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Inka]
Die Inka waren ein südamerikanisches Indianervolk (indigene Völker Südamerikas), die zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert ein riesiges, gut durchorganisiertes Reich beherrschten. Zur Zeit der größten Ausdehnung erstreckte sich ihr Einfluss vom heutigen Ecuador bis nach Chile und Argentinien, ein Gebiet das größer ist, als die Entfernung vom Nordkap bis Sizilien. Das rituelle, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum war die Hauptstadt Cuzco im heutigen Peru.
Inka war auch der Titel des Herrschers des Inkareichs.
Überblick
Peru]
Die Inka sprachen Quechua, verwendeten die Knotenschrift Quipú, die nur Ziffern ausdrückte, und die Tocapu-Muster, die in Textilien gewebt wurden und bei denen noch nicht sicher ist, ob es sich um eine Schrift handelte. Da die Inka kein Geld kannten, entwickelten sie auch keine Steuern im europäischen Sinn. Stattdessen entwickelten sie einen Beamtenstaat, der durch umfangreiche, exakte, statistische Aufzeichnungen alle Leistungen und Bedürfnisse, alle Ressourcen, Tributverpflichtungen und ihre Verteilung aufeinander abstimmte. Die für den Staat notwendigen Leistungen wurden deshalb durch streng im Kollektiv organisierte Arbeiten erbracht.
Ein Drittel ihrer Arbeitszeit hatten sie für Inti, die Sonne, die mit dem Inka-Herrscher gleichgesetzt wurde, ein weiteres Drittel ihrer Arbeitszeit für Alte, Kranke, Witwen, Waise und Hilfsbedürftige zu arbeiten. Das letzte Drittel ihrer Arbeitszeit durften sie für den Unterhalt ihrer Familie nutzen. Das "Volk der Sonne" lügt nicht, stiehlt nicht und ist nicht faul. Adel und Beamte hatten viele Privilegien, waren vom Feld- und Militärdienst befreit, durften mehrere Frauen haben und Schmuck tragen. Der jeweilige Herrscher wurde neben dem Sonnengott Inti, dem Schöpfergott Viracocha und der Erdgöttin Pachamama, als Gottheit verehrt.
Die Architekten, Straßen- und Brückenbauer leisteten großartige Arbeiten, was die 60 m lange Hängebrücke über den Río Apurímac, die 4'000 km lange und 8 Meter breite Küstenstraße und die 5'200 km lange und 6 m breite Andenstraße beeindruckend veranschaulichten. Auf ihnen waren Stafettenläufer unterwegs, die wichtige Nachrichten an einem Tag bis zu 400 km weiterleiten konnten. Das gesamte Straßennetz war ungefähr 40'000 km lang. Die Architekten errichteten Bauten aus tonnenschweren, zyklopischen Steinen, die sie verwinkelt fugenlos aneinander passten und die zum Teil trotz häufiger Erdbeben auch heute noch stehen.
Anden]]
Zahlreiche Operationen an Schädel und Extremitäten zeugen davon, dass die Inka medizinisch weit fortgeschritten waren. Werkzeuge und Waffen wurden aus Kupfer und Bronze hergestellt. Sie beherrschten die Webkunst und stellten Kleidung aus feiner Vicuña- und Alpakawolle her. Die gefundenen keramischen Gegenstände weisen einfache farbenfrohe Muster auf und besitzen nicht die Verspieltheit früherer Kulturen. Sie spielten auf der Okarina, einem Blasinstrument aus Ton bei ihren Feierlichkeiten und Festen.
Um Hungersnöten vorzubeugen und eine für die Bedingungen des Hochgebirges riesige Zahl von Menschen zu versorgen, wurden nahezu alle Hänge terrassiert und mit Kanälen bewässert. Überschüsse wurden in speziellen Speichern gelagert, die vor Regen schützten, in denen der Wind zirkulierte und hierdurch vor Fäule schützte. In einigen Fällen wurden Kartoffeln "gefriergetrocknet". Auf den hochgelegenen Terrassen wurden Mais, Kartoffeln, Quinoa, Amarant, Kürbis, Tomaten, Erdnüsse und Paprika angebaut. Als Haustiere hielten sie Lamas, Enten, Alpakas und das Meerschweinchen.
Geschichte
Meerschweinchen
Entstehung
Über die Entstehung der Inka gibt es mehrere, verschiedene Legenden. Die bekannteste ist die vom Chronisten Garcilaso de la Vega. Ihr zufolge soll der erste Inka Manco Cápac, der Sohn der Sonne, und seine Schwester Oqllo, vom Sonnengott Inti auf die Erde gesandt worden sein, um die Welt zu verbessern. Auf der Sonneninsel im Titicacasee erreichten sie die Erde. Der Sonnengott gab ihnen einen goldenen Stab mit; wo es ihnen gelang den Stab mit einem Schlag in die Erde zu treiben, sollten sie ihren Wohnsitz gründen. Nach langem Herumirren fanden sie eine Stelle und gründeten darauf um das Jahr 1200 die Stadt Cuzco, das nach ihrem Verständnis der Nabel der Welt war.
Den mythischen Titicacasee, eine tiefblau oder silbern leuchtende Fläche von 8.000 km², in der mehrere Inseln liegen, u.a. die Mond- und die Sonneninsel, auf der der Ritualstein Titi-Khar'ka liegt, betrachten die Quechua sprechenden Inka und die Aymara sprechenden Nachfahren des Volks von Tiahuanaco als heilig. Zwei Kulturen mit gemeinsamen Wurzeln: Das Wort "titi" bedeutet in der Aymara-Sprache "Bergkatze", "caca" in Quechua "Felsen".
Der Überlieferung nach hatte das Inkareich 13 Herrscher. Die ersten 8 sind halb geschichtliche, halb mythologische Gestalten. Die letzten 5 Inka sind geschichtlich erwiesen.
Aufstieg und Expansion
Die ersten spanischen Chronisten zeichneten bei ihrer Ankunft in Cuzco die mündlichen Überlieferungen der Inka auf. Diese Aufzeichnungen sind geschichtlich nicht erwiesen, ergeben aber ein Bild, wie die Inka durch Taktik und Eroberungen zu einem dominanten Volk in Südamerika aufgestiegen sind.
Als die Inka im Gebiet von Cuzco eintrafen, lebten hier noch verschiedene andere Stämme, unter anderem die Gualla und die Sauasera. Die Gualla wurden von dem relativ kleinen Volk der Inka angegriffen und allesamt getötet. Daraufhin schlossen sich die Sauasera mit einem anderen Stamm zusammen und versuchten sich gegen die Eindringlinge zu wehren. Die Inka besiegten auch diesen Stammesverbund und machten sich daran, die übrigen Stämme zu unterwerfen. Durch die Besetzung der Bewässerungssysteme der Alcabiza und der Tributverpflichtung, die sie den Culunchima auferlegten, hatten sie das Gebiet zwischen den beiden Flüssen Huatanay und Tullumayo unter ihre Kontrolle gebracht.
Bei den Eroberungen spielte Inti als Kultobjekt eine große Rolle. Es wurde in einem Kasten aus Stroh aufbewahrt und als Heiligtum verehrt. Die Nachfahren des ersten Inka Manco Cápac wagten nicht den Kasten zu öffnen. Erst der vierte Inka Mayta Cápac brachte den Mut dazu auf. In der Legende heißt es, das heilige Objekt Inti habe sprechen können und Ratschläge für die Eroberungen gegeben. Der fünfte Inka Cápac Yupanqui führte erstmals Feldzüge gegen weiter entfernte Völker. Ab diesem Zeitpunkt gewannen die Inka regionale Bedeutung.
Die Ayarmaca, einer der wichtigsten Stämme in der Umgebung, wurde durch die Heirat der Tochter des Herrschers Tocay Cápac und Cápac Yupanqui gewonnen. Mit dieser Verbindung erfolgte auch ein militärischer Zusammenschluss. Der sechste Inka Inca Roca heiratete die Tochter des Herrschers der Guayllacan und aus dieser Verbindung ging der siebte Inka Yahuar Huacac hervor. Zu dieser Zeit wandelte sich das Verhältnis zu den Ayarmaca. Bis dahin waren die beiden Völker gleichberechtigt. Durch die zunehmende Dominanz der Inka kam es zu Konflikten. Der achte Inka Viracocha Inca besiegte schließlich seinen Rivalen Tocay Cápac und unterwarf das Volk der Ayarmaca.
Mit dem Volk der Quechua hatten die Inka gute wirtschaftliche Beziehungen, die durch Heirat von Viracocha Inca und der Tochter des Häuptlings noch gestärkt wurden. Deren Feinde, die Chanca, stellten auch für die Inka und Cuzco eine Bedrohung dar. Der Sohn Viracochas, Yupanqui, suchte Verbündete gegen die Chanca und fand sie in den beiden Stämmen Cana und Canchi. 1438 wurde Cuzco von den Chanca belagert. Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit gelang es ihnen nicht, die Stadt einzunehmen. Schließlich wurden sie von Yupanqui besiegt. Yupanqui wurde noch im selben Jahr der neunte Inka und nahm den Namen Pachacútec an. Ab diesem Zeitpunkt gibt es genaue geschichtliche Aufzeichnungen.
Blütezeit des Inkareiches
Während der Regierungszeit Pachacútecs von 1438 bis 1471 erweiterte er das Inkagebiet in den Zentralanden vom Titicacasee bis nach Junín. Das Reich Tahuantinsuyo (auf Quechua Tahuantinsuyo, tahua - vier, antar - Provinz, suyo - Land) wurde nach den vier Himmelsrichtungen aufgeteilt, seine Flagge war die Regenbogenfahne und Cuzco entwickelte sich zum rituellen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum.
Regenbogenfahne
Pachacútec ließ in der Umgebung landwirtschaftliche Terrassen zum Anbau von Mais errichten, um damit die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Kanäle zu den Flüssen Río Sapphi und Río Tullumayo, die durch die gesamte Stadt führten, versorgten die Einwohner mit frischem Wasser und hielten die Stadt sauber.
Túpac Yupanqui übernahm 1471 als 10. Inka die Herrschaft des Reiches von seinem Vater. Unter seiner Führung errang das Inkareich die größte Ausdehnung. Durch Eroberungszüge konnte er das Gebiet zwischen Quito in Ecuador und Santiago in Chile dem Reich einverleiben. Hohe Würdenträger der unterlegenen Stämme wurden nach Cuzco berufen und mit wichtigen Verwaltungsfunktionen betraut. Dieser geschickte Schachzug sorgte nicht nur für innere Ruhe, sondern ließ Künstler, Denker und Wissenschaftler ansiedeln.
Huayna Cápac, der 11. Inka, übernahm 1493 das Reich. Er verlegte seinen Hauptsitz nach Quito, um den unsicheren Gebieten näher zu sein und bemühte sich um weitere Expansion. In seinen letzten Jahren erreichte ihn noch die Meldung von bärtigen, weißen Männern. Noch vor seinem Tod entschied er sich, das Reich zwischen seinen beiden Söhnen aufzuteilen. Atahualpa erhielt die nördliche Region und residierte in Cajamarca, während Huáscar den südlichen Teil mit Cuzco als Regierungssitz erhielt. 1527 erlag Huayna Cápac einer Seuche. Die Zweiteilung des Reiches führte zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den beiden Brüdern. Obwohl Huáscar von den Inka geschätzt wurde, unterlagen seine Leute den kampferprobten Truppen aus dem nördlichen Territorium im Jahr 1532. Huáscar wurde dabei gefangen genommen und hingerichtet. Atahualpa war damit der unumschränkte Herrscher über das gesamte Inkareich.
Untergang
1532
Im April 1532 landete Francisco Pizarro an der peruanischen Küste. Bereits einige Jahre davor wurden die Inka von für sie neuartigen Krankheiten (Pocken und Masern) heimgesucht, die sich über Mittelamerika nach Süden ausgebreitet hatten und tödlich verliefen. Pizarro fand kein starkes Reich vor, sondern einen Staat, der in einen Nachfolgekrieg zwischen den Brüdern Atahualpa und Huáscar verstrickt war. Dieser Bürgerkrieg erschütterte die Grundfesten des Reiches und die Unzufriedenheit der unterworfenen Völker beschleunigte den Zusammenbruch.
Atahualpa unterschätzte die Gefahr durch die Ankunft der Spanier. Am 15. November 1532 wurden sie von Atahualpa freundlich empfangen. Pizarro sowie seine 168 Gefährten nutzten die Situation, nahmen Atahualpa gefangen und richteten an seinen 20'000 Kriegern ein Blutbad an. Die Angriffe der Spanier trafen die Inka wie ein Schock. Sie kannten die Taktik des Hinterhaltes nicht. Den Waffen aus Stahl hatten sie mit ihren Rüstungen aus Leder und Baumwolle nichts entgegen zu setzen. Sie kannten keine Pferde, auf denen die Angreifer ritten. Für sie waren Spanier zu Pferd monströse Geschöpfe aus einer anderen Welt. Meist versuchten sie ohne jegliche Verteidigung zu fliehen.
Atahualpa wollte sich für ein Zimmer voller Gold und Silber freikaufen. Dazu wurden alle Tempel und Schatzkammern des Reiches "geplündert". Lamakarawanen trafen aus allen Reichsteilen ein und lieferten vielfach die Kultgegenstände ganzer Stämme und Orte ab, heute auf einen Wert zwischen 25 und 45 Millionen Euro geschätzt. Da Atuahualpa als Marionette der Spanier immer noch Befehlsgewalt innehatte und u.a. den Befehl gab, seinen Bruder, der in Cuzco gefangen war, zu töten, wurde er - in Abwesenheit von Pizarro - zum Tode verurteilt und am 29. August 1533 durch Erdrosselung hingerichtet. Als Nachfolger wurde Häuptling Manco Cápac II. eingesetzt. Der Widerstand der Inka nahm stetig ab und die früher von den Inka unterworfenen Stämme schlugen sich auf die Seite der Eroberer, in der Hoffnung dadurch eine Unhabhängigkeit zu erreichen. Am 15. November 1533 erreichte Pizarro die Hauptstadt Cuzco, die ihm ohne nennenswerten Widerstand übergeben wurde.
Pizarro setzte 1533 den Halbbruder Atahualpas, Manco Cápac II., als Inka ein. 1536 begehrte Manco Cápac II. gegen die Spanier auf und wurde aus Cuzco vertrieben. Er zog sich mit seinen Leuten in die 1999 wiederentdeckte Bergfestung Vilcabamba zurück und versuchte, den spanischen Eindringlingen Widerstand zu leisten. Bei Zwistigkeiten zwischen Pizarro und Diego de Almagro schlug er sich auf die Seite von Almagro, bis ihn Almagro 1544 ermorden ließ. Seine Söhne Sayri Túpac und Titu Cusi Yupanqui führten den Kampf weiter fort. Nach dem Tod der beiden übernahm ihr Halbbruder Túpac Amaru den Thron. Bei einer Expedition besetzten die Spanier Vilcabamba am 24. Juli 1572. Túpac Amaru war zwar bereits geflüchtet, aber sein Aufenthaltsort wurde verraten und der letzte Inka festgenommen. Am 24. September 1572 wurde er in Cuzco durch Enthauptung hingerichtet. Der Legende nach soll der Inka-Adel entkommen sein und sich in die verlorene Stadt Paititi zurückgezogen haben.
Verwaltung und Technologie
Paititi
Die Erfolge der Inka durch ihre militärischen Fähigkeiten konnten zwar dieses riesige Reich schaffen, aber nicht auf längere Zeit aufrecht erhalten. Nur durch die perfekte Verwaltung des Landes und ihre Fähigkeit, die Ressourcen nutzbringend einzusetzen, ließ sich das Reich stabilisieren. Darin sind die Inka vergleichbar mit den Ägyptern oder dem Römischen Reich. Sie verstanden es, die unterworfenen Völker richtig einzusetzen. Aus dem enormen Pool an Energien, Erfahrungen, Technologien und Arbeitskräften schöpften sie Bauern, Soldaten für die Armee, Architekten und Steinmetze für den Bau von Straßen, Tempeln, Bewässerungskanälen und Terrassen. Hohe Würdenträger der verschiedenen Stämme siedelten sie nach Cuzco um und betrauten sie mit wichtigen Verwaltungsfunktionen. Die besten Handwerker des Reiches beauftragten sie mit der Herstellung von wertvollen Textilien, von Kunstgegenständen, Ton- und Metallwaren. Dieser kluge Schachzug sorgte für Anerkennung bei den unterworfenen Stämmen, die sie auch auszunutzen verstanden.
Jeder hatte dem Reich zu dienen, auch der Herrscher selbst, um dessen Person sie einen rituellen Kult entwickelten. Nach diesem Kult stammte er vom Sohn der Sonne ab, dessen Vorfahren bis zur Sonne zurückverfolgt werden konnten.
Kult
Aus der Hauptstadt Cuzco, dem rituellen und politischem Zentrum, machten sie ein architektonisches Vorzeigeobjekt, die jeden Besucher zum Staunen bringen sollte. Stil und Bauweise setzten sich schnell überall im Reich durch. Dabei berücksichtigten sie bei den Bauten immer die Umgebung und versuchten sie miteinander zu kombinieren. Bestes Beispiel dafür ist Machu Picchu, dessen Planer die architektonischen Anforderungen mit der geographischen Umgebung verschmelzen ließ.
Die gewaltigen Bauten hatten nicht nur praktischen Wert, sondern dienten auch als sichtbare Demonstration der Macht und Herrlichkeit. Potentielle Feinde sollten damit beeindruckt werden. Zwei Straßen, die sich quer durch das gesamte Land zogen, bildeten das Rückgrat des Reiches. Die beiden Königsstraßen, eine von Cuzco durch die Anden nach Quito, die andere entlang der Pazifikküste und ihre Querverbindungen, dienten zum schnellen Verschieben von Truppen, Nachschub, Waren- und Informationsaustausch. Sie waren auch maßgebend für die Überbringung von wichtigen Nachrichten in kurzer Zeit.
Für die Versorgung des riesigen Reiches siedelten die Inka im ganzen Lande Bauern um, förderten den Austausch von Waren zwischen den verschiedenen Lebensräumen der Anden. An steppenartigen Stellen ließen sie Bewässerungskanäle errichten. Damit machten sie brachliegende Wüsten und Hochtäler zu sehr fruchtbaren Gegenden. Angebaut wurden zumeist Kartoffeln und Mais. Daraus erzeugten sie auch das für rituelle Zwecke verwendete Maisbier. An den Ufern des Titicacasees entwickelten sie ein Entwässerungssystem, das selbst Feuchtgebiete bebaubar machte und die Auswirkungen von Frostschäden minderte.
Medizin der Inka
Die Inka erlangten viele Erkenntinisse in der Medizin. Sie führten bereits erfolgreiche Operationen am Schädel durch.
Kokablätter wurden dazu verwendet, Hunger und Schmerzen zu lindern, was auch heute noch sehr in den Anden verbreitet ist. Die Casqui (Läufer) kauten Kokablätter für einen Energieschub, um ihrer Aufgabe, als Sprinter Nachrichten im ganzen Reich zu verbreiten, besser nachkommen zu können. Neue Forschungen der Erasmus University zeigen, dass im Gegensatz zum weit verbreiteten Glauben das Volk der Inka nicht abhängig war von Koka. Ein anderes Heilmittel bestand darin noch warme, gekochte Rinde des Pfefferbaumes auf eine Wunde zu legen. Die Inka verwendeten sogar Meerschweinchen für medizinische Zwecke.
Liste der Inka
- Manco Cápac (ab etwa 1200)
- Sinci Roca
- Lloque Yupanqui
- Mayta Cápac
- Cápac Yupanqui
- Inca Roca (um 1350)
- Yahuar Huacac
- Viracocha Inca
- Pachacútec Inca Yupanqui (1438 - 1471)
- Túpac Inca Yupanqui (1471 - 1493)
- Huayna Cápac (1493 - 1527)
Inka nach der Teilung des Inka-Reichs:
- Huáscar (1527 - 1532)
- Atahualpa (1527 - 1533)
Inka nach der spanischen Eroberung:
- Túpac Huallpa (1533)
- Manco Cápac II. (auch: Manco Inca) (1533-1544)
- Sayri Túpac (1544-1561)
- Titu Cusi Yupanqui (1561-1570)
- Túpac Amaru (1570-1572)
- Túpac Amaru II.
Literatur
- Felipe Guaman Poma de Ayala: El primer nueva corónica y buen gobierno [Original Manuskript (1615/1616) in der königlichen Bibliothek in Kopenhagen]. Digitale Version: [http://www.kb.dk/elib/mss/poma/]
- Hans D. Disselhoff: Das Imperium der Inka, München 1978 ISBN 3-453-00887-1
- Hans D. Disselhoff: Oasenstädte und Zaubersteine im Land der Inka. Archäologische Forschungsreisen in Peru, Berlin 1993 ISBN 3-793-41115-X
- Kampf um die Inkastadt Cuzco. Aufzeichnungen eines anonymen Zeitzeugen 1535 - 1539. Übersetzt und eingeleitet durch Mario Koch, (=Cognoscere Historias, Band 11), trafo Verlag Berlin, 2000 ISBN 3-89626-321-8
- Meinrad M. Grewenig: InkaGold. Katalog zur Ausstellung, Heidelberg: Kehrer, 2004
- Catherine Julien: Die Inka. Geschichte, Kultur, Religion, München: C.H. Beck, 2003 ISBN 3-406-41875-9
- Jakob Wassermann: Das Gold von Caxamalca
- National Research Council , 1989, Lost Crops of the Incas: Little-known Plants of the Andes with Promise for Worldwide Cultivation. National Academic Press, Washington, DC. USA.
Siehe auch
- Inka-Pfad
- Indigene Völker Südamerikas
- Kristallschädel
- Tiahuanaco
Weblinks
- [http://www.indianer-welt.de/sued/inka/ Kleines Informationsportal]
Kategorie:Südamerikanische Ethnie
Kategorie:Inka-Reich
ja:インカ帝国
IndianerIndianer (englisch Indians bzw. American Indians, Native Americans oder First Nations spanisch indios bzw. pueblos indigenas) ist die verbreitete Bezeichnung aller Menschen, die den Kontinent Amerika (Nord-, Mittel- und Südamerika) bereits vor der europäischen Kolonisierung bevölkert haben. Diese Völker sind ihrerseits allmählich durch Völkerwanderungen auf verschiedenen Wegen von Asien und möglicherweise auch von weiteren Kontinenten nach Amerika gelangt und haben sich dort vielfältig weiterentwickelt. Sie werden im Unterschied zu europäischen Einwanderern auch "Ureinwohner Amerikas" oder "indigene Völker Amerikas" genannt.
Asien
Der Begriff
Die Bezeichnung "Indianer" (ursprünglich spanisch: indios) geht auf ein Missverständnis von Christoph Columbus zurück, der glaubte, in "Indien" gelandet zu sein, als er Amerika im Jahre 1492 für die Europäer entdeckte.
"Indien" nannten die europäischen Seefahrer allgemein Ostasien, das sie über den westlichen Seeweg zu erreichen suchten. Auch nachdem sie ihren Irrtum erkannt hatten, behielten sie den Begriff bei.
"Indianer" ist die deutsche Version des englischen "Indians", mit dem die nordeuropäischen Kolonialmächte besonders die Ureinwohner Nordamerikas meinten. In Süd- und Mittelamerika dagegen wurden die voreuropäischen Bewohner auf Spanisch "Indios" genannt. "Indianer", "Indians" oder "Indios" ist ein von Europäern verwendeter Sammelbegriff, der viele verschiedene Ethnien umfasst, die kulturell zum Teil sehr stark voneinander abweichen. Damit vereinheitlichten die Kolonialherren die Bewohner der eroberten Gebiete als fremde "Rasse". Deshalb unterliegt der Begriff bis heute dem Verdacht einer diskriminierenden "Markierung".
Die so genannten Völker Amerikas selbst kannten vor Columbus keine entsprechende Gesamtbezeichnung; sie definierten sich ausschließlich über ihre jeweilige Volksgruppe. Im Zuge der weißen Vorherrschaft, Verfolgung und Genozide gewannen besonders die Ethnien Nordamerikas jedoch zunehmend ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Heute verwenden sie in den USA für sich die englischen Begriffe American Indian (Indianer) oder Native American (amerikanische Ureinwohner), wobei ersterer - besonders von politisch aktiven Menschenrechtskämpfern - bevorzugt wird [http://www.infoplease.com/ipa/A0762158.html]. In Kanada ist First Nations (Erste Nationen) synonym dafür üblich.
Dieser Begriff umfasst auch die Inuit, Unangan und Yupik in Alaska und der nordkanadischen Arktis. Sie trafen wesentlich später in Amerika ein und unterscheiden sich genetisch und kulturell stark von den vorherigen Einwanderern. Dies gilt auch für die Ureinwohner Hawaiis, Amerikanisch-Samoas und der Osterinseln. Sie werden daher in der Regel nicht in den Begriff "Indianer" eingeschlossen. Dies gilt auch für die Métis, die Nachfahren von europäischen Pelzhändlern und indianischen Frauen.
In Lateinamerika heißen Nachkommen von Europäern und Indianern "Mestizen". Für die Ureinwohner herrscht hier die Bezeichnung Pueblos Indígenas (Indigene Völker Süd- bzw. Mittelamerikas) vor. Weniger gebräuchlich ist Indios.
Im brasilianischen Portugiesisch versteht man unter "Indio" allgemein "Ureinwohner". Man kennt also nicht nur den "Indio latinamericano" sondern auch den "Indio africano" oder den "Indio australiano".
Besiedlung Amerikas
Mittelamerikas
Siehe Hauptartikel: Besiedlung Amerikas
Die Besiedelungsgeschichte Amerikas ist stark umstritten. Wahrscheinlich ist aber, dass der amerikanische Kontinent in mehreren Einwanderungswellen besiedelt worden ist und dass diese im Zeitraum von 28.000 v. Chr. und 9.000 v. Chr. Amerika erreichten. Die am häufigsten erwähnte Route führte von Sibirien über die Beringstraße nach Alaska und von da nach Süden über den ganzen Doppelkontinent. Nimmt man eine alleinige Einwanderung über diese Route an, so hätte man in Alaska die ältesten Spuren finden müssen. Der bisher älteste gesicherte archäologische Fund (ca. 13.800 v. Chr.) stammt jedoch aus Chile. Die Inuit als Bewohner der nördlichsten Regionen Amerikas sind erst mit der letzten großen voreuropäischen Einwanderungswelle dorthin gelangt.
Darum kommen für frühere Ethnien auch andere mögliche Einwanderungswege in Frage, etwa über Polynesien oder den Nordatlantik. Für letzteres spricht u.a. die frappierende Ähnlichkeit von Steinklingen der Clovis-Kultur mit europäischen Steinklingen derselben Zeit.
Clovis-Kultur
Die Indianer passten sich ihrer jeweiligen neuen Umwelt an, wurden Fischer, nomadische Jäger und Sammler oder sesshafte Ackerbauern. Sie züchteten Pflanzen wie Mais, Kürbis und Kartoffel. In Mittel- und Südamerika entwickelten die Indianer städtische Hochkulturen, die großteils erst von den spanischen Kolonisten vernichtet wurden. Tenochtitlan, die Hauptstadt des Aztekenreiches, war vor der Zerstörung durch Hernando Cortez' Truppen eine der größten Städte der Welt, größer als die europäischen Städte der Zeit. In Nordamerika existierten im östlichen Einzugsgebiet des Mississippi komplexe Gemeinwesen (Templemound-Kulturen), die jedoch bis kurz vor Ankunft der ersten europäischen Siedler weitgehend zerfallen waren, wahrscheinlich wegen zahlreichen Krankheitserregern, die frühe europäische Entdecker mitgebracht hatten. An ihre Stelle traten kleinere Gemeinwesen von Überlebenden der Epidemien, die in dörflichen Gemeinschaften lebten und Ackerbau betrieben. Im Südwesten der heutigen USA entstanden teilweise mehrstöckige Lehmbausiedlungen mit bis zu 500 Räumen, die Pueblos.
Viehzucht konnte sich unter den indianischen Kulturen fast gar nicht entwickeln, da es außer dem Lama, anderen Kameloiden wie Alpaca und Vicuña im Reich der Inka, dem Truthahn und dem Wolf keine domestizierbaren Tierarten gab. Man ging zu Fuß und transportierte Lasten selbst. Würdenträger in hierarchischen Gesellschaften Mittel- und Südamerikas wurden mitunter auch in Sänften getragen. Als Lasttiere standen neben dem Lama der Inka nur noch Hunde für kleinere Lasten zur Verfügung, die man in Nordamerika in einfache dreieckige Schleppgeschirre, Travois, einspannte.
Obwohl Amerika von weitverzweigten Handelsnetzen überzogen war, erwiesen sich die großen Wüsten Nordmexikos und die undurchdringlichen Urwälder Mittelamerikas als erhebliche Barrieren für den Technologieaustausch in der westlichen Hemisphäre. Außer einigen mittelamerikanischen Kulturen, die eine Art Bilderschrift besaßen (die Maya entwickelten diese zu einem echten Schriftsystem), hinterließen die Kulturen der westlichen Hemisphäre keine schriftlichen Zeugnisse der Vergangenheit. Unter den Prärieindianern existierten Chroniken, die graphische Symbole für das wichtigste Ereignis eines jeden Jahres innerhalb einer Gruppe verwendeten. Ohne mündlichen Kommentar waren diese Chroniken jedoch nicht verständlich. Die bedeutendste Bilderschrift ist die auf Baumrinde festgehaltene Stammes-Sage der im Osten der heutigen USA beheimateten Lenni Lenape, bekannt als Walam Olum. Indianische Überlieferung erfolgte daher großteils mündlich, wobei Tatsachenberichte und Mythen oft fließend ineinander übergehen. In jüngerer Zeit haben archäologische und geologische Funde jedoch bewiesen, dass indianische oral history Jahrhunderte und teilweise gar Jahrtausende zurückliegende Ereignisse bewahrt hat.
Um 1000 n. Chr. fand eine Gruppe Wikinger unter Leif Eriksson den Weg nach Amerika. Sie gründete in Neufundland eine Kolonie. Unklar ist, wie lange diese bevölkert war. Möglicherweise gab es im 12. Jahrhundert eine Gruppe um den walisischen Prinz Madoc, die nach Nordamerika segelte und den Indianerstamm der Mandan gründeten. Nach der Ankunft von Christoph Columbus in Amerika wurde der Doppelkontinent in grossem Stil von Europäern besiedelt.
Kolonialgeschichte
Christoph Columbus
Siehe Hauptartikel: Indianer Nordamerikas, Indigene Völker Südamerikas
Die europäischen Kolonisten änderten das Leben der Indianer stark. Viele indianische Volksgruppen wurden durch Vernichtungskrieg, eingeschleppte Krankheiten, Umsiedlungen und Versklavung gänzlich vernichtet. Umstritten ist, wie zahlreich die Bevölkerung Amerikas vor Ankunft der Europäer war. Bevölkerungsschätzungen erfolgten oft erst, nachdem große Teile von regionalen Bevölkerungen bereits vernichtet worden waren. Viele Völker verschwanden nach 1492 durch eingeschleppte Seuchen, ohne dass ein Europäer sie überhaupt zu Gesicht bekommen hatte.
Im 19. Jahrhundert und bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Schätzungen präkolumbianischer Bevölkerungen besonders durch US-amerikanische Anthropologen von Generation zu Generation auf Bruchteile vorheriger Schätzungen reduziert. Um 1940 ging man nach einer Publikation des einflussreichen Anthropologen Alfred Kroeber offiziell davon aus, dass 1492 in der gesamten westlichen Hemisphäre insgesamt lediglich acht Millionen und nördlich des Rio Grande nur etwa eine Million Menschen lebten (der US-Zensus von 1890 hatte 235.116 überlebende Indianer registriert). Diese Schätzungen waren maßgeblich politisch motiviert, da sie die stattgefundene Vernichtung indianischer Völker möglichst klein erscheinen ließ und den Mythos aufrecht erhielt, die Weißen hätten einen weitgehend "leeren" Kontinent erobert. In den 1960er Jahren machte sich die Berkely School unter Zuhilfenahme moderner Methoden daran, die präkolumbianischen Bevölkerungen einzelner Regionen insbesondere unter dem Gesichtspunkt damaliger Landwirtschaftstechniken und Carrying Capacities zu rekonstruieren. Demzufolge wurde die Bevölkerung von Hispaniola allein auf acht Millionen geschätzt, die von Zentralmexiko sogar auf 25 Millionen. Borah korrigierte demzufolge die Schätzung für Nordamerika auf 7,5 Millionen. Dobyns ermittelte später sogar eine präkolumbianische Bevölkerung Nordamerikas von 18 Millionen. Heutzutage schätzt die Mehrheit der führenden Anthropologen, dass die Gesamtbevölkerung der westlichen Hemisphäre um 1500 ca. 75 bis 110 Millionen Menschen betrug und nördlich des Rio Grande ca. 12 Millionen Menschen lebten. Ein Erklärungsansatz besagt, dass die später beobachteten rießigen Büffelherden Weidetiere der stark dezimierten Indianer waren. Die Herdengröße stellte keineswegs ein natürliches Gleichgewicht dar, sondern beruhte auf in wenigen Generationen eingetretener Übervermehrung nach dem starken Rückgang der menschlichen Population (drittes Volterra-Gesetz). Das in dieser Hinsicht als sehr konservativ bekannte Smithsonian Institute hat seine Schätzung für Nordamerika vor einiger Zeit auf drei Millionen Menschen verdreifacht.
Smithsonian Institute
Hernán Cortés gelang es, mit 180 Soldaten und mit verbündeten Indianern, das mächtige Reich der Azteken gänzlich zu vernichten. Auch in der Karibik wurde die Bevölkerung innerhalb kürzester Zeit fast völlig ausgelöscht. Bei anderen Eroberungen, vor allem Perus, kam es zu exzessiven Massakern. Um die Frage der Behandlung der Indianer in Lateinamerika entspann sich ein umfassender ideologischer Konflikt mit den Exponenten Bartolomé de Las Casas als "Generalverteidiger der Indios" und Juán Ginés de Sepúlveda, der die Indios als eine Art Untermenschen betrachtete. Bemühungen zum Schutz der Indios scheiterten, stattdessen wurden die Überlebenden zur Arbeit zum Beispiel in Minen gezwungen.
Die spanischen und portugiesischen Kolonisten in Mittel- und Südamerika sandten Unmengen an Gold, Silber und anderen Rohstoffen nach Hause. Die Mutterländer in Europa ihrerseits entsandten Männer nach Übersee, die sich dort mit indianischen Frauen verbanden. Rasch wurden die Länder mit Mestizen bevölkert. Es entstand eine Zweiklassengesellschaft: Die herrschende Klasse bildeten die Spanier und Portugiesen, die untere Klasse die Mestizen und Indianer.
In Nordamerika richteten vor allem Krankheiten wie Pocken, Masern und Grippe bei den Indianern katastrophale Schäden an. Die Auswirkungen stehen somit den Opferzahlen der spanischen Grippe nicht nach. Die Indianer verfügten über keinerlei Abwehrstoffe gegen diese für sie neuartigen Krankheiten. Europäische Kolonisten machten sich dies zunutze, indem sie pockeninfizierte Decken an Indianer verteilten.
Weiter trugen in den britischen Kolonien in Nordamerika und später in den US-Bundesstaaten die Skalpprämien zur Vernichtung der Indianer bei, manche Bundesstaaten bis in die 1880er Jahren. Ein Skalp wurde als Beweis für die Tötung eines Indianers betrachtet und finanziell entlohnt. Durch dieses System wurde der Massenmord an Indianern zu einem lukrativen Wirtschaftszweig, der ohne den Einsatz der Armee auskam. In Kalifornien beispielsweise wurden so nach dem Goldrausch von 1849 innerhalb von nur zwei Jahrzehnten mehrere zehntausend Indianer ermordet.
Skalpprämien
Welchen Anteil wirtschaftliche Ausbeutung und desolate Sozialverhältnisse, kriegerische Auseinandersetzungen, Epidemien und geplanter Genozid an dieser demographischen Katastrophe tatsächlich hatten und in welchem Verhältnis sie zueinander standen, wird vermutlich dauerhaft einen ideologischen Streitfall darstellen, der sich aufgrund mangelnder Quellenlage nicht versachlichen kann.
Fest steht nur, dass hunderte von Völkern mitsamt ihrer Kultur und Sprache vollständig vernichtet worden sind und die Vernichtung der indianischen Völker die größte demographische Katastrophe in der Geschichte der menschlichen Spezies darstellt.
Sowohl in Nord- wie auch Mittel- und Südamerika trugen Missionare unterschliedlichster christlicher Glaubensgemeinschaften das ihre zur Vernichtung der indianischen Kulturen bei. Oft wurden Indianer gezwungen, ihren traditionellen Glauben zu Gunsten des Christentums aufzugeben. Damit verbunden war das Verbot kultureller Eigenheiten. So mussten Männer ihre Haare schneiden, Polygamie war ebensowenig erlaubt wie die Verwendung der Stammessprache.
Spanische und teilweise auch andere europäische Kolonisten führten Pferde mit sich, von denen einige flohen und sich besonders in der Wildnis der nordamerikanischen Plains ausbreiteten. Rasch entstanden so indianische Reitervölker. Die Pferde erleicherten die Jagd und den Transport der nomadischen Völker ungemein und führten zu einem veränderten Kräfteverhältnis unter den Völkern.
In Nordamerika dauerten die Widerstandskämpfe indianischer Völker gegen die Unterwerfung durch die Weißen bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Seither unterstehen alle der kanadischen respektive US-amerikanischen Staatsgewalt.
Leben der Indianer in der Gegenwart
Mittel- und Südamerika
Plains]]
Siehe Hauptartikel: Indigene Völker Südamerikas
In vielen Staaten Mittel- und Südamerikas bilden Nachkommen der Indianer heute einen großen Teil der Bevölkerung. In Mexiko wird die indigene Bevölkerung auf 10-30 Prozent geschätzt; Mestizen machen rund 60 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. 10 Prozent der Menschen in Belize sind Indigene, 45 Prozent Halbblute. In Guatamala sind 45 Prozent Nachkommen der Maya. In Bolivien und Peru stellen die Indigenen die Mehrheit. Wenig zahlreich sind sie in Costa Rica, Kuba, in der Dominikanischen Republik und in Uruguay.
Nur wenige indigene Sprachen sind amtlich anerkannt, Ausnahmen sind Aymara in Bolivien, Quechua in Bolivien und Peru sowie Guaraní in Paraguay. In Guatamala sprechen 40 Prozent der Menschen Maya, trotzdem gilt sie nicht als offizielle Amtssprache.
Nordamerika
Siehe Hauptartikel: Indianer Nordamerikas
In Nordamerika leben die Indianer oft in Reservationen oder Reservaten. In Kanada sind die Reservate ursprünglich eine Nachfolge der Verträge (treaties), die die Indianer mit der Regierung unterschrieben, und die den Indianern bestimmte Stücke Land für ihre eigenen Zwecke "schenkten" und auf denen sie wohnen dürfen, ohne Steuern zu bezahlen. Viele Indianer sind aber in den letzten Jahren in Städte umgezogen, ebenso in den USA.
Die Indianerpolitik der USA war wankelmütig und wechselte je nach Regierung. Als Ergebnis leben die Indianer heute meist desillusioniert in Armut. In den USA sind Indianer eher eine Randgruppe mit wenig bis keiner Anerkennung. Gemäss Volkszählung 2000 machen die Indianer und Indigene Alaskas rund 1 Prozent der Gesamtbevölkerung aus, wovon etwa 85 % außerhalb von Reservationen leben, meist in Städten.
Kultur
Die indianischen Völker Amerikas unterschieden sich vor der Unterwerfung durch die europäsichen Einwanderer stark voneinander. Einige waren Jäger- und Sammler, andere lebten vom Fischfang oder betrieben Landwirtschaft. Einige lebten in kleinen Gruppen, andere hatten hoch entwickelte Nationen gebildet.
Trotz der deutlichen kulturellen Unterschiede zwischen den einzelnen Kulturen lassen sich einige Elemente feststellen, die bei den meisten indianischen Ethnien ähnlich sind. Dazu gehören der weit verbreitete Glaube an Tiergeister, das visionäre Fasten sowie der Mythos, dass Amerika auf dem Rücken einer Wasserschildkröte errichtet worden war. Dieser Mythos ist quer durch den ganzen Doppelkontinent anzutreffen.
In Nordamerika werden die Kulturen üblicherweise in zehn Kulturareale eingeteilt.
Sprache
Kulturareale
Siehe Hauptartikel: Indigene amerikanische Sprachen
Schätzungen zufolge waren in Südamerika um 1500 rund 1500 Sprachen verbreitet, davon existieren heute noch 350. Im Gegensatz zu Nordamerika sind die südamerikanischen Indigenensprachen noch wenig erforscht. In Nordamerika werden die Sprachen in rund 30 Sprachfamilien eingeteilt, einige darunter sind umstritten. Rund 10% der nordamerikanischen Indianer sprechen noch ihre traditionelle Stammessprache.
Siehe auch
- Indianerpolitik der USA
- Indianer und Deutsche
- Indianische Literatur
- Indigene amerikanische Sprachen
- Indigene Sprachen Nordamerikas
- Indigene Völker Südamerikas
- Indianer Nordamerikas
- Indigene Völker Mittelamerikas und der Karibik
- Liste berühmter Indianer
- Liste indianischer Kulturen
- Liste nordamerikanischer Indianerstämme
- Mythologie der Indianer
Literatur
- Fagan, Brian M. : Ancient North America - The Archaeology of a Continent (3rd ed, 2000).
- Hurst Thomas, David (Hrsg.):Die Welt der Indianer. Geschichte, Kunst, Kultur von den Anfängen bis zur Gegenwart.
- Josephy, Alvin M. (Hrsg.): Amerika 1492. Die Indianervölker vor der Entdeckung, S. Fischer : Frankfurt/a.M. 1992, ISBN 3-10-036712-X, 594 S.
- Leonard Peltier - Die Bedeutung eines Häftlings für die Indigenen Amerikas. 2000: Incomindios Schweiz (Hg.), Zürich
- Uranwirtschaft in Nordamerika - Die Folgen für die Indigenen. 2001: Incomindios Schweiz (Hg.), Zürich
- Sturtevant, William C.: Handbook of North American Indians. 1978-present: Smithsonian Institution (Hg.), Washington D.C.
Weblinks
- [http://www.aktionsgruppe.de Aktionsgruppe Indianer & Menschenrechte]
- http://www.indianer-wiki.org
- http://www.travallo.de/laender/usa/geschichte/Indians.html
- http://www.incomindios.ch
- http://www.indianer-welt.de/
- http://www.indianerwww.de/
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Kategorie:Indigene Völker
Kategorie:Altamerikanistik
Kategorie:Ethnische Gruppe der USA
ja:アメリカ大陸の先住民
simple:Native American
16. Jahrhundert
Das 16. Jahrhundert begann am 1. Januar 1501 und endete am 31. Dezember 1600.
Mit der Reformation Luther im Jahre 1517 endete das Spätmittelalter in Europa, und es begann damit die Epoche der frühen Neuzeit.
Ereignisse/Entwicklungen
- Weitergehende Reformation der Kirche
- König Heinrich VIII. (England) bricht mit der katholischen Kirche (1533)
- Religionskrieg zwischen Katholiken und Hugenotten in Frankreich
- Die Zeit der großen europäischen Hexenverfolgung beginnt gegen Ende des Jahrhunderts
- Erste Erdumseglung von Ferdinand Magellans Expedition.
- Die Türken schlagen Ungarn (Schlacht bei Mohács, 1526) und belagern Wien (Erste Wiener Türkenbelagerung, 1529)
- Kopernikus veröffentlicht seine Theorie vom heliozentrischen Weltbild (1543)
- Der Gregorianische Kalender wird in vielen katholischen Ländern eingeführt (1582)
- Die britische Flotte unter Sir Francis Drake schlägt die spanische Armada vernichtend (1588)
Persönlichkeiten
- Martin Luther, religiöser Reformator
- Michelangelo Buonarotti, Maler und Bildhauer
- Thomas More, englischer Politiker und Schriftsteller
- Miguel de Cervantes, spanischer Schriftsteller
- Elizabeth I., englische Königin
- Philip II., spanischer König
- Nostradamus, Arzt, wurde berühmt für seine Prophezeiungen
- Nikolaus Kopernikus, Astronom
- Mary Queen of Scots, Königin Schottlands und Mutter James I of England and VI of Scotland
- William Shakespeare, englischer Dichter und Dramatiker
Erfindungen und Entdeckungen
- Erfindung des Spinnrads.
01-16
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ja:16世紀
ko:16세기
Chile
Chile (amtlich República de Chile, deutsch: Republik Chile) ist ein Staat im Südwesten Südamerikas, der sich annähernd in Nord-Süd-Richtung zwischen den Breitengraden 17°3'S und 56°30'S erstreckt. Das Land grenzt im Westen und Süden an den Pazifischen Ozean, im Norden an Peru, im Nord-Osten an Bolivien und im Osten an Argentinien. Des Weiteren gehören zu Chile noch die im Pazifik gelegene Osterinsel (Rapa Nui), die Juan-Fernández-Inseln (einschließlich der Robinson-Crusoe-Insel), die Inseln San Felix und San Ambrosio, die Insel Salas y Gómez, sowie die Diego-Ramirez-Inseln. Ferner beansprucht Chile einen Teil der Antarktis.
Etymologie
Die Herkunft des Wortes Chile ist nicht eindeutig nachgewiesen. Die verbreitetste Erklärung ist, dass sich das Wort aus der Sprache der Aymara herleitet. Dort bedeutet das Wort chilli "Land, wo die Welt zu Ende ist". Dies würde durch die Tatsache unterstützt, dass die ersten Spanier, die nach Chile kamen, von den Siedlungsgebieten der Aymara aus aufbrachen. Die Spanier bezeichneten seit Anbeginn der Kolonisation Südamerikas das Land südlich der Atacama-Wüste mit dem Namen Chile. In den chilenischen Schulen wird außerdem noch die Variante gelehrt, dass Chile die lautmalerische Bezeichnung eines Vogels namens Trile sein könnte.
Eine weitere, wenig verbreitete Theorie nennt die Inka-Sprache Quechua als Ursprung. Die maximale Ausdehnung des Inkareichs reichte nämlich bis zum Gebiet des heutigen Santiago, woraufhin die Inka das Land südlich des Río Aconcagua in Anlehnung an das relativ kalte Klima und die schneebedeckten Anden tchili nannten, was Schnee bedeutet.
Absolut gar nichts hat die Landesbezeichnung Chile mit der (auf spanisch gleichnamigen) Chilischote zu tun. Dieses Wort stammt aus der mittelamerikanischen Aztekensprache Nahuatl.
Physische Geographie
siehe Hauptartikel: Physische Geographie Chiles
Chile ist ein Land, das sich auf dem südamerikanischen Kontinent über 4.200 Kilometer in Nord-Süd-Richtung entlang der Anden und des Pazifischen Ozeans erstreckt (zählt man den Antarktischen Teil hinzu ca. 8.000 km), aber durchschnittlich nur ca. 180 Kilometer breit ist. Die engste Stelle beträgt im kontinentalen Chile (ohne Antarktis) 90 km, die breiteste Stelle etwa 240 km. Die Längenausdehnung Chiles entspricht auf Europa übertragen in etwa der Entfernung zwischen der Mitte Dänemarks und der Sahara.
Aufgrund der langen Nord-Süd-Ausdehung über mehr als 39 Breitengrade, aber auch der beträchtlichen Höhenunterschiede in West-Ost-Richtung, weist Chile eine große Vielfalt an Klima- und Vegetationszonen auf.
Relief und Geologie
Breitengrad
Stark vereinfacht besteht Mittel- und Südchile aus zwei parallelen Gebirgszügen mit Nord-Südverlauf: den Anden im Osten und dem niedrigeren Küstenbergzug (Küstenkordillere) im Westen. Dazwischen liegt das Zentraltal (Valle Central) mit dem Hauptteil der Bevölkerung, des Ackerlands und des Weinbaus. Die Höhe von Kordillere, Zentraltal und Anden nimmt im Mittel von Norden nach Süden ab, so dass das Zentraltal südlich der Stadt Puerto Montt, die etwa 1.000 km südlich von Santiago liegt, unter den Meeresspiegel abtaucht. Gleichzeitig wird die Küstenkordillere zu einer Inselkette, an der nur noch die Bergspitzen aus dem Wasser ragen. In dieser Region lässt sich deswegen eine einzigartige Fjord- und Insellandschaft entdecken.
Im Norden Chiles dagegen gibt es kein ausgeprägtes Zentraltal, das heißt die Landschaft steigt von der Küste kommend zunächst steil an und bildet dann ein etwa 1.000 - 1.500 m hohes Plateau bis zum Fuße der Anden.
Das chilenische Relief lässt sich geotektonisch grob in drei Bereiche einteilen: die Anden im Osten, der Übergangsbereich (Pampa de Tamarugal und Valle Longitudinal) und das Küstengebirge (Cordillera de la Costa).
Die chilenischen Anden, die nur an wenigen Stellen die 2.000 m-Höhenlinie unterschreiten, unterteilen sich hinsichtlich ihrer geologisch- tektonischen Struktur von Nord nach Süd in vier größere Blöcke.
- Im großen Norden (spanisch norte grande) des Landes zieht sich eine etwa 1.000 km lange Kette rezenter Stratovulkane von der Grenze zu Peru (etwa am 17. südlichen Breitengrad) bis zum höchsten Berg des Landes, dem erloschenen Vulkan Ojos del Salado (6.880 m), der südlich des 27. Breitengrades in etwa auf der Höhe der Stadt Copiapó liegt.
- Im kleinen Norden (spanisch norte chico) zwischen dem 27. und 33. Breitengrad, der etwas nördlich der Hauptstadt Santiago de Chile verläuft, befindet sich die durchschnittlich 5.000 m hohe Hochkordillere, die frei von jungem Vulkanismus ist.
- Von Santiago de Chile über den gesamten kleinen Süden (span. sur chico) bis etwas südlich der Stadt Puerto Montt (42. Breitengrad) setzt mit dem 6.800 m hohen Vulkan Tupungato erneut eine langgestreckte Vulkankette ein, die aber nach Süden schnell an Höhe verliert.
- Im großen Süden (spanisch sur grande), der bis zur Insel Feuerland reicht, gibt es nur noch wenige isolierte Vulkane und die Höhe von 3.000 m wird nur noch selten überschritten. Hier dominiert der glaziale Formenschatz mit Gletscherseen, Karen und Fjorden das Landschaftsbild. Das Gebirge Cordillera Darwin bildet den letzten grossen Gebirgszug vor dem Ende Südamerikas.
Der Übergangsbereich zwischen Küstenkordillere und den Anden lässt sich in zwei Bereiche untergliedern: die Pampa del Tamarugal im Norden und das Valle Longitudinal (auch Valle Central) im zentral-südlichen Bereich. Beide sind ausgeprägte Graben-Systeme. Die Pampa del Tamarugal erstreckt sich direkt entlang der nördlichen Vulkankette, während das etwas tiefer gelegene Valle Longitudinal der südlichen Vulkankette folgt und bei Puerto Montt (41° 30' S) ins Meer abtaucht.
Die Küstenkordillere erstreckt sich mit einer kurzen Unterbrechung südlich der Insel Chiloé über die gesamte Westseite des Landes. Sie steigen im Norden des Landes zwischen Arica und Chañaral (26. Breitengrad) als Steilküste unmittelbar auf 1.000 m ü.M. (stellenweise sogar über 2.000 m ü.M.) an. Da die wenigen Flüsse in diesem Raum aufgrund des extrem ariden Klimas nicht die Kraft zum Durchbruch haben, wird sie hier nur von wenigen Tälern durchschnitten. Die Talsysteme häufen sich erst südwärts von Chañaral. Das Küstengebirge flacht nach Süden hin ab und erreicht im kleinen Süden schließlich nur noch an wenigen Stellen Höhen über 1.000 m. Die Küstenkordillere setzt sich ab dem 44. Breitengrad (Chonos Archipel) als Inselkette fort.
Etwa 160 km vor der chilenisch-peruanischen Küste im Pazifik liegt der Atacamagraben (Chilegraben) mit max. 8.065 m Tiefe. Vor fast der gesamten chilenischen Küste bis ungefähr zur Halbinsel Taitao liegt die Nasca-Platte. Diese tektonische Platte ist die Ursache vieler schwerer Erdbeben und Tsunamis in Chile. Sie faltet die Anden auf.
Berge
Die chilenischen Anden bilden einen der höchsten Gebirgszüge der Welt und weisen eine Vielzahl von Gipfeln über 6.000 m auf. Unter Ihnen befindet sich der höchste Berg Chiles, der Ojos del Salado (6.880 m), welcher gleichzeitig der höchste erloschene Vulkan der Welt ist.
Ojos del Salado]]
Im folgenden die bekanntesten Berge Chiles aufgelistet:
- Nevado Ojos del Salado, 6.880 m, III. Region (Región de Atacama)
- Cerro Tupungato, 6.800 m, Hauptstadt-Region (Región Metropolitana)
- Volcán Llullaillaco, 6.739 m, II. Region (Región de Antofagasta)
- Volcán Parinacota, 6.342 m, I. Region (Región de Tarapacá)
- Volcán Licancábur, 5916 m, II. Region (Región de Antofagasta)
- Descabezado Grande, 3.830 m, VII. Region (Región del Maule)
- Torres del Paine, 2.800 m, XII. Region (Región de Magallanes y de la Antártica Chilena)
- Volcán Villarrica, 2.840 m, VIII. Region (Región de la Araucanía)
- Volcán Osorno, 2.652 m, X. Region (Región de los Lagos)
- Volcán Cerro Hudson, 1.905 m, XI. Region (Región de Aisén)
Flüsse und Seen
Región de Aisén
Aufgrund der besonderen Struktur des Landes gibt es in Chile keine längeren Flüsse. Der längste Fluss ist der Río Loa mit 443 km. Im Norden des Landes verhindert zusätzlich die extreme Trockenheit der Atacama-Wüste das Aufkommen größerer Wasserläufe. Die wenigen Flüsse im großen Norden, die dauerhaft Wasser führen, werden daher aus den Schnee- und Eisflächen der Gipfelregionen der Anden genährt. Gemäß den zunehmenden Niederschlägen nimmt nach Süden hin das mitgeführte Wasservolumen der Flüsse zu. Die Flüsse in Chile spielen wirtschaftlich in erster Linie für die Energiegewinnung und zu kleineren Teilen auch für den Tourismus (Lachsfischerei, Abenteuer-Tourismus) eine größere Rolle. Die wichtigsten Flüsse von Nord nach Süd sind daher folgende:
- Río Lauca, 160 km, I. Region (Región de Tarapacá)
- Río Lluta, 167 km, I. Region (Región de Tarapacá)
- Río Loa, 443 km, II. Region (Región de Antofagasta)
- Río Copiapó, 162 km, III. Region (Región de Atacama)
- Río Elquí, 170 km, IV. Region (Región de Coquimbo)
- Río Choapa, 160 km, IV. Region (Región de Coquimbo)
- Río Aconcagua, 142 km, V. Region (Región de Valparaíso)
- Río Maipo, 250 km, Hauptstadt-Region/ V. Region (Región Metropolitana/ Región de Valparaíso)
- Río Mapocho, 120 km, Hauptstadt-Region (Región Metropolitana)
- Río Cachapoal, 172 km, VI. Region (Región O´Higgins)
- Río Maule, 240 km, VII. Region (Región Maule)
- Río Biobío, 380 km, VIII. Region (Región del Biobío)
- Río Imperial, 52 km, IX. Region (Región de la Araucanía)
Zu den chilenischen Seen zählen im Norden die Salzseen, deren größter und bekanntester der Salar de Atacama (3.000 km²) ist. Ganz im Norden liegt einer der höchstgelegenen Seen der Welt der Lago Chungará mit 21,5 km² auf rund 4.500 m Höhe.
Lago Chungará]]
Die großen und landschaftlich schönsten Seen Chiles erstrecken sich südöstlich der Stadt Temuco bis nach Puerto Montt in folgender Reihenfolge:
- Lago Colico, 56 km², IX. Region (Región de la Araucanía)
- Lago Caburga, 51 km², IX. Region (Región de la Araucanía)
- Lago Villarrica, 176 km², IX. Region (Región de la Araucanía)
- Lago Calafquén, 120 km², IX. Region (Región de la Araucanía) und X. Region (Región de los Lagos)
- Lago Panguipullí, 116 km², X. Region (Región de los Lagos)
- Lago Riñihue, 77 km², X. Region (Región de los Lagos)
- Lago Ranco, 401 km², X. Region (Región de los Lagos)
- Lago Puyehue, 156 km², X. Region (Región de los Lagos)
- Lago Rupanco, 223 km², X. Region (Región de los Lagos)
- Lago Llanquihue, 860 km², X. Region (Región de los Lagos)
Im großen Süden liegt der größte chilenische See, der Lago General Carrera (970 km², XI. Region (Aisén)), welcher den westlichen Teil des argentinischen Lago Buenos Aires bildet.
Naturräumliche und klimatische Gliederung
Chile liegt auf der Südhalbkugel, weshalb die Jahreszeiten um ein halbes Jahr im Vergleich zur Nordhalbkugel verschoben sind und Sonne, Mond und Sterne am Firmament anders herum wandern. Das Land lässt sich klimatisch in drei Zonen einteilen: Nord-, Mittel- und Südchile.
Nordchile (genannt "großer Norden") besitzt viele Berge, die über 6.000 m.ü. N.N. hoch sind. Der höchste Punkt Chiles ist der erloschene Vulkan Ojos del Salado. Zwischen der Küste und der westlichen Anden-Hauptkette erstreckt sich die Atacama-Wüste. Diese Wüste ist eines der trockensten Gebiete der Erde; oft fällt jahrelang kein Regen. Die Wüste war in der Vergangenheit für ihre großen Salpetervorkommen bekannt, während dort heute vor allem Kupfer gefördert wird. Die größte und wichtigste Stadt dieser Region ist die Hafenstadt Antofagasta (219.000 Einwohner).
In Mittelchile herrscht ein dem Mittelmeerraum vergleichbares Klima. Diese Region ist sehr fruchtbar und dicht besiedelt. Hier befindet sich die Hauptstadt Santiago de Chile mit rund 5 Millionen Einwohnern. Daneben sind Valparaíso (Seehafen und Parlamentssitz, 280.000 Einwohner), Viña del Mar (beliebter Urlaubsort, 320.000 Einwohner) und Concepción (Zentrum der Landwirtschaft und Industrie, 350.000 Einwohner) von Bedeutung. Die Region nördlich von Santiago wird "kleiner Norden", die südlich von Santiago "kleiner Süden" genannt.
Das sehr dünn besiedelte Südchile (genannt "großer Süden") ist eine äußerst niederschlagsreiche Region. Die Küste ist durch eine Vielzahl vorgelagerter Inseln stark zerklüftet. Südlich des Festlandes befindet sich die Insel Feuerland, die sich Chile mit dem Nachbarland Argentinien teilt.
Auf der Feuerland vorgelagerten Insel Isla Hornos befindet sich mit Kap Hoorn der südlichste Punkt Chiles und Südamerikas.
In West-Ost-Richtung gliedert sich das Land in einen schmalen Küstenstreifen, der nach Süden breiter wird, und die westliche Anden-Kette entlang der Grenze zu Bolivien und Argentinien.
Besonderheiten des Klimas
Insgesamt wird das Klima Chiles stark durch den Humboldt-Meeresstrom entlang der Küste beeinflusst. Dieser fließt von Süden nach Norden und transportiert kaltes Meereswasser aus der Antarktis. Während zum Vergleich Nordeuropa vom warmen Golfstrom profitiert, liegen die Temperaturen in Chile deutlich niedriger bei analogem Breitengrad (Nord-/Südkoordinate): So herrschen in Punta Arenas in Südchile - welches etwa gleich weit vom Äquator entfernt liegt wie Hamburg - im Sommer etwa Tagestemperaturen von 12°C.
Eine Besonderheit des chilenischen Klimas ist der El-Niño-Effekt, auch Südliche Oszillation genannt. Dieses Klimaphänomen betrifft zwar hauptsächlich Länder wie Peru oder Indonesien, aber auch in Chile ist er etwa alle 7 Jahre wirksam und führt hier zu vermehrten Niederschlägen im Vergleich zu Normaljahren.
Flora und Fauna
Flora
El-Niño
Aufgrund der riesigen Ausdehnung von über 4.000 km Länge gibt es in Chile sehr viele Vegetationszonen. Im Bereich der Atacama-Wüste wächst praktisch nichts. Bewuchs gibt es nur in Küstennähe oder im Bereich der Anden. Hier wachsen sehr viele verschiedene Kakteenarten, Sukkulenten und Zwergsträucher. Allerdings kommt es alle paar Jahre zu Regenfällen in der Wüste, sodass große Wüstenflächen für wenige Tage von Millionen von Blumen überzogen sind.
Südlich der Wüste folgt die Grassteppe mit trockenem Grasland und in den Anden wächst die steinharte Yareta (Azorella yareta), auch Andenpolster genannt. In den trockenen Gebieten wächst der Boldo-Strauch (Peumus boldus). An den Küstengebirgen und in den Anden gibt es Nebelwälder (hydrophile Wälder), wo z.B. der Helecho-Baumfarn (Helecho arborescente) wächst.
Die Weinanbaugebiete beginnen im Bereich des Flusses Río Elquí, außerhalb des Flusstals gibt es allerdings nur Dornensträucher und Kakteen.
In Zentralchile wächst die Honigpalme (Jubaea chilensis) und die Araukarie (Araucaria araucana). Die Araukarie ist der heilige Baum der Mapuche, ihre großen Samen dienten ihnen zur Ernährung. In Chile gibt es auch einige große Eukalyptus-Plantagen.
In Südchile gibt es große Wälder, die dem gemäßigten Regenwald zugeordnet werden. Sie setzen sich vorwiegend aus Zypressen, Kiefern und Lärchen zusammen, ebenso sind Antarktische Scheinbuchen (Nothofagus antarctica) und Pappeln weit verbreitet.
In der XI. Region Aisén gibt es Wälder mit:
- Lenga-Südbuche (Nothofagus pumilio)
- Coihue-Südbuche (Nothofagus dombeyi)
- Arrayán-Myrtenbäumen (Luma apiculata)
- Olivillo-Bäumen (Aextoxicon punctatum)
- Notro-Bäumen (Embothrium coccineum)
- Ulmo-Bäumen (Eucryphia cordifolia)
- Kerzenbäumen (Maventus boaria)
Die Nationalblume Chiles ist die rote Copihue-Blume (Lapageria rosea), eine Kletterpflanze.
Patagonien bildet eine weite Grassteppe und Tundra. Große Teile der Region Aisén und der Region Magallanes sind bereits vergletschert, sodass hier keine Vegetation mehr anzutreffen ist.
Feuerland ist von großen Mooren durchzogen. Hier halten sich nur noch wenige Baumarten, wie die Lenga-Südbuche oder die Magellan-Südbuche Cohiue (Nothofagus betuloides).
Fauna
Magellan-Südbuche
In den Steppengebieten sind Lamas, Guanakos, Alpakas und Vikunjas, die zur Familie der Kamele gehören, weitverbreitet. In den Andenregionen lebt das Huemul, das Nationaltier Chiles, ein Gabelhirsch.
Das Chinchilla, ein Nagetier, lebt ebenfalls in gebirgigen Steppenlandschaften, sowie der Puma. Die Wälder bieten Platz für Hirsche, Chilenische Waldkatzen, Füchse und sogar für Kolibris.
Der Humboldt-Pinguin, Pelikane und Seelöwen leben selbst an den kalten Küsten Nordchiles, sowie im eisreichen Süden.
Über fast den ganzen Bereich Chiles ist der majestätische Andenkondor verbreitet, einer der größten Vögel der Welt. Die großen Salzseen beherbergen tausende von Flamingos.
Im kargen Süden Feuerlands leben Eulen, Magellan-Füchse und Darwin-Nandus.
Bevölkerung
Bevölkerungsdichte
Nandu
Am dichtesten besiedelt ist der Großraum Santiago de Chile, wo in etwa die Hälfte der chilenischen Einwohner lebt. Die Stadt selbst hat etwa 5,5 Millionen Einwohner; sie beherbergt also in etwa ein Drittel aller Einwohner Chiles. Nördlich und vor allem südlich davon erstrecken sich landwirtschaftlich genutzte und dicht besiedelte Gebiete in der Ebene zwischen den Hauptketten der Anden. Nur 100 km westlich von Santiago liegt der Großraum um die Hafenstadt Valparaiso mit ca. 1 Million Einwohnern.
Nach Norden und Süden verringert sich die Bevölkerungsdichte immer stärker. Die Wüstengebiete des äußersten Nordens und die rauen, stürmischen Gebiete im Süden sind aufgrund der ungünstigen klimatischen Bedingungen nur sehr dünn besiedelt.
Ethnische Zusammensetzung
Die chilenische Bevölkerung ist durch einen hohen Grad an Homogenität gekennzeichnet. Die Chilenen mit europäischen Vorfahren und Mestizen bilden rund 90% der Bevölkerung. Der Anteil der Mestizen beträgt ca. 50%, der Mapuche-Anteil bei ca. 7%, der Aymara-Anteil bei 0,5% und der Polynesier-Anteil bei 0,2%.
Während der Kolonialzeit wurde Chile durch Einwanderer aus allen Regionen Spaniens besiedelt. Im frühen 19. Jahrhundert wanderten englische und irische, sowie deutsche Siedler nach Chile. Die ersten Deutschen trafen 1843 in Puerto Hambre ein und siedelten sich später vor allem im Gebiet um den Llanquihue-See und in Valdivia, Osorno, sowie Puerto Montt an. Der Bevölkerungsanteil an Deutschen bzw. Deutschstämmigen beträgt ca. 100.000. Weitere Einwanderer kamen aus Frankreich, Italien, Kroatien und Palästina bzw. dem Nahen Osten.
Puerto Montt
Rund 5% der Bevölkerung gehören (laut Volkszählung 2002) zu den indigenen Völkern. Rund 80% der 700.000 Ureinwohner gehören zum Volk der Mapuche, das in der Region zwischen den Flüssen Bío-Bío und und Toltén lebt und dort einen Bevölkerungsanteil von 23% besitzt. Das Volk der Mapuche lässt sich in Pichunchen, Araucaner und Huilliches unterteilen. Ihre Sprache, das Mapudungun, wird seit wenigen Jahren als Ergänzungsfach in der Schule gelehrt und für eine tägliche Nachrichtensendung im lokalen Fernsehen auf Canal 13 Temuco verwendet. Trotz dieser Errungenschaften bleibt die traditionelle Lebensweise der Mapuche durch die liberale Wirtschaftsordnung gefährdet. Ihr Lebensraum, der traditionell als Kollektiveigentum organisiert ist, wurde durch die Privatisierung meistbietend an Konzerne verkauft. Die Mapuche selbst müssen oft in die Großstädte abwandern, um bezahlte Arbeit zu suchen. Im südlichen Teil von Zentralchile gibt es außer den Mapuche kleinere Bevölkerungsteile der Pehuenches.
Im nördlichen Teil Chiles leben kleinere Stämme von Quechuas, Aymaras, Changos, Atacameños, Diaguitas und Kollas. Im äußersten Süden Chiles leben noch kleine Bevölkerungseinheiten von Selk'nam, Kawéskar, Yaganen, Caucahues sowie Tehuelches. Außerdem leben rund 5.000 Polynesier (Rapa Nui) auf der Osterinsel.
Die Einfuhr schwarzer Sklaven nach Chile war zu allen Zeiten sehr gering. Die Mehrheit von ihnen konzentrierte sich auf die Städte Santiago de Chile, Quillota und Valparaíso. Im Laufe der Jahrhunderte vermischten sich die Schwarzen mit den Weißen und Mestizen, so dass heute das afrikanische Element in Chile fast völlig verschwunden ist. Eine Ausnahme bildet die Stadt Arica in der Provinz Tarapacá. Arica wurde 1570 gegründet und gehörte bis 1883 zu Peru. Die Stadt zählte zu den peruanischen Einfuhrzentren für afrikanische Sklaven. Von hier aus wurde auch ein großer Teil der bolivianischen Handelsgüter auf europäische Schiffe verladen. Arica lag mitten in der Wüste und bildete – Dank der hervorragenden Anbaumöglichkeiten von Zuckerrohr und Baumwolle im Azapatal – eine Oase. Die vielen Erdbeben, Piratenüberfälle und der Ausbruch von Malariaepidemien führte dazu, dass viele Weiße die Stadt verließen. So entwickelte sich mit der Zeit eine mehr oder weniger isolierte afro-chilenische Enklave. Chile erklärte sich 1811 als erster Staat in Südamerika gegen die Sklaverei und schaffte sie 1823 endgültig ab.
In den vergangenen Jahren suchten Armutsflüchtlinge aus Peru und Bolivien ihr Glück in Chile. Die Wirtschaftskrise in Argentinien zwang auch Argentinier zur Arbeitssuche im Nachbarland. Eine kleine Gruppe von Einwanderern kommt aus Asien, vor allem aus Korea, und lebt im Großraum Santiago.
Sprache
Die Amtssprache ist Spanisch, welches aber wie in vielen anderen lateinamerikanischen Ländern nach dem eigentlichem Namen der Sprache, dem castellano bezeichnet wird. Das in Chile gesprochene castellano ist stark regional gefärbt. So wird zum Beispiel s am Silbenende zu einem für deutsche Ohren schwer zugänglichen (aber im Arabischen häufigen) Hauchlaut. Außerdem werden die einzelnen Wörter gerne kontrahiert, wobei die Wörter ineinander übergehen. Für manche deutsche Ohren klingt das chilenische Spanisch daher genuschelt. Zahlreiche in Chile verwendete Begriffe wurden aus den Sprachen der Einwanderer übernommen (z.B. closet oder kuchen).
Unter Freunden, im Familienkreis und selbst mit länger bekannten Arbeitskollegen und -partnern gehören kleine Neckereien zum guten Ton.
Die bekannteste indigene Sprache ist Mapudungun der Mapuche in Südchile, daneben sind in Nordchile Quechua und Aymara und auf der Osterinstel Rapa Nui verbreitet.
Siehe auch: Indigene Völker Südamerikas
Religion
Staat und Kirche sind seit 1925 strikt getrennt.
Die chilenische, römisch-katholische Kirche zählt 11.606.000 Anhänger (75%) und ist die zahlenmäßig stärkste Religionsgemeinschaft des Landes. Die 920 Pfarreien werden in 5 Kirchenprovinzen und 26 Bistümer zusammengefasst. Rund 15% gehören evangelikalen Glaubensgemeinschaften an. Durch den weitverbreiteten pfingstlerischen Einfluss ist der Anteil protestantischer Einwohner in den vergangenen Jahren gestiegen. Andere Glaubensrichtungen sind jüdisch, agnostisch und indianischer Schamanismus, dieser letztere nur von Ureinwohnern vertreten.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Chiles
Präkolumbische und Kolonialgeschichte
Geschichte Chiles 1541.]]
Etwa 13.000 Jahre vor Christi Geburt siedelten die ersten Menschen im heutigen Staatsgebiet Chiles. Später gehörte der Norden Chiles bis zu seiner Eroberung durch die Spanier kurzzeitig zum Inkareich. Im Jahre 1520 entdeckte der Portugiese Ferdinand Magellan während seines Versuches die Erde zu umsegeln die nach ihm benannte Magellanstraße, die an der heutigen Südspitze Chiles liegt. Die nächsten Europäer, die das heutige Chile erreichten, waren Diego de Almagro und seine Gefolgschaft, die 1535 von Peru kommend nach Gold suchten aber von der lokalen Bevölkerung zurückgetrieben wurden. Die erste permanente Siedlung der Europäer war das 1541 durch Pedro de Valdivia gegründete Santiago. Seit 1542 war Chile Bestandteil des spanischen Vizekönigreiches Peru.
Da die Spanier wenig Gold- und Silber fanden, war Chile aufgrund seiner abgeschiedenen Lage eher eine wenig beachtete Kolonie für die spanische Krone. Die große Atacamawüste behinderte den direkten Weg nach Peru. Erst später wurde Chile durch landwirtschaftliche Produkte für die anderen spanischen Besitzungen ein wichtiger Versorgungspartner.
Chile beherbergte verschiedene Volksgruppen, die lange Zeit fälschlicherweise unter dem Begriff Araucaner subsumiert wurden. Im Süden leisteten die Mapuche in zahlreichen Kriegen erbitterten Widerstand, der als Arauco-Krieg (Guerra de Arauco) bezeichnet wird, und verhinderten, dass die Spanier das Gebiet südlich vom Río Bío Bío unter Kontrolle bringen konnten. Ab 1602 bildete der Río Bío Bío faktisch die Grenze zum Mapuchegebiet. Die Spanier schlossen daraufhin 1647 einen Friedensvertrag mit den Mapuche, der allerdings nicht lange hielt. Die meisten spanischen Rückeroberungsversuche endeten in schweren Niederlagen. Viele Städte wurden kurz nach der Neuerrichtung von Mapuche- und Pehuenchenverbänden überrannt und wieder zerstört. Erst 1883 konnten chilenische und argentinische Truppen die Gebiete endgültig zurückerobern.
Neben den indianischen Angriffen behinderten schwere Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche die Entwicklung des Landes. Viele Städte wurden komplett zerstört, wie z.B. Valdivia 1575 und Concepción 1570. Die chilenischen Küstenstädte waren im 16. und 17. Jahrhundert häufigen Angriffen englischer Piraten ausgesetzt.
1609 wurde das Generalkapitanat Chile gegründet, dieses war jedoch abhängig vom Vizekönigreich Peru. 1778 wurde Chile zum eigenständigen Generalkapitanat mit Handelsfreiheit innerhalb des spanischen Königreiches.
Unabhängigkeitskrieg gegen Spanien und Entstehung der Republik
Der Drang nach Unabhängigkeit kam auf, als 1808 Spanien von Napoleons Bruder Joseph regiert wurde. Am 18. September 1810 wurde eine Junta ins Leben gerufen, die Chile im Namen des abgesetzten Königs Ferdinand VII. zu einer autonomen Republik innerhalb des spanischen Königreichs erklärte. Nach dem Spanischen Unabhängigkeitskrieg versuchte Spanien wieder die uneingeschränkte Macht in Chile zu übernehmen. Die Spanier wurden aber in der Schlacht von Chacabuco durch ein chilenisch-argentinisches Heer unter General José de San Martín geschlagen. Am 12. Februar 1818 proklamierte Chile seine Unabhängigkeit von Spanien. In der Schlacht von Maipú am 5. April 1818 brach der spanische Widerstand endgültig zusammen. San Martín verzichtete zugunsten von Bernardo O'Higgins auf das Präsidentenamt und so wurde O'Higgins das erste Staatsoberhaupt Chiles.
O'Higgins selbst wurde gestürzt und ging 1823 ins Exil nach Peru. Sein Nachfolger Ramón Freire y Serrano konnte seine politische Macht nicht richtig festigen und wurde von Francisco Antonio Pinto Díaz 1828 gestürzt. Er führte eine liberale Verfassung ein, was den Zorn der Konservativen hervorrief. Am 17. April 1830 stürzte Diego Portales Palazuelos in der Schlacht von Lircay die Regierung. Portales regierte bis August 1831 mit diktatorischen Mitteln. Im Jahre 1833 entstand mit Hilfe Portales eine streng präsidiale Verfassung. Diese stark zentralistische Verfassung gewährte Chile eine lange Zeit der Stabilität (1833 - 1891). Chile wurde zur ökonomisch stärksten Region in Südamerika und vergrößerte sein Territorium in mehreren Kriegen stark. Von 1836-1839 kam es zum Peruanisch-Bolivianischen Konföderationskrieg mit Bolivien und Peru, den die Chilenen gewannen.
Diego Portales wurde 2005 spektakulär aus einem unbekannten zugemauertem Hohlraum der Kathedrale von Santiago in einem sehr gutem, einbalsamierten Zustand gefunden.
Am 17. September 1865 erklärte Chile Spanien den Krieg (Spanisch-Südamerikanischer Krieg), nachdem Spanien versucht hatte, die peruanische Ex-Kolonie wiederzuerobern. Es kam daraufhin zu den Seegefechten bei Papudo, sowie Abtao vor der Insel Chiloé. Am 5. Dezember 1865 verbündete sich auch Peru mit Chile, um den gemeinsamen Feind zu bekämpfen. Die Spanier beschossen am 31. März 1866 die Stadt Valparaíso massiv. Die spanische Herrschaft war 1866 praktisch beendet. Der Konflikt mit Spanien konnte aber erst in Verträgen von 1871 und 1883 endgültig gelöst werden.
Salpeterkrieg und andere Grenzstreitigkeiten
Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts wanderten verstärkt auch nicht-spanische Europäer nach Chile ein, darunter Deutsche, deren Spuren noch heute vor allem im südlichen Mittelteil das Landes zu sehen sind (Valdivia, Osorno, Puerto Montt, Puerto Varas, Frutillar, Puerto Natales).
Puerto Natales]]
Im Salpeterkrieg, 1879 bis 1883, eroberte Chile Teile der bis dahin zu den Nachbarländern Peru und Bolivien gehörenden Atacamawüste. Dadurch verlor Bolivien seinen freien Zugang zum Pazifik. In den eroberten Gebieten wurden später große Kupfervorkommen gefunden. Chuquicamata, die größte Kupfer-Tagebau-Mine der Welt, befindet sich in diesem Gebiet.
1891 revoltierte die chilenische Marine gegen Präsident José Manuel Balmaceda und es kam zum Bürgerkrieg. In diesem Konfikt starben rund 6000 Menschen. Balmaceda verlor zwei größere Schlachten und beging am 18. September 1891 Selbstmord.
Ab 1893 verschärften sich die Grenzprobleme mit Argentinien, nachdem Bolivien einen Teil der Puna de Atacama an Argentinien abgetreten hatte. Diese war seit dem Salpeterkrieg von Chile besetzt. Zwischen Chile und Argentinien kam es zu einem Wettrüsten. Erst der britische König Edward VII. konnte 1902 den Grenzstreit schlichten. Patagonien und Feuerland wurden neu aufgeteilt, davon fielen 54.000 km² an Chile und 40.000 km² an Argentinien. Die Grenzstreitigkeiten mit Bolivien wurden 1905 nur vorläufig beigelegt.
Am 16. August 1906 erschütterte ein sehr starkes Erdbeben mit anschließendem Tsunami die Stadt Valparaíso, die fast komplett zerstört wurde, dabei starben rund 20.000 Menschen.
Valparaíso
Erster und Zweiter Weltkrieg
Chile blieb im Ersten Weltkrieg neutral, die innenpolitische Lage war aber weiterhin instabil. Präsident Arturo Alessandri Palma, der in Chile ein System der Sozialversicherung eingeführt hatte, wurde 1924 durch einen Militärputsch entmachtet. Bis 1932 regierte Carlos Ibáñez del Campo das Land mit diktatorischen Mitteln. 1932 wurde die verfassungsmäßige Ordnung wiederhergestellt, und die Radikalen erwiesen sich in den folgenden zwanzig Jahren als führende Partei.
Die Weltwirtschaftskrise um 1930 traf Chile besonders hart. Die Preise für die wichtigsten Exportgüter Kupfer und Salpeter verfielen zusehends. Ab den 1930er Jahren erfolgte eine langsame Erholung des Landes, die 1938 durch einen Putschversuch der Nationalsozialistischen Bewegung Chiles und das darauffolgende Massaker unterbrochen wurde.
1934 kam es zu einer großen Bauernrebellion in Ranquil. Die Mapuche versuchten Teile ihrer angestammten Gebiete zurückzuerobern. Erst der Einsatz der Armee konnte diesen letzten großen Mapucheaufstand beenden.
Nachdem Chile lange Zeit - auch aus Rücksicht auf die zahlreichen deutschstämmigen Chilenen - im Zweiten Weltkrieg neutral geblieben war, beschloss 1944 der Präsident Juan Antonio Ríos Morales, in den Krieg einzutreten, aber der Einfluss Chiles auf den Kriegsausgang blieb unbedeutend. Viele Nationalsozialisten flüchteten nach dem Ende des Krieges nach Lateinamerika, viele davon nach Chile. 1945 gehörte das Land zu den Gründungsmitgliedern der Vereinten Nationen und trat 1948 der OAS bei. Das Frauenwahlrecht wurde 1949 eingeführt.
Nachkriegszeit
Großer Gegenspieler der Konservativen, die mit ihrem Kandidaten Jorge Alessandri 1958 zum letzten Mal die Präsidentschaftswahl gewannen, wurden die Christdemokraten, die zwar strikt antikommunistisch, nach europäischen Maßstäben aber in Fragen der Sozialpolitik gemäßigt links eingestellt waren.
Am 22. Mai 1960 erschütterte das bisher stärkste gemessene Erdbeben der Welt, mit anschließendem Tsunami, Chile. Es hatte die Stärke 9,5 auf der Richterskala. Es starben mehr als 2.000 Menschen.
1964 gewann Eduardo Frei Montalva als Kandidat der Christdemokratischen Partei die Wahl zum Präsidenten, auch mit Wahlhilfe aus den USA. Er versuchte unter dem Motto "Revolution in Freiheit", Sozialreformen mit der Beibehaltung der demokratischen Ordnung zu verbinden und den Spagat zwischen den radikalen Forderungen der Linken und der rigorosen Abwehr von Reformen durch die Rechten zu schaffen. Eine Landreform verteilte über drei Millionen Hektar Großgrundbesitz an Bauerngenossenschaften. Frei scheiterte letztlich mit seinen wichtigsten Reformen, darunter die teilweise Verstaatlichung der Kupferindustrie. 1969 trat Chile als Gründungsstaat der Andengemeinschaft bei, trat allerdings 1976 wieder aus.
Präsidentschaft Salvador Allendes
Die Kräfte der Linken bildeten 1969 die Unidad Popular (UP), ein Wahlbündnis, dem neben der Kommunistischen und der Sozialistischen Partei noch viele andere kleine humanistische, linkschristliche und marxistische Parteien angehörten. Die UP vertrat eine sozialistische Linie, warb für die Verstaatlichung der Industrie und die Enteignung der Großgrundbesitzer. Dieses Bündnis stellte 1970 als Präsidentschaftskandidaten Salvador Allende auf, der schon 1964 kandidiert hatte.
Aus den Wahlen von 1970 ging das linke Wahlbündnis Unidad Popular mit 37% der Stimmen als stärkste Kraft hervor und Salvador Allende wurde zum Präsidenten gewählt. Sein konservativer Gegner, Jorge Alessandri, kam auf 35,3%, und der Christdemokrat Radomiro Tomic erzielte 28,1%. Allendes Minderheitsregierung wurde mit den Stimmen der Christdemokraten um Tomic installiert und verstaatlichte in der Folge die wichtigsten Wirtschaftszweige (Bankwesen, Landwirtschaft, Kupferminen, Industrie, Kommunikation) und geriet dadurch in wachsende Konflikte mit der Opposition. Zudem traf der Wahlsieg Allendes in den USA auf heftigen Widerstand. Mit dem Sieg der "Volksfrontregierung" unter marxistischen Einfluss in Chile war nach Kuba der zweite amerikanische Staat sozialistisch regiert. Dies schien die 1954 von US-Präsident Eisenhower postulierte Domino-Theorie zu bestätigen, wonach die Länder Südamerikas nach und nach wie Dominosteine dem Kommunismus unterliegen würden. Im März 1973 konnte die Unidad Popular ihren Stimmenanteil nochmals vergrößern, verfehlte aber die absolute Mehrheit. Ende August 1973 entzog das Parlament der Regierung mit der Begründung missbräuchlicher Amtsausübung das Vertrauen.
Ära Pinochet
Domino-Theorie
Am 11. September 1973 kam es schließlich zum Militärputsch gegen die Regierung. Präsident Allende beging im Präsidentenpalast "Moneda" nach glaubhaften Zeugenaussagen und einer späteren Obduktion Selbstmord. Hunderte seiner Anhänger kamen in diesen Tagen ums Leben, Tausende wurden inhaftiert. Sämtliche staatlichen Institutionen in ganz Chile waren binnen Stunden vom Militär besetzt. Die Macht als Präsident einer Junta übernahm General Augusto Pinochet, der gleichzeitig Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, der Luftwaffe und der Nationalpolizei war.
In den dünn besiedelten Wüstengebieten im Norden Chiles und in Patagonien errichtete das Militär Konzentrationslager, wo Oppositionelle und deren Sympathisanten nicht selten zu Tode gefoltert oder unter anderem mit Flugzeugen hinaus aufs Meer geflogen und dort hinausgeworfen wurden. Tausende Chilenen gingen daher wegen der fortgesetzten Menschenrechtsverletzungen ins Exil.
Schon kurz nach der Machtübernahme Pinochets begannen auch die USA wieder, Chile intensiv mit Wirtschaftshilfe zu unterstützen. Die Militärregierung machte die Verstaatlichungen Allendes mit Ausnahme der wichtigen Kupfermine Chuquicamata rückgängig, führte neoliberale Wirtschaftsreformen durch und schaffte die Gewerkschaftsrechte ab. Durch das zurückfließende Kapital erholte sich allmählich die Wirtschaft. Mit dieser rigorosen Wirtschaftspolitik klafften die Unterschiede zwischen Arm und Reich in Chile wieder deutlicher auseinander, aber die Volkswirtschaft insgesamt profitierte von hohen Wachstumsraten und einer für südamerikanische Verhältnisse außergewöhnlichen Stabilität. Eine politische und ökonomische Stabilität, die auf einer menschenverachtenden Repressionspolitik seitens der Militärmachthabern basierte.
Etwa zehn Jahre vor der Machtübernahme Pinochets kam es zu der Gründung der Colonia Dignidad, einer streng bewachten Siedlung von Deutschstämmigen, geführt von Paul Schäfer, die von manchen als Sekte bezeichnet wird. Die Colonia soll während der Militärherrschaft angeblich als Folterzentrum für die chilenischen Geheimdienste gedient haben. Darüber hinaus soll sich die Colonia zu einem florierenden Konzern, der u.a. Titanium nach Deutschland exportierte, entwickelt haben.
Paul Schäfer
Im Dezember 1978 kam es zu kriegerischen Drohungen zwischen Argentinien und Chile. Die unbewohnten Inseln Lennox, Picton und Nueva im Beagle-Kanal wurden zum Streitpunkt, vor allem weil in der Gegend größere Öl-Reserven vermutet wurden. Der Streit wurde erst durch Vermittlung des Vatikans mit einem Grenzvertrag am 2. Mai 1985 friedlich beigelegt, bei dem alle drei Inseln Chile zugesprochen wurden. Die fast endgültige Grenzziehung mit Argentinien am Fitz Roy-Massiv wurde am 16. Dezember 1998 vereinbart. Es bleibt bis heute nur noch ein kleiner undefinierter Abschnitt im Bereich des Campos de Hielo Sur (südliche Eisfelder) übrig. Dieser Bereich beherbergt eines der grössten Süsswasserreservoirs Südamerikas.
Während des Falkland-Krieges 1982 unterstützte Chile Großbritannien passiv gegen Argentinien, aufgrund der in 1978 vorausgegangenen Drohungen Argentiniens, in Chile einzufallen. Chile ließ ein beschädigtes britisches Flugzeug auf seinem Territorium landen und versorgte es. Desweiteren half Chile Großbritannien mit Radar- und Spionagetätigkeiten. Der chilenische Exluftwaffenchef Fernando Matthei bestätigte später die geheime Kooperation.
Redemokratisierung
1988 wurde eine Volksabstimmung abgehalten, bei der sich eine Mehrheit (55%) gegen eine weitere Amtszeit Pinochets aussprach. 1989 fanden die ersten freien Wahlen nach 15-jähriger Diktatur statt, Präsident wurde der Christdemokrat Patricio Aylwin. Aylwin begann mit bescheidenen Wirtschaftsreformen und bemühte sich, die verfeindeten politischen Lager zu versöhnen, um ein demokratisches Zusammenleben zu ermöglichen. Behutsam begann er mit der Aufarbeitung der Verbrechen der Militärdiktatur: Im November 1993 standen erstmals Offiziere wegen Menschenrechtsverletzungen vor Gericht. Viele Exilanten kehrten zurück in ihre Heimat.
In der allgemeinen Stimmung der Loslösung von der Vergangenheit des Pinochet Regimes, kam es zu Beginn des Jahres 1993 zu Studentenunruhen an der katholischen Universität von Valparaíso, die von der linksgerichteten Movimiento Liberta Chile angeführt wurden. Trotz einer raschen Zerschlagung dieser Protestbewegung, entfachten die Unruhen doch aufs neue eine Diskussion über das chilenische Bildungswesen nach Pinochet.
Movimiento Liberta Chile
Von 1994 bis 2000 regierte der Christdemokrat Eduardo Frei Ruiz-Tagle. 1993 kam der ehemalige DDR-Staatsratsvorsitzende | | |