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Islamische Revolution

Islamische Revolution

Als Islamische Revolution bezeichnet man eine politische Systemtransformation hin zu einem Islamischen Staat. Die bekannteste Islamische Revolution fand 1979 im Iran statt. Dort wurde die autoritäre Herrschaft des Schah Reza Pahlewi von einer jungen, revolutionären Bewegung weggespült, die in Ayatollah Khomeini ihren Hoffnungsträger sah, aber bald enttäuscht wurde. Seither gab es immer wieder Versuche in anderen islamischen Staaten theokratische Herrschaftsformen zu implementieren. Diese waren aber meist nicht Ergebnis einer Revolution, sondern von Kriegen (Afghanistan ab 1995), Bürgerkriegen (Algerien ab 1992) oder evolutionären Systemtransformationen. Solche „schleichenden Islamisierungen“ sind in vielen islamischen Staaten zu beobachten, seit der sog. Politische Islam in der islamischen Welt zunehmend Anhänger findet. Ziel einer Islamischen Revolution ist die Errichtung eines „Gottesstaates“, indem islamischen Geistlichen auch ein großer Anteil weltlicher Macht zukommt. Die Islamische Revolution strebt auch und vor allem einen möglichen Revolutionsexport in andere islamische Länder an (Im Falle Irans z.B. 1979 nach Afghanistan, später nach Libanon und Irak). siehe auch:
- Supreme Council for the Islamic Revolution in Iraq Kategorie:Islam Kategorie:Revolution Kategorie:Iran

Iran

Der Iran (Persien, persisch: ایران //) ist ein Staat im westlichen Asien.

Landesname

Seit frühester Zeit wurde das Land von seiner Bevölkerung als Iran bezeichnet. Die altiranische Form dieses Namens, Aryanam, bedeutet Land der Arier. Die im Abendland bis ins 20. Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung Persien geht auf die Zeit der Achämeniden zurück, die im 6. Jahrhundert v. Chr. ein erstes persisches Großreich schufen. Dessen Kerngebiet war die von den Griechen so genannte Landschaft Persis, die heutige Provinz Fars um Schiraz. Von ihr leitet sich auch der Name Farsi für die persische Sprache ab. Der geographische Begriff Iran bezieht sich auf das gesamte iranische Hochland, über den Staat Iran hinaus also auch auf Regionen von Nachbarländern.

Geografie

Der Iran grenzt an den Irak (Grenzlinie 1.458 km), die Türkei und Aserbaidschan (je ca. 500 km), Armenien (35 km), das Kaspische Meer (500 km), Turkmenistan (ca. 1.000 km), Afghanistan (936 km) und Pakistan (Provinz Belutschistan, 909 km). Der höchste Berg des Irans ist der 5.610 m hohe, erloschene Vulkan Damavand (Demawend) im Elbursgebirge, nördlich der Hauptstadt Teheran. Im Süden und Südwesten hat das Land eine 2.000 km lange Küste zum Golf von Oman bzw. Persischen Golf, die beiden Meere sind durch die Straße von Hormuz (Vereinigte Arabische Emirate, Oman) getrennt. Aufgrund der geophysischen Gegebenheiten treten im Iran verhältnismäßig häufig Erdbeben auf. (Die Situation ist vergleichbar mit der Erdbebenhäufigkeit in der Türkei und an der Westküste der USA.)

Klima

Erdbeben Das Klima des Irans ist, bedingt durch seine geografische Ausdehnung, sehr unterschiedlich. Viele verschiedene Jahreszeiten herrschen gleichzeitig, weshalb es möglich ist, im Iran alle Gemüse- und Früchtearten anzubauen, abgesehen von Kakao. Es überwiegen aride Klimaverhältnisse, regional liegen die Niederschläge aber bei 2.000 mm im Jahr.

Vegetation

53 % des Irans sind Wüstengebiet (Kavir im Norden, Lut im Süden, siehe Wüsten Afghanistans und Irans), 27 % Weideland, 9 % Ackerland (gut 1/3 bewässert), 11 % Wald. Die Wälder sind zumeist übernutzt, zwischen Elburs-Gebirge und Kaspischem Meer finden sich aber großflächige Urwälder der Buche, die sich in dieser Ausdehnung nur im äußersten Osten des Buchenareals erhalten haben.

Bevölkerung

Die Bevölkerung Irans (69 Millionen - Stand Juli 2004) setzt sich zusammen aus ca. 51 % Persern, ca. 24 % Aserbaidschanern, ca. 7 % Kurden, 8 % Gilaki und Mazandarani, ca. 3 % Araber, 2 % Turkomanen, 2 % Luren und 2 % Belutschen und einigen kleineren Minderheiten, wie christliche Armenier, Assyrer und Georgier. Insgesamt bekennen sich 98 % der Bevölkerung zum Islam; 90 % davon sind Schiiten und 8 % Sunniten. Daneben leben im Iran zahlreiche Flüchtlinge: 2 Millionen aus Afghanistan und 203.000 aus dem Irak. 20.000 Iraner befinden sich als Flüchtlinge im benachbarten Irak. Zu den größten Städten (über 700.000 Einwohner) zählen Teheran (7,1 Mio.), Mashhad (2,3 Mio.), Isfahan (1,5 Mio.), Karaj (1,4 Mio.), Täbris (1,4 Mio.), Schiraz (1,2 Mio.), Qom (1,0 Mio.), Ahwas (850.000) und Kermānschāh (770.000). Siehe auch: Liste der Städte im Iran

Sprachen

Amtssprache des Irans ist Neupersisch, lokal auch Farsi genannt. Sie ist eine indogermanische Sprache und zugleich die Wichtigste unter allen iranischen Sprachen, die gemeinsam mit den Indischen Sprachen den Ostindogermanischen Sprachast bilden. Persisch ist in der Entwicklung ihrer Grammatik, sprich in der Vereinfachung, sogar noch weiter vorangeschritten als das Englische. Persisch ist zwar die einzige Amtssprache des Irans, die etwa von 58 % der iranischen Bevölkerung gesprochen wird, sie ist jedoch nicht die alleinige Landessprache. Der Anteil der Aserbaidschanisch-, und Turkmenisch-Sprecher wird mit 26 % beziffert; Kurdisch mit 9 %; Lurisch mit 2 %; und andere, darunter Arabischsprecher, mit 1 %.
- Iranische Sprachen: Persisch (Dari), Lorī, Kurdisch, Belutschi, Tajik
- Turksprachen: Aserbaidschanisch, Turkmenisch.
- Armenisch

Religion

Der schiitisch/safawidische Islam ist Staatsreligion. Knapp 95 % der Bevölkerung sind Muslime (89 % Shiiten, 5 % Sunniten und 1 % andere muslimische Gruppen, vorwiegend Kharidschiten und Sufis). Daneben gibt es orientalische Christen (1.500.000), Anhänger der armenisch-apostolischen Kirche (500.000), assyrische Christen (500.000), syrische Christen (300.000), Kopten (100.000), andere Christen (100.000), Juden (150.000), Parsen (480.000), Mandäer (218.000), Jesiden (55.000), Sikhs (20.000), Drusen (82.000) und ca. 300.000 der im Iran als ketzerisch bezeichneten Baha'i, deren nach dem Islam entstandene Buchreligion im Iran nicht als solche anerkannt wird, was teils blutige Pogrome und Hinrichtungen zur Folge hat.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte des Iran Der heutige Staat Iran (Iran bedeutet in den westiranischen Dialekten soviel wie Land der Arier; das ostiranische Äquivalent dazu ist Aryana) befindet sich auf dem Gebiet, das man im deutschen Sprachgebrauch lange als Persien bezeichnet hat. Die geografische Lage zwischen dem Kaukasus im Norden, der Arabischen Halbinsel im Süden, Indien und China im Osten und Mesopotamien und Syrien im Westen ließen das Land zum Schauplatz einer wechselvollen Geschichte werden. Im persischen Großraum führt die Geschichte vom Reich der Meder zum Perserreich der Achämeniden (Kyros II. der Große bis Dareios III.) über Alexander den Großen zu den Parthern und Sassaniden. Seit dem Mittelalter folgten auf das islamische Kalifat, welches das Sassanidenreich zertrümmerte (siehe Islamische Expansion), verschiedene einheimisch-persische, mongolische und türkische Dynastien bis zu den Safawiden, Kadscharen und dem heutigen Staat Iran. Der Iran trat als Monarchie mit einem Schah als Oberhaupt und bald auch mit einer eigenen, freien Regierung in die Neuzeit ein. Mit Reza Schah Pahlavi (Reza Chan) begann 1921 unter dem Einfluss von Großbritannien eine politische Neuorientierung Persiens in Richtung Westen. Dabei nahm der Kontakt zwischen Herrscher und Volk immer mehr ab. Die Unzufriedenheit im Land stieg. Die Wut konzentrierte sich zunächst auf Großbritannien. Ein Zweckbündnis mit Deutschland und das erstarkte Selbstverständnis des neugeordneten Staates veranlassten den Schah, die internationale Staatengemeinschaft aufzufordern, den seitens der Briten hartnäckig als "Persia" bezeichneten Iran als IRAN zu bezeichnen; dem Landesnamen, unter welchem es den Persern seit Jahrhunderten ein Begriff war. Durch den mit dem Öl verknüpften Reichtum entwickelte sich Iran zur Regionalmacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es 1951, unter der Regierung Mohammed Mossadeghs, zu einer Verstaatlichung der Ölindustrie. Auslöser war die britische BP, die das Ölgeschäft im Iran beherrschte und die sich in Verhandlungen strikt weigerte, ihre Gewinne aus dem Ölgeschäft hälftig mit dem iranischen Staat zu teilen. In der Folge kam es zum internationalen Boykott des iranischen Öls, allen voran durch die USA und Großbritannien, was im weiteren Verlauf zu einer Wirtschaftskrise und zum Staatsdefizit führte. Trotz dieser Ergebnisse wählte das Parlament später in demokratischer Wahl Mossadegh zum Präsidenten des Landes. Der 1941, ursprünglich gegen den Willen der USA, als Nachfolger seines Vaters ins Amt gekommene Schah, Mohammad Reza Pahlavi, der Sohn Reza Schahs, stellte sich mit Unterstützung der USA gegen Mossadegh und sprach sich für ein Handelsabkommen mit den USA aus. In diesem sollten Ölförderrechte an US-amerikanische Unternehmen übertragen und dem Iran 50 % des Gewinns aus dem Ölgeschäft zugesprochen werden (mit der britischen BP waren es ca. 5 %). Mossadegh weigerte sich, da er den mit dem Öl verbundenen Reichtum des Iran im Lande behalten wollte. Es kam zu Unruhen und Spannungen zwischen Shah und Mossadegh. Letzterer hatte jedoch großen Rückhalt im Volk, was den Schah veranlasste, auf dem Höhepunkt der Krise im August 1953 das Land zu verlassen. Dennoch organisierten monarchistische Kräfte unter Führung des Generals (i. R.) Fazlollah Zahedi einen Staatsstreich (militärisch unterstützt von den USA) und holten den Schah wieder zurück an die Macht. Die damalige Regierung, mit Zahedi als Ministerpräsident, schloss neue Verträge mit den USA ab. Diese hielten bis zur ersten Ölkrise, hervorgerufen durch deutliche Preiserhöhungen des Irans, an. Schah Mohammad Reza Pahlavi (1941-1979) leitete zwar die "weiße Revolution" ein, verlor aber in der Folgezeit seiner Herrschaft zunehmend den Kontakt zum Volk. Anfang 1979 musste er infolge einer islamischen Revolution endgültig den Iran verlassen. Der Schiitenführer Ruhollah Chomeini kehrte aus dem französischen Exil zurück, etablierte sich als oberste Autorität des Staates und transformierte das Kaiserreich Iran bzw. Persien (offizielle Bezeichnungen des Landes bis 1979) in eine Islamische Republik. Seine Politik war geprägt durch eine fundamentalistische, stark antiwestliche Linie. Von 1980 bis 1988 befand sich das Land in einem Krieg (erster Golfkrieg), nachdem der Irak das Land angegriffen hatte. Die anhaltende internationale Isolation des Irans lockerte sich erst Ende der 1990er. Seit 2005 ist der Iran zusammen mit Indien, Pakistan und der Mongolei Beobachter bei der Shanghai Cooperation Organization (SCO).

Politik

Seit der Revolution von 1979 ist der Oberste Rechtsgelehrte ("Revolutionsführer") entweder der Rahbar (i. e. Führer) oder in seiner Abwesenheit ein Rat religiöser Amtsträger. Der Revolutionsführer, seit 1989 Seyyed Alī Chāmene'ī, hat die uneingeschränkte Macht und ernennt die obersten Richter (alle Prediger) und ist auch Oberkommandierender der Streitkräfte. Er wird vom Expertenrat auf Lebenszeit gewählt. Dieser wird wiederum alle acht Jahre vom Volk gewählt, wobei der Wächterrat die Kandidaten genehmigen muss. Das Staatsoberhaupt und Regierungschef des Irans ist der Präsident (seit 2005 Mahmud Ahmadinedschad). Er wird in allgemeinen Wahlen für eine 4-jährige Amtszeit bestimmt und ist gleichzeitig Regierungschef. Der Präsident ernennt die Mitglieder des Kabinetts und steht diesem auch vor. Er koordiniert die Regierungsarbeit und legt dem Parlament die Regierungsvorlagen vor. Die Macht von Präsident, Regierung und Parlament ist jedoch stark beschränkt, denn alle zu wählenden Kandidaten und alle Gesetze müssen vom Wächterrat bestätigt werden. Zudem hat in allen Fragen das letzte Wort der Revolutionsführer. Der Wächterrat besteht aus 6 religiösen Geistlichen und 6 weltlichen Rechtswissenschaftlern. Die Geistlichen werden vom Revolutionsführer ernannt. Ihre Aufgabe ist es, jedes Gesetz auf seine Konformität mit den islamischen Prinzipien hin zu überprüfen. Die Juristen werden vom Obersten Richter, dem Chef der Judikative ernannt. Ihre Aufgabe ist es, die Verfassungskonformität legislativer Akte zu überprüfen. Der Oberste Richter seinerseits wird vom Revolutionsführer ernannt. Der Wächterrat ist befugt, jedes Gesetz abzulehnen oder im Nachhinein für ungültig zu erklären, und Kandidaten die Teilnahme an der Wahl für das Parlament und das Präsidentenamt zu verweigern. Der Wächterrat entscheidet per einfacher Mehrheit. Bei gleichen Stimmanteilen hat der Revolutionsführer das letzte Wort. In der iranischen Verfassung Artikel § 57 wird die staatliche Gewalt, Legislative, Exekutive und Judikative, der religiösen Führung (welayat-e faghi) unterstellt. Alle drei Gewalten sind somit nicht autonom in ihren Entscheidungen, sondern abhängig vom geistlichen Führer "Rahbar". Das iranische Einkammer-Parlament (Islamischer Konsultativrat; persisch Majles e-Shura ye-Eslami) besteht aus 290 Abgeordneten, die in allgemeinen, direkten und geheimen Wahlen für eine 4-jährige Amtszeit gewählt werden. Wegen der Auswahl des Wächterrates wird das Parlament (außer von 2000-2003) von den islamisch-konservativen Kräften dominiert. Mit dem überraschenden Wahlsieg Mohammad Chātemīs 1997 etablierte sich die politische Bewegung der Reformer im iranischen Parlament. Sie stehen dem religiösen Machtmonopol kritisch gegenüber und versuchen, die republikanischen Elemente des Staates zu stärken. So gelang es Chatemi zu Beginn seiner Amtszeit, eine Liberalisierung der nationalen Presse durchzusetzen. Die systemkritischen Stimmen bekamen dadurch ein öffentliches Organ, um ihrem Reformwillen Nachdruck zu verleihen. Das Aufleben der Pressefreiheit dauerte allerdings nicht sehr lange an. Der Wächterrat macht die Gesetze mit Verweis auf Unverträglichkeit mit dem Islam rückgängig und blockierte fortan nahezu alle Reformversuche des Parlaments. Seitdem sehen sich die Reformer mit großen Vertrauensverlusten in den reformwilligen Bevölkerungsgruppen konfrontiert. Die Enttäuschung über die Ohnmacht des Parlaments führte bei den letzten Kommunalwahlen (2003) zu sehr geringer Wahlbeteiligung (Landesschnitt 36 %, in Teheran 25 %) und zu einem klaren Sieg der konservativen Kräfte. Bei den Parlamentswahlen am 17. Juni 2005 trat vorerst das parlamentarische Ende der Reformer ein, zumal Chātemī nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren durfte. Der Wahlkampf wurde im Fernsehen, im Radio, auf Plakaten und auf Redeveranstaltungen geführt. Dominant was das Bild eines Mannes: Alī Akbar Hāschemī Rafsandschānī. Der ehemalige Präsident Irans (1989-1997) kandidierte erneut für den Posten des Regierungschefs. Aus westlicher Sicht war er der sichere Wahlsieger, da er als starker Mann der Tat, als Pragmatiker galt und für wirtschaftlichen Aufschwung stand, dessen strahlende, ungezwungen westlich orientierte Auftritte allenfalls Korruptions- und Kungelleivorwürfe schmählerten. Aber die Wahlen gewann völlig überraschend (für westliche Beobachter) Mahmud Ahmadinedschad in der ersten Stichwahl der iranschen Geschichte. Ahmadinedschad gilt als sogenannter Hardliner. In westlichen Zeitungen wurde er unter anderem als "religiöser Faschist" bezeichnet. Auf seiner politischen Agenda stehen viele Punkte, die an Ruhollah Mousavi Chomeini erinnern: Islamisierung der Gesellschaft, Kleiderordnungspflicht für Frauen, erhebliche Einschnitte der Presse- und Meinungsfreiheit, eine Abwendung von diplomatischen Eingeständnissen in internationalen Verhandlungen (Atomstreit), etc. Doch wegen dieser Politik ist er nicht hauptsächlich gewählt worden. Er steht auch für eine realistische Lösung der Probleme, welche die einfachen Iraner täglich haben. Hohe Arbeitslosigkeit, Armut, Hunger, Perspektivlosigkeit. Die Lösung dieser Probleme, oder zumindest deren Abschwächung, hat sich Ahmadinedschad ebenfalls zur Aufgabe gemacht. Die Arbeitslosen, die Armen, die vielen Menschen ohne Zukunft in einem Land mit außergewöhnlich vielen jungen Einwohnern, die einfachen Leute haben ihn gewählt - weil sie ihn als einen von ihnen ansehen. Ob Mahmud Ahmadinedschad die Hoffnungen, die in ihn projiziert werden, wird einhalten können, bleibt abzuwarten. Sicher ist, dass Iran einen schweren Rückschlag in Sachen Demokratisierung und Liberalisierung der Gesellschaft und des Staatsystems erfahren hat. In einer Rede vom 26. Oktober 2005 hat der Präsident die Vernichtung Israels gefordert, ein in der UN-Geschichte einmaliger Vorgang, der von den meisten UN-Staaten einhellig verurteilt wurde.

Rechtssystem

Durch die islamische Revolution ist das islamische Recht, die Scharia als Gesetz wieder eingeführt worden. Da die Scharia niemals erfolgreich kodifiziert worden ist, obliegt die Rechtspflege und Fortentwicklung der islamischen Jurisprudenz in einer Art Case Law-System. Von einem Standpunkt der Gewaltenteilung aus wirkte sich die Tätigkeit des ersten Obersten Richters nach der Revolution Chalkali katastrophal aus. Bis heute gibt es keine Gewaltenteilung im Iran, der oberste geistliche Führer hat weitreichende Befugnisse.

Zivilgesellschaft und Menschenrechtsprobleme

Die Situation wurde 1997 mit der Wahl von Präsident Khatami besser und es konnten sich diverse Nichtregierungsorganisationen gründen. Die Bemühungen erfuhren schließlich durch die Verleihung des Friedensnobelpreises im Jahre 2003 an die iranische Menschenrechtsaktivistin Shirin Ebadi internationale Anerkennung. Todesstrafen (öffentliche Hinrichtungen wie Erhängen) oder öffentliches Auspeitschen werden auch für Personen unter 18 Jahren als Strafen für Vergewaltigung, Mord, Drogenhandel verhängt; auch Alkoholkonsum wird bestraft. Im Islam sind Jungen ab 15 Jahren und Mädchen schon ab 9 Jahren volljährig und voll straffähig. Homosexualität widerspricht dem Islam, wobei laut internationalen Menschenrechtsorganisationen für Homosexualität alleine keine Todesurteile ausgesprochen wurden. Für Homosexualität in Verbindung mit Vergewaltigung wurden in letzter Zeit aber Todesurteile verhängt. Die Meldung von zwei Jugendlichen, die im Juli 2005 wegen homosexueller Handlungen hingerichtet wurden, sorgte weltweit fuer Aufsehen und wurde wegen des internationalen Entsetzens nachtraeglich von iranischen Behoerden so erweitert, dass die beiden einen weiteren, unbekannten Dreizehnjaehrigen vergewaltigt haben sollen. Geschlechtsumwandlungen sind im Iran erlaubt.

Staatsoberhäupter

siehe auch: Liste der Herrscher des Irans

Militär

Hauptartikel: Streitkräfte des Iran Das iranische Militär befindet sich nach wie vor in einer Aufbauphase, in der das Land versucht, die Verluste durch den ersten Golfkrieg wieder auszugleichen. US-Schätzungen gehen davon aus, dass der Irak in den acht Kriegsjahren zwischen 20 und 40  % der iranischen Militärkapazität vernichtete, sowohl Soldaten als auch Material. Was die Mannschaftsstärke betrifft, ist der Prozess der Wiederherstellung der Schlagkraft weitgehend abgeschlossen, ähnliches dürfte auch für bodengebundene Waffensysteme gelten, bei denen es dem Land heute vor allem um Modernisierung und weniger um zahlenmäßige Aufrüstung geht. Noch nicht ausgeglichen sind die Materialverluste durch den Krieg auf dem Feld der Luftwaffe, in viel höherem Maß aber bei den größeren Überwassereinheiten der Marine. Auf diesen Feldern ist der Iran für ein Land seiner Größe unterbewaffnet. Neben den Kriegsverlusten sind vor allem die Ausfuhrbeschränkungen zahlreicher Staaten der Grund für diesen Zustand. Ein Großteil der vorhandenen Waffensysteme stammt aus US-Waffenhilfen und in neuerer Zeit aus Waffengeschäften mit Russland und der Volksrepublik China.
- Informationen zum iranischen Nachrichtendienst unter: VEVAK

Verwaltungsgliederung

Hauptartikel: Verwaltungsgliederung des Iran Der Iran ist in 30 Provinzen gegliedert. Die größten Städte sind die Hauptstadt Teheran mit circa 14 Millionen und Maschhad mit circa 2,1 Millionen Einwohnern.
- Siehe auch: Liste der Städte im Iran

Wirtschaft

Der Iran ist ein bedeutendes Erdöl und Erdgas förderndes Land. Iran exportiert jeden Tag 3,96 Millionen Barrel = 630 Mio. Liter (1 Barrel = 159 Liter) Erdöl. Über 85 % des Exportes oder rund 19 Milliarden Euro entfallen auf Kohlenwasserstoffe. Wichtige Wirtschaftssparten sind auch die Landwirtschaft, die trotz vieler Gebirge und Wüsten 10 % der Fläche ausmacht (zur Hälfte künstliche Bewässerung), Datteln, Teppiche, Kaviar und Textilindustrie.
Der Import beträgt rund 11 Milliarden Euro (vor allem Maschinen und Fahrzeuge, Industrie- und Chemieprodukte).

Kultur

Medien

Teheran ist das Medienzentrum des Landes. Hier erscheinen die wichtigsten Tageszeitungen (Jumhori-yi Islami, Resalat, Kayhan, Akhbar, Ettelaat), darunter auch zwei englischsprachige (Tehran Times, Kayhan International). Die Zeitungen und auch die staatlichen Rundfunk- und Fernsehsender unterliegen staatlicher Zensur. Zusätzlich gibt es über 30 iranische Fernsehsender aus dem bei Los Angeles liegenden San Fernando Valley, Kalifornien, die über Satellit oder Internet im Iran empfangen werden können. Diese von der iranischen Zensur nicht erreichbaren Sender spielten bei den Studentenprotesten 2003 eine wichtige Rolle bei der Koordination der Demonstrationen. Siehe auch: Persische Literatur

Literatur


- Columbia University (Hrsg.): [http://www.iranica.com/ Encyclopædia Iranica]. (Das ausführlichste Nachschlagewerk zum Iran von dem bisher 12 Bände erschienen sind.)
- Navid Kermani: Iran. Die Revolution der Kinder, Verlag C.H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47625-2
- W. G. Lerch: Iranische Traumata. Persien ist im vorigen Jahrhundert von vielen angegriffen oder fremdbestimmt worden. FAZ v. 21.6.2003. (Beleuchtet die Rolle des Iran als Opfer des Imperialismus)
- Roy Mottadeh: Der Mantel des Propheten oder Das Leben eines persischen Mullah zwischen Religion und Politik, Verlag C.H. Beck, München 1988, ISBN 3-406-32289-1

Weblinks


- [http://www.iran-infos.de/ Iran-Infos Das Nachrichten und Info Portal]
- [http://www.iran-now.de/ Iran-Now Das Nachrichten und Community Portal]
- [http://www.persian-galaxy.de/ Persian- Galaxy Fun, Nachrichten und Community Portal]
- [http://www.economy-iran.com/ Economy Iran]
- [http://www.boell.de/de/14_presse/1662.html Monatliche Iran-Reporte der Heinrich-Böll-Stiftung seit 2002 zum Download]
- [http://www.iranwpd.com Iran Weekly Press Digest (englisch)]
Kategorie:Staat ! ja:イラン ko:이란 ms:Iran simple:Iran th:ประเทศอิหร่าน zh-min-nan:Iran

Reza Pahlewi

Seine Kaiserliche Majestät Mohammad Reza Pahlavi (persisch: محمد رضا شاه پهلوی [];
- 26. Oktober 1919 in Teheran; † 27. Juli 1980 in Kairo) war Schah des Iran und letzter Herrscher auf dem Pfauenthron. Pfauenthron

Anfänge

Als junger Mann im Schweizer Internat Le Rosey erzogen, kehrte er 1936 in den Iran zurück und trat 1938 in die iranische Armee ein. Nach der erzwungenen Abdankung seines Vaters Reza Schah wurde Mohammad Reza 1941 zum Schah des Iran, dem zweiten König der Pahlavi-Dynastie, ernannt. In der Anfangszeit seiner Regentschaft gewann der junge Schah eine große Popularität durch die erfolgreiche Zurückdrängung der Sowjets aus den Nordprovinzen des Iran (Aserbaidschan) und der Zerschlagung der kurdischen Republik Mahabad. Mohammad Reza Schah versuchte im Gegensatz zu seinem Vater einen Kompromisskurs mit den Geistlichen des Landes zu fahren, zum Beispiel indem er das von seinem Vater erlassene Schleierverbot abmilderte und den Schleier tolerierte.

Erste Konflikte

Die zunehmende Öffnung des Landes führte zu der Entstehung einer nationalen Bewegung, die in die Regierung Mohammad Mossadegh 195153 mündete. Sie zwang den Schah ins erste Exil, nachdem dieser versuchte, Dr. Mossadegh als Ministerpräsidenten zu entlassen. Nach zahlreichen Protesten und Demonstrationen im ganzen Land musste der Schah fliehen. Mossadegh gefährdete aufgrund seiner Unterstützung in der kommunistischen Tudeh-Partei und der Verstaatlichung der nationalen Erdölindustrie die Interessen internationaler Konsortien und wurde daher durch die Operation Ajax gestürzt, eine Aktion der US-Regierung unter Eisenhower mit Hilfe der CIA. Die Royalisten unter dem Militär wurden gezielt unterstützt und eine Woche nach dem Exil des Schahs in Italien war das Ende der Regierung Mossadegh besiegelt. Mossadegh wurde verhaftet und zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Reza Schah konnte wieder zurückkehren. In der nachfolgenden Zeit war Schah Reza Pahlewi einer der brutalsten Autokraten der Nachkriegszeit – und zugleich Amerikas treuester Vasall im Nahen Osten. Der Schah herrschte mit Sondergesetzen und unterdrückte Parteien und Bewegungen – 195357 In dieser Zeit wurden Anhänger der neuen nationale Bewegungen und Parteien wie die Tudeh-Partei verhaftet und teilweise hingerichtet. Die Geheimpolizei Savak, 1957 mithilfe der USA aufgebaut, wurde zum berüchtigten Instrument eines diktatorischen Regimes, das jeden Widerstand brutal unterdrückte.

Wirtschaftsprogramme

Der Schah wollte den Iran zu einer Großmacht formen und konnte dabei auf Wirtschafts- und Militärhilfe der USA bauen - besonders nach dem Umsturz im Irak am 14. Juli 1958 als Oberst Abdel Karim Kassem König Feisal II stürzte und sich Moskau gegenüber offen zeigte. Dennoch zeitigte das autokratische und korrupte Regime kaum Erfolge: Es herrschte schwelendes Elend, Hungerlöhne und soziale Verwahrlosung. Die Hilfsgelder aus Washington dienten nur der Bereicherung der brutalen, korrupten Elite. Der Großteil der Bevölkerung lebte unter erbärmlichen Bedingungen auf dem Land und in den wachsenden Slums der Vorstädte. Die westliche Öffentlichkeit zeigte sich je nach politischer Denkrichtung fasziniert vom Prunk eines märchenhaften Königshauses oder abgestoßen vom Regime eines blutsaugenden Tyrannen. In Teherans Presse hingegen tauchten erstmals wieder Bilder des gestürzten Premiers Mossadegh auf. Das Regime reagierte mit Härte und schlug jeden Widerstand gnadenlos nieder. 1963 setzte der Schah aufgrund des wachsenden Drucks ein Programm, die Weiße Revolution, zur Umverteilung des Landes der Großgrundbesitzer mittels eines Referendums durch. Dieses Programm muss differenziert betrachtet werden. Zwar entstand durch das Programm eine breitere Mittelschicht, jedoch konnte es die Extreme von Reich und Arm nicht ausgleichen. Die unter Mossadegh erfolgte Verstaatlichung der Ölindustrie wurde nach der Rückkehr aus dem ersten Exil aufgehoben. Als "Gegenleistung" für die Operation Ajax übernahm Großbritannien (British Petroleum) die komplette Erdöl-Förderung des Irans. So beteiligte sich der Iran 1973 auch nicht am Embargo der OPEC und konnte dadurch dessen Folgen für den Westen auch durchaus abmildern.

Militärische Aufrüstung

Der Schah hatte die Vorstellung, Iran zur vorherrschenden Militärmacht im Vorderasien aufzubauen und setzte die Gelder aus dem Ölhandel verstärkt für dieses Ziel ein. Dadurch wurden die Bindungen an die Vereinigten Staaten enger. So wurde beispielsweise der Aufbau der Streitkräfte größtenteils durch amerikanische Militärberater durchgeführt, deren Zahl in den 70er Jahren auf 25.000 geschätzt wurde. Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson unterstützte vor dem Hintergrund des Kalten Krieges die Aufrüstung des Iran mit allen Mitteln. Richard Nixon und sein Sicherheitsberater Henry Kissinger reisten im Mai 1972 auf dem Rückweg vom Moskauer Gipfel nach Teheran und die totale Loyalität des Kaisers bewogen Kissinger, Reza Pahlewi als "Säule der Stabilität in dieser unruhigen und wichtigen Region" zu loben. Exorbitante Militärausgaben ruinierten allerdings die Staatsfinanzen dieser "Säule der Stabilität" und die Inflationsrate schnellte nach oben.

Innere Widerstände

Im Inneren wurde die Politik des Vaters Säkularisierung des Rechts (zum Beispiel gleiche Rechte für Frauen und Männer) und die Trennung von Staat und Religion in den wesentlichsten Grundzügen weitergeführt. Die demonstrative Nähe zur USA mit deren Unterstützung der Schah aus seinem ersten Exil überhaupt erst wieder zurückkehren konnte und der damit verbundene militante Antikommunismus seines Regimes führte zu einer zumindest vordergründig westorientierten Haltung in gesellschaftlichen Fragen. Der Schah versuchte eine weitreichende Trennung von Staat und Religion durch die Einführung des neuen Kalenders (1976), der als Anfangspunkt der Zeitrechnung nicht die Offenbarung Muhammads, sondern die Krönung des persischen Königs Kyros hatte. Zu den dauerhaften Leistungen des Schah zählen die Stärkung der Zentralregierung, die Ansiedlung von Industrie, die Schaffung einer modernen Infrastruktur sowie eine relativ liberale Gesellschaftspolitik und eine großangelegte Modernisierung des Landes. Für die breite Bevölkerung bot diese westliche Haltung allerdings kaum Vorteile, sie diente vielmehr der Unterstützung der Pläne des Schah, eine militärische Großmacht zu werden und den Reichtum der persischen Eliten zu erweitern. Eine wichtige und unumstrittene Rolle spielte dabei auch der Geheimdienst (SAVAK), der sich zu einem grausamen Unterdrückungsinstrument entwicklete. Der amerikanische Diplomat George Ball berichtete am 11. Dezember 1978 über den Schah an den damaligen US-Präsidenten Carter: "Wir haben den Schah zu dem gemacht, was er nun ist. Wir haben seine Vorliebe für grandiose weltpolitische Entwürfe genährt, wir haben seine Fantasien beflügelt. Wir haben ihn so sehr zum Pfeiler unserer Interessen im Nahen Osten gemacht, dass wir von ihm abhängig sind. Jetzt zerfällt sein Regime unter dem Druck der aufgezwungenen Modernisierung, und wir haben keinerlei Alternative."

Ende

Carter begann allmählich vom offenkundig unfähigen iranischen Potentaten abzurücken. Konzessionen an die Opposition in letzter Stunde nützten nichts mehr: Der Schah versuchte im letzten Jahr seiner Regentschaft 1978 durch Auswechseln der Premierminister und zum Schluss durch die Einsetzung des Sozialdemokraten Shahpur Bakhtiyar, seine Regentschaft noch zu retten. Die Pahlewi-Dynastie war am Ende. Mit den Worten "Ich bin müde und brauche eine Pause" verließ Reza Pahlewi am Mittag des 16. Januar 1979 über den Teheraner Flughafen das Land für immer. Nach einer Odyssee über Ägypten, Marokko, die Bahamas und Mexiko kam der krebskranke Schah im Oktober 1979 in New York an, um sich im Cornell Medical Center des New York Hospital behandeln zu lassen. Als dies im Iran bekannt wurde, wurde die Propaganda laut, die USA gewährten dem »kriminellen Schah« Zuflucht.

Ehen

Seine erste Ehe wurde aufgrund politischer Erwägungen mit der ägyptischen Prinzessin Fawzia (
- 5. November 1921) 1939 geschlossen. Dieser Ehe entsprang die Tochter Shahnaz (
- 27. Oktober 1940), jedoch kein männlicher Thronfolger. Daher wurde die Ehe 1948 wieder aufgelöst. Shahnaz' Tochter, seine Enkelin Mahnas, wurde 1959 geboren. Die zweite Ehe wurde 1951 mit Soraya Esfandiary Bakhtiari (
- 22. Juni 1932; † 25. Oktober 2001) geschlossen und im März 1958 wegen Kinderlosigkeit aufgelöst. Der dritten Ehe mit Farah Dibah (
- 15. Oktober 1938), Hochzeit am 21. Dezember 1959, entstammen die Kinder:
- Cyrus Reza Pahlavi (
- 31. Oktober 1960)
- Masumeh Farahnaz Pahlavi (
- 11. März 1963)
- Ali-Reza Pahlavi (
- 28. April 1966)
- Leila Pahlavi (
- 27. März 1970; † 10. Juni 2001 in London – Selbsttötung durch Tabletten) An seinem 48. Geburtstag am 26. Oktober 1967 krönt er sich selbst zum Kaiser. Diese märchenhafte Kaiserkrönung erregt weltweit Aufsehen. Mit dem Besuch des Schahs in West-Berlin und der Tötung des Studenten Benno Ohnesorg bei der Demonstration gegen den Besuch des Schahs setzt eine Intensivierung der Studentenbewegung (APO) ein.

Literatur


- Berliner Institut für Vergleichende Sozialforschung (Hrsg.): Religion und Politik im Iran. (Mardom nãmeh. Jahrbuch zur Geschichte und Gesellschaft des Mittleren Orients.) Frankfurt a.M. 1981 ISBN 3-8108-0175-5
- Franz Burda (Hrsg.): Krönung in Teheran. Ein Bildband über Persiens Kaiserpaar. Burda, Offenburg 1967 (Sonderdruck der BUNTEN Illustrierten)
- Bahmãn Nirumand: Persien, Modell eines Entwicklungslandes oder Die Diktatur der Freien Welt. Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1967 (rororo, 945)
- Mohammed Reza Pahlavi: Im Dienst meines Landes. Dt. Verl.-Anst., Stuttgart 1961
- Mahmoud Rashad: Iran. 1. Aufl. DuMont Buchverlag, Köln 1998 ISBN 3-7701-3385-4
- Claudia Stodte: Iran. Edition Temmen, 1999 ISBN 3-86108-860-6
- Farah Diba-Pahlavi: Erinnerungen. Februar 2004, ISBN 3785721579

Siehe auch


- Geschichte des Iran

Weblinks


-
- [http://www.iranchamber.com/history/mohammad_rezashah/mohammad_rezashah.php History of Iran: Mohammad Reza Shah Pahlavi] (englisch)
- [http://www.iranian.com/History/2005/January/Shah/index.html Story of Mohammad Reza Shah] (englisch) Pahlavi, Mohammad Reza Pahlavi, Mohammad Reza Pahlavi, Mohammad Reza Pahlavi, Mohammad Reza Pahlavi, Mohammad Reza ja:モハンマド・レザー・パフラヴィー ko:모하마드 레자 팔레비

Khomeini

Ajatollah Ruhollah Musawi Chomeini Hindi (auch Khomeini; Persisch: ‏‏آیت‌الله روح‌الله خمینی‏ []) (
- wahrscheinlich 17. Mai 1900 in Chomein; † 3. Juni 1989 in Teheran) war ein schiitischer Geistlicher und der politische und spirituelle Führer der islamischen Revolution im Iran von 1978-1979. Mit ihr stürzte er aus dem französischen Exil die Regierung von Mohammad Reza Pahlavi, dem damaligen Schah des Iran. Chomeini gilt als der Gründer der Islamischen Republik im Iran. Er regierte diese bis zu seinem Tod 1989.

Leben

Er wurde wahrscheinlich 1900 im Ort Chomein als Ruhollah Mousavi (Persisch: روح‌الله موسوی []) geboren. Chomeinis genaues Geburtsdatum ist umstritten. Es gibt auch Quellen, die angeben, er sei 1901 oder 1902 geboren. Andere Quellen behaupten, er sei am 24. September 1902 auf die Welt gekommen.

Die Jahre im Exil

In den 1950er Jahren wurde Chomeini zum Ayatollah ernannt. 1964 war er aufgrund seiner ständigen regimekritischen Äußerungen und Beteiligung am Aufstand von 1963 gezwungen, das Land zu verlassen. Er ging zunächst ins türkische Exil. Von dort floh er 1965 nach Nadschaf, einem bekannten Heiligtum der Schiiten im Irak. Dort blieb er bis 1978 und organisierte Teile der iranischen Opposition, bis er von der Regierung Saddam Husseins nach Neauphle-le-Chateau in Frankreich exiliert wurde.

Die Revolution und die Errichtung der Islamischen Republik

Von Paris kehrte er am 1. Februar 1979, während der Iranischen Revolution, wieder in seine Heimat zurück. Am 11. Februar übernahm er die Macht im Iran und gründete die "Islamische Republik Iran", eine auf dem Prinzip der Statthalterschaft der Rechtsgelehrten (Velayate-Faqih) beruhende Herrschaft der islamischen Geistlichkeit. Chomeini ernannte sich zum Staatsoberhaupt auf Lebenszeit, Führer der Revolution und Oberster Geistlicher Führer in Personalunion. Bereits innerhalb der ersten Jahre etablierte er ein strengreligiöses System. Im Zuge dieser Veränderungen wurden neben den linken und monarchistischen Oppositionsgruppen auch die meisten seiner Wegbegleiter aus seiner Pariser Exilzeit hingerichtet bzw. zur Flucht gezwungen. Zum Schluss wurden selbst religiös-liberale Kräfte stark eingeschränkt bzw. verfolgt. Wichtiger Pfeiler bei der Festigung seiner Herrschaft über den Iran war die Etablierung verschiedener paramilitärischer Gruppen (v.a. Pasdaran und Bassidj). Zudem wurden auf Nachbarschaftsebene so genannte "Komitees" eingerichtet, die das Verhalten der Nachbarn überwachten.

Der Iran-Irak-Krieg

Im ersten Jahr des Iran-Irak-Kriegs 1980-1988 verweigerte Chomeini den von der UNO vorgeschlagenen Waffenstillstand und rief zu einer Art "Volkssturm", nicht zu verwechseln mit dem Dschihad, auf, um die Grenzgebiete zurück zu erobern. Während des gesamten Krieges rief Chomeini nicht zum Dschihad auf. Nach großen militärischen Verlusten bot er 1981 die "menschliche Welle" auf (kaum ausgebildete Zivilisten als Vorhut für die paramilitärischen Pasdaran). Diese Zivilisten, meist Jugendliche aus den armen Schichten der Bevölkerung, eroberten die von den Irakern besetzten Städte und Gebiete zurück, sodass nach den anfänglichen Erfolgen der Iraker, diese den Rest des Krieges auf eigenem Territorium führen mussten. Nach der Eroberung des einzigen irakischen Hafens Faw, durch die iranischen Soldaten, setzten die Iraker systematisch Giftgas gegen die Iraner und gegen die eigene Bevölkerung ein. Die technische Hilfe dafür kam hauptsächlich aus der USA und den europäischen Verbündeten. Aus humanitären Gründen stieß dies auf vielfache Kritik. Der lange Krieg und die zum Westen feindliche Haltung Chomeinis isolierten den Iran, wovon sich das Land erst nach zwei Jahrzehnten zu erholen begann.

Fatwah gegen Salman Rushdie

Am 14. Februar 1989 rief Chomeini in einer Fatwa alle Moslems zur Tötung des Schriftstellers Salman Rushdie auf, auf Grund der von ihm als blasphemisch erachteten Äußerungen gegen den Propheten Mohammed in Rushdies NovelleDie satanischen Verse“. Nachfolger von Chomeini wurde 1989 sein früherer Schüler, der amtierende Staatspräsident und Chef des Revolutions- und Wächterrates, Ayatollah Seyyed Alī Chāmene'ī.

Literatur

Heinz Nußbaumer: Khomeini - Revolutionär in Allahs Namen, 1979, ISBN 3453010434 Siehe auch:
- Ali al-Sistani
- Qom
- Nadschaf Chomeini, Ruhollah Chomeini, Ruhollah Chomeini, Ruhollah Chomeini, Ruhollah Chomeini, Ruhollah ja:ルーホッラー・ホメイニー

Theokratie

Die Theokratie (griechisch θεοκρατία, von θεός, theós - Gott und κρατεiν, Krat(e)ía- Herrschaft) ist eine Herrschaftsform, bei der die Staatsgewalt allein religiös legitimiert und von einer göttlich erwählten Person, einer Priesterschaft oder sakralen Institution auf der Grundlage religiöser Prinzipien ausgeübt wird. Ein auf der Theokratie basierender Staat wird auch als Gottesstaat bezeichnet.

Theokratien in der Geschichte

Theokratischen Konzeptionen begegnet man in vielen alten Kulturen bzw. Religionen (Ägypten, China, Japan) und im Islam. Auch das Alte Israel mit seinen 12 Stämmen (der 12-Stämme-Amphiktionie) von circa 1250 v. Chr. bis zum Königtum ab Saul rund 1050 v. Chr. bildete gemäß dem Alten Testament einen Gottesstaat. Zu einer Fehldeutung kann der Titel der Schrift De civitate Dei ("Vom Gottesstaat") des christlichen Kirchenvaters Augustinus verleiten. Mit civitas Dei ist nicht eine theokratische Verschmelzung von Kirche und Staat, sondern der unsichtbare Herrschaftsbereichs Gottes gemeint, der weder mit der Kirche noch mit dem Staat deckungsgleich ist.

Theokratien in der heutigen Zeit

Ein Beispiel für einen Gottesstaat in der heutigen Zeit ist die 1979 gegründete Islamische Republik Iran, die den Ansprch erhebt, eine Theokratie zu sein. Auch der Vatikan ist eine Theokratie, da alle Staatsgewalt durch eine (auf Lebenszeit) erwählte Person (Papst) im Namen Gottes ausgeübt wird. Westliche Staaten strebten seit der Aufklärung eine Trennung zwischen Staat und Religion an (teilweise: Laizismus).

Literatur

Ulrich Enderwitz, Reichtum und Religion, Zweites Buch 2, Erster Band (Der religiöse Kult), Ça ira Verlag, Freiburg, 1991, ISBN 3-924627-27-4 (http://www.reichtum-und-religion.de/relkult/)

Verwandte Themen


- Aufklärung
- Säkularisierung
- Islamische Revolution
- Dominionisten Kategorie: Staatsform Kategorie: Politischer Begriff Kategorie: Religion Kategorie: Staatsphilosophie

Revolution

Revolution (v.frz.: révolution Umwälzung; aus lat.: revolvere zurückwälzen) wird in unterschiedlichen Wissenschaften behandelt.

Revolution (Soziologie)

Allgemein

Eine Revolution bezeichnet in der Soziologie immer einen radikalen und meist, jedoch nicht immer einen gewalttätigen Umsturz(-versuch) der bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse, der von einer organisierten (nicht notwendig geheimen) Gruppierung von Neuerern getragen wird und die Unterstützung größerer Bevölkerungsteile findet (vergleiche: Elite, Masse (Soziologie), Massenbewegung). Doch auch „Friedliche Revolutionen“ sind möglich (siehe unten). Oft wird der Begriff der Emanzipation hinzu genommen, die Idee eines sozialen oder politischen Freiheitsgewinns für den Einzelnen. Der Stellenwert der einzelnen Kriterien für die Definition einer Revolution ist durchaus umstritten. Wenn ohne radikalen sozialen Wandel nur eine Organisation oder ein eng verknüpftes soziales Netzwerk (gegebenenfalls mit relativ geringfügiger Massenbasis) die Revolution unternimmt, bezeichnet man dies als Staatsstreich oder, insbesondere unter Beteiligung des Militärs, als Putsch. Hier wird der »Revolutions«-Begriff oft anschließend als Rechtfertigung genutzt. Der Begriff »Revolution« wird auch verwandt, wenn dem sozialen Wandel die Schnelligkeit (Rapidität) abgeht, etwa für die global mehrere tausend Jahre dauernde »Neolithische Revolution« (vgl. Steinzeit), für den Siegeszug des Kapitalismus oder für die Industrielle Revolution (s. a. Industrialisierung).

Soziologische Theoretiker/innen der »Revolution«

# Vilfredo Pareto (Revolution als eine besondere Form der Elitenablösung), # Max Weber (in Europa / Nordamerika bedurfte der Kapitalismus anfangs einer radikalen nichtwirtschaftlichen – religiösen – Mentalitätsänderung, und zwar in Gestalt des Protestantismus), # Eugen Rosenstock-Huessy (die europäischen Revolutionen als Abfolge von Ständerevolutionen, beginnend mit der »papalen Revolution« des Papsttums gegen das mittelalterliche Kaisertum und endend mit der »proletarischen Revolution«), # Ralf Dahrendorf (»Revolution« als radikaler und rapider sozialer Wandel, bedingt durch intensive beziehungsweise gewaltsame soziale Konflikte), # Theda Skocpol (nachhaltige Revolutionen sind vor allem Bauernrevolutionen)

Theoretisch innovativ argumentierende Revolutionäre und Revolutionärinnen

# Karl Marx (jede Gesellschaft, in der eine Form des »Besitzes an Produktionsmitteln« es erlaubt, sich menschliche Arbeit zu unterwerfen, endet zwangsläufig durch Revolution oder Untergang; zu unterscheiden sind »Revolutionen der Produktivkräfte« von den durch sie ausgelösten »Revolutionen der Produktionsverhältnisse«), # Friedrich Engels (Arbeit und deren Beherrschung durch Eigentum löste die erste Revolution aus, die die »Wildheit« (menschliche Urzeit) beendete und die der Beginn der Geschichte war, und werden durch die letzte Revolution optimal disponiert werden, in der das Ende der Geschichte – das Ende »des Reiches der Notwendigkeit« – und der Beginn des »Reiches der Freiheit« möglich werden wird), # Rosa Luxemburg (der Imperialismus ist dabei die letzte Verteidigungsmöglichkeit des Kapitalismus – im Bündnis mit dem Proletariat der Kolonialmächte – vor der abschließenden weltweiten proletarischen Revolution), # Lenin (die letzte Revolution kann durch den Aufbau einer Kaderpartei der proletarischen Revolutionäre vorverlegt werden), # Anton Pannekoek (Parteien und Gewerkschaften – einschließlich der leninistischen – sind untaugliche Formen für den Kampf der Arbeiterklasse um ihre Emanzipation, alles kommt auf die Selbstorganisation der Arbeiterinnen und Arbeiter an) sowie Danton, Marat, Saint-Just, Robespierre, Símon Bolívar, Bakunin, Mahatma Gandhi, Leo Trotzki, Mao Zedong, Camilo Torres, Kwame Nkrumah, Ho Chi Minh, Che Guevara, Ali Schariati, Guy Debord und andere Revolutionäre des 18. bis 20. Jahrhunderts.

Praktiker der Revolution

Radikaler und rapider sozialer Wandel (»Revolutionen«) knüpfte sich auch an erfolgreiche politische, oft auch charismatische Persönlichkeiten, deren soziologische Urteilskraft sich eher nur implizit erschließt, deren soziale Wirkung jedoch bewusst und gewollt revolutionär war, wie bereits in der Antike zum Beispiel Solon oder Cäsar, im Mittelalter zum Beispiel Harald Schönhaar oder Otto der Große und in der Neuzeit zum Beispiel Pombal, Cromwell oder Atatürk.

Soziale Revolutionen im weiteren Sinne

Politische Revolutionen


- Der erste als »Revolution« bezeichnete Umsturz war 1688 die Glorious Revolution in England.
- Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg 1775-1783 (Unabhängigkeitserklärung der USA 1776)1776
- Französische Revolution 1789
- Julirevolution (Frankreich 1830)
- Novemberaufstand in Polen 1831 und Folgejahre
- Februarrevolution und Juniaufstand (Frankreich 1848)
- Revolutionen in Ungarn, Italien, Deutschland (Märzrevolution) 1848
- Pariser Kommune
- Russische Revolution 1905
- Mexikanische Revolution 1910 und Folgejahre
- Russische Revolutionen 1917: (Februarrevolution und Oktoberrevolution)
- Novemberrevolution in Deutschland 1918/1919, einschließlich der Räterepubliken in Bayern (Münchner Räterepublik) und Bremen (Bremer Räterepublik)
- Kubanische Revolution 1956 - 1959
- Nelkenrevolution in Portugal 1974
- Revolution in Laos 1975 (vgl. auch Pathet Lao)
- Nicaraguanische Revolution 1979
- Islamische Revolution im Iran 1979
- Die spontane und gewaltlose Revolution in der DDR 1989/1990
- Die Samtene Revolution in Georgien 2003
- Die Orangene Revolution in der Ukraine 2004

Geistige Revolutionen


- Die »Kopernikanische Revolution« (Ersetzung des geozentrischen durch das heliozentrische Weltbild anfangs der Neuzeit – der Heliozentrismus selbst war bereits in der Antike von Aristarchos von Samos erfolgert worden)
- Die Darwinsche Revolution, in der der Mensch seine Sonderstellung in der Natur verlor (s. a. Darwinismus)
- Die »sexuelle Revolution«, oft mit der Entdeckung des Unbewussten durch Sigmund Freud gleichgesetzt
- Die »Kulturrevolution« 1967 und Folgejahre in China, Deutschland, aber auch in Frankreich, den USA und anderen westlichen Ländern Inflationierte »Revolutions«-Begriffe im Feld der öffentlichen Meinung bezeichnen oft nur einen Stilwandel (Moderevolutionen). Siehe auch: Paradigmenwechsel.

Technische Revolutionen (marxistisch: »Revolutionen der Produktivkräfte«)


- Neolithische Revolution (Übergang vom Wildbeutertum zu Ackerbau und Viehzucht ca. 15.000 v. Chr. – der Übergang zur Jungsteinzeit)
- Industrielle Revolution im 18./19. Jahrhundert (siehe auch Industrialisierung)
- Elektronische Revolution oder Digitale Revolution) ab etwa 1980 Siehe auch: Bürgerkrieg, Dialektik, Evolution, Katastrophe, Reform, Revolution (Jugendorganisation), Sozialer Wandel, Staatsstreich, Zweite industrielle Revolution, Kondratjew-Zyklus

Revolution (Politologie)

Beispiel eines Ansatzes:
Die heutige Revolutionstheorie stellt fünf Hauptfaktoren besonders heraus, die wesentliche Voraussetzungen zur Entstehung einer Revolution darzustellen scheinen. Dabei ist vom Sonderfall der Entwicklungsländer abzusehen. # eine plötzliche Rezession nach einer Zeit wirtschaftlicher Blüte, steigenden Wohlstands und steigender Erwartungen in die Zukunft. # ein Bewusstsein, das die bestehenden Institutionen in Frage stellt. # die Solidarisierung verschiedener Gruppen der Gesellschaft, die unterschiedliche Motive haben, mit dem bestehenden Zustand unzufrieden zu sein, und die sich zum Umsturz der alten Ordnung vorübergehend verbünden. Eine einzelne Gruppe, Schicht oder Klasse der Gesellschaft bringt keine Revolution zustande. # eine Ideologie. # Schwäche, Uneinigkeit und Ineffektivität auf Seiten der Gegenkräfte, des Staates.
Nach: E. Weis, Der Durchbruch des Bürgertums. 1776–1847. Propyläen Geschichte Europas, Bd. 4, Berlin 1978, 96f. Siehe auch: Revolution (Politik)

Revolution (Astronomie)

In der Astronomie (veraltet) ist eine Revolution die Umlaufbewegung der Planeten um die Sonne – von hier wurde der Ausdruck Revolution generell übernommen.

Revolution (Spiel)


- beim Skatspiel die Variante »Null ouvert Hand«, bei dem die gegnerischen Spieler die Karten austauschen dürfen. Nur bei Hobbyrunden, nicht in den offiziellen Skatregeln (da es sowieso nur angesagt wird, wenn es nicht verloren werden kann).
- Alternative zu bekannten Quizsendungen: [http://www.wer-wird-revolutionaer.de/ Wer wird Revolutionär?]

Siehe auch


- :Kategorie:Revolution
- Anarchismus,Generalstreik, Klassenkampf, Marxismus, Politisches Theater, Rätekommunismus, Sabotage, Situationistische Internationale, Subversion, Sozialismus, Kommunismus
- Bürgerliche Revolution, Frühbürgerliche Revolution
- Différance

Literatur


- Hobsbawm, Eric: Europäische Revolutionen. 1789 bis 1848. Zürich, 1962
- Hannah Arendt: Über die Revolution, München, 1963

Weblinks


- [http://home.bawue.de/~mauss/revo.html So geht Revolution] Kategorie:Politischer Begriff Kategorie:Soziologie ! Kategorie:Marxismus ja:革命

Algerien

Algerien (arabisch: الجزائر al-Ğazā’ir ) ist ein Staat im Nordwesten Afrikas. Das zum Maghreb zählende Land grenzt an das Mittelmeer, Marokko, Mauretanien, Mali, Niger, Libyen und Tunesien. Algerien war bis zum Unabhängigkeitskrieg französisches Gebiet und ist neben dem Sudan und der Demokratischen Republik Kongo einer der größten Staaten Afrikas mit einem großen Anteil an der Sahara. Nach Jahren des Bürgerkrieges zwischen islamischen Fundamentalisten und der Regierung ist Algerien nun relativ befriedet und darum bemüht, gesellschaftliche und wirtschaftliche Reformen zu verwirklichen.

Geographie

Algerien ist nach der Republik Sudan das zweitgrößte Land Afrikas und erstreckt sich von der 1.100 km langen Mittelmeer-Küste bis in die Sahara. Nordalgerien umfasst das hinter dem Küstensaum ansteigende Gebirgsland des Tellatlas (2.308 m), dem inneren Hochland der Schotts, dem Hauptteil des Saharaatlas (2.328 m). Südalgerien (80 % der Staatsfläche) wird eingenommen von Sanddünen (Großer Erg), den Plateaus der Hammada, schluchtenreichen Stufenlandschaften (Tassili n'Ajjer) und dem Gebirgsmassiv Ahaggar (2.918 m) in der zentralen Sahara. Der Norden hat Mittelmeerklima, das Atlasgebiet kontinentales Hochlandklima, der Süden Wüstenklima. Es gibt nur wenige ganzjährig fließende Flüsse. An der Nordseite des Tellatlas wachsen mediterrane Sträucher (Macchie), Aleppokiefern, Korkeichen und Steineiche.

Bevölkerung

Vorwiegend Algerier und verschieden Berberstämme, die zum Teil arabisiert sind, bevölkern Algerien. Die Zahl der Europäer sank nach Erlangung der Unabhängigkeit bis auf etwa 20000. Die Bevölkerungsdichte im nördlichen Algerien beträgt 50 Einwohner je km², dagegen liegt sie in den Saharagebieten unter einem Einwohner. Der Anteil der städtischen Bevölkerung (etwa 60%) nimmt ständig zu. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug während der letzten Jahre durchschnittlich 2,3 %.

Sprache

Allgemeine Umgangssprache ist das Algerisch-Arabische. Daneben spielt das Französische noch eine wichtige Rolle. Schriftsprache ist entweder Französisch oder Hocharabisch, wobei es eine Initiative der Regierung zum Gebrauch des Hocharabischen gibt. Etwa 83% der Bevölkerung spricht Arabisch als Muttersprache. Daneben spricht ein großer Teil, 16%, der Bevölkerung Berbersprachen, vor allem im Süden des Landes, der fast nur von Tuareg bewohnt ist. Die am meisten gesprochene Berbersprache ist Kabylisch. Die Berberische Sprache wird nicht nur im Süden gesprochen, sondern auch im Nord-Osten von Algier (Kabylei).

Religion

Die Staatsreligion ist der Islam,der von fast 100% der Bevölkerung praktiziert wird. Es gibt katholische und protestantische Minderheiten.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Algeriens Seit Beginn der historischen Überlieferung wurde das Gebiet Algeriens von Berber-Stämmen besiedelt. Alsbald kam die Region unter römische Herrschaft. Nach dem Untergang des Römischen Reichs im 5. Jahrhundert gewannen die Berber wieder ihre Unabhängigkeit, wurden aber im 7. Jahrhundert von den muslimischen Arabern unterworfen. Als im 16. Jahrhundert Spanien die algerischen Küstenstädte eroberte, griffen Korsaren unter der Hoheit des osmanischen Sultans in Istanbul an und konnten mit dessen Hilfe die Spanier in langwierigen Kämpfen vertreiben. In Algerien setzten die Osmanen Paschas als Regenten ein. Allerdings verloren diese bald die wirksame Kontrolle über Algerien, so dass die Korsaren und die osmanischen Janitscharen den Dey in Algier einsetzten. 1830 besetzten französische Truppen Algier, Oran und Bone und begannen mit der Eroberung des Landes. Nun begann die Umwandlung Algeriens in eine französische Provinz. Bis 1906 war auch die algerische Sahara von den Franzosen unterworfen worden. Zum Aufschwung der Unabhängigkeitsbewegung kam es, als 1945 nach Unruhen in Setif und Guelma zehntausende Algerier von der französischen Armee massakriert wurden. Im November 1954 begann der Unabhängigkeitskrieg (Algerienkrieg) gegen Frankreich. 1962 erreichte Algerien mit dem in Evian geschlossenen Vertrag die Unabhängigkeit nach einem achtjährigen blutigen Krieg, der auf beiden Seiten hohe Verluste forderte. Bald brachen Machtkämpfe über den politischen Kurs aus, der aber bald damit endete, dass alle Behörden und die verstaatlichte Wirtschaft von der Einheitspartei FLN kontrolliert wurden. 1988 kam es zu schweren sozialen Unruhen. Ursache waren unter anderem die hohe Arbeitslosigkeit und die Wohnungsnot. Eine Demokratisierung wurde eingeleitet und 1989 eine neue demokratische Verfassung, die die Trennung von Partei und Staat, parlamentarische Verantwortung, Pluralismus, politische Freiheiten und Garantien der Menschenrechte vorsah, geschaffen. 1991 kam es bei den ersten freien Wahlen zu einem Putsch des Militärs, aufgrund des drohenden Wahlsieges der islamischen Partei FIS (Front islamique du salut) im zweiten Wahldurchgang. Dies führte zum Ausbruch eines blutigen Bürgerkriegs zwischen radikalen Islamisten und der Armee, dem seither über 120.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Zu den Hintergründen siehe auch Hinweise zu Algerien unter Strategie der Spannung. Nach dem Abflauen des Bürgerkriegs initiierte die Regierung 1999 eine Volksabstimmung über eine Versöhnungspolitik. In dieser Politik wird die ehemalige Einheitspartei FLN bei den Parlamentswahlen 2002 bestätigt. Im Jahr 2003 mussten die Minister Mourad Medelci und Abdelhamid Temmar und dem massivem Druck des Gewerkschaftsdachverbands UGTA zurücktreten. UGTA hatte im Februar jenes Jahres - zum zweiten Mal seit Beginn des Jahrzehnts – einen dreitägigen Generalstreik durchgeführt, der sich gegen das Privatisierungsprogramm der Regierung richtete. An dem Streik nahmen über 90 Prozent der Arbeiter teil. Am 8. April 2004 fand eine erneute Präsidentenwahl statt. Nach einem Wahlkampf, in dem der gesamte Staatsapparat inklusive der staatlichen Massenmedien für eine maßgeschneiderte Darstellung des Präsidenten mobilisiert wurde, ließ Abd al-Asis Bouteflika der 1999 mit Rückendeckung des Militärs gewählt worden war, das absurde Wahlergebnis von 83 Prozent der Stimmen verkünden. Bouteflika ist damit der erste Präsident Algeriens, der ein zweites Mandat erhält. Präsidentschaftskandidat Benflis sprach von Betrug. Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusamenarbeit in Europa sprachen aber von einer fairen Wahl. Am 1. Mai 2005 kommt es zu einer Regierungsumbildung. Mehrere Minister wurden durch ihre jeweiligen Vorgänger ersetzt, die nun vor allem in Schlüsselpositionen der Wirtschaftspolitik sitzen. Die Modernisierer Mourad Medelci und Abdelhamid Temmar übernahmen das Finanzressort bzw. das Ministerium für Investitionsförderung. Sie setzen sich für die Privatisierung öffentlicher Betriebe und die Öffnung des Erdöl- und Erdgassektor für private Investitionen ein. Am 30. September 2005 stimmen die algerischen Wähler für Versöhnung. Bei einem Referendum zur nationalen Versöhnung über die "Charte pour la paix et la réconciliaion nationale" stimmten 97 Prozent der Wähler für den Plan der Regierung von Präsident Bouteflika. Dieser bedeutet eine Amnestie für viele islamische Extremisten. Die Mehrheit der Algerier will einen Schlussstrich unter die Bürgerkiegsära ziehen. Die Opposition, die zu einem Boykott des Volksentscheides aufgerufen hatte, kritisierte die Ergebnisse als Wahlfälschung.

Politik

Die Staatspräsidenten von Algerien (seit 1963)

Algerien hat ein Zwei-Kammern-System, es besteht aus der Nationalen Volksversammlung und einem Oberhaus (Nationalrat).

Provinzen

Der Staat besteht aus 48 Provinzen, genannt Wilaya: Adrar, Ain Defla, Ain Temouchent, Alger, Annaba, Batna, Bechar, Bejaia, Biskra, Blida, Bordj Bou Arreridj, Bouira, Boumerdes, Chlef, Constantine, Djelfa, El Bayadh, El Oued, El Tarf, Ghardaia, Guelma, Illizi, Jijel, Khenchela, Laghouat, Mascara, Medea, Mila, Mostaganem, M'Sila, Naama, Oran, Ouargla, Oum el Bouaghi, Relizane, Saida, Setif, Sidi Bel Abbes, Skikda, Souk Ahras, Tamanghasset, Tebessa, Tiaret, Tindouf, Tipaza, Tissemsilt, Tizi Ouzou, Tlemcen.

Wirtschaft

Landwirtschaft ist der wichtigste Erwerbszweig, wird jedoch allmählich vom produzierenden Gewerbe überholt. Intensive agrarische Nutzung ist nur in den Küsten- und Talebenen der Tellregion möglich. Angebaut werden vor allem Getreide, Zuckerrüben, Kartoffeln, Hülsenfrüchte; in Treibhäusern Frühgemüse für den Export. Im Nahrungsmittelsektor werden weniger als 40 % des Bedarfs durch Eigenproduktion gedeckt. Algerien ist Mitglied der OPEC. Basis für die Entwicklung waren Erdöl (drittgrößtes Vorkommen Afrikas) und Erdgas in der Sahara. Weitere Rohstoffe sind meist noch nicht erschlossen. Erdöl- und Erdgasverarbeitung machen mehr als 90 % der Exporterlöse aus. Die Öleinnahmen sind teils in Prestigeobjekte investiert worden und teils der Oberschicht zugeflossen. Mit dem Rückgang der Öleinnahmen kam es zu einer Krise, da die Exporterlöse für die Rückzahlung von Auslandsschulden eingesetzt werden mussten. Liberalisierung schließt die Gefahr politischer Rückschläge ein. Das Verkehrsnetz ist auf Nordalgerien konzentriert. Die Straßen gehen südlich des Atlas meist in Wüstenpisten über. Der Tourismus ist, verglichen mit dem der Nachbarländer, noch wenig entwickelt. Erdgas Wirtschaftliche Daten (geschätzte Werte für 2003):
- BIP: 160 Milliarden Euro
- Durchschnittliches Jahreseinkommen je Einwohner: 5000 Euro
- Arbeitslosigkeit: 26,2 %
- Inflationsrate: 3,5 %
- Staatseinnahmen: 21 Milliarden Euro
- Staatsausgaben: 20 Milliarden Euro
- Auslandsverschuldung: 19 Milliarden Euro
- Empfangene Entwicklungshilfe: 150 Millionen Euro

Kultur

Die algerische Literatur ist das arabische Kulturerbe. Allerdings gibt es auch ein Kulturerbe der berberischen Minderheit. Viele berberische Autoren schreiben in Sprache und Schrift der Berber. Dem steht der Arabisierungsgedanke konservativer Kräfte entgegen, weswegen es in den 90er Jahren immer wieder zu Auseinandersetzungen kam, bei denen bekannte berberische Schriftsteller ums Leben kamen. Im Zuge der 2004 angestrebten Parlamentswahlen machte die Regierung Bouteflika den Berbern Zugeständnisse (masierisch an Schulen), die Spannungen dauern jedoch an.(Alexander Wesner, Berlin)

Sport

Bislang konnten vier algerische Sportler bei Olympischen Spielen eine Goldmedaille erreichen: # Hassiba Boulmerka - (1992 - Leichtathletik, 1500 m, Frauen) # Noureddine Morceli - (1996 - Leichtathletik, 1500 m, Männer) # Hocine Soltani - (1996 - Boxen, Mittelgewicht 71-75 kg, Männer) # Nouria Merah-Benida - (2000 - Leichtathletik, 1500 m, Frauen)

Literatur


- Bernhard Schmid: Algerien - Frontstaat im globalen Krieg? Neoliberalismus, soziale Bewegungen und islamistische Ideologie in einem nordafrikanischen Land. Münster, 2005. ISBN 3-89771-019-6
- Thomas Hasel: Machtkonflikt in Algerien (Nahost-Studien 3, hrsg. von Friedemann Büttner), 284 S., Verlag Hans Schiler, Berlin, 2002, ISBN 3-89930-190-0
- Habib Souaidia: Schmutziger Krieg in Algerien - Bericht eines Ex-Offiziers der Spezialkräfte der Armee (1992-2000), Chronos Verlag, 2001, ISBN 3-0340-0537-7

Weblinks


- [http://www.algerische-botschaft.de/ Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Algerien in Deutschland]
- [http://algerie.el-annabi.com/ Alle Städte von Algerien]
Kategorie:Staat Kategorie:Mittelmeer ja:アルジェリア ko:알제리 ms:Algeria simple:Algeria zh-min-nan:Algeria

Evolution

Evolution (aus dem Lateinischen evolvere = abwickeln, entwickeln) ist das fortlaufende Entstehen neuer und das Wachsen bereits entstandener Muster in Richtung aufsteigender Komplexität und Vernetzung von Bereichen der Wirklichkeit. Evolution ist eine graduelle, mit ungleichmäßiger Geschwindigkeit ablaufende Veränderung der Häufigkeit von Replikatoren in einem Replikatorenpool im Verlaufe der Zeit. Zu jedem Zeitpunkt setzt sich der Pool anders zusammen als zuvor. Es spielt dabei keine Rolle, welche Replikatoren-Typen dabei beteiligt sind. Im Gegensatz zur Entwicklung entstehen durch die Evolution keine Dinge neu, sie werden nur neu kombiniert. Der Begriff wurde 1774 von dem Schweizer Naturforscher Albrecht von Haller (1708-1777) für seine Vorstellung von der Entwicklung des Menschen geprägt. Er war der Ansicht, dass die Embryonen bereits im Spermium oder in der Eizelle fertig ausgebildet vorlägen. Diese "Homunculi" (Einzahl Homunculus, vom lat. Diminuitiv für Mensch) enthalten in ihren Keimzellen wiederum kleine Menschen und so weiter bis in alle Unendlichkeit, ähnlich dem Prinzip der russischen Matroschka-Puppen. Antoni van Leeuwenhoek (1623-1723) glaubte, diese Homunculi bei der Beobachtung von Spermien mit seinem Mikroskop bereits gesehen zu haben. Seit der Evolutionstheorie von Charles Darwin nimmt man an, dass die Umgestaltung der Lebewesengemeinschaft (auf der Erde) durch zufällige Mutation und anschließende Selektion geschieht. Argumente für die Evolutionstheorie finden sich in den Bereichen Anatomie, Morphologie, Homologie, Entwicklungsphysiologie, Paläontologie, Tier- und Pflanzengeologie, Verhaltensbiologie, Parasitologie, Cytologie und Biochemie

Evolution im Allgemeinen

Voraussetzungen der Evolution

Die Evolution ist an drei notwendige Voraussetzungen gebunden. (1) Das Vorhandensein von Replikatoren, (2) eine schwankende Kopiergenauigkeit, Variation genannt, sowie (3) eine unterschiedliche Wahrscheinlichkeit einer jeden Variante, als Element in jene Stichprobe zu gelangen, aus der die nachfolgende Population zusammen gesetzt wird: Selektion. Diese Voraussetzungen sind hinreichend trivial, sodass man logisch ableiten kann, dass sie an vielen Orten und Gelegenheiten im Universum gegeben sind. Die Ansichten darüber, ob sich Leben daraus entwickeln muss, gehen jedoch weit auseinander. Weitgehend Einigkeit hingegen besteht in der Evolutionsbiologie darüber, dass Evolution nicht zwangsläufig zur Entwicklung von Intelligenz führt, denn diese ist nur ein Spezialfall, der an weitere, vermutlich sehr selten gegebene Bedingungen geknüpft ist. Der einzige Fall, von dem sicher bekannt ist, dass dies dort eintrat, ist unsere Erde. Aber auch hier wurden die Bedingungen der Evolution von Intelligenz erst nach mindestens 530 Millionen Jahren erfüllt, obwohl die fortschreitende Evolution von Vielzellern schon zuvor eine Reihe notwendiger Voraussetzungen für Intelligenzentwicklung bereit stellte.

Die Schwankung von Replikatorenhäufigkeiten in einer Population

Als Evolution bezeichnet man heute allgemein jenen statistischen Vorgang, bei dem die Zusammensetzung einer Replikatoren-Population P2 aus einer Stichprobe einer zuvor bestehenden, anderen Replikatoren-Population P1 bestimmt wird. Wird aus P1 eine Stichprobe unterschiedlicher Replikatoren gezogen und aus ihr die Zusammensetzung von P2 bestimmt, so liegt Evolution vor. Läuft dieser Vorgang wiederholt ab, so weisen spätere Populationen - wie bspw. P5 oder P100 - jeweils schwankende Zusammensetzungen auf. Die Evolution kann auch als kumulierender Stichprobenfehler bezeichnet werden. Eine evolutionsfähige Population ist eine Menge von Replikatoren. Letztere sind irgendwelche Objekte, von denen Kopien entstehen. Die Evolution als statistischer Vorgang ist ein logisch und empirisch jederzeit beweisbarer Fakt und in der Wissenschaft nicht bestreitbar. Evolution läuft niemals an Objekten, sondern immer nur an Häufigkeiten von Objekten ab. Er kann grundsätzlich an allen Mengen ablaufen, die nicht einmal den bekannten physikalischen Gesetzen gehorchen müssen. Umstritten war früher nur, ob sich das Leben auf unserer Erde vollständig evolutionär entwickelte, oder ob und welche anderen Gesetzmäßigkeiten dabei eine Rolle spielten (z. B. in der Debatte Evolutionsbiologie vs. Kreationismus, siehe auch Evolutionstheorie).

Verlauf der Evolution auf unserer Erde

Nach der heutigen Auffassung eines Teils der Wissenschaftler verlief die Evolution der Lebewelt, basierend auf der Entwicklung zuvor unbelebter Materie, folgendermaßen: Schema zu den Entwicklungsstufen der Evolution Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Unterteilung der Evolution der Lebewelt in nachfolgenden vier Stufen sinnvoll, wobei der Ablauf der ersten Stufe keinen evolutionären Gesetzmäßigkeiten unterliegt, aber die physikalischen Grundlagen für deren spätere Wirkung bereit stellt.

Teilbereiche der Evolution

Evolution der unbelebten Materie

Dieses Thema beschäftigt sich mit dem Ursprung und der Entwicklung des Universums, dessen Teilchen und Elementen. Folgende Artikel befassen sich mit der Thematik:
- Evolution der unbelebten Materie
- Kosmologie

Evolution der Lebewelt

Die Evolution der Lebewelt ist jene Evolution, die im Laufe großer Zeitspannen innerhalb der Erdgeschichte die Entstehung und Veränderung der Lebewesen bewirkt. Sie umfasst nicht die Entstehung des Lebens. Näheres zur Biologischen Evolution und zu anderen lebensevolutionären Ansätzen erfahren Sie hier:
- Biologische Evolution
- Evolutionstheorie
- Neodarwinismus Zur Auseinandersetzung mit nicht-naturwissenschaftlichen Vorstellungen über die biologische Evolution siehe:
- Schöpfungslehre
- Kreationismus

Evolution der Psyche

Unter bestimmten Bedingungen führt die Evolution zu Organismen und Wesen, die Informationen verarbeiten können. Dieser Vorgang wird Evolution der Psyche genannt. Folgende Artikel handeln darüber:
- Evolution der Psyche
- Evolutionäre Psychologie

Evolution der Meme

Aufgrund zahlreicher empirischer Belege glaubt man heute einheitlich, dass die Evolution auf unserem Planeten nicht immer an denselben Replikatoren abgelaufen sein muss. Die Lebewelt, wie wir sie heute kennen, basierte zwar auf weitesten Strecken auf einem chemischen Replikator, der DNA, sie ist jedoch nicht der einzige Replikator. Als weitere Replikatoren erwiesen sich beispielsweise Kristallstrukturen, die ebenfalls Kopien von sich selbst herstellen können. Auch informationstragende Einheiten, die nicht an eine chemische, sondern an eine (bio-)informatische Grundlage gebunden sind, werden als Replikatoren begriffen und wurden von Richard Dawkins 1976 als Meme bezeichnet.

Literatur


- Ernst Mayr, Das ist Evolution C. Bertelsmann, ISBN 3-570-12013-9
- Richard Dawkins, The selfish Gene Oxford University Press 1976
- Klaus Dose, Chemische Evolution und der Ursprung lebender System in Biophysik (Herausgeber: W.Hoppe, W.Lohmann, H.Markl, H.Ziegler), Springer-Verlag, ISBN 35401133552
- Werner Ebeling, Physik der Evolutionsprozesse, Akademie-Verlag, Berlin, ISBN 3055006224
- Hoimar von Ditfurth, Im Anfang war der Wasserstoff Knaur, ISBN 342603395X
- Hoimar von Ditfurth, Der Geist fiel nicht vom Himmel Hoffmann und Campe, ISBN 3455089674
- Werner Schwemmler: Mechanismen der Zellevolution. Grundriß einer modernen Zelltheorie. de Gruyter 1979
- Lothar Kleine-Horst: Evolutionär-psychologische Theorie des Sehens. Auftakt zu einem neuen wissenschaftlichen Weltbild. Köln 1992, ISBN 3-928955-40-3
- Sven P. Thoms: "Ursprung des Lebens" Frankfurt 2005
- Georg Litsche,: Theoretische Anthropologie – Grundzüge einer Rekonstruktion der menschlichen Seinsweise, Berlin 2004

Weblinks


- [http://www.wissenschaft.ag/Evolution.php4 Evolution in der Presse]
- [http://www.willighp.de Die Evolution des Menschen]
- [http://www.wissenschaft.ag/Evolution_des_Menschen.php4 Newsletter: Evolution des Menschen]
- [http://evolution.berkeley.edu/ Understanding Evolution] Hervorragende Seite rund um das Thema Evolution (engl.)
- [http://www.bio.com/newsfeatures/newsfeatures_research.jhtml?cid=10800022 BioCom: Study Overturns Conventional Theory In Evolution] Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Evolution (engl.)
- [http://www.gcf.de/evolution/ Künstlich erzeugte "Evolution"]
- [http://www.evolutionary-research.de/ Evolution@Home - Ein Distributed Computing-Projekt zur Untersuchung der Auswirkungen von Mutationen auf die Entwicklung einer Population] Kategorie:Evolution Kategorie:Soziologie Kategorie:Psychologie Kategorie:Philosophische Anthropologie ja:進化論 ko:진화 생물학

Gottesstaat

Die Theokratie (griechisch θεοκρατία, von θεός, theós - Gott und κρατεiν, Krat(e)ía- Herrschaft) ist eine Herrschaftsform, bei der die Staatsgewalt allein religiös legitimiert und von einer göttlich erwählten Person, einer Priesterschaft oder sakralen Institution auf der Grundlage religiöser Prinzipien ausgeübt wird. Ein auf der Theokratie basierender Staat wird auch als Gottesstaat bezeichnet.

Theokratien in der Geschichte

Theokratischen Konzeptionen begegnet man in vielen alten Kulturen bzw. Religionen (Ägypten, China, Japan) und im Islam. Auch das Alte Israel mit seinen 12 Stämmen (der 12-Stämme-Amphiktionie) von circa 1250 v. Chr. bis zum Königtum ab Saul rund 1050 v. Chr. bildete gemäß dem Alten Testament einen Gottesstaat. Zu einer Fehldeutung kann der Titel der Schrift De civitate Dei ("Vom Gottesstaat") des christlichen Kirchenvaters Augustinus verleiten. Mit civitas Dei ist nicht eine theokratische Verschmelzung von Kirche und Staat, sondern der unsichtbare Herrschaftsbereichs Gottes gemeint, der weder mit der Kirche noch mit dem Staat deckungsgleich ist.

Theokratien in der heutigen Zeit

Ein Beispiel für einen Gottesstaat in der heutigen Zeit ist die 1979 gegründete Islamische Republik Iran, die den Ansprch erhebt, eine Theokratie zu sein. Auch der Vatikan ist eine Theokratie, da alle Staatsgewalt durch eine (auf Lebenszeit) erwählte Person (Papst) im Namen Gottes ausgeübt wird. Westliche Staaten strebten seit der Aufklärung eine Trennung zwischen Staat und Religion an (teilweise: Laizismus).

Literatur

Ulrich Enderwitz, Reichtum und Religion, Zweites Buch 2, Erster Band (Der religiöse Kult), Ça ira Verlag, Freiburg, 1991, ISBN 3-924627-27-4 (http://www.reichtum-und-religion.de/relkult/)

Verwandte Themen


- Aufklärung
- Säkularisierung
- Islamische Revolution
- Dominionisten Kategorie: Staatsform Kategorie: Politischer Begriff Kategorie: Religion Kategorie: Staatsphilosophie

Revolutionsexport

Als Revolutionsexport wird sowohl die unbeabsichtigte als auch die kalkulierte oder manipulierte Ausbreitung einer Revolution in ein anderes Land bezeichnet. Darüber hinaus unterscheidet man zwischen Revolutionsexport durch direkte Intervention oder durch indirekte Unterstützung subversiver Kräfte. Dabei kann es sich um verschiedene Formen einer revolutionären gesellschaftlichen Veränderung handeln, so stellt z.B. die Ausbreitung der Reformation im 16. Jahrhundert eine eher religiöse Revolution als eine soziale Revolution dar, zweifellos aber begleitet von wesentlichen politischen Veränderungen und einer Revolution der Bauern (Bauernkrieg). Messianische Bewegungen können ebenfalls als religiöser Revolutionsexport angesehen werden. Die industrielle Revolution wiederum wurde im 19. Jahrhundert vor allem durch die Eisenbahn exportiert.

National-Demokratische Revolution

Im eigentlichen Sinne aber führte die Verbreitung der Ideen der Französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) seit 1789 erstmals zu einem Revolutionsexport großen Ausmaßes und zugleich einem der wenigen erfolgreichen Revolutionsexporte der Geschichte. Zunächst war die 1790 von Revolutionären in den Österreichischen Niederlanden parallel errichtete Republik der "Vereinigten Belgischen Staaten" wieder unterdrückt worden.

Frankreich

Die ab 1792 in die Nachbarländer vordringenden revolutionäre Volksheere der Republik Frankreich führten aber zur Errichtung der Mainzer Republik, 1794 zu einem Aufstand in Polen und ab 1795 zur Errichtung zahlreicher weiterer Satelliten- und Tochterrepubliken, z.B.
- Cisalpinische Republik (Cispadanische Republik und Transpadanische Republik) bzw. Italienische Republik
- Ligurische Republik (Genua)
- Batavische Republik (Niederlande)
- Helvetische Republik (Schweiz)
- Römische Republik (Vatikan)
- Parthenopäische Republik (Neapel)
- weitere

Polen und andere

Von Frankreich gingen auch nach der Julirevolution von 1830 wieder revolutionäre Impulse aus, bis 1832 vor allem nach Belgien, Polen und Italien, jedoch nur indirekt und nicht im eigentlichen Sinne eines Revolutionsexports. Durch die französische Februarrevolution 1848 erneut ausgelöst, trug aber auch Polnischer Messianismus bei den Verfassungskämpfen und nationalen Befreiungsrevolutionen von 1848/49 wesentlich zu deren Ausbreitung in ganz Europa mit bei. Die (nationalen) Revolutionen gingen zwar verloren, doch die Idee des Kommunismus und der kommunistischen Revolution wurde geboren (Kommunistisches Manifest 1848). Die kommunistisch beeinflußte Frühbürgerliche Revolution in Russland 1905/07 wiederum löste 1905/11 die bürgerlich-demokratische Jungpersische Revolution im Iran aus und diese beeinflußte dann 1908/09 die Revolution der Jungtürken im Osmanischen Reich wesentlich.

USA

Aus US-amerikanischer Sicht war der Ausbruch der Französischen Revolution seinerseits das Ergebnis eines Revolutionsexports, nachdem aus den USA zurückkehrende französische Truppen freiheitliche Ideen mitgebracht hätten. In jüngster Zeit gehen wieder von der Politik der USA Revolutionen aus, so z.B. die Umstürze in Georgien (2003), der Ukraine (2004) und Kirgistan (2005). Russland, Weißrußland und Usbekistan werfen Washington Revolutionsexport vor und verweisen in diesem Zusammenhang erneut auf die Geschichte der USA. Durch inszenierte Umstürze hatten US-Siedler bereits 1835 Texas und 1846 Kalifornien von Mexiko abgespalten und die kurzzeitig "unabhängigen" Marionettenstaaten schließlich angegliedert, ähnlich 1898 im Falle Kubas und 1903 im Falle Panamas.

Kommunistische Revolution

Während des Ersten Weltkrieges schien 1917 nicht nur der Sieg einer Oktoberrevolution in Sowjetrussland, sondern auch der Sieg der Weltrevolution in den anderen kriegsführenden Staaten möglich, da durch den Krieg und interne Nationalitätenkonflikte auch in allen Staaten eine revolutinäre Situation entstanden war. Trotz Meutereien in Frankreich sprang der revolutionäre Funke 1918 jedoch zunächst nur auf Deutschland über. Der deutschen Novemberrevolution waren Verbrüderungen deutscher und russischer Truppen sowie eine ungeschickte Schaukelpolitik des Kaiserreichs gegenüber den Sowjets vorausgegangen, nicht jedoch ein Revolutionsexport der damals noch zu schwachen Sowjets. Der Kampf um die Errichtung einer Räterepublik auch in Deutschland ging daher 1919 verloren. Inhaltlich widerspricht der Revolutionsexport in wesentlichen Punkten sowhl der kommunistischen Revolutionstheorie, die den Ausbruch der Revolution erst nach Zustandekommen bestimmter Vorbedingungen erwartet
- nichtreformierbare Gegensätze, meist Klassengegensätze, siehe Klassenkampf
- Vorhandensein einer revolutionären Klasse, aus der wiederum vor allem die revolutionäre Partei neuen Typs hervorgeht
- revolutionäre Situation (Krieg, Hungersnot, Streiks oder ähnliches) als auch der Weltrevolution, die bei gleichzeitigem Zustandekommen dieser Bedingungen in mehreren Staaten erfolgen solle, siehe Weltbrand.

Sowjetunion

Im Überlebenskampf Sowjetrußlands jedoch provozierten die russischen Kommunisten jedoch weitere Aufstände zunächst mit dem Ziel, die antisowjetische Front zu schwächen. Im Rahmen ihrer Gegenoffensive ab 1920 an allen Fronten versuchte sie darüberhinaus, Russland mit einem Schutzgürtel kommunistischer Satelittenrepubliken zu umgeben, die später als Puffe