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Internationale
Als Internationale wird vor allem (neben der weltweit verbreiteten Hymne der sozialistischen Arbeiterbewegung „Die Internationale“) ein internationaler Zusammenschluss verschiedener, ideologisch relativ gleichgesinnter Parteien aus unterschiedlichen Staaten bezeichnet. Ursprünglich war die Internationale das im 19. Jahrhundert entstandene Bündnis von revolutionär-sozialistischen Arbeiterparteien und -Organisationen, die sich in ihren Inhalten auch und vor allem als proletarisch-internationalistisch (vgl. Internationalismus) verstanden, gemäß dem letzten Satz des von Karl Marx und Friedrich Engels 1848 herausgegebenen Kommunistischen Manifests: "Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" (siehe auch Das Kommunistische Manifest)
Internationaler Zusammenschluss politischer, sozialistischer bzw. kommunistischer Parteien
Der Ausdruck Internationale entstand als Kurzbezeichnung der Internationalen Arbeiterassoziation (IAA), die als erste Internationale gilt, und wurde später auch auf Abspaltungen von dieser und Neugründungen nach ihrem Vorbild übertragen. Im Wesentlichen handelt es sich bei den unterschiedlichen Internationalen um überstaatliche Zusammenschlüsse verschiedener sozialistischer beziehungsweise ab der dritten Internationale auch kommunistischer Parteien (siehe auch unter Sozialistische Partei und Kommunistische Partei). Das Ziel der Internationalen war und ist es, die entsprechenden Parteien zu vernetzen und ihre gemeinsamen Inhalte und Ziele untereinander abzustimmen. Die der Internationale angehörenden einzelnen Parteien oder Organisationen gelten auch als nationale Sektionen der jeweiligen Internationale. So war etwa die KPD lange Zeit die deutsche Sektion der Dritten Internationale (Komintern), so wie die SPD die deutsche Sektion der heute noch bestehenden Sozialistischen Internationale ist.
Um Verwechslungen vorzubeugen, zählt man diese Organisationen in der Reihenfolge ihrer Gründung. Es sind:
- die Erste Internationale oder auch Internationale Arbeiterassoziation (IAA), gegründet 1864 in London, aufgelöst 1876 in Folge des inhaltlichen Konflikts zwischen Karl Marx als Vertreter des Kommunismus und Michail Bakunin als Vertreter des Anarchismus (revolutionär sozialistisch - relativ pluralistisch insofern, dass in ihr noch Sozialdemokraten, Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten unter dem gemeinsamen Dach der IAA firmierten).
- die Zweite Internationale, gegründet 1889 in Paris, während des ersten Weltkriegs zerrüttet, ab 1923 wieder aufgebaut - nach dem Zweiten Weltkrieg neu gegründet als Sozialistische Internationale, die bis in die Gegenwart existiert, und der zum Beispiel auch die deutsche SPD angehört (bis 1914 revolutionär-sozialistisch, danach gemäßigt sozialistisch, sozialdemokratisch).
- die Dritte Internationale oder auch: Kommunistische Internationale (= Komintern), gegründet 1919 in Moskau (kommunistisch, marxistisch-leninistisch, später stalinistisch geprägt - stark an den Vorgaben der KPdSU (Kommunistische Partei der Sowjetunion) ausgerichtet), aufgelöst 1943 aus Rücksicht auf die verbündeten westlichen Alliierten Großbritannien und USA im 2. Weltkrieg gegen Deutschland ; 1947 in neuer Form wieder aufgebaut/umgewandelt in Kominform (Kommunistisches Informationsbüro), 1957 in Folge der Entstalinisierung endgültig aufgelöst. Als eine Art "externe Fraktion" der Komintern bestand von 1930 bis 1939 die Internationale Vereinigung der Kommunistischen Opposition.
- die Vierte Internationale, gegründet 1938 (trotzkistische Reaktion auf den Stalinismus), existiert bis in die Gegenwart, jedoch, etwa im Vergleich zur Sozialistischen Internationale, mit nur geringer politischer Bedeutung, was ihre Beachtung durch die Öffentlichkeit anbelangt.
Die "Internationale Arbeitsgemeinschaft Sozialistischer Parteien" (= Zweieinhalbte Internationale) passt nicht ganz in diese Reihe, weil sie nur inhaltlich zwischen Zweiter und Dritter Internationale stand, aber nach der Dritten, nämlich 1921, in Opposition zur dieser, der Komintern, und als Versuch einer Neubegründung der zweiten Internationale gegründet wurde. Sie fusionierte 1923 mit weiteren sozialistischen Parteien und Gruppen, die sich weder in der leninistischen Auslegung des Kommunismus noch in der sich mit den kapitalistischen Verhältnissen arrangierenden Sozialdemokratie wiederfanden, zur "Sozialistischen Arbeiter-Internationale". Aufgrund verschiedener Konflikte in der internationalen sozialistischen Bewegung, vor allem zwischen revolutionär-kommunistischen und reformorientierten sozialistischen Bestrebungen, als auch in der divergierenden Einschätzung der unterschiedlichen Flügel bei der Frage des Kampfes gegen den sich in mehreren europäischen Staaten verstärkenden Faschismus konnte sich diese Neuauflage der zweiten Internationale zunächst nicht halten. Zwischen 1932 und 1940 bestand ferner das Londoner Büro, ein Zusammenschluss linkssozialistischer und unabhängiger kommunistischer Parteien und Gruppen. Erst nach nach dem 2. Weltkrieg wurde die "Sozialistische Internationale" aus den entsprechenden Gruppierungen mit gemäßigt reformorientierten sozialistischen bzw. sozialdemokratischen Inhalten neu gegründet (siehe oben unter Zweite Internationale).
Die Liga für die Fünfte Internationale setzt sich für die Schaffung einer fünften Internationalen ein. Seit den 1990er Jahren haben Trotzkisten das Projekt "Fünfte Internationale" auf die Tagesordnung gesetzt, weil sie der Vierten vorwerfen, mit Stalinisten (bezogen auf Stalin), Maoisten (bezogen auf Mao Tse Tung) und Castristen (bezogen auf Fidel Castro) gemeinsame Sache gemacht und dadurch die sozialistische Revolution im Sinne von Leo Trotzki verraten zu haben. Die Fünfte Internationale existiert bislang jedoch noch nicht.
Siehe auch: Sozialismus, Kommunismus, Marxismus, Leninismus, Trotzkismus, Stalinismus, Maoismus, Kommunistische Partei, Sozialdemokratie, Anarchismus, Internationale der Anarchistischen Föderationen
Andere Verwendungen
Später übernahmen auch andere internationale Parteienverbindungen wie z.B. die Liberale Internationale, die Humanistische Internationale oder die Christdemokratische Internationale (IDC-CDI) diesen Begriff in ihren Namen, wie auch die Künstlervereinigung Situationistische Internationale.
Weblinks
- [http://viadrina.euv-frankfurt-o.de/~juso-hsg/lieder/internationale/de/internat.htm Text und Noten der Internationalen] - bezogen auf das Lied "Die Internationale"
- [http://www.fifthinternational.org/ The Fifth International]
Kategorie:Arbeiterbewegung
Kategorie:Sozialismus
Kategorie:Kommunismus
Kategorie:Weltgeschichte
HymneEin Hymnus (vom griechisch: hymnos Tongefüge) bzw. eine Hymne (deutsche Rückbildung mit Genuswechsel aus dem Plural: Hymnen) ist ein Lobgesang:
#(vor allem) in der Antike ein feierliches Preislied, meist zur Kithara vorgetragen, das der Helden-, Götter- und Naturverehrung diente
#eine einstimmige, vielstrophige, geistliche Liedform der Spätantike und des Mittelalters
#in der Dichtung ein der Ode vergleichbares Gedicht (Lobeshymne)
#Später (seit Friedrich Gottlieb Klopstock) verstand man unter Hymne ein feierlich-getragenes Gedicht mit ernstem, begeisterndem oder besinnlichem Inhalt.
#Kurzwort für Nationalhymne oder Landeshymne
#Eine Firmenhymne, entsprechend auch Vereinshymne, Klubhymne, Parteihymne usw.
Siehe auch
Hymenaios, Hymen, Hymnologie, Kirchenmusik, Lied, Geistliches Lied, Liturgie
Kategorie: Gattungen und Formen (Musik)
ja:賛美歌
Die Internationale (Lied)Die Internationale ist das bekannteste Kampflied der internationalen Arbeiterbewegung. Der ursprünglich französische Text stammt von Eugène Pottier, einem Kämpfer und Dichter der Pariser Kommune, wurde aber schnell in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die Übersetzung ins Deutsche wurde 1910 von Emil Luckhardt ( - 1880; † 1914) geschaffen, mit Ausnahme der vierten und fünften Strophe, die Erich Weinert 1959 übersetzte. Die Melodie komponierte Pierre Degeyter 1888.
Das Lied diente der Sowjetunion als Nationalhymne, bis es 1944 durch die Hymne der Sowjetunion ersetzt wurde.
Die Internationale gilt weltweit als Hymne des Sozialismus und Kommunismus und ist in die meisten Sprachen übersetzt. In einigen kommunistisch orientierten Staaten nahm sie neben der Nationalhymne einen nahezu gleichrangigen Platz ein.
Der wahrscheinlich bekannteste deutsche Sänger der Internationalen war Ernst Busch.
Deutscher Text
:Wacht auf, Verdammte dieser Erde,
:Die stets man noch zum Hungern zwingt!
:Das Recht wie Glut im Kraterherde
:Nun mit Macht zum Durchbruch dringt.
:Reinen Tisch macht mit den Bedrängern!
:Heer der Sklaven, wache auf!
:Ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger
:Alles zu werden, strömt zuhauf!
:Refrain:
::Völker, hört die Signale!
::Auf zum letzten Gefecht!
::Die Internationale
::Erkämpft das Menschenrecht.
:Es rettet uns kein höh'res Wesen,
:Kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun
:Uns aus dem Elend zu erlösen
:Können wir nur selber tun!
:Leeres Wort: des Armen Rechte,
:Leeres Wort: des Reichen Pflicht!
:Unmündig nennt man uns und Knechte,
:Duldet die Schmach nun länger nicht!
:Refrain
:In Stadt und Land, ihr Arbeitsleute,
:Wir sind die stärkste der Partei'n
:Die Müßiggänger schiebt beiseite!
:Diese Welt muss unser sein;
:Unser Blut sei nicht mehr der Raben
:Und der mächt'gen Geier Fraß!
:Erst wenn wir sie vertrieben haben
:Dann scheint die Sonn' ohn' Unterlass!
:Refrain
Später zugedichtete Strophen:
:Gewölbe, stark und fest bewehret
:Die bergen, was man dir entzog.
:Dort liegt das Gut, das dir gehöret
:Und um das man dich betrog.
:Ausgebeutet bist du worden!
:Ausgesogen bis aufs Mark!
:Auf Erden rings, in Süd und Norden,
:Das Recht ist schwach, die Willkür stark!
:Abscheulich blähn sich diese Götzen,
:Die Herrn von Schacht und Eisenbahn.
:Sie machten unser Blut zu Schätzen,
:Sie haben unser Gut vertan.
:In Stahltresoren liegt's vergraben.
:Wann machen wir die Rechnung glatt?
:Das Volk will ja nur wiederhaben,
:Was man dem Volk gestohlen hat.
:Die Herrscher machten uns betrunken.
:Der Zauber muss zu Ende sein.
:Drum werft ins Heer der Freiheit Funken!
:Dann schlägt es mit dem Kolben drein.
:Wenn sie uns zwingen, die Barbaren,
:Soldat zu spielen noch einmal,
:Wir werden unsre Kugeln sparen
:Für unsren eignen General.
Weblinks
- [http://www.hymn.ru/internationale/index-en.html Die Internationale in 20 Sprachen als mp3]
Internationale, die
Internationale, die
Internationale, die
Internationale, die
ja:インターナショナル (歌)
ko:인터내셔널
ms:Internationale
ArbeiterparteiArbeiterparteien sind Parteien, die die Interessen der Arbeiter vertreten. Sie sind damit der politische Teil der Arbeiterbewegung.
Zusammenschlüsse von Arbeitern, um politische Interessen durchzusetzen, entstanden erstmals im Vormärz, als die Arbeiter bemerkten, dass sich ihre Interessen von denen des liberalen Bürgertums unterscheiden.
Meist gab es in den europäischen Arbeiterparteien einen eher reformerischen Flügel und einen Flügel, der auf den revolutionären Umsturz setzte.
Nach dem Ersten Weltkrieg trennten sich diese Flügel oft in sozialistische, bzw. sozialdemokratische und kommunistische Parteien.
In der Bundesrepublik wandelte sich die Arbeiterpartei SPD immer mehr zu einer Volkspartei.
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InternationalismusDer Begriff Internationalismus bezeichnet
# einen Gegensatz zum Nationalismus (siehe Vielvölkerstaat).
# in der marxistischen Anschauung das Streben der Arbeiter nach internationalem Zusammenschluss (siehe Internationale).
# in der Neuen Sozialen Bewegung und Anti-Globalisierungsbewegung die Informations- und Solidaritätsarbeit mit Gruppen und Menschen, die in ihren Ländern gegen Formen der Unterdrückung und Ausbeutung kämpfen.
# in der Etymologie ein Wort vorwiegend historischer oder technischer Herkunft, das in gleicher Bedeutung in verschiedenen, auch nicht miteinander verwandten Sprachen vorkommt, beispielsweise Internet, Modem, Revolution... (siehe Internationalismus (Sprache)).
Karl Marx
Karl Heinrich Marx ( - 5. Mai 1818 in Trier; † 14. März 1883 in London) war Philosoph, politischer Journalist und Kritiker der bürgerlichen Ökonomie.
Ökonomie
Überblick
Ökonomie
Ökonomie
Marx gilt als bedeutendster Vordenker der frühen Arbeiterbewegung zusammen mit Friedrich Engels, der wichtige Anregungen zur Kritik der politischen Ökonomie gab und nach Marx' Tod dessen letzte Arbeiten veröffentlichte. In seinem Hauptwerk Das Kapital, einer empirisch mathematischen Wirtschaftstheorie, analysiert Marx die allgemeinen Grundgesetze der modernen kapitalistischen Produktionsweise, der Warenzirkulation und der Geldzirkulation. In seiner Analyse zeigt er weiter die grundlegenden Abhängigkeiten und Machtverhältnisse der Gesellschaftsmitglieder in einer kapitalistischen Gesellschaft auf. Das Kapital kann von zwei Standpunkten aus betrachtet werden. Erstens, vom Standpunkt des Kapitaleigners, der die dargestellten Gesetzmäßigkeiten und Verhältnisse zum Aufbau und zur Verbesserung seiner Wirtschaft und Produktion nutzt. Zweitens, vom Standpunkt des Angestellten, der damit die Verhältnisse versteht und sich gegen eine Unterdrückung wehren kann. Beide Standpunkte sind in ihren Grundlagen hier erstmals dargestellt und heute noch aktuell. Unsere heutige kapitalistische Gesellschaft fußt auf den in diesem Werk dargestellten Grundlagen.
Mit dem Kapital wurde Marx zum historischen Begründer des Wissenschaftlichen Sozialismus, eine (von Engels in Absetzung zu sozialistischen Weltverbesserungs-Utopien gewählte) Bezeichnung, die weitgehend synonym mit Kommunismus und auch Marxismus wurde.
Eine seiner zentralen Thesen in Bezug auf den Kapitalismus war, dass die Interessen von Kapitalisten und Lohnarbeitern in unvereinbarem Gegensatz stehen und der Kapitalismus sich nur entwickelt und floriert, indem er "... zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter" (Das Kapital Bd. I, S. 530).
Diese Inhalte werden aber von späteren marxistischen Strömungen durchaus gegensätzlich interpretiert: Das reicht von der demokratisch-sozialreformerischen Politik der Sozialdemokratie über libertäre Konzepte bis zu denen des "Realen Sozialismus" der ehemaligen Sowjetunion oder der Volksrepublik China uwm. (vergleiche auch Artikel Kommunistische Partei).
Zu Marx´ bekanntesten Werken neben dem Kapital zählt das zusammen mit Friedrich Engels verfaßte Kommunistische Manifest, publiziert im europäischen Revolutionsjahr 1848. Heute ist auch die Schrift "Die Deutsche Ideologie" beider Autoren von Bedeutung, darin auch die kurzen elf Thesen über Feuerbach; vor allem für die gemeinsame Verständigung der Autoren geschrieben, wurde das Werk erst 1932 veröffentlicht.
Ein weiteres wichtiges Werk von Marx ist die Kritik des Gothaer Programms (vgl. Gothaer Programm) der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) von 1875, der Vorgängerpartei der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, in dem er in Auseinandersetzung mit dem Programm der sich damals auf ihn berufenden Arbeiterpartei wichtige Aspekte der politischen Organisation des Proletariats postuliert. In seiner Kritik wendet er sich gegen die kompromisslerische Anpassung der Partei an den eher reformorientierten Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV), mit dem sich die Vorgängerpartei, die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) zur SAP fusioniert hatte.
Leben
Jugend und politische Anfänge (1818-1841)
fusion
fusion (Geburtshaus)]]
Karl Marx wurde 1818 als drittes Kind des Advokatanwaltes (Hirschel) Heinrich Marx ( - 1777; † 1838) und Henrietta Marx ( - 1788; † 1863; geborene Presborck) in Trier geboren.
Heinrich Marx stammte aus einer bedeutenden Rabbinerfamilie (ursprünglich Marx Levi). 1824 konvertierte sein Vater zum Protestantismus, da er als Jude unter der preußischen Obrigkeit sein - unter napoleonischer Regierung angetretenes - Amt als Justizrat nicht hätte weiterführen dürfen. Gleichzeitig wurde auch Karl konvertiert.
Von 1830 bis 1835 besuchte Karl Marx das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier, wo er mit 17 Jahren als Jahrgangsbester das Abitur ablegte. 1836 verlobte er sich in Trier mit seiner späteren Ehefrau Jenny von Westphalen. 1835 ging er zum Jurastudium nach Bonn (wo er der „Landsmannschaft der Treveraner“ (Trierer) beitrat); ein Jahr später nach Berlin, wo das Jura-Studium in den Hintergrund trat gegenüber Philosophie und Geschichte. Hier stieß Marx zum Kreis der Jung- oder Linkshegelianer.
Hegel starb 1831 und er hatte Zeit seines Lebens einen starken Einfluss auf die Universitäten und auf das intellektuelle Leben in Deutschland. Das Hegelianische Establishment (auch bekannt als Alt- oder Rechtshegelianer) meinte, dass die preußische Gesellschaft die Serie der dialektischen Entwicklungen beendet hatte: eine effiziente Bürokratie, gute Universitäten, Industrialisierung und ein hoher Beschäftigungsgrad. Die Linkshegelianer, zu denen Marx gehörte, erwarteten weitere dialektische Änderungen, eine Weiterentwicklung der preußischen Gesellschaft, die sich mit Problemen wie Armut, staatlicher Zensur und der Diskriminierung der Menschen, die sich nicht zum lutherischen Glauben bekannten, zu befassen hatte.
1841 promovierte Marx per Post an der Universität Jena mit einer Arbeit zur Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie zum Doktor der Philosophie. Auf eine Professur rechnend zog Marx hierauf nach Bonn; doch verwehrte die Politik der preußischen Regierung ihm - wie Ludwig Feuerbach, Bruno Bauer u.a. - die akademische Laufbahn, denn Marx galt als ein führender Kopf der oppositionellen Linkshegelianer.
Um diese Zeit gründeten liberale Bürger in Köln die „ Rheinische Zeitung für Politik, Handel und Gewerbe“ als gemeinsames Organ der verschiedenen oppositionellen Strömungen von monarchistischen Liberalen bis zu radikalen Demokraten; Marx wurde ein Hauptmitarbeiter des Blattes, das am 1. Januar 1842 erstmals erschien. Im Oktober 1842 übernahm Marx die Leitung der Zeitung, welche von da an einen radikal oppositionellen Standpunkt vertrat. Die preußische Obrigkeit verhängte zunächst eine doppelte, dann dreifache Zensur, die jedoch von Marx´ Redaktion regelmäßig unterlaufen wurde; zum 1. April 1843 wurde schließlich das Erscheinen der Zeitung untersagt.
Übergang zum Kommunismus (1842-1849)
Rheinische Zeitung für Politik, Handel und Gewerbe
Rheinische Zeitung für Politik, Handel und Gewerbe ]]
Ebenfalls 1843 heiratete er seine Verlobte Jenny von Westphalen und ging mit ihr nach Paris, wo Marx mit Arnold Ruge die "Deutsch-Französischen Jahrbücher" herausgab. Von dieser Zeitschrift erschien allerdings nur die erste Ausgabe; die Fortsetzung scheiterte teils an den Schwierigkeiten der heimlichen Verbreitung in Deutschland, teils an den bald zutage tretenden prinzipiellen Differenzen zwischen den beiden Redakteuren. Ruge blieb der Hegelschen Philosophie und der bürgerlichen Demokratie verhaftet; Marx studierte die politische Ökonomie sowie die französischen Sozialisten und entwickelte selbst einen kommunistischen Standpunkt.
Wegen gemeinsamer Arbeit an den "Deutsch-Französischen Jahrbüchern" war Marx in Briefwechsel mit Friedrich Engels getreten, der ihn im September 1844 einige Tage besuchte; damit begann eine lebenslange enge Zusammenarbeit. Deren erstes Ergebnis war eine Streitschrift gegen Bruno Bauer, mit dem sie - wie mit der ganzen Schule der Junghegelianer - ebenfalls prinzipiell auseinandergekommen waren: "Die heilige Familie. Gegen B.[runo] Bauer und Konsorten".
Marx beteiligte sich an der Redaktion des in Paris erscheinenden deutschen Wochenblattes "Vorwärts!", das den Absolutismus der deutschen Länder - besonders Preußens - angriff, unter Marx´ Einfluß bald mit deutlich sozialistischer Ausrichtung. Die preußische Regierung setzte deswegen seine Ausweisung aus Frankreich durch.
Anfang 1845 siedelte Marx nach Brüssel über, wohin Engels ihm folgte. Bei einer gemeinsamen Studienreise nach England im Sommer 1845 schlossen sie Verbindungen zum revolutionären Flügel der Chartisten. Marx gab im Dezember 1845 die Preußische Staatsbürgerschaft auf, nachdem er erfahren hatte, dass die preußische Regierung vom belgischen Staat seine Ausweisung erwirken wollte.
In Brüssel veröffentlichte Marx 1847 sein "Elend der Philosophie. Antwort auf Proudhons ´Philosophie des Elends´" (Original französisch als "Misère de la philosophie. Réponse à la philosophie de la misère de M. Proudhon"), eine Kritik der ökonomischen Theorie Proudhons und darüber hinausgehend der kapitalistischen Gesellschaft selber. Außerdem schrieb er gelegentlich Artikel für die "Deutsche-Brüsseler-Zeitung".
Anfang 1846 gründeten Marx und Engels in Brüssel das Kommunistische Korrespondenzkomitee, dessen Ziel inhaltliche Einigung und organisatorischer Zusammenschluss der revolutionären Kommunisten und Arbeiter Deutschlands und anderer Länder war; so wollten sie den Boden für die Bildung einer proletarischen Partei bereiten.
So traten sie auch in Verbindung mit dem sozialistischen "Bund der Gerechten" Wilhelm Weitlings, in dem Marx 1847 Mitglied wurde. Noch im selben Jahr setzte er die Umgründung zum "Bund der Kommunisten" durch und erhielt den Auftrag, dessen Manifest zu verfassen. Dieses wird im Revolutionsjahr 1848 veröffentlicht und geht als Kommunistisches Manifest (eigentlich: Manifest der Kommunistischen Partei) in die Geschichte ein.
Kurz darauf löste die französische Februarrevolution in ganz Europa politische Erschütterungen aus; als diese Brüssel erreichten wurde Marx verhaftet und aus Belgien ausgewiesen. Da ihn inzwischen die neueingesetzte provisorische Regierung der französischen Republik wieder nach Paris eingeladen hatte, kehrte er dorthin zurück; nach Ausbruch der deutschen Märzrevolution ging Marx nach Köln. Dort war er einer der Führer der revolutionären Bewegung in der preußischen Rheinprovinz und gab die “Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie“ heraus. Diese konnte am 19. Mai 1849 zum letzten Mal erscheinen, bevor die preußische Reaktion ihr Erscheinen unterband und Marx als Staatenlosen auswies.
Londoner Exil (1849-1883)
1849
Marx kehrte zunächst nach Paris zurück, wurde aber schon einen Monat später vor die Wahl gestellt, sich entweder in der Bretagne internieren zu lassen oder Frankreich zu verlassen. Marx ging daraufhin mit seiner Familie ins Exil nach London, wo er in anfangs dürftigen Verhältnissen von journalistischer Tätigkeit sowie finanzieller Unterstützung durch Engels überlebte, welcher Marx nach England folgte. Politisch widmete er sich der internationalen Agitation für den Kommunismus und erarbeitete den endgültigen Stand seiner Kritik des Kapitalismus.
In London erschien zunächst Marx' Werk "Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850" (als Artikelreihe 1849-1850); daran anknüpfend "Der 18. Brumaire des Louis Bonaparte" (1852) über die Machtergreifung Napoleons III..
Von 1852 an war Marx Londoner Korrespondent und jahrelang quasi Redakteur für Europa der "New York Tribune". Die Artikel sind keine gewöhnlichen Berichte, sondern umfassende Analysen der politischen und ökonomischen Lage einzelner europäischer Länder, oft als ganze Artikelreihe. Die Mitarbeit an der "Tribune" endete mit dem Amerikanischen Bürgerkrieg.
Seine ökonomischen Hauptwerke entstanden:
Als erste systematische Darstellung der Marx'schen ökonomischen Grundgedanken erschien 1859 "Zur Kritik der politischen Ökonomie"; eigentlich als erstes Heft zur Fortsetzung bestimmt, entdeckte Marx bald, dass er mit der Detail-Ausführung des Gesamtplans noch unzufrieden war.
So begann er seine Arbeit von neuem und erst 1867 erschien der erste der drei Bände seines Hauptwerks Das Kapital.
Während er das "Kapital" ausarbeitete (der zweite und dritte Band wurden nach seinen Manuskripten postum von Engels herausgegeben), bot sich Marx auch wieder Gelegenheit zu praktischer Tätigkeit in der Arbeiterbewegung:
Marx beteiligt sich 1864 federführend an der Gründung der Internationalen Arbeiter-Assoziation (kurz Erste Internationale) und nimmt in ihr bis zur faktischen Auflösung 1872 (durch Verlegung der Zentrale in die USA, formeller Auflösungsbeschluß 1876) die leitende Position ein.
Marx entwarf die Statuten und das grundlegende Programm, die "Inauguraladresse der Internationalen Arbeiter-Assoziation", unter denen so disparate Sektionen wie deutsche Kommunisten, englische Gewerkschafter und französische Proudhonisten zusammenwirkten.
Internationalen Arbeiter-Assoziation ]]
In den deutschen Staaten trieb Marx zunächst die Schaffung einer revolutionären sozialistischen Partei voran; dies geschah in Abgrenzung zum sozialreformerisch ausgerichteten "Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein" des früheren Marx-Schülers Ferdinand Lassalle, mit dem er sich in den politischen Zielen entzweit hatte. In Verbindung mit Marx gründete Wilhelm Liebknecht 1869 die "Sozialdemokratische Arbeiterpartei", welche sich 1875 mit den Lassalleianern zur "Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands" vereinigte, der späteren Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD).
Auch nach der Auflösung der Ersten "Internationale" blieb Marx in ständiger Verbindung mit fast allen wichtigen Figuren der europäischen und amerikanischen Arbeiterbewegung, die ihn oft für wichtige Fragen persönlich zu Rate zogen.
Karl und Jenny Marx hatten insgesamt sieben Kinder, von denen jedoch nur die drei Töchter Eleanor, Jenny und Laura überlebten; sie waren wie ihre Eltern in der sozialistischen Bewegung tätig. Laura heiratete 1868 Paul Lafargue, Jenny 1872 Charles Longuet, Eleanor lebte ab 1883 zusammen mit Edward Aveling; alle drei Schwiegersöhne Marx' betätigten sich als sozialistische Agitatoren, die ersten beiden in Frankreich, der dritte in Großbritannien.
Außerdem hatte Marx einen unehelichen Sohn namens Frederick mit seiner aus Deutschland stammenden Haushälterin Helene Demuth; die Vaterschaft übernahm offiziell Friedrich Engels.
An der Vollendung seiner stetig vorangetriebenen ökonomischen Arbeiten hinderte Marx seine zunehmende Kränklichkeit.
1881 starb Jenny Marx, 1883 die gleichnamige Tochter.
Marx verstarb noch im selben Jahr im Alter von 64 Jahren in London und ist dort auf dem "Highgate Cemetery" begraben. Hier errichtete 1954 die Kommunistische Partei Großbritanniens einen Gedenkstein mit der Inschrift "Arbeiter aller Länder vereinigt Euch!" ("Workers of all lands, unite!").
Marx' Analyse des Kapitalismus
Marx entwickelte aus der Kritik der klassischen politischen Ökonomie seine Mehrwert- und Ausbeutungstheorie als Theorie der Akkumulation des Kapitals.
Er kritisierte das herrschende kapitalistische Wirtschaftssystem als unterdrückerisches Gewaltverhältnis zur Ausbeutung der Arbeiterklasse durch die Kapitalistenklasse. Der Staatsgewalt warf er die Absicherung dieser Unterdrückung mittels bürgerlichem Recht und politischer Ordnung vor.
So sind im bürgerlichen Recht alle Untertanen ideell gleichgestellt. Nach Marx´scher Auffassung bemäntelt das nicht nur den Gegensatz von Arbeit und Besitz, es stellt ihn sogar her: Die Gleichbehandlung von materiell ungleich Ausgestatten sorge dafür, dass sich die ökonomischen Unterschiede auswirkten - zum Schaden der Lohnarbeiter. Mit dem Recht auf Eigentum werde die Eigentumslosigkeit der breiten Massen erhalten, weil sie so von der Verfügung über Produktionsmittel getrennt seien. Darum sei die bürgerliche Freiheit auch nur so viel wert wie die ökonomischen Mittel der Personen. Für die mittellosen Arbeiter bedeute sie den Zwang, ihre Arbeitskraft den Kapitalisten zur Ausbeutung anzubieten. Laut Marx ist der Lohnarbeiter "frei in dem Doppelsinn, daß er als freie Person über seine Arbeitskraft als seine Ware verfügt, daß er andrerseits andre Waren nicht zu verkaufen hat, los und ledig, frei ist von allen zur Verwirklichung seiner Arbeitskraft nötigen Sachen." (Karl Marx, "Das Kapital", Berlin/DDR 1962, S. 183).
Die bürgerliche Demokratie lehnte Marx als politischen Überbau dieser Unterdrückung ab: Mit der Rechtsordnung stehe die Herrschaft des Eigentums fest, zur Wahl stehe nur noch das Exekutiv-Personal dieses Zweckes. Die Interessen der lohnabhängigen Massen würden dabei den gegensätzlichen Interessen des bürgerlichen Gemeinwesens untergeordnet: Im Dienste des Wirtschaftswachstums sollen die Profite der Kapitalisten steigen und darum die Lohnarbeit, also der Lebensunterhalt der arbeitenden Klasse billig ausfallen. Diese Rechnung ginge zu Lasten der Proletarier aus, die für einen beschränkten Lohn möglichst lange und möglichst intensiv arbeiten müssten.
Der kommunistische Gegenentwurf zur bürgerlichen Gesellschaft ist eine gesellschaftliche Assoziation, worin die verrichtete Arbeit zum Mittel wird, zum Zweck der Bereicherung und Erweiterung des Lebensprozesses, statt der Vermehrung des Kapitals zu dienen.
Marx und Engels empfahlen den Arbeitern, sich für die Abschaffung der bürgerlichen Demokratie zu entscheiden und eine kommunistische Revolution einzuleiten. Sie hätten dann allerdings mit einer "proslavery rebellion" (Pro-Sklaverei-Revolte) der alten Mächte zu rechnen.
Marx trat dafür ein, "alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist" (Karl Marx, "Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung", in: MEW 1, Berlin/DDR 1976, S. 385). Dafür müssten die Proletarier das Privateigentum an den Produktionsmitteln abschaffen und eine gemeinsame Planwirtschaft zur bestmöglichen Versorgung aller mit möglichst wenig Aufwand einrichten.
Marx´ Nachwirkung und Kritiker
Marx-Widerleger
Planwirtschaft ]]
Die wirtschaftswissenschaftliche Kritik an Marx' ökonomischer Theorie beruft sich unter anderem auf Böhm-Bawerk, der sich kritisch mit der marxschen Wirtschaftstheorie befasste. Die Produktion von Maschinen erfordere nicht nur Arbeit im ökonomischen Sinn, sondern auch zeitweiligen Konsumverzicht zur Anhäufung notwendigen Kapitals. Böhm-Bawerk begründete so Zinsen, ohne die Böhm-Bawerk zufolge niemand zu sparen bereit wäre, um später aus dem Konsumverzicht profitieren zu können. Niemand würde zur Erhöhung des Sozialprodukts beitragen wollen. Marx aber widersprach explizit der Existenzberechtigung von Profit und propagierte Arbeit für die planmäßige Produktion von Gebrauchsgütern statt für die ökonomische Wertschöpfung; dafür sollte die Arbeiterklasse das Eigentum an den Produktionsanlagen abschaffen und in gesellschaftliche Nutzung übernehmen.
Auch die Marxsche Krisentheorie wird kritisch gesehen. Weil sie auf einer anderen Ebene (der Produktion des Mehrwerts) ansetzt, ist sie prinzipiell unvereinbar mit klassischen Modellen. Auch ist es diskussionswürdig, dass technischer Fortschritt (s. dort) stets einseitig arbeitssparend sein soll, wie Marx es behauptete.
Zu den bekanntesten Marx-Kritikern lässt sich Karl Popper zählen. Popper greift bei seiner Kritik auch philosophische Aspekte Marx' auf.
Fälschlich wurde Marx eine antisemitische Haltung unterstellt, vor allem im Zusammenhang mit seiner Schrift "Zur Judenfrage". Tatsache ist aber, dass er in diesem Text die rechtliche Gleichstellung der Juden fordert. Er führt aus, dass in einem modernen Staat die Religion Privatsache sei. Andererseits identifiziert Marx die Juden vor allem im zweiten Teil der Schrift einseitig mit "Schacher" und scheint populäre Vorurteile zu bedienen. Marx, der 1843, zum Zeitpunkt der Niederschrift 25 Jahre alt war, hat sich in seinem späteren Wirken in einigen Punkten korrigiert. Sicher ist, dass Marx, selbst jüdischer Abstammung, als Vertreter einer areligiösen Philosophie weder vom Judentum noch vom Christentum etwas hielt.
Marxistische Diskussionen
Innerhalb des heutigen Marxismus, der in zahlreiche sich teilweise völlig widersprechende Richtungen geteilt ist, werden beinahe alle Elemente der marxschen Theorie kontrovers diskutiert.
Besonders umstrittene Punkte sind zum Beispiel:
- die Rolle der Arbeiterklasse und ihr Verhältnis zu anderen sozialen Bewegungen
- die Definition (und Organisation) von "sozialistischer Demokratie"
- die Voraussetzungen einer sozialistischen Umgestaltung einer Gesellschaft
- verschiedene Fragen der Wertschöpfung
- Verhältnis Basis und Überbau (Marxismus)
Zahlreiche Werke von Marx sind nicht vollendet (er starb dafür zu früh) und auch der Marxismus ist kein abgeschlossenes System. Dies ermöglicht sowohl verschiedenste Interpretationen der Werke von Marx und Engels als auch ein verschiedenes Maß an Einordnung der Theorie, bzw. einzelner Elemente, in einen historischen Kontext.
Auch haben Marx und Engels einige ihrer Ansichten mit der Zeit geändert. Z.B. gibt es widersprüchliche Aussagen darüber, ob eine sozialistische Revolution zwingend in einem hochentwickelten kapitalistischen Land stattfinden muß, oder ob die Phase des Kapitalismus nicht sogar unter besonderen Umständen übersprungen werden kann, wie Marx in seinem Brief an Wera Iwanowna Sassulitsch schreibt
Der Sozialwissenschaftler Richard Albrecht hat in den letzten Jahren versucht, drei Marx´sche Hinweise zur empirischen Analyse metropolischer Gegenwartsgesellschaften zu nutzen; es geht einmal um (i) Gesellschaft und (ii) Technologie als Schlüsselbegriffe marxischer Sozialtheorie und um (iii) Pauperismus als empirische Leitkategorie:
(i) ausgehend vom Engels/Marx´schen Hinweis, dass "nicht das Bewußtsein das Leben, sondern das Leben das Bewußtsein" bestimmt (Marx/Engels: Die deutsche Ideologie; Marx-Engels-Werke/MEW 3, 27: "It is in fact not the consciousness dominating life but the very life dominating consciousness") verwies der Autor mit Blick auf so absurde Thesen wie: "There is no such thing as society, only men and women and their families" (Margaret Thatcher, deutsch etwa: "Gesellschaft ist ein Unding. Es gibt nur Männer, Frauen, und deren Familien") gegen jede reduktionistische, individualistische und obscuristische Soziologie darauf, dass, so Karl Marx, Gesellschaft "nicht aus Individuen [besteht], sondern die Summe der Beziehungen, Verhältnisse aus[drückt], worin diese Individuen zueinander stehn" (Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie/Rohentwurf, 1857/58: "Any society does not consist of individuals but expresses the sum of relationships [and] conditions that the individual actor is forming") (([http://en.wikiquote.org/wiki/Karl_Marx] vgl. auch [http://en.wikipedia.org/wiki/C._Wright_Mills] cpt. "Outlook")
(ii) erinnerte der Autor an den von Karl Marx selbst nur beiläufig im ersten Band des "Kapital" in einer Fußnote erwähnten Begriff "Technologie" als Leitkategorie einer Sozialtheorie: "Die Technologie enthüllt das aktive Verhalten des Menschen zur Natur, den unmittelbaren Produktionsprozess eines Lebens, damit auch seiner gesellschaftlichen Lebensverhältnisse und der ihnen entquellenden geistigen Vorstellungen" (Das Kapital I, 1867, Kapitel 13, Anm. 89: "Maschinierie und große Industrie": "Technology discloses the active relation of man towards nature, as well as the direct process of production of his very life, and thereby the process of production of his basic societal relations, of his own mentality, and his images of society, too"). Der Autor unterschied diese umfassende Kategorie der Technologie von einem engeren Begriff von Technik im Rahmen einer subjektwissenschaftlich-handlungszentrierten Sozialpsychologie, welche Technik als spezielles gesellschaftliches Verhältnis versteht und im Anschluss an Ernst Bloch auch die Dimension möglicher Technik-Medien-Nutzung skizziert: "Technology Within Every-Day-Life: What People Could Do - What People Can Do - What People Do. Towards Another Psychology of Technology in 21th Century"
(iii) hat Richard Albrecht Hinweise von Karl Marx (und Friedrich Engels) zur "relativen Übervölkerung" ernstgenommen und als einen zentralen Ansatz gehaltvoller empirischer Sozialanalyse in die aktuelle Armutsdiskussion ("poverty line", "working poor") in Deutschland einzubringen versucht.
Andenken
Obwohl das Andenken des Politikers Marx naturgemäß umstritten ist, würdigte auch die Bundesrepublik Deutschland unter dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl Marx als Philosophen 1983 zum 100. Todestag mit einer Gedenkmünze und einer Briefmarke. In zahlreichen westdeutschen Städten gibt es nach Marx benannte Straßen.
In seiner Heimatstadt Trier kann das Karl-Marx-Haus besichtigt werden, was im Sommer der Stadt zahlreiche Touristen aus Asien beschert. Dieses Geburtshaus, heute Museum, stand in der Brückergasse 664 (heute Brückenstraße 10); schon im Oktober 1819 zog die Familie in ein kleines Wohnhaus in der Simeongasse (heute Simeonstraße 8), wo heute eine Gedenktafel an den berühmten Bewohner erinnert.
Werke (Auswahl)
- Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung. Erschienen in: Deutsch-Französische Jahrbücher, Paris 1844
- Die heilige Familie oder Kritik der kritischen Kritik. Gegen Bruno Bauer & Consorten. Literarische Anstalt, Frankfurt am Main 1845
- Die Deutsche Ideologie. Entstanden 1845-46, postum erschienen Berlin 1932
- Thesen über Feuerbach . Entstanden 1845, erstmals in veränderter Fassung veröffentlich in: Friedrich Engels: Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie. Dietz Verlag, Stuttgart 1888
- Misère de la philosophie. Réponse à la philosophie de la misère de M. Proudhon. (deutsch Das Elend der Philosophie. Antwort auf Proudhons "Philosophie des Elends". Übersetzung von Eduard Bernstein und Karl Kautsky, 1885). A. Frank/C. G. Vogler, Paris/Brüssel 1847
- Manifest der Kommunistischen Partei , auch bekannt als Das Kommunistische Manifest. Zusammen mit Friedrich Engels, anonym erschienen, Bildungs-Gesellschaft für Arbeiter, London Februar 1848
- Der Achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte. Erstmals erschienen in der Zeitung Die Revolution, New York 1852
- Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie. Rohentwurf. 7 Hefte, entstanden 1857/58, postum veröffentlicht im Verlag für fremdsprachige Literatur, Moskau 1939/41
- Zur Kritik der politischen Ökonomie . Duncker, Berlin 1863
- Das Kapital . Kritik der politischen Oekonomie.
- Band 1: Der Produktionsprocess des Kapitals. Meissner, Hamburg 1867
- Band 2: Der Circulationsprocess des Kapitals. Herausgegeben von Friedrich Engels, Meissner, Hamburg 1885
- Band 3: Der Gesammtprocess der kapitalistischen Produktion. Herausgegeben von Friedrich Engels, Hamburg 1894
- Der Bürgerkrieg in Frankreich. Adresse des Generalraths der Internationalen Arbeiter-Assoziation an alle Mitglieder in Europa und den Vereinigten Staaten. Leipzig 1871
- Kritik des Gothaer Programms. 1875, postum veröffentlicht 1891
- Marx/Engels Briefwechsel. Dietz, Berlin 1949 Briefwechsel von 1844 -1883; 4 Bände
Werkausgaben
- Karl Marx, Friedrich Engels: Werke (MEW = Marx-Engels-Werke; bekannt auch als Blaue Bände). 43 Bände, Dietz Verlag, Berlin Ost (ab 1989: Berlin) 1956-1990
- Karl Marx, Friedrich Engels: Gesamtausgabe (MEGA = Marx-Engels-Gesamtausgabe). Dietz Verlag, Berlin Ost (ab 1989: Berlin) 1975ff
- Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Werke. Digitale Bibliothek Band 11 (CD-ROM), Directmedia, Berlin 1998 ISBN 3932544153
Literatur
CD-ROM
CD-ROM]
Biografien
- Franz Mehring: Karl Marx - Geschichte seines Lebens. Berlin 1918
- Richard Friedenthal: Karl Marx. Sein Leben und seine Zeit. Piper Verlag, München 1981, ISBN 349202713X
- Francis Wheen: Karl Marx. Bertelsmann Stiftung Verlag, München 2001, ISBN 3570004953
Monografien
- Karl Marx: Das Kapital. Kurzfassung aller drei Bände. Herausgegeben und kommentiert von Wal Buchenberg. VWF-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-89700-360-0
- Iring Fetscher: Marx. Herder Verlag, Freiburg/Basel/Wien 1999, ISBN 3451047284
- Alex Callinicos: Die revolutionären Ideen von Karl Marx. ISP-Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3899001141
- Michael Heinrich: Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung. Zweite durchgesehene und erweiterte Auflage, Schmetterling Verlag, Stuttgart, ISBN 3896575880
- Ossip K. Flechtheim, Hans-Martin Lohmann: Marx zur Einführung. 4. Auflage, Junius, Hamburg 2003, ISBN 3885063786
- Wolfdietrich Schmied-Kowarzik: Die Dialektik der gesellschaftlichen Praxis. Zur Genesis und Kernstruktur der Marxschen Theorie. Alber Verlag, Freiburg/München 1981, ISBN 3495474463
weitere Literatur
- Izumi Omura u.a. (Hrsg.), Familie Marx privat - Die Foto- und Fragebogen-Alben von Marx' Töchtern Laura und Jenny - Eine kommentierte Faksimileausgabe, Akademie Verlag 2005, ISBN 3-05-004118-8
- Maximilien Rubel: Marx-Chronik. Daten zu Leben und Werk. Hanser, München 1968
- Predrag Vranicki: Geschichte des Marxismus. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1974
Siehe auch
- Subjekt, Dialektik bei Marx - Engels
Weblinks
-
-
- [http://www.marx-forum.de/das_kapital/inhalt.html Karl Marx. Das Kapital. komentierte Kurzfassung]
- [http://www.ml-werke.de Klassiker des Marxismus-Leninismus]
- [http://www.mlwerke.de/me/me_zuoek.htm Die ökonomischen Schriften auf MLWerke.de]
- [http://destruktiv.placerouge.org/mylinks/pages/Textsammlung/Marx_und_Engels/ Textsammlung zu Marx und Engels]
- [http://www.maindating.de/supernovae/schule/Religion/Karl%20Marx.html Karl Marx Religionskritik]
- [http://www.wsws.org/de/2002/mai2002/marx-m24.shtml Ein Briefwechsel über Marx und die Frage des Antisemitismus]
- [http://www.judentum-projekt.de/persoenlichkeiten/wissen/karlmarx/ Projekt eines Gymnasiums zu K. Marx, z.gr.T. stichwortartig gehalten]
- http://www.sueddeutschezeitung.de/kultur/artikel/430/3427/
- [http://www.marxforschung.de Marx-Engels-Forschung und -Edition]
- [http://www.bbaw.de/forschung/mega/index.html Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA²)]
- [http://www.angelfire.com/poetry/karlmarx/index.html Karl Marx, sein Vater & Pegasus]
Marx, Karl
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ja:カール・マルクス
ko:카를 마르크스
ms:Karl Marx
simple:Karl Marx
th:คาร์ล มาร์กซ
zh-min-nan:Karl Marx
Proletarier aller Länder, vereinigt euch!
Das Manifest der Kommunistischen Partei wurde erstmals im Februar 1848 von Karl Marx und Friedrich Engels in London veröffentlicht. Es ist eine der einflussreichsten politischen Schriften der Geschichte.
Nach dem ersten Kongress des Bundes der Kommunisten (Bundes) im Juni 1847 wurden zur Diskussion an die Bundesmitglieder ein Programmentwurf versandt, der jedoch nicht den zu stellenden Anforderungen entsprach. Im Verlaufe der Diskussion - dabei wurde erwogen, ob nicht die Form eines "Katechismus" mit Fragen und Antworten günstig sei - arbeitete Friedrich Engels die "Grundsätze des Kommunismus" aus, die eine bedeutende Vorarbeit für das Manifest bildeten. Auf dem zweiten Kongress vom 29. November bis 8. Dezember 1847 legten Marx und Engels eine ausführliche Konzeption eines Manifests vor und wurden mit der Ausarbeitung beauftragt, die im Dezember 1847/Januar 1848 erfolgte.
Ende Januar 1848 wurde das Manuskript des Manifests von Brüssel nach London befördert, wo die Zentralbehörde des Bundes den Druck besorgte. Es erschien etwa am 24. Februar 1848 in deutscher Sprache und wurde nach Ausbruch der Märzrevolution in Deutschland von den in die Heimat zurückkehrenden Bundesmitgliedern verbreitet. Noch im Jahr 1848 erschienen verschiedene Auflagen.
Besondere Bedeutung kommt den Neuausgaben des Manifestes zu, in denen Marx und Engels in Vorworten und Vorreden (1872, 1882, 1883, 1890, 1892) eine Einschätzung des Manifests gaben, auf Gesichtspunkte hinwiesen, die infolge der historischen Entwicklung seit 1848 eine besondere Berücksichtigung verdienten, oder auch ergänzende Bemerkungen hinzufügten.
Das Manifest legt die kommunistischen Vorstellungen dar, die klassenlose Gesellschaft durch eine proletarische Revolution zur Überwindung des Kapitalismus zu erreichen. Dabei lag für Marx und Engels die Überwindung des Kapitalismus im Klassenkampf, zu dem auch im letzten Abschnitt des Manifests aufgefordert wird (siehe unten). Sie setzen voraus, dass die Geschichte aller bisherigen Gesellschaften eine Geschichte der Klassenkämpfe gewesen sei, und dass eine Veränderung der Gesellschaft durch diese Kämpfe unumgänglich sei. Revolution oder Untergang sei jeweils die Alternative. Marx selbst bezeichnete diesen Gedanken als globale Theorie über die gesellschaftlichen Zusammenhänge. Später hielt Marx einen friedlichen, parlamentarischen Übergang zur Arbeitermacht zumindest in England, Holland und den USA für möglich.
Veränderung der Gesellschaft
Aus dem Vorwort
: Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Kommunismus. Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet, der Papst und der Zar, Metternich und Guizot, französische Radikale und deutsche Polizisten.
: Wo ist die Oppositionspartei, die nicht von ihren regierenden Gegnern als kommunistisch verschrien worden wäre, wo die Oppositionspartei, die der fortgeschritteneren Oppositionsleuten sowohl wie ihren reaktionären Gegnern den brandmarkenden Vorwurf des Kommunismus nicht zurückgeschleudert hätte?
Das im Manifest dargestellte politische Programm wird Sozialismus genannt, es erstrebt die Abschaffung des Grundbesitzes und der Vererbung sowie die Verstaatlichung von Großindustrie und Transportindustrien (wie Eisenbahn, Reedereien). Neben den Maßnahmen der gesellschaftlichen Veränderungen, wird im Manifest auch über die Rolle der Partei des Proletariats gesprochen. So wird die Stellung und Aufgabe der Kommunistischen Partei u.a. beschrieben als Bildung des Proletariats [als einer Klasse "an sich"] zur Klasse ["für sich"], Sturz der Bourgeoisherrschaft, Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat., und so die politische Führung durch die Partei argumentativ abgesichert.
Aus dieser so genannten sozialistischen Gesellschaft sollte sich dann das klassenlose – also klassenkampflose – kommunistische System entwickeln, das "Reich der Freiheit" jenseits der "Geschichte".
Zwischen 1872 und 1890 sah das Manifest eine Reihe von Neuausgaben, die Karl Marx insbesondere für den einfachen Arbeiter verfasste.
Daher bilden diese Ausgaben seine zugänglichsten Schriften, die gleichzeitig einen Einblick in die Absichten und die Politik der ersten Kommunisten geben.
1890
Selbsterhobene kritische Einwände
Aus dem Kapitel "Proletarier und Kommunisten":
:Sind im Laufe der Entwicklung die Klassenunterschiede verschwunden und ist alle Produktion in den Händen der assoziierten Individuen konzentriert, so verliert die öffentliche Gewalt den politischen Charakter. Die politische Gewalt im eigentlichen Sinne ist die organisierte Gewalt einer Klasse zur Unterdrückung einer anderen. Wenn das Proletariat im Kampfe gegen die Bourgeoisie sich notwendig zur Klasse vereint, durch eine Revolution sich zur herrschenden Klasse macht und als herrschende Klasse gewaltsam die alten Produktionsverhältnisse aufhebt, so hebt es mit diesen Produktionsverhältnissen die Existenzbedingungen des Klassengegensatzes, die Klassen überhaupt, und damit seine eigene Herrschaft als Klasse auf.
Es ist dieses Prinzip des Übergangs vom Sozialismus zum Kommunismus, das viele Kritiker, insbesondere zur Zeit der Sowjetunion, aufgegriffen haben.
Anarchisten, Liberale und Konservative haben sich gleichermaßen gefragt, wie ein Monolith wie Parteiapparat und Bürokratie je in die klassenlose Gesellschaft übergehen könne.
Sowohl traditionelle als auch moderne Theorien und Beobachtungen politischer Machtstrukturen bestätigen, dass eine Gruppe oder Organisation ihre Macht zu erhalten sucht (Robert Michels: das Eherne Gesetz der Oligarchie), und keineswegs bereit ist, den Übergang zu einer anderen Machtordnung zu zu lassen, geschweige denn zu fördern.
Zum Schluss noch einmal aus dem 4. Kapitel "Stellung der Kommunisten zu den verschiedenen oppositionellen Parteien":
:Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, dass ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung. Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen.
:Proletarier aller Länder, vereinigt euch!
Siehe auch
- Prager Manifest, Kommunismus, Kommunistische Partei, Bund der Kommunisten
- Chiliasmus, Erlösung
Neue Textausgabe
Das Kommunistische Manifest. Eine moderne Edition.
Karl Marx und Friedrich Engels.
Mit einer Einleitung von Eric Hobsbawm, Argument Verlag 1999,
ISBN 3-88619-322-5
Weblinks
- [http://gutenberg.spiegel.de/marx/manifest/km_toc.htm Originaltext im Projekt Gutenberg]
- [http://www.marxists.org/deutsch/archiv/marx-engels/1848/manifest/ Originaltext in "Marxists’ Internet Archive"]
- [http://www.politisches-woerterbuch.de/index.php?title=Manifest_der_Kommunistischen_Partei Artikel zum "Manifest" im 'Politischen Wörterbuch']
Kommunistische Manifest, Das
Kommunistische Manifest, Das
Kommunistische Manifest, Das
Kommunistische Manifest, Das
Kommunistische Manifest, Das
Kommunistische Manifest, Das
ja:共産党宣言
ko:공산당선언
th:คำประกาศเจตนาคอมมิวนิสต์
Internationale ArbeiterassoziationDie Erste Internationale (eigentlich: Internationale Arbeiterassoziation (IAA)) war der erste internationale Zusammenschluss sozialistischer Gruppen und Personen aus 13 europäischen Ländern und den USA.
Gegründet wurde die IAA am 28. September 1864 in London. Führendes Gremium war der Generalrat, zunächst mit Sitz in London, ab 1872 dann in New York. Die jährlichen Kongresse der Mitglieder der IAA fanden an wechselnden Orten statt.
Im Gegensatz zu späteren Internationalen bestanden die Mitglieder der Ersten noch aus einer Vielzahl politisch divergierender Gruppen, die unterschiedliche Sozialismuskonzepte verbanden. Obwohl faktisch relativ einflusslos, wurde "die Internationale" von vielen Gegnern als ursächlich für das Erstarken der Arbeiterbewegung in vielen Ländern und das Entstehen der Pariser Kommune von 1871 gesehen. Überschattet wurde die Organisation bereits kurz nach ihrer Entstehung durch heftige Grabenkämpfe, insbesondere zwischen der autoritären Richtung von Karl Marx, dem Herausgeber des Kommunistischen Manifests und Haupttheoretiker des Kommunismus einerseits und dem libertären Anarchisten Michail Bakunin andererseits. Während Marx für eine straffe Organisation der noch zu bildenden Arbeiterparteien in den Einzelstaaten unter zentralistischer Führung der Internationalen eintrat, war Bakunin gemäß den Vorstellungen des Anarchismus für strikte Herrschaftslosigkeit und gegen jegliche Form von Führung durch irgendeine Partei oder Klasse. Dieser grundsätzliche Konflikt der damals profiliertesten Vertreter der internationalen sozialistischen Bewegung führte schließlich auch zur Spaltung der IAA auf dem Den Haager Kongress 1872, nachdem sich die Marxsche Position 1871 in London durchgesetzt hatte.
Für die ausgeschlossene Minderheit der Ersten Internationalen gründete die Juraföderation 1872 in St. Imier (Schweizer Jura) die Antiautoritäre Internationale. Die Landesföderationen von Belgien, England, Holland, Italien und Spanien schlossen sich der Juraföderation an. Nach der Spaltung hatte die IAA bzw. ihr Generalrat im Grunde keine Bedeutung mehr. Letztlich kam es 1876 zur formellen Auflösung der IAA.
Neue anarchosyndikalistische Internationale Arbeiterassoziation ab 1922
Zu Weihnachten 1922 wurde auf Initiative der Freien Arbeiter-Union Deutschlands bei einem Kongress in Berlin eine neue, diesmal eindeutig vom Anarchismus inspirierte Internationale ArbeiterInnen-Assoziation (IAA)gegründet. Diese war als Neukonzeption der Ersten Internationale gedacht und umfasst noch heute verschiedene anarchosyndikalistische Gewerkschaften in Europa und Amerika.
Literatur
- Antje Schrupp, Nicht Marxistin und auch nicht Anarchistin. Frauen in der ersten Internationale, Ulrike Helmer Verlag - mit 52 Abb., 340 S., ISBN 3-89741-022-2
Siehe auch: Internationale, Kommunismus, Kommunistische Partei, Sozialismus, Anarchismus, Anarchosyndikalismus, Internationale ArbeiterInnen-Assoziation, IFA
Kategorie:Arbeiterbewegung
Sozialistische ParteiAls "Sozialistische Partei" werden in einem allgemeinen und übergreifenden Sinn seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts politische Parteien bezeichnet, die sich an der Sozialdemokratie, am Sozialismus oder auch am Kommunismus orientieren und damit den Anspruch erheben, die Interessen der Arbeiterbewegung zu vertreten - auch wenn sich nicht alle sozialistischen Parteien in ihrem Namen als solche benennen. So gilt beispielsweise auch die britische Labour Party (frei übersetzt: Arbeitspartei) in einem verbreiteten Verständnis als sozialistische bzw. sozialdemokratische Partei.
In der Gegenwart sind die gemäßigten, im pluralistischen Sinn demokratisch ausgerichteten sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien in der Sozialistischen Internationale (vgl. Zweite Internationale) vereint, unter ihnen auch die deutsche SPD und die österreichische SPÖ. Viele der großen sozialistischen/sozialdemokratischen Parteien Westeuropas haben sich in den 1950er und 1960er Jahren von der spezifischen Interessenpolitik für die Arbeiterbewegung losgesagt und sich ideologisch einem breiteren Wählerpotenzial zu öffnen versucht. Sie gelten seither als Volksparteien (vgl. auch Volkspartei (Parteityp)).
Die Vorläuferorganisation der Sozialistischen Internationale wurde nach der 1876 erfolgten Auflösung der Ersten Internationalen (vgl. Internationale Arbeiterassoziation) 1889 in Paris als Zweite Internationale gegründet.
Die meisten sozialistischen Parteien gingen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts noch konform mit den revolutionären Theorien des Marxismus, begründet von Karl Marx und Friedrich Engels. Bis zum 1. Weltkrieg setzte sich in ihnen eine reformorientierte Richtung durch. Daraufhin kam es ab 1917 nach der russischen Oktoberrevolution durch die Bolschewiki um Lenin und Trotzki zu revolutionären Abspaltungen von der Sozialdemokratie und zur Gründung von revolutionär sozialistischen bzw. kommunistischen Parteien (vgl. Kommunistische Partei). Diese grenzten sich von der reformorientierten Sozialdemokratie ab und bildeten auf Initiative Lenins 1919 in Moskau die Kommunistische Internationale (Komintern) (vgl. auch Dritte Internationale), die bis 1943 Bestand hatte.
Auch eine kommunistische Partei erhebt für sich den Anspruch, eine sozialistische Partei zu sein. Kommunistische Parteien werfen oft den "reformistischen" sozialdemokratischen Parteien Verrat an der Revolution und dem Marxismus vor.
Spätestens nach dem 2. Weltkrieg entwickelten sich verschiedene neue kommunistische Richtungen, die sich oft auch von der KPdSU der Sowjetunion abgrenzten. Sie vertraten andere revolutionäre sozialistische Theorien und Ideologien, die auf die Situationen in den jeweiligen Ländern, in denen sie aktiv waren und teilweise auch an die Macht kamen (beispielsweise in China unter Mao Tse Tung oder in Kuba unter Fidel Castro), zugeschnitten waren. Schon in den 1930er Jahren hatte Leo Trotzki mit der nach ihm benannten Ideologie des Trotzkismus eine weitere sozialistische Theorie in Opposition zum Stalinismus in der Sowjetunion begründet. Aus seinem Exil in Mexiko heraus rief Trotzki 1938 die bis in die Gegenwart existierende vierte Internationale ins Leben, die verschiedene trotzkistisch-sozialistische Parteien vereint.
In den 1960er Jahren entwickelten sich vor allem in Europa, aber auch in anderen Kontinenten reformkommunistische Parteien. Insbesondere die großen traditionellen kommunistischen Parteien in Italien, Frankreich und ab Mitte der 1970er Jahre auch in Spanien verfochten die neue Linie eines pluralistisch-demokratischen so genannten Eurokommunismus.
Nach dem Zerfall der UdSSR und der KPdSU zu Beginn der 1990er Jahre ging der Einfluss kommunistischer Parteien in den meisten Staaten wieder deutlich zurück. Zumindest in Westeuropa und vielen anderen demokratisch-pluralistischen Industriestaaten haben die noch übrigen relativ klein gewordenen kommunistischen Parteien nur noch einen geringen Einfluss in die Politik der jeweiligen Länder, abgesehen beispielsweise von Frankreich. Manche ehemaligen kommunistische Parteien in Osteuropa gaben sich durch den Demokratieprozess ein neues Profil, das sich eher an der Sozialdemokratie bzw. am demokratischen Sozialismus orientiert, Beispiele dafür sind die PDS bzw. seit 2005 „Die Linkspartei.PDS“ in Deutschland oder die BSP in Bulgarien. Deutlich wird diese Änderung auch in der Wahl eines neuen Namens für die Partei, dabei werden Wörter wie "Kommunistische" oder "Kommunismus" getilgt und durch "Sozialistische/Sozialdemokratische" oder "Sozialismus/Sozialdemokratie" ersetzt.
Hingegen spielen die sozialdemokratischen und gemäßigt sozialistischen Parteien als Massenparteien und große Volksparteien (vgl. auch Volkspartei (Parteityp)) weiterhin tragende Rollen in vielen pluralistisch-demokratischen Staaten.
Siehe auch
Frühsozialismus, Internationale, Kominform, Komintern, Kommunismus, Kommunistische Partei, Linke Politik, Marxismus, Neue Linke, Sozialdemokratie, Sozialismus, Sozialistische Internationale
!
Kommunistische Parteiem Grund - Symbol Kommunistischer Parteien]]
Eine Kommunistische Partei (KP) ist eine politische Partei, die den Kommunismus, - in der Theorie das Ideal einer klassenlosen Gesellschaft -, als Staats- und Gesellschaftsordnung anstrebt.
Im engeren Sinne sind kommunistische Parteien Organisationen, die sich ideologisch als kommunistisch verstehen und/oder die Bezeichnung "kommunistisch" in ihrem offiziellen Namen führen. Im weiteren Sinne werden auch andere linksgerichtete Parteien, die sich in ihrem Namen zwar nicht als kommunistisch bezeichnen, sich jedoch in Abgrenzung zur reformorientierten Sozialdemokratie und zu gemäßigt sozialistischen Parteien in ihren Inhalten und Zielen für einen revolutionär-sozialistischen Weg aussprechen, zu den kommunistischen Parteien gezählt. (vergleiche auch Liste der Kommunistischen Parteien).
Einführung zur Geschichte der Kommunistischen Parteien
Kommunistische Parteien bildeten sich weltweit in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, insbesondere nach der russischen Oktoberrevolution 1917, meistens als Abspaltungen von zuvor existierenden sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien.
Die weltanschauliche Grundlage der kommunistischen Parteien findet sich im Marxismus.
Schon im 19. Jahrhundert und zunehmend im 20. Jahrhundert war es jedoch zu unterschiedlichen Auslegungen und Weiterentwicklungen der Marxschen Lehren gekommen, die bis in die Gegenwart zu mehreren Konzepten des Sozialismus und Kommunismus führten (vergleiche Leninismus, Trotzkismus, Stalinismus, Titoismus, Maoismus, Eurokommunismus, Operaismus etc.).
Die verschiedenen Auslegungen führten schließlich auch zu Spaltungen und Neugründungen vieler KPs, die nebeneinander existierten und zumindest in mehreren pluralistisch-demokratischen Staaten weiter existieren. Teilweise befehden sie sich untereinander beziehungsweise werfen sich gegenseitig Verrat an der ursprünglichen kommunistischen Idee vor.
Anmerkungen zur Einordnung des Artikels
Der folgende Artikel befasst sich mit einem Überblick zur Geschichte der Kommunistischen Parteien und damit auch zwangsläufig mit der Geschichte verschiedener auch gegeneinander konkurrierender kommunistisch geprägter Theorien und Ansätze ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Dabei fließt die welthistorische Situation teilweise mit ein, soweit sie die Geschichte des Kommunismus (beziehungsweise des "real existierenden Sozialismus") tangiert.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Geschichte der KPs in Europa, insbesondere in Russland (beziehungsweise der UdSSR) und Deutschland. Die KPs anderer Länder, vor allem in anderen Kontinenten werden am ehesten beim Unterartikel Kalter Krieg, dabei beispielsweise unter "China" und "Entwicklungs- und Schwellenländer" erwähnt.
Keine Erwähnung finden frühkommunistische, vormarxistische Entwicklungen. Dazu wird auf andere Wikipedia-Artikel (beispielsweise Utopischer Sozialismus unter anderem ) verwiesen.
Der Artikel ist im Wesentlichen in drei größere Zeitliche Perioden und entsprechende Haupt"kapitel" unterteilt:
- 1.Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs
- 2.Kalter Krieg
- 3.Nach dem Kalten Krieg bis zur Gegenwart
Dabei kommt es vereinzelt auch zu fließenden Übergängen eines Zeitraums von plus / minus 5 Jahren beziehungsweise zu Unterartikeln, die eine periodische Trennung nicht ohne Weiteres sinnvoll erscheinen ließen (am deutlichsten beispielsweise bei der Geschichte der Kommunistischen Partei Chinas, aber auch bei manchen anderen Entwicklungen einzelner KPs).
Bei allem Umfang kann bei der Komplexität des Themas nicht jede KP im Detail aufgeführt werden. Dazu wird auf Artikel über die Geschichte der entsprechenden Länder und der einzelnen KPs verwiesen
Entwicklung der Kommunistischen Parteien von der bürgerlichen Revolution bis zur Überwindung des Faschismus; Zwischen Revolution und Reformismus (1848 bis 1947/48)
Anfänge im 19. Jahrhundert bis zur Revisionismusdebatte
Utopischer SozialismusIm Februar 1848 veröffentlichten Karl Marx und Friedrich Engels in London im Auftrag des Bundes der Kommunisten "das kommunistische Manifest", das eine der ersten Grundlagen der kommunistischen Bewegung darstellte und die wesentlichen Ziele der späteren sozialistischen und kommunistischen Parteien zusammen fasste.
das kommunistische ManifestMit dem Schluss-Satz "Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" betonte das Kommunistische Manifest den internationalistischen Charakter des Kommunismus und forderte die Arbeiterschaft zum Klassenkampf gegen die im Kapitalismus herrschende Bourgeoisie auf.
Schon zuvor hatten Marx und Engels den noch kleinen Bund der Gerechten (gegründet 1836 in Paris unter entscheidendem Einfluss des frühen Kommunisten Wilhelm Weitling) geprägt. Dieser Bund war aus dem 1834 ebenfalls in Paris gegründeten Bund der Geächteten hevorgegangenen, und 1848 in London in Bund der Kommunisten umbenannt worden, der als Vorläufer der späteren Kommunistischen Parteien gilt.
Entwicklung in Deutschland bis 1912
Die bürgerlich-liberale Märzrevolution von 1848/49, während der Marx und Engels mit der von Marx gegründeten linken "Neuen Rheinischen Zeitung" in Köln versuchten, mit sozialistischen und kommunistischen Inhalten Einfluss auf die Revolution zu nehmen, führte zwar nicht zu einer von Marx / Engels erhofften sozialistischen Wende der Revolution; jedoch begannen sich im Zuge der Liberalisierung auch frühe gewerkschaftliche Organisationen wie die "Allgemeine deutsche Arbeiterverbrüderung" herauszubilden, die den Beginn einer Organisierung des deutschen Proletariats markierte.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kam es, wie in vielen europäischen Ländern auch, in den Staaten des Deutschen Bundes zur Gründung von Arbeiterorganisationen wie Arbeiterbildungsvereinen und Arbeiterwohlfahrtsverbänden, den Vorläufern der Gewerkschaften. Zur Unterstützung der Interessen der Arbeiter auf allgemeingesellschaftlicher und parlamentarischer Ebene wurden schließlich sozialdemokratische und sozialistische Parteien ins Leben gerufen.
parlament
In Leipzig gründete Ferdinand Lassalle 1863 eine eher reformorientierte sozialistische Partei unter dem Namen Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein (ADAV). 1869 wurde in Eisenach die marxistisch orientierte Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) von Wilhelm Liebknecht und August Bebel als deutsche Sektion der ersten Internationale gegründet.
ADAV und SDAP vereinigten sich 1875 in Gotha unter dem Namen Sozialistische Arbeiterpartei (SAP), der Vorgängerin der seit 1890 unter dem Namen Sozialdemokratische Partei Deutschlands bestehenden SPD und verabschiedeten das Gothaer Programm, das von Marx wegen seiner kompromisslerischen Anpassung gegenüber dem reformorientierten ADAV kritisiert wurde.
Trotz Unterdrückung, juristischer Verfolgung und zeitweiliger Verbote gegen die Sozialdemokratie und ihre Aktivitäten außerhalb des Reichstags durch die Sozialistengesetze unter Reichskanzler Otto von Bismarck zwischen 1878 und 1890, wuchs die Anhängerschaft der Sozialdemokratie stetig an, bis sich die SPD schon Ende des 19. Jahrhunderts zu einer Massenpartei im Deutschen Reich entwickelt hatte. Bismarck sah sich gezwungen, mit der für die Zeit der 1880er Jahre relativ fortschrittlichen Sozialgesetzgebung, der Arbeiterschaft einige Zugeständnisse zu machen, durch die er den Zulauf zur SPD aufhalten wollte, was ihm jedoch nicht so gelang, wie er sich das gewünscht hätte.
Sozialgesetzgebung
Nach ihrer Neuformierung ab 1890 wurde die SPD mit dem Erfurter Programm zumindest in seinem ersten von Karl Kautsky verfassten Teil wieder deutlicher am Marxismus ausgerichtet. Das Erfurter Programm beeinflusste auch andere sozialistische Parteien in Europa und machte die SPD zur stärksten Partei in der 1889 neu gegründeten Sozialistischen Internationale (Zweite Internationale).
Im Deutschen Reich wurde die SPD nach den Reichtagswahlen 1912 mit nahezu 28 % der Wählerstimmen und damit 110 von 397 Abgeordneten zur stärksten Partei im Deutschen Reichstag, jedoch, ohne an die Regierung zu kommen. Die wurde noch vom Kaiser auch ohne Berücksichtigung des Parlaments bestimmt. (Weitere Entwicklung siehe weiter unten)
Internationale Entwicklung im 19. Jahrhundert, v.a. Westeuropa
Im 19. Jahrhundert gingen fast alle sozialdemokratischen und sozialistischen Parteien Europas mehr oder weniger konform mit den von Marx und Engels formulierten Thesen und Theorien (siehe auch "Das Kapital").
Angestrebt wurde eine revolutionäre sozialistische Umwandlung der herrschenden kapitalistischen Gesellschaftsordnung, an die sich über eine "Diktatur des Proletariats" und den Sozialismus unter Führung einer revolutionären Arbeiterpartei die Entwicklung zum Kommunismus als einer klassenlosen Gesellschaft anschließen sollte. Das Privateigentum an Produktionsmitteln sollte abgeschafft und in Gemeineigentum überführt werden.
Im ausgehenden 19. Jahrhundert war es jedoch schon zu verschiedenen Kontroversen innerhalb der sozialdemokratischen Parteien und Bewegungen gekommen. Die erste Internationale (IAA = Internationale Arbeiterassoziation) löste sich in Folge des Konflikts zwischen Marx und Michail Bakunin bis 1876 auf.
Dieser Konflikt zwischen den beiden profiliertesten Vertretern der sozialistischen Bewegung ihrer Zeit, hatte sich nach der Niederschlagung der Pariser Kommune 1871, die als erste sozialistisch-proletarische Revolution gilt, verschärft. Bakunin, der den anarchistischen Flügel der Arbeiterbewegung (Anarchismus) vertrat, strebte auch die Überwindung staatlicher Strukturen an und verneinte die Führungsrolle irgendeiner Partei.
Auf den nationalen Ebenen einiger sozialistischer Parteien kam es Ende des 19. Jahrhunderts zu Kontroversen über einen revolutionären oder einen reformistischen Kurs der Partei. In Deutschland stellte Eduard Bernstein seine "Revisionismustheorie" dem zumindest theoretisch noch mehrheitlich revolutionär gesinnten Lager der SPD unter dem Parteivorsitzenden August Bebel entgegen. Das Ziel der Umwandlung der Gesellschaft durch Reformen nach einer angestrebten demokratischen Regierungsübernahme setzte sich in der SPD sowie in anderen sozialdemokratischen Parteien mittelfristig bis spätestens nach dem 1. Weltkrieg durch. Daraufhin kam es zu kommunistischen, will heißen: im marxistischen Sinne revolutionär gesinnten Abspaltungen von der Sozialdemokratie.
Russland bis zur Oktoberrevolution 1917
In Russland war 1898 die sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) aus dem Zusammenschluss dreier marxistischer Gruppen hervorgegangenen. Die SDAPR wurde jedoch schon kurz nach ihrer Gründung verboten; die meisten ihrer Mitglieder wurden verhaftet oder gingen ins Exil.
SDAPR
Im Exil hatten sich die Bolschewiki (= Mehrheitler) unter der Führung Lenins von den Menschewiki (= Minderheitler) zuerst 1903 getrennt. Nach einer Wiedervereinigung folgte dann 1912 die endgültige Spaltung zwischen Bolschewiki und Menschewiki. Auch hier lag der Grund der Spaltung in der Auseinandersetzung zwischen einem revolutionären oder reformistischen Kurs der Partei.
Obwohl eines der mächtigsten Länder der Welt, war das zaristische Russland bis ins ausgehende 19. Jahrhundert noch überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Vielerorts herrschten noch vorkapitalistische Feudalstrukturen (Feudalismus). Eine verstärkte Industrialisierung setzte vor allem seit der Regierung von Zar Nikolaus II. (ab 1894) ein. Das darauf schnell anwachsende Proletariat litt unter miserablen sozialen Verhältnissen. Eine linke Opposition gegen den Zarismus war im 19. Jahrhundert in Russland stärker als in den meisten anderen europäischen Ländern von sozialrevolutionären und anarchistischen Strömungen geprägt, wohingegen die organisierte marxistische Sozialdemokratie zu Beginn des 20. Jahrhunderts erst noch in ihren Anfängen steckte.
Im Januar 1905 war es im Anschluss an den so genannten "Blutsonntag" von St. Petersburg, wo bei der Niederschlagung einer Massendemonstration von Arbeitern, die dem Zaren eine Bittschrift überreichen wollten, etwa 1000 Demonstranten um´s Leben kamen, landesweit zu revolutionären Aufständen, Streiks und Demonstrationen gekommen. Diese Aufstände standen jedoch noch nicht unter der Führung einer bestimmten Partei. Sie ebbten ab, als der Zar einlenkte und einige liberale Reformen einführte. (siehe auch russische Revolution 1905)
Mit dem opferreichen Verlauf des ersten Weltkriegs verstärkte sich erneut die Unzufriedenheit in der russischen Bevölkerung, vor allem bei den Soldaten und den Arbeitern. Russland stand am Rande des wirtschaftlichen Ruins. Die Februarrevolution 1917 führte schließlich zum Sturz des Zaren, der nach seiner Abdankung nach Jekaterinburg in den Ural verbannt wurde, und zur Regierung der sozialdemokratischen Menschewiki, die sich jedoch noch nicht zur Beendigung des Krieges gegen die Mittelmächte Deutschland und Österreich durchringen konnte. Mit Hilfe des Deutschen Reiches wurde Lenin in einer geheimen Aktion aus seinem Schweizer Exil in einem verplombten Eisenbahnwaggon über Finnland nach St. Petersburg gebracht. Die kaiserliche deutsche Regierung erhoffte sich durch eine Revolution der Bolschewiki, deren zentrale Figur Lenin war, ein siegreiches Ende des Krieges an der Ostfront, damit sie die frei werdenden Verbände für den Krieg im Westen verwenden konnte.
Unter der Führung Lenins und Trotzkis übernahmen die Bolschewiki mit dem "Sturm auf das Winterpalais" in der Oktoberrevolution 1917, nachdem sie die regierenden Menschewiki unter Kerenski gestürzt hatten, die Macht und gründeten die RSFSR (Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik), aus der zusammen mit weiteren Sowjetrepubliken nach dem Bürgerkrieg 1922 die UdSSR hervor ging. Wie von Deutschland erwartet, hatten die Bolschewiki den 1. Weltkrieg Anfang 1918 in Russland beim Friedensschluss von Brest-Litowsk beendet.
Die Oktoberrevolution, von den Mittelmächten zuerst als taktisches Manöver, das eine Wende im 1. Weltkrieg zu ihren Gunsten bringen sollte, mit gefördert, bildete jedoch das entscheidende Fanal für linksrevolutionäre Kräfte der ganzen Welt, und setzte letztendlich den Grundstein für das Ende, mindestens den Machtverlust der meisten europäischen Monarchien. Die Folgen der russischen Oktoberrevolution prägten auch insgesamt die kommende Geschichte des 20. Jahrhunderts entscheidend mit, in der die als "realsozialistisch" bezeichnete UdSSR die weitere Entwicklung von KPs in anderen Ländern über viele Jahrzehnte hinweg dominieren sollte. Auch für viele Historiker gilt diese Revolution mit der Beendigung des so genannten Bürgerlichen Zeitalters als der eigentliche inhaltliche Markierungspunkt der Trennung des 19. vom 20. Jahrhundert.
Aus den Bolschewiki ging schließlich die Kommunistische Partei Russlands (KPR) und nach mehreren Namensänderungen der Kommunistischen Partei seit 1918, 1952 die KPdSU (Kommunistische Partei der Sowjetunion) hervor. Theoretische Grundlage der KPdSU bildeten die Schriften Lenins, der die Theorien von Karl Marx unter Berücksichtigung der Situation Russlands zum Marxismus-Leninismus erweiterte.
Deutsches Reich 1914/15 bis 1933: 1. Weltkrieg; Novemberrevolution; Gründung der KPD; Weimarer Republik
Marxismus-Leninismus
In Deutschland spaltete sich 1916 / 1917 nach der Verweigerung der Zustimmung für die Kriegskredite durch Karl Liebknecht und Otto Rühle im deutschen Reichstag die USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands) von der SPD ab. Die Protagonisten der Kriegsgegner in der SPD, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die mit ihrem Verhalten gegen den Krieg und die Burgfriedenspolitik der SPD den Unmut von Regierung und Parteien auf sich geladen hatten, wurden 1916 zu Zuchthausstrafen verurteilt.
Zuchthaus
Nach dem 1. Weltkrieg kam es in mehreren Staaten, neben Ungarn und Österreich, auch in Deutschland zu revolutionären Umbrüchen mit teilweise bürgerkriegsähnlichen Zuständen, wobei Kommunisten versuchten, nach dem Vorbild der Oktoberrevolution in Russland sozialistische Sowjetrepubliken durchzusetzen, was ihnen kurzfristig in einigen Städten auch gelang. So kam es auch in Bayern ab dem 7. November 1918 für einige Monate zur bayrischen Räterepublik (vergleiche Münchner Räterepublik), in deren Verlauf sich ab April 1919 nach der Ermordung des dortigen USPD-Anführers und Ministerpräsidenten Kurt Eisner durch den rechtsgerichteten Anton Graf von Arco-Valley mehrere Regierungen aus Kommunisten wie beispielsweise Eugen Leviné, linken Intellektuellen wie Ernst Toller und Anarchisten wie Gustav Landauer und dem Dichter Erich Mühsam abwechselten. Die Räterepublik wurde jedoch bis Mitte 1919 von Reichswehr und Freikorpseinheiten, auch so genannten "Weißen Truppen" unter politischer Verantwortung Gustav Noskes von der SPD-Reichsregierung blutig niedergeschlagen.
Gustav NoskeAuch im übrigen Deutschland war die Novemberrevolution von 1918 spätestens nach dem so genannten Spartakusaufstand 1919 und dem darauf folgenden Bürgerkrieg, unter Federführung der SPD-Führung, die sich zuerst aus taktischen Gründen der Revolution angeschlossen hatte, aber im Geheimen mit den konterrevolutionären kaisertreuen Militärs paktierte, gewaltsam zerschlagen worden. Unter Führung der SPD mit dem reformorientierten Friedrich Ebert an der Spitze setzte sich die Weimarer Republik als pluralistische Mehrparteien-Demokratie durch.
Die prominenten Symbolfiguren des linken Flügels der USPD, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, die zum Kriegsende aus der Haft entlassen worden waren, hatten schon vor der Novemberrevolution 1918, die Gründung des Spartakusbundes mit initiiert. Beide waren jedoch bis Oktober / November 1918 inhaftiert und versuchten danach, mit Artikeln in der kommunistischen Zeitung "Die Rote Fahne" agitatorischen und aufklärerischen Einfluss auf den Verlauf der Revolution zu nehmen.
Der Spartakusbund hatte während des 1. Weltkrieges als "Gruppe Internationale" nach dem Parteiausschluss Liebknechts und anderer aus der SPD weiter gegen den Krieg agitiert. Nach der Spaltung der SPD war er als revolutionärer Flügel Teil der USPD und bildete nach dem Krieg eine parteiunabhängige linksrevolutionäre Organisation, aus der schließlich Ende 1918 bis Januar 1919 zusammen mit anderen kommunistisch orientierten Gruppierungen wie zum Beispiel den Bremer Linken mit Paul Frölich und Johann Knief an deren Spitze die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) hervorging.
KPD
Kurz nach deren Gründung wurden Liebknecht und Luxemburg als Symbolfiguren der Revolution durch rechtsnationale Freikorpssoldaten im Dienst der SPD-Regierung unter Friedrich Ebert und Gustav Noske am 15. Januar 1919 gefangen genommen und ermordet.
Dabei waren sowohl Liebknecht als auch Luxemburg an den revolutionären Kämpfen kaum aktiv oder gar führend beteiligt. Für die regierende SPD stellten sie mit ihrer Agitation und ihren aufklärenden Artikeln in der KPD-Parteizeitung "Die Rote Fahne" über die Rolle der SPD als Verräterin der Revolution, dennoch eine Gefahr dar. Die revolutionären Arbeiter und Soldaten sahen in der SPD zumeist noch eine im Grunde revolutionäre Partei, die sie unter der Führung von Ebert, Scheidemann und Noske tatsächlich schon beim Beginn der Novemberrevolution nicht mehr war. Das Verhältnis der SPD-Führung zur Revolution war ein taktisches Verhältnis. Ihr eigentliches Ziel war es, die alten Staatsstrukturen unter einer SPD-Führung zu retten und die Revolution abzufangen, schließlich niederzuschlagen, wofür sie mit den im Krieg herrschenden kaisertreuen und rechtsnationalen Militärs zusammen arbeitete. Diese Zusammenhänge versuchten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht öffentlich zu machen, und dies war der der politische Grund für ihre Verfolgung und Ermordung.
Die USPD wurde zwischen SPD und KPD zusehends zerrieben. Nach 1922 spielte sie als Splitterpartei politisch kaum noch eine nennenswerte Rolle in der Weimarer Republik. Ein Teil ihrer Mitglieder ging zurück in die SPD, der linke Flügel der USPD war zum größten Teil schon bis 1920 der KPD beigetreten.
Die KPD orientierte sich Anfang der 1920er Jahre zunächst noch an den Prinzipien des von Rosa Luxemburg entworfenen Modells einer Rätedemokratie. Nach verschiedenen Flügelkämpfen, bei der die "Parteirechten" um Heinrich Brandler und August Thalheimer eine Einheitsfront mit der SPD anstrebten, setzte sich auf dem Parteitag 1924 die an der UdSSR orientierte "Parteilinke" durch. Sie hatte die revolutionäre Praxis gegen die junge Weimarer Republik auch nach dem Spartakusaufstand fortzusetzen versucht. Nach dem erfolglosen Versuch, im März 1919, den Generalstreik auszurufen, folgten zu Beginn der 1920er Jahre einige erfolglose regionale Aufstände; so beispielsweise 1920 im Ruhrgebiet und 1921 im Vogtland.
Vogtland
Unter dem Vorsitz Ernst Thälmanns ab 1925 bis zu ihrem Verbot 1933 durch die Nazis orientierte sich die KPD im Wesentlichen an den Bolschewiki, der nunmehr kommunistischen Partei in Russland beziehungsweise der UdSSR unter der Vorherrschaft Stalins.
Die von Rosa Luxemburg verfassten rätedemokratischen Prinzipien wurden dabei stillschweigend fallen gelassen.
Stalin
Ende der 1920er Jahre konnte die Partei im Zuge der Weltwirtschaftskrise und den sozialpolitischen Polarisierungen in der deutschen Gesellschaft ihre Mitgliederzahlen und ihr Wählerpotenzial steigern, war jedoch nie an einer Regierung in der Weimarer Republik beteiligt. Mit Clara Zetkin, einer engen Vertrauten und Mitstreiterin Rosa Luxemburgs bis zu deren Tod, stellte die KPD am Ende der Weimarer Republik die Alterspräsidentin des Reichstages. Von 1924 bis 1932 konnte die Partei ihre Anhängerschaft mehr als verdoppeln und hatte kurz vor ihrem Verbot etwa 360.000 Mitglieder. Bei der Reichstagswahl 1932 erreichte sie 16,9 % der Wählerstimmen und 100 Mandate im Reichstag.
Der Kampf gegen den aufkommenden Nationalsozialismus wurde in der KPD nur halbherzig geführt. Als politischer Hauptgegner galt einem großen Teil der KPD die SPD, wohingegen von vielen (nicht nur in der KPD) die Ansicht vertreten wurde, dass sich der Faschismus nach einer möglichen | | |