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Intuition

Intuition

Die Intuition (von lateinisch intueor: betrachten, erwägen) ist die Begabung, Einsichten in Sachverhalte, Sichtweisen, Gesetzmäßigkeiten oder Richtigkeit von Entscheidungen durch spontan sich einstellende Eingebungen zu erlangen und die sich auf unbewusstem Wege eingestellt hat. Das abgeleitete Adjektiv ist intuitiv. Zur Intuition gehören folgende Aspekte:
- Die Begabung, auf Anhieb eine (meist) »richtige« Entscheidung zu treffen, ohne die zugrunde liegenden Zusammenhänge explizit zu verstehen. Umgangssprachlich "aus dem Bauch", spontan, oft auch wenn Umfrageergebnisse vorliegen, die eine (andere) Entscheidung nahe legen.
- Die schnelle und angemessene Einsicht in Zusammenhänge und ihre Erkenntnis ohne bewusste rationale Ableitung oder Schlüsse. In diesem Zusammenhang sind auch auf Intuition beruhende neue Ideen und Erfindungen zu sehen, die auf der Grundlage einer Eingebung oder Intuition entstehen. "Der Zufall trifft nur einen vorbereiteten Geist", sagte Louis Pasteur - trifft auf den im Traum entdeckten Benzolring zu. Das fasst sich auch unter Serendipity.
- Die unbewussten Gründe für eine bestimmte Entscheidung.
- indirekt der gesunde Menschenverstand. Intuition hat einen engen Zusammenhang mit der »inneren« Logik der Gegebenheiten und mit früheren Erfahrungen.
- Der Geistesblitz. Eine besondere Form der Eingebung oder Intuition ist der Geistesblitz, bei dem unerwartet ein neuer Gedanke entsteht. Wenn eine Aussage zwar wahr ist, diese Wahrheit aber der Intuition zuwiderläuft, bezeichnet man sie als ein Paradoxon. Intuition ist eine wesentliche Fähigkeit zur Informationsverarbeitung und zur angemessenen Reaktion bei großer Komplexität der zu verarbeitenden Daten. Sie führt sehr oft zu richtigen bzw. optimalen Ergebnissen. Es gibt zwei verschiedene Stufen der Intuition: Die Gefühlsentscheidung und die auf Verstand beruhende Intuition (Inkubation). Dabei werden die Informationen unbewusst verarbeitet und das Bewusstsein wird »eingeschaltet«, wenn das Unterbewusstsein auf eine Lösung stößt. Intuition bedeutet nicht unbedingt eine sofortige Lösung, oft hilft es, »eine Nacht darüber zu schlafen«. Forschungen haben gezeigt, dass die Intuition sehr oft gleichwertige oder bessere Lösungen liefert als ein ausgeklügelter Variantenvergleich, zumindest aber diesen überprüfen kann. Es gibt die spaßige Erklärung, ein Variantenvergleich sei dazu da, die intuitive Lösung zu bestätigen. Intuition kann sich nur in naiver Weise beweisen, sie zerfällt bei Hinterfragung. Es ist ein nominalistischer Begriff, der sich motiviert als eine sich erkenntnisfähig fühlende Emotion. Sie kann als Flucht aus der aufgeklärten und vernünftigen Terminologie betrachtet werden, oder als deren Überwindung. »Das menschliche Denken ist nicht intuitiv, sondern diskursiv.« (Immanuel Kant) Auf der anderen Seite verkürzen (intuitive und nicht-intuitive) Bemühungen von Ergonomen, Designern, Softwareentwicklern usw., die Bedienung von Geräten und Programmen möglichst intuitiv zu machen, die Einarbeitungszeit für moderne Industrieanlagen, Software, Konsumprodukte usw. dramatisch, trotz gestiegener Leistungsfähigkeit, sodass der Traum von einem leichteren Leben in einigen Bereichen durchaus wahr wird – auch wenn diese Fortschritte in einer kapitalistischen Volkswirtschaft eher für Rationalisierung, Produktivitätssteigerung und damit Wirtschaftswachstum und Beschäftigungsabbau als für Entlastung und Arbeitszeitverkürzung genutzt werden. Siehe auch: Intuition (Philosophie)

Literatur


- Intuition im Management - Auf die innere Stimme hören - Markus Hänsel& Andreas Zeuch (2003), ManagerSeminare 09/2003
- Erfolgsfaktor Intuition - Markus Hänsel et.al. (2001), Zeitschrift für Organisationsentwicklung 01/2002
- Die Intelligenz der Gefühle, Focus, 7. Juni 2004
- Versinken in der Datenflut. Der Wissenschaftsautor Malcom Gladwell über die segensreiche Wirkung der Intuition und die Irrwege beim Treffen von Entscheidungen. Der Spiegel, 58. Jahrgang (2005) Heft 25, Seiten 164-165, [http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,361110,00.html auch online].

Weblinks


- [http://www.intuitiv-coaching.de Intuitiv-Coaching für Mensch und Unternehmen]
- [http://www.umsetzungsberatung.de/psychologie/intuition.php Winfried Berner: Intuition: Rational entscheiden oder »aus dem Bauch heraus?«]
- [http://www.sgipt.org/gipt/method/intuit0.htm Sponsel, R. (1998). Handlungsprinzip Intuition]
- [http://www.professionelle-intuition.com/index/Was_ist_Intuition_/was_ist_intuition_.html Markus Hänsel: Professionelle Intuition]
- [http://www.antega.de Spars, Michael Coaching für die Firmenseele]
- [http://www.technokontakte.at/insightArchiv/pdf/03_03_18.pdf Hänsel, Markus&Zeuch, Andreas: Erfolgsradar innere Stimme] Kategorie:Allgemeine Psychologie Kategorie:Erkenntnisprozess

Latein

Als Latein bzw. Lateinisch (lat. lingua Latina: „lateinische Sprache“) bezeichnet man die Sprache, die ursprünglich vom Volksstamm der Latiner gesprochen wurde, der Bewohner von Latium mit Rom als Zentrum. Innerhalb der indogermanischen Sprachen gehört Latein zur Gruppe der italischen Sprachen. Es bildete die Grundlage für alle heutigen romanischen Sprachen.

Entwicklung

romanischen Sprachen Ursprünglich in Rom und dem umliegenden Gebiet (Latium) gesprochen, wurde Latein später an humanistischen Gymnasien unterrichtet. Neben Griechisch war Latein die Amtssprache des römischen Reiches. Wegen der kulturellen Überlegenheit des Ostens verlor es dabei zeitweise in Nordafrika und selbst in Rom seine Vorrangstellung. So war die Liturgiesprache der römischen Christen bis um 300 das Griechische. In dieser Zeit drangen viele griechische Lehnwörter ins Lateinische ein. Während der Spätantike begannen sich verschiedene Volkssprachen, aus denen im Mittelalter die romanischen Sprachen entstehen sollten, phonetisch und grammatikalisch von der lateinischen Hochsprache wegzuentwickeln. Doch noch im 6. Jahrhundert entstanden hochsprachliche lateinische Werke. Im Oströmischen Reich war Latein bis ins frühe 7. Jahrhundert neben Griechisch eine der beiden Amtssprachen. Im Westen übernahmen die Germanen mit den Grundelementen der spätrömischen Verwaltung auch die lateinische Sprache, die in der Administration bis in die frühe Neuzeit vorherrschend blieb. Seit der Völkerwanderung und der Christianisierung der (zunächst zumeist arianischen) Germanenvölker wurde Latein im Westen des früheren Römischen Reiches und in den römisch-katholischen Folgestaaten die Sprache des Klerus (Kirchenlatein), der Rechtswissenschaft (Glossatoren) und der sich bildenden Hochschulen (studia generalia). Es bildete somit die Schriftsprache, vor allem für das kirchliche und weltliche Urkundenwesen (Diplomatik) im frühen Europa. In völkerrechtlichen Verträgen (z. B. im Westfälischen Frieden von 1648) dominierte Latein bis in das 17. Jahrhundert hinein. Es bildet noch bis ins 20. Jahrhundert den Affixvorrat für die Fachterminologie in den Wissenschaften und verliert durch die fortschreitende Absorption in die englische und andere Sprachen lediglich an direkter, nicht jedoch an indirekter Bedeutung. Es wird noch an vielen Schulen unterrichtet.

Antike

Antike Schreibweise

Die lateinische Sprache wurde ursprünglich als scriptio continua, d. h. als zusammenhängender Fluss von Zeichen ohne Zwischenräume geschrieben. Auch Satzzeichen und Kleinbuchstaben wurden in der Antike nicht verwendet. Auf Wachstafeln war nämlich wenig Platz zum Schreiben, und Papyrus war teuer. Die antiken lateinischen Texte sind für uns heute daher schwer zu lesen. Vergleiche folgendes Beispiel: Alte Schreibweise: AVREAPRIMASATAESTAETASQVAEVINDICENVLLO SPONTESVASINELEGEFIDEMRECTVMQVECOLEBAT POENAMETVSQVEABERANTNECVERBAMINANTIAFIXO AERELEGEBANTVRNECSVPPLEXTVRBATIMEBAT IVDICISORASVISEDERANTSINEVINDICETVTI NONDVMCAESASVISPEREGRINVMVTVISERETORBEM MONTIBVSINLIQVIDASPINVSDESCENDERATVNDAS NVLLAQVEMORTALESPRAETERSVALITORANORANT NONDVMPRAECIPITESCINGEBANTOPPIDAFOSSAE NONTVBADIRECTINONAERISCORNVAFLEXI NONGALEAENONENSISERANTSINEMILITISVSV MOLLIASECVRAEPERAGEBANTOTIAGENTES Heutige Schreibweise: Aurea prima sata est aetas, quae vindice nullo, sponte sua, sine lege fidem rectumque colebat. poena metusque aberant nec verba minantia fixo aere legebantur, nec supplex turba timebat iudicis ora sui, sed erant sine vindice tuti. nondum caesa suis, peregrinum ut viseret orbem, montibus in liquidas pinus descenderat undas, nullaque mortales praeter sua litora norant. nondum praecipites cingebant oppida fossae, non tuba directi, non aeris cornua flexi, non galeae, non ensis erant: sine militis usu mollia securae peragebant otia gentes. Auszug aus Ovids Metamorphosen: Die Schöpfung (Das goldene Zeitalter) Details zu den verwendeten Buchstaben finden sich in dem Artikel Lateinisches Alphabet. Siehe zu diesem Thema auch: Paläografie (dort Lateinische Paläografie), Capitalis, Versalschrift und Majuskel.

Antike Aussprache

Auf die antike Aussprache der lateinischen Sprache wird im Artikel Lateinische Aussprache eingegangen.

Literatur

Mit Antiker Literatur des Lateinischen beschäftigt sich u. a. der Artikel Lateinische Literatur.

Gegenwart

Auch heute ist Latein noch an vielen Gymnasien aller Fachrichtungen zu finden. Etwa ein Drittel aller Gymnasiasten im deutschen Sprachraum lernt Latein als erste, zweite oder dritte Fremdsprache. An humanistischen Gymnasien wird dem Lateinischen, neben dem Griechischen, noch eine herausgehobene Bedeutung zugemessen, was früher auf eine aktive Beherrschung des Lateinischen zielte. Tatsächlich werden auch heute noch für zahlreiche Studiengänge das Latinum oder Lateinkenntnisse gefordert, insbesondere in zahlreichen geisteswissenschaftlichen Fächern. Das Latinum ist als Studienvoraussetzung für die Fächer Medizin und Jura weitestgehend abgeschafft, häufig aber nicht in Fächern wie Anglistik, Philosophie oder sogar Musikwissenschaften. Unabhängig von den Studienanforderungen wird von Befürwortern des Lateins betont, dass das Erlernen der lateinischen Sprache weiterhin Basis für die korrekte Verwendung von Fremdwörtern sei, das Erlernen anderer romanischer Sprachen wesentlich erleichtere und erhebliche Transfer-Effekte für die Denkschulung aufträten. Das Übersetzen lateinischer Texte fördere auf Grund der erheblichen Komplexität vieler lateinischer Sätze auch das logische Denken. Von den Gegnern ist hingegen zu hören, dass die Auseinandersetzung mit jeder Art von Grammatik, egal welcher Sprache, das strukturierte Denken fördere, und dass das Erlernen moderner romanischer Sprachen, welche im Gegensatz zu Latein noch gebraucht werden, mindestens ebenso gut dazu geeignet sei, die zahlreichen lateinischen Lehnwörter im Deutschen korrekt zu verwenden und andere romanische Sprachen zu erlernen. In der Tat sind viele gesamtromanische, also in allen romanischen Sprachen auftretende Wörter nicht im klassischen Latein vorhanden und müssen dann neu gelernt werden: guerra „Krieg“, testa „Kopf“, cavallo „Pferd“, mangiare/manger „essen“, andare
-
„gehen“ , boc(c)a/bouche „Mund“, blanco/blanc „weiß“, die Himmelsrichtungen etc. Viele dieser Wörter erklären sich nämlich aus dem umgangssprachlichen oder dem späten Latein oder stammen aus der Soldatensprache, also aus Varietäten, die nicht in der Schule gelehrt werden. Aus deutschen und US-amerikanischen Untersuchungen geht hervor, dass zwischen absolviertem Lateinunterricht und der Beherrschung der englischen Sprache in Schrift und vor allem Wort eine signifikante Korrelation besteht. Ein kausaler Zusammenhang ist allerdings nicht nachgewiesen worden – möglicherweise macht eine hohe sprachliche Begabung eines Kindes die Wahl des als schwierig geltenden Latein wahrscheinlicher. Da auch im modernen Lateinunterricht die Sprachproduktion eindeutig der Rezeption (Leseverstehen) untergeordnet ist, glauben viele, Latein falle Menschen mit ausgeprägter Begabung für Mathematik und formelle Denkvorgänge generell leichter als andere Fremdsprachen, wohingegen Menschen mit ausgeprägter Begabung für intuitives Erlernen von Sprachen andere Fremdsprachen leichter fänden. Dieser Zusammenhang lässt sich allerdings nicht häufig verifizieren: Die Erfahrung zeigt, dass die Schülerleistungen in Latein überwiegend Hand in Hand mit denen in der Muttersprache und anderen Fremdsprachen gehen.

Modernes Latein

Auch heute werden deutsch-lateinische Lexika aufgrund neulateinischen Wortgutes herausgegeben, z. B. das „lexicon auxiliare“ oder das vom Vatikan herausgegebene „lexicon recentis latinitatis“, welches erst im Jahre 2004 eine Neubearbeitung erfuhr. Der finnische Rundfunksender YLE (Yleisradio) verbreitet Wochennachrichten in neulateinischer Sprache. Radio Bremen veröffentlicht regelmäßig die Nuntii Latini in schriftlicher und gesprochener Version. Seit April 2004 veröffentlicht auch die deutschsprachige Redaktion bei Radio Vatikan Nachrichten auf Lateinisch. Dabei handelt es sich um ursprünglich deutsche Meldungen. Gero P. Weishaupt übersetzt sie für die Redaktion ins Lateinische. Sehr beliebt ist auch die lateinische Fassung der Asterix-Comics, die der deutsche Altphilologe Graf v. Rothenburg (Rubricastellanus) verfasst hat. Der Autor Nikolaus Groß, beruflich seit zehn Jahren Deutsch-Lektor in der südkoreanischen Hauptstadt, hat 2004 eine komplett latinisierte Übertragung von Patrick Süskinds Das Parfum im Brüsseler Verlag der Fundatio Melissa, einem überregionalen Verein zur Pflege des gesprochenen Lateins, veröffentlicht. Dem Buch ist mit dem „Glossarium Fragrantiae“ eine größere Liste aktualisierter Neuschöpfungen beigegeben. Vom selben Wortartisten existiert des weiteren ein Buch über den Baron Mynchusanus (Münchhausen). 2003 erschien bereits der erste Teil der Harry Potter-Bücher von J. K. Rowling auf Latein (Harrius Potter et Philosophi Lapis). Daneben gibt es noch viele weitere Übersetzungen „klassischer“ Werke ins Lateinische, so zum Beispiel Karl Mays Winnetou III, oder Der kleine Prinz (Regulus) von St. Exupéry. Durch das Internet ist die Verfügbarkeit alter lateinischer Texte sowie das Entstehen neuer lateinischer Texte erheblich begünstigt worden. Inzwischen gibt es sogar lateinische Fassungen von Popsongs. Daneben entstehen auch neue Popsongs in lateinischer Sprache, etwa Cursum Perficio, gesungen von Enya, Liberatio, eines von vielen lateinischen Musikstücken der Gruppe „Krypteria“, oder bei Gruppen der Dark Wave bzw. Gothic (Jugendkultur). Roma Ryan hat neben Cursum Perficio für Enya noch weitere Songs in lateinischer Sprache verfasst. In Internetforen wie Grex Latine Loquentium kommunizieren Teilnehmer aus vielen Ländern ausschließlich in Latein. In der klassischen beziehungsweise neoklassischen Musik findet Latein ebenfalls Verwendung. So hat etwa der niederländische Komponist Nicholas Lens auf seinem Werk Flamma Flamma ein lateinisches Libretto vertont, für sein Werk Terra Terra hat Lens selbst ein Libretto in lateinischer Sprache verfasst. Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Vertonungen lateinischer Gedichte wie z. B. von Jan Novák. Carl Orff unterlegte mehreren seiner Vokal-Kompositionen Texte in Latein oder Griechisch. Igor Strawinski ließ das nach Sophokles von Jean Cocteau in französischen Versen verfasste Libretto zu Ödipus Rex“ von Jean Daniélou ins Lateinische übersetzen. Das Lehrbuch Lingua Latina per se illustrata des dänischen Autors Hans H. Ørberg hat die bisher hauptsächlich für den Unterricht in modernen Sprachen eingesetzte einsprachige Lehrmethode auf den altsprachlichen Unterricht übertragen. Das Lehrbuch erfreut sich in verschiedenen Ländern einer steigenden Beliebtheit.

Latein in den Wissenschaften

In der Biologie erfolgt die Namensbildung der wissenschaftlichen Namen lateinisch und griechisch, wobei neuere Vorschläge vorsehen, die Regeln nur aus der lateinischen Sprache zu entnehmen. In der Medizin sind die anatomischen Fachbegriffe lateinisch, für die einzelnen Organe wird zusätzlich auch latinisiertes Griechisch verwendet. Die Krankheitsbezeichnungen leiten sich aus dem Griechischen ab. Zahlreiche Sprichwörter haben einen lateinischen Ursprung und sind teilweise auch in der deutschen Übersetzung zu geflügelten Worten geworden. In den Rechtswissenschaften existieren verschiedene lateinische Lehrsätze und Fachbegriffe (Latein im Recht). Auch in der Geschichtswissenschaft spielt vor allem Latein weiterhin eine große Rolle. In der Meteorologie werden lateinische Begriffe in der Wolkenklassifikation eingesetzt.

Latein in der katholischen Kirche

Latein ist neben Italienisch die Amtssprache des Vatikanstaats. Die katholische Kirche veröffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein. Das gilt für die liturgischen Bücher, den Katechismus, den Codex des kanonischen Rechts sowie die päpstlichen Rechtsvorschriften (canones, decretales) und Rundschreiben (Enzykliken). Bis zum zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) war Latein die offizielle Gottesdienstsprache und ist dies (laut Sacrosanctum Concilium) offiziell noch heute, wobei andere Sprachen jedoch gleichfalls erlaubt sind. Tatsächlich werden nur noch sehr wenige Gottesdienste in Latein gehalten. Der gegenwärtig amtierende Papst Benedikt XVI. bevorzugt bei seinen Messen aber das Lateinische vor dem Italienischen. Siehe auch: Lateinische Kirche

Referenzlisten


- Lateinische Präpositionen
- Liste lateinischer Ortsnamen
- Liste lateinischer Präfixe
- Liste lateinischer Redewendungen
- Liste lateinischer Suffixe
- Liste von lateinischen Palindromen
- Lateinische Zahlwörter

Siehe auch


- Grammatik des Lateinischen
- Lateinische Aussprache
- Lateinische Sprichwörter
- Küchenlatein
- Vulgärlatein
- Mittellatein
- Lateinische Literatur
- Sprachen im Römischen Reich
- Jägerlatein
- Panlatinismus

Weblinks


- [http://www.commtec.de/wb/ Wörterbuch Latein-Deutsch-Latein auxilium online (mit Download-Möglichkeit)]
- [http://www.latein-pagina.de/iexplorer/stil.htm Lateinische Stilblüten]
- [http://www.thelatinlibrary.com/ The Latin Library – klassische Texte im Original]
- [http://www.albertmartin.de/latein/ Latein-Deutsch-, Deutsch-Latein-Wörterbuch mit hilfreichen Extras]
- [http://www.radiobremen.de/online/latein/ Nuntii latini bei Radio Bremen]
- [http://www.latein-pagina.de/ Latein-Pagina]
- [http://www.antikeundeuropa.de/Alte_Sprachen_heute/alte_sprachen_heute.html Alte Sprachen heute]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/a_chron.html Sammlung lateinischer Texte/bibliotheca Augustana]
- [http://www.music.indiana.edu/tml/ Lateinische Musiktraktate im Original]
- [http://www.lateinservice.de/index.htm Die deutsche Latein-Seite]
- [http://www.alcuinus.net/GLL/ Grex Latine Loquentium (Internetforum in lateinischer Sprache)]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.latein24.de/ Übersetzungen vieler klassischer lateinischer Texte bei Latein24.de] Kategorie:Einzelsprache
-
als:Latein ja:ラテン語 ko:라틴어 simple:Latin language th:ภาษาละติน zh-min-nan:Latin-gí

Talent

Das Talent (v. griech.: tálanton) bezeichnet:
- eine überdurchschnittliche Begabung
- eine altgriechische Währungs- und Gewichtseinheit, siehe Talent (Währung)
- einen Triebwagen für den Nahverkehr, siehe Bombardier Talent
- einen Fluss in der Schweiz, siehe Talent (Fluss)

Unterbewusstsein

In der Umgangssprache verwendet man den Begriff Unterbewusstsein, um deutlich zu machen, dass ein Mensch in seinen Aktivitäten von Motiven geleitet wird, die ihm selbstreflektierend in seinem Bewusstsein nicht zugänglich sind. In der Fachliteratur wird man diesen Begriff nicht finden, da er eigentlich nicht richtig, sondern nur umgangssprachlich gebräuchlich ist. Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse, ging von drei Kategorien des Bewusstseins aus. Er unterschied: 1. Das Unbewusste. Trotz willentlicher Anstrengung kann ein seelischer Inhalt zu einem gegebenen Zeitpunkt nicht bewusst gemacht werden. 2. Das Vorbewusste. Dies sind seelische Inhalte, die momentan nicht im Bewusstsein sind, jedoch wieder bewusst gemacht werden können (z.B. der Name eines Bekannten, den man auf der Straße trifft). 3. Das Bewusste. Nach Freud ist das Unbewusste ein System, das vor allem aus verdrängten, vom Bewusstsein nicht zugelassenen Inhalten besteht und das einer eigenen Gesetzmäßigkeit unterliegt. Das Unbewusste beinhaltet insbesondere die kindlichen Triebwünsche. Freud ersetzte dieses Seelenmodell später durch eine andere Theorie mit den Instanzen Es, Ich und Über-Ich. In diesem Modell ist das Unbewusste weitgehend identisch mit dem Es, wobei aber auch Bereiche des Über-Ichs und Ichs unbewusst sein können. Über-Ich

Die Entdeckung des Unbewussten


- Vorläufer der dynamischen Psychotherapie: Die historische und anthropologische Forschung zeigt, dass bei den frühgeschichtlichen Völkern Heilungsmethoden (Exorzismus, Hypnose, Magie, Religiöse Heilung usw.) verwendet wurden, die in der modernen Psychotherapie – in anderer Form – teilweise auch benutzt werden.
- Der deutsche Arzt Franz Anton Mesmer (1734-1815) gilt als Begründer der ersten dynamischen Psychiatrie (1775-1900). Er entdeckte heilende Kräfte (magnetische Ströme, Fluidum, Rapport) zwischen Arzt und Patient, die er - in Analogie zu den zeitgenössischen Entdeckungen auf dem Gebiet der Elektrizität - „tierischen Magnetismus“ nannte. Mit Hilfe des Magnetismus gelangen ihm eine Reihe von verblüffenden Heilungen.
- Sein Schüler, der französische Artillerieoffizier Marquis de Puységur (1751-1825) entwickelte den Magnetismus weiter zum „magnetischen Schlaf“ bzw. zur „Hypnose“.
- Der französische Neurologe Jean-Martin Charcot (1825-1893) untersuchte am Hôpital Salpêtrière in Paris die „traumatischen Lähmungen“ und analysierte den Unterschied zwischen organischen und hysterischen Lähmungen. Freud arbeitete 1885-1886 vier Monate an dieser berühmten französischen Klinik.
- Der französische Philosophieprofessor, Arzt und Psychotherapeut Pierre Janet (1859-1947) war der erste Gründer eines neuen Systems der dynamischen Psychiatrie (ab 1900). Sein Werk war eine der Hauptquellen für Freud, Adler und Jung.
- Sigmund Freud (1856-1939) gilt als Entdecker des Unbewussten. Er brach als erster mit der Schulmedizin und gründete seine eigene Schule, die Psychoanalyse. Sein Einfluss hat unsere Lebensweise und unsere Auffassung vom Menschen grundlegend geändert.
- Alfred Adler (1870-1937) und die Individualpsychologie unterscheidet sich von der Psychoanalyse grundlegend durch ihre pragmatische Theorie mit der Betonung der Unteilbarkeit des Individuums und der teleologischen und sozialen Orientierung des Menschen. Adler glaubte, dass die frühkindlichen Situationen den Lebensstil des Erwachsenen unbewusst beeinflussten. Adlers Lehre hat die Neopsychoanalyse stark mitgeprägt.
- Carl Gustav Jung (1875-1961) und die analytische Psychologie weisen eine fundamentale Ähnlichkeit zur Psychoanalyse auf. Beide bieten die Möglichkeit einer Reise ins Unbewusste in Form einer Lehr- oder Heilanalyse.

Literatur


- Henry F. Ellenberger, Die Entdeckung des Unbewussten, Verlag Hans Huber Bern 1973, ISBN 3-456-30577-X

Siehe auch

Bewusstsein, Psychoanalyse, Psychologie, Kollektives Unbewusstes

Weblinks


- [http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/Projekte/plex/PLex/Lemmata/U-Lemma/Unbewuss.htm Unbewusstes:]
- [http://www.hypnose-kikh.de/museum/saal7.htm Hypnose-Museum] Kategorie:Tiefenpsychologie Kategorie:Psychoanalyse

Talent

Das Talent (v. griech.: tálanton) bezeichnet:
- eine überdurchschnittliche Begabung
- eine altgriechische Währungs- und Gewichtseinheit, siehe Talent (Währung)
- einen Triebwagen für den Nahverkehr, siehe Bombardier Talent
- einen Fluss in der Schweiz, siehe Talent (Fluss)

Verständnis

Der Begriff Verständnis kann mit unterschiedlichen Bedeutungen besetzt sein, die sich im Sprachgebrauch auch überlagern können:
- Das inhaltliche Begreifen eines Sachverhalts, siehe Verstehen.
- Die Fähigkeit von Menschen, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und mitzufühlen, siehe Empathie.
- Allgemeiner, als "persönliches Verständnis von ..." im Sinne einer Auffassung oder eines Standpunktes, siehe Meinung. Zum Gegensatz siehe Missverständnis und Unverständnis

Einsicht

Die Einsicht bezeichnet beim Menschen im allgemeinen die Erfassung der allgemeinen, wesentlichen und notwendigen Eigenschaften und Beziehungen eines Objektbereiches. Die Einsicht ist das Resultat eines analytisch-synthetischen Erkenntnisprozesses. Als ein speziell verhaltenspsychologischer Begriff wurde die "Einsicht" zuerst von Wolfgang Köhler (1887-1967) in die Denkpsychologie eingeführt (siehe Tierische Intelligenz) und diente hier zur Kennzeichnung eines speziellen Verhaltenstyps in Problemlösungssituationen. Wenn von der herkömmlichen gestalttheoretischen Interpretation abgesehen wird, so läßt sich ganz allgemein ein Problemlösungsverhalten immer dann als einsichtig bezeichnen, wenn dem eigentlichen Lösungsvollzug eine Phase der systeminternen und meist vorerfahrungsfreien Verhaltensorganisation auf Grund sensorischer Reizverarbeitung vorausgeht, als deren Resultat eine der Problemlösungssituation angepaßte Lösung auftritt. Als charakteristische beobachtbare Eigenschaften, als Kriterien einsichtigen Verhaltens gelten:
- das plötzliche Auftreten der Lösung
- die Geschlossenheit der Handlungssequenz während des Lösungsvollzugs
- die Substituierbarkeit der Mittel in struktur-analogen Situationen
- die Originalität der Lösung
- die unverzügliche Wiederholbarkeit der Lösung auch bei größter zeitlicher Distanz Dies sind zugleich die Merkmale, die diesen Verhaltenstyp vom Versuch-Irrtum-Verhalten abgrenzen bzw. unterscheiden. Siehe auch: Lernen durch Einsicht Kategorie:Denken

Zusammenhang

Ein Zusammenhang ist die Beziehung (Relation¹), die zwischen miteinander verbundenen Teilen besteht. Diese Teile können sein: # materielle Gegenstände - z.B. Körper, Teilchen, Objekte und auch physische Prozesse, oder # gedankliche Gegenstände - etwa Begriffe, Aussagen, Theorien oder Normen, und # Eigenschaften dieser beiden Arten von Gegenständen. Jeder Zusammenhang bedeutet, dass eine Veränderung des einen Gegenstands von einer Veränderung des anderen begleitet wird. :In der Mathematik hat der Begriff „Zusammenhang“ darüber hinaus scharf definierte Bedeutungen: siehe dazu Zusammenhang (Topologie), Zusammenhang (Differentialgeometrie) und Zusammenhangsmaß in der Statistik.

Körperlich, gedanklich und dazwischen

Der ursprünglichen Wortbedeutung (zusammenhängen) kommt der physische Zusammenhang am nächsten: siehe Kohäsion, Körperteile, Kreisläufe, Siamesische Zwillinge, ... Davon abstrahiert sind gedankliche Zusammenhänge - beispielsweise Gesetze (juristische und naturwissenschaftliche), Mathematik, Philosophie, räumliche Beziehungen usw. Im Bereich "dazwischen" liegen emotionale Zusammenhänge, Prägungen oder Reaktionen, Zusammenhänge von Gruppen oder im sprachlichen Bereich, Sinneseindrücke oder Erinnerungen, ...

Objektiv, logisch und kausal

Zusammenhänge nach (1) werden auch objektive genannt, während man jene des gedanklich-sprachlichen Bereichs als Kohärenzen oder logische Zusammenhänge bezeichnet. Kausale Zusammenhänge gibt es hingegen in beiden. In der Religion, aber auch in der Intuition der meisten Menschen wird die Welt als zusammenhängendes Ganzes betrachtet. In dieser Hinsicht spricht die Philosophie von einer Korrespondenztheorie der Wahrheit: Zusammenhänge zwischen Gegenständen, Eigenschaften und Prozessen seien die Grundlage für die Kohärenz von Begriffen, Denkprozessen oder Aussagen. Dies ermöglicht uns die Erklärung von Gegenständen, die der Erkenntnis nicht unmittelbar zugänglich sind, mit Hilfe anderer, zu denen ein "objektiver Zusammenhang" besteht.

Anmerkung

¹) Jeder Zusammenhang ist eine Relation, doch nicht jede Relation ein Zusammenhang - wenn nämlich die Beeinflussung nur in einer Richtung verläuft (z.B. hierarchische und Informationssysteme, Vererbung, Sternenlicht).

Siehe auch


- ganzheitlich, Vergleich, Verstehen, Wissen
- Portal:Philosophie, Kategorie, Kontraposition, Fallbasiertes Schließen, Zufall
- Logik, Mathematische Themen, CBR

Weblinks


- [http://www.phillex.de/zshg.htm "Zusammenhang" im Philos. Lexikon]
- [http://www.pgs-dassel.de/PGS/profil/programm/projekt9.htm Ganzheitlicher Unterricht, Motivation] Kategorie:Kommunikation

Idee

Die Idee (gr. εἶδος (eidos) / ἰδέα (idea) = Vorstellung, Urbild, Idee) oder das Bild, der Leitgedanke, das Musterbild, bezeichnet eine geistige Vorstellung, einen Gedanken.

Verwendung

In der antiken Philosophie spiegelt sich die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs. Heute versteht man im Allgemeinen unter einer Idee einen Einfall oder einen neuen Gedanken. Wenn dieser im Begriff ist körperliche Form als menschliche Kreation anzunehmen, kann sie auch zur Erfindung werden. Um "zündende Ideen" zu produzieren, finden verschiedene Kreativitätstechniken Verwendung, wie z. B. das Brainstorming. Eine Idee ist darüber hinaus aber auch heute noch allgemein ohne den Aktualitätsbezug ein Gedanke oder eine Vorstellung. Darin findet sich auch der Grund für die Verwendung der Idee als Synonym für einen Plan oder eine Absicht. Bsp: "Ich hatte die Idee spazieren zu gehen" Eine Idee ist umgangssprachlich auch eine kleine Menge. Bsp: "Eine Idee mehr Aufschnitt darfs schon sein."

Der Ideenbegriff in der Philosophie

Ursprünglich wurde die Idee begriffen als ein Urbild, das einer individuellen Wirklichkeit zugrunde liegt. Heute wird sie eher so definiert, dass von ihr eine Wirkung ausgeht, die Aufmerksamkeit bündelt, sowie eine Kraft, sich in alle Richtungen auszudehnen.

Von der Antike bis ins Mittelalter

In der Philosophie wird die Idee seit Platon als metaphysische Wesenheit eines Dinges aufgefasst. Die Idee ist ein in seinem Begriff erfasstes Wesen eines Dinges. Dabei wird von der Idee als einem Urbild oder Musterbild gedacht, dem die sinnlich erfahrbare Wirklichkeit nicht oder nur unvollkommen entspricht. Somit reicht beispielsweise kein noch so technisch perfekt gezeichneter Kreis an die Idee des Kreises im Sinne von Platons Ideenlehre heran. Dennoch hat der gezeichnete Kreis an der Idee teil und die Idee ist zugleich in ihm enthalten. Eine Idee kann nur durch das Denken, niemals jedoch empirisch, also sinnlich, erfasst werden. Eine weitere Eigenschaft, die Platon der Idee zuspricht ist, dass diese unveränderlich ist. Die höchste Idee ist nach Platon die des Seins, gefolgt von den dreien des Guten, des Schönen und des Wahren. Aristoteles bemüht sich dies zu wiederlegen und betrachtet die Idee als kraft- und formbildungsbegabt, aber ohne Wirksamkeit, siehe Entelechie. Die Neuplatoniker nehmen Platons Ideenlehre wieder auf und verstehen die Idee als Ausdruckskraft eines obersten Weltprinzips, das mittelalterliche Christentum als "Gedanke Gottes". Ein Streit (Universalienstreit) zwischen Platon-Anhängern, Aristoteles-Anhängern und Anhängern des Nominalismus um Wesen und Herkunft des Begriffes der Idee entbrennt im Mittelalter.

Subjektiver Idealismus

Seit Descartes und Locke wird die Idee in subjektivistischer Bedeutung verstanden. Vielfach bedeutet die Idee nur noch das "Bild, das sich der Geist von einem Ding macht" also eine Vorstellung oder ein Gedanke schlechthin.

Kants Ideenbegriff

Immanuel Kant bezeichnet mit der Idee ein Konzept, dass zwischen Subjektivem Idealismus und Objektivem Idealismus angesiedelt werden könnte. Eine Idee kann ihm zufolge nur im Verstand entstehen und entzieht sich gänzlich der Erfahrung. Als die drei Ideen der Metaphysik bezeichnet er Gott, Freiheit und Unsterblichkeit. Die Transzendente Idee ist für Kant ein Begriff, der in der Sehnsucht des Verstandes liegt, das ihm Gegebene zu überschreiten.

Kants Nachfolger

Mit dem Deutschen Idealismus gewinnt die metaphysische Ideenlehre Platons wieder an Bedeutung, sie stellt sich aber offener und dynamischer dar. Insbesondere vertreten durch Schelling, für den Ideen "überirdische Mächte" sind, Fichte und Hegel wird Idee als Begriff der Vollkommenheit gedacht, die sich zwar noch nicht in der Erfahrung findet, aber dennoch in der Wirklichkeit möglich ist. Fichte differenziert, dass Ideen Kraft und Stärke spenden, und ebnet somit dem Begriff der Idee die Ebene der subjektiven Kreativität. Hegel betrachtet die Idee als das objektiv Wahre und definiert sie als ewigen Prozess des real sich entfaltenden Denkens, entsprechend versteht er die Wirklichkeit als die entwickelte Idee des Gedachten, die an sich existiert. Der Deutsche Idealismus wird dem Objektiven Idealismus zugerechnet

Siehe auch:

Begriff, Entwurfsmuster, Ideal, Idealismus, Realität, Erfindung

Weblinks


- [http://www.ideenwiki.de/ IdeenWiki] Kategorie:Erkenntnistheorie Kategorie:Ontologie

Zufall

Man spricht von Zufall, wenn ein Ereignis nicht notwendig oder nicht beabsichtigt auftritt. Umgangssprachlich bezeichnet man ein Ereignis auch als zufällig, wenn es nicht absehbar, vorhersagbar oder berechenbar ist. Zufälligkeit und Unberechenbarkeit oder Unvorhersagbarkeit sind jedoch nicht dasselbe. Als zufällig gelten Ereignisse wie eine Augenzahl beim Würfeln oder das Ergebnis eines Münzwurfs, jedenfalls wenn eine Manipulation ausgeschlossen wurde. Eine systematische Untersuchung des Phänomen Zufall geschieht
- in der Philosophie (Was ist Zufall?)
- in der Mathematik (Wie lässt sich Zufall quantitativ fassen (Stochastik)? Wie lässt sich Zufall künstlich erzeugen (Zufallszahl und Pseudozufallszahl)?)
- in der Physik (Welche Prozesse sind zufällig, welche determiniert?)
- in der Psychologie (Warum haben Menschen Erwartungen (und welche) über das, was geschehen wird?)
- in der Soziologie (Wie entwickelt sich die Gesellschaft? Gibt es sozio-historische Gesetze? (siehe auch Geschichtsphilosophie))

Was ist Zufall?

Eine Anmerkung zur Vorsicht: Schon die umgangssprachliche Formulierung wie "etwas zufällig Geschehenes hatte keine bekannte Ursache" impliziert eine deterministische Denkweise, denn man nimmt an, dass alles eine Ursache haben müsse. Daher wird das Wesen des Zufalls am besten im Zusammenhang mit Überlegungen zur Kausalität beleuchtet. Zufall könnte man allerdings auch anders definieren: Zufall ist dann vorhanden, wenn nur aufgrund der Anfangsbedingungen keine Aussage darüber zu machen ist, was geschieht, bzw. wenn bei exakt gleichen Ausgangsbedingungen nicht immer das gleiche passiert. In der Realität lassen sich allerdings keine solchen Versuche durchführen, denn es ist unmöglich, die exakt gleichen Voraussetzungen wieder zu rekonstruieren (denn das würde eigentlich auch die Zeit implizieren...). Deshalb ist beispielsweise die Frage, ob es Zufälle denn gibt (ob Zufall überhaupt [ist]), eine mehr physikalische oder philosophische.

Zufallsprozesse in der Welt

Die Naturwissenschaften versuchen herauszufinden, ob unsere Welt im innersten deterministisch oder zufällig ist. Man will wissen, ob ein Ereignis zufällig ist, weil der Beobachter nicht genügend Daten hatte, um eine exakte Vorhersage zu machen, oder ob das beobachtete System in sich zufällig ist. Beide Arten von Systemen lassen sich mathematisch modellieren. Die erste Art von Systemen sind solche, in denen angenommen wird, dass das Ergebnis eines Experiments bei festen Bedingungen immer gleich sein muss, und dass die auftretenden Variationen des Ergebnisses auftreten, weil der Beobachter das System nicht genau genug kontrolliert hat. Solche Systeme werden als deterministisch angesehen. Es ist heute bekannt, dass (theoretisch exakt) deterministische Systeme unvorhersagbares Verhalten zeigen können. Solche Systeme werden in der Chaostheorie untersucht. Die Quantenphysik hat eine neue Diskussion darüber ausgelöst, ob die Welt fundamental deterministischen oder fundamental zufälligen Prinzipien gehorcht. Die akzeptierte Interpretation der Quantentheorie sagt, dass identische Experimente unterschiedliche Ergebnisse haben können. Das beste Beispiel hierfür ist der radioaktive Zerfall. Es ist keine Möglichkeit bekannt, den Zerfallszeitpunkt eines instabilen Atomkernes vorherzusagen. Über eine große Anzahl von Atomkernen dagegen lassen sich statistische Vorhersagen treffen. Es gibt Wissenschaftler, die Alternativen (etwa verborgene Variablen) vorschlagen, um doch noch eine deterministische Welt zu beschreiben. Daneben gibt es die Möglichkeit, aus mikroskopischen Theorien, die zufällig erscheinen, makroskopische Theorien aufzubauen, die (quasi)deterministisch sind. Wenn man die drei Basisbegriffe der heutigen Naturwissenschaften Stoff (= Materie), Strahlung (= Energie) und Struktur (= Information) betrachtet, kann man fragen, wie der Begriff Struktur in weitere Subkategorien untergliedert werden kann. Die erste und wichtigste Unterteilung der Struktur ist dann die Unterscheidung zwischen Zufallsstruktur und geordneter Struktur oder auch zwischen Zufallsinformation und nicht zufälliger Information. Basisbegriffe der Natur- und Strukturwissenschaften Materie ------------ Energie \ / \ / \ / \ / Information /\ / \ / \ / \ / \ Zufalls- geordnete Information Information

Zufall quantitativ

In der formalen Welt der Mathematik lassen sich abstrakte Strukturen definieren, die aus der menschlichen Vorstellung beziehungsweise Erwartung von Zufall motiviert sind. Glücksspiele motivierten die ersten mathematischen Wahrscheinlichkeitstheorien und werden auch heute noch oft zu ihrer Illustration eingesetzt. Die folgenden Begriffe sind zentral zur formalen Beschreibung des Zufalls: :(Zufalls)experiment: Die durchgeführten und/oder beobachteten Vorgänge (beispielsweise zweimaliges Werfen eines Würfels). :Ergebnis oder Elementar-Ereignis: Beobachtung (beispielsweise erster Wurf '3', zweiter Wurf '5'). :Ereignis: Aus Elementarereignissen zusammengesetze Menge (das Ereignis "gerade Zahl gewürfelt" ist aus den Elementarereignissen "2,4 oder 6 gewürfelt" zusammengesetzt). :Wahrscheinlichkeit: Jedem Elementarereignis wird ein Zahlenwert zwischen 0 (tritt nie ein) und 1 (tritt immer ein) zugeordnet (beispielsweise Gleichverteilung: Die Wahrscheinlichkeit für jede Zahl auf dem Würfel ist gleichgroß, nämlich 1/6). Bei einem Kontinuum möglicher Ergebnisse spricht man von einer Wahrscheinlichkeitsverteilung. Offensichtlich sind nur solche Zufallsexperimente interessant, die mehr als ein mögliches Ergebnis haben. Die Statistik versucht, zu einem gegebenen Zufallsexperiment die zugrundeliegende Wahrscheinlichkeitsverteilung zu ermitteln.

Beispiel eines Zufallsexperimentes

Die Stufen eines Zufallsexperiments sind #Vor dem Experiment: Mindestens 2 Ergebnisse sind möglich, es ist aber noch nichts entschieden. #Das Zufallsexperiment wird durchgeführt. #Aus den mindestens 2 möglichen Ergebnissen wurde eines zufällig ausgewählt. Das einfachste Zufallsexperiment hat zwei mögliche Ergebnisse, die die gleiche Wahrscheinlichkeit besitzen. Man kann mit einer Münze diese Art von Zufallsexperiment durchführen und selber Zufallszahlen erzeugen. Dabei ordnet man der einen Seite der Münze die Zahl 0, der anderen die Zahl 1 zu. Durch Notieren vieler Wurfergebnisse erhält man eine Folge von 0 und 1. Eine solche Folge ist das Ergebnis eines sehr einfachen Zufallsprozesses. Die so erhaltenen Zufallsfolgen von 0 und 1 sind leicht statistisch untersuchbar. Dabei kann man Eigenschaften dieser Zufallsfolgen feststellen, die bei nicht-zufälligen Folgen (also Folgen, die deterministisch nach irgendeinem Gesetz ermittelt werden) nicht auftreten. Auf diese Weise kann man Zahlenfolgen auf echte Zufälligkeit prüfen. Auffällige statistische Abweichungen von reinen Zufallsfolgen können zum Beispiel verwendet werden, um wissenschaftliche Fälschungen zu enttarnen, da Messungen stets auch einen zufälligen Messfehler beinhalten, während erfundene Zufallsfehler oft gerade durch den Versuch, sie möglichst zufällig erscheinen zu lassen, deutliche Abweichungen vom Zufallsergebnis enthalten. Je länger eine Zahlenfolge ist, desto klarer kann unterschieden werden, ob es sich um eine zufällige oder nicht zufällige Folge handelt. Theoretisch kann auch ein Zufallsexperiment eine Folge von hundert Nullen hintereinander liefern, nur ist das so unwahrscheinlich, dass man in diesem Fall mit gutem Recht von einer Regelmäßigkeit ausgehen darf. Auf der anderen Seite gibt es deterministische Algorithmen, deren Ergebnisse sehr ähnlich denen eines Zufallsexperiments sind, so genannte Pseudozufallsgeneratoren. Bei guten Pseudozufallsgeneratoren braucht man eine sehr lange Zahlenreihe, um den Unterschied zum echten Zufall erkennen zu können. In der Informatik werden gelegentlich Zufallszahlen benötigt. Der Versuch, sie mit dem Computer zu berechnen, ist ein Widerspruch in sich. Eine Folge, die die Realität abbildet, ist nicht immer rein deterministisch oder rein zufällig, sondern es liegt häufig eine Mischung aus beidem vor. Ein einfaches Beispiel wäre, wenn man beispielsweise stets eine Ziffer per Münzwurf bestimmt, die nächste als den Unterschied zwischen den beiden vorhergehenden Ziffern, dann wieder Münzwurf, und so fort. Durch Untersuchung solcher Folgen bekommt man ein recht gutes Verständnis für den Zufall und die Mischung von Zufälligem und Nichtzufälligem, wie es ja oft in der Realität anzutreffen ist. Ein elementares Zufallsereignis beruht auf Gleichheit und Ungleichheit
- Die zwei möglichen Varianten müssen gleich sein (das heißt gleichwahrscheinlich).
- Trotzdem müssen sie irgendwie ungleich, nämlich unterscheidbar sein. (Münze: beide Seiten müssen mit derselben Wahrscheinlichkeit auftreten können, trotzdem müssen beide Seiten verschieden geprägt (beziehungsweise gefärbt etc.) sein, sonst könnte man sie nicht unterscheiden.)

Zufall und Gerechtigkeit

Computer Computer Die Natur kennt keine Gerechtigkeit, der Zufall auch nicht. Ein Beispiel:
Wir möchten 11 Münzen auf 10 Schweinchen verteilen. Wie stellen wir es an? 1) Wir geben fast jedem eine Münze. Aber warum bekommt ein Schweinchen zwei?
Computer 2) Würfeln wir und lassen den Zufall entscheiden, ist folgende Verteilung die wahrscheinlichste (siehe Binomialverteilung):
- Ein Schweinchen (10%) bekommt sehr viel (drei Münzen),
- zwei (20%) bekommen viel (zwei Münzen),
- vier (40%) bekommen etwas (eine Münze).
- Drei (30%!) gehen leer aus. Es ist die Aufgabe einer Gesellschaft, ein System zu finden, das Härten ausgleicht und von möglichst allen akzeptiert wird.

Zufall und freier Wille

Zwischen den Begriffen Zufall und freier Wille existiert ein enger Zusammenhang. Man kann argumentieren, dass eine freie Entscheidung eine Entscheidung ist, die zumindest teilweise nicht von anderen Einflüssen (innerer und äußerer Art) bestimmt wird. Sie ist also nicht determiniert. Dies kann aber gerade auch als Definition von Zufall angesehen werden. Nach dieser Auffassung kann es in einem Universum ohne Zufall keinen freien Willen geben, da jede Entscheidung bei Kenntnis aller Einflussgrößen vorhergesagt werden könnte. Es ist nun eine Aufgabe der Philosophie, Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Begriffe genauer herauszuarbeiten. Der englische Begriff random number (wörtlich: freie Zahl) für Zufallszahl weist auf diesen Zusammenhang hin.

Einige wichtige Basisaussagen über den Zufall


- Ein elementarer Zufallsprozess ist der Münzwurf, denn er liefert eine zufällige Entscheidung zwischen 2 Alternativen. Man beachte, dass es für den Münzwurf irrelevant ist, ob das Ergebnis prinzipiell unberechenbar ist oder bei genauer Kenntnis der Rahmenbedingungen vorausgesagt werden kann. Solange alle Beteiligten gleich wenig über das Ergebnis wissen, wird der Münzwurf als fair empfunden.
  - Ein elementarer Zufallsprozess hat 2 Alternativen mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,5.
- Eine beispielsweise durch Münzwurf erzeugte Zufallsfolge von 0 und 1 lässt sich ohne Verlust kaum komprimieren.
- Je mehr Ordnung und Regelmäßigkeit man in einem System erkennt, desto weniger Zufall verbleibt darin.
- Es ist kein Verfahren bekannt, wie man "echten" Zufall (was immer das sein soll) von jenen Ereignissen unterscheiden kann, die scheinbar zufällig sind, tatsächlich aber einem unbekannten deterministischen Gesetz gehorchen. Erst wenn man dieses deterministisches Gesetz findet, kann man "echten" Zufall ausschließen.
- Zufall heißt nicht, dass alles möglich ist. Ein zufälliger Münzwurf kann nur Kopf oder Zahl ergeben. Falls die Münze auf der Kante liegen bleibt, wirft man sie eben nochmals...
- Ereignisse mit der Wahrscheinlichkeit 0 sind durchaus möglich. Ein Beispiel hierfür ist das Auswählen irgendeiner Zahl zwischen 3 und 4 mit konstanter Wahrscheinlichkeitsdichte, also gleicher Wahrscheinlichkeit für jede Zahl im Intervall [3,4]. Da es im Intervall [3,4] überabzählbar unendliche viele Zahlen gibt, ist die Wahrscheinlichkeit für eine konkrete Zahl, beispielsweise Pi, gleich Null (Mathematiker nennen dies Lebesgue-Nullmenge), aber trotzdem ist Pi sehr wohl möglich.
- Manche meinen, wenn Zukunft völlig festgelegt und vorherbestimmt ist (deterministische Weltanschauung), dann gibt es keinen Zufall. Andere meinen, die Nachkommastellen der Zahl Pi 3,14159... seien völlig zufällig. Offensichtlich wird hier das Wort "Zufall" in widersprüchlichen Bedeutungen verwendet.
- Die Mischung aus zufälligen und nichtzufälligen Ereignissen wird der Realität am besten gerecht. Die Frage ist lediglich, in welchem Verhältnis zu mischen ist.
  - Bevor man ein Ereignis als zufällig ansieht, sollte man sich eingehende Gedanken darüber machen, ob es wirklich rein zufällig ist. Manchmal ist der Zufall eine zu bequeme Erklärungsvariante.
  - Das menschliche Gehirn neigt andererseits dazu, auch in rein zufällige Geschehnisse Gesetzmäßigkeiten hinein zu interpretieren, da das kausale Denken insgesamt sich sehr erfolgreich erwiesen hat. Interessant ist in diesem Zusammenhang das Experiment von Wright an der Universität Stanford mit dem "vielarmigen Banditen", siehe z. B. [http://home.tiscali.de/alex.sk/D_Wright.html Paul Watzlawick, Wie wirklich ist die Wirklichkeit?]
- Die rein statistische Berechnung der informationstheoretischen Entropie ist kein geeignetes Maß, um die Menge an Zufall in einer Zahlenfolge zu messen. (Warum nicht ?) (->nur bei vergleichbaren Erzeuger: also nur vom Menschen erzeugtes (oder gemessenes) kann meiner Meinung nach damit gemessen werden-> also, grundsätzlich geeignetes mass, da alles von menschen gemessen oder erzeugt wurde, was damit gemessen wird, uff (-> sorry, please edit :)
- Hat der Zufall ein Gedächtnis?
  - Das Zufallsexperiment des einmaligen Wurfs eines Würfels hat kein Gedächtnis. Das Zufallsexperiment der einmaligen eingeworfenen Roulettekugel auch nicht. Fällt die Kugel z. B. auf 5, so ändert das im idealen Roulettespiel nichts an den Chancen, dass das nächste Mal wieder die 5 kommt
    - Im realen Roulettespiel sind wegen mechanischer Unregelmäßgikeiten die Chancen vorhanden, dass eine Ungleichverteilung der Wahrscheinlichkeiten für die einzelnen Zahlen herrscht. Roulette hat also ein Gedächtnis in dem Sinn, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine der häufig gefallenen Zahlen wieder kommt, höher als oder zumindest gleich hoch ist wie die Wahrscheinlichkeit, dass eine der bisher selten gefallenen Zahlen kommt. Im realen Roulette müssen die Zylinder daher häufig getauscht werden, damit niemand diese Ungleichverteilung ausnutzen kann.
  - Kartenspiele haben üblicherweise ein Gedächtnis: die gezogene Karte kommt meist entsprechend der Regeln nicht zurück ins Spiel. Wird eine hohe Karte gezogen, so sinken die Chancen, dass das nächste Mal wieder eine hohe Karte gezogen wird. Daraus können Gewinnstrategien für das betreffende Spiel entsprechend der Regeln abgeleitet werden.
- Zufallsereignisse widersprechen nicht dem Gesetz von Ursache und Wirkung Siehe dazu http://de.wikibooks.org/wiki/Was_ist_eigentlich_Zufall#Widerspricht_ein_Zufallsereignis_dem_Kausalit.C3.A4tsprinzip_.3F

Zufallsgeneratoren

Solche können zum Beispiel sein: Münze, Würfel, Roulette, Urne oder Reißnagel Spiele mit dem Zufall? - Beispiel: Stichomantie

Literatur


- Klein, Stefan: Alles Zufall. Die Kraft, die unser Leben bestimmt. 2004. ISBN 3-498-03519-3,
- Lew W. Tarassow: Wie der Zufall will? Vom Wesen der Wahrscheinlichkeit. Spektrum Akademischer Verlag. Heidelberg 1998. ISBN 3827404746
- Gerd Gigerenzer, Zeno Swijtink, Theodore Porter u. a.: Das Reich des Zufalls: Wissen zwischen Wahrscheinlichkeiten, Häufigkeiten und Unschärfen. Spektrum Akademischer Verlag 1999. ISBN 3-8274-0101-1 (Buch über die Geschichte der Wahrscheinlichkeitsrechnung)
- Manfred Eigen und Ruthild Winkler: Das Spiel. Naturgesetze steuern den Zufall. Piper. ISBN 3-492-20410-4
- Karl Bosch: Statistik für Nichtstatistiker. Zufall oder Wahrscheinlichkeit. ISBN 3486247506
- Allan Combs/Mark Holland: Die Magie des Zufalls. ISBN 3499191776
- Elisabeth Mardorf: Das kann doch kein Zufall sein. Verblüffende Ereignisse und geheimnisvolle Fügungen in unserem Leben. Kösel Verlag. ISBN 3-466-34380-1

Klassische Werke zum Thema Zufall


- Aristoteles: Physika
- Heinrich Emil Timerding: Die Analyse des Zufalls
- Jakob Bernoulli: Wahrscheinlichkeitsrechnung Ars conjectandi. Reihe Ostwalds Klassiker, Bd. 107. ISBN 3-8171-3107-0
- Pierre Simon Laplace: Philosophischer Versuch über die Wahrscheinlichkeit. Reihe Ostwalds Klassiker, Bd. 233. ISBN 3-8171-3233-6

Siehe auch


- Chance
- Entropie
- Gesetz der großen Zahlen
- Glück
- Information
- Kausalität
- Pech
- Randomisation
- Risiko
- Schicksal
- Serendipity
- Wahrscheinlichkeit
- Zufall und Ordnung
- Zufallsexperiment

Weblinks


- http://www.madeasy.de/2/zufall.htm - ausführlicher Arbeitstext zum Thema Zufall
- http://www.ptb.de/de/publikationen/blickpunkt/interviews/fragen/frage35.html - Was ist Zufall? Prominente Physiker antworten
- http://www.eduvinet.de/gebhardt/stochastik/zufallsg.html
- http://home.wtal.de/schwebin/lsys/zufall.htm
- http://www.robertnz.net/true_rng.html - Seiten über echte Hardware-Zufallszahlengeneratoren
- http://www-math.uni-paderborn.de/~aggathen/vorl/2001ss/sem/
- http://www.uni-ulm.de/~cschmid/v2000s/webprob/sb1/sb1_2.htm - Seite über Zufallsgeneratoren mit vielen Bildern
- http://www.true-random.com/spinoffs2.html - Weitere Seite über Zufallsgeneratoren mit vielen Bildern
- http://www.mathematik.uni-muenchen.de/~bohmmech/chance/sueddeutsche.htm - "Würfelt Gott? Und wenn ja, wann? Noch immer streiten Physiker über den Zufall in der Quantenmechanik, der schon Albert Einstein missfiel."
- http://www.romankoch.ch/capslock/zufall.htm
- http://www.philosophiebuch.de/lassonzu.htm
- http://www.alles-zufall.de/links.html
- http://www.randomnumbers.info/ - Bietet von einem Quantenzufallsgenerator erzeugte Zufallszahlen Kategorie:Naturphilosophie Kategorie:Ontologie Kategorie:Statistik Kategorie:Stochastik ja:ランダム

Serendipity

Serendipity, manchmal Serendipity-Prinzip oder eingedeutscht Serendipität bezeichnet eine zufällige Beobachtung von etwas, das gar nicht das ursprüngliche Ziel einer Untersuchung war, das sich bei einer genauen Analyse aber als neue und überraschende Entdeckung erweist. Serendipity entspricht damit zum Teil dem deutschen Ausdruck vom "Glück (im Unglück)", allerdings liegt bei Serendipity eine zusätzliche Betonung auf "Untersuchung" oder "intelligenter Schlussfolgerung", während die deutsche Redewendung wesentlich weiter gefasst ist. Die Fähigkeit eines Menschen zu derartigen Entdeckungen wird ebenfalls als Serendipity bezeichnet. Der Ausdruck wurde erstmals von dem englischen Autor Horace Walpole (1717 - 1797) in einem Brief vom 28. Januar 1754 an Horace Mann verwendet. Er erläutert darin, dass er diesen Begriff in Anlehnung an ein persisches Märchen mit dem englischen Titel "The Three Princes of Serendip" geprägt habe, in welchem die drei Prinzen viele dieser unerwarteten Entdeckungen machen. Serendip ist die alte persische Bezeichnung für Ceylon, das heutige Sri Lanka. Bekanntes Beispiel für Serendipity sind die Entdeckungen der Röntgen-Strahlung, des Penicillins, des Sekundenklebers oder der kosmischen Hintergrundstrahlung. Auch geradezu überzufällige Begebenheiten sind beschrieben, die die Forscher zu Entdeckungen führen: bis hin zum Benzolring, der schliesslich in einem Traum vorkam. Andere Beispiele sind Post-It und Teflon oder auch Nylonstrümpfe und immer wieder das Zitat: "der Zufall trifft nur einen vorbereiteten Geist", die Entdeckung kommt, wenn jemand viel daran gearbeitet hat, aber oft ungezwungen, durch einen Zufall. Ein weiteres Beispiel für Serendipity findet sich in der Finite-Elemente-Methode: dort wird eine bestimmte Klasse von Kontinuumselementen als Serendipities (= Finite Elemente mit speziellen Ansatzfunktionen) bezeichnet. Auch das Surfen im Internet oder in der Wikipedia kann zu Serendipity-Effekten führen. Den Zustand der Desorientierung in Hypertexten und virtuellen Informationsräumen bezeichnet man als Lost in Hyperspace.

Literatur


- [http://www.gutenberg.net/etext03/lthw210.txt Horace Walpoles Briefe] (txt-Datei mit 1,54 MB; nach Serendipity suchen, Brief Nr. 90)
- Robert K. Merton and Elinor Barber: The Travels and Adventures of Serendipity: A Study in Sociological Semantics and the Sociology of Science. Princeton University Press, Princeton 2003
- Robert K. Merton: Auf den Schultern von Riesen. Frankfurt a.M. : Suhrkamp (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
- Stefania Sabin: Andy Warhol. Hamburg 1992 : Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH
- Martin Schneider: Teflon, Post-It und Viagra. Weinheim 2002/3 Wiley-VCH (weitere Nachweise)

Weblinks


- [http://livingheritage.org/three_princes.htm Three Princes]
- [http://www.bildung-mv.de/download/tagungsberichte/deutschlehrertag-2003/Ablaufplan/Roth-GEDICHT.pdf Eugen Roth, Das Hilfsbuch (Gedicht, PDF, 51KB)]
- [http://www.moviemaze.de/filme/319/Weil-es-Dich-gibt.html Infos zum Film Serendipity (dt. Weil es dich gibt) auf www.moviemaze.de, Auswahl der Site geschah rein zufällig]
- [http://www.s9y.org Serendipity Weblog] Kategorie:Literarischer Begriff ko:세렌디피티 ja:セレンディピティ

Gesunder Menschenverstand

Unter dem gesunden Menschenverstand (bes. österr. auch: Hausverstand) versteht man das abwägende Denken (und Handeln) bei klarem Kopf, so gut wie es geht frei von äußeren Einflüssen oder Vorurteilen. Meist wird hierbei eine Entscheidung gefällt, welche statistisch gesehen von einer vermuteten Mehrheit der Bevölkerung getroffen würde. Aufgrund von unterschiedlichen Erfahrungen, Sichtweisen und moralischen Werten ist bei verschiedenen Menschen auch mit unterschiedlichem gesundem Menschenverstand zu rechnen. Einen absoluten gesunden Menschenverstand gibt es nicht und darf nicht mit Konsens verwechselt werden. :Der gesunde Menschenverstand ist die Summe der Vorurteile, die man bis zu seinem 18. Lebensjahr angesammelt hat (Albert Einstein) Eine andere Art der Entscheidungsfindung ist "aus dem Bauch heraus" (siehe Intuition).

Siehe auch


- Common Sense
- Gemeinsinn
- Gramsci Kategorie:Philosophische Anthropologie Kategorie:Ethisches Prinzip Kategorie:Philosophie (Sonstiges) ja:常識

Erfahrung

Eine Erfahrung ist ein Erlebnis, das in unserem Gedächtnis haften bleibt. Manchmal ändert sich das spätere Verhalten durch eine Erfahrung . Erfahrung ist eine allgemeine Bezeichnung für Kenntnisse und Verhaltensweisen, die man durch Wahrnehmung und Lernen erwirbt oder erworben hat. Das Sammeln von Erfahrungen ist abhängig von
- den angeborenen Fähigkeiten eines Individuums sowie
- den äußeren Anregungen und Umweltbedingungen. Erfahrungen müssen bewertet und verarbeitet werden, dann bleiben sie länger wirksam. Im Alltag spricht man allgemein auch von Lebenserfahrung. Damit wird das erprobte und bewährte Wissen bezeichnet, das im Laufe eines Lebens gewonnen wurde. Das Wort Erfahrung verwendet man auch im Sinne von Berufserfahrung dann, wenn eine Person schon länger eine bestimmte Tätigkeit verrichtet hat und dadurch mit vielen verschiedenen Situationen konfrontiert war, die gemeistert werden mussten. In der Pädagogik unterscheidet man zwischen Primärerfahrung und Sekundärerfahrung. Primärerfahrungen sind unmittelbare Erfahrungen, die in direkten Kontakt mit Mitmenschen oder einem Objekt gemacht werden. Erfahrungen, die man aus der Wahrnehmung anderer übernimmt, sind Sekundärerfahrungen. Hierzu zählen z.B. Erfahrungen, die durch das Fernsehen oder den Computer vermittelt werden. Erfahrung im Sinne von Beobachtung, Messung, Experiment ist ein zentraler Begriff aller empirischen Wissenschaften.

Begriffsabgrenzung

In der Erkenntnistheorie stehen eine Reihe dem der Erfahrung verwandter oder z.T. häufiger verwendeter Begriffe zur Verfügung wie z.B. mit Bezug auf Gegenstände bei Sinnliches, "Empirisches, Experimentelles', Tätigkeit, Praxis oder mit Bezug zum Bewußtsein z.B. bei Wissen, Alltagswissen, Kenntnis, Fähigkeit, Überzeugung. Die Betonung der durch ein bestimmtes Subjekt selbst gewonnenen Erkenntnis hebt den Erfahrungsbegriff von allern anderen Erkenntnissen ab. Erfahrung ist immer nur auf ein bestimmtes Subjekt beziehbar, das allerdings auch im Grenzfall die gesamte Menschheit sein kann. Die Hervorhebung der Unmittelbarkeit ist darauf gerichtet, die vermittelten Formen der Erkenntnisgewinnung und Weitergabe anderen Begriffen zuzuweisen.

Zur Vermittlung und Herausbildung von Erfahrung

Erfahrungen lassen sich vermitteln: aber nur in Form von Wissen und Kenntnissen, nicht als Erfahrung des Subjekts, dem sie vermittelt wurden. Jede selbst und unmittelbar gewonnene Erkenntnis einer Person ist von der in Erlebnisprozessen vor sich gehenden Ausbildung von Emotionen, Motivationen, Willensentscheidungen und Haltungen begleitet; jeder selbst und unmittelbar erzielte Erkenntnisgewinn von der auf jenen Erlebnisprozessen beruhenden Ausbildung von Normen und Wertungen. Erscheinen andere Erkenntnisformen gleichsam "entsubjektiviert", "wertfrei" - etwa bestimmte Theorien, Wissenssysteme, Kenntnisse -, so ist dies bei der Erfahrung niemals der Fall. Die gegebene Begriffsbestimmung trifft keine weiteren Aussagen über das Verhältnis der Subjekte zu den Gegenständen der Erkenntnis, etwa, inwiefern Sinneskomponenten, nichttheoretisch-empirische oder eher theoretische Komponenten, Experimente o.ä. am Erfahrungsgewinn beteiligt sind und inwieweit der Erfahrungsprozess in die Aktivität, Tätigkeit und Analyse des wechselseitigen Zusammenhangs von theoretische und praktischer Tätigkeit eingebettet sind.

Unterscheidung zur Empirie

Sinnliches, Empirisches, Experimentelles stellen auf jeweils besondere Weise (d.h. primär über die Sinne, primär nicht nichttheoretisch, aber innerhalb des wissenschaftlichen Arbeitens, primär durch vorbedachte Experimente) gewonnene Erfahrung dar. Empirie, oft mit der Erfahrung gleich gesetzt, bezeichnet dabei Prozesse der Gewinnung von wissenschaftlicher Erfahrung durch wissenschaftliche Verfahren, die sich einerseits auf die unmittelbare Sinneswahrnehmung gründen - wie Beobachtung, Feldversuch, Experiment u.ä. -, andererseits aber stets auch auf theoretisch-konzeptionellen Voraussetzungen beruhen. Das Ergebnis liegt dabei immer in sprachlich gefaßten Aussagen oder anders dokumentierten Formen als empirisches Wissen (d.h. als Tatsachen- und Faktenwissen) vor. Jeder Tätigkeitsprozess, jeder Prozess in der Praxis stellt auch einen Erfahrungsprozess dar, lässt sich jedoch nicht darauf reduzieren; die Ergebnisse können Erfahrungen sein, müssen es aber, beispielsweise bei wissenschaftlicher oder künstlerischer Tätigkeit oder Praxis, keineswegs sein.

Zum Verhältnis von Wissen

Wissen, Alltagswissen, Kenntnis können selbst oder vermittelt erworben, können beim Erwerb von Erlebnissen begleitet oder als bloßer Stoff aufgenommen sein, können also Erfahrung eigener Art repräsentieren oder aber fast frei von Erfahrung eines bestimmten Subjekts sein. Fähigkeiten werden immer von einem individuellen, Überzeugungen von einem Subjekt selbst und unmittelbar gewonnen und erlebnismäßig angeeignet, repräsentieren also stets besondere Formen von Erfahrung.

Innere und äußere Erfahrung

Mit der Unterscheidung von innerer und äußerer Erfahrung kommt schließlich die zentrale philosophische Fragestellung in das Blickfeld. Zweifellos gibt es für konkrete Individuen so etwas wie innere Erfahrung, nämlich Erkenntnisse, die allein als das Resultat von Operationen über dem Gedächtnisbesitz zu beschreiben sind, also in der eigenen ideellen Tätigkeit des Subjektes selbst gewonnen wurden und unmittelbar einzelne durch die Subjekte erlebte (geistige) Ereignisse betreffen. Doch die Frage, wie äußere und innere Erfahrung in Beziehung zu setzen sind, übergreift alle Einzelerörterungen, weil der Gegensatz zwischen Sensualismus und Rationalismus auf die Frage hinausläuft, ob der äußeren oder der inneren Erfahrung mehr vertraut werden darf.

Philosophischen Anwendung des Erfahrungsbegriffs

Verallgemeinernd lässt sich feststellen, dass der Begriff der Erfahrung philosophisch nicht eindeutig ist, sowohl materialistische wie idealistische Schlussfolgerungen zulässt und in konkreten Verwendungszusammenhängen einer eindeutigen wissenschaftlichen und philosophischen Präzisierung bedarf. Gerade die Vieldeutigkeit des Erfahrungsbegriffs ist eine der Ursachen sowohl für die vielen divergierenden Definitionen als auch für die zahlreichen philosophiegeschichtlichen Verwendungs- und Deutungsweisen. Philosophiegeschichtlich verläuft die Diskussion der Erfahrungsproblematik weitgehend parallel zu der der Erkenntnisproblematik. Rudolf Eisler unterscheidet drei Traditionslinien: :Der Empirismus wertet die Erfahrung als einzige Quelle der Erkenntnis, der Rationalismus schreibt dem Denken überempirische Erkenntniskraft zu, der Kriticismus betont in verschiedener Weise die Notwendigkeit des Zusammenwirkens von Erfahrung und Denken (in: R. Eisler, Artikel "Erfahrung". In: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Bd. 1, Berlin 1904) In Anlehnung an Immanuel Kant kann man erstere auch als aposteriorische, die zweite als apriorische, die dritte als dualistische Traditionslinien bezeichnen.

Philosophische Ansätze in der Neuzeit

Obwohl man diese Sichtweise auf die Betrachtungen antiker und mittelalterlicher Philosophie ausdehnen kann, sollen hier nur einige philosophische Ansätze der neueren Zeit erwähnt werden. Empirische Ansätze setzen Erfahrung mit Wahrnehmung mehr oder weniger gleich und betrachten sie in der Regel als zentrale Kategorie ihrer philosophischen Systeme. Francis Bacon betonte zuerst, mit Blick auf die Entstehung der modernen Wissenschaften, den Wert der methodisch geleiteten Erfahrung gegenüber der Alltagserfahrung. Thomas Hobbes betrachtete die sinnliche Wahrnehmung als Quelle der Ideen, aus der alles Wissen stammt, und trennt strikt die Empfindung vom Denken ab. John Locke nimmt an, dass alles Wissen aus äußerer oder innerer Erfahrung stamme, der Geist lediglich die Verbindung, Trennung und Generalisation des Erfahrenen diene und die Seele eine "tabula rasa" sei: Nichts sei im Verstand, was nicht zuvor in den Sinnen war. George Berkeley und David Hume nutzten die Anschauungen Lockes zur Ableitung ihrer empirischen Systeme. G. W. Leibniz erweitert diese Ansicht: Es ist nichts im Verstand, was nicht zuvor in den Sinnen war - außer dem Intellekt selbst. Er deutet damit bereits auf dualistische und sogar dialektische Möglichkeiten hin. Rationalistische Ansätze, insbesondere die des klassischen objektiven Idealismus, sehen die Erfahrung den Apriori -(entweder eingeborenen oder gedanklich vorerarbeiteten) Ideen und Gedanken nachgeordnet. Rene Descartes und Spinoza sehen in der Vernunft die primäre Erkenntnisquelle, obwohl sie die Tatsache des Erfahrungsmachens durchaus akzeptieren. Besonders Descartes' Gedanke von den "eingeborenen Ideen" (Ideae innatae) wirkt prägend bis in die Neuzeit (z.B. bei Noam Chomsky). Fichte betrachtet das System unserer Vorstellungen als Erfahrung. Nach Hegel ist die Erfahrung von den Bestimmungen des reinen Denkens unabhängig. Schelling läßt neben der gewöhnlichen Erfahrung als Gewissheit, die wir von äußeren Dingen und deren Beschaffenheit durch die Sinne erhalten, auch offenbartes Übersinnliches und Göttliches als "höhere" Empirie gelten. Arthur Schopenhauer betrachtet Erfahrung als all das, was im empirischen Bewußtsein vorkommen kann. Viele Neukantianer stehen ebenfalls eher auf rationalistischen Positionen, so Otto Liebmann, Hermann Cohen und Paul Nartop.

Immanuel Kant sowie der Positivismus

Wichtigster Ursprung dualistischer Ansätze ist das völlig neue Erfahrungsverständnis, das Kant in die Philosophie einführte. Kant verwendete den Begriff erstens in außerordentlich breitem, die Erkenntnis im weitesten Sinne umfassenden Verständnis. Erfahrung bezeichnet für ihn sowohl den Gegenstand als auch die Methode der Erkenntnis, den denkgesetzlichen Zusammenhang aller Funktionen der Erkenntnis: Produkt der Sinne und des Verstandes. In dem Ganzen aller möglichen Erfahrung liegen all unsere Erkenntnisse. Zweitens differenziert und strukturiert er aber diesen Erfahrungsbegriff tiefgründig. Einerseits ist ihm Erfahrung die Erkenntnis der Objekte durch Wahrnehmungen, eine Synthesis der Wahrnehmungen, bedeutet somit einen stets fortschreitenden Erkenntnisprozess und liefert empirische, objektiv gültige Erkenntnisresultate. Dies ist aber nichts weniger als ein empiristischer Zugang. Denn andererseits stellt er klar fest, dass der Verstand durch seine Begriffe (d.h. der Kategorien) selbst Urheber der Erfahrung ist, dass die Verstandesgrundsätze, als synthetische Erkenntnisse a priori, die Erfahrung antizipieren. Drittens wird damit Erfahrung in das Wechselspiel der Apriori und Aposteriori eingefügt und eine bis heute gültige Frage gestellt: Inwieweit wird die sinnliche Wahrnehmung und die kognitive Verarbeitung des Wahrgenommenen durch bereits vorhandene - phylogenetisch oder ontogenetisch oder gesellschaftlich erworbene - Mechanismen determiniert, die von den Rezeptorkonfigurationen und den Möglichkeiten und Grenzen der neuralen Selbstorganisation bis zu den gesellschaftlich vorgegebenen Erkenntnissen, Einstellungen und Wertungen reichen? Der Positivismus so unterschiedlicher Denker wie John Stuart Mill, Auguste Comte, Karl Eugen Dühring, Richard Avenarius, Joseph Petzold, Ernst Mach und vieler anderer knüpft an den klassischen Empirismus an und versucht auf unterschiedliche Weise wiederum die (verabsolutierte, reine) Erfahrung zur Quelle allen wahren Wissens zu bestimmen.

Zur Aufgabe der Klärung der inneren Erfahrung

Als Aufgabe bleibt u.a. zu klären, einen erweiterten Zugang zur inneren Erfahrung zu finden, dies also nicht nur im Sinne der relativen Apriori. So wird im Rahmen der Selbstorganisationstheorie, insbesondere hier die Autopoiesistheorie von Humberto Maturana, auf die Entstehung von geistig Neuem ohne jeglichen Anstoß von außen hingewiesen.

Weblinks


- http://mediendenken.editthispage.com/erfahrung
- http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/Projekte/PLex/PLex/lemmata/E-Lemma/Erfahrun.htm Kategorie:Psychologie Kategorie:Pädagogik Kategorie:Erkenntnisprozess

Geistesblitz

Unter einem Geistesblitz (auch Eingebung) versteht man eine plötzliche Erkenntnis oder Idee. Meist weiß die betroffene Person nicht, woher dieser Einfall gekommen ist, weil er nicht einem vorherigen Gedankengang entspringt, sondern "aus heiterem Himmel" zu kommen scheint. Da ein Geistesblitz oft völlig neue Ideen schafft, die in den vorigen Gedanken nicht vorhanden waren, bietet er oft unerwartete Lösungen. Um die Umgebung zu schaffen, in denen solche Lösungen induziert werden, können verschiedene zielgerichtete Methoden verwendet werden. Eine davon ist z.B. die international angewendete Methode "Brainstorming". (Englisch: "brainstorm" = "Geistesblitz"). Wichtig dabei ist es, auch vage Gedanken zuzulassen, Kritik auszuschließen, Gedanken weiterzuentwickeln und die Ergebnisse auszuwerten.

Weblinks


- [http://www.geistesblitz.de/ Geistesblitz - Blog mit vielen Artikeln zum Thema "Ideen finden & präsentieren"] Kategorie:Redewendung

Wahrheit

Der Begriff Wahrheit bezeichnet im allgemeinen die Übereinstimmung einer Aussage mit der Wirklichkeit. Es ist der deutsche Ausdruck für griech. Aletheia (lat. veritas) und wurde von den Griechen für das Aufdecken eines verborgenen oder versteckten Wissens verwendet.
- Eine Definition von Wahrheit ist auf Grundlage einer Wahrheitstheorie möglich (s.u.). Ob es eine absolute Wahrheit gibt, ist dabei umstritten. Während sowohl die Wissenschaften als auch die Religionen lange beanspruchten, die Wahrheit zu vertreten, wird besonders in der Philosophie der Gegenwart die Frage aufgeworfen, ob Wahrheit allein durch Logik oder Wissen zu finden ist. Gegenpol der Wahrheit ist in diesem Sinne weniger die Lüge als die Skepsis.
- In der Aussagenlogik bezeichnet die Wahrheit einen Wahrheitswert, der nach formalen Regeln ermittelt werden kann. In der zweiwertigen Aussagenlogik gibt es die beiden Wahrheitswerte "Wahr" und "Falsch".
- Der Ausdruck Wahrheit wird auch im Sinne von Wahrhaftigkeit verwendet, also als moralische Kategorie. __TOC__

Wahrheitstheorie

Eine Wahrheitstheorie ist eine philosophische (erkenntnistheoretische bzw. wissenschaftstheoretische) Theorie darüber, was als wahr oder falsch, aber auch als unentscheidbar, paradox etc. festgestellt werden kann. Solche Theorien behandeln dabei insbesondere das Verhältnis von Realität und Erkenntnis und fragen, wie Erkenntnis generell und wahre Erkenntnis im besonderen erreicht werden kann. In der Sprachphilosophie stellt sich vor allem die Frage, wann Aussagen über die Welt als wahr gelten können. Hervorzuhebende Wahrheitstheorien sind die Korrespondenztheorie, die Konvergenztheorie und die Kohärenztheorie der Wahrheit. Wahrheitstheorien hängen eng zusammen mit den Bereichen der Methodologie der Wissenschaften sowie der Logik.
- Jan Huwendiek: Die Wahrheit ist ein Gefühl, das mit dem Verstand korrespondiert. Dieses Gefühl kann sensibilisiert werden.
- Aristoteles und zahlreiche mittelalterliche Philosophen rechnet man der Korrespondenz- oder Adäquationstheorie zu. Die Wahrheit besteht, ihnen zufolge, aus der Übereinstimmung von Verstand und Sache.
- Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1715) und idealistische Philosophen gehören zu den Vertretern der Kohärenztheorie. Nach ihrer Auffassung besteht die Wahrheit einer Menge von Aussagen darin, dass sie untereinander kohärent, also widerspruchsfrei miteinander vereinbar sind.
- Die Evidenztheorie gehört zu René Descartes (1596–1650), Franz Brentano (1838–1917) und Edmund Husserl (1859–1938). Ein Satz ist wahr, wenn er mit einem evidenten Urteil übereinstimmt.
- Die Auffassung, wahr sei etwas, wenn die Annahme der Wahrheit dieser Sache für die Praxis fruchtbar und nützlich ist, entspricht einer pragmatischen Wahrheitstheorie.
- Karl-Otto Apel (
- 1922) vertritt die Konsenstheorie. Sie besagt, dass eine Aussage dann wahr ist, wenn eine möglicherweise unendlich große Menge von Menschen unter idealen Kommunikationsbedingungen dieser Aussage zustimmen würde.
- Frank Plumpton Ramsey (1903–1930) formuliert die Redundanztheorie: Das Wort "wahr" ist überhaupt überflüssig.
- Die Performancetheorie wird von Peter Frederick Strawson (
- 1919) vertreten. Demnach wird das Wort ‚wahr‘ performativ im Sinne einer Zustimmung zum Gesagten verwendet.
- Alfred Tarski (1902–1983) hat in seinem zuerst auf polnisch erschienenen Aufsatz Der Wahrheitsbegriff in den formalisierten Sprachen (1933) die semantische Wahrheitstheorie entwickelt und meint damit die Semantik der Prädikatenlogik. Die Ursache der Lügner-Antinomie (siehe unten) liegt für Tarski in der semantischen Geschlossenheit der Umgangssprache: Die Umgangssprache enthält für jede Aussage einen Namen dieser Aussage. Deshalb kann man für sie keine Definition des Wahrheitsbegriffes angeben, ja diesen nicht einmal widerspruchsfrei verwenden.
- Und schließlich ist die Systemtheorie zu nennen. Vor allem in der Nachfolge von Niklas Luhmann (1927–1998) wird Wahrheit als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium aufgefasst. Dabei wird grundlegend zwischen Wissen und Wahrheit unterschieden, was als 'wahres Wissen' zu gelten hat, muss durch ein Beobachten zweiter Ordnung entschieden werden. Dies führt letztlich zu der Paradoxie, dass es wahre Wahrheit und unwahre Wahrheit gibt. Vgl. etwa Niklas Luhmann, Die Wissenschaft der Gesellschaft, Frankfurt/Main (Suhrkamp) 1992, S. 167 ff.

Philosophie

Aristoteles (384–322 v. Chr.) und viele mittelalterliche Philosophen sehen in der Wahrheit eine Übereinstimmung von Verstand und Sache: "Wahr ist: von etwas, was ist, zu sagen es sei, und von etwas, was nicht ist, zu sagen es sei nicht." (Mitunter bezeichnet als klassische Definition der Wahrheit). Die Wahrheit findet sich empirisch, also durch Anschauung und Erfahrung. Beispiel: Ein Stein fällt zu Boden, wenn ihn nichts hält. Für diese Wahrheit ist Erfahrung notwendig. Später wurde von den Idealisten unter Ausnutzung der Unschärfe der Ansichten von Aristoteles über die Korrelation von Materie und Form das Lebendige, Materialistische in der Aristotelischen Definition eliminiert, und das reale Sein wurde durch Idee, Vernunft, transzendentes Sein u.a. ersetzt, denn nach der Zeit von Aristoteles war die höchste Form die göttliche Vorstellung, deren Sein außerhalb der Materie gedacht wurde. Man begann die Wahrheit als Übereinstimmen von Gedanken und Idee, Gedanke und Vernunft zu behandeln, d.h. als Übereinstimmen des Gedankens von etwas Ideellem mit Realem. In der klasssichen Definition wurde, wie Narski hervorhob, nur eine elementare Beziehung vom Typ der Konstatierung zwischen einem Urteil und des von ihm beschriebenen Sachverhaltes verstanden. In der materialistischen Dialektik wird die Interpretation der Wahrheit als eine relative Entsprechung behandelt, in deren Rahmen die Bewegung von relativen zu absoluten Wahrheiten (als objektive Wahrheiten betrachtet) über die Entwicklung von Gegensätzen angestrebt wird.

Kriterium der Wahrheit

Philosophisch bedeutsam ist vor allem die Frage nach dem Kriterium der Wahrheit. Dieses wurde zuerst bei den Stoikern aufgeworfen. Nach der Auffassung der Skeptiker existiert kein Kriterium der Wahrheit. Jakob Friedrich Fries definiert das Kriterium wie folgt: „Ein Grundsatz wird ein Kriterium, ein Unterscheidungsgrund der Wahrheit für gegebene Erkenntnisse, wenn ich aus ihm die Wahrheit dieser Erkenntnisse beurteilen kann“ René Descartes vertrat die Position, dass Klarheit und Deutlichkeit (als Evidenz) die Kriterien der Wahrheit seien. In der Philosophie der Mathematik wird heute oft die Meinung vertreten, die Widerspruchsfreiheit einer mathematischen Theorie sei ein hinreichendes Kriterium für deren Wahrheit. In der marxistischen Philosophie wird die gesellschaftliche Tätigkeit als überprüfbares Kriterium der Wahrheit von Aussagen und Theorien angesehen. Auch im Pragmatismus wird die Praxis als Kriterium der Wahrheit angegeben. Die Praxis wird als subjektive Erfahrung und subjektive Tätigkeit verstanden und deshalb gilt der subjektive Erfolg und die Nützlichkeit als Wahrheitskriterium.

Begriffe

Eine analytische Wahrheit enthält die Eigenschaft im Gegenstand. Beispiel: "Alle Junggesellen sind unverheiratet." Das Substantiv "Junggeselle" bedeutet bereits "unverheiratet". Demgegenüber sind synthetische Wahrheiten solche, bei denen der Eigenschaftsbegriff nicht in der Gegenstandsbezeichnung enthalten ist, wie beispielsweise in dem Satz: "Alle Junggesellen sind glücklich." Als notwendige Wahrheiten bezeichnet man Aussagen, deren Verneinung zu einem logischen Widerspruch führen würde: "Alle Kreise sind rund." Wäre die Figur nicht rund, wäre sie kein Kreis. Außerdem gibt es kontingente (zufällige) Wahrheiten, deren Verneinung nicht zu einem logischen Widerspruch führt. Beispiel: "Die Anzahl der Planeten in unserem Sonnensystem ist gleich neun."

Die semantische Antinomie

Seit der Antike ist das Paradoxon des Epimenides bekannt. Der Kreter Epimenides sagt: "Alle Kreter sind Lügner." Wenn der Kreter behauptet, alle Kreter seien Lügner, so muss man annehmen, dass er selbst ebenfalls lügt. Damit jedoch wäre seine Aussage über sich und die Kreter unwahr. Die Wahrheit aber kann er nicht sagen, denn da er Kreter ist, sagt er nicht die Wahrheit über die Kreter. Es entsteht ein unlösbarer Widerspruch. Allerdings ist dieses Paradoxon nur dann paradox, wenn man annimmt, dass ein Lügner immer lügt, dass also jede Aussage eines Lügners unwahr sei. Und das könnte auch ein noch so versierter Lügner im alltäglichen Leben kaum durchhalten. Das Paradoxon lässt sich auch in einer Form darstellen, die das umgeht (siehe Lügner-Paradox):
- Die Aussage, die hier steht, ist falsch.
- Alles was ich sage ist gelogen.

Psychologische Aspekte

Hier stehen Wahrheit und Lüge gegenüber, der Wahrheitsbegriff ist subjektiv. Es geht darum, was eine bestimmte Person für sich als Wahrheit hält, darum, worüber sie Gewissheit besitzt. Eine subjektive Beobachtung kann auch falsch sein. So ist der Satz von Detlef: "Ich habe Peter gesehen" subjektiv für Detlef unter Umständen wahr, Detlef hält ihn für wahr, obwohl es Hans, der bis dahin unbekannte Zwillingsbruder war, den er gesehen hatte. Mithilfe eines Lügendetektors kann man heute in gewissem Maße feststellen, wann ein Mensch lügt. Dabei geht man davon aus, dass die Lüge einen Menschen so unter Stress setzt, dass sein Herzschlag steigt und sich auf seiner Haut Schweiß bildet. Ein hundertprozentiger Beweis ist das nicht, denn ein Mensch kann sich auch aus anderen Gründen in einer Situation aufregen, in der er befragt wird. Anderseits setzt das Lügen manche Leute nicht messbar unter Stress. Die Verhaltenspsychologie hat zahlreiche Mutmaßungen darüber entwickelt, wie man bei einem Gesprächspartner erkennen kann, ob man angelogen wird. Für die Unwahrheit sprechen geweitete Pupillen, Handbewegungen in Richtung Gesicht, vor allem in Richtung Mund und allgemeine Nervosität. Außerdem verändert sich beim Lügen die Stimme. Die Stimmbänder spannen sich an, die Stimme wird höher und gepresster. Auch das kann man mit Apparaten messen. Doch auch hier gilt, dass ein Mensch aus anderen Gründen nervös wirken mag, oder dass jemand ein so routinierter Lügner ist, dass man ihm nichts anhört oder anmerkt. Offensichtlich ist es dem Menschen ein dringendes Bedürfnis, die Wahrheit von der Lüge unterscheiden zu können. Und offensichtlich ist die Lösung des Problems noch nicht gefunden. Die meisten Gesellschaften sanktionieren darum die Lüge. Kinder werden meist hart bestraft, wenn sie nicht die Wahrheit sagen. Aus dieser Furcht vor Strafe bei der Lüge mag auch herrühren, dass Menschen für Lügendetektoren taugen, die Stressreaktionen messen. Die Empfindungen von Wahrheit, zum Beispiel im zwischenmenschlichen Bereich oder bei der Selbstreflexion sind vielschichtig und individuell geprägt: Wahre Begegnung zwischen Menschen, offener Umgang miteinander, echte Selbstoffenbarung führen vielleicht zu dem, was der Schweizer Theologe Emil Brunner einmal mit "Wahrheit als Begegnung" formuliert hat.

Wahrheit in der Informationsgesellschaft

Wirklich schwierig ist die Wahrheit dann festzumachen, wenn sie auf riesigen Datenmengen basiert. Etwa: Was ist der richtige Weg, um die Klimakatastrophe zu verhindern? Zunächst einmal muss festgesstellt werden, ob es überhaupt eine Klimakatastrophe gibt. Einigt man sich darauf, Computerdaten so zu interpretieren, so sieht man sich einem Chaossystem gegenüber, das man bestenfalls in Ausschnitten betrachten kann. Der wahre Lösungsweg ist auf diese Weise niemals eindeutig zu erkennen. Wahrheit muss dann formal auf eine Wahrscheinlichkeitsaussage reduziert werden.

Wahrheit in künstlichen Sprachen

Für weniger komplizierte – künstliche – Sprachen wie etwa die Prädikatenlogik kann man jedoch einen Wahrheitsbegriff definieren. Die Sprache, für die man den Wahrheitsbegriff definiert, und die damit Gegenstand der Untersuchung ist, nennt man nach Tarski Objektsprache, die Sprache, in der die Definition formuliert wird, dann Metasprache. Siehe auch: Faktizität, Fiktionalität, Lüge

Wahrheit des Lebens

Vor dem Hintergrund, dass Weltanschauungen – insonderheit Religionen – Wertmaßstäbe und damit Wertorientierungen für das Leben angeben bzw. aufrichten, wird von einem "wahren Leben" gesprochen, wenn es den jeweiligen Wertmaßstäben entspricht. (Beispiel: aus christlicher Perspektive ist Jesus Christus selbst "das wahre Leben", Joh. 14, 6). In Verbindung mit den jeweilig aufgerichteten Wertmaßstäben erheben Weltanschauungen bzw. Religionen oft einen Wahrheitsanspruch.

Wahrheit in der Postmoderne

Philosophen der Postmoderne weisen den Gedanken einer einzigen Wahrheit als Mythos zurück (Gilles Deleuze:Die Begriffe Wichtigkeit, Notwendigkeit, Interesse sind tausendmal entscheidender als der Begriff der Wahrheit.). Dabei geht es aber nicht etwa darum, dass Naturgesetze angezweifelt würden (siehe dazu auch Schrödingers Katze), sondern um die Frage, ob es nicht vielerlei Sichtweisen desselben Gegenstands gibt, ob Wahrheiten in einer Kultur nicht meist Konstruktionen sind, abhängig vom Betrachter. Der radikale Konstruktivismus geht etwa von sovielen Wahrheiten aus, wie es Betrachter gibt, siehe auch Intersubjektivität. Diese Sichtweise, die der Unverbindlichkeit und Beliebigkeit Tür und Tor öffnet, führt geradewegs in den - liberal verkleideten - Nihilismus, der aus der aufgegebenen Allgemeingültigkeit von Wahrheit eine allumfassende Ungültigkeit als alternativen Mythos ableitet.

Zitate


- „... denn nur wer die Lüge sucht, kann der Wahrheit näher kommen ...“
- „Was ist Wahrheit?“ (Quid est veritas) Pontius Pilatus, ca. 36 n. Chr.
- „Obwohl die Wirklichkeitswahrheit das Ziel allen Forschens ist, begnügt es sich mit seinen Wahrheiten.“ Dietrich V. Wilke
- „Die Wahrheit nützt dem, der sie hört, und schadet dem, der sie sagt.“ (Quelle unbekannt)
- „Wahrheit hat immer alle Wahrscheinlichkeit gegen sich.“ Elazar Benyoëtz

Sprichwörter und Redewendungen zur Wahrheit


- Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er mal die Wahrheit spricht. - die Glaubwürdigkeit hängt von vorhergehenden Aussagen ab.
- Der hat die Weisheit mit Löffeln gefressen - jemand, der unaufgefordert die kleinste Wahrheit verkündet und mit seiner Bildung angibt, ohne dass es jemand hören will.
- Kindermund tut Wahrheit kund. - auch Unmündige haben die Fähigkeit wahre Aussagen zu treffen selbst wenn sie sich dessen nicht bewusst sind.

Literatur


- Deku, Henry: Wahrheit und Unwahrheit der Tradition, St. Ottilien 1986, ISBN 3-88096-033-X
- Michel Foucault: Sexualität und Wahrheit, 3 Bände, Frankfurt, Suhrkamp
- Hetzer, Wolfgang: Wahrheitsfindung im Strafprozess, Berlin, Duncker & Humblot, 1982, ISBN 3-428-05258-7
- Pieper, Josef: Wahrheit der Dinge, Eine Untersuchung zur Anthropologie des Hochmittelalters, München 1966, ISBN 3-466-40146-1
- Thomas von Aquin: Von der Wahrheit (De veritate, Quaestio I), Lateinisch – Deutsch, ausgewählt, übersetzt und herausgegeben von Albert Zimmermann, Hamburg 1986, ISBN 3-7873-0669-2
- Karl Jaspers: Von der Wahrheit
- Karen Gloy, Wahrheitstheorien, 2004, ISBN 3-8252-2531-3
- Hilary Putnam: Vernunft, Wahrheit und Geschichte, Suhrkamp, Frankfurt, 1990, ISBN 3-518-28453-3

Weblinks


- http://www.schmidt-salomon.de/wahrheit.htm
- [http://www.theologie-recherche.de/erkenntnislehre/7wahrheit.htm Aktuelle Literatur zur Wahrheit]
- [http://kulturkritik.net/begriffe/wah.html#wahrheit Wahrheit im Kulturkritischen Lexikon] Kategorie:Logik Kategorie: Wahrheit ja:真理

Paradoxon

Das Paradoxon oder das Paradox ([alt]griechisch παράδοξο[ν], von παρα~, para~ - gegen~ und δόξα, dóxa - eigentlich eher der Ruhm, hier im Sinne von die Meinung, Ansicht), auch eine Paradoxie (παραδοξία) genannt, ist ein Widerspruch. Man versteht darunter: #Widersprüchlichkeit als Folge der Negation von Selbstbezüglichkeit, d. h. wenn eine auf sich selbst anwendbare Aussage negiert wird. Eine solche selbstwidersprüchliche Aussage heißt in der Logik auch Antinomie. Ein Beispiel ist das Paradoxon des Eubulides: #
- Dieser Satz ist falsch. (sagt etwas über sich selbst aus, aber: ist er nun wahr oder falsch? Er ist wahr, wenn er falsch ist und falsch, wenn er wahr ist.) #in der Rhetorik eine Stilfigur, die als Sammelbezeichnung für alle Arten absichtsvoller Kontrastierungen (z.B. Doppelsinn, Ironie, Litotes, Oxymoron) gilt.
Beispiele: #
- Wer sein Leben gewinnen will, der wird es verlieren. #
- Das Leben ist der Tod, und der Tod ist das Leben. #
- Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei und würd er in Ketten geboren! #
- Sag niemals nie! #
- Wenn jemand den Sinn des Lebens erklärte, hätte das Leben seinen Sinn verloren! #Scheinbare Widersprüche, die sich erst bei genauerer Analyse auflösen. Das Paradoxe an dieser Art von Paradoxa ist, dass es eigentlich keine sind. Die Analyse scheinbarer Paradoxa, beispielsweise im Rahmen eines Gedankenexperiments, hat schon oft zu wichtigen Erkenntnissen in Wissenschaft, Philosophie und Mathematik geführt. Einen unauflösbaren Widerspruch nennt man auch Aporie.

Paradoxa in der Philosophie und Logik


- Paradoxa des Zenon von Elea wie beispielsweise das von Achilles und der Schildkröte oder das Pfeil-Paradoxon.
- Lügner-Paradox, ein Spezialfall ist das Paradoxon des Epimenides: Ein Kreter behauptet, "Alle Kreter lügen".
- Hempels Rabenparadox: Die Beobachtung eines gelben Autos bestätigt die Hypothese "Alle Raben sind schwarz".
- Goodmans neues Rätsel der Induktion: Zu jeder Hypothese gibt es eine Gegenhypothese, die durch dieselben Daten bestätigt wird.
- Newcombs Problem: Vor Ihnen stehen zwei Boxen. In der ersten Box sind 1000 Euro, in der zweiten Box entweder eine Million Euro oder nichts. Sie können sich entscheiden, entweder nur die zweite Box oder beide zu nehmen. Ein Wesen mit sehr hoher Vorhersehkraft, dem Sie vertrauen, hat vorhergesagt, wie Sie sich entscheiden werden. Sieht es vorher, dass Sie nur die zweite Box nehmen werden, hat es die Million Euro in die Box gelegt, im anderen Fall nicht. Nehmen Sie beide Boxen oder nur die zweite?
- Großvater-Paradoxon - (Zeitreise): Ein Zeitreisender, der in der Vergangenheit seinen Großvater umbringt, würde nicht geboren werden.
- Paradoxon des Haufens (Vollständige Induktion)
- Sorites-Paradoxon (Griechische Logik)
- Barbier-Paradoxon (Paradoxon des Aristoteles): Der Barbier von Sevilla rasiert alle Männer von Sevilla, ausgenommen die, die sich selbst rasieren. Wer rasiert den Barbier von Sevilla?
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