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Inflationsrate

Inflationsrate

Inflation (von lat.: "das Sich-Aufblasen; das Aufschwellen") bezeichnet in der Volkswirtschaftslehre einen andauernden, "signifikanten" Anstieg des Preisniveaus. D.h. das Austauschverhältnis von Geld zu allen anderen Gütern verändert sich zu Lasten des Geldes. Um "alle anderen Güter" fassbar zu machen, werden Indizes oder Warenkörben definiert.

Abgrenzung Inflation vs. anderer Erscheinungen

Im allgemeinen und politischen Sprachgebrauch werden verschiedene Erscheinungen mit Inflation in Verbindung gebracht oder gleichgesetzt, die u.U. keine Inflation sind.

sog. Kassenhaltungs-Inflation

Bezeichnet einen Zustand, in dem die Wirtschaftssubjekte höhere Geldbestände horten, als sie eigentlich wollen. Nach ökonomischer Theorie tritt diese Situation in freien Märkten nicht auf, da die höherne Geldbestände zu Inflation führen müssen. Werden die Preise jedoch (staatlich) administriert, und erfolgt die Messung des Preisniveaus anhand der administrierten Preise, so liegt keine Inflation vor. Hilfsweise kann Inflation allerdings auf nicht-administrierten Märkten gemessen werden. Ob Inflation vorliegt, ist also eine Frage der Anerkennung einer Definitions-Authorität.

externe Preisschocks

Dieser Terminus wurde im Zuge der sog. Ölkrise strapaziert. Aber der Anstieg des Preises eines Gutes ist nicht der Anstieg des Preisniveaus. Sofern im Gegenzug andere Güter im Preis sinken, kann das Preisniveau konstant bleiben; dann liegt keine Inflation vor.

Messung der Inflation

nicht-administrierten Märkten Am häufigsten wird zur Messung der Inflation der Preisindex der Lebenshaltungskosten herangezogen, die so genannte Inflationsrate. Dieser wird mit Hilfe eines für einen durchschnittlichen (im Beispiel) deutschen Haushalt (2,3 Personen) in einem bestimmten Jahr (Basisjahr) repräsentativen Warenkorbs berechnet. Enthalten waren darin etwa in früheren Jahren:

Warenkorb


Konsequenzen des Warenkorbs auf die Inflationsentwicklung

Auf Grundlage dieses Warenkorbs und des damit festgelegten Basisjahres werden für jedes Jahr die Lebenshaltungskosten und daraus die prozentuale Steigerung zum Vergleichs- oder Vorjahr ermittelt. Für jeden Monat ermittelt in Deutschland das Statistische Bundesamt, in Österreich Statistik Austria die Preissteigerungen, welche auch regelmäßig in den Medien veröffentlicht werden. Im Schnitt betragen diese Inflationsraten zur Zeit zwischen 0,5 und 2,5%, wobei meistens die Mineralölpreise am stärksten zur Preissteigerung beitragen. Probleme bei der Messung dieser Zahlen ergeben sich vor allem daraus, dass je weiter das Vergleichsjahr vom Basisjahr entfernt ist, der Warenkorb immer weniger repräsentativ ist. Dies begründet sich zum einen im veränderten Konsumentenverhalten (Produktinnovationen, Substitution teurer Produkte durch günstigere), wie auch in der qualitativen Steigerung (bessere Computer) der Produkte. Weiterhin zu beachten ist, dass es sich immer um das statistische Mittel handelt, das nicht auf jedermann ohne weiteres anwendbar ist. Zum Beispiel unterscheiden sich die Ausgaben sehr wohlhabender Haushalte deutlich von den Ausgaben der Haushalte mit geringem Einkommen. Haushalte, denen ein geringes Einkommen zur Verfügung steht, geben einen größeren Anteil für Grundnahrungsmittel, Wohnen, Energie etc. aus. Preissteigerungen für diese Warenarten begründen dann eine stärkere Inflationserfahrung, während gleichzeitig "Luxusgüter" im Preis sinken können.

Kernrate der Inflation

Die Kernrate der Inflation schließt die Preise für Lebensmittel und den Energiesektor aus der Berechnung aus, da diese in stärkerem Maße Schwankungen unterworfen sind, deren Ursachen nicht innerhalb der betrachteten Volkswirtschaft zu finden sind.

Gefühlte Inflation

Mit der Einführung des Euro kam es in einigen Ländern der Europäischen Gemeinschaft zu einem Auseinanderklaffen zwischen den Inflationsraten, wie sie von der Bevölkerung laut Umfragen wahrgenommen wurden, und denjenigen, wie sie die statistischen Ämter, in der BRD das Statistische Bundesamt, ermittelten. Die "gefühlte Inflation" lag deutlich höher als die amtliche Inflationsrate. Seitdem wird über regelmäßige Umfragen nicht nur die statistische, sondern auch die gefühlte Inflation ermittelt.

Ursachen / Gründe

Statistische Bundesamt Geht man von dem einfachen "Marktkreuz" aus, wonach der Preis einer Ware bestimmt wird vom Schnittpunkt der Angebotskurve - das Angebot steigt mit steigendem Preis - und der Nachfragekurve - die Nachfrage sinkt mit steigendem Preis - dann lässt sich die Inflation zunächst einfach auf nachfrage- und angebotsseitige Ursachen zurückführen. Nachfrageseitige Ursachen für steigende Preise lassen sich dann als Ursachen verstehen, welche die Nachfragekurve immer weiter nach rechts verschieben, während angebotsseitige Ursachen die Angebotskurve immer weiter nach links verschieben. Außerdem haben die verschiedenen Schulen der Wirtschaftstheorie jeweils eigene Inflationstheorien entwickelt.

Nachfrageseitig

Grundsätzlich wird zwischen einer Nachfragesoginflation und einer Angebotsdruckinflation unterschieden. Kommt es zur Nachfragesoginflation, sind die Ursachen, wie aus dem Wort zu entnehmen, auf der Nachfrageseite zu suchen. In diesem Fall steigt die Nachfrage nach Gütern derart schnell, dass die Angebotsseite nicht durch Anheben des mengenmäßigen Angebots reagieren kann und stattdessen die Preise nach den Marktgesetzen anhebt. Die Folge ist eine Steigerung des allgemeinen Preisniveaus, also eine Inflation.

Angebotsseitig

Auf der anderen Seite steht die Angebotsdruckinflation (auch: Kosteninflation), deren Ursprünge bei den Produktionskosten zu suchen sind. In der Regel sind diese vor allem bei der Steigerung der Energiepreise und Lohn- bzw. Lohnnebenkosten oder Erhöhung der Zinsen zu suchen. Die Kosteninflation tritt allerdings nur dann als Erhöhung des Preisniveaus in Erscheinung, wenn die teurer produzierten Güter auch auf dem Markt zu den geforderten höheren Preisen Käufer finden und es keine Substitution aus anderen Märkten gibt (Verkäufermarkt).

Weitere Ursachen / Gründe

Steuererhöhungen und staatlich administrierte Preissteigerungen können unabhängig von der wirtschaftlichen Situation zu einer höheren Inflationsrate führen. Ein weiterer wichtiger Begriff ist die importierte Inflation, deren Ursachen sich aus den oben angeführten Punkten "Ausland", "Exporte" und "Importpreise" zusammensetzen.

Inflationsursachen

Liste mit Inflationsursachen
- Nachfragesog
  - zu starke Geldmengenvermehrung (monetaristische Theorie)
    - aus dem Ausland (Übergreifen der Inflation von Land A in Land B)
    - durch Exportüberschüsse im Außenhandelsgleichgewicht (Importierte Inflation)
    - aus dem Inland (Zentralbank erhöht die Geldmenge)
  - nicht monetäre Ursachen
    - privater Konsum
    - betriebliche Investitionen
    - Staatsausgaben (Fiskalinflation)
    - Exporte
- Angebotsdruck
  - Kostendruck
    - Importe oder in Fremdwährung gehandelte Waren, z.B. Erdöl (US-Dollar) (Cost-Push-Inflation)
    - Zinsen
    - Steuern
    - Löhne (Lohnkosteninflation)
  - Gewinndruck

Theorien zur Inflation

Produktionskostentheorie des Geldes

Die klassischen Ökonomen wie Adam Smith, David Ricardo bis hin zu Karl Marx vertraten eine Produktionskostentheorie des Geldes. Für sie waren der Wert des Geldes und damit die Preise durch die Arbeitswertlehre bestimmt. Adam Smith drückte dies so aus: „Das Verhältnis zwischen dem Werte des Goldes und Silbers und dem irgendwelcher anderer Güter hängt … von dem Verhältnis zwischen der Menge Arbeit ab, die nötig ist, um eine bestimmte Menge Gold und Silber, und der Menge Arbeit, die nötig ist, um eine bestimmte Menge irgendeiner andern Art auf den Markt zu bringen.“ Die Warenpreise konnten nach der Arbeitswertlehre also nur dann dauerhaft steigen, wenn die Arbeitsproduktivität bei der Gold- oder Silbergewinnung dauerhaft rascher gesteigert werden konnte, als diejenige bei der Produktion der anderen Waren. Nach der Produktionskostentheorie des Geldes (oder nach der Arbeitswerttheorie) führten die großen Gold- und Silberimporte aus Südamerika nach der Entdeckung Amerikas nicht deshalb zu einer Inflation in Europa, weil das viele Gold eine vergleichsweise kleine Menge an Waren „jagte“ – das sagt die Quantitätstheorie des Geldes –, sondern weil plötzlich weniger Arbeitszeit erforderlich war, um eine bestimmte Menge an Gold oder Silber zu gewinnen. Die Ausdehnung der Geldmenge (Menge an umlaufenden Gold- und Silbermengen) war nur Symptom des plötzlich geringer gewordenen Arbeitswertes der Edelmetalle. Die Klassiker nahmen an, dass zum Umschlag der Waren einer Volkswirtschaft, die insgesamt einen bestimmten Wert hatten, eine Goldmenge von insgesamt einem bestimmten Wert benötigt wurde, abhängig von der Umlaufsgeschwindigkeit der Goldmünzen. Die Umlaufgeschwindigkeit wurde dabei als stabil angenommen. Sank der Wert der einzelnen Goldmünzen wegen Erhöhung der Arbeitsproduktivität bei der Goldgewinnung, wurden zum Ausgleich entsprechend mehr Goldmünzen für den Geldumlauf benötigt. Die Erhöhung der Geldmenge war also nur Symptom der Verminderung des Wertes der einzelnen Goldmünze. Wurde mehr Gold, als für den Warenumschlag benötigt, in Umlauf gebracht, führte dies nicht zu Preissteigerungen, sondern das überschüssige Gold wurde als Wertaufbewahrungsmittel gehortet. Die Wirtschaftssubjekte wollten Gold nicht unter Wert gegen Waren tauschen, so die Annahme der Klassiker. Anders sah es beim Papiergeld aus. Für das Papiergeld galten solange keine anderen Gesetze als für Goldmünzen, solange der Staat oder die Banken das Papiergeld nur in solchen Mengen ausgaben, dass es jederzeit zu einem bestimmten Verhältnis in Gold eingetauscht werden konnte. Während der Koalitionskriege floss jedoch sehr viel Gold ins Ausland ab oder wurde gehortet. Schließlich wurde die Goldeinlösungspflicht für Papierbanknoten aufgehoben. Nach einiger Zeit gab es dann zwei Preise. Die stabilen Preise der Waren in Gold ausgedrückt und die steigenden Preise der Waren in Papiergeld ausgedrückt. Marx stellte den Sachverhalt so dar: Solange die für den Warenumschlag benötigte Goldmenge durch Papiergeld ersetzt wird, sind Gold und das es repräsentierende Papiergeld gleich viel wert. Wird aber in Notzeiten von den Banken der Papiergeldumlauf über den notwendigen Goldumlauf gesteigert, dann steigen genau in dem Maße die Preise in Papiergeld ausgedrückt. Während also zu viel Gold die Preise nicht anhebt, sondern als Wertaufbewahrungsmittel gehortet wird, trauen die Wirtschaftssubjekte dem Papiergeld diese Fähigkeit zur Wertbewahrung nicht zu, es wird verausgabt. Dann „jagen“ aber zu viele Banknoten zu wenige Waren. Die Preise in Papiergeld ausgedrückt steigen. Für das Papiergeld gilt insoweit die Quantitätstheorie des Geldes.

Quantitätstheorie des Geldes

Siehe ausführlichen Artikel unter Quantitätstheorie Nach der Quantitätstheorie verändert sich das Preisniveau proportional zur Geldmenge. Steigende Geldmenge ist also eine Ursache für Inflation. Die Geldmenge kann steigen, wenn der Staat seine Ausgaben zum Beispiel für Militär oder Sozialstaat über die Druckerpresse finanziert, also einfach nur mehr Geld druckt, um damit seine Ausgaben zu finanzieren. Steigende Preise wirken dann wie eine Art Steuer, indem die Kaufkraft der Privaten durch steigende Preise zurückgedrängt wird zugunsten der Kaufkraft des Staates. Der Quantitätstheorie liegt die Vorstellung zugrunde, dass der Marktmechanismus für eine volle Auslastung der Produktionskapazitäten sorgt, auch für Vollbeschäftigung. Dann kann eine steigende Geldmenge nur zu höheren Preisen führen. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise 1929 kam es allgemein zu einer starken Unterauslastung der Kapazitäten, so dass Keynes für diesen Fall nicht mehr die Gefahr steigender Preise sah.

Keynesianische Erklärung

Eines der Grundprinzipien des Keynesianismus ist die negative Korrelation zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit. Grundlage für diese Annahme bildeten empirische Untersuchungen auf der Basis historischer Daten, die mit sinkender Arbeitslosigkeit ein höheres Preisniveau verbanden (Phillips-Kurve/Phillips-Theorem). Theoretisch erklärt wurde dieses Prinzip damit, dass mit sinkender Arbeitslosigkeit das Volkseinkommen steigt und hierdurch die Konsumgüternachfrage stärker ansteigt als Produktionskapazitäten geschaffen werden können. Dazu kommt, dass bei Vollauslastung die Preise ansteigen und die Gewerkschaften bei geringerer Arbeitslosigkeit höhere Lohnforderungen durchsetzen können, was sich auf die Preise auswirkt. Entgegen dieser Theorie trat in den 70er Jahren die Stagflation auf, welche neben einem hohen Arbeitslosenniveau auch steigende Inflationsraten verbuchte. Somit war die Philipskurve insoweit widerlegt, weil sie nur gilt, wenn die Einflüsse von außen (die siebziger Jahre waren durch steigende Rohstoffpreise geprägt) stabil gehalten werden. Schöpft eine Volkswirtschaft ihre Produktionsmöglichkeiten zur Gänze aus - man spricht in diesem Zusammenhang von der PMK (=ProduktionsMöglichkeitenKurve) - so führt ein Anstieg der Nachfrage im Keynesianismus voll zu einer Preissteigerung. Die Unternehmen können die erhöhte Nachfrage nach Produkten nicht ausgleichen, daher werden diese Produkte einfach teurer (vgl. Nachfrage-Sog-Inflation oben). Die Problematik ist, ob nicht schon vor Erreichen einer allgemeinen Vollauslastung der Kapazitäten schon in einzelnen Wirtschaftszweigen Engpässe auftreten, so dass die Preise bereits zu klettern anfangen, bevor Vollbeschäftigung und allgemein Vollauslastung der Kapazitäten erreicht worden ist. In den 70er Jahren stand die Bauwirtschaft als besondere Nutznießerin keynesianischer Konjunkturprogramme im Verdacht, einfach nicht mehr zu investieren, sondern nur noch die höhere staatliche Nachfrage in Form von höheren Preisen einzuheimsen, ein Fall von Moral Hazard.

Ausprägungen der Inflation

Inflation lässt sich gliedern in verschiedene Geschwindigkeiten (schleichend, trabend, gallopierend und Hyperinflation) und Phasen (akzelerierte Phase - stabilisierte Phase - dezelerierte Phase). Der Begriff "Inflation" erlebte dabei selbst eine Inflation, indem ursprünglich mit Inflation die Inflationen der frühen 20er Jahre gemeint waren, die heute als schwere oder Hyperinflationen gelten. Leichte Inflation (etwa 0% bis 5% Wertverlust im Jahr) hat nachfragefördernde Wirkung, da Leute ihr Geld ausgeben oder investieren wollen. Freilich verlangen sie für Investitionen immer noch eine Liquiditätsprämie, d.h. die Renditen müssen deutlich über der Inflationsrate liegen. Tun sie das nicht, wird versucht das Geld woanders (z.B. im Ausland) anzulegen. Leichte Inflation kann man fast überall beobachten und ist grundsätzlich zu begrüßen. Rendite Schwere Inflation (etwa über 5% Wertverlust im Jahr) hat nachfragehemmende Wirkung. Das Tauschmittel Geld verliert seinen Wert schneller als andere Güter (z.B. Immobilien, Aktien, Sachkapital allgemein) und wird deswegen nicht angenommen. Diese Nicht-Annahme des Geldes verhindert den Handel und kann so die Wirtschaft zerstören, mit Folgen wie Arbeitslosigkeit oder Dumping-Löhnen. Bei schwerer Inflation steigt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Kann nicht genug werthaltiges Sachkapital produziert werden, wird versucht, Wert in Devisen anzulegen. Die Entwertung des Geldes wird so beschleunigt. Häufig gibt es nach der Inflation eine Währungsreform. Besonders schwere Inflationen mit monatlichen Wertverlusten von über 50% werden auch als Hyperinflationen bezeichnet. Schwere Inflation konnte man in der Geschichte unter anderem beobachten:
- um 1622 in Europa in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges
- um 1923 in Deutschland und Ungarn (Deutsche Inflation 1914 bis 1923)
- 1939 - 1948 in Deutschland (zurückgestaute Inflation, korrigiert durch Währungsreform)
- jahrzehntelang bis 1991 in Argentinien
- jahrzehntelang bis 1994 in Brasilien
- um 1995 in Mexiko
- um 2002 in Argentinien Versucht der Staat, die freie Preisbildung zu regulieren, sucht sich die Inflation andere Wege, bekannt unter verdeckter oder zurückgestauter Inflation, die sich in Käuferschlangen u.ä. äußert. Die offene Inflation ist eine reine Preissteigerung.

Beseitigung der Inflation

Eine Möglichkeit, Inflation zu stoppen, besteht darin, Preise und Gehälter staatlich zu binden. Ein Versuch dazu scheiterte in den 70er Jahren in den USA unter Präsident Richard Nixon, da sich die Inflation, wie oben genannt, andere Wege suchte. Viele Wissenschaftler halten Preisbindungen für sinnlos, sogar schädlich für eine Volkswirtschaft und den Grundsätzen einer Marktwirtschaft widersprechend. Ein früher Versuch, Preise am klettern zu hindern, ist das Höchstpreisedikt des römischen Kaisers Diokletian. Monetaristen, deren Überzeugungen momentan die Geldpolitik der wichtigsten Zentralbanken der Welt beeinflussen, versuchen mit Hilfe der Geldmenge, die Inflation zu steuern. Eine Senkung der umlaufenden Geldmenge (in Deutschland auch kurz M1 genannt) würde etwa bedeuten, dass mit weniger verfügbarem Geld die gleiche Anzahl von Produkten gekauft werden muss. Dadurch sinkt der Preis, da der Wert des Geldes insgesamt steigt. Eine solche Maßnahme wäre aber sehr kostenintensiv (da deflationär und rezessiv) und wäre angesichts politischer Widerstände nur schwer umzusetzen. Statt dessen versuchen Zentralbanken deshalb, das Wachstum der Geldmenge dem Wachstum des Produktionspotentials anzugleichen. Um für die Wirtschaftssubjekte die wirtschaftliche Planung zu erleichtern, verkünden manche Zentralbanken auch Inflationszielwerte, d. h. sie kündigen eine Geldpolitik an, die das Ziel hat, die Inflation unterhalb eines bestimmten Zielwertes zu halten. Die EZB hat z. B. einen Zielwert von 2 %. - Siehe auch: Quantitätstheorie. Keynesianer steuern statt dessen eher auf der Nachfrageseite: Mit Hilfe einer höheren Besteuerung oder geringeren Staatsausgaben wird versucht, die Nachfrage zu bändigen. Aber auch diesem Mittel sind sehr enge Grenzen gesetzt. Eine andere früher durchgeführte, aber mit manchen Nachteilen verbundene Möglichkeit war die Golddeckung der Währung. Wenn Gold nicht unmittelbar Geld war, wurde der Wert des umlaufenden Papiergeldes in einem bestimmten Verhältnis durch Goldreserven bei den Banken gedeckt. Eine hundertprozentige Deckung war dabei nicht notwendig, es reichte ein kleineres Verhältnis, um unter normalen Umständen jederzeit Papiergeld in Gold auf Verlangen eintauschen zu können. 1971 gaben die USA unter Präsident Nixon offiziell die Goldeinlösungspflicht Dollar gegen Gold, die schon nur noch gegenüber staatlichen Zentralbanken bestanden hatte, auf. Dies war ein Teil des Endes des internationalen Währungssystems von Bretton Woods 1973. Bis dahin waren mittelbar alle Währungen noch an Gold gebunden, die Währungen an den US-Dollar, der US-Dollar an das Gold. Da nach dem Ende von Bretton Woods die Inflationsraten weltweit in die Höhe schnellten, gibt es immer wieder Überlegungen, ob zu diesem System zurückgekehrt werden sollte. Angesichts derzeit niedriger Inflationsraten wird dies allerdings weniger wegen der Inflationsgefahren, sondern mehr zur Eindämmung von Wechselkurs-Schwankungen gelegentlich angedacht. Eine sehr untergeordnete Rolle spielen freiwirtschaftliche Überlegungen zum Thema der Inflation, da sie von den meisten Ökonomen abgelehnt werden.

Siehe auch


- Deflation
- Geldillusion
- Hyperinflation
- Stagflation
- Freigeld

Weblinks


- [http://www.ihk-koeln.de/Navigation/Standortpolitik/ZahlenDatenStatistiken/PreisindexUeberarb.jsp Verbraucherpreis-Index für Deutschland]
- [http://www.statistik.at/fachbereich_02/vpi_tab2.shtml Verbraucherpreis-Index für Österreich]
- [http://www.sinistra.net/lib/upt/kompro/ciqa/ciqaaguced.html Kommunistische Definition von Inflation] Kategorie:Makroökonomie Kategorie:Geld und Kredit Kategorie:Wirtschaftskrise ja:インフレーション ko:인플레이션 ms:Inflasi simple:Inflation

Preis (Wirtschaft)

Insbesondere die Gliederung erscheint mir wirr. Für einen derart wichtige volkswirtschaftliche Größe wie den Preis sollte die Wikipedia m. E. einen besseren Artikel aufweisen können. --Kai (Benutzer:Geisslr) 08:21, 18. Jul 2005 (CEST) Kai (Benutzer:Geisslr) Der Preis , auch Verkaufspreis ist in der Wirtschaftswissenschaft der Indikator für die Knappheit von Gütern, gemessen an den verfügbaren Mengen und am Bedarf. Preise geben an, auf welche Mengen anderer Güter man verzichten muss, um eine Einheit des nachgefragten Gutes zu erlangen. Im Sinne von Einstandspreis wird Preis auch im Gegensatz zu Kosten verstanden, wobei Preis den Verkaufspreis eines Gutes und Kosten den in Geld ausgedrückten Aufwand zur Herstellung der Ware beschreibt. In der Literatur werden auch die Begriffe Räumungs- und Ausgleichsfunktion für den Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage sowie Informations- bzw. Signalfunktion benutzt.

Preisbildung

Die Preisbildung auf einem polypolistischen freien Markt erfolgt durch die Wechselwirkung von Angebot und Nachfrage. Dabei pendelt sich der Preis auf einem kompetitiven Markt so ein, dass er Angebot und Nachfrage ausgleicht (Marktgleichgewicht). Ist das Angebot größer als die Nachfrage, so sinkt der Preis. Zu einem tieferen Preis sind mehr Nachfrager bereit, das Produkt zu kaufen, aber weniger Anbieter bereit, das Gut anzubieten. Die Nachfrage steigt und das Angebot sinkt. Den Preis, bei dem Nachfrage und Angebot gleich groß sind, nennt man Gleichgewichtspreis. Preise entstehen jedes Mal, wenn Käufer und Verkäufer einen Vertrag über den Eigentumswechsel eines Gutes (Ware, Dienstleistung, Forderung etc.) zu bestimmten (monetären und anderen) Konditionen schließen. So ist der Kurs der Preis von Wertpapieren, der Zins der Preis für geliehenes Geld. Mit abnehmender Zahl der Anbieter und Abnehmer eines Gutes wird auch die Preisbildung schwieriger und unstetiger; bei einem unilateralen Monopol bestimmt der Anbieter bzw. der Abnehmer alleinig den Preis; in einem bilateralen Monopol ist die Preisfindung oft willkürlich.

Preisfunktionen

Signalfunktion des Preises

Preise dienen in der Wirtschaft als Wertmaßstab für Güter. Als Bezugsgröße für den Preis dient in der Regel Geld, welches den Tauschwert von Gütern angibt. Preise werden insbesondere in der Volkswirtschaftslehre als Indikatoren für die Knappheit von Gütern angesehen. Aus den Kosten eines Gutes (Preisuntergrenze) einerseits und der Begehrtheit eines Gutes andererseits (Nachfrage) ergibt sich sein Wert. Beispiel: Die Kosten eines Handys können bei 100 € liegen, sein Wert dagegen kann wesentlich über dem Selbstkostenpreis liegen. Hat der Wert eines Gutes zum Beispiel ein negatives Maß, dann ist es nicht marktfähig. Ist das Maß der Begehrtheit zum Beispiel nicht an die Marke, sondern nur an die Art des Gutes gebunden, dann kann der Preis beim Selbstkostenpreis oder sogar darunter liegen. In der Praxis wird die Werbung über den Preis und die Qualität geführt. Dabei ist es die Aufgabe der Marketingabteilungen, dem Gut ein vorteilhaftes Image zu geben. In Zeiten der Rezession vermitteln Slogans wie "Geiz ist geil" das Gefühl, besonders günstig beziehungsweise preiswert einzukaufen.

Koordinierungsfunktion

Die Haushalte und Unternehmen nutzen den Preis, um ihre individuellen Pläne aufeinander abzustimmen.

Anreizfunktion

Durch niedrige Preise soll der Kunde animiert werden, ein Gut zu erwerben. Mit der Frage, wie mit Hilfe der Preisgestaltung Kaufanreize gesetzt werden, beschäftigt sich die Preispolitik. Hohe Preise sollen Unternehmen ermuntern, die Produktion auszuweiten.

Lenkungsfunktion

Der durch Angebot und Nachfrage gebildete Gleichgewichtspreis gewährleistet bei entsprechenden Annahmen und unter den normativen Zielvorstellungen der Neoklassik, dass die zu einem gegebenen Zeitpunkt vorhandenen Produktionsfaktoren (z. B. Arbeitskraft) dort eingesetzt werden, wo sie den größten Nutzen bringen (effiziente Allokation).

Kosten (Minimum) und Begehrtheit (Maximum)

Kosten: Kosten des einzelnen Betriebes dürfen nicht mit den volkswirtschaftlichen Kosten verwechselt werden. Die Kosten bilden die Preisuntergrenze, wenn ohne Verlust gewirtschaftet werden soll. Für den Umsatz sind die Kosten aber nicht alles. Dazu kommt noch die Begehrtheit eines Gutes, um Gewinne zu erzielen, die über die kalkulatorischen Zinsen und den Unternehmerlohn (Bestandteile des Selbstkostenpreises) hinausgehen. Die Begehrtheit eines Gutes ist seine Wertschätzung, eine bestimmte Geldmenge an den Anbieter zu übertragen. Es gibt in der Volkswirtschaft Phasen, wenn zum Beispiel die Erwartungen der Nachfrager durch eine negative Einschätzung der Zukunft beeinträchtigt sind, den Kauf eines Gutes zu verschieben oder ganz darauf zu verzichten. Wenn Güter weltweit angeboten werden, dann kommt noch das Wechselkursverhältnis ins Spiel. Deshalb muss die Währungsrelation Bestandteil von Kalkulationen werden.

Währungsrelationen

Die Güter können zum Beispiel in Euro, US-Dollar oder Yen angeboten werden. Die Umrechnung eines Gutes in die jeweilige Landeswährung kann zu einem Preisvorteil führen, der das Gut für den Nachfrager besonders attraktiv macht. Damit kann sich ein Arbitragevorteil realisieren lassen. Allerdings wird dieser Vorteil kleiner, wenn die Nachfrage nach Gütern aus einem bestimmten Währungsraum zu einer starken Devisennachfrage führt und sich damit der Preis der Devise verteuert. Der Anbieter / Verkäufer beziehungsweise Nachfrager / Käufer in einem Währungsgebiet (beispielsweise Europäische Union) kann Preisvorteile durch unterschiedliche Selbstkosten je Region realisieren, wenn die Währungsrelation außer Kraft gesetzt worden ist. Eine Abpufferung von Kostenunterschieden durch nationale Währungen entfällt in diesen Fällen. Beispiel: In der Europäischen Union sind die Relationen der nationalen Währungen untereinander zeitpunktabhängig festgeschrieben worden, so dass die unterschiedlichen Selbstkosten je Gut dem Nachfrager einen unmitelbaren Preisvorteil einbringen können, wenn der Anbieter den Preisvorteil weitergeben würde. Der Nachfrager gibt weniger Geld aus und kann damit zusätzlichen Bedarf decken. Auch der Anbieter kann Ersparungen realisieren, die er anderweitig anlegen kann, wenn der Wettbewerb dies zulässt (Arbitragevorteil). Allerdings provoziert die Festschreibung der Währungsunterschiede in der EU dann Anpassungssubventionen aus Steuermitteln, wodurch die Ersparnis beim Kauf durch Steuererhöhungen abgeschöpft werden kann.

Spezialgebiete

Die Preispolitik verfolgt hauptsächlich das Ziel mit Hilfe der Preisgestaltung Kaufanreize zu setzen. Bevor ein Produkt in den Markt eingeführt wird, sollte eine Festlegung auf eine Preisstrategie erfolgen. Ein Preisindex ist ein statistisches Konstrukt, das eine Aussage über die Höhe der Inflation (Preisniveau) in einem volkswirtschaftlichen Bereich machen soll.

Weblinks

[http://www.personal.uni-jena.de/~dps/preis.html Der Preis – Einige Gedanken] von John Ruskin [http://www.vernunft-schweiz.ch/document.php?cid=5 Preisbildung mit Angebot und Nachfrage]

Siehe auch


- Preisindex
- Preis-Absatzmengen-Funktion
- Tarif
- Kosten
- Wert
- Wertschöpfung
- UVP
- Währung
- Mikroökonomie Kategorie:Wirtschaft ja:価格

Geld

Geld ist ein Tauschmittel, welches sich von anderen Tauschmitteln dadurch auszeichnet, dass es nicht unmittelbar den Bedarf eines Tauschpartners befriedigt, sondern aufgrund allgemeiner Anerkennung zum weiteren Tausch eingesetzt werden kann. Durch Weitergabe dient es dem Begleichen von Rechnungen und Schulden und vermittelt dadurch den wirtschaftlichen Austausch von Waren und Dienstleistungen. Durch seine Wertbeständigkeit dient es auch der Aufbewahrung von wirtschaftlichen Werten (Wertaufbewahrungsmittel) und ist außerdem Maßstab zum Vergleichen der Werte von Waren, Dienstleistungen und Vermögen (Wertmaßstab). Geld liegt in der Regel vor in gegenständlicher Form (Geldscheine und Münzen) oder in dokumentarischer Form (gespeicherte Daten auf Bankkonten und Wertkarten). Geld ist in der Regel staatlich und international unterschiedlich organisiert, insbesondere in der Festlegung des Münz- und Notensystems, und hat einen entsprechenden Namen. Name und organisatorische Regeln zusammen werden als Währung bezeichnet. Für staatlich ausgegebenes Geld besteht beim Begleichen von Schulden Annahmepflicht für den Empfänger. Eine Verpflichtung zur Weitergabe von Geld besteht hingegen nicht. Geld benötigt das Vertrauen in seine allgemeine Übertragbarkeit innerhalb einer Gesellschaft. Das Vertrauen in Geld basiert darauf, dass es von jedermann jederzeit in nützliche Güter oder andere begehrte Vermögenswerte umgetauscht werden kann. Verwaltet wird Geld heute hauptsächlich vom Bankwesen. Geldvermögen sind nur dann Zahlungsmittel, Geld, wenn sie ohne vorherige Umwandlung in eine andere Vermögensform zum Zahlen verwendet werden können. Volkstümlich wird die Bezeichnung ’’Geld’’ auch für Vermögen allgemein gebraucht. Historisch erlangten bestimmte begehrte Güter wie Gold, Silber oder Muscheln Geldfunktion, indem sie als Zwischentauschmittel eingesetzt wurden. Das Zahlungsmittel kann man auch als Vermittler ansehen, der den einstufigen, suchintensiven direkten Tausch von Waren und Dienstleistungen in einen zweistufigen Tausch umwandelt. Geld ist Studienobjekt der Wirtschaftswissenschaft, ferner auch von Philosophie und Soziologie.

Erweiterte Definition

Praxisbezogene Definition

In einer engen Definition ist Geld nur das, was gesetzlich als Zahlungsmittel unter Annahmepflicht steht: Dies sind meist bedruckte Papierscheine und Münzen mit Wertangabe, die jeder innerhalb einer Rechtsordnung als Zahlungsmittel akzeptieren muss. Sie werden als Bargeld bezeichnet. Das Bargeld wird nur von der Zentral- bzw. Notenbank herausgegeben. In einer erweiterten Definition werden auch Sichtguthaben bzw. Sichteinlagen zur Geldmenge gezählt, da sie einen Anspruch auf Bargeld dokumentieren und als direktes Zahlungsmittel (Überweisung, Schecks) ebenfalls Geldfunktion übernehmen. Durch vertragliche Vereinbarungen oder gesetzliche Regelungen kann hier ebenfalls ein Annahmezwang herrschen.

Theoretische Definition

Geld sind Rechtsdokumente mit einerseits wirtschaftlicher, andererseits rechtlicher Bedeutung. Aus wirtschaftlicher Sicht gesehen sind Geld Belege (Inhaber-Dokumente) über das Recht des Geldinhabers zum Erwerb angebotener wirtschaftlicher Leistungen (Waren, Arbeits- bzw. Dienstleistungen). Dieses Recht ist durch Übergabe des Geldbelegs von einem Geldinhaber zum anderen übertragbar. Durch diese Übertragbarkeit ist Geld ein allgemeines Tausch- und Zahlungs- wie auch Wertaufbewahrungsmittel für zeitlich und räumlich getrennten und in seinem Umfang unterteilbaren Tausch. Das Angebot wirtschaftlicher Leistungen gegen die Hergabe von Geld ist die wirtschaftliche Deckung des Geldes und verschafft ihm Wert, bezeichnet als Kaufkraft. Ohne wirtschaftliche Deckung hat Geld keine Kaufkraft. Dem wirtschaftlichen Erwerbsrecht des Geldinhabers steht keine Verpflichtung eines Anbieters zum Erbringen von Leistungen gegenüber; insofern dokumentiert Geld wirtschaftlich gesehen eine einseitige Rechtsbeziehung. Rechtlich gesehen sind Geld Belege über das Recht (Guthaben) des Geldinhabers auf die Inbesitznahme (Rückgriff) eines zu diesem Zweck verpfändeten nutzbaren Gutes (Schuld) eines Eigentümers, das dieser bis zum Rückgriff selbst nutzen kann (z. B. Grundpfand, Bürgschaft). Rechtliche Grundlage hierzu ist das Darlehen, geschäftsmäßige Grundlage der Kredit. Die Rückgriffsmöglichkeit auf das verpfändete Gut ist die rechtliche Deckung des Geldes. Sie ist die Sicherheit, wenn Geld durch Kredite geschaffen wird (siehe unten unter Geldschöpfung). (Diese rechtliche Grundlage des Geldes ist beim alltäglichen Umgang mit Geld nicht bewusst.) Gelddokumente können gegenständlich vorliegen, geprägt als Münzen oder gedruckt als Geldscheine, versehen mit einer Wertangabe, oder schriftlich auf Kontenblättern oder elektronisch gespeichert in Computern oder auf Wertkarten. Die Art des Trägermaterials der Rechtsinformation Geld (Metall, Papier, elektronische Speicherung) ist unwesentlich für die Eigenschaft Geld. Münzen, Scheinen oder Kontoeinträgen ist nicht anzusehen, ob und in welchem Umfang sie wirtschaftlich oder juristisch gedeckt sind. Geld kann wirtschaftlich durch ein Waren- und Leistungsangebot gedeckt sein, obwohl es keine ausreichende juristische Deckung besitzt. Umgekehrt kann Geld juristisch durch Sicherheiten in Form von verpfändetem Vermögen gedeckt sein, ohne wirtschaftlich gedeckt zu sein. Die Menge an Geld wird gemessen in Geldeinheiten (Währungseinheiten), die je nach Währung eigene Namen besitzen, z. B. 1 Euro, 1 Franken, 1 Dollar. Eine Geldeinheit ist Rechen- und Vergleichseinheit für wirtschaftliche Werte, die in einer Anzahl Geldeinheiten ausgedrückt werden können (1 Brot kostet zum Beispiel 3.-- Franken). Dadurch ist Geld allgemeiner Wertmaßstab, mit dem die Werte von Lieferungen, Arbeitsleistungen und Sachen üblicherweise miteinander verglichen werden. Die Übertragbarkeit von Geld kommt zustande durch allgemeine, entweder stillschweigende oder ausdrückliche Übereinkunft der Mitglieder einer Gemeinschaft oder durch gesetzlich verordnete Verpflichtung der Einwohner eines Staatsgebiets zur Annahme der Geldbelege (Münzen, Geldscheine) zum Begleichen von Rechnungen und Schulden. Dadurch wird Geld in seinem Verbreitungsraum (Währungsraum) zu einem anerkannten Zahlungsmittel. Die fortlaufende Übertragung von Geld innerhalb seines Währungsraums wird als Umlauf des Geldes bezeichnet. Ein Zahlungsmittel dient grundsätzlich dem Begleichen von Schulden und ist somit Schuldentilgungsmittel. Als Zahlungsmittel ist Geld ein Zwischentauschmittel. Es wandelt den einstufigen und aufwändigen direkten Tausch, bei dem Waren oder Dienstleistungen direkt gegeneinander getauscht werden, in einen zweistufigen, einfacheren Tausch von Ware gegen Geld und von Geld gegen Ware um und ermöglicht dadurch ein zeitliches, räumliches und größenmäßiges Auseinanderfallen von Verkauf und Kauf. Während des Überbrückens der Zeit zwischen Verkauf und Kauf ist Geld Wertaufbewahrungsmittel. Die Übertragbarkeit des Geldes und seine Tauschbarkeit gegen angebotene Güter ist Voraussetzung für die allgemeine Wertschätzung des Geldes. Sie beruht auf der Erwartung seines Besitzers auf den Nutzen der mit Geld zu erwerbenden Güter. Darin liegt auch der Nutzen des Geldes. Weil Geld aus sich selbst heraus keinen wirtschaftlichen Nutzen hat, kann es nicht als Ware bezeichnet werden. Geld besitzt einen quantitativen und einen qualitiven Wert:
- Quantitativ verschafft Geld seinem Besitzer Kaufkraft. Die Kaufkraft des Geldes liegt im Wert der damit zu erwerbenden nutzbaren Güter. Sie wird gemessen in Geldeinheiten, z. B. in Euro.
- Qualitativ verschafft Geld Zahlungsfähigkeit (Liquidität) und Wahlfreiheit unter den zum Erwerb angebotenen Leistungen wie auch über die Verwendung des Geldes bezüglich Ort und Zeit. Der Vorteil von Zahlungsfähigkeit und Wahlfreiheit zusammen ist die Liquiditätsprämie des Geldes. Sie wird gemessen in Geldeinheiten pro Zeit, z. B. in Euro pro Jahr, beim Kreditzins bekannt als Prozent pro Jahr. Die Liquiditätsprämie ist unter den Bestandteilen von Kreditzinsen der Anteil, der für das Verleihen von Zahlungsfähigkeit und Wahlfreiheit verlangt wird.

Besonderheit des Geldes

Der Nutzwert jedes wirtschaftlichen Gutes ist – gemäß J. M. Keynes – bestimmt durch den mit ihm erzielbaren Ertrag, seine Liquiditätsprämie (Übertragbarkeit und Tauschbarkeit) und seine Durchhaltekosten (Aufwand für Unterhalt, Verwaltung und Sicherheit). Im Vergleich zu allen anderen Wirtschaftsgütern vermittelt Geld keinen wirtschaftlichen Ertrag, besitzt aber die höchste Liquiditätsprämie und verursacht die geringsten Durchhaltekosten. Güter, für welche dieser besondere Umstand zutrifft und welche sich durch bequeme Handhabbarkeit auszeichnen, eignen sich als allgemeines Tauschmittel einer Gesellschaft. Geld ist deshalb das begehrteste Wirtschaftsgut überhaupt. Wegen dieser überragenden Begehrtheit verleiht es seinem Besitzer Überlegenheit und eine problematische Vormachtstellung über einen Nichtgeldbesitzer, die das Geheimnisvolle des Geldes ausmacht. Dies hat immer wieder Zweifel am Geld und Rufe nach Reformen aufkommen lassen (vgl. u. a. P. J. Proudhon, K. Marx, S. Gesell, J. M. Keynes).

Geldfunktionen

Siehe Hauptartikel Geldfunktion Dem Geld werden gemäß seiner Verwendung i. A. drei Funktionen zugesprochen. Über diese bestimmt sich auch, was als Geld zu definieren ist. Geld sind demnach genau diejenigen Informationsträger, welche die drei Geldfunktionen ausreichend erfüllen (siehe Absatz Arten der Geldmenge).

Zahlungsmittelfunktion

Geld ist Tausch- und Schuldentilgungsmittel. – Damit hat es Zahlungsmittelfunktion. Geld vereinfacht den Tausch von Gütern (Tauschmittel) und die Aufnahme und Tilgung von Schulden (Zahlungsmittel). Als universelles Tauschmittel muss Geld umlaufen. Die Häufigkeit, mit der eine Geldeinheit für wirtschaftlich wirksame Zahlunge Pohl eingesetzt wird, wird als Umlaufgeschwindigkeit des Geldes bezeichnet. Damit Geld als Tauschmittel gut funktioniert, muss die Umlaufgeschwindigkeit möglichst konstant sein.

Wertaufbewahrungsfunktion

Geld ist Wertaufbewahrungsmittel. – In Geld lässt sich das Versprechen eines Gegenwerts für andere Güter (Waren oder Dienstleistungen) speichern und zu anderer Zeit und an anderem Ort einlösen. Als Wertaufbewahrungsmittel ruht das Geld und hat nicht die Funktion eines Tauschmittels. Die Funktion der Wertaufbewahrung bewirkt eine Reduktion der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes.

Wertmessfunktion

Geld ist Wertmaßstab. – Geld dient als Vergleichsmaßstab für die Menge von Lohnarbeit, Waren und Dienstleistungen nellen, die damit entlöhnt, bezahlt bzw. erworben werden kann. Die Menge Geld, die jemand besitzt, entspricht dem Anteil am Sozialprodukt, den er erwerben kann, wenn er das Geld ausgibt. Der Wert einer Geldeinheit wird bezeichnet als Kaufkraft des Geldes.

Umgang mit Geld

Ein Geldbesitzer kann sein Geld ...
- ausgeben (Konsum Zahlungsmittel)
- investieren (Geldanlage, Investition)
- umtauschen in eine andere Währung (Umtausch, Wechselkurs)
- verschenken (Schenkung)
- vererben (Erbe)
- behalten, horten (Wertaufbewahrung, Hortung)
- verlieren (Verlust, Geldspiele)
- vernichten (absichtlich oder versehentlich, zum Beispiel nach einer Währungsreform) Geld erwerben lässt sich durch ...
- Arbeiten (Arbeit, Lohn, Verdienst)
- Verkaufen (Verkauf, Handel)
- Entleihen (Kredit)
- Erben (Erbe)
- Erhalten durch Geschenk (Schenkung)
- Gewinnen (Lotto, Toto, Geldspiele)
- Umtauschen aus anderer Währung (Umtausch, Wechselkurs)
- Finden (Fund)
- Fälschen (Falschgeld) Gemäß J. M. Keynes lassen sich für das Halten von Geld bei Nichtbanken, auch Geldnachfrage oder Kassenhaltung genannt, drei Gründe unterscheiden:
- Geldhaltung zur Abwicklung von beabsichtigten und erwarteten Zahlungen (Transaktionskasse im engeren Sinne).
- Geldhaltung aus Sicherheitsgründen zur Abwicklung unvorhergesehener Verpflichtungen (Vorsichtskasse, Teil der Transaktionskasse im weiteren Sinne).
- Geldhaltung aus spekulativen Gründen zur Realisierung erwarteter Wertpapier-Kursgewinne bzw. zur Vermeidung erwarteter Wertpapier-Kursverluste (Spekulationskasse). Die Verteilung des ausgegebenen Geldes in der Gesellschaft spiegelt die Verteilung des Sozialprodukts: Die Menge Geld, die jemand besitzt, entspricht dem Anteil am Sozialprodukt, den er erwerben kann, wenn er das Geld ausgibt. Missbrauch des Geldes:
- Fälschung von Geld (Falschgeld)
- Geldwäsche
- Geldhortung

Umlauf des Geldes

Als universelles Tauschmittel muss Geld unter den Wirtschaftsteilnehmern seines Währungsraums umlaufen. Die Häufigkeit, mit der die gleiche Geldmenge während eines bestimmten Zeitraums zum Kaufen eingesetzt wird, ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Damit eine Volkswirtschaft störungsfrei funktioniert, muss die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes möglichst konstant sein. Sie ist wesentlich für das allgemeine Preisniveau. Eine Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit wirkt ebenso wie eine Zunahme der Geldmenge steigernd auf das Preisniveau (inflationär), eine Verringerung der Umlaufgeschwindigkeit ebenso wie eine Abnahme der Geldmenge preisniveausenkend (deflationär). Dabei gelten folgende Formeln:
- Geldmenge mal Umlaufgeschwindigkeit ist gleich Handelsvolumen (umgesetzte Gütermenge) mal Preisniveau. Oder:
- Preisniveau ist gleich Geldmenge mal Umlaufgeschwindigkeit geteilt durch Handelsvolumen (umgesetzte Gütermenge). Hortung ist das Zurückhalten von Geld über das aus der Vorliebe für das Halten von Geld (Liquiditätsvorliebe) bestimmte Maß hinaus.

Geschichte des Geldes

Entstehung

Vor der Erfindung des Geldes herrschte Tauschhandel, bei welchem direkt Ware gegen Ware getauscht wurden. Geld kam in Gebrauch, um als überall anerkanntes und daher gültiges Tauschmittel den Handel zu vereinfachen, indem Ware gegen Geld und Geld wieder gegen Ware getauscht wird. Der Gebrauch von Geld ist verknüpft mit dem Entstehen des Handels innerhalb einer arbeitsteiligen Wirtschaft. Mit der Arbeitsteilung wächst auch der Umfang des Geldgebrauchs. Eine Selbstversorgungswirtschaft benötigt kein Geld. Bei der Entstehung von Geld wurden im Wesentlichen zwei Wege beschritten: Einerseits entstand Geld, indem allgemein geschätzte, in beschränkter, jedoch ausreichender Menge verfügbare und unverderbliche natürliche Gegenstände als allgemeines Tausch- und Zahlungsmittel in Gebrauch kamen (Warengeld). Dies waren entweder Naturgegenstände (Naturalgeld), Schmuckstücke (Schmuckgeld) oder allgemeine Gebrauchs- und Nutzgegenstände wie auch Nutztiere. Diese erste Art von Geld war ursprünglich üblich bei Naturvölkern, die noch kein persönliches Eigentum kannten (zum Beispiel Kaurimuscheln im Süden Asiens und Afrikas bis ins 19. Jahrhundert) oder wird unwillkürlich benützt als Notgeld (zum Beispiel Zigaretten vorübergehend in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg). Andererseits kam Geld als Belege für Guthaben auf verpfändbares privates oder öffentliches Eigentum in Umlauf. Voraussetzung dafür war das Vorhandensein von Eigentum an bestimmten Gütern, gegen deren Verpfändung das Geld von ihren Eigentümern als Kredit herausgegeben wird. Als verpfändetes Eigentum kam zum Beispiel Landbesitz oder hinterlegtes Münzgeld in Frage. Den Besitzern von Geldbelegen stand auf Verlangen die Herausgabe des verpfändeten Eigentums zu. In dieser Weise kommt Geld durch Verschuldung zustande und ist rechtlich gesehen ein Schuldschein und Schuldentilgungsmittel. Dieses Verfahren wurde bis heute bei Geschäfts- und Zentralbanken beibehalten, indem Geld durch Beleihung verpfändbarer Wertpapiere vertrauenswürdiger Kreditnehmer gegen Zins ausgegeben wird. Eine dritte, vorübergehend gebrauchte Form der Geldentstehung ist die absichtliche Schaffung von Notgeld. Zum Beispiel haben in Deutschland um 1923 gewisse Städte Notgeld als Ersatz für offizielles Geld herausgegeben. Während Geld anfänglich über Jahrhunderte an wertvolle physische Tauschmittel wie z. B. Münzen aus Gold gebunden war, bestehen die Gelddokumente heute in der Regel aus fast wertlosem Material (Banknoten aus Papier). Dementsprechend wurden in Europa Gold und Silber als Wertgaranten für das ausgegebene Geld bei den Notenbanken hinterlegt (siehe dazu Goldeinlösegarantie). Seit ab 1971 die Goldeinlösegarantie für Bargeld aufgehoben worden ist, wurde international die Golddeckung mehr und mehr abgebaut. Kritik an der Annahme der Entstehung des Geldes aus dem Tauschhandel kommt von Vertretern der Debitismus-Theorie, insbesondere von Paul C. Martin. Als Argument wird vorgebracht, das Einführen eines dritten Tauschgegenstands würde den Tausch zunächst noch verkomplizieren. Aus einer einzigen Transaktion würden zwei. Entscheidend sei vielmehr die Funktion des Geldes, die Zeit zwischen dem Bedarf an Ware A und der Produktion von Ware B zu überbrücken. Daraus ergebe sich, dass Geld von vornherein keine Ware und kein Tauschgegenstand gewesen sei, sondern Zeichen für ein Schuldverhältnis.

Natural- oder Warengeld

Natural- oder Warengeld war früher weit verbreitet und in allen Kulturen und Epochen vorzufinden. Es waren wertvolle nützliche oder schöne Dinge. Zum Beispiel Steingeld in Mikronesien, Ring- und Schmuckgeld in Neu-Guinea und im Süd-Pazifik, Muschelgeld in Afrika und China, Kleidergeld (z. B. Pelze) in Nordamerika und Metallgeld in allen Regionen. Weiter dazu zählen Rinder, Kamele, Ziegen, Felle, Dolche, Spaten, Schmuckringe, besondere Steine, Salz und vieles mehr. Zum Warengeld gehörten auch Muscheln, insbesondere Kauri-Muscheln, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts noch in Afrika, Südasien und auf den Südseeinseln noch weit verbreitet in Gebrauch waren. In Tibet wurde noch bis zum Einmarsch der Chinesen im Jahr 1950 vielfach mit Gerste oder Weizen bezahlt. Mit der Entdeckung, dass manche dieser Dinge immer wieder weitergegeben, aber nicht mehr als Nutzgüter gebraucht wurden, wurden kleine und wesentlich weniger wertvolle Nachbildungen dieser Gegenstände als Zahlungsmittel verwendet. So kam es beispielsweise zu Messergeld, Spatengeld und Ähnlichem. Das erste Falschgeld waren aus Knochen, Gestein oder Jade nachgeahmte Muscheln, als diese etwa 2000 v. Chr. das erste chinesische Zahlungsmittel waren. Dies sind Formen prämonetären Zahlungsverkehrs. Aspekte der Zählbarkeit, der Lagerfähigkeit und der leichten Transportierbarkeit spielten bereits früh eine Rolle bei der Wahl des Materials, auch im Hinblick auf die Möglichkeit, Werte aufzubewahren. Diesem Bedürfnis entsprachen z. B. Barren und Drähte aus Bronze oder Silber, die sehr werthaltig und leicht aufzubewahren waren. Die nachfolgenden Geldarten Münze, Banknote, Buchgeld und Wertkarte sind wie Generationen des Geldes auseinander hervorgegangen.

Münzgeld

Siehe auch Geschichte des Münzgeldes. Münzen erleichterten den Handel wesentlich. Sie hatten den Vorteil, immer gleiche Größe, gleiches Gewicht und gleiches Aussehen zu besitzen und statt gewogen abgezählt werden zu können.

Papiergeld

Siehe auch Geschichte der Banknote. Papiergeld entstand als Stellvertreter für Münzgeld. Es war ursprünglich nicht als Ergänzung zu Münzen gedacht, sondern als deren Ersatz bei Mangel an Münzen. Papiergeld waren Wertpapiere mit der Aufforderung an ihren Herausgeber, dem Inhaber auf Verlangen den Gegenwert in Münzen auszuzahlen. Das erste europäische Papiergeld wurde 1483 in Spanien als Ersatz für fehlendes Münzgeld ausgegeben. Dazu dienten Papierzettel mit Wertangabe und Siegel, deren Annahme als Zahlungsmittel für jedermann zwingend vorgeschrieben war. Das Vertrauen in Papiergeld beruhte ursprünglich darauf, dass es von jedermann jederzeit in Münzgeld umgetauscht werden kann. Dieses Vertrauen war durch ausreichende Bestände an Münzgeld in den Schatzkammern des Herausgebers begründet. Durch die verordnete Annahmepflicht wurde Papiergeld neben dem Münzgeld zum Zahlungsmittel. Später haben Banken Münzgeld gegen Quittung in Verwahrung genommen, um den Besitzern Transport und Bewachung des Geldes zu erleichtern. Die Quittungen wurden als Zahlungsmittel verwendet. Sie gaben ihren Inhabern das Recht, von einer dazu verpflichteten Bank jederzeit die Hergabe der entsprechenden Menge Münzgeld zu verlangen. Die Quittungen hießen Banknoten, die entsprechenden Banken Notenbanken. Daraus entwickelte sich die Erfordernis der Notenbanken, die von ihnen ausgegebenen Banknoten durch Bestände zunächst an Münzen, später an Edelmetallen (Gold, Silber) abzusichern, zu decken (Deckungspflicht). Mit der Zeit überstieg die Menge an Papiergeld die Menge an Münzen und Edelmetallen deutlich. Heute müssen Banknoten in vielen Ländern nicht mehr durch Goldbestände der Notenbanken gedeckt sein (Aufhebung der Golddeckungspflicht). Etwa seit Ende des 19. Jahrhunderts gingen die Staaten dazu über, das Recht zur Ausgabe von Banknoten den verschiedenen Notenbanken ihres Landes zu entziehen und einer zentralen Notenbank, der Zentralbank des Landes, zu übertragen. Diese versorgt ihrerseits die Geschäftsbanken über Kredite mit Banknoten. Mit der Errichtung von Zentralbanken war oft auch eine Zentralisierung des Geldwesens und die Schaffung einer einheitlichen Währung verbunden. Bis dahin hatten die einzelnen Notenbanken vielfach ihre eigenen Währungen ausgegeben. Dazu zwei Beispiele: 1907 wurde die Schweizerische Nationalbank errichtet und der Franken als neue Währung eingeführt anstelle von mehreren kantonalen Notenbanken mit eigenen regionalen Währungen. Und 1998 wurde die Errichtung der Europäischen Zentralbank und die Schaffung des Euros als neue europäische Währung vollzogen anstelle der Zentralbanken der einzelnen Länder und der Landeswährungen. Da Papiergeld ohne große Kosten hergestellt werden kann und es oft weder durch vorhandenes Vermögen noch durch genügend erwerbbare Güter gedeckt ist, kann es problemlos im Übermaß ausgegeben werden. Dies führt immer zu Teuerung und Kaufkraftverlust des Geldes (Inflation). Aus der Verbindung von Papiergeld mit Krieg und Inflation war bis ins 20. Jahrhundert hinein das Papiergeld als wertloses Geld empfunden und mit Misstrauen betrachtet worden.

Buchgeld

Der nächste Entwicklungsschritt war die Entstehung von Buchgeld oder Giralgeld auf persönlichen Konten bei Banken. Die Kontenbestände sind so genannte Sichtguthaben – sie müssen auf Sicht, d. h. jederzeit und sofort auf Verlangen des Kontoinhabers von den Banken in Bargeld ausbezahlt werden. In den ersten Jahrzehnten seiner Verwendung wurden diese Bestände schriftlich in Kontenbüchern geführt – daher der Name "Buchgeld". Heute geschieht dies elektronisch als Elektronisches Geld (E-Geld) in Computern. Buchgeld und elektronisches Geld sind Grundlage des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Sichtguthaben auf Bankkonten entstehen sowohl durch Einzahlungen von Bargeld in Form von Münzen und Banknoten bei der kontoführenden Bank wie auch durch bargeldlose Überweisungen von anderen Konten oder durch Erteilen von Krediten der Bank. Von den Sichtguthaben können die Kontoinhaber Zahlungen per Überweisungen auf Konten von Kunden der gleichen oder anderer Banken vornehmen lassen oder darauf Schecks ausstellen oder sich Bargeld auszahlen lassen. Durch die Möglichkeit der Überweisung von Konto zu Konto sind Sichtguthaben zusätzlich zum Bargeld Zahlungsmittel geworden. Sie sind damit Geld und zählen deshalb auch statistisch zur zahlungsfähigen Geldmenge, bezeichnet als M1, welche Bargeld und Sichtguthaben umfasst. Buchgeld ist jedoch – im Gegensatz zu Bargeld – kein gesetzliches Zahlungsmittel und unterliegt keiner allgemeinen Annahmepflicht, weil seine Annahmemöglichkeit auf die Inhaber von Sichtguthabenkonten beschränkt ist. Diese erklären sich jedoch zur Annahme von Buchgeld durch die Eröffnung eines entsprechenden Kontos bereit.

Wertkarten

Der bisher letzte Schritt in der Geldentwicklung sind die Wertkarten mit elektronischer Wertspeicherung. Auf ihnen sind Geldbeträge mit besonderen Geräten speicherbar und davon abbuchbar. Damit vollzog sich der Schritt vom papiergebundenen zum papierlosen elektronischen Bank- und Zahlungsverkehr. (Kreditkarten sind keine Wertkarten, weil sie keinen Geldbetrag aufgespeichert haben können und nur als Ausweise für den Zugriff auf Konten dienen.)

Probleme mit Metallgeld

Bis in das 18. Jahrhundert hinein waren die Währungen Europas über ihren Edelmetallgehalt in ihrem Wert definiert. Die nationalen Münzstätten überwachten neben der eigenen Produktion die ausländischen Prägungen. Überbewertungen einer Währung traten auf, wenn Münzen international über oder unter ihrem Metallwert gegeneinander verrechnet wurden. Immense Probleme im praktischen Umgang mit Münzen bereitete der mutwillige Abschliff, bei dem der Münze Metall abgefeilt wurde. Hier mussten sorgfältigere Prägungen Einhalt gebieten, Prägungen, bei denen man an der Integrität der Ränder sah, wenn Metall entfernt wurde. Noch größere Probleme bereitete die Fluktuation der Edelmetallwerte untereinander. Umfassten Währungen Gold-, Silber- und Kupfermünzen, so ließ sich ihr Wert gegeneinander nicht stabil halten. Silber floss aus Spanien und England ab, da spanische und englische Händler Goldmünzen geringfügig größeren Wert beimaßen als ihre internationalen Handelspartner – ein Problem, das sich im internationalen Handel ausweitete: In Asien sah man keinen Grund für die hohe Wertschätzung des Goldes in Europa. So floss Silber gegen Gold nach Asien ab. Die Lösung des Problems wurde im frühen 18. Jahrhundert in England die grundsätzlich goldbasierte Währung, bei der die Bank of England versicherte, den jeweiligen Marktwert Goldes dem Besitzer einer jeweiligen englische Münze jederzeit auszuzahlen (siehe Goldeinlösegarantie). Die Probleme dieser Umstellung waren absehbar: Wie war gewährleistet, dass die Bank nicht mehr Münzen ausgab, als sie durch Goldbesitz deckte? Hier kam es in den 1730ern Jahren zu einer Vertrauenskrise, in der die Bank of England nur durch die Bereitschaft des Londoner Großhandels gerettet wurde, der die Garantie übernahm. Auf der anderen Seite entfiel nun jeder Anreiz zur Münzmanipulation und jede Wertverschiebung zwischen landesinternen Münzsorten, wie man sie zwischen goldbasierten Guineas und silberbasierten Kronen im Lauf des 17. Jahrhunderts mitsamt einem unkontrollierten Abfluss von Silbergeld erfahren hatte. Noch weit ins 19. Jahrhundert hinein waren einige Währungen – wie z.B. der US-Dollar – goldgedeckt. Sogar manche Banken wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel konstituieren sich über Aktien, die in Goldfranken definiert sind. Es ist also auch heute nicht selbstverständlich geworden, die Golddeckung aufzugeben. Das Greshamsche Gesetz beschreibt, welche Geldarten bei Konkurrenz untereinander bevorzugt werden. Danach vertreibt das Geld mit dem geringeren Materialwert dasjenige mit dem höheren vom Markt. (Beispiel: Man behält die Goldmünzen, wenn man mit Kupfermünzen bezahlen kann.)

Arten der Geldmenge

Siehe Hauptartikel Geldmenge Wie bereits erwähnt, ist der Begriff "Geld" nicht an einen bestimmten Träger gebunden. Vielmehr wird jeder Träger als Geld definiert, der die drei Geldfunktionen erfüllt. Da unterschiedliche Träger die Funktionen in unterschiedlichem Grad erfüllen, ist eine eindeutige Abgrenzung von Geld und Nicht-Geld kaum möglich. Aus diesem Grund definieren die Zentralbanken den Begriff Geld in mehrfacher Weise. Hierzu werden verschiedene Geldmengen unterschieden, je nach Erfüllung der Geldfunktionen: Die Geldmenge M0 ist das von der Zentralbank geschaffene Geld und besteht aus den Giroguthaben der Banken bei der Zentralbank und dem in Umlauf befindlichen Bargeld (Münzen und Banknoten). Sie unterliegt dem direkten Einfluss der Zentralbank. Geldmenge M1 umfasst die Gelder, die jederzeit als Zahlungsmittel eingesetzt werden können, also Bargeld und Sichteinlagen. Geldmenge M2 umfasst – nach einer möglichen Definition – zusätzlich zu M1 die innerhalb einer Obergrenze wandelbaren Spareinlagen. Geldmenge M3 umfasst zusätzlich zu M2 Termingelder.

Heutige Geldschöpfung

Prozess der Geldschöpfung

Siehe auch Hauptartikel Geldschöpfung Die Ausgabe von Geld an die Bevölkerung eines Währungsraums wird Geldschöpfung genannt. Auf einer theoretischen Ebene kann man zwei unterschiedliche Arten von Geld unterscheiden. Zum einen das Zentralbankgeld, das von der Zentralbank geschaffen oder vernichtet wird; hierzu zählt auch das Bargeld. Zum anderen das Geschäftsbankengeld, das durch die privaten Geldinstitute entsteht oder verschwindet, wobei es sich genau genommen nur um Geldforderungen handelt. Geld kann durch das Zusammenspiel von Zentralbank, Geschäftsbanken, Unternehmen, privaten Haushalten und öffentlicher Hand geschaffen werden. Der häufigste Weg der Geldschöpfung basiert auf der Gewährung von Krediten. Bargeld (Münzen, Banknoten) kann nur von der Zentralbank geschaffen werden, Buchgeld auf Sichtguthabenkonten (Giralgeld) sowohl von der Zentralbank wie auch von den Geschäftsbanken. Die Geschäftsbanken können Geld auf Sichtguthabenkonten schöpfen, indem sie ihren Kunden gegen die Verpfändung von Sicherheiten (Hypotheken auf Grundstücke, Wertpapiere) Kredite gewähren. Nach Gewährung des Kredits kann der Kreditnehmer von einem Konto bei seiner Bank aus (Girokonto in Deutschland, Kontokorrentkonto in der Schweiz) über ein Guthaben bis zur Höhe des gewährten Kredits verfügen und davon Zahlungen per Überweisungen an andere Kunden der gleichen oder anderer Banken vornehmen lassen oder darauf Schecks ausstellen oder sich Bargeld auszahlen lassen. Durch diesen Vorgang wird Geld geschaffen. Auf der einen Seite wird Geld in Umlauf gebracht, auf der anderen Seite entsteht eine Forderung der Bank gegen den Kreditnehmer (Schuldtitel) als Position in der Bilanz der Bank. Umgekehrt wird Geld in Form von Sichtguthaben vernichtet, wenn ein Kredit an die Bank zurückgezahlt und der Schuldtitel aufgelöst wird. Die Kreditvergabe einer Geschäftsbank muss durch Eigenkapital der Bank und Einlagen ihrer Kunden genügend abgesichert, gedeckt sein. Wenn das Eigenkapital der Bank und die Einlagen der Kunden nicht ausreichen, um die Kreditvergabe in dem gewünschten Umfang durchzuführen, hat sie die Möglichkeit, sich Zentralbankgeld bei der Zentralbank zu leihen; man spricht hier von Refinanzierung. Da das neu geschaffene Geld wieder als Basis für weitere Geldschöpfung dienen kann, gibt es theoretisch keine obere Grenze für die Menge des von den Banken geschaffenen Geldes. Um die Geldschöpfung der Geschäftsbanken in Grenzen zu halten, gibt es neben Bilanzvorschriften für die Banken (keine Überschuldung, minimale Eigenkapitaldeckung der Bank) je nach Land die Verpflichtung, bei der Zentralbank eine Mindestreserve an Zentralbankguthaben zu halten, die einen bestimmten Prozentsatz der bei ihnen liegenden Sichtguthaben ihrer Kunden ausmacht (z. B. 1,5%). Eine weitere Grenze ist systemimmanent gegeben, da letztlich nicht Banken, sondern die Gesellschaft das Geld schöpft. Finden die Banken keine zusätzlichen Kreditnehmer, so können sie auch kein Geld schöpfen (im Sinne von Gesamtgeldmenge erhöhen). Das vom Bankenpublikum bei den Geschäftsbanken angeforderte Bargeld wird von der Zentralbank in Form von Münzen und Geldscheinen abgegeben, welche die Geschäftsbanken bei der Zentralbank zu Lasten ihrer Guthaben an Zentralbankgeld beziehen können. Jedes über Kredite ausgegebene Geld zieht zwangsläufig das Zahlen von Zinsen nach sich. Geld ist darum stets an Zinsen gebunden, und das Zahlen von Zinsen an die herausgebenden Banken ist Voraussetzung für das Vorhandensein von Geld. Volkswirtschaftlich gesehen wird Geld nur geschaffen, wenn die Gesamtkreditaufnahme der Gesellschaft (Staat, Wirtschaft und Haushalte zusammen) größer ist als die Gesamtkredittilgung, wenn also eine positive Nettogesamtkreditaufnahme stattgefunden hat.

Geldmarkt

Siehe Hauptartikel Geldmarkt Für die leihweise Übereignung von Geld besteht genauso wie für Waren und Dienstleistungen ein Markt mit Angebot und Nachfrage. Die privaten Haushalte und Unternehmen fragen Geld als Kreditnehmer nach und bieten es gleichzeitig als Sparer an. Das Bankensystem dient als Vermittler zwischen den beiden Gruppen und macht den Markt hierdurch effizienter, da sich Sparer und Kreditnehmer nicht mehr einzeln finden müssen. Diesen Dienst lassen sich die Banken mit der Differenz zwischen Guthaben- und Kreditzinsen entlohnen. Der Zins, der sich an diesem Markt herausbildet ist von Angebot und Nachfrage bestimmt und stellt im Prinzip den Preis der leihweisen Uebereignung des Geldes dar. Wollen viele Teilnehmer bei einem geringen Geldangebot welches leihen, so steigt der Zins und der Anreiz für andere steigt, ebenfalls Geld auf dem Markt anzubieten. Umgekehrt sinkt der Zins bei geringer Nachfrage und großem Angebot. Ein Kreditnehmer erhält Geld mit der Verpflichtung, den geliehenen Betrag plus Zinsen später zurückzuzahlen. Da Geld-Leihen also etwas kostet, sind Kreditnehmer bestrebt, ihr geliehenes Geld ertragbringend zu nutzen (das heißt: sofort für Investitionen oder auch Konsum auszugeben). Die Zentralbank nimmt auf den Geldmarkt Einfluss, indem sie entweder aktiv das Geldangebot im Rahmen einer so genannten Offenmarktpolitik beeinflusst oder über den Zinssatz für Zentralbankgeld indirekt auf Angebot und Nachfrage einwirkt. Bei der Offenmarktpolitik kauft die Zentralbank Wertpapiere und bezahlt diese mit Zentralbankgeld. Dem System wird so Geld hinzugefügt. Umgekehrt kann sie auch Wertpapiere verkaufen und dem System hierdurch Geld entziehen. Der Zinssatz für Zentralbankgeld bzw. für Einlagen bei der Zentralbank beeinflusst den Geldmarkt indirekt, weil er Anreize für die Geschäftsbanken schafft, Kredite zu gewähren oder Einlagen bei der Zentralbank zu schaffen.

Fiat Money

Siehe Hauptartikel Fiat Money Fiat Money, ein Geld aus dem Nichts, ist Geld, dessen juristische Deckung durch reale Vermögenswerte entweder nicht vollständig ist oder fehlt. Die Bezeichnung fiat money (Es werde Geld) ist abgeleitet vom lateinischen fiat lux (Es werde Licht) aus der Schöpfungsgeschichte der Bibel (1. Mose 1). Diese Art der Geldschöpfung kann vom Herausgeber, in der Regel der Zentralbank, bei Bedarf angewendet werden. Das Geld aus dem Nichts ist keine besondere Geldart und von niemandem als solches erkennbar, da man Münzen, Scheinen oder Kontoeinträgen nicht ansehen kann, ob und in welchem Umfang sie juristisch gedeckt sind. Wesentlich bei Fiat money ist die juristische Deckung, nicht die wirtschaftliche (siehe oben Theoretische Definition). Fiat money kann durch ein Waren- und Leistungsangebot wirtschaftlich gedeckt sein, obwohl es keine juristische Deckung besitzt. Praktisch alle Währungen sind heutzutage nicht oder nicht ausreichend gedeckt und damit, zumindest teilweise, Fiat Money. Die Möglichkeit zur Schaffung von Fiat Money existiert nur so lange, wie die privaten Marktteilnehmer (Haushalte, Banken und andere Unternehmen) dem auf diese Weise emittierten Geld einen Wert beimessen.

Geldpolitik

Für detailliertere Informationen siehe Hauptartikel Geldpolitik Zentralbanken verfolgen im Allgemeinen ein konkretes und festes Ziel bei der Geldmengensteuerung. Dieses Ziel ist häufig die Preisstabilität, d. h. die Bekämpfung der Inflation. Um die Inflationsrate auf ein volkswirtschaftlich sinnvolles Maß zu begrenzen, versucht die Zentralbank die Geldmenge im Gleichschritt mit der zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu halten. Die Quantitätstheorie stellt einen direkten Zusammenhang zwischen Wachstum von Geldmenge und Preisniveau her. In Zeiten geringer Inflationsraten kann die Zentralbank auch versuchen, Sekundärziele zu verfolgen, wie zum Beispiel die Steigerung des gesamtwirtschaftlichen Wachstums.

Inflation

Für detailliertere Informationen siehe Hauptartikel Inflation Wenn die Geldmenge übermäßig wächst oder bei konstanter Geldmenge die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zunimmt, kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen dem verfügbaren Geld und den Gütern, die mit dem Geld bezahlt werden könnten. Dieses Ungleichgewicht führt zu einem Anstieg des allgemeinen Preisniveaus, das man als Inflation bezeichnet. Da sich der wirtschaftliche Wert des Geldes aus den Gütern ergibt, die damit erworben werden können, kann die Ausgabe zusätzlichen Geldes den Gesamtwert des in einer Volkswirtschaft umlaufenden Geldes nicht erhöhen, sondern führt zu Inflation. Eine Zunahme der Geldmenge kann z. B. durch die (Zins-)Politik der Zentralbank (vgl. Hyperinflation nach dem ersten Weltkrieg in Deutschland) oder eine plötzliche Erhöhung der Staatsverschuldung unter Zunahme der Geldmenge durch Zentralbankkredite an den Staat entstehen. Denkbar sind auch plötzlich veränderte Erwartungen der Verbraucher, die zu einem Abnehmen der Sparguthaben führen.

Deflation

Für detailliertere Informationen siehe Hauptartikel Deflation Wenn die Geldmenge sinkt oder bei gleicher Geldmenge die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zurückgeht, kann es zu einer Periode nachhaltig fallender Preise kommen, die als Deflation bezeichnet wird. Ein Rückgang der Geldmenge kann auch hier durch Maßnahmen der Zentralbank ausgelöst werden (Zinspolitik). Die Umlaufgeschwindigkeit kann sinken, wenn die privaten Haushalte und Unternehmen zurückhaltender werden bezüglich Konsum und Investitionen und Geld eher sparen als ausgeben.

Rechtliches zum Geld

Die vielfach gehörte Aussage, die Zerstörung von Geld sei strafbar, ist falsch. Hier gilt Paragraph 903 des Bürgerlichen Gesetzbuches, wonach der Eigentümer mit seinen Sachen grundsätzlich nach Belieben verfahren darf. Allerdings leistet die Bundesbank für vollkommen zerstörte Geldscheine keinen Ersatz.

Volkstümliche Bezeichnungen des Geldes

Auf Grund der Bedeutung des Geldes und der weiten Verbreitung gibt es zahlreiche Bezeichnungen und Redewendungen für Geld. Einige davon sind:
- Kohle (Kohle wurde nach dem 2. Weltkrieg als Zahlungsmittel verwendet)
- Mammon (vom aramäischen oder arabischen aman = das, worauf man vertraut)
- Moneten (von Moneta; vgl. engl. money)
- Masade (russisch Geld)
- Penunzen (über polnisch pieniądz von lat. Pecunia)
- Zaster (stammt aus dem Rotwelschen und leitet sich von dem Wort "saster" für Eisen ab.)
- Stutz (schweizerisch für Franken)
- Papiergeld: Riesen (Tausender), Blauer/Hunni (Hunderter [zu DM-Zeiten]), Fuffi (Fünfziger), Zwanni (Zwanziger), Scheine, Lappen
- Münzgeld: Heiermann (Fünfmarkstück), Groschen (10 Pf.), Zwickel (Zweimarkstück, Zweieurostück), Fünfliber (Fünffrankenstück in der Schweiz)
- Weitere: Asche, Bimbes, Eier, Fett, Kies (geht auf das Jiddischen Wort kis (= Geldbeutel) zurück. siehe:Liste_deutscher_W%C3%B6rter_aus_dem_Hebr%C3%A4ischen), Kikerlinge, Klötze, Knaster, Knete, Koks, Kröten, Mäuse, Mücken, Moos, Ocken, Öcken, Obulus, Piepen, Pimperlinge, Pinke, Pinkepinke, Pulver, Schabangas, Schnee, Schotter, Sickel, Steine, Taler, Diridari
- geringer Betrag: Peanuts
- Für Falschgeld: Blüte, „falscher Fuffziger“ (in der Regel für unehrliche Personen)

Geld in anderen Wissenschaften

Geld in der Soziologie

Selbst primitivste Volkswirtschaften kennen Geld. Doch tritt immer wieder - besonders in neuerer Zeit - ein Unbehagen über das Geld und ein damit verbundenes Gefühl von Ungerechtigkeit zutage. Es gab deshalb viele Entwürfe utopischer Gesellschaften, die ohne Geld auszukommen versuchten. Sie alle waren aber mit einer Arbeitspflicht verbunden, die die Freiheit des Einzelnen einschränkte. Solche Entwürfe stammen etwa von Robert Owen, Francois Babeuf oder Pierre Joseph Proudhon. Tatsächlich gab und gibt es Volkswirtschaften, die ohne Geld auskommen. Solche Wirtschaftsformen sind als Naturalwirtschaft oder Subsistenzwirtschaft bekannt. In diesen herrscht entweder eine Verteilwirtschaft (in Stammeskulturen wird die Ernte gemeinschaftlich eingebracht und nach bestimmten Regeln an die Stammesmitglieder verteilt), oder es herrscht weitgehende Selbstversorgung, bei welcher kaum Handel und dann nur Tauschhandel getrieben wird. Ohne Geld auszukommen versuchte auch das kommunistisch gewordene Sowjetrussland nach dem Ersten Weltkrieg. Dies führte zu einigen Millionen Toten, weil die Versorgung im Land zusammenbrach. Danach ging das Regime wieder zum Geldgebrauch zurück. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam Silvio Gesell den Ursachen des Problems um das Geld auf die Spur und machte Vorschläge, um dem Problem durch eine grundlegende Geldreform abzuhelfen, ohne aber das Geld abzuschaffen (siehe Freiwirtschaftslehre). Diese Vorschläge wurden verschiedentlich in kleinen örtlichen Aktionen umgesetzt, zeitlich begrenzt, so dass sie ihre Wirksamkeit nur teilweise erweisen konnten (siehe zum Beispiel Wörgler Geldexperiment). In neuerer Zeit sind diese Vorschläge in Regionalgeldprojekten wieder aufgegriffen worden.

Geld in der Philosophie

Etliche Klassiker (so Georg Simmel und Alfred Sohn-Rethel) haben bedeutende Beiträge vorgelegt. Beachtenswert ist die wissenssoziologische Analyse Sohn-Rethels, dass die abstrakte Wertform, die das Geld seit seiner Einführung als Münzgeld im Lydien des 7. vorchristlichen Jahrhunderts verkörperte, auch denkerischen Abstraktionen in anderen Bereichen (so in der frühen ionischen Naturphilosophie) angebahnt habe.

Geld in Mythologie und Psychologie

In Mythen und Märchen spielt auch das Geld eine Rolle. Die antike Sage, dass der kleinasiatische König Midas sich von den Göttern gewünscht habe, alles, was er berühre, solle zu Gold werden, und der deshalb zu verhungern und zu verdursten drohte, ist wahrscheinlich ein Echo der Tatsache, dass Münzgeld historisch zuerst in Lydien geprägt worden ist. In Träumen und Märchen kann Geld die Bedeutung von Reichtum und Macht wie auch von Lebensenergie haben, aber auch die des moralisch Schmutzigen.

Siehe auch


- Darlehnskassenschein
- Demurrage (Finanzwesen)
- Deutsches Geld
- Elektronisches Geld
- Falschgeld
- Freigeld
- Geldanlage
- Geldkreislauf
- Geldmarkt
- Geldumlaufgeschwindigkeit
- Hedgegeschäft
- Kaufkraft
- Kredit
- Spardose
- Währung
- Wechsel
- Zahlung
- Zins

Literatur


- Karl Marx: Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, Berlin (DDR): Dietz 1953 oder Marx-Engels-Werke Bd. 42
- Alfred Sohn-Rethel: Das Geld, die bare Münze des Apriori, Berlin: Wagenbach, 1990, ISBN 3-8031-5127-9
- Friedrich August von Hayek: Entnationalisierung des Geldes', J.C.B.Mohr, ISBN 3-16340-272-0
- Gunnar Heinsohn, Otto Steiger:
Eigentum, Zins, Geld – Ungelöste Rätsel der Wirtschaftswissenschaft, ISBN 3895183040
- Stephen Zarlenga:
Der Mythos vom Geld – Die Geschichte der Macht. Zürich: Conzett, ISBN 3-905267-00-4
- Ottmar Issing:
Einführung in die Geldtheorie, Verlag Vahlen, ISBN 3-8006-2993-3
- Wolfgang Weimer:
Geschichte des Geldes, Suhrkamp Taschenbuchverlag
- Karl Walker:
Das Geld in der Geschichte. Band 1 und 2 [http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/walker.htm]
- Egon W. Kreutzer:
Wolf´s wahnwitzige Wirtschaftslehre – Band III - Über das Geld, EWK-Verlag, ISBN 3-938175-16-8
- Bernhard Felderer, Stefan Homburg:
Makroökonomik und neue Makroökonomik, 7. Auflage, 1999, Springer Verlag , ISBN 3-540-66128-x
- Oliver Blanchard, Gerhard Illing:
Makroökonomie, 3.Auflage, 2003, Pearson Studium, ISBN 3-8273-7051-5
- Peter Koenig:
30 dreiste Lügen über Geld, Conzett Verlag bei Oesch, Zürich 2004
- Zu den Fragen einer metallbasierten Währung und zum internationalen Fluss von Gold und Silber [http://www.pierre-marteau.com/currency/ed/newton-intro.html siehe Isaac Newtons Berichte als Aufseher der Königlichen Münze in London]
- Zu den Umrechungsverhältnissen der metallbasierten Währungen siehe [http://www.pierre-marteau.com/currency/converter.html The Marteau Early 18th-Century Currency Converter]

Weblinks


- Katja Girschik: [http://socio.ch/sim/t_girschik.htm
Geld als Determinante der Moderne in Georgs Simmels „Philosophie des Geldes“]
- Georg Simmel: [http://www.textlog.de/simmel_geld.html Philosophie des Geldes]
- Deutsche Bundesbank: [http://www.bundesbank.de/bildung/bildung_sekundarstufe2.php
Schülerheft für die Sekundarstufe II „Geld und Geldpolitik“]
- [http://www.bundesbank.de/geldmuseum/ Geldmuseum der Deutschen Bundesbank]
- [http://www.oenb.at/de/ueber_die_oenb/geldmuseum/geldmuseum.jsp Geldmuseum der Osterreichischen Nationalbank]
- [http://www.moneymuseum.com/ MoneyMuseum in Zürich]
- [http://aes.iupui.edu/rwise/notedir/mappage.html World Paper Money] alles Geld der Welt zum Anschauen
- [http://www.mnr.ch/files/verlag/18786.pdf „Die Geldfalle der Endzeit“] (Wilfred Hahn über den Mammon Geld aus christlicher Sicht)
- Dr. Matthias Schlicht: [http://www.heim2.tu-clausthal.de/~kermit/wte/geld_und_ethik.html Geld und Ethik:] Vortrag im Rahmen der Reihe
Wissenschaft, Technik und Ethik an der TU Clausthal
- Egon W. Kreutzer: [http://home.knuut.de/EWKberater/Geld/Sammlung%20Geld.html Grundlagen und weiterführende Texte zum Geld]
- Federal Reserve Bank of Chicago: [http://landru.i-link-2.net/monques/mmm2.html Modern Money Mechanics - A Workbook on Bank Reserves and Deposit Expansion]
- Oesterreichische Nationalbank: [http://www.oenb.at/de/ueber_die_oenb/geldmuseum/allg_geldgeschichte/allgemeine_geldgeschichte.jsp Allgemeine Geldgeschichte]
- Richard Weinrich: [http://www.richard-weinrich.privat.t-online.de/ Vexierbild Geld]
- Prof. Dr. Fritz Helmedag: [http://archiv.tu-chemnitz.de/pub/2004/0171/data/1995b_Geldfunktion.pdf Geldfunktionen] !Geld ja:貨幣 ko:돈 simple:Money


Schwarzmarkt

Unter einem Schwarzmarkt (öst. auch Schleichhandel) versteht man ganz allgemein einen illegalen Markt. Auf einem solchen werden knappe, vom Staat preislich fixierte oder durch Umgehung von Steuern u.ä. teilweise erheblich vergünstigte Güter gehandelt. Weiterhin entwickeln sich Schwarzmärkte für verbotene Güter, wie z.B. Drogen oder Waffen. Auf dem Schwarzmarkt ist der Handel nicht staatlich kontrolliert oder reguliert, er funktioniert aber sehr wohl nach den Regeln des Marktes. Schwarzmarktpreise bei staatlich fixierten Höchstpreisen bzw. Abgabebeschränkungen stellen den eigentlichen Marktpreis dar. Anstelle einer ordentlichen Rechtsprechung zur Beilegung von Disputen gilt auf dem Schwarzmarkt meist das "Recht des Stärkeren", was sich auch in Gewaltkriminalität äußern kann.

Beispiele

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Versorgungslage der Bevölkerung sehr schlecht. Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs waren nur gegen Lebensmittelmarken und in geringen Mengen legal in Geschäften erhältlich. Neben diesem legalen Markt entwickelte sich ein illegaler Schwarzmarkt, auf dem alles erhältlich war, allerdings zu schwindelerregenden Preisen. Er verschwand trotz häufig durch die Polizei stattfindender Razzien erst nach der Währungsreform 1948, als staatliche Reglementierung abgeschafft und dadurch Marktpreisbildung möglich war. Auch in der DDR spielte der Schwarzmarkt z.B. beim Pkw-Kauf eine wichtige Rolle zur privaten Güterbeschaffung.

Der Schwarzmarkt in der Literatur

Mit seinen Kurzgeschichten Lehmann oder So schön war mein Markt setzte Siegfried Lenz dem Schwarzmarkt in Hamburg und Norddeutschland nach dem 2. Weltkrieg auch ein literarisches Denkmal.

Siehe auch:


- Grauer Markt Kategorie:Wirtschaft

Preisindex

Ein Preisindex ist ein statistisches Konstrukt, das eine Aussage über die Höhe der Inflation in einem volkswirtschaftlichen Bereich machen soll. Dazu wird ermittelt, wie sich die Preise der Güter eines für diesen Wirtschaftsbereich repräsentativen Warenkorbes im Durchschnitt über die Zeit geändert haben. Auch Aussagen über regionale Preisniveau-Unterschiede können mit einem Preisindex ausgedrückt werden, der dann in analoger Weise wie der zeitliche Preisindex aufgebaut ist. Derartige Preisindizes werden jedoch selten ermittelt. In der Preisstatistik wird ein ganzes Bündel von Preisindizes ermittelt. Die folgenden Betrachtungen werden der Einfachheit halber nur für einen Einkaufs-Preisindex (z. B. Verbraucherpreisindex) angestellt. In der Preisstatistik sind zwei Konzepte der Bildung von Preisindizes weit verbreitet: # Der Preisindex nach Laspeyres # Der Preisindex nach Paasche In der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung wird dagegen entsprechend internationalen Konventionen - in Deutschland ab 2005 - eine Preisbereinigung mit sog. Kettenindizes (chain prices) vorgenommen.

Laspeyres-Index

Der Laspeyres-Preisindex (benannt nach Etienne Laspeyres) untersucht, was der Kauf eines Warenkorbes in der Zusammensetzung der Periode 0 (Basisjahr) in der Periode t kostet im Vergleich zum Kauf des gleichen Warenkorbes in der Periode 0. P_t^L = \frac
- 100 = \sum_^n \left( \frac \right) w_
- 100 mit w_ = \frac wobei p_i = Preis des Gutes i; q_i = Menge des Gutes i; t = Berichtsperiode; 0 = Basisjahr Bei der Ermittlung werden – formal gesehen – die aktuellen Kosten des Warenkorbes, wie er sich im Basisjahr zusammensetzte (Summe über die Mengen q der Güter i zum Zeitpunkt 0, multipliziert mit ihren aktuellen Preisen p), auf die Kosten dieses Warenkorbes zum Zeitpunkt 0 bezogen. In der Praxis der amtlichen Statistik wird der Laspeyres-Preisindex jedoch als gewogener Mittelwert des Verhältnisses der aktuellen Güterpreise bezogen auf die Preise des Basisjahres ("Messzahl") ermittelt. Die Gewichte sind dabei im Falle eines Verbraucherpreisindex die Ausgaben der privaten Haushalte für die einzelnen Güter des Warenkorbes. Der Laspeyres-Preisindex stellt vor allem auf die Ermittlung "reiner Preisänderungen" ab. Die Reaktion der Käufer auf Preisänderungen, nämlich der Wechsel von teurer zu billiger gewordenen Gütern ("Substitutionseffekt"), wirkt sich auf den Lasyperes-Index nicht aus. Preiserhöhungen wirken sich daher weniger stark auf das Verbraucherbudget aus, als es dieser Index ausweist. Der praktische Vorteil von Laspeyres-Indizes besteht darin, dass die Gewichte nur für das Basisjahr ermittelt werden müssen und dann unverändert bleiben. Damit sie trotzdem als repräsentativ für das aktuelle Preisgeschehen gelten können, werden sie in der amtlichen Statistik - ebenso wie die Zusammensetzung des Warenkorbes - regelmäßig (in der Regel alle 5 Jahre) aktualisiert. Die Bestimmung des Verbraucherpreisindex erfolgt in Deutschland mit Hilfe eines Laspeyres-Index.

Paasche-Index

Der Paasche-Preisindex (benannt nach Hermann Paasche) untersucht, was der Kauf eines Warenkorbes in der Zusammensetzung der Periode t in der Periode t kostet im Vergleich zum Kauf des gleichen Warenkorbes in der Periode 0 (Basisjahr). Mit anderen Worten: die Preise für ein zum Zeitpunkt t gekauftes Güterbündel werden damit verglichen, was für das gleiche Güterbündel zum Zeitpunkt 0 hätte bezahlt werden müssen. Bei der Ermittlung eines Paasche-Preisindex variieren also die Gewichte von Periode zu Periode. P_t^P = \frac
- 100 = \left( \sum_^n \left( \frac \right)^ w_ \right)^
- 100 mit w_ = \frac wobei p_i = Preis des Gutes i; q_i = Menge des Gutes i; t = Berichtsperiode; 0 = Basisjahr Der Paasche-Preisindex misst die Preisentwicklung mit den Gewichten der aktuellen Periode, das heißt nachdem die Ausweichreaktion der Verbraucher auf veränderte Preise, nämlich der Wechsel von teurer zu billiger gewordenen Gütern ("Substitutionseffekt"), stattgefunden hat. Die "tatsächliche" Preiserhöhung ist daher höher, als es vom Paasche-Index ausgewiesen wird. Die Alternativ-Darstellung weist den Paasche-Index als ausgabengewichteten harmonischen Mittelwert der n Preisverhältnisse aus. Wegen des Substitutionseffektes, aber auch weil ein harmonischer Mittelwert kleiner ist als der entsprechende arithmetische Mittelwert (siehe auch Mittelwert), ist der Paasche-Index bei einem Einkaufs-Preisindex im Allgemeinen kleiner als der Lasyperes-Index. Der übliche Maßstab für die Höhe einer Inflation in einem volkswirtschaftlichen Bereich ist die Veränderungsrate eines Preisindex für den Bereich. Im Falle des Paasche-Index besteht das Problem, dass in diese Veränderungsrate nicht nur die Veränderung der Preise von p_ zu p_ eingeht, sondern auch die Veränderung der Mengen von q_ zu q_. Ein (reiner) Paasche-Preisindex wird von der Amtlichen Statistik selten berechnet, da er durch die notwendigen regelmäßigen Aktualisierungen der Gewichte ressourcen- und zeitaufwendig ist. Er wird aber bei der Deflationierung von Umsatzenwicklungen benötigt, um "echte" Mengenentwicklungen als Laspeyres-Mengenindizes zu erhalten.

Fisher-Preisindex

Der Fisher-Preisindex (benannt nach Irving Fisher) ist das geometrische Mittel der Preisindizes nach Paasche und Laspeyres. P_t^F = \sqrt Der Preisindex nach Fisher versucht die Neigung der Laspeyres-Preisindex zur Überschätzung des Preisanstiegs und die Neigung des Paasche-Preisindex zur Unterschätzung des Preisanstiegs durch Mittlung auszugleichen. Da in seine Berechnung jedoch der Paasche-Index eingeht, wird er in der amtlichen Statistik selten berechnet.

Kettenpreisindex

Kettenpreisindizes (chain prices) ermitteln für jedes Jahr, wieviel die im Vorjahr gekauften Waren im aktuellen Jahr kosten (in der Laspeyresform) bzw. wieviel die im aktuellen Jahr gekauften Waren im Vorjahr gekostet haben (in der Paascheform). P_t^ = \frac
- 100 P_t^ = \frac
- 100 Dadurch wird für jedes Jahr ein anderer Warenkorb zu Grunde gelegt und so bei der Ermittlung der Preisänderungen die jeweils aktuellen Verbrauchsgewohnheiten berücksichtigt. Nachteil des Verfahrens ist, dass die Ergebnisse von Jahr zu Jahr nicht direkt vergleichbar sind - wegen des sich wandelnden Warenkorbes - und dass längerfristige Betrachtungen nur durch Verkettung (daher der Name des Index) der Jahresergebnisse möglich sind. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex wird als Kettenindex (Laspeyresform) berechnet. In der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung wird entsprechend internationalen Konventionen - in Deutschland ab 2005 - eine Preisbereinigung mit sog. Kettenindizes vorgenommen.

Beispiele

Nachfolgende Tabelle stellt die Berechnung eines Laspeyres-Index schematisch dar. Die Spalten 2 und 3 enthalten die Preise für zwei Güter in den Jahren 0,1 und 2. In den Spalten 4 und 5 stehen die jeweils gekauften Mengen, wobei für die Berechnung hier nur die Angaben des Jahres 0 relevant sind. in den Spalten 6 und 7 werden die Preise mit den Mengen des Basisjahres multipliziert, anschließend addiert (Spalte 8) und so umbasiert, dass der Wert im Jahr 0 = 100 ist. Spalte 10 gibt die aus dem Index abgeleiteten Inflationsraten an, die im Jahr 1 15% und im Jahr 2 13% betragen. Im Vergleich dazu ist die Berechnung eines Paasche-Index etwas aufwändiger. Die Angaben in den Spalten 2 bis 5 sind die Gleichen wie im vorhergehenden Beispiel. In den Spalten 6 und 7 werden die Preise eines jeden Jahres mit den Mengen des gleichen Jahres multipliziert und die Ergebnisse anschließend addiert (Spalte 8). In den Spalten 9 und 10 werden die Preise des Basisjahres mit den Mengen des jeweils laufenden Jahres multipliziert und anschließend addiert (Spalte 11) In Spalte 12 werden die Ergebnisse in Spalte 8 und 11 ins Verhältnis zueinander gesetzt, anschließend wird der Wert wieder so umgerechnet, dass das Basisjahr = 100 ist (Spalte 13). Die in Spalte 14 ausgewiesenen Inflationsraten sind, obwohl gleiche Preise unterstellt wurden, niedriger als im vorhergehenden Beispiel, das Gut 2, dessen Preise rascher steigen, weniger stark nachgefragt wird, also an Gewicht im Preisindex verliert. Kettenindizes werden ähnlich ermittelt wie ein Paasche-Index, mit dem Unterschied, dass hier nur von Jahr zu Jahr gerechnet wird. Man beachte aber: Die beiden letzten Spalten der Tabelle stehen in umgekehrter Reihenfolge. Da stets der Preisindex des Vorjahres = 100 gesetzt ist, kann man aus Spalte 12 unmittelbar die Veränderungsraten ablesen, aus denen dann in Spalte 14 in Indizes errechnet werden.

Elementarindizes

Die oben angeführten Indexformeln verlangen für jedes in den Preisvergleich einbezogene Gut das zugehörige Gewicht. Diese Voraussetzung ist jedoch in der Praxis nicht erfüllt. Aus Haushaltserhebungen kann z. B. abgeleitet werden, wie viel Geld die Haushalte für Friseurbesuche in einem Jahr ausgeben. Es wäre aber nötig zu wissen, wie sich die Ausgaben auf die in die Preiserhebung einbezogenen Friseure verteilen. Da diese Information nicht zur Verfügung steht und sich bei einem solchen Vorgehen auch Zufallseffekte stark auswirken würden, wird in der Praxis anders verfahren: Aus den Preiserhebungen aller Friseure wird ein Durchschnittspreis ermittelt, der dann in die obigen Indexformeln eingeht. Die Art der Bildung dieses Durchschnittspreises ist wiederum Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen.

Bewertung

Der Preisindex kann exakt nur für Artikel angegeben werden, deren "Qualität", d. h. deren preisbestimmende Eigenschaften unverändert bleiben. Verändern sich diese Eigenschaften, muss deren geschätzter Preiseinfluss herausgerechnet werden, um Gleiches mit Gleichem preislich gegenüber stellen zu können. Da sich bei manchen Gütern die Qualität rasch wandelt und der Preisindex in diesem Fall sehr stark von (subjektiven) Schätzungen abhängt, gehen die statistischen Ämter zunehmend dazu über, hedonische Preise zu erheben. Ein Preisindex gibt nur ungefähr die individuelle Steigerung der Lebenshaltungskosten wieder, da der persönliche Warenkorbes von dem von der Preisstatistik zu Grunde gelegten "durchschnittlichen" Warenkorb abweicht.

siehe auch

Harmonisierter Verbraucherpreisindex

Weblinks


- [http://www.destatis.de/indexrechner Indexrechner ausprobieren und Preisstatistik verstehen - Statistisches Bundesamt Deutschland]
- [http://www.destatis.de/themen/d/thm_preise.htm Preisindices des Statistischen Bundesamtes Deutschland]
- [http://www.statistik.at/fachbereich_02/vpi_tab2.shtml Verbraucherpreisindex Österreich]
- [http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/preise/konsumentenpreise.html Landesindex der Konsumentenpreise (Schweiz)]
- [http://www.imf.org/external/np/sta/tegppi/ Handbuch des International Monetary Fund (IMF) für die Methodik eines Erzeugerpreisindex (englisch)]
- [http://www.ilo.org/public/english/bureau/stat/guides/cpi/index.htm Handbuch der International Labour Organisation (ILO) für die Methodik eines Verbraucherpreisindex (englisch)] Kategorie:Empirische Wirtschaftsforschung Kategorie:Statistik Kategorie:Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung

Basisjahr (Statistik)

Unter dem Basisjahr versteht man ein bestimmtes festgelegtes Jahr, welches als Bezugsgröße bzw. Vergleichsmaßstab zu Folgejahren dienen soll. Anwendung findet dies beispielsweise beim Bruttoinlandsprodukt, aber auch bei diversen Preisindizes. Kategorie:Statistik

Statistisches Bundesamt

Das Statistische Bundesamt Deutschland erhebt, sammelt und analysiert Informationen zu fast allen Belangen des Lebens in Deutschland und bereitet sie auf und stellt sie dar. Es ist eine Bundesoberbehörde und dem Bundesministerium des Innern unterstellt. Die Bundesstatistik ist in Deutschland weitgehend dezentral organisiert. Das Statistische Bundesamt arbeitet daher eng mit den 15 Statistischen Ämtern der Länder zusammen und stellt sicher, dass die Bundesstatistiken koordiniert, nach einheitlichen Methoden und termingerecht erstellt werden. Zu den Aufgaben des Statistischen Bundesamtes gehören die methodische und technische Vorbereitung der einzelnen Statistiken, die Weiterentwicklung des Programms der Bundesstatistik, die Koordinierung der Statistiken untereinander, die Zusammenstellung und Veröffentlichung der Bundesergebnisse. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht Statistiken zu den folgenden Themenbereichen:
- Geografie
- Bevölkerung
- Erwerbstätigkeit
- Wahlen
- Bildung und Kultur
- Sozialleistungen
- Gesundheitswesen
- Rechtspflege
- Bauen und Wohnen
- Umwelt
- Land- und Forstwirtschaft
- Produzierendes Gewerbe, Handwerk
- Binnenhandel, Gastgewerbe, Tourismus
- Verkehr
- Geld und Kredit, Dienstleistungen
- Außenhandel
- Unternehmen, Gewerbeanzeigen
- Preise
- Löhne und Gehälter
- Wirtschaftsrechnungen und Zeitbudget
- Finanzen und Steuern
- Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen Veröffentlichungen können über den [http://www.destatis.de/shop/ Statistik-Shop] bezogen und heruntergeladen werden (teilweise kostenpflichtig). Mit etwa 2.780 Beschäftigten an mehreren Standorten (Wiesbaden, Bonn und Berlin) stellt es objektiv, unabhängig und qualitativ hochwertig Daten der Politik, der Regierung, der Verwaltung, der Wirtschaft und den Bürgern zur Verfügung. Präsident des Statistischen Bundesamtes ist seit dem 2. Oktober 1995 Johann Hahlen. Im Rahmen dieser Funktion ist er traditionell auch gleichzeitig Bundeswahlleiter. Im Statistischen Bundesamt in Wiesbaden befindet sich zudem die größte Spezialbibliothek für Statistik in Deutschland. Siehe auch: Statistik, Amtliche Statistik, Mikrozensus, Volkszählung, Statistisches Landesamt Berlin, EUROSTAT

Weblinks


- [http://www.destatis.de/ Offizielle Website des Statistischen Bundesamts]
- [http://www.destatis.de/shop/ Statistik-Shop des Statistischen Bundesamts]
- [http://www.destatis.de/download/d/allg/jahresbericht.pdf Der letzte Jahresbericht (2004) des Statistischen Bundesamtes als PDF] Kategorie:Wiesbaden Kategorie:Bundesbehörde in Bonn Kategorie:Statistik

Statistik Austria

Statistik Austria ist die Bezeichnung unter der Statistik Österreich, das Statistische Amt der Republik Österreich, in der Öffentlichkeit auftritt. Statistik Österreich ging durch das Bundesstatistikgesetz 2000 aus dem Österreichischen Statistischen Zentralamt hervor, das mit Wirksamkeit vom 1. Januar 2000 aus dem Bundesdienst ausgegliedert wurde. Es ist eine selbständige, nicht gewinnorientierte Bundesanstalt öffentlichen Rechts, deren Aufgabe es ist, Dienstleistungen auf dem Gebiet der Bundesstatistik zu erbringen. Beispielsweise wird der österreichische Verbraucherpreisindex von der Statistik Austria berechnet. Gegründet wurde die Statistik Austria 1829 als "Statistisches Bureau" beim General-Rechnungsdirektorium, 1840 umbenannt in "Direktion der Administrativen Statistik", 1863 erneut umbenannt in "k. k. Statistische Zentralkommission". In der Ersten Republik trug sie die Bezeichnung 1921-38 "Bundesamt für Statistik", und in der Zweiten Republik von 1945-99 die Bezeichnung "Österreichisches Statistisches Zentralamt". Prominente Mitarbeiter waren unter anderem der Schriftsteller Egmont Colerus.

Weblinks


- [http://www.statistik.at Homepage der Statistik Austria] Kategorie:Österreich

Medien

in Frankfurt am Main]] Medien sind Kommunikationsmittel der Menschen. Weitere bekannte Definitionen bezeichnen Medien als:
- "Vermittlungsträger von Informationen" (Horn/Kerner)
- "Informationsvermittler zwischen Quelle und Senke" (Fluckiger)
- "Medien sind Mittler und bilden eine Sphäre der Vermittlung" (Winkler) Umgangssprachlich ist der Begriff "Medien" vor allem mit den Massenmedien: Zeitung, Zeitschrift, Hörfunk und Fernsehen verbunden.

Beispiele

Beispiele für einzelne Medien sind die so genannten Printmedien, Buch und Zeitung, aber auch das Flugblatt und das Plakat, in neuerer Zeit dann Fotografie, Telefon, Film, Hörfunk, Fernsehen und Internet. Medien benutzen Zeichen, insbesondere Symbole wie Schrift und Sprache oder Musik. Medien von und für Jugendliche werden als Jugendmedien bezeichnet.

Typologie

Es lassen sich je nach Betrachtungsweise verschiedene Arte