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Islas del RosarioDas zu Kolumbien gehörende Archipel Nuestra Señora del Rosario, kurz Islas del Rosario genannt, besteht aus 27 Inseln und liegt ca. 40 km südwestlich von Cartagena de Indias. Die Inseln entstanden vor ungefähr 5.000 Jahren durch unterseeische vulkanische Aktivitäten.
Der Mensch erreichte das Archipel schon vor der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus. Gemäß den Chroniken der spanischen Konquistadoren lebten zum Zeitpunkt ihres Eintreffens Ureinwohner von der Familie der Kariben auf dem Archipel. Sie ernährten sich hauptsächlich vom Fischfang.
Heute gelten die Islas del Rosario mit ihrem glasklaren Wasser und den Korallenriffen als beliebtes Ausflugsziel und Tauchrevier. Sie sind einer der 51 Natur-Nationalparks Kolumbiens und sind von Cartagena aus mit dem (Schnell-)Boot in ca. 1½ Stunden erreichbar. Cartagena ist ca. 45 Flugminuten und 19 Busstunden von Bogotá entfernt.
Kategorie:Kolumbien
Kolumbien
Kolumbien (spanisch Colombia) ist ein Staat im nördlichen Teil von Südamerika und grenzt an Brasilien, Peru, Ecuador, Venezuela und Panama.
Kolumbien liegt am Pazifischen Ozean und an der Karibik.
Geografie
Kolumbien liegt im Nordwesten Südamerikas und grenzt sowohl an den atlantischen (1.600 km Grenzlinie), als auch an den pazifischen Ozean (1.300 km Grenzlinie). Im Südwesten liegen Ecuador und Peru, im Nordosten Venezuela und im Südosten Brasilien.
Die westliche Hälfte Kolumbiens wird von den Anden dominiert, die in drei große Bergketten geteilt sind: die westliche, die zentrale und die östliche Kordillere. Zwischen den Bergketten fließen die großen, teilweise befahrbaren Flüsse Cauca und Magdalena in den atlantischen Ozean. Die Hochgebirge beherbergen die zum Teil aktiven Vulkane Galeras, Huila, Nevado del Ruiz, Purace, Tolima und Doña Juana. Die höchsten Gipfel sind der Pico Cristóbal Colón sowie der Pico Simón Bolívar, beide jeweils 5.775 m hoch und in der Sierra Nevada de Santa Marta gelegen.
Die östliche Hälfte ist durch dicht bewaldetes Flachland charakterisiert, durch das die Flüsse Putumayo, Yapura, Meta und Guaviare fließen, die entweder im Orinoco oder im Amazonas münden.
Kolumbien hat Küsten sowohl am atlantischen wie am pazifischen Ozean. Die bekanntesten Inseln im Atlantik sind der Archipel von San Andrés und Providencia (770 km nordöstlich von Kolumbien), mit den Inseln San Andrés, Providencia und Santa Catalina. Der karibischen Küste vorgelagert ist die Insel Fuerte und die Archipele von San Bernardo und del Rosario. Im Pazifik liegen die Inseln Malpelo und Gorgona und Gorgonilla.
Je nach Meereshöhe unterscheidet man vier Klimazonen. In den Flachländern (Llanos) herrscht tropisches Klima über 24° C, zwischen 1.000 und 2.000 m gemäßigtes Klima (17-24° C), zwischen 2.000 und 3.000 m kaltes (12-17° C) und in den Bergregionen (Páramos) ab 3.000 m Höhe hochalpines Gletscherklima (unter 12° C).
Kolumbiens größte Städte sind die Hauptstadt Santa Fé de Bogotá, Medellín, Cali, Cartagena de Indias, Barranquilla, Ibagué, Manizales, Pasto, Cúcuta und Bucaramanga.
Siehe auch: Städte in Kolumbien
Umwelt
Kolumbiens Lage mit unterschiedlichen Höhenstufen und Klimazonen, die den Übergang und Kontakt zwischen Amazonas und Anden einschliessen, heterogene Bodenbedingungen bedingen eine große Biodiversität mit einer hohen Anzahl endemischer Arten. Kolumbien ist eines der Länder mit der größten Artenvielfalt pro Gebietseinheit weltweit: Mit nur 0,7 % Anteil an der weltweiten Festlandsmasse vereinigt das Land 10% aller Tier- und Pflanzenarten des Planeten auf seinem Staatsgebiet. Obwohl Kolumbien den Schutz seiner natürlichen Ressourcen bereits seit den 70er Jahren vorantreibt, haben neben natürlichen Umweltkatastrophen (häufig entweder bedingt durch extreme Trocken- oder Regenzeiten) vor allem das dynamische soziale und wirtschaftliche Wachstum und die bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen in den letzten Jahrzehnten erhebliche Umweltschäden mit sich gebracht.
Mit der Verfassung von 1991 hat sich das Land nun explizit der Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung verschrieben; etwa 60 Verfassungsartikel beziehen sich direkt oder indirekt auf die Umwelt. Den normativen Rahmen für die Ausgestaltung dieser Vorgaben bildet das Gesetz 99 von 1993, durch das ein Umweltministerium als Bestandteil des Nationalen Umweltsystems (Sistema Nacional Ambiental, kurz SINA) geschaffen wurde. Zum SINA gehören nebem dem Ministerium unter anderem die Regionalentwicklungsbehörden, die mit dem Management der natürlichen Ressourcen und ihrer nachhaltigen Entwicklung beauftragt sind, städtische Umweltplanungsbehörden und -systeme wie das DAMA in Bogotá und der Ecofondo, der Zusammenschluss aller Umwelt-NGOs. Staatliche Umweltpläne sollen zur Erreichung der ehrgeizigen Ziele beitragen. Allerdings werden den Regionalentwicklungsbehörden unter anderem überhöhte Betriebskosten, fehlende Investitionen in Umweltprogramme und die Aufgabe wieder aufgeforsteter Gebiete vorgeworfen. Diese und andere Mängel sollen deshalb mittels einer weitgreifenden Umweltsektorreform beseitigt werden. Dazu wurde bereits im März 2003 ein Gesetzesvorschlag vorgelegt; darüber hinaus wurde das Umweltministerium im April 2003 zum Ministerio de Ambiente, Vivienda y Desarollo Territorial fusioniert. Derzeit gibt es Bestrebungen, die bereits seit Jahrzehnten bestehende Nationalparkverwaltung (UAESPNN - Unidad Administrativa Especial del Sistema de Parques) umzustrukturieren.
Insgesamt wird die bisherige Umweltpolitik von Präsident Uribe oft als ein Rückschritt hinter bereits erzielte Erfolge bezeichnet, insbesondere, da die Umwelt- und Naturzerstörung als Folge des bewaffneten Konflikts von Jahr zu Jahr steigt.
Klima
Da der Äquator durch Kolumbien läuft, liegt das Land in der tropischen Klimazone. Der Norden, also die Karibikküste, liegt in der subtropischen Zone. In Gebieten unterhalb 550m werden Durchschnittstemperaturen von 25°C bis 30°C gemessen (tropischer Bereich), zwischen 550m und 2300m Jahresmittel von bis zu minimal 18°C (gemäßigter Bereich) erreicht. Zwischen 2300m und 3000m beträgt die Temperatur nur noch 10 - 17°C.
Bogotá, welches in einer Höhe von 2550m über dem Meeresspiegel liegt, hat eine Jahresdurchschnitttempereatur von 13°C. Über 3000m liegt die kaltgemäßigte bis kalte Klimazone mit Temperaturen zwischen - 17,8°C bis +12,8°C.
Jährlich gibt es zwei Regenzeiten (April und Oktober) und zwei Trockenzeiten, die aber nicht extrem ausfallen.
An der Westküste der Anden fällt die größte Menge an Niederschlag. Im südlichen Teil des Landes werden ca. 3000mm Niederschlag pro Jahr und m² gemessen, im Norden bis zu 10.000mm. Einige Orte mit einem Niederschagsvolumen von bis zu 16.000mm im Jahr gehören zu den regenreichsten Gebieten der Erde.
Die östlichen Gebiete werden weniger stark beregnet. Durch den Passatwind sind diese Teile der Karibikküste sehr regenarm (unter 400mm Niederschlagsmenge pro Jahr und m²). Weiterhin ist die Niederschlagsmenge in den Hochtälern und Hochbecken durch die Regenschattenseite nur bei 1000mm angesiedelt.
Bevölkerung
Kolumbien mit einer Bevölkerungszahl von ca. 42,31 Mio. hat auf Grund seiner Geschichte eine sehr diversifizierte Bevölkerungsstruktur. Auf jedem Quadratkilometer leben durchschnittlich 31 Einwohner. 72% der Gesamtbevölkerung leben in den Ballungsgebieten und Städten, hauptsächlich in den Tälern des Río Magdalena und des Río Cauca sowie an der Küste des karibischen Meeres. Allein in Bogota, die Hauptstadt und das Zentrum der Industrie, lebt ca. 1/7 der Bevölkerung. Die Bevölkerung setzt sich aus drei sehr unterschiedlichen Gruppen zusammen: den indigenen Indios, den europäischen, zumeist aus Spanien stammenden Kolonisten und den importierten Sklaven aus afrikanischer Herkunft. Die heutige Demografie des Landes besteht aus einer Mischung dieser Gruppen.
Demografie
Verbindungen zwischen diesen Gruppen waren und sind sehr weit verbreitet. Den größten Anteil an der Bevölkerung stellen mit 60 % die Mestizen, deren Vorfahren Europäer und Indigene waren. Zur hellhäutigen Bevölkerung gehören die Kreolen, Nachfahren der europäischen Kolonisten, die somit die größte Minderheit mit 20 % darstellen. Weiter sind mit 16 % die Mulatten in der kolumbianischen Gesellschaft vertreten, Nachkommen von Europäern und afrikanischen Sklaven. Rein afrikanische Vorfahren haben 4 % der Bevölkerung, 3 % zählen zu den Zambos, die von afrikanischen Sklaven und indigenen Indios abstammen. Im Dorf Palenque de San Basilio existiert die einzige spanischbasierte Kreolsprache in Lateinamerika. Die Menschen dort sind zum größten Teil Nachfahren entlaufener Sklaven und sprechen Palenquero. Heutzutage werden nur noch 1 % als Indigene klassifiziert, unter anderem durch ihre Kultur und Sprache. Dominant ist die römisch-katholische Glaubensrichtung (ca. 90 % der Bevölkerung).
Völkerbewegungen vom Land in die Stadt sind massiv. Stadtbevölkerung ist von einem Anteil von 57 % der Gesamtbevölkerung im Jahre 1951 auf 74 % 1994 gestiegen. Dreißig Städte haben mehr als 100.000 Einwohner. Die östlichen Llanos Kolumbiens, die aus 9 Departamentos bestehen und 54 % der Fläche ausmachen, beherbergen nur 3 % der Bevölkerung und damit eine Dichte von einer Person pro Quadratkilometer.
Siehe auch: Afrokolumbianer
Geschichte
Nach der Entdeckung Mittelamerikas durch spanische Seefahrer entstanden mit Santa Marta (gegr. 1527) und Cartagena de Indias (gegr.1533) die ersten kolonialen Stützpunkte an der kolumbianischen Karibikküste.
Als im Jahr 1537 die ersten spanischen Entdecker unter Gonzalo Jiménez de Quesada in das Andengebiet vordrangen, wurden die Chibcha unterjocht. Die Spanier erbauten einige Siedlungen, die die ehemaligen indianischen Handelszentren ersetzten, so zum Beispiel Santa Fé de Bogotá und Tunja (gegr. beide 1539). Wenig später erfolgte die Gründung einer Provinz, aus der sich das Vizekönigreich Neugranada entwickelte.
Kolumbien ist einer der Staaten, die durch den Zerfall Großkolumbiens im Jahr 1830 entstand (andere sind Ecuador und Venezuela). Bis zum Jahre 1903 gehörte Panama zu Kolumbien.
Kolumbien gehört zu der 1969 gegründeten Andengemeinschaft, die seit 1995 eine Freihandelszone zwischen den Mitgliedsstaaten aufgebaut hat.
Seit Jahrzehnten dauert nun schon der Bürgerkrieg in Kolumbien an. Nach einer Welle von Gewalt und Terror verhängt Präsident Álvaro Uribe Vélez am 12. August 2002 für 90 Tage den Ausnahmezustand.
Der im Jahre 2003 von Präsident Álvaro Uribe begonnene Friedensprozess mit den Paramilitärs droht zu scheitern. Ein Grund dafür ist das spurlose Verschwinden des Gründers der Paramilitärs, Carlos Castaño, ein anderer die Forderung der Paramilitärs, für ihre Taten, einschließlich des Drogenhandels, nicht bestraft und an die USA ausgeliefert zu werden.
Siehe auch: Liste der Präsidenten Kolumbiens
Verwaltungsgliederung
Kolumbien ist in 32 Provinzen untergliedert (Hauptstädte in Klammern):
right
#Amazonas (Leticia)
#Antioquia (Medellín)
#Arauca (Arauca)
#Atlántico (Barranquilla)
#Bolívar (Cartagena de Indias)
#Boyacá (Tunja)
#Caldas (Manizales)
#Caquetá (Florencia)
#Casanare (Yopal)
#Cauca (Popayán)
#Cesar (Valledupar)
#Chocó (Quibdo)
#Córdoba (Monteria)
#Cundinamarca (Bogotá)
#Guainía (Puerto Inirida)
#Guaviare (San José del Guaviare)
#Huila (Neiva)
#La Guajira (Riohacha)
#Magdalena (Santa Marta)
#Meta (Villavicencio)
#Nariño (Pasto)
#Norte de Santander (Cúcuta)
#Putumayo (Mocoa)
#Quindío (Armenia)
#Risaralda (Pereira)
#San Andrés und Providencia (San Andrés)
#Santander (Bucaramanga)
#Sucre (Sincelejo)
#Tolima (Ibagué)
#Valle del Cauca (Cali)
#Vaupés (Mitú)
#Vichada (Puerto Carreño)
Zusätzlich: Bogotá - Distrito Capital
Wirtschaft
Kolumbien ist der größte Produzent zahlreicher Schnittblumenarten. Bei der Produktion von Nelken steht es weltweit an erster, bei Schnittblumen insgesamt an zweiter Stelle. Mit 3.500 verschiedenen Orchideen-Arten hat Kolumbien die größte Vielfalt der Welt. Ebenfalls an erster Stelle steht Kolumbien bei der Produktion von Smaragden und Guadua-Holz. Es ist außerdem der zweitgrößte Kaffee-Produzent der Welt und steht bei der Produktion von Bananen weltweit an dritter Stelle. Bei der Produktion von Kartoffeln ist Kolumbien in Lateinamerika führend.
Das Land ist der zweitgrößte Exporteur landwirtschaftlicher Produkte in die USA. Darüber hinaus ist Kolumbien weltweit der viertgrößte Produzent von Kohle und Nickel und hat außerdem eine sichere Erdölreserve von zwischen 1,54 bis 1,84 Milliarden Barrel.
Ein Teil der kolumbianischen Wirtschaft wird direkt oder indirekt vom Anbau und der Produktion von illegalen Drogen beeinflusst. So bauen Bauern insbesondere Koka, aber auch Schlafmohn an, da sie sich so ein besseres Einkommen versprechen als bei der Produktion von Nahrungsmitteln oder Kaffee; und der Druck der Drogenkartelle ermöglicht es den Kokabauern oft auch nicht, auf legale Waren umzuschwingen.
Hauptexportgüter Kolumbiens sind Kaffee, Bananen, Schnittblumen, Smaragde, exotische Früchte, Textilien, Lederwaren, Lebensmittel, Erdöl und Erdölderivate, Kohle und Kohlederivate, Gold und Zucker.
Politik
Als Präsidialrepublik ist Kolumbien in die Exekutive, Legislative und Judikative aufgeteilt. Das Parlament besteht aus zwei Kammern, dem Kongress (congreso) und dem Senat (senado). Die geltende Verfassung wurde am 5. Juli 1991 nach einem Volksentscheid verabschiedet. Fast alle Ämter, vom Präsidenten bis zum Abgeordneten, werden direkt vom Volk gewählt. Als volljährig gilt jeder ab dem 18. Lebensjahr und nur Mitglieder der Armee und Strafgefangene dürfen nicht wählen. Der Präsident und die Senats- und Kongressabgeordneten werden zu einer Amtszeit von vier Jahren gewählt.
Kolumbien ist Mitglied in der Südamerikanische Staatengemeinschaft, Organisation Amerikanischer Staaten und den Vereinten Nationen. Beitrittsverhandlungen zu Mercosur werden geführt.
Parteien
- Partido Liberal (liberale)
- Partido Conservador Colombiano (konservative)
- Movimiento de Salvación Nacional (konservative)
- Alianza Democrática M-19 (ehemalige M-19 Guerillagruppe)
- Polo Democrático Independiente
- Unión Democrática
- Unión Patriótica (komunistische)
- Partido Comunista de Colombia (komunistische)
- Movimiento Obrero Independiente y Revolucionario
- Partido para Defensa del Folklore Nacional.
- Oxígeno verde
Bildungswesen
In Kolumbien wird die Bildung in vier Stufen aufgeteilt, Vorschule (preescolar), Schule (educación básica), Gymnasium (educación media) und Universität (nivel universitario). Verantwortlich für die Bildung ist das Ministerium de Educación Nacional. Im Durchschnitt sind die staatlichen Bildungseinrichtungen für die Familien günstiger als die in privater Hand. Außerdem werden auch nicht staatlich anerkannte Titel, meist von privaten technischen Schulen, angeboten, die oft die Selbständigkeit des Auszubildenden zum Ziel haben.
Im Vorschulalter werden den Eltern, fast ausschließlich aus dem privaten Sektor, Kindergärten angeboten. Die letzten zwei Jahre vor der Grundschule werden Kinder (4-5 Jahre) und transición (Übergang) (5-6 Jahre) genannt. Von einem Kind in der transición Altersgruppe wird erwartet, dass es schon mit dem Lesen- und Schreibenlernen angefangen hat.
Die Schulzeit eines Kindes begrenzt sich auf neun Jahre, fünf davon in der Grundschule (básica) und vier im Gymnasium (secundaria). Meist nur für Familien, die die nötigen finanziellen Mittel haben, bieten Schulen zwei weitere Jahre der Educación Media, auch Bachillerato genannt, an. Schüler die das Bachillerato machen haben meist zum Ziel die Universität zu besuchen.
Universitäten werden sowohl vom Staat als auch privat betrieben. Technische Abschlüsse werden nach drei Jahren, Graduierte (vergleichbar mit Bachelor) nach vier und Diplome nach fünf Jahren vergeben. Ergänzend werden Master- und Doktortitel, letztere nur durch staatlich anerkannte Institutionen, angeboten. Die bekannteste Universität Kolumbiens ist die Universidad Nacional de Colombia mit Hauptsitz in Bogotá.
Kultur
Siehe auch: Liste berühmter Kolumbianer
Kunst
Kolumbien rühmt eine lange Geschichte der Künste, die bis in die präkolumbischen Zeiten zurückgeht. Bekannt sind aus diesen Zeiten Goldfiguren, Schmuck und Tonarbeiten. In der Hauptstadt Bogotá sind im Goldmuseum viele dieser Stücke zu bewundern. Ein Großteil der Kunststücke ist aber seit der Entdeckung, erst durch die Entdecker und dann durch Grabräuber, verschwunden. Die diversen Volksgruppen stellen weiterhin unterschiedlichste Arten von Kunst her, unter anderem die handgewebten Handtaschen (Mochilas) und Hängematten der Guajiros.
Zu den bekanntesten kolumbianischen Künstlern des 20. Jahrhunderts zählen Enrique Grau, Fernando Botero und Alejandro Obregón. Bekanntester kolumbianischer Schriftsteller ist der Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez.
Musik
Die traditionelle kolumbianische Musik ist sehr vielfältig. Die Musik der Karibikküste, wo viele Afro-Kolumbianer leben, ist stark von afrikanischen Rhythmen geprägt, wie man es in Stilen wie der Cumbia und dem verwandten, aber melodischeren Vallenato hören kann. Eine neue in dieser Region Kolumbiens entstandene Musikrichtung ist der ebenfalls stark von afrikanischen und karibischen Einflüssen geprägte Champeta. Völlig anders ist dagegen die traditionelle Musik der Andenregion um Bogotá, die eine Mischung spanischer und vorkolumbischer Stilelemente ist und damit der Folkloremusik des Hochlandes von Peru und Ecuador ähnelt. Im Rest des Landes ist die traditionelle Musik vor allem von spanischen und italienischen Einflüssen geprägt.
Salsa ist in Kolumbien, wie auch im Rest Südamerikas ebenfalls sehr beliebt. Berühmte kolumbianische Salsa-Interpreten sind die Grupo Niche, Fruko y sus Tesos und Joe Arroyo. Eine der populärsten Salsa-Tänzerinnen ist Maria del Pilar, die inzwischen zusammen mit ihrem Guitarriero Nico Berdugo auch in Europa bei zahlreichen Auftritten gefeiert wird.
Die bekannteste Musikerin Kolumbiens ist die Sängerin Shakira. Mittlerweile haben es auch der Pop-Sänger Juanes und der Vallenato-Interpret Carlos Vives zu internationaler Berühmtheit gebracht.
In den kolumbianischen Großstädten gibt es seit den 90er Jahren eine ständig wachsende moderne Musikkultur. Trotzdem wächst die Szene weiter. Im Jahr 1994 fand zum ersten Mal das Festival „Rock al parque“ statt, dass mittlerweile das größte kostenlose Rockfestival Lateinamerikas ist.
Sport
Kolumbien ist besonders für Fußball und Radsport international bekannt und seit einigen Jahren durch Juan Pablo Montoya in der Formel 1 vertreten. Bekannteste Tennisspielerin ist Fabiola Zuluaga. 2005 hat die Golfspielerin María Isabel Baena erstmalig einen Titel für Kolumbien bei dem in New Jersey, USA ausgetragenen Match Play-Meisterschaft gewonnen.
Clara Juliana Guerrero ist die weltbeste Kegelspielerin, eine Sportart in der auch u.a. die Geschwister Paola Rocío Gómez Ardila und Jaime Andrés Gómez Ardila das Land vertreten. Berühmte Boxer sind der legendäre Antonio Cervantes "Kid Pambelé", der vier Jahre lang Weltmeister in der Gewichtsklasse 140 Pfund Juniorgewicht der (WBA) war und Miguel "Happy" Lora, der zwischen 1985 und 1989 den Weltmeistertitel in der Gewichtsklasse 118 Pfund Bantamgewicht der (WBC) hielt.
Fußball
Eine Fußballliga wurde 1924 angedacht und durch den Beitritt 1936 zu der Confederación Sudamericana de Fútbol (CONMEBOL) besiegelt. Die Nationalelf spielte zum ersten mal 1962 in Chile bei der Weltmeisterschaft mit. Aus drei Spielen erhielt sie aber nur einen Punkt, spielte aber mit einem 4:4 gegen die UdSSR eine historische Partie. 1964 wurde die Bundesliga „Federación de Fútbol de Colombia (Fedebol)” mit Unterstützung der FIFA gegründet. Kolumbien wurde 1974 von der FIFA die Austragung der 1986 zu spielenden Weltmeisterschaft zugesprochen, die aber letztlich wegen Uneinigkeiten zwischen Privat- und Staatsfinanzierungen 1981 an Mexiko ging.
Der bisher größte Erfolg der Fußball-Nationalmannschaft ist der im Jahre 2001 errungene Titel der Copa América, welcher zudem in Kolumbien ausgetragen wurde. Weitere Höhepunkte waren die jeweilige Qualifikation zu den Fußball-Weltmeisterschaften von 1962, 1990, 1994 und 1998, sowie der historische 5:0-Sieg über Argentinien in Buenos Aires. Dieses Spiel diente der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1994 in den USA. Die Nationalmanschaft wird nicht die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland bestreiten, da sie sich trotz einem 1-0 im letzten Spiel gegen Paraguay nicht qualifizieren konnte.
Siehe auch: Kolumbianischer Fußball
Radsport
Das erste in Etappen gefahrene Rennen Südamerikas wurde 1951 in Kolumbien absolviert. Erster bekannter kolumbianischer Radrennfahrer bei der Tour de France war Cochise Rodríguez, der das Rennen 1977 als 27. beendete. Fabio Parra gewann 1988 drei Etappen und endete als Dritter in der Gesamtwertung. Luis „Lucho“ Alberto Herrera gewann 1985 und 1987 zwei Bergetappen und wurde dadurch zum kolumbianischen Nationalhelden.
Von sich reden machte seit Ende der 1990er Jahre zudem der aus Medellín stammende Santiago Botero. Er wurde 2002 Zeitfahr-Weltmeister bei der Straßen-Radweltmeisterschaft im belgischen Zolder. Darüber hinaus sicherte er sich unter anderem drei Etappen bei der Vuelta a España sowie bei der Tour de France, bei der er im Jahre 2000 zudem als Gewinner des Bergtrikots die Avenue des Champs-Élysées in Paris erreichte.
2005 gewann der Kolumbianer Ivan Parra zwei Etappen beim Giro d’Italia.
Inline-Skating
Seit einigen Jahren zählt Kolumbien in dieser Disziplin zu den stärksten Nationen weltweit. Die bekannteste Inline-Skaterin ist Cecilia Baena (Sportlerin des Jahres 2001 in Kolumbien), bei den Panamerikanischen Meisterschaften 2005 gewann sie neun Medaillen. 2004 wurde sie in Italien dreifache Weltmeisterin. Außerdem gewann sie das größte Inlinerennen der Welt, den Berlin Marathon mit 10.000 Teilnehmern. Weitere bekannte Weltmeister, sowie Weltrekordhalter sind Diego Rosero und Jorge Andrés Botero.
Tejo
Tejo, eine moderne Version eines Indianerspieles namens Turmequé, wird schon über 500 Jahre lang in den Provinzen Cundinamarca und Boyacá gespielt und wurde im Juni 2000 vom kolumbianischen Kongress zum Nationalsport ernannt. Die moderne Version sieht vor, eine eiserne Halbkugel, den Tejo, in einen metallischen Kreis zu werfen und so, die an den vier Himmelsrichtungen aufgelegten Schwarzpulvertaschen, die Mechas, zum lauten Knall zu zwingen. Wer die meisten dieser Mechas zum Explodieren bringt, gewinnt das Spiel, das sowohl im Team als auch einzeln gespielt werden kann. Die Partien werden traditionell von alkoholischen Getränken begleitet. Die Brauereien sind daher naturgemäß die größten Sponsoren.
Infrastruktur
Kolumbien bedient sich eines Bahnnetzes von 3.304 km Länge, davon aber nur 150 km in Standardbreite, die hauptsächlich zur Förderung von Kohle aus dem El Cerrejón zum Hafen Bahía Portete dienen. Der Personenverkehr auf der Schiene beschränkt sich auf drei kurze touristische Strecken. Zusammen mit den 112.998 km Straßennetz, von denen nur ca. 26.000 km gepflastert sind, besitzt Kolumbien daher eine der am schlechtesten Verkehrsinfrastrukturen Süd- und Mittelamerikas. Der Straßenausbau liegt mit etwa 100 m/km² unter dem lateinamerikanischen Durchschnitt von 118 m/km². Häfen von größerer Bedeutung sind die von Barranquilla, Buenaventura, Cartagena, Muelles El Bosque, Puerto Bolivar, Santa Marta und Turbo. Die Flughafenanzahl wird auf 980 geschätzt, wobei fast jede Millionenstadt einen international angebundenen Flughafen hat. Es sind etwa 1,89 Millionen Festnetztelefone in Betrieb. Offiziell funken 413 LW/MW- und 217 UKW-Radiosender; es sind ca. 5,5 Millionen Fernseher im Einsatz.
Seit der neuen Verfassung von 1991 sind die staatlichen Investitionen in die Infrastruktur zurückgegangen, die privaten dagegen angestiegen. Dadurch ist die Beteiligung des Privatsektors in Infrastrukturprojekte des Transportes, Strom und Wasserversorgung rasant gestiegen. Seit 1994 werden Teile des Fernstraßennetzes in Konzession an Privatunternehmer vergeben, die bis dato dadurch 10% bis 15% des Straßennetzes verwalten. Erfahrungen zeigen, dass die Bau- und Unterhaltkosten dadurch von 300% über den ursprünglich veranschlagten Kosten auf 40% reduziert werden. Diese Strecken werden über eine Maut finanziert.
Gesundheitswesen
Der Altersaufbau ist charakterisiert durch einen großen Anteil an junger Bevölkerung. Zwischen 1985 und 1990 ist zwar der Anteil von Menschen unter 15 Jahren von 45,7% auf 36% gesunken, dennoch ist dieser Wert sehr hoch.
Für die männliche Bevölkerung ist die Lebenserwartung zwischen 1965 und 1993 von 54 auf 66,5 Jahre gestiegen, bei Frauen von 59 auf 72,4 Jahre.
Die medizinische Versorgung ist nicht gleichwertig über das Staatsgebiet verteilt; Küstengebiete und ländliche Regionen sind hier benachteiligt. Ärzte, medizinische Angestellte und Krankenhäuser konzentrieren sich auf die Ballungsgebiete. 23.520 Ärzte, 13.815 Zahnärzte und 43.065 Krankenpfleger verrichten ihren Dienst an der Gesundheit; 1989 wurden 45.858 Krankenhausbetten gezählt. Durch mangelnde Ernährung und schlechte Wohnbedingungen sind die Krankheiten Tuberkulose, Malaria, Ruhr und Typhus in den wenig medizinisch versorgten Gebieten weit verbreitet. Um diesen Missstand zu beseitigen, hat der kolumbianische Staat Weltbankdarlehen aufgenommen und Einnahmen aus der Erdölproduktion für den Aufbau des Gesundheutssystems verwendet.
Mutterschaft und Zahnarztbehandlung werden durch die Sozialversicherung unterstützt. Auch Arbeiter im Industriesektor sind unfallversichert und bei Invalidität versichert, die Angehörigen erhalten auch eine Unterstützung. Die Sozialversicherung wird durch Arbeitnehmer, Arbeitgeber und durch den Staat mit Hilfe von Beiträgen finanziert.
Medien
Kolumbiens Medienwelt besteht im wesentlichen aus dem Fernsehen (3 Hauptsendern), der Presse und dem Radio. Die meistgelesenen Zeitungen sind El Tiempo und bis zur Umwandlung zur Wochenzeitung El Espectador. Die Medien sind in Kolumbien in der Hand von wenigen Großunternehmern. Die Organización Ardila Lülle ist Eigentümer von Radio Cadena Nacional (RCN), ein großer Radiosender, seit 1995 auch dem eigenen TV Sender RCNTV und auch des größten Musikverlegers Sonolux. Der Grupo Santo Domingo und weitere Firmen und Beteiligungen der Familie Santo Domingo sind (Teil)Inhaber von Radio Caracol, Caracol TV, Bogotá City TV und der Zeitung El Espectador.
Weitere Themen
- :Kategorie:Kolumbien
- Portal:Südamerika
- Britisch-Kolumbien
- District of Columbia
Literatur
- Curth, Oliver: Musik der Welt: Kolumbien. 2002 Lugert Verlag, ISBN 3-89760-803-0
- Dilger, Gerhard: Kolumbien. Beck`sche Reihe Länder. 1996 Verlag C.H. Beck, ISBN 3-406-39864-2
- Raul Zelik/Dario N. Azzellini: Kolumbien-Große Geschäfte, staatlicher Terror und Aufstandsbewegung. ISBN 3-929-008-48-3
Weblinks
- [http://www.presidencia.gov.co/ Homepage Regierung/Präsident von Kolumbien]
- [http://www.auswaertigesamt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?type_id=14&land_id=82 Informationen des Deutschen Auswärtigen Amtes]
- [http://www.toedte.privat.t-online.de/dkfz.html Deutsch-Kolumbianischer Freundeskreis e.V.]
- [http://www.kolumbienweb.de Kolumbienweb]
- [http://www.kolumbien-aktuell.ch/ Kolumbien (CH)]
- [http://www.colegioandino.edu.co/willkommen.php Deutsche Schule Bogotá]
- [http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/geos/co.html CIA: The World Factbook - Kolumbien] (englisch)
Kategorie:Staat
Kategorie:Südamerika
!
ja:コロンビア
ko:콜롬비아
ms:Colombia
zh-min-nan:Colombia
ArchipelArchipel, der, (von griech.: pelagos, Meer) bezeichnet ein Hauptmeer. Ursprünglich war damit die Ägäis mit den griechischen Inseln gemeint. Seit dem 13. Jahrhundert werden auch große Inselgruppen in Meeren anderer Regionen als Archipel bezeichnet. Eine Skandinavische Bezeichnung ist Schärengarten.
Es gibt verschiedene Ursachen für die Entstehung von Archipelen. Einige Archipele sind durch Vulkanismus, andere aus Korallenriffen entstanden. Auch die Plattentektonik kann z.B. durch Hebung des Meeresbodens Archipele entstehen lassen.
Bekannte Archipele sind
- Åland
- Andamanen
- Azoren
- Bahamas
- Bissagos-Archipel
- Färöer
- Fidschi
- Franz-Joseph-Land
- Französisch-Polynesien
- Galápagos-Inseln
- Hawaii
- Indonesischer Archipel
- Japan
- Kanaren
- Kapverden
- Los Roques Archipel (Venezuela)
- Nowaja Semlja
- Philippinen
- Solentiname
- Stockholmer Schärengarten
- Svalbard
- Toskanischer Archipel
- Tschagos-Archipel
- Tuamotu-Archipel
Im übertragenen Sinn wird der Begriff Archipel auch benutzt: Archipel GULAG benennt der Schriftsteller Alexander Solschenizyn das Unterdrückungssystem der Konzentrationslager, die es über die ganze Sowjetunion verteilt gab.
Kategorie:Physische Geographie
Kategorie:Inselgruppe
ja:列島
Cartagena (Kolumbien)Cartagena de Indias ist eine Stadt in Kolumbien, Hauptstadt des Departements Bolívar mit 952.036 Einwohnern (Stand 1. Januar 2005).
Geografie
Cartagena ist an der Karibikküste im Norden des Landes gelegen, zum Landesinneren durch eine Bergkette geschützt, mit dem Meer durch die Bucht Bahia de Cartagena verbunden, die durch Inseln begrenzt wird.
Geschichte
Die Stadt wurde 1. Juni 1533 durch Pedro de Heredia gegründet. Sie gilt als eine der ersten spanischen Stadtgründungen im Norden Südamerikas und erfuhr ein schnelles Wachstum als wichtiger Hafen für die Schifffahrt des Kontinents. Die spanische Flotte lief zwei Mal jährlich von Sevilla bzw. Cádiz aus kommend Cartagena an, um hier die spanischen Fertigprodukte, wie Waffen, Rüstungen, Werkzeug, Textilien, Pferde zu löschen und Gold, Silber, Perlen und Edelsteine zu laden, bevor sie nach Puerto Bello und Santo Domingo auslief.
Auch die niederländischen und englischen Sklavenschiffe, soweit sie überhaupt in spanische Häfen in Amerika einlaufen durften, mußten nach Cartagena. Aus diesem Grund wurde Cartagena häufig von englischen und französischen Piraten attackiert und mehrfach geplündert, so zum Beispiel 1544, 1560 und 1588 durch Sir Francis Drake, 1697 von französischen Piraten. Nach seinem Einfall befestigten die Bewohner die Stadt mit einem 11 km langen Schutzwall und die riesige Wehranlage San Felipe. Die Einfahrt in die Bucht säumen zwei Forts, San José und San Fernando, an denen schwer vorbeizukommen war.
Auch die Kirchen in der Stadt gleichen Wehrbauten. 1575 bis 1585 wurde an der Kathedrale gebaut, 1570 bis 1612 wurde das Kloster Santo Domingo errichtet; im 17. Jahrhundert kam das Jesuitenkloster La Compania hinzu. Schon 1610 wurde die spanische Inquisition auch in Cartagena eingeführt, die 1770 einen eigenen Palast bezog und hier eine mächtige Rolle spielte. Cartagena wurde als die Perle von Las Indias bezeichnet, galt nach einem Überfall englischer Piraten 1741, gegen den sich Cartagena behaupten konnte, zeitweilig als uneinnehmbar und als das Beispiel spanischer Militärarchitektur.
Der Jesuit Pedro Claver beschränkte im 17. Jahrhundert seine Hilfe für die zahllosen schwarzen Sklaven, die hier versteigert wurden, nicht auf Massentaufen, sondern bemühte sich in tätiger Nächstenliebe als Arzt um die Verbesserung der menschenunwürdigen Bedingungen, unter denen sie zu leiden hatten und wurde dafür von der Katholischen Kirche Heilig gesprochen. Am 31. März 1741 wurde hier im Zuge des War of Jenkins' Ear die Schlacht von Cartagena zwischen der englischen Armada mit 186 Schiffen unter dem Kommando des englischen Admirals Edward Vernon und den Verteidigern Cartagenas unter Don Blas de Lezo ausgetragen.
Im November 1811 erklärte der Befreier Südamerikas Símon Bolívar unter dem Eindruck der französischen Revolution und der napoleonischen Besatzung des Mutterlandes die Unabhängigkeit auch für Cartagena und das Ende der Inquisition. Doch die Spanier wollten ihre Kolonien nicht so widerspruchslos ziehen lassen: Im Dezember 1815, nach dem Abzug der napoleonischen Truppen aus Spanien und der Wiederherstellung der spanischen Monarchie eroberten spanische Verbände unter Pablo Morillo die Kolonie zurück. Erst nach der Schlacht von Boyacá 1821 und weiteren Zusammenstößen im Frühjahr 1822 erlangte Cartagena gemeinsam mit der Kolonie die international anerkannte Unabhängigkeit vom spanischen Mutterland.
Der Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez setzte Cartagena im Roman Die Liebe in den Zeiten der Cholera aus dem Jahre 1985 ein Denkmal. In Cartagena fand 1990 der Drogengipfel mit den Präsidenten Kolumbiens, Perus, Boliviens und der USA statt, auf dem Maßnahmen gegen den Anbau von Coca und die Gewinnung von Kokain besprochen wurden.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Cartagena ist die Stadt mit den meisten Touristen und nicht zuletzt wegen der geografischen Lage die sicherste und bestbewachte Stadt in Kolumbien. Wie in allen Großstädten ist wegen der Kleinkriminalität trotzdem Vorsicht geboten. Kolumbien befindet sich im Bürgerkrieg mit marxistisch orientierten Guerillas und der Armee nahestehenden Paramilitärs. Davon betroffen sind aber vor allem die Landregionen. Die kolumbianische Marine hat in Cartagena ihren Hauptstützpunkt.
Das komplett ummauerte alte Stadtzentrum mit Festungsring und den Stadtteilen San Pedro mit der Kathedrale und zahllosen Palästen im andalusischen Stil, San Diego, dem Viertel der Händler und der zahlenmäßig kleinen Bourgoisie sowie Gethsemani, dem Viertel der kleinen Leute und Handwerker, das aus dieser Zeit stammt, wurde 1959 zum nationalen Kulturerbe erklärt und ist seit 1984 (UNESCO-Weltkulturerbe). Auf einer Landzunge neben der ummauerten Altstadt liegt die riesige Hotelzone, Bocagrande.
Wirtschaft und Infrastruktur
Die Einwohner sind zu großem Teil afrikanischer Abstammung. Die Mehrheit lebt in Armut oder zumindest in bescheidenen Verhältnissen. Zu den wichtigsten Einkommensquellen zählen Fischerei, Tourismus, Schiff-Fracht, Öl-Industrie. Alljährlich findet hier der nationale Schönheitswettbewerb "Miss Colombia" statt, eine Veranstaltung, die für viele Kolumbianer wichtiger ist als die Wahl des Präsidenten.
Cartagena hat eine Universität, ist Sitz eines Erzbischofs, verfügt über den wichtigsten Erdölhafen Kolumbiens und besitzt einen internationalen Flughafen. Erdölraffinerien, chemische und petrochemische Industrie sind hier angesiedelt.
Söhne und Töchter der Stadt
- Cecilia Baena, kolumbianische Speedskaterin
Weblinks
- [http://www.cifaeci.org.co/cartagena/mapactg.htm Karte von Cartagena]
- [http://www.cartagenainfo.com/ Informationen zur Stadt (spanisch)]
- [http://www.travel-impressions.de/cartagena/cartagena.htm Fotos von Cartagena]
- [http://caribenet.com/cartagena/index.php Informationen zur Stadt (englisch)]
- [http://www.hotelsantaclara.com/ Hotel Santa Clara]
Kategorie:Weltkulturerbe
Kategorie:Ort in Kolumbien
Kategorie:Ort mit Seehafen
Entdeckung Amerikas
Die Entdeckung Amerikas wird in der Regel Christoph Kolumbus zugeschrieben (12. Oktober 1492), jedoch ist dies nicht unumstritten. Schon rund 500 Jahre vorher waren z. B. die Wikinger unter Leif Eriksson in Amerika. Das Festland erreichte als erster Giovanni Caboto, als eigener Kontinent wurde Amerika erst 1507 von Amerigo Vespucci erkannt und im selben Jahr von Martin Waldseemüller nach Vespucci als "America" benannt.
Schließlich kann man auch argumentieren, dass natürlich schon Jahrtausende vor Kolumbus Menschen Amerika erreichten und der Begriff der "Entdeckung Amerikas" nur auf die europäische und eventuell asiatische Sicht zutrifft. So stellte bereits im 18. Jahrhundert der deutsche Physiker und Meister des Aphorismus, Georg Christoph Lichtenberg, fest: "Der Amerikaner, der den Kolumbus zuerst entdeckte, machte eine böse Entdeckung." Doch selbst die Ureinwohner Amerikas, die Indianer, werden als erste Amerikaner in Frage gestellt. Die Indianer kamen vor 12.000 Jahren aus Nordostasien.
Hier sind einige Völker und Personen aufgelistet, bei denen es sich möglicherweise um die "Entdecker Amerikas" handelt.
Sicher belegte Entdeckungsfahrten
Nach heutigen Erkenntnissen war mit hoher Wahrscheinlichkeit Leif Eriksson der erste Europäer, der Amerika entdeckte. Leif brach um das Jahr 1000 von Grönland aus auf, wo sein Vater Erik der Rote 986 die erste Siedlung gegründet hatte. Auf der Suche nach neuem Land im Westen gelangte Leif Eriksson mit seiner Mannschaft nach Amerika. Die Wikinger nannten das von ihnen entdeckte Küstengebiet Vinland, wobei es sich wahrscheinlich um das heutige Neufundland handelte. Bei L'Anse aux Meadows wurden im 20. Jahrhundert archäologische Funde gemacht, die den Wikingern zugeordnet wurden. Die Münze von Maine kam wohl von dort über Handelswege der Ureinwohner zu ihrem Fundort.
Auf einer Expedition von Leifs Bruder Thorvald kam es offenbar zu einer ersten Begegnung von Indianern und Wikingern. Die Wikinger nannten die amerikanischen Ureinwohner Skraelinger ("Hässliche Menschen"). Um 1020 begab sich der Wikinger Thorfinn Karlsefni nach Vinland, um dort eine Siedlung zu gründen. Nahrungsmangel und Kämpfe mit den Indianern zwangen die Wikinger dazu, Vinland nach wenigen Jahren wieder zu verlassen.
Offen ist, ob die Wikinger auch das amerikanische Festland erreichten. Die Grönländer-Saga, die von den Entdeckungsfahrten der Wikinger nach Vinland berichtet, nennt auch die Länder Helluland und Markland, an denen sie auf dem Weg nach Vinland vorbeigekommen seien. Bei diesen Ländern könnte es sich um die Baffininsel und Labrador handeln. Es gibt auch Forscher, die Vinland nicht mit Neufundland gleichsetzen, sondern mit Neuschottland oder Massachusetts.
Dass die Wikinger auch weiter ins Landesinnere vordrangen, ist unwahrscheinlich. Der 1898 in Minnesota gefundene Runenstein von Kensington wird heute als Fälschung angesehen.
Um 1004 gebar die Isländerin Guðríður Þorbjarnardóttir das erste Kind europäischer Abstammung in Amerika.
Laut einer Wikinger-Legende landete auch Gunnbjørn, der Entdecker Grönlands um 975 am amerikanischen Kontinent, wissenschaftliche Beweise für diese These gibt es aber nicht.
Siehe hierzu: Entdeckung Amerikas 1492
Der italienische Forscher und Seefahrer Giovanni Caboto (engl. John Cabot) trat 1484 in englische Dienste. König Heinrich VII. beauftragte ihn 1496 mit der Suche eines Westwegs in das Kaiserreich China. In Begleitung seines Sohns Sebastiano trat er die Reise an und entdeckte dabei am 24. Juni 1497 als erster Europäer der Frühen Neuzeit das nordamerikanische Festland, wobei es sich wahrscheinlich um Labrador handelte. Caboto hatte ein Brief für den Chinesischen König dabei, welcher nie ankam, da er während seiner zweiten Reise nach Amerika 1498 plötzlich verschollen war.
Hypothetische Entdeckungsfahrten
Konkrete Jahres- und Personenangaben
Solutréener (um 14.000 v. Chr.)
Menschen der aus Südfrankreich stammenden Kultur des Solutréen überquerten nach einer Theorie der US-Amerikaner Bruce Bradley und Dennis Stanford den Atlantik. In Cactus Hill (Virginia) fand man Speerspitzen aus der Zeit vor Clovis, die denen des Solutréen sehr ähnlich sind. Als angeblicher Beweis für die Theorie werden Gen-Analysen einiger Indianerstämme angeführt, die eine Vermischung von ursprünglich aus Asien stammenden Menschen mit anderen aus Westeuropa um 13.000 v. Chr. belegen sollen.
Siehe hierzu auch den Artikel über den Kennewick-Mann.
Die erste Überlieferung, die für eine Reise von Chinesen nach Amerika spricht, stammt aus dem Jahr 499. Damals bzw. um 480 soll ein chinesisches Schiff das Land Fusang erreicht haben, das nach einem Baum benannt war, der dort vorkam. Dieser Fusang-Baum wird ähnlich dem mittelamerikanischen Maguey beschrieben.
Der irische Mönch Brendan soll im 6. Jahrhundert von Irland aus über verschiedene Inseln, die als Shetland, Färöer und Island gedeutet werden können, ins "Gelobte Land" gereist sein. Dies ist jedoch hochspekulativ, angeblich reiste Brendan mit 12 Begleitern und keine der von ihm beschriebenen Inseln im Westen wurden je gefunden.
Aufzeichnungen des muslimischen Historikers und Geographen al-Masudi zufolge unternahmen ab 880 muslimische Handelsreisende ausgedehnte Reisen in den Nord- und Südatlantik und besiedelten die Kanaren. Unter Chaschchāsch ibn Saʿīd ibn Aswad aus Córdoba sollen sie dabei 889 nicht nur Amerika entdeckt, sondern sogar alte Karten gehabt und neue angefertigt haben. Die alten Karten basierten angeblich auf Navigationsaufzeichnungen der Phönizier, die möglicherweise bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. bis nach Nord- oder Mittelamerika gelangten. Kolumbus wiederum warb nachweislich mit Chaschchāschs Reiseberichten und al-Masudis Karten am spanischen Hof für seine eigene Expedition. Er startete schließlich vom Hafen Palos, von dem auch Khashkhash losgesegelt war, und in Kolumbus' Mannschaft befanden sich zwei zum Christentum konvertierte Mauren Andalusiens. Die gleichen muslimischen Quellen soll auch der osmanische Admiral Piri Reis gehabt haben und auf deren Basis 1516 die amerikanische Küste in seine eigenen Karten übertragen haben. Entgegen der gängigen Auffassung, daß Piri Reis die Notizen Kolumbus kopiert haben soll, hält der US-Ethnologe Brent Kennedy es für möglich, daß es umgekehrt gewesen sein könnte. In Nordamerika sollen sich am Vorabend der Ankunft Kolumbus' sogar bereits türkische Siedler niedergelassen haben, deren mit Indianern vermischte (muslimische?) Nachkommen aber ethnischen Verfolgungen sowohl seitens der Einheimischen als auch europäischer Siedler und christlicher Missionare zum Opfer gefallen sein sollen, so Kennedy.
Madoc war ein walisischer Prinz, der 1170 nach Westen reiste. Nach seiner Rückkehr berichtete er von einem riesigen Land, in dem er gewesen sei. Mit einer Gruppe von Siedlern brach er dorthin auf. Es gab nie wieder ein Lebenszeichen von ihnen.
In späteren Jahrhunderten gab es immer wieder Gerüchte, dass im Inneren Nordamerikas ein Indianerstamm existiere, dessen Angehörige Walisisch sprächen. Es soll sich dabei um den Stamm der Mandan im heutigen Missouri gehandelt haben.
Die Annalen der Republik Genua verfügen im Mai 1291 über einen Eintrag, nach dem der Doge Tedisio Doria die Genueser Kaufleute Ugolino Vivaldi und dessen Bruder (nach anderen Autoren hießen sie Vadinus und Guido Vivaldi) zusammen mit anderen Bürgern Genuas und zwei Minoritenbrüdern an Bord von zwei gut ausgerüsteten, besegelten Galeeren, der San Antonio und der Allegrança, mit Proviant und Wasser versehen zu einer Fahrt nach Indien aufbrachen, die Meerenge von Gibraltar passierten und mindestens bis zu einer Stelle gelangten, die Gozara (= Kap Juby nördlich des Kap Bojador) genannt wurde. Auf einer der Kanareninseln sollen sie frisches Wasser und Proviant geladen haben. Der Name einer kleinen unbewohnten Insel nördlich von Lanzarote, Alegranza, wird mit den Brüdern Vivaldi in Verbindung gebracht. Ihr weiterer Verbleib ist unbekannt. Der Sohn eines der Vivaldi-Brüder hat eine Suche nach den Verschollenen in Ostafrika begonnen. Der Seefahrer Usodimare will, als er mit Cadamosto in den Golf von Guinea gelangte, Überlebende der Seeexpedition der Vivaldis getroffen haben. Dem Marinehistoriker de la Roncière verdanken wir die Überlieferung, eine der beiden Galeeren sei bei einer Havarie auf eine Sandbank verloren gegangen, während das zweite die Senegalmündung zwar erreichte, aber dort havarierte.
Strenggenommen handelt es sich dabei nicht um eine Entdeckung Amerikas, wohl aber um eine Seeexpedition, die nach Westen führte und durch einwandfreie Quellen sicher nachgewiesen ist. Die Tatsache, daß die Vivaldis vor 1312, dem offiziellen Entdeckungsdatum der Kanarischen Inseln durch den Genueser Adeligen Lanzaroto Malocello dort landeten um Wasser und Vorräte aufzufüllen, zeigt daß die Kanaren und vermutlich auch die Passatwinde nicht mehr unbekannt waren (sonst hätte man keine besegelten Galeeren gebraucht), Voraussetzungen für die Amerikaentdeckung.
Nach einer Theorie des malischen Historikers Gaoussou Diawara überquerte der König von Mali, Abubakari II., vom heutigen Gambia aus mit ca. 2.000 hochseetüchtigen Schiffen, davon die Hälfte allein mit Trinkwasser und Proviant, den Atlantischen Ozean. Zuvor hatte er die Regentschaft an seinen Bruder, Mansa Musa, abgegeben. Er landete an der Küste Brasiliens, nahe dem heutigen Recife. Der heutige Name der Region, Pernambuco, stammt nach Meinung von Diawara vom Namen der reichen Gold-Minen Malis, Boure Bambouk. Bei einer vorangegangenen, ersten Expedition auf seinen Befehl, an der er nicht persönlich teilnahm, hatte Abubakari II. 200 Schiffe über den Atlantik gesandt, von denen alle bis auf eins durch einen heftigen Sturm auf See versunken waren. Der einzige überlebende Zeuge der Katastrophe berichtete seinem Fürst, daß sie auf offener See unerwartet auf eine heftige Strömung, wie von einem Fluß trafen, woraufhin alle Schiffe, die ihre Fahrt fortsetzten, wie von einem Strudel verschwanden.
Zwei Skelette negroider, etwa 30jähriger Männer, deren Zähne künstliche Verstümmelungen aufwies, wie sie bei traditionellen afrikanischen Stammesgesellschaften belegt sind, mit präkolumbischen, keramischen Schmuckstücken an den Handgelenken, wurden auf den karibischen Jungferninseln gefunden. Den Bodenproben zufolge mußten die Männer um etwa 1250 hier begraben worden sein. Weitere Untersuchungen des Fundortes wurden unterlassen, weil das Smithsonian Institution wegen eines Eisennagels die Datierung für irreführend hielt. Die Fundstelle wurde nicht weiter untersucht, Salzwasser drang ein und die Fundstelle wurde in einen Müllabladeplatz verwandelt. Eisen wurde jedoch bereits 650 v. Chr. in Meroe, Nubien, gewonnen und in Westafrika nachweislich im 7. Jahrhundert, lange vor Kolumbus geschmiedet.
Auf Kolumbus zweiter Reise erfuhr er von Indígenas auf Española von schwarzen Menschen mit metallischen Speerspitzen, die sie "gua-nin" nannten. Eine Probe, die er nach Spanien zur Prüfung sandte, wurde als eine Legierung aus Gold, Silber und Kupfer identifiziert. Das Wort "gua-nin" soll aus westafrikanischen Stammessprachen entlehnt sein. Die Existenz von in Amerika nicht heimischem Kürbis und Bananen (z.B. in der inkaischen Nekropole Ancon) im präkolumbischen Amerika weisen auf Handelsbeziehungen über den Atlantik hin. Auch erwähnten viele Konquistadoren Begegnungen mit Schwarzen, wie z. B. 1523 Vasco Núñez de Balboa, der eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen einem Indianerdorf und Schwarzen beschrieb. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts berichtete der Missionar Gregor Garcia von einer Begegnung mit einem Afrikaner auf einer Insel bei Cartagena/Kolumbien.
Am 2. Juni 1398 erreichte angeblich ein gewisser "Prince Zichmni" zusammen mit dem ital. Admiral Antonio Zeno Neufundland. Sie waren auf der Suche nach "Estotiland" (Neufundland?) und "Drogio" (Novia Scotia?). Prince Zichmni war der Fürst von "Frislanda", der bereits vorher zusammen mit Zeno die Shetland-Inseln eroberte.
Die Geschichte stammte vom Venezianer Nicolo Zeno, ein Nachfahre des Antonio Zeno. Er entdeckte Briefe seines Ur-ur-Großvaters und veröffentlichte sie 1558. Anfangs hielt man die Briefe für eine Fälschung, jedoch kamen mit der Zeit immer mehr Indizien, die für die Echtheit der Briefe sprechen. Johann Reinhold Forster, Sohn von Georg Forster, sah in "Prince Zichmni" Prince Henry Sinclair, Earl of Orkney (ital. principe d'Orkney). "Frislanda" wäre demnach die ital. Schreibweise von Fer Island (zwischen Orkneys und den Shetlands).
Im Jahr 1421 soll sich eine große chinesische Flotte unter den Admiralen Zhou Man, Zhou Wen und Hong Bao aus dem Gefolge Zheng Hes auf den Weg gemacht haben, die Welt zu erkunden. Sie sollen das Kap der Guten Hoffnung umrundet und auf verschiedenen Routen fast alle Küstengebiete Amerikas und Australiens erkundet haben. Zwar gibt es für diese Reise keine unmittelbaren Belege, doch kann durch arabische, indianische, australische und europäische Überlieferungen sowie durch Überreste von Schiffswracks und chinesischem Porzellan die mögliche Reiseroute nachvollzogen werden. Diese wird in dem Buch 1421 - Als China die Welt entdeckte von Gavin Menzies detailliert beschrieben.
Im 15. Jahrhundert soll es portugiesische Entdeckungsfahrten nach Mittel- und Südamerika gegeben haben. 1431 und 1448 sollen sie die Großen Antillen erreicht haben und dort eine Kolonie gegründet haben, die bei Kolumbus' Ankunft noch bestanden haben soll.
Auch auf dem südamerikanischen Festland sollen Portugiesen gelandet sein. Sie hielten das Land für unbedeutend und so kam es, dass die Entdeckung unbekannt blieb. Für diese Reise spricht, dass durch den Vertrag von Tordesillas im Jahr 1494 alle Länder westlich einer bestimmten Linie an Spanien fielen. Diese Regelung betraf alle bis dahin entdeckten Gebiete in Amerika. Erst das nach offizieller Darstellung im Jahr 1500 und damit sechs Jahre nach dem Vertrag von Tordesillas entdeckte Brasilien gehörte nach den Vertragsbedingungen den Portugiesen.
1473 führte eine dänische Expedition unter den Hildesheimern Didrik Pining und Hans Pothorst, dem Dänen Scolvus und dem Portugiesen Corte-Real in den Nordatlantik. Die Expedition erreichte Grönland. Einige Forscher sehen es als erwiesen an, dass sie auch Labrador und Neufundland erreichten. Der norwegische Forscher Thor Heyerdahl präsentierte zusammen mit anderen Forschern sogar eine alte Karte, die beidseits der Davisstraße Namen portugiesisch-dänischer Siedlungen aufwies. Einige Forscher gehen sogar soweit zu behaupten, Kolumbus solle sich auf die Daten dieser Entdeckungsreise gestützt hat. Manche gehen so gar so weit, Johannes Scolvus mit Kolumbus gleichzusetzen.
Aufgrund verschiedener Chroniken des 15. Jahrhunderts gilt als wahrscheinlich, dass der französische Kapitän und Kriegsheld Jean Cousin 1488 mit einem Handelsschiff der Reederei Ango von Dieppe nach Westafrika aufbrach und abgetrieben von der Äquatorströmung in Höhe der Azoren nach zweimonatiger Fahrt jenseits des Atlantiks auf ein unbekanntes Land und einen gewaltigen Strom stieß, den er "Maragnon" nannte (es dürfte sich dabei um den Amazonas handeln, der noch heute in einem Abschnitt Río Marañon genannt wird) und nach kurzem Aufenthalt über Westafrika 1489 nach Dieppe wohlbehalten zurückkehrte.
Mögliche Entdeckungen ohne Jahres- und Personenangabe
Auf dem südamerikanischen Kontinent entdeckte man Schädel und Knochenreste von Menschen. Es stellte sich heraus, dass diese Schädel keine Mongoliden (wie die typischen Indígenas), sondern Negriden waren. Sie könnten vor dem Eintreffen der Indígenas das Festland erreicht haben, da sie sehr früh Schifffahrt betrieben. Sie wurden wahrscheinlich von den aus dem Norden kommenden Indígenas nach Süden vertrieben.
In einer Höhle in Südbrasilien entdeckten französische Forscher rituelle Jagdszenen, die denen der Aborigines Australiens nicht unähnlich waren. Mittlerweile scheinen sie sich sicher, daß diese Jagdszenen die Jagd einer Menschengruppe auf eine andere darstellen. Untersuchungen an einwandfrei datierbaren menschlichen Schädeln auf dem südamerikanischen Kontinent weisen in Größe und Form starke Übereinstimmungen mit denen der australischen Aborigines auf. Der jüngste, nachweisliche Fund dieses Menschentyps läßt sich auf etwa 7.000 Jahre datieren. Dann verschwindet dieser Menschentyp, der offenkundig längere Zeit mehr oder weniger friedlich mit dem eher asiatisch-mongolischen Menschentyp zusammen gelebt hat, ziemlich plötzlich spurlos. Nur in Feuerland lassen sich gewisse biologische und kulturelle Anhaltspunkte für die Herkunft der Onas, einer Anfang des 20. Jahrhunderts ausgestorbenen indigenen Gruppe, von einem amerikanischen Aborigine finden.
Der norwegische Anthropologe Thor Heyerdahl bewies 1970, dass eine Überquerung des Atlantiks mit einem Schilfboot nach altägyptischer Bauweise möglich ist. Bislang gab es jedoch keinen Hinweis, dass solche Fahrten in der Antike tatsächlich stattfanden. Bei Haaranalysen ägyptischer Mumien fand man allerdings Spuren von Kokain und Nikotin, was erneut Spekulationen über Transatlantikfahrten in vorchristlicher Zeit auslöste. Bislang ging man nämlich davon aus, dass die ausschließlich in Südamerika heimische Coca-Pflanze erst 1569 durch den spanischen Arzt Nicolás Monardes nach Europa kam. Es gibt für diese Kokain- und Nikotinspuren allerdings auch die Theorie, dass sie von afrikanischen Pflanzen stammen könnten, die bis heute noch nicht umfangreich chemisch analysiert wurden.
Die fähigen Seefahrer der Phönizier durchfuhren das gesamte Mittelmeer und darüber hinaus. Nachgewiesen sind Entdeckungsfahrten zu den britischen Inseln (durch Himilkon) und zum Golf von Guinea (durch Hanno) im frühen 5. Jahrhundert v. Chr., als ebenfalls wahrscheinlich gelten Fahrten zu den Kanaren und Azoren, sowie die Umrundung Afrikas im Auftrag des ägyptischen Pharaos Necho.
Möglichweise entdeckten sie auf einer ihrer Fahrten auch Teile Amerikas, Beweise für diese Theorie gibt es bislang aber nicht. Die in Brasilien gefundenen phönizischen Münzen erwiesen sich als Fälschung. Ebenfalls umstritten ist die Echtheit der Inschrift von Parahaiba.
Aristoteles, Diodorus, ...
Viele antike griechische und römische Schriftsteller und Gelehrte schrieben über eine riesige Insel westlich des atlantischen Ozeans. Im 4. Jahrhundert v. Chr. beschrieb der griech. Schriftsteller Theopompos eine Insel "von unermeßlicher Größe, jenseits von Afrika und den ozeanischen Inseln". Die Städte sollen reich an Gold gewesen sein. Auch Aristoteles (3. Jh. v. Chr.) schrieb: "... jenseits der Säulen des Herakles entdeckten die Karthager (= Phönizier) eine unbewohnte Insel, die reich an Wäldern, an schiffbaren Flüssen und an Früchten sei. Sie liegt mehrere Tagesreisen vom lybischen Festland entfernt...". Im 1. Jahrhundert v. Chr. berichtete Diodorus von Sizilien über eine Insel mit "beträchtlicher Ausdehnung": "... Das Land ist durchzogen von schiffbaren Flüssen... Früher blieb diese Insel aufgrund ihrer großen Entfernung von der bekannten Welt unentdeckt, wurde aber zu einer späteren Zeit entdeckt...".
Viele Historiker sehen in diesen Berichten die Beschreibung von atlantischen Inseln, wie Madeira, den Kanaren oder Azoren, wobei keiner dieser Inseln einen schiffbaren Fluss aufweist.
Römische Seefahrer fuhren im ersten und zweiten Jahrhundert nach Christus nachweislich bis Ceylon. Wahrscheinlich erreichten sie sogar das Kaiserreich China, was chinesische Berichte vermuten lassen. Hinweise oder schriftliche Quellen für Reisen von Römern über den Atlantik gibt es jedoch nicht. Meldungen römischer Münzfunde an der US-amerikanischen Ostküste und aus anderen amerikanischen Staaten gab es wiederholt, konnten jedoch nie bestätigt werden.
An der Küste von Ecuador, nahe Valdivia fand man 1960 Töpferware aus dem 4. und 3. Jahrtausend v. Chr. im Stil der japanischen Jomon-Kultur. Es ist unklar wie sie dorthin gelangte, man vermutet das japanische Fischfänger in einen Sturm gerieten und bis nach Südamerika getrieben wurden.
Diese Hypothese wird von Fachleuten als möglich, aber unwahrscheinlich gehandelt. Eine ähnliche Hypothese gibt es mit den Chinesen. Vor der kalifornischen Küste werden immer wieder chinesische Ankersteine gefunden, allerdings kann man nicht feststellen aus welcher Zeit diese stammen.
Sonstiges
Landkarten
Die Vinland-Karte ist eine der umstrittendsten Landkarten der Erde. Sie zeigt im Nordatlantik die Inseln Island, Grönland und Vinland, letztere mit der Anmerkung "von den Gefährten Bjarni und Leif entdeckt". Grönland ist bereits als Insel in einer ähnlichen wie der heute bekannten Form dargestellt.
Die Herkunft der Karte lässt sich nur bis ins Jahr 1957 zurückverfolgen, doch konnte das Pergament mit der Radiokarbonmethode auf 1434 datiert werden. Die Zeichnungen allerdings wurden mit einer Tinte angefertigt, die Titandioxid enthielt - was erst 1923 entwickelt wurde. Somit wurde die Karte als Fälschung eingestuft.
Neuere Forschungen allerdings erwiesen, dass eine solche Tinte vereinzelt schon im 14. Jahrhundert genutzt wurde. Dadurch flammte der Streit um die Karte wieder auf.
1513
1929 wurde in Istanbul eine alte Landkarte des Atlantiks des osmanischen Flottenadmirals Piri Reis entdeckt. Die Karte stammt vermutlich aus dem Jahr 1513. Er selbst gab an, dass er für die Landkarte ca. zwanzig verschiedene (ältere) Karten verwendet habe. Auf der Karte sind Länder eingezeichnet, die zu seiner Zeit noch nicht entdeckt waren. Während Nordamerika nicht eingezeichnet war, ist Südamerika sehr genau abgebildet. Mittelamerika und die Karibik wurden übergroß dargestellt. Piri Reis hat bei der Abzeichnung einige Fehler gemacht, so wurde z. B. der Amazonas doppelt und Kuba senkrecht gezeichnet. Nebenbei sind auch Tiere abgebildet, wie z. B. Affen in Südamerika und Papageien auf den karibischen Inseln. Es wurde nicht angegeben woher Piri Reis die Karten hat und aus welchem Jahr sie stammen.
Bauwerke
Die Pyramiden von Güímar sind eine Ansammlung von sechs kleinen Stufenpyramiden unbekannten Alters auf der Insel Teneriffa. Sie wurden erst Anfang der 1990er von Thor Heyerdahl untersucht. Bekannt ist, dass es solche Pyramiden einst an vielen Orten der Kanarischen Inseln gab, jedoch sind sie nur in Güímar erhalten geblieben.
Den Pyramidenbau, der in Mittelamerika ebenso wie im Vorderen Orient unabhängig voneinander entwickelt wurde, sah Heyerdahl als Indiz seiner Theorien an, nach denen die Menschheit schon im Altertum transozenanische Kontakte gepflegt habe. Die Tatsache, dass ausgerechnet auf Teneriffa Stufenpyramiden entdeckt wurden, sah Heyerdahl als "missing link" für seine Theorien an, da die Kanaren am günstigsten Schifffahrtsweg zwischen dem Mittelmeer und Zentralamerika liegen.
Literatur
- Samhaber, Ernst: Geschichte der Entdeckungsreisen - Die großen Fahrten ins Unbekannte. München-Zürich 1970 ISBN ?
- Peschel, Oskar: Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen. Leipzig 1930 ISBN ?
- Konetzke, Richard: Entdecker und Eroberer Amerikas. Frankfurt am M. 1963 ISBN ?
- Venzke, Andreas: Christoph Kolumbus. Reinbek 1992 ISBN ?
- Enterline, James Robert: Erikson, Eskimos & Columbus - Medieval European Knowledge of America. Baltimore & London 2002 ISBN 0-80186-660-X
- Burckhardt, Jacob: Weltgeschichtliche Betrachtungen. Stuttgart 1978 ISBN 3-52005-512-0
- Dreyer-Eimbcke, Oswald: Kolumbus - Entdeckungen und Irrtümer in der deutschen Kartographie, Frankfurt am Main 1991 ISBN 3-524-69097-1
- Pleticha, Heinrich; Schreiber, Hermann: Die Entdeckung der Welt, Wien 1993 ISBN 3-8000-3490-5
- Johnson, Donald S.: Fata Morgana der Meere - Die verschwundenen Inseln des Atlantiks, München 1999 ISBN 3-8284-5019-9
- Gründer, Horst : Eine Geschichte der europäischen Expansion - Von Entdeckern und Eroberern zum Kolonialismus, Leipzig 1998 ISBN 3-8062-1757-2
Weblinks
- [http://www.sunnah.org/history/precolmb.htm Zur angeblichen Reise Khashkhash b. Saeed b. Aswad] (engl.) Übersetzung [http://www.muslime-weltweit.de/Muslime-weltweit/Artikel/Amerika/Muslime%20vor%20Kolumbus%20in%20Amerika.htm hier]
Siehe auch: Entdeckung Amerikas 1492, Geschichte Amerikas, Entdeckung der Antarktis, Entdeckung Australiens
Kategorie:Amerikanische Geschichte
Kategorie:Europäische Geschichte
Christoph Kolumbus
Christoph Kolumbus (span. Cristóbal Colón, ital. Cristoforo Colombo, port. Cristovão Colombo, eingedeutscht (bzw. latinisiert) Kolumbus; - wahrscheinlich zwischen dem 25. August und dem 31. Oktober 1451 in Genua; † 20. Mai 1506 in Valladolid) war ein italienischer Seefahrer in spanischen Diensten, der den Europäern - ungewollt - den Weg in das bis dahin unbekannte Amerika eröffnete.
Im Bestreben, auf dem westlichen Seeweg von Europa nach Ostasien zu gelangen, erreichte er am 12. Oktober 1492 die dem amerikanischen Kontinent vorgelagerten karibischen Inseln. Er selbst glaubte bis zu seinem Lebensende eine Route auf dem Seeweg nach "Hinterindien" entdeckt zu haben.
Seine frühere Bezeichnung als europäischer Entdecker Amerikas wird heute kaum noch verwendet, seit erwiesen ist, dass er nicht der erste Europäer war, der nach Amerika gelangte. Doch seine Fahrten im Auftrag der spanischen Krone hatten eine dramatische Veränderung des europäischen Weltbildes zur Folge und führten zur Kolonisation der Neuen Welt durch die europäischen Mächte.
Die Bewertung seiner Taten und Leistungen ist Gegenstand kontroverser Debatten. Seinem Entdeckerdrang und seinem Mut, in völlig unbekannte Gewässer vorzustoßen, die ihn zum Urbild des Entdeckers werden ließen, steht seine Mitverantwortung für den Völkermord an den Ureinwohnern Amerikas im Zuge der Konquista gegenüber.
Werdegang bis 1480
Nach langen und kontroversen Debatten um Ort und Zeit seiner Geburt neigt die Forschung heute mehrheitlich zu der Ansicht, dass Kolumbus im Jahr 1451 in Genua zur Welt kam. In einem Rechtsstreit von 1479 gibt Kolumbus an, 27 Jahre alt zu sein und 100 Gulden zu besitzen. Ebenso umstritten ist bis heute die Frage seiner Herkunft (siehe den Abschnitt Die Diskussion um seine Herkunft) und seines Lebens vor den großen Entdeckungsfahrten.
Folgende Version gilt heute unter Experten als die plausibelste: Der Vater des Kolumbus war der Genueser Wollweber Domenico Colombo († 1498), seine Mutter Suzanna Fontanarossa, die Tochter eines Wollhändlers. Kolumbus hatte drei jüngere Brüder, Bartolomeo, Giovanni Pellegrino und Giacomo (span. Diego), und eine Schwester, Bianchinetta. Zunächst übte er das Handwerk seines Vaters aus. Nach seinen eigenen Aussagen fuhr er aber auch schon mit 14 Jahren zur See. Ein Studium an der Universität von Padua, von dem mitunter die Rede ist, ist deshalb unwahrscheinlich. Vielmehr brachte er sich die Grundlagen der Kartografie im Selbststudium, zusammen mit seinem Bruder Bartolomeo, bei und erhielt ansonsten kaum eine formale Bildung. 1474 reiste Kolumbus mit einem Schiff nach Chios, wo er ein Jahr blieb.
1476 erreichte er mit einer Handelsexpedition den Atlantischen Ozean. Die Schiffe wurden am 13. August vor dem Kap St. Vincent/Portugal von Freibeutern attackiert, Kolumbus konnte sich aber schwimmend zur portugiesischen Küste retten. Ab 1477 lebte er in Lissabon. Portugal war damals ein Zentrum der europäischen Seefahrt. Der Bruder des Kolumbus, Bartolomeo, wohnte schon in Lissabon als Kartograf; die Brüder arbeiteten eine Zeit lang zusammen als Zeichner. Bald darauf, wahrscheinlich noch im gleichen Jahr, nahm Kolumbus an einer Fahrt in den Nordatlantik teil, die ihn angeblich bis in das sagenhafte Thule führte. In Diensten der portugiesischen Flotte nahm er an weiteren Fahrten teil; 1482-1483 begleitete er eine Expedition entlang der westafrikanischen Küste, die bis zum portugiesischen Handelsposten São Jorge da Mina in Guinea reiste.
1479 heiratete er Felipa Perestrello e Moniz. Ihr gemeinsamer Sohn Diego wurde 1480 geboren. Felipa stammte aus einer adligen Familie mit italienischen Vorfahren, ihr Vater Bartholomeus war an der Besiedlung Madeiras beteiligt gewesen und Gouverneur von Porto Santo. Kolumbus lebte daraufhin einige Zeit auf Porto Santo, wo er sich seinen Lebensunterhalt wiederum als Kartenmacher verdiente und zugleich die Seekarten, Logbücher und Papiere aus dem Nachlass seines verstorbenen Schwiegervaters studierte. Ungefähr zu dieser Zeit muss er begonnen haben, sich intensiv mit einer Seeroute nach Süd- und Ostasien zu beschäftigen.
Die Idee
Ostasien
Indien und das Kaiserreich China waren für Europa wichtige Bezugsquellen von wertvollen Gütern wie Seide und Gewürzen. Seit dem Eindringen der Osmanen in die Levante Mitte des 14. Jahrhunderts und der weitgehenden Entmachtung des Byzantinischen Reiches standen die Landwege nach Indien (dieser Begriff wurde damals für ganz Süd- und Ostasien verwandt) den Europäern nicht länger offen. Hohe Zölle führten zu stark steigenden Preisen für die Luxusgüter. Schon 1418 hatten die Portugiesen auf Veranlassung von Heinrich dem Seefahrer damit begonnen, eine Seeroute nach Indien südostwärts um Afrika herum zu suchen und dabei große Teile der afrikanischen Küste erkundet. (siehe Gewürzroute)
Kolumbus entdeckte für sich jedoch um 1480 die Idee einer Westroute nach Indien wieder, die auf Aristoteles zurückging, der behauptet hatte, man könne den Ozean zwischen den Säulen des Herakles (Gibraltar) und Asien innerhalb weniger Tage überqueren. Diese Theorie wurde auch von anderen Gelehrten unterstützt, unter anderem von Pierre d'Ailly (1350-1420). Kolumbus besaß ein Exemplar der Imago Mundi von d'Ailly, das er mit zahlreichen Anmerkungen versehen hatte. 1474 hatte er in zwei Briefen mit Paolo dal Pozzo Toscanelli über seinen Plan korrespondiert und von diesem Zustimmung erhalten. Des Weiteren las er die Bücher von Marco Polo und hatte auf seinen Reisen in den Norden möglicherweise von den Fahrten der Wikinger nach Nordamerika gehört. Anzunehmen ist, dass Kolumbus auch die seit dem Mittelalter populäre „Navigatio Sancti Brendani“ über eine Westfahrt des irischen Mönches Brendan bekannt war.
Indizien für das Vorhandensein einer Landmasse im Westen Europas gab es einige. Nach einem Sturm abgetrieben, fand ein portugiesischer Kapitän weit im Westen ein fremdartiges Stück Holz, das augenscheinlich bearbeitet worden war. Weitere Hölzer und fremde Pflanzen wurden an die Küsten Madeiras und Porto Santos gespült. Schließlich gab es Gerüchte, dass auf Flores (Azoren) zwei Leichen fremdartigen Aussehens aus dem Westen angespült worden waren. Kolumbus erfuhr von diesen Indizien während seines Aufenthalts auf Porto Santo, als er sich mit Seeleuten unterhielt und die Papiere seines Schwiegervaters las, unter denen sich auch so genannte roteiros (geheime Logbücher portugiesischer Seefahrer) befanden, die ihm Aufschluss über Strömungen und Winde des Atlantiks gaben und so bei der Ausarbeitung seines Plans hilfreich waren. Kolumbus erkannte, dass man sich die Passatwinde für eine schnelle Fahrt nach Westen zu Nutze machen konnte, indem man zunächst südlich steuerte.
Die Kugelgestalt der Erde, Voraussetzung für den Plan des Kolumbus, war seit der Antike und auch im Mittelalter den Gelehrten bekannt gewesen und Ende des 15. Jahrhunderts allgemein akzeptiert, entgegen vieler Klischees auch von der katholischen Kirche, die sich nurmehr gegen das Heliozentrische Weltbild wehrte. Vorstellungen einer scheibenförmigen Erde fanden sich allerhöchstens im einfachen Volk, hatten aber keinen Einfluss auf die Akzeptanz der Idee einer Westroute nach Indien. Unterschiedliche Theorien existierten aber bezüglich der Distanz, die auf solch einer Route zurückzulegen wäre. Diese Unterschiede beruhten auf verschiedenen Auffassungen über die Ost-West-Ausdehnung der eurasischen Landmasse. Seit Ptolemäus nahm man allgemein an, dass Eurasien 180° der Erdbreite einnahm, die restlichen 180° also noch unbekannt waren. D'Ailly dagegen kalkulierte mit 225° Ausdehnung der Landmasse und Kolumbus übernahm diese Auffassung. Tatsächlich beträgt die Breite etwa 130°. Da er zudem für die Entfernung zwischen den Breitengraden eine zu kleine Zahl annahm, erhielt er einen Abstand von unter 4.500 km zwischen den Kanaren und Zipangu (Japan). Der tatsächliche Abstand beträgt fast 20.000 km, doch aufgrund seiner falschen Zahlen hielt Kolumbus die von ihm später entdeckten Inseln in der Karibik für dem indischen Festland vorgelagerte Inseln, da sie ungefähr dort lagen, wo nach seiner Kalkulation Indien lag.
Das Werben um Unterstützung
Japan
Damit er seinen Plan durchführen konnte, benötigte Kolumbus die Unterstützung eines Staates oder Staatsoberhauptes. Um 1484 stellte er seine detailliert ausgearbeiteten Pläne für eine Expeditionsfahrt dem portugiesischen König Johann II. vor. Experten des Königs lehnten die Pläne aber ab, weil sie korrekterweise die Distanz für weitaus länger hielten und den Plan damit für nicht durchführbar. Nach dem Tod seiner Frau Felipa verließ Kolumbus mit seinem Sohn Diego 1485 Lissabon in Richtung Spanien, wohl auch, um so seinen Gläubigern zu entkommen. Er hoffte, das Königspaar Ferdinand II. von Aragón und Isabella I. von Kastilien für seine Pläne gewinnen zu können. Diese hatten durch ihre Heirat ihre beiden Königreiche verbunden und befanden sich im Kampf gegen die Mauren.
1486 kam Kolumbus auf Aufforderung von Königin Isabella erstmalig zum Hof nach Córdoba, wo er freundlich empfangen und vom Verwalter der Krongüter und Schatzmeister der santa hermandad Alonso de Quintanilla anvertraut wurde. Alonso wurde schnell zu einem enthusiastischen Befürworter der Pläne von Kolumbus, der noch weitere Freunde fand. Bald traf er Beatriz Enriquez, die die Mutter seines zweiten Sohnes Fernando wurde. Beatriz blieb seine lebenslange Partnerin und wurde von Kolumbus auch in seinem Testament bedacht, die beiden heirateten jedoch nicht.
Ein zur Prüfung seiner Pläne eingesetztes Komitee lehnte die Idee zwar als unpraktikabel ab, doch Kolumbus folgte dem Hof weiter von Ort zu Ort und wurde ab und zu mit königlichem Geld unterstützt, damit er mit seinem Plan nicht zu einem anderen Staatsoberhaupt Europas zog. Der einflussreiche Kardinal Pedro González de Mendoza, dessen Bekanntschaft Kolumbus gemacht hatte, verschaffte ihm eine erste Audienz bei Königin Isabella, die aber noch keinen Erfolg brachte. Das spanische Königspaar war mit dem Krieg gegen die Mauren beschäftigt und konnte zu diesem Zeitpunkt wenig mit seinen hochfliegenden Plänen anfangen.
Nach einer langen Zeit unergiebigen Wartens im Gefolge des spanischen Hofes erhielt Kolumbus am 20. März 1488 eine Einladung des portugiesischen Königs Johann II., um die Kolumbus wahrscheinlich selbst gebeten hatte. Spätestens im Herbst desselben Jahres befand er sich in Lissabon bei seinem Bruder Bartolomeo, eine Einigung mit Portugal konnte aber offensichtlich nicht erzielt werden. Bevor Kolumbus nach Spanien zurückkehrte, erlebte er noch die Rückkehr von Bartolomëu Diaz, der von seiner Umsegelung der Südspitze Afrikas zurückkehrte (ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer Seeroute nach Indien). Sein Bruder verließ zur gleichen Zeit Lissabon, um in England und Frankreich Unterstützung zu suchen.
1491 wurden die Ideen des Kolumbus von einer spanischen Kommission wiederum abgewiesen. Vom Königspaar erhielt er die Zusage, dass man sich nach dem Krieg gegen Granada, dem letzten maurischen Fürstentum auf der iberischen Halbinsel, erneut seinen Plänen widmen würde. Kolumbus entschloss sich verzweifelt, nach Frankreich zu gehen. Auf dem Weg nach Huelva, wo er sich einschiffen wollte, machte er Station im Kloster La Rábida. Dort hielten ihn der Mönch Juan Perez, Beichtvater von Isabella, und der Arzt Garcia Hernandez zurück. Perez schrieb der Königin einen eindringlichen Brief und erreichte so, dass Kolumbus an den Hof zurückgerufen wurde. Kolumbus kam gerade rechtzeitig in Granada an, um die Kapitulation des Maurenfürsten Muhammad XII. (auch Boabdil) am 2. Januar 1492 mitzuerleben. Da der Krieg gegen die Mauren nun vorüber war, wurden die Verhandlungen fortgesetzt, scheiterten aber an den außergewöhnlich hohen Forderungen von Kolumbus: Er beanspruchte für sich den erblichen Titel eines Admirals des Ozeans und des Vizekönigs über die von ihm entdeckten Gebiete. Zudem verlangte er, zu einem Zehntel an den zu erwartenden Einnahmen von wertvollen Metallen beteiligt zu werden. Nachdem seine Bedingungen abgelehnt worden waren, machte er sich erneut auf den Weg nach Frankreich, das ihm seiner Behauptung zufolge ein besseres Angebot gemacht hatte. Auf Drängen verschiedener Personen am Hof, unter anderem des Schatzmeisters Luis de Santángel, entschied sich die Königin, die Forderungen nun doch zu akzeptieren. Ein ausgesandter Eilbote holte Kolumbus knapp 10 Kilometer von Granada entfernt ein.
Am 17. April 1492 wurde schließlich die sogenannte „Kapitulation von Santa Fé“, ein Vertrag zwischen den Monarchen und Kolumbus über eine Expedition, unterzeichnet. Der Vertrag sicherte Kolumbus die geforderten Titel sowie den Anteil am Edelmetall zu und bestimmte, dass Kolumbus für Spanien einen westlichen Seeweg nach Asien suchen sollte.
Die Entdeckungsreisen
Kolumbus unternahm in den folgenden Jahren vier Entdeckungsreisen im Auftrag der spanischen Krone. Seine Erlebnisse hielt er in einem Bordbuch fest, von dem heute nur noch die auszugsweise Abschrift von Bartolomé de las Casas existiert.
Erste Reise (3. August 1492 bis 15. März 1493)
Kolumbus stach am 3. August 1492 mit seinem Flaggschiff, der Karacke Santa Maria, sowie den beiden Karavellen Niña und Pinta von Palos de la Frontera bei Huelva aus in See. Die beiden Karavellen wurden von den Brüdern Martín Alonso und Vicente Yáñez Pinzón aus Palos bereitgestellt und kommandiert.
Ein Bruch des Schiffsmastes auf der Pinta erzwang nach drei Tagen einen Aufenthalt von einem Monat auf den Kanarischen Inseln. Nach der Reparatur segelten die Schiffe am 6. September weiter. Mehrmals bestand auf der Reise die Gefahr einer Rebellion der Matrosen aus Unzufriedenheit oder Angst, doch Kolumbus gelang es durch Erklärungen sie zu beruhigen, ebenso mehrten sich bald die Anzeichen eines nahen Festlandes: Vögel und im Wasser treibende Landpflanzen wurden gesichtet.
Matrose
Am 12. Oktober 1492 erreichten die Schiffe schließlich die Neue Welt. Kolumbus ging auf einer Insel der Bahamas an Land, die von den Einheimischen Guanahani genannt wurde. Er gab ihr den Namen San Salvador (span. für Heiliger Retter). Unter Wissenschaftlern umstritten ist die Frage, ob die heutige Insel San Salvador, die diesen Namen 1926 erhielt, identisch mit der von Kolumbus entdeckten ist. In den 1980er Jahren führten Neuberechnungen der Route anhand der Logbücher des Kolumbus zu der These, die Insel Samana Cay sei die Insel, auf der Kolumbus zuerst landete.
Auf der Weiterfahrt entdeckte er auch Kuba und Hispaniola, die zweitgrößte Insel der Antillen (heute Haiti und Dominikanische Republik), vor der die Santa Maria am 25. Dezember strandete und auf der er von König Guacanagari empfangen wurde. Aus den Überresten des Schiffes errichtete Kolumbus die erste spanische Festung in der neuen Welt, die er La Navidad (spanisch für Weihnachten) nannte. La Isla Española, von den Briten in Hispaniola verballhornt, wurde die erste Kolonie des spanischen Königreichs in der Neuen Welt, Kolumbus deren Gouverneur und Vizekönig.
Seine ersten Begegnungen mit dem indigenen Volk der Arawak verliefen friedlich. In seinem Logbuch beschrieb er sie als „unschuldig“ und freigebig, betrachtete sie aber gleichzeitig immer als zukünftige Untertanen oder gar als Sklaven.
Am 16. Januar 1493 machte Kolumbus sich mit seinen beiden verbliebenen Schiffen auf den Weg zurück nach Europa, einen Teil seiner Mannschaft ließ er wegen des Schiffbruchs als Bewohner der Kolonie La Navidad zurück. Er erreichte Palos am 15. März und wurde daraufhin auf einem Triumphzug durch Spanien gefeiert. Ihm wurden seine Privilegien bestätigt, und Papst Alexander VI. bestätigte das Anrecht Spaniens auf die entdeckten und noch zu entdeckenden Gebiete westlich des Längengrades von 100 spanischen Meilen westlich der Kapverden. (Ein Jahr später wurde diese Aufteilung im Vertrag von Tordesillas modifiziert und von Portugal | | |