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Interpretation

Interpretation

Interpretation (lat. interpretatio = Auslegung, Übersetzung, Erklärung) ist der Vorgang, in dem ein literarisches, musikalisches oder bildnerisches Kunstwerk ausgelegt oder gedeutet wird. Das setzt voraus, dass der interpretierte Gegenstand der Auslegung bedarf. Nach anderen Auffassungen ist jedes Verstehen schon Interpretieren. Auch das Ergebnis dieses Vorgangs bezeichnet man als Interpretation. Im Zusammenhang mit der Auslegung und Deutung von theologischen, literarischen und juristischen Texten spricht man auch von Exegese (griech. exégesis = Auslegung, Erläuterung). Weiterführende Artikel sind im Folgenden: Interpretation im allgemeinen oder alltäglichen Sinne: Verstehen | Deutung | Bedeutung Interpretation von Literatur, siehe
- Hermeneutik, die Methodenlehre der Interpretation
- Textinterpretation | Biblische Hermeneutik Interpretation von Bildender Kunst, siehe
- Ikonographie | Ikonologie
- Bildwissenschaft | Kunsttheorie Interpretation von Filmen und anderen Medien, siehe Medienwissenschaft Interpretation von Geodaten, siehe
- Geoinformationssystem | Sekundärdaten
- Bildverarbeitung | Verschneidung Interpretation von Kommandos durch Computer in der Informatik, siehe
- Interpreter | Compiler | Parser Interpretation von Sinneseindrücken, siehe
- optische Täuschung | Raumlage
- Schwindelgefühl | Raumangst Interpretation von Träumen in der Psychoanalyse, siehe Traumdeutung Auslegung religiöser Texte in der Theologie, siehe
- Biblische Exegese | Biblische Hermeneutik Auslegung von Gesetzen in der Rechtswissenschaft, siehe
- Auslegung (Recht) | Gesetzeskommentar Darbietung einer musikalischen Komposition, siehe Interpretation (Musik) Darstellung einer Handlung oder eines Gefühlsausdrucks beim Tanzen, siehe Interpretation (Tanz)

Siehe auch

Interpret, Interpolation, Kommunikation, Semiotik, Deutung

Latein

Als Latein bzw. Lateinisch (lat. lingua Latina: „lateinische Sprache“) bezeichnet man die Sprache, die ursprünglich vom Volksstamm der Latiner gesprochen wurde, der Bewohner von Latium mit Rom als Zentrum. Innerhalb der indogermanischen Sprachen gehört Latein zur Gruppe der italischen Sprachen. Es bildete die Grundlage für alle heutigen romanischen Sprachen.

Entwicklung

romanischen Sprachen Ursprünglich in Rom und dem umliegenden Gebiet (Latium) gesprochen, wurde Latein später an humanistischen Gymnasien unterrichtet. Neben Griechisch war Latein die Amtssprache des römischen Reiches. Wegen der kulturellen Überlegenheit des Ostens verlor es dabei zeitweise in Nordafrika und selbst in Rom seine Vorrangstellung. So war die Liturgiesprache der römischen Christen bis um 300 das Griechische. In dieser Zeit drangen viele griechische Lehnwörter ins Lateinische ein. Während der Spätantike begannen sich verschiedene Volkssprachen, aus denen im Mittelalter die romanischen Sprachen entstehen sollten, phonetisch und grammatikalisch von der lateinischen Hochsprache wegzuentwickeln. Doch noch im 6. Jahrhundert entstanden hochsprachliche lateinische Werke. Im Oströmischen Reich war Latein bis ins frühe 7. Jahrhundert neben Griechisch eine der beiden Amtssprachen. Im Westen übernahmen die Germanen mit den Grundelementen der spätrömischen Verwaltung auch die lateinische Sprache, die in der Administration bis in die frühe Neuzeit vorherrschend blieb. Seit der Völkerwanderung und der Christianisierung der (zunächst zumeist arianischen) Germanenvölker wurde Latein im Westen des früheren Römischen Reiches und in den römisch-katholischen Folgestaaten die Sprache des Klerus (Kirchenlatein), der Rechtswissenschaft (Glossatoren) und der sich bildenden Hochschulen (studia generalia). Es bildete somit die Schriftsprache, vor allem für das kirchliche und weltliche Urkundenwesen (Diplomatik) im frühen Europa. In völkerrechtlichen Verträgen (z. B. im Westfälischen Frieden von 1648) dominierte Latein bis in das 17. Jahrhundert hinein. Es bildet noch bis ins 20. Jahrhundert den Affixvorrat für die Fachterminologie in den Wissenschaften und verliert durch die fortschreitende Absorption in die englische und andere Sprachen lediglich an direkter, nicht jedoch an indirekter Bedeutung. Es wird noch an vielen Schulen unterrichtet.

Antike

Antike Schreibweise

Die lateinische Sprache wurde ursprünglich als scriptio continua, d. h. als zusammenhängender Fluss von Zeichen ohne Zwischenräume geschrieben. Auch Satzzeichen und Kleinbuchstaben wurden in der Antike nicht verwendet. Auf Wachstafeln war nämlich wenig Platz zum Schreiben, und Papyrus war teuer. Die antiken lateinischen Texte sind für uns heute daher schwer zu lesen. Vergleiche folgendes Beispiel: Alte Schreibweise: AVREAPRIMASATAESTAETASQVAEVINDICENVLLO SPONTESVASINELEGEFIDEMRECTVMQVECOLEBAT POENAMETVSQVEABERANTNECVERBAMINANTIAFIXO AERELEGEBANTVRNECSVPPLEXTVRBATIMEBAT IVDICISORASVISEDERANTSINEVINDICETVTI NONDVMCAESASVISPEREGRINVMVTVISERETORBEM MONTIBVSINLIQVIDASPINVSDESCENDERATVNDAS NVLLAQVEMORTALESPRAETERSVALITORANORANT NONDVMPRAECIPITESCINGEBANTOPPIDAFOSSAE NONTVBADIRECTINONAERISCORNVAFLEXI NONGALEAENONENSISERANTSINEMILITISVSV MOLLIASECVRAEPERAGEBANTOTIAGENTES Heutige Schreibweise: Aurea prima sata est aetas, quae vindice nullo, sponte sua, sine lege fidem rectumque colebat. poena metusque aberant nec verba minantia fixo aere legebantur, nec supplex turba timebat iudicis ora sui, sed erant sine vindice tuti. nondum caesa suis, peregrinum ut viseret orbem, montibus in liquidas pinus descenderat undas, nullaque mortales praeter sua litora norant. nondum praecipites cingebant oppida fossae, non tuba directi, non aeris cornua flexi, non galeae, non ensis erant: sine militis usu mollia securae peragebant otia gentes. Auszug aus Ovids Metamorphosen: Die Schöpfung (Das goldene Zeitalter) Details zu den verwendeten Buchstaben finden sich in dem Artikel Lateinisches Alphabet. Siehe zu diesem Thema auch: Paläografie (dort Lateinische Paläografie), Capitalis, Versalschrift und Majuskel.

Antike Aussprache

Auf die antike Aussprache der lateinischen Sprache wird im Artikel Lateinische Aussprache eingegangen.

Literatur

Mit Antiker Literatur des Lateinischen beschäftigt sich u. a. der Artikel Lateinische Literatur.

Gegenwart

Auch heute ist Latein noch an vielen Gymnasien aller Fachrichtungen zu finden. Etwa ein Drittel aller Gymnasiasten im deutschen Sprachraum lernt Latein als erste, zweite oder dritte Fremdsprache. An humanistischen Gymnasien wird dem Lateinischen, neben dem Griechischen, noch eine herausgehobene Bedeutung zugemessen, was früher auf eine aktive Beherrschung des Lateinischen zielte. Tatsächlich werden auch heute noch für zahlreiche Studiengänge das Latinum oder Lateinkenntnisse gefordert, insbesondere in zahlreichen geisteswissenschaftlichen Fächern. Das Latinum ist als Studienvoraussetzung für die Fächer Medizin und Jura weitestgehend abgeschafft, häufig aber nicht in Fächern wie Anglistik, Philosophie oder sogar Musikwissenschaften. Unabhängig von den Studienanforderungen wird von Befürwortern des Lateins betont, dass das Erlernen der lateinischen Sprache weiterhin Basis für die korrekte Verwendung von Fremdwörtern sei, das Erlernen anderer romanischer Sprachen wesentlich erleichtere und erhebliche Transfer-Effekte für die Denkschulung aufträten. Das Übersetzen lateinischer Texte fördere auf Grund der erheblichen Komplexität vieler lateinischer Sätze auch das logische Denken. Von den Gegnern ist hingegen zu hören, dass die Auseinandersetzung mit jeder Art von Grammatik, egal welcher Sprache, das strukturierte Denken fördere, und dass das Erlernen moderner romanischer Sprachen, welche im Gegensatz zu Latein noch gebraucht werden, mindestens ebenso gut dazu geeignet sei, die zahlreichen lateinischen Lehnwörter im Deutschen korrekt zu verwenden und andere romanische Sprachen zu erlernen. In der Tat sind viele gesamtromanische, also in allen romanischen Sprachen auftretende Wörter nicht im klassischen Latein vorhanden und müssen dann neu gelernt werden: guerra „Krieg“, testa „Kopf“, cavallo „Pferd“, mangiare/manger „essen“, andare
-
„gehen“ , boc(c)a/bouche „Mund“, blanco/blanc „weiß“, die Himmelsrichtungen etc. Viele dieser Wörter erklären sich nämlich aus dem umgangssprachlichen oder dem späten Latein oder stammen aus der Soldatensprache, also aus Varietäten, die nicht in der Schule gelehrt werden. Aus deutschen und US-amerikanischen Untersuchungen geht hervor, dass zwischen absolviertem Lateinunterricht und der Beherrschung der englischen Sprache in Schrift und vor allem Wort eine signifikante Korrelation besteht. Ein kausaler Zusammenhang ist allerdings nicht nachgewiesen worden – möglicherweise macht eine hohe sprachliche Begabung eines Kindes die Wahl des als schwierig geltenden Latein wahrscheinlicher. Da auch im modernen Lateinunterricht die Sprachproduktion eindeutig der Rezeption (Leseverstehen) untergeordnet ist, glauben viele, Latein falle Menschen mit ausgeprägter Begabung für Mathematik und formelle Denkvorgänge generell leichter als andere Fremdsprachen, wohingegen Menschen mit ausgeprägter Begabung für intuitives Erlernen von Sprachen andere Fremdsprachen leichter fänden. Dieser Zusammenhang lässt sich allerdings nicht häufig verifizieren: Die Erfahrung zeigt, dass die Schülerleistungen in Latein überwiegend Hand in Hand mit denen in der Muttersprache und anderen Fremdsprachen gehen.

Modernes Latein

Auch heute werden deutsch-lateinische Lexika aufgrund neulateinischen Wortgutes herausgegeben, z. B. das „lexicon auxiliare“ oder das vom Vatikan herausgegebene „lexicon recentis latinitatis“, welches erst im Jahre 2004 eine Neubearbeitung erfuhr. Der finnische Rundfunksender YLE (Yleisradio) verbreitet Wochennachrichten in neulateinischer Sprache. Radio Bremen veröffentlicht regelmäßig die Nuntii Latini in schriftlicher und gesprochener Version. Seit April 2004 veröffentlicht auch die deutschsprachige Redaktion bei Radio Vatikan Nachrichten auf Lateinisch. Dabei handelt es sich um ursprünglich deutsche Meldungen. Gero P. Weishaupt übersetzt sie für die Redaktion ins Lateinische. Sehr beliebt ist auch die lateinische Fassung der Asterix-Comics, die der deutsche Altphilologe Graf v. Rothenburg (Rubricastellanus) verfasst hat. Der Autor Nikolaus Groß, beruflich seit zehn Jahren Deutsch-Lektor in der südkoreanischen Hauptstadt, hat 2004 eine komplett latinisierte Übertragung von Patrick Süskinds Das Parfum im Brüsseler Verlag der Fundatio Melissa, einem überregionalen Verein zur Pflege des gesprochenen Lateins, veröffentlicht. Dem Buch ist mit dem „Glossarium Fragrantiae“ eine größere Liste aktualisierter Neuschöpfungen beigegeben. Vom selben Wortartisten existiert des weiteren ein Buch über den Baron Mynchusanus (Münchhausen). 2003 erschien bereits der erste Teil der Harry Potter-Bücher von J. K. Rowling auf Latein (Harrius Potter et Philosophi Lapis). Daneben gibt es noch viele weitere Übersetzungen „klassischer“ Werke ins Lateinische, so zum Beispiel Karl Mays Winnetou III, oder Der kleine Prinz (Regulus) von St. Exupéry. Durch das Internet ist die Verfügbarkeit alter lateinischer Texte sowie das Entstehen neuer lateinischer Texte erheblich begünstigt worden. Inzwischen gibt es sogar lateinische Fassungen von Popsongs. Daneben entstehen auch neue Popsongs in lateinischer Sprache, etwa Cursum Perficio, gesungen von Enya, Liberatio, eines von vielen lateinischen Musikstücken der Gruppe „Krypteria“, oder bei Gruppen der Dark Wave bzw. Gothic (Jugendkultur). Roma Ryan hat neben Cursum Perficio für Enya noch weitere Songs in lateinischer Sprache verfasst. In Internetforen wie Grex Latine Loquentium kommunizieren Teilnehmer aus vielen Ländern ausschließlich in Latein. In der klassischen beziehungsweise neoklassischen Musik findet Latein ebenfalls Verwendung. So hat etwa der niederländische Komponist Nicholas Lens auf seinem Werk Flamma Flamma ein lateinisches Libretto vertont, für sein Werk Terra Terra hat Lens selbst ein Libretto in lateinischer Sprache verfasst. Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Vertonungen lateinischer Gedichte wie z. B. von Jan Novák. Carl Orff unterlegte mehreren seiner Vokal-Kompositionen Texte in Latein oder Griechisch. Igor Strawinski ließ das nach Sophokles von Jean Cocteau in französischen Versen verfasste Libretto zu Ödipus Rex“ von Jean Daniélou ins Lateinische übersetzen. Das Lehrbuch Lingua Latina per se illustrata des dänischen Autors Hans H. Ørberg hat die bisher hauptsächlich für den Unterricht in modernen Sprachen eingesetzte einsprachige Lehrmethode auf den altsprachlichen Unterricht übertragen. Das Lehrbuch erfreut sich in verschiedenen Ländern einer steigenden Beliebtheit.

Latein in den Wissenschaften

In der Biologie erfolgt die Namensbildung der wissenschaftlichen Namen lateinisch und griechisch, wobei neuere Vorschläge vorsehen, die Regeln nur aus der lateinischen Sprache zu entnehmen. In der Medizin sind die anatomischen Fachbegriffe lateinisch, für die einzelnen Organe wird zusätzlich auch latinisiertes Griechisch verwendet. Die Krankheitsbezeichnungen leiten sich aus dem Griechischen ab. Zahlreiche Sprichwörter haben einen lateinischen Ursprung und sind teilweise auch in der deutschen Übersetzung zu geflügelten Worten geworden. In den Rechtswissenschaften existieren verschiedene lateinische Lehrsätze und Fachbegriffe (Latein im Recht). Auch in der Geschichtswissenschaft spielt vor allem Latein weiterhin eine große Rolle. In der Meteorologie werden lateinische Begriffe in der Wolkenklassifikation eingesetzt.

Latein in der katholischen Kirche

Latein ist neben Italienisch die Amtssprache des Vatikanstaats. Die katholische Kirche veröffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein. Das gilt für die liturgischen Bücher, den Katechismus, den Codex des kanonischen Rechts sowie die päpstlichen Rechtsvorschriften (canones, decretales) und Rundschreiben (Enzykliken). Bis zum zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) war Latein die offizielle Gottesdienstsprache und ist dies (laut Sacrosanctum Concilium) offiziell noch heute, wobei andere Sprachen jedoch gleichfalls erlaubt sind. Tatsächlich werden nur noch sehr wenige Gottesdienste in Latein gehalten. Der gegenwärtig amtierende Papst Benedikt XVI. bevorzugt bei seinen Messen aber das Lateinische vor dem Italienischen. Siehe auch: Lateinische Kirche

Referenzlisten


- Lateinische Präpositionen
- Liste lateinischer Ortsnamen
- Liste lateinischer Präfixe
- Liste lateinischer Redewendungen
- Liste lateinischer Suffixe
- Liste von lateinischen Palindromen
- Lateinische Zahlwörter

Siehe auch


- Grammatik des Lateinischen
- Lateinische Aussprache
- Lateinische Sprichwörter
- Küchenlatein
- Vulgärlatein
- Mittellatein
- Lateinische Literatur
- Sprachen im Römischen Reich
- Jägerlatein
- Panlatinismus

Weblinks


- [http://www.commtec.de/wb/ Wörterbuch Latein-Deutsch-Latein auxilium online (mit Download-Möglichkeit)]
- [http://www.latein-pagina.de/iexplorer/stil.htm Lateinische Stilblüten]
- [http://www.thelatinlibrary.com/ The Latin Library – klassische Texte im Original]
- [http://www.albertmartin.de/latein/ Latein-Deutsch-, Deutsch-Latein-Wörterbuch mit hilfreichen Extras]
- [http://www.radiobremen.de/online/latein/ Nuntii latini bei Radio Bremen]
- [http://www.latein-pagina.de/ Latein-Pagina]
- [http://www.antikeundeuropa.de/Alte_Sprachen_heute/alte_sprachen_heute.html Alte Sprachen heute]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/a_chron.html Sammlung lateinischer Texte/bibliotheca Augustana]
- [http://www.music.indiana.edu/tml/ Lateinische Musiktraktate im Original]
- [http://www.lateinservice.de/index.htm Die deutsche Latein-Seite]
- [http://www.alcuinus.net/GLL/ Grex Latine Loquentium (Internetforum in lateinischer Sprache)]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.latein24.de/ Übersetzungen vieler klassischer lateinischer Texte bei Latein24.de] Kategorie:Einzelsprache
-
als:Latein ja:ラテン語 ko:라틴어 simple:Latin language th:ภาษาละติน zh-min-nan:Latin-gí

Griechische Sprache

Griechisch (griechisch ελληνικά) ist eine indogermanische Sprache, die einen eigenen Zweig dieser Sprachfamilie darstellt. Eine nähere Verwandtschaft scheint nur zur antiken makedonischen Sprache bestanden zu haben. Griechisch wird von ca. 16 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, von denen ca. 10,5 Millionen in Griechenland leben, wo es Amtssprache ist. Die anderen Muttersprachler sind auf 35 andere Staaten verteilt. Auf Zypern ist Griechisch ebenfalls Amtssprache, offiziell neben dem Türkischen. Außerdem ist in einigen südalbanischen und süditalienischen Gemeinden, in denen Angehörige der griechischen Minderheit leben, das Griechische als lokale Amts- und Schulsprache zugelassen. Siehe: Griko in Italien Eine Vielzahl von altgriechischen Wörtern werden darüber hinaus auch in diversen Fachsprachen verwendet und haben Eingang in viele moderne Sprachen gefunden. Die Sprachcodes nach ISO 639 für Neugriechisch (ab 1453) sind el bzw. ell oder gre und für Altgriechisch (bis 1453) grc.

Geschichte

1453 Die ältesten schriftlichen Zeugnisse der Sprache sind in Linearschrift B geschrieben. Sie begegnen ab dem 14. Jahrhundert v. Chr. - also in mykenischer Zeit - als sehr kurze Texte auf Transportamphoren, wo sie den Inhalt bezeichnen. Längere Texte auf zahlreichen Tontäfelchen, ebenfalls rein praktischer Natur, wurden in den Archiven einiger mykenischer Paläste gefunden. Sie stammen aus dem Beginn des 12. Jahrhundert v. Chr.. Nach Zerstörung der meisten bisher bekannten mykenischen Paläste im 12. Jh. ging die Linearschrift B und damit die Schriftlichkeit der ägäischen Welt nach herrschender Meinung verloren. Zumindest gibt es bisher keine Schriftfunde aus der Zeit der dunklen Jahrhunderte. Gegen Ende der dunklen Jahrhunderte, vermutlich um 800 v.Chr., übernehmen die Griechen das phönizische Schriftsystem, das sie im Grunde auch heute noch benutzen. Eines der bekanntesten frühen Beispiele der neuen alphabetischen Schrift zeigt der sog. Nestor-Becher. In klassischer Zeit ist eine Vielzahl von Dialekten feststellbar, zu den wichtigsten zählen das (noch heute in den Schulen als Altgriechisch gelehrte) Attische, das Ionische, das Dorisch-Nordwestgriechische, das Aeolische und das Arkadisch-Kyprische. Die am Anfang der schriftlichen Überlieferung stehenden homerischen Epen, die Ilias und die Odyssee, sind zum Beispiel in einer künstlerischen Sprachform verfasst, die Worte aus verschiedenen Dialekten benutzte, oft nach den Anforderungen des Metrums, im ganzen jedoch Ionisch mit äolischer Prägung ist. Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Vormachtstellung Athens im 5. Jahrhundert v. Chr. machte den dort gesprochenen attischen Dialekt zur Grundlage einer überregionalen Gemeinsprache (Koiné, griechisch κοινή, die Gemeinsame oder Allgemeine), die durch die Eroberungen Alexanders des Großen im 4. Jahrhundert v. Chr. zur Weltsprache und lingua franca aufstieg. Auch im Römischen Reich blieb Griechisch neben Latein Amtssprache, dies auch aufgrund der kulturellen Abhängigkeit der Römer von den Griechen. In der Osthälfte des Reiches war Griechisch bereits seit dem Hellenismus die dominierende Sprache. Der Einfluss fremder Sprachen und der fortbestehenden Dialekte führte immer wieder, insbesondere im 2. Jahrhundert, zu Bemühungen um eine Reinigung der griechischen Sprache unter Rückgriff auf das klassische Attisch. Eine solche bereinigte Form des Altgriechischen wurde nach der Teilung des Römischen Reiches (395) zur Amts- und Literatursprache des oströmischen Reiches, das nach der Abschaffung der lateinischen Amtssprache um 630 endgültig vom römischen zum byzantinischen Reich wurde. Spätestens zu diesem Zeitpunkt versiegt die Produktion literarischer Werke auf Altgriechisch; die Sprache des byzantinischen Reiches weist da schon deutliche Unterschiede in Grammatik und Aussprache auf. Nach der arabischen Eroberung Syriens und Ägyptens blieb Griechisch dort zunächst noch für einige Jahrzehnte Amtssprache, bevor es diese Funktion ab etwa 700 an das Arabische verliert. Während der Besetzung Griechenlands durch das osmanische Reich war der Unterricht in griechischer Sprache offiziell verboten. Jedoch lebte sie im Alltag der Griechen (und vielfach von Priestern heimlich gelehrt) fort, veränderte sich aber aufgrund geringer Schriftkenntnis und mangelnder Gelehrsamkeit relativ stark. Nach der modernen Staatsgründung wurde die so genannte Katharévousa (griechisch καθαρεύουσα, Reinsprache; die Grundlagen wurden von Korais geschaffen) offizielle Unterrichts- und Amtssprache, eine „künstlich“ geschaffene Standardsprache, die den Wortschatz der am klassischen Attisch orientierten Koiné abermals künstlich konservierte, jedoch innerhalb weitgehend neugriechisch geprägter Aussprache- und Grammatikstrukturen. Erst 1976 wurde die Volkssprache (Dimotikí, griechisch δημοτική) endgültig zur Sprache der staatlichen Verwaltung und der Wissenschaft; allerdings sind viele Katharévousa-Worte im Laufe der Zeit wieder in die Dimotikí zurück übernommen worden. Im Verlauf der Jahrtausende hat sich die griechische Sprache vielfach in der Aussprache geändert, die Orthographie blieb jedoch dank vielerlei Bemühungen um eine Reinhaltung der Sprache weitgehend konstant. Die in hellenistischer Zeit in die griechische Schriftsprache eingeführten Akzente und Symbole für Hauchlaute wurden noch bis vor kurzem verwendet. Durch Erlass Nr. 297 des griechischen Präsidenten vom 29. April 1982 wurden der Akzent Gravis, der Akzent Zirkumflex sowie die Hauchzeichen Spiritus asper und Spiritus lenis abgeschafft. Es gibt seitdem in der griechischen Schriftsprache nur noch den Akzent Akut, der die betonte Silbe anzeigt. Die griechische Sprache und Schrift hatte auf die Entwicklung Europas immensen Einfluss: Sowohl das lateinische als auch das kyrillische Alphabet wurde auf der Basis des griechischen Alphabets entwickelt. Die Rückbesinnung auf das im Westen fast vergessene Griechisch, ausgelöst unter anderem durch die Flucht vieler Byzantiner in den Westen nach dem Fall Konstantinopels 1453, war eine der Hauptquellen der Renaissance und des Humanismus (siehe hierzu auch: Philhellenismus). Noch heute werden wissenschaftliche Fachbegriffe gerne unter Rückgriff auf griechische (und lateinische) Wörter geprägt. Das Neue Testament wurde ursprünglich in hellenistischem Griechisch geschrieben und das erste Mal von Erasmus von Rotterdam gedruckt.

Grammatik

Altgriechisch

Die ersten Grammatiken des Abendlandes wurden zu hellenistischer Zeit in der philologischen Schule von Alexandria abgefasst. Aristarch von Samotrake schrieb eine tékhne grammatiké des Griechischen. Die vermutlich erste autonome grammatische Schrift ist die tékhne grammatiké des Dionysios Thrax (2. Jh. v.Ch.), welche die Phonologie und Morphologie einschließlich der Wortarten umfasst. Die Syntax ist Gegenstand eines sehr systematischen Werks des zweiten bedeutenden griechischen Grammatikers, des Apollonios Dyskolos (2. Jh. n.Ch.). Angeblich im Jahre 169/8 "importierten" die Römer die griechische Grammatik und adaptierten sie. Die Grammatik des Altgriechischen ist auf den ersten Blick recht ähnlich zum Lateinischen, was Partizipialkonstruktionen und sonstige grammatische Phänomene (AcI etc.) anbelangt, so dass Lateinkenntnisse beim Erlernen des Altgriechischen sehr hilfreich sind – und umgekehrt. Gutes Verständnis der deutschen Grammatik hilft allerdings auch; in vielen Fällen ist das Altgriechische dem Deutschen strukturell ähnlicher als dem Lateinischen, beispielsweise sind die bestimmten Artikel im Griechischen vorhanden, während sie im Lateinischen fehlen. Es gibt auch Fälle, in denen die Ähnlichkeit mit dem Lateinischen eher oberflächlicher Art ist und mehr Verwirrung stiftet als hilft – beispielsweise werden die Zeitformen der Verben im Griechischen oft anders verwendet als im Lateinischen. Im Westen und auch in diesem Artikel werden gewöhnlich lateinische Begriffe (wie Substantiv, Dativ, Aktiv, Person … ) zur Bezeichnung von altgriechischen grammatischen und semantischen Kategorien verwendet, die direkte Übersetzungen der griechischen Definitionen darstellen. In Griechenland werden dagegen bis heute die griechischen Originalbegriffe aus der tékhne grammatiké des Dionysios Thrax verwendet.

Nominale Wörter

Hierzu zählen die Wortarten Substantiv, Adjektiv und Pronomen, die alle dekliniert werden. Auch Partizipien, Verbaladjektive und Infinitive werden dekliniert, sie gelten aber als Zwischenformen (sogenannte Nominalformen des Verbs). Hinsichtlich der Deklination ist folgendes zu benennen:
Numeri

- Singular
- Plural
- Dual (als Schwundform)
Genera

- (allgemeine) Regeln:
  - Maskulinum: bei Bezeichnungen für männliche Wesen, Winde, Flüsse und Monate
  - Femininum: bei Bezeichnungen für weibliche Wesen, Länder, Inseln und Städte
  - Neutrum: dient unter anderem zur Verkleinerung oder Verächtlichmachung von Wörtern männlichen und weiblichen Geschlechts.
- Für den sonstigen Gebrauch lassen sich keine eindeutigen Regeln aufstellen.
- Besonderheit des Neutrums: Bei Neutrum-Subjekten steht das Verb, auch wenn das Subjekt im Plural steht, in der 3. Person Singular. Diese Besonderheit besteht deswegen, weil das Griechische im Fall des Neutrums einen echten Plural nicht gebildet hat. Der Plural des Neutrums ist eigentlich ein aus dem Indogermanischen ererbter "kollektiver Singular", d.h. ein Sammelbegriff, der formal ein Singular ist, von der Funktion her aber einem Plural entspricht (wie im Deutschen: der Busch, das Gebüsch). Ferner haben im Neutrum – wie in allen indogermanischen Sprachen – Akkusativ und Nominativ identische Formen. Im Griechischen tritt noch die Form des Vokativs den beiden anderen Kasus als identisch hinzu.
Kasussystem
Von den acht Kasus des Indogermanischen haben sich im Griechischen fünf erhalten: Nominativ, Akkusativ, Genitiv, Dativ und Vokativ. Die Funktionen der nicht erhaltenen Kasus des Indogermanischen haben sich im Griechischen auf den Dativ und den Genitiv verteilt. Die Aufteilung ähnelt der der deutschen Sprache. Grundfunktionen der Kasus:
- Akkusativ
  - echter Akkusativ (direktes Objekt)
  - adverbial: Lativ (Richtung, Ausdehnung, Dauer)
- Genitiv
  - echter Genitiv (Bereich)
  - Separativ (Herkunft)
- Dativ
  - echter Dativ (indirektes Objekt)
  - Soziativ (Gemeinschaft)
  - Instrumental (Mittel)
  - Lokativ (Ort, Zeit)

Verben

Tempussystem
Es gibt im Altgriechischen vier Tempusstämme: Präsensstamm, Aoriststamm, Perfektstamm, Futurstamm; wovon die ersten drei ein System bilden. Das Altgriechische besitzt aber kein ausgebildetes Tempussystem. Die Tempusstämme drücken Aspekte aus; – die subjektive Betrachtungsweise, das heißt die Art, wie der Sprechende den Verbalinhalt auffasst. Deswegen ist der Begriff Tempusstamm genaugenommen nicht richtig; besser zu sagen wäre Aspektstamm. Der Aspekt des Präsensstamms ist durativ (linear, iterativ oder konativ). Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt der Verlauf oder das Andauern einer Handlung ausgedrückt. Beispiele:
- νοσειν = (krank sein = ) krank darniederliegen
- (απο)θνησκειν = sterben ( = im Sterben liegen) Der Aspekt des Aoriststamms ist punktuell. Das bedeutet, es wird der bloße Vollzug einer Handlung vermeldet. (Die Bezeichnung punktuell wird benutzt, um den Gegensatz zum linearen Präsensstamm auszudrücken. Der Aoriststamm ist die Normalform und benennt eine Handlung oder ein Ereignis, ohne ausdrücken zu wollen, ob diese Handlung in Wirklichkeit punktuell oder linear war/ist.) Bei diesem Aspekt wird in der Sprachpraxis gern ein bestimmter Punkt des Verbalbegriffs ins Auge gefasst, nämlich der Abschluss (effektiv) oder der Beginn (ingressiv) einer Handlung. Beispiele:
- ingressiv: νοσησαι = krank werden oder erkranken
- effektiv: (απο)θανειν = sterben (als Moment des Dahinscheidens) Der Aspekt des Perfektstamms ist resultativ. Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt ein (erreichter) Zustand oder einfach ohne jede nähere Bestimmung die Qualität einer Sache ausgedrückt. Beispiele:
- τεθνηκεναι (τεθναναι) = (gestorben und nun) tot sein
- πεποιθεναι = vertrauen Mit der Handhabung dieser drei Aspekte stellt der Griechischsprechende aber die zeitlichen Bezüge her, die von den Aspekten selbst nicht ausgedrückt werden. Die Aspekte gelten nun generell, während es eine direkt zeitliche Bedeutung nur im Indikativ gibt (bis auf das Futur. siehe unten). Die Vergangenheit wird mit Hilfe der Nebentempora, die nur im Indikativ auftauchen, gebildet. Das sind im Präsensstamm das Imperfekt, im Perfektstamm das Plusquamperfekt und im Aoriststamm der Aorist. (Der Aoriststamm ist der älteste Tempusstamm und hat ein Haupttempus im Indikativ nie ausgebildet.) Der vierte Tempusstamm des Altgriechischen, der Futurstamm, ist eine jüngere Entwicklung und hat in der Tat in allen Modi zeitliche Bedeutung. Übersicht über die Tempusformen im Indikativ:
Modussystem
Es gibt im Altgriechischen vier Modi: Indikativ, Optativ, Konjunktiv, Imperativ. Die Funktionen, die diese Formen syntaktisch erfüllen, sind sehr vielfältig. Hier kann nur eine grundsätzliche Bestimmung ihrer Bedeutung vorgenommen werden. Der Modus bringt die geistige Einstellung des Sprechenden gegenüber dem Verbalinhalt zu Ausdruck. Mit dem Indikativ drückt der Sprecher aus, dass ihm ein Vorgang oder Zustand als wirklich (real) erscheint. In den anderen Modi drückt der Sprecher aus, dass ihm der Vorgang oder Zustand nur als vorgestellt gilt. Der Imperativ drückt einen Befehl aus. Der Konjunktiv drückt einen Willen (Voluntativ) oder eine Erwartung (Prospektiv) aus. (Er hat also leicht futurische Bedeutung, was umgekehrt für das Futur in Bezug auf den Konjunktiv auch gilt). Der Optativ drückt einen Wunsch (Kupitiv) oder eine Möglichkeit (Potentialis) aus.
Genera Verbi (eigentlich und für das Griechische besser: Diathese)
Von den drei Genera Verbi sind zwei (Aktiv und Medium) aus dem Indogermanischen geerbt. Das Passiv ist eine jüngere Entwicklung. Das Aktiv drückt einfach eine Tätigkeit aus. Das Medium drückt aus, dass das Subjekt an der Handlung beteiligt ist, oder an ihr interessiert ist, dass also eine nähere Beziehung zwischen Subjekt und Handlung besteht (transitives Medium). Ferner kann es ausdrücken, dass das Subjekt von seiner eigenen Handlung betroffen ist (intransitives Medium). Der Begriff Medium soll in etwa ausdrücken, dass diese Form zwischen Aktiv und Passiv stehe. Das ist jedoch weder sprachgeschichtlich, noch morphologisch richtig. Das Passiv ist im Griechischen der Grenzfall des Mediums, denn: Das Passiv drückt die Wirkung einer Handlung auf das Subjekt aus, die nicht von ihm ausgeht. Insofern die Handlung nur noch auf das Subjekt wirkt, ohne von ihm auszugehen, bildet es den Grenzfall des Mediums. (Außerhalb des Futur- und Aoriststamms hat das Passiv keine eigenständige Form. Formal übernimmt dort das Medium neben der eigenen Funktion auch die des Passivs, was nur aus dem syntaktischen Zusammenhang, oder bei genauer Kenntnis der Beschaffenheit des entsprechenden Verbums zu unterscheiden ist.) Beispiele: Aktiv: er löst (etwas) transitives Medium: er löst (etwas) für sich intransitives Medium: er löst sich, er lässt sich lösen Passiv: er wird gelöst (von jdm.)
Numeri

- Singular
- Plural
- Dual (als Schwundform)
Personen
Erste Person (ich / wir), zweite Person (du / ihr), dritte Person (er, sie, es, Substantiv im Singular / sie, Substantiv im Plural). Die Personalpronomen des Nominativ werden wie in vielen anderen indogermanischen Sprachen meist ausgelassen, wenn sie nicht besonders betont werden sollen. Es muss also nicht zwangsläufig ein das Subjekt ausdrücklich nennendes Bezugswort (Pronomen oder Substantiv) beim Verb stehen – die Endung reicht aus, um die Person und damit das Subjekt zu identifizieren.

Neugriechisch (Dimotiki)

Die neugriechische Sprache hat einen Großteil der altgriechischen Grammatik vereinfacht, ist aber immer noch eine stark flektierende Sprache. Sie ist eine der wenigen indogermanischen Sprachen, die eine synthetische (also nicht mit Hilfsverben konstruierte) Diathese behalten hat. Der Dativ ist bis auf wenige Formen wie εν τάξει (en táxei //) ("in Ordnung") verloren gegangen und wird meist durch die Konstruktion eis (eigentl. in... hinein) + Akkusativ ersetzt. Andere wichtige Änderungen der Grammatik sind der Verlust des Optativs (wird durch den Konjunktiv ersetzt), des Infinitivs (wird durch Nebensätze ersetzt "Ich will kaufen" -> "Ich will, dass ich kaufe") und des Duals (wird durch den Plural ersetzt), die Verkleinerung der Anzahl von Deklinationen und der verschiedenen Formen in jeder Deklinaton, der neue Modalpartikel θα (aus θέλω να ("ich will, dass...") > θε' να > θα) für das Futur und Konditional, die Einführung von Hilfsverben, die Reduzierung der Partizipien auf zwei, ein aktives und ein passives, die Erweiterung des Futurs auf die Aspektunterscheidung zwischen Präsens/Imperfekt und Aorist, der Verlust der dritten Person Imperativ, außer in Archaismen wie ζήτω! ('Lang lebe!'); neue Pronomen für die 2. Person Plural, da die alten wegen der Lautveränderung akustisch nicht mehr von denen der 1. Person Plural zu unterscheiden waren; und der Vereinfachung des Systems der Präfixe, wie bei der Augmentation und Reduplikation. Das Phonemsystem der neugriechischen Sprache: Vokale geschlossen halbgeschlossen offen Alle Vokale werden kurz ausgesprochen. laut IPA Konsonanten p t k b d g v δ z γ f θ s χ m n l r

Siehe auch


- Griechisches Alphabet
- Liste griechischer Präfixe
- Liste griechischer Suffixe
- griechische Präpositionen
- Liste griechischer Magischer Quadrate
- Namenforschung
- Griechische Zahlen
- griechische Zahlwörter
- Griechische Phrasen und Redewendungen

Literatur


- Geschichte:
  - Francisco R. Adrados: Geschichte der griechischen Sprache von den Anfängen bis heute. Tübingen/Basel 2002
  - Hans Eideneier: Von Rhapsodie zu Rap. Aspekte der griechischen Sprachgeschichte von Homer bis heute. Tübingen 1999
- etymologische Wörterbücher (altgriechisch):
  - Pierre Chantraine: Dictionnaire étymologique de la langue grecque : histoire des mots. 4 Bände. Paris 1968-80 (Neuauflage 1999)
  - Hjalmar Frisk: Griechisches etymologisches Wörterbuch. 3 Bände. Heidelberg 1973
  - Alois Vanicek: Griechisch-lateinisches etymologisches Wörterbuch. Leipzig 1877 (Nachdruck 1972)
- Wörterbücher (altgriechisch):
  - Wilhelm Gemoll: Griechisch–Deutsches Schul- und Handwörterbuch bei Oldenburg Schulbuchverlag. ISBN 3-486-13401-9
  - Wilhelm Pape: Handwörterbuch der griechischen Sprache in 4 Bänden. Braunschweig 1842 ff. (3. Aufl. 1880; Nachdruck 1954)
- Grammatiken (altgriechisch):
  - Eduard Bornemann (u. Mitw. v. Ernst Risch): Griechische Grammatik. Frankfurt a.M. 1978
  - Adolf Kaegi: Kurzgefasste griechische Schulgrammatik. Berlin 1884 (seither ständig nachgedruckt), ISBN 3-615-70100-3
- Historische Grammatik:
  - Helmut Rix: Historische Grammatik des Griechischen. Laut- und Formlehre. Darmstadt 1992

Weblinks


- [http://www.geocities.com/kurogr/ Wörterbuch Mykenisches Griechisch - klassisches Altgriechisch - Englisch (PDF)]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/graeca/Auctores/g_alpha.html griechische Texte in der Bibliotheca Augustana]
- [http://info.uibk.ac.at/c/c6/c604/pdf/Hajnal/Griech.Dial.pdf Die Vorgeschichte der griechischen Dialekte] - Ein Aufsatz über Entstehen und Geschichte der altgriechischen Dialekte.
- [http://kypros.org/LearnGreek/ Online-Kurs vom zypriotischen Rundfunk CyBC, 105 Lektionen à 30 Min., engl., Real Audio]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.chairete.de/ Materialen zum Altgriechischen, Autoren]
- [http://www.altesprachen.de/heureka/heureka.htm Altesprachen.de]
- [http://www.geocities.com/Athens/Agora/6594/inhalt.html Altgriechisch] (Ziemlich umfangreicher Einstiegskurs)
- [http://www.combib.de/infoseiten/griechisch/griechisch.html Aussprachehilfe zum neutestamentlichen Griechisch] (Deutsche Schulaussprache, nicht Originalaussprache!)
- [http://www.gottwein.de/grueb/gr000.htm Altgriechischer Online-Sprachkurs]
- [http://www.gottwein.de/ Navicula Bacchi] (exzellente Seite rund um die Klassische Philologie mit sehr vielen Unterrichtsmaterialien)
- [http://www.archiv-vegelahn.de/nachschlagwerke_griechisch.html Bibliographie - Griechisch]
-
Kategorie:Indogermanisch Kategorie:Einzelsprache als:Griechische Sprache ja:ギリシア語 ko:그리스어 ms:Bahasa Greek simple:Greek language th:ภาษากรีก

Verstehen

Verstehen (engl. meist "understand") ist das inhaltliche Begreifen eines Sachverhalts, das nicht in der bloßen Kenntnisnahme besteht, sondern in der intellektuellen Erfassung des Zusammenhangs. Verstehen bedeutet nach Wilhelm Dilthey, aus äußerlich gegebenen, sinnlich wahrnehmbaren Zeichen ein “Inneres”, Psychisches zu erkennen. Der Fachterminus ist der Gegensatz zum Fachterminus Erklärung. Verstehen im obigen Sinn und als Interpretation setzt Intelligenz bzw. Geist voraus. Nach Werner Sombart beruht das Verstehen "auf der Identität des Menschengeistes". Es ist also nur möglich aufgrund der prinzipiellen Identität von Erkenntnissubjekt und Erkenntnisobjekt. Nur Menschen können daher im eigentlichen Sinne verstanden werden. Der Begriff des Verstehens im geistigen bzw. interpretativen Sinn spielt in der Philosophie und der Hermeneutik eine große Rolle. Ein Beispiel dafür ist die Frage des Philippus (Apostelgeschichte): "Verstehst du auch, was du da liest?" Der Begriff Verstehen meint darüber hinaus auch
- akustisches richtiges Aufnehmen von Gesprochenem
- Verstehen der Sprache, insbesondere einer fremden
- Auslegung bzw. Interpretation
- Expertentum (sich "auf etwas Verstehen" etc.)
- Sich verstehen (z.B. von Preisen, zwischen Personen usw.) Demgegenüber beinhaltet das Wort Verständnis meist auch emotionale bzw. zwischenmenschliche Aspekte. Wenn Menschen sich verstehen, kann dies mehrfaches bedeuten:
- ein Erfassen der sprachlichen Mitteilung des Anderen (→ Fremdsprache)
- eine Sympathie oder Intuition zwischen Menschen, die oft durch Blick und Körpersprache ausgelöst oder verstärkt wird
- das Einfühlen (Verständnis), das intensive zwischenmenschliche Kommunikation voraussetzt, und
- die Selbsterkenntnis, das Verstehen des Ich und möglichst auch seine Akzeptanz. Die letzten zwei Aspekte erfordern neben willens- und geistigen Prozessen auch emotionale Intelligenz (EQ). Beim Verstehen einer Sprache geht es einerseits um einen Lern- und Erfahrungsprozess, andererseits um die erschwerte Interpretation des aufgenommenen Sachverhalts. Verstehen einer sprachlichen Mitteilung kann durch verschiedenartige Störungen erschwert werden, beispielsweise durch Rauschen oder durch Schwerhörigkeit. Verstehen kann durch Redundanz erleichtert werden. Bei sprachlichen Mehrdeutigkeiten und unterschiedliches Weltwissen kann es zu Missverständnissen führen. Bei genügend Redundanz ist auch bei starker Fehlerhaftigkeit der Information noch Verstehen möglich. Ob Tiere etwas verstehen können, ist umstritten. Versuche bei Affen zeigten aber, dass sie eine dreistellige Anzahl von Wörtern lernen und richtig anwenden können.

Zitat


- Welche Wortspiele und Verrenkungen die Logik auch anstellen mag – verstehen heißt vor allem vereinen. Das tiefe Verlangen des Geistes trifft sich selbst bei seinen verwegensten Schritten mit dem unbewussten Gefühl des vor seine Welt gestellten Menschen: das Bedürfnis nach Vertrautheit, das Verlangen nach Klarheit. Die Welt verstehen heißt für einen Menschen, sie auf das Menschliche zurückführen, ihr seinen Siegel aufdrücken.Albert Camus (Der Mythos des Sisyphos, ISBN 3499227657, S. 27f)
- "Ich höre und vergesse. Ich sehe und behalte. Ich handle und verstehe... - (Konfuzius)

Siehe auch


- Soziologie als verstehende Wissenschaft bei Max Weber
- Schleiermacher
- Hans-Georg Gadamer Kategorie:Erkenntnisprozess simple:Understanding

Deutung

Deutung bezeichnet den Prozess des Erkennens einer Bedeutung. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um einen tatsächlichen oder vermeintlichen Erkenntnisprozess handelt. Beispiele: Deutung einer sprachlichen, lautativen, mimischen oder gestischen Botschaft (vergl. Kommunikation), von Schrift oder anderen Symbolen und Faktoren (z.B. bei der Wettervorhersage). Der Begriff Deutung wird auch in folgenden Zusammenhängen benutzt: # Deutung eines Gegenstandes, um die Zukunft oder den Charakter einer Person vorherzusagen: Wahrsagerei, Orakel, Tarot, Physiognomik (Deutung des Gesicht), Chiromantie (Deutung der Hand), Metoposkopie (Deutung der Stirn), Hieroskopie # Erklärung des Sinnzusammenhangs eines Ereignisses im religiösen oder philosophischen Sinne - siehe Sinn (Metaphysik) # In der Psychotherapie und hier v.a. in der Psychoanalyse die Bewusstmachung von Widerstand, Übertragung und unbewusster Phantasien zum richtigen Zeitpunkt. # Verstehende Erläuterung eines Kunstwerkes oder Textes - siehe Interpretation # Wahrnehmungsmuster in der Wissenssoziologie - siehe Deutungsmuster

Siehe auch

Bedeutung, Meinung, Symbolik, Prognose

Bedeutung

Unter der Bedeutung einer Information, einer Sache, einer Bewegung, einer Handlung versteht man allgemein ihren Sinn oder ihre Bedeutsamkeit (Relevanz, Wichtigkeit, Wert). Der Begriff der Bedeutung ist insbesondere im Hinblick auf den Begriff der Kommunikation wichtig. Mit der Entstehung von Bedeutung aus Informationen bzw. Daten befassen sich die Disziplinen der Semantik und der Semiotik sowie die Kommunikationswissenschaften und die Kognitionswissenschaft.

Logik

Bedeutung bezeichnet in der mathematischen Logik ein Symbol, das entweder eine konkrete Größe oder auch eine bestimmte Operation mit Größen anzeigt. Die Bedeutung eines Symbols kann z.B. eine Funktion sein, die mit diesem Symbol bezeichnet wird. Die Bedeutung des Symbols \wedge ist z.B. die logische Operation, die zwei oder mehr Aussagen durch das Wort (Kopula) "und" verbindet und damit eine neue Aussage ergibt.

Linguistik

Die Untersuchung von Sprache auf ihre Bedeutung hin, ist Aufgabe der Semantik, einem Teilgebiet der Linguistik. Bedeutung ist demnach
- bei einem Wort den Begriff, der durch dieses Wort ausgedrückt wird.
- bei einem Aussagesatz die Proposition, deren sprachlicher Ausdruck dieser Aussagesatz ist.
- bei Igor Narski der sprachliche Ausdruck als Information über Dinge sowie ihre Eigenschaften und Beziehungen, über Erscheinungen und Prozesse der Außenwelt, wobei als Kriterium der Überprüfbarkeit die Praxis gelten soll.
- bei Paul Grice das, was der Sprecher mit einer Äußerung meint. Diese Sprecherbedeutung analysiert Grice mit einer Reihe von Sprecherabsichten.

Philosophie

In der Analytischen Philosophie wird unter Bedeutung ein Objekt verstanden, das bei der Interpretation einer natürlichen oder künstlichen Sprache einem Ausdruck zugeordnet wird, der als dessen Name auftritt. Solch ein Objekt kann ein Ding sein oder auch ein Gedanke über ein Ding. Deshalb spricht man in der logischen Semantik von zwei grundlegenden Arten der Bedeutung: einerseits von der extensionalen Bedeutung in Form eines Gegenstandes oder einer Klasse von Gegenständen, die mit dem Ausdruck bezeichnet werden; andererseits von der intensionalen Bedeutung, die den Sinn eines Ausdrucks wiedergibt. Indem die Bedeutung eines sprachlichen Ausdrucks mit der Bedeutung anderer sprachlicher Ausdrücke oder einem Gegenstandsbereich korreliert, wird der Sinn eines sprachlichen Ausdrucks erklärt, d.h. das, wodurch dieser Ausdruck mi eben diesem Objekt korreliert und nicht mit irgendeinem anderen Objekt. Die Problemstellung von Bedeutung und Sinn haben in ihren Arbeiten Gottlob Frege, Charles Sanders Peirce, Bertrand Russell, Rudolf Carnap u.a. behandelt. Bedeutung hat bei Gottlob Frege noch einen anderen Sinn. Die Bedeutung einer Aussage bzw. eines Prädikats ist nach Frege die Extension dieser Aussage bzw. dieses Prädikats, im Gegensatz zum Sinn der Aussage bzw. des Prädikats, der in deren Intension liegt. Die Bedeutung eines Wortes ist für ihn dasjenige, was durch dieses Wort bezeichnet wird, also - in anderer Terminologie - das Designat des Wortes. Diese Auffassung der Terminus "Bedeutung" hat sich außerhalb der Logik nicht durchgesetzt. Es gibt mehr als 20 verschiedene Interpretationen diese Terminus und die Ansichten der Vertreter der hier einschlägigen Disziplinen (Logik, allgemeine Sprachwissenschaft u.a.) gehen hier weit auseinander.

Entstehung von Bedeutung

Der Begriff der Bedeutung kann sehr unterschiedlich interpretiert werden: #Relativistisch gesehen, ist die Bedeutung etwas Subjektives, das vom jeweiligen Betrachter abhängig ist. #Dem gegenüber postulieren metaphyisch -idealistische Strömungen der Philosophie sowie viele Religionen absolute Bedeutungen hinter einigen oder allen Dingen. #Für bestimmte Dinge kann, innerhalb einer bestimmten sozialen Gruppe, eine gemeinsame Bedeutung definiert werden (z.B. Verkehrsschilder) - die Bedeutung ist also das Resultat einer Konvention. Bedeutung existiert nicht a priori, sondern wird bestimmten natürlichen Phänomenen oder auch Artefakten vom Menschen beigemessen. Diese Eigenschaft teilt sie mit der pragmatischen Information, mit der sie weitgehend deckungsgleich ist. Bedeutungserzeugende Prozesse können z.B. Selbstorganisationsprozesse sein. Bedeutung wird von manchen Menschen, je nach ihrer subjektiven Sicht, Religion oder Weltanschauung, nur Menschenwerk oder Kreationen angenommener höherer Wesen (Göttern) zugesprochen, während die Resultate "unbewusst" ablaufender Vorgänge als bedeutungslos angesehen werden. Diese Unterscheidung ist willkürlich, da auch die Ergebnisse z.B. des Evolutionsprozesses grundlegende Bedeutung für uns haben.

Persistenz von Bedeutung

Es gibt zwar keinen Erhaltungssatz für Information, bedeutsame Informationen werden allerdings in der Regel gespeichert, man versucht sie nach Möglichkeit zu erhalten. Dafür wird ein erheblicher Aufwand getrieben. Geht bedeutsame Information verloren, hat dies oft beträchtliche Folgen. Ein entscheidendes Prinzip der Erhaltung von bedeutsamer Information ist das Prinzip der Datensicherung durch Erstellung von identischen Kopien. "Meme" scheinen, von Außen betrachtet, danach zu streben, sich selbst zu erhalten, zu vermehren und zu verbreiten, wobei sie einer Art Mutation unterliegen, wie die Gene in der Biologie. Diese Auffassung besagt, dass Informationen nur lange erhalten bleiben können, wenn sie weitergegeben werden. Bei der Weitergabe ändert sie sich. Selbst wenn die Wörter gespeichert würden, und damit fest erschienen, änderten sie doch ihre Bedeutung. Im Wesentlichen werden mit den Memen nicht Wörter oder Formulierungen weitergegeben, sondern Bedeutungen oder deren Kerne.

Wörtliche und übertragene Bedeutung

Die wörtliche Bedeutung betrachtet jedes Wort bzw. eine Aussage mit seiner eigenen bzw. ursprünglichen Bedeutung. Die übertragene Bedeutung betrachtet den Sinn, der hinter einer Aussage steht, zum Beispiel als poetisches Bild (Metapher) oder durch Bedeutungsübertragung. Die beiden Formen wurden in der deutschen Sprache teilweise in der Rechtschreibung durch Getrennt- und Zusammenschreibung unterschieden, die Unterscheidung wurde aber durch die Rechtschreibreform von 1996 aufgehoben. Da hierdurch Information verloren geht, ist das umstritten und wird überarbeitet. Beispiel für wörtliche und übertragene Bedeutung: Ich gehe baden: 1. ich gehe ins Schwimmbad oder in die Badewanne und bade. 2. Mir geschieht mit dem, was ich beginne, ein großes Missgeschick.

Zitate


- "Die meisten Menschen leiden an dieser geistigen Schwäche, zu glauben, weil ein Wort da sei, muß es auch das Wort für etwas sein; weil ein Wort da sei, muß dem Worte etwas Wirkliches entsprechen." - Fritz Mauthner (1849-1923) Kategorie: Sprachphilosophie Kategorie:Semantik Kategorie: Logik ja:意味

Textinterpretation

Unter Textinterpretation versteht man den über die bloße Textbeschreibung hinausgehenden Versuch, Wirkungsabsichten und (evtl. auch nicht beabsichtigte) Wirkungen eines Textes zu erschließen. Sie wird gewöhnlich auf literarische Texte angewandt (Epik, Drama, Lyrik), aber auch Gebrauchstexte (z.b. kommerzielle Inserate) können durch eine Textinterpretation in ihrer Wirkung umfassend erkannt werden. Auch in der Soziologie gibt es Methoden der Analyse und Interpretation von Texten, die den literaturwissenschaftlichen Methoden zum Teil verwandt sind, siehe Textanalyse.

Textinterpretation in der Schule

Gewöhnlich folgt die Textinterpretation, die in der Schule erlernt wird, einem festgelegten Schema in vier Schritten (argumentierendes Interpretieren ): # Inhaltsangabe: Der Inhalt des Textes wird verkürzt wiedergegeben. Dabei wird weniger auf Details geachtet; wichtiger ist der Verlauf der Erzählung, die wichtigsten Charaktere und die wesentlichen Ereignisse. # Interpretationshypothese: Sie soll das eigene Textverständnis erklären und kurz skizzieren, welches Ziel die Interpretation hat. # Formale Analyse: Der Text wird vor allem auf Besonderheiten der Wortwahl, Formen des Satzbaus und der Satzverknüpfungen und auf sprachliche Bilder, hin analysiert. # Interpretation: Der Text wird entsprechend der Interpretationshypothese gedeutet. Wichtig sind dabei Zitate entscheidender Textstellen, die die Hypothese belegen. Auch auf sprachliche Stilmittel kann hingewiesen werden. # Schluss: Der Schluss besteht meist aus einer zusammenfassenden Bewertung der eigenen Hypothese, um sie nochmals zu bekräftigen. Es gibt noch die Form des paraphrasierenden Interpretieren. Hierunter wird eine Interpretation verstanden, die sich eng an den Text hält und ihn schrittweise erklärt. Der Aufbau der Interpretation entspricht dabei auch dem Aufbau des zu interpretierenden Textes selbst. Beispiel: Bei einer Gedichtinterpretation wird zuerst die 1., dann die 2., dann die 3. Strophe usw. interpretiert. Die Ergebnisse der Analyse werden am Schluss zusammengefasst.

Textinterpretation in der Literaturwissenschaft

Textinterpretation ist ein wichtiger Arbeitsbereich der Literaturwissenschaft. Die Methodenlehre der Interpretation wird Hermeneutik genannt. Neben der Hermeneutik gibt es zahlreiche weitere Methoden und Theorien zur Interpretation von Texten. Diese Methoden versuchen auf unterschiedliche Weise, den Schritt vom Text zur Interpretation methodisch zu reglementieren. Eine methodisch gelenkte Interpretation soll den Vorteil haben, dass sie nachvollziehbarere und "wissenschaftlichere" Ergebnisse liefert, also das Wissen über einen Text vermehrt und nicht nur die Meinung des Interpreten wiedergibt. Es gibt jedoch auch Literaturwissenschaftler, die sich gegen die methodische Interpretation von Texten wenden. Die Schule des sogenannten Close Reading lehnt jedoch nicht generell Interpretation ab, sondern will vor allem das äußerst genaue, mikrologische Lesen fördern. Die Textinterpretation kann sich als textimmanente Interpretation auf eine Analyse auf der Basis von Inhalt und sprachlicher Gestaltung des Texts beschränken. Sie kann darüber hinaus psychologisches, soziologisches und historisches Wissen einbeziehen. Auch die Biografie des Autors kann Hintergrund der Interpretation sein. Bei einer korrekten Textinterpretation müssen die aufgestellten Behauptungen am Text durch Zitate belegt werden. Werden einem Text Wirkungsabsichten oder Wirkungen unterstellt, die nicht nachgewiesen werden können, wird das als Eisegese bezeichnet. Ein Ziel der Textinterpretation kann es sein, die verschiedenen Bedeutungsebenen eines Textes aufzuschlüsseln. Ein Roman kann z.B. einerseits die Beschreibung eines exemplarischen Menschenlebens sein, gleichzeitig kann er aber auch weitere Bedeutungsebenen haben: eine kritische Stellungnahme zu politischen Verhältnissen der Zeit, in der er spielt und / oder der Zeit, in der er geschrieben bzw. publiziert wurde; darüber hinaus kann er über Symbole und Allegorien zahlreiche Sachverhalte ansprechen, die im Text ansonsten nicht ausdrücklich benannt werden. Ein Text kann auf andere Werke reagieren, sie zitieren, parodieren oder sich von ihnen distanzieren (Intertextualität).

Geschichte

Theologische Textinterpretation

Ebenso wie der Textbegriff stammt die Praxis der Textinterpretation aus der Theologie. Die biblische Exegese war für die Auslegung schwieriger Textpassagen zuständig. Ihre Alltagspraxis fand und findet sie primär in der Schriftauslegung im Gottesdienst. Entscheidender wurde die Textinterpretation beim Aufbau der theologischen Streitkultur und der Auffächerung der sich auf Texte stützenden Religionen in Sekten und Konfessionen. Textpassagen pflegen einander zu widersprechen - gleichzeitig kann Gottes Wort per definitionem nicht in sich widersprüchlich sein. Die Textinterpretation wird notwendig, um Widersprüche zu harmonisieren, festzulegen, was wörtlich und was in einem "übertragenen Sinn" zu nehmen ist. Religiöse Alltagspraxis basiert fundamental auf Textinterpretation: Wie wörtlich ist etwa die Fleischwerdung Christi in der Eucharistie zu nehmen? An den gewagten Textinterpretationen scheiden sich letztlich die Konfessionen.

Der Ausgriff der theologischen Textinterpretation auf den Roman in den 1670ern

In den 1670ern wurde die Textinterpretation erstmals auf das Gebiet fiktionaler Texte ausgeweitet, vom Roman über das Gleichnis, die Fabel bis zur Novelle. Als der Roman in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Teil des poetologischen Gattungsspektrums wurde, griff die Textinterpretation von hier aus auf die Diskussion poetischer Texte aus - jener Texte, die im Lauf der nächsten Jahrzehnte zu den "literarischen" avancieren. Fiktionale Texte wurden bis ca. 1670 in aller Regel nicht interpretiert. Der erste Versuch, die Praxis der Textinterpretation auf das Terrain fiktionaler Texte auszudehnen, kam konsequenterweise von einem Theologen: Pierre Daniel Huet schlug vor, Romane und Poesie als fiktionale Schriften zu klassifizieren und diese zu interpretieren (siehe sein Traitté de l'origine des romans wie seine Schrift De interpretatione). Sie sollten, so die aufsehenerregende Theorie, Aufschluß über die Zeiten und Kulturen geben, die diese Werke hervorbrachten. Huets Vorstoß blieb jedoch für gut 100 Jahre folgenlos. Fiktionale Texte galten nach wie vor als Gegenstand, der zu niedrig und zu anstößig war, um Gegenstand ernsthafter Auslegung zu werden.

Die Textinterpretation erobert die Literaturdebatte

Die ursprüngliche Poesiekritik war poetologisch ausgerichtet: Sie suchte nach sprachlichen Meisterleistungen, die sich an poetischen Regeln orientierten. Die Regelpoetik, die etwa ein Gottsched formulierte, sollte jedermann zur richtigen und "schönen" Dichtung anleiten. Über die Regeln wurde heftig diskutiert. Um 1730 kam als weitere Richtschnur des Urteils über Texte der "Geschmack" auf. Die Lage änderte sich, als mit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Poesie - in nationale Textcorpora aufgeteilt - Gegenstand einer neuen Auslegungspraxis wurde. Um 1750 wurde der Roman in den Korpus nationaler Dichtungen aufgenommen. Damit wurde auch Huets Anstoß zu ihrer Interpretation importiert. Ganz entscheidend trug die Textinterpretation dazu bei, den Romanmarkt, der sich unter ihr ausbildete, zu entskandalisieren. Schlüsselromane beherrschten zuvor das Terrain, nun wurde dagegen nach tieferen, wahrereren Bedeutungen gefragt. Texte, die diskutiert werden wollten, mussten "Wahrheit" aufweisen und gewannen umgekehrt eine Tiefe und Interpretierbarkeit, die vor den 1760ern kaum angestrebt wurde. Auch die Intention des Autors wurde mit der Textinterpretation zu einer relevanten Frage. Bis dahin wurden Romane kaum mit einer Frage nach den Autoren gelesen. Die Frage der Autorschaft war nur dann interessant, wenn der Verdacht auf Rufmord vorlag. Ab etwa 1760 wurden Romane jedoch zunehmend nach den Gefühlen und Absichten ihrer Autoren befragt. Damit wurde auch die Stellung des Autors im literarischen Diskurs immer wichtiger und steigerte sich bis zum Geniekult um einen Goethe oder Schiller.

Institutionalisierung und Ausdifferenzierung der Textinterpretation

Bald verstand man Textinterpretation als ein methodisches Verfahren, mit dessen Hilfe man den Autor "besser verstehen konnte, als dieser sich selbst verstand" (Schleiermacher). Die Textinterpretation wurde nun zu einem wichtigen Gebiet einer spezialisierten Wissenschaft, der Philologie. Sie wurde Gegenstand einer eigenen Methodenlehre, der Hermeneutik. Über Publikationen und die Ausbildung von Lehrern konnte die philologische Textinterpretation nun auch Einfluss auf die Lektüren und Lektüreweisen der Restbevölkerung nehmen. Ab diesem Zeitpunkt war Textinterpretation ein akademisches Fach, das an Universitäten institutionell verankert war und an Schulen gelehrt wurde. Die Philologie des 19. Jahrhunderts und ihre Hermeneutik ist tief in den Historismus eingebettet. Bedeutungen von Texten wurden auf die Bewusstseinsinhalte der Autoren zu einem bestimmten historischen Moment hin gelesen. Für diese historistische Textinterpretation steht exemplarisch Wilhelm Diltheys hermeneutische Methodenlehre, von ihm auch als "Kritik der historischen Vernunft" bezeichnet, Ihre Tradition wirkt besonders in Deutschland mit Hans Georg Gadamer bis heute nach. Bereits die Romantik entdeckte jedoch weitere Potenziale der Textinterpretation: Ein Text konnte Bedeutungen bergen, die der Autor nicht absichtlich eingebaut hatte oder geradezu zu unterdrücken versuchte. Ein Text trug seine Bedeutung mit und ohne Autor, so der neue Hinweis. Die Textinterpretation der Psychoanalyse interessierte sich nur noch für die "latente", dem Unbewussten des Autors entspringende Bedeutung des Textes. Sigmund Freud gilt als ihr Pionier; als literaturwissenschaftliches Verfahren erlebte sie ihre große Zeit jedoch erst in den 60er und 70er Jahren. In der 1930er Jahren setzte sich vor allem in den USA die Praxis der textimmanenten Interpretation durch. Sie verzichtet absichtlich auf externe Referenzen wie die Intention des Autors oder das historische Umfeld. Texte werden nur auf ihre internen Strukturen und Bedeutungen hin gelesen. So entwickelte sich in den 30er und 40er Jahren eine überaus genaue, "mikrologische" Lektürepraxis, die Close Reading genannt wurde. Ihre Tradition hält vor allem an den US-amerikanischen Universitäten nach wie vor an. In neuerer Zeit fand sie vor allem im Poststrukturalismus und in der Dekonstruktion eine Art "Generalüberholung". Seit etwa 1920er Jahren gibt es auch eine marxistische Textinterpretation, als deren Pioniere - auf unterschiedliche Art und Weise - Georg Lukács und Walter Benjamin gelten können. Sie beharrte darauf, dass die Literaturwissenschaft Texte auf die Entwicklung der Gesellschaft - insbesondere der Ökonomie hin interpretierte. Gesellschaft und Literatur sollten sich zueinander verhalten wie Basis und Überbau. Besonders in den 60er und 70er Jahren wurden im Zuge der Hochschulreformen und der linksgerichteten Studentenbewegung marxistische Lektüren in der Literaturwissenschaft bevorzugt. Die feministische Textinterpretation entstand im Laufe der 70er Jahre aus dem marxistischen Kontext. Mittlerweile ist sie als Studienfach Gender Studies institutionell verankert. In den USA fand die marxistische Lektüreweise über die Cultural Studies auch Eingang in die Literaturwissenschaft. Im New Historicism, der Anfang der 80er Jahre seinen Siegeszug antrat, wurde eine neue Fragerichtung eingeschlagen, die sowohl in der marxistischen Tradition nach ökonomischen Bedingungen wie auch in der Tradition von Michel Foucault nach Machtstrukturen der Literatur fragte. Für den amerikanischen Kontext war das neue Interesse am historischen Umfeld von Texten eine radikale Umorientierung, während diese Tradition an deutschen Universitäten nie abgerissen war.

Interpretation und Politik

Grundlegendes Merkmal der Textinterpretation ist, dass mit ihr der sekundäre Diskurs (Kommentar) Macht gegenüber seinem primären Diskussionsgegenstand (Text) gewinnt. Der Kommentar entfaltet den Text, schafft Diskussionsmöglichkeiten, wagt angreifbare Auslegungen. Beliebige Themen werden mit ihr anhand des jeweils ausgesuchten fiktionalen Textes debattierbar. Damit werden sie nicht unbedingt politisch brisant: Man diskutiert ja lediglich über die Bedeutung fiktionaler Texte. Der Interpretierende kann sich jederzeit von der Debatte, die er im Text auffindet und die er mit seiner Interpretation in Szene setzt, distanzieren - er ist hier letztlich nur Untersuchender, Rätselnder, Fragender, Forscher. Dies ist ein wichtiger Grund, warum die Interpretation fiktionaler Werke mit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts so interessant wurde: Sie erlaubte Debatten, die sich an anderen Gegenständen kaum so frei führen ließen. Entsprechend rigide fielen die Maßnahmen der verschiedenen politischen Systeme im 19. und 20. Jahrhundert aus, die Interpretation von fiktionaler Literatur über die Erstellung von Lehrplänen und die Besetzung von Lehrstühlen zu steuern. Hier spiegelt die Geschichte der Textinterpretation sowohl die Säkularisierungstendenzen des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts wieder wie die gesellschaftsweiten Auseinandersetzungen, die die Literaturdiskussion seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts eroberten.

Literatur


- Berghahn, Klaus; Pinkerneil, Beate (Hg.), Am Beispiel Wilhelm Meister. Einführung in die Wissenschaftsgeschichte der Germanistik. 2 Bde., Königstein/Ts.: Athenäum 1980
- Danneberg, Lutz; Schönert, Jörg, „Belehrt und verführt durch Wissenschaftsgeschichte“, Boden, Petra; Rosenberg, Rainer (Hg.), Deutsche Literaturwissenschaft 1945-1965: Fallstudien zu Institutionen, Diskursen, Personen, Berlin 1997, 13-57
- Fohrmann, Jürgen; Voßkamp, Wilhelm (Hg.), Von der gelehrten zur disziplinären Gemeinschaft. Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte der deutschen Literaturwissenschaft im 19. Jahrhundert, Stuttgart: Metzler 1987
- Hermand, Jost, Geschichte der Germanistik, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1994
- Fohrmann, Jürgen, Der Kommentar als diskursive Einheit der Wissenschaft. In: Diskurstheorien und Literaturwissenschaft. Hrsg. von J.F. und Harro Müller. Frankfurt/M. 1988. 244-257 Kategorie:Literaturwissenschaft Kategorie:Psychoanalyse

Biblische Hermeneutik

Die Biblische Hermeneutik ist die Wissenschaft vom Verstehen biblischer Texte, eine angewandte Form der Hermeneutik. Fragen nach dem richtigen Verständnis der Bibel, und somit die ersten hermeneutischen Überlegungen, finden sich bereits in der Bibel selbst. "Verstehst du auch, was du liest?" - diese Frage des Philippus an den beamteten Eunuchen vom athiopischen Königshof provoziert die Antwort "Wie kann ich (denn), wenn mich niemand anleitet." (Apg. 8, 30ff.).

Hermeneutik und Exegese

Oft wird Hermeneutik mit Biblischer Exegese verwechselt oder gleichgesetzt, aber die beiden sind nicht identisch. Exegese ist die praktische Auslegung eines biblischen Texts, Hermeneutik beleuchtet die Voraussetzungen und Ziele der Auslegung. Die beiden verhalten sich - vorsichtig gesagt - so ähnlich wie Sprache und Grammatik. Wenn Philippus im obigen Beispiel dem Kämmerer den Text erklärt, betreibt er Exegese, jedoch hat seine Erklärung eine bestimmte Hermeneutik zur Grundlage: ein alttestamentliches Prophetenwort ist für ihn nur von Christus her zu verstehen. Ein rabbinischer Jude sähe das anders und würde dem Äthiopier den Text auch anders auslegen.

Warum benötigt man Hermeneutik?

Wie es möglich ist, ohne Grammatikkenntnisse zu reden, ist es auch möglich, Bibeltexte auszulegen, ohne sich mit Hermeneutikfragen zu befassen. Doch eine solche Auslegung kommt schnell an ihre Grenzen. Jede Bibelauslegung, ob an der Universität oder im Bibelkreis, wird beeinflusst von bewussten oder unbewussten theologischen Grundannahmen (im Bibelkreis oft unbewusst, an der Universität hoffentlich bewusst). Zu diesen Grundsatzfragen gehört z.B.
- Wie sind die Auferstehungsberichte zu verstehen? Handelt es sich um Halluzinationen, um im Nachhinein entwickelte Mythen oder um historisches Geschehen? Ein wichtiger Vertreter der neuzeitlichen Biblischen Hermeneutik war der evangelische Theologe Rudolf Bultmann
- Grundsätzliche Fragen zum Bibelverständnis, zur Inspiration, zur Entstehungsgeschichte biblischer Texte müssen eine Antwort haben, bevor ein Text ausgelegt werden kann.
- Weitere grundlegende Faktoren sind die Entwicklung der christlichen Kirche und der theologischen Richtungen innerhalb und außerhalb, und die Positionierung des Texts in dieser Geschichte. Was für Texte (welche literarischen Typen) wurden aus welchen Gründen zu verschiedenen Zeiten verfasst, was wurde damit beabsichtigt?
- Dazu stellen sich konkrete Verständnisprobleme, da der Bibeltext aus einer anderen Sprache, einer anderen Kultur, und anderen historischen Zeitumständen stammt: Wenn Lydia mitsamt ihrem Haus getauft wird (Apg. 16,15), bietet der Satz zwar von Wörtern und Grammatik her kein großes Problem, ist aber doch, in heutigem Sprachgebrauch wörtlich verstanden, schlicht Unsinn.
- Eine weitere wesentliche Rolle bei der Auslegung spielt der Leser selbst. Warum befasst er sich überhaupt mit dem Text? Setzt er sich der Wirkung des Texts aus (mit oder ohne bestimmte Erwartungen) oder ist der Text für ihn Mittel zu einem Zweck? Aus welcher Kultur kommt der Leser: wie wirken z.B. die Wanderungen Abrahams auf einen gutsituierten Mitteleuropäer oder auf einen Nomaden aus der Sahelzone; wie die Reden von Jesus gegen den Reichtum? Auf die obigen Problemstellungen gibt es für jede Konfession, jede Theologie (und oft auch noch für einzelne Theologen und Laien) sehr unterschiedliche Antworten - Antworten, die auch mit sehr unterschiedlichem Grad von Gewissheit gegeben werden. Gemeinsam ist jedoch allen Bibelauslegern, dass sie für diese Problemstellungen Antworten haben - ob philosophisch und theologisch ausgefeilt oder aus dem Bauch heraus - und dass diese Antworten ihre Auslegung der Bibel wesentlich mitbestimmen. Auch wer, unbelastet von aller Theologie, schlicht glaubt, dass der gesamte Text vom Heiligen Geist diktiert wurde, und dass man den Text einfach wörtlich so verstehen muss, wie er dasteht, stellt damit hermeneutische Regeln auf, ob er sich dessen bewusst ist oder nicht. Um bei der Bibelauslegung begründbare Resultate zu erreichen, ist es allerdings nötig, nicht nur Regeln für die Auslegung zu haben, sondern sich auch diese Regeln bewusst gemacht zu haben. Biblische Hermeneutik ist aus praktischen Gründen in die Hermeneutik des Alten und des Neuen Testaments aufgegliedert, da die Antworten auf manche Problemstellungen für das Alte und für das Neue Testament unterschiedlich ausfallen. Dennoch darf die Einheit der Schrift nicht aus dem Blick geraten, worum sich innerhalb der Systematischen Theologie die dogmatische Schriftlehre bemüht.

Positionen Biblischer Hermeneutik


- befreiungstheologisches Schriftverständnis
- dialektisch-theologische Schriftverständnis
- existenzialistisches Schriftverständnis
- evangelikales Schriftverständnis
- feministisches Schriftverständnis
- fundamentalistisches Schriftverständnis
- homosexuelles Schriftverständnis
- sozialgeschichtliches Schriftverständnis

Literatur

Hermeneutiken

Biblische Hermeneutiken erörtern die allgemeinen und besonderen Voraussetzungen des Verstehens der Bibel.
- Peter Stuhlmacher: Vom Verstehen des Neuen Testaments. Eine Hermeneutik. 1979. 2., neubearb. u. erw. Aufl. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1986 ISBN 3-525-51355-6 Allgemeinverständlicher Überblick über die verschiedenen Richtungen der biblischen Hermeneutik, auch historische Positionen kommen zur Sprache.
- Manfred Oeming: Biblische Hermeneutik. Eine Einführung. Primus, Darmstadt 1998 ISBN 3-89678-316-5 Der Autor stellt die unterschiedlichen Lektüreweisen wie historisch-kritische Methode, sozialgeschichtliche Exegese, kanonische Schriftauslegung usw. nacheinander vor und benennt jeweils Vor- und Nachteile.
- Gerhard Maier: Biblische Hermeneutik. Bibelwissenschaftliche Monographien. 1990. 3. Aufl. R. Brockhaus, Wuppertal 1998 ISBN 3-417-29355-3
- Klaus Berger: Hermeneutik des Neuen Testaments. UTB 2035. Francke, Tübingen/Basel 1999 ISBN 3-7720-2263-4
- Oda Wischmeyer: Hermeneutik des Neuen Testaments. Ein Lehrbuch. Neutestamentliche Entwürfe zur Theologie 8. Francke, Tübingen/Basel 2004 ISBN 3-7720-8054-5
- Anthony C. Thiselton: New Horizons in Hermeneutics. The Theory and Practice of Transforming Biblical Reading. Zondervan, Grand Rapids 1992 ISBN 0-310-21762-8 (kenntnisreiche Besprechung von Schleiermacher, Gadamer, Ricoeur, Habermas, Iser u.a.)

Methodenbücher

Methodenbücher beschreiben das Vorgehen bei der Bibelauslegung Schritt für Schritt.

Altes Testament


- Maimonides, Führer der Unschlüssigen, ISBN 3787311440
- Heinrich Zimmermann: Neutestamentliche Methodenlehre. Darstellung der historisch-kritischen Methode. 7. Aufl. neubearb. v. Klaus Kliesch. Kath. Bibelwerk, Stuttgart 1982
- Odil Hannes Steck: Exegese des Alten Testaments. Leitfaden der Methodik. Ein Arbeitsbuch für Proseminare, Seminare und Vorlesungen. 14., durchges. u. erw. Aufl. Neukirchener, Neukirchen-Vluyn 1999 ISBN 3-7887-1586-3 (immer noch das Standardwerk, ohne die neueren Ansätze)
- Helmut Utzschneider/Stefan Ark Nitsche: Arbeitsbuch literaturwissenschaftliche Bibelauslegung. Eine Methodenlehre zur Exegese des Alten Testaments. Kaiser/Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2001 ISBN 3-579-00409-3 (bezieht die neueren "synchronen" Methoden mit ein)
- Manfred Dreytza/Walter Hilbrands/Hartmut Schmid: Das Studium des Alten Testaments. Eine Einführung in die Methoden der Exegese. Bibelwissenschaftliche Monographien 10. R. Brockhaus, Wuppertal 2002 ISBN 3-417-29471-1

Neues Testament


- Thomas Söding: Wege der Schriftauslegung. Methodenbuch zum Neuen Testament. Unter Mitarb. v. Christian Münch. Herder, Freiburg/Basel/Wien 1998 ISBN 3-451-26545-1 (sehr fundiert)
- Wolfgang Fenske: Arbeitsbuch zur Exegese des Neuen Testaments. Ein Proseminar. Kaiser/Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1999 ISBN 3-579-02624-0
- Heinz-Werner Neudorfer/Eckhard J. Schnabel (Hrsg.): Das Studium des Neuen Testaments. Band 1: Eine Einführung in die Methoden der Exegese. Bibelwissenschaftliche Monographien 5. Brockhaus, Wuppertal; Brunnen, Gießen/Basel 1999 ISBN 3-417-29434-7
- Martin Meiser / Uwe Kühneweg u.a.: Proseminar II. Neues Testament - Kirchengeschichte. Ein Arbeitsbuch. Kohlhammer, Stuttgart/Berlin/Köln 2000 ISBN 3-17-015531-8
- Grant R. Osborne: The Hermeneutical Spiral. A Comprehensive Introduction to Biblical Interpretation. InterVarsity, Downers Grove 1991 ISBN 0-8308-1288-1

Weblinks


- [http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~dr6/hermeneutik.html Bibliographie zur Biblischen Hermeneutik]
- [http://www.pfingstbewegung.de/specials/hermen.htm Biblische Hermeneutik aus Sicht der Pfingstbewegung] Ein Beispiel für eine evangelikale Hermeneutik
- [http://www.joerg-sieger.de/einleit/nt/07kan/nt_e7.htm Jörg Sieger, Kanon und biblische Hermeneutik] Ein Beispiel für eine modernere katholische Hermeneutik
- [http://www.glauben-und-wissen.de/M7.htm Biblische Hermeneutik] Ein Beispiel für die Hermeneutik eines kritischen Laien
- [http://www.biblicalhermeneutics.net biblicalhermeneutics.net] Biblical hermeneutics online: eine Sammlung von mehr als 300 links zu frei verfügbaren Texten auf dem Internet (meist Englisch) Kategorie:Bibel Kategorie:Methoden biblischer Exegese

Ikonologie

Als Ikonologie (zu altgr. eikon, "Bild" und lógos, "Lehre") bezeichnet man eine in den 20er und 30er Jahren entstandene Forschungsrichtung der Kunstgeschichte, die in Ergänzung zur wertindifferenten Methode der Formanalyse und der Ikonographie die symbolischen Formen eines Kunstwerks deutet. Die ikonologische Methodik wurde erstmals von Aby Warburg in seinen Untersuchungen der Fresken im Palazzo Schifanoia in Ferrara (1912) angewandt und besonders von Ernst Cassirer gepflegt. Erwin Panofsky entwickelte die Ikonologie 1939 weiter zu einem Dreistufenschema der Interpretation:
- präikonographische Analyse,
- ikonographische Analyse und
- ikonologische Analyse. Dabei unterscheidet Panofsky drei Ebenen:
- Phänomensinn,
- Bedeutungssinn und
- Dokumentsinn Die ikonologische Methode ist auch über die Kunstgeschichte hinaus ein wichtiges "Analyseinstrument zur Untersuchung visueller Phänomene über die Grenzen von Epochen und Medien hinweg", und sie bietet eine "kulturwissenschaftlich orientierte Theorie von Formen und Inhalten bildlicher Symbole unabhängig von ihrem Status zwischen Kunst im engeren Sinne und einem instrumentellen Bildgebrauch" (Norbert Schmitz, 2002)

Siehe auch


- Bildwissenschaft, Kunstwissenschaft, Medienwissenschaft, Kulturwissenschaft
- Ästhetik
- Iconic turn, Pictorial turn
- Ikone
- Historische Bildkunde Kategorie:Ikonografie

Bildwissenschaft

Bildwissenschaft oder Bildmedienwissenschaft ist eine neue Wissenschaft, die sich fachübergreifend mit dem Bild in jedem Medium beschäftigt. Mit der Entwicklung eigener quantitativer und methodischer Analyse- und Interpretationsverfahren grenzt sich die Bildwissenschaft von den vorhandenen Bild-Disziplinen Archäologie und Kunstgeschichte ab. Überschneidungen bestehen dagegen mit den ebenfalls jungen Disziplinen der Medienwissenschaft. Die Bildwissenschaft versucht, die sich durch das gesamte 20. Jahrhundert hindurchziehende ikonoklastische Trennung von Kunst und Massenmedien aufzuheben und die "Trennungslinien zwischen Bildern der Kunst und den Bildern des Konsums" aufzulösen (Sauerländer 2004). Im Kern wird dabei das reflexive ästhetische Urteil aufgegeben, das die klassische Kunstgeschichte anstrebt. Die beinhaltet, dass sich die Bildwissenschaft auch mit Bereichen wie Werbung befasst.

Gegenstandsbereiche und Methodik

Klaus Sachs-Hombach beschreibt den Gegenstandsbereich der Bildwissenschaft als "eine Disziplin, in der Bilder und Bildverwendungen in allen relevanten Bereichen und Aspekten beschrieben und, soweit möglich, durch geeignete grundlegende Prinzipien erläutert werden". Er schlägt eine Grobaufgliederung in die Bereiche Bildsyntax, Bildsemantik und Bildpragmatik vor - nach dem Vorbild der Sprachwissenschaft. Der Informatiker Peter Schreiber sieht Bildwissenschaft dagegen als "Teil der Informatik, an dem bildliche Information in irgendeiner Weise beteiligt ist". Schnittstellen sieht er u.a. zu Mathematik, Logik, Computer Science, Physik, Physiologie, Psychologie, Druck-, Film- und Videotechnik, Philosophie, Geschichte, Kunstgeschichte, Kunstwissenschaft, Rechtswissenschaft und Soziologie. Gerade beginnt dieser Fachbereich auch die Aufgabe der Informationsvisualisierung (grafische Repräsentation großer Mengen von Daten) wahrzunehmen.

Studienangebote


- Donau-Universität Krems, Krems, Niederösterreich, Österreich: Bildwissenschaft (MA), Fachvertiefung Fotografie (berufsbegleitend) [http://www.donau-uni.ac.at/zbw]

Siehe auch


- Informationsvisualisierung
- Iconic turn und Pictorial turn
- Bildpolitik und Bildtechnologie
- Visualisierung und bildgebende Verfahren
- Gottfried Boehms ikonische Differenz
- Vilém Flussers technische Bilder

Literatur


- Hans Belting: Bild-Anthropologie. Entwürfe für eine Bildwissenschaft. München: Wilhelm Fink, 2001
- Gottfried Boehm (Hrsg.): Was ist ein Bild? München: Fink, 1995
- Christian Doelker: Ein Bild ist mehr als ein Bild: visuelle Kompetenz in der Multimedia-Gesellschaft. Stuttgart: Klett-Cotta, 1999
- Donald D. Hoffman: Visuelle Intelligenz. Wie die Welt im Kopf entsteht. München: dtv, 2003
- Thomas Knieper / Marion G. Müller (Hrsg.): Kommunikation visuell: Das Bild als Forschungsgegenstand - Grundlagen und Perspektiven. Köln: Herbert von Halem, 2001
- Thomas Knieper / Marion G. Müller (Hrsg.): Authentizität und Inszenierung von Bilderwelten. Köln: Herbert von Halem, 2003
- Thomas Knieper / Marion G. Müller (Hrsg.): Visuelle Wahlkampfkommunikation. Köln: Herbert von Halem, 2004
- Thomas Knieper / Marion G. Müller (Hrsg.): War Visions: Bildkommunikation und Krieg. Köln: Herbert von Halem, 2005
- Marion G. Müller: Grundlagen der visuellen Kommunikation. Konstanz: UVK, 2003
- Christa Maar / Hubert Burda (Hrsg.): Iconic Turn: Die neue Macht der Bilder. Köln: DuMont 2004
- Klaus Sachs-Hombach: Das Bild als kommunikatives Medium. Elemente einer allgemeinen Bildwissenschaft. Köln 2003. IBN 3931606708
- Klaus Sachs-Hombach (Hrsg.): Wege zur Bildwissenschaft. Interviews. Köln, 2003. ISBN 3-931606-62-7 - Interviews mit Gernot Böhme, Hans Belting, Reinhard Brandt, Ferdinand Fellmann, Dietfried Gerhardus, Tonio Hölscher, Hans Dieter Huber, Karlheinz Lüdeking, Roland Posner, Oliver R. Scholz, Peter Schreiber, Michael Sukale, Felix Thürlemann, Bernhard Waldenfels, Lambert Wiesing, Hans Jürgen Wulff und Gottfried Boehm.
- Klaus Sachs-Hombach (Hrsg.): Bildwissenschaften und Bildwissenschaft (Bildwissenschaft Bd. 15), Wiesbaden 2004
- Klaus Sachs-Hombach (Hrsg.): Bildwissenschaft zwischen Reflexion und Anwendung. Köln: Herbert von Halem 2005
- Klaus Sachs-Hombach (Hrsg.): Bildwissenschaft. Frankfurt am Main, Suhrkamp 2005
- Martin Schuster: Wodurch Bilder wirken. Psychologie der Kunst. Köln: DuMont, 2002
- Daniel Spanke: Porträt - Ikone - Kunst. Methodologische Studien zum Porträt in der Kunstliteratur. Zu einer Bildtheorie der Kunst. München: Wilhelm Fink, 2004

Weblinks


- http://www.math-inf.uni-greifswald.de/sonstiges/schreiber/wasistbildwiss.html - Was ist Bildwissenschaft?
- http://www.hgb-leipzig.de/ARTNINE/bild/fragen1.html - Wozu Bildwissenschaft? Drei Fragen
- http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/forum/type=diskussionen&id=372 - Bildwissenschaft als interdisziplinäres Unternehmen (Sachs-Hombach)
- http://www.bildwissenschaft.org/ - Virtuelles Institut für Bildwissenschaft (VIB)
- http://www.fg-viskomm.de - Fachgruppe Visuelle Kommunikation innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
- http://www.iconic-turn.de - Iconic Turn
- http://www.heise.de/tp/deutsch/special/copy/17476/1.html - Bildwissenschaft im Zeitalter des Copyright (Telepolis) Kategorie:Medien Kategorie:Kulturwissenschaft

Medienwissenschaft

Kommunikationswissenschaft und Medienwissenschaft ---- Medienwissenschaft ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Medien (insbesondere den Massenmedien) und der öffentlicher Kommunikation. Forschungsobjekt sind zum einen die Medien wie Hörfunk, Fernsehen und Internet und zum anderen - ähnlich wie in der Kommunikationswissenschaft - die Entstehung, Verbreitung und Wirkung der öffentlichen Meinung. Medienwissenschaft ist daher im Überschneidungsbereich von Sprach-, Literatur-, Theater- und Kulturwissenschaft, Soziologie, Soziale Arbeit, Psychologie, Politikwissenschaft, Wirtschaft, Jura und Informatik angesiedelt.

Forschungsansatz

Das Forschungsgebiet vor allem des sozialwissenschaftlichen Bereichs der Medienwissenschaft kann, stark vereinfacht, mit folgendem Satz, der sogenannten Lasswell-Formel, umschrieben werden: Who says What to Whom in Wich Channel with what effekt! : Wer sagt was zu wem - in welchem Kanal - mit welchem Effekt? Die Einzelfragen beschreiben auch die Teilgebiete der Medienwissenschaft.
- Wer: Kommunikatorforschung

- Was: Aussagenforschung

- Wem: Rezipientenforschung

- Welcher Kanal: Medienforschung

- Welcher Effekt: Medienwirkungsforschung

Medientheorien

Zur Zeit steht eine einheitliche Medientheorie noch aus. Der Grund hierfür dürfte sein, dass es bislang noch nicht gelungen ist, eine Rubrizierung nach technischen Medienbegriffen mit einer sinnvollen und stimmigen Definition von "Medium" in Einklang zu bringen; ausführlicher siehe Medientheorie.

Geschichte

Verwirrenderweise gibt es im Prinzip zwei verschiedene Fachbereiche, die beide oft als Medienwissenschaft bezeichnet werden, sich jedoch in Methodologie und Zielsetzung deutlich unterscheiden. Die geisteswissenschaftliche Form der Medienwissenschaft entstand aus der text-orientierten Germanistik, die empirisch arbeitende, sozialwissenschaftliche Medienwissenschaft hingegen aus Kommunikations- und Publizistikwissenschaft.

Medienwissenschaft als Geisteswissenschaft

Im 1. Weltkrieg wurde erst die Relevanz von Propaganda erkannt. Der Film veränderte die Kulturlandschaft mannigfaltig und zwar als – Wirtschaftsfaktor (Wirkung) – außerdem trat er in Konkurrenz zu Literatur und Theater In den 1960er Jahren entstand dann die Medienwissenschaft aus der Germanistik, die zu dieser Zeit unter einer Krise litt, da die Stoffe, die sie untersuchte, zu alltagsfern waren. Es wurde also begonnen sich mit populären Stoffen zu beschäftigen und die Medienwissenschaft in Deutschland ward geboren.

Medienwissenschaft als Sozialwissenschaft

Als Beginn der akademischen Beschäftigung mit der Publizistikwissenschaft in Deutschland kann die Einrichtung des Lehrstuhls für Zeitungswissenschaften an der Universität Leipzig 1916 angesehen werden. Erster Lehrstuhlinhaber war Karl Bücher.

Teilbereiche und Forschungsschwerpunkte

Je nach theoretischer oder praktischer Orientierung kann die Medienwissenschaft auch untergliedert sein in
- Publizistikwissenschaft (Schwerpunkt im Bereich der Praxis) und
- Kommunikationswissenschaften (Schwerpunkt im Bereich der Theorie).
- Medientheorie
- Mediengeschichte
- Medienwirkungsforschung
- Medienökonomie
- Medienrecht
- Medienpolitik
- Medienpsychologie
- Medienethik
- Medienästhetik
- Medienkultur
- Mediennutzung
- Medieninformatik
- Medienanthropologie
- Medientechnik

Öffentliche Foren des Erfahrungsaustausches und Selbstdarstellens

Das Adolf Grimme Institut untersucht kontinuierlich die deutschen Fernsehprogramme nach Qualitätssendungen und vergibt jährlich entsprechende Auszeichnungen, denen jeweils intensive medienwissenschaftliche Sichtungen und Beratungen zugrundliegen. Die ebenfalls jährlich stattfindenden Mainzer Tage der Fernsehkritik sind ein weiteres Fachforum, um Praktiker der Fernsehanstalten und Medienwissenschaftler zu einer fachöffentlichen Rückschau, Bestandsaufnahme und Perspektiven-Veranstaltung zu versammeln. Der internationale Medienkongress innerhalb der Medientage München umfasste 2004 90 Fachforen mit rund 500 Referenten.

Literatur


- Rainer Leschke: Einführung in die Medientheorie. München: Fink, 2003. ISBN 3825223868
- Günter Bentele (Hrsg.): Öffentliche Kommunikation : Handbuch Kommunikations- und Medienwissenschaft. Wiesbaden [u.a.]: Westdt. Verl., 2003. ISBN 3-531-13532-5
- Roland Burkhart: Kommunikationswissenschaft - Grundlagen und Problemfelder, UTB, Wien, 2002. ISBN 3-8252-2259-4
- Manfred Faßler u. Wul