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Infektionskrankheit

Infektionskrankheit

Eine Infektionskrankheit ist eine durch Infektion hervorgerufene Erkrankung. Eine Infektionskrankheit wird gemeinhin auch Infekt oder Infektion genannt. Sie ist aber nicht einer Infektion gleich zu setzen, da nicht jede Infektion notwendigerweise zu einer Erkrankung führt. Zu den Infektionskrankheiten zählen u.a.: AIDS, Borreliose, Gelbsucht, Grippe, Masern, Norwalkviruserkrankung und die sog. Tropenkrankheiten.

Auslöser von Infektionskrankheiten


- Bakterien,
- Viren,
- Pilze,
- Protozoen,
- Prionen (z. B. bei BSE). Die Gefährlichkeit einer Infektionskrankheit ist abhängig von der sogenannten Virulenz des Erregers. Damit wird die krankmachende Fähigkeit schon bei niedrigen Erregerkonzentrationen beschrieben.

Infektionsmöglichkeiten und Übertragungswege

Grundsätzlich unterscheidet man folgende Hauptarten einer Infektion:
- ; Primärinfektion: Meint eine Erstinfektion, d.h. der erste Kontakt eines Organismus mit einem Krankheitserreger.
- ; Sekundärinfektion: Ist eine Infektion, die nach der Erstinfektion zusätzlich und mit anderen Erregern als dem der Primärinfektion erfolgt. Es kommt zu einer Art Superinfektion mit mehreren Erregern, die das Immunsystem vor große Probleme stellen können und auch die Therapie und Medikation erschweren. Der Verlauf einer solchen Erkrankung ist zumeist auch heftiger und zeichnet sich durch vielfältige Symptome aus.
- ; Doppelinfektion: Bezeichnet eine gleichzeitige Infektion mit zwei verschiedenen Erregern.

Unterscheidung nach Herkunft der Erreger:


- endogene Infektion ist eine Infektion bei geschwächtem Immunsystem durch die körpereigene, normalerweise völlig harmlose Flora in Form eines Erregereinbruchs z. B. auf der Haut oder aus Magen, Darm und Lunge in den eigenen Körper (wie eine Wundinfektion durch eigene Kolibakterien).
- exogene Infektion ist eine Infektion durch Infektionserreger aus der Umgebung.
- nosokomiale Infektion, auch iatrogene Infektion, ist eine Infektion, die in der ärztlichen Praxis oder im Krankenhaus erworben wird. Durch unbeabsichtigtes Einbringen von Erregern bei der Durchführung medizinischer Eingriffe wie durch Katheter oder Intubation, oder durch eine therapeutisch bedingte Beeinträchtigung der Abwehr des Patienten, wird dieser infiziert. Derartige Infektionen zeichnen sich dadurch aus, dass die typischen bakteriellen Erreger aus dem Bereich Arztpraxis oder Krankenhaus - wie z. B. Pseudomonaden - eine hohe Resistenz gegenüber nahezu allen gebräuchlichen Antibiotika zeigen. Der Mediziner unterscheidet bei den nosokomialen Infektionen solche, die im Krankenhaus erworben wurden (Symptome frühestens 48 h nach Aufnahme) von anderen, ambulanten Infektionen.
- Polymer-assoziierte Infektion ist eine Erregerbesiedlung von Kunststoffoberflächen bei Kathetern, künstlichen Herzklappen oder künstlichen Gelenken. Vier bedeutende Infektionswege werden bei der exogenen Infektion unterschieden.
- Tröpfcheninfektion
- Kontakt- oder Schmierinfektion
- Infektion über Austausch von Körperflüssigkeiten
- Infektion über Blut saugende Insekten

Unterscheidung nach Übertragbarkeit der Erreger:


- ; direkte Infektion: eine Übertragung von Mensch zu Mensch ohne Zwischenschritte auf exogene Art und Weise (siehe oben Infektionswege der exogenen Infektion)
- ; indirekte Infektion: die Übertragung von einem Wirt mittels Überträger (Vektor) als Zwischenschritt, wie beispielsweise durch blutsaugende Insekten auf den nächsten Wirt

Unterscheidung nach Eintrittspforte der Erreger:


- ;enterale Infektion: eine Infektion, bei der die Krankheitserreger über den Darm als Eintrittspforte in den Organismus eingedrungen sind. Der gesamten Verdauungstrakt (Mund, Rachen, Speiseröhre, Magen und der gesamte Darm) wird als das Innere eines Tunnels betrachtet, das selbst nicht zum Körperinneren gezählt wird. Der exakte Ort, an dem die Infektionserreger in das eigentliche Körperinnere eindringen, gilt als Eintrittspforte.
- ;parenterale Infektion: eine Infektion, bei der die Krankheitserreger nicht über den Darm in den Organismus eingefallen sind. Hier werden folgende Infektionsarten unterschieden:
- perkutane Infektion: Die Erreger gelangen über die Haut in den Organismus.
- permuköse Infektion: Die Erreger gelangen über die Schleimhäute in den Organismus.
- Inhalationsinfektion: Die Erreger gelangen über die Atemwege in den Organismus.
- urogenitale Infektion: Die Erreger gelangen über den Harntrakt in den Organismus.
- genitale Infektion: Die Erreger gelangen über die Geschlechtsorgane in den Organismus.
- intrauterine Infektion: Die Erreger gelangen von der Gebärmutter in den Körper des werdenden Kindes oder von der Gebärmutter in den Organismus der Frau.

Unterscheidung nach anderen systematischen Gesichtspunkten:


- Horizontale Infektion ist eine Infektion von Wirt zu Wirt der gleichen Generation.
- Vertikale Infektion ist eine Infektion von einem Wirt zu seinen Nachkommen:
  - Pränatale oder transplazentare Infektion bezeichnet die Übertragung vor der Geburt (intrauterin).
  - Perinatale Infektion bezeichnet die Übertragung während der Geburt.
  - Postnatale Inkektion bezeichnet die Übertragung nach der Geburt, z. B. durch die Muttermilch. Alle hier aufgeführten Einteilungen gelten für die Gesmtheit möglicher Infektionserreger. Verschiedene einzelne Erregergruppen wie Bakterien, Einzeller oder Mehrzeller werden nicht immer auf allen dargestellten Infektionswegen übertragen und sie können daher auch eine andere Systematik der Infektionswege haben. Für eine ausführliche Darstellung aller Infektionsunterscheidungen siehe Infektion!

Geschichte

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts befand sich der Streit zwischen zwei medizinischen Schulen in einer Hochphase. Auf der einen Seite standen die Kontagionisten, die die Auffassung vertraten, Krankheiten könnten durch kleine lebende Erreger übertragen werden, auf der anderen Seite die Anti-Kontagionisten, die Ernährungsfehler und Vergiftungen als Ursache von Krankheiten ansahen. Durch die Forschungen von Robert Koch und Louis Pasteur gewannen die Kontagionisten diese Auseinandersetzung, obwohl heute bekannt ist, dass beide keinen als sauber angesehenen wissenschaftlichen Arbeitsstil an den Tag legten. Ungeachtet dessen wird bis auf wenige Ausnahmen die Infektionshypothese in der Medizin nicht bestritten. In den Industrieländern haben Infektionskrankheiten stark an Bedeutung verloren. Weltweit stellen sie aber immernoch die häufigsten Todesursachen dar.

Literatur


- M. Exner: Die infektionsepidemiologische Bedeutung von Heliobacter pylori mit besonderer Berücksichtigung von unbehandelten Brunnenwasser als Infektionsreservoir. Hygiene und Medizin 29(11), S. 418 - 422 (2004), ISSN 0172-3790
- Christian Conrad: Krankenhaushygiene damals und heute – was hat sich geändert? Hygiene und Medizin 29(6), S. 204 ff. (2004), ISSN 0172-3790
- Michael K. Faulde: Ratten und Mäuse – unterschätzte Überträger und Reservoire gefährlicher Infektionskrankheiten? Hygiene und Medizin 29(6), S. 206 - 216 (2004)
- M. Klude, U. Seebacher, M. Jaros: Potenzielle Gefährdung von Mensch und Umwelt durch Desinfektionsmittel in der Krankenhaushygiene: Eine vergleichende Bewertung. Krankenhaus Hygiene und Infektionsverhütung 24(1), S. 9 - 15 (2002), ISSN 0720-3373
- A. Nassauer: Die neue Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention – Tradition und Fortschritt. Hygiene und Medizin (29(4), S. 113 - 115 (2004), ISSN 0172-3790
- Helge Kampen: Vektor-übertragene Infektionskrankheiten auf dem Vormarsch? Wie Umweltveränderungen Krankheitsüberträgern und -erregern den Weg bereiten. Naturwissenschaftliche Rundschau 58(4), S. 181 - 189 (2005), ISSN 0028-1050

Weblinks


- [http://www.onmeda.de/krankheiten/index.html www.onmeda.de] - Detaillierte und verständliche Informationen zu vielen Infektionskrankheiten bei Onmeda.de
- [http://www.rki.de/cln_006/nn_225668/sid_20C338C68697475F85E745540F5DDA6A/DE/Content/InfAZ/InfAZ__node.html__nnn=true www.rki.de] - Gute Zusammenfassungen über verschiedene Infektionskrankheiten durch das RKI
- [http://www.dgk.de/web/dgk_content/de/impfen_und_infektionen.htm www.dgk.de] - Deutsches Grünes Kreuz e.V., Thema: Impfen und Infektionen
- [http://www.dgk.de/web/dgk_content/de/impfrechner.htm www.dgk.de] - Überprüfung des Impfschutzes: Impfrechner des Deutschen Grünen Kreuzes ---- Siehe auch: Infektiologie, Infektion durch Protozoen, Krankheitserreger, Liste häufiger Infektionskrankheiten, Mikroorganismen (Mikroben), Pilzinfektion, Syndrom, Virusinfektion, Wurminfektion, Parasiten des Menschen Kategorie:Parasitologie ! ja:感染症 simple:Infectious disease

Infektion

Unter einer Infektion versteht man das aktive oder passive Eindringen, Anhaften und Vermehren von Krankheitserregern (Mikroorganismen) in einen Wirt (Makro-Organismus). Tritt durch die Vermehrung eine Schädigung des Wirtes mit entsprechenden Symptomen ein, entsteht aus der Infektion eine Infektionskrankheit. Der Wirt kann sich aber unter Umständen durchaus auch gegen die eingedrungenen Krankheitserreger wehren, ohne krank zu werden. Dann spricht man von einer inapparenten Infektion oder auch stillen Feiung. Solche inapparenten Infektionen können dennoch durchaus eine Immunität gegen weitere Infektionen mit dem gleichen Erreger hinterlassen.

Häufigkeit und geografische Verbreitung

Am häufigsten sind Virusinfektionen und bakterielle Infektionen, aber auch Pilzinfektionen, Infektionen durch Protozoen (Einzeller) oder Wurminfektionen kommen vor. Neuerdings hat man auch Prionen als Erreger entdeckt. Parasiten wie Flöhe, Läuse, Milben, Wanzen oder Zecken befallen den Körper an seiner Oberfläche (Parasitäre Infektion).

WHO Schätzung der Häufigkeit von tödlichen Infektionen

Pro Jahr
- Atemwegsinfektionen: 3,9 Millionen
- AIDS: 2,9 Millionen
- Durchfallerkrankungen: 2,1 Millionen
- Tuberkulose: 1,6 Millionen
- Malaria: 1 Million
- Masern: 0,8 Millionen
- Tetanus: 0,3 Millionen
- Keuchhusten: 0,3 Millionen
- Syphilis: 0,2 Millionen
- Meningitis: 0,16 Millionen
- Hepatitis: 130 000
- Schlafkrankheit: 50000 Das sind grobe Schätzungen, die auch genau in ihrer Definition hinterfragt werden müssen. An der akuten Hepatitis stirbt man eher selten. Die Folgen einer chronischen Hepatitis (Leberzirrhose, Leberkrebs) sind in Asien aber eine recht häufige Todesursache.

Kolonisation und Symbiose

Eine Infektion ist abzugrenzen gegen eine Kolonisation durch Bakterien und Pilze, die auf Haut und Schleimhäuten leben, ohne einzudringen. Diese Standortflora hält häufig krankmachende Keime fern. Bei geschädigter Haut oder Schleimhaut oder bei Immunschwäche können auch diese Keime eine Infektion verursachen (endogene Infektion), bleiben dabei aber relativ harmlos. Menschen benötigen Mikroorganismen zum Abbau der Nahrung im Darm, so wie manche von diesen den Menschen brauchen, um sich zu ernähren und zu vermehren (Symbiose). Meist bleibt diese Symbiose im Gleichgewicht und schadet dem menschlichen Organismus nicht. Es gibt aber Keime, die aus diesem Gleichgewicht ausbrechen und dann gefährlich werden.

Pathophysiologie

Infektionen entstehen, wenn Krankheitserreger wie Bakterien, Viren, Pilze, Einzeller (Protozoen), Parasiten oder Prionen in den Körper eindringen, anhaften, sich in ihm Vermehren und eine Reaktion der körpereigenen Abwehr (Immunsystem) auslösen. Ob es zu einer Vermehrung der Keime kommt und wie heftig die Infektion verläuft, hängt vom Verhältnis zwischen dem Keim ("Gast") und dem Immunsystem des Menschen (Wirt) ab. An den Wirt angepasste Krankheitserreger schaden ihm meist nicht sehr, denn sie benötigen ihn für ihre eigene Wandlung oder Vermehrung. Ein schwerer Infektionsverlauf mit hoher Sterblichkeit (Letalität) ist zumeist ein Anzeichen dafür, dass der verursachende Erregern noch nicht an den betreffenden Organismus als seinen Reservoirwirt angepasst ist. Bei den meisten Erregern ist für eine Infektion eine bestimmte Anzahl notwendig (Minimale Infektionsdosis), die in den Körper gelangen muss.

Einteilung


- ; Primärinfektion: Meint eine erstmalige Erregerübertragung, also den ersten Kontakt eines Organismus mit einem Krankheitserreger.
- ; Sekundärinfektion: Bezeichnet eine Erregerübertragung, die nach der Erstinfektion zusätzlich und mit anderen Erregern erfolgt. Es kommt zu einer Art Superinfektion mit mehreren Erregern, die das Immunsystem vor Probleme stellen können und auch die Therapie und Medikation erschweren. Der Verlauf einer solchen Erkrankung ist zumeist heftiger und zeigt vielfältige Symptome.
- ; Doppelinfektion: Bezeichnet eine gleichzeitige Erregerübertragung mit zwei verschiedenen Erregern. Grundsätzlich können Infektionen nach verschieden Gesichtspunkten eingeteilt werden:

Unterscheidung nach Krankheitserregern:

Nach ätiologischen Gesichtspunkten werden unterschieden:
- Virusinfektion
- Viruidinfektion
- Bakterielle Infektion
- Prioneninfektion
- Protozoeninfektion
- Wurminfektion
- Parasitäre Infektion
- Pilzinfektion

Unterscheidung nach Herkunft der Erreger:


- ; endogene Infektion: ist eine Erregerübertragung bei geschwächtem Immunsystem durch die körpereigene, normalerweise völlig harmlose Flora in Form eines Erregereinbruchs z. B. auf der Haut oder aus Magen, Darm und Lunge in den eigenen Körper (wie eine Wundinfektion durch eigene Kolibakterien).
- ; exogene Infektion: ist eine Erregerübertragung durch Infektionserreger aus der Umgebung.
- ; nosokomiale Infektion, auchiatrogene Infektion: ist eine Erregerübertragung, die in der ärztlichen Praxis oder im Krankenhaus erworben wird. Durch unbeabsichtigtes Einbringen von Erregern bei der Durchführung medizinischer Eingriffe wie durch Katheter oder Intubation, oder durch eine therapeutisch bedingte Beeinträchtigung der Abwehr des Patienten, wird dieser infiziert. Derartige Infektionen zeichnen sich dadurch aus, dass die typischen bakteriellen Erreger aus dem Bereich Arztpraxis oder Krankenhaus - wie z. B. Pseudomonaden - eine hohe Resistenz gegenüber nahezu allen gebräuchlichen Antibiotika zeigen. Der Mediziner unterscheidet bei den nosokomialen Infektionen solche, die im Krankenhaus erworben wurden (Symptome frühestens 48 h nach Aufnahme) von anderen, ambulanten Infektionen.
- ; Polymer-assoziierte Infektion: ist eine Erregerbesiedlung von Kunststoffoberflächen bei Kathetern, künstlichen Herzklappen oder künstlichen Gelenken.

Einteilung nach dem Infektionsweg


- Tröpfcheninfektion
- Kontakt- oder Schmierinfektion
- Infektion über Austausch von Körperflüssigkeiten
- Infektion über Blut saugende Insekten

Unterscheidung nach Übertragbarkeit der Erreger:


- ; direkte Infektion: eine Erregerübertragung von Mensch zu Mensch ohne Zwischenschritte auf exogene Art und Weise (siehe oben Infektionswege der exogenen Infektion)
- ; indirekte Infektion: die Erregerübertragung von einem Wirt mittels Überträger (Vektor) als Zwischenschritt, wie beispielsweise durch blutsaugende Insekten auf den nächsten Wirt

Unterscheidung nach Eintrittspforte der Erreger:


- ;enterale Infektion: eine Erregerübertragung, bei der die Krankheitserreger über den Darm als Eintrittspforte in den Organismus eingedrungen sind. Der gesamten Verdauungstrakt (Mund, Rachen, Speiseröhre, Magen und der gesamte Darm) wird als das Innere eines Tunnels betrachtet, das selbst nicht zum Körperinneren gezählt wird. Der exakte Ort, an dem die Infektionserreger in das eigentliche Körperinnere eindringen, gilt als Eintrittspforte.
- ;parenterale Infektion: eine Erregerübertragung, bei der die Krankheitserreger nicht über den Darm in den Organismus eingefallen sind.
Hier werden folgende Infektionsarten unterschieden: :
- perkutane Infektion: Die Erreger gelangen über die Haut in den Organismus. :
- permuköse Infektion: Die Erreger gelangen über die Schleimhäute in den Organismus. :
- Inhalationsinfektion: Die Erreger gelangen über die Atemwege in den Organismus. :
- urogenitale Infektion: Die Erreger gelangen über den Harntrakt in den Organismus. :
- genitale Infektion: Die Erreger gelangen über die Geschlechtsorgane in den Organismus. :
- intrauterine Infektion: Die Erreger gelangen von der Gebärmutter in den Körper des werdenden Kindes.

Unterscheidung nach Ausdehnung der Infektion:

;
- Lokalinfektion: eine Erregerübertragung, bei der die Erreger dort verbleiben, wo sie den Körper zuerst infiziert haben (Eintrittspforte). Sie verursachen nur an dieser Stelle Symptome, ohne sich im Organismus weiter zu verteilen. ;
- zyklische Allgemeininfektion: eine Erregerübertragung, bei der die Erreger sich zuerst an einer Eintrittspforte vermehren und dann über das Blut zu ihren eigentlichen Manifestationsorganen (Befallsorganen) gelangen. Das sind oft die Leber, Milz, lymphatische Organe, die Haut oder das Nervensystem. An der Eintrittspforte sind die Erreger dann nicht mehr nachweisbar. ;
- fokale Infektion (Herdinfektion): eine nach einer lokalen Erregerübertragung durch Bakterien, besonders durch Streptokokken, auftretende nachfolgende (sekundäre) Erkrankung. Die Erreger gelangen von einem Ausgangsherd, der durch eine lokale Infektion im Körper entstanden ist, mit Verzögerung durch septische Metastasierung oder schubweise Ausschüttung aus diesem Ausgangsherd über den Blutkreislauf in entferntere Körperregionen oder Organe und verursachen dort entzündliche oder auch allergische Krankheitsabläufe.

Unterscheidung nach Symptomauffälligkeit bzw. Immunität und Abwehrkraft des befallenen Organismus:


- ; stumme Infektion oder inapparente Infektion: Eine Erregerübertragung bei der es nicht zum Ausbruch der Krankheit kommt (klinisch nicht manifest, symptomlos). Eine solche Infektion findet vor allem dann statt, wenn es einem gesunden und abwehrstarken Immunsystem gerade bei an den Meschen angepassten Erregern mit dem Menschen als Reservoirwirt gelingt, nach einer Infektion das Auftreten von Krankheitsanzeichen zu verhindern, so dass lediglich eine stille Feigung (Immunisierung ohne Impfung oder Erkrankung) stattfindet.
Die stummen (inapparenten) Infektionen werden wie folgt unterteilt: :
- ;subklinische Infektion: Bei dieser Erregerübertragung überwiegen die Abwehrmechanismen und verhindern ein Ausbrechen der Krankheit. Durch Ausbildung einer sterilen Immunität oder einer kurzfristigen Resistenzsteigerung oder Immunitätsbildung wird der jeweilige Erreger eliminiert. Daher ist diese Infektionsart zeitlich begrenzt. :
- ;persistierende Infektion: Damit bezeichnet man eine Erregerübertragung, bei der der in einen Organismus eingedrungene Erreger zeitlich unbegrenzt mit dem Wirt zusammenlebt, sich in seinem Organismus nur wenige und nicht produktive Erreger neu bilden und sich auch keine Krankheitszeichen entwickeln.
Diese Infektionsart kann für den Wirtsorganismus die Ausbildung einer Immunität oder Interferenz (hier Aufhebung der Infektion), eine Steigerung der erregerunspezifischen Immunabwehr, die Bildung von Interferon oder eine Stimulierung der Lymphozyten bewirken.
Durch negative Beeinflussung dieser Mechanismen z. B. in Form von Stress oder Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems wie z. B. mit Medikamenten nach Organtransplantation) kann die persistierende Infektion jedoch zur Infektionskrankheit mit klinisch auffälligen Symptomen werden.
Die persistierenden Infektionen werden unterteilt in: ::
- ;latente Infektion: Bei dieser Erregerübertragungsart besteht ggf. zeitlich unbegrenzt solange ein Gleichgewicht zwischen Wirt und Erreger, bis einer von Beiden überwiegt und es entweder zum Ausbrechen der Infektionskrankheit oder aber zur Eliminierung (Abtötung) des Erregers kommt. ::
- ;tolerierte Infektion: Bei dieser Erregerübertragungsart kann sich der meist intrauterin (in der Gebärmutter) erworbene Erreger vermehren und auch anschließend während des ganzen Lebens ausgeschieden werden. Der Wirt erkrankt jedoch nicht, es sei denn, seine Immuntoleranz geht verloren. ::
- ;okkulte bzw. maskierte Infektion: Darunter versteht man eine versteckte Erregerübertragung, bei der eine Erregerinvasion stattgefunden hat, jedoch die in einen Organismus eingedrungenen Erreger weder direkt noch indirekt nachweisbar sind. Das Vorliegen einer solchen Infektion kann beim Menschen durch Symptome ungeklärter Ursache wie Schmerzen und Fieber vermutet werden. Ein weiteres Kennzeichen einer solchen Infektion ist ein zeitweiliger oder dauerhafter Verlust der Übertragbarkeit des Erregers (hier: Virus) trotz der fortdauernden Anwesenheit (Persistenz) seines Genoms in der Wirtszelle und seiner möglichen Übertragung auf Tochterzellen bei einer Zellteilung.
So wird z. B. eine Hepatitis B Virus (HBV)-Infektion beim Menschen mit nicht nachweisbarem Hepatitis B-Antigen (HbsAg) als eine okkulte Infektion bezeichnet [http://hepatitis-c.de/abstract/240.htm].
- ; abortive Infektion: Eine Erregerübertragung mit nur leichten Krankheitserscheinungen
- ; manifeste Infektion oder apparente Infektion: Eine Erregerübertragung mit deutlichem Ausbruch der Infektionskrankheit (klinisch manifest)
- ; opportunistische Infektion: Eine Erregerübertragung bei schon erkrankten Menschen mit Immunschwäche, die bei gesunden Menschen mit normalem Immunsystem nicht zu einer Erkrankung führen würde. Die Erreger machen sich hierbei die erworbene Abwehrschwäche des Körpers zunutze.

Infektionsattribute nach zeitlichem Ablauf der Krankheitserscheinungen:

# foudroyant, perakut, schnell und gefährlich, da nachfolgend schwerer, oft tödlicher Krankheitsverlauf. # akut, plötzlich beginnend, heftige Auswirkungen # subakut, weniger heftig # chronisch, allmählich beginnend, sich länger erstreckend # rezidivierend, sich wiederholend mit dem selben Erreger # latent, über einen langen Zeitraum mit dazwischenliegenden, klinisch stummen Phasen.

Unterscheidung nach anderen systematischen Gesichtspunkten:


- ; Horizontale Infektion: ist eine Erregerübertragung von Wirt zu Wirt der gleichen Generation.
- ; Vertikale Infektion: ist eine Erregerübertragung von einem Wirt zu seinen Nachkommen: :
- ; Pränatale oder transplazentare Infektion: bezeichnet die Erregerübertragung vor der Geburt (intrauterin) über den Mutterkuchen (Plazenta). :
- ; Perinatale Infektion: bezeichnet die Erregerübertragung während der Geburt. :
- ; Postnatale Inkektion: bezeichnet die Erregerübertragung nach der Geburt, z. B. durch die Muttermilch.

Sonderbezeichnungen:


- ; präpatente Infektion: Bezeichnet die Phase einer Parasiteninfektion von der Aufnahme bzw. dem Eindringen infektionsfähiger Parasitenstadien in einen Organismus bis zu deren abgeschlossener Entwicklung zu ausgewachsenen, eierlegenden Parasiten und zum Auftreten ihrer Fortpflanzungsprodukte in den jeweiligen Körperausscheidungen des Wirtes.
- ; patente Infektion: Bezeichnet die Phase einer Parasiteninfektion eines Organismus ab dem Zeitpunkt der abgeschlossenen Entwicklung der Eindringlinge zu ausgewachsenen, eierlegenden Parasiten und dem ersten Auftreten ihrer Fortpflanzungsprodukte in den Körperausscheidungen des Wirtes. Diese Begriffe werden in erster Linie in der Veterinärmedizin für eine Infektion mit Darmparasiten wie Würmer (Helminthen) bei Kleintieren und in der Humanmedizin bei Zoonosen verwendet.

Symptome

Typische Symptome einer Infektionskrankheit sind Entzündungen, also Rötungen, Schwellungen, evtl. mit Juckreiz oder Schmerz und lokaler oder allgemeiner Erwärmung (Fieber). Dazu kommen organzpezifische Abwehrerscheinungen oder Funktionsstörungen. Sehr häufig sind Atemwegsinfektionen mit Husten bei Rachenentzündung, Heiserkeit bei Kehlkopfentzündung, Schnupfen, Schluckbeschwerden bei Mandelentzündung, bei Lungenentzündung evtl. Auswurf. Auch Karies ist eine Infektionskrankheit. Wohl am zweithäufigsten sind Darminfektionen mit Durchfall, evtl. Krämpfen und Schmerzen, sie können sich auf die Leber ausweiten und eine Gelbsucht verursachen. Andere Beispiele wären Infektionen an der Haut oder an den Harnwegen. Banale Infekte sind typische Kinderkrankheiten. Die Symptomatik einer Infektionskrankheit hängt also zum einen mit der Schadwirkung des Erregers zusammen, zum anderen aber auch mit der Reaktion des Immunsystems. Entsprechend sind Infektionen bei Menschen mit schwachem Immunsystem oft gefährlich unauffällig und schwer zu diagnostizieren, weil Fieber, Krankheitsgefühl und Entzündungsparameter im Blut und Infiltrate in der Lunge fehlen. Typische Notfälle sind eine Hirnhautentzündung, eine schwere Sepsis (z.B. Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom), eine Nierenbeckenentzündung bei Säuglingen. Schleichend, aber auch sehr gefährlich ist eine Herzklappenentzündung oder eine Herzmuskelentzündung. Vor allem bei geschwächtem Immunsystem (Immunsuppression, Aids, Alter) kann auch eine Lungenentzündung oder jede andere Infektion gefährlich sein.

Diagnostik

Eine wichtige Voraussetzung zur Bekämpfung einer Infektionskrankheit ist eine genaue Diagnose, d. h. das Erkennen des Erregers und seiner Eigenschaften. In Fällen mit bedrohlichem Krankheitsverlauf kann eine genaue Diagnose bei einer schweren Infektionserkrankung allerdings nicht abgewartet werden, sondern es wird mit Antibiotika oder Antimykotika eine Therapie begonnen, die alle wahrscheinlichen Erreger, wie z.B. zunächst Bakterien und Pilze, treffen soll (kalkulierte Therapie). Deuten jedoch alle Anzeichen auf Viren als Erreger, ist ggf. der sofortige Einsatz von Virustatika erforderlich. Viele Bakterien und auch Pilze lassen sich auf Blutagar oder ähnlichen Nährmedien anzüchten. Außerdem kann man sie nach Färbung (z.B. Gramfärbung) unter dem Lichtmikroskop betrachten. Bei Viren oder intrazellulären Bakterien wäre dazu eine Zellkultur bzw. ein Elektronenmikroskop nötig. Für den klinischen Einsatz praktikabler sind oft modernere Methoden, die in Labors durchgeführt werden. Bei molekularbiologischen Methoden weist man Erbinformation des Erregers z.B. mittels der PCR nach. Bei immunologischen Methoden weist man Antikörper nach, die das Immunsystem gegen spezifische Oberflächenstrukturen, sog. Antigene bildet, oder man benutzt umgekehrt Antikörper, um Antigene des Erregers nachzuweisen. Es gibt auch andere charakteristische Bestandteile bestimmter Erreger, die man nachweisen kann (z.B. Hämagglutinin). Tierversuche sind heute nur noch in Ausnahmefällen erforderlich, z.B. bei Tetanus. Tuberkulose wird auch durch Hauttests diagnostiziert (TINE-Test, Mantoux-Test).

Prävention und Therapie

Hygiene und Impfungen haben maßgeblich zur Verringerung von Infektionskrankheiten beigetragen. Im medizinischen Bereich sind routinemäßige Desinfektionen der Hände und Verwendung von sterilem Material nötig. Auf der anderen Seite beachtet man heute die Widerstandsfahigkeit des Organismus und seines Immunsystems stärker. Sie lässt sich durch gesunde Ernährung, Abhärtung und körperliche und seelische Ausgeglichenheit steigern. Nötigenfalls werden Infektionen mit Antibiotika, Virostatika, Antimykotika oder Antihelminthika bekämpft. Auch Hausmittel und Pflanzenheilkunde haben ihre Berechtigung. Viele Heilpflanzen wirken antibakteriell, teilweise auch antiviral und antimykotisch (z. B. Rettich und Kapuzinerkresse). Bei Virusinfektionen ist Vitamin C hilfreich, ferner Zink.

Weblinks


- [http://www.medizin.de/gesundheit/deutsch/1074.htm Hygienemanagement - Norovirus als Erreger von Gastroenteritiden]
- [http://216.239.33.100/search?q=cache:gmkfZ-2gqfAC:www.meb.uni-bonn.de/hygiene/Englisch/0010infektionskrankheiten-Internet.doc+Todesf%C3%A4lle+zehn+h%C3%A4ufigsten+Infektionskrankheiten+der+Welt+Weltgesundheitsbericht+1996&hl=de&ie=UTF-8 Medizinische Risikobewertung von Infektionskrankheiten]
- [http://www.rki.de/INFEKT/INFEKT.HTM Gute Zusammenfassungen über verschiedene Infektionskrankheiten durch das RKI]
- Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin
  - http://www.mpiib-berlin.mpg.de/
- GBF - Helmholtzzentrum für Infektionsforschung in Braunschweig
  - http://www.gbf.de Kategorie:Infektionskrankheit ja:感染 simple:Infection



Gelbsucht

Der Ikterus (gr. ΐκτερος, en. jaundice), auch Gelbsucht genannt, ist ein Symptom, welches bei mehreren unterschiedlichen Erkrankungen auftreten kann. Er beschreibt eine Gelbfärbung von Haut, Schleimhäuten sowie der Lederhaut des Auges durch eine erhöhte Konzentration von Bilirubin. Dem Ikterus liegt eine Störung im Bilirubinstoffwechsel zugrunde. Bilirubin ist ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. Durch vermehrten Anfall oder verminderte Ausscheidung des Bilirubins kommt es zunächst zum Ansteigen der Serumkonzentration (sogenannte Hyperbilirubinämie) und anschließend zum Austritt durch das Gefäßendothel mit Einlagerung im Körpergewebe. Ab einem Serumspiegel von mehr als 35 μmol/l (=2 mg/100 ml) tritt die Farbveränderung zuerst an der (sonst weißen) Lederhaut des Auges (Sklera) in Erscheinung. Mit weiter zunehmenden Werten kann man schließlich auch an der Haut und den Schleimhäuten die gelblichen Veränderungen beobachten. Auch die Körperflüssigkeiten sowie anderen Organe sind davon betroffen. Da die Leber eine zentrale Rolle im zugrundeliegenden Bilirubin-Stoffwechsel spielt, werden, abhängig von der Lokalisation der Störung, ein
- prähepatischer (mit Ursache vor der Leber)
- hepatischer (mit Störung in der Leber) sowie
- posthepatischer Ikterus (Störung im der Leber nachgeschalteten System) unterschieden.

Prähepatischer Ikterus

Beim prähepatischen Ikterus kommt es durch den stark gesteigerten Zerfall von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im Rahmen einer Hämolyse zum vermehrten Anfall des unkonjugierten Bilirubins. Der selbe Mechanismus tritt physiologischerweise auch beim Neugeborenenikterus (Icterus haemolyticus neonatorum) auf. Kurz nach der Geburt werden die mit dem fetalen Hämoglobin beladenen Erythrozyten vermehrt abgebaut und durch neu gebildete rote Blutkörperchen ersetzt. Der Neugeborenenikterus ist Zeichen dieser ablaufenden Reaktion und üblicherweise unschädlich. Bei massiv erhöhten Bilirubinwerten kurz nach der Geburt (z.B. durch eine bestehende Rhesus-Inkompatibilität oder bei Frühgeburten) besteht allerdings die Gefahr des Kernikterus, einer Schädigung wichtiger Zentren des zentralen Nervensystems mit einer schlechten Prognose.

Hepatischer Ikterus

Da mehrere Schritte des Bilirubinstoffwechsels in der Leber ablaufen, gibt es dementsprechend auch unterschiedliche Entstehungsmöglichkeiten für einen hepatischen Ikterus. Im Wesentlichen können folgende Abläufe gestört werden:
- Bilirubinaufnahme in die Leberzellen
- Bilirubinkonjugation (Umwandlung von wasserunlöslichem, unkonjugiertem in wasserlösliches, konjugiertes Bilirubin)
- Transport von konjugiertem Bilirubin aus der Leberzelle heraus
- Abfluss aus den Gallenkanälchen der Leber in die extrahepatischen Gallenwege

Störung der Bilirubinaufnahme

Eine unzureichende Aufnahme von unkonjugiertem Bilirubin kann einerseits durch eine Leberzellschädigung, beispielsweise im Rahmen einer Virushepatitis oder einem akuten Leberversagen, oder andererseits durch eine Überlastung des zelleigenen Transportsystems bedingt sein. Einige Medikamente (manche Antibiotika beispielsweise) müssen über die selben Transportwege ausgeschieden werden und können dabei mit dem Bilirubin konkurrieren.

Störung der Bilirubinkonjugation

Auslösend sind meist Gendefekte der beteiligten Enzyme (v.a. der UDP-Glukuronyltransferase). Die bekanntesten Erkrankungen in diesem Zusammenhang sind der M. Gilbert-Meulengracht oder das Crigler-Najjar-Syndrom.

Störung des Bilirubintransportes

Neben Leberzellschäden verschiedenster Ursache können ebenso vererbte Störungen der notwendigen Strukturen auslösend sein. Hierzu zählen das Dubin-Johnson-Syndrom oder das Rotor-Syndrom.

Störung des Galleabflusses

Ähnlich dem posthepatischen Ikterus sind bereits hier, neben dem Bilirubin, auch noch etliche andere Substanzen von der mangelnden Ausscheidung betroffen. Daher wird von einer intrahepatischen Cholestase gesprochen.

Posthepatischer Ikterus

Hier liegt eine Störung des Gallenabflusses aus der Leber durch den Ductus choledochus in das Duodenum vor. Da in der Galle neben Bilirubin auch verschiedene andere Substanzen ausgeschieden werden, treten neben der Gelbfärbung von Haut und Schleimhäuten auch verschiedene andere Symptome auf. Gemeinsam werden alle Erscheinungen unter der Bezeichnung Cholestase subsummiert. Am häufigsten sind es Gallensteine, die im Ausführungsgang steckenbleiben und ihn verlegen. Aber auch Tumoren (ausgehend von Bauchspeicheldrüse, Gallenblase, Gallengängen oder dem Zwölffingerdarm) können zu plötzlichen Verschlüssen des Ausführungsganges führen. Im Gegensatz zu den Gallensteinen, welche häufig auch gleichzeitig zu einer Gallenkolik führen, sind tumoröse Veränderungen in diesem Stadium oft noch schmerzfrei. Daher sollte jeder schmerzlose Ikterus als malignomverdächtig eingestuft werden und unverzüglich medizinisch abgeklärt werden (wie übrigens alle anderen Formen natürlich auch).

Quellen

Literatur
- Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 257. Auflage
- Böcker, Denk, Heitz: Pathologie. Urban & Schwarzenberg, München 1997 ISBN 3-541-15891-3
- Siegenthaler, Kaufmann, Hornbostel, Waller: Lehrbuch der inneren Medizin. Thieme, Stuttgart 1992 ISBN 3-136-24303-X

Weblinks


- [http://www.medicoconsult.de/Hepabook/Lesympt.php#Ikterus Ikterus: medizinische Fachinformationen]
- [http://www.medicoconsult.de/Hepabook/Gilbe.php Ikterus bei Meulengracht-Syndrom]
- [http://www.medicoconsult.de/Hepabook/Chst.php Galleabflußstörung] Kategorie:Krankheit Kategorie:Hepatologie ms:Demam kuning jaundis

Grippe

Influenza, auch "Grippe", ist eine Erkrankung, ausgelöst durch eine von drei Virusgattungen. Der Name „Influenza“ (von ital. influenza: Einflüsse der Gestirne, der Kälte) leitet sich von der bis ins Mittelalter vorherrschenden medizinisch-astrologischen Vorstellung ab, alle Krankheiten seien durch bestimmte Planetenstellungen beeinflusst. Erst seit dem 15. Jahrhundert bleibt der Name der "echten Grippe" vorbehalten, einer oft tödlichen Virusinfektion. Im Volksmund wird die Bezeichnung Grippe häufig für grippale Infekte verwendet, bei denen es sich aber um verschiedene, in der Regel deutlich harmloser verlaufende Virenerkrankungen handelt. grippale Infekte grippale Infekte

Erreger

Der Erreger der Influenza ist das Influenza-Virus, ein behülltes Einzel(-)-Strang-RNA-Virus [ss(-)RNA] aus der Familie der Orthomyxoviren. Das Genom aller Influenzaviren besteht aus 8 RNA-Segmenten negativer Polarität und diese acht RNA-Moleküle beinhalten die genetische Information, die für die Vermehrung und den Zusammenbau der Viruspartikel benötigt wird. Diese Segmentierung des Genoms ist auch für die erhebliche Steigerung der genetischen Veränderlichkeit (Variabilität) der Influenzaviren über eine hohe Mutationsfrequenz und die Fähigkeit zur genetischen Reassortierung verantwortlich. Die Segmente kodieren zehn virale Proteine: Hämagglutinin (HA), Neuraminidase (NA), Nukleoprotein (NP), die Matrixproteine (M1) und (M2), die Polymerase Proteine (PB1), (PB2) und (PA) und die Nichtstrukturproteine (NS1) und (NS2). Im Elektronenmikroskop sieht man alle Gattungen dieses Virus als kugelige oder auch vielgestaltige, behüllte Viruspartikel mit einem Durchmesser von 80-120 nm, in deren Hülle eine jeweils verschiedene Anzahl an Proteinen und Glykoproteinen eingelagert sind. Diese Glykoproteine ragen als 10-14 nm lange, Spikes oder Peplomere genannte Fortsätze über die Virusoberfläche hinaus. Bei den Influenza-A- und Influenza-B-Viren sind genau zwei Typen dieser Spikes für die Virologen von besonderem Interesse. Das sind das Hämagglutinin (HA) und die Neuraminidase (NA). Das Hämagglutinin bewirkt die Verklumpung von Erythrozyten und vermittelt bei der Infektion einer Wirtszelle die Anheftung und das Eindringen des Virus. Die Neuraminidase hat im Infektionsvorgang eine noch nicht abschließend geklärte enzymatische Funktion. Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand spielt die Neuraminidase eine entscheidende Rolle bei der Freisetzung von Viren aus der infizierten Zelle. So verhindert sie das HA-vermittelte Anheften der Tochtervirionen an die bereits infizierte Zelle. Die Influenzaviren vermehren (replizieren) sich im Atemtrakt (Respirationstrakt) eines infizierten Individuums. Es gibt vier Gattungen dieses Virus:
- 1.) Influenza-A-Viren Die lineare, einzelsträngige RNA ihres Genoms besitzt 8 Segmente und sie zeichnen sich besonders durch große Unterschiede in den antigenen Eigenschaften aus, die im Vergleich zu den anderen Gattungen auf besonders hoher Mutationsfrequenz und Neugruppierungen beruhen. Diese Untertypen befallen üblicherweise jeweils nur bestimmte Wirte. Dazu zählen der Mensch und verschiedene Säugetierarten wie Schwein, Pferd (vgl. Pferdegrippe), Nerz, Seehund und Wal sowie zahlreiche Vogelarten. Das primäre Reservoir aller Influenza A-Viren liegt im Wassergeflügel.
- 2.) Influenza-B-Viren Ihr Genom hat ebenfalls eine 8-fach segmentierte lineare, einzelsträngige RNA und sie befallen nur Menschen.
- 3.) Influenza-C-Viren Im Gegensatz zu den Influenza A- und B-Viren hat die lineare, einzelsträngige RNA des Genoms der Influenza C-Viren nur 7 Segmente. Außerdem liegt bei diesen Viren ein Glykoprotein [Oberflächen-Haemagglutinin-Esterase-Fusion-Protein (HEF)] vor, das sowohl die Aufgaben der Rezeptorbindung des Virus an die Wirtszelle, der anschließenden Eindringung (Fusion) wie auch auch der späteren Freisetzung der neugebildeten Viren aus der Zelle übernimmt. Dieser Virus-Typ C befällt Mensch und Schwein, doch spielt er bei Erkrankungen des Menschen keine relevante Rolle, da er wenn überhaupt nur zu milden Erkrankungen führt.
- 4.) Thogotovirus Die lineare, einzelsträngige RNA dieses Virus besitzt nur sechs Segmente und es befällt Zecken und verschiedene Säugerarten, aber nicht den Menschen. Deshalb spielen Viren dieser Gattung bei der Influenza des Menschen keine Rolle, sie sind hier nur zur Vollständigkeit der Virusfamilie mit aufgeführt. In Fachkreisen wird jeder Virusstamm mit den Kennungen Typus, Ort der erstmaligen Isolierung (Virusanzucht), Isolierungsnummer, Isolierungsjahr (Beispiel: Influenza B/Shanghai/361/2002) und nur bei den A-Viren auch zusätzlich mit der Kennung des Oberflächenantigens benannt [Beispiel: Influenza A/California/7/2004 (H3N2)].

Variabilität

Antigendrift

Eine Häufung von Punktmutationen in den Nukleotiden der beiden Glykoproteinen HA und NA führt zu einer Antigendrift. Dies führt zu einer Änderung ihrer Oberflächenantigene des Grippevirus. Menschliche Antikörper können immer nur eine solche Varianten erkennen. Diese eher kleinen Veränderungen sind der Grund dafür, dass ein Mensch mehrmals in seinem Leben mit einer anderen nur geringfügig veränderten Virusvariante (Driftvariante) infiziert werden kann und dass Epidemien und regional begrenzte Ausbrüche regelmässig wiederkehren.

Antigenshift bei Doppelinfektion

Wird ein Organismus gleichzeitig von zwei Virusvarianten infiziert (Doppelinfektion), kann es zu einer Neuzusammenstellung (zum Neuarrangement) unter den zweimal 8 Genomsegmenten der beteiligen Influenzaviren kommen, in dem einzelne oder mehrere RNA-Moleküle zwischen den Influenzaviren in einer doppelt infizierten Zelle ausgetauscht werden. Diesen Vorgang nennt man genetische Reassortierung, und er kann im Menschen, aber auch in anderen Wirten, wie beispielsweise bei Vögeln und Schweinen erfolgen. Die so verursachten größeren als Antigenshift bezeichnete Veränderungen in den viralen Oberflächenantigenen werden allein bei den Influenza A-Viren beobachtet (Shiftvarianten), allerdings kommen sie nur selten vor. Derartige Veränderungen können dann der Ursprung von Pandemien sein, von denen es im 20. Jahrhundert die von 1918-19 mit dem Subtyp H1N1, 1957 mit H2N2, 1968 mit H3N2 und die von 1977 mit dem Wiederauftauchen von H1N1 gab.

Influenza-A-Subtypen

Im Allgemeinen werden die Influenza-A-Viren in erster Linie nach bestimmten Oberflächeneigenschaften in Untertypen bzw. Subtypen eingeteilt. Dies geschieht nach dem Muster A/HxNx oder A/Land/HxNx/Probe. Bisher wurden bei ihnen insgesamt 16 H-Untertypen und 9 N-Untertypen erkannt. Die wichtigsten Oberflächenantigene beim Influenza-A-Virus sind die Hämagglutinine (H1, H2, H3 und H5) und die Neuraminidase (N1 und N2), und deshalb sind auch folgende Subtypen für den Menschen von besonderer Bedeutung:

A/H1N1

Sehr bekannter Subtyp der Humaninfluenza. Dieser Virus gilt als Auslöser der so genannten Spanischen Grippe von 1918 und konnte im Lungengewebe der Opfer nachgewiesen werden. Im Jahr 2005 gelang schließlich eine Rekonstruktion des Erregers aus Genfragmenten. Dieser Virustyp kann aufgrund seiner Struktur besonders leicht in menschliche Körperzellen eindringen und sein Erbgut einschleusen.

A/H2N2

Bekannter Subtyp der Humaninfluenza.

A/H3N2

Sehr bekannter Subtyp der Humaninfluenza (Fujian Typ). Er ist in Europa und in den USA verbreitet.

A/H5N1

Der Subtyp A/H5N1 ist einer von mehreren Auslösern der Geflügelpest, die in seltenen Fällen auch auf den Menschen übertragen werden kann. A/H5N1 gehört nicht in die Reihe der beim Menschen eine Grippe auslösenden Influenza-A-Viren, da er bislang nicht von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Er ist hier jedoch auf Grund der aktuellen Pandemie der so genannten Vogelgrippe und wegen der mit ihr verbundenen Befürchtungen einer künftig möglichen Gefährdung auch der Menschen der Vollständigkeit halber angeführt.

Influenza-B-Subtypen

Die Influenza-B-Viren werden in zwei Stamm-Linien eingeteilt
- B/Victoria-Linie
- B/Yamagata-Linie

Influenza-C-Subtypen

Vorkommen

Die Influenzaviren und die durch sie ausgelösten Erkrankungen existieren weltweit, allerdings kommen im Gegensatz zu den anderen Virustypen die Influenza-C-Viren nur gelegentlich vor.

Übertragung

Das Virus wird entweder übertragen
- per Tröpfcheninfektion d.h. direktes Einatmen von Expirationströpfchen (Ausatmungströpfchen) infizierter Personen, oder über Kontaktinfektion bzw. Schmierinfektion mit den Viren der auf Gegenständen oder Körperoberflächen niedergegangenen hoch infektiösen Expirationströpfchen, wenn sie anschließend über die Schleimhäute z.B. in Mund, Nase oder Augen in den Körper gelangen.
- über das Trinkwasser, unter Umständen sogar durch das öffentliche Trinkwassernetz, da die Viren bei Kälte über mehrere Wochen konserviert werden und so in der kalten Jahreszeit bis zum Wasserhahn gelangen können
- durch Kotpartikel erkrankter Wirte und Vektoren
- mechanisch auf Haaren, Haut und Gefieder Es gibt unterschiedliche Schätzungen, nach welcher Zeit ein infiziertes Individuum seinerseits in der Lage ist, das Virus auf andere Individuen zu übertragen. Nach Longini et al. dauert es vier Tage, bis ein gerade angesteckter Mensch weitere Menschen infizieren kann. Dagegen kommt ein anderes Wissenschaftsteam (Fergurson et al.) nach Analyse von historischen Daten zu dem Schluss, dass die Weitergabe der Viren schon 2,6 Tage nach der Infektion möglich ist.

Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt meist aus einem Nasenabstrich aus der hinteren Nasenhöhle oder aus dem klassischen tiefen Rachenabstrich. Andere Untersuchungsflüssigkeiten sind Trachealsekret, die Bronchoalveoläre Lavage (BAL), Nasenspülflüssigkeit, Rachenspülflüssigkeit oder das Blut.
- Direkter Erregernachweis in der Elektronenmikroskopie
- Influenza - PCR-Test
  - Dieser Test kostet circa 40 Euro und liefert innerhalb von Stunden ein sehr verlässliches Ergebnis. Er ist - bei positivem Ausgang - die Voraussetzung zu einem sinnvollen Einsatz von Tamiflu, wird aber in der BRD derzeit nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.
- Influenzaantikörper im Blut
- Influenza-Schnelltest
  - Dieser Test liefert innerhalb von 15 Minuten ein Ergebnis. Es handelt sich hierbei um eine Verfahren in dem Proteine des Virus mittels farblich markierter Antikörper auf einem Teststreifen sichtbar gemacht werden. Dieser Test wird im Gegensatz zur Influenza-spezifischen PCR von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt und liefert ebenfalls die Voraussetzung zu einem sinnvollen Einsatz von Tamiflu oder anderen Neuraminidaseinhibitoren.

Symptome

Symptome treten nach einer Inkubationszeit von wenigen Stunden bis Tagen auf. Generell sind sie unspezifisch und können mit jeder anderen akuten Atemwegserkrankung verwechselt werden. Charakteristisch ist der oft schlagartige Ausbruch der Erkrankung. Die wichtigsten Symptome sind:
- ausgeprägtes Krankheitsgefühl im ganzen Körper
- hohes Fieber bis 40 Grad Celsius
- Kopfschmerzen und Müdigkeit
- Augentränen
- trockener Husten
- trockene Kehle
- angeschwollene Nasenschleimhaut
- Schnupfen
- Gliederschmerzen Meist folgen:
- starkes Fieber
- Schüttelfrost
- Kopf- und Gliederschmerzen

Komplikationen

In seiner schwersten Verlaufsform führt eine Influenza bei vorerkrankten, immungeschwächten oder ohne jeden Impfschutz versehenen Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen zu einer primären grippebedingten Lungenentzündung (Influenzapneumonie) oder auch innerhalb weniger Stunden (perakut) zum Tod. Als weitere Komplikationen kommen Gehirnentzündungen (Enzephalitiden) und Herzmuskelentzündungen (Myokarditiden) in Betracht. Diese Komplikationen können zwar in jedem Lebensalter auftreten, doch treten sie in erster Linie bei Menschen mit schwerwiegenden Grunderkrankungen wie chronische Herz-Lungen-Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, Immundefekte und anderen in Erscheinung. Da unter diesen Bedingungen eine vorbeugende Impfung oft nicht angezeigt ist, bedeutet ein deshalb nicht vorhandener Impfschutz einen weiteren Risikofaktor. Die Impfungsrate ist in Deutschland und Österreich gering. Pro Jahr sind aufgrund einer Influenza-Erkrankung in der Altersgruppe der 5- bis 44-jährigen 200 bis 300 bzw. in der Gruppe der über 65-jährigen 2.000 bis über 10.000 Krankenhauseinweisungen erforderlich. In der letzteren Gruppe sind pro Jahr unter einer Million Personen 300 bis über 1.500 Todesfälle durch Influenza bedingt. Im Winter 2002/2003 gab es nach Angaben des Robert Koch-Instituts 5 Millionen Infizierte und 16.000-20.000 Todesfälle, die auf eine Influenza zurückzuführen sind. Nach [http://www.statistik.at/jahrbuch/pdf/k03.pdf Angaben des Bundesamtes für Statistik Österreich] starben 2002 in Österreich 18 Menschen direkt an der Grippe. Es ist aber davon auszugehen, dass der Influenza noch viele weitere Todesfälle ursächlich zuzurechnen sind.

Therapie


- Neuraminidase-Hemmer
  - Oseltamivir (Handelsname Tamiflu®) zur Einnahme
  - Zanamivir (Handelsname Relenza®) zur Inhalation
- M2-Hemmer ( Diese werden selten als Influenzamittel eingesetzt und sind nur schwach wirksam )
  - Amantadin (Handelsname Symmetrel® / PK-Merz®) zur Einnahme
  - Rimantadin (Handelsname Flumandine®) zur Einnahme
- Antibiotika um eine bronchiale Sekundärinfektion zu bekämpfen
- symptomatische Maßnahmen
  - Mundschutz zur Verhinderung der Ansteckung und andere Hygienemaßnahmen
  - fiebersenkende Maßnahmen
  - Einatmen von kalter, sauberer, feuchter Luft
    - Kalte Luft dämpft die Schwellung und Entzündung der Bronchialschleimhaut
  - Beatmung
  - Befeuchtung der Nasenrachenwege
  - Hustenmittel

Entwicklung neuer Medikamente

Der Virologe Stephan Ludwig von der Universität Münster verfolgt neben Forschungen an einem Wirkstoff der Graubehaarten Zistrose (Cistus incanus) auch noch hinsichtlich eines vor Resistenzentwicklung gefeiten Antigrippemittels einen ganz neuen Ansatz. Angriffspunkt eines zukünftigen Präparates soll nicht das Virus selbst sein, sondern sogenannte Signalketten in den infizierten Zellen, also Mechanismen der Wirtszellen. Damit sind nacheinander geschaltete biologische Schalter gemeint, mit denen die Zellen Signale von außen aufnehmen und dann in das Innere weiterleiten. Auf diese Weise erfährt die Zelle beispielsweise auch, wann sie sich teilen oder aber ihr eigenes Absterben einleiten soll. Für gesunde Zellen sind nach Ansicht des Forschers einige dieser Signalketten durchaus entbehrlich, aber andererseits für die Vermehrung von Influenzaviren unverzichtbar. Eine von der Firma Inamed entwickelte Wirksubstanz hat schon klinische Tets ohne nennenswerte Nebenwirkungen bestanden, doch mit einer Zulassung eines neuen Medikaments ist nicht vor 2008 zu rechnen.

Vorbeugung

Siehe auch: Grippeimpfung Grundsätzlich ist eine vorbeugende Impfung gegen die Influenza beim Menschen mehr oder minder eingeschränkt möglich, und sie gehört trotz aller Kritik zu den wirksamsten vorbeugenden Maßnahmen, die uns zur Verfügung stehen. Allerdings setzt die enorme Wandlungsfähigkeit der Influenza A-Viren eine möglichst große Übereinstimmung der verwendeten Impfstämme zur Wirksamkeit der Immunisierung voraus, die jedoch in aller Regel bei den vorzugsweise in den Monaten Oktober und November jährlich angebotenen, kostenlosen Impfaktionen gegeben ist. Im Falle einer drohenden Epidemie ist eine Impfung auch zu jeder anderen Jahreszeit möglich und sinnvoll. Während einer Grippewelle sind ganz allgemein und besonders bei einem Krankheitsfall in der allernächsten Umgebung wie z.B. in der Familie auf Grund der Übertragbarkeit der Influenzaviren die Grundregeln der Hygiene zu beachten. So sollte vor allem die Verbreitung der Erreger durch das Tragen eines Mundschutzes, durch Waschen und Desinfizieren der Hände und die Vermeidung eines zu engen Kontakt mit dem bereits Infizierten vermindert werden. Besonders für Kleinkinder und für Erwachsene jenseits der 65 kann ferner eine Impfung gegen Pneumokokken sinnvoll sein. Diese Bakterien sind häufig verantwortlich für die einer Virusinfektion unmittelbar folgende Lungenentzündung: Wer sich mit einem Influenza-Virus infiziert und an dessen Folgen stirbt, stirbt normalerweise nicht unmittelbar durch die Viren, sondern an einer Sekundärinfektion, und diese wird häufig durch Pneumokokken hervorgerufen.

Epidemien/Pandemien

Von einer Influenzaepidemie oder Grippewelle spricht man, wenn 10-20% der Bevölkerung infiziert sind und die Ausbrüche lokal begrenzt bleiben. Auslöser der Epidemien und Pandemien sind Influenzaviren der Gruppen A und – seltener – B, da diese in der Lage sind, ihre antigenen Oberflächenmoleküle Hämagglutinin: HA und Neuraminidase: NA ständig zu verändern. Das führt dazu, dass sie bei einer erneuten Infektion vom Immunsystem nicht mehr oder nur schlecht erkannt werden. Pandemien treten in der Regel alle 10 bis 40 Jahre auf und verbreiten sich explosionsartig mit Infektionsraten von bis zu 50% über den ganzen Globus. Auslöser ist immer ein neuer Subtyp des Influenza-A-Virus, der durch einen Antigenshift (eine Durchmischung von humanen und aviären Gensegmenten) entsteht. Meist findet die Durchmischung von Vogelgrippe- und humanen Influenzaviren im Schwein statt, das oft Träger beider Viren sein kann. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Jahre 1948 ein weltweites Überwachungssystem installiert, das die von 110 Referenzlaboratorien isolierten Virusstämme ständig auf neue Varianten überprüft, was zu den jährlich neuen Empfehlungen für die Impfstoffzusammensetzung der kommenden Saison führt, mit industriellem Herstellungszyklus von 10-12 Monaten. Das [http://www.rki.de/cln_011/nn_226630/DE/Content/Infekt/NRZ/Influenza/influenza__node.html__nnn=true Nationale Referenzzentrum für Influenza (NRZ)] in Deutschland befindet sich am Robert Koch Institut.

Übersicht

Die Epidemien und Pandemien des 20. Jahrhunderts wurden nach ihren Ursprungsgebieten benannt:
- 19181920 – "Spanische Grippe" extrem hohe Zahl von Toten wohl weit mehr als 50 Mio. Tote (Pandemie, der Name "Spanische Grippe" rührt daher, dass die Presse in Spanien weitaus freier war als in den am 1. Weltkrieg direkt beteiligten Nationen. Nachrichten über die Krankheit in ihren Ländern wurden vielfach zensiert und die Berichte über diese Pandemie kamen deshalb hauptsächlich aus dem neutralen Spanien. Der Ursprung der Grippe lag jedoch vermutlich in den Vereinigten Staaten)
- 19571958 – "Asiatische Grippe" ca. 1 bis 1,5 Mio. Tote (Epidemie)
- 19681969 – "Hongkong-Grippe" ca. 3/4 bis 1 Mio. Tote (Epidemie) Auch in normalen Grippejahren ohne Pandemie sterben jährlich eine Vielzahl von Menschen an dieser Krankheit oder ihren Folgen. Influenza-Pandemien stellen nach wie vor eine große Gefahr für die Weltgesundheit dar. Als größte vorstellbare und realistische globale Katastrophe gilt heute eine Grippe-Pandemie, da sie das Gesundheitssystem der meisten Länder überfordern würde.

Ausbreitungswege

Die zwei Hauptausbreitungswege einer Grippepandemie sind wahrscheinlich:
- menschliche Reisetätigkeit
- der Vogelzug Die direkte Ausbreitung von Mensch zu Mensch erfolgt mittels Tröpfcheninfektion. Ob eine Ansteckung über das Trinkwasser ein wesentlicher Übertragungsweg ist, ist noch ungesichert.

Historisches

Die Geschichte der Virologie ist u.a. eng mit den Namen Adolf Mayer, Dmitrii Iwanowski, Martinus Beijerinck sowie Wendell Meredith Stanley verknüpft. Deren Arbeiten und die Isolation des für die Influenza beim Menschen "verantwortlichen" Virus durch Andrewes, Smith and Laidlaw vom [http://www.nimr.mrc.ac.uk/about/ National Institute for Medical Research] im Jahr 1933 waren nötig, um die Hilflosigkeit angesichts der Influenza (zumal gegen die bakteriellen Folgeinfektionen auch noch keine Antibiotika verfügbar waren) zu überwinden, die der nachstehende Bericht aus einer österreichischen Tageszeitung aus dem Jahre 1889 anschaulich darstellt: ::„Die Influenza breitet sich aus. In Wien, wo der erste Fall Ende des vorigen Monats auftrat, soll die Krankheit bereits den Charakter einer rapid um sich greifenden Infektionskrankheit angenommen haben. Im Wiener Allgemeinen Krankenhause gibt es keine Klinik und Abteilung, wo das Wartepersonal von Influenzafällen frei wäre. Dasselbe gilt von den Sekundarärzten, Operateuren und Aspiranten. Auch in Berlin sind in den letzten Tagen Fälle von Influenza vorgekommen, und in Paris ist die Krankheit bekanntlich im Louvremagazin ausgebrochen, wo gegen 400 Personen daran leiden. In Russland hat sich die Influenza über das ganze Reich ausgebreitet. In Petersburg und Moskau wurden über 300.000 Menschen davon befallen. Die Influenza greift überaus rapid um sich, wie dies von keiner anderen Krankheit, selbst Cholera und gelbes Fieber gesagt werden kann. Sie gibt sich, wie der russische Professor Dr. Filatoff in einer wissenschaftlichen Abhandlung schildert, vor allem durch das Fiebern des Körpers, durch heftige Kopfschmerzen, vorzüglich im Schädel und im Bereiche des sinus frontalis (Stirnbogen) und durch die Steigerung der Körperwärme kund. Manche Patienten werden überdies von heftigem Schnupfen und Husten befallen. Im ganzen Körper empfindet man Schwäche und Mattigkeit. Die Krankheit dauert nicht länger als 5 bis 6 Tage, wobei der Kranke an einzelnen Zwischentagen gar keine Leiden hat und sich ganz wohl fühlt. Nach solchen Zwischenfällen treten gewöhnlich starkes Fieber und große Hitze im Körper ein, worauf der Patient wieder ganz gesund wird. Als eines der besten Mittel gegen die Influenza empfiehlt ein Arzt in der russischen St. Petersburger Zeitung den Absud vom Salbei, welcher glasweise, unter Beimischung einiger Tropfen des stärksten Cognacs getrunken wird. Die Krankheit ist nach Prof. Nothnagel in Wien unzweifelhaft eine Bakterienkrankheit; sie verbreitet sich nicht durch ein Contagium, sondern mittels Miasmen durch die Luft.“

Literatur


- W. H. Haas: Prinzipien und Aspekte der Seuchenalarmplanung am Beispiel der Influenzapandemieplanung. Bundesgesundheitsblatt 9 (2005), S. 1020-1027 ([http://www.springerlink.com/(22f5lj45zbap4aevsg24m1r3)/app/home/contribution.asp?referrer=parent&backto=issue,9,17;journal,3,87;linkingpublicationresults,1:103073,1])
- Anonymus: Neues über die Grippe-Pandemie von 1918. Deutsche Apotheker Zeitung (Stuttgart) 140(22), S. 46 ff., ISSN 0011-9857
- Anonymus: Influenza. Furcht vor der Pandemie. Pharmazeutische Zeitung 148(34), S. 30 – 31 (2003), ISSN 0031-7136
- Jeffery K. Taubenberger, Ann H. Reid, Thomas G. Fanning: Das Killervirus der Spanischen Grippe. In: Spektrum der Wissenschaft, April 2005, S. 52 – 60 (2005), ISSN 170-2971
- Gina Kolata, Influenza. die Jagd nach dem Virus, Frankfurt am Main, 2003, Fischer Taschenbuch Verlag, ISBN 3-596-15385-9

Weblinks


- [http://www.vu-wien.ac.at/i123/spezvir/orthomyx1.html Orthomyxoviren ]
- [http://www.gesundheit.de/roche/ro12500/r14347.000.html Roche Lexikon Medizin: Grippe]
- [http://www.onmeda.de/aktuelles/themenspezial/grippe/index.html Onmeda.de: Thema Grippe-Influenza]
- [http://www.influenza.rki.de/agi Arbeitsgemeinschaft Influenza Deutschland]
- [http://www.rki.de/cln_006/nn_225576/DE/Content/InfAZ/I/Influenza/Influenza.html Robert Koch Institut: Informationen zu Influenza]
- [http://www.eiss.org Europäisches Influenza Überwachungssystem]
- [http://www.dgk.de/web/dgk_content/de/influenza_info.htm Deutsches Grünes Kreuz e.V. -> Influenza / Grippe]
- [http://www.gesundheit.steiermark.at/cms/beitrag/10034706/842337/ Gesundheitserver Steiermark: Influenza]
- [http://www.bag.admin.ch/grippe/ Bundesamt für Gesundheit (Schweiz): Präventionskampagne]
- [http://www.who.int/health-topics/influenza.htm Influenza-Seite der "WHO"; (englisch)]
- [http://www.cdc.gov/ncidod/diseases/flu/fluvirus.htm Informationen über die Grippe-Saison 2003/2004 des "National Center of Infectious Diseases"; (englisch)]
- [http://www.nimr.mrc.ac.uk/library/flu/ Influenza-Seite des britischen "National Institute for Medical Research"; (englisch)] Kategorie:Infektionskrankheit Kategorie:Hals-Nasen-Ohrenheilkunde Kategorie:Virologie Kategorie:Meldepflichtige Krankheit ja:インフルエンザ zh-min-nan:Liû-hêng-sèng kám-mō·

Masern

Die Masern (Morbilli) sind eine durch das Masernvirus hervorgerufene, hochansteckende, systemische Infektionskrankheit mit - sofern die Infektion überlebt wird - anschließender lebenslanger Immunität.

Verlauf

Immunität Nach der Inkubationszeit von 10-11 (8-12) Tagen folgt das 3-4 Tage dauernde Prodromal- oder Initialstadium. Dieses äußert sich durch eine Entzündung der Schleimhäute des oberen/mittleren Atemtraktes und der Konjunktiven mit Katarr (Katarrh): Rhinitis, trockene Bronchitis, Konjunktivitis und Fieber bis 41°C sind die Folge nebst Übelkeit und Kopfschmerzen mit leichten EEG-Veränderungen in etwa 50% der Erkrankungen. Am 12.-13. Tag kann ein typisches Enanthem (Koplik-Flecken an der Wangenschleimhaut auftreten; Epithelnekrosen infolge Virusvermehrung sind in 50-90% der Fälle nachweisbar.EpithelnekrosenAm 14.-15. Tag breitet sich ein makulopapulöses, zum Teil konfluierendes Exanthem - retroaurikulär (das heißt hinter den Ohren) beginnend - innert 24 Stunden über den ganzen Körper aus. Nach 4-5 Tagen bilden sich alle Symptome zurück. Als Überbleibsel des Exanthems kann eine kleieförmige Schuppung für kurze Zeit bestehen bleiben. Während und nach der Erkrankung an Masern kommt es regelhaft zu einer insgesamt 4-6 Wochen dauernden Immunschwäche. Diese kann anderen Infektionserregern den Weg bereiten und stellt daher eine zusätzliche Gefahr für das erkrankte Kind dar. In unkomplizierten Fällen folgt eine rasche Erholung und eine lebenslang anhaltende Immunität.

Diagnose

Die Diagnose ist in unkomplizierten Fällen nur über den serologischen Nachweis von IgM-Antikörpern zu führen. Die Diagnose anhand des "typischen" Masernexanthems ist mit einer Fehlerhäufigkeit von 50% behaftet.

Der Erreger

Das Masernvirus ist ein ausschließlich humanpathogener etwa 120-140 Nanometer großer Erreger aus der Familie der Paramyxoviren (Genus Morbillivirus). Das einzige Reservoir bildet der infizierte Mensch. Es gibt mehrere stabile Genotypen und einen ebenso stabilen Serotyp. Seine Hülle ist lipidhaltig, was die Kontagiosität erhöht. In der Hülle ist weiter Hämagglutinin, jedoch keine Neuraminidase enthalten. Das Masernvirus ist sehr empfindlich gegenüber äußeren Einflüssen wie erhöhten Temperaturen, Licht, UV-Strahlen, Fettlösungs- und Desinfektionsmitteln. Das bedeutet:
- Das Virus wird nur von Mensch zu Mensch übertragen, ist also theoretisch ausrottbar.
- Da es nur in einem stabilen Serotyp vorkommt, konnte ein guter Impfstoff hergestellt werden.
- Und da es in mehreren Genotypen - in Mitteleuropa C2 und D6 - vorkommt, können die weltweiten Infektionswege genau nachvollzogen werden.

Übertragung

Das Virus verbreitet sich durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen, Sprechen) oder direkten menschlichen Kontakt. Eine Infektion ist bereits bei kurzer Exposition möglich, der Kontagionsindex liegt bei 0,95. Das heißt, dass sich 95% aller Menschen ohne entsprechende Immunität infizieren und daraufhin klinische Erscheinungen entwickeln. Erregernachweis:
ELISA und KBR (Komplement Bindungsreaktion) - Antikörpernachweis
Nachweis der Virus-RNA - aufwendig, nur in Speziallaboren

Epidemiologie

Der Erreger kommt weltweit vor und ist in mehreren Entwicklungsländern noch weit verbreitet, andererseits zwischenzeitig durch gut organisierte Impfkampagnen in verschiedenen Ländern jedoch ausgerottet.
- So sank die Anzahl der Masern-Erkrankungen in den USA von 800.000 1958 auf einige (wenige) Fälle in den letzten Jahren, wobei alle Erreger von ungeimpften Personen aus Europa und Asien importiert worden waren, was durch die Bestimmung des Genotyps nachgewiesen werden konnte. Einen dramatischen Anstieg der Fälle gab es jedoch in den Jahren 1989-1991. In diesen 3 Jahren wurden 55.622 Erkrankungsfälle berichtet, von denen 123 tödlich endeten. Hauptsächlich waren Kleinkinder aus hispanoamerikanischen und afroamerikanischen Familien betroffen, wobei die Rate an ungeimpften Kindern dort 4-7x höher war als bei den Betroffenen der übrigen weißen Bevölkerung. Zwischenzeitig treten genuine Masernerkrankungen in allen amerikanischen Staaten von Kanada bis Argentinien mit Einschluss der Karibik kaum noch auf.
- In Finnland mit seinen 5,2 Mio Einwohner gab es von 1996 - 2000 4 Masernfälle. Und auch diese waren aus dem Ausland importiert!

- In Deutschland wurden im Jahre 2003 779 Masernfälle gemeldet. Im Jahr 2005 ist es in Deutschland bereits zu zwei größeren Masernausbrüchen gekommen, im Februar starb ein 14jähriges Mädchen in Hessen, im Mai wurden 110 Fälle aus Oberbayern gemeldet.
- In Österreich, das für Masern bis 2001 keine Meldepflicht kannte, wurde vom Institut für Virologie des AKH in Wien ein freiwilliges Meldesystem geschaffen, das etwa 8% der österreichischen Bevölkerung abdeckt. Somit konnten für den Zeitraum von 1993-1997 etwa 28.000 - 30.000 Masernfälle für ganz Österreich hochgerechnet werden, wobei besonders 1996 und 1997 ein beinahe epidemisches Auftreten von Masernerkrankungen zu verzeichnen war. Insgesamt dürfte die Durchimpfungsrate in Österreich somit nur unwesentlich besser sein als in Deutschland. Würden hier jedoch ähnlich strenge Richtlinien wie in den USA angewandt werden, würde man hier schon 2700 Erkrankungen in 5 Jahren nicht akzeptieren.
- In Rumänien kam es zwischen dem 1. Dezember 1996 und dem 30. September 1997 zu einer Masern-Endemie mit 20034 Erkrankungen und 13 Todesfällen. [http://www.cdc.gov/nip/diseases/measles/history.htm Quelle: Centers of Disease Contol and Prevention, Atlanta]

Meldepflicht

In Deutschland sind durch das 2001 in Kraft getretene Infektionsschutzgesetz Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod ebenso wie der direkte oder indirekte Nachweis des Masernvirus meldepflichtig geworden. Bei Krankheitsverdacht oder Erkrankung besteht Tätigkeits- und Aufenthaltsverbot in Gemeinschaftseinrichtungen. In Österreich besteht Meldepflicht seit Dezember 2001 (BGBl. II Nr. 456/2001 Verordnung: Anzeigepflichtige übertragbare Krankheiten) In der Schweiz besteht seit März 1999 Meldepflicht (Melde-Verordnung, SR 818.141.1). 1984 legte die WHO einen Zeitplan für die Elimination der Masern bis zum Jahr 2000 fest - tatsächlich starben da jedoch weltweit nach Angaben der WHO noch etwa 1 Million Menschen - davon etwa 777.000 Kinder - an Masern. Masern-Infektionen sind für ungefähr die Hälfte aller durch Impfung vermeidbaren Todesfälle verantwortlich. Der neue Zeitplan sieht die weltweite Ausrottung des Virus - bei entsprechender Anstrengung - jetzt für das Jahr 2007 vor.

Komplikationen

Etwa 20% aller Masern-Infektionen gehen mit Komplikationen einher, wobei Mittelohrentzündung und Lungenentzündung die häufigsten sind. Das Robert-Koch-Institut gibt an, dass die Letalität bei Masern der Literatur zufolge bei 1:10.000 bis 1:20.000 liegt, bei einem Ausbruch in den Niederlanden 1999/2000 starben 3 von knapp 3000 Betroffenen, die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) geben für die USA eine Sterblichkeit von ca. 1:500 bis 1:1000 an. In Entwicklungsländern liegt die Letalität wesentlich höher (laut Literaturangaben bis zu 25%). Zum Tode führende Komplikationen sind meist die Masernpneumonie oder -enzephalitis.

Masernkrupp

Durch eine Kehlkopfentzündung mit Schwellung der Schleimhaut kommt es zu Heiserkeit und Atemnot bereits im Vorstadium. Siehe Krupphusten.

Mittelohrentzündung

Die Mittelohrentzündung, eventuell verbunden mit einer das Erkrankungsbild weiter komplizierenden Mastoiditis, ist die häufigste Komplikation der Masernerkrankung. Gefürchtet ist eine Schädigung des Hörvermögens und dadurch bedingte Probleme in der Schule.

Masernpneumonie

#Primäre Masernpneumonie: Eine interstitielle Pneumonie mit Bronchiolitis, die sich hauptsächlich als Atemstörung äußert. Mittels körperlicher Untersuchung ist sie schwer zu diagnostizieren, so dass ein Röntgenbefund erforderlich ist. #Bronchopneumonie als bakterielle Superinfektion: als bakterielle Superinfektion insbesondere nach oder bei einer interstitiellen Viruspneumonie auftretend. #Riesenzellpneumonie: Eine seltene Pneumonie mit vielkernigen, von den Alveolarepithelien abstammenden Riesenzellen, pathognomonisch für Masern (Masernriesenzellen) und Keuchhusten, selten auch bei Diphtherie oder Grippe.

Myokarditis

Entzündung des Herzmuskels Eine Mykokarditis kann sich durch Herzjagen, Kurzatmigkeit, Beklemmung, Müdigkeit, blaßbläuliches Aussehen und niedrigen Blutdruck bemerkbar machen. Behandlung: Behandelt wird die Myokarditis mit Antibiotika; bei rheumatischem Fieber oder einer anderen Grundkrankheit muss diese primär therapiert werden. Wichtig: Eine unzureichend behandelte oder verschleppte Myokarditis kann zu einer narbigen Veränderung des Herzmuskels und so zu eines Herzinsuffizienz (Herzschwäche) führen. Mitunter greift die Entzündung auch auf die Herzinnenhaut über und kann so eine Schwächung der Herzklappen verursachen

Keratitis

multiple, punktförmige, epitheliale Läsionen an der Kornea. In Entwicklungsländern sind die Masern eine der häufigsten Ursache der Erblindungen von Kindern

Enzephalomyelitis

3-10 Tage nach Exanthembeginn. Bei Patienten über 6 Jahren häufiger als bei Kleinkindern. Fieber, Kopfschmerz, Bewußtseinstrübung, meningeale Reizung (Nackensteifigkeit, Erbrechen unter anderem ): Rückgang nach 1-3 Tagen. Bei leichten Formen ist keine Krankenhauseinweisung notwendig. Schwere Verlaufsformen äußern sich in epileptischen Anfällen und Funktionsstörungen des ZNS. Herdförmige oder diffuse Ausbreitung.
Häufigkeit: Nach Einführung der Masernimpfung sank die Zahl ständig und liegt derzeit in Deutschland bei <10/Jahr. Letalität: 20%; Defektheilungen: 20-40%.

Subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE)

Die Angaben über die Häufigkeit von SSPE schwanken zwischen 1 bis 22 pro 1 Mio. Masern-Fällen. Die Erkrankung tritt Monate bis 10 Jahre nach einer Maserninfektion auf. Die Häufigkeit der SSPE ist durch die Masern-Impfung deutlich reduziert worden
Quelle: [http://www.ariplex.com/ama/ama_sspe.htm Kommentar DDr. Maurer, Wien] #Stadium: psychische Störung und Demenz #Stadium: Myoklonien, epileptische Anfälle #Stadium: Dezerebrationssyndrom
- langsam progredienter Verlauf über 1-3 Jahre (Die SSPE zählt zu den sog. Slow Virus Infections)
- in 20% akuter Verlauf
- die Isolierung eines Masernvirus mit defektem M-Protein war möglich: "SSPE-Virus"
- Letalität 100% - der Verlauf führt immer zum Tod
- im EEG finden sich typische Veränderungen, die nahezu diagnostisch für die SSPE sind (Radermecker-Komplex)

Thrombozytopenische Purpura

2-3 Wochen nach Exanthemausbruch; spontane Rückbildung; selten.

weitere Komplikationen

Durchfall, Blinddarmentzündung, generalisierte Lymphadenitis

Impfung

Die Impfung gegen Masern soll als Masern-Mumps-Röteln-Impfung mit einem Kombinationsimpfstoff (MMR-Impfstoff) durchgeführt werden, in der Regel zwischen dem 12. und 15. Lebensmonat, möglichst bis zum Ende des 2. Lebensjahres, um den frühestmöglichen Impfschutz zu erreichen. Damit ist nach einmaliger Impfung bei 95% der Kinder ein ausreichender Impfschutz vorhanden. Da bei einer Durchimpfungsrate von weniger als 95% mit sporadischen Masernepidemien (alle 5 bis 7 Jahre) zu rechnen ist, müssen mit einer zweiten Impfung - frühestens vier Wochen nach der ersten - Impflücken geschlossen werden, um Impfversagern den entsprechenden Impfschutz zu gewähren. Steht bei einem Kind die Aufnahme in eine Kindereinrichtung an, kann die MMR-Impfung auch vor dem 12. Lebensmonat, jedoch nicht vor dem 9. Lebensmonat erfolgen, da im 1. Lebensjahr im Blut des Säuglings noch vorhandene mütterliche Antikörper die Impfviren neutralisieren können (es handelt sich um eine Lebendimpfung, für deren Erfolg die Vermehrung der Impfviren erforderlich ist). Sofern die Erstimpfung vor dem 12. Lebensmonat erfolgte, sollte die MMR-Impfung bereits im 2. Lebensjahr wiederholt werden. Auch wenn von Eltern oder Impflingen angegeben wird, dass eine Masern-, Mumps- oder Rötelnerkrankung bereits durchgemacht wurde, sollte die zweite MMR-Impfung durchgeführt werden. Anamnestische Angaben über eine Masern- oder Rötelnerkrankung sind ohne mikrobiologisch-serologische Dokumentation der Erkrankungen unzuverlässig und nicht verwertbar. Es gibt keine Hinweise auf Nebenwirkungen nach mehrmaligen Masern-, Mumps- oder Rötelnimpfungen (siehe Diskussion unter Impfkritik)
- Deutschland:
Die Eliminierung der Masern ist ein erklärtes Ziel der deutschen Gesundheitspolitik. "Es ist dafür Sorge zu tragen, dass die zweite MMR-Impfung so früh wie möglich, spätestens jedoch bis zum vollendeten 18. Lebensjahr nachgeholt wird; bei Mädchen wird damit auch der unverzichtbare Schutz vor einer Rötelnembryopathie gesichert." [http://www.rki.de/cln_006/nn_226928/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2005/30__05,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/30_05 Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) (PDF, ~150KB)] Stand: Juli 2005
- In Österreich: 2 Teilimpfungen im 2. Lebensjahr mit einem Mindestabstand von 1 Monat. Wiederholungen der Impfung bei Schuleintritt im 7. Lebensjahr und im 13. Lebensjahr vom öffentlichen Gesundheitsdienst kostenlos angeboten. [http://www.gesundheit.bmsg.gv.at/cms/site/detail.htm?thema=CH0016&doc=CMS1038913010412 herunterladbare Version des österreichischen Impfplans für 2003]

Impfkomplikationen

Von Impfreaktionen sind die Impfkomplikationen abzugrenzen, die zu vorübergehenden oder anhaltenden Schäden oder gar zum Tod führen können. Prinzipiell ist zu sagen, dass ein direkter Zusammenhang mit einer Masernimpfung schwer zu beweisen ist. Andererseits ist es gerade in der Diskussion mit Impfgegnern sinnlos, auf diesem Standpunkt zu beharren. So soll festgehalten werden, dass es bei einer von 200.000 Impfungen zu einem Impfschaden mit bleibenden Folgen und auf ca 500.000 Impfungen ein Todesfall kommt.
Da es sich bei der Masernimpfung um eine Impfung mit einem abgeschwächten Lebendimpfstoff handelt, können in 3-5% der Fälle so genannte Impfmasern auftreten. Diese stellen eine abgeschwächte Form der Masern dar: eine Konjunktivitis, eine Tracheitis, ein feiner Hautausschlag und sehr selten eine Otitis media können auftreten. Schwerwiegendere Folgen bei besonders empfänglichen Kindern sind denkbar oder möglich, solange Masernimpfungen durchgeführt werden müssen. Fieber und lokale Impfreaktionen wie Rötung, Schmerzen und Schwellungen an der Injektionsstelle können wie bei allen Impfungen vorkommen und sind als harmlose Nebenwirkungen zu betrachten.

Argumente der Impfgegner

Die Argumente der Impfgegner sind schwer nachzuvollziehen, wenn man die Erkrankungsraten der Staaten auf dem amerikanischen Kontinent und der nordeuropäischen Länder betrachtet. Diese Wortmeldungen reichen von einem Abstreiten der Existenz eines Masernvirus bis zu der Behauptung, ein Kind müsse die Kinderkrankheiten durchmachen, weil diese vor späteren schwerwiegenderen Krankheiten schützen würden. Bislang konnte für keine dieser Behauptungen Untersuchungsergebnisse vorgelegt werden, die einer Überprüfung standhielten. Tatsächlich wären die Masern genau so ausrottbar wie es die Pocken waren. Wären die Masern ausgerottet, brauchte es keine Impfung mehr. Eine klassische "Argumentationskette" von Impfgegnern wäre beispielsweise folgende:
Da die Pocken nach der Erklärung ihrer Ausrottung durch die WHO noch mindestens einmal aufgetreten sind, muß man obiger Aussage mit der gebotenen Skepsis begegnen. Die Durchimpfungsrate in den USA beträgt zirka 95 Prozent, was dazu geführt hat, daß weniger Kinder erkranken. Weniger erkrankte Kinder führen aber zu weniger Ansteckungen im Kindesalter. Dadurch steigt die Anzahl der Erkrankungen im Erwachsenenalter, deren Verlauf dann regelmässig dramatischer ist. Es sterben daher in den USA mehr Menschen als vor Beginn der Impfkampagne. siehe auch: Masernparty

Studien zur Masernimpfung

Siehe unter Masern-Mumps-Röteln-Impfung (Studien)
Siehe auch: Mumps - Röteln - Kinderlähmung Influenza

Geschichte

Erste Berichte über die Masern gehen auf das 7. Jahrhundert zurück und werden dem jüdischen Arzt Al-Yehudi zugeschrieben. Die erste minutiöse Beschreibung der Masern verdanken wir dem persischen Arzt Abu Bakr Mohammad Ibn Zakariya al-Razi ([http://www.medicine-worldwide.de/persoenlichkeiten/al_razi.html]), Anfang des 10. Jahrhunderts, der angab, sie würden "mehr gefürchtet als die Pocken". Den Namen "Morbilli", was soviel wie "kleine Pest" bedeutet, erhielten die Masern während der ausgedehnten Epidemien des Mittelalters, da damals wie heute viele Kinder an den Masern starben. 1882 veröffentlichte der französische Arzt Antoine Louis Gustave Béclère seine Aufsehen erregende Arbeit "Die Ansteckung mit Masern". 1954 wurde das Virus erstmalig isoliert, ab 1963 war der erste Impfstoff erhältlich. Zuvor bekam aufgrund des hohen Ansteckungspotentials des Erregers beinahe jeder die Masern: es handelte sich um ein Ereignis im Leben, das unweigerlich auftrat und auf das man wartete. Mehr als die Hälfte der Kinder bekam die Masern vor dem 6. und 90% vor dem 15. Lebensjahr. Hatte man die Krankheit überstanden, konnte man aufatmen. Ex!

Siehe auch

Impfung, Mumps, Röteln

Weblinks


- [http://www.rki.de/cln_011/nn_225576/DE/Content/InfAZ/M/Masern/masern.html Robert Koch Institut] Masern
- [http://www.rki.de/cln_011/nn_225576/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2004/35__04,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/35_04 Robert Koch Institut ] Epidemiologisches Bulletin über Masern-, Mumps- und Rötelninzidenz in Deutschland
- [http://www.agmasern.de Arbeitsgemeinschaft Masern] Die AGM ist ein bundesweites Masern-Sentinel-System. Kategorie:Infektionskrankheit Kategorie:Meldepflichtige Krankheit


Tropenkrankheiten

Unter Tropenkrankheiten versteht man Infektionskrankheiten des Menschen, die endemisch in den Tropen auftreten. Die meisten werden durch Parasiten verursacht, die von blutsaugenden Insekten, insbesondere von Mücken, übertragen werden. Siehe auch: Parasiten des Menschen Als die wichtigsten Tropenkrankheiten wurden im klinischen Wörterbuch von Pschyrembel 1972 besonders genannt:
- Amöbenruhr
- Cholera
- Elefantiasis
- Leishmaniose
- Lepra
- Malaria
- Gelbfieber
- Hakenwurmbefall
- Rückfallfieber (?)
- Afrikanische Trypanosomiasis (Schlafkrankheit) Die Tropical Desease Research - Plattform (TDR) der Weltgesundheitsorganisation nennt 10 tropische Krankheiten, die im Mittelpunkt der schwierigen Bekämpfung stehen:
- Afrikanische Trypanosomiasis (Schlafkrankheit)
- Chagas-Krankheit (Amerikanische Trypanosomiasis)
- Denguefieber
- Leishmaniose
- Lepra
- Lymphatische Filariose (siehe bitte unter Elefantiasis)
- Malaria
- Onchozerkose (Flußblindheit)
- Schistosomiasis (Bilharziose)
- Tuberkulose

Siehe auch:

Parasiten des Menschen

Weblinks


- Portal TDR: http://www.who.int/tdr/index.html
- Reisemedizin: http://www.fitfortravel.de
- Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit e.V.: http://www.dtg.org/ Kategorie:Parasitologie Kategorie:Infektionskrankheit

Virus

Als Virus (Singular: das Virus, umgangssprachlich auch: der Virus; Plural: Viren; von lat. virus – "Schleim, Saft, Gift") bezeichnet man in der Biologie genetische Elemente in Form von Nukleinsäuren, die als Fremdbestandteile in Zellen von Lebewesen ("Wirtszellen") unabhängig von deren eigenen Nukleinsäuren mit Hilfe der Replikationseinrichtungen dieser Zellen repliziert werden. Virus-Nukleinsäuren sind entweder Desoxyribonukleinsäuren (DNA) oder Ribonukleinsäuren (RNA).
Viren kommen in zweierlei Formen vor:
- als Nukleinsäure in den Wirtszellen,
- als freie Partikel außerhalb von Zellen, eine zur Verbreitung geeignete Form.
Ein Viruspartikel außerhalb von Zellen bezeichnet man als Virion (Plural Viria, Virionen oder Virions). Virionen bestehen aus einem Nukleinsäuremolekül, das von einer Proteinhülle (Kapsid) umgeben ist. Bei einigen Viren besitzen die Virionen außer einer Proteinhülle noch weitere äußere Bestandteile, zum Beispiel eine Lipoproteinhülle. Es gibt also Viren bzw. Virionen sowohl mit wie auch ohne Hülle. Viren haben keinen eigenen Stoffwechsel und können sich nicht selbst replizieren. Im Wesentlichen ist ein Virus also eine Nukleinsäure, auf der die Informationen zur Steuerung des Stoffwechsels einer Wirtszelle enthalten sind, insbesondere zur Replikation der Virus-Nukleinsäure und zur weiteren Ausstattung der Viruspartikel (Virionen). Wenn Viren einmal ihre Wirtszellen verlassen haben, stellen sie in der Regel rasch jegliche Aktivität ein. Ob Viren als Lebewesen bezeichnet werden können, ist abhängig von der Entscheidung für eine der unterschiedlichen Definitionen von Leben (siehe unten: Kontroversen). Eine einzige, unwidersprochene und damit allgemein anerkannte Definition diesbezüglich gibt es bislang nicht. Daher findet sich auch unter Wissenschaftlern keine Einigkeit in der Beantwortung dieser Frage. Hinsichtlich der Einordnung von Viren zu den Parasiten bestehen ebenfalls verschiedene Ansichten. Ein Teil der Wissenschaftler betrachtet sie als solche, da sie einen Wirtsorganismus infizieren, um seinen Stoffwechsel für ihre eigene Vermehrung zu benutzen. Diese Forscher definieren also Viren als obligat intrazelluläre Parasiten (Lebensform, die zwangsläufig nur innerhalb einer Zelle ein Parasit ist), die aus einem Genom, einem Kapsid und evtl. einer Membranhülle bestehen und zur Replikation eine Wirtszelle benötigen. Das bedeutet, dass Viren zwar spezifische genetische Informationen besitzen, aber nicht den für ihre Replikation notwendigen Synthese-Apparat. Unabhänging von diesen bislang unentschiedenen Gesichtspunkten passen sich Viren im Laufe der Evolution ihrem Reservoirwirt, Hauptwirt an, um ihn nicht durch die Krankheitsfolgen zum eigenen Nachteil zu zerstören. Gewisse Viren befallen Zellen von Pflanzen, Menschen, Tieren oder anderen Eukaryoten. Viren, die Bakterien als Wirte nutzen, werden Bakteriophagen genannt. Eine typische Virusinfektion bei Säugetieren ist eine zyklische Allgemeininfektion oder eine Lokalinfektion an den Atemwegen oder am Darm. Viren sind deutlich kleiner als Bakterien, jedoch etwas größer als Viroide. Unterscheidbare Variationen von Viren nennt man Serotypen. Image:Virion.png|Virus Aufbau von Viren Image:NIAID-west-Nile.jpg|West Nile virus

Verschiedene Virentypen

Die Größe von Viren liegt zwischen 10 nm und 400 nm. Damit sind fast alle Viren nur unter dem Elektronenmikroskop erkennbar. Eine Ausnahme bilden Pockenviren, die unter dem Lichtmikroskop als kleine Partikel sichtbar werden, ebenso das erst 2003 entdeckte Mimivirus, mit 400 nm (eine Untersuchung von 2004 nennt den Wert 800 nm) das größte bisher bekannte Virus. Zum Vergleich: Tabakmosaikvirus (300 nm), Bakteriophagen (200 nm), Herpesviren (200 nm), Masernviren (180 nm), Tollwutviren (180 nm), Grippeviren (100 nm), Adenoviren (90 nm), Rötelnviren (80 nm) und Poliovirus (25 nm). Die Struktur der Proteinhülle, und damit die Virusart, kann u. a. nach Kristallisation durch Röntgenbeugung entschlüsselt werden. Das Gewicht bei Viren der Pockenschutzimpfung beträgt nach einer Messung amerikanischer Forscher 10 fg. Es ist allerdings noch (2005) umstritten, ob es sich um einen Virus oder eine höhere Stufe von Leben handelt. Nach ihrer Erbinformation unterscheidet man zwischen DNA-Viren und RNA-Viren. Die für den Menschen sehr bedeutenden Retroviren, wie beispielsweise HIV, sind RNA-Viren. Die Erbinformation kann einzelsträngig oder doppelsträngig, segmentiert oder unsegmentiert, und linear oder zirkular sein. Viren haben entweder eine Lipoproteinhülle oder sind hüllenlos. Das Proteinkapsid kann unterschiedliche Form haben, zum Beispiel ikosaederförmig, isometrisch, helikal, geschoßförmig. Die Lipidhülle stammt von der Wirtszelle und dient zur Tarnung vor dem Immunsystem. Umhüllte Viren sind besser geeignet, chronische oder latente Infektionen hervorzurufen (wie z. B. HIV, chronische Hepatitis B, C oder D, oder Herpes). Sie werden aber leicht deaktiviert, wenn die Hülle austrocknet oder chemisch durch Seife oder Gallensäuren angegriffen wird. Deshalb werden umhüllte Viren meist durch Tröpfcheninfektion übertragen und infizieren dann den Atemtrakt (Lokalinfektion). Manche erzeugen von dort aus auch eine zyklische Allgemeininfektion (Kinderkrankheiten: Masern, Mumps, Röteln, Ringelröteln, Drei-Tage-Fieber, Windpocken). Manche werden sogar nur durch mehr oder weniger direkten Blutkontakt übertragen. Dabei spielt dann auch die Replikationsrate eines Virus (Viruslast), also die Zahl der Kopien pro Milliliter Blut, eine Rolle. Hepatitis B ist ein sehr stark replizierendes Virus, hier können Blutspritzer auf der scheinbar intakten Haut genügen, um durch Mikro-Läsionen einzudringen. HIV wird hauptsächlich durch Geschlechtsverkehr übertragen. Bei Hepatitis C dagegen ist selbst das sehr selten, es wird u. a. durch infizierte Spritzen übertragen. Hüllenlose Viren können sehr umweltstabil sein und sowohl Austrocknung als auch Desinfektionsmittel überstehen. Hygienische Maßnahmen, wie beispielsweise Händewaschen oder Putzen, dienen hier eher dazu, möglichst viele Viren wegzuschwemmen. Teilweise lässt sich Übertragung innerhalb eines Haushalts aber kaum vermeiden. Hüllenlose Viren werden deshalb leicht per Kontaktinfektion bzw. Schmierinfektion übertragen und infizieren den Darm, meist als Lokalinfektion, seltener als zyklische Allgemeininfektion (zum Beispiel Poliovirus). Sie bleiben nicht chronisch. Siehe auch: Virusklassifikation

Vermehrung

Ein Virus selbst ist zu keinen Stoffwechselvorgängen fähig, daher braucht es Wirtszellen zur Fortpflanzung. Der Replikationszyklus eines Virus beginnt im Allgemeinen, wenn sich ein Virion an eine Wirtszelle anheftet und sein Erbmaterial, die Nukleinsäure, ins Zellinnere bringt. Das Erbmaterial des Virus, seine Nukleinsäure, wird anschließend in der Wirtszelle vervielfältigt und die Hüllproteine sowie gegebenenfalls weitere Bestandteile der Virionen werden anhand der Gene des Virusgenoms ebenfalls von der Wirtszelle synthetisiert. So können in der Zelle neue Virionen gebildeten werden, die freigesetzt werden, indem entweder die Zellmembran aufgelöst wird (Zell-Lyse, lytische Virusvermehrung), oder indem sie sezerniert werden, wobei Anteile der Zellmembran als Bestandteil der Virushülle mitgenom