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Industriestaat

Industriestaat

Als Industrieland oder Industrienation bezeichnet man 1. ein technisch hoch entwickeltes Land mit einer bedeutenden eigenen industriellen Produktion von Gütern, 2. nach der Einteilung der Weltbank die Mitgliedsländer der OECD ohne die Türkei und die 1994 in die OECD aufgenommenen Entwicklungsländer. Die meisten Industrieländer sind säkulare Demokratien und haben untereinander komplizierte wirtschaftliche und politische Abkommen geschaffen, die einen dauerhaften Frieden gewähren sollen, der für ein weiteres Wachstum der Wirtschaft als förderlich gilt. Seit Mitte der 1950er Jahre nimmt der Anteil des Dienstleistungssektors an der Wirtschaft der Industrieländer stetig zu, seit den 1980er Jahren ist auch die Informationswirtschaft immer wichtiger geworden. Die Industrieländer vereinigen auf sich den größten Teil des Weltvermögens. Größte Industrienationen sind die USA, mehrere Staaten der EU sowie Japan, Kanada und Australien. Siehe auch: Entwicklungsland, Schwellenland Kategorie: Wirtschaft ja:先進国 ko:선진국

Staat

Max Weber definiert in seiner Herrschaftssoziologie Staat als einen solchen politischen Anstaltsbetrieb, dessen Verwaltungsstab erfolgreich das Monopol legitimen physischen Zwanges (also das Gewaltmonopol) für die Durchführung der Ordnungen in Anspruch nimmt (Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, [http://www.textlog.de/7321.html Kap. 1, § 17]). In der Ökonomie wird der Staat oftmals als Summe aller Zwangsverbände betrachtet. Zur Unterscheidung oder Kongruenz von Staat und Gesellschaft siehe Staat und Gesellschaft.

Völkerrecht

Ein Staat (aus lat. status Zustand, Verfassung) ist ein ein Gebilde, das laut der Konvention von Montevideo folgende Eigenschaften aufweist:
- eine mehr oder weniger stabile Kernbevölkerung (Staatsvolk);
- einen klar abgegrenzten oder definierten Landbesitz (Staatsgebiet, Territorium);
- eine Regierung, die eine Staatsgewalt ausüben kann;
- die Fähigkeit, mit anderen Staaten in politischen Kontakt zu treten, d. h., ein Völkerrechtssubjekt zu sein. Die klassische Staatsrechtslehre nennt nur die ersten drei Merkmale (Drei-Elemente-Lehre Jellineks). In diesem Sinne sind die Glieder eines Bundesstaates, wie die deutschen Länder auch "Staaten" (übrigens auch beschränkt Völkerrechtssubjekte, da sie auf Grund ihrer "Kulturhoheit" z. B. mit dem Heiligen Stuhl unabhängig von der Bundesrepublik Deutschland Konkordate abschließen können). Der klassische Ausnahmefall eines Staates ohne Staatsgebiet ist - seit der Annexion Maltas durch Napoleon I. - der "Souveräne Malteserorden". Die Souveränität ist kein definierendes Merkmal des Staates. Staaten können rechtlich auch dann fortbestehen, wenn sie unter Besatzung stehen (okkupiert sind); oder (in der älteren Staatsrechtslehre), wenn sie nur "souverän" sind (z. B. Samos im Osmanischen Reich). Jedoch muss faktisch eine Teilsouveränität gegeben sein. Wie denn überhaupt das Völkerrecht mangels einer Welt-Legislative von Entscheidungen von Fall zu Fall abhängt (case law) und mithin ein sehr nachgiebiges Recht ist, wenn Völkerrechtssubjekte "Fakten setzen".

Völkerrechtliche Anerkennung

Ein Staat bedarf zu seiner Gründung keiner juristischen Legitimation (er wird 'ausgerufen', vgl. den Rütli-Schwur bei der Begründung der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Mittelalter - die neuzeitliche Schweizerische Konföderation besteht aber durchaus aus einzelnen Staaten, den Kantonen). International hat es sich eingebürgert, einen Staat anzuerkennen, sobald mehrere andere Staaten seine Existenz anerkannt haben. Einige Gebiete wie Taiwan oder Nordzypern auf Zypern, die zwar die Merkmale eines Staates aufweisen, wurden dennoch, meist aus politischen Gründen, nicht allgemein anerkannt; diese werden als Stabilisierte De-Facto-Regime bezeichnet. Die Konvention von Montevideo regt häufig zu Diskussionen an, ob es möglich ist, durch Kauf einer staatenlosen Insel oder Bohrinsel quasi eine Mikronation zu gründen. Die Anerkennung durch andere Staaten ist das Hauptproblem solcher Vorhaben.

Anzahl

Insgesamt gibt es 192 vollständig anerkannte souveräne Staaten. Darunter fallen die 191 Mitglieder der UNO sowie die Vatikanstadt. Weitere Staaten sind nur von einer Minderheit der weltweiten Staaten anerkannt, dies sind u. a. Taiwan, Westsahara (DARS), die Cookinseln und Niue.

Literatur


- Michail Bakunin, Gott und der Staat, Berlin: Karin Kramer 1995
- Karl Held (Hrsg.): [http://www.gegenstandpunkt.com/vlg/staat/staat_i.htm Der bürgerliche Staat]. Die Staatsableitung. München, 1999. 138 Seiten ISBN 3-929211-03-3
- Stefan Breuer: Der Staat. Entstehung, Typen und Organisationsstadien, Reinbek b. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1998.
- Heide Gerstenberger, Die subjektlose Gewalt. Theorie der Entstehung buergerlicher Staatsgewalt, Münster: Westfälisches Dampfboot 2005
- Wolfgang Reinhard, Geschichte der Staatsgewalt. Eine vergleichende Verfassungsgeschichte Europas von den Anfängen bis zur Gegenwart, Sonderausgabe, München: C.H. Beck 2002
- Franz Oppenheimer:
[http://www.opp.uni-wuppertal.de/oppenheimer/st/staat0.htm Der Staat], 3. überarbeitete Auflage von 1929
- OVG Münster, Urteil vom 14.02.1989, Az. 18 A 858/87, in: NVwZ 1989, S. 790.

Siehe auch


- Staatstheorie
- Liste unabhängiger Staaten
- Liste der Staatsformen souveräner Staaten
- Staatliche Souveränität
- Territoriale Integrität Kategorie:Politische Geographie ! ja:国家 simple:State


Weltbank

Die in Washington (USA) angesiedelte Weltbankgruppe hatte ursprünglich den Zweck, den Wiederaufbau der vom zweiten Weltkrieg verwüsteten Staaten zu finanzieren. Sie umfasst die folgenden fünf Organisationen, die jeweils eine eigene Rechtspersönlichkeit besitzen:
- Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (International Bank for Reconstruction and Development – IBRD)
- Internationale Entwicklungsorganisation (International Development Association – IDA)
- Internationale Finanz-Corporation (International Finance Corporation – IFC)
- Multilaterale Investitions-Garantie-Agentur (Multilateral Investment Guarantee Agency – MIGA)
- Internationales Zentrum für die Beilegung von Investitionsstreitigkeiten (International Center for the Settlement of Investment Disputes – ICSID) Die Weltbankgruppe ist durch verwaltungsmäßige Verflechtungen und durch einen gemeinsamen Präsidenten (im Fall der ICSID als Vorsitzender des Verwaltungsrates) verbunden. Der Begriff "Weltbank" (im Ggs. zu "Weltbankgruppe") umfasst nur die beiden ersten der fünf oben angeführten Organisationen.

Gemeinsame Kernaufgabe

Die gemeinsame Kernaufgabe dieser Institutionen ist die wirtschaftliche Entwicklung von weniger entwickelten Mitgliedsländern durch finanzielle Hilfen, durch Beratung und Technische Hilfe zu fördern, und so zur Umsetzung der internationalen Entwicklungsziele beizutragen (vor allem den Anteil der Armen an der Weltbevölkerung bis zum Jahr 2015 um die Hälfte reduzieren zu helfen). Sie dienen auch als Katalysator für die Unterstützung durch Dritte. Dies geschieht vornehmlich durch die Vergabe von langfristigen Darlehen zu marktnahen Konditionen (IBRD) beziehungsweise zinslosen, langfristigen Krediten (IDA) für Investitionsprojekte, umfassende Reformprogramme und technische Hilfe, zunehmend auch durch die Förderung der privatwirtschaftlichen Entwicklung durch die Beteiligung an Firmen (International Finance Corporation (IFC) und durch die Übernahme von Garantien (MIGA). 1974 haben die Gouverneursräte der Weltbank und des IWF auf Wunsch der Entwicklungsländer einen gemeinsamen Ministerausschuss über den Transfer von finanziellen Ressourcen in Entwicklungsländer eingesetzt – das Development Committee (DC). Das DC hat 24 Mitglieder, die die gesamte Mitgliedschaft der Weltbankgruppe und des IWF vertreten, und tagt zweimal im Jahr. Seine Aufgabe ist es, die Gouverneursräte der Bank und des IWF über wichtige Entwicklungsfragen und über die für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in den Entwicklungsländern erforderlichen Ressourcen zu beraten. Im Laufe der Zeit hat das DC auch Fragen des Handels und des globalen Umweltschutzes in seine Beratungen einbezogen. Die Weltbank veröffentlicht jährlich den Weltentwicklungsbericht (World Development Report), der jeweils einem übergreifenden und für die aktuelle Entwicklungsdiskussion bedeutsamen Thema gewidmet ist. Er fasst in seinen detaillierten Analysen nicht nur den Diskussionsstand zusammen, sondern gibt vor allem auch entscheidende Anstöße und bringt die internationale Debatte über Entwicklung um wichtige Schritte voran. Weitere zentrale Weltbank-Berichte sind der „Global Economic Prospects”, „Global Development Finance” und „Doing Business”. Die Private Sector Development (PSD) ist eine Strategie der Weltbank die Privatisierung in Entwicklungsländern voran zu treiben, sie ist für alle Teile der Weltbank gültig, und alle anderen Strategien müssen auf PSD abgestimmt sein. Auch die Vergabe von Krediten ist an grundlegende Reformen im Sinne der PSD geknüpft, die private Herstellung von Infrastruktur soll gefördert werden: es wird argumentiert, dass die öffentliche Hand öffentliche Unternehmen bevorzuge und einen Wettbewerb verhindere (vgl Strukturanpassungsprogramme).

Kritik

Strukturanpassungsprogramm Die Förderpraxis der Weltbank wird oftmals von Umweltschutzorganisationen und globalisierungskritischen Gruppen angegriffen. Zu oft würden Großprojekte wie Staudämme oder Pipelines gefördert, die verheerende Umweltschäden und Nachteile für die ansässige Bevölkerung zur Folge hätten und eher Konzernen aus den Industrieländern sowie den Eliten in den Entwicklungsländern dienten als wirklich die Entwicklung zu fördern. Die Stimmrechte sind nach Anteilseigentum verteilt, bei der IBRD (IFC) z.B. so:
- USA 16,39% (23,68%)
- Japan 7,87% (5,88%)
- Deutschland 4,49% (5,37%)
- Frankreich 4,3% (5,04%)
- Großbritannien 4,3% (5,04%) (Auszug, Stand 7. September 2004)

bisherige Präsidenten der Weltbankgruppe

Literatur


- Axel Dreher, [http://www.wvberlin.de/data/inhalt/dreher.htm Die Kreditvergabe von IWF und Weltbank: Ursachen und Wirkungen aus politisch-ökonomischer Sicht], 2003, wvb Berlin, ISBN 3936846545

Siehe auch


- Portal:Vereinte Nationen
- Internationaler Währungsfonds (IWF)
- Entwicklungsbank
- grüne Revolution
- Bretton-Woods-System
- Neoliberalismus
- Marshall-Plan

Weblinks


- [http://www.worldbank.org Homepage der Weltbankgruppe] englisch, spanisch, französisch, arabisch
- [http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/358296/ "Weltbank ist ein internationaler Agenda-Setter"] (Interview mit Dirk Messner, Geschäftsführer des Instituts für Entwicklungspolitik in Bonn - DLF, 20. März 2005) Kategorie:UN-Sonderorganisation Kategorie:Internationale Wirtschaftsorganisation Kategorie:Entwicklungspolitik ! Kategorie:Entwicklungsbank Kategorie:Unternehmen (USA) ja:世界銀行 zh-min-nan:Sè-kài Gûn-hâng

Entwicklungsland

Ein Entwicklungsland ist nach allgemeinem Verständnis ein Land, das hinsichtlich seiner wirtschaftlichen, sozialen und politischen Entwicklung einen relativ niedrigen Stand aufweist. Dabei handelt es sich um einen Sammelbegriff für Länder, die nach allgemeinem Sprachgebrauch als "arm" gelten. Welches Land als Entwicklungsland gilt oder nicht, ist vom Maßstab, an dem man die Entwicklung eines Lands misst, abhängig (siehe Abschnitt Gemeinsame Merkmale der Entwicklungsländer). Der Begriff entstammt der Fach- und Alltagssprache der Entwicklungspolitik und genießt allgemein eine hohe Akzeptanz. Diese hohe Akzeptanz entsteht auf der einen Seite durch eine relativ wertfreie Wortwahl und auf der anderen Seite durch eine begriffliche Unschärfe. Dem Ausdruck Entwicklungsland liegt - trotz verschiedenster Versuche - kein theoretisches Konzept zugrunde. Ein Versuch der näheren Bestimmung dieses Begriffs führt zwangsläufig zu der Frage, was Entwicklung überhaupt bedeutet.

Allgemeiner Sprachgebrauch

Grundlegende Anmerkungen

Für den Begriff "Entwicklungsland" gibt es eine Vielzahl von Synonymen. Einige Beispiele dafür sind: Dritte Welt, Vierte Welt oder Fünfte Welt. Alle diese Begriffe sind - ebenso wie "Entwicklungsland" selbst - teilweise umstritten und werden von einigen Fachleuten abgelehnt. Kritiker des Begriffs "Entwicklungsland" wenden beispielsweise ein, dass er etwas suggeriert, was manchmal gar nicht stattfindet: nämlich Entwicklung. Einer der prominentesten Kritiker dieses Begriffs ist der schwedische Ökonom Gunnar Myrdal. Nicht mehr gebräuchlich sind: "unterentwickelte Länder" (underdeveloped countries), "rückständige Länder" (backward countries) oder "nicht-entwickelte Länder" (undeveloped countries). Diese Begriffe erschienen zum ersten Mal im UNO-Programm von 1949, sind jedoch stark wertbehaftet und können von den Bewohnern der betroffenen Länder als verletzend empfunden werden. Sie werden deshalb von UNO und Weltbank nicht mehr verwendet und sollten auch im öffentlichen Sprachgebrauch abgelehnt werden.

Internationale und nationale Sprachregelungen

International gibt es keine eindeutige Sprachregelung. So wurde zum Beispiel in Folge einer UN-Vollversammlung im Jahr 1971 die Least Developed Countries (LLDC) von den Less Developed Countries (LDC) unterschieden. Nicht alle UN-Organisationen unterscheiden jedoch zwischen den beiden Gruppen. Für den deutschen Sprachgebrauch besteht das Problem der Übersetzbarkeit der Begriffe. Der umständliche Ausdruck "weniger entwickelte Länder" hat sich daher nie durchgesetzt. So verwendet das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) entweder den englischsprachigen Begriff "LDC" oder den deutschen unbestimmten Begriff "Entwicklungsland". Auch macht das BMZ keinen Unterschied zwischen LDC und LLDC und kürzt die "Least Developed Countries" mit LDC ab. Die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) vermeidet den Begriff "Entwicklungsland" zugunsten des Begriffs "Partnerländer".

Der Ausdruck Nord-Süd

Der Ausdruck "Nord-Süd" wird zunehmend von den Entwicklungsländern selbst benutzt. Auch den Ausdruck "Nord-Süd-Beziehungen" kann man zunehmend als Ersatz für den Begriff "Entwicklungspolitik" finden. Das BMZ verwendet beispielsweise diese Bezeichnung. Dieser Begriff ist weitgehend wertfrei, da er eine geographische Lage ausdrückt, auch wenn die Entwicklungsländer nicht zwangsläufig auf der südlichen Halbkugel liegen. Gleiches gilt im umgekehrten Sinne auch für den Begriff "Norden". Der Begriff "Westen" als Synonym für reiche Staaten ist geographisch ebenso ungenau; außerdem ist er ein Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges.

Industriestaaten und Nicht-Industriestaaten

Mit "Industriestaaten" versucht man die industrialisierten Staaten von den Entwicklungsländern sprachlich abzugrenzen, die diesen Zustand zu erreichen bestreben. Die historische Industrialisierung Europas lässt sich jedoch nicht mit den Prozessen vergleichen, die heute in den Entwicklungsländern stattfinden. Außerdem stellt sich das Zuordnungsproblem mit den industrialisierten, ehemaligen sozialistischen Ländern (Ostblock). Sinngemäss müsten die mit dem Ausdruck Industriestaaten gemeinten Länder heute als "Dienstleistungsstaaten" bezeichnet werden, wenn man den Anteil des Industrie- bzw. Dienstleistungsektors am Bruttosozialprodukt vergleicht.

Der Begriff Dritte Welt

Hauptartikel: Dritte Welt Der Begriff "Dritte Welt" stammt aus den 50er Jahren und war ursprünglich politisch geprägt. Er definierte die Blockfreien Staaten, welche sich nicht durch den Kalten Krieg ideologisch vereinnahmen lassen wollten. Bereits vor dem Ende des Ost-West-Konfliktes, genauer gesagt zu Beginn der 80er Jahre, wurde gefordert auf den Begriff "Dritte Welt" zu verzichten. Ulrich Menzel begründete und untermauerte diese Forderung im Jahr 1992 in seinem Buch "Ende der Dritten Welt" mit der These, dass die Zweite Welt verschwunden wäre, und es dadurch auch keine Dritte Welt mehr geben könne. Viele ehemalige "Dritte-Welt-Gruppen" nannten sich daraufhin in "Eine-Welt-Gruppen" um. Das BMZ verwendet den Begriff "Dritte Welt" nicht mehr. Trotzdem ist der Ausdruck noch nicht verschwunden und existiert weiter fort, vor allem in der Alltagssprache wird er noch benutzt.

Reich und arm

Die Begriffe "reich" und "arm" definieren den Entwicklungszustand eines Landes nur unzureichend. Sie finden ihre Verwendung eher in Verbindung mit dem Vermögen von Einzelpersonen. So gibt es Armut auch in Ländern mit hohem Durchschnittseinkommen (beispielsweise in Deutschland oder der Schweiz) und Reichtum in Entwicklungsländern (zum Beispiel in den ölexportierenden Ländern).

Strukturelle Probleme der Entwicklungsländer und ihre Ursachen

Hauptartikel: Entwicklungstheorie, Entwicklungspolitik Strukturelle Probleme wirken grundsätzlich über einen längeren Zeitraum und äußern sich in der Vernetzung von bestimmten Phänomenen. Mit Strukturen sind die Basisselemente und Wirkungszusammenhänge, welche die internen Vorgänge und Reaktionsweisen eines Systems prägen, gemeint. In der Regel sind für die strukturellen Probleme der Entwicklungsländer eine Vielzahl verschiedenster Faktoren verantwortlich. Zu den Ursachen dieser strukturellen Probleme und des relativ geringen Entwicklungsniveaus in den betroffenen Ländern existieren eine Vielzahl von Entwicklungstheorien. Die meisten Theorien betonen dabei entweder stärker die endogenen (vom betreffenden Land selbst verursachten) oder die exogenen (extern verursachten) Faktoren. Ein Ziel der Entwicklungspolitik ist, diese strukturellen Probleme zu beseitigen.

Strukturelle Probleme und ihre Wirkungszusammenhänge

Charakteristisch für Entwicklungsländer ist die oft unzureichende Fähigkeit die eigene Bevölkerung mit lebensnotwendigen Gütern und lebenswichtigen Dienstleistungen zu versorgen; mit anderen Worten: ihr ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang hat beispielsweise die Weltbank nachgewiesen, dass die Mehrheit der lateinamerikanischen Staaten bereits durch eine geringe Umverteilung des vorhandenen Reichtums in der Lage wären, die Massenarmut zu überwinden. Hier handelt es sich also nicht um ein Produktionsproblem, sondern um ein politisches Strukturproblem. Strukturelle Probleme müssen aber nicht zwangsläufig politischer Natur sein, sondern können auch in anderen Bereichen existieren (Wirtschaft, Gesellschaft, Umwelt etc.). So führt die Unterversorgung der Bevölkerung zu Armut, Hunger und dadurch zu einer geringeren Produktivität. Dies hat eine noch schlechtere Versorgungslage zum Ergebnis. Chronische Unterernährung führt darüber hinaus (vor allem bei Kindern) zu einer von vorneherein gehemmten geistigen und körperlichen Entwicklung. Letztendlich ist ihre Fähigkeit durch Kreativität oder Produktivität ihre eigene Situation zu verbessern, also sich zu entwickeln, eingeschränkt und es handelt sich um ein sozio-strukturelles Problem. Ein anderes strukturelles Problem ist die Diskriminierung von Frauen, was in den letzten Jahren vermehrt als eine grundlegende Ursache der Problemen der Entwicklungsländer erkannt wurde. Ebenso gravierend kann sich ein allzu schnelles Bevölkerungswachstum auf die bereits vorhandenen Entwicklungsprobleme auswirken. Wenn das Wirtschaftswachstum mit dem Bevölkerungswachstum nicht mehr Schritt halten kann, kommt es zum Beispiel in den Städten zu Slumbildung und Arbeitslosigkeit, sowie im ländlichen Raum zu Ernährungsproblemen und unangemessener Landnutzung (einhergehend mit irreversiblen ökologischen Schäden).

Auswirkungen der Erdölkrise von 1973 auf die Entwicklungsländer

Die Ölkrise von 1973 führte zu einer Preisexplosion des Erdöls, wovon die erdölexportierenden Länder (OPEC und nicht-OPEC) profitierten. Die ölimportierenden Industrieländer waren sowohl Opfer als auch Begünstigte (als Lieferanten der zunehmend nachgefragten Investitions- und Konsumgüter). Die ölimportierenden Entwicklungsländer konnten jedoch die entstandenen Verluste nicht durch Gegengeschäfte ausgleichen (nimmt man den Kapitalrückfluss von Arbeitsmigranten einmal aus) und wurden in ihrer Entwicklung gebremst oder zurückgeworfen. In den 80er-Jahren kam es dann schließlich aufgrund verschiedener weltwirtschaftlicher Entwicklungen zu einem dramatischen Preissturz, was zur Folge hatte, dass sich das Pro-Kopf-Einkommen von Ländern wie Libyen oder Nigeria halbierte. Allgemein sind Entwicklungsländer durch Erdölkrisen stärker betroffen als Industrieländer und es ist davon auszugehen, dass kommende Energiekrisen weiterhin einen hemmenden Faktor in ihrer Entwicklung darstellen werden.

Gemeinsame Merkmale der Entwicklungsländer

Unter den Merkmalen versteht man die Symptome der strukturellen Probleme. Seit den 50er-Jahren gibt es schon die sogenannten "Merkmalslisten", welche die zentralen Entwicklungsprobleme aufzulisten versuchen. Es ist umstritten mit welchen gemeinsamen Merkmalen die Entwicklungsländer beschrieben werden können, sollte es solche gemeinsamen Merkmale überhaupt geben. Die Kritik an einem Merkmalskatalog für Entwicklungsländer basiert vor allem auf der Tatsache, dass die Gemeinsamkeiten zweier Entwicklungsländer in Bezug auf diesen Merkmalskatalog nicht zwangsläufig größer sein müssen als zwischen einem Entwicklungsland und einem Industrieland. Auch bei einzelnen Industrieländern können die in der Liste aufgeführten Merkmale beobachtet werden. Deshalb wirft die Klassifizierung von Entwicklungsländern anhand von schematisierten Merkmalen immer wieder Fragen auf, da die verschiedenen Merkmale und ihre relative Bedeutung kontrovers diskutiert werden. Darüber hinaus bestehen zwischen den genannten Punkten Wechselwirkungen.

Ökonomische Merkmale

Klassifizierung Ein großer Teil der ökonomischen Merkmale entsteht als direkte Folge der geringen Wertschöpfung in den Entwicklungsländern. So ist meist ein hoher Anteil der Bevölkerung in den Entwicklungsländern im primären Sektor tätig, wo volkswirtschaftlich keine große Wertsteigerung erzielt wird. Die einseitige Exportpalette (z.B. landwirtschaftliche Güter oder Bodenschätze) und die außenwirtschaftliche Ausrichtung auf die Industrieländer wurzelt auch in der kolonialen Vergangenheit. Andere ökonomische Merkmale sind:
- Geringes BSP/BIP pro Kopf
- Extrem ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung (Gini-Index)
- Niedrige Spar- und Investitionstätigkeit
- Bedeutende Rolle des primären und des informellen Sektors
- Passive Handelsbilanz
- Einseitige Exportpalette
- Außenwirtschaftliche Ausrichtung auf die Industrieländer
- Schlechte Handelsbedingungen (Terms of Trade)
- Hohe Auslandsverschuldung
- Kapitalflucht
- Starke regionale Disparitäten zwischen Zentrum und Peripherie
- Hohe Arbeitslosigkeit
- Unzureichende Infrastruktur

Ökologische Merkmale

Infrastruktur Indonesien.]] Viele Entwicklungsländer sind in besonderem Ausmaß von ökologischen Problemen betroffen. So kommen das UN-Umweltprogramm UNEP und das World Watch Institute zu dem Schluss, dass in den Entwicklungsländern 90 % des weltweiten Artensterbens, der Bodenerosion und der Waldrodung stattfinden. Da die natürlichen Ressourcen der Entwicklungsländer zu ihren wichtigsten Reichtümern und damit zur eigenen Existenzgrundlage zählen, treffen Umweltkrisen die Entwicklungsländer besonders hart. Aufgrund der globalen Auswirkungen von Umweltkrisen müssen hier aber auch Rolle und Verantwortung der Industrieländer betrachtet werden. Die Debatte um das Kyoto-Protokoll ist ein aktuelles Beispiel dafür. Gravierende ökologische Merkmale sind:
- Umweltzerstörung durch unkontrollierte Verstädterung
- Bodendegradation (z.B. Versalzung)
- Desertifikation
- Bedrohung der Biodiversität
- Vernichtung der Tropenwälder
- Grundwasserbelastungen durch unzureichende Umweltstandards
- Gesundheitsgefährdende Luftverschmutzung in Ballungsgebieten

Demographische Merkmale

Ballungsgebieten (2005) - typische Form für ein Entwicklungsland, viele Kinder, niedrige Lebenserwartung]] Siehe auch: Bevölkerungsstruktur in Entwicklungsländern Viele Entwicklungsländer befinden sich noch in einer frühen Phase des demographischen Übergangs. Das bedeutet, dass ihre Bevölkerungsdynamik sich durch eine hohe Geburtenrate und eine hohe, jedoch stark rückläufige Sterberate (zum Beispiel durch bessere medizinische Versorgung) charakterisieren lässt. Dies führt zu einem starken und oft unkontrollierbaren Bevölkerungswachstum, welches mit einer extremen Verjüngerung der Bevölkerungsstruktur einhergeht. Beispiele für demographische Merkmale sind:
- hohe Geburtenrate
- hohe aber abnehmende Säuglings- und Kindersterblichkeit
- hohes Bevölkerungswachstum
- geringe durchschnittliche Lebenserwartung
- grenzüberschreitende Migration
- unkontrollierte Binnenmigration

Volksgesundheitliche Merkmale

Migration Der gesundheitliche Zustand der Bevölkerung in Entwicklungsländern ist oft problematisch. Dies äußert sich beispielsweise in einer geringen Lebenserwartung und einer hohen, jedoch stark rückläufigen Säuglingssterberate. Wegen mangelnder Hygiene in Slums (z.B. fehlende Abwasserreinigung) ist die Bevölkerung in Armenvierteln besonders anfällig für Krankheiten und Epidemien (zum Beispiel Cholera; siehe Abb. rechts). Beispiele für volksgesundheitliche Merkmale:
- unzureichende und/oder ungesunde Ernährung
- Mangel an sauberem Trinkwasser
- fehlende Abwasserreinigung
- Gesundheitsmängel und unzureichende medizinische Versorgung
- Mängel in der schulischen Gesundheitserziehung
- unkontrollierte Ausbreitung von Pandemien (z.B. AIDS)

Sozio-kulturelle Merkmale

Unter sozio-kulturellen Merkmalen versteht man das Zusammenwirken von gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen Verhaltensweisen. Ein sozio-kulturelles Merkmal einiger Entwicklungsländer ist beispielsweise die Benachteiligung der Frauen, wodurch Entwicklungspotentiale blockiert werden. Auch das entwicklungshemmende wirtschaftliche Verhalten einer reichen Oberschicht kann ein sozio-kulturelles Merkmal sein. Weitere sozio-kulturelle Merkmale:
- starke Orientierung auf Primärgruppen
- geringe soziale Mobilität
- Kinderarbeit
- unzureichende Bildung, hohe Analphabetenquote
- Schatzbildung der Oberklasse, statt Reinvestitionen

Politische Merkmale

Die politischen Probleme der Entwicklungsländer werden seit Ende der 80er-Jahre wieder verstärkt berücksichtigt. Die politischen Merkmale sind dabei nicht nur die Folge des staatspolitischen Unvermörgens politischer Elite in einem Entwicklungsland, sondern auch der mangelnden Effizienz und Stabilität der politischen Institutionen, sowie der defizitären Präsenz des Staates in den Provinzen. Das Funktionieren eines politischen Systems hängt weiterhin auch von der politischen Kultur eines Landes ab. Dazu kommt die Korruption, durch welche Staatseinnahmen nicht für Entwicklungsprogramme im eigenen Land, sondern für unsachgemäße Zwecke verwendet werden. Weitere politische Merkmale sind:
- autoritärer Staat (undemokratische Strukturen, Militärdiktaturen)
- Verletzungen der Menschenrechte
- gewaltsame Konflikte mit umliegenden Staaten und hohe Rüstungsausgaben
- geringe Akzeptanz der politischen Institutionen in der Bevölkerung
- geringe Besteuerung der Spitzeneinkommen
- Klientilismus - vgl. auch Patronage
- politische Instabilität
- Bürgerkrieg oder bürgerkriegsähnlicher Zustand bis hin zum Verfalls der Staatlichkeit überhaupt (Failing States - vgl. auch Warlords)

Kapitalmangel und unzureichende Faktorausstattung

Oft tauchen in Merkmallisten die Punkte "unzureichende Faktorausstattung" oder "Kapitalmangel" auf. Mit unzureichender Faktorausstattung bezeichnet man Merkmale, die aus dem Geodeterminismus abgeleitet werden können: ungünstige Klimabedingungen, fehlende Bodenfläche (zum Beispiel bei einem Inselstaat), Mangel an Bodenschätzen, Isolierung durch Binnenlage usw. Kritiker bezweifeln, dass eine unzureichende Faktorausstattung oder ein Kapitalmangel eines Landes zwangsläufig auf ein Entwicklungsland hinweist. Es handelt sich somit nicht um typischen Merkmale von Entwicklungsländern; das Fehlen von Wirtschaftsfaktoren und von Kapital kann durch andere Maßnahmen ausgeglichen werden. Auch der umgekehrte Schluss ist nicht zulässig: Das Vorhandensein bestimmter natürlicher Gegebenheiten, wie zum Beispiel Klima, Böden oder insbesondere Rohstoffe, führt nicht automatisch zu einer Entwicklung. In einer Reihe von vielen anderen Faktoren kann es dabei beispielsweise auf die Rohstoffverarbeitung ankommen, die erst zur höheren Wertschöpfung führt oder auf eine geschickte Politik, die es vermag den Rohstoffreichtum in Entwicklung umzusetzen. Der Kapitalmangel ist ebenfalls überbetont. Das Vorhandensein von Kapital macht noch keine Entwicklung eines Landes aus (Beispiel: ölexportierende Staaten). Folgende Punkte verhindern auch bei vorhandenem Kapital eine positive Entwicklung:
- Luxuskonsum: dazu zählen Schatzbildungen der Oberklassen, Korruption, geringe Besteuerung der Spitzeneinkommen
- Kapitalflucht
- Gewinntransfer: der Gewinn ausländischer Unternehmen führt zu einem Kapitalabfluß eines Teils des im Inland erwirtschafteten Kapitals.
- hohe Rüstungsausgaben
- Mangel an Good Governance: defizitäre Besteuerung (insbesondere der Oberschicht), ineffiziente und damit kostenaufwendige Verwaltungsstruktur, mangelnde Rechtssicherheit

Die Einteilungen der UNO

Less Developed Countries (LDC) und Least Developed Countries (LLDC)

Good Governance Good Governance Die Einteilung der Entwicklungsländer in LDC-Staaten und LLDC-Staaten ist im internationalen Bereich sehr gebräuchlich. Die Aussonderung der LLDC-Staaten erfolgte auf einer UN-Vollversammlung im Jahre 1971. Eine deutsche Entsprechung für diese Begriffe gibt es nicht. Nach einer Reform aus dem Jahre 1991 geschieht dies anhand von vier Kriterien:
- Bruttonationaleinkommen pro Kopf: Messung ökonomischer Armut (Durchschnitt aus 3 Jahren unter 900 US-$).
- Human Assets Index (HAI): liefert Aussagen über soziale Merkmale, wie Gesundheit und Bildung. Historisch ersetzt er den früheren Augmented Physical Quality of Life Index (APQLI). (Kalorienverbrauch pro Kopf in % des Minimalbedarfs, Kindersterblichkeitsrate, Alphabetisierungsrate unter Erwachsenen und Einschulungsrate in Sekundarschulen)
- Economic Vulnerability Index (EVI): beschreibt die Verwundbarkeit von Gesellschaften und ersetzte den alten Economic Diversification Index (EDI). (Konzentration der Exporte, Instabilität der Exporterlöse, Agrarproduktion, Anteil von verarbeitender Industrie und Dienstleistungen am BIP)
- Einwohnerzahl: maximal 75 Mio (alle Länder mit mehr als 75 Mio. Einwohnern sind aus der Gruppe der LLDC-Staaten ausgeschlossen) Die differenzierten zugrundeliegenden Indikatoren geniessen weltweit eine hohe Akzeptanz. Kritisiert wird der Bevölkerungsindikator, aufgrund dessen diese Einteilung wenig über die tatsächliche Verteilung von Armut in der Welt aussagt, die mögliche politische Instrumentalisierung dieser Klassifizierung und dass die Einteilung sehr aufwendig zu stande kommt. Die Aufnahme in die LLDC-Länder kann für den betroffenen Staat durchaus begehrt sein, da in den Geberländern die Qualität der Entwicklungspolitik oft an ihrer Ausrichtung auf die LLDC-Staaten gemessen wird. Daher erhalten diese bevorzugt nichtrückzuzahlende Zuschüsse (Grants) oder Kredite zu günstigeren Bedingungen (International Development Association, IDA).

UNO-Ländergruppierungen in Folge der Ölkrise

Hinter den Abkürzungen "MSAC", "LLC" und "SIS" verbergen sich weitere Klassifikationen der UNO. Die Bezeichnung "MSAC" (Most Seriously Affected Countries) entstand in Folge der Ölkrise 1973 und bezeichnet ein UNO-Sonderprogramm für die am stärksten betroffenen Länder. Diese Unterteilung verschwand gegen Ende der 80er Jahre aus dem UN-Vokabular. Geblieben sind von die Bezeichnungen "LLC" und "SIS". Mit "LLC" (Landlocked Countries, Binnenstaaten) werden Länder bezeichnet, deren Außenhandel unter ihrer geographischen und küstenfernen Lage erheblich leidet. Dazu zählen vor allem Ruanda, Burundi, Nepal oder in Südamerika beispielsweise Bolivien. Durch ihre ungünstige Lage können sich sowohl Importe, als auch Exporte erheblich verteuern. Die "SIS" (Small Island States) formierten sich später zur "AOSIS" (Association of Small Island States). Ihre Mitglieder vertreten gemeinsame Interessen beispielsweise in Umweltfragen (z. B. Anstieg des Meeresspiegels).

Der Human Development Index (HDI)

Hauptartikel: Human Development Index Im Jahre 1990 wurde vom UNDP (United Nations Development Program) der Versuch unternommen einen Gegenentwurf zum eindimensionalen Konzept der Weltbank zu entwerfen. Dabei sollten zunehmend auch soziale Faktoren berücksichtigt werden. Der HDI wird im jährlich vom United Nations Development Programme (UNDP), dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, herausgegebenen Human Development Report (HDR) veröffentlicht. Kritik am HDI kam zu großen Teilen aus politischen Motivationen: Frauengruppen beklagten sich über die hohe Position Japans, ostasiatische Länder gegen die Bewertung ihrer Menschenrechtslage und andere Länder wegen ihrer Eingruppierung vor oder hinter einem bestimmten anderen Land. Auf Antrag Indiens wird der HDI seit der Mitte der 90er Jahre in offiziellen UN-Dokumenten nicht mehr erwähnt.

Einteilungen der Weltbank

Die klassische Einteilung der Weltbank nach dem Pro-Kopf-Einkommen

Im Unterschied zu den UNO-Einteilungen in LDC und LLDC misst die Weltbank die Förderungswürdigkeit eines Landes ausschließlich mit dem Pro-Kopf-Einkommen bzw. nach dem Bruttonationaleinkommen-pro-Kopf. Sie unterscheidet dabei zwischen "Ländern mit niedrigem Einkommen" (LIC; Low Income Countries) und "Ländern mit mittlerem Einkommen" (MIC; Middle Income Countries). Die MIC werden dabei noch in eine untere und in eine obere Einkommensgruppe eingeteilt. Nach der Klassifizierung von 2004 gibt es 61 LIC und 93 MIC, darunter auch einige aus Osteuropa, dem Kaukasus und Zentralasien. Nach dem Stand vom 30. Juni 2004 betrug die Obergrenze für LIC 765 US-$, für die unteren MIC 766 - 3035 US-$ und für die oberen MIC 3036 - 9385 US-$. Die Obergrenzen können sich aber geringfügig von Jahr zu Jahr ändern und sind im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen. Manchmal benutzt die Weltbank auch die Ländergruppe der LIFDC (Low Income Food Deficit Countries), um innerhalb der LIC noch einmal Länder mit schwerwiegenden Ernährungsproblemen auszugliedern. In der Klassifizierung von 2004 taucht dieser Begriff aber nicht auf. Die Weltbank benutzt diese Klassifizierung als analytische Datenbasis für ihre Kreditvergabepraxis. Im Sprachgebrauch der Bretton-Woods-Institutionen ist ansonsten der Begriff "Developing Countries" gebräuchlich. Im weiteren macht die Weltbank klar, dass die Einteilung in diese Gruppen nach Pro-Kopf-Einkommen nicht notwendigerweise den Entwicklungsstand eines Landes widerspiegelt. Der große Vorteil dieser Klassifizierung ist seine einfache Struktur. Aufgrund der oft erhobenen und berechtigten methodischen Einwände bei der Beschränkung auf das Pro-Kopf-Einkommen hat die Einteilung der Weltbank nur einen begrenzten Aussagewert über die Entwicklung einzelner Länder. Das hat aber auch einen Grund: die Weltbank ist eben eine Bank und beschränkt sich naturgemäß und im Gegensatz zur UNO auf ökonomische Faktoren.

Die Betonung der Schuldenlast

Aufgrund der großen entwicklungspolitischen Bedeutung der Schuldenlast der Entwicklungsländer, hat die Weltbank die zusätzlichen Gruppen "SILIC" (Severely Indebted Low-Income Countries) und "SIMIC" (Severely Indepted Middle-Income Countries) gebildet. Bei letzteren gibt es die Abstufung in "mäßig verschuldet" (MIMIC) und "wenig verschuldet" (LIMIC). "Severely Indepted" bedeutet, dass drei von vier Kennziffern eine kritische Marke überschreiten. "Moderately indepted countries" sind solche, die bei drei von vier Kennziffern 60 % der kritischen Marke überschreiten, diese aber nicht erreichen. Der Rest wird als "less indepted countries" bezeichnet. Bei den vier Kennziffern handelt es sich um (die Werte in den Klammern geben die kritische Marke an):
- Verhältnis zwischen Schuldenstand und BNE (50 %)
- Schuldenquote (275 %)
- Schuldendienstquote (30 %)
- Zinslast am Schuldendienst (20 %) Derzeit gelten 45 Länder als "severely indepted" und 43 Länder als "moderately indepted". Zu letzteren zählen auch einige obere MIC wie die Türkei, Argentinien und Lettland. Die vier Schlüsselindikatoren weisen auf zentrale Probleme der verschuldeten Entwicklungsländer hin. Allerdings ist die kritische Marke von entscheidender Bedeutung und deshalb heftig umstritten. Während der 90er Jahre konnte ein Teil der SILIC ihre Schuldenlast nicht mehr alleine tragen, sie wurden unter den Begriff "HIPC" (Highly Indepted Poor Countries) zusammengefasst und die HIPC-Initiative ist einer groß angelegten Entschuldungsinitiative, die derzeit 42 Länder umfasst, von denen aber nur 22 SILIC sind.

Spezialfälle

Die ölexportierenden Länder

Die Vorstellung von "reichen" ölexportierenden Ländern (meist eine Projektion der reichen und kleinen Golfstaaten) ist falsch. In einer Rangfolge, die neben dem Pro-Kopf-Einkommen auch soziale Indikatoren berücksichtigt, schneiden beispielsweise die arabischen Staaten sehr schlecht ab. Durch ihre Erdölreserven und durch die Politik der OPEC konnten diese zwar gewaltige Einkommenssprünge verzeichnen, waren jedoch nicht in der Lage ihre Produktivkräfte mit lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen zu versorgen. Ölmilliarden wurden für unproduktive Zwecke verwendet wie zum Beispiel Luxus oder den achtjährigen Krieg zwischen dem Irak und dem Iran. Als weiteren negativen Effekt konnten durch den Ölboom marode und menschenrechtsfeindliche Regime aufrecht erhalten werden, da sie sich Loyalität und Schutz erkaufen konnten. Besonders negative Beispiele dazu sind Nigeria oder Venezuela. Nuscheler bezeichnet die ölexportierenden Länder daher auch als: "Fata Morgana der Entwicklung". Ölexportierende Länder spielen in der Gruppe der Entwicklungsländer eine besondere Rolle: Sie haben ein Gut, das die Industrieländer unbedingt brauchen. Die OPEC-Staaten halten ca. 3/4 der weltweiten Ölreserven und im Nahen Osten befinden sich 2/3 der Weltreserven. Dadurch entsteht eine gestärkte weltpolitische Verhandlungsposition, die ihnen einiges an politischer Macht zukommen lässt. Man unterscheidet die ölexportierenden Länder daher aus guten Gründen von den LDC und LLDC. Sie haben durch ihre Öleinahmen ein Potential für Entwicklung, welches andere Entwicklungsländer nicht haben. Diese Länder werden auch in der Zukunft weltpolitisch relevant bleiben, ganz im Gegensatz zu einigen anderen Entwicklungsländern, die nach dem Ende des Kalten Krieges in eine Irrelevanzfalle geraten sind. Die Industrieländer benötigen nach wie vor das begehrte Öl und somit werden die ölexportierenden Länder ihre strategische und geopolitische Bedeutung beibehalten.

Schwellenländer

Hauptartikel: Schwellenland Schwellenländer (Newly Industrializing Economies) sind eine Gruppe von Staaten, die traditionell noch zu den Entwicklungsländern gezählt werden, aber nicht mehr deren typische Merkmale aufweisen. Deshalb werden sie begrifflich von den Entwicklungsländern getrennt. Die deutsche Bezeichnung suggeriert, dass sie an der Schwelle zum Industriestaat stehen, diese "Schwelle" ist jedoch nicht definiert. Der englischsprachige Begriff entstand in den 70ern und bezog sich ursprünglich auf die asiatischen Tigerstaaten. Von verschiedenen Seiten (Weltbank, OECD, IWF, EG) wurden in den letzten Jahrzehnten Listen mit Schwellenländern erstellt. Eine verbindliche Liste der Schwellenländer gibt es jedoch nicht, ihre Zahl schwankt je nach Liste zwischen 10 und 30. Die Weltbank und der Internationale Währungsfond (IWF) kategorisieren jeweils 10 Länder als Schwellenländer. Die OECD weist hingegen wesentlich mehr Länder als Schwellenländer aus. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und die Europäische Union unternahmen gemeinsam den Versuch auch soziale und politische Indikatoren zur Bestimmung von Schwellenländern durchzusetzen, wurden jedoch auf internationaler Ebene abgewiesen. Daraufhin zog das BMZ seine 30 Schwellenländer umfassende Liste, die unter anderem auch Ecuador und Nicaragua enthielt, wieder zurück. Vereinfacht kann man folgende Länder zu den Schwellenländer zählen: Volksrepublik China, einige südamerikanische Staaten, Brasilien, Indonesien, Mexiko, Malaysia, Singapur, Südkorea und Thailand.

Transformationsländer

Eine besondere Beachtung erfahren im Rahmen einer Einteilung der Entwicklungsländer die ehemaligen sozialistischen Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Folgende Gründe sprechen für eine eigene Ländergruppe:
- Ihre Entwicklungsdefizite haben andere historisch-kulturelle Ursachen, als diejenigen typischer Entwicklungsländern. Sie durchlaufen typische Probleme beim Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft.
- Sie besitzen ein hoch entwickeltes Humankapital. Allerdings bestehen hier Unterschiede zwischen den kaukasischen, den zentralasiatischen und den europäischen Staaten.
- Sie besitzen eine ausdifferenzierte Industriestruktur und ein technologisches Entwicklungspotential und unterscheiden sich in diesem Punkt deutlich von den Entwicklungsländern.
- Die europäischen Staaten profitieren von ihrer Nähe zur EU, wodurch sie auf westliche Investoren und Zugang zum EU-Markt hoffen können.
- Russland ist noch immer militärische und politische Großmacht, Energiemacht, ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat und ständiger Gast der G-7 (ab 2006 Vollmitglied). Bei den Transformationsländern unterscheidet man zwischen den Ländern, die durch ihre kollektive Einbindung in die EU, Teil der Ersten Welt geworden sind (Polen, Tschechien, Ungarn, Slowakei, Slowenien, Litauen, Lettland, Estland) und den Newly Declining Countries (NDC), die weiterhin zwischen weiterem Abstieg und Stabilisierungsbemühungen stehen (Länder im Kaukasus und Zentralasien).

Failed States

Durch gewaltsamen und blutigen Konflikte in den 90er Jahren wurde die Gruppe der Failed States gebildet. Als Ländergruppe tauchen die Failed States erstmals in einem Artikel von Le Monde diplomatique 1999 auf. Sie sind charakterisiert durch den vollständigen Kollaps des Staatsapparats, wobei der Staat (bzw. Reste davon) nicht mehr fähig ist sein Territorium zu kontrollieren, keine staatlichen Dienstleistungen mehr anbietet und eine politische Ordnung nicht mehr erkennbar ist. Diese Länder fallen dadurch sowohl aus dem Erklärungsbereich der Entwicklungstheorien als auch aus dem Zielgebiet der Entwicklungspolitik. Zu ihnen zählen mehrheitlich afrikanische Staaten wie beispielsweise DR Kongo, Liberia, Somalia oder Sierra Leone. Darüber hinaus schafft das hier entstehende Ordnungsvakuum besondere Anforderungen an die Entwicklungspolitik und Sicherheitspolitik, da die Krisen solcher Länder die Entwicklung und Sicherheit ganzer Regionen und schließlich der ganzen Welt bedrohen (internationaler Terrorismus). Wie mit solchen Staaten umgegangen werden soll ist globalpolitisch noch sehr unklar.

Abschließende Bemerkung

Terrorismus]] Wie aus dem Artikel hervorgeht, hat es in den letzten 50 Jahren eine Vielzahl verschiedener Einteilungen der Entwicklungsländer gegeben, einige betonen ökonomische Faktoren (Weltbank), andere versuchen in einer komplexen Art und Weise soziale Faktoren zu berücksichtigen (LDC-Einteilung der UNO). Parallel dazu ergaben sich eine Vielzahl von Gruppierungen aus politischen, wirtschaftlichen oder strategischen Gründen (SIS oder OPEC-Staaten). Zusätzlich zu diesen Gruppierungen zählen noch andere, wie die G-77 oder die Bewegung der blockfreien Staaten, die den Rahmen dieses Artikels jedoch sprengen würden. Eine Sonderrolle spielt der heftig umstrittene HDI-Index, der vorgibt "menschliche Entwicklung" messen zu können. Die Heterogenität verschiedener Klassifizierungsansätze und der damit verbundene Begriffsdschungel, findet seine direkte Entsprechung in der Tatsache, dass genauso wie die Industrieländer auch die Entwicklungsländer höchst unterschiedlich sind. Die Länder dieser Welt befinden sich in einem Bereich zwischen den klärungsbedürftigen Begriffen "reich" und "arm". Je nachdem ob der Blickwinkel eher auf ökonomische, soziale, politische oder ökologische Faktoren abzielt, ändert sich die Reihenfolge der Länder. Dadurch werden die erwähnten Einteilungen aber nicht wertlos, denn sie sind eine Orientierungshilfe, welche Länder im Vergleich zu anderen eher "reich" oder eher "arm" sind. Dies ist nicht nur zu Studienzwecken hilfreich, sondern auch in der entwicklungspolitischen Praxis, da die Geberländer und die multilateralen Organisationen bemüht sind ihre Entwicklungspolitik auf die ärmsten Länder auszurichten. Diese Einordnungen basieren allesamt auf Makrodaten, und können deshalb nur einen Makro-Rahmen abbilden. Sie sagen allesamt nichts zu den sozialen und ökonomischen Unterschieden innerhalb eines Landes aus. Besonders in Entwicklungsländern sind die inneren Disparitäten oft größer als die Unterschiede zwischen den Entwicklungsländern. Entwicklung ist ein hoch-komplexer Begriff und umso mehr man versucht ihn zu verallgemeinern, umso weniger kann mit ihm erklärt werden.

Siehe auch


- Portal:Entwicklungsländer
- Entwicklungsstrategie
- Nachhaltige Entwicklung
- Landwirtschaft in Entwicklungsländern
- Industrialisierung der Entwicklungsländer
- Tourismus in Entwicklungsländern
- Entwicklungsländer und Weltwirtschaft
- Verstädterung in Entwicklungsländern

Literatur


- Bundeszentrale für politische Bildung (BpB): Entwicklungsländer, Informationen zur politischen Bildung, Nr. 252, Bonn 1996.
- Hein, Wolfgang: Unterentwicklung - Krise der Peripherie, Opladen 1998, ISBN 3810016632
- Hemmer, Hans-Rimbert: Wirtschaftsprobleme der Entwicklungsländer, München 2002, ISBN 3-8006-2836-8
- Nohlen, Dieter (Hrsg.): Lexikon Dritte Welt, Reinbek bei Hamburg 2002, ISBN 3-499-61468-5
- Nuscheler, Franz: Lern- und Arbeitsbuch Entwicklungspolitik, Bonn 2004, ISBN 3-8012-0350-6

Weblinks


- [http://www.un.org/special-rep/ohrlls/ohrlls/default.htm Office of the High Representative for the LLDCs, LDCs and Small Island Developing States (UN-OHRLLS)] Kategorie:Volkswirtschaftslehre ! ja:開発途上国 ko:개발도상국

Demokratie

Die Demokratie (griechisch δημοκρατία, von δήμος, démos – Volk und κρατία, kratía – Macht, Herrschaft, Kraft, Stärke), ursprünglich von Aristoteles abwertend im Sinne von »Herrschaft des Pöbels« gebraucht, bezeichnete zunächst die direkte Volksherrschaft (heute: Direktdemokratie, Radikaldemokratie, Basisdemokratie). Heute wird »Demokratie« zumeist als allgemeinerer Sammelbegriff für Regierungsformen gebraucht, deren Herrschaftsgrundlage aus dem Volk abgeleitet wird. In den so genannten Repräsentativen Demokratien werden hierzu von den Bürgern eines Staates Repräsentanten gewählt, die über Parlamente und in der Regierung im Auftrag des Volkes Herrschaft ausüben sollen. Bei vorwiegend direkt-demokratischen Regierungsformen übt das Volk die Macht selbst aus, zum Beispiel mittels Volksentscheiden, kooperativer Planung. Entscheidendes Merkmal der Demokratie ist die Möglichkeit, die jeweilige Regierung durch eine Abstimmung (entweder des Volkes oder gewählter Vertreter) austauschen zu können, hierin unterscheidet sie sich von der tyrannischen Staatsform. Umgangssprachlich wird unter demokratisch oft auch eine alle Beteiligten gerecht einbeziehende Vorgehensweise verstanden. Daraus folgt auch das im folgenden dargestellte Demokratieverständnis, das Bestandteile der westlichen/bundesdeutschen Vorstellung vom bürgerlich-humanistischen (Rechts-)Staat unter dem Begriff Demokratie subsumiert, die mit ihm weder semantisch noch historisch erklärbar sind. Frühe Demokratietheoretiker der Neuzeit standen dem Prinzip vom Rechtsstaat oder einer Verfassung skeptisch gegenüber, da diese die Macht des Volkes souverän zu entscheiden, beeinträchtigen würden – ebenso wie frühe liberale Theoretiker die Demokratie skeptisch sahen, da eine konsequente Demokratie auch problemlos in die individuellen Freiheitsrechte des Einzelnen eingreifen könnte. Zum westlichen Demokratieverständnis gehören, neben der Beteiligung aller Bürger, der Rechtsstaat und die Sicherung der Menschenrechte. In Deutschland wird die Demokratie durch das Grundgesetz als tragendes Verfassungsprinzip festgelegt. Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt. (Art. 20, Abs. 2 GG). Auch in der österreichischen Bundesverfassung heißt es bereits im Artikel 1: Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus.

Geschichte

Die Geschichte der Demokratie ist eng verknüpft mit der Idee der Naturrechte, heute eher bekannt unter dem Begriff der Menschenrechte. Ausgehend davon wurde die Idee der Gleichberechtigung der Freien entwickelt, die sich in den frühen Ansätzen zu demokratischen Gesellschaften wiederfindet. Die Mitgestaltungsbefugnisse eines Menschen hingen zunächst, wie von eben genanntem Begriff impliziert, am Status der Person: Nur Freie – was Sklaven, Frauen und Nicht-Bürger ausschloss – hatten diese Rechte inne. Als erste Verwirklichung der Demokratie in der Geschichte wird die Attische Demokratie angesehen, die nach heftigem Ringen des Adels und der Reichen mit dem einfachen Volk errichtet worden war und allen männlichen Vollbürgern der Stadt Athen Mitbestimmungsrechte in der Regierung gewährte. Beamte wurden per Los bestimmt oder gewählt. Eine Gewaltenteilung im modernen Sinne gab es jedoch nicht. Die Staatsform war nicht unumstritten, gewährte sie doch beispielsweise den Bürgern das Recht, Mitbürger, die als gefährlich für die Demokratie angesehen wurden, in die Verbannung zu schicken (siehe auch Ostrakismos, Scherbengericht) – eine Praxis, die recht häufig und nicht immer zum Wohle Athens angewandt wurde. Auch waren die Beschlüsse der Volksversammlung leicht beeinflussbar – der Demagoge trat auf und sollte nicht selten eine unglückliche Rolle in der Politik Athens spielen (vgl. Kleon und Alkibiades sowie Peloponnesischer Krieg). Auch in anderen Poleis des attischen Seebunds wurden Demokratien eingerichtet, die aber vor allem dafür sorgen sollten, dass die Interessen Athens gewahrt wurden. Der bekannte Althistoriker Christian Meier erklärte die Einführung der Demokratie durch die Griechen dadurch, dass sie entdeckt hätten, dass Demokratie die Antwort auf die Frage ist, wie es der Politik gelingen kann, auch die Herrschaft selbst zum Gegenstand von Politik zu machen (vgl. Christian Meier, Die Entstehung des Politischen bei den Griechen, Frankfurt a.M. 1980). Der antike Philosoph Aristoteles verwendet den Begriff Demokratie in seiner Politik negativ, um die Herrschaft der Armen zu bezeichnen; diese "entartete Staatsform" würde nicht das Wohl der Allgemeinheit, sondern nur das Wohl eines Teils der Bevölkerung (eben der Armen) verfolgen. Allerdings lehnte er die Demokratie (in ihrer gemäßigten Form) nicht strikt ab, wie etwa noch sein Lehrer Platon dies tat. Aristoteles plädierte aber für eine Form der Mischverfassung zwischen Demokratie und Oligarchie, die so genannte Politie. Auch die römische Republik verwirklichte bis zur schrittweisen, kontinuierlichen Ablösung durch den Prinzipat eine Gesellschaft mit rudimentären demokratischen Elementen, basierend auf der Idee der Gleichberechtigung der Freien bei der Wahl der republikanischen Magistrate, auch wenn freilich das oligarchische Prinzip bestimmend war. Es sei aber doch darauf hingewiesen, dass der Historiker Fergus Millar einen anderen Standpunkt vertritt und die römische Republik viel mehr als eine Art direkt-demokratisches Staatswesen interpretiert hat; die diesbezügliche Diskussion ist noch nicht beendet. Die historisch für uns bedeutendere Leistung Roms dürfte allerdings die Etablierung einer frühen Form eines Rechtsstaats sein – einem Konzept, das ebenfalls eng mit unserem heutigen Verständnis von Demokratie zusammenhängt. Zur Zeit des Mittelalters wurden die demokratischen Ideen nahezu vollständig aus Europa verdrängt, nur in den Reichsstädten mit Bürgerrechten und Teilen der Schweiz überlebten diese Ideen teilweise. Ab dem 17. Jahrhundert wurde von Jean-Jacques Rousseau der Begriff der Volkssouveränität propagiert, John Locke und Charles de Secondat Montesquieu etablierten im 18. Jahrhundert den Begriff der Gewaltenteilung – beides wird als elementarer Bestandteil eines modernen, demokratischen Rechtsstaates betrachtet. Gleichzeitig hatten sich in den USA fünf Indianer-Stämme zum Bund der Irokesen zusammengeschlossen und sich eine Räte-Verfassung gegeben. Benjamin Franklin und andere amerikanische Staatsmänner ließen sich hinsichtlich der Ausgestaltung der amerikanischen Verfassung von den Irokesen anregen. Die Vorarbeiten dieser Philosophen, das Vorbild des englischen Parlamentarismus und auch das Vorbild der irokesischen Verfassung fanden Berücksichtigung, als mit der Verfassung der USA 1787 der erste moderne demokratische Staat, die USA, entstand. Polen war dann der zweite Staat mit einer demokratischen Verfassung (3. Mai 1791) und somit der erste in Europa. Diese Prozesse inspirierten ebenfalls die Französische Revolution, wenn auch erst eine schrittweise Demokratisierung der anderen europäischen Länder erfolgte (und keineswegs überall, siehe das zaristische Russland, Österreich-Ungarn, Preußen etc.), wobei auch der bereits ehrwürdige englische Parlamentarismus besondere Erwähnung verdient.

Repräsentation

Das »Volk« ist keine Einzelinstanz mit einem freien Willen, sondern eine (meist sehr große) Anzahl von gleichberechtigten Individuen, von denen jedes seinen eigenen, freien Willen hat. Aufgabe demokratischer Systeme ist es also, sich so zu organisieren, dass dabei die Einzelinteressen ausgeglichen werden und sich die Entscheidungen nach einem emergierenden Gesamtwillen richten. Da in der Praxis jedoch das Staatsvolk nicht über jedes Detail des politischen Tagesgeschäftes entscheiden kann, haben sich alle bestehenden Demokratien dergestalt organisiert, dass – meist auf mehreren Ebenen wie Gemeinde, Land, Staat etc. gestaffelt – Teile der Souveränität in Einzelentscheidungen an gewählte Volksvertreter abgegeben werden. Das Volk gibt dann in Wahlen die »grobe Linie« vor, an der sich die Vertreter zu orientieren haben (bzw. in der Praxis orientieren, da davon ihre Wiederwahl abhängt). Diese Vertreter sollen als Repräsentanten der Wählergemeinde agieren, von der sie gewählt wurden und deren Interessen und Ziele sie in den entsprechenden Gremien im Interesse ihrer Wähler durchsetzen sollen. Der Einfluss, den das Volk als Souverän während der Amtszeit der gewählten Vertreter auf diese behält, unterscheidet sich in den unterschiedlichen Demokratieformen. In manchen Systemen wie in der Schweiz behält das Volk ein Vetorecht gegenüber den Entscheidungen der Volksvertreter, in anderen besteht lediglich ein Petitionsrecht, wieder andere beschränken sich auf das Wahlrecht für die Volksvertretung. Es gibt auch, darauf sei an dieser Stelle hingewiesen, immer wieder die Forderung nach einer Umsetzung von radikaldemokratischen Systemen, die ohne Volksvertreter auskommen sollen oder das Repräsentationsprinzip verachten (siehe z. B. Partizipatorische Demokratie). Dabei handelt es sich um theoretische Modelle, die in diesem Artikel nicht weiter betrachtet werden. Auch wenn Wahlen ein wesentliches Grundkriterium für Demokratien sind, so sind sie nicht die Einzige: Wesentlich zeichnet sich eine Demokratie durch die Freiheiten und Rechte aus, die ihre Bürger gegenüber dem Staat beanspruchen können. Damit muss eine Demokratie unabdingbar die Menschenrechte gewährleisten. Insbesondere sind in diesem Zusammenhang das bereits erwähnte Wahlrecht, das Diskriminierungsverbot, das Recht auf freie Meinungsäußerung und eine unabhängig funktionierende Judikative als konstituierende Grundbausteine einer Demokratie zu nennen.

Verschiedene Demokratieformen

Demokratie findet sich umgesetzt u. a. in folgenden Formen wieder. Neben diesen Demokratievarianten in der Praxis gibt es eine Vielzahl von Theorien, die noch weitere Auffassungen über Demokratie vertreten (siehe Demokratietheorien).

Repräsentative und direkte Demokratie

In der repräsentativen Demokratie geht die Staatsgewalt insoweit vom Volke aus, als dieses in Abständen von meistens 4 bis 5 Jahren Repräsentanten wählt (Personen oder Parteien), die die politischen Entscheidungen für die Zeit der nächsten Wahlperiode treffen. Beim reinen Verhältniswahlrecht kann der Wähler eine Partei benennen, die seinen politischen Vorstellungen am nächsten kommt. Im Parlament sind die Parteien dann etwa mit der Stärke vertreten, die ihrem Stimmenanteil entspricht. Beim reinen Mehrheitswahlrecht zieht aus jedem Wahlkreis derjenige Bewerber ins Parlament ein, der dort die meisten Stimmen auf sich vereint. Verschiedene Mischformen kommen vor. In der Stochokratie werden die Vertreter des Volkes per Los bestimmt! In der direkten Demokratie liegt die gesamte Macht beim Volk.In der Praxis tritt diese Form der Demokratie auf Staatsebene allerdings nie auf; es wird vielmehr auf die plebiszitäre Elemente gesetzt, wobei das Volk nur in wichtigen Entscheidungen per Volksentscheid unmittelbar beteiligt wird. Das Rätesystem schließlich stellt eine Mischform zwischen direkter und repräsentativer Demokratie dar. Die meisten modernen Demokratien sind repräsentative Demokratien, teilweise mit direktdemokratischen Elementen wie Volksentscheiden auf nationaler oder kommunaler Ebene. Die Schweiz ist auf nationaler, kantonaler und kommunaler Ebene eine plebiszitäre Demokratie, wobei auf nationaler und in den meisten Kantonen auch auf kantonaler Ebene und in größeren Städten auf kommunaler Ebene ein Parlament Legislative ist, und das Volk bei Parlamentsentscheiden nur über Verfassungsänderungen und über Gesetzesänderungen abstimmt. Zusätzlich gibt es für das Volk noch das Recht der Verfassungsinitiative, bei dem eine Anzahl Bürger eine Änderung der Verfassung vorschlagen kann, über die obligatorisch abgestimmt werden muss. Zudem kann mit genügend Unterschriften eine Volksabstimmung (Referendumsabstimmung) über ein vom Parlament beschlossenes Gesetz erzwungen werden. Einige kleine Kantone haben statt des Parlaments die Landsgemeinde. Auf kommunaler Ebene gibt es in kleineren Orten keine Volksvertretung, sondern Entscheide werden direkt in einer Bürgerversammlung diskutiert und abgestimmt.

Präsidentielle und parlamentarische Demokratie-Systeme

Nach dem klassischen Prinzip der Gewaltenteilung sind in Demokratien die Gesetzgebung und die Regierung zu trennen. In der Praxis sind (zum Beispiel über Parteizugehörigkeiten) beide nicht unabhängig voneinander zu sehen: Die Fraktion, die die Mehrheit im Bereich der Gesetzgebung hat, stellt in der Praxis meist auch die Regierung. Der Unterschied zwischen einer eher präsidentiell und einer eher parlamentarisch ausgerichteten Demokratie liegt nun in den praktischen Auswirkungen des verfassten Machtverhältnisses zwischen Regierung und Gesetzgebung. Präsidentielle orientierte Ausprägungen (Beispiel USA) zeichnen sich durch eine starke Stellung des Regierungschefs, des Präsidenten, gegenüber dem Parlament aus, in parlamentarischen Systemen regiert das Parlament in der Praxis ein Stück weit mit. Praktische Auswirkungen haben zum Beispiel die Zustimmungspflichtigkeit des Parlamentes bei bestimmten Entscheidungen (in den USA beispielsweise kann der Präsident frei einen Militäreinsatz befehlen, in der Bundesrepublik benötigt der Kanzler hierfür in aller Regel ein positives Votum des Parlamentes.), oder Fragen des Haushaltsrechtes. Bei präsidentiell orientierten Systemen findet man häufig eine Direktwahl des Präsidenten durch das Volk, um die starke Machtstellung stärker vom Souverän abhängig zu machen. In einer parlamentarischen Demokratie wird die Regierung meist vom Parlament gewählt und kann vom Parlament auch wieder abgesetzt werden.

Mehrheitsdemokratie, Konkordanzdemokratie und Konsensdemokratie

In Mehrheitsdemokratien wird die Regierung aus Parteien zusammengesetzt, die im Parlament die Mehrheit haben. Damit hat die Regierung gute Chancen, ihre Vorschläge beim Parlament durchzubringen. Bei einem Regierungswechsel kann jedoch das Pendel wieder in die entgegengesetzte Richtung laufen. Großbritannien und die USA sind Beispiele für Mehrheitsdemokratien. In einer Konkordanzdemokratie, werden öffentliche Ämter nach Proporz oder Parität verteilt. Alle größeren Parteien und wichtigen Interessengruppen sind an der Entscheidungsfindung beteiligt und die Entscheidung ist praktisch immer ein Kompromiss. Der Entscheidungsprozess braucht mehr Zeit und große Veränderungen sind kaum möglich, andererseits sind die Verhältnisse auch über längere Zeit stabil und es werden keine politischen Entscheide bei einem Regierungswechsel umgestürzt. Die Schweiz ist ein Beispiel für eine Konkordanzdemokratie. Die Abgrenzung von Konkordanz- und Konsensdemokratie ist schwierig und variiert sehr stark je nach Autor. Vielfach werden die Begriffe in der Literatur gleichgesetzt, die Unterschiede sind dann auch tatsächlich marginal. Konsensdemokratien zeigen gemeinhin eine ausgeprägte Machtteilung in der Exekutive, ein gleichberechtigtes Zwei-Kammern-System, die Nutzung des Verhältniswahlrechts und eine starre, nur durch Zweidrittel Mehrheit zu ändernde Verfassung. Deutschland passt sehr gut in dieses Raster und wird daher als Konsensdemokratie geführt.

Rätedemokratie

Nenn-Demokratien

Heutzutage wird kaum ein Staat der Welt von sich behaupten, nicht demokratisch zu sein. In der Regel wird entweder der Begriff »Demokratie« oder »Republik« im Staatsnamen geführt. Dennoch führen einige Staaten die Demokratie zwar im Namen, denen wesentliche demokratische Elemente (zum Beispiel allgemeine, freie, gleiche und geheime Wahlen) fehlen. So wird zum Beispiel die Verwendung des Namens »Deutsche Demokratische Republik« für den sozialistischen deutschen Staat zwischen 1949 und 1990 von den meisten Menschen als nicht zutreffend erachtet, da die Staatsgewalt de facto nicht vom Volke ausging. (Im sowjetischen Machtbereich sprach man euphemistisch lieber von »Volksdemokratie«.) »Nenn-Demokratie« trifft auch auf vorgeblich »demokratische« Abstimmungen zu, mit denen in diktatorischen Systemen Obrigkeitsentscheidungen durch das Staatsvolk »abzunicken« sind (typisch: 99,8% Ja-Stimmen). Nach neueren Studien sind nur ca. 75 Nationen der Welt »anspruchsvolle Demokratien«, führen den Namen also nicht nur pro forma (Hans Vorländer).

Gesellschaftliche Perspektive

Neben den dargestellten Definitionen zur Demokratie als Methode, realisiert durch politische Institutionen, bedarf der demokratische Gedanke auch einer Verwirklichung in der Gesellschaft, damit die Prinzipien der demokratischen Staatsform auch in der Realität erfahrbar werden. Diese Auffassung, die das Demokratieprinzip auf möglichst alles ausdehnen will, also den Begriff der Volksherrschaft wörtlich nimmt, wird als Partizipatorische Demokratie bezeichnet. Erst durch den Zugang zu Bildung für alle wird in Europa der Idealgedanke der Demokratie durch Ablösung der Monarchie ermöglicht, denn in einer Demokratie verläuft die politische Willensbildung von unten nach oben, wird also aus der Mitte der Bevölkerung an die Eliten getragen. In einer Diktatur, sowie in allen totalitären Systemen, ist dies genau umgekehrt, hier wird die politische Willensbildung von einer Elite der Bevölkerung manipulativ aufoktroyiert. Demokratie sollte nicht verordnet, sondern als organischer Prozess verstanden werden, der in der Öffentlichkeit stattfindet und eine pluralistische Meinungsbildung ermöglicht und fördert. Hierdurch und durch den damit zwingend einhergehenden Schutz von Grundrechten (z. B. Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit) sowie durch die Instrumentarien der politischen Bildung und der öffentlichen Berichterstattung über gesellschaftliche und politische Ereignisse soll eine Eigendynamik zustande kommen. Auf diese Weise entstehen organisierte Interessensgruppen, die Einfluss auf die Politik nehmen können. In Brasilien entwickelte sich im Umfeld der Weltsozialforen auch Formen der partizipatorischen Demokratie mit dem Recht, direkt auf die Budgetverwendung Einfluss zu nehmen (sog. [http://www.goethe.de/br/poa/buerg/de/framebag.htm »Beteiligungshaushalt« oder »Bürgerhaushalt«]) . Nebst diesen generellen Ausführungen muss gerade aus gesellschaftlicher Perspektive die "Bedrohung" der nationalstaatlichen Demokratie durch die Globalisierung der Wirtschaft und der Gesellschaft genannt werden. Da zumeist die Exektutive (Regierung und Verwaltung) stark in den aussenpolitischen Beziehungen kompetent sind, werden die Entscheidungen vermehrt durch diese Organe und weniger durch das Volk und das Parlament gefällt. Beispielsweise haben im Europäischen Ministerrat - eben - nur die Minister Einsitz. Betroffen von dieser Entwicklung sind v.a. Staaten, mit einer stark ausgebauten direkten Demokratie, so z.B. die Schweiz. Um dieser Problematik entgegen zu treten werden neue Konzepte der Mitwirkung gefordert. Ein gangbarer Weg besteht z.B. darin neue Beschlussformen für die Parlamente zu kreieren, mit denen sie der Regierung in präziser Weise Aufträge erteilen können. Die Mitsprache des Volkes kann beispielsweise durch Staatsvertragsreferenden oder durch - flexiblere, modifizierte - Volksinitiativen gesichert werden.

Deutschlands Weg zur Demokratie

siehe dazu:
- Georg Büchner, der Vormärz und die Revolution von 1848/49
- Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche und die folgende Biedermeier-Zeit
- Ferdinand Lassalle, Begründer der Sozialdemokratie
- Deutsches Reich unter Otto von Bismarck
- Novemberrevolution, Weimarer Republik und Weimarer Verfassung
- Zeit des Dritten Reiches
- Grundgesetz der BRD
- Verfassung der DDR
- Wiedervereinigung

Bewertung

Demokratische Strukturen haben sich in vielen Staaten durchgesetzt, ebenso in einigen Kirchen, z. B. Presbyterianische Kirchen, Evangelisch-methodistische Kirche, Schweizer Landeskirchen (in der Schweiz werden sogar katholische Pfarrer von der Gemeinde gewählt), jedoch kaum in der Wirtschaft (Ausnahme Genossenschaften). In der Politikwissenschaft sprechen einige Denker vom demokratischen Frieden unter Verweis darauf, dass Demokratien in der Geschichte bisher kaum Kriege gegeneinander geführt hätten, und werten dies als besonders positive Eigenschaft des demokratischen Systems. Allerdings kann zumindest die athenische Ur-Demokratie nicht als Beispiel für diese These herangezogen werden. Immanuel Kant schätzte Demokratien deshalb als vergleichsweise friedlich ein, da ihre Wähler sich ungern selber in einen Krieg schicken würden (Vgl. die Schrift namens Zum ewigen Frieden von 1795). Dies ist jedoch in der Friedens- und Konfliktforschung umstritten; als sicher gilt, dass Demokratien in dyadischen Beziehungen friedlich sind, dass im monadischen System Demokratie allein jedoch noch keine hinreichende Bedingung für friedlicheres Verhalten ist. Der indische Nobelpreisträger Amartya Sen betont die wohlfahrtssichernde Kontrollfunktion der Demokratie. Ohne Demokratie gebe es für die Herrschenden keine Anreize, die Interessen der Mehrheitsbevölkerung zu vertreten. Demokratie sei somit ein Schutz vor Armut und Hunger. Das demokratische Prinzip hat jedoch auch Grenzen. Mehrheitsentscheidungen können beispielsweise zu einer Benachteiligung von Minderheiten führen (siehe auch Tocquevilles Warnung vor der »Tyranei der Mehrheit«). Zudem kritisiert die partizipatorische Demokratietheorie, dass zu wenig Mitentscheidungs- und Selbstverwirklichungsmöglichkeiten in der modernen Demokratie gegeben sind. Deshalb sind in einer Demokratie oft unverletzliche Grundrechte wie die allgemeinen Menschenrechte und Grundsätze der Nichtdiskrimierung durch die Verfassung garantiert, die auch durch Mehrheitsbeschluss nicht aufgehoben werden können. So steht das Grundprinzip des Minderheitenschutzes, das Teil des wichtigen Freiheitskonzeptes des Pluralismus ist, als Ausgleich gegen das Mehrheitsprinzip. Zum Schutz von Minderheiten kennt die Schweiz das so genannte Ständemehr: Neben der Mehrheit der Stimmen muss auch die Mehrheit der Kantone (Stände) eine Verfassungsänderung befürworten (bei Gesetzesänderungen gilt das einfache Volksmehr). Da noch nie eine »echte« Demokratie eine andere angegriffen hat, sieht der Amerikaner Francis Fukuyama in der weltweiten Demokratisierung, in Verbindung mit der Etablierung der Freien Marktwirtschaft, das Ende aller Kriege und somit das Ende der Geschichte, was freilich höchst umstritten ist. Insgesamt gelten demokratische Strukturen als eher langsam und ungeeignet für schnelle Anpassung an wechselnde Umstände, zumal die Wahlentscheidungen nicht immer nach objektiven Kriterien getroffen werden (siehe auch Demagogie, Polemik). Andererseits können demokratische Strukturen für Stabilität und teilweise vorhersagbare Verhältnisse sorgen, sofern die Gesellschaft stabil ist. Außerdem verfügen Demokratien über eine breitere Legitimationsbasis und können den Präferenzen der Wähler Rechnung tragen. Zudem ist nur in einer Demokratie die Möglichkeit gegeben, die politische Spitze ohne Blutvergießen auszutauschen, ebenso gewährleistet sie ein hohes Maß an sozialer Integration.

Zitate


- »Die Verfassung, die wir haben (...) heißt Demokratie, weil der Staat nicht auf wenige Bürger, sondern auf die Mehrheit ausgerichtet ist.« (Thukydides, Geschichte des Peloponnesischen Krieges, II 37; ursprünglich Bestandteil der Präambel des EU-Verfassungsentwurfs)
- »Maßstab der Aristokratie ist die Tugend, der Oligarchie der Reichtum, der Demokratie die Freiheit« (Aristoteles, Politik, 1294a10 ff.)
- »The government of the people, by the people, for the people.« (Die Regierung des Volkes, durch das Volk, für das Volk.) Abraham Lincoln über das Wesen der Demokratie, Gettysburg Address, 1863
- »Liberalität, die unterschiedslos den Menschen ihr Recht widerfahren lässt, läuft auf Vernichtung hinaus wie der Wille der Majorität, die der Minorität Böses zufügt und so der Demokratie Hohn spricht, nach deren Prinzip sie handelt.«
(Theodor W. Adorno: Minima Moralia, Teil 1, 1944)
- »Democracy is the worst form of government – except for all those other forms, that have been tried from time to time.« (Demokratie ist die schlechteste Regierungsform – außer all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind.)
(Winston Churchill in einer Rede im Unterhaus am 11. November 1947)
- »Unter all den Namen dessen, was man ein wenig schnell in der Kategorie der 'politischen Regierungsform' klassifiziert (ich glaube nicht, dass 'Demokratie' letztlich eine politische Regierungsform bezeichnet), ist der ererbte Begriff der Demokratie der einzige, der die Möglichkeit aufnimmt, sich in Frage zu stellen, sich selbst zu kritisieren und sich in unbestimmter Weise selbst zu verbessern. Wenn es sich dabei noch um den Namen einer Regierungsform handelte, dann um den des einzigen 'Regimes', das sich seiner eigenen Perfektionierbarkeit stellt, also seiner eigenen Geschichtlichkeit – und so verantwortlich wie möglich, würde ich sagen, sich der Aporie der Unentscheidbarkeit annimmt, auf deren Grund ohne Grund er sich entscheidet.«Jacques Derrida (2001; in: Philosophie in Zeiten des Terrors, ISBN 3865723586, S. 161)

Siehe auch


- Liste der Staatsformen
- Demokratietheorie

Literatur

Einführung und Geschichte

- Konrad H. Kinzl (Hrsg.): Demokratia. Der Weg zur Demokratie bei den Griechen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1995, ISBN 3-534-09216-3.
- Conze, Werner/Koselleck, Reinhart/Maier, Hans/Meier, Christian/Reimann, Hans Leo: Demokratie. in: Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland, hrsg. von Otto Brunner/Werner Conze/Reinhart Koselleck, Bd. 1, Stuttgart 1972, S. 821-899. Grundlegende Erläuterung des Demokratiebegriffs von der Antike bis in die Moderne, einschließlich Literaturangaben.
- Hans Vorländer: Demokratie. Beck Wissen, München 2003. Knappe Einführung in die Thematik.
Demokratietheorien im Vergleich

- Manfred G. Schmidt: Demokratietheorien. Eine Einführung. 3. Aufl., Opladen 2000. Grundlegende Einführung mit umfangreichen Literaturangaben; der Bogen spannt sich von Aristoteles bis hin zu den modernen Demokratietheorien. ISBN 3-8252-1887-2
- Oliver Flügel/Reinhard Heil/Andreas Hetzel: Die Rückkehr des Politischen. Demokratietheorien heute, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2004, ISBN 3-534-17435-6, [http://www.demokratietheorie.de/rueckkehr.html Leseprobe]
Aktuell diskutierte Arbeiten

- Robert D. Putnam, Robert Leonardi, Raffaella Nanetti: Making Democracy Work. Civic Traditions in Modern Italy. Princeton: Princeton University Press, 1994. ISBN 0-69103738-8
- Johannes Heinrichs: Revolution der Demokratie. Eine Realutopie für die schweigende Mehrheit. Berlin: Maas, 2003. ISBN 3-929010-92-5

Weblinks


- [http://www.bpb.de/publikationen/WRYH61,,0,Demokratie.html Informationen zur politischen Bildung, Heft 284 (Demokratie)]
- [http://www.politikwissen.de/lexikon/demokratie.html Demokratie, aus: Heidelberger Online Lexikon der Politik]
- [http://www.dhs.ch/externe/protect/textes/d/D9926.html Historisches Lexikon der Schweiz – Demokratie]
- [http://www.dadalos.org/deutsch/Demokratie/Demokratie/inhalt/inhalt.htm Demokratie auf dem UNESCO Bildungsserver] ! Kategorie: Staatsphilosophie Kategorie: Demonstration Kategorie: Politik ja:民主主義 ko:민주주의 simple:Democracy th:ประชาธิปไตย

Dienstleistung

Dienstleistung bezeichnet in der volkswirtschaftlichen Abgrenzung eine Leistung, die nicht der Produktion eines materiellen Gutes dient. Damit wird sie dem tertiären Sektor zugeordnet. Die Urproduktion (primärer Sektor) und die Produktion von Industriegütern (sekundärer Sektor) sind davon abzugrenzen. Dienstleistungen werden von einer natürlichen Person oder einer juristischen Person zu einem Zeitpunkt oder in einem Zeitrahmen erbracht (i. d. R. gegen Entgelt). Aus betriebswirtschaftlicher Sicht wird eine Dienstleistung von der Sachleistung unterschieden. Die Dienstleistung ist nicht lagerbar, selten übertragbar (Immaterialität der Dienstleistung) und benötigt einen externen Faktor (Integration des externen Faktors). Die Erzeugung und der Verbrauch der Dienstleistung fallen meist zeitlich zusammen (uno-actu Prinzip). Dienstleistungen sind nicht materiell, können aber materielle Bestandteile enthalten, beispielsweise ein Trägermedium, auf dem das Ergebnis der Dienstleistung übergeben wird. Die Güte der Dienstleistung bezeichnet man als Service-Qualität. Durch den Immaterialitätsgrad kann es dabei zu Problemen bei der Messung der Dienstleistungsqualität kommen. Dienstleistungen werden in standardisierte und individuelle Dienstleistungen unterschieden. Merkmal von standardisierten Dienstleistungen ist, dass die Leistung für einen fiktiven Durchschnittskunden erstellt wird. Die individuelle Dienstleistung wird hingegen für ein konkretes Individuum erstellt. Der Grad der Beteiligung (Integrationsgrad) des Kunden ist bei individuellen Dienstleistungen höher. Die Abgrenzung zwischen Dienstleistung und Produktion ist hierbei fließend. Die Produktion eines vom Kunden eigens bestellten Gegenstandes (z.B. ein Schrank) ist auch eine Dienstleistung. Der Kunde hat hier die Möglichkeit, die Arbeit zu reklamieren oder in Frage zu stellen. Die Produktion eines Schranks, der im Handel gekauft werden kann, ist hingegen keine Dienstleistung, da die Produktion nicht auf Wunsch verändert oder reklamiert werden kann. Demnach ist die betriebswirtschaftliche Definition von Dienstleistung nunmehr: Jede Art von Arbeit, die im Sinne oder nach dem Wunsch eines Kunden ausgeführt wird. Anders beschrieben - das "Bemühen", das Bedürfnis des Kunden zu befriedigen. Beispiele für Dienstleistungsbereiche:
- Handel
- Verkehr, Transport (Verkehrsdienstleistung)
- Kreditinstitute
- Versicherungsgewerbe
- Gastronomie, Hotellerie
- Wäscherei, Körperpflege, Fotoateliers
- Wasser-, Energieversorgung, Telekommunikation
- Arbeitnehmer- Arbeitgeberverhältnis Kategorie:Dienstleistungssektor Kategorie:Betriebswirtschaftslehre Kategorie:Wirtschaft

USA

Die Vereinigten Staaten von Amerika (engl.: United States of America, kurz: USA) sind eine Bundesrepublik in Nordamerika. Sie grenzen im Norden an Kanada und (über die 100 km breite Beringstraße mit dem Bundesstaat Alaska) an Russland, im Süden an Mexiko, im Osten an den Atlantik und im Westen an den Pazifik. Die Vereinigten Staaten entstanden 1776 mit der Unabhängigkeitserklärung der britischen Kolonien in Amerika und gewannen durch starke Industrialisierung und massive Immigration aus Europa im 19. Jahrhundert rasch an Einfluss. Am Ende des 20. Jahrhunderts waren sie nach der Überwindung des totalitären Faschismus (im 2. Weltkrieg) und Kommunismus (im Kalten Krieg), zu der sie wesentlich beitrugen, die einzige verbliebene Supermacht. Seit etwa der Mitte des 20. Jahrhunderts sind die USA weltweit die weltpolitisch, wissenschaftlich, wirtschaftlich, (populär)kulturell und militärisch führende Macht. In all diesen Gebieten prägen sie die Gegenwart in einem Maße wie kein anderes Land der Welt.

Geographie

Hauptartikel: Geographie der USA Das Kernland der USA besteht aus 48 Bundesstaaten und dem District of Columbia (D.C.), die innerhalb einer gemeinsamen Grenze liegen. Inklusive der beiden Bundesstaaten Alaska und Hawaii, die außerhalb dieses Kernlandes liegen, zählen die USA 50 Bundesstaaten. Das Landschaftsbild ist sehr vielfältig: es gibt Waldgebiete und Mittelgebirge an der Ostküste, Mangrovenwälder im subtropischen Florida, die