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Instinkt

Instinkt

Der Begriff Instinkt, wörtlich Naturtrieb, wird heute oft im übertragenen Sinne für „ein sicheres Gefühl für etwas“ verwendet und bezeichnet Verhaltensweisen, die ohne reflektierte Kontrolle ablaufen. Es ist bis heute schwierig, das Wort Instinkt genau zu definieren, da es bei unterschiedlichen Autoren eine unterschiedliche Bedeutung haben kann Das Wort „Instinkt" wurde im 18. Jahrhundert abgeleitet aus dem lateinischen Begriff instinctae naturae, dem wiederum das Verb instinguere (= anstacheln, antreiben, hineinstechen) zugrunde lag. Das Adjektiv instinktiv bedeutet „vom Instinkt geleitet, trieb-, gefühlsmäßig“. Es wurde im 19. Jahrhundert dem französischen Wort instinctif nachgebildet. Die Untersuchung der äußerlich sichtbaren Auswirkungen von Instinkten sah die seit den 1930er Jahren aus der Tierpsychologie hervorgegangene Ethologie als eines ihrer wesentlichen Forschungsziele an. Heute vermeiden die Psychologie und die Verhaltensbiologie weitgehend diesen nie eindeutig definierten Begriff und ersetzen ihn durch „angeborenes Verhalten“. Instinkte spielen allenfalls noch als Metapher für funktionale Zusammenhänge eine Rolle, deren physiologische Grundlagen noch nicht geklärt sind. Mit zunehmender Kenntnis der Arbeitsweise des Gehirns, so hofft man, wird man den Begriff völlig aufgeben können.

Verwendung in den Wissenschaften

Seit dem Mittelalter wird der Instinkt als Ausdruck des göttlichen Hauches betrachtet, wobei seinerzeit Gedankengänge von Philosophen des antiken Griechenlands aufgegriffen wurden. Bis in die 1930er Jahre hielten die Vitalisten die „Instinkte“ einer naturwissenschaftlichen Forschung weder zugänglich noch bedürftig. Charles Darwin (1871) verstand unter "Instinkthandlungen" Verhaltensweisen, die vollkommen ohne Erfahrung schon beim erstmaligen Ausführen beherrscht werden. William James verfasste 1872 eine auch heute noch hilfreiche Formulierung, derzufolge der Instinkt die Fähigkeit sei, „sich so zu verhalten, dass gewisse Ziele erreicht werden, ohne Voraussicht dieser Ziele und ohne vorherige Erziehung oder Erfahrung“. Konrad Lorenz schrieb 1950: „Als einen Instinkt oder Trieb bezeichnen wir ein im ganzen spontan aktives System von Verhaltensweisen, das funktionell genügend einheitlich ist, um einen Namen zu verdienen.“ Der „Instinkt“ wird also auf physiologische Prozesse, letztlich auf Nervenzellen im Gehirn zurückgeführt - aber ohne, dass ein konkreter Nachweis für derartige Zellstrukturen geführt wurde. Nikolaas Tinbergen (1956) definiert Instinkt als einen hierarchisch organisierten Mechanismus im Nervensystem, der auf bestimmte innere und äußere, vorwarnende, auslösende und richtende Impulse anspricht und sie mit koordinierten, lebens- und arterhaltenden Bewegungen beantwortet: also ein komplexes System aus Schlüsselreizen, hierdurch verursachten inneren Zustandsänderungen (vergl. Angeborener Auslösemechanismus) und nachfolgenden Aktivitäten.

Siehe auch:

Instinkttheorie, Instinktverhalten; Kategorie:Verhaltensbiologie ja:本能

Latein

Als Latein bzw. Lateinisch (lat. lingua Latina: „lateinische Sprache“) bezeichnet man die Sprache, die ursprünglich vom Volksstamm der Latiner gesprochen wurde, der Bewohner von Latium mit Rom als Zentrum. Innerhalb der indogermanischen Sprachen gehört Latein zur Gruppe der italischen Sprachen. Es bildete die Grundlage für alle heutigen romanischen Sprachen.

Entwicklung

romanischen Sprachen Ursprünglich in Rom und dem umliegenden Gebiet (Latium) gesprochen, wurde Latein später an humanistischen Gymnasien unterrichtet. Neben Griechisch war Latein die Amtssprache des römischen Reiches. Wegen der kulturellen Überlegenheit des Ostens verlor es dabei zeitweise in Nordafrika und selbst in Rom seine Vorrangstellung. So war die Liturgiesprache der römischen Christen bis um 300 das Griechische. In dieser Zeit drangen viele griechische Lehnwörter ins Lateinische ein. Während der Spätantike begannen sich verschiedene Volkssprachen, aus denen im Mittelalter die romanischen Sprachen entstehen sollten, phonetisch und grammatikalisch von der lateinischen Hochsprache wegzuentwickeln. Doch noch im 6. Jahrhundert entstanden hochsprachliche lateinische Werke. Im Oströmischen Reich war Latein bis ins frühe 7. Jahrhundert neben Griechisch eine der beiden Amtssprachen. Im Westen übernahmen die Germanen mit den Grundelementen der spätrömischen Verwaltung auch die lateinische Sprache, die in der Administration bis in die frühe Neuzeit vorherrschend blieb. Seit der Völkerwanderung und der Christianisierung der (zunächst zumeist arianischen) Germanenvölker wurde Latein im Westen des früheren Römischen Reiches und in den römisch-katholischen Folgestaaten die Sprache des Klerus (Kirchenlatein), der Rechtswissenschaft (Glossatoren) und der sich bildenden Hochschulen (studia generalia). Es bildete somit die Schriftsprache, vor allem für das kirchliche und weltliche Urkundenwesen (Diplomatik) im frühen Europa. In völkerrechtlichen Verträgen (z. B. im Westfälischen Frieden von 1648) dominierte Latein bis in das 17. Jahrhundert hinein. Es bildet noch bis ins 20. Jahrhundert den Affixvorrat für die Fachterminologie in den Wissenschaften und verliert durch die fortschreitende Absorption in die englische und andere Sprachen lediglich an direkter, nicht jedoch an indirekter Bedeutung. Es wird noch an vielen Schulen unterrichtet.

Antike

Antike Schreibweise

Die lateinische Sprache wurde ursprünglich als scriptio continua, d. h. als zusammenhängender Fluss von Zeichen ohne Zwischenräume geschrieben. Auch Satzzeichen und Kleinbuchstaben wurden in der Antike nicht verwendet. Auf Wachstafeln war nämlich wenig Platz zum Schreiben, und Papyrus war teuer. Die antiken lateinischen Texte sind für uns heute daher schwer zu lesen. Vergleiche folgendes Beispiel: Alte Schreibweise: AVREAPRIMASATAESTAETASQVAEVINDICENVLLO SPONTESVASINELEGEFIDEMRECTVMQVECOLEBAT POENAMETVSQVEABERANTNECVERBAMINANTIAFIXO AERELEGEBANTVRNECSVPPLEXTVRBATIMEBAT IVDICISORASVISEDERANTSINEVINDICETVTI NONDVMCAESASVISPEREGRINVMVTVISERETORBEM MONTIBVSINLIQVIDASPINVSDESCENDERATVNDAS NVLLAQVEMORTALESPRAETERSVALITORANORANT NONDVMPRAECIPITESCINGEBANTOPPIDAFOSSAE NONTVBADIRECTINONAERISCORNVAFLEXI NONGALEAENONENSISERANTSINEMILITISVSV MOLLIASECVRAEPERAGEBANTOTIAGENTES Heutige Schreibweise: Aurea prima sata est aetas, quae vindice nullo, sponte sua, sine lege fidem rectumque colebat. poena metusque aberant nec verba minantia fixo aere legebantur, nec supplex turba timebat iudicis ora sui, sed erant sine vindice tuti. nondum caesa suis, peregrinum ut viseret orbem, montibus in liquidas pinus descenderat undas, nullaque mortales praeter sua litora norant. nondum praecipites cingebant oppida fossae, non tuba directi, non aeris cornua flexi, non galeae, non ensis erant: sine militis usu mollia securae peragebant otia gentes. Auszug aus Ovids Metamorphosen: Die Schöpfung (Das goldene Zeitalter) Details zu den verwendeten Buchstaben finden sich in dem Artikel Lateinisches Alphabet. Siehe zu diesem Thema auch: Paläografie (dort Lateinische Paläografie), Capitalis, Versalschrift und Majuskel.

Antike Aussprache

Auf die antike Aussprache der lateinischen Sprache wird im Artikel Lateinische Aussprache eingegangen.

Literatur

Mit Antiker Literatur des Lateinischen beschäftigt sich u. a. der Artikel Lateinische Literatur.

Gegenwart

Auch heute ist Latein noch an vielen Gymnasien aller Fachrichtungen zu finden. Etwa ein Drittel aller Gymnasiasten im deutschen Sprachraum lernt Latein als erste, zweite oder dritte Fremdsprache. An humanistischen Gymnasien wird dem Lateinischen, neben dem Griechischen, noch eine herausgehobene Bedeutung zugemessen, was früher auf eine aktive Beherrschung des Lateinischen zielte. Tatsächlich werden auch heute noch für zahlreiche Studiengänge das Latinum oder Lateinkenntnisse gefordert, insbesondere in zahlreichen geisteswissenschaftlichen Fächern. Das Latinum ist als Studienvoraussetzung für die Fächer Medizin und Jura weitestgehend abgeschafft, häufig aber nicht in Fächern wie Anglistik, Philosophie oder sogar Musikwissenschaften. Unabhängig von den Studienanforderungen wird von Befürwortern des Lateins betont, dass das Erlernen der lateinischen Sprache weiterhin Basis für die korrekte Verwendung von Fremdwörtern sei, das Erlernen anderer romanischer Sprachen wesentlich erleichtere und erhebliche Transfer-Effekte für die Denkschulung aufträten. Das Übersetzen lateinischer Texte fördere auf Grund der erheblichen Komplexität vieler lateinischer Sätze auch das logische Denken. Von den Gegnern ist hingegen zu hören, dass die Auseinandersetzung mit jeder Art von Grammatik, egal welcher Sprache, das strukturierte Denken fördere, und dass das Erlernen moderner romanischer Sprachen, welche im Gegensatz zu Latein noch gebraucht werden, mindestens ebenso gut dazu geeignet sei, die zahlreichen lateinischen Lehnwörter im Deutschen korrekt zu verwenden und andere romanische Sprachen zu erlernen. In der Tat sind viele gesamtromanische, also in allen romanischen Sprachen auftretende Wörter nicht im klassischen Latein vorhanden und müssen dann neu gelernt werden: guerra „Krieg“, testa „Kopf“, cavallo „Pferd“, mangiare/manger „essen“, andare
-
„gehen“ , boc(c)a/bouche „Mund“, blanco/blanc „weiß“, die Himmelsrichtungen etc. Viele dieser Wörter erklären sich nämlich aus dem umgangssprachlichen oder dem späten Latein oder stammen aus der Soldatensprache, also aus Varietäten, die nicht in der Schule gelehrt werden. Aus deutschen und US-amerikanischen Untersuchungen geht hervor, dass zwischen absolviertem Lateinunterricht und der Beherrschung der englischen Sprache in Schrift und vor allem Wort eine signifikante Korrelation besteht. Ein kausaler Zusammenhang ist allerdings nicht nachgewiesen worden – möglicherweise macht eine hohe sprachliche Begabung eines Kindes die Wahl des als schwierig geltenden Latein wahrscheinlicher. Da auch im modernen Lateinunterricht die Sprachproduktion eindeutig der Rezeption (Leseverstehen) untergeordnet ist, glauben viele, Latein falle Menschen mit ausgeprägter Begabung für Mathematik und formelle Denkvorgänge generell leichter als andere Fremdsprachen, wohingegen Menschen mit ausgeprägter Begabung für intuitives Erlernen von Sprachen andere Fremdsprachen leichter fänden. Dieser Zusammenhang lässt sich allerdings nicht häufig verifizieren: Die Erfahrung zeigt, dass die Schülerleistungen in Latein überwiegend Hand in Hand mit denen in der Muttersprache und anderen Fremdsprachen gehen.

Modernes Latein

Auch heute werden deutsch-lateinische Lexika aufgrund neulateinischen Wortgutes herausgegeben, z. B. das „lexicon auxiliare“ oder das vom Vatikan herausgegebene „lexicon recentis latinitatis“, welches erst im Jahre 2004 eine Neubearbeitung erfuhr. Der finnische Rundfunksender YLE (Yleisradio) verbreitet Wochennachrichten in neulateinischer Sprache. Radio Bremen veröffentlicht regelmäßig die Nuntii Latini in schriftlicher und gesprochener Version. Seit April 2004 veröffentlicht auch die deutschsprachige Redaktion bei Radio Vatikan Nachrichten auf Lateinisch. Dabei handelt es sich um ursprünglich deutsche Meldungen. Gero P. Weishaupt übersetzt sie für die Redaktion ins Lateinische. Sehr beliebt ist auch die lateinische Fassung der Asterix-Comics, die der deutsche Altphilologe Graf v. Rothenburg (Rubricastellanus) verfasst hat. Der Autor Nikolaus Groß, beruflich seit zehn Jahren Deutsch-Lektor in der südkoreanischen Hauptstadt, hat 2004 eine komplett latinisierte Übertragung von Patrick Süskinds Das Parfum im Brüsseler Verlag der Fundatio Melissa, einem überregionalen Verein zur Pflege des gesprochenen Lateins, veröffentlicht. Dem Buch ist mit dem „Glossarium Fragrantiae“ eine größere Liste aktualisierter Neuschöpfungen beigegeben. Vom selben Wortartisten existiert des weiteren ein Buch über den Baron Mynchusanus (Münchhausen). 2003 erschien bereits der erste Teil der Harry Potter-Bücher von J. K. Rowling auf Latein (Harrius Potter et Philosophi Lapis). Daneben gibt es noch viele weitere Übersetzungen „klassischer“ Werke ins Lateinische, so zum Beispiel Karl Mays Winnetou III, oder Der kleine Prinz (Regulus) von St. Exupéry. Durch das Internet ist die Verfügbarkeit alter lateinischer Texte sowie das Entstehen neuer lateinischer Texte erheblich begünstigt worden. Inzwischen gibt es sogar lateinische Fassungen von Popsongs. Daneben entstehen auch neue Popsongs in lateinischer Sprache, etwa Cursum Perficio, gesungen von Enya, Liberatio, eines von vielen lateinischen Musikstücken der Gruppe „Krypteria“, oder bei Gruppen der Dark Wave bzw. Gothic (Jugendkultur). Roma Ryan hat neben Cursum Perficio für Enya noch weitere Songs in lateinischer Sprache verfasst. In Internetforen wie Grex Latine Loquentium kommunizieren Teilnehmer aus vielen Ländern ausschließlich in Latein. In der klassischen beziehungsweise neoklassischen Musik findet Latein ebenfalls Verwendung. So hat etwa der niederländische Komponist Nicholas Lens auf seinem Werk Flamma Flamma ein lateinisches Libretto vertont, für sein Werk Terra Terra hat Lens selbst ein Libretto in lateinischer Sprache verfasst. Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Vertonungen lateinischer Gedichte wie z. B. von Jan Novák. Carl Orff unterlegte mehreren seiner Vokal-Kompositionen Texte in Latein oder Griechisch. Igor Strawinski ließ das nach Sophokles von Jean Cocteau in französischen Versen verfasste Libretto zu Ödipus Rex“ von Jean Daniélou ins Lateinische übersetzen. Das Lehrbuch Lingua Latina per se illustrata des dänischen Autors Hans H. Ørberg hat die bisher hauptsächlich für den Unterricht in modernen Sprachen eingesetzte einsprachige Lehrmethode auf den altsprachlichen Unterricht übertragen. Das Lehrbuch erfreut sich in verschiedenen Ländern einer steigenden Beliebtheit.

Latein in den Wissenschaften

In der Biologie erfolgt die Namensbildung der wissenschaftlichen Namen lateinisch und griechisch, wobei neuere Vorschläge vorsehen, die Regeln nur aus der lateinischen Sprache zu entnehmen. In der Medizin sind die anatomischen Fachbegriffe lateinisch, für die einzelnen Organe wird zusätzlich auch latinisiertes Griechisch verwendet. Die Krankheitsbezeichnungen leiten sich aus dem Griechischen ab. Zahlreiche Sprichwörter haben einen lateinischen Ursprung und sind teilweise auch in der deutschen Übersetzung zu geflügelten Worten geworden. In den Rechtswissenschaften existieren verschiedene lateinische Lehrsätze und Fachbegriffe (Latein im Recht). Auch in der Geschichtswissenschaft spielt vor allem Latein weiterhin eine große Rolle. In der Meteorologie werden lateinische Begriffe in der Wolkenklassifikation eingesetzt.

Latein in der katholischen Kirche

Latein ist neben Italienisch die Amtssprache des Vatikanstaats. Die katholische Kirche veröffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein. Das gilt für die liturgischen Bücher, den Katechismus, den Codex des kanonischen Rechts sowie die päpstlichen Rechtsvorschriften (canones, decretales) und Rundschreiben (Enzykliken). Bis zum zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) war Latein die offizielle Gottesdienstsprache und ist dies (laut Sacrosanctum Concilium) offiziell noch heute, wobei andere Sprachen jedoch gleichfalls erlaubt sind. Tatsächlich werden nur noch sehr wenige Gottesdienste in Latein gehalten. Der gegenwärtig amtierende Papst Benedikt XVI. bevorzugt bei seinen Messen aber das Lateinische vor dem Italienischen. Siehe auch: Lateinische Kirche

Referenzlisten


- Lateinische Präpositionen
- Liste lateinischer Ortsnamen
- Liste lateinischer Präfixe
- Liste lateinischer Redewendungen
- Liste lateinischer Suffixe
- Liste von lateinischen Palindromen
- Lateinische Zahlwörter

Siehe auch


- Grammatik des Lateinischen
- Lateinische Aussprache
- Lateinische Sprichwörter
- Küchenlatein
- Vulgärlatein
- Mittellatein
- Lateinische Literatur
- Sprachen im Römischen Reich
- Jägerlatein
- Panlatinismus

Weblinks


- [http://www.commtec.de/wb/ Wörterbuch Latein-Deutsch-Latein auxilium online (mit Download-Möglichkeit)]
- [http://www.latein-pagina.de/iexplorer/stil.htm Lateinische Stilblüten]
- [http://www.thelatinlibrary.com/ The Latin Library – klassische Texte im Original]
- [http://www.albertmartin.de/latein/ Latein-Deutsch-, Deutsch-Latein-Wörterbuch mit hilfreichen Extras]
- [http://www.radiobremen.de/online/latein/ Nuntii latini bei Radio Bremen]
- [http://www.latein-pagina.de/ Latein-Pagina]
- [http://www.antikeundeuropa.de/Alte_Sprachen_heute/alte_sprachen_heute.html Alte Sprachen heute]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/a_chron.html Sammlung lateinischer Texte/bibliotheca Augustana]
- [http://www.music.indiana.edu/tml/ Lateinische Musiktraktate im Original]
- [http://www.lateinservice.de/index.htm Die deutsche Latein-Seite]
- [http://www.alcuinus.net/GLL/ Grex Latine Loquentium (Internetforum in lateinischer Sprache)]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.latein24.de/ Übersetzungen vieler klassischer lateinischer Texte bei Latein24.de] Kategorie:Einzelsprache
-
als:Latein ja:ラテン語 ko:라틴어 simple:Latin language th:ภาษาละติน zh-min-nan:Latin-gí

Tierpsychologie

Der Begriff Tierpsychologie hat in den vergangenen 100 Jahren einen äußerst wechselhaften Wertewandel durchlebt. Wissenschaftliche Bedeutung erlangte er im deutschen Sprachraum Ende des 19. Jahrhunderts - in Analogie zur "Menschen-Psychologie" - als Forscher sich verstärkt darum bemühten, das innere Erleben von Tieren zu analysieren, zu verstehen und darauf praktisch einzugehen. In den späten 1930er Jahren war die Tierpsychologie in bibliographischen Gliederungen des Universitätsfaches Psychologie in Deutschland als eigenes Gebiet enthalten und in der Nähe der Entwicklungsbiologie angesiedelt, also nicht etwa bei der Biologie.

Historische Entwicklung

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren es Biologen wie Oskar und Katharina Heinroth, Nikolaas Tinbergen und Konrad Lorenz, die ihr Arbeitsgebiet anfangs als "Tierpsychologie" bezeichneten, später aber auch als Ethologie oder als "vergleichende Verhaltensforschung". Die Entwicklung der Tierpsychologie zu einem eigenständigen Fach an den Hochschulen wurde in den 1940er Jahren ganz wesentlich durch das Oberkommando des Heeres gefördert, dem 1941 beispielsweise Werner Fischel seine Dozentur für Tierpsychologie an der Universität Leipzig zu verdanken hatte; es war dies die erste derartige Planstelle in Deutschland. Schon 1936 hatten sich Vertreter des Heereshundewesens beim Reichskriegsministerium und andere staatliche Stellen an der Gründung der Deutschen Gesellschaft für Tierpsychologie beteiligt. Hintergrund dieser Förderung war auch, dass damals viele Psychologen bei Kindern, "Primitiven", "Geisteskranken" und Tieren eine gemeinsame, gleichsam ursprüngliche seelische Verfassung des Menschen vermuteten. Außerdem darf nicht übersehen werden, dass auch im 2. Weltkrieg noch auf deutscher Seite hunderte Pferde in Kavallerie-Abteilungen eingesetzt wurden, weshalb der spätere Frankfurter Zoodirektor Bernhard Grzimek Gelegenheit hatte, inmitten des Kriegsgeschehens als Veterinär bei der Wehrmacht Studien zum Farbsehen und zum Heimfindevermögen von Militärpferden anzufertigen und zu publizieren. Nach seiner Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft vermied Konrad Lorenz ab 1949 ganz bewusst das Etikett "Tierpsychologie" für die vergleichende Verhaltensforschung, da diese Bezeichnung inzwischen in der Geruch einer bloßen Liebhaberei gekommen und überdies durch seine Nähe zur nationalsozialistischen Rassenlehre politisch belastet war. Stattdessen benutzten er und seine Kollegen nun ausschließlich den Begriff "Ethologie", der "wissenschaftlicher" klang, oder sogar die Bezeichnung "Verhaltensphysiologie" (obwohl zumindest Lorenz nie physiologische Forschung betrieb); bereits 1902 war der Begriff "Ethologie" durch William Morton Wheeler als "ethology" in den englischen Sprachraum eingeführt worden und hatte sich allmählich international durchgesetzt. Die 1937 gegründete Zeitschrift für Tierpsychologie, neben Behaviour und Animal Behaviour jahrzehntelang die bedeutendste verhaltensbiologische Fachpublikation, wurde erst 1985 in "Ethology" umbenannt. In dem Maße, in dem die aus der traditionellen vergleichenden Verhaltensforschung hervorgegangene Instinkttheorie aufgrund von neueren verhaltensökologischen und neurobiologischen Befunden als überholt angesehen wurde, benutzten viele Verhaltensforscher seit den 1980er Jahren dann auch den Begriff Ethologie immer weniger und ersetzten ihn durch die als neutraler empfundene Bezeichnung Verhaltensbiologie. Kritisiert wird an dem Begriff "Tierpsychologie" gelegentlich von Seiten der Humanpsychologie, dass "Psychologie" für die wissenschaftliche Lehre vom Verhalten und Erleben stehe. Das Erleben von Tieren könne jedoch nicht mit wissenschaftlichen Methoden erfasst werden. Gleichwohl erlebt die Bezeichnung "Tierpsychologie" seit einigen Jahren einen Wiederaufschwung: Der Mangel an verhaltenskundlicher Ausbildung während des Studiums der Tiermedizin führt seit den 1990er Jahren zu einer allmählichen Professionalisierung der Arbeit von "Experten für verhaltensauffällige Haustiere". Auch wenn "Tierpsychologe" derzeit keine geschützte Berufsbezeichnung ist (sich also jeder nach dem Lesen einiger verhaltenskundlicher Bücher über Hunde, Katzen und Pferde so nennen kann), sorgt die offenbar steigende Nachfrage besorgter Haustierbesitzer für das Entstehen eines neuen Berufes.

Tierpsychologie heute

Tierpsychologie ist heute eine stark anwendungsorientierte Fachrichtung. In der Regel sind es freiberufliche Dienstleister, die sich Tierpsychologe nennen und Hilfestellungen für Hunde-, Katzen- und Pferdehalter geben, wenn deren Tiere unangepasstes Verhalten zeigen. Durch genaues Analysieren des Verhaltens von Tier zu Tier bzw. von Mensch zu Tier (und Tier zu Mensch) können sie aufzeigen, durch welche Änderungen im Verhalten des Menschen (!) die Verhaltensauffälligkeiten der Tiere korrigiert werden können: Tierpsychologie ist zu einem großen Teil daher immer auch "Menschen-Psychologie". Ihre erfolgreiche Umsetzung in die verhaltenskundliche Praxis setzt gleichermaßen eine genaue Kenntnis des Instinktverhaltens der Tiere voraus wie der Mechanismen der Verhaltensformung durch Lernen (=Konditionierung). Tierpsychologen, die Tiere nicht ausschließlich im anwendungsbezogenen Sinn instrumentalisieren wollen (sei es bei der Abrichtung zu von Reitpferden zu Springpferden oder beim "Optimieren" der kommerziellen Hühnerhaltung), haben somit den Eigenwert des tierischen Lebens und Verhaltens zu beachten und die bestmöglichen Bedingungen für die Entfaltung aller Lebensfunktionen der Tiere zu fördern. Hinzuweisen wäre noch darauf, dass die Berufsbezeichung "Psychologe" in Deutschland gesetzlich geschützt ist und in Deutschland nur von Absolventen des universitären Studienganges "Psychologie" (Diplom) als Berufsbezeichnung benutzt werden darf. Kategorie:Verhaltensbiologie Kategorie:Psychologie

Ethologie

Als Ethologie wird im deutschen Sprachraum traditionell die "klassische" vergleichende Verhaltensforschung bezeichnet, gelegentlich aber auch ganz generell die Verhaltensbiologie. Die Ethologie ist somit ein Teilgebiet der Biologie und eng verbunden mit den Arbeiten von Oskar Heinroth, Konrad Lorenz, Nikolaas Tinbergen, Irenäus Eibl-Eibesfeldt, dem Entwurf einer Instinkttheorie sowie mit dem ehemaligen Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie. Als bedeutender Vorläufer kann Jean-Henri Fabre betrachtet werden, der den Instinkt bei den Insekten untersuchte. Wissenschaftshistorisch betrachtet ist die Ethologie eine Nachbardisziplin der Psychologie. Siehe auch:
- Übersicht über wichtige verhaltensbiologische Fachbegriffe
- Übersicht über bedeutende Verhaltensforscher

Wortbedeutung

Der Begriff "Ethologie" ist abgeleitet von den griechischen Wörtern Ethos (= Charakter, Geist, Moral) und Logos (= Wort, Sprache, Vernunft). Übersetzt bedeutet "Ethologie" somit die Lehre vom Verhalten oder schlicht Verhaltensforschung. Außerhalb des deutschen Sprachraums steht “Ethologie” (engl.: ethology) meist ganz allgemein für "Verhaltensbiologie".

Historischer Hintergrund: Vitalisten und Mechanisten

Schon Charles Darwin hatte aufgrund jahrelanger eigener Zuchtexperimente (u. a. an Tauben) erkannt, dass die häufig sehr komplexen Verhaltensweisen der Tiere aufgrund der gleichen Gesetzmäßigkeiten entstanden sein müssen wie ihre anatomischen Merkmale: also aufgrund von zufälliger Variabilität der einzelnen Merkmale und deren Bedeutung im Überlebenskampf ihrer Träger. Noch bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein hielten sich aber u. a. so genannte vitalistische Anschauungen, die angeborenes Instinktverhalten zwar nicht leugneten und sogar dessen Zweckmäßigkeit aufzeigten. Sie beantworteten jedoch die Frage nach dem Entstehen dieser Zweckmäßigkeit mit der Annahme einer Lebenskraft (daher: Vitalismus), einer Naturkraft oder der göttlichen Lenkung. Diese Unterstellung letztlich übernatürlicher Kräfte blockierte lange Zeit jede naturwissenschaftliche Ursachenforschung. Ein prominenter Vertreter dieser Richtung war Alfred Russel Wallace. Wallace gilt neben Darwin als der Begründer der modernen Evolutionstheorie; er entfernte sich aber weit von allen evolutionsbiologischen Denkweisen, sobald es um die Entstehung der Instinkte ging. In scharfem Gegensatz zu den vitalistischen Richtungen standen die so genannten Mechanisten, die alles Verhalten als das gleichsam passive Reagieren auf Außenreize deuteten, als eine Kette von Reflexen ("Reflexkettentheorie"). Ihre Anschauungen fußten vor allem auf den Forschungsergebnissen des Nobelpreisträgers Iwan Pawlow und verneinten oder ignorierten innere Antriebe. Ein prominenter Vertreter dieser Richtung war neben Pawlow der US-amerikanische Psychologe Burrhus Frederic Skinner, der prominenteste Forscher des Behaviorismus.

Die klassische ethologische Instinktforschung

Eine grundlegende Wendung nahm die Verhaltensforschung durch Oskar Heinroth, in dessen 1910/11 publizierten Studien erstmals auch das Wort “Ethologie“ im heutigen Sinne verwendet wurde. Heinroth hatte zunächst das Verhalten von diversen Gänse- und Entenarten studiert und dabei festgestellt, dass bestimmte Bewegungsweisen (beispielsweise bei der Balz) von Tieren gleichen Geschlechts und gleicher Art mit immer denselben Gesten und Körperhaltungen ausgeführt werden. Heinroth nannte solche formkonstanten Bewegungen arteigene Triebhandlungen und konnte aufzeigen, dass verwandte Arten mehr oder weniger starke Abwandlungen solcher Verhaltensweisen besitzen. Von diesen genauen Verhaltensbeobachtungen zu einer evolutionären Deutung ihres Entstehens war es dann weder für Heinroth noch für dessen späteren Schüler Konrad Lorenz ein großer Schritt. Das ethologische Instinktkonzept besagt, dass Instinktbewegungen im Erbgut verankert sind und durch Schlüsselreize ausgelöst werden können, solange eine innere aktionsspezifische Energie vorhanden ist. Die Zweckmäßigkeit dieses Ineinandergreifens von äußerem Auslöser, Handlungsbereitschaft und spezifischer Verhaltensweise habe sich im Prozess der Evolution entwickelt und diene letztlich der Arterhaltung.
- Ein vielzitiertes Beispiel für eine solche Instinktbewegung ist die Eirollbewegung der Graugans: Wenn ein Ei (der Schlüsselreiz) außerhalb des Nestes gerät, reckt die Gans ihren Schnabel über das Ei hinweg und rollt das Ei mit Hilfe ihres Schnabels zurück ins Nest. Diese Bewegung läuft immer auf die gleiche Weise ab und wird selbst dann zu Ende geführt, wenn das Ei während des Vorgangs von einem Versuchsleiter entfernt wird. Diese starre, angeborene Form des Verhaltens gilt als eine arteigene Triebhandlung im Sinne von Oskar Heinroth und wurde von Konrad Lorenz als Erbkoordination bezeichnet. Weitere Fachbegriffe der Instinkttheorie sind u. a. Angeborener Auslösemechanismus, Appetenz, Leerlaufhandlung, Übersprungbewegung sowie das Prägungskonzept. Kennzeichnend für die ethologische Instinktforschung ist zum einen die Betonung der Freilandforschung, also das Beobachten des Verhaltens unter natürlichen Umweltbedingungen. Kennzeichnend sind zum anderen sogenannte Ethogramme: Das sind Verhaltensprotokolle, in denen alle möglichen Verhaltensweisen exakt beschrieben und in ihrer zeitlichen Abfolge aufgelistet werden (z.B.: Nahrungsaufnahme, Schlafen, sich putzen, schnell weglaufen, eintragen von Jungtieren zum Nest). Hierdurch wird es möglich, sowohl die Häufigkeit als auch das Aufeinanderfolgen von Verhaltensweisen qualitativ und quantitativ zu beschreiben.

Kontroversen

Mit dem Begriff Instinktbewegung war bis Ende der 1960er-Jahre die Auffassung verbunden, es handele sich bei den so gedeuteten Verhaltensweisen um rein angeborene Aktivitäten. Inzwischen hat die Forschung aber immer mehr Anhaltspunkte dafür gefunden, dass solche starren Reaktionen auf externe Reize ein Ausnahmefall sind, dass Erbe und Umwelt auch in Bezug auf einzelne Verhaltensweisen eng miteinander verzahnt sind - viel enger jedenfalls, als zuvor vermutet.
- Zentrale Konzepte der klassischen Ethologie wurden 1990 von Prof. Wolfgang Wickler, einem Schüler von Konrad Lorenz und 1992 von Prof. Hanna-Maria Zippelius, einer Schülerin von Karl von Frisch, kritisiert (vergl. hierzu u.a. Übersprunghandlung und Leerlaufhandlung).

Verhaltensökologie und Soziobiologie statt Ethologie?

Das Konzept des Instinktverhaltens in drei Phasen (ungerichtete Appetenz, Taxis, Endhandlung) ist zwar zur Beschreibung des Nahrungserwerbes von Beutegreifern geeignet, versagt aber schon bei Pflanzenfressern.
- Im noch relativ jungen Gebiet der Ökologie, speziell in der Populationsbiologie (vergl. Demökologie) und der Ethökologie (Verhaltensökologie) werden daher beispielsweise die Nahrungssuche und andere Entscheidungsfindungen in Konfliktsituationen mit Hilfe des Konzepts der Kosten-Nutzen-Analyse erklärt (Decision Making / Entscheidungen treffen; Optimal Foraging / Optimierte Futtersuche).
- Für die Untersuchung von Sozialverhalten hat sich neben der klassischen Ethologie die Soziobiologie als eigenständige Richtung herausgebildet; wichtige Erkenntnisse erbringen auch heute noch behavioristische und experimentelle züchtungsbiologische Ansätze.
- Mit dem Verhalten des Menschen beschäftigen sich ausschließlich oder vorwiegend die Humanethologie (siehe auch Anthropologie), die Sozialpsychologie, die evolutionäre Psychologie, die Verhaltenssoziologie, die Bioakustik, die Biolinguistik, die Psychoanalyse und die Kommunikationswissenschaft.
- Für die Untersuchung der Evolution von Verhalten liefert ferner die Spieltheorie fruchtbare Ansätze.

Angeboren oder erlernt?

Schwierig zu klären (und womöglich ganz unsinnig gestellt) ist eine Grundfragestellung der klassischen Ethologie ob Verhalten angeboren oder erlernt ist. Die dazu entwickelten Untersuchungsmethoden liefern nur selten eindeutige Ergebnisse. Möglicherweise muss man davon ausgehen, dass jegliches Verhalten genetische Grundlagen hat und stets zugleich durch Umwelteinflüsse moduliert werden kann.
- Beispielsweise sind selbst die einfachsten “Reiz-Reaktions-Verknüpfungen“, die monosynaptischen Reflexe, wesentlich komplexer als zunächst angenommen. Schon der Kniesehnenreflex weist zusätzliche hemmende Synapsen zur Hemmung des Antagonisten sowie aufsteigende Nervenverbindungen zum Gehirn auf. Es ist nicht auszuschließen, dass die ontogenetische Entwicklung solcher Reflexe, wie viele andere Teile des Nervensystems (siehe Sehrinde), von inneren und äußeren Faktoren abhängt.
- Die Kaspar-Hauser-Methode (Aufzucht unter Erfahrungsentzug; häufigstes Versuchstier sind hier Vögel) kann ebenfalls nicht zur zweifelsfreien Klärung angeborenerer Verhaltensanteile herangezogen werden. So hängt es auch von Umweltfaktoren ab, ob beispielsweise ein Singvogel einen artfremden Gesang annimmt oder nicht: Man erhält im Experiment unterschiedliche Ergebnisse, je nachdem, ob der artfremde Gesang vom Tonband kommt oder von einem lebenden Exemplar produziert wird.
- Der angeborene Auslösemechanismus (AAM) ist beispielsweise beim Sehsystem des Menschen davon abhängig, welche Umweltreize während der frühkindlichen Entwicklung auf das Sehsystem einwirken und kann somit nicht als vollständig und zweifelsfrei angeboren gelten. Auch dieses Beispiel zeigt, dass es in der heutigen Verhaltensbiologie nicht mehr um die Pole „erbbedingt oder erfahrungsbedingt“ gehen kann. Vielmehr geht es um die wechselweisen Einflüsse von Genen und Umwelt während der ontogenetischen Entwicklung eines Verhaltensmerkmals.

Literatur


- Lorenz, Konrad: Über tierisches und menschliches Verhalten. Aus dem Werdegang der Verhaltenslehre. Gesammelte Abhandlungen. Band 1 und 2. 1965: München (Piper).
- Lorenz, Konrad: Vergleichende Verhaltensforschung. Grundlagen der Ethologie. 1978: Wien (Springer Verlag) (= The Foundations of Ethology. 1992: Wien)
- Eibl-Eibesfeldt, Irenäus: Grundriss der vergleichenden Verhaltensforschung. 1987: München (Piper; 7. völlig überarbeitete und erweiterte Auflage)
- Lorenz, Konrad: Die Naturwissenschaft vom Menschen. Eine Einführung in die vergleichende Verhaltensforschung. Das "Russische Manuskript". 1992: München (Piper)

Wichtige Vertreter der Ethologie


- Bierens de Haan, Johan A(braham)
- Curio, Eberhard
- Darwin, Charles
- Eibl-Eibesfeldt, Irenäus
- Fabre, Jean-Henri
- Fossey, Dian
- von Frisch, Karl
- Goodall, Jane
- Grandin, Temple
- Harlow, Harry
- Heinroth, Oskar
- Hinde, Robert
- Immelmann, Klaus
- Leyhausen, Paul
- Lorenz, Konrad
- Morris, Desmond
- Schleidt, Wolfgang
- Tembrock, Günter
- Tinbergen, Nikolaas
- Wheeler, William Morton
- Wickler,Wolfgang
- Zimen, Erik
- Zippelius, Hanna-Maria Der niederländische Schriftsteller Maarten 't Hart war, bevor er sich vollständig dem Schreiben widmete, als Dozent für Ethologie tätig. ! Kategorie:Kognitionswissenschaft ja:動物行動学 ko:행동 생물학

Psychologie

Psychologie (aus griech. ψυχολογία, psychología „die Seelenkunde“) ist die Wissenschaft vom Erleben, Verhalten und Bewusstsein des Menschen, deren Entwicklung in der Lebensspanne und deren inneren und äußeren Ursachen und Bedingungen. Die Psychologie ist eine bereichsübergreifende Wissenschaft. Sie lässt sich nicht allein den Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften oder den Naturwissenschaften zuordnen.

Geschichtlicher Abriss

Die Psychologie "hat eine lange Vergangenheit, aber nur eine kurze Geschichte" (Ebbinghaus, 1908). Die Wurzeln dieser Disziplin reichen weit in die Vergangenheit zurück, als anerkannte Wissenschaft jedoch gibt es die Psychologie erst seit dem 19. Jahrhundert. Erste Ansätze einer strikt erfahrungs-'wissenschaftlichen' Erforschung psychischer Leistungen wurden im 19. Jahrhundert von physiologisch forschenden Physikern wie Gustav Theodor Fechner und Hermann von Helmholtz unternommen, die Wahrnehmungsvorgänge als Leistungen von Sinnesorganen auffassten und diese zu erforschen begannen. Dieses Vorgehen führt(e) allerdings nur zu einer Sinnesphysiologie und damit allein noch nicht zu einer genuinen Psychologie, die den Selbsterfahrungsaspekt einschließt. Dasselbe gilt für die ebenfalls schon im 19. Jahrhundert begonnene Hirnforschung, die methodisch bedingt Neurophysiologie ist und allein ebenfalls nicht darüber hinausreicht. Gewöhnlich gilt die Einrichtung seines experimentalpsychologischen Laboratoriums in Leipzig durch den Helmholtz-Schüler Wilhelm Wundt im Jahre 1879 als Lösung der Psychologie von der Philosophie und vor allem als Beginn der akademischen Psychologie als universitäres Fach und Forschungsfeld. Der Ansatz Wundts wird deshalb als Beginn der akademischen Psychologie angesehen, weil hier erstmals ein explizit empirisch-methodischer, an den experimentellen Naturwissenschaften orientierter und ausgerichteter Zugang methodologisch herausgearbeitet wurde, um psychologische Phänomene zu untersuchen. Im Oktober 1875 begann Wilhelm Wundt seine Lehrtätigkeit als Professor in Leipzig denn auch mit der Vorlesung "Logik und Methodenlehre mit besonderer Rücksicht auf die Methoden der Naturforschung“. Er war auf diese Professur berufen worden, weil Leipzig diese neue "Idee", nämlich die, "dem Einfluss der Naturwissenschaft auf die Philosophie Geltung zu verschaffen", fördern wollte. Basierend auf einer methodologischen Auseinandersetzung, deren Ausgestaltung durch die sinnesphysiologischen Herangehensweisen geprägt worden war, die Methoden der Naturwissenschaften für die Philosophie allgemein zu nutzen, galt Wundts besonderes Interesse dabei psychologischen Fragestellungen. Von Beginn an hatte Wundt engen Kontakt zum Physiker Gustav Theodor Fechner, der selbst bis 1874 Vorlesungen an der Philosophischen Fakultät zu Leipzig gehalten hatte. Mit ihm besprach er auch seinen Plan zur Gründung eines psychologischen Instituts, zu der es wie beschrieben 1879 kam; zunächst als Privatinstitut, ab 1883 als offizielles Universitätsinstitut. Grundsätzlich folgte die Psychologie dem oben genannten Selbstverständnis, weshalb Wundt und seine Kollegen die Psychologie auch als neue Disziplin ansahen, die aus der Zusammenfügung von (Experimental-) Physik, Physiologie und Mathematik unter strenger Beibehaltung des naturwissenschaftlichen Ansatzes und durch Anwendung dieser methodischen Prinzipien zwecks Erforschung psychologischer Phänomene geboren worden war. Dieser Ansatz war so revolutionär und vielfach wohl auch ersehnt, dass Wissenschaftler dieser Disziplinen aus aller Welt begeistert nach Leipzig pilgerten, um unter Wundt zu studieren. Leipzig wurde zum "Mekka" der neuen Naturwissenschaft Psychologie. In der Hochzeit hatte Wundt allein fast 40 (!) wissenschafltiche Assistentenstellen. In diesen frühen Jahren entwicklten sich u.a. auch die psychologischen Disziplinen der Psychophysik und der Diagnostik, was wiederum für die Angewandte Mathematik und Statistik sehr fruchtbar war. Missverständnisse entstehen immer wieder, weil Wundt seinerzeit zwar Professor für Psychologie, aber Philosophieprofessor war, was aber darin begründet liegt, dass es damals nur die Fakultäten für Medizin, Jurisprudenz, Theologie und Philosophie gab. Teilweise ist dieser Ursprung auch heute noch sichtbar. So werden z.B. in den meisten Ländern der Welt auch Naturwissenschaftler (z.B. Physiker, Chemiker oder Biologen) zum Doktor der Philosophie (Ph.D.) promoviert. Eine naturwissenschaftliche und andere Fakultäten wurden nämlich erst viel später gebildet, wie auch das Studium einzelner Disziplinen als selbstständige Fächer. In Deutschland geht schließlich ein von der ursprünglichen Idee her primär berufsqualifizierender Abschluss namens Diplom auf die Nationalsozialisten zurück. Das Diplomstudium der Psychologie wurde in Deutschland 1941 eingerichtet, unter gleichzeitiger Primärbetonung einer berufspraktischen Qualifikation als Wehrpsychologe (mit Schwerpunkt Diagnostik). Auskünfte zu Schwierigkeiten einer genauen Standortbestimmung und zu Problemen bei der eindeutigen Zuteilung zur natur- oder geisteswissenschaftlichen Fakultät anhand der Inhalte oder der Methoden, gibt die anekdotenhafte Schilderung [http://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/psychologie/psychologie_als_wissenschaft.pdf"Psychologie zwischen Natur- und Geisteswissenschaften"] von Wolfgang Metzger. Die neue Wissenschaft verbreitete sich wegen der äußerst zahlreichen Schüler Wundts weltweit rasend schnell. Viele Wundt-Schüler gründeten schon vor dem Ersten Weltkrieg eigene psychologische Institute weltweit, auch in den USA. In Deutschland auch durch Oswald Külpe und Karl Marbe 1896 in Würzburg. Dies war die Begründung der "Würzburger Schule", die sich vornehmlich mit der naturwissenschaftlichen Erforschung von Denk-, Urteils- und Willensprozessen beschäftigte, was der Psychologie einen bis dahin völlig neuen Forschungsgegenstand und eine neue Dimension bescherte. Max Wertheimer (1880-1943) und Wolfgang Köhler (1887-1967) waren die maßgeblichen Begründer der Frankfurter und der Berliner Schule der Gestaltpsychologie bzw. Gestalttheorie. Zwar auch sehr streng mathematisch-naturwissenschaftlich ausgerichtet, stellten sie den elementaren Überlegungen Wundts aber einen ganzheitspsychologischen Ansatz gegenüber. Eine international wichtige Rolle spielte die Gestaltpsychologie in den 1920er und -30er Jahren. Die Gestaltpsychologie wurde jedoch bald durch den zunehmend dominanteren amerikanischen Behaviorismus in den Hintergrund gedrängt. Als ein wesentlicher Faktor dafür muss hier ganz besonders der wissenschaftliche Kahlschlag der Nationalsozialisten angesehen werden. Wichtige Vertreter in den Anfangsjahren der wissenschaftlichen Psychologie waren neben Wundt und vielen anderen v.a. Gustav Theodor Fechner, Ernst Heinrich Weber, Francis Galton, Karl Pearson, Hermann Ebbinghaus, James McKeen Cattell (Wundt-Schüler der ersten Stunde und erster Psychologie-Professor in den USA), Alfred Binet, Charles Spearman, William Stern, Christian von Ehrenfels und William James. Zu nennen ist sicher auch der Physiologe Iwan Petrowitsch Pawlow, der zwar kein Psychologe war, aber mit seinen Tierexperimenten (Pawlowscher Hund) Grundlagen des dann klassisch genannten Vorgangs der Konditionierung klären konnte, welcher später Psychologen zu weiteren Forschungen zu Phänomenen des Lernens animierte. Hier ist v.a. Edward Lee Thorndike und John B. Watson 1915 zu nennen, auf die der Behaviorismus zurückgeht. Dieses hat in den USA eine jahrzehntelange Lernforschung zur Folge gehabt und zur Etablierung der Lernpsychologie geführt, deren bekanntester Vertreter Burrhus Frederic Skinner sein dürfte, der das Konzept der operanten Konditionierung entdeckte. Zu nennen ist dann auch noch Albert Bandura, der später die Theorie des Modell-Lernens entwickelte. Auf diesen Grundlagen, neben vielen weiteren Einflüssen, insbes. aus Forschungsergebnissen verschiedener Teilgebiete der Allgemeinen Psychologie, wurde innerhalb der Klinischen Psychologie die Verhaltenstherapie (i.S. der frühen Form Behavioraler Therapie) entwickelt. In den 1970er Jahren löste der Informationsverarbeitungsansatz den Behaviorismus als führendes Paradigma ab (sog. "Kognitive Wende" der Psychologie). Dies liegt jedoch nicht in einer theoretischen Untauglichkeit des Behaviorismus begründet, sondern in einem Wechsel der Interessen der Scientific Community. Themen wie Aufmerksamkeit, Denken oder Kognition und Emotionalität traten dabei in den Vordergrund. Im Gegensatz zum Behaviorismus, der die Funktionsweise des Gehirns methodisch unberücksichtigt ließ und deswegen oft als Blackbox-Psychologie (oder wegen der zahlreichen Tierversuche "Ratten-Psychologie" oder "Rats-and-Stats" -- "Ratten und Statistik"-Psychologie) bezeichnet wurde, ging man dazu über, auch Art und Funktion von Selbstwahrnehmungen, also bewusst gewordener Vorgänge zu erforschen. Der Computer wurde zur Metapher des menschlichen Geistes, wenngleich man sich der Beschränkungen des Computermodells schnell bewusst wurde, da beispielsweise die Parallelverarbeitungsleistungen des Gehirns damit nur schwer erklärbar sind. Neben diese Sichtweise trat in den 1980er Jahren der Konnektionismus, dessen zentrales Konstrukt Netzwerke sind. Statt des Computers dient hier das Gehirn als Metapher des Geistes, eine Entwicklung, der dadurch Vorschub geleistet wurde, dass sich unter Hirnforschern seit langem eine Art cerebraler Pseudopsychologie entwickelt hat, nach der Hirne denken, fühlen, überlegen, entscheiden, ja sogar "zukünftige Aktionen planen" - nach DAS MANIFEST elf "bedeutender Neurobiologen" vom Herbst 2004 -, ja sogar wissenschaftliche Theorien konstruieren, wenn nicht sogar die gesamte Wirklichkeit einschließlich des Wissenschaftlers, der diese Theorie entwickelt hat, gemäß der er sich selbst zum Konstrukt seines Gehirn erklärt hat (G. Roth in: Das Gehirn und seine Wirklichkeit). Insgesamt erwiesen sich Modelle auf Basis der Netzwerktheorie, auch durch Einbezug neuerer formaler Modellierungsmöglichkeiten, wie z.B. neuere Markov Prozesse, für die kognitiven Ansätze als sehr fruchtbar. Hinzu kamen weiterhin z.B. Einflüsse aus dem Konstruktivismus, der Kybernetik und der Systemtheorie. Auch auf die Gestaltpsychologie wurde wieder zurückgegriffen, bzw. wieder angeknüpft. Für die Psychologie bedeutet dies, dass sich einzelne Bereiche nebeneinander wieder stärker ausbilden konnten, neben der Kognitionspsychologie auch die Biopsychologie mit ihren Unterbereichen, die beide einen großen Bestandteil der Kognitiven Neurowissenschaften darstellen. Demgegenüber spielen aber gleichzeitig auch verhaltensorientierte Ansätze wieder eine sehr starke Rolle, so dass innerhalb der Disziplinen der Psychologie verschiedene Ansätze (neben den hier bisher erläuterten auch noch weitere) gleichberechtigt nebeneinander existieren und flexibel bezogen auf eine Fragestellung genutzt werden können, ohne gegen irgendeine "Konvention" zu verstoßen, was derzeit das Fach Psychologie allerdings auch äußerst komplex macht. Auch heute bekennt sich die Psychologie zu den Grundideen Wundts: Sie ist eine streng empirische Wissenschaft. Eine "geisteswissenschaftliche" Psychologie, im Sinne einer nur deutenden, sich nur theoretisch auseinandersetzenden oder nur theoretisch-beschreibenden Arbeitsweise, gibt es nicht. Theorien und daraus abgeleitete Modelle, Annahmen für die Beantwortung einer konkreten Fragestellung usw. werden mit geeigneten wissenschaftlichen Methoden empirisch geprüft. Daher stellt die Mathematik und insbesondere die Stochastik eines der wichtigsten Werkzeuge des Psychologen dar. Methodisch finden sich heute neben den naturwissenschaftlichen Ansätzen teilweise auch solche der empirischen Sozialwissenschaften. Absolut vorherrschend sind auch hier quantitative Methoden. Die Psychologische Methodenlehre war ihrerseits für die Entwicklung der Methoden der empirischen Sozialforschung (insbes. der Befragung (z.B. Interview oder Fragebogenentwicklung) und der Beobachtung) wie auch für die Statistik (vgl. da z.B. Faktorenanalyse oder Conjoint-Analyse) sehr einflussreich und befruchtend. Die Psychoanalyse Freuds sowie die Theorien anderer Vertreter einer Tiefenpsychologie wie Carl Gustav Jung oder Alfred Adler spielen in der heutigen akademisch-universitären Psychologie nur eine Nebenrolle, an den meisten Fakultäten wird die Psychoanalyse praktisch ausgeklammert (häufig nur als Stunde in der "Geschichte der Psychologie" vermittelt). Schon zu Zeiten Freuds verlief die Entwicklung unabhängig voneinander. Zwar rezipierte Freud zumindest Wundts Veröffentlichungen, wurde aber offenbar nicht von ihnen beeinflusst, was auch darin zu sehen ist, dass Freud (übrigens auch Schüler von Helmholtz) die Forschung verließ (und damit schlicht nicht mehr naturwissenschaftlich-experimentell arbeiten konnte) und schließlich später als praktizierender Arzt aus persönlichen, nicht mit (gängigen) Methoden durchgeführten Beobachtungen seiner Patienten und gedanklicher, deutender und interpretativer Verarbeitung seiner persönlichen Eindrücke, seine Theorie und Methode entwarf. Der "Flirt" der Psychologie mit der Psychoanalyse fand erst viel später statt, insbes. im Rahmen einer Möglichkeit, stärker praktische Anwendungen im Repertoire zu haben, aber auch kurzzeitig als Forschungsparadigma. Einiges konnte, sofern wissenschaftlich untersuchbar, in Teilen belegt und später in weiterführende Modelle, z.B. der Kognitionspsychologie, integriert und weiter differenziert, oder eben auch schlicht besser erklärt werden. Gleichzeitig wurde auch sehr vieles empirisch widerlegt (so auch z.B. die Neurosenlehre). Insgesamt war die Psychoanalyse für die Psychologie wenig fruchtbar. Auf der Anwendungsseite wurden tiefenpsychologische Ansätze dann schnell mit wissenschaftlich abgesicherten und aus der empirisch-psychologischen Forschung entwickelten Verfahren, insbes. dem Klientenzentrierten Ansatz (wiss. Absicherung von Grundvariablen der professionellen Beziehungsgestaltung, sowie Prozess und Effekt von Interventionen (insbes. Beratung bei Anpassungsproblemen) und Psychotherapie) und später der Verhaltensanalyse und Verhaltenstherapie (zusätzlich Absicherung der theoretischen Grundlagen) ersetzt. Bei der in der Öffentlichkeit häufig anzutreffenden Gleichsetzung von Psychologie und Psychoanalyse bzw. dem Verständnis von Psychoanalyse als Teildisziplin der Psychologie handelt es sich um einen populären Irrtum. Psychoanalytische Ideen spielen gleichwohl in der Entwicklungspsychologie, der Sozialpsychologie und der pädagogischen Psychologie sowie der klinischen Psychologie eine gewisse Rolle, aber wie erwähnt eher in historischem Kontext. Einen relativ jungen Ansatz stellt die evolutionäre Psychologie (EP) dar. Evolutionspsychologische Ansätze finden sich heute in nahezu allen psychologischen Disziplinen und Forschungsfeldern, vor allem in der Entwicklungs- und Sozialpsychologie. Hier ist sie in der Aggressions- und Altruismusforschung, der Attraktivitätsforschung, in Forschungen zu Partnerschaft, Beziehungsgestaltung und Liebe sehr einflussreich und auch in der Organisations-/Personalpsychologie bildet sie eine theoretische Grundlage, ebenso wie z.B. in der Angstforschung. Neben den erwähnten Hauptströmungen, gab und gibt es innerhalb der Psychologie viele Ansätze (Paradigmen). Die wichtigsten waren / sind die erwähnten, also das behavioristische Paradigma, das Informationsverarbeitende Paradigma und eben (historisch) auch das psychoanalytische/psychodynamische Paradigma. Ebenfalls wichtig sind sicher noch das Phänomenologische/Humanistische Paradigma, das Soziobiologische Paradigma (worunter oft auch die Evolutionäre Psychologie subsumiert wird, wenngleich sich diese zu einem eigenständigen Paradigma entwickeln könnte), das Eigenschaftsparadigma und das dynamisch-interaktionistische Paradigma. Diese Paradigmen sind also keine Teildisziplinen der Psychologie (wie etwa die Allgemeine Psychologie), sondern jedes ist ein theoretisches Paradigma für die verschiedenen Teildisziplinen und Forschungsprogramme der Psychologie. Diese Ansätze, die sich in Grundannahmen und auch in der Methodologie unterscheiden, werden in der Regel nicht explizit erwähnt, bilden aber eine sehr wichtige Grundlage für das (korrekte) Verständnis der Psychologie, ihrer Theorien und v.a. der psychologischen Forschungsergebnisse. Heute sind innerhalb eines psychologischen Faches (einer Disziplin) in der Regel verschiende Paradigmen gleichberechtigt (so z.B. in der aktuellen persönlichkeitspsychologischen Forschung das Informationsverarbeitende Paradigma, das Eigenschaftsparadigma und das dynamisch-interaktionistische Paradigma). Diese Komplexität der Psychologie sollte man vor allem auch in Bezug auf die einzelnen Disziplinen berücksichtigen: es gibt eben innerhalb einer Disziplin immer verschiedene Ansätze, unter denen ein Gegenstandsbereich betrachtet werden muss, bzw. eben eine hohe methodologische Flexibilität, unter der eine Fragestellung möglichst optimal wissenschaftlich-methodisch beantwortet werden kann.

Disziplinen

Im Allgemeinen unterscheidet man in der Psychologie zwischen den Grundlagendisziplinen und der Angewandten Psychologie.

Grundlagendisziplinen

Innerhalb dieser Disziplinen kann man noch zwischen solchen unterscheiden, die auch Fundus anderer Grundlagenfächer sind, und solchen, die basale Erkenntnisse in spezifischen Kontexten liefern. Zu den ersteren gehören natürlich die Psychologische Methodenlehre, sowie die Allgemeine Psychologie und die Biopsychologie (die wiederum untereinander stark vernetzt sind), zu den letztgenannten die Sozialpsychologie, die Entwicklungspsychologie und die Persönlichkeits- und Differenzielle Psychologie.
- Die Psychologische Methodenlehre befasst sich mit der gesamten Bandbreite des Instrumentariums ("Handwerkszeug") psychologischen Erkenntnisgewinns. Sie stellt den existierenden Verfahrensfundus für andere Disziplinen der Psychologie bereit und ist gleichermaßen ein eigenständiges Forschungsgebiet mit dem Ziel, den Methodenbestand zu verbessern und zu ergänzen, etwa durch Eigenentwicklungen oder auch durch Adaption von Verfahren aus den Katalogen anderer Wissenschaften. Dabei reicht ihr inhaltliches Spektrum von Wissenschaftstheorie und Ethik über Experimentalmethodik, Evaluationsforschung bis hin zu Hilfswissenschaften mit hohem Stellenwert, v.a. Mathematik (insbes. Statistik) sowie Informatik oder Spezialfällen der Psychologischen Methodenlehre wie der Mathematischen Psychologie. Auch die Diagnostik gehört streng genommen zu den Methodenfächern.
- Die Allgemeine Psychologie erforscht grundlegende psychische Funktionsbereiche, wie Kognition, Wahrnehmung, Lernen, Gedächtnis, Denken, Problemlösen, Wissen, Aufmerksamkeit, Bewusstsein, Volition, Emotion, Motivation und Sprache, sowie Psychomotorik.
- Die Biologische Psychologie (auch Biopsychologie, Physiologische Psychologie, Psychophysiologie, Psychobiologie, Neuropsychologie) widmet sich hingegen den physischen Funktionsbereichen, die sich auf Verhalten und Erleben auswirken (Genetik, neuronale Prozesse, v.a. Anatomie und Physiologie des Gehirns, Sinnesphysiologie und Endokrinologie). Sie beschäftigt sich zusammen mit der Methodenlehre auch mit Messverfahren (physiologische Verhaltenskorrelate, wie z.B. Herzrate, Blutdruck, Elektrodermale Aktivität, Durchblutungsstatus z.B. des Gesichts, Elektroenzephalogramm (EEG, Hirnströme), bildgebende Verfahren (CT, MRT, PET, SPECT, ...), Muskelaktivität, sowie Laborparameter (insbes. Konzentration von verschiedenen Hormonen etc. in Urin, Blut oder Speichel) uvm.).
- Die Entwicklungspsychologie untersucht die psychische Wandlung des Menschen von der Empfängnis bis zum Tod (intraindividuelle Veränderungen, Ontogenese). Gegenstandsbereiche sind z.B. Faktoren der Entwicklung (Anlage, Umwelt), Entwicklungsstufen, Entwicklung der Wahrnehmung, der Psychomotorik, der kognitiven Kompetenzen, des Gedächtnisses, der Sprache, der Persönlichkeit, etc.
- Die Sozialpsychologie erforscht im weitesten Sinne die Auswirkungen sozialer Interaktionen auf Gedanken, Gefühle und Verhalten auf das Individuum („an attempt to understand and explain how the thought, feeling and behavior of individuals are influenced by the actual, imagined, or implied presence of others“, Allport 1968). Gegenstandsbereiche sind z.B. soziale Aspekte der Wahrnehmung (wie Personenbeurteilung, Vorurteile, Annahmen und Schlussfolgerungen über das Verhalten anderer Menschen, u.a.), soziale Aspekte der Emotion (z.B. auch Aggression), interpersonale Attraktion, Pro-soziales Verhalten, Einstellungen, Kommunikation oder auch Gruppenprozesse (Minoritäteneinfluss, Entscheidungsprozesse in Gruppen, Gruppendenken, Gehorsam (vgl. dazu z.B. das Milgram-Experiment oder das Stanford-Prison Experiment), Gruppenleistung, Intergruppenbeziehungen uvm.).
- Die Persönlichkeits- und Differenzielle Psychologie beschäftigt sich mit interindividuellen Unterschieden in den o.g. Bereichen der Allgemeinen Psychologie, sowie mit Persönlichkeitsmodellen, der Intelligenz und der Kreativität, sowie deren Messbarkeit (Operationalisierung der Konstrukte). Sie ist wichtige Grundlage für die Diagnostik und damit auch der Arbeits- und Organisationspsychologie.

Anwendungsgebiete


- Klinische Psychologie Das klassische Anwendungsgebiet ist die Klinische Psychologie, die der Psychologischen Psychotherapie als Grundlage dient. Primär ist die Klinische Psychologie Grundlagenforschung, in dem sie aus der Erforschung von "gestörtem" Erleben und Verhalten Rückschlüsse auf "normale" psychische Funktionsbereiche liefert. Daher ist auch hier oft das Experiment die bevorzugte Methode des Erkenntnisgewinns. Gleichzeitig sucht sie aber auch nach Ursachen und Wirkungszusammenhängen von gestörten Funktionsbereichen (z.B. gestörter Informationsverarbeitung) und erforscht Grundlagen zur Entstehung, Symptomatik und Aufrechterhaltung von psychiatrischen Störungen (z.B. Depressionen). Hierzu gehört auch die Einbeziehung von externen Faktoren (bio-psycho-soziales Modell). Aus den Forschungsergebnissen ergeben sich Möglichkeiten, Methoden zur Veränderung zu entwickeln, die dann wiederum Forschungsgegenstand der Klinischen Psychologie sind. Insofern kann die Klinische Psychologie neben der Psychotherapie auch in Form von Trainings (z.B. zur regelmäßigen Einnahme von Medikamenten), Beratung und Training von Angehörigen usw. psychologische Hilfestellungen leisten. Sie überschneidet sich hier mit Diagnostik und Intervention bzw. wird durch diese ergänzt. Dabei gehört die klinisch-psychologische Diagnostik (ICD, DSM) einschließlich Befundung und Begutachtung ebenso zum Aufgabenfeld der Klinischen Psychologie wie die evidenz-basierte Therapieplanung, die Therapieevaluation und das Qualitätsmanagement. In der Berufspraxis, bzw. -realität muss aber davon ausgegangen werden, dass für alle diese Tätigkeiten eine Zulassung als Psychotherapeut unabdingbar ist. Ein neues, sich evtl. verselbständigendes Teilgebiet der Klinischen Psychologie ist die Gesundheitspsychologie, die sich mit gesellschaftlichen Fragen nach wirksamer Prävention, gesundheitsförderlichem Verhalten (auch in Bezug auf die psychische Gesundheit) und den sozialen Faktoren von Krankheit sowie Stress beschäftigt.
- Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie (inkl. Wirtschaftspsychologie) Die ABO-Psychologie umfasst die Analyse der Arbeit, Eignungsdiagnostik, Personalauswahl, Leistungsbeurteilung, Personal- und Organisationsentwicklung, Kommunikation, Gruppenprozesse, Führung, Ergonomie, Trainings, etc. (auch Werbe-, Verkaufs- und Marktpsychologie). Thematisch ähnlich hierzu ist die Angewandte Sozialpsychologie. In Deutschland entwickelten sich die Vorläufer während der Transformation der strukturell veralteten deutschen Armee nach dem ersten Weltkrieg. Hauptthema war die Eignungsdiagnostik, insbesondere die Eignung zur Führung. Dieses erstmalig von anderen Wissenschaftsbereichen (wie der Medizin oder der Pädagogik) unabhängige Anwendungsgebiet der Psychologie führte in Deutschland 1941 zur Etablierung der Psychologie als eigenständiger Diplomstudiengang.
- Pädagogische Psychologie Ursprünglich bedeutsames Beschäftigungsfeld von Psychologen war die Erziehungsberatung, deren Weiterentwicklungen sich in der Pädagogischen Psychologie wiederfanden, aus der sich auch die Schulpsychologie entwickelte. Wobei sich heute die psychologische Erziehungsberatung kaum aus der Pädagogischen Psychologie, sondern vielmehr aus der Diagnostik und Intervention ableitet. Die Schulpsychologen sehen sich auch nicht als Pädagogische Psychologen, sondern ihren Beruf vielmehr gleichzeitig als Teilbereich sowohl der Diagnostik und Intervention und der Klinischen Psychologie (Diagnostik, Beratung, Training und Therapie von Schülern, Eltern und Lehrern, sowie Lehrersupervision), als auch der Organisationspsychologie (Evaluation, Leistungsdiagnostik, Organisationsentwicklung, Schulentwicklung, Mediation). Beide Disziplinen, v.a. aber die Schulpsychologie, stellen heute für Psychologen in Deutschland (anders als z.B. in den USA) eine äußerst geringe (und weiter schwindende) Bedeutung und Randexistenz dar. Kleinere Anwendungsbereiche der Psychologie bilden u.a. die Verkehrs-, Medien-, Rechts-, Polizei-, Kultur-, Geronto-, Sport-, Umwelt- und die politische Psychologie. Bei allen genannten Bereichen ist die Diagnostik von zentraler Bedeutung: Keine Intervention ohne Diagnose! Grundsätzlich sind auch andere Bezeichnungen möglich. Z.B. solche, die einen Forschungsgegenstand benennen und diesen über alle ihn betreffenden Disziplinen hinweg und zusammenfassend beschreiben (z.B. Wahrnehmungspsychologie, Emotionspsychologie u.a.), oder auch solche, die zugrundeliegende Ansätze oder besondere Aspekte von Paradigmen betonen (z.B. Verhaltenspsychologie, Evolutionäre Psychologie u.a.). Diese eher bereichsspezifischen Bezeichnungen (mit entsprechender thematischer Bündelung von verschiedenen Inhalten) finden sich auch häufig dann, wenn es um eine umfassende Vermittlung von spezifischen Inhalten und weniger um Forschung und methodische Zusammenhänge geht, also inbes. wenn psychologisches Wissen im Rahmen von Neben- oder Hilfsfächern (z.B. an nicht-psychologsichen Fachbereichen, in Fachhochschulstudiengängen usw.) vermittelt wird. Hier werden auch zum Teil Bezeichnungen o.g. Grundlagendisziplinen anders inhaltlich ausgefüllt, wie z.B. Allgemeine Psychologie als eine den allgemeinen (ersten) Überblick gebende Einführung in die Psychologie (wie in den sprichwörtlichen 101 Kursen in den USA) oder Pädagogische Psychologie als Psychologie für Pädagogen.

Begriffe der Psychologie


- Konstrukt, Paradigma, Modell
- Wahrnehmung, Lernen, Erinnern, Vergessen, Gedächtnis, Denken, Kognition, Problemlösen, Emotion, Motivation, Bewusstsein
- Psychologischer Test, Skala
- Experiment, Methoden der empirischen Sozialforschung
- soziale Interaktion
- Intelligenz, Persönlichkeit
- Psychopathologie

Siehe auch


- Liste bekannter Psychologen und Psychotherapeuten
- Psychische Störung
- Psychotherapie
- Psychiatrie
- [http://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Psychologie Portal Psychologie auf Wikipedia]

Literatur

Für Einsteiger


- Schwartz, Steven: Wie Pawlow auf den Hund kam.
- Heiner Keupp u. Klaus Weber (Hrsg.): Psychologie. Ein Grundkurs. ISBN 3-499-55640-5
- Mietzel, Gerd: Wege in die Psychologie. 12. Aufl. 2005. ISBN 3-608-94159-2

Lehrbücher allgemein


- Zimbardo, Philip G.: Psychologie, Pearson 2004. ISBN 3-827-37056-6. Der Zimbardo ist das Einstiegsbuch für alle angehenden Psychologen.
- Joachim Grabowski u. Elke van der Meer (Hrsg.): Hilgards Einführung in die Psychologie, Von Rita L. Atkinson, Richard C. Atkinson, Edward E. Smith u. a. Spektrum Lehrbuch. 2001. ISBN 3-8274-0489-4
- J. Müsseler & W. Prinz (Hrsg.): Allgemeine Psychologie, Heidelberg, Berlin 2002: Spektrum Akademischer Verlag.
- Dörner, Dietrich u. Selg, Herbert (Hrsg.): Psychologie - Eine Einführung in ihre Grundlagen und Anwendungsfelder, 2. Auflage, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, Berlin, Köln, 1996. ISBN 3-17-012266-5.
- Myers, David G. : Psychologie. Heidelberg, Berlin: Springer, 2005. 1029 S. ISBN 3-540-21358-9

Lehrbücher Einzelgebiete


- Goldstein, E.B. (2002). Wahrnehmungspsychologie. Spektrum Akademischer Verlag. ISBN 3827410835
- Birbaumer, N. & Schmidt, R. (2005). Biologische Psychologie. Springer Verlag. ISBN 3540254609
- Aronson, E. et al. (2003). Sozialpsychologie. Pearson Studium. ISBN 3827370841
- Oerter, R. & Montada, L. (2002). Entwicklungspsychologie. BeltzPVU. ISBN 3621274790
- Amelang, M. & Bartussek, D. (2001). Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung. Kohlhammer. ISBN 3170166417
- Pervin, L. et al. (2005). Persönlichkeitstheorien. UTB. ISBN 3825280357
- Bortz, J. & Döring, N. (2002). Forschungsmethoden und Evaluation für Human- und Sozialwissenschaftler. Springer. ISBN 3540419403
- Bortz, J. (2004). Statistik für Human- und Sozialwissenschaftler. Springer. ISBN 354021271X
- Davison, G. et al. (2002). Klinische Psychologie. BeltzPVU. ISBN 3621274588
- Scharfetter, C. (2002). Allgemeine Psychopathologie. Thieme. ISBN 3135315053
- Jäger, R. & Petermann, F. (1999). Psychologische Diagnostik. BeltzPVU. ISBN 3621274596
- Lienert, G. & Raatz, U. (1998). Testaufbau und Testanalyse. BeltzPVU. ISBN 3621274243
- Schuler, H. (2003). Lehrbuch Organisationspsychologie. Huber. ISBN 3456840195
- Wickens, C. & Gordon, S. (1997). An Introduction to Human Factors Engineering. Prentice Hall. ISBN 0321012291
- Wolfgang Metzger: Psychologie - Die Entwicklung ihrer Grundannahmen seit Einführung des Experiments. 6. Auflage 2001, Krammer: Wien. Zugleich ein Klassiker der Gestaltpsychologie.

Sonstiges


- Gigerenzer, Gerd: Das Einmaleins der Skepsis. Über den richtigen Umgang mit Zahlen und Risiken. Berliner Taschenbuch Verlag (BTV). 2004. ISBN 3-8333-0041-8
- Watzlawick, Paul: Anleitung zum Unglücklichsein. Piper. 1988. ISBN 3-492-22100-9 (Original: The Situation is Hopeless but Not Serious)

Psychologie kritisch betrachtet


- Jervis, Giovanni: Grundfragen der Psychologie. 2001. ISBN 3-8031-2415-8
- Devereux, Georges: Angst und Methode in den Verhaltenswissenschaften. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1998. ISBN 3518280619
- Holzkamp, Klaus: Grundlegung der Psychologie. 1985. ISBN 3593335727
- Vinnai, Gerhard: Die Austreibung der Kritik aus der Wissenschaft - Psychologie im Universitätsbetrieb. 1993. ISBN 3-593-34877-2 oder [http://psydok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2005/547/ kostenlos online.]

Weblinks


- [http://www.dgps.de Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs)]
- [http://www.bdp-verband.org Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP)]
- [http://www.psychologie-studium.info Literatur zum Psychologiestudium]
- [http://psydok.sulb.uni-saarland.de/ Open Access Dokumente und kostenlos nutzbarer wissenschaftlicher Psychologie-Publikationsserver: PsyDok]
- [http://www.psytests.de/ PSYTESTS - Psychologische Onlinestudien]
- [http://www.lern-psychologie.de/ interaktive Lernumgebung zur Psychologie]
- [http://www.zpid.de/ Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID)]
- [http://wiki.pruefung.net Frei verfügbare Online-Literatur u.a. zum Thema Psychologie]
- [http://psychologie.fernuni-hagen.de/Lernportal/index.html Lernportal Psychologie der Fernuni Hagen]
- [http://www.psychologieforum.info/ Psychologieforum Innsbruck]
- [http://www.gehirn-und-geist.de/psychologie Psychologie im 21. Jahrhundert- Eine Standortbestimmung]
- [http://www.experimentalpsychologie.de Einführung in die Experimentalpsychologie und Testentwicklung]
- [http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/PLEX/ Gebärden-Fachlexikon der Psychologie]

Fachzeitschriften


- [http://www.journals.cambridge.org/journal_BehavioralandBrainSciences Behavioral and Brain Sciences]
- [http://www.trends.com/tics/default.htm Trends in Cognitive Sciences]
- [http://www.apa.org/journals/bul.html Psychological Bulletin]
- [http://www.annualreviews.org/catalog/2004/ps55.asp Annual Review of Psychology]
- [http://www.apa.org/journals/rev.html Psychological Review]
- [http://www.gehirnundgeist.de Gehirn und Geist – Populärwissenschaftliches Magazin]
- [http://www.psychologie-heute.de Psychologie Heute – Populärwissenschaftliches Magazin]
- Datenbank mit medizinischen Artikeln der nationalen medizinischen Bibliothek der USA (NLM) (Wiki)
- [http://www.psyche.de Zeitschrift für Psychoanalyse und ihre Anwendungen] Kategorie:Wissenschaft ! ja:׀ְִםׁ§ ko:½ֹ¸®ַ׀ ms:Psikologi simple:Psychology th:¨װµַװ·ֲׂ

Metapher

Die Metapher (griechisch μεταφορά - eigentlich die Beförderung, der Übertrag, der Transfer, von metà phérein - "anderswohin tragen") ist eine rhetorische Figur, eine Verdichtung, die der Verdeutlichung und Veranschaulichung dient. In dieser Art des Tropus erfolgt der Ersatz der Bedeutung eines Ausdrucks durch einen versinnbildlichten Ersatzausdruck.

Merksatz

(vereinfachend) Die Metapher ist ein Vergleich ohne Vergleichswörter wie "als" oder "wie".

Geschichte der Metapherntheorie

Aristoteles' Theorie der Metapher

Die erste Theorie der Metapher findet sich in der Poetik und der Rhetorik des Aristoteles. In der Poetik definiert er die Metapher folgendermaßen: Eine Metapher ist die Übertragung eines Wortes (das somit in uneigentlicher Bedeutung verwendet wird), und zwar entweder von der Gattung auf die Art, oder von der Art auf die Gattung, oder von einer Art auf eine andere oder nach den Regeln der Analogie. (Poetik 21, 1457b7ff. Übersetzung Manfred Fuhrmann). Aristoteles' Begriff der Metapher ist allerdings einerseits weiter als der heute gebrauchte und andererseits auch anders. Weiter ist des Aristoteles Metaphernbegriff, weil drei Typen von Metaphern heute nicht mehr "Metaphern" genannt würden. Nur die Metapher "nach den Regeln der Analogie" entspricht etwa unserem heutigen Metaphernbegriff. Anders ist sein Metaphernbegriff, insofern nach ihm die Metapher die "Übertragung eines Wortes" ist. Eine Metapher wird heute eher als ein mehrgliedriges sprachliches Gebilde aufgefasst, nicht als ein Wort, das für ein anderes gebraucht wird. Hiermit ist Aristoteles zudem der erste und wichtigste Vertreter der Substitutionstheorie der Metapher.

Theorie der Metapher

Bei der Metapher werden zwei getrennte Sinnbereiche in einen ungewohnten, oft kreativen Zusammenhang gerückt. Metaphern sind zweideutig. Wenn man sie "wörtlich" (beziehungsweise die Wörter in ihren ursprünglichem, gewohnten Sprachgebrauch) nimmt, sind sie sozusagen falsch. Der "Fuß des Berges" hat natürlich keine Zehen. Es kommt jedoch auch vor, dass offensichtliche Wahrheiten metaphorisch sein können. "Geld stinkt nicht" würde mit hoher Wahrscheinlichkeit von niemandem wörtlich aufgefasst werden. Metaphern fordern dazu auf, Ähnlichkeiten zu konstruieren. Man versteht eine Metapher, wenn es gelingt, mindestens zwei Gegenstände miteinander in Assoziation zu bringen. Das heißt, man sieht den einen Gegenstand sozusagen im Lichte des anderen (gleichzeitig verdecken sie einen Teil, das heißt sie haben Blinde Flecken). Mit einer Metapher wird ein Ausdruck aus seinem ursprünglichen Zusammenhang genommen und in einem anderen Zusammenhang verwendet, das heißt es wird eine Bedeutungsübertragung vorgenommen. Es handelt sich dabei um den Vergleich zweier Bereiche, bei dem die Vergleichspartikel "wie" und die dem Vergleich zugrundeliegende Hinsichtnahme (tertium comparationis) fehlen, beispielsweise Das "Haupt" der Familie. In der kognitiven Linguistik werden Metaphern als eine der wesentlichen Strukturierungen des Denkens angenommen (Lakoff/Johnson 1980). Diese Strukturen werden als 'konzeptuelle Metaphern' bezeichnet und vereinen einen Quellbereich sowie einen Zielbereich. Als Beispiel könnte DAS LEBEN (Zielbereich) IST EINE REISE (Quellbereich) genannt werden. Dieses Konzept vereint zahlreiche gängige metaphorische Ausdrücke (beispielsweise "Am Beginn des Lebens", "Lebensweg", "Stolpersteine" etc.). Metaphorische Kreativität ist demnach vor allem innerhalb der bestehenden Konzepte möglich. Recht analog ist die Terminologie von Harald Weinrich, der die Regularitäten der Bildlichkeit als 'Bildfelder' kennzeichnet, denen ein gemeinsamer 'Bildspenderbereich' und ein gemeinsamer 'Bildempfängerbereich' zugeordnet ist. Zu den modernen Metapherntheorien zählen außer der kognitiven Linguistik auch die pragmatische Metapherntheorie und Coenens Theorie zum Analogieverhältnis der Metapher. Die pragmatische Metapherntheorie ist Teil einer pragmatisch orientierten Grammatik und gibt fünf Merkmale metaphorischen Sprechens an: # Die Metapher ist Teil einer Äußerung, untersucht wird ihre Stelle und Funktion im Kontext. Erkannt wird sie nicht aufgrund von Regeln, sondern kontextbezogen. Der kommunikative Sinn ergibt sich aus der Äußerungssituation heraus. # Die Metapher soll nicht auf ihr Wesen hin untersucht, sondern kann nur für den jeweils konkreten Zusammenhang erklärt werden. Über die Betrachtung des Metapherngebrauchs und deren Erklärung kommt man zur jeweiligen kontextbezogenen Bedeutung. Eine umfassende Beschreibung ist daher nicht möglich. # Die Metapher läßt sich nicht durch einen eigentlichen Ausdruck ersetzen (Mrs. Thatcher is a bulldozer.). Paraphrasen wie z.B. ein Vergleich können genauso unwahr sein. # Die Verwendung der Metapher liegt zwischen Kreativität und Regelgeleitetheit (Für eigene Fehler sind die Menschen Maulwürfe, für fremde Luchse.). Die Metaphernbildung greift auf konventionelle Verwendungsweisen zurück, die ursprüngliche Bedeutung bleibt im neuen Verwendungszusammenhang erhalten. # Das metaphorische Sprechen wird als kommunikatives Verfahren bewußt angewendet und enthält eine bewußte Doppeldeutigkeit. Durch den Interpretationsprozeß, der entsteht, weil Inkongruenz zwischen Metapher und Kontext herrscht, findet Interaktion zwischen den Sprechern statt. Der außergewöhnliche Wortgebrauch stellt so eine sinnvolle und aufschlußreiche Abweichung dar. Einen anderen Ansatz verfolgt Coenen mit seiner These vom Analogieverhältnis der Metapher . Das Bilden von Metaphern wird bei ihm als motivierter Akt verstanden. Ein als Metapher verwendetes sprachliches Zeichen erscheint nicht in seiner Kernbedeutung (Denotation, von Coenen als "Theoretischer Anwendungsbereich" bezeichnet), sondern mittels ihm eigener Konnotation (dem sog. "metaphorischen Theoretischen Anwendungsbereich"). Dabei kommt es zu einem für den Rezipienten meist überraschenden Wechsel des Bildfeldes des sprachlichen Zeichens. Ein Bildfeld besteht nach Coenen aus einem Bildfeldbereich und dazugehöriger Positionsmenge. Zwei oder mehr voneinander verschiedene Bildfelder können mittels einer gemeinsamen Strukturformel (Analogiewurzel) verbunden werden. Eine Analogiewurzel ist dabei die Menge aller Beschreibungen, die eine Analogie begründen. Mittels dieser Stukturformel ist es möglich, die Elemente der Positionsmengen der teilnehmenden Bildfelder paradigmatisch auszutauschen und zu einer neuen Metapher zusammenzusetzen. Die Decodierung der Metapher erfolgt (sofern es sich nicht um eine "tote Metapher" = lexikalisierte Metapher handelt) über die Konnotation ihrer sprachlichen Zeichen. Der Empfänger bedarf daher zur erfolgreichen Decodierung nicht nur des Wissens um die Kern-, sondern auch um die Randbedeutung eines sprachlichen Zeichens.

Metaphernarten (Auswahl)

Es gibt:
- Lebendige Metaphern - Der Übertragungseffekt ist offensichtlich, zum Beispiel "Das Konzert war ein Feuerwerk"
- Tote Metaphern - sie sind zum Begriff geworden, man nimmt sie nicht mehr offensichtlich wahr, beispielsweise "Tischbein", "Handschuh"
- Lexikalisierte Metaphern - Tote Metaphern, die als Zweitbedeutung in den Begriffswortschatz eingegangen sind. Beispiel: Schloss (Burg, die eine Tür "abschließt")
- Stehende Metaphern, die sich in vergleichbaren Zusammenhängen immer wieder finden, vgl. Topos. Eine Metapher ist nicht immer von einer Metonymie klar unterscheidbar: ein Tischbein ist sowohl eine Funktion, als auch aus einem anderen Bereich übertragen. Oft werden Metaphern verwendet, wenn ein Wort durch ein anderes ersetzt werden soll, weil es tabu ist, oder weil es aus anderen Gründen nicht nennbar ist, (dann verwendet man einen Euphemismus). Metaphern spielen beim Lernen (Wissensbildung) eine wichtige Rolle. Durch strukturelle, visuelle und funktionale Analogien können neue Inhalte wesentlich schneller erfasst und verstanden werden. Die Wissenschaft von der Metapher nennt Hans Blumenberg 'Metaphorologie'. Sein Verständnis der Metapher erläutert er in seinem Werk "Paradigmen zu einer Metaphorologie". Es steht im Gegensatz zu der traditionellen Auffassung, Metaphern seien rhetorischer Schmuck ohne eigenen Aussagewert, man könne auch in nicht-bildlicher Sprache ihre Aussage exakt wiedergeben. Blumenberg bezweifelt zwar nicht, dass es solche verzichtbaren Metaphern gibt, ist jedoch davon überzeugt, dass es auch solche geben müsse, die mehr aussagen als in der Objektsprache möglich. Diese bezeichnet er als absolute Metaphern. Fraglich ist jedoch, wo und wie diese absoluten Metaphern zu finden sind. Am vielversprechendsten scheinen Gebiete der Naturwissenschaften zu sein, auf denen noch Forschungsbedarf besteht. Der Begriff des "Schwarzen Loches" beinhaltet immer noch mehr als seine objektsprachlichen Umschreibungen, da noch nicht alle Aspekte dieses Phänomens geklärt sind.

Beispiele für Metaphern


- Rabeneltern - Eltern, die ihre Kinder vernachlässigen
- jemanden in den Himmel loben - die Schmeichelei übertreiben
- mein eigen Fleisch und Blut - die eigene Verwandtschaft
- leeres Stroh dreschen - inhaltslos reden
- Er hat sich in den Stürmen des Lebens bewährt. - Er hat sein Ziel erreicht.
- Eine Mauer des Schweigens empfing uns - Als wir kamen, blieben alle still, und wir spürten Ablehnung.
- Er baut seine Argumentation auf dem losen Sand überdehnter Begriffe
- Der SV Werder Bremen reitet auf einer Erfolgswelle - Der SV Werder Bremen ist erfolgreich und hat im Moment Glück.
- Die blauen Berge des Todes
- Einen Krieg entfesseln - die menschliche Scheu, die einen Krieg verhindern könnte, außer Kraft setzen, moralische Einwände gegen den Krieg überwinden.
- Auf den Hund kommen - in Armut geraten.
- Die Firma ist eine große Familie - Die Mitarbeiter halten zusammen.
- In der Firma (in der Stadt) herrscht ein lockeres (ein entspanntes) Klima - Das allgemeine Empfinden und Verhalten der Menschen dort ist locker (entspannt).
- Die ganze Atmosphäre war locker - man empfindet keinen Zwang.
- Nun herrscht Ruhe (Sorge) - Ruhe (Sorge) bestimmt das Verhalten Aller.
- Gespannt - man empfindet die widerstrebenden Umstände der Lage.
- Vom Hundertsten ins Tausendste kommen - Zu immer neuen Fragen und Antworten vordringen, auf immer neue Einzelheiten eingehen.
- Jmdm. nicht das Wasser reichen können - jmdm. an Fähigkeiten, Leistungen nicht annähernd gleich kommen.
- Der Apfel fällt nicht weit von Stamm - Jemand ist seinem Vater, seiner Mutter ähnlich oder auch Beiden.
- Kaderschmiede,- aus Kader, Bildungseinrichtung für zukünftige Machteliten
- Das Recht mit Füßen treten. - Das Recht nicht beachten.
- Eine Blechschlange bewegt sich durch die Straßen.
- "It's raining cats and dogs" - "Es schüttet wie aus Eimern" - starker Regenfall

Literatur


- Beckmann, Susanne: Die Grammatik der Metapher. Eine gebrauchstheoretische Untersuchung des metaphorischen Sprechens, Tübingen: Niemeyer, 2001. 241 S. (Die Autorin untersucht, wie das Bilden und Verstehen von Metaphern adäquat beschrieben werden kann.)
- Blumenberg, Hans: Paradigmen zu einer Metaphorologie. Frankfurt a.M. 1998
- Blumenberg, Hans: Beobachtungen an Metaphern. in: Archiv für Begriffsgeschichte XV/2, hrsg. von Karlfried Gründer, Bonn 1971, S. 161-214
- Borges, Jorge Luis und Osvaldo Ferrari: Lesen ist denken mit fremdem Gehirn. Gespräche über Bücher und Borges. Über die Metapher, S. 155 ff.
- Calvert, Kristina: Mit Metaphern philosophieren. Sprachlich-präsentative Symbole beim Philosopieren mit Kindern in der Grundschule, 201 S., kt., München: KoPäd-Verlag 2000
- Caviola, Hugo: In Bildern sprechen: Wie Metaphern unser Denken leiten. Materialien zur fächerübergreifenden Sprachreflexion. Bern: hep 2003
- Fuhrmann, Manfred: Aristoteles. Poetik. Griechisch / Deutsch. Stuttgart 1994.
- Coenen, Hans Georg: Analogie und Metapher. Grundlegung einer Theorie der bildlichen Rede. deGruyter. Berlin, New York 2002
- Drewer, Petra: Die kognitive Metapher als Werkzeug des Denkens. Tübingen: Narr 2003
- Gamm, Gerhard : Die Macht der Metapher. Im Labyrinth der modernen Welt. Stuttgart: Metzler 1992
- Kurz, Gerhard: Metapher, Allegorie, Symbol. Göttingen 1988
- George Lakoff, Mark Johnson: Metaphors We Live By. Amsterdam/Philadelphia. 1980
- Macho, Thomas, H.: Todesmetaphern. Frankfurt am Main 1987
- Metaphorischer Sprachgebrauch. (Reihe: 'Arbeitstexte für den Unterricht'), Stuttgart: Philipp Reclam jun., Universal-Bibliothek Nr. 9570 (2)
- Neswald, E.: Und noch mehr Metaphern? Zur Metaphernforschung der 90er Jahre. in: Allgemeine Zeitschrift für Philosophie 3/1998, Stuttgart: Frommann-Holzboog
- Otto, Detlef: Wendungen der Metapher. Zur Übertragung in poetologischer, rhetorischer und erkenntnistheoretischer Hinsicht bei Aristoteles und Nietzsche. München: Wilhelm Fink Verlag 1998, 503 S., kart., 78 Mark
- Rapp, Christof: Aristoteles, Rhetorik. Übersetzung und Erläuterungen, 2 Bde. Berlin 2002 (Zu Aristoteles' Theorie der Metapher: Bd. 1: III 2, 4, 10, 11. Bd. 2, Kommentare zu den entsprechenden Stellen und S. 921 ff.)
- Söhngen, G.: Analogie und Metapher. Freiburg/München 1962
- Stub, Chr.: Kalkulierte Absurditäten Freiburg: Alber 1991, (Hat die Metapher in der modernen Kommunikation eine Existenzberechtigung? Der Autor entwickelt eine eigene Metapherntheorie, die den 'Skandal der Metapher' gegen gängige Theorien zu bewahren sucht.)
- Teuwsen, Rudolf: Familienähnlichkeit und Analogie. Freiburg/München: Verlag Karl Alber 1988.
- Weinrich, Harald: Sprache in Texten. Stuttgart 1976
- Wetz, Franz Josef: Hans Blumenberg zur Einführung. Hamburg 1993

Siehe auch


- Allegorie
- Analogie
- Anspielung
- Aristoteles
- Poetik (Aristoteles)
- Rhetorik (Aristoteles)
- Bild
- Chiffre
- Erkennen
- Gleichnis
- Rhetorik
- Verstehen

Weblinks


- [http://www.metaphorik.de/ Das online-Journal zur Metaphorik in Sprache, Literatur und Medien]
- Artikel "[http://kommdesign.de/texte/metaphern.htm Über Metaphern]" von Thomas Wirth
- [http://www.rrz.uni-hamburg.de/metaphern/datenbank.html Hamburger Metapherndatenbank]
- [http://www.ruhr-uni-bochum.de/komparatistik/basislexikon/texte/metapher/ Aufsatz] von Monika Schmitz-Emans im Basislexikon Literaturwissenschaft
- [http://www.linse.uni-essen.de/esel/metapher.htm Empirische Untersuchungen zum Metaphernerwerb] von Beatrix Fehse
- [http://sammelpunkt.philo.at:8080/archive/00000077/ Eine sprachanalytische Theorie der Metapher] von Martin H. Eick
- [http://www.teachsam.de/deutsch/d_rhetorik/rhe_mit_1_5.htm Rhetorische Mittel im Detail] ja:メタファー simple:Metaphor

Physiologie

Die Physiologie (v. griech. φύση, phýse "die Natur" u. λόγος, lógos "die Lehre, Vernunft"; griech.: φυσιολογία) befasst sich mit den physikalischen, biochemischen und informationsverarbeitenden Funktionen der Lebewesen. Der Begriff wurde von Jean Fernel (14971558) geprägt. Ihre Themen sind so vielfältig wie die Biologie im Ganzen, wobei aber ihr Blick auf die Dynamik biologischer Vorgänge und deren kausale Zusammenhänge gerichtet ist; sie beschreibt also eher Veränderungen als statische Zustände. Die wichtigsten Werkzeuge, Versuchsanordnungen und Messverfahren kommen aus Physik und Chemie. Je nach betrachtetem Themen-Schwerpunkt spezialisiert sich die Physiologie in die der Pflanzen und die der Tiere; die Physiologie des Menschen steht neben der Tierphysiologie. Einmal den Schwerpunkt festgelegt, werden in der Physiologie in den unterschiedlichen Ebenen diverse Bereiche betrachtet. Beispiele dafür sind: Enzymreaktionen, Photosynthese, Atmung und Verdauung, hormonelle Regelkreise, Sinneswahrnehmung, die Funktion des Gehirns. Auch krankhafte Zustände werden untersucht: Dabei ist die Pathophysiologie auch wieder mehr an dynamischen Entwicklungen als an bloßer Zustandsbeschreibung interessiert. Die Grenzen der Physiologie zu Anatomie, Biochemie, Molekularbiologie, Psychologie und Neurobiologie sind unscharf. An deutschen Universitäten ist die Physiologie meist an den medizinischen Fakultäten beheimatet und zählt mit Biochemie, Anatomie und Psychologie, sowie den drei Naturwissenschaften Biologie, Chemie und Physik zu den vorklinischen Fächern, die im Rahmen des Physikums auch eine staatliche Zwischenprüfung darstellen. Ohne die Physiologie wäre eine gezielte Pharmakologie nicht möglich; denn sie kann Wirkungen, Eigenschaften und Nachteile von Medikamenten teilweise beschreiben und auch voraussagen.

Verschiedene physiologische Unterthemen und Gebiete


- Zellphysiologie
- Informationsvermittlung durch elektrische Erregung
- Erregungsübertragung von Zelle zu Zelle
- Muskelphysiologie
- Motorische Systeme
- Neurophysiologie
- Allgemeine Physiologie der Großhirnrinde
  - Wachen, Aufmerksamkeit und Schlafen
  - Lernen und Gedächtnis
  - Motivation und Emotion
  - Kognitive Funktionen und Denken
- Allgemeine Sinnesphysiologie
  - Das somatoviszerale sensorische System. Nozizeption und Schmerz
  - Der Gleichgewichtssinn
  - Hören und Sprechen
  - Gesichtssinn
  - Geschmackssinn
  - Geruchssinn
- Grundlagen physiologischer Regelungsprozesse
- Vegetatives Nervensystem
- Endokrinologie
- Funktionen des Blutes
- Mechanik der Herzaktion
- Erregungsphysiologie des Herzens. Gefäßsystem und Kreislaufregulation
- Lungenatmung
- Rhythmogenese
- Atemgastransport und Säure-Basen-Status des Blutes
- Gewebeatmung
- Energie- und Wärmehaushalt, Temperaturregelung
- Arbeits-, Sport-, Umweltphysiologie
- Alter und Altern
- Epithelien
- Funktionen der Niere
- Wasser- und Elektrolythaushalt
- Ernährung
- Funktionen des Magen-Darm-Kanals
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