder Nutzungsberechtigten. Bei diesem Gespräch wird der Eigentümer auf die Rechte und Pflichten hingewiesen, die der Besitz eines Denkmals mit sich bringt.
- Ist das Objekt in die Denkmalliste aufgenommen, wird dem Eigentümer dies mitgeteilt. Die Rechte und Verpflichtungen, die er damit übernommen hat, werden ihm noch einmal mitgeteilt. Er kann innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. Danach steht ihm der Rechtsweg vor dem Verwaltungsgericht offen.
Was steht in der Denkmalliste ?
Die Kurzbezeichnung des Denkmals, seine Lage, seine charakteristischen Merkmale (d.h. warum das Objekt denkmalwürdig ist) und ggf. der Tag der Eintragung.
Wer kann die Liste wo einsehen ?
Die Denkmalliste steht Jedem offen (in manchen Bundesländern muss noch "das berechtigte Interesse" begründet werden). Bei der Liste von beweglichen Denkmalen ist in einigen Bundesländern die Einsicht nur den Eigentümern (bzw. von ihnen ermächtigten Personen) erlaubt. Man findet die Liste bei der Unteren Denkmalbehörde bzw. Unteren Denkmalschutzbehörde, die bei der unteren Verwaltungsbehörde (Landkreis, kreisfreie Stadt) oder der Kommune angesiedelt ist.
Siehe auch
- Denkmal (allgemein), Kulturdenkmal
- Denkmalschutz und DSchG
Weblinks
- http://www.denkmalliste.org (Adressverzeichnis aller Denkmallisten, die im Internet veröffentlicht sind)
Kategorie:Kulturdenkmal
IndustriekulturDer Begriff Industriekultur steht in Deutschland für die Beschäftigung mit der gesamten Kulturgeschichte des industriellen Zeitalters: Die Geschichte der Technik, die Sozialgeschichte der Arbeit, die Architekturgeschichte der Fabriken, die Entwicklung des geografischen Raumes („Industrielle Kulturlandschaft“) - all dies sind Facetten der Industriekultur.
Siehe auch: Route der Industriekultur, Industriegeschichte, Industriearchäologie, Industrialisierung, Industriedenkmal
Weblinks
- [http://www.erih.net/ Europäische Route der Industriekultur]
- [http://www.industriekultur-ruhr.de/Overview/overview.html Industriekultur-Ruhr]
- [http://www.industriedenkmal.de/ Industriedenkmal]
- [http://www.lostareas.de/Stoebern_Main.htm lostareas]
- [http://www.stahlseite.de/ Stahlseite]
- [http://www.hfinster.de/StahlArt/index.html StahlArt]
- [http://www.koks-gas-teer.de/ koks-gas-teer]
- [http://www.dubtown.de/ dubtown]
- [http://www.ruhrgebiet-regionalkunde.de/homeregionalkunde/index/mindex21.php3 Industriekultur - Annäherung an den Begriff]
- [http://www.mswks.nrw.de/Staedtebau/themenAngebote/industriekultur/index.html Industriekultur in Nordrhein-Westfalen]
- [http://www.industriedenkmal-stiftung.de/docs/910624168113_de.php Link-Kataloge zur Industriekultur]
- [http://www.oldone.de Informationen und Bildberichte aus Gelsenkirchen und zur Route Industriekultur]
Literatur
Forschungsaufgabe Industriekultur, hrsg. von Hans-Walter Herrmann, Rainer Hudemann und Eva Kell unter Mitarbeit von Alexander König. Saarbrücken 2004. ISBN 3-923-754-99-X
Besichtigung unseres Zeitalters, von Roland Günter. Klartext Verlag, Essen 2001. ISBN 3-88474-941-2
Der endliche Fortschritt, von Hans-Peter Bärtschi. Orell Füssli, Winterthur 2002. ISBN 3-28002-680-6
Kategorie:Kultur
Kategorie:Technik
MuseumDas Museum ([alt]griechisch μουσείο[ν], muussío - ursprünglich das Heiligtum der Musen, welche Schutzgöttinnen der Künste, Kultur und Wissenschaften waren) ist eine Institution, die eine Sammlung interessanter Gegenstände für die Öffentlichkeit ausstellt. Meistens wird heute von den Besuchern ein Eintrittsgeld erhoben, das dem Erhalt der Sammlung und der Anlage zugute kommt; oftmals ist es an einem Tag in der Woche oder wenigstens zu bestimmten Stunden eines Tages möglich, einzelne Museen unentgeltlich zu besuchen.
Übersicht
Besuchern
Ziel eines Museums ist es, Gegenstände (Exponate) aus zumeist vergangenen Zeiten zu einem
bestimmten Thema fachgerecht und dauerhaft aufzubewahren und den Besuchern in
Dauer- oder Wechselausstellungen zugänglich zu machen.
Der Deutsche Museumsbund macht in seiner Definition von 1978 noch weitere Einschränkungen: so darf ein (öffentliches) Museum keine kommerzielle Struktur aufweisen, muss fachlich geleitet und wissenschaftlich betreut werden.
In gängigen Lexika wird unter dem Begriff Museum meist auf die Aufgaben Sammeln, Bewahren, Wiederherstellen, Erforschen und Vermitteln verwiesen.
Heute leiden fast alle Museen unter Budgetknappheit. Die obige Definition sollte daher kein Hindernis sein, durch ansprechende Präsentationen bzw. Ausstellungsräume genügend Publikum "anzulocken". In gewisser Weise müssen Museen auch dem Zeitgeschmack Rechnung tragen und den Besuchern eine klare Struktur, Querverbindungen und auch die Möglichkeit zu eigenem Tun bieten. Vielfach ist deshalb u.a. ein Museums-Shop angeschlossen.
Die Gegenstände, die in Museen bewahrt und gezeigt werden, sollen nach der Überzeugung der Wissenschaft in Deutschland Zeugnisse aus der Geschichte der Menschheit sein. Sie sollen den Ablauf unserer historischen, technischen, soziokulturellen, unserer physischen, psychischen und philosophischen, aber auch unserer künstlerischen Entwicklung aufzeigen. Dennoch kreieren z.B. Technische Museen eine neue "Mode", indem sie die ausgestellten historischen Exponate reduzieren - zugunsten einer besseren Didaktik durch Aktivierung der Betrachter.
Eine Sonderform der "normalen" Museen stellen in diesem Sinn die Kindermuseen dar, in denen weniger historische Kostbarkeiten präsentiert werden, sondern Exponate, die Kindern Spaß machen, sie zum Staunen bringen und spielerisch Wissen vermitteln (z.B. das lebensgroße, begehbare Modell einer menschlichen Zelle).
Museen gingen oftmals aus fürstlichen Wunderkammern bzw. Kunstkammern oder speziellen Kunstsammlungen hervor und Johann Daniel Major eröffnete 1688 in Kiel ein öffentliches natur- und kulturgeschichtliches Landesmuseum, das Museum Cimbricum. In nur einigen Städten im deutschen Sprachgebiet kam es im 19. Jahrhundert zu bürgerlichen Neugründungen: Kunstmuseum Basel (das aus dem bürgerlichen Amerbach-Kabinett hervorging), Kunsthalle Bremen, Städelsches Kunstinstitut in Frankfurt, Hamburger Kunsthalle, Kunsthalle Wien etc. Vielfach sind jedoch Vereine - in kleinerem Stil bzw. für lokale Gegebenheiten tätig geworden, z.B. Bezirks- oder Bergbaumuseen.
In Kassel wurde 1779 das Fridericianum gebaut. Es war nach dem Britischen Museum das zweite öffentliche Museum, aber das erste als Museum konzipierte Bauwerk der Welt.
Museologie
Die Wissenschaft und Lehre von der Geschichte und Einrichtung der musealen Sammlungen als materielle Archive (Kulturbehälter) - gesetzlich vorgeschrieben z.B. für Bodenfunde - ist die Museologie oder Museumskunde (Institut für Museumskunde). Hierzu gehören auch die Dokumentation und Restaurierung von Museumsgut.
Museumspädagogik
Die Wissenschaft und Lehre von der Vermittlung des Sammlungsgutes ist die Museumspädagogik.
Berühmte Museen
- Liste bekannter Museen
- Liste deutscher Museen
- nach Orten (bundesweit)
- Museen in Baden-Württemberg
- Museen in Bayern
- Museen in Berlin
- Museen in Hessen
- ... (wird fortgesetzt)
- nach Themen
- Liste österreichischer Museen
- nach Orten
- Liste Schweizer Museen
- nach Orten
- Liste Südtiroler Museen
- nach Orten
Literatur
Bücher
- Pierre Bourdieu et Alain DARBEL, L'Amour de l'art, Paris, Les Editions de Minuit, 1967
- Jean-Louis DEOTTE , Le musée, l'origine de l'esthétique, Paris, L'harmattan, 1993
- Tony Bennett, The Birth of the Museum: History, Theory, Politics, Routledge, 1995
- Joachim Kallinich, Keine Atempause - Geschichte wird gemacht : Museen in der Erlebnis- und Mediengesellschaft , Antrittsvorlesung 12. Februar 2002, Berlin : Humboldt-Univ., 2003
- Grasping the world : the idea of the museum, ed. by Donald Preziosi and Claire Farago, Aldershot [u.a.] : Ashgate, 2004
- Friedrich Waidacher, Museologie - knapp gefasst, Mit einem Beitrag von Marlies Raffler, Wien [u.a.] : Böhlau, 2005
- Volker Kirchberg, Gesellschaftliche Funktionen von Museen : makro-, meso- und mikrosoziologische Perspektiven, Wiesbaden : VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2005
Zeitschriften
- Zeitschrift für Museum und Bildung
Siehe auch
- Freilandmuseum, Schulmuseum
- Wunderkammer
- Kunstkammer
- Museum unter Wasser
Weblinks
- [http://www.smb.spk-berlin.de/ifm/index.html Institut für Museumskunde Berlin]
- [http://www.icom-deutschland.de/ Internationaler Museumsrat Deutschland]
- [http://www.museumsbund.de/ Deutscher Museumsbund]
- [http://www.h-museum.net H-Museum]
- [http://www.vl-museen.de/ Virtual Library Museen]
- [http://www.webmuseen.de/ Webmuseen.de]
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ja:博物館
ms:Muzium
th:พิพิธภัณฑ์
Völklinger Hütte
Die Völklinger Hütte im saarländischen Völklingen war über ein Jahrhundert lang ein Eisenwerk. Sie wird oft als „Ikone der Industriekultur“ oder als „Kathedrale der Arbeit“ bezeichnet.
1994 erhob die UNESCO die Völklinger Hütte als erstes Industriedenkmal auf der Welt aus der Blütezeit der Eisen- und Stahlindustrie in die Liste der Weltkulturerbe der Menschheit. Einzigartig ist, dass alle Phasen der Roheisenerzeugung am authentischen Ort nachvollziehbar sind.
Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist heute der wichtigste Standort der Industriekultur in Europa. Außerdem gibt es zahlreiche kulturelle Veranstaltungen in der Hütte. Jährlich besuchen über 200.000 Menschen die Hütte.
Geschichte
Alles begann 1873 mit dem Hütteningenieur Julius Buch, der bei Völklingen an der Saar ein Stahlwerk gründete. Schon nach sechs Jahren jedoch musste er sein Werk schließen, wegen der hohen Zölle für das Roheisen rentierte sich die Verhüttung nicht mehr.
Im Jahr 1881 kam es unter Carl Röchling zu einem Neuanfang. Er kaufte die stillgelegten Anlagen. Zwei Jahre später konnte der erste Hochofen in Betrieb gehen.
Schon 1890 waren die „Röchling’schen Eisen- und Stahlwerke“ der größte Eisenträgerhersteller Deutschlands.
Ein Jahr später wurde das Thomas-Stahlwerk der Völklinger Hütte eröffnet. Das Thomas-Verfahren wurde zwar erst relativ spät eingeführt, jedoch zeigte sich Erfolg: Nun konnte auch die lothringische Minette, ein Eisenerz aus der benachbargten Grenzregion, in Völklingen verhüttet werden. Bis 1963 wurde Minette eingesetzt.
Um die hohen Temperaturen zu erreichen, die zur Stahlherstellung nötig sind, brauchte man nicht nur Kohle, sondern Koks. Deshalb wurde 1897 die erste Koksbatterie direkt neben den Hochöfen errichtet. Drei Jahre später nahm die erste Gasgebläsemaschine ihren Betrieb auf. 1911 entstand eine Hängebahnanlage zur Beschickung der Hochöfen.
Als 1928 die Sintertechnik Einzug hielt, entsteht in Völklingen einer der modernsten und größten Sinteranlagen Europas. Sie erlaubt das Recycling von Abfallprodukten wie Gichtstaub und Feinerz.
Während des Zweiten Weltkrieges arbeiteten etwa 70.000 Fremdarbeiter und Kriegsgefangene in den Bergwerken, Hütten und Fabriken des Saarereviers. Für leichtere Arbeiten wurden auch Frauen eingesetzt, denen bis dahin das Betreten der Produktionsanlagen verboten gewesen war. In der Völklinger Hütte waren bis zum Kriegsende Tausende von Männern und Frauen aus unter anderem Russland, Polen, Jugoslawien, Frankreich, Belgien und Luxemburg unter schwersten Bedingungen beschäftigt.
1952 erreichte die Hütte ihren Höchststand an Produktion wegen des Baubooms in der Nachkriegszeit. Im Jahr 1965 zählte die Hütte 17.000 Mitarbeiter. Die weltweite Stahlkrise erfasst 1975 auch die Völklinger Hütte.
1986 wurden die Hochöfen der Völklinger Hütte stillgelegt. Tausende von Menschen verloren daraufhin ihren Arbeitsplatz. Im gleichen Jahr wurden die stillgelegten Teile unter Denkmalschutz gestellt. Besonders durch das stark ausgeprägte Bürgerengagement in der neu gegründeten Initiative Völklinger Hütte wird bewusst, dass ein Abriss von der Bevölkerung nicht toleriert würde. Das Eisenwerk wird zum Industriedenkmal, Stahlwerk und andere Teile der Hütte blieben in Betrieb. Seit 1992 werden die verschiedenen Teile des Denkmals kontinuierlich in Stand gesetzt, begehbar gemacht und für den musealen Betrieb umgenutzt.
1994 erklärte die UNESCO die Völklinger Hütte zum Weltkulturerbe.
1994]
Völklinger Hütte heute
Seit Mitte der Neunziger Jahre finden auf dem Gelände des ehemaligen Eisenwerks Kulturveranstaltungen statt. Das Spektrum reicht vom Open-Air Rockkonzert bis zur Kammermusik oder zur Ausstellung über Mensch, Natur und Technik.
Seit 2004 ist das Ferrodrom zu besichtigen, das erste Science Center im Saar-Lor-Lux-Raum, eine multimediale Erlebniswelt rund um Eisen und Stahl. Es gibt Exponate zur Kulturgeschichte des Eisens, Eisen zum Anfassen, Filme, aber auch Gespräche mit Zeitzeugen und Führungen durch frühere Hüttenarbeiter, die plastisch von der Arbeit am Hochofen berichten.
Bis zum 1. November 2005 ist die Ausstellung „Schätze aus 1001 Nacht - Faszination Morgenland“ zu besichtigen.
Weblinks
- http://www.voelklinger-huette.org/ - Offizielle Website der Völklinger Hütte
- http://www.initiative-voelklinger-huette.de/ - Website der Initiative Völklinger Hütte
- http://www.die-voelklinger-huette.de/ - Fotografische Bestandsaufnahme der Völklinger Hütte von T.Janssen und R.Ruth.
Kategorie:Weltkulturerbe in Deutschland
Kategorie:Kulturdenkmal (Saarland)
Essen
Essen ist die Stadt im Zentrum des Ruhrgebiets in Nordrhein-Westfalen. Die Kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Düsseldorf ist eines der Oberzentren des Landes und zählt mit etwa 590.000 Einwohnern zu den größten deutschen Städten. Je nach Zähldatum und Quelle nimmt sie neben Dortmund und Stuttgart den 6. bis 8. Platz ein. Essen ist Mitglied im Landschaftsverband Rheinland und im Regionalverband Ruhr.
Früher eines der wichtigsten Zentren der Montanindustrie in Deutschland (mit eigener Kuxbörse), hat Essen heute - wiewohl noch immer industriell geprägt - einen starken Dienstleistungssektor entwickelt. Die Stadt ist seit 1958 römisch-katholischer Bischofssitz und seit 1972 Universitätsstadt. Anfang 2003 wurde die Universität Essen mit der in Duisburg zur Universität Duisburg-Essen vereinigt.
Geografie
Essen liegt im Zentrum des Ruhrgebietes nördlich des Flusses Ruhr, der zwischen den Stadtteilen Kupferdreh, Heisingen und Werden den Baldeneysee bildet.
Die mittlere Höhenlage der Stadt beträgt 116 Meter ü. NN. Die höchste Erhebung des Stadtgebiets befindet sich in Heidhausen und beträgt 202,5, die tiefste Stelle in Karnap misst 26,5 Meter ü. NN.
Die größte Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt in Nord-Süd-Richtung 21 km und in West-Ost-Richtung 17 km.
Nachbargemeinden
Folgende Städte grenzen an die Stadt Essen. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Nordosten genannt:
Gelsenkirchen und Bochum (beides kreisfreie Städte), Hattingen (Ennepe-Ruhr-Kreis), Velbert, Heiligenhaus und Ratingen (alle Kreis Mettmann), Mülheim an der Ruhr, Oberhausen und Bottrop (alles kreisfreie Städte) sowie Gladbeck (Kreis Recklinghausen).
Stadtgliederung
Kreis Recklinghausen
Das Stadtgebiet Essens besteht aus 9 Stadtbezirken. In jedem Stadtbezirk gibt es eine Bezirksvertretung mit jeweils 19 Mitgliedern. Vorsitzender der Bezirksvertretung ist der Bezirksvorsteher. Die Stadtbezirke werden mit römischen Zahlen und mit einem besonderen Namen, der teilweise auch aus mehreren Stadtteilnamen besteht, gekennzeichnet. Die 9 Stadtbezirke sind in insgesamt 50 Stadtteile unterteilt. Die meisten der Stadtteile waren früher einmal selbstständige Gemeinden und verloren ihre Selbständigkeit durch Eingemeindung. Die Stadtteile werden mit einer zweistelligen arabischen Zahl gekennzeichnet. Siehe auch Liste der Stadtbezirke und Stadtteile von Essen
Geschichte
Stiftsgründung
Um 850 gründet der spätere Bischof von Hildesheim, Altfrid, ein Damenstift (coenobium Astnide) vermutlich auf eigenem Grund, genannt Astnithi (was möglw. "Gegend im Osten" bedeutet). Aus dieser Bezeichnung wird sich später - über die Latinisierung "Assindia" - der heutige Stadtname Essen herleiten. Als erste Äbtissin setzte er seine Verwandte Gerswit ein (siehe auch: Stift Essen).
Seit etwa 800 (799) gibt es etwas weiter südlich, im heutigen Stadtteil Werden, das Kloster Werden, ein Benediktiner-Kloster, das die Missionsarbeit bei den Sachsen im Harzraum (Helmstedt/Halberstadt) vorantreiben soll. Das Damenstift soll vornehmlich die Töchter der sächsischen Adeligen versorgen. Beide, Damenstift und Kloster, stehen bereits im vollständig christianisiertem Umfeld. Um etwa 852 wird mit dem Bau der Stiftskirche begonnen, die 870 fertiggestellt wird. Um das Damenstift herum gibt es bereits vor seiner Errichtung eine Befestigung und einige Gehöfte. Die Kirche wird nach einem Großbrand 946, der auch die Ansiedlung vernichtet, wieder aufgebaut; auf ihren Fundamenten steht heute das Essener Münster im Zentrum der Stadt. Das erste belegbare urkundliche Datum für Essen ist 898: zu dieser Zeit werden dem Stift vom lothringischen König Zwentibold linksrheinische Besitzungen vermacht. Eine Urkunde, welche scheinbar aus dem Jahr 870 stammt und die Stiftsgründung beschreibt, wird heute im allgemeinen als Fälschung aus dem 11. Jahrhundert betrachtet; auch scheinen zum Zeitpunkt der Fälschung keine älteren Dokumente vorgelegen zu haben, wie bis vor einiger Zeit noch angenommen wurde.
Dieses Damenstift (in dem sich zur Feier der Messe Kanoniker aufhielten) war kein Kloster, sondern eine Art Wohn- und Bildungsstätte für unverheiratete Töchter und Witwen des Hochadels; geleitet wurde es von einer Äbtissin, diese war als einzige zum Ablegen eines Keuschheitsgelübdes verpflichtet.
Eine der bemerkenswertesten dieser Damen ist die Äbtissin Mathilde. Sie ist Enkelin des Kaisers Otto I., und übernimmt die Stiftsleitung ab 971. Vierzig Jahre lenkt sie die Geschicke des Stifts (und der zugehörigen Ländereien), und sie schafft es, den Kirchenschatz um wertvollste Stücke (unter anderem die goldene Madonna, die älteste vollplastische Madonnenfigur der Welt) zu bereichern. Nach Mathilde übernimmt Sophia die Stiftsleitung, Tochter Kaiser Ottos II.
1041, unter der Stiftsleitung durch die dritte Dame königlichen Geblütes in Folge, Theophanu, einer Enkelin Ottos II., erhält das schon 1003 als Stadt erwähnte Essen das Marktrecht. Zehn Jahre später, 1051, wird das Münster ein weiteres Mal verändert und erweitert: dieser Anbau ist der Ostteil mit Krypta, in dem die drei zuletzt genannten Äbtissinnen bestattet sind.
Das Damenstift, das bis dato nur einflussreicher Landbesitzer war, bekommt 1216 seine Position als Fürstensitz offiziell bestätigt: Kaiser Friedrich II. nennt die damalige Äbtissin in einem Brief Reichsfürstin - was sie dem Abt des nahe gelegenen Klosters Werden gleichstellt.
1244 marschiert der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden in Essen ein und lässt, gemeinsam mit den Bürgern der Stadt, eine Stadtmauer errichten. Essen wird zur Stadt, erhält ein eigenes Siegel und das Stadtrecht. Die Stiftsdamen sind damit zumindest zeitweise entmachtet, und die Essener Bürger entwicklen ein Bürgerbewusstsein.
König Rudolf bestätigt zwar 1290 wieder der Fürstäbtissin ihre Landeshoheit über die Stadt, kann diese aber nicht vollständig wiederherstellen: Die Bürgerschaft liegt im Konflikt mit dem Stift, die wachsende Stadt fordert die Selbstverwaltung: 1336 gibt es den ersten Versuch, die Reichsunmittelbarkeit zu erhalten, es dauert aber noch über vierzig Jahre, bis 1377, dann gewährt Kaiser Karl IV. der Stadt den begehrten Titel der freien Reichsstadt - fünf Jahre, nachdem er der damals amtierenden Äbtissin Elisabeth von Nassau das genaue Gegenteil bestätigt hatte.
Aus dem 14. Jahrhundert stammen auch die ersten Belege über
bergmännische Tätigkeiten in Essen: 1349 erhält die Fürstäbtissin das Recht,
die Bodenschätze auszubeuten, 1354 wird nachweislich Silber abgebaut.
Kohle in Essen wird zwar 1371 zum ersten Mal erwähnt, aber das erste
Kohlebergwerk ist erst für 1450 verzeichnet.
Die Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Stift um die Vorherrschaft in der Region halten an bis zur Auflösung des Stiftes 1803. Immer wieder gibt es rechtliche Streitereien. Einer der Prozesse dauert geschlagene 200 Jahre, bis das Reichskammergericht 1670 entscheidet, die Stadt müsse zwar den Äbtissinen gebührenden Gehorsamb in Gebott und Verbott leisten, dürfe aber trotzdem alle alten Gewohnheitsrechte behalten. Somit bleibt die Situation zwischen Stadt und Stift bis zur Säkularisierung ungeklärt und konkurrenzbeladen. 1563 schließt sich die Stadt der Reformation an (20 Jahre, bevor sie die Reichsunmittelbarkeit und damit das Recht dazu hatte) und wird evangelisch. Als Kirche dient die Marktkirche, die aus dem 11. Jahrhundert stammt (urspr. St. Gertrudis). Dem katholischen Stift (das über keine Truppen verfügte, mit denen irgendetwas durchzusetzen gewesen wäre) bleibt in dieser Situation nichts anderes als zuzuschauen.
Am Ende des 16./ Beginn des 17. Jahrhunderts wird Essen nachweislich Waffenschmiede, ein Titel, mit dem es sich jahrhundertelang identifizieren wird; solange, bis die riesigen Lettern Essen - die Waffenschmiede des Reiches, die dreihundert Jahre später gegenüber dem Hauptbahnhof prangen sollten, nach dem Zweiten Weltkrieg durch Essen - die Einkaufsstadt ersetzt werden. Gegen 1570 prosperiert das Büchsenmacherhandwerk. 1620 produziert die Essener Schmiede 14.000 Gewehre und Pistolen; die Stadt wird strategisch interessant.
Der Dreißigjährige Krieg
1620]
Im Dreißigjährigen Krieg stehen sich die evangelische Stadt und das Stift gegenüber. Die damalige Äbtissin Maria Clara von Spaur und Vallier holt 1623 die katholischen Spanier nach Essen, um gegenreformatorisch gegen die evangelische Stadt vorzugehen. 1624 wird ein Rekatholisierungsgesetz erlassen, der Kirchgang der Bürger kontrolliert. Die Stadt, nicht das Stift, ist für Kost und Logis der Besatzungstruppen zuständig. 1628 klagen die Essener dagegen vor dem Reichskammergericht.
1629 stürmen die Holländer die Stadt. Maria Clara flieht am 4. November dieses Jahres ins katholische Köln. Im Sommer 1631 kommt sie im Gefolge einer bayerischen Garnison unter Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim zurück, muss aber schon im September wieder abziehen. Maria Clara stirbt 1644 in Köln.
Insgesamt sind die Essener vom Krieg schwer geschlagen, es kommt immer wieder zu Verhaftungen, zur Verschleppung von Menschen und zur Pressung in den Kriegsdienst.
Auch nach dem Westfälischen Frieden bleiben die Truppen noch eine Zeit lang, die letzten Truppen verlassen Essen am 9. September 1650.
Industrialisierung
[...]
Der Industrielle Friedrich Grillo stiftet der aufstrebenden Stadt 1892 ein Theater und Opernhaus. Das heute noch unter dem Namen Grillo-Theater als Stadttheater fungierende Gebäude wird im neoklassizistischen Stil in der Stadtmitte errichtet und am 16. September 1892 mit einer Aufführung von Gotthold Ephraim Lessings Minna von Barnhelm eingeweiht.
Eingemeindungen
Das Gebiet der heutigen Stadt Essen gehörte vor 1800 zum Reichsstift Essen (Essen, Stadtrecht seit 1244, Altenessen, Borbeck und Steele), zur Reichsabtei Werden (Stadt Werden, Stadtrecht seit 1256 sowie Bredeney, Heisingen und Kettwig) und zum Herzogtum Berg. Die einzelnen Orte innerhalb des Herzogtums Berg verteilten sich auf folgende Verwaltungen: Kettwig vor der Brücke (Amt Angermund), Fulerum und Haarzopf (Herrschaft Broich) sowie Dilldorf und Voßnacken (Herrschaft Hardenberg). Das Dorf Oefte war zwischen dem Herzogtum Berg und der Reichsabtei Werden strittig. (Burg-)Altendorf, Horst und Königssteele, das vor 1718 nur Steele hieß und bereits seit der Wende des 15. Jahrhundert zum 16. Jahrhundert Stadt war, gehörten zum Landkreis Hörde in der preußischen Grafschaft Mark. In französischer Zeit kam das gesamte Gebiet zum Großherzogtum Berg und 1815 an Preußen. Danach gehörten die Orte zu den Landkreisen Essen, Mettmann und Düsseldorf im Regierungsbezirk Düsseldorf beziehungsweise zum Landkreis Bochum im Regierungsbezirk Arnsberg. Diese vier Landkreise veränderten sich in den folgenden Jahrzehnten mehrmals, bis sie entweder ganz aufgelöst oder umbenannt und in ihrem Zuschnitt stark verändert wurden. Einen Landkreis Essen gab es zunächst bis 1823, als er mit dem Landkreis Dinslaken zum Landkreis Duisburg vereinigt wurde, und erneut ab 1857. Er umfasste die Städte Essen, Kettwig, Mülheim an der Ruhr, Steele und Werden sowie die Bürgermeistereien Altenessen, Borbeck, Kettwig-Land, Mülheim-Land, Steele-Land, Styrum und Werden-Land. 1873 wird die Stadt Essen ausgekreist und aus dem Landkreis Essen der neue Landkreis Mülheim an der Ruhr gebildet.
1873]
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts umfasste das Stadtgebiet von Essen lediglich die alte Reichsstadt beziehungsweise das Reichsstift Essen. Ab 1901 folgten in die stetig wachsende Stadt eine Reihe von Gebietsänderungen: 1901 wurde die Bürgermeisterei Altendorf eingemeindet, das erst 1874 von der Bürgermeisterei Borbeck gelöst worden war. 1905 folgte die Bürgermeisterei Rüttenscheid, die bis 1884 Teil der Bürgermeisterei Stoppenberg, danach der Bürgermeisterei Rellinghausens und erst ab 1900 eigenständig war. Das seit 1874 zur Bürgermeisterei Stoppenberg gehörende Huttrop wurde 1908 geschluckt. 1910 ging die Bürgermeisterei Rellinghausen teilweise in Essen auf (jedoch ohne Heisingen, das zunächst selbständige Bürgermeisterei wurde), ebenfalls wurde Fulerum aus der Bürgermeisterei Heißen gelöst und an Essen angegliedert. Die Bürgermeistereien Borbeck, Altenessen und Bredeney wurden 1915 aufgelöst und ihr Gebiet zum Teil nach Essen eingemeindet, aus dem ehemaligen Borbeck ging jedoch ein kleiner Teil Frintrops an Oberhausen; Karnap, vorher ein Teil Altenessens, wurde selbstständig. (Bredeney war bis 1902 Teil von Kettwig-Land, dann eigene Bürgermeisterei Zweihonnschaften, 1903 umbenannt in Bredeney; Unterbredeney kam jedoch 1915 zu Werden; zu Bredeney gehörte seit 1910 der ab 1846 zur Bürgermeisterei Mülheim-Land und ab 1878 zur Bürgermeisterei Heißen im Landkreis Mülheim an der Ruhr gehörige Ort Haarzopf.)
Am 1. August 1929 wurde der Landkreis Essen aufgelöst und seine Gemeinden überwiegend in die Stadt Essen eingegliedert. Lediglich die Stadt Kettwig blieb selbständig und wurde dem Landkreis Düsseldorf-Mettmann angegliedert. Aufgelöst wurden die Stadt Steele (mit den 1876 eingegliederten, damals zur Bürgermeisterei Steele-Land gehörigen Teilen von Bergerhausen und dem 1926 eingegliederten Amt Königssteele, das 1885 aus den zum Amt Wattenscheid gehörigen Orten Eiberg, Freisenbruch und Königssteele sowie aus dem zum Amt Hattingen gehörigen Ort Horst gebildet worden war und zum Landkreis Hattingen, früher Landkreis Bochum, gehörte), die Stadt Werden (mit dem 1915 eingegliederten Unterbredeney), die Bürgermeisterei Heisingen (ab 1910 selbständige Bürgermeisterei), die Bürgermeisterei Karnap, die Bürgermeisterei Kray (bis 1906 zur Bürgermeisterei Stoppenberg, dann eigene Bürgermeisterei Kray-Leithe und 1921 Umbenennung in Kray), die Bürgermeisterei Kupferdreh (bis 1896 zur Bürgermeisterei Werden-Land, dann eigene Bürgermeisterei; 1899 Eingliederung der Bauernschaft Dilldorf (Bürgermeisterei Hardenberg) und Teilen der Bauernschaften Rodberg und Voßnacken), die Bürgermeisterei Überruhr (1857 als Bürgermeisterei Steele-Land gebildet und 1894 umbenannt), die Bürgermeisterei Werden-Land (1857 gebildet), sowie das Amt Stoppenberg (1874 aus Teilen der Bürgermeisterei Altenessen gebildet; Rotthausen wurde jedoch 1923 nach Gelsenkirchen eingegliedert).
Eine zweite Phase der Stadtvergößerung folgte erst weit nach dem zweiten Weltkrieg, 1970 kam das südlich gelegene Altendorf unter dem heutigen Namen Burgaltendorf (Landkreis Bochum, ab 1885 Landkreis Hattingen, ab 1929 Ennepe-Ruhr-Kreis) zu Essen, 1975 wurde die Stadt Kettwig (Kreis Düsseldorf-Mettmann, mit der größtenteils 1875 eingegliederten Gemarkung Kettwiger Umstand, dem 1857 gebildeten und 1929 eingegliederten Amt Kettwig-Land, dem 1930 eingegliederten Kettwig vor der Brücke und dem 1936 eingegliederten Oefte, das seit 1897 zur Bürgermeisterei Heiligenhaus und zuvor zur Bürgermeisterei Velbert gehörte) aufgelöst und nach Essen eingemeindet.
Religionen
1838
Christentum
Essen gehörte von Anfang an zum Erzbistum Köln und war dem Achidiakonat des Dompropstes unterstellt, welches von der Essener Äbtissin beansprucht wurde. Ein vom Erzbischof investierter Offizial verwaltete das Gebiet des Stiftes und der Stadt. Die Pfarrkirche war ursprünglich die Abteikirche. Später wurde St. Gertrud für den nördlichen Bereich (mit Altenessen und Karnap) und St. Johann für den südlichen Bereich (mit Altendorf, Frohnhausen, Holsterhausen, Frillendorf, Rüttenscheid und Huttrop) der Stadt Pfarrkirche. Ab 1524 wurde in der Stadt gelegentlich evangelisch gepredigt. Im Jahre 1543 trat ein evangelischer Prediger auf und ab 1560 wurde in der St. Gertrudiskirche auch deutsch gesungen. Auf Beschluss des Rates der Stadt wurde 1563 die Reformation endgültig eingeführt. Die Stadt versuchte damit ihren Status als Freie Reichsstadt zu festigen. Ab 1563 war damit die St. Gertrudiskirche dauerhaft den Protestanten zur Nutzung überlassen worden. Danach nahm die Münsterkirche den Rang der Essener Pfarrkirche für die Katholiken ein. Fortan waren somit in Essen beide Konfessionen nebeneinander vertreten. Das Stift blieb katholisch, die Stadt war evangelisch. Gab es ab 1571 unter den Protestanten zunächst nur eine lutherische Gemeinde, so wurde ab 1655 vom Rat auch eine reformierte Gemeinde anerkannt. Ab 1605 konnte die Gegenreformation teilweise Fuß fassen, was zur Folge hatte, dass die St. Gertrudiskirche teilweise wieder katholisch wurde. Die endgültige Aufgabe der Reichsfreiheit musste die Stadt 1670 zwar anerkennen, doch war dies ohne Folgen für die bisherigen konfessionellen Unterschiede. Bis 1802 wurden die kirchlichen Angelegenheiten vom Rat beziehungsweise vom Stift erledigt. Die reformierte Gemeinde war autonom. Das Verhältnis beider Konfessionen war etwa ausgewogen.
1802 wurde die lutherische Gemeinde Essen dem preußischen Konsistorium der Grafschaft Mark, 1809 dem klevisch-lutherischen Konsistorium des Großherzogtums Berg und ab 1815 der Düsseldorfer Kreissynode zugeteilt. Sie gehörte damit zur Evangelischen Kirche in Preußen beziehungsweise dessen späteren rheinischen Provinzialkirche. Essen wurde Sitz einer Superintendentur, aus dem später der Kirchenkreis Essen hervorging. Dieser wurde später in die drei Kirchenkreise Essen-Mitte, Essen-Nord und Essen-Süd innerhalb der heutigen Evangelischen Kirche im Rheinland geteilt. Zu den drei Kirchenkreisen gehören heute insgesamt 31 Kirchengemeinden. Diese bilden zusammen mit den drei Kirchenkreisen seit 1972 den „Evangelischen Stadtkirchenverband Essen“.
1972]]
Die katholischen Pfarreien gehörten auch nach 1802 zum Erzbistum Köln. 1958 wurde Essen Sitz eines eigenen Bistums.
Die rund 58 Pfarrgemeinden gehören zum Stadtdekanat Essen, das sich in die Dekanate Essen-Mitte, Essen-Altendorf, Essen-Borbeck, Essen-Heisingen-Kupferdreh, Essen-Rellinghausen, Essen-Steele, Essen-Stoppenberg und Essen-Werden aufteilt. Gemeinsam bilden sie den katholischen Stadtkirchenverband / Gemeindeverband (K. d. ö. R.) (seit 1925) ([http://www.katholische-kirche-essen.de]) als Träger kirchlicher Aufgaben auf Stadtebene (Familienbildung, Jugendseelsorge, Beratungsdienste, Öffentlichkeitsarbeit) und als Dienstleister für die Gemeinden. Die Katholische Stadtkirche ist zentral erreichbar im Katholischen Stadthaus (Bernestr. 5 - 45127 Essen). Das Stadtdekanat Essen umfasst etwa ein Viertel der Katholiken und der Gemeinden des Bistums. Die Pfarrgemeinden des heutigen Stadtteils Essen-Kettwig gehören nach wie vor zum Dekanat Ratingen und damit zum Erzbistum Köln.
Mittlerweile wird jedoch die Essener Bistumsstruktur reformiert, und es werden viele Pfarreien zusammengelegt, da die Zahl der Gläubigen sich stetig verringert. So wird zum Beispiel aus dem Dekanat Essen-Mitte St. Michael in den nächsten Jahren zur Filialkirche von St. Bonifatius. Pfarrkirche wird St. Gertrud. Das Bistum gab bekannt, dass bei der Auswahl der Gemeinden, die ganz geschlossen werden sollen, nicht nur Mitgliederzahl und bauliche Substanz, sondern auch Verkehrsanbindung und Alter des Pfarrers berücksichtigt würden.
Auch in den heute zu Essen gehörigen Städten und Gemeinden wurde im 16. Jahrhundert teilweise und sogar fast ausschließlich die Reformation eingeführt. Zum Beispiel wurde in Werden ab 1583 in der Clemenskirche evangelisch gepredigt. Im 17. Jahrhundert entstand auch eine reformierte Gemeinde. Steele wurde ab 1554 evangelisch. Um 1600 war fast ganz Steele protestantisch, wobei danach die Kirche aber von den Lutheranern, den Reformierten und den Katholiken zum Teil unter großen Reibereien gemeinsam genutzt wurde. In Kettwig trat 1609 die ganze Bevölkerung zum reformierten Bekenntnis über.
Neben den evangelischen und katholischen Gemeinden in Essen gibt es auch noch verschiedene Freikirchen, darunter mehrere Evangelisch-freikirchliche Gemeinden (Baptisten), Evangelisch-methodistische Gemeinden (Methodisten) und Freie Evangelische Gemeinden (FeG).
Ferner ist in Essen auch die Neuapostolische Kirche vertreten.
Judentum
Der jüdisches Kultusgemeinde gehören 794 Mitglieder an. Sie verfügt über eine Mikwe, einen Friedhof, einen Kindergarten, eine Bibliothek, einen Sportverein (Makkabi) und ein Jugendzentrum. Der Gemeinderabbiner ist orthodoxer Ausrichtung.
Einwohnerentwicklung
Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind entweder Schätzungen, Volkszählungsergebnisse ( 1 ) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze). Unter den Städten über 500.000 Einwohnern schrumpft Essen neben Duisburg am stärksten. Experten gehen davon aus, dass die Bevölkerungszahl bis zum Jahre 2021 um weitere 64.000 Einwohner zurückgehen wird. Die Zahl der 18-50-Jährigen nimmt ab, die Zahl der über 65-Jährigen wird größer; neben anderen Städten im Ruhrgebiet ist die Überalterung in Essen im Gegensatz zur restlichen Bundesrepublik wesentlich fortgeschrittener.
¹ Volkszählungsergebnis
Geschichtsvereine
Eine Vielzahl Essener Bürger beschäftigen sich haupt - oder ehrenamtlich mit der Geschichte der Stadt Essen und der Essener Stadtteile. Die meisten von ihnen haben sich zur "Arbeitsgemeinschaft Essener Geschichtsinitiativen" zusammengeschlossen.
Der im Jahre 1880 gegründete Historische Verein für Stadt und Stift Essen e.V. ist einer der ältesten Geschichtsvereine Deutschlands.
Politik
Die Verwaltung der Stadt Essen oblag anfangs dem Stift beziehungsweise dessen untergeordneten Beamten. Seit 1335 werden zwei Bürgermeister aus der Mitte des Rates an der Spitze der Stadt erwähnt, wobei einer der beiden zugleich der Rentmeister ist. Ab dem 14. Jahrhundert gewann der Rat zunehmend an Bedeutung. In jener Zeit konnte Essen sogar die Reichsfreiheit erlangen, welche sie später jedoch wieder aufgeben musste. Der Rat wurde jährlich gewählt. Ab 1602 wurde aufgrund einer neuen Kürordnung der Rat indirekt durch 11 Kurherren der Gilden und Ämter gewählt. Zu den 14 Ratsmitgliedern gehörten zwei Bürgermeister und ein Rentmeister. 1804 ersetzte der preußische Staat den Rat durch einen Magistrat. 1807 wurde die großherzoglich-bergische dann preußische Munizipalverfassung eingeführt. Nach Einführung der Städteordnung 1856 gab es einen Bürgermeister und ein Rat. Der Bürgermeister erhielt später den Titel Oberbürgermeister.
Während der Zeit der Nationalsozialisten wurde der Oberbürgermeister von der NSDAP eingesetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die Militärregierung der Britischen Besatzungszone einen neuen Oberbürgermeister ein und 1946 führte sie die Kommunalverfassung nach britischem Vorbild ein. Danach gab es einen vom Volk gewählten "Rat der Stadt", dessen Mitglieder man als "Stadtverordnete" bezeichnet. Der Rat wählte anfangs aus seiner Mitte den Oberbürgermeister als Vorsitzenden und Repräsentanten der Stadt, welcher ehrenamtlich tätig war. Des Weiteren wählte der Rat ab 1946 ebenfalls einen hauptamtlichen Oberstadtdirektor als Leiter der Stadtverwaltung. 1999 wurde die Doppelspitze in der Stadtverwaltung aufgegeben. Seither gibt es nur noch den hauptamtlichen Oberbürgermeister. Dieser ist Vorsitzender des Rates, Leiter der Stadtverwaltung und Repräsentant der Stadt. Er wurde 1999 erstmals direkt vom Volk gewählt.
Oberbürgermeister seit 1868
Oberstadtdirektoren 1946 - 1999
Gemeinderat
Nach der letzten Kommunalwahl vom 26. September 2004 verteilen sich die insgesamt 82 Sitze im Gemeinderat der Stadt Essen wie folgt:
Stadtwappen
2004
2004
Das Wappen der Stadt Essen stellt eine heraldische Besonderheit dar: Es besteht aus zwei Schilden und ist somit ein so genanntes Allianzwappen. Diese müssten normalerweise in einem gespaltenen Schild zusammen gefasst werden, nicht so jedoch beim Essener Wappen.
Das Essener Wappen zeigt unter der Fürstenkrone also zwei einzelne Schilde. Im linken Schild findet sich auf goldenem Grund der deutsche Doppeladler, jedoch ohne Zepter und Reichsapfel. Im rechten Schild auf blauem Grund ein goldenes Richtschwert. Die Krone ist wie der gesamte Aufbau recht unheraldisch, sie bezieht sich auf das Fürstentum Essen (eigentlich müsste Essen als Stadt eine Mauer verwenden). Der Doppeladler symbolisiert die Reichsunmittelbarkeit der Stadt, das Schwert steht für die Stadtheiligen Cosmas und Damian, die mit diesem Schwert hingerichtet worden sein sollen.
Das Wappen in der gegenwärtigen Form wurde 1887 vom Berliner Maler Emil Doepler gestaltet, und von der Stadt gegen einigen Widerstand von Heraldikern durchgesetzt. Eine Version mit korrekterem Aufbau begrüßt notabene die Besucher, die den Bahnhof in Richtung Stadt verlassen: Das auf dem Dach des gegenüberliegenden Hotels Handelshof aufgebaute Wappen verwendet einen korrekten gespaltenen Schild und die Mauer anstelle der Krone.
Dem Wappen wurden die gegenwärtigen Stadtfarben Blau und Gelb entnommen.
Städtepartnerschaften
Essen unterhält mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft:
- 25px Sunderland (Vereinigtes Königreich), seit 1949
- 25px Tampere (Finnland), seit 1960
- 25px Grenoble (Frankreich), seit 1974
- 25px Nischni Nowgorod (Russische Föderation), seit 1991
- 25px Tel Aviv-Jaffa (Israel), seit 1991
Wirtschaft und Infrastruktur
Ansässige Unternehmen
Essen ist der Sitz einiger großer deutscher Konzerne: Neben Deutschlands fünft größtem Industrieunternehmen RWE AG (siehe Bild unter Stadtbild) und dessen Tochterunternehmen RWE-Power und RWE Rhein-Ruhr, haben auch sein ehemaliges Tochterunterhmen HOCHTIEF (bis 2004), sowie Aldi-Nord, STEAG, KarstadtQuelle_AG, die RAG (Ruhrkohle AG) und Eon-Ruhrgas hier ihre Konzernzentralen. Einer der größten Pressekonzerne Deutschlands, die WAZ-Gruppe, hat in Essen ihren Sitz. Coca-Cola Deutschland war bis 2003 in Essen ansässig, als der Firmensitz nach Berlin verlegt wurde. Der Schuhhändler Deichmann ist in Essen-Borbeck ansässig. Die Degussa AG beheimatet mit der Goldschmidt GmbH in der Mitte Essens ein wichtiges Unternehmen der Chemieindustrie.
Essen war lange Zeit Krupp-Stadt; einst war das Werksgelände der Firma Krupp größer als das restliche Stadtgebiet. Diese Zeiten sind seit dem Zweiten Weltkrieg vorbei, und seit der Fusion mit Thyssen ist die Firma Krupp nur noch mit einigen wenigen Tochterfirmen in Essen beheimatet. Im Zuge der wirtschaftspolitischen Profilierungsbestrebungen, die sich gegenwärtig viele Städte auf die Fahne geschrieben haben, setzt Essen den Fokus statt auf Schwerindustrie auf die Bereiche Energie; die hier ansässige RWE, RAG und Eon-Ruhrgas mit ihren diversen Töchtern legen dies auch nahe.
Die Messe Essen ist ebenfalls ein wichtiger Faktor des Wirtschaftslebens, neben einigen kleineren Messen haben sich hier vor allem eine auf die Versorgungswirtschaft ausgerichtete Messe (E-WORLD - ENERGY & WATER) sowie die Jugendmesse YOU etabliert, die als Europas größte Jugendmesse in der Regel etwa 300.000 meist jugendliche Besucher anzieht. Ebenso zieht die Weltmesse des Pferdesports, die Equitana, seit Jahren zahlreiche Besucher an. Erwähnenswert ist ebenfalls die Essener Motorshow.
Medien
In Essen unterhält der Westdeutsche Rundfunk (WDR) ein Studio. Hier werden die Regionalprogramme für das mittlere Ruhrgebiet produziert und ausgestrahlt. Beide regionalen Zeitungen, die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) und Neue Ruhr-Zeitung (NRZ) werden vom WAZ-Konzern verlegt.
Bildungseinrichtungen
Älteste höhere Bildungseinrichtung ist die Folkwang-Hochschule Essen. Sie wurde 1927 als Folkwang-Schule für Musik gegründet. 1929 wurde die Folkwangschule für Gestaltung integriert, seit 1972 ein Fachbereich der Universität-Gesamthochschule Essen. Die Folkwang-Hochschule erhielt 1962 den Rang einer Musikhochschule. 1972 wurde diese mit den Konservatorien in Essen und Duisburg zur Staatlichen Hochschule für Musik Ruhr zusammen gefasst. Seither hat die Folkwang-Hochschule Essen auch eine Abteilung in Duisburg.
1972 wurde die Universität-Gesamthochschule Essen gegründet, in welche die Pädagogische Hochschule, mehrere Ingenieurschulen, die Höhere Fachschule für Sozialarbeit und Wirtschaft sowie das Klinikum Essen integriert wurden. 2003 fusionierte diese mit der Universität Duisburg zur heutigen Universität Duisburg-Essen. Die Fachhochschule für Ökonomie und Management (FOM) nahm 1994/95 ihren Studienbetrieb auf. Sie wurde als Fachhochschule für Berufstätige von Institutionen der unternehmerischen Wirtschaft ins Leben gerufen.
Weitere Organisationen
Essen ist Sitz des Bistums Essen, der Universität Duisburg-Essen, der Industrie- und Handelskammer Essen, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen, dem Regionalverband Ruhr, dem Ruhrverband sowie der Landesanstalt für Immissionsschutz Nordrhein-Westfalen, weiterhin des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung und des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft sowie der Deutschen Kommunistischen Partei DKP.
Verkehr
Deutschen Kommunistischen Partei DKP
In Essen gibt es 3.227 Straßen mit einer Gesamtlänge von 1.595 km.
Essen verfügt mit dem
30px30px Hauptbahnhof über einen ICE-Fernbahnhof und Regionalbahnhof. Hinzu kommen die Regionalbahnhöfe Altenessen, Borbeck, Steele, Kupferdreh und Kray-Süd sowie 22 S-Bahn-Stationen.
Im Eisenbahngüterverkehr ist Essen jedoch nach Stilllegung des östlich vom Hauptbahnhof gelegenen Rangierbahnhofes kein Eisenbahnknoten mehr. Von Hartmut Mehdorn wurde kürzlich eine Verlegung des Hauptbahnhofes in den Bereich des heutigen Westbahnhofes ins Gespräch gebracht, da dieser mehr räumliche Ausdehnungsmöglichkeiten besitzt als der heutige, sehr enge Hauptbahnhof.
30px Den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bedient die EVAG (Essener Verkehrs AG) mit derzeit (2003) 48 Omnibuslinien (Gesamtlänge 459 km), 7 Straßenbahnlinien (Gesamtlänge 83 km) und 3 Stadtbahnlinien (Gesamtlänge 29 km). Alle Linien sind zu einheitlichen Preisen innerhalb des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr zu benutzen.
Stadtbild
Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr
Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr
Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr
Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr
Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr
Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr
Die Stadt verfügt über zahlreiche Verwaltungsbauten aus dem gesamten letzten Jahrhundert, angefangen bei dem Gebäude der Emschergenossenschaft (Wilhelm Kreis) bis zum RWE-Turm (Ingenhoven, Overdiek und Partner). Viele Gebäude aus dem ersten Drittel des Zwanzigsten Jahrhunderts bestimmen das Bild der Innenstadt (Bahnhofsvorplatz mit Haus der Technik (ehem. Börse), Handelshof, Eickhaus, alte Sparkasse und Hauptpost sowie im Innenstadtbereich Deutschlandhaus, Steinhaus, Derendorfhaus, Lichtburg, Baedekerhaus, Blumhaus, Warenhaus Karstadt (ehem. Althoff)). Diese Gebäude sind von bekannten, größtenteils aus Süddeutschland stammenden Architekten (im Umfeld der Essener Kunstgewerbeschule bzw. der Essener Raumkunstgruppe) entworfen worden.
Glanzstück der Innenstadt ist der Burgplatz mit Johanneskirche, Atrium, Münster, Domschatzkammer, Bischofspalais und dem Blick auf die Alte Synagoge und die altkatholische Kirche.
Viele alte Wohn- und Geschäftshäuser sind nach dem Krieg durch 50er- und 60er-Jahre Architektur auf dem Grundriss der mittelalterlichen Stadt in höherer Bauweise erneuert worden.
Essen hat vor allem im Süden der Stadt städtebaulich agiert. Es sind zahlreiche geplante Stadtteile entstanden (Moltkeviertel, Margarethenhöhe, Altenhof I und II, große teile Frohnhausens u.v.m.).
Ferner wurde die Stadt mit einem zweiten Innenstadtring mit repräsentativer Architektur ausgestattet (z.B. Erlöserkirche, Glückauf-Haus, Steag-Zentrale, Pfarrkirche St. Engelbert, Gebäude der Emschergenossenschaft, KVR-Gebäude, Ruhrhaus und die Auferstehungskirche an der Friedrich-, Hohenzollern-, Kronprinzen-, Kurfürstenstraße).
Was weiterhin auffällt, ist die an vielen Stellen durchgehende Gebäudehöhe von zwei Stockwerken und die Anlage von weiten grünen Innenhöfen. Dies geht auf das Wirken von Robert Schmidt (1869-1932), Beigeordneter der Stadt Essen, zurück. Damit wurde ein bauliches Gegenstück zur Berliner Mietskasernenarchitektur im Ruhrgebiet durchgesetzt.
Die Stadt ist durch sehr viel Baumbestand und Wälder sowie im Süden durch eine hügelige Landschaft (Ruhrberge/Baldeneysee) geprägt.
Herausragende Gebäude sind das Opernhaus, erbaut nach Plänen des finnischen Architekten Alvar Aalto, sowie die neue Hauptverwaltung der RWE-Konzerns, ein zylindrisches Hochhaus mit klimatisch wirksamer zweischaliger Glasfassade der Architekten Ingenhoven, Overdiek und Partner (Düsseldorf), die hier eine weithin sichtbare Landmarke für die Stadt setzten.
Im Norden der Stadt befindet sich das Areal der zum Weltkulturerbe gehörenden ehemaligen Kokerei und Zeche Zollverein, letztere gilt als Meilenstein der Industriearchitektur. Für das Zollverein-Areal gibt es konkrete Planungen, das Weltkulturerbe zu einem regionalen Kulturzentrum auszubauen, die wegen der nötigen Eingriffe in die historische Bausubstanz kontrovers diskutiert werden. Bereits dort angesiedelt sind das red dot design museum (auch Design-Museum / Zentrum NRW), das im Aufbau befindliche, sehenswerte Museum Zollverein, sowie verschiedene kleinere Ausstellungen und Projekte; das Ruhrlandmuseum Essen soll in einiger Zeit hier als Ruhrmuseum seine neue Heimat finden.
Im Zentrum der Stadt finden sich weiterhin um den Burgplatz herum gruppiert, das Münster (welches in Teilen bis ins 11. Jahrhundert zurückgeht und als Wahrzeichen der Stadt gilt), das 1928 fertiggestellte massige Baedeker-Haus und die 1928 errichtete und 2003 renovierte Lichtburg. Im Domschatz des Münsters befindet sich die Goldene Madonna, die älteste erhaltene vollplastische Madonnenfigur des christlichen Abendlandes. Gegenüber dem Bahnhof steht das so genannte Haus der Technik, erbaut in den frühen 1920er Jahren nach Entwurf des Architekten Edmund Körner als Büro- und Geschäftshaus.
Ebenfalls sehenswert ist die Alte Synagoge (die bei ihrer Eröffnung 1913 noch "Neue Synagoge" hieß): In der Reichspogromnacht ausgebrannt, wurde sie danach nicht mehr von der jüdischen Gemeinde genutzt (die sich nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue, kleinere Synagoge baute). Nach wechselnden Nutzungen unter anderem als Design-Museum dient sie heute als Begegnungsstätte zwischen den Religionen und Kulturen.
Zum Süden der Stadt hin liegt das Folkwang-Museum, das eine bedeutende Sammlung romantischer und moderner Kunst präsentiert, sowie der Grugapark, benannt nach der Großen Ruhrländischen Gartenbauausstellung (GRUGA), die hier 1929 stattfand. Mit 70 ha ist er eine der größeren innerstädtischen Parkanlagen Europas und beliebtes Naherholungsgebiet der Essenerinnen und Essener.
Noch weiter südlich liegt oberhalb des 1931-1933 im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme künstlich angelegten Baldeneysees die Villa Hügel, der monumentale Wohnsitz der Familie Krupp, erbaut vom Industriellen Alfred Krupp, in dem eine ständige Ausstellung der Krupp-Stiftung und diverse Wechselausstellungen zu finden sind.
In direkter Nachbarschaft zum Grugapark befindet sich der Stadtteil Margarethenhöhe, benannt nach der 1929 von Georg Metzendorf im Auftrag von Margarethe Krupp (zugleich Namensgeberin) errichteten Siedlung Margarethenhöhe, einem architektonisch bedeutenden Beispiel der Gartenstadtbewegung.
Einen starken Kontrast zum restlichen Stadtbild weisen die beiden an der Ruhr gelegenen südlichen Stadtteile Kettwig und Werden auf. Sie besitzen beide einen Altstadtkern, der vom Zweiten Weltkrieg und folgenden Abrisssanierungen fast vollkommen verschont geblieben ist. Im Stadtteil Kettwig befindet sich auch die Staustufe des gleichnamigen Ruhrstausees, wo die Schiffe aus Mülheim und Essen anlegen.
Ein weiteres markantes Bauwerk in Essen ist der 157,5 Meter hohe, für die Öffentlichkeit nicht zugängliche, Fernmeldeturm.
Siehe auch : Liste der Sehenswürdigkeiten in Essen
Kunst- und Kulturleben
Essen verfügt, unter einem einheitlichen Dach organisiert in der Theater und Philharmonie Essen (TuP), über eines der vier philharmonischen Orchester Nordrhein-Westfalens (mit dem Saalbau als Aufführungsort), eine Oper (Aalto-Theater), und ein Stadttheater (Grillo-Theater) mit einigen angeschlossenen kleineren Bühnen. Weiterhin existiert in Essen ein Boulevardtheater, das Colosseum Theater für Musicals, ein Varieté, und mit der 1928 errichteten und 2003 aufwändig restaurierten Lichtburg der größten Kinosaal wie auch das älteste noch in Betrieb befindliche Kinos Deutschlands, das zunehmend wieder als Premierenkino auflebt. Das Museum Folkwang besitzt eine bedeutende Kunstsammlung mit den Schwerpunkten Romantik, Impressionismus und Expressionismus. Weitere Museen sind: das natur- und kulturhistorische Ruhrlandmuseum, das Deutsche Plakatmuseum und die Villa Hügel mit der historischen Sammlung der Familie Krupp und regelmäßigen Kunstausstellungen. Die Folkwang-Hochschule im Stadtteil Werden ist eine der ersten Adressen für die Ausbildungen in den Bereichen Musik, Tanz und Schauspiel in Deutschland.
Bürgervereine
In vielen Essener Stadtteilen gibt es Heimat-, Bürger- und Verkehrsvereine. Achtzehn solcher Vereine haben sich zusammengeschlossen im „Stadtverband der Bürger- und Verkehrsvereine Essen e.V.“.
Sport
Der wichtigste Fußballverein Essens ist Rot-Weiss Essen - der Helmut Rahn hervorgebracht hat. Lange Zeit war RWE nicht im Profifußball vertreten; in der Saison 2003/04 schaffte Rot-Weiss Essen jedoch den Aufstieg in die 2. Bundesliga.
Allerdings stiegen die Essener in der darauffolgenden nach einer 1:3 Niederlage am 33.Spieltag gegen LR Ahlen wieder ab
Die Rot-Weissen haben eine sehr große Anhängerschaft und das mitten im Ruhrgebiet,
wo vier Bundesligisten vertreten sind:
(BVB, VfL Bochum, Schalke 04, MSV Duisburg)
Zuschauerschnitt:15.000 (als Abstiegskanditat der 2. Liga)
Der zweitgrößte Essener Sportverein TUSEM Essen ist mehrfacher Deutscher Meister, Pokalsieger und Europapokalsieger im Handball.
Essen hat eine Eishockey-Tradition seit den 1960er Jahren und ist seit 1994 durch den Verein ESC Moskitos Essen e.V. in der deutschen Bundesliga bzw. Profiliga vertreten.
Ebenfalls von größerer Bedeutung ist Schwarz-Weiß Essen, dessen Fußballabteilung 1959 deutscher Pokalsieger wurde und heute in der Oberliga Nordrhein spielt.
Größtes Laufereignis ist der „Karstadt RuhrMarathon“, der 2004 und 2005 sein Ziel in Essen hatte. Daneben findet seit 1963 Deutschlands ältester ununterbrochen durchgeführter Marathon "Rund um den Baldeneysee" statt.
Essen hat drei Golfsclubs im Stadtgebiet:GC Essen-Heidhausen ( 27 Löcher ) Golfriege Etuf (9 Löcher ) GC Haus Oefte ( 18 Löcher).in allen d
Ferropolis
Ferropolis - die Stadt aus Eisen - ist ein Museum und Veranstaltungsort nahe der Stadt Gräfenhainichen östlich von Dessau auf einer Halbinsel im ehemaligen Tagebau Golpa-Nord.
Tagebau
Nach dem Ende des Braunkohlebergbaus in diesem Gebiet wurden hier fünf Großgeräte in einem Freilichtmuseum zusammengeführt und bilden für so manche Veranstaltung eine interessanten Rahmen. Neben einem Eimerkettenschwenkbagger (Spitzname Mad Max) und einem Schaufelradbagger (Big Wheel) findet man hier auch zwei Absetzer (Gemini und Medusa) und einen Eimerkettenbagger (Mosquito).
2004 fanden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an den Großgeräten statt; eine Verbesserung der Anbindung ist für 2005 geplant.
Die ungewöhnliche Kulisse wurde und wird von vielen Künstlern geschätzt. Beispielsweise traten hier Metallica, die Böhsen Onkelz, Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg und die Puhdys auf. Auch für Festivals und für klassische Musikaufführungen wird die "Stadt aus Eisen" genutzt. Veranstaltungen, die regelmäßig stattfinden, sind unter anderen das Festival MELT! und "Ferropolis in Flammen".
Anfahrt
- mit der Bahn über Wittenberg oder Bitterfeld bis Gräfenhainichen, von dort mit dem Bus Richtung Oranienbaum bis zum Abzweig Ferropolis
- Bundesstraße 107 aus Richtung Oranienbaum oder Gräfenhainichen bis zum Abzweig Ferropolis
Sehenswürdigkeiten in der Umgebung
- [http://www.fbe-bahn.de Eisenbahnmuseum Ferropolis Bergbau- und Erlebnisbahn] in unmittelbarer Nähe
- Wörlitz mit Wörlitzer Park, Kirche
- Oranienbaum mit Schloss und Schlosspark, Ausstellung und Biberfreianlage im Biosphärenreservat Flusslandschaft Mittlere Elbe im Kapen
- Dübener Heide
- Dessau mit Bauhaus, Meisterhäusern, Marienkirche, Anhaltischem Theater
- Wittenberg mit den Luthergedenkstätten, Hundertwasserschule, Rathaus, Schmetterlingspark, Werkssiedlung Piesteritz
- Altjeßnitz mit Irrgarten aus dem 18. Jahrhundert
- Coswig (Anhalt) mit Gierseilfähre und Museum
- Gräfenhainichen mit Resten von Schloss und alter Stadtbefestigung (Stadtmauer, Tortürme), Rathaus
- Bad Düben mit Schiffsmühle, Burg
- Kemberg mit Kirche (mit mittelalterlichen Wandmalereien), Rathaus, Resten der Stadtmauer
Weblinks
- [http://www.ferropolis.de/ www.ferropolis.de]
Graefenhainichen
Bitterfeld
Bitterfeld ist die Kreisstadt des Landkreises Bitterfeld im Südosten des Landes Sachsen-Anhalt und ein Zentrum der chemischen Industrie.
Geographie
Bitterfeld liegt etwa 25 km nordöstlich von Halle (Saale) und etwa 35 km nördlich von Leipzig. Östlich befindet sich der Muldestausee und im Norden schließt sich die Nachbarstadt Wolfen an.
Nachbargemeinden
Angrenzende Gemeinden sind Friedersdorf, Greppin, Holzweißig, Mühlbeck, Muldenstein, Pouch und Sandersdorf.
vorgesehene Städtefusion
Bitterfeld wird zum 1. Juli 2007 mit der Nachbarstadt Wolfen und den Gemeinden Greppin, Holzweißig und Thalheim zu einer neuen Stadt "Bitterfeld-Wolfen" mit zusammen etwa 50 000 Einwohnern fusionieren, die dann die viertgrößte Stadt Sachsen-Anhalts sein wird.
Geschichte
- erste urkundliche Erwähnung am 28. Juni 1224
- Plünderung im Dreißigjährigen Krieg durch die Schweden (1637)
- 1815 durch den Wiener Kongress von Sachsen der preußischen Provinz Sachsen eingegliedert
- Aufschwung durch Industrieansiedlung und Anbindung an das Eisenbahnnetz nach 1837
- 1974-1993 Bernstein-Tagebau, erst von Hand, ab 1976 mit Anlage
Vor dem Zweiten Weltkrieg war Bitterfeld ein modernes Industriezentrum, in Zeiten der späten DDR wurde es zu einem Symbol für die marode Ausstattung der Wirtschaft und gefährliche Umweltverschmutzung. In jenen Jahren trug die Stadt auch den wenig schmeichelhaften Titel "dreckigste Stadt Europas".
Mit der Wende nach 1989 und den sich ergebenden Industriestilllegungen konnten Menschen, Pflanzen und Natur bildlich gesprochen wieder aufatmen. Wenn auch der Wegfall vieler Arbeitsplätze vielfach eine enorme Belastung für die Menschen bedeutete, konnte nun daran gedacht werden, die geschundene Region wieder lebenswerter zu machen. Mit milliardenschweren Rekultivierungsleistungen wurde die Bergbaufolgelandschaft um Bitterfeld in eine Seenlandschaft verwandelt, welche heute Wanderen und Wassersportlern ein kleines Paradies beschert. Stück für Stück kann beobachtet werden, wie die Natur ihre alten Narben heilt.
Monika Maron porträtierte in ihrem Roman "Flugasche" die äußerst schwierigen Produktionsbedingungen in Bitterfelder Chemiebetrieben.
Trotz Stilllegung von zahlreichen Industriebetrieben und wirtschaftlichen Problemen ist Bitterfeld als Teil des "Mitteldeutschen Chemiedreiecks" um Halle (Saale) und Leipzig mit dem neuen "Chemiepark" (siehe unten) noch immer ein bedeutender Standort der modernen chemischen Industrie.
- 2000: Korrespondenzregion der Expo 2000 in Hannover
Einwohnerentwicklung
Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember):
:Datenquelle ab 1995: Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt
1 29. Oktober
2 31. August
Politik
Städtepartnerschaften
Bitterfeld unterhält Städtepartnerschaften mit Marl (Nordrhein-Westfalen), Vierzon (Frankreich) und Dzershinsk (Ukraine).
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen
In dem 1839 in der Stadtmitte als Schulgebäude errichteten Kreismuseum befinden sich neben Dauerausstellungen zur Regionalgeschichte, Geologie, Biologie, Archäologie. Daneben ist eine Dauerausstellung der Ballonfahrt gewidmet, die in Bitterfeld auf eine 90jährige Tradition zurück blicken kann. Im Keller ist eine ständige Ausstellung zum Bitterfelder Bernstein zu sehen, die die einzige deutsche Bernsteinlagerstätte nach dem Zweiten Weltkrieg beschreibt.
Bauwerke
- Ev. Kirche St. Antonius, 1905 – 1910, neugotischer Backsteinbau
- Rathaus, 1863 – 1865, neugotischer Backsteinbau nach Entwurf von August Friedrich Ritter
- „Fürstenherberge“, 1579, zweistöckiger, heute verputzter Fachwerkbau mit Renaissanceportal
- Kath. Kirche Herz Jesu im gotischen Stil
- Parkanlage Binnengärten, vulgo: Grüne Lunge
- Kulturpalast, erbaut 1954, hier wurde der "Bitterfelder Weg" 1956 verkündet; nach Sanierung Ende 2004 wieder eröffnet
- gefluteter Tagebau "Goitzsche" (Bernsteinsee) mit Pegelturm und Wasserfront
- Berufsbildende Schule „August von Parseval“, 2000, seinerzeit größtes Niedrigenergiegebäude Deutschlands
Wirtschaft und Infrastruktur
Mit Beginn des Braunkohletagebaus 1839 südlich von Bitterfeld nahm der Ort einen schnellen wirtschaftlichen Aufschwung. Die über den Kohlefeldern lagernden Tonschichten begünstigten ein schnelles Wachstum der Steinzeugindustrie, die neben der im Rheinland zu den wichtigsten des Deutschen Reiches gehörte. 1893 errichtete Walther Rathenau die Elektrochemischen Werke, denen noch im gleichen Jahr die Chemische Fabrik Griesheim als weiterer Betrieb der Elektrochemie folgt. Hiermit war der Grundstein für Bitterfeld als bedeutendster Ort der europäischen Chlorchemie gelegt. Ausschlaggebender Grund für die Ansiedlung waren die ausgiebigen und preiswerten Kohlevorkommen, die zur Herstellung von elektrischer Energie benötigt wurden. Die chemische Industrie expandierte enorm und gewann während des Ersten Weltkrieges zusätzlich an Bedeutung, als das rohstoffarme Deutschland gezwungen war, auf chemischem Wege gewonnene Ersatzprodukte zu schaffen. In Bitterfeld wurde 1915 eine der größten Aluminiumhütten errichtet, daneben entstanden Großkraftwerke. Auch der Braunkohletagebau erweiterte sich zusehends, was negative Auswirkungen auf die Landschaft hatte. Mit Bildung der IG Farben AG 1925 wurde Bitterfeld ab 1926 Sitz der IG Farben Betriebsgemeinschaft Mitteldeutschland. In den Folgejahren kamen die Braunkohlengruben in den Besitz der IG Farben. Nach Kriegsende wurden die Betriebe 1946 in Sowjetische Aktiengesellschaften überführt, um dann als Volkseigene Betriebe der DDR übereignet zu werden. In Bitterfeld entstanden so die VEB Elektrochemisches Kombinat Bitterfeld (EKB) die 1969 in den VEB Chemiekombinat Bitterfeld (CKB) übergingen. Bitterfeld beherbergte mit dem VEB Industrie- und Kraftwerksrohrleitungsbau Bitterfeld (IKR) einen weiteren bedeutenden Betrieb der DDR-Wirtschaft. Die Betriebe der Steinzeugwerke wurden in den VEB Steinzeugwerke Bitterfeld überführt, der bis 1959 bestand. Ein weiteres bedeutendes Unternehmen war das Braunkohlenkombinat Bitterfeld (BKK). Die Umweltprobleme, die die Bitterfelder Industrie aufgrund einer stark überalterten Ausstattung ohne Umweltschutzmaßnahmen verursachte, sind legendär. Die nach 1989 einsetzende Sensationsberichtserstattung westdeutscher Zeitungen stigmatisierte Bitterfeld zur "schmutzigsten Stadt Europas". 1990 erfolgte die großflächige Stilllegung von Industriebetrieben und das Ende des Braunkohlenbergbaus. Die Tagebaubrachen wurden größtenteils geflutet und mit erheblichen Fördermitteln renaturiert. Das Gelände der chemischen Industrie wurde privatisiert und daraus hervorgegangene Betriebe führten zusammen mit namhaften Neuansiedlern (Bayer, Heraeus, Akzo Nobel, Degussa) die Tradition Bitterfelds als bedeutenden Chemiestandort fort. Im Bayer-Werk Bitterfeld werden z.B. fast alle Aspirin-Tabletten für den europäischen Markt produziert. Als Standortvorteil erweist sich ein Stoffverbund, der über ein weitverzweigtes Rohrbrückensystem innerhalb des Chemieparks zwischen verschiedenen Anliegern, speziell im Bereich der Chlorchemie, durchgeführt wird. Der politische Wechsel 1989/1990 und die anschließende Umgestaltung und Privatisierung der Industrie führte zu einer Arbeitslosigkeit von über 20%, die seit längerer Zeit mit Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit abgemildert wird, aber niemals kompensiert werden konnte. Die reale Arbeitslosigkeit bewegt sich 2005 bei ca. 25%.
Verkehr
Anschluss an ein reguläres Wegenetz erhält der Kreis Bitterfeld 1823 mit Anbindung an die Chaussee von Berlin über Halle (Saale) nach Kassel. Ihr Verlauf entspricht auf Kreisgebiet dem der heutigen Bundesstraße 100. Die im Jahr 1840 eröffnete Bahnverbindung Magdeburg - Halle (Saale) schließt den Kreis Bitterfeld an das noch junge deutsche Bahnnetz an. Allerdings ist der Nutzen gering, da die Linie nur den westlichen Teil des Kreises berührt. Die Situation verbessert sich, als Bitterfeld 1857 eine Bahnverbindunng nach Dessau erhält und an das Netz der Berlin-Anhalter Eisenbahn angeschlossen wird. Bereits zwei Jahre später entstehen Verbindungen nach Leipzig, Halle (Saale) und Wittenberg. Bitterfeld wird damit 1859 zu einem Bahnknoten und bietet eine hervorragende Ausgangslage für die Entwicklung der einheimischen Braunkohlen- und Steinzeugindustrie. Ergänzt wird das Bahnnetz 1897 mit der Linie Bitterfeld - Stumsdorf, die den Bahnknoten Bitterfeld direkt mit der Linie Magdeburg - Halle (Saale) verbindet. 1868 wird die Kreisschaussee Bitterfeld - Zörbig eröffnet. Ab 1911 ist Bitterfeld an den elektrischen Zugverkehr angeschlossen. Die erste normalspurige Vollbahnstrecke des deutschen Reiches nimmt zwischen Bitterfeld und Dessau ihren Betrieb auf. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wird der elektrische Betrieb eingestellt und erst 1922/1923 wieder aufgenommen. Bitterfeld ist nun Teil des Mitteldeutschen Ringes, der von Magdeburg über Dessau nach Halle (Saale) und Leipzig verläuft. Die Reichsautobahn von Berlin nach Nürnberg (die heutige A9) berührt den Kreis und wird 1936 eröffnet. Drei Auf- und Abfahrten befinden sich im Kreis: Dessau-Süd, Zörbig (heute Abfahrt Wolfen) und Brehna.
Ansässige Unternehmen
Folgende Unternehmen (Auswahl) sind im neu entstandenen Preiss-Daimler ChemiePark Bitterfeld Wolfen [http://www.chemiepark.de/] angesiedelt:
- Bayer Bitterfeld GmbH
- Degussa AG
- Linde AG Geschäftsbereich Linde Gas
- Heraeus Tenevo AG / Heraeus Quarzglas GmbH & Co. KG
- Solvay
- Akzo Nobel Chemicals GmbH [http://www.akzonobel.de]
- MDSE
- Teltron & Simet GmbH
Persönlichkeiten
Ehrenbürger
- Eugen Gustav Goltz, Stadtverordneter, Ehrenbürgerwürde am 2. Januar 1896
- Heinrich August Piltz, Stadtverordneter und Industrieller, Ehrenburgerwürde 1902
- Albert Richter, Kaufmann und Stadtrat, Ehrenbürgerwürde 1924
- Lothar Hentzschel, Bürgermeister der Partnerstadt Marl , Ehrenbürgerwürde 1996
- Ernst Thronicke, Zeichenlehrer und Maler, Ehrenbürgerwürde 1978
Söhne und Töchter der Stadt
- Johann Ernst Altenburg (1736 - 1801) Trompeter und Organist
- Arno Werner (1865 - 1955) Lehrer, Organist und Musikhistoriker
Zitate über Bitterfeld
- Sehen wir uns nicht in dieser Welt, dann sehen wir uns in Bitterfeld. Dieser Spruch zierte den Giebel der Gaststätte "Preußische Krone" (Kreuzeck), eine von zahlreichen Reisenden frequentierte Station am Schnittpunkt wichtiger Reise- und Handelsrouten. Hier kreuzten sich die Wege Berlin - Wittenberg - Halle und Magdeburg - Dessau - Leipzig, so wie bis heute die beiden wichtigen Eisenbahnlinien.
- Im Jahre 1921 übertitelte die nahe der Mulde gelegene Industriestadt das von ihr ausgegebene Notgeld mit diesem inzwischen zu einem geflügelten Wort gewordenen Spruch. Eine Ansicht des Gasthofs "Preußische Krone" zierte den Geldschein aus dem Jahre 1921.
- Bitterfeld, wo der Dreck vom Himmel fällt. Zu DDR-Zeiten wurde dieser Satz als ironische Anspielung auf die Umweltverschmutzung in der Stadt angewandt.
- Warum issen des hier eigentlich so grau in grau? Da hätt ich ja gleich in Bitterfeld bleiben können! (Anke Engelke als Doris Dubinsky im Film Der Wixxer)
Literatur
- Stadt Bitterfeld (Hrsg.): 775 Jahre Bitterfeld. Streifzüge durch die Geschichte einer Stadt 1. Auflage. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 1999, ISBN 3-932776-79-8
- Hackenholz, Dirk: Die elektrochemischen Werke in Bitterfeld 1914-1945. Ein Standort der IG-Farbenindustrie AG. Münster 2004, LIT-Verlag, ISBN 3-8258-7656-x
Weblinks
- http://www.bitterfeld.de
- [http://www.bitterfeld-online.de/ http://www.bitterfeld-online.de - Die Informationsseite im Landkreis Bitterfeld]
- http://www.pegelturm.de
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Kategorie:Ort in Sachsen-Anhalt
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Malakow-TurmEin Malakow-Turm auch Malakoff-Turm ist eine Form des Förderturms im Bergbau. Benannt sind diese Türme nach dem Fort Malakow, einer Befestigung bei Sewastopol, die 1855 im Krim-Krieg belagert wurde. Der Zusammenhang besteht darin, dass diese Fördertürme ähnlich massiv gebaut wurden wie die Bauwerke des Fort Malakow.
Der Krimkrieg war der erste Krieg, bei dem eine umfangreiche Kriegsberichterstattung erfolgte. Nur so ist es zu erklären, dass in diesem Zeitraum im Ruhrgebiet gebaute Türme zur Förderung von Kohle auf den Namen Malakow-Turm getauft wurden. Bemerkenswert ist dabei, dass die Ähnlichkeit mit dem Fort Malakow gering war. Die Festung hatte runde Türme, die auch deutlich niedriger waren.
Der Stil der Türme ist den englischen Ingenieuren zu verdanken, die man zum Bau der ersten Zechen dieser Bauart engagiert hatte.
Diese Fördertürme bestanden aus massiven Mauerwerk aus Ziegeln | | |