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| Informant |
InformantEin Informant ist eine Person mit speziellen Kenntnissen, die sie an eine andere Person weitergibt.
In vielen Bereichen wird der Begriff neutral verwendet, in der Politik ist er eher negativ besetzt.
Politik
Ein Informant trägt Dritten - meist gegen Geld - bestimmte (Dienst-)leistungen oder Vergünstigungen beziehungsweise Informationen zu. Diese Informationen stellen in der Regel Insiderwissen dar, welches sich der Informant durch seinen gesellschaftlichen Umgang erworben hat und für Außenstehende nicht oder nur schwer zugänglich ist.
Im Gegensatz zu einem Spion ist ein Informant kein "bezahlter Mitarbeiter" desjenigen, der die Informationen haben möchte. Er bleibt von seinem Auftraggeber unabhängig und nutzt sein Insiderwissen vielmehr um sich ein kleines "Zubrot" zu verdienen oder um sich andere Vorteile zu sichern oder er gibt seine Informationen sogar aus Idealismus weiter.
Die Gegenleistung für die Informationen wird meist individuell von dem Informanten festgelegt beziehungsweise ausgehandelt. Der "Wert", welchen der Informant den Informationen zumisst, kann dabei von vielen Faktoren abhängen. Die Faktoren, die wohl die größte Rolle hierbei spielen sind Dringlichkeit und Brisanz. So werden besonders dringend benötigte Informationen auch besonders teuer sein. Ebenso Informationen, deren Preisgabe ein hohes Risiko für den Informanten darstellt.
In den Kreisen, aus denen der Informant sein Insiderwissen hat und nach "außen" trägt, wird er als Verräter beziehungsweise Spitzel bezeichnet.
Polizei und Geheimdienste
Informant ist hier jemand, der in einem Einzelfall - entgeltlich oder unentgeltlich - Polizei oder Geheimdienste mit Insiderinformationen über Straftaten, politischen Extremismus oder andere für die entsprechende Behörde interessante Informationen versorgt. Wird der Informant regelmässig tätig, nennt man ihn "V-Mann".
Dem Informanten wird durch die Staatsanwaltschaft oder Polizei Vertraulichkeit zugesichert, dabei kennt die Staatsanwaltschaft in der Regel nicht die Identität des Informaten. Er darf nur inanspruch genommen werden, wenn die Aufklärung sonst aussichtslos oder wesentlich erschwert wäre. Die Vertraulichkeit darf nur zugesichert werden, wenn dem Informaten duch das Bekanntwerden seiner Tätigkeit für die Strafverfolgungsbehörden erhebliche Nachteile entstehen oder er erheblich gefährdet wird.
Journalismus
Ein Informant im journalistischen Bereich ähnelt dem politischen Informanten. Er ist für den Journalisten eine Quelle von Informationen in einem Bereich, in dem der Journalist selbst nur schwer recherchieren kann.
Da dem Journalisten im Gegensatz zum Politiker Informanten nicht zur persönlichen Machterweiterung, sondern (idealerweise) zur Aufklärung der Öffentlichkeit dienen, haben sie nicht nur kein negatives Image, sondern Pressegesetze verschiedener Länder garantieren ihnen den Schutz ihrer Anonymität (den Informantenschutz). das heißt der Journalist kann gegenüber der Polizei und dem Gericht verweigern, die Identität des Informanten preiszugeben.
Linguistik
Ein Informant (auch Gewährsperson genannt) ist als Sprecher einer Sprache oder eines Dialekts Quelle für linguistische Forschungen und Erkenntnisse. Meist ist ein Informant Muttersprachler der entsprechenden Sprache oder des entsprechenden Dialektes. Für die eigene Muttersprache sind Linguisten oft ihre eigenen Informanten. Informationen werden mündlich oder schriftlich erfasst oder mit Tonbändern oder auf Film oder Video aufgezeichnet. Die Mithilfe zahlreicher Informanten ermöglichte die Entwicklung des Sprachatlasses.
Auch für allgemeinere Forschungen sind Informanten eine Wertvolle Hilfe. So half ein Mitglied der Hopi, (eines Indianerstammes), Benjamin Whorf als Informant bei seinen Sprachforschungen. Die Untersuchung der Sprache der Hopi war eine der Grundlagen für die Weiterentwicklung der Sapir-Whorf-Hypothese.
Weblinks
- [http://santana.uni-muenster.de/Linguistik/user/steiner/semindex/sapir.html Sprache und Denken: Die Sapir-Whorf-Hypothese]
Kategorie:Journalismus
Kategorie:Politik
InformantEin Informant ist eine Person mit speziellen Kenntnissen, die sie an eine andere Person weitergibt.
In vielen Bereichen wird der Begriff neutral verwendet, in der Politik ist er eher negativ besetzt.
Politik
Ein Informant trägt Dritten - meist gegen Geld - bestimmte (Dienst-)leistungen oder Vergünstigungen beziehungsweise Informationen zu. Diese Informationen stellen in der Regel Insiderwissen dar, welches sich der Informant durch seinen gesellschaftlichen Umgang erworben hat und für Außenstehende nicht oder nur schwer zugänglich ist.
Im Gegensatz zu einem Spion ist ein Informant kein "bezahlter Mitarbeiter" desjenigen, der die Informationen haben möchte. Er bleibt von seinem Auftraggeber unabhängig und nutzt sein Insiderwissen vielmehr um sich ein kleines "Zubrot" zu verdienen oder um sich andere Vorteile zu sichern oder er gibt seine Informationen sogar aus Idealismus weiter.
Die Gegenleistung für die Informationen wird meist individuell von dem Informanten festgelegt beziehungsweise ausgehandelt. Der "Wert", welchen der Informant den Informationen zumisst, kann dabei von vielen Faktoren abhängen. Die Faktoren, die wohl die größte Rolle hierbei spielen sind Dringlichkeit und Brisanz. So werden besonders dringend benötigte Informationen auch besonders teuer sein. Ebenso Informationen, deren Preisgabe ein hohes Risiko für den Informanten darstellt.
In den Kreisen, aus denen der Informant sein Insiderwissen hat und nach "außen" trägt, wird er als Verräter beziehungsweise Spitzel bezeichnet.
Polizei und Geheimdienste
Informant ist hier jemand, der in einem Einzelfall - entgeltlich oder unentgeltlich - Polizei oder Geheimdienste mit Insiderinformationen über Straftaten, politischen Extremismus oder andere für die entsprechende Behörde interessante Informationen versorgt. Wird der Informant regelmässig tätig, nennt man ihn "V-Mann".
Dem Informanten wird durch die Staatsanwaltschaft oder Polizei Vertraulichkeit zugesichert, dabei kennt die Staatsanwaltschaft in der Regel nicht die Identität des Informaten. Er darf nur inanspruch genommen werden, wenn die Aufklärung sonst aussichtslos oder wesentlich erschwert wäre. Die Vertraulichkeit darf nur zugesichert werden, wenn dem Informaten duch das Bekanntwerden seiner Tätigkeit für die Strafverfolgungsbehörden erhebliche Nachteile entstehen oder er erheblich gefährdet wird.
Journalismus
Ein Informant im journalistischen Bereich ähnelt dem politischen Informanten. Er ist für den Journalisten eine Quelle von Informationen in einem Bereich, in dem der Journalist selbst nur schwer recherchieren kann.
Da dem Journalisten im Gegensatz zum Politiker Informanten nicht zur persönlichen Machterweiterung, sondern (idealerweise) zur Aufklärung der Öffentlichkeit dienen, haben sie nicht nur kein negatives Image, sondern Pressegesetze verschiedener Länder garantieren ihnen den Schutz ihrer Anonymität (den Informantenschutz). das heißt der Journalist kann gegenüber der Polizei und dem Gericht verweigern, die Identität des Informanten preiszugeben.
Linguistik
Ein Informant (auch Gewährsperson genannt) ist als Sprecher einer Sprache oder eines Dialekts Quelle für linguistische Forschungen und Erkenntnisse. Meist ist ein Informant Muttersprachler der entsprechenden Sprache oder des entsprechenden Dialektes. Für die eigene Muttersprache sind Linguisten oft ihre eigenen Informanten. Informationen werden mündlich oder schriftlich erfasst oder mit Tonbändern oder auf Film oder Video aufgezeichnet. Die Mithilfe zahlreicher Informanten ermöglichte die Entwicklung des Sprachatlasses.
Auch für allgemeinere Forschungen sind Informanten eine Wertvolle Hilfe. So half ein Mitglied der Hopi, (eines Indianerstammes), Benjamin Whorf als Informant bei seinen Sprachforschungen. Die Untersuchung der Sprache der Hopi war eine der Grundlagen für die Weiterentwicklung der Sapir-Whorf-Hypothese.
Weblinks
- [http://santana.uni-muenster.de/Linguistik/user/steiner/semindex/sapir.html Sprache und Denken: Die Sapir-Whorf-Hypothese]
Kategorie:Journalismus
Kategorie:Politik
Geld
Geld ist ein Tauschmittel, welches sich von anderen Tauschmitteln dadurch auszeichnet, dass es nicht unmittelbar den Bedarf eines Tauschpartners befriedigt, sondern aufgrund allgemeiner Anerkennung zum weiteren Tausch eingesetzt werden kann. Durch Weitergabe dient es dem Begleichen von Rechnungen und Schulden und vermittelt dadurch den wirtschaftlichen Austausch von Waren und Dienstleistungen. Durch seine Wertbeständigkeit dient es auch der Aufbewahrung von wirtschaftlichen Werten (Wertaufbewahrungsmittel) und ist außerdem Maßstab zum Vergleichen der Werte von Waren, Dienstleistungen und Vermögen (Wertmaßstab).
Geld liegt in der Regel vor in gegenständlicher Form (Geldscheine und Münzen) oder in dokumentarischer Form (gespeicherte Daten auf Bankkonten und Wertkarten).
Geld ist in der Regel staatlich und international unterschiedlich organisiert, insbesondere in der Festlegung des Münz- und Notensystems, und hat einen entsprechenden Namen. Name und organisatorische Regeln zusammen werden als Währung bezeichnet.
Für staatlich ausgegebenes Geld besteht beim Begleichen von Schulden Annahmepflicht für den Empfänger. Eine Verpflichtung zur Weitergabe von Geld besteht hingegen nicht.
Geld benötigt das Vertrauen in seine allgemeine Übertragbarkeit innerhalb einer Gesellschaft. Das Vertrauen in Geld basiert darauf, dass es von jedermann jederzeit in nützliche Güter oder andere begehrte Vermögenswerte umgetauscht werden kann.
Verwaltet wird Geld heute hauptsächlich vom Bankwesen.
Geldvermögen sind nur dann Zahlungsmittel, Geld, wenn sie ohne vorherige Umwandlung in eine andere Vermögensform zum Zahlen verwendet werden können. Volkstümlich wird die Bezeichnung ’’Geld’’ auch für Vermögen allgemein gebraucht.
Historisch erlangten bestimmte begehrte Güter wie Gold, Silber oder Muscheln Geldfunktion, indem sie als Zwischentauschmittel eingesetzt wurden. Das Zahlungsmittel kann man auch als Vermittler ansehen, der den einstufigen, suchintensiven direkten Tausch von Waren und Dienstleistungen in einen zweistufigen Tausch umwandelt.
Geld ist Studienobjekt der Wirtschaftswissenschaft, ferner auch von Philosophie und Soziologie.
Erweiterte Definition
Praxisbezogene Definition
In einer engen Definition ist Geld nur das, was gesetzlich als Zahlungsmittel unter Annahmepflicht steht: Dies sind meist bedruckte Papierscheine und Münzen mit Wertangabe, die jeder innerhalb einer Rechtsordnung als Zahlungsmittel akzeptieren muss. Sie werden als Bargeld bezeichnet. Das Bargeld wird nur von der Zentral- bzw. Notenbank herausgegeben.
In einer erweiterten Definition werden auch Sichtguthaben bzw. Sichteinlagen zur Geldmenge gezählt, da sie einen Anspruch auf Bargeld dokumentieren und als direktes Zahlungsmittel (Überweisung, Schecks) ebenfalls Geldfunktion übernehmen. Durch vertragliche Vereinbarungen oder gesetzliche Regelungen kann hier ebenfalls ein Annahmezwang herrschen.
Theoretische Definition
Geld sind Rechtsdokumente mit einerseits wirtschaftlicher, andererseits rechtlicher Bedeutung.
Aus wirtschaftlicher Sicht gesehen sind Geld Belege (Inhaber-Dokumente) über das Recht des Geldinhabers zum Erwerb angebotener wirtschaftlicher Leistungen (Waren, Arbeits- bzw. Dienstleistungen). Dieses Recht ist durch Übergabe des Geldbelegs von einem Geldinhaber zum anderen übertragbar. Durch diese Übertragbarkeit ist Geld ein allgemeines Tausch- und Zahlungs- wie auch Wertaufbewahrungsmittel für zeitlich und räumlich getrennten und in seinem Umfang unterteilbaren Tausch. Das Angebot wirtschaftlicher Leistungen gegen die Hergabe von Geld ist die wirtschaftliche Deckung des Geldes und verschafft ihm Wert, bezeichnet als Kaufkraft. Ohne wirtschaftliche Deckung hat Geld keine Kaufkraft. Dem wirtschaftlichen Erwerbsrecht des Geldinhabers steht keine Verpflichtung eines Anbieters zum Erbringen von Leistungen gegenüber; insofern dokumentiert Geld wirtschaftlich gesehen eine einseitige Rechtsbeziehung.
Rechtlich gesehen sind Geld Belege über das Recht (Guthaben) des Geldinhabers auf die Inbesitznahme (Rückgriff) eines zu diesem Zweck verpfändeten nutzbaren Gutes (Schuld) eines Eigentümers, das dieser bis zum Rückgriff selbst nutzen kann (z. B. Grundpfand, Bürgschaft). Rechtliche Grundlage hierzu ist das Darlehen, geschäftsmäßige Grundlage der Kredit. Die Rückgriffsmöglichkeit auf das verpfändete Gut ist die rechtliche Deckung des Geldes. Sie ist die Sicherheit, wenn Geld durch Kredite geschaffen wird (siehe unten unter Geldschöpfung). (Diese rechtliche Grundlage des Geldes ist beim alltäglichen Umgang mit Geld nicht bewusst.)
Gelddokumente können gegenständlich vorliegen, geprägt als Münzen oder gedruckt als Geldscheine, versehen mit einer Wertangabe, oder schriftlich auf Kontenblättern oder elektronisch gespeichert in Computern oder auf Wertkarten. Die Art des Trägermaterials der Rechtsinformation Geld (Metall, Papier, elektronische Speicherung) ist unwesentlich für die Eigenschaft Geld.
Münzen, Scheinen oder Kontoeinträgen ist nicht anzusehen, ob und in welchem Umfang sie wirtschaftlich oder juristisch gedeckt sind. Geld kann wirtschaftlich durch ein Waren- und Leistungsangebot gedeckt sein, obwohl es keine ausreichende juristische Deckung besitzt. Umgekehrt kann Geld juristisch durch Sicherheiten in Form von verpfändetem Vermögen gedeckt sein, ohne wirtschaftlich gedeckt zu sein.
Die Menge an Geld wird gemessen in Geldeinheiten (Währungseinheiten), die je nach Währung eigene Namen besitzen, z. B. 1 Euro, 1 Franken, 1 Dollar. Eine Geldeinheit ist Rechen- und Vergleichseinheit für wirtschaftliche Werte, die in einer Anzahl Geldeinheiten ausgedrückt werden können (1 Brot kostet zum Beispiel 3.-- Franken). Dadurch ist Geld allgemeiner Wertmaßstab, mit dem die Werte von Lieferungen, Arbeitsleistungen und Sachen üblicherweise miteinander verglichen werden.
Die Übertragbarkeit von Geld kommt zustande durch allgemeine, entweder stillschweigende oder ausdrückliche Übereinkunft der Mitglieder einer Gemeinschaft oder durch gesetzlich verordnete Verpflichtung der Einwohner eines Staatsgebiets zur Annahme der Geldbelege (Münzen, Geldscheine) zum Begleichen von Rechnungen und Schulden. Dadurch wird Geld in seinem Verbreitungsraum (Währungsraum) zu einem anerkannten Zahlungsmittel. Die fortlaufende Übertragung von Geld innerhalb seines Währungsraums wird als Umlauf des Geldes bezeichnet.
Ein Zahlungsmittel dient grundsätzlich dem Begleichen von Schulden und ist somit Schuldentilgungsmittel. Als Zahlungsmittel ist Geld ein Zwischentauschmittel. Es wandelt den einstufigen und aufwändigen direkten Tausch, bei dem Waren oder Dienstleistungen direkt gegeneinander getauscht werden, in einen zweistufigen, einfacheren Tausch von Ware gegen Geld und von Geld gegen Ware um und ermöglicht dadurch ein zeitliches, räumliches und größenmäßiges Auseinanderfallen von Verkauf und Kauf. Während des Überbrückens der Zeit zwischen Verkauf und Kauf ist Geld Wertaufbewahrungsmittel.
Die Übertragbarkeit des Geldes und seine Tauschbarkeit gegen angebotene Güter ist Voraussetzung für die allgemeine Wertschätzung des Geldes. Sie beruht auf der Erwartung seines Besitzers auf den Nutzen der mit Geld zu erwerbenden Güter. Darin liegt auch der Nutzen des Geldes. Weil Geld aus sich selbst heraus keinen wirtschaftlichen Nutzen hat, kann es nicht als Ware bezeichnet werden.
Geld besitzt einen quantitativen und einen qualitiven Wert:
- Quantitativ verschafft Geld seinem Besitzer Kaufkraft. Die Kaufkraft des Geldes liegt im Wert der damit zu erwerbenden nutzbaren Güter. Sie wird gemessen in Geldeinheiten, z. B. in Euro.
- Qualitativ verschafft Geld Zahlungsfähigkeit (Liquidität) und Wahlfreiheit unter den zum Erwerb angebotenen Leistungen wie auch über die Verwendung des Geldes bezüglich Ort und Zeit. Der Vorteil von Zahlungsfähigkeit und Wahlfreiheit zusammen ist die Liquiditätsprämie des Geldes. Sie wird gemessen in Geldeinheiten pro Zeit, z. B. in Euro pro Jahr, beim Kreditzins bekannt als Prozent pro Jahr. Die Liquiditätsprämie ist unter den Bestandteilen von Kreditzinsen der Anteil, der für das Verleihen von Zahlungsfähigkeit und Wahlfreiheit verlangt wird.
Besonderheit des Geldes
Der Nutzwert jedes wirtschaftlichen Gutes ist – gemäß J. M. Keynes – bestimmt durch den mit ihm erzielbaren Ertrag, seine Liquiditätsprämie (Übertragbarkeit und Tauschbarkeit) und seine Durchhaltekosten (Aufwand für Unterhalt, Verwaltung und Sicherheit). Im Vergleich zu allen anderen Wirtschaftsgütern vermittelt Geld keinen wirtschaftlichen Ertrag, besitzt aber die höchste Liquiditätsprämie und verursacht die geringsten Durchhaltekosten. Güter, für welche dieser besondere Umstand zutrifft und welche sich durch bequeme Handhabbarkeit auszeichnen, eignen sich als allgemeines Tauschmittel einer Gesellschaft. Geld ist deshalb das begehrteste Wirtschaftsgut überhaupt. Wegen dieser überragenden Begehrtheit verleiht es seinem Besitzer Überlegenheit und eine problematische Vormachtstellung über einen Nichtgeldbesitzer, die das Geheimnisvolle des Geldes ausmacht. Dies hat immer wieder Zweifel am Geld und Rufe nach Reformen aufkommen lassen (vgl. u. a. P. J. Proudhon, K. Marx, S. Gesell, J. M. Keynes).
Geldfunktionen
Siehe Hauptartikel Geldfunktion
Dem Geld werden gemäß seiner Verwendung i. A. drei Funktionen zugesprochen. Über diese bestimmt sich auch, was als Geld zu definieren ist. Geld sind demnach genau diejenigen Informationsträger, welche die drei Geldfunktionen ausreichend erfüllen (siehe Absatz Arten der Geldmenge).
Zahlungsmittelfunktion
Geld ist Tausch- und Schuldentilgungsmittel. – Damit hat es Zahlungsmittelfunktion. Geld vereinfacht den Tausch von Gütern (Tauschmittel) und die Aufnahme und Tilgung von Schulden (Zahlungsmittel).
Als universelles Tauschmittel muss Geld umlaufen. Die Häufigkeit, mit der eine Geldeinheit für wirtschaftlich wirksame Zahlunge Pohl eingesetzt wird, wird als Umlaufgeschwindigkeit des Geldes bezeichnet. Damit Geld als Tauschmittel gut funktioniert, muss die Umlaufgeschwindigkeit möglichst konstant sein.
Wertaufbewahrungsfunktion
Geld ist Wertaufbewahrungsmittel. – In Geld lässt sich das Versprechen eines Gegenwerts für andere Güter (Waren oder Dienstleistungen) speichern und zu anderer Zeit und an anderem Ort einlösen.
Als Wertaufbewahrungsmittel ruht das Geld und hat nicht die Funktion eines Tauschmittels. Die Funktion der Wertaufbewahrung bewirkt eine Reduktion der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes.
Wertmessfunktion
Geld ist Wertmaßstab. – Geld dient als Vergleichsmaßstab für die Menge von Lohnarbeit, Waren und Dienstleistungen nellen, die damit entlöhnt, bezahlt bzw. erworben werden kann. Die Menge Geld, die jemand besitzt, entspricht dem Anteil am Sozialprodukt, den er erwerben kann, wenn er das Geld ausgibt. Der Wert einer Geldeinheit wird bezeichnet als Kaufkraft des Geldes.
Umgang mit Geld
Ein Geldbesitzer kann sein Geld ...
- ausgeben (Konsum Zahlungsmittel)
- investieren (Geldanlage, Investition)
- umtauschen in eine andere Währung (Umtausch, Wechselkurs)
- verschenken (Schenkung)
- vererben (Erbe)
- behalten, horten (Wertaufbewahrung, Hortung)
- verlieren (Verlust, Geldspiele)
- vernichten (absichtlich oder versehentlich, zum Beispiel nach einer Währungsreform)
Geld erwerben lässt sich durch ...
- Arbeiten (Arbeit, Lohn, Verdienst)
- Verkaufen (Verkauf, Handel)
- Entleihen (Kredit)
- Erben (Erbe)
- Erhalten durch Geschenk (Schenkung)
- Gewinnen (Lotto, Toto, Geldspiele)
- Umtauschen aus anderer Währung (Umtausch, Wechselkurs)
- Finden (Fund)
- Fälschen (Falschgeld)
Gemäß J. M. Keynes lassen sich für das Halten von Geld bei Nichtbanken, auch Geldnachfrage oder Kassenhaltung genannt, drei Gründe unterscheiden:
- Geldhaltung zur Abwicklung von beabsichtigten und erwarteten Zahlungen (Transaktionskasse im engeren Sinne).
- Geldhaltung aus Sicherheitsgründen zur Abwicklung unvorhergesehener Verpflichtungen (Vorsichtskasse, Teil der Transaktionskasse im weiteren Sinne).
- Geldhaltung aus spekulativen Gründen zur Realisierung erwarteter Wertpapier-Kursgewinne bzw. zur Vermeidung erwarteter Wertpapier-Kursverluste (Spekulationskasse).
Die Verteilung des ausgegebenen Geldes in der Gesellschaft spiegelt die Verteilung des Sozialprodukts: Die Menge Geld, die jemand besitzt, entspricht dem Anteil am Sozialprodukt, den er erwerben kann, wenn er das Geld ausgibt.
Missbrauch des Geldes:
- Fälschung von Geld (Falschgeld)
- Geldwäsche
- Geldhortung
Umlauf des Geldes
Als universelles Tauschmittel muss Geld unter den Wirtschaftsteilnehmern seines Währungsraums umlaufen. Die Häufigkeit, mit der die gleiche Geldmenge während eines bestimmten Zeitraums zum Kaufen eingesetzt wird, ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Damit eine Volkswirtschaft störungsfrei funktioniert, muss die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes möglichst konstant sein. Sie ist wesentlich für das allgemeine Preisniveau. Eine Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit wirkt ebenso wie eine Zunahme der Geldmenge steigernd auf das Preisniveau (inflationär), eine Verringerung der Umlaufgeschwindigkeit ebenso wie eine Abnahme der Geldmenge preisniveausenkend (deflationär).
Dabei gelten folgende Formeln:
- Geldmenge mal Umlaufgeschwindigkeit ist gleich Handelsvolumen (umgesetzte Gütermenge) mal Preisniveau. Oder:
- Preisniveau ist gleich Geldmenge mal Umlaufgeschwindigkeit geteilt durch Handelsvolumen (umgesetzte Gütermenge).
Hortung ist das Zurückhalten von Geld über das aus der Vorliebe für das Halten von Geld (Liquiditätsvorliebe) bestimmte Maß hinaus.
Geschichte des Geldes
Entstehung
Vor der Erfindung des Geldes herrschte Tauschhandel, bei welchem direkt Ware gegen Ware getauscht wurden. Geld kam in Gebrauch, um als überall anerkanntes und daher gültiges Tauschmittel den Handel zu vereinfachen, indem Ware gegen Geld und Geld wieder gegen Ware getauscht wird. Der Gebrauch von Geld ist verknüpft mit dem Entstehen des Handels innerhalb einer arbeitsteiligen Wirtschaft. Mit der Arbeitsteilung wächst auch der Umfang des Geldgebrauchs. Eine Selbstversorgungswirtschaft benötigt kein Geld.
Bei der Entstehung von Geld wurden im Wesentlichen zwei Wege beschritten:
Einerseits entstand Geld, indem allgemein geschätzte, in beschränkter, jedoch ausreichender Menge verfügbare und unverderbliche natürliche Gegenstände als allgemeines Tausch- und Zahlungsmittel in Gebrauch kamen (Warengeld). Dies waren entweder Naturgegenstände (Naturalgeld), Schmuckstücke (Schmuckgeld) oder allgemeine Gebrauchs- und Nutzgegenstände wie auch Nutztiere. Diese erste Art von Geld war ursprünglich üblich bei Naturvölkern, die noch kein persönliches Eigentum kannten (zum Beispiel Kaurimuscheln im Süden Asiens und Afrikas bis ins 19. Jahrhundert) oder wird unwillkürlich benützt als Notgeld (zum Beispiel Zigaretten vorübergehend in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg).
Andererseits kam Geld als Belege für Guthaben auf verpfändbares privates oder öffentliches Eigentum in Umlauf. Voraussetzung dafür war das Vorhandensein von Eigentum an bestimmten Gütern, gegen deren Verpfändung das Geld von ihren Eigentümern als Kredit herausgegeben wird. Als verpfändetes Eigentum kam zum Beispiel Landbesitz oder hinterlegtes Münzgeld in Frage. Den Besitzern von Geldbelegen stand auf Verlangen die Herausgabe des verpfändeten Eigentums zu. In dieser Weise kommt Geld durch Verschuldung zustande und ist rechtlich gesehen ein Schuldschein und Schuldentilgungsmittel. Dieses Verfahren wurde bis heute bei Geschäfts- und Zentralbanken beibehalten, indem Geld durch Beleihung verpfändbarer Wertpapiere vertrauenswürdiger Kreditnehmer gegen Zins ausgegeben wird.
Eine dritte, vorübergehend gebrauchte Form der Geldentstehung ist die absichtliche Schaffung von Notgeld. Zum Beispiel haben in Deutschland um 1923 gewisse Städte Notgeld als Ersatz für offizielles Geld herausgegeben.
Während Geld anfänglich über Jahrhunderte an wertvolle physische Tauschmittel wie z. B. Münzen aus Gold gebunden war, bestehen die Gelddokumente heute in der Regel aus fast wertlosem Material (Banknoten aus Papier). Dementsprechend wurden in Europa Gold und Silber als Wertgaranten für das ausgegebene Geld bei den Notenbanken hinterlegt (siehe dazu Goldeinlösegarantie). Seit ab 1971 die Goldeinlösegarantie für Bargeld aufgehoben worden ist, wurde international die Golddeckung mehr und mehr abgebaut.
Kritik an der Annahme der Entstehung des Geldes aus dem Tauschhandel kommt von Vertretern der Debitismus-Theorie, insbesondere von Paul C. Martin. Als Argument wird vorgebracht, das Einführen eines dritten Tauschgegenstands würde den Tausch zunächst noch verkomplizieren. Aus einer einzigen Transaktion würden zwei. Entscheidend sei vielmehr die Funktion des Geldes, die Zeit zwischen dem Bedarf an Ware A und der Produktion von Ware B zu überbrücken. Daraus ergebe sich, dass Geld von vornherein keine Ware und kein Tauschgegenstand gewesen sei, sondern Zeichen für ein Schuldverhältnis.
Natural- oder Warengeld
Natural- oder Warengeld war früher weit verbreitet und in allen Kulturen und Epochen vorzufinden. Es waren wertvolle nützliche oder schöne Dinge. Zum Beispiel Steingeld in Mikronesien, Ring- und Schmuckgeld in Neu-Guinea und im Süd-Pazifik, Muschelgeld in Afrika und China, Kleidergeld (z. B. Pelze) in Nordamerika und Metallgeld in allen Regionen. Weiter dazu zählen Rinder, Kamele, Ziegen, Felle, Dolche, Spaten, Schmuckringe, besondere Steine, Salz und vieles mehr. Zum Warengeld gehörten auch Muscheln, insbesondere Kauri-Muscheln, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts noch in Afrika, Südasien und auf den Südseeinseln noch weit verbreitet in Gebrauch waren. In Tibet wurde noch bis zum Einmarsch der Chinesen im Jahr 1950 vielfach mit Gerste oder Weizen bezahlt.
Mit der Entdeckung, dass manche dieser Dinge immer wieder weitergegeben, aber nicht mehr als Nutzgüter gebraucht wurden, wurden kleine und wesentlich weniger wertvolle Nachbildungen dieser Gegenstände als Zahlungsmittel verwendet. So kam es beispielsweise zu Messergeld, Spatengeld und Ähnlichem.
Das erste Falschgeld waren aus Knochen, Gestein oder Jade nachgeahmte Muscheln, als diese etwa 2000 v. Chr. das erste chinesische Zahlungsmittel waren.
Dies sind Formen prämonetären Zahlungsverkehrs. Aspekte der Zählbarkeit, der Lagerfähigkeit und der leichten Transportierbarkeit spielten bereits früh eine Rolle bei der Wahl des Materials, auch im Hinblick auf die Möglichkeit, Werte aufzubewahren. Diesem Bedürfnis entsprachen z. B. Barren und Drähte aus Bronze oder Silber, die sehr werthaltig und leicht aufzubewahren waren.
Die nachfolgenden Geldarten Münze, Banknote, Buchgeld und Wertkarte sind wie Generationen des Geldes auseinander hervorgegangen.
Münzgeld
Siehe auch Geschichte des Münzgeldes.
Münzen erleichterten den Handel wesentlich. Sie hatten den Vorteil, immer gleiche Größe, gleiches Gewicht und gleiches Aussehen zu besitzen und statt gewogen abgezählt werden zu können.
Papiergeld
Siehe auch Geschichte der Banknote.
Papiergeld entstand als Stellvertreter für Münzgeld. Es war ursprünglich nicht als Ergänzung zu Münzen gedacht, sondern als deren Ersatz bei Mangel an Münzen. Papiergeld waren Wertpapiere mit der Aufforderung an ihren Herausgeber, dem Inhaber auf Verlangen den Gegenwert in Münzen auszuzahlen.
Das erste europäische Papiergeld wurde 1483 in Spanien als Ersatz für fehlendes Münzgeld ausgegeben. Dazu dienten Papierzettel mit Wertangabe und Siegel, deren Annahme als Zahlungsmittel für jedermann zwingend vorgeschrieben war.
Das Vertrauen in Papiergeld beruhte ursprünglich darauf, dass es von jedermann jederzeit in Münzgeld umgetauscht werden kann. Dieses Vertrauen war durch ausreichende Bestände an Münzgeld in den Schatzkammern des Herausgebers begründet. Durch die verordnete Annahmepflicht wurde Papiergeld neben dem Münzgeld zum Zahlungsmittel.
Später haben Banken Münzgeld gegen Quittung in Verwahrung genommen, um den Besitzern Transport und Bewachung des Geldes zu erleichtern. Die Quittungen wurden als Zahlungsmittel verwendet. Sie gaben ihren Inhabern das Recht, von einer dazu verpflichteten Bank jederzeit die Hergabe der entsprechenden Menge Münzgeld zu verlangen. Die Quittungen hießen Banknoten, die entsprechenden Banken Notenbanken. Daraus entwickelte sich die Erfordernis der Notenbanken, die von ihnen ausgegebenen Banknoten durch Bestände zunächst an Münzen, später an Edelmetallen (Gold, Silber) abzusichern, zu decken (Deckungspflicht). Mit der Zeit überstieg die Menge an Papiergeld die Menge an Münzen und Edelmetallen deutlich. Heute müssen Banknoten in vielen Ländern nicht mehr durch Goldbestände der Notenbanken gedeckt sein (Aufhebung der Golddeckungspflicht).
Etwa seit Ende des 19. Jahrhunderts gingen die Staaten dazu über, das Recht zur Ausgabe von Banknoten den verschiedenen Notenbanken ihres Landes zu entziehen und einer zentralen Notenbank, der Zentralbank des Landes, zu übertragen. Diese versorgt ihrerseits die Geschäftsbanken über Kredite mit Banknoten.
Mit der Errichtung von Zentralbanken war oft auch eine Zentralisierung des Geldwesens und die Schaffung einer einheitlichen Währung verbunden. Bis dahin hatten die einzelnen Notenbanken vielfach ihre eigenen Währungen ausgegeben. Dazu zwei Beispiele: 1907 wurde die Schweizerische Nationalbank errichtet und der Franken als neue Währung eingeführt anstelle von mehreren kantonalen Notenbanken mit eigenen regionalen Währungen. Und 1998 wurde die Errichtung der Europäischen Zentralbank und die Schaffung des Euros als neue europäische Währung vollzogen anstelle der Zentralbanken der einzelnen Länder und der Landeswährungen.
Da Papiergeld ohne große Kosten hergestellt werden kann und es oft weder durch vorhandenes Vermögen noch durch genügend erwerbbare Güter gedeckt ist, kann es problemlos im Übermaß ausgegeben werden. Dies führt immer zu Teuerung und Kaufkraftverlust des Geldes (Inflation). Aus der Verbindung von Papiergeld mit Krieg und Inflation war bis ins 20. Jahrhundert hinein das Papiergeld als wertloses Geld empfunden und mit Misstrauen betrachtet worden.
Buchgeld
Der nächste Entwicklungsschritt war die Entstehung von Buchgeld oder Giralgeld auf persönlichen Konten bei Banken. Die Kontenbestände sind so genannte Sichtguthaben – sie müssen auf Sicht, d. h. jederzeit und sofort auf Verlangen des Kontoinhabers von den Banken in Bargeld ausbezahlt werden. In den ersten Jahrzehnten seiner Verwendung wurden diese Bestände schriftlich in Kontenbüchern geführt – daher der Name "Buchgeld". Heute geschieht dies elektronisch als Elektronisches Geld (E-Geld) in Computern. Buchgeld und elektronisches Geld sind Grundlage des bargeldlosen Zahlungsverkehrs.
Sichtguthaben auf Bankkonten entstehen sowohl durch Einzahlungen von Bargeld in Form von Münzen und Banknoten bei der kontoführenden Bank wie auch durch bargeldlose Überweisungen von anderen Konten oder durch Erteilen von Krediten der Bank. Von den Sichtguthaben können die Kontoinhaber Zahlungen per Überweisungen auf Konten von Kunden der gleichen oder anderer Banken vornehmen lassen oder darauf Schecks ausstellen oder sich Bargeld auszahlen lassen.
Durch die Möglichkeit der Überweisung von Konto zu Konto sind Sichtguthaben zusätzlich zum Bargeld Zahlungsmittel geworden. Sie sind damit Geld und zählen deshalb auch statistisch zur zahlungsfähigen Geldmenge, bezeichnet als M1, welche Bargeld und Sichtguthaben umfasst. Buchgeld ist jedoch – im Gegensatz zu Bargeld – kein gesetzliches Zahlungsmittel und unterliegt keiner allgemeinen Annahmepflicht, weil seine Annahmemöglichkeit auf die Inhaber von Sichtguthabenkonten beschränkt ist. Diese erklären sich jedoch zur Annahme von Buchgeld durch die Eröffnung eines entsprechenden Kontos bereit.
Wertkarten
Der bisher letzte Schritt in der Geldentwicklung sind die Wertkarten mit elektronischer Wertspeicherung. Auf ihnen sind Geldbeträge mit besonderen Geräten speicherbar und davon abbuchbar.
Damit vollzog sich der Schritt vom papiergebundenen zum papierlosen elektronischen Bank- und Zahlungsverkehr. (Kreditkarten sind keine Wertkarten, weil sie keinen Geldbetrag aufgespeichert haben können und nur als Ausweise für den Zugriff auf Konten dienen.)
Probleme mit Metallgeld
Bis in das 18. Jahrhundert hinein waren die Währungen Europas über ihren Edelmetallgehalt in ihrem Wert definiert. Die nationalen Münzstätten überwachten neben der eigenen Produktion die ausländischen Prägungen. Überbewertungen einer Währung traten auf, wenn Münzen international über oder unter ihrem Metallwert gegeneinander verrechnet wurden. Immense Probleme im praktischen Umgang mit Münzen bereitete der mutwillige Abschliff, bei dem der Münze Metall abgefeilt wurde. Hier mussten sorgfältigere Prägungen Einhalt gebieten, Prägungen, bei denen man an der Integrität der Ränder sah, wenn Metall entfernt wurde.
Noch größere Probleme bereitete die Fluktuation der Edelmetallwerte untereinander. Umfassten Währungen Gold-, Silber- und Kupfermünzen, so ließ sich ihr Wert gegeneinander nicht stabil halten. Silber floss aus Spanien und England ab, da spanische und englische Händler Goldmünzen geringfügig größeren Wert beimaßen als ihre internationalen Handelspartner – ein Problem, das sich im internationalen Handel ausweitete: In Asien sah man keinen Grund für die hohe Wertschätzung des Goldes in Europa. So floss Silber gegen Gold nach Asien ab.
Die Lösung des Problems wurde im frühen 18. Jahrhundert in England die grundsätzlich goldbasierte Währung, bei der die Bank of England versicherte, den jeweiligen Marktwert Goldes dem Besitzer einer jeweiligen englische Münze jederzeit auszuzahlen (siehe Goldeinlösegarantie). Die Probleme dieser Umstellung waren absehbar: Wie war gewährleistet, dass die Bank nicht mehr Münzen ausgab, als sie durch Goldbesitz deckte? Hier kam es in den 1730ern Jahren zu einer Vertrauenskrise, in der die Bank of England nur durch die Bereitschaft des Londoner Großhandels gerettet wurde, der die Garantie übernahm. Auf der anderen Seite entfiel nun jeder Anreiz zur Münzmanipulation und jede Wertverschiebung zwischen landesinternen Münzsorten, wie man sie zwischen goldbasierten Guineas und silberbasierten Kronen im Lauf des 17. Jahrhunderts mitsamt einem unkontrollierten Abfluss von Silbergeld erfahren hatte.
Noch weit ins 19. Jahrhundert hinein waren einige Währungen – wie z.B. der US-Dollar – goldgedeckt. Sogar manche Banken wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel konstituieren sich über Aktien, die in Goldfranken definiert sind. Es ist also auch heute nicht selbstverständlich geworden, die Golddeckung aufzugeben.
Das Greshamsche Gesetz beschreibt, welche Geldarten bei Konkurrenz untereinander bevorzugt werden. Danach vertreibt das Geld mit dem geringeren Materialwert dasjenige mit dem höheren vom Markt. (Beispiel: Man behält die Goldmünzen, wenn man mit Kupfermünzen bezahlen kann.)
Arten der Geldmenge
Siehe Hauptartikel Geldmenge
Wie bereits erwähnt, ist der Begriff "Geld" nicht an einen bestimmten Träger gebunden. Vielmehr wird jeder Träger als Geld definiert, der die drei Geldfunktionen erfüllt. Da unterschiedliche Träger die Funktionen in unterschiedlichem Grad erfüllen, ist eine eindeutige Abgrenzung von Geld und Nicht-Geld kaum möglich. Aus diesem Grund definieren die Zentralbanken den Begriff Geld in mehrfacher Weise. Hierzu werden verschiedene Geldmengen unterschieden, je nach Erfüllung der Geldfunktionen:
Die Geldmenge M0 ist das von der Zentralbank geschaffene Geld und besteht aus den Giroguthaben der Banken bei der Zentralbank und dem in Umlauf befindlichen Bargeld (Münzen und Banknoten). Sie unterliegt dem direkten Einfluss der Zentralbank.
Geldmenge M1 umfasst die Gelder, die jederzeit als Zahlungsmittel eingesetzt werden können, also Bargeld und Sichteinlagen.
Geldmenge M2 umfasst – nach einer möglichen Definition – zusätzlich zu M1 die innerhalb einer Obergrenze wandelbaren Spareinlagen.
Geldmenge M3 umfasst zusätzlich zu M2 Termingelder.
Heutige Geldschöpfung
Prozess der Geldschöpfung
Siehe auch Hauptartikel Geldschöpfung
Die Ausgabe von Geld an die Bevölkerung eines Währungsraums wird Geldschöpfung genannt. Auf einer theoretischen Ebene kann man zwei unterschiedliche Arten von Geld unterscheiden. Zum einen das Zentralbankgeld, das von der Zentralbank geschaffen oder vernichtet wird; hierzu zählt auch das Bargeld. Zum anderen das Geschäftsbankengeld, das durch die privaten Geldinstitute entsteht oder verschwindet, wobei es sich genau genommen nur um Geldforderungen handelt.
Geld kann durch das Zusammenspiel von Zentralbank, Geschäftsbanken, Unternehmen, privaten Haushalten und öffentlicher Hand geschaffen werden. Der häufigste Weg der Geldschöpfung basiert auf der Gewährung von Krediten. Bargeld (Münzen, Banknoten) kann nur von der Zentralbank geschaffen werden, Buchgeld auf Sichtguthabenkonten (Giralgeld) sowohl von der Zentralbank wie auch von den Geschäftsbanken.
Die Geschäftsbanken können Geld auf Sichtguthabenkonten schöpfen, indem sie ihren Kunden gegen die Verpfändung von Sicherheiten (Hypotheken auf Grundstücke, Wertpapiere) Kredite gewähren. Nach Gewährung des Kredits kann der Kreditnehmer von einem Konto bei seiner Bank aus (Girokonto in Deutschland, Kontokorrentkonto in der Schweiz) über ein Guthaben bis zur Höhe des gewährten Kredits verfügen und davon Zahlungen per Überweisungen an andere Kunden der gleichen oder anderer Banken vornehmen lassen oder darauf Schecks ausstellen oder sich Bargeld auszahlen lassen. Durch diesen Vorgang wird Geld geschaffen. Auf der einen Seite wird Geld in Umlauf gebracht, auf der anderen Seite entsteht eine Forderung der Bank gegen den Kreditnehmer (Schuldtitel) als Position in der Bilanz der Bank. Umgekehrt wird Geld in Form von Sichtguthaben vernichtet, wenn ein Kredit an die Bank zurückgezahlt und der Schuldtitel aufgelöst wird.
Die Kreditvergabe einer Geschäftsbank muss durch Eigenkapital der Bank und Einlagen ihrer Kunden genügend abgesichert, gedeckt sein. Wenn das Eigenkapital der Bank und die Einlagen der Kunden nicht ausreichen, um die Kreditvergabe in dem gewünschten Umfang durchzuführen, hat sie die Möglichkeit, sich Zentralbankgeld bei der Zentralbank zu leihen; man spricht hier von Refinanzierung.
Da das neu geschaffene Geld wieder als Basis für weitere Geldschöpfung dienen kann, gibt es theoretisch keine obere Grenze für die Menge des von den Banken geschaffenen Geldes. Um die Geldschöpfung der Geschäftsbanken in Grenzen zu halten, gibt es neben Bilanzvorschriften für die Banken (keine Überschuldung, minimale Eigenkapitaldeckung der Bank) je nach Land die Verpflichtung, bei der Zentralbank eine Mindestreserve an Zentralbankguthaben zu halten, die einen bestimmten Prozentsatz der bei ihnen liegenden Sichtguthaben ihrer Kunden ausmacht (z. B. 1,5%). Eine weitere Grenze ist systemimmanent gegeben, da letztlich nicht Banken, sondern die Gesellschaft das Geld schöpft. Finden die Banken keine zusätzlichen Kreditnehmer, so können sie auch kein Geld schöpfen (im Sinne von Gesamtgeldmenge erhöhen).
Das vom Bankenpublikum bei den Geschäftsbanken angeforderte Bargeld wird von der Zentralbank in Form von Münzen und Geldscheinen abgegeben, welche die Geschäftsbanken bei der Zentralbank zu Lasten ihrer Guthaben an Zentralbankgeld beziehen können.
Jedes über Kredite ausgegebene Geld zieht zwangsläufig das Zahlen von Zinsen nach sich. Geld ist darum stets an Zinsen gebunden, und das Zahlen von Zinsen an die herausgebenden Banken ist Voraussetzung für das Vorhandensein von Geld.
Volkswirtschaftlich gesehen wird Geld nur geschaffen, wenn die Gesamtkreditaufnahme der Gesellschaft (Staat, Wirtschaft und Haushalte zusammen) größer ist als die Gesamtkredittilgung, wenn also eine positive Nettogesamtkreditaufnahme stattgefunden hat.
Geldmarkt
Siehe Hauptartikel Geldmarkt
Für die leihweise Übereignung von Geld besteht genauso wie für Waren und Dienstleistungen ein Markt mit Angebot und Nachfrage. Die privaten Haushalte und Unternehmen fragen Geld als Kreditnehmer nach und bieten es gleichzeitig als Sparer an. Das Bankensystem dient als Vermittler zwischen den beiden Gruppen und macht den Markt hierdurch effizienter, da sich Sparer und Kreditnehmer nicht mehr einzeln finden müssen. Diesen Dienst lassen sich die Banken mit der Differenz zwischen Guthaben- und Kreditzinsen entlohnen. Der Zins, der sich an diesem Markt herausbildet ist von Angebot und Nachfrage bestimmt und stellt im Prinzip den Preis der leihweisen Uebereignung des Geldes dar. Wollen viele Teilnehmer bei einem geringen Geldangebot welches leihen, so steigt der Zins und der Anreiz für andere steigt, ebenfalls Geld auf dem Markt anzubieten. Umgekehrt sinkt der Zins bei geringer Nachfrage und großem Angebot.
Ein Kreditnehmer erhält Geld mit der Verpflichtung, den geliehenen Betrag plus Zinsen später zurückzuzahlen. Da Geld-Leihen also etwas kostet, sind Kreditnehmer bestrebt, ihr geliehenes Geld ertragbringend zu nutzen (das heißt: sofort für Investitionen oder auch Konsum auszugeben).
Die Zentralbank nimmt auf den Geldmarkt Einfluss, indem sie
entweder aktiv das Geldangebot im Rahmen einer so genannten Offenmarktpolitik beeinflusst oder über den Zinssatz für Zentralbankgeld indirekt auf Angebot und Nachfrage einwirkt. Bei der Offenmarktpolitik kauft die Zentralbank Wertpapiere und bezahlt diese mit Zentralbankgeld. Dem System wird so Geld hinzugefügt. Umgekehrt kann sie auch Wertpapiere verkaufen und dem System hierdurch Geld entziehen.
Der Zinssatz für Zentralbankgeld bzw. für Einlagen bei der Zentralbank beeinflusst den Geldmarkt indirekt, weil er Anreize für die Geschäftsbanken schafft, Kredite zu gewähren oder Einlagen bei der Zentralbank zu schaffen.
Fiat Money
Siehe Hauptartikel Fiat Money
Fiat Money, ein Geld aus dem Nichts, ist Geld, dessen juristische Deckung durch reale Vermögenswerte entweder nicht vollständig ist oder fehlt.
Die Bezeichnung fiat money (Es werde Geld) ist abgeleitet vom lateinischen fiat lux (Es werde Licht) aus der Schöpfungsgeschichte der Bibel (1. Mose 1).
Diese Art der Geldschöpfung kann vom Herausgeber, in der Regel der Zentralbank, bei Bedarf angewendet werden.
Das Geld aus dem Nichts ist keine besondere Geldart und von niemandem als solches erkennbar, da man Münzen, Scheinen oder Kontoeinträgen nicht ansehen kann, ob und in welchem Umfang sie juristisch gedeckt sind. Wesentlich bei Fiat money ist die juristische Deckung, nicht die wirtschaftliche (siehe oben Theoretische Definition). Fiat money kann durch ein Waren- und Leistungsangebot wirtschaftlich gedeckt sein, obwohl es keine juristische Deckung besitzt.
Praktisch alle Währungen sind heutzutage nicht oder nicht ausreichend gedeckt und damit, zumindest teilweise, Fiat Money.
Die Möglichkeit zur Schaffung von Fiat Money existiert nur so lange, wie die privaten Marktteilnehmer (Haushalte, Banken und andere Unternehmen) dem auf diese Weise emittierten Geld einen Wert beimessen.
Geldpolitik
Für detailliertere Informationen siehe Hauptartikel Geldpolitik
Zentralbanken verfolgen im Allgemeinen ein konkretes und festes Ziel bei der Geldmengensteuerung. Dieses Ziel ist häufig die Preisstabilität, d. h. die Bekämpfung der Inflation. Um die Inflationsrate auf ein volkswirtschaftlich sinnvolles Maß zu begrenzen, versucht die Zentralbank die Geldmenge im Gleichschritt mit der zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu halten. Die Quantitätstheorie stellt einen direkten Zusammenhang zwischen Wachstum von Geldmenge und Preisniveau her.
In Zeiten geringer Inflationsraten kann die Zentralbank auch versuchen, Sekundärziele zu verfolgen, wie zum Beispiel die Steigerung des gesamtwirtschaftlichen Wachstums.
Inflation
Für detailliertere Informationen siehe Hauptartikel Inflation
Wenn die Geldmenge übermäßig wächst oder bei konstanter Geldmenge die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zunimmt, kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen dem verfügbaren Geld und den Gütern, die mit dem Geld bezahlt werden könnten. Dieses Ungleichgewicht führt zu einem Anstieg des allgemeinen Preisniveaus, das man als Inflation bezeichnet. Da sich der wirtschaftliche Wert des Geldes aus den Gütern ergibt, die damit erworben werden können, kann die Ausgabe zusätzlichen Geldes den Gesamtwert des in einer Volkswirtschaft umlaufenden Geldes nicht erhöhen, sondern führt zu Inflation.
Eine Zunahme der Geldmenge kann z. B. durch die (Zins-)Politik der Zentralbank (vgl. Hyperinflation nach dem ersten Weltkrieg in Deutschland) oder eine plötzliche Erhöhung der Staatsverschuldung unter Zunahme der Geldmenge durch Zentralbankkredite an den Staat entstehen. Denkbar sind auch plötzlich veränderte Erwartungen der Verbraucher, die zu einem Abnehmen der Sparguthaben führen.
Deflation
Für detailliertere Informationen siehe Hauptartikel Deflation
Wenn die Geldmenge sinkt oder bei gleicher Geldmenge die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zurückgeht, kann es zu einer Periode nachhaltig fallender Preise kommen, die als Deflation bezeichnet wird. Ein Rückgang der Geldmenge kann auch hier durch Maßnahmen der Zentralbank ausgelöst werden (Zinspolitik). Die Umlaufgeschwindigkeit kann sinken, wenn die privaten Haushalte und Unternehmen zurückhaltender werden bezüglich Konsum und Investitionen und Geld eher sparen als ausgeben.
Rechtliches zum Geld
Die vielfach gehörte Aussage, die Zerstörung von Geld sei strafbar, ist falsch. Hier gilt Paragraph 903 des Bürgerlichen Gesetzbuches, wonach der Eigentümer mit seinen Sachen grundsätzlich nach Belieben verfahren darf. Allerdings leistet die Bundesbank für vollkommen zerstörte Geldscheine keinen Ersatz.
Volkstümliche Bezeichnungen des Geldes
Auf Grund der Bedeutung des Geldes und der weiten Verbreitung gibt es zahlreiche Bezeichnungen und Redewendungen für Geld. Einige davon sind:
- Kohle (Kohle wurde nach dem 2. Weltkrieg als Zahlungsmittel verwendet)
- Mammon (vom aramäischen oder arabischen aman = das, worauf man vertraut)
- Moneten (von Moneta; vgl. engl. money)
- Masade (russisch Geld)
- Penunzen (über polnisch pieniądz von lat. Pecunia)
- Zaster (stammt aus dem Rotwelschen und leitet sich von dem Wort "saster" für Eisen ab.)
- Stutz (schweizerisch für Franken)
- Papiergeld: Riesen (Tausender), Blauer/Hunni (Hunderter [zu DM-Zeiten]), Fuffi (Fünfziger), Zwanni (Zwanziger), Scheine, Lappen
- Münzgeld: Heiermann (Fünfmarkstück), Groschen (10 Pf.), Zwickel (Zweimarkstück, Zweieurostück), Fünfliber (Fünffrankenstück in der Schweiz)
- Weitere: Asche, Bimbes, Eier, Fett, Kies (geht auf das Jiddischen Wort kis (= Geldbeutel) zurück. siehe:Liste_deutscher_W%C3%B6rter_aus_dem_Hebr%C3%A4ischen), Kikerlinge, Klötze, Knaster, Knete, Koks, Kröten, Mäuse, Mücken, Moos, Ocken, Öcken, Obulus, Piepen, Pimperlinge, Pinke, Pinkepinke, Pulver, Schabangas, Schnee, Schotter, Sickel, Steine, Taler, Diridari
- geringer Betrag: Peanuts
- Für Falschgeld: Blüte, „falscher Fuffziger“ (in der Regel für unehrliche Personen)
Geld in anderen Wissenschaften
Selbst primitivste Volkswirtschaften kennen Geld. Doch tritt immer wieder - besonders in neuerer Zeit - ein Unbehagen über das Geld und ein damit verbundenes Gefühl von Ungerechtigkeit zutage. Es gab deshalb viele Entwürfe utopischer Gesellschaften, die ohne Geld auszukommen versuchten. Sie alle waren aber mit einer Arbeitspflicht verbunden, die die Freiheit des Einzelnen einschränkte. Solche Entwürfe stammen etwa von Robert Owen, Francois Babeuf oder Pierre Joseph Proudhon.
Tatsächlich gab und gibt es Volkswirtschaften, die ohne Geld auskommen. Solche Wirtschaftsformen sind als Naturalwirtschaft oder Subsistenzwirtschaft bekannt. In diesen herrscht entweder eine Verteilwirtschaft (in Stammeskulturen wird die Ernte gemeinschaftlich eingebracht und nach bestimmten Regeln an die Stammesmitglieder verteilt), oder es herrscht weitgehende Selbstversorgung, bei welcher kaum Handel und dann nur Tauschhandel getrieben wird.
Ohne Geld auszukommen versuchte auch das kommunistisch gewordene Sowjetrussland nach dem Ersten Weltkrieg. Dies führte zu einigen Millionen Toten, weil die Versorgung im Land zusammenbrach. Danach ging das Regime wieder zum Geldgebrauch zurück.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam Silvio Gesell den Ursachen des Problems um das Geld auf die Spur und machte Vorschläge, um dem Problem durch eine grundlegende Geldreform abzuhelfen, ohne aber das Geld abzuschaffen (siehe Freiwirtschaftslehre). Diese Vorschläge wurden verschiedentlich in kleinen örtlichen Aktionen umgesetzt, zeitlich begrenzt, so dass sie ihre Wirksamkeit nur teilweise erweisen konnten (siehe zum Beispiel Wörgler Geldexperiment). In neuerer Zeit sind diese Vorschläge in Regionalgeldprojekten wieder aufgegriffen worden.
Etliche Klassiker (so Georg Simmel und Alfred Sohn-Rethel) haben bedeutende Beiträge vorgelegt. Beachtenswert ist die wissenssoziologische Analyse Sohn-Rethels, dass die abstrakte Wertform, die das Geld seit seiner Einführung als Münzgeld im Lydien des 7. vorchristlichen Jahrhunderts verkörperte, auch denkerischen Abstraktionen in anderen Bereichen (so in der frühen ionischen Naturphilosophie) angebahnt habe.
In Mythen und Märchen spielt auch das Geld eine Rolle. Die antike Sage, dass der kleinasiatische König Midas sich von den Göttern gewünscht habe, alles, was er berühre, solle zu Gold werden, und der deshalb zu verhungern und zu verdursten drohte, ist wahrscheinlich ein Echo der Tatsache, dass Münzgeld historisch zuerst in Lydien geprägt worden ist.
In Träumen und Märchen kann Geld die Bedeutung von Reichtum und Macht wie auch von Lebensenergie haben, aber auch die des moralisch Schmutzigen.
Siehe auch
- Darlehnskassenschein
- Demurrage (Finanzwesen)
- Deutsches Geld
- Elektronisches Geld
- Falschgeld
- Freigeld
- Geldanlage
- Geldkreislauf
- Geldmarkt
- Geldumlaufgeschwindigkeit
- Hedgegeschäft
- Kaufkraft
- Kredit
- Spardose
- Währung
- Wechsel
- Zahlung
- Zins
Literatur
- Karl Marx: Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, Berlin (DDR): Dietz 1953 oder Marx-Engels-Werke Bd. 42
- Alfred Sohn-Rethel: Das Geld, die bare Münze des Apriori, Berlin: Wagenbach, 1990, ISBN 3-8031-5127-9
- Friedrich August von Hayek: Entnationalisierung des Geldes', J.C.B.Mohr, ISBN 3-16340-272-0
- Gunnar Heinsohn, Otto Steiger: Eigentum, Zins, Geld – Ungelöste Rätsel der Wirtschaftswissenschaft, ISBN 3895183040
- Stephen Zarlenga: Der Mythos vom Geld – Die Geschichte der Macht. Zürich: Conzett, ISBN 3-905267-00-4
- Ottmar Issing: Einführung in die Geldtheorie, Verlag Vahlen, ISBN 3-8006-2993-3
- Wolfgang Weimer: Geschichte des Geldes, Suhrkamp Taschenbuchverlag
- Karl Walker: Das Geld in der Geschichte. Band 1 und 2 [http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/walker.htm]
- Egon W. Kreutzer: Wolf´s wahnwitzige Wirtschaftslehre – Band III - Über das Geld, EWK-Verlag, ISBN 3-938175-16-8
- Bernhard Felderer, Stefan Homburg: Makroökonomik und neue Makroökonomik, 7. Auflage, 1999, Springer Verlag , ISBN 3-540-66128-x
- Oliver Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie, 3.Auflage, 2003, Pearson Studium, ISBN 3-8273-7051-5
- Peter Koenig: 30 dreiste Lügen über Geld, Conzett Verlag bei Oesch, Zürich 2004
- Zu den Fragen einer metallbasierten Währung und zum internationalen Fluss von Gold und Silber [http://www.pierre-marteau.com/currency/ed/newton-intro.html siehe Isaac Newtons Berichte als Aufseher der Königlichen Münze in London]
- Zu den Umrechungsverhältnissen der metallbasierten Währungen siehe [http://www.pierre-marteau.com/currency/converter.html The Marteau Early 18th-Century Currency Converter]
Weblinks
- Katja Girschik: [http://socio.ch/sim/t_girschik.htm Geld als Determinante der Moderne in Georgs Simmels „Philosophie des Geldes“]
- Georg Simmel: [http://www.textlog.de/simmel_geld.html Philosophie des Geldes]
- Deutsche Bundesbank: [http://www.bundesbank.de/bildung/bildung_sekundarstufe2.php Schülerheft für die Sekundarstufe II „Geld und Geldpolitik“]
- [http://www.bundesbank.de/geldmuseum/ Geldmuseum der Deutschen Bundesbank]
- [http://www.oenb.at/de/ueber_die_oenb/geldmuseum/geldmuseum.jsp Geldmuseum der Osterreichischen Nationalbank]
- [http://www.moneymuseum.com/ MoneyMuseum in Zürich]
- [http://aes.iupui.edu/rwise/notedir/mappage.html World Paper Money] alles Geld der Welt zum Anschauen
- [http://www.mnr.ch/files/verlag/18786.pdf „Die Geldfalle der Endzeit“] (Wilfred Hahn über den Mammon Geld aus christlicher Sicht)
- Dr. Matthias Schlicht: [http://www.heim2.tu-clausthal.de/~kermit/wte/geld_und_ethik.html Geld und Ethik:] Vortrag im Rahmen der Reihe Wissenschaft, Technik und Ethik an der TU Clausthal
- Egon W. Kreutzer: [http://home.knuut.de/EWKberater/Geld/Sammlung%20Geld.html Grundlagen und weiterführende Texte zum Geld]
- Federal Reserve Bank of Chicago: [http://landru.i-link-2.net/monques/mmm2.html Modern Money Mechanics - A Workbook on Bank Reserves and Deposit Expansion]
- Oesterreichische Nationalbank: [http://www.oenb.at/de/ueber_die_oenb/geldmuseum/allg_geldgeschichte/allgemeine_geldgeschichte.jsp Allgemeine Geldgeschichte]
- Richard Weinrich: [http://www.richard-weinrich.privat.t-online.de/ Vexierbild Geld]
- Prof. Dr. Fritz Helmedag: [http://archiv.tu-chemnitz.de/pub/2004/0171/data/1995b_Geldfunktion.pdf Geldfunktionen]
!Geld
ja:貨幣
ko:돈
simple:Money
InsiderwissenÜber Insiderwissen verfügt eine Person, die innerhalb eines für andere nicht oder schwer zugänglichen Bereichs agiert und dort detaillierte Kenntnisse und Erfahrungen erlangt, die Außenstehende nicht haben. Sie hat möglicherweise auch auf anderem Wege von einer Insiderinformation erfahren.
Der Bereich kann ein kaufmännisches, wissenschaftliches oder technisches Fachgebiet sein, eine Interessengemeinschaft, ein Hobby, aber auch ein bestimmter Bereich oder ein Tätigkeitsfeld in der Wirtschaft, Politik, Kultur, Kunst, im Sport oder sogar im kriminellen Bereich (Rauschgiftszene, Rotlichtmilieu).
Die Verwertung von Insiderwissen zur eigenen Vermögensmehrung im Rahmen von Insidergeschäften an der Börse ist nach dem deutschen Wertpapierhandelsgesetz mit Strafe bedroht. Insidern im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes ist es ferner untersagt, dritten Personen Insidertatsachen mitzuteilen oder zugänglich zu machen oder Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen auszusprechen.
Siehe auch: Insider, Insidertatsache
Kategorie:Wertpapiere und Börse
SpionDer Ausdruck Spion bezeichnet:
- eine Person oder Software, die im Geheimen Informationen beschafft, siehe Agent
- ein zu Sicherheitszwecken in Türen eingebautes Weitwinkelobjektiv, siehe Türspion
- im weitesten Sinn auch andere optische Vorrichtungen (z.B. Spiegel) die ein unbemerktes Beobachten ermöglichen
Kategorie:nachrichtendienstlicher Begriff
IdealismusDer Begriff Idealismus (abgeleitet von Idee) bezeichnet:
- in der Philosophie eine monistische Anschauung, die die Welt und das Sein als Idee, Geist, Vernunft oder Bewusstsein und die Materie nur als deren Erscheinungsform versteht (und hiervon abgeleitet), siehe: Idealismus (Philosophie)
- ein (mit Selbstaufopferung verbundenes, altruistisches) Streben nach Verwirklichung von Idealen; eine durch Ideale (oder Utopien) bestimmte Weltanschauung bzw. Lebenseinstellung - im Gegensatz zu Egoismus bzw. Pragmatismus.
- in der Kunst eine religiös-überirdische Erhöhung der Wirklichkeit ("Statuierung einer Sphäre jenseits der Widersprüche") - z. B. Darstellung der Leiden Christi -> Erhöhung der Wirklichkeit
- in der Literatur Klassik und Romantik, teilweise Humanismus (->Menschenrechte)
- Idealistisches Verhalten
ja:観念論
ko:관념론
Wert
Unter dem Wert einer Sache, einer Dienstleistung oder einer Information versteht man die Bedeutung oder Wichtigkeit oder den Nutzen, welche(r) der Sache, Dienstleistung oder der Information für einen Betrachter oder Besitzer anhaftet.
Meistens wird der Begriff im Sinne einer menschlichen Bewertung gebraucht, und ist nicht so allgemein gehalten, wie der Begriff Bedeutung.
Objektiv - Subjektiv
Zu unterscheiden ist vor allem zwischen einem subjektivem und objektivem Wert. Subjektive Werte sind nicht messbar, sie unterliegen dem menschlichen Gefühl, Geschmack, der menschlichen Psychologie. Welchen Wert man etwas zumisst, kann sich so sehr unterscheiden, ein fremdes Familienfoto mag einem Aussenstehenden nahezu wertlos erscheinen, für Angehörige hat es aber einen hohen Wert.
Wert und Wissenschaft
Wert und Messwert in der Naturwissenschaft
Objektive Messwerte müssen messbar sein (Naturwissenschaft): Physikalische Phänomene wie Höhe eines Berges, die Länge einer Strecke, die Helligkeit einer Lampe, die Temperatur (siehe Zahlenwert und Maßstab im Artikel Physikalische Größe). Komplexe Phänomene wie etwa Kreativität, Intelligenz oder Schönheit sind schwer messbar. Auch die Kunst entzieht sich der Messbarkeit. Zur einheitlichen Messung dienen wohldefinierte und durch Konsens anerkannte Maßeinheiten: Gleichbleibende Vergleichswerte einer bestimmten Größe. Wie diese selber festgelegt sind, ist allerdings rein willkührlich, so bezog man sich etwa meist wie beim Längenmass Elle auf menschliche Proportionen oder dem Menschen anschauliche Grössen. Mit den so gemessenen Werten kann in Mathematik, Physik oder Chemie gerechnet werden. Es können so auch vereinfachte Modelle erstellt werden (Kybernetik), die reale Phänomene simulieren können.
Werte in der Informatik
Computer verfügen über einen Speicher, in dem Daten gespeichert werden. Der Speicher ist in einzelne Teile unterteilt, die Daten in einem dieser Segmente heißen Wert dieses Speicherabschnittes. Zum Beispiel kann ein Speicherabschnitt von 1 Byte Größe etwa einen Wert zwischen 0 und 255 in ganzen Zahlen speichern.
In der Programmierung werden zur Vereinfachung der Programmerstellung bestimmte Speicherabschnitte mit Namen belegt, denen wie den Speicherwerten bestimmte Daten zugewiesen werden können. Diese Daten heißen Wert der Variable, z.B. kann eine Variable vom Typ "Integer" (engl. für Ganzzahl) mit einem ganzzahligen Wert zwischen 0 und 65536 belegt werden.
Der Wert in der Ökonomie
Verschiedene Wertbegriffe gibt es in der Ökonomie (Siehe Liste unten). Auf diesen Wertbegriff bezieht sich, anders als etwa beim naturwissenschaftlichen Längenmass, das Adjektiv wertvoll. Den Wert seines Anlagevermögens und Umlaufvermögens ermittelt ein Unternehmen mittels Inventur: Durch Messen, Zählen und Wiegen. Gold oder Platin sind Beispiele von eher raren Materialien, denen ein hoher Wert zuerkannt wird.
In der Ökonomie drückt sich der Wert durch Beträge von Geld aus. Der Wert von Dingen oder Arbeit kann dabei aber immer nur relativ zu anderen festgelegt werden (Tausch, z. B. eine Jeans = ca. 100 Tafeln Schokolade = ca. 4 Stunden Arbeit o.ä.), welchen absoluten, tatsächlichen Wert ein Ding oder sonst ein Phänomen aus sich selbst heraus, unabhängig von anderen hat, ist somit unmöglich auszudrücken oder zu bemessen (Zirkelschluss).
Wert und Preis
Im alltäglichen Sprachgebrauch wird unter dem Wert auch der Geldbetrag verstanden, den man beim Verkauf einer Sache erzielen kann. (Wert eines Autos, einer Briefmarke, eines PC usw.). Nicht zu verwechseln ist der Wert mit dem Preis. Wert und Preis können sehr verschieden sein. siehe:Markt, Angebot und Nachfrage, klassisches Wertparadox
Wert und Werte
In der neueren, wirtschaftsphilosophisch fundierten Managementdiskussion wird zunehmend der Zusammenhang zwischen materieller Wert-Schöpfung und immaterieller Werte-Entwicklung in einer wissensbasierten Ökonomie (Wissensgesellschaft) thematisiert: Wie können Wert und Werte in
einer „Wertebalancierten Unternehmensführung“ (Bernhard von Mutius) in eine neue, ausgewogene Beziehung gebracht werden? Wie lässt sich das Verhältnis von Sach- und Finanzkapital auf der einen Seite sowie dem intellektuellen und Sozial-Kapital auf der anderen Seite angemessen bestimmen und bewerten?
Marxismus
Bei Karl Marx (Das Kapital) spielt der Wertbegriff und das Zustandekommen von ökonomischem Wert eine zentrale Rolle. Marx unterscheidet zwischen Tauschwert und Gebrauchswert (siehe auch Wertkritik).
Der Tauschwert der Waren (Ware X tauscht sich in soundsoviel Ware Y) wird dabei durch ihren Wert im Sinne der Arbeitswertlehre bestimmt, der Wert erscheint als Tauschwert. Der Tauschwert einer Ware in Geld ausgedrückt (Ware X tauscht sich in soundsoviel Geldmünzen) ist der Preis.
Im Produktionsprozess entsteht ein Neuwert m+v (Wertschöpfung). Zieht man davon das variable Kapital v, der Teil des Kapitals, der aus Sicht der Kapitalisten für den Kauf von Arbeitskraft investiert wird, der also bei den Lohnarbeitern als Lohn als Einkommen erscheint, verbleibt der Mehrwert m, das Ziel der kapitalistischen Produktion.
Die Behauptung, dass der Wert einer Ware durch die an ihr verrichtete menschliche Arbeit entsteht, wird oft Marx zugeschrieben. Dieser hatte diese Definition der Wert-Entstehung jedoch von David Ricardo übernommen.
Werte und Ethik
siehe hierzu auch: Werturteilsstreit, Wertvorstellung
Die Mehrzahl des Wortes Wert, nämlich die Werte, hat im allgemeinen Sprachgebrauch ebenfalls eine spezielle Bedeutung: Man versteht darunter die Grundsätze, nach denen eine Gesellschaft oder eine Gruppe von Menschen ihr Zusammenleben richtet oder richten will (Ethik). Der Begriff drückt auch hier aus, dass die entsprechenden Vorstellungen und Ideen vom Zusammenleben als richtig, und daher wertvoll angesehen werden.
In der Philosophie gibt es besondere Wert-Fragen, die gleichzeitig von Bedeutung sind in der Psychologie und Soziologie
- K-Wert = Wärmedämmwert
- CW-Wert = Strömungswiderstand
- pH-Wert = Säuregrad
- p-Wert = Überschreitungswahrscheinlichkeit bzw. statistische Signifikanz]
- Heizwert
- Grenzwert
- Funktionswert
- Mittelwert
- Zahlenwert
(zu ergänzen)
- Brauch
- Sitte
- ethische Imperative
(zu ergänzen)
- Geldwert
- Tauschwert
- Gebrauchswert
- Produktionswert
- Mehrwert
- Wertverlust
- Kaufwert
- Einheitswert
- Verkehrswert
- Arbeitswert
- Barwert
- Zeitwert
- Informationswert
- Nutzwert
(zu ergänzen)
google.de
- Werte
- Axiologie
- Ethik
- Ethos
- Moral
- Tradition
- Menschenrechte
- Verfassung
- Schönheit
- Idyll
- Muße
(zu ergänzen)
Weblinks
- http://www.kulturkritik.net/Oekonomie/Politoekon/index.html
- aus Kulturkritik: Zur Kritik der politischen Ökonomie: Was ist Wert, Wertsubstanz, Wertgröße und Wertmasse?
- http://www.phillex.de/wert.htm
- Der Wert aus philosophischer Sicht
- http://www.iaf.ac.at - Institut für Axiologische Forschungen
- http://www.evaluieren.de/evaluat.ion/definiti.htm
- http://www.saw-leipzig.de/sawakade/10internet/sprachwi/kreiser1.html
- http://www.wertekommission.de
- Gemeinnütziger Verein 25-45jähriger Fach- und Führungskräfte, der zum Thema Werte arbeitet
- http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/Projekte/plex/PLex/Lemmata/W-Lemma/Wert.htm
- Was sind Werte in einer Gesellschaft ?
- http://studie.respectresearchgroup.org
- Studie zu Werten in Organisationen
!Wert
Kategorie:Motivation
Kategorie:Marxismus
simple:Value
SpitzelDer Spitzel ist ein in der Regel negativ belegter Ausdruck für eine Art von Spion auf niederer gesellschaftlicher Ebene.
Als Spitzel werden gewöhnlich Zuträger bezeichnet, die aus eigenem Antrieb oder auf Nachfrage, meist gegen irgendeine Form von Belohnung, einem Nachrichtendienst oder der Polizei oder einem privaten Ermittler Informationen über solche Personen, Gruppen oder Organisationen liefern, zu denen der Empfänger der Information selbst keinen Zugang hat.
Spitzel unterscheiden sich von verdeckten Ermittlern. Diese dringen in der Regel als Angehörige einer staatlichen Dienststelle (z.B. Polizei oder Zoll) in deren Auftrag mit falscher Identität in Gruppen oder Organisationen ein, die diese Dienststelle illegaler, meist strafbarer Handlungen verdächtigt, welche sie aus offenen Quellen nicht nachweisen kann.
Ebenso von Spitzeln zu unterscheiden sind V-Mann oder V-Frau (V für Vertrauen oder Verbindung). So werden Personen bezeichnet, die in einer festen Beziehung zu einem Nachrichtendienst (meist einem staatlichen, aber auch dem einer politischen Organisation, wie z.B. im vergangenen Jahrhundert der SA, SS, dem AM-Apparat der KPD) stehen und in dessen Auftrag und nach dessen Weisungen mit einiger Regelmäßigkeit Nachrichten aus ihnen (oft dank Mitgliedschaft oder Sympathisantenstatus) zugänglichen Gruppen, Kreisen, Organisationen beschaffen.
Für die Tätigkeit von Spitzeln gibt es nach der Natur der Sache keine Regeln und Vorschriften. Verdeckten Ermittlern und V-Personen staatlicher Dienststellen ist es grundsätzlich, wie jedermann, verboten, Straftaten zu begehen, auch wenn sie sich in Kreisen organisierter Kriminalität oder terroristischen Gruppen bewegen. Für den Einsatz von V-Personen durch staatliche Dienststellen zur Beobachtung extremistischer Parteien hat das Bundesverfassungsgericht im NPD-Verbotsverfahren Beschränkungen festgelegt.
In der ehemaligen DDR gab es ein weit verzweigtes Netz von Spitzeln, die zumeist für den Staatssicherheitsdienst (Stasi) als so genannte „IMs“ (Inoffizielle Mitarbeiter) tätig waren und in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen - bis hinein in Familien - tätig waren, um Informationen über tatsächliche oder auch potenzielle staatsfeindliche Äußerungen oder Aktivitäten zu sammeln und diese an die Stasi weiterzuleiten. IMs wurden zum Teil auch zu Tätigkeiten im Ausland herangezogen, um verdeckt Informationen zu sammeln, die dem System der DDR nützten.
In der Bundesrepublik Deutschland sind V-Leute oft tätig für den Verfassungsschutz und / oder die Polizei, verdeckte Ermittler für die Polizei oder private Ermittlungsbüros. Spitzel finden sich vom Rotlichtmilieu über die Drogenszene und in anderen Milieus aus dem Umfeld der organisierten Kriminalität bis hin zu politischen Gruppen und Organisationen, die womöglich verfassungsfeindliche Ziele verfolgen, insbesondere aus dem rechtsextremen oder linksextremen Spektrum aber auch dort, wo sich sicherheitsgefährdende Bestrebungen von Ausländern andeuten.
Geschichtliches zur Entstehung des Begriffs:
Im Mittelalter waren die volkstümlich als "Spitzel" (Schornsteinfeger) bezeichneten kleinen Menschen, meist sogar Kinder, darauf angewiesen, für einen sehr geringen Lohn in den engen offenen Kaminen nach oben zu klettern, um Verstopfungen und Rußablagerungen mit dem "Schultereisen" abzukratzen. Sie bekamen auch nur dann ihren Lohn, wenn sie als Beweis ihrer erfolgreichen Tätigkeit aus dem sog. "Spitzel", d. h. dem Dachfirst, herauswinkten.
Zu dieser Zeit war "Spitzel" noch eine volkstümlich übliche Bezeichnung für dieses Gewerk. Während sie im Kamin waren oder aus dem "Spitzel" schauten, hatten sie auch einen guten Blick hinter die vier Wände oder auf die Höfe der Familien. So verdienten sie sich gelegentlich etwas dazu, indem sie der Obrigkeit ihre Beobachtungen berichteten. Die jeweiligen Obrigkeiten bauten die Eignung dieses Gewerks für die "verdeckte Ermittlung" aus und verlangten von ihnen immer mehr Informationen über Ketzer, Hexen, Geisterbeschwörungen, Wilddieberei aber auch darüber, ob z. B. "illegal" Schweine geschlachtet wurden, was sich in den Häusern abspielte und vieles mehr.
Damit die "Spitzel" nicht immer mit jeder Botschaft zur Obrigkeit laufen mussten, vereinbarten sie Zeichen, die mit den sowieso schmutzigen Händen an die Hauswand gemalt wurden. So entstand das sprichwörtliche "Anschwärzen". Unter der Folter wurde auch manch "Angeschwärzter" dann "bekehrt".
Natürlich blieb den Menschen das "schmutzige Handwerk" der Spitzel nicht verborgen und so warnten sie sich gegenseitig in Form von Kinderspielen wie z. B. "Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?"
Literatur
- Markus Mohr / Klaus Viehmann: Spitzel. Eine kleine Sozialgeschichte. Assoziation A, Berlin 2004, ISBN 3-935936-27-3
Kategorie:Denunziation
Kategorie:Nachrichtendienstlicher Begriff
Kategorie:person
V-MannV-Mann (inzwischen meist geschlechtsneutral V-Person, abgekürzt VP genannt), bezeichnet einen Verbindungs-Mann, einen Informanten eines Nachrichtendienstes oder der Polizei, welcher unerkannt in politisch extremen oder kriminellen Organisationen oder kriminalitätsverdächtigen Milieus wie beispielsweise der Drogenszene und dem Rotlichtmilieu u.a. eingesetzt wird. Im Gegensatz zu einem verdeckten Ermittler ist die VP kein Angehöriger der Ermittlungsbehörde, sondern ein Privater, der meist dem kriminellen Milieu zuzurechnen ist. Die Motive für die Tätigkeit als Informant sind vielschichtig: Sie reichen - neben dem finanziellen Interesse an den von Behörden gezahlten Belohnungen - von persönlichen Motiven, wie Rache oder Konkurrenzneid bis hin zum Interesse an manchmal illegal gewährten Vergünstigungen, wie Unterlassen der Strafverfolgung in bestimmten Fällen.
Dadurch, dass die VP in die Strukturen der jeweiligen Gruppen integriert ist, sollen Informationen der Gruppe aus erster Hand von einem V-Mann an seinen Auftraggeber weitergeleitet werden. Eine Sonderform bildete der Inoffizielle Mitarbeiter (kurz IM, oft auch als Informeller Mitarbeiter bezeichnet) in der DDR. Der IM war eine Person, die verdeckt Informationen an das Ministerium für Staatssicherheit (MfS oder "Stasi") lieferte, ohne formal für diese Behörde zu arbeiten.
Ein V-Mann ist nicht unbedingt ein "Agent provocateur" (Lockspitzel), die Grenzen sind jedoch oft fließend. Wirkt die V- Person nämlich so stark auf den Täter ein, dass dessen eigener Tatbeitrag hinter der Provokationshandlung in den Hintergrund tritt, so sieht dies der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) als Verstoß gegen den "Fair- Trial" Grundsatz (das Recht auf ein faires Verfahren) des Art 6 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) an, was ein Verfahrenshindernis zur Folge hat.
Der BGH hat sich dem nicht angeschlossen und berücksichtigt so eine Provokation nur mildernd auf der Strafzumessungsebene.
V-Personen werden von einem speziell zugeordneten Mitarbeiter (Führungsoffizier) der für sie zuständigen Behörde "geführt".
Eine weitere Sonderform bildet der Counterman (CM).
In den Fokus der Medien gerieten V-Männer des deutschen Verfassungsschutzes im Rahmen des NPD-Verbotsverfahrens durch die zahlreichen enttarnten V-Männer in Führungspositionen der NPD.
Siehe auch:
- Spitzel
Kategorie:Euphemismus
Kategorie:Führungs- und Einsatzmittel
Kategorie:Nachrichtendienstlicher Begriff
Kategorie:Denunziation
RechercheDer Begriff Recherche (franz. rechercher "suchen nach", gleichbedeutend: Investigation) bezeichnet die nicht-beiläufige, "professionelle" Suche nach Informationen.
Definition laut Michael Haller
"Das Recherchieren ist im engeren Sinne ein Verfahren zur Beschaffung und Beurteilung von Aussagen, die ohne dieses Verfahren nicht preisgegeben, also nicht publik würden. Im weiteren Sinne ist es ein Verfahren zur adäquaten Abbildung realer, d.h. sinnlich wahrgenommener Wirklichkeit mit den Mitteln der Sprache."
Wissenschaftliche Recherche
Während einer intensiven Auseinandersetzung ist es notwendig, sich mit bestimmten Themen und Bereichen des betroffenen Fachgebietes zu befassen. Vorteilhaft ist, dass man oftmals auf Vorwissen zurückgreifen kann, z. B. aus besuchten Veranstaltungen, von vorhergegangenen Recherchen und von Bekannten. Dieses Vorwissen ist entscheidend für die Wahl der Vorgehensweise und die Suche nach geeigneter Literatur.
Um sich die wissenschaftlichen Grundlagen zu seinem Thema zu erschließen, ist es oft nötig, im größeren Rahmen Literatur heranzuziehen. Bei diesem Prozess der Recherche können nachfolgende Hinweise vielleicht eine Hilfe sein.
Recherchieren im wissenschaftlichen Kontext wird folgendermaßen aufgefasst:
- Nachforschen
- sich über etwas informieren, um Bescheid zu wissen
- sich etwas systematisch erschließen
- Hintergründe und Umstände kennen lernen
- sich ein Bild machen können
Prozess der Recherchierens (in Anlehnung an Landwehr 1977, 16f.)
1. Phase - vor dem Recherchieren
- Detaillierte Problembeschreibung des Themas erstellen
- Gliederung, Ablaufplan
2. Phase - beim Recherchieren
- Neue Informationen permanent einbauen
- Überarbeitung, ggf. Veränderungen oder
- Neufassungen vornehmen
3. Phase - nach dem Recherchieren
- Auswertung der Informationen
- Zielfixierung und endgültige Problembestimmung bzw. Gewichtung
- Aufstellen eines endgültigen Ablaufplans
Journalistische Recherche
Journalistische Recherche bezeichnet das eigenständige Beschaffen von Informationen, im Gegensatz zum bloßen Verarbeiten von Pressemitteilungen, Agenturmaterial oder Pressekonferenzen.
Die journalistische Recherche sammelt möglichst vielfältige Informationen, die ein bestimmtes Thema aus unterschiedlichen und widerstreitenden Blickwinkeln beleuchten, um so eine ausgewogene Berichterstattung zu ermöglichen. Im Idealfall sollte jede Information, die in journalistische Arbeit einfließt, durch Recherche abgesichert werden. In der Praxis würde dies im Regelfall einen zu großen Aufwand bedeuten.
Journalistische Recherche benutzt viele Werkzeuge: unter anderem Archive, persönliche Gespräche mit Betroffenen, Fachleuten und Augenzeugen, offizielles Pressematerial, Fachliteratur oder das Internet.
:Die Recherche ist die Kür des Journalismus: Nur so erfahren die Menschen die Ereignisse, die ohne die Mühe des Journalisten niemals ans Licht gekommen wären. Keine journalistische Aufgabe ist schwieriger, aber auch so abhängig von Zufällen, vom Glück - und von einer detektivischen Kleinarbeit. Nur der Fleißige und Couragierte nimmt sie auf sich. (Wolf Schneider, Paul-Josef Raue: Handbuch des Journalismus)
Als Vorbild des recherchierenden Journalismus in Deutschland wird gemeinhin Hans Leyendecker bezeichnet.
Siehe auch: Investigativer Journalismus
Weitere Formen der Recherche
Auch Detektive bzw. Detekteien führen Nachforschungen an. Die Polizei führt Kriminalistische Untersuchungen durch und Geheimdienste spionieren. Dabei werden unter anderem auch illegale Methoden wie das Abhören eingesetzt. Marktforschungsinstitute untersuchen Konsumenten und Märkte, andere Recherchedienste haben sich beispielsweise auf die Patentrecherche spezialisiert.
Recherchedienstleister nennen sich Information-Broker. Sie führen professioelle Internetrecherchen durch und haben Zugriff auf kostenpflichtige Quellen.
Neben kommerziellen Recherchediensten gibt es auch mehrere Webseiten, bei denen Privatleute Fragen zu verschiedenen Themen beantworten, beispielsweise Meta-re-search und Wikipedia:Auskunft. Das Auffinden von Informationen für Zwecke der Wikipedia erleichtert die Seite Wikipedia:Recherche, die natürlich auch für andere Informationssuchende nützlich sein kann.
Auch Bibliotheken übernehmen Rechercheaufträge. Beispielsweise werden Anfragen bei
http://www.internetbibliothek.de innerhalb von 24 Stunden von Auskunftsbibliothekaren beantwortet.
Siehe auch: Information retrieval, Suche, Investigativer Journalismus, Deep Web
Weblinks
- [http://www.midas-net.de/midasivs.html Informationsvermittlungsstellen (IVS) in Deutschland] (midas-net)
- [http://www.rechercheportal.de ziemlich grosses Datenbankverzeichnis, redaktionell kommentiert]
- [http://www.netzwerk-recherche.de/ Netzwerk Recherche: Lobbyverein für den investigativen Journalismus]
Kategorie:Journalismus
Kategorie:Dokumentation
Identität
Unter Identität (v. lat.: identitas = Wesenseinheit) versteht man entweder die Identität eines Lebewesens, insbesondere eines Menschen, oder einer Sache mit sich selbst. Oder aber der Begriff bezeichnet eine größtmögliche Übereinstimmung zweier unterscheidbarer Größen.
Im ersten (sozial)psychologischen Sinne wird unter Identität häufig die Summe der Merkmale verstanden, anhand derer wir uns (sie sich) von anderen unterscheiden. Diese Identität erlaubt dann auch eine eindeutige Identifizierung im physiologischen Sinne.
Im zweiten philosophisch-mathematischen Sinne meint Identität den gleichen Umfang arithmetischen oder sprachlicher Ausdrücke bzw. Begriffe.
Identität bei Lebewesen
Um zu berücksichtigen, dass bei Lebewesen eine Änderung von Merkmalen nicht notwendig eine Änderung der Identität bedeutet – der Kater "Eugen" bleibt beispielsweise "Eugen", auch nachdem ihm die Nachbarskatze ein Ohr abbeißt –, bietet sich folgende Definition der Identität an:
Identität besitzt ein Lebewesen,
- a) wenn es von anderen Lebewesen seiner Gattung unterscheidbar ist, und
- b) wenn es auf eine Weise veränderlich ist, die diese Unterscheidung nicht unmöglich macht.
(Veränderlichkeit gilt als Wesensmerkmal von Lebewesen.)
Identität bei Menschen
Die Identität eines Menschen besteht darin, dass
- dieser Mensch von anderen Menschen unterscheidbar ist, und
- dieser Mensch als derselbe/dieselbe identifizierbar bleibt, auch wenn er/sie sich verändert.
Da Identität auf Unterscheidung beruht und "Unterscheidung" ein Verfahren ist, das ein Ganzes untergliedert ("scheidet"), kann etwas nur als Teil eines Ganzen "Identität" erlangen. Daher wird verständlich, weshalb Menschen ihre "Identität" als bestimmte Menschen in einem Wechselspiel von "Dazugehören" und "Abgrenzen" entwickeln.
Psychische Identität
Die psychische Identität stellt keine wie auch immer geartete eindeutige Essenz oder ein unveränderliches Wesen dar. Im Gegenteil: Identität als psychologisches Konzept geht geradezu davon aus, dass sich ein Mensch mit etwas "identifiziert", also ein äußeres Merkmal einer bestehenden Gruppenidentität als sein eigenes Wesensmerkmal annimmt. In gewisser Hinsicht erscheint dies als notwendiger Prozess zur Heranbildung einer eigenen Persönlichkeit, aber es bleibt stets ein Element der Fremdbestimmung und Zuschreibung. So hat vielleicht jemand, der gerne homosexuellen Sex praktiziert, keine Lust, sich identitär als "lesbisch" oder "schwul" zu bezeichnen, wird jedoch dennoch von seiner Umgebung in diese Identität gedrängt.
Die psychische Identität wird einerseits durch Gruppenzugehörigkeiten und sozialen Rollen bestimmt: Das "Wir". Eine Identität kann jedoch nicht nur auf diesem "Wir" basieren. In unserer westlichen Gesellschaft besteht Identität auch in der Erfahrung der Einzigartigkeit, im "Ich", in dem eine Person sich als anders erlebt.
Verlust der Identität
Für Menschen ist ein ungewollter Identitätsverlust psychisch ein großes Problem, denn sämtliche Gruppenzugehörigkeiten (Familie, Volk bzw. Nation, Kollegen und Freunde, Clique ...) sind damit verloren. Die Person identifiziert sich nicht mehr mit diesen Gruppen und wird so physisch und psychisch isoliert.
Im Feminismus und anderen Strömungen wird der Ausbruch aus einer festgelegten Identität allerdings auch positiv bewertet: weibliche Identität wird nicht mehr als Ideal empfunden, sondern als fremdbestimmtes Set von Verhaltensmustern, Stereotypen und Erwartungen. Männlichkeit oder "nationale Identität" erscheinen ähnlich problematisch. Identität als Identifikation mit einer Gruppe ist eben oftmals auch eine Integration durch Zwang, der Ausbruch aus der identitären Festlegung ein Akt der Emanzipation.
Ziel dieser Emanzipation ist nicht die Isolation, wohl aber die Sprengung von fremdbestimmten Identitäten - hier bewusst im Plural, denn ein Individuum verkörpert stets mehrere sich überschneidende Identitäten: als Mann, als Europäer, als Intellektueller... etc.
Allgemein verliert ein Mensch dann ihre/seine Identität, wenn
- sie/er sich so verändert, dass wesentliche Kriterien entfallen, anhand derer sie/er identifiziert wird, oder
- wesentliche Instanzen, welche die Identifizierung vornehmen, entfallen oder wesentliche Kriterien der Identifizierung geändert werden.
Die wohl wichtigsten Identitäts-Werte sind
- 1) eine passende Arbeit und
- 2) eine harmonische Familie
Zu 1) Ohne berufliche Anbindung kann jemand vielleicht ein Ehrenamt ausüben oder vorübergehend nur Freizeitwerte pflegen. In einer Zeit von immer mehr oft ungewollten Singles/Alleinstehenden, die ihre massgebliche Identität über ihren Beruf beziehen, wird hohe Arbeitslosigkeit zu einem besonderen Problem.
Zu 2) Ohne familiäre Anbindung kann jemand vielleicht sich in eine Ersatzfamilie integrieren oder vorübergehend nur Single-Werte pflegen. In einer Zeit von immer mehr unfreiwillig Arbeitslosen, die ihre massgebliche Identität über ihre Familie beziehen, wird die Familienlosigkeit zu einem besonderen Problem.
In beiden Fällen empfiehlt sich psychohygienisch /-therapeutisch dringend, trotzdem eine Identität stabilisieren. Denn das Loslassen, umbewerten von schwerem Geschehen (...ist zum besten") kann fordern, kumulierend aber auch überfordern. Dann kränkt eine (zu kleine) Identität ohne Beruf und Familie, die sich beispielsweise über die Mitgliedschaft in einem Verein oder allgemeine Werte wie Gesundheit definiert.
Die Logotherapie geht davon aus, dass in jeder Lebenslage ein grösstmöglicher Sinn steckt, der sich am Gewissen ausrichtet und auch auf Verzicht oder Vorbild sein hinauslaufen kann. Vorbeugend ist allgemein wichtig, dass Menschen mehrere Werte im Leben haben und aufbauen, weil ein Wegfall immer vorkommen kann.
Das Angewiesensein auf (eher) weltliche Identitätswerte ist in einem höheren Sinn vielleicht zu hinterfragen, ihr Wegfall dann sogar zu begrüssen. Glaube o.ä. allein ersetzt sie schwer.
Die Fähigkeit, sich mit sich selbst zu identifizieren, nennt man Identitätsbewusstsein.
Der Identitätsbegriff nach Prof. Dr. Lothar Krappmann
Nach dem Verständnis des Soziologen Lothar Krappmann wird Identität über Sprache vermittelt. Er geht so weit mit seiner Definition, dass für ihn Identität erst durch die Kommunikation eines Individuums mit seinen Mitmenschen in jeder Situation neu entsteht. Dadurch ist Identität nichts Starres, sondern verändert sich immer wieder von Situation zu Situation. Treffen zwei Gesprächspartner aufeinander, so tauschen sie über Sprache, und mit Hilfe von Gestik / Mimik Absichten, Wünsche und Bedürfnisse aus. Dies geschieht über die von ihm bezeichnete „Umgangssprache“ (S. 13, Soziologische Dimension der Identität, 1993), die im Wesentlichen drei Funktionen im Interaktionsprozess erfüllen muss, um das Entstehen von Identität möglich zu machen.
Zum einen muss diese Sprache in der Lage sein, die besonderen Erwartungen, die mehrere Interaktionspartner in einer speziellen Situation haben, dem Gegenüber zu übersetzen:
:„[...] sie muss sich also insofern bewähren, als das sie den unausbleiblichen Informationsverlust bei der Darstellung individueller Erfahrungen in einem allgemeinen, da gemeinsamen Bedeutungssystem möglichst gering hält.“
( S. 12, Soziologische Dimensionen der Identität, 1993)
Zum anderen muss es möglich sein mit Hilfe dieser Umgangssprache Problemlösungen zu finden, sie muss also über einen differenzierten begrifflichen Apparat verfügen, der das möglich macht. Als drittes verbleibt die notwendige Funktion Überschussinformationen weitergeben zu können:
:„[...] „Überschüssig“ ist die Information, insofern sie nicht nur die Erwiderung auf eine vorangegangene Aussage bietet, sondern der Sprechende mit verbalen oder außerverbalen Mitteln seine besondere Einstellung zum Inhalt der Mitteilung kennzeichnet. Erst durch diese nähere Qualifikation der Mitteilung wird die Bedeutung einer Aussage für den Interkommunikationszusammenhang sichtbar; denn nun übermittelt sie nicht nur durch den manifesten Inhalt eine dem Handlungszusammenhang selbst äußerliche „Regieanweisung“, sondern definiert implizit den Charakter der sozialen Beziehung mit in deren Rahmen sie steht (vgl. Watzlawick u. a. 1967)“ (S. 13, Soziologische Dimensionen der Identität, 1993).
Erfüllt Sprache nun diese drei Funktionen, so entsteht in jeder Situation neu Identität in einem Interaktionsprozess. In diesem Prozess hat das Individuum die Aufgabe, einen Balanceakt zu vollführen, zwischen den normierten Erwartungen nach einer perfekten Identität als Tochter, Freund, Mutter, etc. und der Erkenntnis, dass man diesen Ansprüchen nicht genügen kann. Diese Erwartungen an das Individuum stellen die Erwartungen der Außenwelt an die soziale Identität dar.
Erwartungen von außen an die persönliche Identität sind die Erwartungen, die eine individuelle, einzigartige Identität des Einzelnen erwarten, wobei beachtet werden muss, dass das Festhalten an Gemeinsamkeiten notwendig ist, um die Interaktion aufrecht zu erhalten.
In beiden Fällen, durch die Unmöglichkeit den Erwartungen zu entsprechen, agieren die Kommunikationspartner auf einer „als – ob - Ebene“, sie geben vor diese Erwartungen zu erfüllen, ohne dem nachkommen zu können.
Das Individuum versucht sich durch das Verknüpfen früherer, anderer Interaktionsbeteiligungen mit den Erwartungen der aktuellen Situation in seiner besonderen Individualität zu präsentieren in der es eigene Bedürfnisse, Vorstellungen und Wünsche hat, und diese dem Gegenüber zu vermitteln.
Allerdings muss die Person dabei aufpassen, in dem vom Kommunikationspartner gesteckten Rahmen der möglichen Präsentation seiner selbst zu bleiben, um in seiner persönlichen Besonderheit akzeptiert zu werden. Dafür werden dem Individuum Modelle und Rollen entsprechend den Erwartungen des Gesprächspartners über Sprache angeboten, denen es allerdings nicht vollkommen entsprechen kann.
Geht man von einer gelungenen Identitätsbildung aus, so ordnet das Individuum die gemachten Erfahrungen mit diversen Gesprächspartnern zu einer möglichst konstanten Biographie, die ihm so beständigere Handlungsorientierungen schafft.
Es entwickelt sich eine Identität, die sich von denen anderer Menschen unterscheidet. Die Ausbildung einer individuellen Identität ist folglich das Ergebnis vieler Interaktionsprozesse, die miteinander verknüpft wurden und so ein beständigeres Bild von Identität vermitteln, als die unabhängig nebeneinander stehenden einzelnen Ereignisse der Kommunikation.
Dieses Selbstbild von Identität, dass der Mensch mit dieser Leistung erworben hat, versucht er nun in den auftretenden Interaktionssituationen aufrecht zu erhalten.
Dem entsprechen nun die ihm eigenen Erwartungen und Bedürfnisse, die ja demnach auch aus der Kommunikation und den Vorstellungen der verschiedenen Interaktionspartner entstanden sind. Immer neu kombiniert das Individuum also die verarbeiteten vorangegangenen Kommunikationssituationen mit den in der momentanen Situation auftretenden Erwartungen und setzt sich zu dem Ganzen in Distanz.
Der Identitätsbegriff nach Prof. Dr. Hans-Peter Frey und Dr. Karl Haußer
Hans-Peter Frey und Karl Haußer bezeichnen Identität als einen selbstreflexiven Prozess des Individuums. Ein Mensch stellt demnach Identität über sich her, indem er verschiedene Arten von Erfahrungen, so zum Beispiel innere, äußere, aktuelle sowie gespeicherte, über sich selber verarbeitet.
„Identität entsteht aus situativer Erfahrung, welche übersituativ verarbeitet und generalisiert wird.“ ( S. 21, Identität, 1987).
Teilbereiche der Identität eines Menschen sind das Selbstkonzept, das Selbstwertgefühl und die Kontrollinstanz. Die Aufgabe des Individuums besteht nun darin, diese drei Instanzen
miteinander in Verbindung zu setzen.
Die kognitive Komponente der menschlichen Identität ist das Selbstkonzept. Das Individuum entwirft ein Selbstbild von sich nach den Fragestellungen: Wer / Was / Wie bin ich? Dabei hat der Mensch verschiedene Möglichkeiten vorzugehen. Einmal kann objektiv vorgegangen werden, indem das Individuum zum Beispiel feststellt: „Ich bin ziemlich klein.“ Als Selbstbewertung könnte das Individuum äußern, dass es davon genervt ist. Selbstwertgefühle sind das Empfinden eines Menschen, stolz oder wütend auf sich zu sein. Selbstideale steckt sich der Mensch indem er zum Beispiel gerne der perfekte Sohn wäre.
Die emotionale Komponente der Identität ist das Selbstwertgefühl das sich entwickelt, stabilisiert und verändert. Dies geschieht einmal durch die Verdichtung von situativen Selbstwertgefühlen, bzw. Selbstwahrnehmungen. Auch durch die Bewertung einzelne Aspekte des Selbstkonzeptes und durch die Beeinflussung seitens der Kontrollüberzeugung finden hier auch Entwicklungen und Veränderungen statt.
Bei der motivationalen Komponente oder Kontrollüberzeugung, gibt es zwei unterschiedliche Haltungen der Individuen. Einmal die generalisierte Haltung der Menschen die eigenen Situationen gestalten zu können, zum anderen die Haltung, der eigenen Lage ausgeliefert zu sein.
Durch das Zusammenspiel der drei Komponenten entsteh | | |