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Infektion

Infektion

Unter einer Infektion versteht man das aktive oder passive Eindringen, Anhaften und Vermehren von Krankheitserregern (Mikroorganismen) in einen Wirt (Makro-Organismus). Tritt durch die Vermehrung eine Schädigung des Wirtes mit entsprechenden Symptomen ein, entsteht aus der Infektion eine Infektionskrankheit. Der Wirt kann sich aber unter Umständen durchaus auch gegen die eingedrungenen Krankheitserreger wehren, ohne krank zu werden. Dann spricht man von einer inapparenten Infektion oder auch stillen Feiung. Solche inapparenten Infektionen können dennoch durchaus eine Immunität gegen weitere Infektionen mit dem gleichen Erreger hinterlassen.

Häufigkeit und geografische Verbreitung

Am häufigsten sind Virusinfektionen und bakterielle Infektionen, aber auch Pilzinfektionen, Infektionen durch Protozoen (Einzeller) oder Wurminfektionen kommen vor. Neuerdings hat man auch Prionen als Erreger entdeckt. Parasiten wie Flöhe, Läuse, Milben, Wanzen oder Zecken befallen den Körper an seiner Oberfläche (Parasitäre Infektion).

WHO Schätzung der Häufigkeit von tödlichen Infektionen

Pro Jahr
- Atemwegsinfektionen: 3,9 Millionen
- AIDS: 2,9 Millionen
- Durchfallerkrankungen: 2,1 Millionen
- Tuberkulose: 1,6 Millionen
- Malaria: 1 Million
- Masern: 0,8 Millionen
- Tetanus: 0,3 Millionen
- Keuchhusten: 0,3 Millionen
- Syphilis: 0,2 Millionen
- Meningitis: 0,16 Millionen
- Hepatitis: 130 000
- Schlafkrankheit: 50000 Das sind grobe Schätzungen, die auch genau in ihrer Definition hinterfragt werden müssen. An der akuten Hepatitis stirbt man eher selten. Die Folgen einer chronischen Hepatitis (Leberzirrhose, Leberkrebs) sind in Asien aber eine recht häufige Todesursache.

Kolonisation und Symbiose

Eine Infektion ist abzugrenzen gegen eine Kolonisation durch Bakterien und Pilze, die auf Haut und Schleimhäuten leben, ohne einzudringen. Diese Standortflora hält häufig krankmachende Keime fern. Bei geschädigter Haut oder Schleimhaut oder bei Immunschwäche können auch diese Keime eine Infektion verursachen (endogene Infektion), bleiben dabei aber relativ harmlos. Menschen benötigen Mikroorganismen zum Abbau der Nahrung im Darm, so wie manche von diesen den Menschen brauchen, um sich zu ernähren und zu vermehren (Symbiose). Meist bleibt diese Symbiose im Gleichgewicht und schadet dem menschlichen Organismus nicht. Es gibt aber Keime, die aus diesem Gleichgewicht ausbrechen und dann gefährlich werden.

Pathophysiologie

Infektionen entstehen, wenn Krankheitserreger wie Bakterien, Viren, Pilze, Einzeller (Protozoen), Parasiten oder Prionen in den Körper eindringen, anhaften, sich in ihm Vermehren und eine Reaktion der körpereigenen Abwehr (Immunsystem) auslösen. Ob es zu einer Vermehrung der Keime kommt und wie heftig die Infektion verläuft, hängt vom Verhältnis zwischen dem Keim ("Gast") und dem Immunsystem des Menschen (Wirt) ab. An den Wirt angepasste Krankheitserreger schaden ihm meist nicht sehr, denn sie benötigen ihn für ihre eigene Wandlung oder Vermehrung. Ein schwerer Infektionsverlauf mit hoher Sterblichkeit (Letalität) ist zumeist ein Anzeichen dafür, dass der verursachende Erregern noch nicht an den betreffenden Organismus als seinen Reservoirwirt angepasst ist. Bei den meisten Erregern ist für eine Infektion eine bestimmte Anzahl notwendig (Minimale Infektionsdosis), die in den Körper gelangen muss.

Einteilung


- ; Primärinfektion: Meint eine erstmalige Erregerübertragung, also den ersten Kontakt eines Organismus mit einem Krankheitserreger.
- ; Sekundärinfektion: Bezeichnet eine Erregerübertragung, die nach der Erstinfektion zusätzlich und mit anderen Erregern erfolgt. Es kommt zu einer Art Superinfektion mit mehreren Erregern, die das Immunsystem vor Probleme stellen können und auch die Therapie und Medikation erschweren. Der Verlauf einer solchen Erkrankung ist zumeist heftiger und zeigt vielfältige Symptome.
- ; Doppelinfektion: Bezeichnet eine gleichzeitige Erregerübertragung mit zwei verschiedenen Erregern. Grundsätzlich können Infektionen nach verschieden Gesichtspunkten eingeteilt werden:

Unterscheidung nach Krankheitserregern:

Nach ätiologischen Gesichtspunkten werden unterschieden:
- Virusinfektion
- Viruidinfektion
- Bakterielle Infektion
- Prioneninfektion
- Protozoeninfektion
- Wurminfektion
- Parasitäre Infektion
- Pilzinfektion

Unterscheidung nach Herkunft der Erreger:


- ; endogene Infektion: ist eine Erregerübertragung bei geschwächtem Immunsystem durch die körpereigene, normalerweise völlig harmlose Flora in Form eines Erregereinbruchs z. B. auf der Haut oder aus Magen, Darm und Lunge in den eigenen Körper (wie eine Wundinfektion durch eigene Kolibakterien).
- ; exogene Infektion: ist eine Erregerübertragung durch Infektionserreger aus der Umgebung.
- ; nosokomiale Infektion, auchiatrogene Infektion: ist eine Erregerübertragung, die in der ärztlichen Praxis oder im Krankenhaus erworben wird. Durch unbeabsichtigtes Einbringen von Erregern bei der Durchführung medizinischer Eingriffe wie durch Katheter oder Intubation, oder durch eine therapeutisch bedingte Beeinträchtigung der Abwehr des Patienten, wird dieser infiziert. Derartige Infektionen zeichnen sich dadurch aus, dass die typischen bakteriellen Erreger aus dem Bereich Arztpraxis oder Krankenhaus - wie z. B. Pseudomonaden - eine hohe Resistenz gegenüber nahezu allen gebräuchlichen Antibiotika zeigen. Der Mediziner unterscheidet bei den nosokomialen Infektionen solche, die im Krankenhaus erworben wurden (Symptome frühestens 48 h nach Aufnahme) von anderen, ambulanten Infektionen.
- ; Polymer-assoziierte Infektion: ist eine Erregerbesiedlung von Kunststoffoberflächen bei Kathetern, künstlichen Herzklappen oder künstlichen Gelenken.

Einteilung nach dem Infektionsweg


- Tröpfcheninfektion
- Kontakt- oder Schmierinfektion
- Infektion über Austausch von Körperflüssigkeiten
- Infektion über Blut saugende Insekten

Unterscheidung nach Übertragbarkeit der Erreger:


- ; direkte Infektion: eine Erregerübertragung von Mensch zu Mensch ohne Zwischenschritte auf exogene Art und Weise (siehe oben Infektionswege der exogenen Infektion)
- ; indirekte Infektion: die Erregerübertragung von einem Wirt mittels Überträger (Vektor) als Zwischenschritt, wie beispielsweise durch blutsaugende Insekten auf den nächsten Wirt

Unterscheidung nach Eintrittspforte der Erreger:


- ;enterale Infektion: eine Erregerübertragung, bei der die Krankheitserreger über den Darm als Eintrittspforte in den Organismus eingedrungen sind. Der gesamten Verdauungstrakt (Mund, Rachen, Speiseröhre, Magen und der gesamte Darm) wird als das Innere eines Tunnels betrachtet, das selbst nicht zum Körperinneren gezählt wird. Der exakte Ort, an dem die Infektionserreger in das eigentliche Körperinnere eindringen, gilt als Eintrittspforte.
- ;parenterale Infektion: eine Erregerübertragung, bei der die Krankheitserreger nicht über den Darm in den Organismus eingefallen sind.
Hier werden folgende Infektionsarten unterschieden: :
- perkutane Infektion: Die Erreger gelangen über die Haut in den Organismus. :
- permuköse Infektion: Die Erreger gelangen über die Schleimhäute in den Organismus. :
- Inhalationsinfektion: Die Erreger gelangen über die Atemwege in den Organismus. :
- urogenitale Infektion: Die Erreger gelangen über den Harntrakt in den Organismus. :
- genitale Infektion: Die Erreger gelangen über die Geschlechtsorgane in den Organismus. :
- intrauterine Infektion: Die Erreger gelangen von der Gebärmutter in den Körper des werdenden Kindes.

Unterscheidung nach Ausdehnung der Infektion:

;
- Lokalinfektion: eine Erregerübertragung, bei der die Erreger dort verbleiben, wo sie den Körper zuerst infiziert haben (Eintrittspforte). Sie verursachen nur an dieser Stelle Symptome, ohne sich im Organismus weiter zu verteilen. ;
- zyklische Allgemeininfektion: eine Erregerübertragung, bei der die Erreger sich zuerst an einer Eintrittspforte vermehren und dann über das Blut zu ihren eigentlichen Manifestationsorganen (Befallsorganen) gelangen. Das sind oft die Leber, Milz, lymphatische Organe, die Haut oder das Nervensystem. An der Eintrittspforte sind die Erreger dann nicht mehr nachweisbar. ;
- fokale Infektion (Herdinfektion): eine nach einer lokalen Erregerübertragung durch Bakterien, besonders durch Streptokokken, auftretende nachfolgende (sekundäre) Erkrankung. Die Erreger gelangen von einem Ausgangsherd, der durch eine lokale Infektion im Körper entstanden ist, mit Verzögerung durch septische Metastasierung oder schubweise Ausschüttung aus diesem Ausgangsherd über den Blutkreislauf in entferntere Körperregionen oder Organe und verursachen dort entzündliche oder auch allergische Krankheitsabläufe.

Unterscheidung nach Symptomauffälligkeit bzw. Immunität und Abwehrkraft des befallenen Organismus:


- ; stumme Infektion oder inapparente Infektion: Eine Erregerübertragung bei der es nicht zum Ausbruch der Krankheit kommt (klinisch nicht manifest, symptomlos). Eine solche Infektion findet vor allem dann statt, wenn es einem gesunden und abwehrstarken Immunsystem gerade bei an den Meschen angepassten Erregern mit dem Menschen als Reservoirwirt gelingt, nach einer Infektion das Auftreten von Krankheitsanzeichen zu verhindern, so dass lediglich eine stille Feigung (Immunisierung ohne Impfung oder Erkrankung) stattfindet.
Die stummen (inapparenten) Infektionen werden wie folgt unterteilt: :
- ;subklinische Infektion: Bei dieser Erregerübertragung überwiegen die Abwehrmechanismen und verhindern ein Ausbrechen der Krankheit. Durch Ausbildung einer sterilen Immunität oder einer kurzfristigen Resistenzsteigerung oder Immunitätsbildung wird der jeweilige Erreger eliminiert. Daher ist diese Infektionsart zeitlich begrenzt. :
- ;persistierende Infektion: Damit bezeichnet man eine Erregerübertragung, bei der der in einen Organismus eingedrungene Erreger zeitlich unbegrenzt mit dem Wirt zusammenlebt, sich in seinem Organismus nur wenige und nicht produktive Erreger neu bilden und sich auch keine Krankheitszeichen entwickeln.
Diese Infektionsart kann für den Wirtsorganismus die Ausbildung einer Immunität oder Interferenz (hier Aufhebung der Infektion), eine Steigerung der erregerunspezifischen Immunabwehr, die Bildung von Interferon oder eine Stimulierung der Lymphozyten bewirken.
Durch negative Beeinflussung dieser Mechanismen z. B. in Form von Stress oder Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems wie z. B. mit Medikamenten nach Organtransplantation) kann die persistierende Infektion jedoch zur Infektionskrankheit mit klinisch auffälligen Symptomen werden.
Die persistierenden Infektionen werden unterteilt in: ::
- ;latente Infektion: Bei dieser Erregerübertragungsart besteht ggf. zeitlich unbegrenzt solange ein Gleichgewicht zwischen Wirt und Erreger, bis einer von Beiden überwiegt und es entweder zum Ausbrechen der Infektionskrankheit oder aber zur Eliminierung (Abtötung) des Erregers kommt. ::
- ;tolerierte Infektion: Bei dieser Erregerübertragungsart kann sich der meist intrauterin (in der Gebärmutter) erworbene Erreger vermehren und auch anschließend während des ganzen Lebens ausgeschieden werden. Der Wirt erkrankt jedoch nicht, es sei denn, seine Immuntoleranz geht verloren. ::
- ;okkulte bzw. maskierte Infektion: Darunter versteht man eine versteckte Erregerübertragung, bei der eine Erregerinvasion stattgefunden hat, jedoch die in einen Organismus eingedrungenen Erreger weder direkt noch indirekt nachweisbar sind. Das Vorliegen einer solchen Infektion kann beim Menschen durch Symptome ungeklärter Ursache wie Schmerzen und Fieber vermutet werden. Ein weiteres Kennzeichen einer solchen Infektion ist ein zeitweiliger oder dauerhafter Verlust der Übertragbarkeit des Erregers (hier: Virus) trotz der fortdauernden Anwesenheit (Persistenz) seines Genoms in der Wirtszelle und seiner möglichen Übertragung auf Tochterzellen bei einer Zellteilung.
So wird z. B. eine Hepatitis B Virus (HBV)-Infektion beim Menschen mit nicht nachweisbarem Hepatitis B-Antigen (HbsAg) als eine okkulte Infektion bezeichnet [http://hepatitis-c.de/abstract/240.htm].
- ; abortive Infektion: Eine Erregerübertragung mit nur leichten Krankheitserscheinungen
- ; manifeste Infektion oder apparente Infektion: Eine Erregerübertragung mit deutlichem Ausbruch der Infektionskrankheit (klinisch manifest)
- ; opportunistische Infektion: Eine Erregerübertragung bei schon erkrankten Menschen mit Immunschwäche, die bei gesunden Menschen mit normalem Immunsystem nicht zu einer Erkrankung führen würde. Die Erreger machen sich hierbei die erworbene Abwehrschwäche des Körpers zunutze.

Infektionsattribute nach zeitlichem Ablauf der Krankheitserscheinungen:

# foudroyant, perakut, schnell und gefährlich, da nachfolgend schwerer, oft tödlicher Krankheitsverlauf. # akut, plötzlich beginnend, heftige Auswirkungen # subakut, weniger heftig # chronisch, allmählich beginnend, sich länger erstreckend # rezidivierend, sich wiederholend mit dem selben Erreger # latent, über einen langen Zeitraum mit dazwischenliegenden, klinisch stummen Phasen.

Unterscheidung nach anderen systematischen Gesichtspunkten:


- ; Horizontale Infektion: ist eine Erregerübertragung von Wirt zu Wirt der gleichen Generation.
- ; Vertikale Infektion: ist eine Erregerübertragung von einem Wirt zu seinen Nachkommen: :
- ; Pränatale oder transplazentare Infektion: bezeichnet die Erregerübertragung vor der Geburt (intrauterin) über den Mutterkuchen (Plazenta). :
- ; Perinatale Infektion: bezeichnet die Erregerübertragung während der Geburt. :
- ; Postnatale Inkektion: bezeichnet die Erregerübertragung nach der Geburt, z. B. durch die Muttermilch.

Sonderbezeichnungen:


- ; präpatente Infektion: Bezeichnet die Phase einer Parasiteninfektion von der Aufnahme bzw. dem Eindringen infektionsfähiger Parasitenstadien in einen Organismus bis zu deren abgeschlossener Entwicklung zu ausgewachsenen, eierlegenden Parasiten und zum Auftreten ihrer Fortpflanzungsprodukte in den jeweiligen Körperausscheidungen des Wirtes.
- ; patente Infektion: Bezeichnet die Phase einer Parasiteninfektion eines Organismus ab dem Zeitpunkt der abgeschlossenen Entwicklung der Eindringlinge zu ausgewachsenen, eierlegenden Parasiten und dem ersten Auftreten ihrer Fortpflanzungsprodukte in den Körperausscheidungen des Wirtes. Diese Begriffe werden in erster Linie in der Veterinärmedizin für eine Infektion mit Darmparasiten wie Würmer (Helminthen) bei Kleintieren und in der Humanmedizin bei Zoonosen verwendet.

Symptome

Typische Symptome einer Infektionskrankheit sind Entzündungen, also Rötungen, Schwellungen, evtl. mit Juckreiz oder Schmerz und lokaler oder allgemeiner Erwärmung (Fieber). Dazu kommen organzpezifische Abwehrerscheinungen oder Funktionsstörungen. Sehr häufig sind Atemwegsinfektionen mit Husten bei Rachenentzündung, Heiserkeit bei Kehlkopfentzündung, Schnupfen, Schluckbeschwerden bei Mandelentzündung, bei Lungenentzündung evtl. Auswurf. Auch Karies ist eine Infektionskrankheit. Wohl am zweithäufigsten sind Darminfektionen mit Durchfall, evtl. Krämpfen und Schmerzen, sie können sich auf die Leber ausweiten und eine Gelbsucht verursachen. Andere Beispiele wären Infektionen an der Haut oder an den Harnwegen. Banale Infekte sind typische Kinderkrankheiten. Die Symptomatik einer Infektionskrankheit hängt also zum einen mit der Schadwirkung des Erregers zusammen, zum anderen aber auch mit der Reaktion des Immunsystems. Entsprechend sind Infektionen bei Menschen mit schwachem Immunsystem oft gefährlich unauffällig und schwer zu diagnostizieren, weil Fieber, Krankheitsgefühl und Entzündungsparameter im Blut und Infiltrate in der Lunge fehlen. Typische Notfälle sind eine Hirnhautentzündung, eine schwere Sepsis (z.B. Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom), eine Nierenbeckenentzündung bei Säuglingen. Schleichend, aber auch sehr gefährlich ist eine Herzklappenentzündung oder eine Herzmuskelentzündung. Vor allem bei geschwächtem Immunsystem (Immunsuppression, Aids, Alter) kann auch eine Lungenentzündung oder jede andere Infektion gefährlich sein.

Diagnostik

Eine wichtige Voraussetzung zur Bekämpfung einer Infektionskrankheit ist eine genaue Diagnose, d. h. das Erkennen des Erregers und seiner Eigenschaften. In Fällen mit bedrohlichem Krankheitsverlauf kann eine genaue Diagnose bei einer schweren Infektionserkrankung allerdings nicht abgewartet werden, sondern es wird mit Antibiotika oder Antimykotika eine Therapie begonnen, die alle wahrscheinlichen Erreger, wie z.B. zunächst Bakterien und Pilze, treffen soll (kalkulierte Therapie). Deuten jedoch alle Anzeichen auf Viren als Erreger, ist ggf. der sofortige Einsatz von Virustatika erforderlich. Viele Bakterien und auch Pilze lassen sich auf Blutagar oder ähnlichen Nährmedien anzüchten. Außerdem kann man sie nach Färbung (z.B. Gramfärbung) unter dem Lichtmikroskop betrachten. Bei Viren oder intrazellulären Bakterien wäre dazu eine Zellkultur bzw. ein Elektronenmikroskop nötig. Für den klinischen Einsatz praktikabler sind oft modernere Methoden, die in Labors durchgeführt werden. Bei molekularbiologischen Methoden weist man Erbinformation des Erregers z.B. mittels der PCR nach. Bei immunologischen Methoden weist man Antikörper nach, die das Immunsystem gegen spezifische Oberflächenstrukturen, sog. Antigene bildet, oder man benutzt umgekehrt Antikörper, um Antigene des Erregers nachzuweisen. Es gibt auch andere charakteristische Bestandteile bestimmter Erreger, die man nachweisen kann (z.B. Hämagglutinin). Tierversuche sind heute nur noch in Ausnahmefällen erforderlich, z.B. bei Tetanus. Tuberkulose wird auch durch Hauttests diagnostiziert (TINE-Test, Mantoux-Test).

Prävention und Therapie

Hygiene und Impfungen haben maßgeblich zur Verringerung von Infektionskrankheiten beigetragen. Im medizinischen Bereich sind routinemäßige Desinfektionen der Hände und Verwendung von sterilem Material nötig. Auf der anderen Seite beachtet man heute die Widerstandsfahigkeit des Organismus und seines Immunsystems stärker. Sie lässt sich durch gesunde Ernährung, Abhärtung und körperliche und seelische Ausgeglichenheit steigern. Nötigenfalls werden Infektionen mit Antibiotika, Virostatika, Antimykotika oder Antihelminthika bekämpft. Auch Hausmittel und Pflanzenheilkunde haben ihre Berechtigung. Viele Heilpflanzen wirken antibakteriell, teilweise auch antiviral und antimykotisch (z. B. Rettich und Kapuzinerkresse). Bei Virusinfektionen ist Vitamin C hilfreich, ferner Zink.

Weblinks


- [http://www.medizin.de/gesundheit/deutsch/1074.htm Hygienemanagement - Norovirus als Erreger von Gastroenteritiden]
- [http://216.239.33.100/search?q=cache:gmkfZ-2gqfAC:www.meb.uni-bonn.de/hygiene/Englisch/0010infektionskrankheiten-Internet.doc+Todesf%C3%A4lle+zehn+h%C3%A4ufigsten+Infektionskrankheiten+der+Welt+Weltgesundheitsbericht+1996&hl=de&ie=UTF-8 Medizinische Risikobewertung von Infektionskrankheiten]
- [http://www.rki.de/INFEKT/INFEKT.HTM Gute Zusammenfassungen über verschiedene Infektionskrankheiten durch das RKI]
- Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin
  - http://www.mpiib-berlin.mpg.de/
- GBF - Helmholtzzentrum für Infektionsforschung in Braunschweig
  - http://www.gbf.de Kategorie:Infektionskrankheit ja:感染 simple:Infection

Krankheitserreger

Krankheitserreger sind Organismen, die in anderen Organismen gesundheitsschädigende Abläufe zu ihrem eigenen Vorteil ausführen. Man ordnet ihnen in der Medizin die Eigenschaft der Pathogenität zu. Eine aktuelle Liste für den Menschen gefährlicher Krankheitserreger:

Bakterien

Borreliose -- Brasilianisches Purpurfieber -- Cholera -- Gastritis/Magengeschwür(Helicobacter pylori) -- Hämolytisch-urämisches Symptom -- Legionärskrankheit -- Streptococcus der Gruppe A -- Toxisches Schock-Syndrom (Staphylococcus aureus) Pest -- Keuchhusten -- Milzbrand -- Tuberkulose -- Cholera -- Lungenentzündung -- Tripper -- Siehe auch: Antibiotika

Viren

AIDS, HI-Virus -- Dengue-Fieber -- Hanta-Virus -- Ebola-Virus, Marburg-Virus -- Hepatitis B, C -- Influenza-Viren -- Lassafieber -- Rift-Tal-Fieber -- Gelbfieber -- West-Nil-Virus Siehe auch: Virustatika

Prionen

BSE ("Rinderwahnsinn") -- Creutzfeldt-Jakob-Krankheit -- Kuru

Pilze


- Pityriasis versicolor = Tinea = häufigste Form des Hautpilzes
  - http://www.gesundheit.de/roche/ro30000/r30490.html
- Candida albicans = meist harmlos Mitbewohner
  - bei Abwehrschwäche Soorbefall von Mund und Speiseröhre oder Sepsis
  - http://www.gesundheit.de/roche/ro05000/r5159.html
- Aspergillus
  - seltene, schwere Pilzinfektion z.B. der Lunge
  - http://www.gesundheit.de/roche/ro00000/r2405.html
- Cryptococcus neoformans
- Mukormykose durch Rhizopus
- Coccidioides immitis
- Histoplasma capsulatum Antimykotika, beim Menschen
- Diflucan
- Amphotericin B
- Ancotil

Parasiten


- Endoparasiten: Bandwürmer, Leberegel, Ruhr , Malaria, Schistosomiasis
- Ektoparasiten: (Blutegel, Flöhe, Kopfläuse, Krätzmilbe, Schamläuse, Zecken)

Plasmodien

Apicomplexa verursachen beispielsweise Malaria

Literatur


- Rüdiger Meyer: "Emerging Infections". Gefahren durch neue und alte Krankheitserreger. Deutsches Ärzteblatt (Köln) 97(25), S. A1736 - A1740 (2000), ISSN 0176-3989
- Peter F. Zipfel, Peter Kraiczy, Jens Hellwage: Das tägliche Versteckspiel: Wie Mikroorganismen der Immunabwehr entgehen. Biologie in unserer Zeit 32(6), S. 371 - 379 (2002), ISSN 0045-205X
- M. Exner: Die infektionsepidemiologische Bedeutung von Heliobacter pylori mit besonderer Berücksichtigung von unbehandelten Brunnenwasser als Infektionsreservoir. Hygiene und Medizin 29(11), S. 418 - 422 (2004), ISSN 0172-3790
- Christian Conrad: Krankenhaushygiene damals und heute - was hat sich geändert? Hygiene und Medizin 29(6), S. 204 ff. (2004), ISSN 0172-3790
- M. Klude, U. Seebacher, M. Jaros: Potenzielle Gefährdung von Mensch und Umwelt durch Desinfektionsmittel in der Krankenhaushygiene: Eine vergleichende Bewertung. Krankenhaus Hygiene und Infektionsverhütung 24(1), S. 9 - 15 (2002), ISSN 0720-3373
- Michael Kresken: Wie wirksam sind Linezolid und Telithromycin? Resistenzsituation bei grampositiven Infektionserregern in Deutschland. Pharmazie in unserer Zeit 33(1), S. 20 - 27 (2004), ISSN 0048-3664

Weblinks


- http://www.m-ww.de/krankheiten/erreger/index.html
  - Detaillierte und verständliche Informationen zu vielen Krankheitserregern

Siehe auch

Todesursache, Hygiene, Infektionskrankheit Kategorie:Infektionskrankheit Kategorie:Mikrobiologie Krankheitserreger

Organismus

Mit Organismus (v. griech.: Organon = Werkzeug) wird
- in der Biologie und Medizin ein individuelles Lebewesen, also ein Tier, eine Pflanze oder ein Mikroorganismus bezeichnet.
- in der Soziologie und Theologie auch ein tierisches oder menschliches Gemeinwesen oder ein Sozialkörper bezeichnet.

Symptom

Das Symptom (griechisch σύμπτωμα, símbtomma - der Hinweis, das Symptom, von syn - zusammen, plus und pípto - fallen) ist eine subjektiv empfundene Beschwerde, die Auswirkung einer Krankheit oder einer Verletzung. Eine Kombination aus mehreren Symptomen oder den Verlauf eines Symptoms nennt man auch (mit der adjektivischen Form) eine Symptomatik (fast synonym ist der Begriff der Klinik). Meist ist ein Symptom der Anlass, wenn ein Patient medizinischen Rat sucht (Leitsymptom). Andere Symptome sind diskret (versteckt, wenig auffällig) und fallen erst bei eingehender Befragung auf. Oft reicht die in der Anamnese erhobene Beschreibung des Leitsymptoms und gegebenenfalls weiterer Symptome aus, um eine Diagnose zu stellen und eine entsprechende Therapie einzuleiten. In weniger klaren Fällen muss die Beschreibung des Symptoms gemeinsam mit Zeichen (intersubjektiv feststellbaren Krankheitsmerkmalen) ausgewertet werden. Mehrere Symptome und Zeichen werden teilweise, vor allem, wenn noch Unklarheit über die genauere Krankheitsentstehung (die Pathogenese) besteht, zu einem Syndrom zusammengefasst. Oft sind hierbei aber grundsätzliche Auslöser (die Ätiologie) bekannt (etwa überzählige oder fehlende Chromosomen bei genetischen Syndromen, ohne dass man jedoch wüsste, wieso genau die jeweiligen beobachteten Symptome und keine anderen auftreten). Beim Symptomenkomplex hingegen werden wiederum mehrere Symptome und Zeichen zusammengefasst, ohne dass man allerdings auch nur einen konkreten Auslöser identifizieren könnte, geschweige denn die genaue Krankheitsentstehung. So ist Atemnot ein wichtiges Leitsymptom, hinter dem verschiedene Ursachen stecken können. Durch Erkennen und Beurteilen von Zeichen kann die Diagnose eingegrenzt werden:
- Verletzungen im Brustbereich oder Zeichen einer Rippenfraktur und Nebenluftgeräusche deuten auf eine Lungenperforation hin
- Schüttelfrost wäre ein weiteres Symptom, Fieber ein Zeichen für einen grippalen Infekt oder eine Lungenentzündung
- Eine (z.B. durch Befragung des Patienten) bekannte allergische Disposition ist ein Hinweis auf mögliche asthmatische Beschwerden. In der Medizin gibt es eine Klasse von Leiden, die nur einer Behandlung bedürfen, wenn sie symptomatisch geworden sind, also etwa Schmerzen verursachen.

Psychoanalyse

In der Psychoanalyse Jacques Lacans ist Symptom ein Chiffre, das eine unterdrückte Bedeutung darstellt. Es ist eine Gegenposition zur naturwissenschaftlichen des Symptoms. 'Die sprengende Kraft dieser Formulierung besteht darin, dass in ihr nicht das Niedergedrückte und Erstarrte, sondern das Kreative und Bewegliche des Symptoms hervorgekehrt werden.' [http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/305717/] Im 16. Seminar gibt er den bemerkenswerten Hinweis, dass er die Erfindung des Begriffes Symptom Karl Marx zuschrieb.

Siehe auch

Sinthom, Syndrom, Leitsymptom, Klassifizierung, Diagnose, Befund Kategorie:Krankheitssymptom Kategorie:Allgemeinmedizin Kategorie:Psychoanalyse

Immunität

Der Ausdruck Immunität bezeichnet:
- in der Medizin, die Unempfindlichkeit gegen Antigene, Krankheitserreger und Gifte - siehe Immunität (Medizin)
- den Schutz gewählter Amtsträger und ausländischer Würdenträger vor Strafverfolgung, siehe Politische Immunität
- in der Diplomatie den Schutz von Botschaftern, Gesandten, Botschaftsmitarbeitern und deren Familienangehörigen vor strafrechtlicher, zivilrechtlicher und administrativer Verfolgung im Gastland.
- in der Kirchengeschichte (vgl. Immunität (kirchlich):
  - die Befreiung kirchlicher Personen und Güter von weltlichen Diensten und Abgaben
  - die Zugriffsbeschränkung weltlichen Rechts auf kirchliche Besitztümer oder Orte - siehe auch Asylrecht (Kirchenasyl)
- die sachliche Immunität - etwa vorübergehend für Leihgaben und Kunstwerke zu Ausstellungen im Ausland.
- Im übertragenen Sinne auch: unempfindlich oder abgestumpft gegen äußere Einflüsse.

Bakterielle Infektion

Unter einer Bakteriellen Infektion versteht man das aktive oder passive Eindringen von Bakterien in einen Organismus wie Pflanze, Tier und Mensch, deren Vermehrung dort und die in der Regel darauf folgende Reaktion des Organismus in Form einer Erkrankung. Wenn Bakterien in einen Organismus zwar eindringen, sich aber dort nicht vermehren und auch keine Erkrankung auslösen, spricht man von einer Infestation oder Invasion. Bakterien können aus jeder natürlichen Umwelt z.B. über Atmung oder Nahrung aufgenommen werden. Sie kolonisieren bei Tier und Mensch die Haut und die Schleimhäute und können anschließend zu einer weitergehenden Infektion führen und dadurch auch Infektionskrankheiten verursachen. Beim Menschen ist besonders häufig die Schleimhaut des Atemtrakts und des Verdauungstrakts betroffen. Viele bakterielle Infektionen sind harmlos, aber je nach Keim und vor allem auch je nach Lokalisation und Immunität können sie auch sehr gefährlich sein.

Infektionswege und -arten

Grundsätzlich unterscheidet man folgende Hauptarten einer Infektion:
- ; Primärinfektion: Meint eine Erstinfektion, den ersten Kontakt eines Organismus mit einem Krankheitserreger.
- ; Sekundärinfektion: Bezeichnet eine Infektion, die nach der Erstinfektion zusätzlich und mit anderen Erregern erfolgt. Es kommt zu einer Art Superinfektion mit mehreren Erregern, die das Immunsystem vor Probleme stellen können und auch die Therapie und Medikation erschweren. Der Verlauf einer solchen Erkrankung ist zumeist heftiger und zeigt vielfältige Symptome.
- ; Doppelinfektion: Bezeichnet eine gleichzeitige Infektion mit zwei verschiedenen Erregern.

Unterscheidung nach Herkunft der Erreger:


- endogene Infektion ist eine Infektion bei geschwächtem Immunsystem durch die körpereigene, normalerweise völlig harmlose Flora in Form eines Erregereinbruchs z. B. auf der Haut oder aus Magen, Darm und Lunge in den eigenen Körper (wie eine Wundinfektion durch eigene Kolibakterien).
- exogene Infektion ist eine Infektion durch Infektionserreger aus der Umgebung.
- nosokomiale Infektion, auch iatrogene Infektion, ist eine Infektion, die in der ärztlichen Praxis oder im Krankenhaus erworben wird. Durch unbeabsichtigtes Einbringen von Erregern bei der Durchführung medizinischer Eingriffe wie durch Katheter oder Intubation, oder durch eine therapeutisch bedingte Beeinträchtigung der Abwehr des Patienten, wird dieser infiziert. Derartige Infektionen zeichnen sich dadurch aus, dass die typischen bakteriellen Erreger aus dem Bereich Arztpraxis oder Krankenhaus - wie z. B. Pseudomonaden - eine hohe Resistenz gegenüber nahezu allen gebräuchlichen Antibiotika zeigen. Der Mediziner unterscheidet bei den nosokomialen Infektionen solche, die im Krankenhaus erworben wurden (Symptome frühestens 48 h nach Aufnahme) von anderen, ambulanten Infektionen.
- Polymer-assoziierte Infektion ist eine Erregerbesiedlung von Kunststoffoberflächen bei Kathetern, künstlichen Herzklappen oder künstlichen Gelenken. Vier bedeutende Infektionswege werden bei der exogenen Infektion unterschieden.
- Tröpfcheninfektion
- Kontakt- oder Schmierinfektion
- Infektion über Austausch von Körperflüssigkeiten
- Infektion über Blut saugende Insekten

Unterscheidung nach Übertragbarkeit der Erreger:


- ; direkte Infektion: eine Übertragung von Mensch zu Mensch ohne Zwischenschritte auf exogene Art und Weise (siehe oben Infektionswege der exogenen Infektion)
- ; indirekte Infektion: die Übertragung von einem Wirt mittels Überträger (Vektor) als Zwischenschritt, wie beispielsweise durch blutsaugende Insekten auf den nächsten Wirt

Unterscheidung nach Eintrittspforte der Erreger:


- ;enterale Infektion: eine Infektion, bei der die Krankheitserreger über den Darm als Eintrittspforte in den Organismus eingedrungen sind. Der gesamten Verdauungstrakt (Mund, Rachen, Speiseröhre, Magen und der gesamte Darm) wird als das Innere eines Tunnels betrachtet, das selbst nicht zum Körperinneren gezählt wird. Der exakte Ort, an dem die Infektionserreger in das eigentliche Körperinnere eindringen, gilt als Eintrittspforte.
- ;parenterale Infektion: eine Infektion, bei der die Krankheitserreger nicht über den Darm in den Organismus eingefallen sind. Hier werden folgende Infektionsarten unterschieden:
- perkutane Infektion: Die Erreger gelangen über die Haut in den Organismus.
- permuköse Infektion: Die Erreger gelangen über die Schleimhäute in den Organismus.
- Inhalationsinfektion: Die Erreger gelangen über die Atemwege in den Organismus.
- urogenitale Infektion: Die Erreger gelangen über den Harntrakt in den Organismus.
- genitale Infektion: Die Erreger gelangen über die Geschlechtsorgane in den Organismus.
- intrauterine Infektion: Die Erreger gelangen von der Gebärmutter in den Körper des werdenden Kindes oder von der Gebärmutter in den Organismus der Frau.

Unterscheidung nach Infektionsverlauf:


- ; Lokalinfektion: eine Infektion, bei der die Erreger dort verbleiben, wo sie den Körper zuerst infiziert haben (Eintrittspforte). Sie verursachen nur an dieser Stelle Symptome, ohne sich im Organismus weiter zu verteilen.
- ; zyklische Allgemeininfektion: eine Infektion, bei der die Erreger sich zuerst an einer Eintrittspforte vermehren und dann über das Blut zu ihren eigentlichen Manifestationsorganen (Befallsorganen) gelangen. Das sind oft die Leber, Milz, lymphatische Organe, die Haut oder das Nervensystem. An der Eintrittspforte sind die Erreger dann nicht mehr nachweisbar.
- ; fokale Infektion (Herdinfektion): eine nach einer lokalen Infektion durch Bakterien, besonders durch Streptokokken, auftretende nachfolgende (sekundäre) Erkrankung. Die Erreger gelangen von einem Ausgangsherd, der durch eine lokale Infektion im Körper entstanden ist, mit Verzögerung durch septische Metastasierung oder schubweise Ausschüttung aus diesem Ausgangsherd über den Blutkreislauf in entferntere Körperregionen oder Organe und verursachen dort entzündliche oder auch allergische Krankheitsabläufe.

Unterscheidung nach Symptomauffälligkeit bzw.Immunität und Abwehrkraft des befallenen Organismus:


- stumme Infektion oder inapparente Infektion: Eine Erregerübertragung bei der es nicht zum Ausbruch der Krankheit kommt (klinisch nicht manifest, symptomlos). Eine solche Infektion findet vor allem dann statt, wenn es einem gesunden und abwehrstarken Immunsystem gerade bei an den Meschen angepassten Erregern mit dem Menschen als Reservoirwirt gelingt, nach einer Infektion das Auftreten von Krankheitsanzeichen zu verhindern, so dass lediglich eine stille Feigung (Immunisierung ohne Impfung oder Erkrankung) stattfindet.
Die stummen (inapparenten) Infektionen werden wie folgt unterteilt: :
- subklinische Infektion: Bei dieser Infektion überwiegen die Abwehrmechanismen und verhindern ein Ausbrechen der Krankheit. Durch Ausbildung einer sterilen Immunität oder einer kurzfristigen Resistenzsteigerung oder Immunitätsbildung wird der jeweilige Erreger eliminiert. Daher ist diese Infektionsart zeitlich begrenzt. :
- persistierende Infektion: Damit bezeichnet man eine Infektion, bei der der in einen Organismus eingedrungene Erreger zeitlich unbegrenzt mit dem Wirt zusammenlebt, sich in seinem Organismus nur wenige und nicht produktive Erreger neu bilden und sich auch keine Krankheitszeichen entwickeln.
Diese Infektionsart kann für den Wirtsorganismus die Ausbildung einer Immunität oder Interferenz (hier Aufhebung der Infektion), eine Steigerung der erregerunspezifischen Immunabwehr, die Bildung von Interferon oder eine Stimulierung der Lymphozyten bewirken.
Durch negative Beeinflussung dieser Mechanismen z. B. in Form von Stress oder Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems wie z. B. mit Medikamenten nach Organtransplantation) kann die persistierende Infektion jedoch zur Infektionskrankheit mit klinisch auffälligen Symptomen werden.
Die persistierenden Infektionen werden unterteilt in: ::
- latente Infektion: Bei dieser Infektionsart besteht ggf. zeitlich unbegrenzt solange ein Gleichgewicht zwischen Wirt und Erreger, bis einer von Beiden überwiegt und es entweder zum Ausbrechen der Infektionskrankheit oder aber zur Eliminierung (Abtötung) des Erregers kommt. ::
- tolerierte Infektion: Bei dieser Infektionsart kann sich der meist intrauterin (in der Gebärmutter) erworbene Erreger vermehren und auch anschließend während des ganzen Lebens ausgeschieden werden. Der Wirt erkrankt jedoch nicht, es sei denn, seine Immuntoleranz geht verloren. ::
- okkulte bzw. maskierte Infektion: Darunter versteht man eine versteckte Infektion, bei der eine Erregerinvasion stattgefunden hat, jedoch die in einen Organismus eingedrungenen Erreger weder direkt noch indirekt nachweisbar sind. Das Vorliegen einer solchen Infektion kann beim Menschen durch Symptome ungeklärter Ursache wie Schmerzen und Fieber vermutet werden. Ein weiteres Kennzeichen einer solchen Infektion ist ein zeitweiliger oder dauerhafter Verlust der Übertragbarkeit des Erregers.
- abortive Infektion, mit nur leichten Krankheitserscheinungen
- manifeste Infektion oder apparente Infektion, mit deutlichem Ausbruch der Infektionskrankheit (klinisch manifest)
- opportunistische Infektion, bei schon erkrankten Menschen mit Immunschwäche, die bei gesunden Menschen mit normalem Immunsystem nicht zu einer Erkrankung führen würde. Die Erreger machen sich hierbei die erworbene Abwehrschwäche des Körpers zunutze.

Infektionsattribute nach zeitlichem Ablauf der Krankheitserscheinungen:

# foudroyant, perakut, schnell und gefährlich, da nachfolgend schwerer, oft tödlicher Krankheitsverlauf. # akut, plötzlich beginnend, heftige Auswirkungen # subakut, weniger heftig # chronisch, allmählich beginnend, sich länger erstreckend # rezidivierend, sich wiederholend mit dem selben Erreger # latent, über einen langen Zeitraum mit dazwischenliegenden, klinisch stummen Phasen.

Unterscheidung nach anderen systematischen Gesichtspunkten:


- Horizontale Infektion ist eine Infektion von Wirt zu Wirt der gleichen Generation.
- Vertikale Infektion ist eine Infektion von einem Wirt zu seinen Nachkommen:
  - Pränatale oder transplazentare Infektion bezeichnet die Übertragung vor der Geburt (intrauterin).
  - Perinatale Infektion bezeichnet die Übertragung während der Geburt.
  - Postnatale Inkektion bezeichnet die Übertragung nach der Geburt, z. B. durch die Muttermilch.

praktische Beispiele

Die Übertragung erfolgt je nach Manifestationort: Bei Rachenentzündungen und Lungenentzündungen über Tröpfcheninfektion, hier sind Streptokokken häufig. An der Haut spielen die Standortkeime Staphylokokken und Streptokokken eine Rolle. Durchfallerreger wie Salmonellen, Shigellen, Campylobacter oder Listerien werden durch Schmierinfektion oder über verunreinigte Nahrung aufgenommen, Cholera vor allem durch verseuchtes Trinkwasser. Clamydien, Gonorrhoe und Syphilis werden durch Kontaktinfektion beim Geschlechtsverkehr übertragen und können neben B-Streptokokken auch bei der Geburt auf den Säugling übergehen. Syphilis und Listerien können schon während der Schwangerschaft die Placenta durchdringen und den Fetus schädigen. Borelliose wird durch Zecken, Rückfallfieber daneben auch durch Läuse übertragen, Fleckfieber ebenfalls durch Zecken, Läuse oder Milben. Tularämie wird duch Tierbiß übertragen. Die Legionärskrankheit tritt vor allem bei Menschen mit schwächerem Immunsystem auf, wenn die Legionellen durch infizierte Warmwasserleitungen und Klimaanlagen als Aerosol übertragen werden. Tetanus und Gasbrand holt man sich durch Kontakt mit Erde an oft banalen Verletzungen, zum Beispiel bei der Gartenarbeit. Brucellen können selten durch nicht pasteurisierte Milch eine Infektion auslösen.

Unterscheidung von anderen Erregern

Bakterielle Infektionen sind die vielfältigsten Infektionen, obwohl Virusinfektionen häufiger sind. Sie können sowohl endogen von der Kolonisationsflora oder als Reaktivierung von einer früheren Erkrankung ausgehen (z.B. Tuberkulose) als auch exogen über jeden möglichen Übertragungsweg erfolgen. Sie können jedes Organsystem betreffen und neben einer Lokalinfektion oder einer Zyklischen Allgemeininfektion auch eine Sepsis (Blutvergiftung) erregen. Viele Bakterien produzieren auch Toxine. Mandelentzündungen durch Streptokokken gehen im Gegensatz zu Viren nicht mit Husten und Schnupfen einher. Oft sind flächige Herde erkennber, die eitrig sein können. Punktuelle Rötungen und Bläschen sind dagegen für Virusinfektionen typisch. Atemwegsentzündungen durch Bakterien verlaufen lokal schwerer als Virusinfektionen, sie führen häufiger zu einer richtigen Lungenentzündung. Starkes generalisiertes Krankheitsgefühl mit Kopf- und Gliederschmerzen oder Schmerzen am Rücken oder an den Gelenken gehören dagegen zu den viel häufigeren grippalen Infekten durch Viren. Diese Virusinfektionen entwickeln aber nach einigen Tagen meist auch eine bakterielle Komponente (Superinfektion).

Diagnostik

Eine häufige diagnostische Vorgehensweise ist ein Abstrich mit anschließender Anzucht auf Blutagar und Färbung (z.B. Gram-Färbung) und Betrachtung unter dem Lichtmikroskop. Man kann Bakterien auch nach ihren biochemischen Leistungen identifizieren oder mit immunologischen oder molekularbiologischen Testmethoden (PCR) ihre Antigene bzw. ihre DNA nachweisen.

Prävention und Therapie

Im Gegensatz zu Viren kann man gegen bakterielle Erreger schwieriger effektiv impfen. So schätzt man die Schutzdauer beim Impfstoff gegen Haemophilus influenzae auf drei bis sieben Jahre, ähnlich wahrscheinlich Pertussis (Keuchhusten). Die BCG-Impfung gegen Tuberkulose schützt als Lebendimpfung zwar lebenslang, allerdings nicht gegen die Tuberkulose selbst, sondern nur gegen schwere Begleitmanifestationen. Besonders unzuverlässig sind Impfungen gegen Infektionen im Darm, wie Cholera oder Typhus, sie werden nicht empfohlen. Anders verhält es sich bei Tetanus und Diphtherie, wo nur gegen das Toxin der Bakterien immunisiert werden muß (Toxoidimpfstoffe). Dafür kann man bakterielle Infektionen mit Antibiotika behandeln. Das gilt auch für andere Einzeller (Infektion durch Protozoen). Eine solche Behandlung ist in einfachen Fällen sehr unkompliziert und im Normalfall immer suffizient (wirksam) und nebenwirkungsarm, der Patient läßt sich die Tabletten vom Hausarzt verschreiben. Notfälle, bei denen die intravenöse Gabe von Antibiotika auf der Intensivstation erforderlich ist, sind eine akute Hirnhautentzündung, das Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom oder eine Nierenbeckenentzündung. Eine Knochenmarksentzündung ist sehr schwierig zu behandeln, weil das Zielgebiet zu schlecht durchblutet ist. Ähnlich verhält es sich bei Infektionen, die auf dem Boden von Durchblutungsstörungen entstehen, z.B. beim diabetischen Fuß. Manche Arten entwickeln sekundär durch übermäßigen Antibiotikaeinsatz Resistenzen gegen Antibiotika, z.B. Pseudomonaden, Escherichia coli, Staphylokokkus aureus (MRSA). Pseudomonaden sind auch typische Erreger bei Immunschwäche oder Immunsuppression. Zur Infektionsprophylaxe wird Säuglingen nach der Geburt 0,1 %-ige Silbernitratlösung in die Augen getropft. In den USA wird stattdessen Erythromycin verwendet.

Liste von Bakterien, die den Menschen infizieren können

Unter anderem Respirationstrakt:
- Legionellen
- Streptokokken
- Staphylokokken
- Klebsiellen
- Haemophilus influenzae
- Rickettsien (Fleckfieber)
- Mykobakterien
- Mykoplasmen
- Ureaplasmen
- Neisserien (Meningitis, Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom, Gonorrhoe)
- Pseudomonaden
- Bordetellen (Pertussis)
- Corynobakterien (Diphtherie)
- Chlamydien Unter anderem Verdauungstrakt:
- Campylobacter (Durchfall)
- Escherichia coli
- Proteus
- Salmonellen
- Shigellen
- Yersinien
- Vibrionen
- Enterokokken
- Clostridien
- Listerien Von Tieren:
- Borellien (Borelliose)
- Treponema pallidum (Syphilis)
- Brucellen
- Francisellen (Tularämie)
- Leptospira Kategorie:Infektionskrankheit Kategorie:Mikrobiologie

Pilzinfektion

Pilzinfektionen werden beim Immungesunden meistens durch Dermatophyten hervorgerufen, was man als Tinea bezeichnet. Diese Fadenpilze aus der Abteilung der Askomyzeten werden indirekt über Hautschuppen von Mensch zu Mensch übertragen und verursachen chronische Hautinfektionen an allen Körperteilen. Andere Dermatophytenarten von Tieren oder selten aus dem Boden verursachen akute Infektionen. Besonders häufig ist der Fußpilz (Tinea pedis), der beim Barfußgehen in Schwimmbädern oder gemeinsam benutzten Badezimmern übertragen wird oder eine Pilzinfektion der Geschlechtsorgane. Candida albicans und andere Candidaarten sind Sprosspilze, die bei vielen Menschen auf den Schleimhäuten des Verdauungstrakts vorkommen (z.B. Zunge). Eine Infektion ist meist Zeichen eines geschwächten Immunsystems und stellt sich auf den Schleimhäuten als weißer Belag mit umgebender Rötung dar, was als Soor bezeichnet wird. Ein generalisierter Soor stellt eine AIDS definierende Erkrankung dar. Die Candidiasis kann aber auch die Haut betreffen und verursacht dann nässende, schuppende Rötungen, wie etwa bei der Windeldermatitis. Andere Pilzarten können bei Menschen mit Immunschwäche (AIDS, Chemotherapie) Infektionen hervorrufen, die meist die Lunge betreffen, weil die Sporen aus der Umgebungsluft eingeatmet werden. Dazu zählen Cryptococcus neoformans und verschiedene Aspergillen. Die Diagnose von Pilzinfektionen erfolgt durch mikroskopische Betrachtung und dann durch Anzucht, wobei besonders Dermatophyten sehr langsam wachsen. Zur Therapie stehen Antimykotika zur Verfügung. Sie werden lokal auf die Haut aufgetragen oder bei Infektion im Darm als Tablette geschluckt. Bei Infektion innerer Organe (kommt vor bei Immunschwäche) müssen sie intravenös verabreicht werden, sind dann aber relativ toxisch. Polyenantimykotika (Nystatin, Amphotericin B) greifen am Ergosterol an, einem Baustein in Pilzmembranen. Azolantimykotika (Ketoconazol, Fluconazol) hemmen die Bildung von Ergosterol. Zur allgemeinen Systematik möglicher Infektionswege siehe Infektion und Infektionsweg.

Weblinks


- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/257241.html www.wissenschaft.de: Mit Zucker und Bakteriengift gegen Pilze] Forscher entwickeln erste erfolgreiche Impfung gegen Pilzinfektionen Kategorie:Infektionskrankheit

Wurminfektion

Als Wurmerkrankung oder Helminthiasis bezeichnet man Erkrankungen ausgelöst durch parasitische Würmer, je nach Art des Befalles kann man nun unterscheiden ob es sich um beim Wirt um einen Zwischenwirt oder um einen Endwirt handelt. Die meisten für den Menschen bedeutsamen Würmer zählen zu den Plattwürmern - mit den Klassen Bandwürmer (Cestoda) und Saugwürmer (Trematoda) - bzw. zu den Fadenwürmern (Nematoda), die aufgrund ihres runden Querschnitts auch als Rundwürmer bezeichnet werden. Filarien gehören - als Sammelbegriff für Würmer der Familien Filariidae und Onchecercidae - eine Auch die Kratzwürmer (Acanthocephala) werden/wurden hier teilweise eingeordnet, dürften jedoch einen eigenen Stamm darstellen. Die Bilharziose wird von Schistosomen hervorgerufen, die biologisch eine Gattung der Saugwürmer darstellen. Zungenwürmer (Pentastomida) sind wurmähnliche Endoparasiten, die als biologische Klasse wohl den Krebstieren zugeordnet werden und eine Porozephalose verursachen, aber dennoch bei den Wurmerkrankungen abgehandelt werden können.

Infektionsphasen


- ;präpatente Infektion: Phase einer Wurminfektion von der Aufnahme bzw. dem Eindringen infektionsfähiger Wurmstadien in einen Organismus bis zu deren abgeschlossener Entwicklung zu ausgewachsenen, eierlegenden Würmern und zum Auftreten ihrer Fortpflanzungsprodukte in den jeweiligen Körperausscheidungen des Wirtes.
- ;patente Infektion: Phase einer Wurminfektion ab dem Zeitpunkt der abgeschlossenen Entwicklung der Eindringlinge zu ausgewachsenen, eierlegenden Würmern und dem ersten Auftreten ihrer Fortpflanzungsprodukte in den Körperausscheidungen des Wirtes.

Wurmerkrankungen

Wurminfektionen werden mit Antihelminthika behandelt. Bei Bandwürmern und Schistosomen ist Praziquantel, bei Rundwürmern Mebendazol am besten wirksam und verträglich. Die Hervorgerufenen Erkrankungen werden durch die jeweils hervorrufende Wurmart oder Gruppe bezeichnet.
- Die bedeutendsten Wurmerkrankungen
  - Askariasis
  - Enterobiasis
  - Filariose
  - Taeniasis
  - Echinokokkose
  - Onchozerkose
  - Trichinose

Pathogene Arten

Hier sind nur die jeweils übergeordneten Taxa der parasitären Würmer herausgehoben, für eine Gesamtübersicht siehe: Parasiten des Menschen. Ordnungen:
- Pseudophyllidea Familien
- Echinostomatidae
- Fasciolidae
- Opisthorchoiidae
- Heterophyidae
- Taeniidae
- Hymenolepidae
- Ancylostomatidae
- Oxyuridae
- Ascarididae
- Anisakidae
- Filariidae
- Onchocercidae
- Hirudinea Arten
- Schistosoma
- Paragonimus
- Pentastomida
- Trichobilharzia szidati
- Dicrocoelium dendriticum
- Gastrodiscoides hominis
- Watsonius watsoni
- Fischoederius elongatus
- Stronyloides stercoralis
- Dracunculus medinensis
- Trichuris trichiura
- Dioctophyme renale

Ausgewählte Arten

Rundwürmer (Nematoden)

Enterobius vermicularis (Madenwurm)

Der Madenwurm ist ein ca. 1 cm langer weißer nichtinvasiver Wurm, der weltweit vorkommt. Er ernährt sich vom Nahrungsbrei im Darm, nachts kriechen die Weibchen nach draußen, um auf der Analhaut ihre Eier abzulegen, was einen starken Juckreiz verursacht. Die Infektion verursacht sonst keine Symptome. Bei genauem Hinsehen kann man die kleinen Würmer auf dem Kot erkennen. Durch den Juckreiz und das Kratzen werden die Eier auf die Umgebung verteilt und über die Finger in den Mund wieder aufgenommen. Zur Diagnosestellung werden die Eier mit Klebeband von der Analhaut abgetragen. Umgebung und Bettwäsche des Patienten müssen desinfiziert, Kontaktpersonen untersucht werden.

Trichuris trichuria (Peitschenwurm)

Der Peitschenwurm hat seinen Namen von seinem langen dünnen Schwanz, mit dem er in der Darmschleimhaut festsitzt. Er betätigt sich als Nahrungskonkurrent, und bei starkem Befall kann er Bauchschmerzen verursachen. Er legt seine Eier in die Darmschleimhaut, die schlüpfenden Larven entwickeln sich an Ort und Stelle zum adulten Wurm. Ausgeschiedene Eier können von nächsten Menschen mit der Nahrung aufgenommen werden.

Ascaris lumbricoides (Spulwurm)

Der Spulwurm ist weltweit der häufigste Wurm. Sein Vermehrungszyklus ähnelt dem des Peitschenwurms. Die Larven des Spulwurms durchdringen allerdings die Darmwand und gelangen über die Blutbahn in die Lunge. Sie durchbrechen dort die Wand der Lungenbläschen und werden über die Luftröhre in den Rachen aufgehustet und dann über die Speiseröhre und den Magen wieder in den Darm verschluckt. Der Spulwurm zeigt dadurch seine Verwandtschaft zu verschiedenen Tropenwürmern, deren Larven über die Haut aufgenommen werden können, um dann auf dem selben Weg zu ihrer eigentlichen Nahrungsquelle im Darm zu gelangen.

Ancylostoma duodenale und Necator americanus (Hakenwürmer), Strongyloides stercoralis (Zwergfadenwurm)

Die Larven dieser Würmer können bei längerer Kontaktzeit (mindestens 20 Minuten) die Haut durchdringen, z. B. beim Barfußgehen über eine Kloake. Ihr weiterer Vermehrungszyklus entspricht dann dem das Spulwurms. Der fertige Wurm legt im Darm Eier, aus denen noch im Darm Larven schlüpfen, die dann ausgeschieden werden. Beim Zwergfadenwurm durchdringen manche Larven wieder die Darmwand des Wirtes, um den Zyklus erneut zu durchlaufen (Autoinfektion).

Trichinella spiralis (Trichine)

Dieser Wurm produziert im Darm Larven, die die Darmwand durchdringen, sich über das Blut ausbreiten und in der Muskulatur Zysten (sehr feste Kapseln, die sich von Bindegewebszellen ernähren) bilden, um so vom nächsten Lebewesen aufgenommen zu werden. Der Vermehrungszyklus ähnelt damit dem des Schweinebandwurms. Infizieren kann man sich auch durch Verzehr infizierten Fleisches, was heutzutage durch Fleischbeschau selten geworden ist.

Bandwürmer (Cestoden)

Bei Bandwürmern muss man unterscheiden zwischen dem Endwirt, er trägt die Würmer im Darm, und dem Zwischenwirt. Der Zwischenwirt nimmt die Larven über verunreinigte Nahrung auf, sie durchdringen die Darmwand und setzten sich in der Muskulatur als Finnen ab, die so vom Endwirt (einem Raubtier) gefressen werden sollen. Da der Mensch normalerweise nicht gefressen wird, kommt er nur als Fehlzwischenwirt in Frage. Der Mensch ist Endwirt beim Schweinebandwurm (Taenia solium) und beim Rinderbandwurm (T. saginata). Der Fischbandwurm (Diphyllobothrium latum) ist mittlerweile weitgehend ausgerottet. Der Wurm bildet im Darm mit dem Menschen eine Kommensale. Bandwürmer sind viel länger als Rundwürmer, der Patient findet ihre abgefallenen Proglottiden (Bandwurmglieder) im Stuhl. Anders ist die Situation beim Hundebandwurm (Echinokokkus granulosus) und beim Fuchsbandwurm (E. multilocolaris), wo der Mensch Fehlzwischenwirt ist. Die Finnen lagern sich meist in der Leber ab, können aber auch andere Organe betreffen und dort Beschwerden verursachen. Der Hundebandwurm kann operativ entfernt werden, die Finnen des Fuchsbandwurms sind in ihrem Wachstum schlechter abgrenzbar und führen unbehandelt auf Dauer zum Tode.

Bilharziose

Die Bilharziose kommt vor allem in Ägypten am Nil, aber auch an Flüssen im nahen und fernen Osten vor. Sie wird nur beim Baden im ufernahen Wasser übertragen, weil nur dort bestimmte Schnecken vorkommen. Sie legen Eier, aus denen die Gabelschwanzzerkarie schlüpft. Sie ist etwa 1 mm lang und durchdringt die Haut. In der Blutbahn entwickelt sie sich zum etwa 1 cm langen Wurm. Dessen Eier gelangen durch Gefäßverletztungen in den Darm oder die Blase, von wo aus sie ausgeschieden werden. Aus ihnen schlüpft die Wimpernlarve, die wiederum die Schnecken infiziert. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist also nicht möglich. Die Infektion kann nach Jahren durch blutigen Stuhl oder Urin auffallen.

Fadenwürmer (Filarien)

Filarien sind nur einige Millimeter lang. Onchocerca volvolus und Loa loa leben unter der Haut. Die Weibchen gebären Mikrofilarien, die durch Insektenstich in die Haut des nächsten Wirtes übertragen werden. Sie können zu Erblindung führen. Wuchereria bancrofti lebt in Lymphgefäßen. Im Laufe der Zeit entstehen dadurch Entzündungen, die zu Lymphstau und zum Krankheitsbild der Elefantiasis führen können. In Anpassung an die Flugzeit der jeweiligen Vektoren sind die Mikrofilarien von Loa loa v.a. am Tag, die von Wuchereria bancrofti v.a. nachts im Blut nachzuweisen. Kategorie:Krankheit Kategorie:Infektionskrankheit

Parasit

]] Parasitismus ist die Wechselwirkung von Organismen unterschiedlicher Arten, bei denen der Vertreter einer Art Nutznießer (Parasit) und der Vertreter der anderen Art der Geschädigte ist (Wirt).Der Begriff ist weiter dadurch definiert, dass der Parasit einen deutlichen Vorteil dadurch hat, daß er sich größtenteils durch Bestandteile des Wirtes ernährt. Einige Parasiten übertragen Krankheitserreger auf den Menschen, die zum Teil tödliche Krankheiten (Parasitosen) verursachen. Eine Auflistung ist unter Parasiten des Menschen zu finden. Auch auf viele Bakterien und Pilze trifft die Definition Parasit zu; sie werden aber aufgrund ihrer medizinischen Bedeutung und auch ihres teilweise nur fakultativen Parasitismus in den Fachgebieten Bakteriologie und Mykologie innerhalb der Mikrobiologie behandelt. In übertragener Bedeutung wird der Ausdruck zur Diffamierung von Menschen verwendet, denen eine Existenz auf Kosten der Gemeinschaft unterstellt wird.

Herkunft des Wortes

Parasiten kommt von griechisch παράσιτος, pará- für neben und sitos für gemästet - ursprünglich für Vorkoster bei Opferfesten, die dadurch ohne Leistung zu einer Speisung kamen. Das deutsche Wort Schmarotzer für einen Parasiten stammt von mittelhochdeutschen smorotzer ab, das soviel wie Bettler heißt.

Allgemeines

Parasiten sind Organismen, die temporär oder dauerhaft zur Befriedigung ihrer Nahrungsbedürfnisse auf Kosten anderer Lebewesen - ihren Wirten - existieren. Ihre Fortpflanzung muss deshalb meist ebenso auf Kosten des Wirtes erfolgen.
Dadurch muss eine ständige gegenseitige Anpassung erfolgen, dies zeigt sich in einer Koevolution von Wirt und Parasit. Im fortgeschrittenen Stadium der Evolution profitiert der Parasit, ohne dem Wirt als "Existenzgrundlage" übermäßig zu schaden oder ihn völlig zu vernichten (Stoffentzug, Abgabe leichter Gifte usw.). Man nimmt auch an, daß die geschlechtliche Fortpflanzung bei Bakterien aufgrund des Selektionsdruckes von Parasiten entstanden ist. Parasitäre Infektionen beim Menschen sind Infektionen durch Protozoen bzw. Protista und Wurminfektionen. Die Wissenschaft, die sich mit den Parasiten befasst, wird Parasitologie genannt und ist sowohl Teilbereich der Ökologie als auch der Medizin. Parastiten sind grundsätzlich kleiner als ihre Wirte.

Parasitoide

Hierbei handelt es sich um eine vestärkte Form des Parasitismus. Parasitoide entwickeln sich ebenfalls an oder in einem Wirt; ist die Entwicklung dann gewährleistet, stirbt der Wirt ab. Befällt ein Parasitoid einen anderen Parasitoiden, so spricht man von Hyperparastismus.

Verwandte Formen des Zusammenlebens

Gegenseitiger Nutzen
- Symbiose (trophisch bedingt)
- Mutualismus (ökologisch bedingt)
- Meist sozial organisierte Kolonien oder Assoziationen derselben Art, Vorteil eines Partners
- Kommensalismus (trophisch bedingt)
- Parasitismus (trophisch bedingt)
- Phoresis (ökologisch bedingt)
- Raubparasitismus (Parasitoidismus) (auch trophisch bedingt)
- Kleptoparasitismus
- Beziehungen bei der ein Partner einen Vorteil hat, aber der andere nicht geschädigt wird, bezeichnet man als Probiose Bei der Symbiose sind beide Partner nur zusammen überlebensfähig (Flechten), wohingegen beim Mutualismus beide getrennt existieren können. Beim Kommensalismus und bei anderen Formen des Parasitismus findet eine Verschiebung hin zur Bevorteilung des Parasiten statt. Die stärkste Verschiebung zugunsten des Parasiten ist beim Raubparasitismus vorhanden, dabei wird der Wirt vom Parasiten getötet, damit sich der Parasit vermehren kann (Schlupfwespen). Kleptoparasitismus bezeichnet das Ausnutzen von Leistungen anderer, beispielsweise das Stehlen von Nahrung oder das Ausnutzen von Nistgelegenheiten.

Klassifizierung


- Fakultative Parasiten: nicht auf Wirt angewiesen
- Obligate Parasiten: brauchen den Wirt ständig; Wirtsspezifität möglich
- Temporäre Parasiten: sind nur für kurze Zeit auf den Wirt angewiesen.
- Permanente Parasiten: sind permanent auf den Wirt angewiesen.
- Periodische Parasiten: leben in bestimmten Entwicklungsstadien parasitisch Permanente und Periodische Parasiten werden unter dem Oberbegriff "stationäre Parasiten" zusammen gefasst

Pflanzen


- Holoparasiten: ganz auf Wirt angewiesen
- Hemiparasiten: nur ein Teil der Nährstoffe vom Wirt

Allgemein


- Ektoparasiten: auf Wirtsoberfläche (Flöhe, Läuse, Milben, Zecken)
- Endoparasiten: im Innern des Wirts (Protozoen, Würmer)
- Hyperparasiten: Parasiten, die andere Parasiten befallen (z. B. die Schlupfwespe)
- Brutschmarotzer: Parasiten, die bei brutpflegenden Tieren schmarotzen (z. B. Kuckuck)

Weblinks


- [http://www.heise.de/tp/r4/artikel/19/19841/1.html "Es gibt kein System ohne Parasiten!"] - Telepolis, 2005

Siehe auch

biotische Faktoren, Wirt (Biologie), Interspezifische Wechselbeziehungen, Autöcisch

Literatur


- Johannes Dönges: Parasitologie: mit besonderer Berücksichtigung humanpathogener Formen. 2.Aufl., Thieme Verlag, 1988. ISBN 3135799026 !

Läuse

Als Laus wird meistens ein kleines Insekt bezeichnet. Es gibt kein Taxon namens Läuse, vielmehr bezeichnet der Begriff eine Vielzahl nicht miteinander verwandter Tiergruppen. Vor allem werden als Läuse bezeichnet:
- die Pflanzenläuse, zum Beispiel Blattläuse, Schildläuse, Mottenschildläuse
- die Tierläuse und Menschenläuse, zum Beispiel Kopflaus, Kleiderlaus, Filzlaus Ferner gibt es:
- Staubläuse
- Bodenläuse
- Fischläuse, die aber zu den Krebstieren gehören
- Walläuse, ebenfalls Krebstiere, gehören zu den Flohkrebsen
- Bienenläuse, zu den Zweiflüglern (Fliegen) gehörend
- Algenläuse ,Vertreter der Kieselalgen
- in seltenen Fällen bezieht sich der Begriff auch auf die evtl. schon ausgestorbene Steinlaus. Da die allgemein bekannten meisten Läuse parasitisch sind, wurde der Name auch auf andere parasitisch oder halbparasitisch lebende Organismen übertragen, etwa
- Läusekraut, halbparasitischer Rachenblütler
- Lausfliegen
- Lausbub oder andere Varianten dieser Bezeichnung für einen Nichtsnutz Kategorie:Parasit ja:シラミ

Wanzen

Die Wanzen (Heteroptera) sind eine Gruppe der Insekten und gehören zur Ordnung der Schnabelkerfe (Hemiptera). Von den bekannten 36.000 Arten leben in Mitteleuropa etwa 800. Die Körperlänge der Tiere beträgt zwischen 1,5 und 40 mm, die Art Belostoma grande kann bis zu 110 mm lang werden. Der Begriff wird umgangssprachlich auch für Abhörgeräte oder andere Spionagegeräte verwendet.

Lebensweise der Wanzen

Wanzen sind hauptsächlich Pflanzensauger, es gibt jedoch auch eine Reihe von Räubern oder auch Ektoparasiten, die wie die Bettwanze (Cimex lectularius) Blut saugen. Vor allem unter den Raubwanzen (Reduviidae) gibt es Überträger verschiedener Krankheiten, wie beispielsweise die Chagas-Krankheit, die u.a. von Rhodnius-Arten übertragen wird. Obwohl die überwiegende Anzahl der Wanzen Landbewohner sind, findet man sie auch im Süßwasser wie die Wasserwanzen und auf der Wasseroberfläche wie die Wasserläufer. Die Meerwasserläufer der Gattung Halobates sind die einzigen Insekten, die man auch auf dem Salzwasser der Meere finden kann. Zur Schadwirkung einiger Arten beim Menschen und ihrer Funktion als Krankheitsüberträger siehe Triatominae.

Bau der Wanzen

Alle zu den Wanzen gehörenden Gruppen sind durch einen Saugrüssel gekennzeichnet, dessen Grundaufbau bei den Schnabelkerfen beschrieben wird. Dieser ist nicht wie bei den Zikaden und Pflanzenläusen in den Kehl- beziehungsweise Brustbereich verlagert, sondern sitzt direkt am Kopfbereich an. Wanzen haben Antennen, die aus meistens 4 Gliedern bestehen. Es sind aber auch schon Tiere mit 5 Gliedern vorgekommen. Es gibt maximal zwei Punktaugen. Auffällig ist der Halsschild des ersten Brustsegments sowie das daran anschließende Schildchen am mittleren Brustsegment. Die Vorderflügel sind teilweise verhärtet und bestehen aus einem harten vorderen Bereich (Corium) sowie einer häutigen hinteren Membran. Man spricht in diesem Fall in Anlehnung an die harten Flügeldeckel der Käfer (Elytren) von Hemielytren. Die Hinterflügel sind immer vollständig häutig, können aber auch fehlen.

Systematik der Wanzen

Die Wanzen stellen eine sehr diverse Gruppe dar, die sich vor allem durch die Besiedelung unterschiedlicher Lebensräume und die Anpassung an unterschiedlichste Lebensweisen stark unterscheiden. Klassischerweise werden sie in sieben Taxa aufgespalten. In der folgenden Übersicht werden außerdem die in Mitteleuropa vorkommenden Familien sowie einige Arten vorgestellt.
- Wanzen - Heteroptera
  - Cimicomorpha
    - Blumenwanzen - Anthocoridae
    - Bettwanzen - Cimicidae
      - Bettwanze - Cimex lectularius
      - Fledermauswanze - Cimex pipistrelli
      - Thronwanze - Cimex principalis
    - Gitterwanzen - Tingidae
    - Isometopodidae
    - Microphysidae
    - Phymatidae
    - Raubwanzen - Reduviidae
      - Raubwanze (Rhinocoris annulatus)
      - Rote Mordwanze (Rhinocoris iracundus)
      - Große Raubwanze (Rhinocoris personatus)
      - Triatominae
    - Sichelwanzen - Nabidae
      - Sichelwanze (Nabis rugosus)
      - Flügellose Sichelwanze (Nabis apterus)
    - Weichwanzen - Miridae
  - Dipsocoromorpha
    - Dipsocoridae
  - Enicocephalomorpha (ausschließlich auf der Südhalbkugel)
  - Leptodomorpha
    - Leptopodidae
    - Springwanzen - Saldidae
  - Pentatomorpha
    - Arenocoridae
    - Alydidae
    - Baumwanzen - Pentatomidae
      - Amyotinae
      - Pentatominae
      -
- Beerenwanze (Dolycoris baccarum)
      -
- Rotbeinige Baumwanze (Pentatoma rufipes)
      -
- Gartenwanze (Rhaphigaster nebulosa)
      - Podopinae
      -
- Streifenwanze - Graphosoma
      - Raphigaster
      -
- Graue Feldwanze
    - Coreidae
      - Lederwanze, Randwanze - Coreus marginatus
    - Corimelaenidae
    - Erdwanzen - Cydnidae
      - Schwarzweiße Erdwanze (Tritomegas bicolor)
    - Feuerwanzen - Pyrrhocoridae
      - Gemeine Feuerwanze - Pyrrhocoris apterus
    - Langwanzen Bodenwanzen - Lygaeidae
      - Ritterwanze (Lygaeus equestris)
      - Bodenwanze (Lygaeus saxatilis)
    - Meziridae
    - Meldenwanzen - Piesmatidae
    - Plataspidae
    - Rhopalidae
    - Rindenwanzen - Aradidae
    - Stachelwanzen Dornenwanzen - Acanthosomatidae
      - Stachelwanze (Acanthosoma haemorrhoidale)
      - Fleckige Brutwanze (Elasmucha grisea)
    - Stelzenwanzen - Berytidae
    - Stenocephalidae
  - Wasserläufer - Gerromorpha
    - Bachläufer - Veliidae
    - Hebridae
    - Mesoveliidae
    - Teichläufer - Gerridae
      - Wasserläufer (Gerris lacustris/gibifer)
    - Wasserreiter - Hydrometridae
      - Gemeiner Teichläufer (Hydrometra stagnorum)
  - Wasserwanzen - Nepomorpha
    - Grundwanzen - Aphelochiridae
      - Grundwanze (Aphelocheirus aestivalis)
    - Ruderwanzen - Corixidae
      - Ruderwanze, Wasserzikade (Corixa punctata)
    - Rückenschwimmer - Notonectidae
      - Gemeiner Rückenschwimmer - Notonecta glauca
    - Schwimmwanzen - Naucoridae
    - Wasserskorpione - Nepidae
      - Stabwanze Wassernadel - Ranatra linearis
      - Wasserskorpion - Nepa cinera/rubra
    - Zwergrückenschwimmer - Pleidae

Mutationen

Cornelia Hesse-Honeggers beschreibt in ihrem Buch Heteroptera. Das Schöne und das Andere oder Bilder einer mutierenden Welt illustrativ (anschaulich) die Mutation von Wanzen in der Nähe von Kernkraftwerken. Die eigentlich symmetrischen Muster auf den Flügeln der Tiere verändern sich zu asymmetrischen Formen, Veränderungen, die nur in der Nähe von Kernkraftwerken bekannt sind.

Literatur


- Erwin Stresemann, Hans-Joachim Hannemann, Bernhhardt Klausnitzer, Konrad Senglaub: Exkursionsfauna von Deutschland, 3 Bde., Bd 2, Wirbellose, Insekten, Gustav Fischer Verlag, 1999, ISBN 3-827-40922-5
- Ekkehard Wachmann: Wanzen beobachten - kennenlernen. J. Neumann - Neudamm, Melsungen 1989, ISBN 3-7888-0554-4
- Ekkehard Wachmann, Albert Melber, Jürgen Deckert: Wanzen Band 2 : Cimicomorpha: Microphysidae (Flechtenwanzen), Miridae (Weichwanzen). Goecke & Evers, Keltern, ISBN 3-931-37457-2
- Frieder Sauer: Wanzen und Zikaden. Fauna-Verlag 1996, ISBN 3-931-37457-2
- Cornelia Hesse-Honeggers: Heteroptera: Das Schöne und das Andere oder Bilder einer mutierenden Welt. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-861-50247-X - Zeichnungen mutierter Wanzen in der Nähe von Atomkraftwerken

Weblinks


- [http://www.ginkgo-web.de/streifzug/pyrrhocoris/pyrrhocoris.htm#stinkdr%FCsen ginkgo-web.de Feuerwanzen]
- [http://www.natur-lexikon.com/Texte/MZ/001/00041-rueckenschwimmer/MZ00041-rueckenschwimmer.html Rückenschwimmer]
- [http://www.wanzen-nrw.de Wanzen in Nordrhein-Westfalen ( Private Site mit wissenschaftl. Beratung und nur eigenen Fotos der Autorin]) Kategorie:Schnabelkerfe

Zecken

Die Zecken (Ixodida) sind eine Überfamilie innerhalb der Milben (Acarii) mit lederartig dehnbarer Haut und gehören zur Klasse der Spinnentiere. Sie werden hier den parasitischen Milben der Unterordnung Parasitiformes (Anactinotrichida) zugeordnet. Unter den Zecken finden sich die größten Milbenarten. Die meisten Arten sind Ektoparasiten (sie dringen nicht in das Wirtsinnere ein) an Wirbeltieren. Als Wirte dienen Vögel, Reptilien und Säugetiere (Nager, Fledermäuse, Paarhufer). Viele Zeckenarten gehören dadurch zu bedeutenden Krankheitsüberträgern. Sie werden in 3 Familien eingeteilt:
- Lederzecken (Argasidae)
- Schildzecken (Ixodidae)
- Nuttalliellidae (Nuttalliella namaqua Bedford) - einzige bekannte Art.

Verbreitung

Lederzecken sind auf die Tropen und Subtropen beschränkt, Schildzecken kommen weltweit vor und sind auch in Mitteleuropa die am weitesten verbreitete Zeckenart. Ihr Auftreten hängt stark von ihren Wirten ab, da sie bis zu drei Nymphenstadien mit Wirtswechsel besitzen. Durch die Klimaveränderungen der letzten Jahre und einem Überbestand an Wild ist es zu einer massiven Ausbreitung der Zeckenpopulation in die nördlichen Bereiche von Europa gekommen. Zudem hat die Durchseuchungsrate der Zecken mit Bakterien und Viren zugenommen. Krankheitserreger, die bisher nur in den südlichen Breiten Europas zu finden waren, verbreiten sich damit auch immer mehr nach Norden.

Aufenthaltsorte

Europa Schildzecken bevorzugen hohe Luftfeuchtigkeit und relative Wärme. Deshalb halten sie sich vornehmlich im Gestrüpp, in hohen Gräsern und Farnen oder im Unterholz auf (bis ca. 1,5 m Höhe). Sie halten sich meist in einer Höhe auf, die der Größe des potentiellen Wirtes entspricht, um sich auf diesen abzusetzen, wenn er durch die dichte Vegetation streift. Die weit verbreitete Ansicht, dass sich Zecken von Bäumen herabfallen lassen, trifft dagegen in der Regel nicht zu. Daneben suchen Zecken sich natürlich auch die Aufenthaltsorte aus, an denen ihre natürlichen Wirte besonders häufig vorkommen. Lederzecken hingegen leben oft in der Nähe ihrer Wirte und bevorzugen eher trockenere dunkle Unterschlupfe. Besonders ideale Bedingungen bieten unter all diesen Gesichtspunkten Waldränder und Waldlichtungen mit hochgewachsenen Gräsern, Feuchtwiesen und Bachränder mit gleichartigem Bewuchs und weiterhin Laub- oder Mischwald mit grasigen oder krautigen Unterwuchs. Allerdings sind Zecken durchaus auch in Gärten und Parks anzutreffen. Ihre Aktivitäten entfalten sie normalerweise von März bis Oktober, doch können sich wetterabhängig auch Abweichungen davon ergeben. Im Winter sind Zecken nicht aktiv.

Merkmale

Da Zecken zu den Spinnentieren zählen, haben auch sie 8 Beine, ausgenommen die Larven mit 6 Beinen. Sie sind die größten Vertreter der Milben und können zunächst als adultes Tier bis zu 4 mm groß werden. Die Schildzecken haben einen verhärteten Chitinpanzer (Scutum) auf dem Hinterteil.

Mundwerkzeuge

Die Zecke ritzt mit ihren paarig angelegten sogenannten Cheliceren die Haut ein und schiebt das Hypostom (Stechapparat) in die Wunde. Dieser ist symmetrisch mit Widerhaken besetzt. Damit bohren sie sich jedoch nur oberflächlich in die Haut ein und "lecken" dann das austretende Blut beziehungsweise die Lymphe. Zecken dringen also meist nicht bis zu den Kapillaren vor. Dieser Vorgang wird umgangssprachlich als "Zeckenbiss" bezeichnet. Korrekt ist jedoch "Zeckenstich".

Saugvorgang

Ähnlich wie andere blutsaugende Insekten geben auch Zecken beim Zeckenstich vor Beginn der Nahrungsaufnahme ein Sekret (Speichel) ab, das bei ihnen allerdings mehrere wichtige Komponenten enthält. # Einen Gerinnungshemmer, der eine Verstopfung der Proboscis verhindert und den Blutfluss hin zur Einstichstelle steigert. # Eine Art Klebstoff, der die Mundwerkzeuge (Proboscis) fest in der Haut verankert. # Ein Betäubungsmittel, das die Einstichstelle unempfindlich macht. Diese Komponente ist sehr wichtig, da Zecken im Vergleich zu Stechmücken einen wesentlich größeren und gröberen Stechrüssel besitzen und außerdem sehr viel länger, manchmal mehrere Tage, an ihrem Nahrungsopfer Blut saugen, das davon selbstverständlich nichts bemerken soll. # Einen entzündungshemmenden Wirkstoff. Dieser soll eine Stimulation der körpereigenen Immunabwehr an der Einstichstelle vermeiden. Nach einer ausgedehnten Blutmahlzeit erreichen Zecken eine Größe von bis zu 3 cm.

Verhalten

Die männlichen und weiblichen Zecken sind Blutsauger. Zum Auffinden des Nahrungsopfers ist den Zecken ihr Haller'sches Organ behilflich. Dieser grubenförmige Chemorezeptor, der mit Sinnesborsten ausgestattet ist, befindet sich am letzten Beinelement (Tarse Nummer 23) des ersten Beinpaares und kann Stoffe wie Ammoniak, Kohlendioxid oder Milchsäure erkennen, die von den jeweiligen Wirtstieren abgegeben werden. In der Lauerstellung (das vordere Beinpaar wird leicht schwenkend nach vorne gestreckt, mit den hinteren drei Beinpaaren umklammern sie ihren Ansitz) wird dieses Organ vorgestreckt, damit die Zecken die Sinnesreize besser empfangen können. Die wartenden Zecken wechseln sofort von der Wartestellung (die eingefalteten Vorderbeine liegen nahe am Körper) in die Lauerstellung, wenn sie durch Geruchsreize, Lichtveränderung - besonders von hell zu dunkel - oder durch Vibrationen bemerken, dass sich möglicherweise ein Wirt nähert. Sie hängen sich anschließend an alles, was ihren jeweiligen Aufenthaltsort streift und krabbeln dann oft bei Tier und Menschen bis zu mehreren Stunden lang am Körper umher, bis sie eine passende Einstichstelle gefunden haben. Zecken sind dabei sehr wählerisch und bevorzugen etwas feuchte, warme und gut durchblutete, dünne Haut. Beim Mensch sind besonders die Kniekehlen, der Haaransatz, die Leistenbeuge und die feine Haut hinter den Ohren ein beliebtes Ziel.

Lebenszyklus

Die Argasidae (Lederzecken) haben bis zu acht gleiche Nymphenstadien. Jede Nymphe ist auf Blut eines Wirtes angewiesen, jedoch wechseln sie häufig zwischen verschieden großen Wirten (Maus, Katze, Mensch). Bei den Ixodidae (Schildzecken) kommt nur ein Nymphenstadium vor. Nachdem die Eier in 2.000er-Paketen zumeist an verschiedenen geschützten Stellen wie z.b. den Unterseiten von Grashalmen abgelegt wurden, schlüpft aus einem solchen Ei die sechsbeinige Larve. Diese sucht sich schon nach wenigen Tagen einen geeigneten Zwischenwirt (Nagetier), saugt sich dort fest und nimmt innerhalb von zwei bis drei Tagen Blut auf. Nach dem Saugen lässt sie sich abfallen und häutet sich nach einigen Monaten am Ende ihrer Entwicklung zur ersten achtbeinigen, rund 1,5 bis 2 Millimetergroßen Nymphe. Diese sucht sich nun abermals einen größeren Wirt (zweiter Zwischenwirt - Katze) und saugt dort ebenfalls Blut. Die Mehrzahl der Nymphen, die sich im Sommer oder Herbst gehäutet haben, suchen jedoch nicht sofort einen neuen Wirt für eine Blutmahlzeit, sondern treten zunächst bis zum nächsten Frühjahr in ein Ruhestadium ein. Erst nach dieser Pause suchen sie sich einen Wirt zur Sättigung und anschließend findet eine weitere Häutung zur zweiten Nymphe (Lederzecken) oder zum adulten Tier (Schildzecken) statt. Das ausgewachsene Tier befällt danach den Endwirt (Mensch, Rind), lässt sich nach dieser letzten Blutmahlzeit fallen und sucht darauf ein Weibchen auf, um dieses zu begatten. Das Weibchen legt kurz darauf bis zu 3.000 Eier auf Grashalmen ab. Die männlichen Zecken sterben nach der Begattung, die Weibchen erst nach der Eiablage.

Zecken als Krankheitsüberträger

Zecken übertragen aufgrund ih