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Isländische Sprache

Isländische Sprache

Isländisch ist eine Sprache aus dem germanischen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie. Sie ist die Amtssprache in Island. Zur Zeit wird Isländisch von ca. 280.000 Menschen gesprochen. Der Language Code ist is bzw. ice oder isl (nach ISO 639).

Geschichte

Schon vor der Einführung der Schrift gab es in Island und anderen Teilen der nordischen Welt eine besondere Dichtersprache, in der nach bestimmten Regeln oft hochformalisierte Gedichte verfasst wurden. Die Dichter, die diese Gedichte in altwestnordischer (altisländischer) Sprache verfassten und vortrugen, nannte man "Skalden". Die Skalden benutzten poetische Umschreibungen, die auf Figuren und deren Taten aus der (nord)germanischen Heldensage und der (nord)germanischen Mythologie anspielten. Bemerkenswert ist, dass sich das Isländische in den letzten tausend Jahren nur geringfügig verändert hat, und somit dem Altnordischen noch am ehesten ähnelt. Grammatische Eigenheiten, die sich in anderen Sprachen im Laufe ihrer Entwicklung abgeschliffen haben, blieben im Isländischen weitestgehend erhalten. Außerdem achtet man in Island darauf, die Übernahme von Fremdwörtern so gering wie möglich zu halten. Neue Begriffe entnimmt man in der Regel dem vorhandenen Wortschatz. So entstand das Wort tölva (= Computer) aus den Worten tala (= Zahl) und völva (= Wahrsagerin). Der Begriff alnæmi (= AIDS) wurde aus al (= all-) und næmi (= Empfindlichkeit) gebildet. Ebenfalls erstaunlich ist, über welch reichen Wortschatz das Isländische verfügt (siehe Halsbandsittich in vielen Sprachen).

Alphabet

Das isländische Alphabet umfasst 32 Buchstaben, die größtenteils dem Deutschen entsprechen. Alle Vokale (einschließlich Y) gibt es in einer zweiten Form mit Akzent (andere Aussprache). Die Buchstaben C, W, Q und Z kommen in isländischen Wörtern nicht vor. Zusätzlich zu den lateinischen gibt es die Buchstaben Ð/ð (wie "weiches" englisches th, wie z.B. in engl. "this"), Þ/þ (dieser stammt aus dem Runen-Alphabet und wird wie "hartes" englisches th ausgesprochen, wie z.B. in engl. "thing"), Æ/æ (wie deutsches ei) und Ö/ö (wie deutsches Ö). In der zweiten Tabelle wird der Unicode des Zeichens gezeigt, sowie wie man die Sonderzeichen unter MS-DOS und Windows erzeugen kann. ALT-Taste drücken und gedrückt halten, solange die Zahlenkombination auf dem Ziffernblock(!) eingegeben wird, das Zeichen erscheint dann nach dem Loslassen der ALT-Taste.

Phonologie

Hauptartikel: Isländische Aussprache Das isländische Lautsystem ist etwas ungewöhnlich für eine europäische Sprache, da es einen Aspirations-Kontrast bei seinen Lauten zeigt statt eines Kontrasts in der Stimmhaftigkeit. Jedenfalls zeigen die isländischen Liquidlaute regelmäßige Kontraste in der Stimmhaftigkeit, einschließlich der Nasale (rar unter den Sprachen der Welt). Darüber hinaus ist die Länge kontrastiv für fast alle Phoneme; stimmlose versus stimmhafte Konsonanten scheinen die einzige Ausnahme zu sein. Die Tabelle unten wurde entwickelt anhand Daten, die bei [http://www2.hu-berlin.de/bragi/b0/b0_framburdur_de.htm BRAGI] und ähnlichen Seiten gefunden wurden; siehe Artikel über SAMPA-Transkribierungscodes für Informationen über den Wert der Symbole. In Publikationen werden die stimmlosen Verschlusslaute oft durch /b d g/ mit dem Diakritikum ° verwendet. Es ist die vor allem in Island verbreitete Umschrift. Die phonetische Lautschrift sieht jedoch die einfacheren Zeichen /p t k c/ für stimmlose Verschlusslaute vor. Besonders zu erwähnen ist noch die Präaspiration: Die Grapheme pp, tt, kk werden /hp ht hk/ gesprochen, wobei zwischen /h/ und Verschlusslaut eine Silbengrenze liegt, wenn die Kombination nicht im Auslaut steht. Alle Vokale, Diphthonge und sämtliche Konsonanten außer h, j, v, x, ð und þ können lang oder kurz sein.

Morphologie

Das Isländische verfügt über eine reichhaltige Vielfalt an Formen bei den flektierbaren Wortarten Pronomen, Substantiv, Verb, Adjektiv und Zahlwort, die den, der diese Sprache erlernen möchte, leicht zur Verzweiflung treiben kann. Im folgenden sind Flexionsbeispiele für alle relevanten Wortklassen aufgeführt.

Personalpronomina

Im Isländischen werden Personalpronomina wie im Deutschen durch vier Fälle gebeugt; in der 3. Person werden drei Geschlechter (Genera) unterschieden. Eine Übersicht über die Flexion der Personalpronomina: Anders als im Deutschen findet eine Unterscheidung nach Geschlechtern auch im Plural der 3. Person statt. Dabei kommt die maskuline Form þeir nur bei rein männlichen Gruppen zur Anwendung, die feminine Form þær nur bei rein weiblichen Gruppen, während die Neutrumform þau für gemischte Personengruppen (und damit am häufigsten) benutzt wird. Zur Anrede einer Person dient im Isländischen stets das Pronomen þú, es wird also grundsätzlich geduzt (und jeder mit dem Vornamen angesprochen). Nur den Präsidenten oder Bischof des Landes würde man bei festlichen Anlässen mit dem (ansonsten veralteten) Höflichkeitspronomen yður bezeichnen.

Substantive

Isländische Substantive werden ebenso wie deutsche in drei Genera unterteilt, nämlich Maskulina, Feminina und Neutra. Dabei wird jedes Wort seinem Genus entsprecht flektiert; außerdem gibt es innerhalb der Genera verschiedene Flexionsklassen. Innerhalb des Paradigmas eines Substantivs gibt es jeweils vier Kasus, die den vier deutschen Kasus Nominativ, Genetiv, Dativ und Akkusativ entsprechen; diese werden durch Anfügen einer Flexionsendung and den Wortstamm gebildet. Für den Plural gibt es teilweise einheitliche Flexionsendungen, z.B. -um für alle Substantive im Dativ Plural (gleich welchem Genus sie angehören). Als Beispiel für ein Maskulinum der starken Flexionsklasse M1 dient das Wort hestur "Pferd": In der linken Hälfte der Tabelle wird das Wort ohne Artikel flektiert, in der rechten dagegen mit bestimmtem Artikel, der dem deutschen "das Pferd, des Pferdes etc." entspricht. Eine unbestimmten Artikel gibt es im Isländischen nicht. Ein ähnliches Beispiel für die Deklination starker Feminina ist borg "Stadt": Um sich durch diesen Wust von Formen beim Erlernen durchzukämpfen, merke man sich folgende Faustregeln, die auf die mesiten Deklinationen zutreffen:
- der Akkusativ Singular eines Maskulinums entspricht seinem Stamm
- Nominativ und Akkusativ Plural sind bei Feminina und Neutra miteinander identisch, bei Maskulina nicht
- der Dativ Plural endet immer auf -um; mit dem bestimmten Artikel verschmilzt diese Endung zu -unum
- der Genetiv Plural endet immer auf -a, mit bestimmtem Artikel ergibt sich -anna
- die Artikelflexion ist innerhalb eines Genus immer identisch (bis auf i-Einschübe, wenn zuviele Konsonanten aufeinandertreffen würden) Ein weiteres Beispiel aus der Klasse der starken Neutra ist borð "Tisch": Es zeigen sich Übereinstimmungen bei der Flexion von starken Maskulina und Neutra:
- die Endung für den Genetiv bzw. Dativ Singular ist -s bzw. -i
- der Nominativ Singular eines Neutrums ist identisch mit dem Akkusativ Singular

u-Umlaut

Bei der Nominalflexion tritt im Isländischen der u-Umlaut auf. Dieser betrifft Substantive mit Stammvokal -a- unabhängig von ihrem Geschlecht; der Stammvokal wird dabei zu -ö- umgelautet, wenn ihm in der unbetonten Silbe (also in der Kasusendung) ein -u- nachfolgt; da dieses -u- jedoch im Laufe der isländischen Sprachgeschichte bereit sgeschwunden sein kann, merke man sich folgende Regel: Der Umlaut a > ö tritt ein...
- im gesamten Singular der starken Feminina außer im Genetiv
- im Nominativ und Akkusativ Plural der Neutra
- im Dativ Plural bei allen Genera Als Beispiel ein starkes Femininum der zuvor bereits gezeigten Klasse F1, gjöf "Geschenk", sowie ein starkes Neutrum der Klasse N1, land "Land"; Umlaute sind fett hevorgehoben: Da u-Umlaut bei Feminina im Nominativ Singular auftritt und diese Form auch im Wörterbuch das Lemma bildet, ist dies bei der Flexion besonders zu beachten.

Verben

Wie im deutschen teilt sich das System der isländischen Verben in eine Gruppe starker Verben und eine Gruppe schwacher Verben. Es existieren dennoch einige Verben, die zwischen beiden Gruppen schwanken. Innerhalb der schwachen Verben gibt es vier Gruppen, von denen die größte W4 ist; als Beispiel sei das Paradigma von hjálpa "helfen" aufgeführt: In der linken Hälfte der Spalte finden sich die Indikativformen des Präsens, in der rechten die des Präteritums, welches bei Verben der Klasse W4 mit dem Suffix -að- (Singular) bzw. -uð- (Plural) gebildet wird.

Adjektive

Beispiel veik- "krank" für die unbestimmte Deklination eines Adjektivs für alle drei Genera: Wie bei den Personalpronomina wird auch bei den Adjektiven im Plural zwischen den Genera unterschieden; es gibt allerdings Einheitsendungen im Genetiv und Dativ:

Syntax

Die unmarkierte Wortstellung im Isländisch ist Subjekt - Prädikat - Objekt (SPO) wie im Deutschen, allerdings auch im Nebensatz (während im Deutschen dort das Prädikat am Satzende steht). Isländisch ist also eine klassische V2-Sprache; man vergleiche folgenden Beispielsatz zur Verdeutlichung der Unterschiede:

Verwandte Themen


- Der Quirky Case (lexikalischer Kasus) ist eine Besonderheit der isländischen Sprache.

Literatur


- Christine Jörg: Isländische Konjugationstabellen, Hamburg: Buske, 1989; ISBN 387118893X.
- Robert Nedoma: Kleine Grammatik des Altisländischen, Heidelberg: Winter, 2001; ISBN 382531152X.
- Magnús Pétursson: Lehrbuch der isländischen Sprache, Hamburg: Buske, 1992; ISBN 3875480287.
- Hans Ulrich Schmid: Wörterbuch Isländisch-Deutsch, Hamburg: Buske, 2001; ISBN 3875482409.
- Colin D. Thompson: Isländische Formenlehre, Hamburg: Buske, 1987; ISBN 3871188417.

Weblinks


- [http://pauker.at/deutsch/W%F6rterb%FCcher/Isl%E4ndisch.html Deutsch-Isländisches Wörterbuch (frei erweiterbar, mit Vokabelpauker, 2500 Einträge am 12.02.04)]
- [http://www.islenska.de Deutschsprachige Zeitschrift für Isländischlernende]
- [http://www.iceland.de/index.php?id=149 Amüsante Beispiele aus der isländischen Sprache]
- [http://www.icelandic.hi.is/coursetest.php Icelandic online - Sprachkurs der Uni Reykjavik]
- [http://www.bragi.org BRAGI - Allgemein zugängliche Materialsammlung für Isländisch als Fremdsprache]
- [http://www.pferdenamen.de Deutsche Bedeutungen isländischer Namen]
- [http://www.hafronska.org Das Hochisländische Sprachzentrum] Kategorie:Einzelsprache Sprache Kategorie:Skandinavische Sprache ja:アイスランド語 simple:Icelandic language

Sprache

Sprache hat zwei eng mit einander verwandte Verwendungen, die Sprache (ohne Plural) oder eine Sprache/Sprachen. Die Sprache bezeichnet die wichtigste Kommunikationsform des Menschen. Sie wird akustisch durch Schallwellen (Lautketten) oder visuell-räumlich durch Gebärden (vgl. Gebärdensprache) oder Schrift (vgl. Schriftsprache) realisiert. Die Wissenschaft von Sprache als System heißt Allgemeine Sprachwissenschaft. Exemplarisch sei die Definition von Edward Sapir (1921) zitiert: :"Sprache ist eine ausschließlich dem Menschen eigene, nicht im Instinkt wurzelnde Methode zur Übermittlung von Gedanken, Gefühlen und Wünschen mittels eines Systems von frei geschaffenen Symbolen." (zitiert nach John Lyons, 4. Auflage, 1992, S. 13) Ferdinand de Saussure hat - einer Tradition folgend - Sprache als Zeichensystem konzipiert und das Sprachzeichen als Verbindung von Lautbild und Vorstellung, also als etwas Mentales gefasst. Karl Bühler sieht Sprache als "geformtes Gerät", als Medium des Verständigungshandelns mit den Grundfunktionen der Darstellung (Bezug auf die Wirklichkeit), des Ausdrucks (Befindlichkeit des Sprechers) und des Appells (Beeinflussung des Hörers). Damit wird die Auffassung von Sprache als Zeichensystem fraglich, denn nur symbolische Ausdrücke lassen sich als Zeichen im eigentlichen Sinn ("etwas steht für etwas") auffassen. Wofür steht der Artikel der, die Abtönungspartikel halt, das Zeigwort da, die Interjektion hm? Für die Pragmatik ist Sprache ein zweckorientiertes Handlungssystem, das mental verankert ist. Für manche Linguisten ist Sprache ein menschentypisches biologisches Organ (Noam Chomsky), für andere das Medium der Gedankenbildung schlechthin (W.v. Humboldt). Eine Sprache ist jedes einzelne Kommunikationssystem, das der Verständigung dient, also menschliche Einzelsprachen (beispielsweise Deutsch), Fachsprachen (beispielsweise Mathematik und Rechtssprache), Computersprachen (beispielsweise Prolog) etc. (siehe nachstehende Unterkapitel). Die Wissenschaften einzelner Sprachen sind beispielsweise die Philologien (Anglistik, Germanistik). Die Linguistik dagegen beschäftigt sich mit einzelnen Sprachen lediglich als "Beleg" für Theorien über die Sprache im Allgemeinen, die universellen Eigenschaften menschlicher Sprache und die Haupttypen der Sprachen der Welt (Sprachtypologie).

Entwicklung von Sprache

Das Verstehen und das Bilden bedeutungsvoller Lautketten in Echtzeit stellt große Anforderungen an die Planung wie an die auditive beziehungsweise visuelle Verarbeitung im Gehirn. Bei Legasthenikern oder Polterern kann diese Planung gestört sein.

Linguistik

Die Linguistik untersucht die menschliche Sprache. Die vergleichende Sprachwissenschaft und die Sprachtypologie befassen sich mit der genetischen Verwandtschaft von Sprachen, die in Sprachfamilien geordnet werden können. Die meisten Sprachwissenschaftler behandeln Einzelsprachen oder Sprachfamilien. So befasst sich beispielsweise die Indogermanistik mit der indogermanischen Sprachfamilie. Annahmen über eine (Ursprache) der Menschheit sind vorwiegend spekulativ, hiermit befasst sich die Paläolinguistik. Die Struktur und Verwendung von Sprachen wird in Grammatiken, der Wortschatz und Wortgebrauch in Wörterbüchern beschrieben. Die Etymologie ist eine Forschungsrichtung, die sich mit dem Ursprung und der Geschichte der Worte und Namen befasst. Formale Sprachen sind mit Mitteln von Logik und Mengenlehre beschreibbar (aufzählbare Menge der Basisausdrücke, Regeln der Komposition, wohlgeformte Ausdrücke). Die Beschreibungsprinzipien der formalen Logik werden auch auf die natürliche Sprache angewendet; Pionierarbeit hat dazu der amerikanische Logiker Richard Montague geleistet. Eine vollständige Rekonstruktion ist allerdings nicht möglich. Denn auch die Logik ist aus der natürlichen Sprache abgeleitet. Letztlich müssen wir alles in der natürlichen Sprache austragen (Wittgenstein). Zu den Disziplinen, die sich besonders intensiv mit Sprache auseinandersetzen, gehören auch die Rhetorik, die Literaturwissenschaft, die Sprachphilosophie und die Ethnologie.

Einzelsprache

Im speziellen Sinn bezeichnet Sprache eine bestimmte Einzelsprache wie Deutsch oder Japanisch. Die gesprochenen Sprachen der Menschheit werden in Sprachfamilien eingeteilt; anhand der Language Codes (nach ISO 639-1 beziehungsweise 639-2) können Sprachen international eindeutig identifiziert werden. Von den heute etwa 6500 auf der Welt gesprochenen Sprachen sind mehr als die Hälfte vom Aussterben bedroht, da sie kaum noch oder gar nicht mehr an Kinder weitergegeben werden. Von einigen Sprachen gibt es nur noch eine kleine Gruppe oft alter Muttersprachler. Dies wird höchstwahrscheinlich dazu führen, dass in den nächsten 100 Jahren Tausende von Sprachen verschwinden werden. Die Gesellschaft für bedrohte Sprachen unterstützt die Beschäftigung mit und die Dokumentation solcher Sprachen, die zum Erbe der Menschheit zählen und sich zum Teil durch ganz besondere Eigenschaften auszeichnen, die nur an ihnen zu studieren sind. Eine Sprache ist etwas Lebendiges, das entsteht, sich dauernd verändert und wieder vergeht - jedoch nicht im biologischen, sondern im übertragenen Sinne; Lebendigkeit steht hier für eine Vielfalt von Funktionen. Nicht mehr gebrauchte, auch tote Sprachen genannt, hinterlassen oftmals Spuren in Nachfolgesprachen; beispielsweise Latein in den romanischen Sprachen (Italienisch, Französisch etc.), aber auch in der englischen und deutschen Sprache sowie den anderen germanischen Sprachen.

Nichtmenschliche Sprachen

Sprachen bei Tieren, beispielsweise die Bienensprache, aber auch die Lautsprachen bei Vögeln, Delfinen oder Primaten unterscheiden sich grundsätzlich von denen des Menschen. Während in den Signalsystemen der Tiere jeder Laut eine feste Bedeutung hat, ist die Sprache des Menschen doppelt (beziehungsweise dreifach) gegliedert. Das heißt, Menschen können aus bedeutungsunterscheidenden, selbst nichts bedeutenden Lauten (erste Gliederungsebene) bedeutungstragende Einheiten (Morpheme, Wortformen) bilden (zweite Gliederungsebene). Aus Wortformen können Wortgruppen (Phrasen) und Sätze aufgebaut werden (dritte Ebene). Wenn ein Tier zwanzig Laute bilden kann, so kann es zwanzig Dinge ausdrücken. In der Sprache des Menschen gibt es durch die Ebenen unbegrenzte Kombinationsmöglichkeiten mit begrenzten Mitteln, so schon Wilhelm von Humboldt. Der Mensch kann verstehen, was er zuvor nie gehört hat.

Formale Sprachen

Auch in der Informatik wird von Sprachen gesprochen. Diese Sprachen, Formale Sprachen genannt, sind mathematische Modelle von Sprachen, die besonders in der theoretischen Informatik, insbesondere bei Berechenbarkeitstheorie und dem Compilerbau Anwendung finden. Bestrebungen eine eindeutige und methodisch korrekte Sprache aufzubauen, haben zum Projekt der Orthosprache geführt.

Sprache als Medium

Viele Medientheorien – vor allem die technischen – fassen Sprache nicht als Medium, sondern als Kommunikationsinstrument auf, d.h. als neutrale Ermöglichungsbedingung für die eigentlichen Medien. Sprache dient solchen Auffassungen nach lediglich der Repräsentation oder auch Übermittlung mentaler Entitäten (Konzepte, Begriffe), wobei letztere als unabhängig von der Sprache gedacht werden. Man spricht deshalb von Repräsentationsmitteln. Die radikalste Form dieser „Sprachvergessenheit der Medientheorie“, wie Ludwig Jäger (2000) formuliert, findet sich im so genannten Diskurs über „postsymbolic communication“, der davon ausgeht, dass die menschliche Kognition und Kommunikation zukünftig nicht mehr auf Sprachzeichen angewiesen seien, weil diese aufgrund der technischen Entwicklungen im Bereich der Forschungen zur Künstlichen Intelligenz obsolet werden. Jäger (2000) zufolge bleiben Debatten über die Wirkungsmacht von „neuen Medien“, wie etwa Computer und Internet, jedoch leer, wenn Sprache nicht als entscheidendes Rahmenmedium erkannt wird. Er plädiert deshalb dafür, den nicht-technischen (anthropologischen) Medienbegriff stärker in den Diskurs über technische Medien einzubeziehen und so die schlichte Dichotomie zwischen „neuen Medien“ und „Sprache“ aufzuweichen. Jäger (2000/2002) formuliert eine erkenntnistheoretische Medienauffassung, deren Kernaussage lautet, dass Mentalität erst durch die Medialität ermöglicht wird. Das heißt die menschliche Mentalität wird in ihrem heutigen Umfang erst durch Zeichenhandlungsprozesse, die sowohl ein Welt- als auch Ich-Bewusstsein konstituieren, ermöglicht. Die Sprache nimmt hierbei eine konstitutive Rolle ein. Wird also Sprache als Medium begriffen, ist schon die menschliche Mentalität medial geprägt. Es ist daher stets von der Sprache her zu beurteilen, wie sich neue Medien auf den Menschen auswirken können (vgl. Jäger 2000/2002). Diese Konzeption kann durch die Überlegungen Sibylle Krämers (2000) unterstrichen werden. Krämer meint, dass eine Botschaft, die in einem Medium vermittelt wird, die Spur seiner formalen Konstitution bewahrt – in diesem Fall besitzt die Mentalität des Menschen die Spur seiner semiologischen Performanzen. D.h.: Wird eine Äußerung getätigt, findet keine Reinvermittlung mentaler Konzepte statt, da diese durch die jeweilige Einzelsprache geprägt sind. Weiter stellt Krämer (1998) Medien als Apparate zur künstlichen Erzeugung neuer Welten dar (d.h.: neue Formen der Erfahrung, Vorstellungen), die es ohne das entsprechende Medium nicht geben würde. Die Sprache ermöglicht dem homo sapiens sapiens so gesehen nichts Minderes als die komplexere Erfahrbarmachung der tatsächlichen Welt in der uns heute geläufigen Weise.

Sprache im weiteren Sinne

Manche Leute bezeichnen die Musik als universelle Sprache, da sie von Menschen unterschiedlichster Herkunft verstanden wird. Hierbei dient die Sprache vor allem als Kommunikationsmittel für Gefühle. So werden die meisten Filme mit Musik untermalt, weil dadurch unterschwellig die Gefühlslage der Situation bzw. der Figuren kommuniziert wird. In indischen Filmen geht das sogar soweit, dass die Handlung stehen bleibt und die Gefühle in Liedern ausgedrückt werden, was man bei uns nur aus dem Musical-Genre kennt. Hier stößt auf eine weitere Ebene der Sprache: Filme, Theaterstücke, Operetten usw. bedienen sich ebenfalls einer bestimmten Sprache. Die hier eingesetzten sprachlichen Mittel findet man im übertragenen Sinne auch in den Laut- und Schriftsprachen wieder.

Siehe auch

Abstandsprache, Amtssprache, analytische Philosophie, Ausbausprache, Babysprache, Dachsprache, Dialekt, Dichtersprache, Etymologie, Europäisches Jahr der Sprachen, Fachsprache, falsche Freunde, Geheimsprache, Gruppensprache, Halsbandsittich in vielen Sprachen, Hochsprache, inklusive Sprache, Jargon, Konstruierte Sprache, Lautsprache, Liste von Sprachen, Liturgiesprache, Mathematik, Medien, Medientheorie, Muttersprache, Neusprech, Orthosprache, Plansprache, Programmiersprache, Seemannssprache, Semiotik, Signalsprachen, Soziolekt, Spiegelneuronen, Standardsprache, Terminologie, Umgangssprache, Universal-Grammatik, Verkehrssprache, Weltsprache, Zeichen, Zungenbrecher, Sprachreisen, Sprachbildung

Literatur


- Ludwig Börne, "Bemerkungen über Sprache und Stil.", 1826, Sämtliche Schriften, Bd. II, Düsseldorf 1964.
- Karl Bühler (1934), Sprachtheorie, Stuttgart: G. Fischer
- Geoffrey Sampson: "Schools of Linguistics." Hutchinson, London (1980), ISBN 0804710848
- David Crystal: "Die Cambridge Enzyklopädie der Sprache." Campus Verlag, Frankfurt/Main (1995), ISBN 3880599548
- Wilhelm von Humboldt: "Grundzüge des allgemeinen Sprachtypus", 2004, Berlin: Philo, ISBN 3-8257-0068-2
- John Lyons: "Die Sprache." C.H. Beck, München (1992; 4. Auflage) ISBN 3406094007
- Steven Pinker: "Words and Rules: The Ingredients of Language." (1999) (dt. Worte und Regeln: Die Natur der Sprache.), ISBN 3827402972)
- Ludger Hoffmann (Hg.)(2000/2) Sprachwissenschaft. Ein Reader. Berlin, New York: de Gruyter.
- Jäger, Ludwig (2000), „Die Sprachvergessenheit der Medientheorie. Ein Plädoyer für das Medium der Sprache.“ In: Kallmeyer, Werner (Hg.): Sprache und neue Medien. Berlin, New York: De Gruyter, 9-30
- Jäger, Ludwig (2002): Medialität und Mentalität. Die Sprache als Medium des Geistes. In: Krämer, Sybille, König, Ekkehard (Hgg.): Gibt es eine Sprache hinter dem Sprechen? Frankfurt am Main: Suhrkamp, 45-76
- Krämer, Sybille (²2000): „Das Medium als Spur und als Apparat.“ In: dies. (Hg.): Medien, Computer, Realität. Wirklichkeitsvorstellungen und neue Medien. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 9-26

Weblinks


- [http://www.rosettaproject.org/ Rosetta-Projekt: Informationen zu Sprachen der Welt] (englisch)
- [http://www.ethnologue.com/ Ethnologue: Informationen zu Sprachen der Welt] (englisch)
- [http://www.vistawide.com/ Sprachen und Kulturen der Welt] (englisch)
- [http://portal.unesco.org/ UNESCO-Projekt:] "Intangible Heritage - [http://portal.unesco.org/culture/admin/ev.php?URL_ID=8270&URL_DO=DO_TOPIC&URL_SECTION=201 Endangered Languages]"
- [http://www.tooyoo.l.u-tokyo.ac.jp/Redbook/index.html UNESCO Red Book of Endangered Languages]
- [http://www.georgetown.edu/faculty/ballc/animals/animals.html Tierlaute in verschiedenen Sprachen] (englisch)
- [http://www.netz-tipp.de/sprachen.html Statistik: Verbreitung der Sprachen im Internet]
- [http://home.edo.uni-dortmund.de/~hoffmann/Gruende/10Gruende.html 10 Gründe, Sprachwissenschaft zu studieren]
- [http://www.heim2.tu-clausthal.de/~kermit/wte/sprache.html Sprache als Gefängnis:] Vortrag im Rahmen der Reihe Wissenschaft, Technik und Ethik an der TU Clausthal
- [http://www.wissenschaft-online.de/abo/ticker/771860 Es werde Wort - und zwar schnell!] Ein Bericht über die "rasante Entwicklung von Sprache"
- [http://www.bair-sprache-chiemgau.de/texte/pressetexte.htm#1 Etwa 90% aller Sprachen werden bis 2050 wahrscheinlich verschwunden sein] ([http://www.guardian.co.uk/uk_news/story/0,3604,721955,00.html Original auf Englisch]) ! ja:言語 ko:언어 ms:Bahasa simple:Language th:Hol zh-cn:语言 zh-tw:語言

Indogermanische Sprachfamilie

Die indogermanische Sprachfamilie, von der nicht deutschsprachigen Philologie eher als indoeuropäische Sprachfamilie bezeichnet, deren Vokabular Übereinstimmung bei Flexion, Numerus, Genus und Ablaut aufweist, ist die mittlerweile vor allem auf Grund der Kolonisation meistverbreitete Sprachfamilie auf der Welt mit mehr als 2,5 Mrd. Muttersprachlern.

Der Begriff „indogermanisch“

Bei der Bildung der Bezeichnung Indogermanisch im 19. Jahrhundert gingen die Sprachforscher von den beiden Sprachgruppen aus, die damals als die räumlich am weitesten voneinander entfernten angesehen wurden, d. h. der indischen im Osten und im Westen der germanischen Gruppe (mitsamt des Isländischen). Die keltischen Sprachen wurden damals aufgrund grammatikalischer Besonderheiten noch nicht als indogermanisch angesehen und das Tocharische weiter östlich wurde erst 1890 entdeckt. Die Bezeichnung Indogermanisch wurde im deutschen Sprachraum, der in dieser Forschungsdisziplin weltweit immer noch führend ist, beibehalten. In anderen Sprachen wird hingegen die Bezeichnung Indoeuropäisch (IE) verwendet. Der amerikanische Linguist Merritt Ruhlen benutzt die Bezeichnung Indo-Hethitisch, um eine vorgebliche Sonderstellung des Hethitischen bzw. der anatolischen Sprachgruppe innerhalb des Indogermanischen zu betonen. Ein solcher Stammbaum wird jedoch (zumindest in der weitreichenden Form) von den meisten anderen Forschern abgelehnt. Heute nehmen viele Forscher aber an, dass sich die anatolischen Sprachen tatsächlich als erste von der Ursprache abgespalten haben.

Ursprung und Entwicklung

Die indogermanischen Sprachen sind nach Meinung der Indogermanistik im linguistischen Sinne genetisch verwandt. Dass ihre Ähnlichkeit nur auf typologischer Angleichung nach Art eines Sprachbunds zustande kam, kann ausgeschlossen werden. Ende des 18. Jahrhunderts erkannte der englische Orientalist William Jones aus Ähnlichkeiten zwischen dem Sanskrit und einigen europäischen Sprachen wie Litauisch, dass es für diese Sprachen eine gemeinsame Wurzel gibt. Der Deutsche Franz Bopp brachte 1816 in seinem Buch Über das Konjugationssystem der Sanskritsprache in Vergleichung mit jenem der griechischen, lateinischen, persischen und germanischen Sprache den methodischen Beweis für die Verwandtschaft dieser Sprachen und gilt zumindest im deutschsprachigen Raum als Entdecker des Indogermanischen. Diese indogermanische Ursprache ließ sich sprachwissenschaftlich rekonstruieren, obwohl aus dieser Zeit keine Schriftdokumente vorliegen. Für die Sprachen, die auf das Indogermanische zurückgehen, lässt sich auf der Grundlage der Forschungsergebnisse des deutschen Linguisten August Schleicher ein „Stammbaum“ darstellen, der den Ursprung und die Verwandtschaftsstruktur dieser Sprachen wiedergibt. In diesem „Stammbaum“ gibt es sowohl gesicherte als auch spekulative Verzweigungen; letztere betreffen insbesondere ausgestorbene Sprachen, die keine Nachfolgesprachen hinterlassen haben. Schleicher versuchte das hypothetische Protoindogermanische zu rekonstruieren, indem er sich ursprünglicher Formen diverser indogermanischer Sprachen bediente. Daraus entstand eine Übersetzung der sog. indogermanischen Fabel „Das Schaf und die Pferde“ als „Avis akvasasca“. Man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass solche Sprachrekonstruktion in der Regel zu Wortwurzeln einerseits und morphologischen und phonologischen Erscheinungen andererseits führen. Auch syntaktische Merkmale des Indogermanischen konnten mit Einschränkungen rekonstruiert werden. Eine Grundsprache im Sinne eines kommunikativen Verständnisses wird mit dieser Rekonstruktion jedoch nicht erreicht. Ausgehend von Wortstämmen, die allen indogermanischen Sprachen gemeinsam sind, wurde weiterhin in Zusammenarbeit mit der Archäologie versucht, das Ursprungsgebiet der Indogermanen zu bestimmen. Dabei wurden sowohl Ostanatolien, Gebiete nördlich des Schwarzen Meeres oder Südosteuropa vorgeschlagen. Von den zahlreichen Hypothesen über diese Urheimat der Indogermanen, beispielsweise Kurgan-These, Anatolien-These ist keine allgemein akzeptiert. Einige Wissenschaftler stellen den Migrationsmodellen die Konzeption eines ausgedehnten indogermanischen Sprachkontinuums gegenüber. Es ist sogar strittig, ob eine 'Urheimat' überhaupt definiert werden kann, weil schon deren Existenz nicht gesichert werden könne, geschweige denn eine auch nur mehr als vage zeitliche und räumliche Ansetzung möglich sei. Auch die Methodik der Glottochronologie liefert nur vermeintlich exakte Daten. Sie versucht an Hand einer Testliste von Begriffen, die in möglichst vielen Sprachen vorhanden sind, Verwandtschaftsbeziehungen von Sprachen festzustellen: je größer der Prozentsatz an als verwandt vermuteten Wörtern der Liste, desto enger seien die Sprachen verwandt. Unter der Hypothese einer konstanten Ersetzungsrate (früher für alle Sprachen, heute je Einzelsprache oder gar Einzelwort) wird der Verlust an gemeinsamem Wortbestand in einem belegbaren Zeitraum mit verschiedenen Methoden einfach zurückprojiziert. Daraus ergäbe sich dann automatisch der zeitliche Abstand der Trennung der Schwestersprachen. Kritisiert an dieser Methodik wird v. a. die Überzeugung, dass für die verschiedenen Stufen der Ausgliederung eine absolute Chronologie bestimmt werden könne. Dies gilt auch für die in der Presse stark beachtete Berechnung von Gray/Atkinson von der Universität Auckland (Neuseeland) aus dem Jahr 2003, die mit Computerprogrammen der Bioinformatik arbeitet. Wahrscheinlich lassen sich sprachliche Rekonstruktionen nur in der Zusammenarbeit von Sprachwissenschaft und Archäologie erarbeiten. Ob die Humangenetik dabei eine Rolle spielen kann, ist umstritten. Populationsgenetiker wie Luigi Cavalli-Sforza versuchen nachzuweisen, dass sich zwischen der genetischen Verwandtschaft auch weit auseinander lebender Bevölkerungsgruppen (z. B. Balten und Hindi) und sprachlicher Verwandtschaft Parallelen ziehen lassen. Vermutungen zu entfernter Verwandtschaft wurden zu beinahe allen Sprachen der Welt angestellt. Die engste Verwandtschaft wird auf Grund grammatisch-morphologischer Gemeinsamkeiten mit den uralischen Sprachen angenommen. Darüber hinaus wird eine lose Verwandtschaft mit unter anderem Afro-Asiatischen Sprachen, sowie mit den altaischen Sprachen angenommen und unter dem Begriff Nostratisch untersucht. Eine überholte Unterteilung der indogermanischen Sprachen erfolgte früher nach dem Zahlwort für „hundert", der erschlossenen Urform
- kmtom, siehe Kentumsprachen.

Untergruppen

Zu den indogermanischen Sprachen gehören die folgenden Gruppen lebender und ausgestorbener (†) Sprachen:
- Indogermanische Ursprache
  - Albanisch
  - Anatolische Sprachen
  - Armenisch
  - Baltische Sprachen
    - Ostbaltische Sprachen
    - Westbaltische Sprachen (Altpreußisch) †
  - Germanische Sprachen
    - Nordgermanische Sprachen
    - Ostgermanische Sprachen
    - Westgermanische Sprachen
  - Griechisch
  - Illyrisch
  - Indoiranische Sprachen
    - Indoarische Sprachen
    - Iranische Sprachen
  - Italische Sprachen
    - Latino-faliskische Sprachen (mit Latein und den romanischen Sprachen)
    - Oskisch-umbrische Sprachen
  - Keltische Sprachen
    - Festlandkeltische Sprachen
    - Inselkeltische Sprachen
  - Phrygisch
  - Slawische Sprachen
    - Ostslawische Sprachen
    - Westslawische Sprachen
    - Südslawische Sprachen
  - Thrakisch
  - Tocharisch
  - Venetisch

Verwandtschaftsverhältnisse

Schon oft wurde versucht, die eben genannten Untergruppen zu größeren Einheiten zusammenzufassen. Nur in seltenen Fällen konnten sich diese Theorien in der Fachwelt durchsetzen, so z. B. die Zusammenfassung der indoarischen und der iranischen Sprachen zu den "indoiranischen Sprachen". Erwogen wurden, um nur einige wenige Beispiele zu nennen, eine "balto-slawische" Sprachgruppe (balto-slawische Hypothese), die Abstammung des Albanischen vom Illyrischen, eine nähere Verwandtschaft zwischen den italischen und den keltischen Sprachen, die Zuordnung des Venetischen sowohl zum Illyrischen als auch zu den italischen Sprachen, eine "thrakisch-phrygische" Sprachgemeinschaft und vieles mehr. Da bisher keine dieser Theorien stichhaltig nachgewiesen werden konnte, wurde in der Liste oben darauf verzichtet, genauere Zuordnungen vorzunehmen, d. h. "Streitfälle" stehen oben als Einzelgruppen und ohne Hinweise auf vermutete Verwandtschaftsverhältnisse. Wer mehr dazu wissen will, kann sich in den Artikeln über die einzelnen Untergruppen genauer informieren.

Siehe auch


- Indogermanische Wortwurzeln
- Indogermanische Ursprache

Literatur


- Robert S. P. Beekes: Comparative Indo-European Linguistics. An Introduction, Benjamins, Amsterdam 1995, ISBN 1-55619-505-2
- Frederik Bodmer: Die Sprachen der Welt, Parkland-Verlag, Köln 1997, ISBN 3-88059-880-0 (Schlechte Populärwissenschaft mit zahllosen sehr ärgerlichen Fehlern bei allen behandelten Themen (nicht nur der Indogermanistik), im Großen ebenso wie im Détail. Untauglich.)
- Luigi Luca Cavalli-Sforza: Gene, Völker und Sprachen. Die biologischen Grundlagen unserer Zivilisation, dtv, München 2001, ISBN 3-423-33061-9
- Cowgill, Waren 1986 Indogermanische Grammatik, I: Einleitung; II: Lautlehre; begr. v. Jerzy Kuryłowicz, hrsg. v. Manfred Mayrhofer, (=Indogermanische Bibliothek: Reihe 1, Lehr- und Handbücher), Heidelberg: Winter.
- Delbrück, Bertold 1919 Einleitung in das Studium der indogermanischen Sprachen. Ein Beitrag zur Geschichte und Methodik der vergleichenden Sprachforschung, (=Bibliothek indogermanischer Grammatiken, IV). 6. Aufl. Leipzig: Breitkopf & Härtel - Beste Darstellung der Wissenschaftsgeschichte mit allen Details im frühen 19. Jh.
- Thomas W. Gamkrelidse, Wjatscheslaw Iwanow: Die Frühgeschichte der indoeuropäischen Sprachen, In: Spektrum der Wissenschaft. Dossier: Die Evolution der Sprachen, 1/2000, S. 50-57, ISSN 09477934
- Marija Gimbutas: The Kurgan Culture and the Indo-Europeanization of Europe. Selected Articles Form 1952 to 1993, Institute for the Study of Man, Washington 1997, ISBN 0-941694-56-9
- Marija Gimbutas: Das Ende Alteuropas. Der Einfall von Steppennomaden aus Südrussland und die Indogermanisierung Mitteleuropas, In: Archeolingua, Budapest 1994 (series minor, 6)
- Werner König: dtv-Atlas deutsche Sprache, 14. Auflage, dtv, München 2004, ISBN 3-423-03025-9
- James P. Mallory: In Search of the Indo-Europeans. Language, Archaeology and Myth, Thames & Hudson, London 1991, ISBN 0-500-27616-1
- James P. Mallory, D. Q. Adams (Hrsg.): Encyclopedia of Indo-European Culture, Fitzroy Dearborn, London 1997, ISBN 1-884964-98-2
- Michael Meier-Brügger: Indogermanische Sprachwissenschaft, 8. Auflage, Walter de Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-017243-7 (Ursprünglich von Hans Krahe. Gegenwärtig die umfassendste Darstellung, mit vorzüglicher Bibliographie zu sämtlichen Einzelthemen)
- Colin Renfrew: Die Indoeuropäer - aus archäologischer Sicht, In: Spektrum der Wissenschaft. Dossier: Die Evolution der Sprachen, 1/2000, S. 40-48, ISSN 09477934
- Colin Renfrew: Archaeology and Language. The Puzzle of Indo-European Origins, University Press, Cambridge 1995, ISBN 0-521-38675-6
- August Schleicher: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen, Böhlau, Weimar 1861/62, Nachdruck: Olms, Hildesheim 1974, ISBN 3-487-05382-9
- Reinhard Schmoeckel: Die Indoeuropäer, Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 1999, ISBN 3-404-64162-0
- Szemerényi, Oswald: Einführung in die vergleichende Sprachwissenschaft, wb Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1989, ISSN 0724-5009, ISBN 3-534-04216-6. Sehr gute und umfangreiche wissenschaftliche Darstellung von Entwicklung und Verwandtschaftsverhältnissen der einzelnen indogermanischen Sprachen, referiert u. a. über die Entwicklung der Kasus, der Genus, der unterschiedlichen Konjugationen, des Lautsystems etc. Anfängern ist es allerdings nicht zu empfehlen.
- Eva Tichy: Indogermanistisches Grundwissen, Hempen Verlag, Bremen 2000, ISBN 3-934106-14-5 (Augenblicklich beste Einführung, nicht nur für Studierende. Im Gegensatz zu Meier-Brügger kein Abschnitt zur Syntax, aber ausführliche Diskussion der Entstehung des Systems der drei grammatischen Geschlechter, insbesondere des Femininums, im Indogermanischen. - Reiche weiterführende Literaturangaben. Als Leitfaden fürs (Selbst-)Studium bestens geeignet.)

Weblinks


- http://pages.unibas.ch/klaphil/idg/texte/ie.html - Indogermanisch oder Indoeuropäisch?
- http://www.zeit.de/archiv/2001/51/200151_sprachgen.xml - Wie Gene die Lippen spitzen
- http://www.civisdigitalis.de/em/info/archive_article.asp?article=121003 - Das große Rätsel der indoeuropäischen Sprache – neuer Disput um Alter und Herkunft
- http://static.unilang.org/resources/other/languagefamily_ie.jpg - Stammbaum der indogermanischen Sprachfamilie
- http://www.dabis.at/Anwender.htm/Alscher/contents.htm - The Ergativic Stage of Early Proto-Indoeuropean - Written by Hans-Joachim Alscher Kategorie:Sprachfamilie ja:インド・ヨーロッパ語族 zh-cn:印欧语系

Amtssprache

Eine Amtssprache ist die Sprache, in der die Behörden (Regierung, Gerichte) eines Staates miteinander und mit der Bevölkerung kommunizieren und mit der sich Bürger und Bewohner an die Verwaltungseinrichtungen wenden können. Ein Land kann gleichzeitig mehrere Amtssprachen haben. Im Gegensatz zur Amtssprache bezeichnet Schulsprache eine Sprache, die im Unterricht an den Schulen eines Landes verwendet wird.

Was wird zur Amtssprache?

Nicht immer spiegeln die Amtssprache(n) die tatsächlichen Muttersprachen der Bewohner eines Landes wider. In Europa, Asien oder Amerika ist meist die am häufigsten gesprochene Sprache eines Landes auch gleichzeitig dessen Amtssprache; so ist Deutsch die Amtssprache Deutschlands und Portugiesisch die Amtssprache Brasiliens. In Afrika dagegen sind meist Kolonialsprachen Amtssprache, so Französisch in Mali oder Englisch in Sambia. Diese Sprachpolitik begünstigt oft die herrschende Elite, die, im Gegensatz zum "gemeinen" Volk als einzige Klasse die Amtssprache beherrscht. Nur in wenigen Fällen (Schweiz mit 4 Amtssprachen, Südafrika mit 12) sind alle verbreiteten Sprachen eines Landes auch Amtssprachen. So ist z.B. das in Deutschland mit über 2 Millionen Muttersprachlern (davon fast 1 Million deutscher Nationalität) stark vertretene Türkisch keine Amtssprache genauso wenig wie Elsässisch Amtssprache in Frankreich ist. Diese Tendenz wird mit der Notwendigkeit der nationalen Einheit und dem verwaltungsmäßigen Mehraufwand (Ausbildung aller Beamten und Ausdruck aller Formulare in mehreren Sprachen) begründet, führt aber in der Praxis zu einer sozialen Abwertung der Sprecher von solchen Nicht-Amtssprachen. Ein Kompromiss ist, dass Minderheitensprachen nur auf regionaler Ebene den Status einer Amtssprache erhalten (so Deutsch in Südtirol, Sorbisch in der Lausitz).

Amtssprachen in einzelnen Ländern

Nicht alle Staaten haben ihre Amtssprache offiziell festgelegt.

USA

In den USA haben zwar manche Bundesstaaten Englisch als Amtssprache festgelegt, die Legislative der Vereinigten Staaten selbst jedoch hat es nie in diesen Status erhoben. Da aber die Verfassung und sämtliche Gesetze auf Englisch vorliegen, kann es durchaus als offizielle Sprache angesehen werden. (Die oft gehörte Behauptung, Deutsch wäre im 18. Jahrhundert beinahe Amtssprache der USA geworden, ist eine Legende (die sogenannte Muehlenberg-Legende).)

Deutschland

In Deutschland legt § 23 Abs. 1 VwVfG Deutsch als Amtssprache fest. Durch die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen sind Behörden einzelner Bundesländer verpflichtet, auch in den Regionalsprachen Niedersächsisch (umgangssprachlich als Niederdeutsch bezeichnet), Friesisch, Dänisch bzw. Sorbisch zu korrespondieren.

Österreich

In Österreich ist Deutsch als Amtssprache festgelegt. Die Minderheitensprachen sind im österreichischen Staatsvertrag 1955 und in zahlreichen Verordnungen über die genauen Regionen festgelegt. Minderheitensprachen als Amtssprachen sind (nach Anzahl der Sprecher geordnet):
- Kroatisch (in Burgenland und Steiermark)
- Slowenisch (in Kärnten) Weiteres unter Minderheitssprachen in Österreich

Schweiz

In der Schweiz existieren vier Amtssprachen:
- Deutsch
- Französisch
- Italienisch
- Rätoromanisch

Indien

In Indien existieren 17 regionale Amtssprachen (neben den 2 überregionalen Amtssprachen Hindi und Englisch):
- Asamiya
- Bengali
- Gujarati
- Kannada
- Kashmiri
- Konkani
- Malayalam
- Marathi
- Meitei
- Nepali
- Oriya
- Punjabi
- Sanskrit
- Sindhi
- Tamil
- Telugu
- Urdu

Siehe auch


- Liste der Amtssprachen
- Amtssprachen der Europäischen Union

Literatur


- [http://stattweb.de/cgi-bin/baseportal.pl?htx=/stattweb.de/ArchivDetail&db=Archiv&Id=176 Anonym (sp): Staat, "Nation" und Sprache. Vierteilige Artikelreihe zur Sprachpolitik in Nationalstaaten und in der Europäischen Union. In: Stattzeitung für Südbaden, Ausgaben 56-59 (2004).]

Weblinks


- http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/vwvfg/__23.html - §23 VwVfG Kategorie:Sprache Kategorie:Allgemeines Verwaltungsrecht ja:公用語 ko:공용어 simple:Official language zh-min-nan:Koaⁿ-hong gí-giân

ISO 639

ISO 639 ist ein internationaler Standard, der Sprachen Sprachkennungen zuordnet. Die Buchstabenkürzel werden in kleinen Buchstaben geschrieben (siehe dazu auch das Kapitel Abgrenzung zu ISO 3166 und RFC 1766).

Struktur

Gemäß der ISO-Website sind bislang zwei Teile von ISO 639 veröffentlicht:
- ISO 639-1:2002 -- Codes for the representation of names of languages -- Part 1: Alpha-2 code (Kurzbezeichnung aus jeweils zwei Buchstaben)
- ISO 639-2:1998 -- Codes for the representation of names of languages -- Part 2: Alpha-3 code (Kurzbezeichnung aus jeweils drei Buchstaben) Weitere Teile befinden sich derzeit noch in Entwicklung:
- ISO 639-3:2006? -- Codes for the representation of names of languages -- Part 3: Alpha-3 code for comprehensive coverage of languages ([http://xml.coverpages.org/Nx74Clews-part3.pdf Draft technical report: Language codes part 3] (PDF))
- ISO 639-4:2007? -- Codes for the representation of names of languages -- Part 4: Implementation guidelines and general principles for language coding
- ISO 639-5:2006? -- Codes for the representation of names of languages -- Part 5: Alpha-3 code for language families and groups

Beispiele

Eine (englischsprachige) Liste der Kürzel in beiden Varianten ist im englischen Artikel zur ISO 639 enthalten. Die deutschen Entsprechungen sind im Wiktionary auf der Seite Wiktionary:Sprachen verzeichnet.
- Für heutiges Deutsch gibt es drei Kürzel: ger (bibliographischer Code), deu (terminologischer Code) und de.
- Mittelhochdeutsch (ca. 1050 - 1500) ist gmh (German, Middle High),
- Althochdeutsch (ca. 750 - 1050) goh (German, Old High) und
- Platt nds (Low Saxon). Es werden auch Kunstsprachen (z. B. Klingonisch unter tlh) in die ISO-Listen aufgenommen.

Language Code nach ISO 639 (Liste/Auswahl)

Klingonisch Klingonisch (Liste bestehend nur aus Sprachen mit Codes nach ISO 639-1 und ISO 639-2!)

Abgrenzung zu ISO 3166 und RFC 3066

Während ISO 639 die sprachliche Einteilung definiert, beschreibt ISO 3166 die geografische Einteilung. ISO 639-1 und ISO 3166 verwenden dabei beide 2-buchstabige Kürzel, aber während diese im ISO 639-1 aus Kleinbuchstaben bestehen, verlangt die ISO 3166 Großbuchstaben. Abweichend vom Standard wird die Sprachkodierung aber oft in Großbuchstaben angegeben. Dies kann zur Verwechslung mit der Geografiekodierung führen, da einige Länder die selben Kürzel für ihre geografische und sprachliche Einteilung haben während andererseits das selbe Kürzel für völlig verschiedene Geografien bzw. Sprachen stehen kann. Beispielsweise stehen DE/de für Deutschland/deutsch, FR/fr stehen für Frankreich/französisch, aber BE/be stehen für Belgien/belorussisch. Andererseits lautet die geografische Einteilung für Griechenland GR, während die sprachliche Einteilung für die griechische Sprache el lautet. Es existieren viele weitere Beispiele. Das Kürzel EU/eu steht einerseits für die geografische Einteilung Europäische Union, andererseits für die sprachliche Einteilung baskische Sprache. Das Kürzel AF/af steht einerseits für die geografische Einteilung Afghanistan, andererseits für die sprachliche Einteilung Afrikaans. Sämtliche Homographen finden sich auf :meta:Language codes/Conflicts (engl.). Die Einteilung in Geografie und Sprache ist jedoch sinnvoll: beispielsweise gilt, dass Deutsch nicht nur in Deutschland und Französisch nicht nur in Frankreich gesprochen wird. In Kombination mit den Geografiecodes nach ISO 3166 für Länder erklärt der RFC 3066 (früher RFC 1766) die Angabe von Sprachenkürzeln wie man sie für Locales benutzt, z.B. en_US (englische Sprache im Gebiet der Vereinigten Staaten von Amerika; amerikanisch) im Gegensatz zu en_GB (englische Sprache im Gebiet des Vereinigten Königreichs; britisch). Die Sprachkürzel werden hier durch Kleinbuchstaben symbolisiert, die Länder durch Großbuchstaben. Neben dem Unterstrich (engl. underscore) kommt als Trennzeichen auch oft der Bindestrich zum Einsatz. Locales definieren aber nicht nur eine Landessprache bzw. Regionalsprache, sondern werden auch zur Lokalisierung herangezogen.

Weblinks


- [http://lcweb.loc.gov/standards/iso639-2/codechanges.html ISO 639-2/RA Änderungsangaben] der Library of Congress
- [http://www.loc.gov/standards/iso639-2/langcodes.html Komplette Codeliste] (alphabetisch sortiert)
- [http://www.loc.gov/standards/iso639-2/normtext.html Details] at Library of Congress website
- RFC 3066, Tags for the Identification of Languages, Best Current Practice, Januar 2001
- [http://www.ethnologue.com/iso639/ ISO 639 and the Ethnologue]
- [http://fara.cs.uni-potsdam.de/~georgk/639.xml XML version] of the official ISO 639 HTML data at the Library of Congress
- Künftige [http://www.sil.org/iso639-3/codes.asp ISO 639-3-Codes bei der SIL] (Online-Version) Kategorie:Sprache Kategorie:ISO-Standard ja:ISO 639 ko:ISO 639 th:ISO 639 zh-min-nan:ISO 639

Skalden

Skalden waren höfische Dichter im mittelalterlichen Skandinavien, vorwiegend Norwegen. Ihre Kunst nennt sich Skaldendichtung bzw. Skaldik, eine der genuin nordischen Kunstgattungen neben Saga-Literatur und eddischer Dichtung. Ab etwa 800 kam die Skaldendichtung mit Bragi in Norwegen auf. Später rekrutierten sich fast alle Skalden an den norwegischen Höfen aus dem unabhängigen und freistaatlichen Island. Die gesprochen (nicht gesungen) vorgetragene Skaldendichtung vermischte ab dem 10. Jahrhundert heidnische mit christlichen Elementen. Das einzelne Gedicht nannte sich Skald. Ein beliebtes Stilmittel der Skalden waren die Kenningar (Singular: Kenning) genannten Umschreibungen einfacher Begriffe. Die Skaldendichtung gilt als wichtigste historische Quelle der mittelalterlichen skandinavischen Geschichte und rangiert hinsichtlich des Quellenwertes noch vor den Sagas. Bereits die Sagaverfasser waren sich dieses Quellenwertes wohl bewusst und zitierten diese als Beleg für ihre Darstellung. Snorri begründet dies in seiner Vorrede zur Heimskringla: :"... Anderes ist aufgezeichnet nach alten Skaldendichtungen oder Sagaweisen (gemeint sind genealogische Gedichte wie Ynglingatal), mit denen sich die Leute die Zeit vertrieben. Obwohl wir nun nicht genau wissen, was Wahres daran ist, so wissen wir doch sicher, dass kundige Männer aus alter Zeit diese Überlieferung für wahr gehalten haben." und am Ende: :"Als König Harald Schönhaar Alleinherrscher in Norwegen geworden war, wurde Island besiedelt. Beim König waren Skalden, deren Gedichte und Epen über die späteren Könige Norwegens man noch auswendig weiß. Wir legen großen Wert auf das, was in diesen Gedichten vorgetragen wurde, die vor den Häuptlingen selbst oder ihren Söhnen vorgetragen wurden, und wir halten alles für wahr, was sich in diesen Gedichten über ihre Kriegszüge und Schlachten findet. War es nämlich auch Skaldenart, die Männer besonders zu preisen, vor denen sie standen, während sie ihr Gedicht vortrugen, so würde es doch kaum einer von ihnen gewagt haben, von diesem Herrscher Taten zu erzählen, die alle, die sie hörten, ja auch der Herrscher selbst, als offenbare Phantasie oder Lüge erkennen müssten. Das wäre ja kein Preis, sondern vielmehr Hohn gewesen." Also ist nicht die Tendenz zu preisen das Problem der Skaldendichtung, sondern dass das Material doch sehr gering ist. Soweit die Sagas die Skaldendichtung verarbeitet haben, kommt noch hinzu, dass diese ihre eigene Lebenswirklichkeit und Gedanken über das Königtum im 12. und 13. Jh. auf die von den Skalden beschriebenen Zustände übertrugen und so auch die Dichtwerke oft in ihrem gesellschaftlichen Kontext missverstanden und missdeuteten. Auf dem europäischen Festland starb der Berufsstand zu Beginn des 2. Jahrtausends aus. Auf Island konnte er sich jedoch noch bis in das 13. Jahrhundert halten. Der bekannteste altisländische Skalde ist Snorri Sturluson, der mit seiner Prosa-Edda als Lehrbuch für Skalden diese Kunstform wiederzubeleben versuchte, die durch das Vergessen der alten Mythen, deren Inhalte zur Bildung der Kenningar nötig waren, nach der Christianisierung in Vergessenheit gerieten. Im Vordergrund seines Bemühens stand allerdings ein antiquarisches, kein heidnisch-religiöses Interesse.

Weblinks


- [http://www.heimskringla.no/original/skaldekvad/index.php Carmina Scaldica]
- [http://www.sungaya.de/schwarz/germanen/skalden.htm Skalden]
- [http://www.meldalsgard.de/skaldik2.html Die Kunst der Skalden]

Siehe auch


- Skaldenmet, Griot, Dichtersprache Kategorie:Wikingerzeit Kategorie:Literatur (Altnordisch)

Grammatik

Als die Grammatik (lat. ars grammatica, griech. techne grammatike, von gramma- der Buchstabe) bezeichnet man den Teil der Linguistik, der sich mit der Struktur der Sprache befasst. Grammatik umfasst Phonologie ("Lautlehre"), Morphologie ("Formenlehre"), Syntax ("Satzlehre") und Orthographie. Im 20. Jahrhundert ist die Grammatik mit der Textgrammatik über den Satz als größte zu untersuchende Einheit hinausgegangen. In der Grammatik werden historisch gewachsene Regularitäten beschrieben (deskriptive Grammatik), traditionell wurden auch Regeln festgelegt (präskriptive oder vorschreibende Grammatik). Neuere Ansätze versuchen auch Erklärungen zu liefern, etwa durch Rückgang auf die sprachlich zu bewältigenden Aufgaben oder Zwecke (funktionale Grammatiken) oder durch Prinzipien der sprachlichen Form (formale Grammatiken), für die von Chomsky eine genetische Grundlage und somit Universalität für alle menschlichen Sprachen angenommen wird (->Generative Grammatik). Fast die gesamte Grammatikschreibung ist auf geschriebene Sprache, auf Texte als Daten fixiert. Erst in jüngerer Zeit wird auch die Grammatik der gesprochenen Sprache zum Forschungsgegenstand (Wie kommt man zu Wort? Welche Mittel werden für den Sprecherwechsel eingesetzt? Wie wird mit der Intonation gewichtet? etc.). Dass Sprache Mustern folgt, nicht festgesetzten Regeln, zeigt auch der poetische Sprachgebrauch. Dialekte und Soziolekte können spezifische grammatische Merkmale haben. Im Bereich des Deutschen hat das Bayrische viele grammatische Besonderheiten (z.B. doppelter Artikel) sowie Ethnolekte oft eigene grammatische Regeln. Formbezogene Grammatikmodelle sind die Dependenzgrammatik, die Konstituentenstrukturgrammatik und Universalgrammatik. Funktionale Grammatiken sehen in der Tradition Wegeners, Bühlers, Austins das sprachliche Handeln als grundlegend für die Systematik der Formen (z.B. Zifonun/Hoffmann/Strecker u.a. 1997) an und suchen nach funktionalen Erklärungen. So erklärt sich die Frageform aus dem Zweck, ein Wissensdefizit zu bearbeiten. International bekannte Funktionalisten sind Talmy Givón und Simon C. Dik. Auch Programmiersprachen haben eine Grammatik. Damit ein Programm aus seinem Quellcode von einem Compiler oder Interpreter verstanden werden kann, müssen beim Schreiben eines Programmes feste Regeln eingehalten werden. Die Regeln werden häufig mit EBNF beschrieben.

Siehe auch


- Deklination
- Interjektion
- Konjugation
- Suffix
- Wortart, Universalgrammatik
- Philosophische Grammatik

Weblinks


- http://home.pfaffenhofen.de/schyren-gym/gramm/index.html Kleine deutsche Schulgrammatik
- http://www.udoklinger.de/Grammatik/inhalt.htm
- [http://www.canoo.net/ Materialien zur deutschen Rechtschreibung]
- [http://www.lbt-languages.de/lernhilfe/englisch-lernen.html Grammatikübersicht Englisch] ---- Eine Übersicht über die Wikipedia-Beiträge zum Thema Sprache bietet das Portal:Sprache. ---- !Grammatik Kategorie:Linguistik als:Grammatik ja:文法 simple:Grammar th:ไวยากรณ์

Runen

Runen sind die ältesten Schriftzeichen der Germanen. Sie waren vor allem zwischen dem 2. und dem 12. Jahrhundert für geritzte und gravierte Inschriften auf Gegenständen und Steindenkmälern in Gebrauch. Ihre Verbreitung zeigt von Anfang an einen deutlichen Schwerpunkt in Südskandinavien. In allen anderen Siedlungsräumen germanischsprachiger Völker ist nur eine dünne Streuüberlieferung zu finden, die außerdem mit dem jeweiligen Einzug des Christentums zu ihrem Ende kommt. Die nominelle Christianisierung Nordeuropas hatte grundsätzlich den Wechsel zur lateinischen Schrift zur Folge. Die Verwendung von Runen endete mithin in Mitteleuropa vor 700 n. Chr. und in England im 10. Jahrhundert. Nur in Skandinavien hielt sich der Gebrauch der Runenschrift deutlich länger, in einzelnen Regionen bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Der weitaus größte Teil der etwa 6.500 erhaltenen Runeninschriften stammt aus dem Skandinavien der Wikingerzeit. Die ältesten Inschriften datieren aus dem 2. Jahrhundert und stammen aus Moorfunden in Südschweden und Dänemark (Jütland). Als älteste Runeninschrift gilt derzeit der Name harja auf dem Kamm von Vimose, der in die Zeit 150–200 n. Chr. datiert wird. Älter ist zwar die Fibel von Meldorf (Schleswig-Holstein) von etwa 50–100 n. Chr., doch ist die Inschrift nicht sicher runisch (lateinisch?). Etwas jünger ist die auf einer eisernen Speerspitze eingeritzte Beschwörung raunijaR („Herausforderer“). Die Spitze wurde in einem Grab aus der Zeit um 200 in Øvre Stabu (Oppland) Norwegen gefunden. Der Literalitätsgrad der Kulturen, die Runen gebrauchten, muss als sehr niedrig eingeschätzt werden. Die Runenschrift entwickelte sich nie zu einer Buch- und Urkundenschrift und erfasste niemals so weite Bereiche des kollektiven Gedächtnisses und der Alltagskommunikation wie die lateinische Schrift in Antike und Mittelalter: Literatur, Liturgie, Geschichtsüberlieferung, Recht blieben mündlich. Der hauptsächliche Anwendungsbereich von Runen waren Inschriften zum Gedenken an Verstorbene oder an besondere Ereignisse, zur Weihe oder Verschenkung von Gegenständen, als Besitzerangaben und als Münzinschriften. Runen wurden meist rechtsläufig (von links nach rechts) geschrieben, aber es gab auch Ausnahmen, besonders im nordgermanischen Raum. nordgermanischen), 9. Jh.]]

Bezeichnungsherkunft

Der Bezeichnung „Rune“ ist von einer Wurzel rūn- (gotisch runa) mit der Bedeutung „Geheimnis“ abzuleiten. Verwandt damit sind auch die deutschen Wörter „raunen“ und „Geraune“. Entgegen der weitverbreiteten Meinung, der Name Runen sei neuzeitlichen Ursprungs, gibt es aus dem 6. Jahrhundert mehrere Nennungen von runa auf beritzten Gegenständen (z. B. Runenstab von Neudingen). Und Venantius Fortunatus, der im fränkischen Merowingerreich mit Runen in Berührung gekommen sein könnte, dichtete um 565: Barbara fraxineis pingatur rhuna tabellis / quodque papyrus agit virgula plana valet. (Die Rune der Barbaren mag man auf eschene Tafeln zeichnen; was der Papyrus vermag, dazu taugt auch das flache Holzstäbchen. Carmina VII, 18). Von den Buchen-Stäben, auf die die Runen geritzt wurden, leitet sich das Wort Buchstabe ab.

Ursprung

Die Runen sind von den Germanen nicht als fertiges Schriftsystem übernommen, sondern weitgehend eigenständig nach Vorbildern südeuropäischer Schriften entwickelt worden. Vor allem die lateinische Schrift, aber auch die zahlreichen vom Lateinischen verdrängten und untergegangenen Schriften des keltisch-alpin-italischen Raums kommen als "Initialzünder" in Betracht. Die Runen gehen damit - sowohl in ihrem Prinzip einer Buchstabenschrift als auch in der Form vieler Lautzeichen - letztlich auf die große phönizisch-aramäische Familie von Alphabeten zurück, die im 1. Jahrtausend v. Chr. im Gebiet des Libanon und Syriens entstanden sind und zu denen auch alle heutigen europäischen Schriften gezählt werden. Der Ursprung der Runenschrift ist zeitlich und räumlich kaum zu erhellen, weil die ältesten Belege bereits einen etablierten Satz von Zeichen präsentieren. Das erste gesicherte Auftreten von Runen fällt in die zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts (Gegenstände wie z. B. Waffen aus Mooropferplätzen in Jütland wie Vimose, Illerup, Nydam, Thorsberg). Vorstufen der Schrift, an denen ihre Entstehung nachzuvollziehen wäre, konnten nicht unzweifelhaft identifiziert werden. Das äußerliche Charakteristikum der Runen ist die Vermeidung waagrechter und gebogener Linien, was früher immer wieder die Vermutung aufkommen ließ, dass es sich um eine Buchstabenumformung handelt, die dazu geeignet sein sollte, vor allem in hölzernes Material geritzt zu werden. Man nahm folglich an, dass Vorstufen der Runen nur deshalb nicht bewahrt sind, weil ihr mutmaßlicher Träger, Holz, sich schlechter als Metall erhalten hat. Neuere Funde (z. B. Moorfunde von Illerup, Dänemark) zeigen jedoch auch gerundete Formen (z. B. bei der Odal-Rune) auf metallenen Waffenteilen. Es werden drei Thesen zur Entstehung der Runenschrift vertreten:

Italisch-etruskische These

Das Vorbild der Runen soll ein nordetruskisches Alphabet sein bzw. aus dem Kreis der zahlreichen verschiedenen Alphabete Norditaliens und des Alpenraums (4. bis 1. Jahrhundert v. Chr.) genommen sein. Alle diese Alphabete sind, wie auch die lateinische Schrift, ihrerseits Abkömmlinge des westgriechischen Alphabets (griechischer Kultureinfluss durch Händler und Kolonien in Italien ab dem 7. Jahrhundert v. Chr.). Besonders der Helm von Negau ([http://titus.uni-frankfurt.de/didact/idg/germ/runealph.htm Abb.]) wurde zur Unterstützung dieser These herangezogen. Der Helm mit einer teils frühgermanischen Namensinschrift (harigasti...) in einem norditalischen Alphabet soll den Ursprung einiger Runenzeichen aus den norditalischen Varianten der griechischen Schrift belegen. Die Deutung der Inschrift bleibt jedoch umstritten, zumal der Helm aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. stammt und die Inschrift selbst erst später (3./2. Jahrhundert v. Chr.?) angebracht wurde. Das stärkste Argument für die italisch-etruskische These sind die Buchstabenformen, der Schreibduktus und das Verfahren der Worttrennung durch Punkte. In keiner anderen Schrift finden sich so viele Übereinstimmungen für einzelne Zeichen. Von kulturgeschichtlicher Seite ist diese These jedoch schwer zu untermauern, denn sie impliziert, dass die Runenschrift sich im norditalienischen, westalpinen oder norischen Raum im 1. Jahrhundert v. Chr. oder im 1. Jahrhundert n. Chr. herausgebildet haben müsste (wo es jedoch keine Spuren von ihr gibt) und dann bis gegen 200 n. Chr. bis in den Norden Germaniens verbreitet worden wäre, wo sie zuerst ins Licht der Geschichte tritt.

Latein-These

Die lateinische Schrift ist eine Schwesterschrift der italischen Alphabete und weist daher einige übereinstimmende Buchstabenformen auf. Im Gegensatz zu den Regionalschriften setzte sie sich mit der Großmacht Rom überregional durch und wurde als Verwaltungsschrift bis in alle Winkel des römischen Imperiums verbreitet. Somit war es möglich, dass germanische Stämme selbst im abgelegenen südskandinavischen Raum durch Kontakte mit der römischen Kultur (über Händler, Geiseln, Söldner, Besucher etc.) die lateinische Capitalis Monumentalis der Kaiserzeit kennen lernen und davon angeregt eine eigene Schrift entwickeln konnten. Für diese These sprechen einzelne Übereinstimmungen von Zeichenformen (unzweifelhaft sind F, R und B). Viele Runologen gehen heute von der Latein-These aus.

Griechische These

Nur mehr wissenschaftsgeschichtlich relevant sind mehrere Versuche, die Entstehung der Runen den Goten im Schwarzmeergebiet (heutige Ukraine) zuzuschreiben. Vorbild soll hier entweder im 2./3. Jahrhundert n. Chr. eine ostgriechische Minuskelschrift oder ein archaisches griechisches Alphabet des 6. Jahrhunderts v. Chr. (!) gewesen sein. Diese Thesen sind weitestgehend aufgegeben worden, denn die ältesten skandinavischen Runendenkmäler sind nach archäologischer Datierung bereits entstanden, bevor die Goten in Kontakt mit dem römischen Weltreich kamen. Auch aus sprachhistorischen (linguistischen) Gründen scheidet diese Auffassung aus: die älteste Runenreihe reflektiert eindeutig nordgermanische bzw. noch gemeingermanische und keine bereits ausdifferenzierten ostgermanischen Lautverhältnisse.

Runenreihen

Die älteste Runenreihe

Die älteste überlieferte Runenreihe (nach den ersten sechs Buchstaben futhark genannt) bestand aus 24 Zeichen, die in drei Abschnitte (später im Altnordischen als aettir bezeichnet) eingeteilt waren. Sie war anfangs nur bei nordgermanischen Stämmen, in der Völkerwanderungszeit vereinzelt auch bei Ostgermanen (vor allem Goten, ab 3. Jh.?) und Westgermanen (ab 5. Jh.) in Benutzung. Etwa 350 Inschriften in dieser ältesten Runenreihe wurden bislang entdeckt. Alle jüngeren Runenreihen ab etwa 700 leiten sich vom älteren Futhark ab. Jedes Graphem (Buchstabe) entspricht einem Phonem (Laut). Für das ältere Futhark besteht vor ca. 550 bis 650 eine bemerkenswert gute Übereinstimmung zwischen dem Zeicheninventar und dem Phoneminventar der damit geschriebenen gemeingermanischen bzw. runennordischen Sprache oder Sprachen. Nur die Verdoppelung der I-Rune (Eis und Eibe) muss ein Relikt einer früheren Sprachstufe sein und ist wohl ein Beweis dafür, dass das 24-buchstabige Futhark bereits eine Zeit lang vor den ersten überlieferten Inschriften entstand. Hinweis zur Tabelle: Namen sind in gemeingermanischem, so nirgends belegtem Lautstand rekonstruiert. Vokale mit Balken bezeichnen lange Vokale, alle anderen Vokale sind kurz. Balken Ein Charakteristikum der germanischen Runenschrift ist, dass jede Rune einen Namen trägt, gewöhnlich ein bedeutungsvolles Wort, das mit dem jeweiligen Laut beginnt; so hieß die Rune für f Fehu, das heißt "Vieh, beweglicher Besitz, Reichtum". Für das älteste Futhark sind diese Runennamen nicht überliefert. Sie können erschlossen werden, weil die Namen sich weitgehend übereinstimmend bei allen jüngeren Runenreihen der germanischen Stämme finden; Wulfila übertrug sie möglicherweise sogar auf die gotische Schrift, die keine Runenschrift war. Im 9. und 10. Jahrhundert, als Runen außerhalb Skandinaviens überhaupt nicht mehr im Gebrauch waren, zeichneten klösterliche Gelehrte sowohl in England wie auf dem Kontinent mehrfach die verschiedenen Runenreihen mit Namen ([http://titus.fkidg1.uni-frankfurt.de/didact/idg/germ/runennam.htm Übersicht]) oder in Form von Runenmerkversen auf. Aus diesen Quellen werden die Runennamen des ältesten Futhark rekonstruiert; nicht alle Formen sind jedoch unumstritten. Bis zum 7. Jahrhundert hatten sich die Lautsysteme in den germanischen Einzelsprachen deutlich verändert. Zuvor unterschiedene Laute fielen zusammen, neue Vokale bildeten sich. Dies führte zwangsläufig dazu, dass die Laut-Buchstaben-Zuordnung des älteren Futhark nicht mehr stimmig war. So entwickelten die einzelnen Sprachen und Dialekte jeweils eigene Runenreihen. gotische Schrift

Die angelsächsische Runenreihe

gotische Schrift Die Angelsachsen erweiterten das Futhark aufgrund der reichen Entwicklung des Vokalismus im Altenglischen schrittweise auf 33 Zeichen (davon sind nebenstehend nur die wirklich auch verwendeten abgebildet). Das 33-buchstabige Futhork war in dieser Form im 9. Jahrhundert ausgebildet. Es wurde außer in handschriftlichen Aufzeichnungen auch in northumbrischen Inschriften verwendet. Das längere Nebeneinander von Runen und Lateinschrift im 7. bis 10. Jahrhundert führte in England dazu, dass für Laute der angelsächsischen Sprache, die im lateinischen Alphabet keine Entsprechung hatten, die entsprechenden Runen quasi weiterverwendet wurden. Auf diese Weise gelangten die thorn-Rune als Schreibung für /th/ und die wen- oder wynn-Rune (Ƿ ƿ) für das bilabiale /w/ in die lateinische Schrift.

Die altnordische Runenreihe

angelsächsischen Sprache angelsächsischen Sprache Auch in Skandinavien war das Futhark Veränderungen unterzogen: Es wurde im 7. bis 8. Jahrhundert auf 16 Runen (f u th o r k : h n i a s : t b l m R) reduziert. Dabei mussten dann einzelne Runen zahlreiche verschiedene Lautwerte bezeichnen: die u-Rune etwa u, y, o, ö und w. Diesen Verlust an Zeichen glich man am Ende des 10. Jahrhunderts mit der Einführung von Punktierungen aus; später gab es auch noch andere Systeme, die sogar für Laute wie Q eine Rune einführten. Im hohen Mittelalter entsteht so, von Norwegen ausgehend, eine punktierte Runenreihe in alphabetischer Reihenfolge, bei der jeder lateinische Buchstabe eine Entsprechung hat. Das erste datierte Zeugnis für die Verwendung des vollständig punktierten Runenalphabets findet sich auf der kleineren Kirchenglocke von Saleby (Westgötland), deren Inschrift das Jahr 1228 angibt. Vielleicht aufgrund der größeren Wertschätzung für die alte vorchristliche Mythologie und Überlieferung (man denke an die Edda) blieben die Runen in Skandinavien neben der lateinischen Schrift in Gebrauch. Erst im 19. Jahrhundert wurden sie endgültig verdrängt, während dieser Prozess in den anderen germanischen Gebieten teils schon im 7., teils im 11. Jahrhundert abgeschlossen war.

"Antiquarische" Runenalphabete des frühen Mittelalters

Edda Schon sehr früh, nachdem sie außer Gebrauch kamen, wurden Runenreihen von lateinkundigen Kirchenmännern als enzyklopädische Kuriositäten und vermeintliche Geheimschriften gesammelt - man stellte die Runen dem griechischen, hebräischen und "chaldäischen" Alphabet an die Seite, den Tironischen Noten und dem Phantasiealphabet des Aethicus Ister. Besonders das Kloster Fulda mit seiner starken insularen Tradition pflegte im 9. Jahrhundert, wie es scheint, einen Forschungs- und Sammelschwerpunkt 'Runica'. In einigen Handschriften aus dem 8./9. Jahrhundert vorwiegend aus Süddeutschland ist in einer Abhandlung "Über die Erfindung der Buchstaben" (De inventione litterarum) ein merkwürdiges Runenalphabet in der Reihenfolge der lateinischen Buchstaben überliefert. Es stellt eine Mischung aus Zeichen des älteren Futhark mit angelsächsischen Zeichen dar und soll auf Hrabanus Maurus, den Abt von Fulda und Alkuin-Schüler, zurückgehen. Da diese Reihe (die früher irreführend als „Markomannische Runen“ bezeichnet wurde) nur in einigen Handschriften, aber nirgends inschriftlich vorkommt, dürfte sie wohl nur ein Versuch der Mönche gewesen sein, allen Buchstaben der lateinischen Schrift Runenzeichen zuzuordnen.
Beginn des
[http://wikisource.org/wiki/Rune_poems#The_Abecedarium_Nordmannicum Abecedarium Nordmannicum] ---- feu forman
ur after
thuris thritten stabu
os is th(em)o oboro ...

Vieh zuerst,
Ur danach,
Thurse als dritten Stab,
Ans ist rechts davon ...
In derselben Alkuin-Handschrift, in der sich ein gotisches Alphabet und gotische Textbeispiele aufgezeichnet finden (Wien, Ms. 795, spätes 8. Jh.?), ist auch ein 28-buchstabiges angelsächsisches Futhork mit Runennamen überliefert. Daneben existiert eine Reihe von Gedichten, in denen die Reihenfolge, die Namen und die Bedeutung der Runen in eine memorierbare Form gebracht waren: Das sogenannte Abecedarium Nordmannicum (9. Jh., Handschrift Walahfrid Strabos) in einem Gemisch von Niederdeutsch, Hochdeutsch, Angelsächsisch und Nordisch, das angelsächsische Runengedicht in 94 Stabreimversen, ein norwegisches und ein isländisches Runengedicht (13. und 15. Jh.), sowie in der Edda die Rúnatal ("Runenrede") in der Sigrdrífomál und die Rúnatals Þáttr Óðins ("Odins Runenmagie") in den Hávamál.

Verwendungen der Runen

Runen als Begriffszeichen

Der "Name" der einzelnen Runenzeichen konnte auch als eine Art Symbolbedeutung verwendet werden. Das Einzelzeichen o konnte also für "Erbbesitz" stehen. Man spricht in diesem Fall von Begriffsrunen. Diese Technik findet sich unsystematisch fortgesetzt in der Praxis mittelalterlicher Schreiber, besonders in altenglischen und altisländischen Handschriften. Dort können bestimmte Einzelrunen inmitten des lateinschriftlichen Texts wie Logogramme gebraucht werden: die M-Rune kann für altengl. man, mon ("Mensch, Mann") oder für altisl. maðr ("Mensch, Mann") stehen.

Runen als magische Zeichen

Schriftgebrauch wurde in allen archaischen Kulturen (auch) als Medium magischer Macht und Aura angesehen. Viele der alten Kulturen hielten ihre Schrift (selten aber ihre Sprache!) für die Erfindung oder das Geschenk eines Gottes. Zweifellos waren auch die Runen, zumal in ältester Zeit, mit sakralen und religiösen Zwecken verbunden (Grabinschriften, Opfer an Götter, glückbringende Waffen'taufen', Amulette etc.). Eine magische Funktion der Runen wird schon nahegelegt durch die zahlreichen Inschriften, die die Runenreihe (f u th a r k ..., oft ergänzt durch die Runenmeister-Signatur) enthalten. Einen Mitteilungswert besitzt diese Zeichenfolge nicht - sie muss als Schriftmagie und/oder als Ausdruck eines Bewusstseins, dass Schrift an sich einen Eigenwert habe, gelten. Auch der Name der Runen, der "Geheimnis" bedeutet, bezeugt diese Aura. Ob es allerdings zulässig ist, Runen mit Orakelbräuchen in Verbindung zu bringen, ist unsicher. Ein frühes Zeugnis über das germanische Losorakel ist im 10. Kapitel der Germania des Tacitus erhalten. Man streute mit "gewissen Zeichen" (notis quibusdam) bezeichnete hölzerne Stäbchen auf ein weißes Tuch. Darauf wurden auf gut Glück drei dieser Stäbchen aufgehoben und gedeutet. Dies wurde nacheinander dreimal durchgeführt. Ob es sich bei diesen Zeichen (1. Jahrhundert) aber schon um Vorläufer der Runenschrift oder sogar schon um eigentliche Runen handelte, ist kaum bestimmbar. 1. Jahrhundert als göttlicher Heiler]] Die Verwendung der Runen zu magischen Zwecken ist besonders im Norden bezeugt. Als Begriffsrunen bedeuteten z. B. Vieh, (gutes) Jahr, Gabe, Ritt einen entsprechenden Segenswunsch, umgekehrt sollten Not, Geschwür eine Befürchtung bannen oder einen Fluch aussprechen. Viele frühe Inschriften bestehen aus einem einzigen Wort wie alu, laukaz, laþu, was man meist als magische Formeln („Heil“, „Gedeihen“) versteht. In den jüngeren skandinavischen Denkmälern werden Zauberrunen für bestimmte Zwecke erwähnt, so Siegrunen, Bierrunen, Bergerunen (zur Geburtshilfe), Seerunen (zum Schutz der Schiffe), Rederunen (um klug zu sprechen), Löserunen (bei Gefangenschaft), Runen zum Besprechen (Stumpfmachen) der Schwerter und dergleichen. Der Gott des Runenwissens und der Runenmagie ist Odin. Ein Götterlied der Lieder-Edda erzählt, wie Odin sich selbst opferte und neun Tage kopfüber in einem Baum (der Weltesche Yggdrasil) hing, bevor er Kenntnis von der Macht der Runen gewann und sich befreien konnte. Im weiteren Verlauf des Liedes werden magische Kräfte der Runen beschrieben und schließlich 18 Zaubersprüche genannt. Ein anderes Lied der Edda, Skirnirs Fahrt, kulminiert in der eindrucksvollen (angedrohten) Verfluchung einer sich verweigernden Frau. Dazu ritzt Skirnir, Diener des Gottes Freyr, während er den Fluch spricht, einen Thursen (d.h. die th-Rune) und der Runen drei: Argheit und Unrast und Irresein. Erstaunlicherweise handelt es sich dabei um einen Fluch zum Zwecke sexueller Nötigung: Skirnir droht dem Opfer, falls es sich nicht mit Freyr einlasse. Fluch-Sage]]

Runen als Schrift

Zu zusammenhängender Schrift sind die Runen von den Germanen des Kontinents nur in geringem Umfang gebraucht worden. Runensteine gibt es in Mitteleuropa nicht. Die einzigen dort erhaltenen Runenritzungen finden sich auf Schmuck, Waffen und (seltener) auf Gebrauchsgegenständen. Auch in England war die Verwendung von Runen zu diesem Zweck nicht häufig: Das umfangreichste Denkmal, die Inschrift auf dem Kreuz von Ruthwell, stammt bereits aus christlicher Zeit. Die Runenschnitzerei auf dem Walbeinkästchen von Auzon (auch Franks Casket) gibt altenglische Stabreimverse wieder, die frühesten überhaupt überlieferten. Dieses in Nordengland um 650 entstandene Stück gehört zu den eindrucksvollsten kunsthandwerklichen Schöpfungen der germanischen Zeit.

Die Runen in Mitteleuropa

In Mitteleuropa tauchen die ersten Runen erst zu Beginn des 6. Jahrhunderts, dann jedoch regional und zeitlich stark gehäuft, auf. Vor allem bei den Alemannen und am Mittelrhein (heutiges Südwestdeutschland) finden sich relativ viele Runenritzungen. Charakteristisch ist, dass Runen nur dort vorkommen, wo germanisch sprechende Menschen lebten (im Westen bis Charnay, Burgund, vgl. Burgunden). Auch die Inschriften, soweit sie deut- und lesbar sind, sind immer in germanischer Sprache gehalten. Bisher kennt man ca. 80 Inschriften, die fast ausschließlich von Gegenständen aus Gräbern stammen. Zumeist handelt es sich dabei um Schmuck der Frauen (Fibeln, „Sicherheitsnadeln“, ursprünglich zum Verschließen von Gewändern) oder, weit seltener, Gürtel- und Waffenteile bei den Männern. Daneben gibt es jedoch auch sehr selten organische Gegenstände aus Holz und Knochen. Da fast sämtliche Runenfunde aus Gräbern stammen und sich dort Metallgegenstände weit besser erhalten als z. B. Holz, darf man daraus nicht unbedingt schließen, dass bevorzugt Metallgegenstände zum Runenritzen benutzt wurden. Auch die deutliche Überzahl von Frauengräbern mit Runengegenständen dürfte auf den Umstand zurückzuführen sein, dass sich Ritzungen besonders gut bei Edel- und Buntmetallschmuckstücken erhalten und entdecken lassen, besser als dies bei den viel stärker korrodierten eisernen Waffen- und Gürtelteilen der Männer der Fall ist. Der Gebrauch der Runen war in Mitteleuropa aber nur von kurzer Dauer, denn spätestens nach der Mitte des 7. Jahrhunderts finden sich keine Runen mehr. Besonders zahlreich treten Runenritzungen zwischen 550 und 600 n. Chr. auf.
Inhalte
Die Inschriften sind kurz, häufig nur ein Wort, manchmal nur eine einzelne Rune. Die längsten Inschriften (Neudingen, Pforzen) sind gerade einmal ein bis zwei Sätze lang. Häufig sind die Inschriften nicht deutlich erkennbar oder lesbar. Neben den Einzelrunen gibt es „falsch“ geschriebene Runen und Pseudorunen (ein Versuch zu schreiben, ohne es wirklich zu können?). Selbst wenn die Inschrift gut zu erkennen und länger ist, gibt es unter den Wissenschaftlern oft kaum eine einhellige Meinung zu einer Übersetzung des Inhaltes. Deutlicher ist z. B. der Holzstab (Teil eines Webstuhls) aus Neudingen (Baden-Württemberg): „lbi (ergänzt zu leub/liubi) : imuba : hamale : blithguth uraitruna“ (Liebes der Imuba: (von) Hamale: Blithgund ritzte/schrieb die Runen) oder die Fibel von Bad Krozingen (Baden-Württemberg) „Boba leub Agerike“ (Boba liebt den Agerich).
Magisches
Anders als bei den skandinavischen Funden lässt sich im mitteleuropäischen Raum kaum eine Inschrift als magisch oder Zauberformel deuten. Es handelt sich meist um eher profane private Vermerke, Liebesbezeugungen oder Schenkungswidmungen. Nicht wenige der Ritzungen tragen die Signatur einer Frau. Auf den Brakteaten von Hüfingen (Baden-Württemberg) finden sich die Formelwörter „alu“ (Ale/Bier = Gesundheit/Schutz?) und „ota“ (Schrecken/Abwehr?), die auch aus dem Norden bekannt sind. Möglicherweise handelt es sich hierbei um magische Formelwörter, die Unheil abwehren und Gedeihen herbeiwünschen sollen. Auf der Fibel von Beuchte (Niedersachsen, 6. Jh.) finden sich zwei Inschriften (1. Buirso, wohl der Name des Runenmeisters, 2. die Futhark-Reihe von f bis r, erweitert um z und j), wobei die eine im Gegensatz zur Fibel keine Abnutzungsspuren aufweist und womöglich erst nach dem Tode der Trägerin eingeritzt worden war (die Futhark-Reihe, also die ersten acht Zeichen, als „Alphabet“-Zauber, die quasi als magische „Formel“ gilt?). Dies könnte darauf hindeuten, dass die Inschrift zur Abwehr eines „Wiedergängers“ gedacht war.
Religiöses
Auf der Fibel von Nordendorf bei Augsburg (Anf. 7. Jh.) wird eine Göttertrias genannt: „Logathore, Wodan, Wigi-Thonar“ (Wigi-Thonar = Weihe-Donar/Thor). Es würde sich um die aus späteren Quellen bekannten germanischen Götter Donar/Thor und Wodan/Odin handeln. Logathore könnte ein dritter, lokaler Gott gewesen sein (Loki?). K. Düwel liest logathore jedoch als „Ränkeschmiede/Zauberer“ und deutet die Inschrift als „Ränkeschmiede/Zauberer (sind) Weihe-Donar und Wodan“. Dies wäre dann eine Verdammung der alten Götter und ein Hinweis auf den neuen christlichen Glauben der Trägerin. U. Schwab hingegen liest „Zauberer/zauberhaft (im positiven Sinne) (sind) Weihe-Donar und Wodan“, womit dann wieder eine Deutung als Anhängerin des alten Glaubens gegeben wäre. In einigen Fällen sind Formeln bezeugt, die als die Abwendung von heidnischen Gottheiten gelesen werden können. Auf der Scheibenfibel von Osthofen ist mit der Inschrift "Gott mit dir, Theophilus (=Gott-Freund)" die Wendung zum Christentum deutlich vollzogen. In einem Kirchengrab in Arlon (Belgien) fand sich eine (christliche/Kreuzdarstellung) Amulettkapsel mit Runen, die recht eindeutig die dort bestattete Tote als Christin ausweist.
Ende der Runenritzungen
Warum der Brauch, Runen zu ritzen, in Mitteleuropa im 7. Jahrhundert ausstarb, ist nicht geklärt. Wenig wahrscheinlich ist ein Verbot durch die Kirche bzw. wegen der durchgreifenden Christianisierung dieser Gebiete, da zum einen kein solches Verbot überliefert ist und einige Bestattete mit Runengegenständen anscheinend schon Christen waren (Arlon, Kirchheim). Zudem arrangierte sich die Kirche in England und Skandinavien recht zwanglos mit Runen als Schrift. Da die Runen nur für einen recht kurzen Zeitraum in Gebrauch waren (ca. zwei bis drei Generationen) und die Inschriften oftmals eine unsichere Hand (Schreiben nicht richtig erlernt oder verlernt) verraten, war die Kenntnis vermutlich nie fest verwurzelt. Statt dessen wechselte man, wohl unter dem Einfluss der Kirchen und Klöster, auf die gebräuchlichere und „internationalere“ lateinische Schrift über. Interessanter ist die Frage, warum die Germanen Mitteleuropas überhaupt erst fast 400 Jahre, nachdem die ersten Runen in Skandinavien benutzt wurden, dieses Schriftsystem übernahmen und nicht gleich (oder früher) die lateinische Schrift der benachbarten römischen Gebiete. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang der Umstand, dass die Runen hier erstmals auftauchen, als die Gebiete in das Frankenreich eingegliedert wurden (Alemannen 496/506/535, Thüringer 529/532). Eine These lautet, dass nach dem Fall des Thüringerreichs 531 die 'romanisch' geprägten Franken und Alemannen zu direkten Nachbarn der Sachsen wurden und der Austausch zwischen Nord und Süd sich intensivierte. Vielleicht erklärt sich auch die Übernahme der Runen durch die sogenannte "Nordische" Modewelle mit der viele Elemente und Formen (Fibelformen, Brakteaten, Verzierungen im Tierstil I und II) verstärkt ab ca. 530 n. Chr. von Skandinavien nach Mitteleuropa gelangten bzw. dort kopiert wurden und zu eigenen Formen anregte (kontinentaler Tierstil II)(man bedenke auch die Formelwörter alu und ota auf den Hüfinger Brakteaten, die häufig in Skandinavien vorkommen). Warum diese Elemente nach Mitteleuropa gelangten, ist noch nicht hinreichend erklärt. Es könnte sich um intensiviertere Handelsbeziehungen handeln und engere soziale Kontakte (Heiratsbeziehungen, Einwanderung, Wanderhandwerker, Krieger die sich neue Gefolgschaftsherren auf dem Festland anschlossen). Eine weitere These lautet, dass diese "nordischen" Elemente gezielt von einigen germanischen Gruppen übernommen wurde, um sich eine eigene Identität zu geben und diese nach aussen (eventl. gegen die eher romanisierten Gebiete/Gruppen und die Einflüsse aus dem Mittelmeerraum)zu demonstrieren und sich dadurch abzugrenzen.

Die Runen in Skandinavien

Im skandinavischen Norden, wohin die lateinische Schrift erst im Mittelalter im Zuge der Christianisierung gelangte, haben die Runen dagegen sehr ausgedehnte Verwendung gefunden, besonders bei Grabinschriften oder zum Andenken an Familienangehörige auf Runensteinen. Aus der Zeit des älteren Futharks hat die Inschrift auf dem kleineren der Goldhörner von Gallehus große Berühmtheit erlangt. Goldhörner von Gallehus] Die Inschriften im kürzeren Futhark beginnen etwa um 800; Beispiele dafür sind die Steine von Helnäs und Flemlöse auf Fünen. Ganz sicher datierbar sind jedoch erst die zweifellos jüngeren Iällingesteine aus dem 10. Jahrhundert. Sie sind in Schweden besonders zahlreich und reichen bis in spätere Zeit hinauf, auf Gotland bis ins 16. Jahrhundert; einige (beispielsweise der Karlevistein auf Öland und der Rökstein in Östergötland) enthalten stabreimende Verse. Diese jüngeren Inschriften aus der Wikingerzeit machen mit über 5000 den Hauptanteil aller erhaltenen Runendenkmäler aus. Allein im schwedischen Uppland finden sich 1200 Runensteine. Der Gebrauch der Runen zu literarischen Zwecken, also in Handschriften, ist dagegen selten und wohl nur als eine gelehrte Spielerei zu betrachten. Das umfangreichste Denkmal war der sogenannte Codex runicus mit dem schonischen Recht aus dem 14. Jahrhundert. Besonders lange wurden Runen auf Kalenderstäben gebraucht. Da Mythen, Sagen und epische Lieder mündlich überliefert wurden und die isländischen Prosa-Sagas von Anfang an eine (latein)schriftliche Textgattung waren, spielten Runen als Medium literarischer Überlieferung kaum eine Rolle. Aber nicht nur die große Verbreitung von Inschriften macht es wahrscheinlich, dass zumindest in der wohlhabenden Oberschicht Skandinaviens ein recht großer Teil der Menschen Runen lesen und schreiben konnte. Runen dienten oft auch profanen Zwecken. Dazu zählen Besitzmarken, mit denen Handelswaren und anderes Eigentum gekennzeichnet wurden, geschäftliche Mitteilungen, aber auch Gelegenheitsinschriften in Form von kurzen privaten Botschaften, wie zum Beispiel die Aufforderung „kysmik“ (küss mich), die im Oslo des 11. Jahrhunderts auf einen Knochen geritzt wurde. In Byzanz hinterließen mehrere nordische Reisende, möglicherweise Krieger der kaiserlichen Warägergarde, Runengraffitos auf Galerien der Hagia Sophia. Das isländische Alphabet enthält bis heute ein Zeichen, das ursprünglich aus der Runenschrift stammt: Þ steht für den stimmlosen th-Laut (wie beispielsweise im englischen Wort „thing“).

Runen in der Neuzeit

Þ

Beginn der wissenschaftlichen Erforschung

Die Runen gerieten nie in völlige Vergessenheit. Die wissenschaftliche Befassung mit Runendenkmälern und der Runenschrift hielt sich das ganze Mittelalter hindurch, bis zum Humanismus auf denselben Gleisen wie die enzyklopädische und geschichtswissenschaftliche Beschäftigung mit anderen Altertümern. Humanisten wie der Schweizer Melchior Goldast fahnden in mittelalterlichen Manuskripten nach der Geschichtsüberlieferung des eigenen 'Stammes', wenn sie althochdeutsche Texte ebenso abdrucken wie die klösterlichen Runentraktate des 9. Jahrhunderts (s. Abb.). Im Norden konnte sich die Aufmerksamkeit auf die inschriftlichen Denkmäler selbst richten. Seit dem 16. Jahrhundert wurden gelehrte Sammlungen und Studien veröffentlicht, allerdings erscheinen die Herleitungen der Schrift z.B. aus der Zeit der Sintflut (Johan Magnus, 1554) oder von der hebräischen Schrift (Ole Worm, 1639) doch eher kurios. Johan Göranssons Bautil von 1750 ist mit seinen Abbildungen von 1200 schwedischen Runensteinen noch immer von Bedeutung, auch wenn er die These vertrat, die Runen seien um 2000 v.Chr. von einem Bruder Magogs in den Norden gebracht worden. Das verlorengegangene Goldhorn von Gallehus ist nur noch durch Stiche des 18. Jahrhunderts fassbar. Heute ist die Runenkunde (Runologie) kein eigenständiges akademisches Fach, aber ein etabliertes Forschungsgebiet im Berührungsfeld von vergleichender Sprachwissenschaft, Nordistik, Geschichtswissenschaft und Archäologie.

Ideologische Vereinnahmungen

Als scheinbar autochthone, rein germanische Leistung waren die Runen anfällig für den Missbrauch für ideologische und politische Zwecke im Zeitalter des Nationalgedankens. Schon im 17. Jahrhundert entwickelten Dänemark und Schweden einen ahistorischen Stolz auf "ihre" Runen. Einer kulturkritischen Strömung am Ende des 19. und Beginn des 20. Jah