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Industrieland

Industrieland

Als Industrieland oder Industrienation bezeichnet man 1. ein technisch hoch entwickeltes Land mit einer bedeutenden eigenen industriellen Produktion von Gütern, 2. nach der Einteilung der Weltbank die Mitgliedsländer der OECD ohne die Türkei und die 1994 in die OECD aufgenommenen Entwicklungsländer. Die meisten Industrieländer sind säkulare Demokratien und haben untereinander komplizierte wirtschaftliche und politische Abkommen geschaffen, die einen dauerhaften Frieden gewähren sollen, der für ein weiteres Wachstum der Wirtschaft als förderlich gilt. Seit Mitte der 1950er Jahre nimmt der Anteil des Dienstleistungssektors an der Wirtschaft der Industrieländer stetig zu, seit den 1980er Jahren ist auch die Informationswirtschaft immer wichtiger geworden. Die Industrieländer vereinigen auf sich den größten Teil des Weltvermögens. Größte Industrienationen sind die USA, mehrere Staaten der EU sowie Japan, Kanada und Australien. Siehe auch: Entwicklungsland, Schwellenland Kategorie: Wirtschaft ja:先進国 ko:선진국

Staat

Max Weber definiert in seiner Herrschaftssoziologie Staat als einen solchen politischen Anstaltsbetrieb, dessen Verwaltungsstab erfolgreich das Monopol legitimen physischen Zwanges (also das Gewaltmonopol) für die Durchführung der Ordnungen in Anspruch nimmt (Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, [http://www.textlog.de/7321.html Kap. 1, § 17]). In der Ökonomie wird der Staat oftmals als Summe aller Zwangsverbände betrachtet. Zur Unterscheidung oder Kongruenz von Staat und Gesellschaft siehe Staat und Gesellschaft.

Völkerrecht

Ein Staat (aus lat. status Zustand, Verfassung) ist ein ein Gebilde, das laut der Konvention von Montevideo folgende Eigenschaften aufweist:
- eine mehr oder weniger stabile Kernbevölkerung (Staatsvolk);
- einen klar abgegrenzten oder definierten Landbesitz (Staatsgebiet, Territorium);
- eine Regierung, die eine Staatsgewalt ausüben kann;
- die Fähigkeit, mit anderen Staaten in politischen Kontakt zu treten, d. h., ein Völkerrechtssubjekt zu sein. Die klassische Staatsrechtslehre nennt nur die ersten drei Merkmale (Drei-Elemente-Lehre Jellineks). In diesem Sinne sind die Glieder eines Bundesstaates, wie die deutschen Länder auch "Staaten" (übrigens auch beschränkt Völkerrechtssubjekte, da sie auf Grund ihrer "Kulturhoheit" z. B. mit dem Heiligen Stuhl unabhängig von der Bundesrepublik Deutschland Konkordate abschließen können). Der klassische Ausnahmefall eines Staates ohne Staatsgebiet ist - seit der Annexion Maltas durch Napoleon I. - der "Souveräne Malteserorden". Die Souveränität ist kein definierendes Merkmal des Staates. Staaten können rechtlich auch dann fortbestehen, wenn sie unter Besatzung stehen (okkupiert sind); oder (in der älteren Staatsrechtslehre), wenn sie nur "souverän" sind (z. B. Samos im Osmanischen Reich). Jedoch muss faktisch eine Teilsouveränität gegeben sein. Wie denn überhaupt das Völkerrecht mangels einer Welt-Legislative von Entscheidungen von Fall zu Fall abhängt (case law) und mithin ein sehr nachgiebiges Recht ist, wenn Völkerrechtssubjekte "Fakten setzen".

Völkerrechtliche Anerkennung

Ein Staat bedarf zu seiner Gründung keiner juristischen Legitimation (er wird 'ausgerufen', vgl. den Rütli-Schwur bei der Begründung der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Mittelalter - die neuzeitliche Schweizerische Konföderation besteht aber durchaus aus einzelnen Staaten, den Kantonen). International hat es sich eingebürgert, einen Staat anzuerkennen, sobald mehrere andere Staaten seine Existenz anerkannt haben. Einige Gebiete wie Taiwan oder Nordzypern auf Zypern, die zwar die Merkmale eines Staates aufweisen, wurden dennoch, meist aus politischen Gründen, nicht allgemein anerkannt; diese werden als Stabilisierte De-Facto-Regime bezeichnet. Die Konvention von Montevideo regt häufig zu Diskussionen an, ob es möglich ist, durch Kauf einer staatenlosen Insel oder Bohrinsel quasi eine Mikronation zu gründen. Die Anerkennung durch andere Staaten ist das Hauptproblem solcher Vorhaben.

Anzahl

Insgesamt gibt es 192 vollständig anerkannte souveräne Staaten. Darunter fallen die 191 Mitglieder der UNO sowie die Vatikanstadt. Weitere Staaten sind nur von einer Minderheit der weltweiten Staaten anerkannt, dies sind u. a. Taiwan, Westsahara (DARS), die Cookinseln und Niue.

Literatur


- Michail Bakunin, Gott und der Staat, Berlin: Karin Kramer 1995
- Karl Held (Hrsg.): [http://www.gegenstandpunkt.com/vlg/staat/staat_i.htm Der bürgerliche Staat]. Die Staatsableitung. München, 1999. 138 Seiten ISBN 3-929211-03-3
- Stefan Breuer: Der Staat. Entstehung, Typen und Organisationsstadien, Reinbek b. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1998.
- Heide Gerstenberger, Die subjektlose Gewalt. Theorie der Entstehung buergerlicher Staatsgewalt, Münster: Westfälisches Dampfboot 2005
- Wolfgang Reinhard, Geschichte der Staatsgewalt. Eine vergleichende Verfassungsgeschichte Europas von den Anfängen bis zur Gegenwart, Sonderausgabe, München: C.H. Beck 2002
- Franz Oppenheimer:
[http://www.opp.uni-wuppertal.de/oppenheimer/st/staat0.htm Der Staat], 3. überarbeitete Auflage von 1929
- OVG Münster, Urteil vom 14.02.1989, Az. 18 A 858/87, in: NVwZ 1989, S. 790.

Siehe auch


- Staatstheorie
- Liste unabhängiger Staaten
- Liste der Staatsformen souveräner Staaten
- Staatliche Souveränität
- Territoriale Integrität Kategorie:Politische Geographie ! ja:国家 simple:State


Ökonomisches Gut

Als ökonomisches Gut oder auch wirtschaftliches Gut bezeichnet man allgemein alle Mittel oder Leistungen (Sachgüter, Dienstleistungen und Nutzungsrechte), die direkt oder indirekt der Bedürfnisbefriedigung dienen.

Güterarten nach dem Kriterium der Verfügbarkeit

Freie und knappe Güter

Hier lassen sich freie und knappe (wirtschaftliche) Güter unterscheiden. Ein Gut ist frei, wenn es im betreffenden Gebiet zur betrachteten Zeit in so großer Menge vorhanden ist, dass jeder Mensch so viele Einheiten des Gutes konsumieren kann, wie er will, beziehungsweise bis seine Sättigungsmenge erreicht ist. Ein Beispiel dafür ist Sand in der Wüste oder Salzwasser im Meer. Freie Güter haben die Eigenschaft, dass man für sie keinen Preis verlangen kann. Allerdings ist die Trennung zwischen beiden Gütertypen unscharf: Ein normalerweise freies Gut ist unter anderen Umständen möglicherweise nicht mehr frei (Salzwasser in der Wüste oder Sand im Meer) und kostet Geld.

Knappe Güter und Wirtschaften

Da freie Güter keinen Preis haben, sind Wirtschaften und wirtschaftliche Organisation nur im Zusammenhang mit knappen Gütern von Bedeutung (Knappheit). Zu deren Erwerb muss sparsam mit den verfügbaren Mitteln umgegangen werden (haushalten). Allgemein lehrt die Theorie des Tausches als Ursprungsgedanke des wirtschaftlichen Handelns, dass Güter nur dann wirtschaftlich genutzt (getauscht) werden können, wenn der Tausch Ziel eines Ausgleich unterschiedlicher Grenzraten der Substitution ist. Hierfür sind für den jeweiligen Tauschpartner folgende Kriterien wichtig, welche ein Gut zur Tauschfähigkeit und damit zur Wirtschaftsreife werden lassen: Verfügbarkeit, Begehrtheit, Knappheit, Tauschbarkeit.

Güterarten nach Ausschließbarkeit und Rivalität

Güterarten nach dem Kriterium der Ausschließbarkeit (Exkludierbarkeit) anderer potenzieller Nutzer

Hier kann man unterscheiden in Ausschluss ermöglichende Güter und Ausschluss nicht ermöglichende Güter. Die meisten Güter des täglichen Lebens machen es möglich, Personen von ihrem Konsum auszuschließen. Nicht der Fall ist dies jedoch bspw. bei Luft; um eine Person vom Konsum der Luft auszuschließen, müsste die in ihrem Umfeld befindliche Luft abgepumpt werden. Typische andere Beispiele für Güter, die einen Ausschluss einzelner nicht ermöglichen, sind Landesverteidigung (man kann nicht einen einzelnen Bürger davon ausschließen, dass er im Falle eines Angriffs militärisch verteidigt wird) oder Deiche (alle Menschen, die hinter einem Deich wohnen, werden vor Hochwasser geschützt - der Ausschluss einzelner ist nicht möglich). Jedoch zeigt sich eine Tendenz zu zunehmender Ausschließbarkeit: Güter wie Fernsehen oder die Benutzung von Straßen erlauben heute, anders als früher, den Ausschluss einzelner (über Bezahlfernsehen und Maut). Anders ausgedrückt: Das Erreichen von Ausschließbarkeit ist lediglich eine Frage des Preises - durch hohe Kosten könnte der erwähnte Deich beispielsweise um ein bestimmtes Haus herum gebaut werden und dieses somit vom Schutz ausschließen.

Güterarten nach der Rivalität im Konsum

Man unterscheidet hier in rivale Güter und nicht-rivale Güter. Rivale Güter zeichnen sich dadurch aus, dass der Konsum eines Gutes durch einen Konsumenten den Konsum desselben Gutes durch einen anderen Konsumenten be- oder verhindert. Typische nicht-rivale Güter sind z. B. Fernsehen (wenn im Nachbarhaus ferngesehen wird, verschlechtert sich der eigene Empfang dadurch nicht) oder Atmen. Hingegen kann ein Brot, das ein Konsument isst, nicht gleichzeitig in vollem Umfang von einer anderen Person konsumiert werden. Auch in dieser Kategorie ergeben sich Grauzonen: So ist das Gut Autobahnbenutzung zunächst nicht rival, da ein zweites Auto auf der Autobahn den einzelnen Fahrer nicht stört. Bei stark zunehmendem Verkehr jedoch wird auch die Autobahnbenutzung rival.

Güterklassifikation nach Ausschließbarkeit und Rivalität

Aus den beiden letztgenannten Kriterien lässt sich eine Vier-Felder-Matrix erstellen (so genannte politisierte Güter und politische Clubgüter werden hierin nicht berücksichtigt).

Güterarten nach der Gegenständlichkeit (Materialität)

Man unterscheidet diesbezüglich in materielle Güter (auch als "Sachgüter" oder "Waren" bezeichnet, z.B. Haus) und immaterielle Güter. Letztere lassen sich wiederum unterteilen in Dienstleistungen (z.B. Arztbesuch) und ideelle Güter (wie z.B. Patente). Auch hier ist der Übergang fließend. So ist ein Auto zweifelsohne ein Sachgut, während der Kundendienst an besagtem Auto eine Dienstleistung ist.

Güterarten nach dem Verwendungszweck

Trennung nach Konsumgütern und Produktionsmitteln

Unterschieden wird hier in Konsumgüter (z.B. Nahrungsmittel, Bücher) und Produktionsmittel (z.B. eine kommerzielle Eismaschine), durch welche die Konsumgüter erst hergestellt werden.

Weitere Aufteilung der Produktionsmittel

Auch die Produktionsmittel weisen unterschiedliche Eigenschaften auf. Manche Produktionsmittel werden während des Produktionsprozesses explizit verbraucht (Rohstoffe (z.B. Eisenerz), Betriebsstoffe (beispielsweise Kohle) und Hilfsstoffe (z.B. Schutzanzug)). Bei anderen Gütern, die bei der Produktion eingesetzt werden, steht nicht der Verbrauch im Vordergrund, sondern deren Gebrauch. Diese Güter bezeichnet man als Investitionsgüter.

Güterarten nach ihrer Produktionseigenschaft

Trennung in direkte Güter oder auch Rohstoffe, die direkt in eine Produktion fließen (z.B. Metall für ein Autowerk) und indirekte Güter, die zur Aufrechterhaltung des Betriebes dienen (z.B. Schleifpapier, Büromöbel); Letztere werden im Kontext des E-Procurement oft als MRO-Güter genannt (vom englischen Maintain - Repair - Operate).

Güterarten nach dem Nachfrageverhalten

Nachfrageverhalten in Abhängigkeit vom Preis des Gutes

Normale Güter zeichen sich dadurch aus, dass sie bei steigendem Preis in geringerem Umfang nachgefragt werden (negative Preiselastizität). Hingegen wird ein Superiores Gut bei steigendem Preis vermehrt konsumiert (positive Preiselastizität). siehe auch: Preiseffekt

Nachfrageverhalten in Abhängigkeit vom Einkommen

Giffen-Güter (oder Luxusgüter) stellen einen Extremfall inferiorer Güter dar - sie werden bei steigendem Einkommen in geringerem Umfang nachgefragt (negative Einkommenselastizität). Das Gegenteil von Giffen-Gütern sind lebensnotwendige Güter. Sie weisen eine Einkommenselastizität größer 0, aber kleiner 1 auf. siehe auch: Einkommenseffekt

Nachfrageverhalten zwischen zwei Gütern

Substitutionsgüter zeichnen sich dadurch aus, dass sie aus der Sicht des Konsumenten ähnliche oder sogar dieselben Bedürfnisse stillen und somit im Wettbewerb einem "entweder oder" unterliegen. Folglich steigt bei einem Substitutionsgut die Nachfrage, wenn sich das andere Gut verteuert. Dabei können verschiedene Grade an Substituierbarkeit unterschieden werden: Können zwei Güter vollkommen gegenseitig ersetzt werden, ohne dass zusätzliche Kosten, Qualitätsunterschiede oder ähnliche Anreize auftreten, die den Konsumenten dazu veranlassen könnten, ein Produkt zu bevorzugen, spricht man von einem perfekten oder vollkommenen Substitutionsgut. Die Grenzrate der Substitution des einen Guts für das andere ist konstant. Typische Substitutionsgüter sind Brot und Brötchen. Sind beide Güter nicht vollkommen durch das jeweils andere ersetzbar, so spricht man von unvollständigen Substituten. Zurückzuführen ist die nicht vollständige Substituierbarkeit auf qualitative oder preisliche Unterschiede zwischen den Gütern. Beispiele für unvollständige Substitute sind CDs und Audio-Kassetten; zwar ermöglichen beide das Aufnehmen und Wiedergeben von Musik, allerdings unterscheiden sie sich in Qualität und Speicherplatz. Komplementärgüter werden hingegen gemeinsam nachgefragt. Sie stillen nicht dieselben Bedürfnisse, sondern ergänzen sich. Folglich sinkt die Nachfrage nach einem Gut, wenn der Preis seines Komplementärguts steigt. Auch hier lassen sich verschiedene Grade unterscheiden: Können zwei Güter nur zusammen konsumiert werden, so spricht man von perfekten Komplementen - der Kauf des einen Gutes macht ohne gleichzeitigen Kauf des anderen Gutes überhaupt keinen Sinn. Mathematisch ausgedrückt ergibt sich der Nutzen des Konsumenten (U) also aus U(x1,x2)=min. Beispiele für perfekte Komplemente sind rechte und linke Handschuhe. Im Gegensatz dazu sind unvollständige Komplemente solche Güter, die sich zwar ergänzen, aber auch einzeln am Markt nachgefragt werden - z.B. Computer, Drucker und Bildschirm.

Güterarten nach Nachfragerpräferenzen

Güter lassen sich auch danach unterscheiden, ob ein Nachfrager für verschiedene Fabrikate einer Gutsklasse unterschiedliche Präferenzen aufweist. Wenn ja, so spricht man von heterogenen Gütern, wenn nein von homogenen Gütern. Die unterschiedlichen Präferenzen können sowohl durch objektive Produktunterschiede (Größe, Zweck, Qualität etc.) begründet sein als auch durch subjektive Produktunterschiede (z.B. Markenimage). Typische Beispiele sind elektrischer Strom (für homogene Güter) und Autos (für heterogene Güter). Homogene Güter sind vollkommen gegeneinander austauschbar. Dabei existieren weder objektive Unterschiede (d.h. die Güter sind materiell, von ihrem Zweck, ihrem Kaufort etc. gleichartig) noch subjektive Unterschiede (d.h. die Nachfrager haben auch keinerlei Präferenzen für bestimmte Anbieter). Liegt ein homogenes Gut vor, bestimmt also allein der Preis die Kaufentscheidung. Die Homogenität der Güter ist eine notwendige Voraussetzung für den vollkommenen Markt. Beispiele für homogene Güter sind Call-by-Call-Telefontarife, Elektrische Energie, Aktien vom gleichen Unternehmen. Von der Beschaffenheit weitgehend homogen sind Banknoten der gleichen Währung und Kraftstoffe, solange sie nicht durch Additive und/oder durch die Werbung heterogen gemacht wurden. Weisen Güter hingegen unterschiedliche Eigenschaften auf, so sind sie nicht mehr beliebig austauschbar. Dies mindert den Wettbewerb zwischen den Anbietern. Materielle Güter sind im Allgemeinen nicht homogen, da ihre Beschaffung standortabhängig ist und mit unterschiedlichen Kauferlebnissen verbunden ist. Ein typisches Beispiel für heterogene Güter sind Autos, die sich in Qualität, Ausstattung, Markenimage etc. unterscheiden.

Güterarten nach der Möglichkeit des Transports

Handelbare und nicht handelbare Güter

Es existieren handelbare (so genannte Tradeables) und nicht handelbare Güter (so genannte Non-Tradeables), wobei nicht handelbare Güter durch zu hohe Transportkosten oder andere Gründe nicht international gehandelt werden. Beispiele für nicht handelbare Güter sind in vielen Fällen bestimmte Dienstleistungen. Per Definition sind alle Immobilien nicht handelbare Güter.

Mobilien und Immobilien

Bezogen auf Sachgüter haben sich für denselben Sachverhalt zwei weitere Bezeichnungen eingebürgert: Mobilien zeichnen dadurch aus, dass sie transportiert werden können, während der Standort von Immobilien nicht verändert werden kann. Damit ist der volkswirtschaftliche Immobilien-Begriff breiter aufzufassen als der des allgemeinen Sprachgebrauchs. Volkswirtschaftlich zählen hierzu nicht nur Gebäude oder Grundstücke, sondern auch Straßen und Stromleitungen.

Güterarten nach Wohlfahrtswirkungen

Jeder Konsument eines Gutes misst diesem einen bestimmten individuellen Nutzen zu, welcher in der VWL über die marginale Zahlungsbereitschaft des Nachfragers quantifiziert wird. Neben dem individuell zugemessenen Nutzen, welcher sich von Nutzer zu Nutzer unterscheidet, kann Gütern auch ein allgemeiner Nutzen, eine gesellschaftliche Wohlfahrtswirkung zugewiesen werden. Unterscheidet sich diese hinreichend stark von dem individuellen Nutzen, der einem Gut zumindest von Teilen der Gesellschaft beigemessen wird, so greift der Staat durch Regulierung ein: Güter, denen er einen hohen Nutzen beimisst, fördert er, während er Güter, die er für schädlich erachtet, verbietet oder beschränkt. Um einen Eingriff in den freien Markt so rechtfertigen zu können, muss der Staat über ein gegenüber den Individuen superiores Wissen verfügen. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass diese Form des Staatseingriffs eine u.U. massive Einschränkung der Konsumentensouveränität mit sich bringt. Aufgrunddessen ist diese Form des Staatseingriffs kritisch zu hinterfragen. Ein meritorisches Gut (s. dort) ist ein Gut, das aus gesellschaftlicher Sicht nicht in ausreichendem Maß nachgefragt wird. Ein demeritorisches Gut hingegen wird zu stark nachgefragt.

Güterarten nach Zurechenbarkeit zu einem Kostenträger

Im Rechnungswesen lassen sich Einzel- und Gemeinkosten unterscheiden. Gemeinkosten sind Kosten, die einem Kostenträger (z.B. Produkt oder Dienstleistung) - anders als Einzelkosten - nicht direkt zugerechnet werden können. Güter, die den Gemeinkosten zugerechnet werden, bezeichnet man auch als indirekte Güter. Einzelkosten-Güter werden als direkte Güter bezeichnet.

Sonstige Güterarten

Im Bereich Marketing gibt es weitere Güterarten beziehungsweise Produkttypolgien (vgl. Geml/Lauer: Das kleine Marketing-Lexikon, 3. Aufl., Düsseldorf 2004). Siehe auch: Gut (juristisch) Okonomisches Gut Okonomisches Gut ja:財

Weltbank

Die in Washington (USA) angesiedelte Weltbankgruppe hatte ursprünglich den Zweck, den Wiederaufbau der vom zweiten Weltkrieg verwüsteten Staaten zu finanzieren. Sie umfasst die folgenden fünf Organisationen, die jeweils eine eigene Rechtspersönlichkeit besitzen:
- Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (International Bank for Reconstruction and Development – IBRD)
- Internationale Entwicklungsorganisation (International Development Association – IDA)
- Internationale Finanz-Corporation (International Finance Corporation – IFC)
- Multilaterale Investitions-Garantie-Agentur (Multilateral Investment Guarantee Agency – MIGA)
- Internationales Zentrum für die Beilegung von Investitionsstreitigkeiten (International Center for the Settlement of Investment Disputes – ICSID) Die Weltbankgruppe ist durch verwaltungsmäßige Verflechtungen und durch einen gemeinsamen Präsidenten (im Fall der ICSID als Vorsitzender des Verwaltungsrates) verbunden. Der Begriff "Weltbank" (im Ggs. zu "Weltbankgruppe") umfasst nur die beiden ersten der fünf oben angeführten Organisationen.

Gemeinsame Kernaufgabe

Die gemeinsame Kernaufgabe dieser Institutionen ist die wirtschaftliche Entwicklung von weniger entwickelten Mitgliedsländern durch finanzielle Hilfen, durch Beratung und Technische Hilfe zu fördern, und so zur Umsetzung der internationalen Entwicklungsziele beizutragen (vor allem den Anteil der Armen an der Weltbevölkerung bis zum Jahr 2015 um die Hälfte reduzieren zu helfen). Sie dienen auch als Katalysator für die Unterstützung durch Dritte. Dies geschieht vornehmlich durch die Vergabe von langfristigen Darlehen zu marktnahen Konditionen (IBRD) beziehungsweise zinslosen, langfristigen Krediten (IDA) für Investitionsprojekte, umfassende Reformprogramme und technische Hilfe, zunehmend auch durch die Förderung der privatwirtschaftlichen Entwicklung durch die Beteiligung an Firmen (International Finance Corporation (IFC) und durch die Übernahme von Garantien (MIGA). 1974 haben die Gouverneursräte der Weltbank und des IWF auf Wunsch der Entwicklungsländer einen gemeinsamen Ministerausschuss über den Transfer von finanziellen Ressourcen in Entwicklungsländer eingesetzt – das Development Committee (DC). Das DC hat 24 Mitglieder, die die gesamte Mitgliedschaft der Weltbankgruppe und des IWF vertreten, und tagt zweimal im Jahr. Seine Aufgabe ist es, die Gouverneursräte der Bank und des IWF über wichtige Entwicklungsfragen und über die für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in den Entwicklungsländern erforderlichen Ressourcen zu beraten. Im Laufe der Zeit hat das DC auch Fragen des Handels und des globalen Umweltschutzes in seine Beratungen einbezogen. Die Weltbank veröffentlicht jährlich den Weltentwicklungsbericht (World Development Report), der jeweils einem übergreifenden und für die aktuelle Entwicklungsdiskussion bedeutsamen Thema gewidmet ist. Er fasst in seinen detaillierten Analysen nicht nur den Diskussionsstand zusammen, sondern gibt vor allem auch entscheidende Anstöße und bringt die internationale Debatte über Entwicklung um wichtige Schritte voran. Weitere zentrale Weltbank-Berichte sind der „Global Economic Prospects”, „Global Development Finance” und „Doing Business”. Die Private Sector Development (PSD) ist eine Strategie der Weltbank die Privatisierung in Entwicklungsländern voran zu treiben, sie ist für alle Teile der Weltbank gültig, und alle anderen Strategien müssen auf PSD abgestimmt sein. Auch die Vergabe von Krediten ist an grundlegende Reformen im Sinne der PSD geknüpft, die private Herstellung von Infrastruktur soll gefördert werden: es wird argumentiert, dass die öffentliche Hand öffentliche Unternehmen bevorzuge und einen Wettbewerb verhindere (vgl Strukturanpassungsprogramme).

Kritik

Strukturanpassungsprogramm Die Förderpraxis der Weltbank wird oftmals von Umweltschutzorganisationen und globalisierungskritischen Gruppen angegriffen. Zu oft würden Großprojekte wie Staudämme oder Pipelines gefördert, die verheerende Umweltschäden und Nachteile für die ansässige Bevölkerung zur Folge hätten und eher Konzernen aus den Industrieländern sowie den Eliten in den Entwicklungsländern dienten als wirklich die Entwicklung zu fördern. Die Stimmrechte sind nach Anteilseigentum verteilt, bei der IBRD (IFC) z.B. so:
- USA 16,39% (23,68%)
- Japan 7,87% (5,88%)
- Deutschland 4,49% (5,37%)
- Frankreich 4,3% (5,04%)
- Großbritannien 4,3% (5,04%) (Auszug, Stand 7. September 2004)

bisherige Präsidenten der Weltbankgruppe

Literatur


- Axel Dreher, [http://www.wvberlin.de/data/inhalt/dreher.htm Die Kreditvergabe von IWF und Weltbank: Ursachen und Wirkungen aus politisch-ökonomischer Sicht], 2003, wvb Berlin, ISBN 3936846545

Siehe auch


- Portal:Vereinte Nationen
- Internationaler Währungsfonds (IWF)
- Entwicklungsbank
- grüne Revolution
- Bretton-Woods-System
- Neoliberalismus
- Marshall-Plan

Weblinks


- [http://www.worldbank.org Homepage der Weltbankgruppe] englisch, spanisch, französisch, arabisch
- [http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/358296/ "Weltbank ist ein internationaler Agenda-Setter"] (Interview mit Dirk Messner, Geschäftsführer des Instituts für Entwicklungspolitik in Bonn - DLF, 20. März 2005) Kategorie:UN-Sonderorganisation Kategorie:Internationale Wirtschaftsorganisation Kategorie:Entwicklungspolitik ! Kategorie:Entwicklungsbank Kategorie:Unternehmen (USA) ja:世界銀行 zh-min-nan:Sè-kài Gûn-hâng

Entwicklungsland

Ein Entwicklungsland ist nach allgemeinem Verständnis ein Land, das hinsichtlich seiner wirtschaftlichen, sozialen und politischen Entwicklung einen relativ niedrigen Stand aufweist. Dabei handelt es sich um einen Sammelbegriff für Länder, die nach allgemeinem Sprachgebrauch als "arm" gelten. Welches Land als Entwicklungsland gilt oder nicht, ist vom Maßstab, an dem man die Entwicklung eines Lands misst, abhängig (siehe Abschnitt Gemeinsame Merkmale der Entwicklungsländer). Der Begriff entstammt der Fach- und Alltagssprache der Entwicklungspolitik und genießt allgemein eine hohe Akzeptanz. Diese hohe Akzeptanz entsteht auf der einen Seite durch eine relativ wertfreie Wortwahl und auf der anderen Seite durch eine begriffliche Unschärfe. Dem Ausdruck Entwicklungsland liegt - trotz verschiedenster Versuche - kein theoretisches Konzept zugrunde. Ein Versuch der näheren Bestimmung dieses Begriffs führt zwangsläufig zu der Frage, was Entwicklung überhaupt bedeutet.

Allgemeiner Sprachgebrauch

Grundlegende Anmerkungen

Für den Begriff "Entwicklungsland" gibt es eine Vielzahl von Synonymen. Einige Beispiele dafür sind: Dritte Welt, Vierte Welt oder Fünfte Welt. Alle diese Begriffe sind - ebenso wie "Entwicklungsland" selbst - teilweise umstritten und werden von einigen Fachleuten abgelehnt. Kritiker des Begriffs "Entwicklungsland" wenden beispielsweise ein, dass er etwas suggeriert, was manchmal gar nicht stattfindet: nämlich Entwicklung. Einer der prominentesten Kritiker dieses Begriffs ist der schwedische Ökonom Gunnar Myrdal. Nicht mehr gebräuchlich sind: "unterentwickelte Länder" (underdeveloped countries), "rückständige Länder" (backward countries) oder "nicht-entwickelte Länder" (undeveloped countries). Diese Begriffe erschienen zum ersten Mal im UNO-Programm von 1949, sind jedoch stark wertbehaftet und können von den Bewohnern der betroffenen Länder als verletzend empfunden werden. Sie werden deshalb von UNO und Weltbank nicht mehr verwendet und sollten auch im öffentlichen Sprachgebrauch abgelehnt werden.

Internationale und nationale Sprachregelungen

International gibt es keine eindeutige Sprachregelung. So wurde zum Beispiel in Folge einer UN-Vollversammlung im Jahr 1971 die Least Developed Countries (LLDC) von den Less Developed Countries (LDC) unterschieden. Nicht alle UN-Organisationen unterscheiden jedoch zwischen den beiden Gruppen. Für den deutschen Sprachgebrauch besteht das Problem der Übersetzbarkeit der Begriffe. Der umständliche Ausdruck "weniger entwickelte Länder" hat sich daher nie durchgesetzt. So verwendet das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) entweder den englischsprachigen Begriff "LDC" oder den deutschen unbestimmten Begriff "Entwicklungsland". Auch macht das BMZ keinen Unterschied zwischen LDC und LLDC und kürzt die "Least Developed Countries" mit LDC ab. Die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) vermeidet den Begriff "Entwicklungsland" zugunsten des Begriffs "Partnerländer".

Der Ausdruck Nord-Süd

Der Ausdruck "Nord-Süd" wird zunehmend von den Entwicklungsländern selbst benutzt. Auch den Ausdruck "Nord-Süd-Beziehungen" kann man zunehmend als Ersatz für den Begriff "Entwicklungspolitik" finden. Das BMZ verwendet beispielsweise diese Bezeichnung. Dieser Begriff ist weitgehend wertfrei, da er eine geographische Lage ausdrückt, auch wenn die Entwicklungsländer nicht zwangsläufig auf der südlichen Halbkugel liegen. Gleiches gilt im umgekehrten Sinne auch für den Begriff "Norden". Der Begriff "Westen" als Synonym für reiche Staaten ist geographisch ebenso ungenau; außerdem ist er ein Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges.

Industriestaaten und Nicht-Industriestaaten

Mit "Industriestaaten" versucht man die industrialisierten Staaten von den Entwicklungsländern sprachlich abzugrenzen, die diesen Zustand zu erreichen bestreben. Die historische Industrialisierung Europas lässt sich jedoch nicht mit den Prozessen vergleichen, die heute in den Entwicklungsländern stattfinden. Außerdem stellt sich das Zuordnungsproblem mit den industrialisierten, ehemaligen sozialistischen Ländern (Ostblock). Sinngemäss müsten die mit dem Ausdruck Industriestaaten gemeinten Länder heute als "Dienstleistungsstaaten" bezeichnet werden, wenn man den Anteil des Industrie- bzw. Dienstleistungsektors am Bruttosozialprodukt vergleicht.

Der Begriff Dritte Welt

Hauptartikel: Dritte Welt Der Begriff "Dritte Welt" stammt aus den 50er Jahren und war ursprünglich politisch geprägt. Er definierte die Blockfreien Staaten, welche sich nicht durch den Kalten Krieg ideologisch vereinnahmen lassen wollten. Bereits vor dem Ende des Ost-West-Konfliktes, genauer gesagt zu Beginn der 80er Jahre, wurde gefordert auf den Begriff "Dritte Welt" zu verzichten. Ulrich Menzel begründete und untermauerte diese Forderung im Jahr 1992 in seinem Buch "Ende der Dritten Welt" mit der These, dass die Zweite Welt verschwunden wäre, und es dadurch auch keine Dritte Welt mehr geben könne. Viele ehemalige "Dritte-Welt-Gruppen" nannten sich daraufhin in "Eine-Welt-Gruppen" um. Das BMZ verwendet den Begriff "Dritte Welt" nicht mehr. Trotzdem ist der Ausdruck noch nicht verschwunden und existiert weiter fort, vor allem in der Alltagssprache wird er noch benutzt.

Reich und arm

Die Begriffe "reich" und "arm" definieren den Entwicklungszustand eines Landes nur unzureichend. Sie finden ihre Verwendung eher in Verbindung mit dem Vermögen von Einzelpersonen. So gibt es Armut auch in Ländern mit hohem Durchschnittseinkommen (beispielsweise in Deutschland oder der Schweiz) und Reichtum in Entwicklungsländern (zum Beispiel in den ölexportierenden Ländern).

Strukturelle Probleme der Entwicklungsländer und ihre Ursachen

Hauptartikel: Entwicklungstheorie, Entwicklungspolitik Strukturelle Probleme wirken grundsätzlich über einen längeren Zeitraum und äußern sich in der Vernetzung von bestimmten Phänomenen. Mit Strukturen sind die Basisselemente und Wirkungszusammenhänge, welche die internen Vorgänge und Reaktionsweisen eines Systems prägen, gemeint. In der Regel sind für die strukturellen Probleme der Entwicklungsländer eine Vielzahl verschiedenster Faktoren verantwortlich. Zu den Ursachen dieser strukturellen Probleme und des relativ geringen Entwicklungsniveaus in den betroffenen Ländern existieren eine Vielzahl von Entwicklungstheorien. Die meisten Theorien betonen dabei entweder stärker die endogenen (vom betreffenden Land selbst verursachten) oder die exogenen (extern verursachten) Faktoren. Ein Ziel der Entwicklungspolitik ist, diese strukturellen Probleme zu beseitigen.

Strukturelle Probleme und ihre Wirkungszusammenhänge

Charakteristisch für Entwicklungsländer ist die oft unzureichende Fähigkeit die eigene Bevölkerung mit lebensnotwendigen Gütern und lebenswichtigen Dienstleistungen zu versorgen; mit anderen Worten: ihr ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang hat beispielsweise die Weltbank nachgewiesen, dass die Mehrheit der lateinamerikanischen Staaten bereits durch eine geringe Umverteilung des vorhandenen Reichtums in der Lage wären, die Massenarmut zu überwinden. Hier handelt es sich also nicht um ein Produktionsproblem, sondern um ein politisches Strukturproblem. Strukturelle Probleme müssen aber nicht zwangsläufig politischer Natur sein, sondern können auch in anderen Bereichen existieren (Wirtschaft, Gesellschaft, Umwelt etc.). So führt die Unterversorgung der Bevölkerung zu Armut, Hunger und dadurch zu einer geringeren Produktivität. Dies hat eine noch schlechtere Versorgungslage zum Ergebnis. Chronische Unterernährung führt darüber hinaus (vor allem bei Kindern) zu einer von vorneherein gehemmten geistigen und körperlichen Entwicklung. Letztendlich ist ihre Fähigkeit durch Kreativität oder Produktivität ihre eigene Situation zu verbessern, also sich zu entwickeln, eingeschränkt und es handelt sich um ein sozio-strukturelles Problem. Ein anderes strukturelles Problem ist die Diskriminierung von Frauen, was in den letzten Jahren vermehrt als eine grundlegende Ursache der Problemen der Entwicklungsländer erkannt wurde. Ebenso gravierend kann sich ein allzu schnelles Bevölkerungswachstum auf die bereits vorhandenen Entwicklungsprobleme auswirken. Wenn das Wirtschaftswachstum mit dem Bevölkerungswachstum nicht mehr Schritt halten kann, kommt es zum Beispiel in den Städten zu Slumbildung und Arbeitslosigkeit, sowie im ländlichen Raum zu Ernährungsproblemen und unangemessener Landnutzung (einhergehend mit irreversiblen ökologischen Schäden).

Auswirkungen der Erdölkrise von 1973 auf die Entwicklungsländer

Die Ölkrise von 1973 führte zu einer Preisexplosion des Erdöls, wovon die erdölexportierenden Länder (OPEC und nicht-OPEC) profitierten. Die ölimportierenden Industrieländer waren sowohl Opfer als auch Begünstigte (als Lieferanten der zunehmend nachgefragten Investitions- und Konsumgüter). Die ölimportierenden Entwicklungsländer konnten jedoch die entstandenen Verluste nicht durch Gegengeschäfte ausgleichen (nimmt man den Kapitalrückfluss von Arbeitsmigranten einmal aus) und wurden in ihrer Entwicklung gebremst oder zurückgeworfen. In den 80er-Jahren kam es dann schließlich aufgrund verschiedener weltwirtschaftlicher Entwicklungen zu einem dramatischen Preissturz, was zur Folge hatte, dass sich das Pro-Kopf-Einkommen von Ländern wie Libyen oder Nigeria halbierte. Allgemein sind Entwicklungsländer durch Erdölkrisen stärker betroffen als Industrieländer und es ist davon auszugehen, dass kommende Energiekrisen weiterhin einen hemmenden Faktor in ihrer Entwicklung darstellen werden.

Gemeinsame Merkmale der Entwicklungsländer

Unter den Merkmalen versteht man die Symptome der strukturellen Probleme. Seit den 50er-Jahren gibt es schon die sogenannten "Merkmalslisten", welche die zentralen Entwicklungsprobleme aufzulisten versuchen. Es ist umstritten mit welchen gemeinsamen Merkmalen die Entwicklungsländer beschrieben werden können, sollte es solche gemeinsamen Merkmale überhaupt geben. Die Kritik an einem Merkmalskatalog für Entwicklungsländer basiert vor allem auf der Tatsache, dass die Gemeinsamkeiten zweier Entwicklungsländer in Bezug auf diesen Merkmalskatalog nicht zwangsläufig größer sein müssen als zwischen einem Entwicklungsland und einem Industrieland. Auch bei einzelnen Industrieländern können die in der Liste aufgeführten Merkmale beobachtet werden. Deshalb wirft die Klassifizierung von Entwicklungsländern anhand von schematisierten Merkmalen immer wieder Fragen auf, da die verschiedenen Merkmale und ihre relative Bedeutung kontrovers diskutiert werden. Darüber hinaus bestehen zwischen den genannten Punkten Wechselwirkungen.

Ökonomische Merkmale

Klassifizierung Ein großer Teil der ökonomischen Merkmale entsteht als direkte Folge der geringen Wertschöpfung in den Entwicklungsländern. So ist meist ein hoher Anteil der Bevölkerung in den Entwicklungsländern im primären Sektor tätig, wo volkswirtschaftlich keine große Wertsteigerung erzielt wird. Die einseitige Exportpalette (z.B. landwirtschaftliche Güter oder Bodenschätze) und die außenwirtschaftliche Ausrichtung auf die Industrieländer wurzelt auch in der kolonialen Vergangenheit. Andere ökonomische Merkmale sind:
- Geringes BSP/BIP pro Kopf
- Extrem ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung (Gini-Index)
- Niedrige Spar- und Investitionstätigkeit
- Bedeutende Rolle des primären und des informellen Sektors
- Passive Handelsbilanz
- Einseitige Exportpalette
- Außenwirtschaftliche Ausrichtung auf die Industrieländer
- Schlechte Handelsbedingungen (Terms of Trade)
- Hohe Auslandsverschuldung
- Kapitalflucht
- Starke regionale Disparitäten zwischen Zentrum und Peripherie
- Hohe Arbeitslosigkeit
- Unzureichende Infrastruktur

Ökologische Merkmale

Infrastruktur Indonesien.]] Viele Entwicklungsländer sind in besonderem Ausmaß von ökologischen Problemen betroffen. So kommen das UN-Umweltprogramm UNEP und das World Watch Institute zu dem Schluss, dass in den Entwicklungsländern 90 % des weltweiten Artensterbens, der Bodenerosion und der Waldrodung stattfinden. Da die natürlichen Ressourcen der Entwicklungsländer zu ihren wichtigsten Reichtümern und damit zur eigenen Existenzgrundlage zählen, treffen Umweltkrisen die Entwicklungsländer besonders hart. Aufgrund der globalen Auswirkungen von Umweltkrisen müssen hier aber auch Rolle und Verantwortung der Industrieländer betrachtet werden. Die Debatte um das Kyoto-Protokoll ist ein aktuelles Beispiel dafür. Gravierende ökologische Merkmale sind:
- Umweltzerstörung durch unkontrollierte Verstädterung
- Bodendegradation (z.B. Versalzung)
- Desertifikation
- Bedrohung der Biodiversität
- Vernichtung der Tropenwälder
- Grundwasserbelastungen durch unzureichende Umweltstandards
- Gesundheitsgefährdende Luftverschmutzung in Ballungsgebieten

Demographische Merkmale

Ballungsgebieten (2005) - typische Form für ein Entwicklungsland, viele Kinder, niedrige Lebenserwartung]] Siehe auch: Bevölkerungsstruktur in Entwicklungsländern Viele Entwicklungsländer befinden sich noch in einer frühen Phase des demographischen Übergangs. Das bedeutet, dass ihre Bevölkerungsdynamik sich durch eine hohe Geburtenrate und eine hohe, jedoch stark rückläufige Sterberate (zum Beispiel durch bessere medizinische Versorgung) charakterisieren lässt. Dies führt zu einem starken und oft unkontrollierbaren Bevölkerungswachstum, welches mit einer extremen Verjüngerung der Bevölkerungsstruktur einhergeht. Beispiele für demographische Merkmale sind:
- hohe Geburtenrate
- hohe aber abnehmende Säuglings- und Kindersterblichkeit
- hohes Bevölkerungswachstum
- geringe durchschnittliche Lebenserwartung
- grenzüberschreitende Migration
- unkontrollierte Binnenmigration

Volksgesundheitliche Merkmale

Migration Der gesundheitliche Zustand der Bevölkerung in Entwicklungsländern ist oft problematisch. Dies äußert sich beispielsweise in einer geringen Lebenserwartung und einer hohen, jedoch stark rückläufigen Säuglingssterberate. Wegen mangelnder Hygiene in Slums (z.B. fehlende Abwasserreinigung) ist die Bevölkerung in Armenvierteln besonders anfällig für Krankheiten und Epidemien (zum Beispiel Cholera; siehe Abb. rechts). Beispiele für volksgesundheitliche Merkmale:
- unzureichende und/oder ungesunde Ernährung
- Mangel an sauberem Trinkwasser
- fehlende Abwasserreinigung
- Gesundheitsmängel und unzureichende medizinische Versorgung
- Mängel in der schulischen Gesundheitserziehung
- unkontrollierte Ausbreitung von Pandemien (z.B. AIDS)

Sozio-kulturelle Merkmale

Unter sozio-kulturellen Merkmalen versteht man das Zusammenwirken von gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen Verhaltensweisen. Ein sozio-kulturelles Merkmal einiger Entwicklungsländer ist beispielsweise die Benachteiligung der Frauen, wodurch Entwicklungspotentiale blockiert werden. Auch das entwicklungshemmende wirtschaftliche Verhalten einer reichen Oberschicht kann ein sozio-kulturelles Merkmal sein. Weitere sozio-kulturelle Merkmale:
- starke Orientierung auf Primärgruppen
- geringe soziale Mobilität
- Kinderarbeit
- unzureichende Bildung, hohe Analphabetenquote
- Schatzbildung der Oberklasse, statt Reinvestitionen

Politische Merkmale

Die politischen Probleme der Entwicklungsländer werden seit Ende der 80er-Jahre wieder verstärkt berücksichtigt. Die politischen Merkmale sind dabei nicht nur die Folge des staatspolitischen Unvermörgens politischer Elite in einem Entwicklungsland, sondern auch der mangelnden Effizienz und Stabilität der politischen Institutionen, sowie der defizitären Präsenz des Staates in den Provinzen. Das Funktionieren eines politischen Systems hängt weiterhin auch von der politischen Kultur eines Landes ab. Dazu kommt die Korruption, durch welche Staatseinnahmen nicht für Entwicklungsprogramme im eigenen Land, sondern für unsachgemäße Zwecke verwendet werden. Weitere politische Merkmale sind:
- autoritärer Staat (undemokratische Strukturen, Militärdiktaturen)
- Verletzungen der Menschenrechte
- gewaltsame Konflikte mit umliegenden Staaten und hohe Rüstungsausgaben
- geringe Akzeptanz der politischen Institutionen in der Bevölkerung
- geringe Besteuerung der Spitzeneinkommen
- Klientilismus - vgl. auch Patronage
- politische Instabilität
- Bürgerkrieg oder bürgerkriegsähnlicher Zustand bis hin zum Verfalls der Staatlichkeit überhaupt (Failing States - vgl. auch Warlords)

Kapitalmangel und unzureichende Faktorausstattung

Oft tauchen in Merkmallisten die Punkte "unzureichende Faktorausstattung" oder "Kapitalmangel" auf. Mit unzureichender Faktorausstattung bezeichnet man Merkmale, die aus dem Geodeterminismus abgeleitet werden können: ungünstige Klimabedingungen, fehlende Bodenfläche (zum Beispiel bei einem Inselstaat), Mangel an Bodenschätzen, Isolierung durch Binnenlage usw. Kritiker bezweifeln, dass eine unzureichende Faktorausstattung oder ein Kapitalmangel eines Landes zwangsläufig auf ein Entwicklungsland hinweist. Es handelt sich somit nicht um typischen Merkmale von Entwicklungsländern; das Fehlen von Wirtschaftsfaktoren und von Kapital kann durch andere Maßnahmen ausgeglichen werden. Auch der umgekehrte Schluss ist nicht zulässig: Das Vorhandensein bestimmter natürlicher Gegebenheiten, wie zum Beispiel Klima, Böden oder insbesondere Rohstoffe, führt nicht automatisch zu einer Entwicklung. In einer Reihe von vielen anderen Faktoren kann es dabei beispielsweise auf die Rohstoffverarbeitung ankommen, die erst zur höheren Wertschöpfung führt oder auf eine geschickte Politik, die es vermag den Rohstoffreichtum in Entwicklung umzusetzen. Der Kapitalmangel ist ebenfalls überbetont. Das Vorhandensein von Kapital macht noch keine Entwicklung eines Landes aus (Beispiel: ölexportierende Staaten). Folgende Punkte verhindern auch bei vorhandenem Kapital eine positive Entwicklung:
- Luxuskonsum: dazu zählen Schatzbildungen der Oberklassen, Korruption, geringe Besteuerung der Spitzeneinkommen
- Kapitalflucht
- Gewinntransfer: der Gewinn ausländischer Unternehmen führt zu einem Kapitalabfluß eines Teils des im Inland erwirtschafteten Kapitals.
- hohe Rüstungsausgaben
- Mangel an Good Governance: defizitäre Besteuerung (insbesondere der Oberschicht), ineffiziente und damit kostenaufwendige Verwaltungsstruktur, mangelnde Rechtssicherheit

Die Einteilungen der UNO

Less Developed Countries (LDC) und Least Developed Countries (LLDC)

Good Governance Good Governance Die Einteilung der Entwicklungsländer in LDC-Staaten und LLDC-Staaten ist im internationalen Bereich sehr gebräuchlich. Die Aussonderung der LLDC-Staaten erfolgte auf einer UN-Vollversammlung im Jahre 1971. Eine deutsche Entsprechung für diese Begriffe gibt es nicht. Nach einer Reform aus dem Jahre 1991 geschieht dies anhand von vier Kriterien:
- Bruttonationaleinkommen pro Kopf: Messung ökonomischer Armut (Durchschnitt aus 3 Jahren unter 900 US-$).
- Human Assets Index (HAI): liefert Aussagen über soziale Merkmale, wie Gesundheit und Bildung. Historisch ersetzt er den früheren Augmented Physical Quality of Life Index (APQLI). (Kalorienverbrauch pro Kopf in % des Minimalbedarfs, Kindersterblichkeitsrate, Alphabetisierungsrate unter Erwachsenen und Einschulungsrate in Sekundarschulen)
- Economic Vulnerability Index (EVI): beschreibt die Verwundbarkeit von Gesellschaften und ersetzte den alten Economic Diversification Index (EDI). (Konzentration der Exporte, Instabilität der Exporterlöse, Agrarproduktion, Anteil von verarbeitender Industrie und Dienstleistungen am BIP)
- Einwohnerzahl: maximal 75 Mio (alle Länder mit mehr als 75 Mio. Einwohnern sind aus der Gruppe der LLDC-Staaten ausgeschlossen) Die differenzierten zugrundeliegenden Indikatoren geniessen weltweit eine hohe Akzeptanz. Kritisiert wird der Bevölkerungsindikator, aufgrund dessen diese Einteilung wenig über die tatsächliche Verteilung von Armut in der Welt aussagt, die mögliche politische Instrumentalisierung dieser Klassifizierung und dass die Einteilung sehr aufwendig zu stande kommt. Die Aufnahme in die LLDC-Länder kann für den betroffenen Staat durchaus begehrt sein, da in den Geberländern die Qualität der Entwicklungspolitik oft an ihrer Ausrichtung auf die LLDC-Staaten gemessen wird. Daher erhalten diese bevorzugt nichtrückzuzahlende Zuschüsse (Grants) oder Kredite zu günstigeren Bedingungen (International Development Association, IDA).

UNO-Ländergruppierungen in Folge der Ölkrise

Hinter den Abkürzungen "MSAC", "LLC" und "SIS" verbergen sich weitere Klassifikationen der UNO. Die Bezeichnung "MSAC" (Most Seriously Affected Countries) entstand in Folge der Ölkrise 1973 und bezeichnet ein UNO-Sonderprogramm für die am stärksten betroffenen Länder. Diese Unterteilung verschwand gegen Ende der 80er Jahre aus dem UN-Vokabular. Geblieben sind von die Bezeichnungen "LLC" und "SIS". Mit "LLC" (Landlocked Countries, Binnenstaaten) werden Länder bezeichnet, deren Außenhandel unter ihrer geographischen und küstenfernen Lage erheblich leidet. Dazu zählen vor allem Ruanda, Burundi, Nepal oder in Südamerika beispielsweise Bolivien. Durch ihre ungünstige Lage können sich sowohl Importe, als auch Exporte erheblich verteuern. Die "SIS" (Small Island States) formierten sich später zur "AOSIS" (Association of Small Island States). Ihre Mitglieder vertreten gemeinsame Interessen beispielsweise in Umweltfragen (z. B. Anstieg des Meeresspiegels).

Der Human Development Index (HDI)

Hauptartikel: Human Development Index Im Jahre 1990 wurde vom UNDP (United Nations Development Program) der Versuch unternommen einen Gegenentwurf zum eindimensionalen Konzept der Weltbank zu entwerfen. Dabei sollten zunehmend auch soziale Faktoren berücksichtigt werden. Der HDI wird im jährlich vom United Nations Development Programme (UNDP), dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, herausgegebenen Human Development Report (HDR) veröffentlicht. Kritik am HDI kam zu großen Teilen aus politischen Motivationen: Frauengruppen beklagten sich über die hohe Position Japans, ostasiatische Länder gegen die Bewertung ihrer Menschenrechtslage und andere Länder wegen ihrer Eingruppierung vor oder hinter einem bestimmten anderen Land. Auf Antrag Indiens wird der HDI seit der Mitte der 90er Jahre in offiziellen UN-Dokumenten nicht mehr erwähnt.

Einteilungen der Weltbank

Die klassische Einteilung der Weltbank nach dem Pro-Kopf-Einkommen

Im Unterschied zu den UNO-Einteilungen in LDC und LLDC misst die Weltbank die Förderungswürdigkeit eines Landes ausschließlich mit dem Pro-Kopf-Einkommen bzw. nach dem Bruttonationaleinkommen-pro-Kopf. Sie unterscheidet dabei zwischen "Ländern mit niedrigem Einkommen" (LIC; Low Income Countries) und "Ländern mit mittlerem Einkommen" (MIC; Middle Income Countries). Die MIC werden dabei noch in eine untere und in eine obere Einkommensgruppe eingeteilt. Nach der Klassifizierung von 2004 gibt es 61 LIC und 93 MIC, darunter auch einige aus Osteuropa, dem Kaukasus und Zentralasien. Nach dem Stand vom 30. Juni 2004 betrug die Obergrenze für LIC 765 US-$, für die unteren MIC 766 - 3035 US-$ und für die oberen MIC 3036 - 9385 US-$. Die Obergrenzen können sich aber geringfügig von Jahr zu Jahr ändern und sind im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen. Manchmal benutzt die Weltbank auch die Ländergruppe der LIFDC (Low Income Food Deficit Countries), um innerhalb der LIC noch einmal Länder mit schwerwiegenden Ernährungsproblemen auszugliedern. In der Klassifizierung von 2004 taucht dieser Begriff aber nicht auf. Die Weltbank benutzt diese Klassifizierung als analytische Datenbasis für ihre Kreditvergabepraxis. Im Sprachgebrauch der Bretton-Woods-Institutionen ist ansonsten der Begriff "Developing Countries" gebräuchlich. Im weiteren macht die Weltbank klar, dass die Einteilung in diese Gruppen nach Pro-Kopf-Einkommen nicht notwendigerweise den Entwicklungsstand eines Landes widerspiegelt. Der große Vorteil dieser Klassifizierung ist seine einfache Struktur. Aufgrund der oft erhobenen und berechtigten methodischen Einwände bei der Beschränkung auf das Pro-Kopf-Einkommen hat die Einteilung der Weltbank nur einen begrenzten Aussagewert über die Entwicklung einzelner Länder. Das hat aber auch einen Grund: die Weltbank ist eben eine Bank und beschränkt sich naturgemäß und im Gegensatz zur UNO auf ökonomische Faktoren.

Die Betonung der Schuldenlast

Aufgrund der großen entwicklungspolitischen Bedeutung der Schuldenlast der Entwicklungsländer, hat die Weltbank die zusätzlichen Gruppen "SILIC" (Severely Indebted Low-Income Countries) und "SIMIC" (Severely Indepted Middle-Income Countries) gebildet. Bei letzteren gibt es die Abstufung in "mäßig verschuldet" (MIMIC) und "wenig verschuldet" (LIMIC). "Severely Indepted" bedeutet, dass drei von vier Kennziffern eine kritische Marke überschreiten. "Moderately indepted countries" sind solche, die bei drei von vier Kennziffern 60 % der kritischen Marke überschreiten, diese aber nicht erreichen. Der Rest wird als "less indepted countries" bezeichnet. Bei den vier Kennziffern handelt es sich um (die Werte in den Klammern geben die kritische Marke an):
- Verhältnis zwischen Schuldenstand und BNE (50 %)
- Schuldenquote (275 %)
- Schuldendienstquote (30 %)
- Zinslast am Schuldendienst (20 %) Derzeit gelten 45 Länder als "severely indepted" und 43 Länder als "moderately indepted". Zu letzteren zählen auch einige obere MIC wie die Türkei, Argentinien und Lettland. Die vier Schlüsselindikatoren weisen auf zentrale Probleme der verschuldeten Entwicklungsländer hin. Allerdings ist die kritische Marke von entscheidender Bedeutung und deshalb heftig umstritten. Während der 90er Jahre konnte ein Teil der SILIC ihre Schuldenlast nicht mehr alleine tragen, sie wurden unter den Begriff "HIPC" (Highly Indepted Poor Countries) zusammengefasst und die HIPC-Initiative ist einer groß angelegten Entschuldungsinitiative, die derzeit 42 Länder umfasst, von denen aber nur 22 SILIC sind.

Spezialfälle

Die ölexportierenden Länder

Die Vorstellung von "reichen" ölexportierenden Ländern (meist eine Projektion der reichen und kleinen Golfstaaten) ist falsch. In einer Rangfolge, die neben dem Pro-Kopf-Einkommen auch soziale Indikatoren berücksichtigt, schneiden beispielsweise die arabischen Staaten sehr schlecht ab. Durch ihre Erdölreserven und durch die Politik der OPEC konnten diese zwar gewaltige Einkommenssprünge verzeichnen, waren jedoch nicht in der Lage ihre Produktivkräfte mit lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen zu versorgen. Ölmilliarden wurden für unproduktive Zwecke verwendet wie zum Beispiel Luxus oder den achtjährigen Krieg zwischen dem Irak und dem Iran. Als weiteren negativen Effekt konnten durch den Ölboom marode und menschenrechtsfeindliche Regime aufrecht erhalten werden, da sie sich Loyalität und Schutz erkaufen konnten. Besonders negative Beispiele dazu sind Nigeria oder Venezuela. Nuscheler bezeichnet die ölexportierenden Länder daher auch als: "Fata Morgana der Entwicklung". Ölexportierende Länder spielen in der Gruppe der Entwicklungsländer eine besondere Rolle: Sie haben ein Gut, das die Industrieländer unbedingt brauchen. Die OPEC-Staaten halten ca. 3/4 der weltweiten Ölreserven und im Nahen Osten befinden sich 2/3 der Weltreserven. Dadurch entsteht eine gestärkte weltpolitische Verhandlungsposition, die ihnen einiges an politischer Macht zukommen lässt. Man unterscheidet die ölexportierenden Länder daher aus guten Gründen von den LDC und LLDC. Sie haben durch ihre Öleinahmen ein Potential für Entwicklung, welches andere Entwicklungsländer nicht haben. Diese Länder werden auch in der Zukunft weltpolitisch relevant bleiben, ganz im Gegensatz zu einigen anderen Entwicklungsländern, die nach dem Ende des Kalten Krieges in eine Irrelevanzfalle geraten sind. Die Industrieländer benötigen nach wie vor das begehrte Öl und somit werden die ölexportierenden Länder ihre strategische und geopolitische Bedeutung beibehalten.

Schwellenländer

Hauptartikel: Schwellenland Schwellenländer (Newly Industrializing Economies) sind eine Gruppe von Staaten, die traditionell noch zu den Entwicklungsländern gezählt werden, aber nicht mehr deren typische Merkmale aufweisen. Deshalb werden sie begrifflich von den Entwicklungsländern getrennt. Die deutsche Bezeichnung suggeriert, dass sie an der Schwelle zum Industriestaat stehen, diese "Schwelle" ist jedoch nicht definiert. Der englischsprachige Begriff entstand in den 70ern und bezog sich ursprünglich auf die asiatischen Tigerstaaten. Von verschiedenen Seiten (Weltbank, OECD, IWF, EG) wurden in den letzten Jahrzehnten Listen mit Schwellenländern erstellt. Eine verbindliche Liste der Schwellenländer gibt es jedoch nicht, ihre Zahl schwankt je nach Liste zwischen 10 und 30. Die Weltbank und der Internationale Währungsfond (IWF) kategorisieren jeweils 10 Länder als Schwellenländer. Die OECD weist hingegen wesentlich mehr Länder als Schwellenländer aus. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und die Europäische Union unternahmen gemeinsam den Versuch auch soziale und politische Indikatoren zur Bestimmung von Schwellenländern durchzusetzen, wurden jedoch auf internationaler Ebene abgewiesen. Daraufhin zog das BMZ seine 30 Schwellenländer umfassende Liste, die unter anderem auch Ecuador und Nicaragua enthielt, wieder zurück. Vereinfacht kann man folgende Länder zu den Schwellenländer zählen: Volksrepublik China, einige südamerikanische Staaten, Brasilien, Indonesien, Mexiko, Malaysia, Singapur, Südkorea und Thailand.

Transformationsländer

Eine besondere Beachtung erfahren im Rahmen einer Einteilung der Entwicklungsländer die ehemaligen sozialistischen Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Folgende Gründe sprechen für eine eigene Ländergruppe:
- Ihre Entwicklungsdefizite haben andere historisch-kulturelle Ursachen, als diejenigen typischer Entwicklungsländern. Sie durchlaufen typische Probleme beim Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft.
- Sie besitzen ein hoch entwickeltes Humankapital. Allerdings bestehen hier Unterschiede zwischen den kaukasischen, den zentralasiatischen und den europäischen Staaten.
- Sie besitzen eine ausdifferenzierte Industriestruktur und ein technologisches Entwicklungspotential und unterscheiden sich in diesem Punkt deutlich von den Entwicklungsländern.
- Die europäischen Staaten profitieren von ihrer Nähe zur EU, wodurch sie auf westliche Investoren und Zugang zum EU-Markt hoffen können.
- Russland ist noch immer militärische und politische Großmacht, Energiemacht, ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat und ständiger Gast der G-7 (ab 2006 Vollmitglied). Bei den Transformationsländern unterscheidet man zwischen den Ländern, die durch ihre kollektive Einbindung in die EU, Teil der Ersten Welt geworden sind (Polen, Tschechien, Ungarn, Slowakei, Slowenien, Litauen, Lettland, Estland) und den Newly Declining Countries (NDC), die weiterhin zwischen weiterem Abstieg und Stabilisierungsbemühungen stehen (Länder im Kaukasus und Zentralasien).

Failed States

Durch gewaltsamen und blutigen Konflikte in den 90er Jahren wurde die Gruppe der Failed States gebildet. Als Ländergruppe tauchen die Failed States erstmals in einem Artikel von Le Monde diplomatique 1999 auf. Sie sind charakterisiert durch den vollständigen Kollaps des Staatsapparats, wobei der Staat (bzw. Reste davon) nicht mehr fähig ist sein Territorium zu kontrollieren, keine staatlichen Dienstleistungen mehr anbietet und eine politische Ordnung nicht mehr erkennbar ist. Diese Länder fallen dadurch sowohl aus dem Erklärungsbereich der Entwicklungstheorien als auch aus dem Zielgebiet der Entwicklungspolitik. Zu ihnen zählen mehrheitlich afrikanische Staaten wie beispielsweise DR Kongo, Liberia, Somalia oder Sierra Leone. Darüber hinaus schafft das hier entstehende Ordnungsvakuum besondere Anforderungen an die Entwicklungspolitik und Sicherheitspolitik, da die Krisen solcher Länder die Entwicklung und Sicherheit ganzer Regionen und schließlich der ganzen Welt bedrohen (internationaler Terrorismus). Wie mit solchen Staaten umgegangen werden soll ist globalpolitisch noch sehr unklar.

Abschließende Bemerkung

Terrorismus]] Wie aus dem Artikel hervorgeht, hat es in den letzten 50 Jahren eine Vielzahl verschiedener Einteilungen der Entwicklungsländer gegeben, einige betonen ökonomische Faktoren (Weltbank), andere versuchen in einer komplexen Art und Weise soziale Faktoren zu berücksichtigen (LDC-Einteilung der UNO). Parallel dazu ergaben sich eine Vielzahl von Gruppierungen aus politischen, wirtschaftlichen oder strategischen Gründen (SIS oder OPEC-Staaten). Zusätzlich zu diesen Gruppierungen zählen noch andere, wie die G-77 oder die Bewegung der blockfreien Staaten, die den Rahmen dieses Artikels jedoch sprengen würden. Eine Sonderrolle spielt der heftig umstrittene HDI-Index, der vorgibt "menschliche Entwicklung" messen zu können. Die Heterogenität verschiedener Klassifizierungsansätze und der damit verbundene Begriffsdschungel, findet seine direkte Entsprechung in der Tatsache, dass genauso wie die Industrieländer auch die Entwicklungsländer höchst unterschiedlich sind. Die Länder dieser Welt befinden sich in einem Bereich zwischen den klärungsbedürftigen Begriffen "reich" und "arm". Je nachdem ob der Blickwinkel eher auf ökonomische, soziale, politische oder ökologische Faktoren abzielt, ändert sich die Reihenfolge der Länder. Dadurch werden die erwähnten Einteilungen aber nicht wertlos, denn sie sind eine Orientierungshilfe, welche Länder im Vergleich zu anderen eher "reich" oder eher "arm" sind. Dies ist nicht nur zu Studienzwecken hilfreich, sondern auch in der entwicklungspolitischen Praxis, da die Geberländer und die multilateralen Organisationen bemüht sind ihre Entwicklungspolitik auf die ärmsten Länder auszurichten. Diese Einordnungen basieren allesamt auf Makrodaten, und können deshalb nur einen Makro-Rahmen abbilden. Sie sagen allesamt nichts zu den sozialen und ökonomischen Unterschieden innerhalb eines Landes aus. Besonders in Entwicklungsländern sind die inneren Disparitäten oft größer als die Unterschiede zwischen den Entwicklungsländern. Entwicklung ist ein hoch-komplexer Begriff und umso mehr man versucht ihn zu verallgemeinern, umso weniger kann mit ihm erklärt werden.

Siehe auch


- Portal:Entwicklungsländer
- Entwicklungsstrategie
- Nachhaltige Entwicklung
- Landwirtschaft in Entwicklungsländern
- Industrialisierung der Entwicklungsländer
- Tourismus in Entwicklungsländern
- Entwicklungsländer und Weltwirtschaft
- Verstädterung in Entwicklungsländern

Literatur


- Bundeszentrale für politische Bildung (BpB): Entwicklungsländer, Informationen zur politischen Bildung, Nr. 252, Bonn 1996.
- Hein, Wolfgang: Unterentwicklung - Krise der Peripherie, Opladen 1998, ISBN 3810016632
- Hemmer, Hans-Rimbert: Wirtschaftsprobleme der Entwicklungsländer, München 2002, ISBN 3-8006-2836-8
- Nohlen, Dieter (Hrsg.): Lexikon Dritte Welt, Reinbek bei Hamburg 2002, ISBN 3-499-61468-5
- Nuscheler, Franz: Lern- und Arbeitsbuch Entwicklungspolitik, Bonn 2004, ISBN 3-8012-0350-6

Weblinks


- [http://www.un.org/special-rep/ohrlls/ohrlls/default.htm Office of the High Representative for the LLDCs, LDCs and Small Island Developing States (UN-OHRLLS)] Kategorie:Volkswirtschaftslehre ! ja:開発途上国 ko:개발도상국

Säkularisierung

Die Begriffe Säkularisierung, Säkularisation und Säkularismus sind vom lat. saeculum abgeleitet. Dieses Wort bedeutete ursprünglich "Zeitalter, Jahrhundert", im Kirchenlatein dann "die zeitliche Welt" und damit das Irdische im Gegensatz zum Ewigen. Säkularisierung wurde von daher zur Bezeichnung des Übergangs einer Sache aus dem Eigentum der Kirche (Bistümer und Klöster) in das von (nicht fürstbischöflich regierten) Staaten. Seit der Wende zum 19. Jahrhundert fächerten sich die Bedeutungen weiter auf.

Begriffliches

Folgende Unterscheidungen zur Klärung der Begriffe werden angetroffen:
- Säkularisation wird verstanden als der konkrete Prozess der Ablösung der weltlichen Macht der Kirche, die Aufhebung von Klöstern und Hochstiften Anfang des 19. Jahrhunderts, auch das Ende der geistlichen Territorialherrschaften im Hl. Römischen Reich Deutscher Nation.
- Säkularisierung wird - weiter gehend - verstanden als der institutionelle und mentale Prozess der Trennung von Kirche und Staat (bzw. religiöse Organisationen und Staat).
- Säkularismus wird - rein ins Weltanschauliche gewandt - verstanden als eine aus der Säkularisierung erwachsene Weltanschauung, die sich auf die Immanenz beschränkt und auf darüber hinausgehende (transzendente) Fragen verzichtet.
- Mit Säkularisierung wird - denkerisch - auch der Übergang von Begriffen und Vorstellungen aus einem primär religiösen in einen allgemeineren Kontext von Philosophie und Zeitgeist bezeichnet (z.B. Paradies, Sünde, Erlösung, Heilsgeschichte, Apokalypse u.v.a.).
- In der Soziologie wird Säkularisierung im Rahmen der Theorie des sozialen Wandels begrifflich enger und thematisch allgemeiner gefasst und als sozialer Prozess verstanden, der gegenläufig zur Magisierung auftritt.

Abstrakte Säkularisierung in der Geschichte

Je begrifflich-abstrakter "Säkularisierung" ("Säkularisation") aufgefasst wird, desto eher lässt Säkularisierung sich als sozialer Wandel in vielen historischen Gesellschaften auffinden. So kann man das 5. und 4. vorchristliche Jahrhundert des antiken Griechenlandes als klassische Periode einer Säkularisierung auffassen.
Dem gegenüber wird aber der historisch-europäische, von der Aufklärung geprägte Begriff zumeist vorgezogen.

Historische Entwicklung der abendländischen Säkularisierung

Säkularisierung in der ersten Bedeutung ist die Abschaffung der Staatsreligion und hat einen erheblichen Machtverlust der religiösen Institutionen, vor allem der Kirchen, zugunsten des Staates zur Folge. In Europa begann die Säkularisierung mit der Aufklärung und erreichte in der Französischen Revolution und im Sozialismus mit der angestrebten völligen Abschaffung der Religion ihren Höhepunkt. Im Vorfeld der Aufklärung entzogen sich viele Menschen der Monarchie "von Gottes Gnaden" durch Auswanderung in die Neue Welt. Die USA sind seit ihrer Konstitution 1776 ein säkularer Staat. Im Gegensatz zu der Verbreitung des Atheismus in Europa behielt hier die Religiosität einen hohen Stellenwert und führte zur Gründung einer Vielzahl reformierter Kirchengemeinden. Weitgehender Konsens bestand und besteht in der gesellschaftlichen Bedeutung des Christentums. Durch die Zersplitterung in einzelne christliche Konfessionen und die allgemein anerkannte Toleranz gegenüber dieser Entwicklung konnte sich jedoch keine monolithische kirchliche Institution mit politischer Macht herausbilden, wie sie bis dahin aus Europa bekannt war. Religiosität und Religionsfreiheit werden heute in den USA als gleichwertig betrachtet. Durch nachfolgende Einwanderungswellen gelangten weitere Religionsgruppen aus der arabischen und ostasiatischen Welt in die USA, die sich durch die Tradition der religiösen Toleranz im neuen Umfeld etablieren konnten und selten vom weiterhin vorherrschenden Christentum assimiliert wurden. Einzige Ausnahmen sind die indigenenen Religionen der Indianer und der afrikanischen Sklaven, die durch die Christianisierung zurückgedrängt wurden.

Gegenwartsgeschichte und Globalisierung

Heutzutage ist die Säkularisierung in der gesamten westlichen Welt weit fortgeschritten, aber die umfassende Abschaffung der Religion und ihrer Institutionen ist nirgends dauerhaft erfolgt. So gibt es etwa in Deutschland noch die Kirchensteuer, während in Ostdeutschland (außer im Eichsfeld) inzwischen die statistisch niedrigste Kirchenzugehörigkeit in Europa zu verzeichnen ist.
In der westlichen Welt gilt die Säkularisierung allgemein als erstrebenswert und notwendige Voraussetzung für eine demokratische Gesellschaftsform, da der Aufstieg bürgerlicher Machtstrukturen wesentlich in der Tradition der Aufklärung steht. In der säkularen Demokratie wird das Wählerinteresse ohne Einschränkung, etwa durch religiöse Glaubenssätze, verfolgt. Da aber die Ressourcen (Energie, Wasser, Land usw.) beschränkt sind, ist nach der Meinung einiger fraglich, ob die Förderung der Säkularisierung in anderen Erdteilen tatsächlich im westlichen Interesse liegt und auf Dauer funktioniert, weil ein "westlicher Lebensstandard" nicht jedem Menschen ermöglicht werden könne. Eine Übertragung der Säkularisierung nach europäischem Vorbild auf andere Kulturkreise, insbesondere die islamische Welt, wie häufig gefordert, ist auch deshalb problematisch, da die Grundhaltungen von (westlichem) Christentum und Islam zu Politik und Staat verschieden sind. Hatte sich im Abendland durch die Polarität von Kaiser und Papst nie eine Identität von Staat und Religionsgemeinschaft entwickeln können (obwohl beide Seiten dies anstrebten), zielte der Islam seinem Wesen nach, auch bei beschränkter Toleranzgewährung, gerade auf diese Identität. Der Islam postuliert in der Theorie eine der Säkularisierung zuwiderlaufende Untrennbarkeit von religiöser und politischer Herrschaft (siehe auch Kalifat), verfolgte in der Praxis jedoch ein relativ tolerantes Glaubenskonzept, das lange keine religiös motivierten Pogrome wie die europäische Judenverfolgung kannte. Angehörige anderer monotheistischer Religionen, zu denen später auch Buddhisten, Hindus und Zoroastrier gezählt wurden, hatten in islamischen Ländern den rechtlichen Status von Dhimmis, einer geschützten Minderheit, denen gewisse Beschränkungen (u.a. die Zahlung einer speziellen Steuer, Kleidungsvorschriften, Ausschluss von staatlichen Ämtern) auferlegt waren, die ansonsten jedoch religiöse Autonomie genossen und ihr eigenes Rechtssystem unterhielten. Bisher gab die Forderung westlicher Industrienationen nach einer Säkularisierung im Sinne einer Verwestlichung eher einer Entwicklung in Richtung Radikalisierung Auftrieb. Siehe auch: Laizismus - Atheismus - Magisierung Kategorie:Christentumsgeschichte (Neuzeit)

Wachstum der Wirtschaft

Unter Wirtschaftswachstum versteht man die relative Änderung der Wirtschaftskraft einer Volkswirtschaft von einer Periode zur nächsten. Als Maßstab dient in Deutschland normalerweise das Bruttoinlandsprodukt (BIP) oder das Bruttonationaleinkommen (früher Bruttosozialprodukt bzw. BSP). Das Wirtschaftswachstum ist in Deutschland aufgrund seiner angenommenen Wichtigkeit als eine Grundbedingung im Stabilitäts- und Wachstumsgesetz (StWG) rechtlich verankert, auch wenn es schlecht erzwingbar ist. Es gibt Unterschiede in der Berechnung des Wirtschaftswachstums in verschiedenen Regionen, weshalb die Werte international nicht problemlos miteinander verglichen werden können.

Varianten

reales und nominales Wirtschaftswachstum

Stabilitäts- und Wachstumsgesetz Stabilitäts- und Wachstumsgesetz] Man kann zwischen realem und nominalem Wirtschaftswachstum unterscheiden. Im nominalen Wirtschaftswachstum wird das Wachstum als monetäre Änderung des BIP beziehungsweise des Bruttonationaleinkommens definiert. Dagegen wird beim realen Wirtschaftswachstum die Preissteigerung herausgerechnet. Gemessen wird nach diesem Konzept die eigentliche reale Leistungssteigerung der Gesamtwirtschaft. Die reale Herangehensweise ist also aussagekräftiger.

intensives und extensives Wirtschaftswachstum

Eine weitere Unterscheidungsmöglichkeit ist die nach intensivem und extensivem Wachstum. Von extensivem Wachstum spricht man, wenn es auf den Einsatz von mehr Ressourcen, etwa mehr Arbeitskräften, zurückzuführen ist. Bei der Sowjetunion beispielsweise wurde behauptet, dass ihr Wachstum in erster Linie darauf zurückzuführen war, dass immer mehr Rohstoffe verbraucht wurden, und nur dadurch auch immer mehr produziert werden konnte. Die Arbeitsproduktivität konnte dagegen viel weniger gesteigert werden. Intensives Wachstum liegt nur vor, wenn das Pro-Kopf-Einkommen steigt.

quantitatives und qualitatives Wachstum

Das Wirtschaftswachstum wird häufig nicht nur als Maß für das Wachstum der Wirtschaftsleistung, sondern auch als Maß für das Wachstum des Wohlergehens einer Gesellschaft gebraucht, ist dafür aber nur bedingt geeignet. Beispielsweise steigt bei einer Epidemie der Umsatz von Pharma-Unternehmen und so unter Umständen auch die Wirtschaftsleistung, jedoch geht es vielen Menschen in so einem Fall schlechter, nicht besser. Aus diesem Grund gibt es die Unterscheidung quantitatives Wachstum und qualitatives Wachstum.

Wachstumsmodelle

siehe Hauptartikel Wachstumstheorie Die Wachstumstheorie hat zahlreiche Modelle zum Wirtschaftswachstum hervorgebracht. So z. B.
- Harrod-Domar-Modell (1942) (Keynesianisches Wachstumsmodell)
- Solow-Swan-Modell (1956) (Neoklassisches Wachstumsmodell)
- Ramsey-Cass-Koopmans Modell (neoklassisch)
- Endogene Wachstumsmodelle (Mitte der 1980er Jahre)

Grenzen des Wachstums

Der Möglichkeit eines ewigen Wachstums widersprach u.a. der Club of Rome und bezog sich auf den Bericht von Dennis Meadows über die "Grenzen des Wachstums". Dabei wurden die Knappheit von Rohstoffen und natürlichen Ressourcen wie sauberer Luft und sauberem Wasser als Hindernisse für ewiges Wachstum genannt. In verschiedenen durchgerechneten Szenarien sind dramatische Entwicklungen für die Zeit um das Jahr 2030 vorhergesagt worden. Es handelte sich bei diesen Berechnungen nach eigenen Angaben nicht um Prognosen, sondern um den Versuch, die komplexen Voraussetzungen für menschliches Wirtschaften zu untersuchen und mögliche Entwicklungen in der Zukunft darzustellen. Die drastischsten Szenarien sind bislang nicht im befürchteten Ausmaß eingetreten. Am deutlichsten wahrnehmbar ist wohl die globale Erwärmung, die nach gegenwärtigem Stand des Wissens maßgeblich aufgrund des zunehmenden Kohlendioxidgehalts der Atmosphäre durch menschlichen Einfluss mitbestimmt wird. In zwei weiteren Publikationen, "Die neuen Grenzen des Wachstums" von 1992 und "Limits to Growth: The 30-Year-Update" von 2004 errechneten die Autoren weitere Szenarien mit aktualisierten Daten. In der jüngsten Publikation spielt besonders das Konzept des ökologischen Fußabdrucks sowie die Vorstellung von Überschreitung und Kollaps ("overshoot and collapse") eine große Rolle. Danach befindet sich die Erde derzeit in einem Zustand der Überbeanspruchung, der nicht lange aufrecht erhalten werden kann und der auch bei konsequent eingeführten Umweltstandards je nach Szenario wahrscheinlich zwischen 2040 und spätestens 2100 zu nicht kontrollierbaren Rückgängen an Produktion, Lebenserwartung, Wohlstand und Bevölkerungszahl führen wird. Kritiker des Club of Rome verweisen hingegen darauf, dass Wohlstand den Menschen die Möglichkeit gibt, sich
- höhere Standards und Kontrollen in Bereichen wie Umweltschutz, Naturschutz leisten zu können und
- besser auf Naturkatastrophen (natürlich verursachte Überschwemmungen, Dürren, Klimaänderungen, Missernten usw.) zu reagieren.

Wachstum und Zinsen

Die Goldene Regel der Akkumulation besagt, dass die BIP-Wachstumsrate gleich der Verzinsung des Produktionsfaktors Kapital sein sollte, also gleich der Profitrate oder gleich dem (langfristigen) Zinssatz.

Wachstum in der Bundesrepublik Deutschland

"Stetiges und angemessenes Wachstum" ist neben einem außenwirtschaftlichen Gleichgewicht, niedriger Arbeitslosigkeit und niedriger Inflation ein Eckpunkt des "magischen Vierecks", das im Stabilitäts- und Wachstumsgesetz von 1967 verankert ist. Diese Bedingungen sollen der deutschen Wirtschaftspolitik einen Rahmen stecken und zu ausgelasteten Produktionsfaktoren führen. Welche Wachstumsrate "angemessen" ist, lässt sich nicht pauschal festsetzen. Ein Wachstum von knapp 3% wird jedoch unter Wirtschaftswissenschaftlern als nötig angesehen, um langfristig die Arbeitslosigkeit abzubauen und auf das natürliche Niveau zurückzuführen. Diese Annahmen beruhen auf dem Okunschen Gesetz, der einen empirischen Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit ermittelte. Über die Phillips-Kurve können diese Werte mit der Inflation verbunden werden. "Stetiges" Wirtschaftswachstum bedeutet, dass die kurzfristigen Konjunkturschwankungen um den langfristigen Wachstumspfad so weit wie möglich vermieden werden sollen. Rezessionen sollen durch staatliche Intervention abgeschwächt und Boomphasen durch Haushaltskonsolidierung eingeschränkt werden. Diese Wirtschaftspolitik wirkt antizyklisch und wurde entscheidend durch den Keynesianismus geprägt. Das Wirtschaftswachstum der Bundesrepublik Deutschland beträgt durchschnittlich etwa 2-3%. In den letzten Jahren hat es jedoch stark nachgelassen. Im Jahre 2004 betrug das reale Wirtschaftswachstum Deutschlands 1,6%.

Notwendigkeit und Ursachen von Wirtschaftswachstum

Sowohl die Ursachen als auch Bedeutung von Wirtschaftswachstum sind umstritten und werden kontrovers diskutiert. Im Folgenden sollen die wichtigsten Strömungen dargestellt werden.

Bedingungen für Wirtschaftswachstum

Während die Neoklassische Theorie Wirtschaftswachstum vor allem als Folge hoher Anbieterrenditen sieht und der Neukeynesianismus die Bedeutung der Nachfrage nur auf die kurze Sicht, und die Bedeutung der Angebotsfaktoren auf die lange Sicht sehen, geht der Postkeynesianismus davon aus, dass das gesamtwirtschaftliche Wachstum sich vor allem auf eine angemessene Nachfrage stützt. Vgl. dazu die beiden Artikel zu Keynesianismus und Neoklassischer Theorie.

Folgen für die Wirtschaftspolitik

Prinzipiell kann man zwischen den eher marktorientierten Ansätzen (Neoklassische Theorie, Chicagoer Schule...) und den eher lenkungsorientierten Ansätzen (Keynesianismus, Neukeynesianismus...) unterscheiden. Bei marktorientierten Ansätzen wird davon ausgegangen, dass das Wachstum umso höher ist, je besser die Faktorallokation funktioniert, also je freier der Markt agieren kann. Rahmenbedingungen (Gesetze, "Spielregeln") sind zulässig, solange sie nicht auch sinnvollem Wirtschaften zu enge Grenzen auferlegen. Subventionen und die damit verbundenen Steuern werden dagegen i. d. R. abgelehnt. Bei den lenkungsorientierten Ansätzen geht man von regelmäßig auftretenden Schwankungen aus, deren Ausmaß durch antizyklische staatliche Ausgaben in Grenzen gehalten werden soll, um das durchschnittliche Wachstum höher zu halten und die Arbeitslosigkeit niedriger. Hier kann man noch unterscheiden zwischen angebotsorientiert und nachfrageorientiert. Bei angebotsorientierter Wirtschaftspolitik tätigt der Staat hohe Ausgaben in Infrastruktur, Rüstung usw. um die Unternehmen zu fördern. Bei nachfrageorientierter Wirtschaftspolitik wird dagegen viel für Soziales, lohnintensive Arbeiten usw. ausgegeben, bis die Krise überwunden ist. Angebotsorientierte Wirtschaftspolitik scheint dort recht erfolgreich zu sein, wo noch viele Investitionen zu tätigen sind, die von der Wirtschaft mangels einziehbarem Gewinn nicht getätigt werden - also z. B. Straßenbau. Marktwirtschaft mit geringen Subventionen scheint dagegen unter allen anderen Bedingungen recht positive Resultate zu produzieren, wenn auch mit Schwankungen. Nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik hat dagegen bislang noch nicht mit besonders hohem Wachstum aufwarten können, hat dafür aber Vorteile im sozialen Bereich. Demokratie, Markt und Wettbewerb scheinen sehr nützlich dabei zu sein, schädliche Extreme in alle Richtungen zu reduzieren und gelten daher vielerseits als wichtige Voraussetzungen für dauerhaftes angemessenes Wirtschaftswachstum.

Bedeutung von Wirtschaftswachstum

Die Bedeutung von Wirtschaftswachstum wird vor allem im Zusammenhang mit der sogenannten Beschäftigungsschwelle diskutiert. Diese gibt an, ab welchem Wirtschaftswachstum neue Stellen entstehen. Ursache für die Beschäftigungsschwelle sind Rationalisierungen, durch die Arbeitskräfte freigesetzt werden. Um diesen Abbau auszugleichen muss (bei gleichbleibendem Arbeitsangebot) die Wirtschaft wachsen. Bei einem Produktivitätsfortschritt von 0 würde auch die Beschäftigungsschwelle auf 0 sinken. Die Beschäftigungsschwelle liegt in Deutschland bei rund 2% Wirtschaftswachstum. Durch die sogenannten Hartz-Reformen wird von den meisten Ökonomen ein Absinken der Beschäftigungsschwelle erwartet. Grund dafür ist die Annahme, dass durch die Reform auch entstehende unattraktivere Stellen angenommen werden. Ein zentrale Rolle spielt das Wirtschaftswachstum in der Theorie der Freiwirtschaftslehre, nach der dem Kapitalismus ein Zwang zum Wachstum innewohne.

Literatur


- Douglas E. Booth: Hooked on Growth, 2004, ISBN 0742527182
- G.R.Funkhouser, Robert R. Rothberg: Das Dogma vom Wachstum, 2000, ISBN 3409191151
- Elhanan Helpman: The Mystery of Economic Growth, 2004, ISBN 067401572X
- Charles I. Jones: Introduction to Economic Growth, 2002, ISBN 0393977455
- Athanasios Karathanassis: Naturzerstörung und kapitalistisches Wachstum, 2003, ISBN 3899650182
- Reinhard Steurer: Der Wachstumsdiskurs in Wissenschaft und Politik - Von der Wachstumseuphorie über 'Grenzen des Wachstums' zur Nachhaltigkeit, 2002, ISBN 3897003384

Zitate


- [http://de.wikiquote.org/wiki/Wachstum Wikiquote]

Weblinks


- [http://www.wachstumsstudien.de/ Internetseite des Instituts für Wachstumsstudien]
- [http://www.attac.de/debatte/wachstum_xvi.php Kritische Debatte zum Wirtschaftswachstum auf attac.de]
- [http://www.gcn.de/Kempfenhausen/ Kempfenhausener Gespräche: Qualitatives Wachstum]
- [http://www.studienpreis.de/ Studienpreis der Körber-Stiftung: Ausweg Wachstum?] Kategorie:Makroökonomie

Informationswirtschaft

Informationswirtschaft ist die Lehre des wirtschaftlichen Umgangs mit Informationen. Die Informationswirtschaft entstand mit der Umwandlung der sogenannten Industriegesellschaft in die Informationsgesellschaft. Es gibt mehrere unterschiedliche Auffassungsweisen des Begriffs Informationswirtschaft, was sich auch in der Ausbildungssituation an deutschen Hochschulen zeigt. Einige Beispiele sind:
- Informationswirtschaft als eigenständiger Bereich, der multidiziplinär angelegt ist Inhaltlich werden Informationswirte hier als Mediatoren gesehen, die zwischen den verschiedenen Bereichen, in denen Sie Grundkenntnisse erworben haben, vermitteln können. So hat ein Informationswirt dieser Ausprägung ungefähr gleich gute Kenntnisse von technischen Grundlagen, Betriebswirtschaft und Informationswissenschaft.
- Informationswirtschaft als eine "aktualisierte" Version von Bibliothekswesen und Dokumentationswesen In dieser Ausprägung der Ausbildung wird der Informationswirt vor allem im Bereich Informationswissenschaft geschult, und ist zum Beispiel Spezialist für Information Retrieval und Indexierung.
- Informationswirtschaft als Unterart der Betriebswirtschaft Hier findet eine starke Prägung durch die BWL statt, die die informatorischen Grundlagen legt.

Ausbildungen

Informationswirtschaft wird als Studiengang an verschiedenen deutschen Universitäten und anderen Hochschulen gelehrt. Dabei sind die Inhalte der Ausbildung, entsprechend der Mehrdeutigkeit des Begriffs Informationswirtschaft, zum Teil sehr verschieden
- An der Universität Karlsruhe (TH) besteht der Studiengang Informationswirtschaft aus drei Teilbereichen: Informatik, Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaften, die im Verhältnis 2:2:1 unterrichtet werden. Der Studiengang beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen dieser Bereiche und untersucht deren Zusammenhänge, die sich als Folge der Informationsgesellschaft vermehrt ergeben.
- Die FH Köln legt den Schwerpunkt ihrer Ausbildung auf die Planung von Informationsabläufen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, die effiziente Speicherung von Informationsinhalten und die Wiederverwendung bereits gespeicherter Informationsressourcen.

Weblinks


- [http://www.password-online.de/trendreport.htm?WID=27022-8480455-91017_1 Die Entwicklung der deutschen Informationswirtschaft bis 2008, Institute for Information Economics]
- [http://www.informationswirtschaft.de Informationswirtschaft.de - Informationswebseite zum gleichnamigen Studiengang der Universität Karlsruhe (TH)]
- [http://www.informationswirtschaft.org Informationswirtschaft.org - Informationswebseite des Forum Informationswirtschaft eV für Studierende oder Studieninteressierte an der Universität Karlsruhe (TH)] Kategorie:Dokumentation

USA

Die Vereinigten Staaten von Amerika (engl.: United States of America, kurz: USA) sind eine Bundesrepublik in Nordamerika. Sie grenzen im Norden an Kanada und (über die 100 km breite Beringstraße mit dem Bundesstaat Alaska) an Russland, im Süden an Mexiko, im Osten an den Atlantik und im Westen an den Pazifik. Die Vereinigten Staaten entstanden 1776 mit der Unabhängigkeitserklärung der britischen Kolonien in Amerika und gewannen durch starke Industrialisierung und massive Immigration aus Europa im