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Insektizid

Insektizid

Ein Insektizid ist eine Substanz, die zur Abtötung von Insekten und deren Entwicklungsstadien verwendet wird. Insektizide werden in der Landwirtschaft, zum Vorrats- und Materialschutz sowie im Hygienebereich angewendet. Insektizide wirken u.a. als Nervengifte auf das Nervensystem der Insekten ein.

Wirkstoffe

Die Aufnahme der Wirkstoffe kann als Atemgift über die Atemwege, als Fraßgift über den Verdauungstrakt oder als Kontaktgift nach Berührung erfolgen. Wirkstoffgruppen sind
- Naturstoffe wie Pyrethrum, Quassin, Rotenon und Zimtöl
- Pyrethroide
- Carbamate wie Triazamat
- Alkenylester
- organische Phosphorsäure-Ester, wie Parathion
- Pyridylmethylamine
- Chlorkohlenwasserstoffe Außerdem gibt es Insektizide auf Basis von Pilzen (Paecilomyces fumosoroseus), Fadenwürmern (Nematoda), Bakterien (Bacteria) und Viren. Eine Zusammenstellung von höheren Pflanzen, aus denen Insektizide gewonnen werden, findet sich im Artikel Nutzpflanzen.

Literatur


- Marion Beckmann, Karl-Josef Haack: Insektizide für die Landwirtschaft: Chemische Schädlingsbekämpfung. Chemie in unserer Zeit 37(2), S. 88 - 97 (2003), ISSN 0009-2851

Siehe auch:


- Schädlingsbekämpfung
- Breitbandinsektizid
- Insektenschutz ! Kategorie:Pestizid ja:殺虫剤

Hygiene

Die Hygiene ist die Lehre von der Verhütung der Krankheiten und der Erhaltung und Festigung der Gesundheit bzw. in der Alltagssprache auch ein konkreter Zustand, ähnlich gemeint wie Sauberkeit.

Etymologie

Das Wort Hygiene kommt aus dem Griechischen (υγιεινή [τέχνη], hygieiné [téchne]) und bedeutet "der Gesundheit zuträgliche Kunst". Es leitet sich von der griechischen Göttin der Gesundheit, Hygéia, ab. Im engeren Sinn werden unter Hygiene die Maßnahmen zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten bezeichnet, insbesondere die Reinigung und Desinfektion.

Geschichte

Bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Sauberkeit und Desinfektion in der Medizin nicht als notwendig angesehen. So wurden die Operationsschürzen der Chirurgen praktisch nie gewaschen und waren deshalb schwarz, damit die eingetrockneten Blutflecken nicht so auffielen. Medizinische Instrumente wurden vor dem Gebrauch nicht gereinigt. So wurden in einem Pariser Krankenhaus die Wunden von verschiedenen Patienten nacheinander mit dem selben Schwamm gereinigt. Ignaz Semmelweis gelang in den 1840er Jahren erstmals der Nachweis, dass Desinfektion die Übertragung von Krankheiten eindämmen kann. Als Assistenzarzt in der Klinik für Geburtshilfe in Wien untersuchte er, warum in der einen Abteilung, in der Medizinstudenten arbeiteten, die Sterblichkeitsrate durch Kindbettfieber wesentlich höher war als in der zweiten Abteilung, in der Hebammenschülerinnen ausgebildet wurden. Er fand die Erklärung, als einer seiner Kollegen während einer Leichensektion von einem Studenten mit dem Skalpell verletzt wurde und wenige Tage später an Blutvergiftung verstarb, einer Krankheit mit ähnlichem Krankheitsverlauf wie dem des Kindbettfiebers. Semmelweis stellte fest, dass die an Leichensektionen Beteiligten bei der anschließenden Geburtshilfe die Mütter zu infizieren in der Lage waren. Da Hebammenschülerinnen keine Sektionen durchführen, kam diese Art der Infektion in der zweiten Krankenhausabteilung nicht vor. Das erklärte die dort niedrigere Sterblichkeit. Semmelweis wies seine Studenten daher an, sich vor der Untersuchung der Mütter die Hände mit Chlorkalk zu desinfizieren. Diese wirksame Maßnahme senkte die Sterblichkeitsrate von 12,3% auf 1,3%. Das Vorgehen stieß aber bei Ärzten wie Studenten auf Widerstand. Sie wollten nicht wahrhaben, dass sie selbst die Infektionen übertrugen, anstatt sie zu heilen. Sir Joseph Lister, ein schottischer Chirurg, verwendete erfolgreich Karbol zur Desinfektion von Wunden vor der Operation. Er war zunächst der Meinung, dass Infektionen durch Erreger in der Luft verursacht würden. Eine Zeitlang wurde deshalb während der Operation ein feiner Karbolnebel über dem Patienten versprüht, was wieder aufgegeben wurde, als man erkannte, dass Infektionen hauptsächlich von Händen und Gegenständen ausgingen, die in Kontakt mit den Wunden kamen. Max von Pettenkofer hatte ab 1865 den ersten Lehrstuhl für Hygiene in Deutschland inne und gilt als Vater der Hygiene. Weitere bekannte Forscher auf dem Gebiet der Hygiene:
- Louis Pasteur
- Robert Koch

Ökonomisch-soziologische Zusammenhänge

Thomas McKeown hat 1979 den Rückgang der Infektionskrankheiten der letzten 200 Jahre auf Hygiene, bessere Ernährung, Immunität und andere unspezifische Maßnahmen zurückgeführt. Abseits der Industriestaaten hat sich das Muster der Erkrankungen nicht wesentlich verändert, trotz teilweiser Einführung von medikamentösen Behandlungsmethoden. So kann angenommen werden, dass ohne finanzielle und materielle Unterstützung der "dritten Welt" und ohne bessere Lebensbedingungen für den Großteil der Menschheit der Gefahr von Seuchen Vorschub geleistet wird. In den letzten Jahrzehnten zeichnet sich in den Industriestaaten allerdings ein Trend zu übermäßiger Hygiene ab. So werden heute sogar Müllbeutel angeboten, die mit antibakteriellen Mitteln behandelt sind. Dabei weisen wissenschaftliche Studien auf einen Zusammenhang zwischen penibler Hygiene und dem Auftreten von Allergien hin. Durch den verringerten Kontakt mit Keimen besonders während der frühen Kindheit tendiere das Immunsystem dazu, Reaktionen auf eigentlich harmlose Stoffe, wie zum Beispiel Pollen oder Hausstaub zu zeigen. Eine interessante Studie wurde am Landeskinderkrankenhaus Salzburg durchgeführt (Doz. Dr. Josef Riedler). Dort konnte wissenschaftlich festgestellt werden, dass Kinder auf Bauernhöfen viel weniger Allergien aufwiesen. Diese Studie wurde in Madrid auf einem Kongress vorgestellt und in der medizinischen Fachzeitschrift "The Lancet" (Bd. 258, S 1129) publiziert.

Hygienemaßnahmen

Die einfachste Hygienemaßnahme sind das Waschen der Hände mit Seife und die Mundhygiene. Weitere hygienische Maßnahmen
- Steriles Arbeiten
  - Schutzhandschuhe
  - Mundschutz
- Desinfektion
  - Das ausgiebige Waschen der Hände mit hautfreundlicher Seife, danach die Hände an einem sauberen Handtuch abtrocknen
  - Das Einreiben der Hände mit speziellen Desinfektionsmitteln, mindestens eine halbe Minute lang (Händedesinfektion)
- Isolierung
  - Quarantäne
- Reinigung
  - Reinigung von medizinischen Instrumenten mit Desinfektionsmitteln
  - Spülen von Geschirr und Besteck in der Küche mit Spülmittel
  - Waschen der Kleidung mit heißem Wasser und Waschpulver, gegebenenfalls auch mit "Fleckenteufel"
  - Reinigung des Fußbodens mit speziellen Reinigungsmitteln, zum Beispiel Fliesenreiniger oder Parkettreiniger

Andere Formen der Hygiene

Bei der Schlafhygiene lernt der Patient, richtig zu schlafen und einen geregelten Schlaf-Wach-Rhythmus einzuhalten. Strahlenhygiene ist ein Begriff des Strahlenschutzes und zielt auf die möglichst weitgehende Vermeidung der Exposition von Mensch und Umwelt durch ionisierende Strahlung. Psychohygiene bedeutet das liebevolle Umsorgen, das verständnisvolle Gespräch mit emotionaler Wärme und das Vermitteln von Nestwärme bei der Betreuung von Kranken, Behinderten, Kindern, Alten oder Benachteiligten. Dazu zählt auch der Besuch von Angehörigen sowie das Rooming in und das Bonding. Besonders in Krankenhäusern, Kinderheimen und Pflegeheimen wird dadurch den Deprivations-Erscheinungen und dem psychischen Hospitalismus vorgebeugt. Volkshygiene subsummiert gesundheitspolitische Maßnahmen größeren Maßstabs wie Reihenimpfungen, generelle Impfungen von Kindern oder generelle Jodierung von Speisen sowie die Chlorierung des Trinkwassers in heißen Ländern. Negativ besetzt ist der Begriff Rassenhygiene aus der Eugenik, der metaphorisch nahelegt, eine (menschliche) "Rasse" oder ein "Volkskörper" könne durch wie auch immer geartete "hygienische" Maßnahmen "rein" gehalten (oder "bereinigt") werden. Unter politischer Hygiene (eng verwandter Begriff: Political Correctness) versteht man gemeinhin z.B. Rücktritte von Politikern, denen in einer kritischen Öffentlichkeit Fehlverhalten nachgewiesen wurde. Gedankenhygiene oder Denkhygiene ist ein Begriff bei verschiedenen Motivationstechniken und Methoden des positiven Denkens, der das (angeblich trainierbare) Ausblenden negativer und Hervorheben positiver Denkinhalte bezeichnet, wird gelegentlich aber auch negativ besetzt im Sinne von Gehirnwäsche benutzt.

Siehe auch


- Haushaltshygiene
- Lebensmittelhygiene

Literatur


- McKeown, T.: The role of medicine: Dream, mirage or nemesis? 1979 Blackwell, Oxford
- Christian Conrad: Krankenhaushygiene damals und heute - was hat sich geändert? Hygiene und Medizin 29(6), S. 204 ff. (2004), ISSN 0172-3790
- M. Klude, U. Seebacher, M. Jaros: Potenzielle Gefährdung von Mensch und Umwelt durch Desinfektionsmittel in der Krankenhaushygiene: Eine vergleichende Bewertung. Krankenhaus Hygiene und Infektionsverhütung 24(1), S. 9 - 15 (2002), ISSN 0720-3373
- A. Nassauer: Die neue Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention - Tradition und Fortschritt. Hygiene und Medizin (29(4), S. 113 - 115 (2004), ISSN 0172-3790

Weblinks


- [http://www.charite.de/krankenhaushygiene/ Institut für Hygiene und Umweltmedizin Berlin]
- [http://www.hygiene-berlin.de/ Hygiene Institut SearchCare Berlin]
- [http://www.uni-essen.de/krankenhaushygiene/skripte/ Universitätsklinikum Essen - Krankenhaushygiene] Textsammlung zum Thema Hygiene
- [http://www.iuk-freiburg.de Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene]
- [http://www.dhmd.de/ Deutsches Hygienemuseum in Dresden]
- http://healthlink.mcw.edu/article/1031002421.html Hygiene Hypothesis: Are We Too "Clean" for Our Own Good?] englischsprachige Seite (HealthLink) Kategorie: Hygiene ja:衛生

Atemgift

Atemgifte sind primär Stoffe, die eine schädigende Wirkung auf den Mensch haben, wenn diese über die Atemwege aufgenommen werden. Kontaktgifte zählen im strengen Sinne nicht zu den Atemgiften, da diese vornehmlich über die Haut aufgenommen werden. Die Wirkung der Atemgifte ist sehr unterschiedlich, aber prinzipiell abhängig von der Konzentration und der Einwirkungsdauer. Die schädigende Wirkung kann zum sofortigen Tod (z.B.Blausäuredämpfe) oder zu einer chronischen Schädigung (z.B. bei Asbest) führen.

Einteilung der Atemgifte

Atemgifte kann man anhand der schädigenden Eigenschaften einteilen. Die Atemgifte werden nach ihrer Hauptwirkung in 3 Gruppen eingeteilt:
- Gruppe 1: Atemgifte mit erstickender Wirkung
- Gruppe 2: Atemgifte mit Reiz- und Ätzwirkung
- Gruppe 3: Atemgifte mit Wirkung auf Blut, Nerven und Zellen Zusätzlich unterscheidet man noch Atemgifte bezüglich ihrer Wasserlöslichkeit, ihrer molaren Masse (leichter oder schwerer als Luft), und nicht zu letzt bezüglich ihres Aggregatzustandes (fest, flüssig, gasförmig)

Atemgifte mit erstickender Wirkung

Diese Atemgifte sind nicht im eigentlichen Sinne giftig, sondern sorgen in hoher Konzentration als Stickgase für die Verdrängung des zur Atmung notwendigen Sauerstoffs. Die Anwesenheit dieser Stickgase (inerte Gase), beziehungsweise das Fehlen des notwendigen Sauerstoffes, in der Umgebungsluft ist nicht mit den menschlichen Sinnesorganen wahrnehmbar. Stadien des Sauerstoffmangels:
- zw. 18% und 21%: Normalzustand
- zw. 10% und 18%: Unwohlsein, Wahrnehmungstrübung
- zw. 6% und 10%: verstärkte Symptome
- zw. 3% und 6%: Bewußtlosigkeit
- zw. 0% und 3%: Tod innerhalb kurzer Zeit Beispiele sind Stickstoff, Wasserstoff, Helium, Argon Einziger Schutz ist das Tragen von umluftunabhängigen Atemschutzgeräten, beispielsweise Pressluftatmern.

Atemgifte mit Reiz- und Ätzwirkung

Diese reizen oder zerstören das Gewebe der Atemwege, und sorgen für eine oft lange dauernde Schädigung. Man unterscheidet sie in leicht- und schwer wasserlöslich. Die leicht wasserlöslichen Atemgifte reagieren in den oberen Atemwegen (Mund, Nase, Rachenraum, Kehlkopf), und wirken dort schädigend. Die schwer wasserlöslichen Atemgifte gelangen in die unteren Atemwege (Luftröhre, linker und rechter Luftröhrenhaupast, Bronchien, Bronchiolen und Alveolen) und wirken dort nach einer Latenzzeit schädigend auf den Körper, es kommt dann zum Lungenödem. Dadurch ergibt sich, dass leicht wasserlösliche Reizgifte weniger gefährlich sind als schwer wasserlösliche. Abgesehen von der Ätzwirkung, werden leicht wasserlösliche Reizgase durch den Menschen bereits in ungefährlichen Konzentrationen wahrgenommen, so dass rechtzeitig Schutzmaßnahmen durchgeführt werden können. Beispiele sind: Säuredämpfe, Ammoniak, nitrose Gase, Laugendämpfe, Phosgen, Stäube von Kali oder Ätznatron

Atemgifte mit Wirkung auf Blut, Nerven und Zellen

Diese Atemgifte werden über die Atmungsorgane in das Blut aufgenommen, wo sie in anderen Körperorganen wirken oder eine direkte Hirnschädigung hervorrufen, sie können ebenso den Sauerstofftransport im Blut beeinflussen (Kohlenmonoxid das sich an das Hämoglobin bindet). Beispiele sind: Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Blausäure, Alkohole, und die chemischen Kampfstoffe Tabun, Soman, Sarin, VX Diese Atemgifte können prinzipiell auch über die Haut aufgenommen werden. Da dies aber wesentlich langsamer geschieht, ist die Gefahr der Aufnahme über die Atemwege dringender. Achtung Feuerwehrangehörige: Blausäure (kurz HCN, vollständig Cyanwasserstoff genannt) wird von der üblichen HUPF-Kleidung schwammartig aufgesogen, und schädigt den Körper sehr schnell. Noch an der Einsatzstelle kann eine durch innere Erstickung ausgelöste Ohnmacht den Tod nach sich ziehen. Blausäure verhindert den Sauerstoffaustausch zwischen Blut und Zellen, Verunfallte sind schnellstens notärtzlicher Behandlung zu unterziehen, und müssen zur Beobachtung in ein Krankenhaus. (Behandlung an der Unfallstelle mit Natriumthiosulfat, Methylenblau und 4-DMAP.) Kohlendioxid gehört nicht, wie oft irrtümlicherweise angenommen, in die Klasse 1, sondern in die Klasse 3, da über Kohlendioxid die Atmung beim gesunden Menschen reguliert wird. Der Kohlendioxidgehalt im Blut wird vom verlängerten Rückenmark (Medulla Oblongata) gemessen, welches den Atemreflex reguliert. Eine Erhöhung des Kohlendioxidgehaltes in der Atemluft hat zunächst eine Atmungsfrequenz- und Atmungstiefensteigernde Wirkung, die aber bei weiterem Steigen der Konzentration in der Luft in eine Atemlähmung mit Bewusslosigkeit und anschliessendem Tod übergeht. Somit hat Kohlendioxid direkten Einfluss auf Nerven und Blut.

Schutz vor Atemgiften

An Einsatzstellen, wo mit Atemgiften zu rechnen ist, muß geeigneter Atemschutz verwendet werden.

Siehe auch

Portal:Feuerwehr, Themenliste Feuerwehr

Weblinks


- [http://www.feuerwehr-halle.de/Feuerwehr-Ausbildung/Gefahren_Einleitung/Gefahren_Atemgifte/gefahren_atemgifte.html Feuerwehr-Halle: Atemgifte] Kategorie:Stoffgruppe Kategorie:Atem- und Körperschutz

Kontaktgift

Ein Kontaktgift ist ein Stoff, der über die Haut, also dermal aufgenommen werden kann. Zu den bekanntesten Kontaktgiften gehört das Pflanzenschutzmittel E605. Es handelt sich hierbei um ein mittlerweile verbotenes Pflanzenschutzmittel, einen Phosphorsäureester, der als Nervengift wirkt. Auch die Fluorwasserstoffsäure gehört zu den Kontaktgiften. Einige chemische Kampfstoffe wirken ebenfalls als Kontaktgifte. Zu den pflanzlichen Stoffen, die über die Haut wirken, zählt das Gift des Eisenhut. Kategorie:Klinische Toxikologie Kategorie:Gift

Pyrethrum

Pyrethrum ist eine Mischung aus verschiedenen Pyrethrinen, Cinerinen und Jasmolinen. Pyrethrine bezeichnet den Pyrethrum-Extrakt aus den Blüten der Chrysanthemen.

Herstellung

Pyrethrum wird aus den getrockneten Blüten von Chrysanthemen-Arten durch Zerkleinern oder Extraktion mit Lösungsmitteln gewonnen. Die pulverisierten Blüten kamen früher in verschiedenen Handelsformen auf den Markt. Der Unterschied besteht lediglich in der als Ausgangsprodukt verwendeten Chrysanthemenart. Das "montenegrinische- bzw. dalmatinische Insektenpulver" wird aus der dalmatinischen Insektenblume (Tanacetum cinerariifolium Synonym Chrysanthemum cinerariifolium, Pyrethrum cinerariifolium), hingegen das "armenische-, persische bzw. kaukasische Insektenpulver" aus der kaukasischen Insektenblume (Tanacetum coccineum Synonym Chrysanthemum coccineum, Pyrethrum roseum, Pyrethrum carneum) gewonnen. Pyrethrum liefernde Pflanzen werden bevorzugt angebaut in bzw. exportiert aus Afrika (u.a. Tansania, Kenia), Mittelamerika (u.a. Ecuador, Kolumbien), Neuguinea, Japan und Tasmanien, das ein Drittel des weltweiten Bedarfs an Pyrethrum liefert.

Wirkung

Pyrethrum wirkt als Kontaktgift, das für die Insekten neurotoxisch ist. Der Wirkmechanismus beruht darauf, dass die spannungsabhängigen Natriumkanäle in den Nervenmembranen blockiert werden. Pyrethrum ist jedoch nicht sehr stabil und verliert so schnell seine Wirksamkeit und außerdem sind die Herstellungskosten sehr hoch. Dies führte dazu, dass ausgehend von Pyrethrum selektive, hochwirksame Verbindungen, die sog. Pyrethroide, entwickelt wurden, die erst für die breite Verwendung im Veterinär- und Pflanzenschutz geeignet waren. Pyrethrum ist giftig für alle Insektenarten, auch für Nützlinge. Im Ökologischen Landbau sind daher die in der Umwelt nur schwer abbaubaren synthetischen Pyrethroide nicht zugelassen. Pyrethrum ist zudem sehr giftig für Fische. Die Toxizität LD50 im Tiermodell (Ratte) ist oral 584 - 900 mg/kg bzw. dermal (Aufnahme durch die Haut) 1500 mg/kg

Verwendung

Die Wirkung des Extrakts war schon den Römern bekannt. Sie nannten Pyrethrum "persisches Insektenpulver" und setzten es gegen Läuse und Flöhe ein. Pyrethrum und Pyrethroide werden u.a. in der Landwirtschaft (Obstbau und Gemüsebau), in der Holz- und Forstwirtschaft, in der Zierpflanzenproduktion eingesetzt. Bei der Einreise in bestimmte Länder (u.a. Australien, Indien, Neuseeland) ist eine Desinfektion des Flugzeugs bzw. der Flugkabine einschließlich der Passagiere mit Insektiziden u.a. aus dieser Wirkstoffklasse vorgeschrieben. Im häuslichen Bereich werden Pyrethrum bzw. Pyrethroide verwendet
- als Holzschutzmittel
- zur Textilausrüstung gegen Schädlinge (Wollteppiche werden "mottenecht" ausgestattet gegen Larven von Motten oder Teppichkäfern)
- in sog. Elektroverdampfern (gegen Fliegen und Mücken)
- als Insektensprays und -strips (gegen Schaben, Ameisen usw.),
- als Mittel gegen Flöhe (gegen Tierflöhe, Flohhalsband bei Hunden)
- als Mittel gegen Kopfläuse ("Goldgeist forte", "Jacutin N Spray", "Infecto Pedicul")

Weblinks


- http://www.free.de/WiLa/derik/Insektizide.Teil5.html
- http://www.giftpflanzen.com/chrysanthemum_cinerariifolium.html Kategorie:Pflanzenprodukt Kategorie:Ektoparasitikum Kategorie:Pestizid

Zimtöl

Zimtöl ist ein ätherisches Öl, das aus den verschiedenen Zimtsorten gewonnen wird. Wichtige Inhaltstoffe des Zimtöls sind Zimtaldehyd, Eugenol und Zimtsäure.

Typen

Das echte Zimtöl wird in den Plantagen auf Ceylon aus den Abfällen der Zimtrinde durch Destillation mit Wasser hergestellt. 200 kg Rinde sollen 1 kg Öl geben. Dieses ist farblos oder blaßgelb, etwas dickflüssig, wird mit dem Alter rötlichgelb bis bräunlichrot, riecht fein zimtartig, schmeckt süßlich aromatisch und beißend scharf, noch bei -25 °C. klar und flüssig, mit einer Dichte von 1,006-1,044 g/cm³, siedet bei 220 °C, reagiert frisch neutral, im Alter sauer, löst sich wenig in Wasser und mischt sich mit Alkohol in jedem Verhältnis. Zimtkassienöl (Cassiaöl) wird in China durch Destillation der Zimtkassie mit Wasser gewonnen (Ausbeute 0,7 Prozent), ist dickflüssig, mehr bräunlich als rötlich, riecht zimtartig, aber weniger fein und schmeckt weniger brennend als das echte Z., erstarrt unter 0°, schmilzt bei 5 C°, reagiert frisch neutral, im Alter sauer, mit einer Dichte von 1,03 bis 1,09 g/cm³, löst sich wenig in Wasser, mischt sich mit Alkohol, siedet bei 225 °C und besteht, wie das vorige, wesentlich aus Zimtaldehyd, welcher an der Luft leicht in Zimtsäure übergeht. Zimtblütenöl gleicht dem Kassienöl. Zimtblätteröl aus den Blättern des echten Zimtbaums ist braun, riecht durchdringend aromatisch, schmeckt stechend, reagiert sauer und enthält Nelkensäure.

Einsatzgebiete

Man benutzt die Zimtöle in der Parfümerie und zur Likörfabrikation.

Zimtöl - ein effizientes Insektizid

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass Zimtöl ein außerordentlich wirksames Insektizid darstellt. Mindestens vier darin enthaltene Wirkstoffe, insbesondere das Zimtaldehyd, tötet die Insekten schon in außerordentlich geringen Konzentrationen im Larvenstadium ab: 29 ppm sind ausreichend, um die Hälfte der behandelten Mückenlarven nach 24 Stunden abzutöten. Vom herkömmlichen Pestizid DEET wird hierfür nahezu die doppelte Menge (> 50 ppm) benötigt. Ob sich Zimtöl auch als Repellent (Abwehrstoff) gegen ausgewachsene Mücken und Mosquitos eignet, wird zur Zeit erforscht. Zimtöl (bzw. die darin enthaltenen Wirkstoffe) könnte eine "natürliche" und umweltverträgliche Alternative zu den stark umstrittenen "chemischen" Pestiziden wie DDT und oder DEET darstellen, die vielerorts noch heute im Kampf gegen Malaria eingesetzt werden.

Literatur


- Journal of Agricultural and Food Chemistry (Bd. 52, S. 4395, 2004). Kategorie:Chemische Verbindung Kategorie: Stoffgemisch

Organische Phosphorsäure-Ester

Organische Phosphorsäureester sind die umfangreichste und vielfältigste Gruppe von Wirkstoffen gegen Insekten (Insektizide) und Milben (Akarizide). Die Entwicklung dieser Verbindungsklasse begann Anfang 1900 durch Michaelis und Arbusov, welche die Begründer der klassischen Phosphorchemie sind. Die biologische Wirkung der organischen Phosphorsäureester wurde jedoch erst Mitte der 1930er Jahre von Gerhard Schrader erkannt, der bei der Suche nach Akariziden und Insektiziden die Kampfstoffe Tabun (1936) und Sarin (1939) synthetisierte. Beispiele von Insektiziden dieser Substanzklasse sind Phoxim, Dichlorvos (DDVP), Parathion (E 605) und seine Methyl- und Ethyl-Derivate, sowie Bladan.

Eigenschaften


- leicht hydrolysierbar (durch Wasser spaltbar) und auch leicht enzymatisch und abiotisch abbaubar
- hohe Toxizität und damit verbunden geringe Aufwandmenge
- große Variabilität der Verbindung, d.h. es sind viele verschiedene Verbindungen möglich, so dass die Gefahr von Resistenzen nicht gegeben ist.

Giftwirkung der organischen Phosphorsäureester

Die Giftwirkung beim Menschen beruht auf einer Hemmung der Acetylcholinesterase, so dass es durch Blockade der Nervenimpulse zu Lähmungen und Tod durch Atemlähmung kommt. Atemlähmung
  • Erste Hilfe bei Atemstillstand: siehe Atemspende und Beatmung. Achtung: Es könnte sich hierbei um ein Kontaktgift handeln, dann ist eine Beatmung nicht möglich!
  • [http://www.drk.de/erstehilfe/ehonline/ehonline2/lehrgang/vergift/kontakt.html Vergiftung durch Kontaktgifte] Kategorie:Chemikaliengruppe Kategorie:Schädlingsbekämpfung Kategorie:Ektoparasitikum Kategorie:Pestizid Kategorie:Gift

    Parathion

    Parathion, Synonym: E 605, ist der Trivialname für den systematischen Namen O,O-Diethyl-O-(p-nitrophenyl)-thionphosphorsäuereester (siehe auch: organische Phosphorsäureester). Parathion ist ein Derivat der Thiophosphorsäure, daher auch die Bezeichnung Thiophos für diese Substanz.

    Eigenschaften

    Parathion ist eine Flüssigkeit (Schmelzpunkt 6,1 °C, Siedepunkt 375,0 °C), die leicht verdampft und äußerst toxisch gegen Insekten und Warmblüter ist, zeigt aber keine Giftwirkung gegen Pflanzen (es ist nicht phytotoxisch). Die Flüssigkeit ist in sehr reinem Zustand farblos und fast geruchlos, die in den Handel kommende technische Verbindung ist gelb bis braun mit einem stechend knoblauchartigen Geruch. Es löst sich zu 24 mg/l in Wasser und wird im sauren und neutralen pH-Bereich nur langsam, aber rasch im alkalischen hydrolysiert. Parathion blockiert das Enzym Acetylcholinesterase, es wirkt als Kontaktgift und darf daher nicht mit der Haut in Berührung kommen. Die Giftigkeit erklärt sich auch durch die chemische Verwandtschaft mit den Kampfstoffen Tabun und Sarin, die noch effektiver gegen die Acetylcholinesterase wirken.

    Verwendung

    Parathion wird als Insektizid und Akarizid eingesetzt. Der Verkauf im Handel als Pflanzenschutzmittel "E 605 forte" erfolgte nur nach Vorlage eines Personalausweises, da in der Literatur bereits zahlreiche Fälle von Vergiftungen und Tötungsdelikten mit Parathion geschildert wurden. Das Pflanzenschutzmittel ist vergällt, damit es nicht versehentlich geschluckt werden kann. Häufig ist auch ein stechender Geruch festzustellen. Die Zulassung parathionhaltiger Pflanzenschutzmittel (E 605 forte, E Combi, P-O-X) wurde zum 8. Januar 2002 widerrufen. "E 605 forte" darf nicht mehr gehandelt oder angewendet werden.

    Gegengifte

    Gegen eine Vergiftung durch Parathion wurde lange Zeit hochdosiertes Atropin zur Ersten Hilfe durch den Rettungsdienst eingesetzt. Da zu viel Atropin aber ebenfalls toxische Wirkung ausübt, sodass diese Behandlung mit Komplikationen behaftet ist, wird Atropin heute entsprechend der Symptomatik des Patienten in kleineren, repetitiven Schritten bis zur Besserung der Symptome gegeben. Um das blockierte Enzym Acetylcholinesterase wieder zu "entblocken", also funktionsfähig zu machen, wird die Substanz Obidoximchlorid (Toxogonin - Merck) eingesetzt. Diese Behandlung erfordert intensivmedizinische Betreuung. Parathion wird auch als Gegengift für Curare genutzt. Curare blockiert die Andockstellen für Acetylcholin und legt damit das Nervensystem lahm, was zum Erstickungstod führt. Da die Wirkstoffe von Curare kompetitive Blocker sind, können sie von viel Acetylcholin vertrieben werden. Wenn das Parathion nun die Acetylchoinesterase blockiert, bleibt mehr Acetylcholin und die Übertragung funktioniert wieder. Da aber Paration auch ein Gift ist, ist oft eine Nachbehandlung mit Atropin nötig. Da auch dies giftig ist, ist oft noch eine Nachbehandlung nötig.

    Historisches

    Die Substanz und ihre Wirksamkeit wurde 1944 von Gerhard Schrader im Rahmen seiner Arbeiten über organische Phosphorsäureester untersucht. Das "E" im Name "E-605" steht für "Entwicklungsnummer"; es ist nicht verwandt mit dem Zusatz "E" bei Lebensmittelzusatzstoffen, das für die Zulassung in der Europäischen Union steht. Es wurde 1947 von American Cyanamid und 1948 von der Bayer AG auf den Markt gebracht.

    Verwandtes

    Dichlorvos, Phoxim, Phosphorsäureester

    Links

    Kategorie:Chemische Verbindung Kategorie:Pestizid Kategorie:Gift

    Pilze

    Die Pilze (Fungi) bilden neben den Tieren, Pflanzen und Protisten ein eigenes Reich. Als Eukaryoten besitzen Pilzzellen mindestens einen echten Zellkern (Nukleus) und ein Cytoskelett. Die Vermehrung und Ausbreitung erfolgt geschlechtlich und ungeschlechtlich durch Sporen oder vegetativ durch Ausbreitung (eventuell mit Fragmentierung) der in verschiedenen Fällen sehr langlebigen Myzelien bzw. Mykorrhizen. Pilze sind heterotroph und ernähren sich meist durch das Ausscheiden von Enzymen in die unmittelbare Umgebung, wodurch Nährstoffe aufgeschlossen werden und in die Zellen aufgenommen werden können. Lange zu den Pflanzen gerechnet, gelten Pilze heute aufgrund genetischer und physiologischer Eigenschaften als wesentlich näher mit den Tieren verwandt. Pilze kommen wie die Backhefe als Einzeller oder wie etwa der Steinpilz als Mehrzeller vor. Von den Pflanzen unterscheiden sich die Pilze durch ihre heterotrophe Lebensweise, die ohne das Pigment Chlorophyll auskommt, und durch das Vorkommen von Chitin in der Zellwand. Von den Tieren unterscheiden sie sich unter anderem durch das Vorhandensein einer Zellwand. Die früher als „Niedere Pilze“ bezeichneten Gruppen, also Schleimpilze, pilzähnliche Protisten wie die Eipilze (Oomycota) oder Hypochytriomycota werden heute nicht mehr zu den Pilzen (Fungi) gezählt. Die Lehre von den Pilzen ist die Mykologie. Das Wort „Pilz“ entstammt dem Althochdeutschen buliz und ist wahrscheinlich vom lateinischen boletus abgeleitet. Hieraus entwickelte sich über bülez und schließlich bülz die moderne Form des Wortes. In Süddeutschland wird anstelle von Pilz auch das Wort Schwammerl verwendet.

    Aufbau der Pilze

    Das Größenspektrum der Pilze reicht von mikroskopisch kleinen Arten bis zu den leicht erkennbaren Großpilzen. Das Myzel einer Hallimaschart (
    Armillaria ostoyae, in Amerika Honey Mushroom genannt) aus dem Malheur National Forest (USA) ist mit einer Ausdehnung von 900 Hektar und einem geschätzten Alter von 2400 Jahren eines der ältesten und das größte Lebewesen der Erde. Pilze existieren in zwei unterschiedlichen Formen: als Hyphengeflecht oder als Einzeller (Hefen oder auch Sprosspilze genannt). Hefen sind einzellige Stadien, die sich hauptsächlich asexuell durch Bildung von Blastokonidiosporen oder durch Sprossung vermehren. Sprossung Die Hyphen bilden im Substrat ein mikroskopisches Geflecht, das Myzel genannt wird. Dieses nimmt Nährstoffe aus der Umgebung auf. Die Hyphen bestehen aus einzelnen Hyphenzellen, die durch Septen voneinander getrennt sind. Die Septen (Trennwände) enthalten Poren, die einen Austausch von Cytoplasma gewährleisten. Der Pilz liegt in seiner vegetativen Phase entweder als Myzelium oder Sprosszelle vor; er lebt im Substrat wie dem Boden, Holz oder Pflanzengewebe. Die verschiedenen Fruchtkörper der Großpilze sind das äußerlich auffälligste Erkennungsmerkmal; ob hut-, keulen-, knollen- oder krustenförmig, bestehen sie aus verflochtenen Hyphen, die ein „Scheingewebe“ (Plektenchym) bilden. Vielzellige Hyphenaggregationen werden auch Thalli genannt. Die Fruchtkörper stellen jedoch nur einen kleinen Teil des Gesamtorganismus Pilz dar, und dienen der Vermehrung durch Bildung von Sporen, die aus einer Meiose hervorgegangen sind. Die Sporen werden bei vielen Pilzen in besonderen Fruchtschichten der Fruchtkörper gebildet (Hymenien). Bei Hutpilzen befindet sich die Fruchtschicht unter dem Hut; sie kann aus Leisten, Lamellen oder Röhren bestehen. Bei vielen Schlauchpilzen befindet sich das Hymenium knapp unter der Oberfläche des Fruchtkörpers in kleinen Kammern (Perithekien), die wie Pusteln aussehen. Hymenium In den Zellwänden der Hyphen kommen als Baustoffe Chitin, Hemizellulosen, Lipide, Proteine und andere Stoffe vor. Die Hyphen können sich auch stark abwandeln und spezialisieren; so bilden pflanzenparasitische Pilze oft Haustorien aus. Diese stülpen sich in pflanzliche Zellen, um dort Nährstoffe aufzunehmen. Einige bodenbewohnende, carnivore (fleischfressende) Pilze sind sogar in der Lage, mit ihren Hyphen Schlingfallen für kleine Fadenwürmer Nematoden auszubilden. Beim Durchkriechen werden die Nematoden dadurch festgehalten, dass sich der Hyphendurchmesser der Schlingenhyphe schnell vergrößert und sich somit die Schlingenöffnung schnell verkleinert. Eine andere Abwandlung vegetativer Hyphen sind die Substrat- oder Lufthyphen. Mehrere Bündel von Hyphen legen sich parallel aneinander und bilden makroskopisch sichtbare Hyphenstränge(Synnemata), aus denen je nach Milieu- oder Umweltänderung entweder Überdauerungsorgane (Sklerotien, Chlamydosporen) oder ungeschlechtlich erzeugte Sporen entstehen können (Konidiosporen). Die vermutlich ursprünglichste Form der Pilze, die Töpfchenpilze (Chytridiomycota) bilden keine Hyphen, sondern einen undifferenzierten Thallus aus. Bei vielen Töpfchenpilz-Arten kommen während ihres Lebenszyklus begeißelte Stadien vor, was auf einen gemeinsamen Ursprung von Tieren und Pilzen hindeutet.

    Fortpflanzung

    Bei Pilzen kann die Fortpflanzung sowohl geschlechtlich durch Generationswechsel als auch ungeschlechtlich durch Abschnüren von vegetativen Teilen erfolgen.

    Geschlechtliche Vermehrung

    begeißelte Durch eine Reduktionsteilung (Meiose) erzeugen die Pilze sexuelle Sporen (Meiosporen). Das Meiosporangium, das Organ zur Erzeugung der Sporen, ist bisweilen sehr typisch ausgebildet und dient als Grundlage zur Differenzierung der Pilze. Bei den Schlauch- und Basidienpilzen sind es die Asci bzw. Basidien. Nach der Keimung der aus der Meiose hervorgegangenen Meiosporen ist das daraus entstehende Pilzgeflecht (Primärmycel) ein zunächst meist haploides Monokaryon, enthält also pro Zelle nur einen Zellkern. Wenn sich zwei unterschiedliche vom Kreuzungstyp passende Myzelien begegnen, so bilden sie eine Kreuzungsbrücke aus. Über diese werden die genetisch unterschiedlichen Zellkerne ausgetauscht. Dieser Vorgang heißt Plasmogamie. Eine Hyphe mit unterschiedlichen Zellkernarten nennt man Heterokaryon. Da bei Schlauch- und Basidienpilzen nur maximal zwei genetisch unterschiedliche Zellkerne je Thallus möglich sind, werden diese beiden Abteilungen der Pilze auch gerne zu den Dikaryomycota zusammengefasst. Ihre Thalli sind nach der Plasmogamie dikaryotisch. Es gibt aber auch Abweichungen von diesem Schema. So wurden auch schon diploide - durch Kernfusion vereinigte - Zellkerne in Hallimasch-Myzelien gefunden. Dieser Zustand existiert sonst nur in der Phase der geschlechtlichen Sporengenese in den Meiosporangien. Hallimasch Hallimasch Die Zahl der produzierten Sporen hängt von der Art ab. Der Riesenbovist (
    Langermannia gigantea), der so groß wie ein Riesenkürbis werden kann, hält mit 5 und 15 Billionen Sporen den bisherigen Rekord. Ein durchschnittlicher Steinpilz produziert immerhin noch einige Milliarden Sporen.

    Ungeschlechtliche Vermehrung

    Bei den Pilzen ist die ungeschlechtliche, vegetative oder asexuelle Vermehrung häufig. Es gibt sogar sehr viele Pilze, welche die Fähigkeit zur sexuellen Reproduktion vollständig verloren haben. Diese Gruppe nennt man Fungi imperfecti oder Deuteromycota. Darunter befinden sich Schimmelpilze und etliche pflanzenschädigende Arten. Die ungeschlechtlich erzeugten Sporen nennt man Mitosporen oder Konidiensporen (Konidiosporen). Sie entstehen meist durch Ausstülpungen am Ende der Hyphen (akropetale Konidosporen).

    Ökologie

    Pilze bilden neben Pflanzen und Tieren das dritte Reich der vielzelligen Eukaryoten. Entsprechend groß ist ihre ökologische Bedeutung.

    Pilze als Destruenten

    Alle Pilze sind für ihren Stoffwechsel auf die von anderen Lebewesen gebildeten organischen Stoffe angewiesen (Heterotrophie). Sie bilden die wichtigste Gruppe der am Abbau organischer Materie (tote Lebewesen, Exkremente, Detritus) beteiligten Lebewesen und gelten damit neben den Bakterien als bedeutendste Destruenten. So sind es fast ausschließlich Pilze, die Lignin, komplexe Verbindungen in verholzten Zellwänden von Pflanzen, aufspalten und verwerten können. Auch im Abbau von Zellulose, Hemizellulose und Keratin sind sie die wichtigsten Verwerter. KeratinZusammen mit Bakterien und tierischen Kleinstlebewesen bilden sie aus organischem Abfall den Humus.

    Mykorrhizae

    Man nimmt an, dass etwa 80 Prozent aller Pflanzen durch die Anwesenheit von Pilzen im Boden in ihrem Wachstum gefördert werden. Oft sind die Wurzeln der Pflanzen von einem Mantel aus Pilzfäden (Pilzhyphen), einem Myzelmantel, umgeben. Diese Art der Symbiose zwischen Pilz und Pflanze wird als Mykorrhiza (Pilzwurzel) bezeichnet. Bei der Mykorrhiza sind die Baumwurzeln von den Hyphen des Pilzes eng umschlungen. Es findet Stoffaustausch statt: Der Baum produziert Kohlenhydrat und gibt diese an den Pilz ab, dieser ernährt sich davon. Der Baum erhält vom Pilz Wasser und Mineralstoffe. Dadurch gedeiht der Baum besser, da zusätzliches Wasser ihm gut tut. Baum und Pilz ziehen also beide Nutzen aus ihrer Symbiose, es handelt sich um einen Mutualismus. Sie wurde 1885 erstmals von Albert Bernhard Frank an Waldbäumen beobachtet. Auch viele Orchideen leben mit Pilzen in Symbiose und sind für die Keimung ihrer Samen unter natürlichen Bedingungen obligat auf ihre Symbiosepartner angewiesen.

    Pilze als Pflanzenschädlinge

    obligat Viele Pilzarten nutzen nicht nur totes, sondern auch lebendiges Material und werden dadurch bei wirtschaftlich wichtigen Nutzpflanzen zu Pflanzenschädlingen. Als solche können sie schwere Pflanzenkrankheiten hervorrufen. Wichtige Beispiele sind die weit verbreiteten Pilzerkrankungen der Kastanien oder der Ulmen. Pilzliche Erkrankungen der Pflanzen können ohne Vorbeugung oder Gegenmaßnahmen zu Totalausfällen und Missernten führen. Zu den Pflanzenschädlingen gehören auch viele Arten der Baumpilze. Wirtschaftlich wichtige Pilzkrankheiten sind Maisbeulenbrand, Steinbrand bei Weizen, Mutterkorn bei Roggen, Kartoffelfäule (
    Phytophtora infestans), Welkekrankheit (Verticillium) bei vielen Kulturpflanzen, Apfelschorf (Venturia), Birnengitterrost (Gymnosporangium sabinae), Obstbaumkrebs (Nectria galligena) und Echter Mehltau (Erisyphaceae). Daneben exisiteren noch circa 10.000 weitere pilzliche Pflanzenkrankheiten.

    Bedeutung für den Menschen

    Menschen nutzen Pilze in vielerlei Hinsicht, etwa als Speisepilz oder als Biofermenter zur Herstellung von Alkohol, Zitronensäure oder Vitamin C. Auch in der menschlichen Kultur und Technik spielen Pilze eine wichtige Rolle. Pilze sind aber auch Krankheitserreger und können beim Menschen zahlreiche Pilzkrankheiten hervorrufen.

    Speise- und Giftpilze

    Vitamin C Viele Pilzarten sind bekannte und beliebte Nahrungsmittel. Dazu gehören nicht kultivierbare Arten, wie Steinpilz, Pfifferling und Trüffel, aber auch Kulturarten und -sorten von Champignon, Shiitake und Austernpilz. Beim Sammeln von Wildpilzen ist größte Sorgfalt geboten, um nicht durch versehentlich geerntete Giftpilze eine Pilzvergiftung zu riskieren. Als wichtigste Voraussetzung für das Sammeln von Pilzen gelten grundlegende Kenntnisse von Speise- und Giftpilzen. Pilze müssen vor dem Verzehr gut gedünstet oder gebraten werden, da viele Arten giftige Hämolysine oder hitzelabile Gifte enthalten, die durch das Erhitzen zerstört werden. Hämolysin Die meisten Speisepilze gehören zu den Basidienpilzen. Relativ wenige Speisepilz-Arten, darunter die Morcheln und die Trüffel stammen aus der Abteilung der Schlauchpilze (Ascomycota).
    Siehe auch: :Kategorie:Speisepilz, :Kategorie:Giftpilz, Liste der Giftpilze

    Bedeutung für alkoholische Getränke und Milchprodukte

    Von den einzelligen Pilzen sind die Wein-, Bier- oder Backhefen die bekanntesten Nutzpilze. Bei der Weinherstellung spielt der Mycelpilz
    Botrytis cinerea eine wichtige Rolle. Er erzeugt bei herbstlich kühlfeuchtem Wetter bei den Beeren eine Edelfäule, die bewirkt, dass die Beerenhaut perforiert wird. Das austretende Wasser läßt die Zuckerkonzentration in der Beere steigen. Viele Arten spielen auch beim Reifeprozess von Milchprodukten, insbesondere von Sauermilchprodukten und Käse, eine bedeutende Rolle.

    Heilpilze

    Pilze werden auch als Heilpilze verwendet. In der heutigen Volksrepublik China sind zahlreiche Großpilze schon seit Jahrhunderten Bestandteil der Traditionellen chinesischen Medizin. Der Shiitake (
    Lentinula edodes) galt schon in der Mingdynastie (1368-1644) als Lebenselixier, das Erkältungen heilen, die Durchblutung anregen und Ausdauer fördern sollte. Der Glänzende Lackporling (Ganoderma lucidum) ist als „Ling-Zhi“ oder „Reishi“ bekannt; er soll ein besonders wirksames Tonikum sein. Der Pom-Pom-Pilz oder Igelstachelbart (Hericium erinaceus) wird demnach bei Erkrankungen des Magens empfohlen. Der europäische Apothekerschwamm oder Lärchenbaumschwamm (Laricifomes officinalis) ist als Heilmittel gesucht und hoch geschätzt. Sein wirksamer Bestandteil ist Agaricinsäure; sie wirkt stark abführend und ist für den außerordentlich bitteren Geschmack verantwortlich.

    Zauberpilze

    Lärchenbaumschwamm Zauberpilze oder Rauschpilze sind Synonyme für Pilze, die halluzinogene Substanzen enthalten. Es gibt exotische Arten wie den Kubanischen Träuschling oder den Mexikanischen Rauschpilz (
    Psilocybe mexicana) aber auch einheimische Arten, vor allem aus der Gattung der Kahlköpfe (Psilocybe). Ihre Wirkung ist meist ähnlich der des LSDs. Der Genuss von Zauberpilzen kann im Krankenhaus enden, wenn entweder falsche Arten gesammelt wurden, oder die Wirkung der Pilze unterschätzt wurde. Die Verwendung von Rauschpilzen hatte und hat noch heute bei verschiedensten Völkern eine rituell-religiöse Bedeutung.

    Medizinische Bedeutung

    Seit Beginn des 20. Jahrhunderts nutzt man Pilze auch für medizinische Zwecke. Medikamente wie das Antibiotikum Penicillin werden aus Pilzen gewonnen. Andererseits greifen Pilze auch Menschen an und rufen bei ihnen Pilzerkrankungen hervor. Haut- und Nagelpilze sind wohl die bekanntesten Pilzkrankheiten des Menschen. Weitere Beispiele
    -
    Pityriasis versicolor
    -
    Candida albicans: meist harmloser Mitbewohner, Erkrankung nur bei Abwehrschwäche
    -
    Aspergillus-Arten, als A. fumigatus der häufigste Erreger der Aspergillose, einer Lungenerkrankung
    -
    Cryptococcus neoformans als Erreger der Kryptokokkose
    -
    Rhizopus, eine Phykomyzeten-Gattung, Erreger der Mukormykose
    -
    Coccidioides immitis, der vor allem in den Südstaaten der USA, in Mexiko und Argentinien die Kokzidioidomykose hervorruft
    -
    Histoplasma capsulatum, Endoparasit des retikuloendothelialen Gewebes und Erreger der Histoplasmose Als Gegenmittel werden Antimykotika eingesetzt. Dies sind Medikamente, die bei lokalem Pilzbefall von Haut oder Schleimhäuten oder systemischen Pilzinfektionen angewendet werden.

    Weiterer ökonomischer Nutzen

    Der als Baumschädling vor allem in Buchen und Birken wachsende Zunderschwamm,
    Fomes fomentarius, ein Weißfäulepilz, wurde früher zum Feuermachen verwendet: Das Innere der aus den Baumstämmen konsolartig herauswachsenden Fruchtkörper wurde gekocht, getrocknet, weichgeklopft, mit Kaliumnitrat-Lösung getränkt und erneut getrocknet. Der so erhaltene Zunder kann durch Funken entzündet werden. Durch bloßes Kochen, Trocknen und Weichklopfen kann aus dem Fruchtkörper-Inneren auch ein dem Filz ähnliches Material gewonnen werden, das zur Herstellung verschiedener Gebrauchsgegenstände (Mützen, Taschen und dergleichen) verwendet werden kann. Aufsehen erregen die unscheinbaren Zapfenrüblinge in der Fachwelt, da in ihnen Strobilurine entdeckt wurden, deren synthetische Abkömmlinge innerhalb weniger Jahre einen Marktanteil von etwa 20 Prozent des Weltmarktes an Fungiziden eroberten. Es ist davon auszugehen, dass ihre Bedeutung auf dem Fungizidmarkt noch weiter zunehmen wird.

    Stammesgeschichte

    Die nächsten Verwandten der Pilze sind die Tiere (Animalia), wobei dieser Begriff weit ausgelegt werden muss und auch die einzelligen Mesomycetozoa umfasst, die manchmal zu den Protisten gestellt werden. Ob auch die einzelligen Microsporidien (Microsporidia, auch Microspora genannt) zu den Pilzen zu zählen sind, ist derzeit noch unklar. Das gemeinsame Taxon von Pilzen und Tieren wird als Opisthokonta bezeichnet: Opisthokonta |--Tiere (Animalia) | |--Mesomycetozoa | |--Vielzellige Tiere (Metazoa) | |--N. N. |?-Microsporidien (Microsporidia) |--Pilze (Fungi) Als gemeinsamer Vorfahr von Tieren und Pilzen kann ein geißeltragender Einzeller (Flagellat) angenommen werden, der biologisch demnach sowohl den heutigen Töpfchenpilzen als auch den Kragengeißeltierchen (Choanoflagellata) ähnelte.

    Fossilien

    Vermutlich existieren Pilze schon seit 900 bis 1200 Millionen Jahren. Ein Fund aus 850 Millionen Jahre altem Schiefergestein in Kanada wird manchmal als Pilzfossil gedeutet. Angebliche, ältere Funde aus China und Australien mit einem Alter von 1,5 Milliarden Jahren müssen jedoch erst noch als Pilze bestätigt werden. Die ersten weitgehend unumstrittenen Pilzfunde stammen aus der erdgeschichtlichen Epoche des Ordoviziums und können vielleicht den Arbuskulären Mykorrhizapilze zugeordnet werden. Der erfolgreiche Landgang der Pflanzen wäre ohne „Pilzsymbiosen“ vermutlich nicht möglich gewesen.

    Systematik der Pilze

    Man kennt heute etwa 100.000 Arten von Pilzen. Manche Fachleute nehmen an, dass es über 1.000.000 Arten geben könnte. Die früher auch „Echte Pilze“ oder „Höhere Pilze“ (Eumycota) genannten Lebensformen werden in die folgenden fünf Abteilungen unterteilt:
    - Töpfchenpilze (Chytridiomycota): Dies sind meist einzellige Pilze. Weil begeißelte Stadien vorhanden sind, werden die Töpfchenpilze als sehr ursprüngliche Form der Pilze (Fungi) angesehen.
    - Jochpilze (Zygomycota): Sie unterscheiden sich von den anderen Pilze durch die Bildung der namensgebenden jochartigen Brücken zwischen kompatiblen Hyphen während der sexuellen Fortpflanzung. Die Zellwände enthalten Chitin-Chitosan. Die Jochpilze bilden wahrscheinlich keine natürliche Verwandtschaftsgruppe.
    - Arbuskuläre Mykorrhizapilze (Glomeromycota): Die Arbuskulären Mykorrhizapilze bilden eine typische Endomykorrhiza aus, bei der bäumchenartige Membranausstülpungen, die Arbuskel, in das Innere von pflanzlichen Wurzelzellen wachsen und auf diese Weise eine symbiotische Beziehung etablieren.
    - Schlauchpilze (Ascomycota): Die Zellen sind durch Septen getrennt und enthalten meist nur einen Zellkern. Die geschlechtlichen Sporen werden in charakteristischen Schläuchen, den Asci gebildet. Es gibt eine Reihe von Arten, bei denen makroskopische Fruchtkörper auftreten und die man daher als Großpilze bezeichnet.
    - Basidienpilze (Basidiomycota): Die Zellen sind ebenfalls durch Septen getrennt und enthalten meist zahlreiche unterschiedliche Zellkerne. Die geschlechtlichen Sporen werden in Basidien gebildet. Die überwiegende Anzahl von Arten Großpilze entstammt dieser Gruppe. Das Myzel kann im Extremfall wie beim Hallimasch mehrere tausend Jahre alt werden. Hallimasch Technische Fortschritte in der molekularen Genetik und die Anwendung von computerunterstützten Analysemethoden haben es ermöglicht, detailliertere und auch sichere Aussagen über die systematischen Beziehungen der oben aufgeführten Pilztaxa zueinander zu machen. Manche Verwandtschaften, die vorher aufgrund morphologischer, anatomischer und physiologischer Unterschiede oder Gemeinsamkeiten vermutet wurden, sind durch diese Techniken bestätigt worden. Die Töpfchenpilze haben sich demnach sehr früh von den anderen Pilzen abgespalten und viele ursprüngliche Merkmale wie begeißelte Sporen bewahrt. Die Jochpilze stellen hingegen sehr wahrscheinlich keine einheitliche Verwandtschaftsgruppe, sondern eine polyphyletische Gruppe verschiedenster Abstammungslinien dar. Die Gattung
    Amoebidium, die bisher zu ihnen gezählt wurde, gehört demnach nicht einmal zu den Pilzen. Auch die Arbuskulären Mykorrhizapilze, die ursprünglich zu den Jochpilzen gestellt wurden, werden heute als eigenständige Verwandtschaftsgruppe angesehen, die heute meist in den Rang einer eigenen Abteilung erhoben wird. Sie wird dann als evolutionäre Schwestergruppe eines Taxons aus Schlauch- und Basidienpilzen angesehen, das man als Dikaryomycota bezeichnet. Viele Pilzarten haben ihre Fähigkeit zur geschlechtlichen Vermehrung verloren. Diejenigen Arten, die vorläufig nicht eindeutig einer der oben genannten Gruppen zugeordnet werden können, werden provisorisch zu den Fungi imperfecti (Deuteromycota) gestellt; dies stellt jedoch nur ein provisorisches und künstliches Formtaxon dar.

    Kulturgeschichte

    Fungi imperfecti Der griechische Arzt Pedanios Dioscurides schrieb schon im ersten Jahrhundert nach Christus in seinem Lehrbuch davon, dass es zwei Arten von „Schwämmen“ gäbe: :„
    Die einen sind zu Essen bequem, die anderen aber ein tödlich Gift.“ Dioscurides vermutete, dass die Giftigkeit eines Pilzes mit seinem Wuchsort zusammenhing. Pilze die neben verrosteten Nägeln oder Eisen oder „faulem Tuch“, neben Schlangenhöhlen oder neben Bäumen, die giftige Früchte trugen, wuchsen, seien „alle miteinander giftig“. Er erkannte damals schon die schwere Verdaulichkeit von Speisepilzen, und schrieb davon, dass bei zu übermäßiger Kost die Pilze den Menschen „würgen und ersticken“ würden. Auch Adamus Lonicerus schrieb zur selben Zeit in seinem Kräuterbuch über die Pilze, dass „Die Natur aller Schwämme sei, zu bedrängen“. Sie seien „kalter, phlegmatischer, feuchter und roher Natur“. Bis in die Neuzeit hinein wurde das Erscheinen von Pilzen mit „Miasmen“ erklärt; die Pilze entstünden aufgrund von schlechten Ausdünstungen der Erde, oder anderen faulenden Substraten. Auch glaubten damals viele noch an die Urzeugung (Generatio spontanea), weil man gerade auch bei den Pilzen keine Samen erkennen konnte. Adamus Lonicerus schrieb auch dazu, dass bestimmte Pilze, „Schwämme der Götterkinder“ seien, weil sie ohne einen Samen wüchsen, und daher würden sie auch von den Poeten Gygenais, das ist terra nati, Kinder der Erden, genannt. Phänomene wie der Hexenring oder das nächtliche grüne Leuchten des Myzels des Hallimasch haben mit zu dem lange Zeit eher sinistren Bild der Pilze in der Öffentlichkeit beigetragen.

    Literatur

    Allgemeines
    - H. O. Schwantes:
    Biologie der Pilze, Ulmer 1996, ISBN 3-8252-1871-6 Mykologie
    - Heinrich Dörfelt (Hrsg.):
    Lexikon der Mykologie, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, New York, 1989, ISBN 3-437-20413-0
    - Heinrich Dörfelt, Heike Heklau:
    Die Geschichte der Mykologie, Einhorn-Verlag 1998, ISBN 3-927654-44-2
    - Emil Müller, Wolfgang Loeffler:
    Mykologie, Grundriss für Naturwissenschaftler und Mediziner, Thieme 1992, ISBN 3-13-436805-6
    - Edited by P. M. Kirk:
    Ainsworth and Bisby's Dictionary of the Fungi, 9th Edition. Utrecht, The Netherlands, 2001. 624 Seiten ISBN 085199377X (engl.) Gesundheit
    - Rene Flammer, Egon Horak:
    Pilzvergiftungen. Schwabe Verlag Basel ISBN 3-7965-2008-1
    - Herbert Hof:
    Candida, Aspergillus und Co: Pathogene Pilze. Pharmazie in unserer Zeit 32(2), S. 96 - 103 (2003), ISSN 0048-3664 Bestimmung
    - Marcel Bon:
    Pareys Buch der Pilze, Verlag Paul Parey, Hamburg, Berlin, 1988. ISBN 3490198182
    - Egon Horak, Meinhard Moser:
    Röhrlinge und Blätterpilze in Europa, Spektrum Akademischer Verlag, April 2005. ISBN 3827414784

    Weblinks

    Pilzgalerien
    - [http://www.pilzewelt.de/Galerie/imageFolio.cgi Volkers Pilzelinkseite mit umfangreicher Galerie]
    - [http://www.in2.dk/fungi/ Dänische Pilzbildersammlung]
    - [http://www.pilzepilze.de www.PilzePilze.de mit ausführlicher Pilzgalerie + sehr aktivem Forum]
    - [http://www.awl.ch/pilze/index.htm Schweizer Pilzfotos und Pilzschutz]
    - [http://www.pilzfotopage.de Harrys Pilzfotopage mit Fotos von fast 400 Pilzarten]
    - [http://www.pilzbestimmung.de www.Pilzbestimmung.de, Datenbank, Bilder, Forum etc.]
    - [http://www.notizbrett.de/pilze/ Notizbrett.de/Pilze]
    - [http://www.pilz-baden.ch/album.html Pilzverein Baden/CH, mehr als 300 Fotos mit Beschreibungen] Zeitschriften
    - [http://www.tintling.com/ Der Tintling, eine Pilzzeitschrift]
    - [http://www.pilzbriefe.de Westfälische Pilzbriefe] Mykologie national
    - [http://www.dgfm-ev.de Deutsche Gesellschaft für Mykologie] Mykologie international
    - [http://www.mykoweb.com/ Mykoweb (auf Englisch)]
    - [http://www.ulst.ac.uk/faculty/science/bms British Mycological Society]
    - [http://www.biologi.uio.no/org/ima/ International Mycological Association]
    - [http://www.mycology.net The Mycology Net]
    - http://www.indexfungorum.org (auf Englisch)
    - http://tolweb.org/tree?group=Fungi&contgroup=Eukaryotes (auf Englisch) Toxikologie
    - [http://www.toxinfo.org/pilz/db/toxinfo.php Pilzdatenbank der Toxikologischen Abteilung des Klinkums Rechts der Isar] Kategorie:Mykologie ! ja:菌類 ko:균류 th:เห็ดรา


    Fadenwürmer

    Die Fadenwürmer (Nematoda) beziehungsweise eingedeutscht Nematoden sind einer der artenreichsten Stämme des Tierreichs. Bislang wurden mehr als 20.000 verschiedene Arten beschrieben.

    Merkmale

    Nematoden sind triploblastische Urmünder (Protostomia). Sie haben eine typisch wurmförmige Gestalt, lang und im Querschnitt rund. Eine Segmentierung fehlt. Die Körperhöhle ist ein enges Pseudocoel, wie auch bei vielen anderen kleineren Tierstämmen. Der Mund liegt vorne und wird häufig von Fortsätzen umgeben, die für die Nahrungsaufnahme und zum Tasten benutzt werden. Der Anus liegt kurz vor dem spitzen Hinterende. Die Epidermis sondert eine mehrlagige Cuticula ab, die die Nematoden vor Austrocknung oder anderen ungünstigen Umweltbedingungen schützt, bei parasitischen Arten auch vor den Verdauungssäften des Wirtes.

    Lebensweise

    Die Nematoden kommen fast überall vor, im Meer, Süßwasser und in terrestrischen Biotopen. Häufig sind mehr Nematoden nach Arten und Anzahlen vorhanden als alle anderen vielzelligen Tiere (Metazoa). Es gibt auch eine erhebliche Anzahl parasitischer Arten, sowohl in Pflanzen (siehe etwa Rübenälchen) als auch in Tieren einschließlich des Menschen. Dazu gehört zum Beispiel der Spulwurm (Ascaris lumbricoides), die Mikrofilarien Wuchereria bancrofti und Brugia malayi, der Madenwurm (Enterobius vermicularis) oder der Zwergfadenwurm (Strongyloides stercoralis). Die Nematoden häuten sich und werden daher sowie aufgrund von RNA-Untersuchungen innerhalb der Urmünder (Protostomia) zu den Häutungstieren (Ecdysozoa) gerechnet. Die meisten freilebenden Nematoden sind mikroskopisch klein und gehören zur Meiofauna. Lediglich Parasiten, wie der Pferdespulwurm können mehrere Meter lang werden. Nematoden besitzen Längsmuskulatur sowie ein dazu antagonistisch arbeitendes Hydroskelett. Die Nahrung ist unterschiedlich und reicht bei freilebenden Arten von Bakterien und Algen über Pilze, Aas und Fäkalien bis hin zu räuberisch erbeuteten Tieren.

    Fortpflanzung

    Die Fortpflanzung erfolgt sexuell oft mit zwei getrennten Geschlechtern. Die Männchen sind typischerweise kleiner als die Weibchen und haben oft einen charakteristisch gebogenen Schwanz. Allerdings sind auch selbstbefruchtende Hermaphroditen, wie zum Beispiel Caenorhabditis elegans keine Seltenheit. Bei freilebenden Arten erfolgt die Entwicklung meist direkt mit vier Häutungen im Verlauf des Wachstums. Parasiten haben oft einen recht komplizierten Zyklus mit Wirtswechseln oder Organwechseln im Wirt. Die Infektion geschieht meist durch rohes Fleisch mit Larven (beispielsweise Trichinen) oder durch Aufnahme von Fäkalien (beispielsweise von Hunden) aufgrund mangelnder Hygiene.

    Taxonomie

    Die Nematoden wurden ursprünglich von Nathan Cobb im Jahr 1919 als Stamm Nemata eingeführt, später als Klasse Nematoda in einem nicht mehr gültigen Stamm Aschelminthes klassifiziert. Hier werden die Fadenwürmer als eigener Stamm geführt.
    - Klasse Adenophorea
      - Unterklasse Enoplia
      - Unterklasse Chromadoria
    - Klasse Secernentea
      - Unterklasse Rhabditia
      - Unterklasse Spiruria
      - Unterklasse Diplogasteria

    Menschen und Fadenwürmer

    Die Art Caenorhabditis elegans ist aufgrund ihrer einfachen Haltung und der Zellkonstanz (Eutelie) zu einem beliebten "Haustier" der Genetiker geworden und fungiert als Modellorganismus.

    Weblinks


    - [http://www.nematode.net/index.php Nematode Net] Nematoden-Systematik Kategorie:Wirbellose ja:線形動物 ko:선형동물 ms:Cacing Gelang

    Virus

    Als Virus (Singular: das Virus, umgangssprachlich auch: der Virus; Plural: Viren; von lat. virus – "Schleim, Saft, Gift") bezeichnet man in der Biologie genetische Elemente in Form von Nukleinsäuren, die als Fremdbestandteile in Zellen von Lebewesen ("Wirtszellen") unabhängig von deren eigenen Nukleinsäuren mit Hilfe der Replikationseinrichtungen dieser Zellen repliziert werden. Virus-Nukleinsäuren sind entweder Desoxyribonukleinsäuren (DNA) oder Ribonukleinsäuren (RNA).
    Viren kommen in zweierlei Formen vor:
    - als Nukleinsäure in den Wirtszellen,
    - als freie Partikel außerhalb von Zellen, eine zur Verbreitung geeignete Form.
    Ein Viruspartikel außerhalb von Zellen bezeichnet man als Virion (Plural Viria, Virionen oder Virions). Virionen bestehen aus einem Nukleinsäuremolekül, das von einer Proteinhülle (Kapsid) umgeben ist. Bei einigen Viren besitzen die Virionen außer einer Proteinhülle noch weitere äußere Bestandteile, zum Beispiel eine Lipoproteinhülle. Es gibt also Viren bzw. Virionen sowohl mit wie auch ohne Hülle. Viren haben keinen eigenen Stoffwechsel und können sich nicht selbst replizieren. Im Wesentlichen ist ein Virus also eine Nukleinsäure, auf der die Informationen zur Steuerung des Stoffwechsels einer Wirtszelle enthalten sind, insbesondere zur Replikation der Virus-Nukleinsäure und zur weiteren Ausstattung der Viruspartikel (Virionen). Wenn Viren einmal ihre Wirtszellen verlassen haben, stellen sie in der Regel rasch jegliche Aktivität ein. Ob Viren als Lebewesen bezeichnet werden können, ist abhängig von der Entscheidung für eine der unterschiedlichen Definitionen von Leben (siehe unten: Kontroversen). Eine einzige, unwidersprochene und damit allgemein anerkannte Definition diesbezüglich gibt es bislang nicht. Daher findet sich auch unter Wissenschaftlern keine Einigkeit in der Beantwortung dieser Frage. Hinsichtlich der Einordnung von Viren zu den Parasiten bestehen ebenfalls verschiedene Ansichten. Ein Teil der Wissenschaftler betrachtet sie als solche, da sie einen Wirtsorganismus infizieren, um seinen Stoffwechsel für ihre eigene Vermehrung zu benutzen. Diese Forscher definieren also Viren als obligat intrazelluläre Parasiten (Lebensform, die zwangsläufig nur innerhalb einer Zelle ein Parasit ist), die aus einem Genom, einem Kapsid und evtl. einer Membranhülle bestehen und zur Replikation eine Wirtszelle benötigen. Das bedeutet, dass Viren zwar spezifische genetische Informationen besitzen, aber nicht den für ihre Replikation notwendigen Synthese-Apparat. Unabhänging von diesen bislang unentschiedenen Gesichtspunkten passen sich Viren im Laufe der Evolution ihrem Reservoirwirt, Hauptwirt an, um ihn nicht durch die Krankheitsfolgen zum eigenen Nachteil zu zerstören. Gewisse Viren befallen Zellen von Pflanzen, Menschen, Tieren oder anderen Eukaryoten. Viren, die Bakterien als Wirte nutzen, werden Bakteriophagen genannt. Eine typische Virusinfektion bei Säugetieren ist eine zyklische Allgemeininfektion oder eine Lokalinfektion an den Atemwegen oder am Darm. Viren sind deutlich kleiner als Bakterien, jedoch etwas größer als Viroide. Unterscheidbare Variationen von Viren nennt man Serotypen. Image:Virion.png|Virus Aufbau von Viren Image:NIAID-west-Nile.jpg|West Nile virus

    Verschiedene Virentypen

    Die Größe von Viren liegt zwischen 10 nm und 400 nm. Damit sind fast alle Viren nur unter dem Elektronenmikroskop erkennbar. Eine Ausnahme bilden Pockenviren, die unter dem Lichtmikroskop als kleine Partikel sichtbar werden, ebenso das erst 2003 entdeckte Mimivirus, mit 400 nm (eine Untersuchung von 2004 nennt den Wert 800 nm) das größte bisher bekannte Virus. Zum Vergleich: Tabakmosaikvirus (300 nm), Bakteriophagen (200 nm), Herpesviren (200 nm), Masernviren (180 nm), Tollwutviren (180 nm), Grippeviren (100 nm), Adenoviren (90 nm), Rötelnviren (80 nm) und Poliovirus (25 nm). Die Struktur der Proteinhülle, und damit die Virusart, kann u. a. nach Kristallisation durch Röntgenbeugung entschlüsselt werden. Das Gewicht bei Viren der Pockenschutzimpfung beträgt nach einer Messung amerikanischer Forscher 10 fg. Es ist allerdings noch (2005) umstritten, ob es sich um einen Virus oder eine höhere Stufe von Leben handelt. Nach ihrer Erbinformation unterscheidet man zwischen DNA-Viren und RNA-Viren. Die für den Menschen sehr bedeutenden Retroviren, wie beispielsweise HIV, sind RNA-Viren. Die Erbinformation kann einzelsträngig oder doppelsträngig, segmentiert oder unsegmentiert, und linear oder zirkular sein. Viren haben entweder eine Lipoproteinhülle oder sind hüllenlos. Das Proteinkapsid kann unterschiedliche Form haben, zum Beispiel ikosaederförmig, isometrisch, helikal, geschoßförmig. Die Lipidhülle stammt von der Wirtszelle und dient zur Tarnung vor dem Immunsystem. Umhüllte Viren sind besser geeignet, chronische oder latente Infektionen hervorzurufen (wie z. B. HIV, chronische Hepatitis B, C oder D, oder Herpes). Sie werden aber leicht deaktiviert, wenn die Hülle austrocknet oder chemisch durch Seife oder Gallensäuren angegriffen wird. Deshalb werden umhüllte Viren meist durch Tröpfcheninfektion übertragen und infizieren dann den Atemtrakt (Lokalinfektion). Manche erzeugen von dort aus auch eine zyklische Allgemeininfektion (Kinderkrankheiten: Masern, Mumps, Röteln, Ringelröteln, Drei-Tage-Fieber, Windpocken). Manche werden sogar nur durch mehr oder weniger direkten Blutkontakt übertragen. Dabei spielt dann auch die Replikationsrate eines Virus (Viruslast), also die Zahl der Kopien pro Milliliter Blut, eine Rolle. Hepatitis B ist ein sehr stark replizierendes Virus, hier können Blutspritzer auf der scheinbar intakten Haut genügen, um durch Mikro-Läsionen einzudringen. HIV wird hauptsächlich durch Geschlechtsverkehr übertragen. Bei Hepatitis C dagegen ist selbst das sehr selten, es wird u. a. durch infizierte Spritzen übertragen. Hüllenlose Viren können sehr umweltstabil sein und sowohl Austrocknung als auch Desinfektionsmittel überstehen. Hygienische Maßnahmen, wie beispielsweise Händewaschen oder Putzen, dienen hier eher dazu, möglichst viele Viren wegzuschwemmen. Teilweise lässt sich Übertragung innerhalb eines Haushalts aber kaum vermeiden. Hüllenlose Viren werden deshalb leicht per Kontaktinfektion bzw. Schmierinfektion übertragen und infizieren den Darm, meist als Lokalinfektion, seltener als zyklische Allgemeininfektion (zum Beispiel Poliovirus). Sie bleiben nicht chronisch. Siehe auch: Virusklassifikation

    Vermehrung

    Ein Virus selbst ist zu keinen Stoffwechselvorgängen fähig, daher braucht es Wirtszellen zur Fortpflanzung. Der Replikationszyklus eines Virus beginnt im Allgemeinen, wenn sich ein Virion an eine Wirtszelle anheftet und sein Erbmaterial, die Nukleinsäure, ins Zellinnere bringt. Das Erbmaterial des Virus, seine Nukleinsäure, wird anschließend in der Wirtszelle vervielfältigt und die Hüllproteine sowie gegebenenfalls weitere Bestandteile der Virionen werden anhand der Gene des Virusgenoms ebenfalls von der Wirtszelle synthetisiert. So können in der Zelle neue Virionen gebildeten werden, die freigesetzt werden, indem entweder die Zellmembran aufgelöst wird (Zell-Lyse, lytische Virusvermehrung), oder indem sie sezerniert werden, wobei Anteile der Zellmembran als Bestandteil der Virushülle mitgenommen werden. Eine weitere Möglichkeit ist der Einbau des Virus-Genoms in das des Wirtes. Dies ist der Fall bei temperenten Viren, wie zum Beispiel dem Phagen Lambda. Die Auswirkung der Virusvermehrung auf die Wirtszelle nennt man Zytopathischer Effekt. Es gibt verschiedene Arten des zytopathischen Effekts: Zelllyse, Pyknose (Polioviren), Zellfusion (Masernvirus, HSV, Parainfluenzavirus), intranucleäre Einschlüsse (Adenoviren, Masernvirus), intraplasmatische Einschlüsse (Tollwutvirus, Pockenvirus)

    Viren und Viruskrankheiten (Auswahl)

    Beim Menschen können eine Vielzahl von Krankheiten durch Viren verursacht werden, u. a. durch:

    Behüllte Viren

    Doppelsträngige DNA-Viren = dsDNA


    - Poxviridae
      - Chordopoxviridae
        - Orthopoxviren
          - Orthopox-Variola-Virus=Pockenvirus - Pocken
          - Orthopox-Alastrim-Virus - Weiße Pocken
        - Parapoxviren
          - Parapox-Ovis-Virus=Orf-Virus - Orf=Schafpocken, bei Tieren, auf den Mensch übertragbar !
        - Molluscipoxviren
          - Molluscipoxvirus - Dellwarze (Molluscum contagiosum)
    - Herpesviridae=Herpetoviridae
      - AlphaHerpes - Virinae
        - Simplexviren
          - Herpes-simplex-Virus 1 (HSV-1) oder (HHV-1) - Herpes simplex, Herpes labialis, Stomatitis aphtosa
          - Herpes-simplex-Virus 2 (HSV-2) oder (HHV-2) - Herpes simplex, Herpes genitalis
          - Herpes-B-Virus=(Herpesvirus simiae)
        - Varicellaviren
          - Varizella-Zoster-Virus (VZV) oder (HHV-3) - Windpocken=Varizellen (Herpes zoster), Gürtelrose
          - Pseudowut-Virus - Juckseuche=Tollkrätze, bei Tieren, auf den Mensch übertragbar !
      - BetaHerpes - Virinae
        - Cytomegalieviren
          - Zytomegalievirus (ZMV oder CMV) oder (HHV-5) - Zytomegalie=Speicheldrüseninfektion
        - Reseoloviren
          - Humanes-Herpes-Virus 6 (HHV 6) - Drei-Tage-Fieber
          - Humanes-Herpes-Virus 7 (HHV 7) - Drei-Tage-Fieber
      - GammaHerpes - Virinae
        - Lymphocryptoviren
          - Epstein-Barr-Virus (EBV) oder (HHV-4) - Pfeiffer'sches Drüsenfieber, Burkitt-Tumor
        - Rhadinoviren
          - Humanes-Herpes-Virus 8 (HHV 8) - Kaposi-Sarkom
    - Hepadnaviridae
      - Orthohepadnaviren
        - Hepatitis-B-Virus (HBV) - Hepatitis B

    Einzel(+)-Strang-RNA-Viren = ss(+)RNA


    - Togaviridae
      - Alphaviren - Arbovirosen
      - Rubiviren
        - Rubivirus=Rötelvirus=Rubellavirus - Röteln
    - Flaviviridae
      - Hepaciviren
        - Hepatitis-C-Virus (HCV) - Hepatitis C
        - Hepatitis-G-Virus (HGV) - Hepatitis G
      - Flaviviren
        - West-Nil-Virus - West-Nil-Fieber
        - Dengue-Virus - Dengue-Fieber
        - Gelbfieber-Virus - Gelbfieber
        - Louping-ill-Virus - Louping-ill-Enzephalitis
        - St.Louis-Enzephalitis-Virus - St.Louis Enzephalitis
        - Japan-B-Enzephalitis-Virus - Japanische Enzephalitis
        - Powassan-Virus - Powassan-Enzephalitis
        - RSSE-Virus - RSSE = Russian-Spring-Summer-Enzephalitis
        - FSME-Virus - FSME = Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis
    - Coronaviridae - Magen-Darm-Entzündungen
      - SARS-assoziiertes-Corona-Virus (SARS-CoV) - SARS=atypischen Lungenentzündung=(Pneumonie).
      - Coronaviren
        - Human Corona-Virus 229E (HCoV) - Erkältung
        - Human Corona-Virus OC43 (HCoV) - Erkältung
      - Toroviren - Gastroenteritis
    - Retroviren = Einzel(+)-Strang-RNA-Viren mit Besonderheiten:
      - Lentiviren
        - Humanes-Immunodefizienz-Virus (HIV) - AIDS
      - Onkoviren
        - Humanes-Tzell-Leukämie-Virus (HTLV -1, -2, ..) - Leukämie

    Einzel(-)-Strang-RNA-Viren = ss(-)RNA


    - Arenaviridae
      - Lassa-Virus - Lassa-Fieber
      - Junin-Virus - Junin-Fieber (argentinisches hämorrhagisches Fieber)
      - Machupo-Virus - Machupo-Fieber (bolivianisches hämorrhagisches Fieber)
    - Bornaviridae
      - Bornavirus - beim Pferd, vielleicht auch auf den Menschen übertragbar - Affektive Störungen
    - Bunyaviridae - Arbovirosen
      - Bunyaviren
        - Californiaviren (Serogruppe)
          - California-Encephalitis-Virus - Encephalitis
      - Phleboviren
        - Phlebomotus Fieber-Viren (Serogruppe)
          - Rift-Tal-Fieber-Virus - Rift-Tal-Fieber
        - ~Sandmückenfieber-Virus - Pappataci-Fieber = Sandflyfever = Sandmückenfieber
      - Nairoviren
        - Krim-Kongo-Fieber-Viren (Serogruppe)
          - Krim-Kongo-Fieber-Virus - Krim-Kongo-Fieber
      - Hantaviren
        - Hantaanviren (Serogruppe)
          - Hantaan-Virus=muerto-Canyon-Virus - hämorrhagisches Fieber
          - Seoul-Virus - hämorrhagisches Fieber
          - Psospect-Hill-Virus - hämorrhagisches Fieber
          - Puumala-Virus (PUU) - hämorrhagisches Fieber
          - Dobrava-Virus - hämorrhagisches Fieber
          - Tula-Virus - hämorrhagisches Fieber
          - Korea-Fieber-Virus - Korea-Fieber,hämorrhagisches Fieber
          - Sin-Nombre-Virus - hämorrhagisches Fieber mit schwerem Lungenödem
    - Filoviridae
      - Ebola-Virus - Ebola
      - Marburg-Virus - Marburg-Fieber
    - Orthomyxoviridae
      - Influenzaviren A - Influenza (Grippe)
        - Influenzavirus A-Variante (H1N1) - Influenza (Grippe)
        - Influenzavirus A-Variante (H3N2) - Influenza (Grippe)
        - (avieres) Influenzavirus-A-Variante (H5N1), hoch pathogenes aviäres Influenzavirus (HPAIV) - Vogelgrippe, bei Tieren, auch auf den Mensch übertragbar, aber noch nicht von Mensch zu Mensch.
      - Influenzaviren B - Influenza (Grippe)
        - Influenzavirus B/Victoria-Linie - Influenza (Grippe)
        - Influenzavirus B/Yamagata-Linie - Influenza (Grippe)
      - Influenzaviren C - Influenza (Grippe)
    - Paramyxoviridae
      - Paramyxoviren
        - Parainfluenzavirus - Parainfluenza
      - Morbilliviren
        - Masernvirus - Masern
      - Rubulaviren
        - Mumpsvirus - Mumps
      - Pneumoviren
        - Pneumovirus - Atemwegsinfektion
        - Metapneumoviren
          - Humanes-Metapneumo-Virus (HMPV) - Atemwegsinfektion
        - Respiratory-Sincytical-Virus (RSV) - Atemwegsinfektion
    - Rhabdoviridae
      - Vesiculoviren
        - vesicular-Stomatitis-Virus (VSV) - Stomatitis vesicularis (Mundschleimhautentzündung mit Bläschenbildung) bei Tieren, auch auf den Mensch übertragbar
      - Lyssaviren
        - Rabiesvirus (RABV) = Tollwutvirus - Tollwut, bei Tieren, auch auf den Mensch übertragbar

    Unbehüllte Viren:

    Doppelsträngige DNA-Viren = dsDNA


    - Adenoviridae
      - Adenoviren - Schnupfen, Erkältungen, Durchfall
    - Papovaviridae
      - Papovaviren
        - Humane-Papilloma-Viren
          - diverse Humane-Papilloma-Viren (HPV) - Warzen
          - Kondyloma-Virus (HPV 6) - Feigwarzen
          - Kondyloma-Virus (HPV 11) - Feigwarzen
          - Humanes-Papilloma-Virus (HPV 16 /18 /30 ...) - Zervixkarzinom = Gebärmutterhalstumor/ -Krebs
        - Polyomaviren

    Einzelsträngige DNA-Viren = ssDNA


    - Parvoviridae
      - Erythroviren
        - Parvovirus B19 - Ringelröteln
      - Dependoviren
        -