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Influenza

Influenza

Influenza, auch "Grippe", ist eine Erkrankung, ausgelöst durch eine von drei Virusgattungen. Der Name „Influenza“ (von ital. influenza: Einflüsse der Gestirne, der Kälte) leitet sich von der bis ins Mittelalter vorherrschenden medizinisch-astrologischen Vorstellung ab, alle Krankheiten seien durch bestimmte Planetenstellungen beeinflusst. Erst seit dem 15. Jahrhundert bleibt der Name der "echten Grippe" vorbehalten, einer oft tödlichen Virusinfektion. Im Volksmund wird die Bezeichnung Grippe häufig für grippale Infekte verwendet, bei denen es sich aber um verschiedene, in der Regel deutlich harmloser verlaufende Virenerkrankungen handelt. grippale Infekte grippale Infekte

Erreger

Der Erreger der Influenza ist das Influenza-Virus, ein behülltes Einzel(-)-Strang-RNA-Virus [ss(-)RNA] aus der Familie der Orthomyxoviren. Das Genom aller Influenzaviren besteht aus 8 RNA-Segmenten negativer Polarität und diese acht RNA-Moleküle beinhalten die genetische Information, die für die Vermehrung und den Zusammenbau der Viruspartikel benötigt wird. Diese Segmentierung des Genoms ist auch für die erhebliche Steigerung der genetischen Veränderlichkeit (Variabilität) der Influenzaviren über eine hohe Mutationsfrequenz und die Fähigkeit zur genetischen Reassortierung verantwortlich. Die Segmente kodieren zehn virale Proteine: Hämagglutinin (HA), Neuraminidase (NA), Nukleoprotein (NP), die Matrixproteine (M1) und (M2), die Polymerase Proteine (PB1), (PB2) und (PA) und die Nichtstrukturproteine (NS1) und (NS2). Im Elektronenmikroskop sieht man alle Gattungen dieses Virus als kugelige oder auch vielgestaltige, behüllte Viruspartikel mit einem Durchmesser von 80-120 nm, in deren Hülle eine jeweils verschiedene Anzahl an Proteinen und Glykoproteinen eingelagert sind. Diese Glykoproteine ragen als 10-14 nm lange, Spikes oder Peplomere genannte Fortsätze über die Virusoberfläche hinaus. Bei den Influenza-A- und Influenza-B-Viren sind genau zwei Typen dieser Spikes für die Virologen von besonderem Interesse. Das sind das Hämagglutinin (HA) und die Neuraminidase (NA). Das Hämagglutinin bewirkt die Verklumpung von Erythrozyten und vermittelt bei der Infektion einer Wirtszelle die Anheftung und das Eindringen des Virus. Die Neuraminidase hat im Infektionsvorgang eine noch nicht abschließend geklärte enzymatische Funktion. Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand spielt die Neuraminidase eine entscheidende Rolle bei der Freisetzung von Viren aus der infizierten Zelle. So verhindert sie das HA-vermittelte Anheften der Tochtervirionen an die bereits infizierte Zelle. Die Influenzaviren vermehren (replizieren) sich im Atemtrakt (Respirationstrakt) eines infizierten Individuums. Es gibt vier Gattungen dieses Virus:
- 1.) Influenza-A-Viren Die lineare, einzelsträngige RNA ihres Genoms besitzt 8 Segmente und sie zeichnen sich besonders durch große Unterschiede in den antigenen Eigenschaften aus, die im Vergleich zu den anderen Gattungen auf besonders hoher Mutationsfrequenz und Neugruppierungen beruhen. Diese Untertypen befallen üblicherweise jeweils nur bestimmte Wirte. Dazu zählen der Mensch und verschiedene Säugetierarten wie Schwein, Pferd (vgl. Pferdegrippe), Nerz, Seehund und Wal sowie zahlreiche Vogelarten. Das primäre Reservoir aller Influenza A-Viren liegt im Wassergeflügel.
- 2.) Influenza-B-Viren Ihr Genom hat ebenfalls eine 8-fach segmentierte lineare, einzelsträngige RNA und sie befallen nur Menschen.
- 3.) Influenza-C-Viren Im Gegensatz zu den Influenza A- und B-Viren hat die lineare, einzelsträngige RNA des Genoms der Influenza C-Viren nur 7 Segmente. Außerdem liegt bei diesen Viren ein Glykoprotein [Oberflächen-Haemagglutinin-Esterase-Fusion-Protein (HEF)] vor, das sowohl die Aufgaben der Rezeptorbindung des Virus an die Wirtszelle, der anschließenden Eindringung (Fusion) wie auch auch der späteren Freisetzung der neugebildeten Viren aus der Zelle übernimmt. Dieser Virus-Typ C befällt Mensch und Schwein, doch spielt er bei Erkrankungen des Menschen keine relevante Rolle, da er wenn überhaupt nur zu milden Erkrankungen führt.
- 4.) Thogotovirus Die lineare, einzelsträngige RNA dieses Virus besitzt nur sechs Segmente und es befällt Zecken und verschiedene Säugerarten, aber nicht den Menschen. Deshalb spielen Viren dieser Gattung bei der Influenza des Menschen keine Rolle, sie sind hier nur zur Vollständigkeit der Virusfamilie mit aufgeführt. In Fachkreisen wird jeder Virusstamm mit den Kennungen Typus, Ort der erstmaligen Isolierung (Virusanzucht), Isolierungsnummer, Isolierungsjahr (Beispiel: Influenza B/Shanghai/361/2002) und nur bei den A-Viren auch zusätzlich mit der Kennung des Oberflächenantigens benannt [Beispiel: Influenza A/California/7/2004 (H3N2)].

Variabilität

Antigendrift

Eine Häufung von Punktmutationen in den Nukleotiden der beiden Glykoproteinen HA und NA führt zu einer Antigendrift. Dies führt zu einer Änderung ihrer Oberflächenantigene des Grippevirus. Menschliche Antikörper können immer nur eine solche Varianten erkennen. Diese eher kleinen Veränderungen sind der Grund dafür, dass ein Mensch mehrmals in seinem Leben mit einer anderen nur geringfügig veränderten Virusvariante (Driftvariante) infiziert werden kann und dass Epidemien und regional begrenzte Ausbrüche regelmässig wiederkehren.

Antigenshift bei Doppelinfektion

Wird ein Organismus gleichzeitig von zwei Virusvarianten infiziert (Doppelinfektion), kann es zu einer Neuzusammenstellung (zum Neuarrangement) unter den zweimal 8 Genomsegmenten der beteiligen Influenzaviren kommen, in dem einzelne oder mehrere RNA-Moleküle zwischen den Influenzaviren in einer doppelt infizierten Zelle ausgetauscht werden. Diesen Vorgang nennt man genetische Reassortierung, und er kann im Menschen, aber auch in anderen Wirten, wie beispielsweise bei Vögeln und Schweinen erfolgen. Die so verursachten größeren als Antigenshift bezeichnete Veränderungen in den viralen Oberflächenantigenen werden allein bei den Influenza A-Viren beobachtet (Shiftvarianten), allerdings kommen sie nur selten vor. Derartige Veränderungen können dann der Ursprung von Pandemien sein, von denen es im 20. Jahrhundert die von 1918-19 mit dem Subtyp H1N1, 1957 mit H2N2, 1968 mit H3N2 und die von 1977 mit dem Wiederauftauchen von H1N1 gab.

Influenza-A-Subtypen

Im Allgemeinen werden die Influenza-A-Viren in erster Linie nach bestimmten Oberflächeneigenschaften in Untertypen bzw. Subtypen eingeteilt. Dies geschieht nach dem Muster A/HxNx oder A/Land/HxNx/Probe. Bisher wurden bei ihnen insgesamt 16 H-Untertypen und 9 N-Untertypen erkannt. Die wichtigsten Oberflächenantigene beim Influenza-A-Virus sind die Hämagglutinine (H1, H2, H3 und H5) und die Neuraminidase (N1 und N2), und deshalb sind auch folgende Subtypen für den Menschen von besonderer Bedeutung:

A/H1N1

Sehr bekannter Subtyp der Humaninfluenza. Dieser Virus gilt als Auslöser der so genannten Spanischen Grippe von 1918 und konnte im Lungengewebe der Opfer nachgewiesen werden. Im Jahr 2005 gelang schließlich eine Rekonstruktion des Erregers aus Genfragmenten. Dieser Virustyp kann aufgrund seiner Struktur besonders leicht in menschliche Körperzellen eindringen und sein Erbgut einschleusen.

A/H2N2

Bekannter Subtyp der Humaninfluenza.

A/H3N2

Sehr bekannter Subtyp der Humaninfluenza (Fujian Typ). Er ist in Europa und in den USA verbreitet.

A/H5N1

Der Subtyp A/H5N1 ist einer von mehreren Auslösern der Geflügelpest, die in seltenen Fällen auch auf den Menschen übertragen werden kann. A/H5N1 gehört nicht in die Reihe der beim Menschen eine Grippe auslösenden Influenza-A-Viren, da er bislang nicht von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Er ist hier jedoch auf Grund der aktuellen Pandemie der so genannten Vogelgrippe und wegen der mit ihr verbundenen Befürchtungen einer künftig möglichen Gefährdung auch der Menschen der Vollständigkeit halber angeführt.

Influenza-B-Subtypen

Die Influenza-B-Viren werden in zwei Stamm-Linien eingeteilt
- B/Victoria-Linie
- B/Yamagata-Linie

Influenza-C-Subtypen

Vorkommen

Die Influenzaviren und die durch sie ausgelösten Erkrankungen existieren weltweit, allerdings kommen im Gegensatz zu den anderen Virustypen die Influenza-C-Viren nur gelegentlich vor.

Übertragung

Das Virus wird entweder übertragen
- per Tröpfcheninfektion d.h. direktes Einatmen von Expirationströpfchen (Ausatmungströpfchen) infizierter Personen, oder über Kontaktinfektion bzw. Schmierinfektion mit den Viren der auf Gegenständen oder Körperoberflächen niedergegangenen hoch infektiösen Expirationströpfchen, wenn sie anschließend über die Schleimhäute z.B. in Mund, Nase oder Augen in den Körper gelangen.
- über das Trinkwasser, unter Umständen sogar durch das öffentliche Trinkwassernetz, da die Viren bei Kälte über mehrere Wochen konserviert werden und so in der kalten Jahreszeit bis zum Wasserhahn gelangen können
- durch Kotpartikel erkrankter Wirte und Vektoren
- mechanisch auf Haaren, Haut und Gefieder Es gibt unterschiedliche Schätzungen, nach welcher Zeit ein infiziertes Individuum seinerseits in der Lage ist, das Virus auf andere Individuen zu übertragen. Nach Longini et al. dauert es vier Tage, bis ein gerade angesteckter Mensch weitere Menschen infizieren kann. Dagegen kommt ein anderes Wissenschaftsteam (Fergurson et al.) nach Analyse von historischen Daten zu dem Schluss, dass die Weitergabe der Viren schon 2,6 Tage nach der Infektion möglich ist.

Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt meist aus einem Nasenabstrich aus der hinteren Nasenhöhle oder aus dem klassischen tiefen Rachenabstrich. Andere Untersuchungsflüssigkeiten sind Trachealsekret, die Bronchoalveoläre Lavage (BAL), Nasenspülflüssigkeit, Rachenspülflüssigkeit oder das Blut.
- Direkter Erregernachweis in der Elektronenmikroskopie
- Influenza - PCR-Test
  - Dieser Test kostet circa 40 Euro und liefert innerhalb von Stunden ein sehr verlässliches Ergebnis. Er ist - bei positivem Ausgang - die Voraussetzung zu einem sinnvollen Einsatz von Tamiflu, wird aber in der BRD derzeit nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.
- Influenzaantikörper im Blut
- Influenza-Schnelltest
  - Dieser Test liefert innerhalb von 15 Minuten ein Ergebnis. Es handelt sich hierbei um eine Verfahren in dem Proteine des Virus mittels farblich markierter Antikörper auf einem Teststreifen sichtbar gemacht werden. Dieser Test wird im Gegensatz zur Influenza-spezifischen PCR von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt und liefert ebenfalls die Voraussetzung zu einem sinnvollen Einsatz von Tamiflu oder anderen Neuraminidaseinhibitoren.

Symptome

Symptome treten nach einer Inkubationszeit von wenigen Stunden bis Tagen auf. Generell sind sie unspezifisch und können mit jeder anderen akuten Atemwegserkrankung verwechselt werden. Charakteristisch ist der oft schlagartige Ausbruch der Erkrankung. Die wichtigsten Symptome sind:
- ausgeprägtes Krankheitsgefühl im ganzen Körper
- hohes Fieber bis 40 Grad Celsius
- Kopfschmerzen und Müdigkeit
- Augentränen
- trockener Husten
- trockene Kehle
- angeschwollene Nasenschleimhaut
- Schnupfen
- Gliederschmerzen Meist folgen:
- starkes Fieber
- Schüttelfrost
- Kopf- und Gliederschmerzen

Komplikationen

In seiner schwersten Verlaufsform führt eine Influenza bei vorerkrankten, immungeschwächten oder ohne jeden Impfschutz versehenen Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen zu einer primären grippebedingten Lungenentzündung (Influenzapneumonie) oder auch innerhalb weniger Stunden (perakut) zum Tod. Als weitere Komplikationen kommen Gehirnentzündungen (Enzephalitiden) und Herzmuskelentzündungen (Myokarditiden) in Betracht. Diese Komplikationen können zwar in jedem Lebensalter auftreten, doch treten sie in erster Linie bei Menschen mit schwerwiegenden Grunderkrankungen wie chronische Herz-Lungen-Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, Immundefekte und anderen in Erscheinung. Da unter diesen Bedingungen eine vorbeugende Impfung oft nicht angezeigt ist, bedeutet ein deshalb nicht vorhandener Impfschutz einen weiteren Risikofaktor. Die Impfungsrate ist in Deutschland und Österreich gering. Pro Jahr sind aufgrund einer Influenza-Erkrankung in der Altersgruppe der 5- bis 44-jährigen 200 bis 300 bzw. in der Gruppe der über 65-jährigen 2.000 bis über 10.000 Krankenhauseinweisungen erforderlich. In der letzteren Gruppe sind pro Jahr unter einer Million Personen 300 bis über 1.500 Todesfälle durch Influenza bedingt. Im Winter 2002/2003 gab es nach Angaben des Robert Koch-Instituts 5 Millionen Infizierte und 16.000-20.000 Todesfälle, die auf eine Influenza zurückzuführen sind. Nach [http://www.statistik.at/jahrbuch/pdf/k03.pdf Angaben des Bundesamtes für Statistik Österreich] starben 2002 in Österreich 18 Menschen direkt an der Grippe. Es ist aber davon auszugehen, dass der Influenza noch viele weitere Todesfälle ursächlich zuzurechnen sind.

Therapie


- Neuraminidase-Hemmer
  - Oseltamivir (Handelsname Tamiflu®) zur Einnahme
  - Zanamivir (Handelsname Relenza®) zur Inhalation
- M2-Hemmer ( Diese werden selten als Influenzamittel eingesetzt und sind nur schwach wirksam )
  - Amantadin (Handelsname Symmetrel® / PK-Merz®) zur Einnahme
  - Rimantadin (Handelsname Flumandine®) zur Einnahme
- Antibiotika um eine bronchiale Sekundärinfektion zu bekämpfen
- symptomatische Maßnahmen
  - Mundschutz zur Verhinderung der Ansteckung und andere Hygienemaßnahmen
  - fiebersenkende Maßnahmen
  - Einatmen von kalter, sauberer, feuchter Luft
    - Kalte Luft dämpft die Schwellung und Entzündung der Bronchialschleimhaut
  - Beatmung
  - Befeuchtung der Nasenrachenwege
  - Hustenmittel

Entwicklung neuer Medikamente

Der Virologe Stephan Ludwig von der Universität Münster verfolgt neben Forschungen an einem Wirkstoff der Graubehaarten Zistrose (Cistus incanus) auch noch hinsichtlich eines vor Resistenzentwicklung gefeiten Antigrippemittels einen ganz neuen Ansatz. Angriffspunkt eines zukünftigen Präparates soll nicht das Virus selbst sein, sondern sogenannte Signalketten in den infizierten Zellen, also Mechanismen der Wirtszellen. Damit sind nacheinander geschaltete biologische Schalter gemeint, mit denen die Zellen Signale von außen aufnehmen und dann in das Innere weiterleiten. Auf diese Weise erfährt die Zelle beispielsweise auch, wann sie sich teilen oder aber ihr eigenes Absterben einleiten soll. Für gesunde Zellen sind nach Ansicht des Forschers einige dieser Signalketten durchaus entbehrlich, aber andererseits für die Vermehrung von Influenzaviren unverzichtbar. Eine von der Firma Inamed entwickelte Wirksubstanz hat schon klinische Tets ohne nennenswerte Nebenwirkungen bestanden, doch mit einer Zulassung eines neuen Medikaments ist nicht vor 2008 zu rechnen.

Vorbeugung

Siehe auch: Grippeimpfung Grundsätzlich ist eine vorbeugende Impfung gegen die Influenza beim Menschen mehr oder minder eingeschränkt möglich, und sie gehört trotz aller Kritik zu den wirksamsten vorbeugenden Maßnahmen, die uns zur Verfügung stehen. Allerdings setzt die enorme Wandlungsfähigkeit der Influenza A-Viren eine möglichst große Übereinstimmung der verwendeten Impfstämme zur Wirksamkeit der Immunisierung voraus, die jedoch in aller Regel bei den vorzugsweise in den Monaten Oktober und November jährlich angebotenen, kostenlosen Impfaktionen gegeben ist. Im Falle einer drohenden Epidemie ist eine Impfung auch zu jeder anderen Jahreszeit möglich und sinnvoll. Während einer Grippewelle sind ganz allgemein und besonders bei einem Krankheitsfall in der allernächsten Umgebung wie z.B. in der Familie auf Grund der Übertragbarkeit der Influenzaviren die Grundregeln der Hygiene zu beachten. So sollte vor allem die Verbreitung der Erreger durch das Tragen eines Mundschutzes, durch Waschen und Desinfizieren der Hände und die Vermeidung eines zu engen Kontakt mit dem bereits Infizierten vermindert werden. Besonders für Kleinkinder und für Erwachsene jenseits der 65 kann ferner eine Impfung gegen Pneumokokken sinnvoll sein. Diese Bakterien sind häufig verantwortlich für die einer Virusinfektion unmittelbar folgende Lungenentzündung: Wer sich mit einem Influenza-Virus infiziert und an dessen Folgen stirbt, stirbt normalerweise nicht unmittelbar durch die Viren, sondern an einer Sekundärinfektion, und diese wird häufig durch Pneumokokken hervorgerufen.

Epidemien/Pandemien

Von einer Influenzaepidemie oder Grippewelle spricht man, wenn 10-20% der Bevölkerung infiziert sind und die Ausbrüche lokal begrenzt bleiben. Auslöser der Epidemien und Pandemien sind Influenzaviren der Gruppen A und – seltener – B, da diese in der Lage sind, ihre antigenen Oberflächenmoleküle Hämagglutinin: HA und Neuraminidase: NA ständig zu verändern. Das führt dazu, dass sie bei einer erneuten Infektion vom Immunsystem nicht mehr oder nur schlecht erkannt werden. Pandemien treten in der Regel alle 10 bis 40 Jahre auf und verbreiten sich explosionsartig mit Infektionsraten von bis zu 50% über den ganzen Globus. Auslöser ist immer ein neuer Subtyp des Influenza-A-Virus, der durch einen Antigenshift (eine Durchmischung von humanen und aviären Gensegmenten) entsteht. Meist findet die Durchmischung von Vogelgrippe- und humanen Influenzaviren im Schwein statt, das oft Träger beider Viren sein kann. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Jahre 1948 ein weltweites Überwachungssystem installiert, das die von 110 Referenzlaboratorien isolierten Virusstämme ständig auf neue Varianten überprüft, was zu den jährlich neuen Empfehlungen für die Impfstoffzusammensetzung der kommenden Saison führt, mit industriellem Herstellungszyklus von 10-12 Monaten. Das [http://www.rki.de/cln_011/nn_226630/DE/Content/Infekt/NRZ/Influenza/influenza__node.html__nnn=true Nationale Referenzzentrum für Influenza (NRZ)] in Deutschland befindet sich am Robert Koch Institut.

Übersicht

Die Epidemien und Pandemien des 20. Jahrhunderts wurden nach ihren Ursprungsgebieten benannt:
- 19181920 – "Spanische Grippe" extrem hohe Zahl von Toten wohl weit mehr als 50 Mio. Tote (Pandemie, der Name "Spanische Grippe" rührt daher, dass die Presse in Spanien weitaus freier war als in den am 1. Weltkrieg direkt beteiligten Nationen. Nachrichten über die Krankheit in ihren Ländern wurden vielfach zensiert und die Berichte über diese Pandemie kamen deshalb hauptsächlich aus dem neutralen Spanien. Der Ursprung der Grippe lag jedoch vermutlich in den Vereinigten Staaten)
- 19571958 – "Asiatische Grippe" ca. 1 bis 1,5 Mio. Tote (Epidemie)
- 19681969 – "Hongkong-Grippe" ca. 3/4 bis 1 Mio. Tote (Epidemie) Auch in normalen Grippejahren ohne Pandemie sterben jährlich eine Vielzahl von Menschen an dieser Krankheit oder ihren Folgen. Influenza-Pandemien stellen nach wie vor eine große Gefahr für die Weltgesundheit dar. Als größte vorstellbare und realistische globale Katastrophe gilt heute eine Grippe-Pandemie, da sie das Gesundheitssystem der meisten Länder überfordern würde.

Ausbreitungswege

Die zwei Hauptausbreitungswege einer Grippepandemie sind wahrscheinlich:
- menschliche Reisetätigkeit
- der Vogelzug Die direkte Ausbreitung von Mensch zu Mensch erfolgt mittels Tröpfcheninfektion. Ob eine Ansteckung über das Trinkwasser ein wesentlicher Übertragungsweg ist, ist noch ungesichert.

Historisches

Die Geschichte der Virologie ist u.a. eng mit den Namen Adolf Mayer, Dmitrii Iwanowski, Martinus Beijerinck sowie Wendell Meredith Stanley verknüpft. Deren Arbeiten und die Isolation des für die Influenza beim Menschen "verantwortlichen" Virus durch Andrewes, Smith and Laidlaw vom [http://www.nimr.mrc.ac.uk/about/ National Institute for Medical Research] im Jahr 1933 waren nötig, um die Hilflosigkeit angesichts der Influenza (zumal gegen die bakteriellen Folgeinfektionen auch noch keine Antibiotika verfügbar waren) zu überwinden, die der nachstehende Bericht aus einer österreichischen Tageszeitung aus dem Jahre 1889 anschaulich darstellt: ::„Die Influenza breitet sich aus. In Wien, wo der erste Fall Ende des vorigen Monats auftrat, soll die Krankheit bereits den Charakter einer rapid um sich greifenden Infektionskrankheit angenommen haben. Im Wiener Allgemeinen Krankenhause gibt es keine Klinik und Abteilung, wo das Wartepersonal von Influenzafällen frei wäre. Dasselbe gilt von den Sekundarärzten, Operateuren und Aspiranten. Auch in Berlin sind in den letzten Tagen Fälle von Influenza vorgekommen, und in Paris ist die Krankheit bekanntlich im Louvremagazin ausgebrochen, wo gegen 400 Personen daran leiden. In Russland hat sich die Influenza über das ganze Reich ausgebreitet. In Petersburg und Moskau wurden über 300.000 Menschen davon befallen. Die Influenza greift überaus rapid um sich, wie dies von keiner anderen Krankheit, selbst Cholera und gelbes Fieber gesagt werden kann. Sie gibt sich, wie der russische Professor Dr. Filatoff in einer wissenschaftlichen Abhandlung schildert, vor allem durch das Fiebern des Körpers, durch heftige Kopfschmerzen, vorzüglich im Schädel und im Bereiche des sinus frontalis (Stirnbogen) und durch die Steigerung der Körperwärme kund. Manche Patienten werden überdies von heftigem Schnupfen und Husten befallen. Im ganzen Körper empfindet man Schwäche und Mattigkeit. Die Krankheit dauert nicht länger als 5 bis 6 Tage, wobei der Kranke an einzelnen Zwischentagen gar keine Leiden hat und sich ganz wohl fühlt. Nach solchen Zwischenfällen treten gewöhnlich starkes Fieber und große Hitze im Körper ein, worauf der Patient wieder ganz gesund wird. Als eines der besten Mittel gegen die Influenza empfiehlt ein Arzt in der russischen St. Petersburger Zeitung den Absud vom Salbei, welcher glasweise, unter Beimischung einiger Tropfen des stärksten Cognacs getrunken wird. Die Krankheit ist nach Prof. Nothnagel in Wien unzweifelhaft eine Bakterienkrankheit; sie verbreitet sich nicht durch ein Contagium, sondern mittels Miasmen durch die Luft.“

Literatur


- W. H. Haas: Prinzipien und Aspekte der Seuchenalarmplanung am Beispiel der Influenzapandemieplanung. Bundesgesundheitsblatt 9 (2005), S. 1020-1027 ([http://www.springerlink.com/(22f5lj45zbap4aevsg24m1r3)/app/home/contribution.asp?referrer=parent&backto=issue,9,17;journal,3,87;linkingpublicationresults,1:103073,1])
- Anonymus: Neues über die Grippe-Pandemie von 1918. Deutsche Apotheker Zeitung (Stuttgart) 140(22), S. 46 ff., ISSN 0011-9857
- Anonymus: Influenza. Furcht vor der Pandemie. Pharmazeutische Zeitung 148(34), S. 30 – 31 (2003), ISSN 0031-7136
- Jeffery K. Taubenberger, Ann H. Reid, Thomas G. Fanning: Das Killervirus der Spanischen Grippe. In: Spektrum der Wissenschaft, April 2005, S. 52 – 60 (2005), ISSN 170-2971
- Gina Kolata, Influenza. die Jagd nach dem Virus, Frankfurt am Main, 2003, Fischer Taschenbuch Verlag, ISBN 3-596-15385-9

Weblinks


- [http://www.vu-wien.ac.at/i123/spezvir/orthomyx1.html Orthomyxoviren ]
- [http://www.gesundheit.de/roche/ro12500/r14347.000.html Roche Lexikon Medizin: Grippe]
- [http://www.onmeda.de/aktuelles/themenspezial/grippe/index.html Onmeda.de: Thema Grippe-Influenza]
- [http://www.influenza.rki.de/agi Arbeitsgemeinschaft Influenza Deutschland]
- [http://www.rki.de/cln_006/nn_225576/DE/Content/InfAZ/I/Influenza/Influenza.html Robert Koch Institut: Informationen zu Influenza]
- [http://www.eiss.org Europäisches Influenza Überwachungssystem]
- [http://www.dgk.de/web/dgk_content/de/influenza_info.htm Deutsches Grünes Kreuz e.V. -> Influenza / Grippe]
- [http://www.gesundheit.steiermark.at/cms/beitrag/10034706/842337/ Gesundheitserver Steiermark: Influenza]
- [http://www.bag.admin.ch/grippe/ Bundesamt für Gesundheit (Schweiz): Präventionskampagne]
- [http://www.who.int/health-topics/influenza.htm Influenza-Seite der "WHO"; (englisch)]
- [http://www.cdc.gov/ncidod/diseases/flu/fluvirus.htm Informationen über die Grippe-Saison 2003/2004 des "National Center of Infectious Diseases"; (englisch)]
- [http://www.nimr.mrc.ac.uk/library/flu/ Influenza-Seite des britischen "National Institute for Medical Research"; (englisch)] Kategorie:Infektionskrankheit Kategorie:Hals-Nasen-Ohrenheilkunde Kategorie:Virologie Kategorie:Meldepflichtige Krankheit ja:インフルエンザ zh-min-nan:Liû-hêng-sèng kám-mō·

Virus

Als Virus (Singular: das Virus, umgangssprachlich auch: der Virus; Plural: Viren; von lat. virus – "Schleim, Saft, Gift") bezeichnet man in der Biologie genetische Elemente in Form von Nukleinsäuren, die als Fremdbestandteile in Zellen von Lebewesen ("Wirtszellen") unabhängig von deren eigenen Nukleinsäuren mit Hilfe der Replikationseinrichtungen dieser Zellen repliziert werden. Virus-Nukleinsäuren sind entweder Desoxyribonukleinsäuren (DNA) oder Ribonukleinsäuren (RNA).
Viren kommen in zweierlei Formen vor:
- als Nukleinsäure in den Wirtszellen,
- als freie Partikel außerhalb von Zellen, eine zur Verbreitung geeignete Form.
Ein Viruspartikel außerhalb von Zellen bezeichnet man als Virion (Plural Viria, Virionen oder Virions). Virionen bestehen aus einem Nukleinsäuremolekül, das von einer Proteinhülle (Kapsid) umgeben ist. Bei einigen Viren besitzen die Virionen außer einer Proteinhülle noch weitere äußere Bestandteile, zum Beispiel eine Lipoproteinhülle. Es gibt also Viren bzw. Virionen sowohl mit wie auch ohne Hülle. Viren haben keinen eigenen Stoffwechsel und können sich nicht selbst replizieren. Im Wesentlichen ist ein Virus also eine Nukleinsäure, auf der die Informationen zur Steuerung des Stoffwechsels einer Wirtszelle enthalten sind, insbesondere zur Replikation der Virus-Nukleinsäure und zur weiteren Ausstattung der Viruspartikel (Virionen). Wenn Viren einmal ihre Wirtszellen verlassen haben, stellen sie in der Regel rasch jegliche Aktivität ein. Ob Viren als Lebewesen bezeichnet werden können, ist abhängig von der Entscheidung für eine der unterschiedlichen Definitionen von Leben (siehe unten: Kontroversen). Eine einzige, unwidersprochene und damit allgemein anerkannte Definition diesbezüglich gibt es bislang nicht. Daher findet sich auch unter Wissenschaftlern keine Einigkeit in der Beantwortung dieser Frage. Hinsichtlich der Einordnung von Viren zu den Parasiten bestehen ebenfalls verschiedene Ansichten. Ein Teil der Wissenschaftler betrachtet sie als solche, da sie einen Wirtsorganismus infizieren, um seinen Stoffwechsel für ihre eigene Vermehrung zu benutzen. Diese Forscher definieren also Viren als obligat intrazelluläre Parasiten (Lebensform, die zwangsläufig nur innerhalb einer Zelle ein Parasit ist), die aus einem Genom, einem Kapsid und evtl. einer Membranhülle bestehen und zur Replikation eine Wirtszelle benötigen. Das bedeutet, dass Viren zwar spezifische genetische Informationen besitzen, aber nicht den für ihre Replikation notwendigen Synthese-Apparat. Unabhänging von diesen bislang unentschiedenen Gesichtspunkten passen sich Viren im Laufe der Evolution ihrem Reservoirwirt, Hauptwirt an, um ihn nicht durch die Krankheitsfolgen zum eigenen Nachteil zu zerstören. Gewisse Viren befallen Zellen von Pflanzen, Menschen, Tieren oder anderen Eukaryoten. Viren, die Bakterien als Wirte nutzen, werden Bakteriophagen genannt. Eine typische Virusinfektion bei Säugetieren ist eine zyklische Allgemeininfektion oder eine Lokalinfektion an den Atemwegen oder am Darm. Viren sind deutlich kleiner als Bakterien, jedoch etwas größer als Viroide. Unterscheidbare Variationen von Viren nennt man Serotypen. Image:Virion.png|Virus Aufbau von Viren Image:NIAID-west-Nile.jpg|West Nile virus

Verschiedene Virentypen

Die Größe von Viren liegt zwischen 10 nm und 400 nm. Damit sind fast alle Viren nur unter dem Elektronenmikroskop erkennbar. Eine Ausnahme bilden Pockenviren, die unter dem Lichtmikroskop als kleine Partikel sichtbar werden, ebenso das erst 2003 entdeckte Mimivirus, mit 400 nm (eine Untersuchung von 2004 nennt den Wert 800 nm) das größte bisher bekannte Virus. Zum Vergleich: Tabakmosaikvirus (300 nm), Bakteriophagen (200 nm), Herpesviren (200 nm), Masernviren (180 nm), Tollwutviren (180 nm), Grippeviren (100 nm), Adenoviren (90 nm), Rötelnviren (80 nm) und Poliovirus (25 nm). Die Struktur der Proteinhülle, und damit die Virusart, kann u. a. nach Kristallisation durch Röntgenbeugung entschlüsselt werden. Das Gewicht bei Viren der Pockenschutzimpfung beträgt nach einer Messung amerikanischer Forscher 10 fg. Es ist allerdings noch (2005) umstritten, ob es sich um einen Virus oder eine höhere Stufe von Leben handelt. Nach ihrer Erbinformation unterscheidet man zwischen DNA-Viren und RNA-Viren. Die für den Menschen sehr bedeutenden Retroviren, wie beispielsweise HIV, sind RNA-Viren. Die Erbinformation kann einzelsträngig oder doppelsträngig, segmentiert oder unsegmentiert, und linear oder zirkular sein. Viren haben entweder eine Lipoproteinhülle oder sind hüllenlos. Das Proteinkapsid kann unterschiedliche Form haben, zum Beispiel ikosaederförmig, isometrisch, helikal, geschoßförmig. Die Lipidhülle stammt von der Wirtszelle und dient zur Tarnung vor dem Immunsystem. Umhüllte Viren sind besser geeignet, chronische oder latente Infektionen hervorzurufen (wie z. B. HIV, chronische Hepatitis B, C oder D, oder Herpes). Sie werden aber leicht deaktiviert, wenn die Hülle austrocknet oder chemisch durch Seife oder Gallensäuren angegriffen wird. Deshalb werden umhüllte Viren meist durch Tröpfcheninfektion übertragen und infizieren dann den Atemtrakt (Lokalinfektion). Manche erzeugen von dort aus auch eine zyklische Allgemeininfektion (Kinderkrankheiten: Masern, Mumps, Röteln, Ringelröteln, Drei-Tage-Fieber, Windpocken). Manche werden sogar nur durch mehr oder weniger direkten Blutkontakt übertragen. Dabei spielt dann auch die Replikationsrate eines Virus (Viruslast), also die Zahl der Kopien pro Milliliter Blut, eine Rolle. Hepatitis B ist ein sehr stark replizierendes Virus, hier können Blutspritzer auf der scheinbar intakten Haut genügen, um durch Mikro-Läsionen einzudringen. HIV wird hauptsächlich durch Geschlechtsverkehr übertragen. Bei Hepatitis C dagegen ist selbst das sehr selten, es wird u. a. durch infizierte Spritzen übertragen. Hüllenlose Viren können sehr umweltstabil sein und sowohl Austrocknung als auch Desinfektionsmittel überstehen. Hygienische Maßnahmen, wie beispielsweise Händewaschen oder Putzen, dienen hier eher dazu, möglichst viele Viren wegzuschwemmen. Teilweise lässt sich Übertragung innerhalb eines Haushalts aber kaum vermeiden. Hüllenlose Viren werden deshalb leicht per Kontaktinfektion bzw. Schmierinfektion übertragen und infizieren den Darm, meist als Lokalinfektion, seltener als zyklische Allgemeininfektion (zum Beispiel Poliovirus). Sie bleiben nicht chronisch. Siehe auch: Virusklassifikation

Vermehrung

Ein Virus selbst ist zu keinen Stoffwechselvorgängen fähig, daher braucht es Wirtszellen zur Fortpflanzung. Der Replikationszyklus eines Virus beginnt im Allgemeinen, wenn sich ein Virion an eine Wirtszelle anheftet und sein Erbmaterial, die Nukleinsäure, ins Zellinnere bringt. Das Erbmaterial des Virus, seine Nukleinsäure, wird anschließend in der Wirtszelle vervielfältigt und die Hüllproteine sowie gegebenenfalls weitere Bestandteile der Virionen werden anhand der Gene des Virusgenoms ebenfalls von der Wirtszelle synthetisiert. So können in der Zelle neue Virionen gebildeten werden, die freigesetzt werden, indem entweder die Zellmembran aufgelöst wird (Zell-Lyse, lytische Virusvermehrung), oder indem sie sezerniert werden, wobei Anteile der Zellmembran als Bestandteil der Virushülle mitgenommen werden. Eine weitere Möglichkeit ist der Einbau des Virus-Genoms in das des Wirtes. Dies ist der Fall bei temperenten Viren, wie zum Beispiel dem Phagen Lambda. Die Auswirkung der Virusvermehrung auf die Wirtszelle nennt man Zytopathischer Effekt. Es gibt verschiedene Arten des zytopathischen Effekts: Zelllyse, Pyknose (Polioviren), Zellfusion (Masernvirus, HSV, Parainfluenzavirus), intranucleäre Einschlüsse (Adenoviren, Masernvirus), intraplasmatische Einschlüsse (Tollwutvirus, Pockenvirus)

Viren und Viruskrankheiten (Auswahl)

Beim Menschen können eine Vielzahl von Krankheiten durch Viren verursacht werden, u. a. durch:

Behüllte Viren

Doppelsträngige DNA-Viren = dsDNA


- Poxviridae
  - Chordopoxviridae
    - Orthopoxviren
      - Orthopox-Variola-Virus=Pockenvirus - Pocken
      - Orthopox-Alastrim-Virus - Weiße Pocken
    - Parapoxviren
      - Parapox-Ovis-Virus=Orf-Virus - Orf=Schafpocken, bei Tieren, auf den Mensch übertragbar !
    - Molluscipoxviren
      - Molluscipoxvirus - Dellwarze (Molluscum contagiosum)
- Herpesviridae=Herpetoviridae
  - AlphaHerpes - Virinae
    - Simplexviren
      - Herpes-simplex-Virus 1 (HSV-1) oder (HHV-1) - Herpes simplex, Herpes labialis, Stomatitis aphtosa
      - Herpes-simplex-Virus 2 (HSV-2) oder (HHV-2) - Herpes simplex, Herpes genitalis
      - Herpes-B-Virus=(Herpesvirus simiae)
    - Varicellaviren
      - Varizella-Zoster-Virus (VZV) oder (HHV-3) - Windpocken=Varizellen (Herpes zoster), Gürtelrose
      - Pseudowut-Virus - Juckseuche=Tollkrätze, bei Tieren, auf den Mensch übertragbar !
  - BetaHerpes - Virinae
    - Cytomegalieviren
      - Zytomegalievirus (ZMV oder CMV) oder (HHV-5) - Zytomegalie=Speicheldrüseninfektion
    - Reseoloviren
      - Humanes-Herpes-Virus 6 (HHV 6) - Drei-Tage-Fieber
      - Humanes-Herpes-Virus 7 (HHV 7) - Drei-Tage-Fieber
  - GammaHerpes - Virinae
    - Lymphocryptoviren
      - Epstein-Barr-Virus (EBV) oder (HHV-4) - Pfeiffer'sches Drüsenfieber, Burkitt-Tumor
    - Rhadinoviren
      - Humanes-Herpes-Virus 8 (HHV 8) - Kaposi-Sarkom
- Hepadnaviridae
  - Orthohepadnaviren
    - Hepatitis-B-Virus (HBV) - Hepatitis B

Einzel(+)-Strang-RNA-Viren = ss(+)RNA


- Togaviridae
  - Alphaviren - Arbovirosen
  - Rubiviren
    - Rubivirus=Rötelvirus=Rubellavirus - Röteln
- Flaviviridae
  - Hepaciviren
    - Hepatitis-C-Virus (HCV) - Hepatitis C
    - Hepatitis-G-Virus (HGV) - Hepatitis G
  - Flaviviren
    - West-Nil-Virus - West-Nil-Fieber
    - Dengue-Virus - Dengue-Fieber
    - Gelbfieber-Virus - Gelbfieber
    - Louping-ill-Virus - Louping-ill-Enzephalitis
    - St.Louis-Enzephalitis-Virus - St.Louis Enzephalitis
    - Japan-B-Enzephalitis-Virus - Japanische Enzephalitis
    - Powassan-Virus - Powassan-Enzephalitis
    - RSSE-Virus - RSSE = Russian-Spring-Summer-Enzephalitis
    - FSME-Virus - FSME = Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis
- Coronaviridae - Magen-Darm-Entzündungen
  - SARS-assoziiertes-Corona-Virus (SARS-CoV) - SARS=atypischen Lungenentzündung=(Pneumonie).
  - Coronaviren
    - Human Corona-Virus 229E (HCoV) - Erkältung
    - Human Corona-Virus OC43 (HCoV) - Erkältung
  - Toroviren - Gastroenteritis
- Retroviren = Einzel(+)-Strang-RNA-Viren mit Besonderheiten:
  - Lentiviren
    - Humanes-Immunodefizienz-Virus (HIV) - AIDS
  - Onkoviren
    - Humanes-Tzell-Leukämie-Virus (HTLV -1, -2, ..) - Leukämie

Einzel(-)-Strang-RNA-Viren = ss(-)RNA


- Arenaviridae
  - Lassa-Virus - Lassa-Fieber
  - Junin-Virus - Junin-Fieber (argentinisches hämorrhagisches Fieber)
  - Machupo-Virus - Machupo-Fieber (bolivianisches hämorrhagisches Fieber)
- Bornaviridae
  - Bornavirus - beim Pferd, vielleicht auch auf den Menschen übertragbar - Affektive Störungen
- Bunyaviridae - Arbovirosen
  - Bunyaviren
    - Californiaviren (Serogruppe)
      - California-Encephalitis-Virus - Encephalitis
  - Phleboviren
    - Phlebomotus Fieber-Viren (Serogruppe)
      - Rift-Tal-Fieber-Virus - Rift-Tal-Fieber
    - ~Sandmückenfieber-Virus - Pappataci-Fieber = Sandflyfever = Sandmückenfieber
  - Nairoviren
    - Krim-Kongo-Fieber-Viren (Serogruppe)
      - Krim-Kongo-Fieber-Virus - Krim-Kongo-Fieber
  - Hantaviren
    - Hantaanviren (Serogruppe)
      - Hantaan-Virus=muerto-Canyon-Virus - hämorrhagisches Fieber
      - Seoul-Virus - hämorrhagisches Fieber
      - Psospect-Hill-Virus - hämorrhagisches Fieber
      - Puumala-Virus (PUU) - hämorrhagisches Fieber
      - Dobrava-Virus - hämorrhagisches Fieber
      - Tula-Virus - hämorrhagisches Fieber
      - Korea-Fieber-Virus - Korea-Fieber,hämorrhagisches Fieber
      - Sin-Nombre-Virus - hämorrhagisches Fieber mit schwerem Lungenödem
- Filoviridae
  - Ebola-Virus - Ebola
  - Marburg-Virus - Marburg-Fieber
- Orthomyxoviridae
  - Influenzaviren A - Influenza (Grippe)
    - Influenzavirus A-Variante (H1N1) - Influenza (Grippe)
    - Influenzavirus A-Variante (H3N2) - Influenza (Grippe)
    - (avieres) Influenzavirus-A-Variante (H5N1), hoch pathogenes aviäres Influenzavirus (HPAIV) - Vogelgrippe, bei Tieren, auch auf den Mensch übertragbar, aber noch nicht von Mensch zu Mensch.
  - Influenzaviren B - Influenza (Grippe)
    - Influenzavirus B/Victoria-Linie - Influenza (Grippe)
    - Influenzavirus B/Yamagata-Linie - Influenza (Grippe)
  - Influenzaviren C - Influenza (Grippe)
- Paramyxoviridae
  - Paramyxoviren
    - Parainfluenzavirus - Parainfluenza
  - Morbilliviren
    - Masernvirus - Masern
  - Rubulaviren
    - Mumpsvirus - Mumps
  - Pneumoviren
    - Pneumovirus - Atemwegsinfektion
    - Metapneumoviren
      - Humanes-Metapneumo-Virus (HMPV) - Atemwegsinfektion
    - Respiratory-Sincytical-Virus (RSV) - Atemwegsinfektion
- Rhabdoviridae
  - Vesiculoviren
    - vesicular-Stomatitis-Virus (VSV) - Stomatitis vesicularis (Mundschleimhautentzündung mit Bläschenbildung) bei Tieren, auch auf den Mensch übertragbar
  - Lyssaviren
    - Rabiesvirus (RABV) = Tollwutvirus - Tollwut, bei Tieren, auch auf den Mensch übertragbar

Unbehüllte Viren:

Doppelsträngige DNA-Viren = dsDNA


- Adenoviridae
  - Adenoviren - Schnupfen, Erkältungen, Durchfall
- Papovaviridae
  - Papovaviren
    - Humane-Papilloma-Viren
      - diverse Humane-Papilloma-Viren (HPV) - Warzen
      - Kondyloma-Virus (HPV 6) - Feigwarzen
      - Kondyloma-Virus (HPV 11) - Feigwarzen
      - Humanes-Papilloma-Virus (HPV 16 /18 /30 ...) - Zervixkarzinom = Gebärmutterhalstumor/ -Krebs
    - Polyomaviren

Einzelsträngige DNA-Viren = ssDNA


- Parvoviridae
  - Erythroviren
    - Parvovirus B19 - Ringelröteln
  - Dependoviren
    - Adenoassoziiertes Virus-2 (AAV-2)
    - Adenoassoziiertes Virus-3 (AAV-3)
    - Adenoassoziiertes Virus-5 (AAV-5)

Doppelsträngige RNA-Viren = dsRNA


- Reoviren
  - Rotaviren - Gastroenteritis=Durchfall
  - Orbiviren
    - Colorado-Tick-Virus - Colorado-Tick-Fieber

Einzel(+)-Strang-RNA-Viren = ss(+)RNA


- Picornaviridae
  - Rhinoviren
    - Humanes Rhinovirus (HRV), 1A, 1B-100 - Schnupfen, Erkältungen
  - Aphthoviren
    - Maul-und-Klauenseuche-Virus - Maul- und Klauenseuche beim Tier, auch in milder Form auf den Menschen übertragbar
  - Enteroviren
    - Poliovirus (1-3) - Kinderlähmung
    - Coxsackievirus (CVA), A1-22,24
    - Coxsackievirus (CVB), B1-6 - grippale Infekte, virale Meningitis, Myokarditis
    - Echoviren - grippale Infekte, Gastroenteritis=Durchfall, Meningoenzephalitis
    - Humane Enteroviren - grippale Infekte, Gastroenteritis=Durchfall
  - Cardioviren
    - Enzephalomyocarditisvirus (EMCV) - Enzephalomyocarditis
    - Mengovirus - Encephalomyocarciitis
    - Theiler Murines Enzephalomyelitisvirus (TMEV) - Enzephalomyelitis
    - Vilyuisk Humanes Enzephalomyelitisvirus (VHEV) - Enzephalomyelitis
  - Hepatoviren
    - Hepatitis-A-Virus (HAV) - Hepatitis A
- Caliciviridae
  - Caliciviren
    - Hepatitis-E-Virus (HEV) - Hepatitis E
    - SRSV = small rounded structured viruses
      - Norwalk-Virus - Gastroenteritis=Durchfall
      - Noroviren - Gastroenteritis=Durchfall
      - Sapoviren - Gastroenteritis=Durchfall
      - Vesiviren
      - Lagoviren
- Astroviridae
  - Astroviren
    - Human-Astro-Virus - Gastroenteritis=Durchfall Bei Tieren siehe unter Maul- und Klauenseuche, Stomatitis vesicularis, Blauzungenkrankheit, Rinder-, Schweine-, Hühnerpest und Tollwut Bei Pflanzen siehe unter Blattrollkrankheit

Therapie mit Viren

Aktuell wird verstärkt an Therapien geforscht, bei denen Viren zur Heilung von Krankheiten eingesetzt werden. Diese Forschungen konzentrieren sich hierbei vor allem auf zwei Bereiche, einmal die Bekämpfung von Tumoren und zum anderen wird versucht, antibiotikaresistente Bakterien durch die Viren abzutöten. In der Forschung zur Bekämpfung von Krebs werden vor allem adeno-assoziierte Viren eingesetzt. Das Grundprinzip dieser Therapie ist, dass die verwendeten (harmlosen) Viren als spezifischen Wirt die Tumorzellen haben. Sind die Tumorzellen dann mit diesen infiziert, vermehren sich die Viren in den Tumorzellen und zerstören sie dabei (s. lytische Vermehrung von Viren). Durch die Vermehrung der Viren wird der Vorgang der Infizierung der restlichen Tumorzellen beschleunigt. (Die bisher durchgeführten Tests sind positiv verlaufen). Das Grundprinzip bei der Bekämpfung von resistenten Bakterien ist das gleiche, nur dass hier eben andere Viren verwendet werden, welche die Bakterien als spezifischen Wirt erkennen. Auch hier sind erste Tests erfolgreich verlaufen.

Virologie

Die Virologie (von lateinisch virus: Gift und griechisch logos: Lehre) beschäftigt sich mit Viren, deren Eigenschaften und Vermehrung, sowie der Prävention und Behandlung von Viruserkrankungen. Die erste bekannte Anwendung des Wissens über Viren findet sich bereits 1000 Jahre v. Chr. in China. Dort wurde der Schorf der Wunden von Pockenkranken, welche die Krankheit überlebt hatten, zu Staub gemahlen und inhaliert, um vor Pocken zu schützen (impfen). Im Jahre 1796 benutzte Edward Jenner ein ähnliches Verfahren, um den 8jährigen James Phipps gegen Pocken zu impfen. Die moderne Virologie nutzt vor allem molekularbiologische und molekulargenetische Untersuchungsverfahren und beschäftigt sich mit der Gestalt und Größe, dem Aufbau, der chemischen Zusammensetzung und dem Nachweis von Viren, des weiteren mit ihrer Vermehrung, ihrer Übertragung und ihren krankheitsauslösenden Eigenschaften. Erforscht werden auch die Wechselwirkungen der Viren mit ihren Wirtszellen. Die Virologie versucht ferner, die Vielzahl der existierenden Viren zu klassifizieren. Siehe auch: Virusinfektion - Virostatikum - Prion

Entwicklung

Viren sind vermutlich später als andere Lebewesen (falls man Viren zu den Lebewesen zählt) entstanden, da sie auf letztere angewiesen sind. Entstehungsmechanismen lassen sich im Zusammenhang mit Plasmiden oder Transposonen verstehen. Für eine späte Entstehung spricht auch, dass Viren, die Eukaryoten befallen, das alternative Splicing der Eiweißsynthese nutzen. Dementsprechend besitzt ihr Erbgut variante Introns und Exons.

Kontroversen

Umstritten ist ein möglicher evolutionsgeschichtlicher Einfluss von Viren auf komplexe Organismen. Dieser ist in der Mikrobiologie unumstritten. Mechanistisch würde dadurch eine sprunghafte Evolution (so genannter Punktualismus), ein Gegenkonzept zum Neodarwinismus (vertreten durch Richard Dawkins), logisch erscheinen. Eine empirische Beweisführung dürfte sich allerdings schwierig gestalten. Die Diskussion diesbezüglich wird in der wissenschaftlichen Gemeinschaft jedoch wenig eifrig geführt. Wie schon oben dargestellt ist in der Wissenschaft weiterhin grundsätzlich umstritten, ob Viren Lebewesen sind oder nicht. Sie zeigen zwar Eigenschaften des Lebens, wie Vermehrung, Vererbung, Evolution und Kommunikation, jedoch fehlen ihnen die restlichen Lebensmerkmale wie eigenständige Vermehrung (sie brauchen Wirtszellen), eigener Stoffwechsel und Differenzierung. Eine Entscheidung in dieser Frage ist davon abhängig, welcher der verschiedenen Definitionen von Leben man den Vorzug gibt. Auch die Wissenschaft hat sich bislang nicht auf eine einzige, unwidersprochene und damit allgemein anerkannte Definition diesbezüglich einigen können.

Literatur


- Stephen S. Morse, The Evolutionary Biology of Viruses (1994) ISBN 0781701198
- Modrow, Susanne/Falke, Dietrich, Molekulare Virologie (2. Aufl. 2003) ISBN 382741086X
- Levine, Arnold J., Viren - Diebe, Mörder und Piraten Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg
- Doerfler, Walter, Viren, Fischer Taschenbuch Verlag (2002), ISBN 3-596-15369-7

Weblinks


- [http://www.biokurs.de/skripten/bs11-6.htm Viren]
- [http://www.biokurs.de/skripten/13/bs13-9.htm Genetik von Bakterien und Viren: Bau und Vermehrung von Viren, Transduktion]
- [http://www.vetvir.unizh.ch/Lehre/pdf_files/VIR0405Taxonomie.pdf Veterinärmedizinische Virentaxonomie]
- [http://www.clinical-virology.org UK Clinical Virology Network] (Infos zu allen humanpathogenen Viren)
- [http://www.tulane.edu/~dmsander/garryfavweb.html All the Virology on the WWW] (Ein umfangreicher Site, mit vielen Verweisen)
- [http://www.ncbi.nlm.nih.gov/ICTVdb/ICTVdBintro.htm The Universal Virus Database] (Daten zu allen bekannten Viren)
- [http://www.vu-wien.ac.at/i123/allgemeininfo.html Allgemeine Virologie]
- [http://www.g-f-v.org/ Gesellschaft für Virologie]
- [http://science.howstuffworks.com/virus-human.htm HowStuffWorks.com:Viren] Kategorie:Virologie als:Virus (Medizin) ja:ウイルス ko:바이러스 ms:Virus simple:Virus

Mittelalter

]] Das Mittelalter bezeichnet eine Epoche in der europäischen Geschichte zwischen der Antike und der Neuzeit, die christliche, antike und keltische, germanische und slawische Entwicklungen zusammenführt. Die vorherrschende Gesellschafts- und Wirtschaftsform ist der Feudalismus. Grundzüge des Mittelalters sind die nach Ständen geordnete Gesellschaft, die gläubig christliche Geisteshaltung in Literatur, Kunst und Wissenschaft, Latein oder Griechisch als gemeinsame Kultur- und Bildungssprache, die Idee der Einheit der christlichen Kirche (die aber faktisch nach dem großen Schisma mit der Ostkirche nicht mehr bestand) und ein recht einheitliches Weltbild.

Zeitliche Festlegung

Im Groben ordnet man das Mittelalter in die Zeit von 500 bzw. 600 n. Chr. bis 1500 n. Chr. ein. Wesentlich genauer sind jedoch folgende Merkmale: Das Mittelalter erstreckt sich ungefähr vom Ende der Völkerwanderung (375-568) bzw. vom Untergang des weströmischen Kaisertums 476 bis zum Zeitalter der Renaissance seit der Mitte des 15. Jahrhunderts bzw. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts. Bezüglich der Problematik der Datierung des Beginns des Mittelalters siehe Spätantike. Die Datierungen sind nicht immer einheitlich, es kommt oft darauf an, welche Aspekte der Entwicklung bevorzugt werden und von welchem Land man ausgeht. Stellt man zum Beispiel den Einfluss des Islam in den Vordergrund, kann man Mohammeds Hidschra (622) oder den Beginn der arabischen Expansion ab 632 als Beginn sehen. Ebenso gibt es unterschiedliche Datierungsmöglichkeiten für das Ende des Mittelalters, beispielsweise die Erfindung des Buchdrucks (um 1450) oder auch die Reformation (1517). Fokussiert man einzelne Länder, kann man auch zu verschiedenen Eckdaten kommen. So endete die Antike am Rhein oder in Britannien sicher früher als etwa in Syrien. Und so war zum Beispiel um 1420 in Italien bereits das Zeitalter der Renaissance angebrochen, während man zur gleichen Zeit in England mit gutem Grund noch vom Mittelalter spricht. Mittelalter bezieht sich in erster Linie auf die Geschichte des christlichen Abendlands vor der Reformation - der Begriff wird kaum im Zusammenhang mit außereuropäischen Kulturen verwendet.

Die Einteilung in Früh-, Hoch- und Spätmittelalter

Man kann das Mittelalter grob in 3 Phasen gliedern:
- Frühmittelalter (Mitte 6. Jahrhundert bis Anfang 11. Jahrhundert)
- Hochmittelalter (Anfang 11. Jahrhundert bis ca. 1250)
- Spätmittelalter (ca. 1250 bis ca. 1500)

Frühmittelalter

In das Frühmittelalter fällt unter anderem auch die Zeit der Völkerwanderung, wobei die Forschung aber mittlerweile dazu tendiert, diese aus dem Mittelalter herauszunehmen, sie als Bindeglied zwischen Antike und Mittelalter zu sehen und der Spätantike zuzurechnen. Weitere einschneidende Entwicklungen sind die weitgehende Christianisierung Europas, der Aufstieg des Fränkischen Reiches, der Einfall der Wikinger, der Beginn des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und die Kämpfe zwischen Kaisertum und Papsttum. Außerdem wirkt der Aufstieg des Islam und sein schnelles Ausgreifen bis nach Europa prägend. Wirtschaftlich stellt das Frühmittelalter eine Zeit der Naturalwirtschaft dar, wobei besonders das System der Grundherrschaft herauszustellen ist. Wesentliche Kulturträger sind das Byzantinische Reich, die Klöster, insbesondere die des Benediktinerordens, sowie die Gelehrten des arabisch-muslimischen Kulturkreises. Siehe auch Hauptartikel: Frühmittelalter.

Hochmittelalter

Das Hochmittelalter ist die Blütezeit des Rittertums und des römisch-deutschen Kaiserreichs, des Lehnswesens und des Minnesangs. Es ist auch die Epoche der Auseinandersetzung zwischen weltlicher und geistlicher Macht im Investiturstreit, welcher die Einsetzung mehrerer Gegenpäpste zur Folge hatte. Innerhalb der Scholastik wird Aristoteles zur wichtigsten nicht-christlichen Autorität. Der Einfluss der Kirche zeigt sich vor allem an den Kreuzzügen gegen den Islam, denen auch Juden zum Opfer fallen. Im Zuge der Kreuzzüge entwickelt sich ein Fernhandel mit der Levante, von dem insbesondere die italienischen Stadtstaaten profitieren. Die Geldwirtschaft gewinnt gegenüber der Naturalwirtschaft immer stärker an Bedeutung. Die wichtigsten Orden des Hochmittelalters sind neben den Zisterziensern die Bettelorden der Franziskaner und Dominikaner. Im Hochmittelalter entsteht das Zunftwesen, das die sozialen und wirtschaftlichen Vorgänge in den Städten stark prägt. Siehe auch Hauptartikel: Hochmittelalter.

Spätmittelalter

Hochmittelalter]] Das Spätmittelalter ist die Zeit des aufsteigenden Bürgertums der Städte und der Geldwirtschaft. In dieser Zeit steigt die Hanse zur Handelsmacht auf. Seit etwa 1280 bis einige Jahrzehnte nach der "Großen Pest" (Schwarzer Tod) in der Zeit von 1349 bis 1351 macht die europäische Geschichte einige krisenhafte Entwicklungen, die zu einem starken Bevölkerungsrückgang (Wüstung, Pest) führen, aber auch zu starken Veränderungen der Gesellschaftstruktur, die allmählich zur Neuzeit überleiten (siehe auch: Krise des 14. Jahrhunderts). Siehe auch Hauptartikel: Spätmittelalter.

Ende des Mittelalters

Als wesentlich für den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit betrachtet man im Allgemeinen die Zeit der Renaissance (je nach Land spätes 14. Jahrhundert bis 16. Jahrhundert), die Entdeckung insbesondere der Neuen Welt durch Christoph Kolumbus 1492, die Erfindung des Buchdrucks 1450 und die damit beschleunigte Verschriftlichung des Wissens, den Verlust des Einflusses der institutionalisierten katholischen Kirche und den Beginn der Reformation. Diese Ereignisse sind alle rund um die Schwelle vom 15. zum 16. Jahrhundert anzusiedeln. Auch die Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen (1453) wird als ein Ereignis genannt, das das Ende des Mittelalters markiert. Dies ist nicht nur eine zeitlich passende Vereinfachung, sondern hat einige Berechtigung, weil mit dem Untergang des Byzantinischen Reiches das letzte lebendige Überbleibsel der Antike unterging. Des Weiteren war der dadurch ausgelöste Strom byzantinischer Flüchtlinge und Gelehrter nach Italien hauptverantwortlich für den Beginn der Renaissance. Darüber hinaus wurden die Handelsrouten nach Asien durch die Ausbreitung des Osmanischen Reiches blockiert, so dass westeuropäische Seefahrer neue Wege erkundeten. Dabei wurde unter anderem Amerika entdeckt – zumindest war es das erste Mal, dass die Existenz Amerikas innerhalb weniger Jahre in ganz Europa bekannt wurde. Auf musikalischem Gebiet ist das Ende des Mittelalters am besten mit der Umstellung von Quint-Oktavklängen zu terzhaltigen Harmonien zu bestimmen. Die englischen Komponisten waren hier sehr früh (Anonymus 4 spricht bei dieser Entwicklung auf dem Kontinent sogar direkt von englischem Einfluss); vor allem Dunstable ist hier zu nennen. Ab ca. 1430 lässt sich dieser Wandel in Italien dingfest machen, wobei terzhaltige Klänge nicht sofort die reinen Intervalle als Ruhepole der Komposition ablösten und vor allem am Schluss einer Komposition das ganze 15. Jahrhundert hindurch noch der Klang ohne Terz bevorzugt wurde.

Der Begriff Mittelalter

Der Begriff Mittelalter, erstmals im 14. Jahrhundert von italienischen Humanisten benutzt, hatte schon von Beginn an eine negative Bedeutung, weil sie das Mittelalter als „dunkle“ Epoche zwischen der Antike und ihrer Zeit ansahen, in der antike Traditionen wiedergeboren wurden. Aber erst im 17. Jahrhundert wurde diese Einteilung endgültig vorgenommen. Demnach begann das Mittelalter mit dem Ende des Weströmischen Reiches im Jahre 476 und endete mit der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 durch die Osmanen. Im Englischen spricht man für den Zeitraum nach Ende der römischen Besatzung bis etwa zur Zeit König Alfreds von Wessex, also für die Zeit der Einwanderung der Angeln, Sachsen und Jüten, aufgrund der mangelhaften schriftlichen Quellen von „The Dark Ages“. Noch heute bezeichnen wir eine Denkweise als „mittelalterlich“, wenn wir sie als starr und veraltet kritisieren wollen. Auch die umgangssprachliche Wendung „Rückkehr ins Mittelalter“ ist negativ besetzt. In der Romantik wurde das Mittelalter allerdings auch wieder positiver gesehen, teilweise auch systematisch verklärt. In der modernen Forschung werden die originären Leistungen des Mittelalters und die wenigstens teilweise vorhandene Kontinuität der antiken Kultur betont. Der bekannte und angesehene französische Mediävist Jacques Le Goff betonte erst jüngst die Geburt Europas im Mittelalter.

Sonstiges

In der japanischen Geschichte wird die Zeit von ca. 1200 bis ca. 1600 als Mittelalter bezeichnet. Diese Epoche zeichnete sich durch eine starke Dominanz des Buddhismus und des Feudalismus aus.

Siehe auch


- Portal:Mittelalter

Literatur

Wichtige Quellen sind im großen Umfang gesammelt in der Monumenta Germaniae Historica. Siehe auch die dt.-latein. Ausgaben der Freiherr-vom-Stein Gedächtnisausgabe (FSGA). Wichtige Quellen stellen u.a. neben der Geschichtsschreibung auch Constitutionen und andere Aktenquellen sowie Regesten dar. Eine hervorragende Bibliographie findet sich [http://www.histsem.uni-bonn.de/proseminar/lsma15.htm hier (erstellt vom Historischen Seminar der Uni. Bonn)] sowie [http://www.uni-tuebingen.de/mittelalter/tutorium/literatur/literatur.htm hier (Uni. Tübingen; umfangreiche Liste mit Quellen- und Literaturangaben)]. Ansonsten sei auf die Angaben im Lexikon des Mittelalters oder den Bibliographien der unten aufgeführten Werke verwiesen.

Nachschlagewerke


- The New Cambridge Medieval History, Cambridge 1995 ff. Noch im Entstehen begriffen, mit hervorragender Bibliographie.
- Lexikon des Mittelalters, 9 Bde., Ausgabe des dtv-Verlags, München 2002 (in Hardcover München-Zürich 1980-1998). Grundlegendes Werk

Sekundärliteratur


- Hartmut Boockmann: Einführung in die Geschichte des Mittelalters, mehrere Neuauflagen, München 2001. Wohl die beste strukturelle Einführung ins Mittelalter, mit guten bibliographischen Angaben.
- Arno Borst: Lebensformen im Mittelalter, Frankfurt/M., Berlin 1988 ISBN 3-548-34004-0
- Arno Borst: Barbaren, Ketzer und Artisten: Welten des Mittelalters, München 1988 ISBN 3-492-03152-8
- Fischer Weltgeschichte, Mittelalter und frühe Neuzeit (4 Bände) ISBN 3596507324
- Horst Fuhrmann: Einladung ins Mittelalter, Verlag C. H. Beck, München 1987 ISBN 3-406-32052-X
- Horst Fuhrmann: Überall ist Mittelalter : von der Gegenwart einer vergangenen Zeit, Verlag C. H. Beck, München 1996 ISBN 3-406-40518-5
- Friedrich Heer: Mittelalter. Von 1100 bis 1350, Zürich 1964

Weblinks


- [http://www.erlangerhistorikerseite.de/ma_resso.html Virtuelle Bibliothek – Geschichte / Mittelalterliche Geschichte (Internet-Ressourcen der Erlanger Historikerseite)]
- [http://www.uni-tuebingen.de/mittelalter/indexstart.htm Historisches Seminar der Universität Tübingen, Abteilung für Mittelalterliche Geschichte (zahlreiche Links und Materialsammlungen)]
- [http://netzwerk.wisis.de/text/42.htm Mittelalter - SUSAS Netzwerk für Wissensweitergabe - Ausführliche Texte und zahlreiche Erklärungen zu Wirtschaft, Gesellschaft und Ereignisgeschichte]
- [http://www.genealogie-mittelalter.de/ Genealogie Mittelalter] Mittelalterliche Genealogie im Deutschen Reich bis zum Ende der Staufer
- DER SPIEGEL: [http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltraum/0,1518,381627,00.html Wie die Erde zur Scheibe wurde] - das Bild vom rückständigen Mittelalter als moderner Mythos !Mittelalter Kategorie:Zeitalter ja:中世 simple:Middle Ages

Medizin

Die Medizin (v. lat. ars medicina „Heilkunst“; auch Heilkunde) befasst sich mit der Gesundheit und mit der Vorbeugung (Prophylaxe), Erkennung (Diagnostik) und Behandlung (Therapie, Linderung, Heilung) von körperlichen (physischen) und seelischen (psychischen) Erkrankungen und Unfallschäden sowie mit Zeugung, Schwangerschaft, Geburt und Tod. Medizin ist ein Teilbereich der menschlichen Kultur, der zur Erhaltung von Gesundheit und Leben und zur Wiedereingliederung in das soziale Leben beitragen will. Ihr Erscheinungsbild ist variabel, abhängig von der Gesamtkultur, in der sie steht. In primitiven Kulturen ist sie angesiedelt zwischen Empirie und Dämonenglauben, in der religiösen oder philosophisch bestimmten Umgebung entwickelt sie metaphysische Züge, und in einer industriell orientierten Kultur dominieren technisch-naturwissenschaftlich und ökonomisch bestimmte Denk- und Handlungsweisen. In der Alltagssprache werden auch Medikamente bzw. Arzneimittel als "Medizin" bezeichnet. Medizin wird von Ärzten und weiteren Berufen (Gesundheits- und Krankenpflegern, Altenpflegern, MTAs, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Heilpraktikern und anderen) ausgeübt. Psychotherapie darf auch von psychologischen Psychotherapeuten ausgeübt werden.

Spektrum der Medizin

psychologischen Psychotherapeuten Zum Bereich der Medizin gehören neben der sog. "Humanmedizin" die Zahnmedizin, die Veterinärmedizin (Tierheilkunde/Tiermedizin), in einem weiteren Verständnis auch die Phytomedizin (Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten und Schädlingen). In diesem umfassenden Sinn ist Medizin die Wissenschaft vom gesunden und kranken Lebewesen. Grundlagen der modernen wissenschaftlichen und zunehmend evidenzbasierten Medizin bilden die Naturwissenschaften (Biologie, Chemie, Physik), speziell Anatomie, Biochemie, Physiologie, ergänzt durch Psychologie und Sozialwissenschaften (vgl. Medizinsoziologie). Die Vielfalt der Krankheiten und ihrer Behandlungsmöglichkeiten hat zu einer Aufgliederung der Humanmedizin in eine große Anzahl von Fachgebieten und Subspezialisierungen geführt (siehe: Liste medizinischer Fachgebiete). Die Zahnmedizin nimmt eine Sonderstellung ein. Neben der wissenschaftlichen Medizin haben sich unterschiedliche Formen der Alternativmedizin entwickelt, die in der Liste alternativmedizinischer Behandlungsmethoden gesammelt werden.

Konzepte der Medizin

Ziel der überwiegenden medizinischen Maßnahmen ist eine Beseitigung oder Linderungen krankheitsbedingter Beschwerden oder funktioneller Einbußen sowie eine Beseitigung oder Reduktion einer krankheitsbedingten Verkürzung der Lebenszeit. Diese Ziele können in der Regel am effektivsten durch eine kurative (heilenden) Medizin, die Krankheiten zu heilen versucht, erreicht werden. Unabhängig von Maßnahmen mit dem Ziel einer Heilung werden Beschwerden und funktionelle Einbußen durch medizinische Maßnahmen gelindert (palliative Medizin). In den letzten Jahren wird verstärkt die Bedeutung der Prävention betont, um Krankheiten gar nicht erst entstehen zu lassen. Außerdem soll der Behandlung nötigenfalls eine Rehabilitation folgen, bei der versucht wird, verlorengegangene Fähigkeiten für den Alltag, für berufliche und soziale Bedürfnisse wiederherzustellen. In der kurativen Medizin ist die Gliederung in die Stellung einer Diagnose und anschließende Therapie ein fast allgemeingültiges Prinzip. Dabei steht am Anfang die Befragung des Patienten, dann die Untersuchung erst ohne, dann mit technischen Hilfsmitteln (oft bildgebende Verfahren wie Röntgen). Die Entstehung einer Krankheit kann mechanisch, vaskulär, nerval, neoplastisch oder entzündlich sein. Als Ursachen kommen Traumata, Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Gendefekte oder externe Noxen in Frage. Man unterscheidet kausale von symptomatischen Therapieansätzen.

Geschichte

Hauptartikel: Medizingeschichte Medizin oder Heilkunst im allgemeinen kann als eine der am längsten praktizierten Tätigkeiten und später Wissenschaften angesehen werden. Von den Jägern und Sammlern bis zum heutigen Tage wurde aus schamanischer Medizin, die tief in Religion und Mystizismus verankert war, die "moderne Medizin" und als Ziel die evidenzbasierte Medizin. Diese ist in der heutigen Medizin allerdings nur in Teilbereichen verwirklicht, in der Praxis weniger als in der Theorie. Sowohl im Kampf gegen Krebs als auch in der Bekämpfung von Infektionskrankheiten wie zum Beispiel den Pocken kann sie bereits Erfolge verzeichnen, die noch vor einem halben Jahrhundert undenkbar schienen.

Weblinks


- [http://www.zbmed.de Fachinformationszentrum: Deutsche Zentralbibliothek für Medizin, Köln]
- http://www.medizin-online.de Medizin-Portal für Ärzte
- [http://www.aezq.de Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ)]
- [http://www.biomedcentral.com/home/ BioMedCentral (englisch) - Open Access Projekt]
- [http://www.ub.uni-duisburg-essen.de/recherch/fachinfo/medizin/medlinks.shtml Fachinformation Medizin der Universitätsbibliothek Essen]
- [http://www.medinfo.de/ Medinfo.de]
- [http://www.medsana.ch/ MEDSANA - Medizinische Fachinformationen für den Laien]
- [http://www.medpilot.de/ MedPilot - Virtuelle Fachbibliothek Medizin]
- PubMed Datenbank der National Library of Medicine (USA)
- [http://www.gesundheit.de/roche/ Roche Medizinisches Wörterbuch]
- [http://www.info-gesundheit.de Info-Gesundheit.de - Suchmaschine für Gesundheit und Medizin]
- [http://flexicon.doccheck.com/ offenes medizinisches Lexikon] auf Wiki-Prinzip
- [http://www.pflegewiki.de/index.php/ Medizin bei Pflegewiki-Artikel Medizin]
- [http://www.sgipt.org/medppp/krank/iwk1.htm Zum Begriff 'krank' in der Medizin mit Blick auf Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie]

Zeitschriften


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Astrologie

Die Astrologie (griechisch αστρολογία - wörtlich die Sternenkunde, nicht zu verwechseln mit Astronomie - die Gesetzmäßigkeit [der Bewegungen] der Sterne) ist die systematisch betriebene anthropologisch-mythologische Deutung der Stellung bestimmter Himmelskörper (insbesondere der Planeten des Sonnensystems) und wird auch der Esoterik zugerechnet; aus wissenschaftlicher Sicht wird die Astrologie je nach Herangehensweise zu den Para- oder Pseudowissenschaften gezählt. Sie versucht unter anderem aus dem Zusammenhang von Geburtsort, Geburtszeitpunkt und Stellung der Himmelskörper, je nach astrologischer Schule, das charakterliche Wesen und/oder das Schicksal eines Menschen abzuleiten. Die Meinung über Astrologie ist auch unter Astrologen geteilt. Sie reichen von dem Anspruch, Prognosen zukünftiger Ereignisse objektiv nachprüfbar erstellen zu können, bis hin zur einer rein charakterlichen, erklärenden Astrologie, die die Prognostik vehement ablehnt. In allen Weltkulturen lässt sich feststellen, dass astronomische Erscheinungen schon immer eine Faszination auf den Menschen ausübten. In diesem Artikel wird vor allem die babylonische oder "westliche" Astrologie beschrieben; andere Systeme unterscheiden sich davon mehr oder weniger. Die Betrachtungsweise der Astrologie ist geozentrisch (erdbezogen) orientiert, da die Elemente des Horoskops sich auf den irdischen Ort und Zeitpunkt beziehen. Aus der Tatsache, dass sich die am Himmel sichtbaren Elemente jedem Beobachter gleich darstellen, orientiert sich die Astrologie an einer scheinbaren Objektivität. Dies fordert die Naturwissenschaftler immer wieder zur Kritik heraus. Da in der Astrologie der Neuzeit die Ableitung astrologischer Aussagen nur auf symbolischer Ebene erfolgt, die mit den bekannten physikalischen Prinzipien unvereinbar ist, erkennt die Astrologie die physikalische-naturwissenschaftliche Methodik nicht als für sie relevant an.

Die astrologische Sicht

Astrologie orientiert sich nur an der tatsächlichen Himmelsansicht. (Mit Ausnahme der Hamburger Schule, die erdachte Konstrukte wie wirkliche Gestirne behandelt, Stichwort Transneptuner). Die Frage ist also nicht, wie das Weltall objektiv gesehen aussieht, welche Gesetze den Lauf der Gestirne bestimmen, oder was sich im Inneren eines Sterns tut; diese Fragen behandelt die Astronomie. Daher geht jede Infragestellung der Astrologie aufgrund von objektiven astronomischen Gesichtspunkten am Wesen der Astrologie vorbei. Die Frage ist vielmehr, wie erscheint der Himmel von einem bestimmten Punkt, zu einer bestimmten Zeit aus und welche Schlüsse zieht man daraus für Wesen und Werdegang des Menschen oder des Ereignisses, das an diesem Zeitpunkt das Licht der Welt erblickt hat. Die nicht geozentrische (wie oft fälschlich behauptet), sondern topozentrische Sicht ist ausschlaggebend für die Deutung. Da sich diese Sicht jederzeit nachvollziehen oder auch im Vorhinein darstellen lässt, kann eine Deutung zumindest teilweise von anderen nachvollzogen werden. Die Lehre selbst steht jedoch auf schwachen Füßen. Es fehlt eine die Realität vollständig umfassende und in ihren Elementen sicher voneinander abgrenzbare Symbolik. Prämissen werden oft, je nach Gutdünken der deutenden Astrologen, getroffen (zum Beispiel der so genannte "Orbis") gesetzt. Und eine Deutung rein aus den Daten des Horoskops und einheitlich erhobener Bezugsdaten des zu deutenden Objekts ist derzeit ebenfalls Utopie. Auch wenn die Zuordnung der Begriffe, zum Beispiel in der Reihe "Vitalität, Herz, Wirtschaft, Sonne, Gold" die eigentlich dahinter stehenden Symbolik ahnen lässt, so fehlt fast vollständig ein grundlegendes Konzept, das die Deutung vereinheitlichen und den Astrologen ein echtes Werkzeug jenseits von Intuition und "sechstem Sinn" geben würde. Bücher wie "Das senkrechte Weltbild" von Rüdiger Dahlke und Nicolaus Klein helfen beim Verständnis. Auch die Abhandlungen über die Archetypen und das kollektive Unbewusste und die Synchronizität haben neue Einsichten für die modernen Astrologen erbracht. Und schließlich in jüngster Zeit die Theorie von Rupert Sheldrake über morphogenetische Felder lieferte wieder neues Material für neue "Astrologien". Aber es gibt bis heute keine einheitliche Methodik, noch einen klaren theoretischen Unterbau, damit brauchbare Deutungen für jeden Interessierten möglich und machbar werden. So bleibt die Astrologie bis heute ein Stückwerk, das jeder Interessierte für sich selbst neu entdecken muss. Eine der modernsten Versuche ist die "Münchner Rhythmenlehre" von Wolfgang Döbereiner, der in Ansätzen eine nachvollziehbare Systematik erarbeitet hat, ebenso wie Dr. Heinz Fidelsberger, der die Tierkreiszeichen symbolisch abgrenzbar und als "Evolution" vom Ersten bis zum Zwölften erkennbar macht.

Das Horoskop, seine Elemente und seine Deutung

Das Horoskop ist eine Darstellung der Gestirne am Himmel zu einem Zeitpunkt, nach einem bestimmten Schema, bezogen auf einen Ort. Die Berechnung eines Horoskops erfolgt im Wesentlichen durch mathematische Methoden wie der Himmelsmechanik, heute meistens per Computer.

Verschiedene Formen des Horoskops


- Das Geburtshoroskop: Es ist nach Auffassung moderner Astrologen ein Anzeichen für die spätere charakterliche Prägung des Neugeborenen, das sich den zu ihm passenden Geburtszeitpunkt instinktiv wähle. Nach herkömmlicher Astrologenmeinung bestimmt allerdings der Geburtszeitpunkt umgekehrt den Charakter. Tatsächlich ergeben sich im Vergleich zwischen Eltern und Kindern sehr oft signifikante Übereinstimmungen besetzter Punkte in den Horoskopen, die nach Ansicht moderner Astrologie für das Zutreffen der ersten Meinung spricht. Außer der umfangreichen Arbeit von Gauquelin fehlen dazu genauere Untersuchungen. [http://www.astro.univie.ac.at/~wuchterl/Kuffner/mond/astrologie.html#Mars Weblink: Michel Gauquelin, Der Mars Effekt]
- Horoskop eines bestimmten Augenblicks: Soll nach astrologischer Auffassung helfen, günstige Zeitpunkte für geplante Unternehmungen festzulegen.
- Das Prognosehoroskop: Es ist gewissermaßen eine erweiterte Form des Augenblicks-Horoskops. Zahlreiche Prognosen haben sich in der Vergangenheit als unzutreffend erwiesen, zum Beispiel, aber beileibe nicht nur, im Vorfeld des vergangenen Jahrtausendwechsels. Daher gestehen auch manche Astrologen diesem Instrument keinen Wert mehr zu.
- Partnerhoroskop (auch: Beziehungshoroskop, Synastrie): Diese Horoskopart soll ganz allgemein Aufschluss über die Beziehung zwischen Menschen geben können, die viel miteinander zu tun haben. Es kann eine sexuelle Partnerschaft sein, aber auch die Beziehung zwischen Geschäftsfreunden, Arbeitskollegen, zwischen einem Elternteil und einem Kind oder zwischen Geschwistern. Beim Combin (einer Sonderform) wird aus den Mittelwerten der Geburtszeiten und Geburtsorte beider Partner ein neues Horoskop berechnet. Beim Composit (auch Composite oder Komposit) wird aus den Mittelwerten der Planeten und Achsen beider Partner ein neues Horoskop berechnet.
- Das Zeitungshoroskop: Obwohl in der breiten Öffentlichkeit das Zeitungshoroskop das Bild der Astrologie in der Öffentlichkeit bestimmt, gestehen Astrologen diesem Teil keinen Wert zu, da es lediglich die Gestirne im Bezug zum Sonnenstand bei der der Geburt im jeweiligen Sternzeichen auswertet (das heißt es soll für alle Personen gelten, die in diesem Zeitraum irgendeines Jahres geboren wurden). Dennoch werden gerade solche "Horoskope" ständig veröffentlicht. In diesen werden vieldeutige Formulierungen und allgemein zutreffende "Weissagungen" verwendet, um auf möglichst viele Menschen zuzutreffen. Zeitungshoroskope waren eine Erfindung von R.H. Naylor (1899-1952). Er schrieb 1930 erstmals für den Londoner "Sunday Express" diese Art von Horoskop.

Gestirne

Die klassische, im geozentrischen Weltbild entstandene Astrologie kennt sieben "Gestirne": Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter und Saturn. Wohl ist dieses Weltbild Grundlage gewesen, aber moderne Astrologen hängen diesem Weltbild nicht etwa nach, sondern für sie ist nur nach wie vor die Himmelsbeobachtung von einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit, Grundlage der Deutung. Diese Deutung wurde von neuzeitlichen Astrologen nicht nur um Uranus, Neptun und Pluto erweitert, gelegentlich werden auch Kleinplaneten (zum Beispiel Ceres) oder bei der so genannten "Hamburger Schule" um mythische oder geometrische Konstrukte und ähnliches benutzt (zum Beispiel der "dunkler Mond" genannte zweite Brennpunkt der Umlaufelypse des Mondes, der mit den Eigenschaften der Lilith identifiziert wird). Jeder Planet gilt als Regent eines oder mehrerer Tierkreiszeichen, dem er damit seine Eigenschaften verleiht. Die Symbole der Planeten sind mit antiken Göttern verbunden, deren Namen sie tragen, beziehungsweise schon vor der klassischen Antike, z. B. schon in Babylonien, wurden diesen Himmelskörpern (zum Beispiel Venus/Aphrodite/Ischtar) Sammlungen von Eigenschaften zugerechnet, die dann jeweils als ein Gott in Allegorien und Erzählungen auftraten. Bei den erst in der Neuzeit entdeckten Planeten ist unter Astrologen umstritten, ob und inwiefern die ihnen von der Astronomie zugewiesenen Götternamen in Beziehung zu ihrem Symbolwert stehen.

Tierkreiszeichen

Die Tierkreiszeichen sind mit den Sternbildern gleichen Namens nicht deckungsgleich. Nach astrologischer Auffassung (genauer der systematischen Symbolik Heinz Fidelsbergers und anderer) sind auch hier die Namen der Zeichen Symbol der in ihnen enthaltenen Eigenschaften. Die Elemente der mittelalterlichen Alchemie (Erde, Feuer, Wasser, Luft) sind mit der astrologischen Lehre verwandt. Diese vier Elemente spiegeln sich auch in der Temperamentslehre des Hippokrates wider. Sie ist Ausdruck einer grundlegenden Vierheit, und in der Verbindung mit der Dreiheit, der so genannten Motorik (das Verhalten ist aktiv, passiv oder reaktiv, also handelnd, erleidend oder zuwiderhandelnd) ergeben sich die zwölf Zeichen, in denen jeweils ein Element mit einer Motorik kombiniert ist (zum Beispiel bei Löwe: passiv mit Feuer woraus sich dann etwa in der Deutung der zugehörigen Symbolik das Bild eines ruhenden Vulkans ergibt). Die zwölf Zeichen sind zudem noch in Geschlechter eingeteilt, wobei alle männlichen als instinktiv (triebhaft) gelten, alle weiblichen als emotionell (empfindend) und alle neutralen bzw. ambigenen Zeichen als intellektuell (denkend, quasi vom Geschlechtlichen losgelöst). Da sich aufgrund der Präzession der Erdachse die Tierkreiszeichen gegen die Sternbilder verschieben, sind beispielsweise die meisten im Sternzeichen Jungfrau Geborenen tatsächlich