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IsonzoschlachtUnter den Isonzoschlachten versteht man 12 blutige Auseinandersetzungen zwischen 1915 und 1917 an der Südostfront des Ersten Weltkriegs zwischen Italien und Österreich. Benannt wurden sie nach dem Isonzotal, um das sich die Fronten zogen. Das Gebiet liegt großteils im heutigen Slowenien.
Vorgeschichte
Italien war vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges im sogenannten Dreibund mit Österreich-Ungarn und Deutschland verbündet. Trotzem weigerte sich Italien auf der Seite der Mittelmächte in den Krieg einzutreten. Als Grund führte Italien an, dass der Dreibund als Defensivpakt konstruiert wäre. D.h. es bestehe nur eine Bündnispflicht, wenn einer der Bündnispartner angegriffen würde, laut italienischen Ansichten hatten jedoch Deutschland und Österreich den Krieg begonnen und somit bestehe keine Bündnispflicht.
Der eigentliche Grund war, dass die Entente von Beginn an Versprechungen an Italien machte. In Friaul und Südtirol, sowie im Trentino und in Triest lebten unterschiedlich starke italienische Minderheiten und die Entente tat sich natürlich leicht diese österreichischen Gebiete Italien im Falle eines Kriegseintrittes auf ihrer Seite zu versprechen. Österreich wies zwar darauf hin, dass mehr Italiener als Minderheit in Frankreich und in der Schweiz lebten, fand damit aber kein Gehör. Ein weiterer Grund dafür war wohl auch, dass Italien Österreich als den vermeintlich schwächeren Gegner betrachtete. So gab es Pläne im italienischen Generalstab binnen 4 Wochen bis nach Wien vorzurücken. Auch die italienische Wirtschaft hatte kein Interesse daran mit der Entente zu kämpfen. Die italienische Wirtschaft war sehr abhängig von Rohstoffimporten auf dem Seeweg, diese wären im Falle eines Kriegseintrittes auf der Seite der Mittelmächte einer Blockade zum Opfer gefallen.
Die italienische Bevölkerung war allerdings keineswegs von einem Krieg begeistert und musste erst mittels Propaganda dazu gebracht werden. Hier tat sich vor allem der italienische Dichter Gabriele d'Annunzio hervor, der es geschickt verstand die Stimmung gegen Österreich aufzuwiegeln. Auch General Luigi Cadorna verstand es mit optimistischen Versprechungen und Prognosen das italienische Parlament auf seine Seite zu ziehen.
Am 23. Mai 1915 trat Italien schließlich auf Seiten der Entente in den Ersten Weltkrieg ein. Italien verfügte bei Kriegsbeginn über ein Heer von 900.000 Mann, das sich in 4 Armeen sowie die Karnische Gruppe gliederte. Oberbefehlshaber war General Luigi Cadorna. Der festgelegte Operationsplan sah vor, mit der 2. und 3. Armee über den Fluss Isonzo in Richtung Ljubljana vorzustoßen, um ein strategisches Zusammenwirken mit dem russischen und serbischen Heer zu ermöglichen. Die Karnische Gruppe sollte Richtung Villach in Kärnten vorstoßen, die 4. Armee Toblach angreifen. Die gegen Südtirol eingesetzte 1. Armee sollte sich defensiv verhalten. Bereits in den ersten Wochen zeigte sich, dass die geplanten Operationen völlig unrealistisch waren.
General Cadorna war zwar ein gewandter Redner, sein militärisches Geschick stand jedoch in keiner Relation dazu. Die österreichische Grenze war zwar in Erwartung eines italienischen Kriegseintrittes gut befestigt worden, war allerdings nur mit schwachen Landsturm-einheiten besetzt. Für manche Frontabschnitte waren zu Beginn überhaupt keine österreichischen Truppen verfügbar. Hier marschierten Freiwillige nachts von Gipfel zu Gipfel und täuschten durch viele Fackeln ein größeres Aufgebot an Truppen vor. General Cadorna war ein Mann, der jedes Risiko scheute und so zögerte er auch nach Kriegseintritt mit einer raschen Offensive. Die Österreicher brachten ihrerseits schließlich in Eilmärschen Verstärkung von der serbischen und russischen Front an die italienische Grenze und schafften es so bereits nach 2 Wochen eine geschlossene Verteidigung zu organisieren. Das gebirgige Gelände tat ein Übriges um einen schnellen Vormarsch der Italiener zu bremsen und begünstigte die Verteidiger zusätzlich.
Der Kriegsschauplatz
Die Front befand sich zum größten Teil in gebirgigem Gelände und stellte somit besondere Anforderungen an die Kriegsführung. So musste buchstäblich jede Wasserflasche und jedes Stück Feuerholz von Maultieren in die Stellungen transportiert werden. Da ab dem Winter 1916/17 die Pferde und Maultiere auf Grund von Futtermangel kaum noch leistungsfähig waren, wurden diese mehr und mehr durch elektrisch betriebene Seilbahnen bzw. Zugverbindungen ersetzt.
Die kürzeste Verbindungen nach Kärnten bzw. ins nördliche Slowenien wurden außerdem durch noch in der napoleonischen Zeit errichtete Forts (z.B. Fort Herrmann oder Herrmannswerk) versperrt. Der österreichisch-ungarischen Armeeführung war jedoch bewusst, dass diese Sperranlagen einem Beschuss mit modernen Artilleriegeschützen nicht standhalten würden. Die Geschütze und Besatzung dieser Forts war deshalb noch vor Kriegsausbruch, bis auf eine minimale Restmannschaft die eine Vollbesetzung vortäuschte, abgezogen worden. Die italienischen Truppen wurden vor diesen Forts gestoppt und die italienische Artillerie kämpfte in tagelangem Beschuss die Forts nieder (wobei diese stark zerstört wurden), was der österreichischen Armee die Zeit die sie zum Aufbau ihrer Verteidigungslinien benötigte, verschaffte.
Am Isonzo und in Richtung Triest war das Gelände eher hügelig und karstig und somit offen für Großangriffe. Demzufolge konzentrierten sich die italienischen Angriffe immer wieder in diesem Abschnitt. Vor allem die einzigen zwei österreichischen Brückenköpfe westlich des Isonzo (bei Tolmein und bei Görz) wurden immer wieder angegriffen. Hier zeigte sich jedoch das mangelnde militärische Geschick Cadornas.
General Cadorna ließ seine Truppen zu Beginn wie aus dem Lehrbuch angreifen. So griffen seine Soldaten dicht gedrängt und gestaffelt an, was alle anderen kriegsführenden Länder wegen der außerordentlich hohen Verluste (Maschinengewehr) bereits abgeschafft hatten. Die österreichischen Verteidiger mähten so in den Anfangstagen ganze italienische Kompanien nieder (bis zu 90 % Verluste!). Außerdem war Cadorna zu zögerlich und verschenkte so des öfteren bereits erkämpfte Anfangserfolge. Die Österreicher ihrerseits hatten mit Generaloberst Svetozar Boroevic von Bojna einen ihrer fähigsten Kommandanten an die italienische Front entsandt. Vor allem die defensive Kampfweise war eine Spezialität General Boroevics und so schaffte er es immer wieder trotz deutlicher Unterlegenheit (bis zu dreifache italienische Übermacht) einen italienischen Durchbruch zu verhindern. Sein Geschick trug ihm auch bald den Beinamen "der Löwe vom Isonzo" ein und am 1. Februar 1918 wurde er dafür von Kaiser Karl I. zum Feldmarschall befördert.
Beide Seiten hatten mit dem Problem der Desertion zu kämpfen. In der k.u.k. Armee waren davon hauptsächlich italienische und tschechische Einheiten betroffen. Durch den Ausbruch des Nationalismus waren sie anfällig für die feindliche Propaganda, die ihnen eigene Nationalstaaten verprach. Die schlechte Versorgungslage (Kleidung, Ernährung, Waffen) der k.u.k. Einheiten tat ein Übriges, um die Moral zu senken.
Bei den italienischen Einheiten war oft der noch heute existierende Unterschied zwischen den Nord und Süditalienern Grund für das Überlaufen zum Feind. So betrachteten Süditaliener den Krieg häufig, als einen Krieg "Roms und des Nordens" und hatten keine Lust darin zu sterben.
Die Schlachten
Erste Isonzoschlacht, 23. Juni - 7. Juli 1915
Am 23. Juni 1915 eröffnen die Italiener die erste Schlacht am Isonzo (slow. Soća) durch heftiges 7tägiges Trommelfeuer der dort massierten Geschütze. Durch die Unerfahrenheit der italienischen Artilleristen, richtete es jedoch kaum größeren Schaden an.
Truppenstärke: Italien: 252 Bataillone und 111 Schwadronen, sowie 700 Geschütze. Österreich-Ungarn: 84 Bataillone, 13 Schwadronen und 354 Geschütze. Das entspricht einem Kräfteverhältnis von 3:1.
Die italienische 3. Armee sollte zwischen Monfalcone und Sagrado zum Hochplateau von Doberdo durchbrechen, während die 2.Armee zwischen dem Monte Sabotino und Podgora vorstieß. Ihr Ziel war die Eroberung des Brückenkopfes bei Görz (ital. Gorizia, slow. Gorica), die Überquerung des Isonzos, Eroberung der Berge Kuk und Priznica (Kote 383), sowie einen Angriff auf den Brückenkopf bei Tolmein (ital. Tolmino).
Trotz der dreifachen Überlegenheit konnte die italienische Armee keines ihrer Ziele erreichen. Lediglich bei Sagrado schafften sie es überhaupt an den Rand des Hochplateaus von Doberdo.
Verluste: Italien: 15.000 Mann (davon 2000 Tote),Österreich-Ungarn: ca. 10.000 Mann.
Zweite Isonzoschlacht, 17. Juli - 10. August 1915
Truppenstärke: Italien: 260 Bataillone und 840 Geschütze (gesamt wurden während der Offensive 290.000 italienische Soldaten eingesetzt), Österreich-Ungarn: 105 Bataillon und 420 Geschütze, plus 25 zusätzliche Bataillone bis zum Ende der Schlacht.
Die Offensive begann wiederum mit einem, diesmal allerdings nur 2tägigen Trommelfeuer. Die italienische 3.Armee sollte in Richtung Monte San Michele durchbrechen, während die 2.Armee wieder die Brückenköpfe bei Görz und Tolmein erobern sollte. Der italienischen Armee gelang es lediglich am Hochplateau von Doberdo einen 4km langen und 500-100m breiten Streifen zu erobern. Auch bei Podgora und am Berg Krn schafften sie lediglich die Eroberung einer Kote (Nr.2163).
Verluste: Italien: 42.000-50.000 Mann (je nach Angabe), Österreich-Ungarn: 46.000 Mann.
Dritte Isonzoschlacht, 18. Oktober - 4. November 1915
Truppenstärke: Italien: 338 Bataillone und 130 Schwadronen, sowie 1372 Geschütze. Österreich-Ungarn: 137 Bataillone und 634 Geschütze, davon ca. 40 schwere, plus 47 Bataillone zusätzlich bis zum Ende der Schlacht.
Der dritte Großangriff der Italiener erfolgte zwischen Krn und dem Meer. Die Ziele waren die selben, wie in der 2.Isonzoschlacht. Der Durchbruch Richtung Monte San Michele scheiterte erneut, unterhalb des Hochplateaus von Doberdo konnten sie lediglich einige Schützengräben erobern. Die gleichzeitig gegen Flitsch (ital. Plezzo) und Tolmein, sowie den Brückenkopf von Görz geführten Angriffe brachen ebenfalls unter schweren Verlusten zusammen.
Verluste: Italien: 68.000 Mann (davon ca. 11.000 Tote), Österreich-Ungarn: 42.000 Mann (davon ca. 9000 Tote).
Vierte Isonzoschlacht, 10. November - 14. Dezember 1915
Auch "Schlacht für das Parlament" genannt. Der italienische Oberbefehlshaber General Luigi Cadorna wollte noch unbedingt vor Beginn der Parlamentssaison einen Erfolg erzwingen, denn die bisherigen Misserfolge und Verluste drohten Italien in eine innenpolitische Krise zu stürzen.
Truppenstärke: Italien: 370 Bataillone und 1374 Geschütze, Österreich-Ungarn: 155 Bataillone und 626 Geschütze.
In einem gewaltigen Ansturm versuchten die Italiener erneut das Doberdo-Plateau, sowie Görz zu erobern. Görz wurde dabei durch italienisches Geschützfeuer fast völlig zerstört. Auch diese Offensive brachte nicht den erhofften Erfolg, da alle italienischen Angriffe abgewehrt wurden. Als der Winter einbrach, stellte General Cadorna die Angriffe ein.
Verluste: Italien: 50.000 Mann (davon 7500 Tote), Österreich-Ungarn: 30.000 Mann (davon 4000 Tote).
Fünfte Isonzoschlacht, 11. März - 16. März 1916
Eine der kürzesten Isonzoschlachten, die überhaupt nur auf Verlangen der Entente durchgeführt wurde. Frankreich und Großbritannien wollten so eine Entlastung ihrer Soldaten in der Schlacht um Verdun erreichen. General Cadorna überließ in dieser Schlacht das Vorgehen völlig den Befehlshabern der italienischen 2. und 3. Armee.
Truppenstärke: Italien: 286 Bataillone und 1360 Geschütze, plus 90 Bataillone Reserve, Österreich-Ungarn: 100 Bataillone und 470 Geschütze, plus 30 Bataillone in Reserve (Käfteverhältnis erneut 3:1).
Ziel war erneut die Eroberung des Hochplateaus von Doberdo, sowie der Stadt Görz. Die Offensive wurde ohne Geländegewinn für die Italiener abgebrochen.
Verluste: durch die Kürze der Schlacht, sowie das eher halbherzige Vorgehen Italiens eher klein, beide Seiten: ca. 2000 Mann.
Sechste Isonzoschlacht, 4. August - 15. August 1916
Truppenstärken: Italien: 270 Bataillone, 48 Schwadronen und 1700 Geschütze, Österreich-Ungarn: 105 Bataillone und 584 Geschütze.
Dies war wohl die erfolgreichste Schlacht für die Italiener. Die Offensive war gut geplant und wurde auch gut ausgeführt, allerdings wurden Boroevic zuvor der Großteil seiner Elite-Einheiten entzogen und an die russische Front geschickt. Der italienische Angriff begann bei Monfalcone und wurde dann weiter nach Norden verlagert. Schon nach 2 Tagen durchbrachen die Italiener die österreichischen Verteidigungslinien bei Podgora und dem Monta Sabotino. Ihnen gelang die Eroberung des Monte San Michele, des Hochplateaus von Doberdo, sowie der Stadt Görz. Gesamt eroberten die Italiener ein Gebiet von ca. 20km Länge und 5km Tiefe.
Der österreichische Oberbefehlshaber Boroević, schaffte es jedoch die 5. k.u.k. Armee geordnet auf die zweite Verteidigungslinie zurückzuziehen. Hier versäumten es die Italiener sofort energisch nachzusetzen und den endgültigen Durchbruch zu erzwingen. Die 5. Armee konnte sich ungestört neu eingraben und brachte so die italienische Offensive schließlich zum Stillstand. Die neue Frontlinie verlief an der Linie: Salcano - San Marko (Kote 227) - Fluss Vrtojbica - Nova Vas - Debeli vrh (Kote 144) - Duino.
Verluste: Italien: 50.000 Mann oder mehr (je nach Angabe), Österreich-Ungarn: 40.000 Mann.
Siebente Isonzoschlacht, 14. September - 18. September 1916
Truppenstärke: Italien: 240 Bataillone und 1150 Geschütze, Österreich-Ungarn: 150 Bataillone und 770 Geschütze.
Der italienische Angriff erfolgte im Karst, zwischen der Adria und Görz. Die italienische 3. Armee sollte über die Anhöhe Fajti hrib (Kote 432) in Richtung Trstelj durchbrechen und Triest angreifen. Den Italienern gelang lediglich die Eroberung einiger Schützengräben, sowie eines Schlosses bei Merna.
Verluste: Italien: 17.000 Mann, Österreich-Ungarn: 15.000 Mann.
Achte Isonzoschlacht, 9. Oktober - 12. Oktober 1916
Truppenstärke: Italien: 220 Bataillone, 24 Schwadronen und 1200 Geschütze, Österreich-Ungarn: 100 Bataillone und 450 Geschütze.
Die achte Isonzoschlacht war eine Fortsetzung der siebenten. Das Angriffsziel (Triest) war das selbe. Zusätzlich wurde ein Ablenkungsangriff zwischen der Wippach und St.Peter bei Görz unternommen. Die Italiener schafften es östlich von Görz einige Schützengräben zu erobern, sowie einen minimalen Geländegewinn bei Hudi log und Kostajnevica zu erzielen.
Verluste: Italien: 20.000 - 25.000 Mann (je nach Angabe), Österreich-Ungarn: etwas weniger.
Neunte Isonzoschlacht, 31. Oktober - 4. November 1916
Truppenstärke: Italien: 225 Bataillone und 1400 Geschütze, Österreich-Ungarn: 150 Bataillone und 800 Geschütze.
Ziel der italienischen Angriffe war erneut der Durchbruch Richtung Triest, wobei sie im Raum Görz Ablenkungsangriffe durchführten. Nach einem Artilleriebeschuss von 5 Tagen ging die italienische Armee zum Angriff über. Diesmal versuchte man mit enormer Truppenkonzentration (8 Divisionen auf nur 8,5 Kilometern) den Durchbruch zu erzwingen. Den Italienern gelang der Durchbruch beim Berg Volkovnjak (Kote 284) und die vorübergehende Eroberung der Anhöhe Fajti hrib, sowie der Vorstoß bis Kostanjevica und die Einkesselung des Dorfes Hudi log. Boroević' Armee stand kurz vor dem Zusammenbruch, doch wieder setzte die italienische Armee nicht energisch genug nach und zögerte nach den bereits errungenen Erfolgen zu lange. So konnte Boroević die 5. k.u.k. Armee sammeln, das Dorf Hudi log befreien und die Italiener wieder über die Anhöhe Fajti hrib zurückschlagen. Die Frontlinie nach dieser Schlacht verlief von Fajti hrib über Kostanjevica und Korita bis zum Fluss Timava.
Verluste: Italien: ca. 37.000 Mann (wobei die Angaben stark schwanken), Österreich-Ungarn: etwas weniger.
Zehnte Isonzoschlacht, 12. Mai - 5. Juni 1917
Truppenstärke: Italien: 430 Bataillone und 3800 Geschütze, Österreich-Ungarn: 210 Bataillone und 1400 Geschütze.
Ziel der italienischen Offensive war der Durchbruch nach Triest. Nach einem 2 1/2 tägigen Trommelfeuer auf dem ganzen Frontabschnitt von Tolmein bis zur Adria und einem Ablenkungsangriff bei Görz, erfolgte der Hauptangriff südlich von Görz. Den Italienern gelang vorübergehend die Eroberung des Dorfes Jamiano, sie wurden jedoch nach einem österreichischen Gegenangriff von der Höhe Hermada herab, wieder zurückgeworfen. Zwischen dem Monte Santo und Zagora, nördlich von Görz, gelang ihnen der Übergang über den Isonzo, die Bildung eines Brückenkopfes und auch dessen Verteidigung.
Verluste: Italien: 160.000 - 200.000 Mann (je nach Angabe, davon ca. 36.000 Tote), Österreich-Ungarn: 77.000 - 125.000 Mann (je nach Angabe). Die italienische Armee konnte 23.000 österreichische Soldaten gefangen nehmen, die österreichische Armee machte 27.000 italienische Gefangene, was die schwache Kampfmoral zu diesem Zeitpunkt verdeutlicht.
Elfte Isonzoschlacht, 17. August - 12. September 1917
Truppenstärke: Italien: 600 Bataillone und 5200 Geschütze, Österreich-Ungarn: 250 Bataillone und 2200 Geschütze.
Trotz der zu diesem Zeitpunkt, durch die Niederlage Rumäniens und dem faktischen Ausscheiden Russlands, für die Entente ungünstigen Lage, konnte Italien dennoch die bisher größte Streitmacht aufstellen. Ziel dieser Offensive war die österreichischen Nachschubverbindungen zu durchschneiden und Triest zu erobern. Die italienische Armee konnte zwar Erfolge verbuchen, scheiterte jedoch an den gesteckten Zielen, wie schon in den Schlachten zuvor.
Die italienische 2. Armee schaffte es an mehreren Stellen den Isonzo zu überqueren und das Hochplateau Bainsizza zu erobern, während die Angriffe der italienischen 3. Armee auf die Anhöhe Hermada trotz Geländegewinns scheiterten. Wieder setzten die italienischen Truppen nicht konsequent nach, so dass der österreichische Oberbefehlshaber Boroević seine Truppen in der zweiten Verteidigungslinie sammeln und eingraben lassen konnte. Die neue Frontlinie verlief im Gebiet der italienischen 2. Armee nach der Schlacht auf der Linie: Monte Santo (Kote 682) - Vodice (Kote 652) - Kobilek (Kote 627) - Jelenik (Kote 788) - Levpa. Und im Abschnitt der 3. italienischen Armee auf der Linie: Log - Hoje - Zagorje - San Gabriele.
Verluste: Italien: ca. 170.000 Mann (die Angaben schwanken stark, davon ca. 40.000 Tote), Österreich-Ungarn: 100.000 Mann (die Angaben schwanken ebenfalls stark, davon ca. 10.000 Tote). Zusätzlich wurden beide Armeen durch grassierende Krankheiten (Ruhr, Typhus) geschwächt, so dass auf beiden Seiten bis zu 500.000 Mann durch Krankheit ausfielen. Diese Ausfälle sind jedoch nicht in den Verlustzahlen enthalten.
Zwölfte Isonzoschlacht, 24. Oktober - 27. Oktober 1917
In der zwölften Isonzoschlacht, drehten sich die bisherigen Verhältnisse um. Diesmal führten die Mittelmächte eine Offensive aus und Italien war der Verteidiger. Zu diesem Zweck hatte das verbündete Deutschland die deutsche 14. Armee, unter dem Kommando von Otto von Below an den Isonzo geschickt. Darunter befand sich auch der junge Erwin Rommel, der im Rang eines Leutnants einige erfolgreiche Angriffe, während der Offensive ausführte. So wurde ihm für die Erstürmung des Matajur und für die Gefangennahme italienischer Truppen (ca. 10.000 Mann), der höchste deutsche Orden Pour le Merite verliehen. Entscheidend für den Erfolg dieser Offensive war, dass auch ein deutsches Gaswerferbattailon mit dabei war. Mit dem verschossenen Phosgen schafften sie es die italienische Verteidigung im Raum Flitsch und Tolmein auszuschalten und eine Lücke für die Angreifer zu öffnen. Anhand der Truppenstärke wäre ein Erfolg nicht erreichbar gewesen, denn die italienische Armee war trotz der deutschen Verstärkung immer noch zahlenmäßig überlegen.
Truppenstärke: Italien: insgesamt 600 Bataillone bzw. 49 Divisionen, sowie 3790 Geschütze und 2400 Minenwerfer, Österreich-Ungarn und Deutschland: 470 Bataillone bzw. 34 Divisionen, sowie 3600 Geschütze und 900 Minenwerfer. Im Abschnitt zwischen dem Rombon und Log auf dem Hochplateau Bainsizza, wo die Offensive stattfand, standen 400 italienische Bataillone, zusammen mit 1500 Geschützen und 1200 Minenwerfern, 180 Bataillonen, 1850 Geschützen und 300 Minenwerfern der Mittelmächte gegenüber.
24. Oktober
Ein 4-stündiger Artilleriebeschuss von 2:00 - 6:00 Uhr bildete den Auftakt. Kurz vor 06:00 Uhr erfolgte der Gasangriff mit Phosgengas, worauf der Infanterieangriff folgte. Eigentlich widersprach ein Vorstoß in einen Talkessel, während die umliegenden Berghänge noch mit feindlichen Einheiten und Geschützen gespickt waren jeglicher militärischer Strategie, die Mittelmächte hatten jedoch auch Glück beim Wetter. Am 24. Oktober hingen die Wolken über dem Tal so tief, dass die italienischen Einheiten auf den Berghängen, keinen Blickkontakt mit dem Tal hatten. Auch die ersten Meldungen ins italienische Hauptquartier in Udine waren noch recht optimistisch und sprachen lediglich von unwirksamen Artilleriefeuer.
Kurz darauf hatten die Truppen der Mittelmächte bereits das Tal erobert, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen. Die italienischen Verteidiger waren entweder durch das Gas getötet worden oder geflohen. Eilig kappten die Mittelmächte die Kommunikationsverbindungen und stürzten damit die italienische Armee, die über den erfolgreichen Durchbruch immer noch im Unklaren war, endgültig ins Chaos. Die Mittelmächte schafften es bereits am ersten Tag der Schlacht auf 30km Breite 4-9km tief vorzustoßen und alle drei italienischen Verteidigunglinien zu durchbrechen.
25. Oktober
Die Mittelmächte eroberten oder zerstörten alle italienischen Verteidigungslinien zwischen Kambresko und dem Rombon, mit Ausnahme des Monte Matajur. Am Abend erreichten sie die Linie Prestreljenek - Kanin - Skutnik - Uccea - Stol - Monte Mia - Prapotnizza - Globoćak - Kambresko - Ronzina - Kanalski vrh - Bate und damit auch die österreichisch-italienische Staatsgrenze im oberen Isonzotal, was das erste operative Ziel dieser Offensive gewesen war. Nun erging auch an die k.u.k. Armee im Südabschnitt, unter dem Kommando von Boroević, der Angriffsbefehl.
26. Oktober
Die Mittelmächte stießen an diesem Tag bereits in die Ebene von Friaul vor. Am Abend erreichten die deutschen und k.u.k. Truppen die Linie Prevala - Rombon - Kanin - Stolvizza - Nizki vrh - Passo di Tanamea - Monte Maggiore - Monte Cavallo - Platischi, Prosenico, Robedisce - Clenia - San Leonardo - San Giovanni - Zapotok. Auch Cividale konnte bereits eingenommen werden.
27. Oktober
Am letzten Tag der Schlacht brach die italienische 2. Armee komplett zusammen. Die Mittelmächte konnten ungehindert Udine einnehmen. Dort hatte sich das Hauptquartier der italienischen Armee befunden und Cadorna und seine Stabsoffiziere waren erst ein paar Stunden zuvor Hals über Kopf geflohen. An die italienische 3. Armee erging der Rückzugsbefehl, da sie sonst Gefahr lief eingekesselt zu werden. Dadurch konnten jetzt auch die k.u.k. Verbände im Süden ungehindert vorrücken und nahmen ohne auf italienischen Widerstand zu stoßen Görz ein.
Folgende Tage
Was sich in den darauffolgenden Tagen abspielte war die wohl größte Niederlage in der Geschichte des italienischen Heeres. Nicht einmal die Hoffnung, eine neue Front am Tagliamento aufbauen zu können, erfüllten sich, da österreichische Pioniereinheiten rasch einen Übergang bauten. Erst an der Piave gelang es Italien mit der Hilfe französischer Truppen den Rückzug aufzuhalten. Die Truppen der schlecht versorgten Mittelmächte schlugen sich in den gut gefüllten Nahrungsmitteldepots der Italiener die Bäuche voll. Gesamt gingen 300.000 italienische Soldaten in die Gefangenschaft und 3000 Geschütze wurden zusammen mit Unmengen an Verpflegung, Munition und Ausrüstung erbeutet. Viele Soldaten der Mittelmächte requierierten gefangene, italienische Soldaten, um sie als persönliche Träger für die erbeuteten Lebensmittel zu benutzen.
Die italienischen Soldaten waren kriegsmüde, viele von ihnen ergaben sich unter dem Ruf "Eviva Germania". So warfen 400.000 italienische Soldaten einfach ihre Waffen weg und desertierten ins Landesinnere, weitere 300.000 wurden gefangen genommen. Vor der Offensive hatte die italienische Armee 1,3 Millionen Mann unter Waffen, nach der Schlacht verfügte sie gerade noch über 500.000 einsatzbereite Soldaten. Das die kopflose Flucht der italienischen Armee mehr auf Panik, als auf eine reelle Bedrohung zurückzuführen war, veranschaulicht auch die im Verhältnis zur Größe der Offensive relativ geringe Zahl der Toten. So gab es auf italienischer Seite "nur" 10.000 Tote, während bei den Mittelmächten lediglich ca. 1000 Tote zu beklagen waren.
In den folgenden Wochen gelang es Österreich-Ungarn, bis zum Piave vorzustoßen. Mit Hilfe der Ententestaaten gelang es allerdings innerhalb weniger Monate, das italienische Heer zu reorganisieren und ein Ausscheiden Italiens aus dem Krieg zu verhindern.
Allgemeines
Alle Schlachten am Isonzo unterschieden sich kaum. Tagelange Artillerievorbereitung auf engstem Raum, Angriffe der Infanterie, teilweise erbitterte Kämpfe mit dem Bajonett, Gegenangriffe. Größere Geländegewinne gelangen keiner Seite. Auch im Hochgebirge wurde der Kampf trotz des ungeeigneten Geländes nicht minder heftig ausgetragen. So kam es mehrfach vor, das Pioniereinheiten Stollen unter einen Gipfel, der von feindlichen Soldaten besetzt war, gruben. Diesen mit Sprengstoff füllten und den ganzen Berggipfel mit samt der darauf befindlichen feindlichen Besatzung wegsprengten. Was der Feind nicht schaffte, besorgte noch dazu oft die Natur. Im Kriegswinter 1916/17 starben mehr Soldaten durch Lawinen, als durch feindlichen Beschuss. Man muss allerdings dazu anmerken, dass beide Seiten mithalfen, indem sie gezielt Lawinen über den feindlichen Stellungen durch Beschuss auslösten.
Noch heute kann man den Wahnsinn dieses Kriegsschauplatzes bestaunen. So sind zahlreiche von den Soldaten in den Fels gesprengte Kavernen, Bunker und Versorgungsschächte erhalten geblieben. Einige der damaligen Verteidigungsanlagen wurden als Anschauungsobjekte restauriert, sie sind vor allem die Anlagen am kleinem Pal und am Cellon sehenswert. Am Cellon konnte auch der österreichische Nachschubsweg von den Italienern eingesehen und mit Artillerie angegriffen werden, deshalb bauten hier österreischische Pioniereinheiten einen fast senkrecht emporsteigenden und mit Holztreppen versehenen Nachschubschacht im Berg, den sogenannten "Cellonstollen". Manche heutigen Klettersteige, Wanderwege oder Straßen wurden damals während der Kriegszeit u.a. auch von russischen Kriegsgefangenen erbaut. Im karstigen Kampfgebiet gibt es Stellen, wo man auch heute noch Knochen, verrostete Gürtelschnallen, Bajonette, Stacheldraht u.ä. finden kann. Unter anderem ist auch der Berg Krn heute um ein paar Meter niedriger als noch vor dem ersten Weltkrieg, da ihm durch die Artillerie- und Pionierattacken schlicht der Gipfel weggeschossen und gesprengt wurde.
Die Grausamkeit der Kampfhandlungen veranschaulichen auch die "Spitznamen" die unter den damaligen Soldaten verwendet wurden. So wurden einige Gebiete von österreichisch-ungarischen Soldaten schlicht "Todeskuppe" oder "Todesberg" genannt. Während bei den Italienern z.B. der Monte Santo "Santo Maledetto" (verdammter Heiliger) genannt wurde, oder Lieder gesungen wurden mit Texten wie "O Monte Nero...Verräter meiner Jugend".
Allein in den ersten vier Isonzoschlachten des Jahres 1915 verloren die Italiener etwa 175.000 Mann. Die österreichischen Verluste betrugen rund 123.000 Soldaten. Bis 1917 sollten insgesamt 12 dieser Materialschlachten stattfinden. In der 12. und letzten Schlacht am Isonzo gelang der von deutschen Truppenteilen des Alpen-Corps unterstützten Armee der Österreichisch Ungarischen Monarchie der Durchbruch. Aber an der Hochwasser führenden Piave fraß sich die Offensive aufgrund von Materialerschöpfung fest. Die Italienische Armee konnte gerade noch ihre Truppen (auch wegen der langsam anlaufenden US-amerikanischen Unterstützung) stabilisieren. Kriegsentscheidend für Italien waren die Isonzoschlachten nicht. Jedoch nährten die Fronterlebnisse der ungeheuren Verluste in der Nachkriegszeit den italienischen Mythos vom "verlorenen" Sieg. Wurde dem Königreich Italien in den Pariser Vorortverträgen nach dem Ersten Weltkrieg eben nicht die erhofften Gebiete Dalmatiens zugesprochen. Einen Umstand, der die Frontkämpfergeneration Italiens in die Arme des Faschismus von Duce Mussolini führte.
Literatur
- Miro Simcic "Die Schlachten am Isonzo (888 Tage Krieg im Karst in Fotos, Karten und Berichten)" Leopold Stocker Verlag
- Vasja Klavora "Blaukreuz, Die Isonzofront Flitsch/Bovec 1915 - 1918" Hermagoras Verlag
- Ingomar Pust "Die steinerne Front, Auf den Spuren des Gebirgskrieges in den Julischen Alpen - vom Isonzo zur Piave" Leopold Stocker Verlag
Weblinks
- Quelle: http://berg.heim.at/almwiesen/410100/5116.htm
- http://www.kobariski-muzej.si/ (englisch)
Siehe auch
- Isonzo
- Geschichte Sloweniens
- Erster Weltkrieg
Isonzo
Isonzo
Isonzo
Isonzo
Kategorie:Geschichte Sloweniens
Kategorie:1915
Kategorie:1916
Kategorie:1917
Erster Weltkrieg
Der Erste Weltkrieg war ein Krieg, der von 1914 bis 1918 in Europa, dem Nahen Osten, Afrika und Ostasien geführt wurde und über 9 Millionen Menschenleben forderte.
Überblick
Er wurde zunächst zwischen den Mittelmächten Deutsches Reich und Österreich-Ungarn auf der einen Seite und den Entente-Mächten Frankreich, Großbritannien und Russland sowie Serbien auf der anderen Seite ausgetragen.
Wider Willen kam Belgien als Opfer hinzu, in das die Deutschen ungeachtet der belgischen Neutralität aufgrund des Schlieffenplans einmarschierten. Im Verlauf des Krieges wurden die Mittelmächte durch das Osmanische Reich und Bulgarien verstärkt, während auf alliierter Seite die Staaten Japan, Italien, Portugal, Rumänien und die USA in den Krieg eintraten. Im Ersten Weltkrieg entluden sich die machtpolitischen Gegensätze der europäischen Großmächte, die zu einer enormen Aufrüstung geführt hatten.
Zum Ende des Krieges befanden sich 25 Staaten und deren Kolonien, in denen insgesamt 1,35 Milliarden Menschen lebten, also etwa drei Viertel der damaligen Erdbevölkerung, im Kriegszustand.
Aufgrund der Verwerfungen, die der Erste Weltkrieg weltweit auslöste, und der Folgen, die noch heute spürbar sind, gilt er bei vielen Historikern als die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“.
Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts
Der Krieg begann am 28. Juli 1914 mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien. Am 30. Juli befahl Russland die Generalmobilmachung zur Unterstützung Serbiens. Daraufhin erklärte das Deutsche Reich als Bündnispartner Österreich-Ungarns Russland am 1. August den Krieg. Am Abend des selben Tages überschritten russische Kavallerie-Abteilungen die ostpreußische Grenze.
Vorausgegangen war ein Attentat in Sarajewo am 28. Juni 1914, bei dem der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Ehefrau ermordet worden waren und hinter dem die Mitglieder der verschworenen serbischen Geheimloge „Schwarze Hand“ vermutet wurden. In einem Ultimatum vom 23. Juli 1914 verlangte die österreichisch-ungarische Regierung in Wien Genugtuung von der serbischen Regierung in dem sie u.a. forderte, eine gerichtliche Untersuchung gegen die Teilnehmer des Komplotts vom 28. Juni einzuleiten und von der k. u. k. Regierung delegierte Organe an den bezüglichen Erhebungen teilnehmen zu lassen. Die serbische Regierung lehnte dies als Beeinträchtigung ihrer Souveränität ab, akzeptierte aber die übrigen harten Forderungen in dem Ultimatum. Durch die darauf folgende Kriegserklärung wurde eine Reihe von Bündnissen aktiviert, die sehr rasch zum Weltkrieg führten.
Manche Nachbetrachter sehen die Kriegsbegeisterung, die anfangs in vielen Ländern vorherrschte, letztlich als Resultat der im Europa des frühen 20. Jahrhunderts weit verbreiteten Ansicht, der Krieg könne die aufkeimenden nationalen und sozialen Konflikte sowie die gegensätzlichen Machtinteressen der verschiedenen Herrscherhäuser und ihrer Reiche lösen. Der Verlauf des Ersten Weltkriegs dokumentiert zudem die Unfähigkeit der europäischen Führungsschichten, militärische Neuerungen und soziale Spannungen entsprechend zu erkennen oder zu akzeptieren (vergleiche auch Kriegsschulddebatte).
Der Erste Weltkrieg war der erste Krieg, der mit einem massiven Materialeinsatz (Panzer, Flugzeuge, Luftschiffe) und mit Massenvernichtungswaffen (Giftgas) geführt wurde. Die Fronten bewegten sich dennoch kaum, zum Teil, weil der modern anmutenden Technik die alten Militärstrategien gegenüber standen. Im endlosen Stellungskrieg rieben sich die Truppen gegenseitig auf. Insbesondere auf den Schlachtfeldern vor Verdun und in Flandern fielen auf beiden Seiten Hunderttausende von Soldaten, ohne dass sich etwas an der militärischen Lage änderte. Auch deswegen stellt sich der Erste Weltkrieg als ein Krieg dar, der an Grauen alles bis dahin Bekannte übertraf.
Der Krieg in den Deutschen Kolonien
Deutschland besaß als der Erste Weltkieg ausbrach auch Kolonien und sogenanten Pachtbesitz.
Kiautschou: Die Stadt im Norden Chinas war Deutscher Pachtbesitz. Die Japaner forderten im August des Jahres 1914 unter Kriegsandrohung die Auslieferung der Stadt. Deutschland beachtete diese Forderung nicht deshalb griffen die Japaner mit ungeheurer Überlegenheit an (63000 Japaner gegen 4000 Deutsche)an. November 1914 überliesen die Deutschen , nachdem sie alle Munition verschossen hatten , den Japanern die Stadt.
Politische Ausgangssituation
Siehe auch: Zeitalter des Imperialismus
Mittel- und Osteuropa
An der Schwelle des 20. Jahrhunderts gab es in Mittel- und Osteuropa wesentlich weniger Staaten als heute. Das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn und Russland teilten sich das Gebiet im Wesentlichen untereinander auf.
Im Südosten Europas lag das ebenfalls Großmachtspolitik treibende Osmanische Reich. Kleinere Staaten gab es nur auf dem Balkan, der in den Jahrzehnten zuvor wegen der Unabhängigkeitsbestrebungen der dortigen Völker und dem Aneinandergrenzen der expansiven europäischen Mächte und des osmanischen Reiches in dieser Region ein ständiger Unruheherd gewesen war. Im Deutschen Reich, Russland und Österreich-Ungarn, die sämtlich monarchisch regiert wurden und nur mehr oder weniger machtlose Parlamente hatten, gab es zahlreiche ethnische Minderheiten, die zumeist nach nationaler Unabhängigkeit strebten.
Im 19. Jahrhundert waren unter anderem in Ungarn und Polen entsprechende nationalistische Aufstände unterdrückt worden. Besonders im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn brodelte es erheblich zwischen den verschiedenen Volksgruppen. Zudem stand das österreichisch-ungarische Kaiserreich im krassen Gegensatz zum russischen Zarenreich, das sich als Sprecher der „slawischen Völker unter Wiener Herrschaft“ sah und als Schutzmacht des (unabhängigen) Königreichs Serbien auftrat. Das Verhältnis Österreich-Ungarns zu beiden Staaten war erst wenige Jahre zuvor, 1908, im Zuge der Bosnischen Annexionskrise erheblichen Belastungen ausgesetzt gewesen, die bereits damals leicht in einen Krieg hätten münden können.
Ideologisch wurde dieser Nationalismus mit einem Panslawismus begründet. Aber auch die deutschen Bevölkerungsgruppen im Deutschen Reich und in Österreich-Ungarn versuchten, sich gegen die anderen national gesinnten Bevölkerungsteile zu behaupten und sich gegenseitig in Stellung zu bringen.
Westeuropa
Die westeuropäischen Staaten, aber auch (in geringerem Ausmaß) das Deutsche Reich, hatten weite Teile der Welt unter sich in Kolonien aufgeteilt (siehe Kolonialismus). Großbritannien, das über besonders viele Kolonien in Afrika und Asien verfügte, war die führende Seemacht, die sich seit Beginn des Jahrhunderts durch das reichsdeutsche Flottenbauprogramm herausgefordert fühlte. Letzteres führte aus Sicht einiger Historiker zum Anwachsen der Spannungen im letzten Vorkriegsjahrzehnt.
Blockstrukturen
In Europa hatten sich zwei Blöcke herausgebildet. Auf der einen Seite die Mittelmächte: Deutsches Reich und Österreich-Ungarn (verbündet mit Italien, das sich aber zunächst aus dem Krieg heraushalten wollte, und dem Osmanischen Reich). Auf der anderen Seite stand der russisch-französische Zweibund, der durch jeweilige Ententen mit Großbritannien zur Triple-Entente verbunden war.
Alle drei Staaten waren in Konflikt mit dem Deutschen Reich geraten: In Frankreich verspürten die französischen Nationalisten noch immer Rachegelüste wegen ihrer Niederlage von 1870/1871 im Deutsch-Französischen Krieg. Großbritannien, das sich als Weltmacht sah, fühlte sich herausgefordert unter anderem wegen der deutschen Flottenbaupolitik beziehungsweise der so genannten „Kanonenbootpolitik“ vor Marokko. Die Beziehungen des russischen Zarenreiches zum Deutschen Reich hatten sich seit langer Zeit verschlechtert. Dies war insbesondere seit dem Berliner Kongress von 1878 der Fall, nachdem der deutsche Kaiser verstärkt auf ein Bündnis mit Österreich-Ungarn gesetzt hatte. Der 1887 zwischen dem Deutschen Reich und Russland abgeschlossene Rückversicherungsvertrag wurde 1890 vom neuen Deutschen Kaiser Wilhelm II. nicht erneuert.
Militärische Ausgangslage
Die Entente war bei Beginn des Kriegs in einer besseren Ausgangslage als die verbündeten Mittelmächte. Sie verfügte über mehr Soldaten (auch aus ihren Kolonien), größere Rohstoffreserven und hatte größere Reserven an Kriegsmaterial. Auch an Waffentypen, insbesondere schwerer Artillerie, mangelte es den westlichen Alliierten nicht. Aufgrund von mangelnder Organisation konnte die Entente ihre personelle und materielle Überlegenheit zu Beginn des Kriegs jedoch nicht entfalten.
Dagegen waren die verbündeten Mittelmächte, insbesondere das Deutsche Reich, wesentlich besser auf einen eventuellen Krieg vorbereitet. Ihre Armeen waren besser organisiert und Bewaffnung und Kampfmoral waren teilweise besser und ausgeprägter als bei der Entente. Die für den Transport der Truppen und den Nachschub erforderliche Logistik war vorhanden und wurde zudem durch ein gut funktionierendes Eisenbahnnetz unterstützt.
Dennoch war keiner der Blöcke auf einen langen Krieg eingestellt, beispielsweise war Winterbekleidung für die Soldaten nicht vorgesehen. Die Führungen gingen davon aus, einen kurzen Krieg zu führen und diesen noch 1914 erfolgreich beenden zu können
Kriegsziele
Österreich-Ungarn
Österreich-Ungarn nahm für sich in Anspruch, um seine Interessen auf dem Balkan und um seine Existenz schlechthin zu kämpfen, die es an den Flanken insbesondere durch Russland bedroht sah. Durch den Krieg traten Differenzen zwischen den österreichisch-ungarischen Volksgruppen zeitweilig in den Hintergrund. Österreich-Ungarn strebte nicht nur die Eingliederung Serbiens, sondern auch Montenegros und Rumäniens oder Polens an. Entgegen den nationalistischen Tendenzen der damaligen Zeit hielt Österreich-Ungarn an der universalen Idee vom Kaisertum und somit am Vielvölkerstaat fest.
In den ersten Kriegswochen, vor den schweren Niederlagen in Galizien und Serbien, begünstigt durch die Spionagetätigkeit Oberst Redls für Russland, erlaubten sich die österreichischen Staatsmänner in ihren Vorstellungen genaue territoriale Ziele. Einige Wochen später verdrängte jedoch das Überlebensmotiv geplante Erwerbungen.
Wie bei keiner anderen Großmacht standen bei der Monarchie auch „negative“ Kriegsziele im Vordergrund: die Behauptung des Trentino, des Küstenlandes mit Triest und Dalmatien sowie der albanischen Küste gegen Italien, die Abwehr der rumänischen Ansprüche auf Siebenbürgen und die Bukowina, die Zurückweisung der großserbischen und südslawischen Bestrebungen in Bosnien-Herzegowina, Dalmatien, Kroatien und Slawonien, die Verteidigung gegen die panslawistischen Pläne Russlands in Galizien und Böhmen und nicht zuletzt der Widerstand gegen die deutschen Hegemonialbestrebungen.
Auch die herrschenden Kreise der Monarchie wollten erobern und mussten nicht von äußeren Kräften zur Eroberung animiert werden. Aber die Hauptbestrebungen der österreichisch-ungarischen Monarchie bildeten die Aufrechterhaltung ihres Bestandes, das heißt ihre „Integrität“. Dass die Wahrung dieser „Integrität“ auch Expansionsbestrebungen deckte, zeigen viele Denkschriften. Die Monarchie tendierte unbestreitbar unter dem Einfluss äußerer Einwirkungen und innerer Bestrebungen immer mehr in Richtung dieser weit gefassten Interpretation der Integrität.
Insgesamt lässt sich sagen: das offizielle Kriegsziel Österreich-Ungarns war die Erhaltung der Integrität der Monarchie. Inoffiziell versuchte die Monarchie allerdings ihre Stellung als Großmacht durch Einflussnahme beziehungsweise Annexion in Serbien, Montenegro, Albanien, Rumänien, Polen und der Ukraine zu stärken. Dennoch war in der Praxis, durch das prekäre Gleichgewicht des Habsburgerreiches, der Erwerb slawischer oder rumänischer Gebiete nicht oder nur in beschränktem Umfange möglich, ohne die Vorrangstellung der Deutschen und Ungarn im Staatsverband zu schwächen.
Zu Beginn des Krieges versuchte man durch weit reichende Kriegsziele alle externen Bedrohungen für die Monarchie zu beseitigen und ihren Großmachtstatus für alle Zeiten zu sichern. Die komplexe innere Struktur der Monarchie machte es aber schwer alle Interessen unter einen Hut zu bringen. Dadurch waren die imperialistischen Bestrebungen der Habsburgermonarchie mit besonderen Problemen belastet und trugen darum auch Züge, die typisch für diesen Interessenkonflikt waren. In Österreich-Ungarn bedingte die Erörterung der Kriegsziele und deren territorialer Aspekt, mehr als in jedem anderen Staat, auch die Frage nach den sich daraus notwendigerweise ergebenden inneren, verfassungs- und nationalitätenrechtlichen Folgen.
Die österreichischen Staatsmänner waren sich zwar bewusst, dass die Gewinne von zweifelhaften militärischen Erfolgen abhingen, was sie allerdings nicht daran hinderte, bei der Aufstellung der Kriegsziele auch ihr Wunschdenken in die Pläne einzubauen. Auf den Sitzungen des gemeinsamen Ministerrates wurde zwar immer wieder betont, dass die Kriegsziele vom Verlauf der militärischen Operationen abhingen, dennoch ließen sich die Teilnehmer immer wieder verleiten, den Ereignissen vorzugreifen.
Deutsches Reich
Im Deutschen Reich überwog bei Ausbruch des Krieges noch der allgemeine Konsens über den Verteidigungscharakter des Krieges. Kurz darauf schossen, ausgelöst durch die raschen Erfolge der Armee im Westfeldzug, Annexionsprojekte, zum Teil fantastischer Natur, aus dem Boden. Dabei trat das vorwiegend kommerziell bestimmte Vorkriegsziel, die überseeische, koloniale und vorderasiatische Expansion des Deutschen Reiches (deutscher Imperialismus) hinter die Konzentration auf die Machterweiterung in Europa zurück, um das durch die europäische Mittellage bedrohte Deutsche Reich zu entlasten. Durch Annexionen in Ost und West von mehr oder minder extremer Größenordnung wollte man die gefährdete Hegemonialstellung des Deutschen Reiches auf dem europäischen Festland für alle Zukunft sichern, um dann von dieser Basis aus den Kampf um einen Anteil an der Welt mit größerer Aussicht als bisher führen zu können.
Dieser jähe Umschlag von der Idee des Verteidigungskrieges zu der des Eroberungskrieges, der sich in weiten Kreisen des Bürgertums und der Intelligenz vollzog, der Siegestaumel, verbunden mit vielen ins Absurde und Brutale gesteigerten Machtträumen warf ein bezeichnendes Licht auf die von preußisch-militaristischen Traditionen geprägte deutsche Öffentlichkeit.
Kanzler Bethmann Hollweg hatte am 9. September 1914 in seinem „Septemberprogramm“ die Kriegsziele festgelegt. Deutschland wollte seine seit der Reichseinigung stark gewachsene Machtstellung sichern und seine Ansprüche auf eine Weltpolitik geltend machen.
Kriegsziele waren im Einzelnen:
# Militärisch-politische und wirtschaftliche Kontrolle Belgiens durch Annexion von Lüttich-Antwerpen, der flandrischen Küste und des Erzbeckens von Briey.
# Eine wirtschaftliche Einheit Mitteleuropas unter Einschluss von Pufferstaaten (beispielsweise Polen) und wirtschaftspolitische Einflusssphären (zum Beispiel Rumänien)
# Vergrößerung des Kolonialbesitzes
# Beseitigung der englischen Vorherrschaft durch Aufstände von Marokko bis Indien.
# Sonderfrieden mit Russland.
Das Septemberprogramm des Kanzlers spiegelte in Anknüpfung an Überlegungen der Industrie und Bankenwelt der Vorkriegsjahre die Ideen der führenden Kreise Deutschlands in Politik, Wirtschaft und Militär wider. Namentlich die Industrie erhoffte sich von friedensvertraglichen Regelungen weitgehende Wettbewerbsprivilegien durch Eingriffe in die Autonomie der betroffenen Länder. Das Programm ist das Ergebnis der Zusammenfassung vieler Programme und Konzepte über das zukünftige Europa. Bethmann Hollweg war der Rezipient unzähliger Kriegszielprogramme vieler Interessensgruppen, der sie auf praktikable Form in politisch erreichbare Ziele reduzierte.
Die Kriegszielmehrheit im Reichstag erstreckte sich von den konservativen über liberale Parteien bis ins sozialdemokratische Lager hinein. Ab 1915 sind allerdings wachsende Gegensätze in dieser Frage festzustellen.
Nachdem in der Euphorie der ersten Kriegswochen viele, meist fantastische Kriegsziele aufgestellt worden waren, verbot Bethmann Hollweg Ende 1914 aus Rücksicht auf das Ausland und die deutsche Arbeiterschaft die öffentliche Kriegszieldebatte. Diese Beschränkung wirkte allerdings nur in sehr geringem Maße und wurde auf Betreiben der 3. Obersten Heeresleitung (OHL), auch wegen der psychologischen Mobilisierung der kriegsmüden Bevölkerung aufgehoben. Die OHL erblickte in der Freigabe der Kriegszieldiskussion ein entscheidendes Mittel zur Totalisierung des Krieges und als Mittel zur ideologischen Kriegsführung.
Das Herzstück der deutschen Kriegszielpolitik im Westen war stets Belgien. Seit dem Septemberprogramm rückte keiner der politisch Verantwortlichen von der Forderung nach Beherrschung Belgiens als Vasallenstaat neben möglichst großen direkten Annexionen ab.
Zweites zentrales Kriegsziel war die mehr oder weniger direkte Beherrschung Polens neben der Annexion eines unterschiedlich breiten Grenzstreifens.
Im Rahmen der „Randstaatenpolitik“ Deutschlands – der „Zurückdrängung Russlands“ und der Schaffung einer Zone von „Pufferstaaten“, von Finnland bis zur Ukraine – lag der Schwerpunkt deutschen Expansionsstrebens im Osten vor allem im Baltikum. Der „Abgliederungskonzeption“ hing eine Mehrheit der führenden Schichten Deutschlands an, von ganz rechts bis ins antizaristische linke Lager.
Gebietserweiterungen in Kurland und Litauen wurden von Vertretern aller weltanschaulichen Richtungen in fast allen Fällen verlangt. Einerseits, weil sie dem Reich direkt benachbart waren, andererseits, weil sie nichtrussische Bevölkerung, sogar teilweise eine kleine deutsche Minderheit, die Baltendeutschen, besaßen. Vorgesehen war, ähnlich wie im polnischen Grenzstreifen, durch Ansiedlung von Russlanddeutschen auf russischen Krondomänen, Kirchen- und Großgrundbesitz, neben den Besitzungen der baltendeutschen Aristokratie, die Verdrängung der Letten im eigenen Lande. Als Motivation der Besiedlungsaktion brach hier mit voller Schärfe die völkische Komponente der deutschen Kriegszielpolitik durch.
Das deutsche Kriegsziel „Mittelafrika“ war eines der am hartnäckigsten verfolgten deutschen Kriegsziele. Ein Vorschlag des Staatssekretärs des Reichskolonialamtes Solf der im August und September 1914 ein konkretes Mittelafrikaprojekt entwarf, war die „Verteilung der afrikanischen Kolonien Frankreichs, Belgiens und Portugals“, das Bethmann Hollweg schließlich in sein Septemberprogramm einschloss.
- siehe auch Hauptartikel: Mittelafrika
Trotz der Flut annexionistischer Agitation, die im Sommer 1915 ihrem Höhepunkt zustrebte, ließen die Eroberungswünsche unter der Einwirkung der Kriegsnöte in breiten Bevölkerungskreisen verhältnismäßig schnell nach. Auf die Eroberungswünsche während der Kriegspsychose des Jahres 1914/15 folgte im Frühjahr die Ernüchterung eines Großteils der Bevölkerung.
Die annexionistische Propaganda erfasste nicht wie im 2. Weltkrieg alle Bevölkerungskreise, sondern hauptsächlich industrielle und intellektuelle Schichten.
In der zweiten Hälfte des Krieges erlangte die sozialdemokratische Parole eines „Friedens ohne Annexionen“ große Popularität, vor allem unter den Soldaten, und deren Unmut richtete sich gegen die Alldeutschen als Kriegshetzer und Kriegsverlängerer.
Der Friede von Brest-Litowsk mit dem bolschewistischen Russland stellte die erste Verwirklichung deutscher Kriegsziele dar. Er war keineswegs ein Verständigungsfriede, wie in der Friedensresolution verkündet, sondern ein harter Gewaltfriede, durch militärischen Vormarsch erzwungen. Im Kernpunkt der Vereinbarungen stand die Abtretung von Polen, Litauen und Kurland, die „Unabhängigkeit“ der Ukraine sowie die Besetzung von Livland und Estland durch deutsche „Polizeitruppen“, obwohl diese Länder formal bei Russland verblieben. Weiter musste Russland seine Truppen aus Finnland und den, an die Türkei grenzenden, Bezirken Erdehan, Kars und Batum abziehen. Russland verlor dadurch 26% seines Territoriums, 27% des anbaufähigen Landes, 26% des Eisenbahnnetzes, 33% der Textilindustrie, 73% der Eisenindustrie und 75% der Kohlenbergwerke.
Einen Höhepunkt der deutschen Kriegszielpläne, mit ausgedehnten Annexionsgebieten und Einflusssphären im Osten und Südosten, bildete das Jahr 1918, zwischen dem Frieden mit Sowjetrussland und der Niederlage der Mittelmächte.
Vor allem Ludendorff, oft gegen den Widerstand, aber doch auch mit Duldung der Reichsleitung, hat vor und nach den Zusatzverträgen zum Brest-Litowsker Frieden vom Sommer 1918 Livland, Estland, die Krim, das Gebiet der Kuban- und Donkosaken als Brücke zum Kaukasus und das Kaukasusgebiet selbst; darüber hinaus das Gebiet der Wolgatataren, das Gebiet der Astrachan-Kosaken, ferner Turkmenien und Turkestan, u.a. durch den Plan eines „Südostbundes“, in Konkurrenz mit türkischen Aspirationen, als deutsche Einflusssphären zu sichern versucht.
Kaiser Wilhelm II. entwickelte den Plan, Russland nach Abtretung Polens, der Ostseeprovinzen und des Kaukasus in vier unabhängige „Zarentümer“, die Ukraine, den Südostbund als antibolschewistisches Gebiet zwischen der Ukraine und dem Kaspischen Meer, in Zentralrussland und Sibirien zu teilen. Diese Form der Beherrschung ergäbe eine „Brücke nach Zentralasien zur Bedrohung der englischen Stellung in Indien“.
Da Ludendorff nicht an die dauernde Separation der Ukraine von Russland glaubte, entwickelte er ein Konzept der deutschen Einflusssphären in Russland, als Gegengewicht zum bolschewistischen Kern. Einerseits war der kurzlebige Staat Krim-Taurien als Siedlungsgebiet für Russlanddeutsche vorgesehen, andererseits das Don-Kubangebiet als Verbindung zum Kaukasus. Die Krim sollte ein permanent besetzter Kolonialstaat mit deutscher Besiedlung werden, als Flottenstützpunkt wichtig für den deutschen Einfluss im Kaukasus und Mittleren Osten.
Für den Kaukasus entwickelte Ludendorff einen deutsch bestimmten Kaukasusblock mit Georgien als Kern, was sich durch die große Entfernung und den türkischen Vorstoß als völlig utopisch herausstellte.
Die Zusatzverträge zum Brest-Litowsker Frieden vom 27. August 1918 stellten zwar einen neuen Höhepunkt der Demütigung Russlands dar, setzten aber gleichzeitig diesen, noch viel weitergehenden Annexionsplänen ein vorläufiges Ende. Die russischen Randstaaten von Finnland bis Georgien waren zwar nicht direkt annektiert worden, befanden sich aber in enger wirtschaftlicher und militärischer Abhängigkeit vom Deutschen Reich.
Der zunehmende Zerfall der russischen Macht durch die Revolution und die Nichtachtung des amerikanischen Kriegseintritts ließen alle Zügel derer schießen, die aus lange angestauter Sorge vor der Ostmacht den „Ritt ins Ostland“ ersehnten. Je drohender im Westen die Gegner gegen die Front anrannten, desto eher lockte der Griff nach dem offenen Osten.
Die Frage war aber auch, ob sich ein deutsch beherrschtes Mitteleuropa in einem zukünftigen Krieg gegen die zwei größten Seemächte Großbritannien und die USA durchsetzen könnte. Schließlich besaßen die beiden Weltmächte praktisch den unbegrenzten Zugriff auf das globale wirtschaftliche Potential mit seinen Ressourcen. Als Antwort darauf entwickelten die deutschen Planer die Idee des deutschen Großraumes von der Biskaya bis zum Ural. Der östliche Großraum, „wehrwirtschaftlich“ geschlossen und verteidigungsfähig, autark und blockadefest, als Gegengewicht zu den Seemächten, löste damit Mitteleuropa als zentrales deutsches Kriegsziel ab. Die Schwäche der Mitteleuropakonzeption, die Abhängigkeit von anderen souveränen Staaten und die begrenzten Rohstoffreserven entfielen beim Ostraum-Programm.
Deutschland hatte im Gegensatz zu den anderen kriegsführenden Staaten kein „natürliches“ Kriegsziel, was eine Suche nach Zielen künstlichen Charakters, die im Bewusstsein des Volkes nicht verwurzelt sein konnten, nach sich zog. Das Fehlen greifbarer nationaler Ziele, nachdem der Weg nach Südosten durch das Bündnis mit Österreich-Ungarn verbaut war, führte zu einer Konzentration auf reine Machtexpansion. Diese Machtexpansion, gemäßigt und kritisch oder radikal und ausschweifend, war der Ausdruck des spezifischen politischen Bewusstseins der Wilhelminischen Zeit. Sie begriff die Kumulation von Macht als den Kern staatlicher Existenz. Machtkonflikte erschienen ihr als die innerste Antriebskraft der Geschichte.
Einen Krieg zu beginnen, einem fremden Staat Gebiete abzunehmen war von jeher das unbezweifelte Recht des souveränen Staates gewesen. Deutschland verpasste in dieser Selbstverständlichkeit bei der Formulierung der Kriegsziele und dem Einsatz aller zu Gebote stehenden politischen und militärischen Mittel den sich damals in aller Welt anbahnenden Umschwung in Politik und öffentlicher Meinung.
Die deutsche Kriegszieldebatte war kein Kampf zwischen den Möglichkeiten der Expansion oder des Friedens, sondern ein mörderischer Krieg zwischen gemäßigten und extremen Versionen eines deutschen Friedens. Die Annexionisten versuchten, grob gesagt, die schweren Probleme des Reiches auf außenpolitischer Ebene durch Kriegsziele zu lösen, die Gemäßigten durch innere Reformen (obwohl sie Kriegsziele keineswegs ausschlossen).
Zahlenmäßig waren die Anhänger der gemäßigten Richtung den Annexionisten unterlegen, sie fanden aber vorerst mehr Gehör bei der Reichsleitung unter Bethmann Hollweg. Sie waren aber, anders als manche Gegner, keine Massenagitatoren. Die Gemäßigten blieben von der Arbeiterschaft isoliert und standen ebenso hilflos wie Bethmann Hollweg der annexionistischen Massenbewegung gegenüber. Es gab also ein Missverhältnis von starkem Einfluss „nach oben“ und mangelnder Breitenwirkung „nach unten“. Bei den Annexionisten war das zumindest bis zur Installierung der 3. OHL genau umgekehrt. Das führte bei den Gemäßigten zu einem Gefühl der Unterlegenheit, obwohl sie durch den Gang der Ereignisse bestätigt wurden – diese psychologische Hypothek sollte noch in der Weimarer Republik fortwirken.
Die Motive für die Kriegszielbewegung waren vielfältig und verflochten. Sie reichten von reinen Existenzängsten über wirtschaftliche Partikularinteressen bis zu unverhohlenen Allmachtsträumen.
Die durch die nationalistische Agitation fortwährend noch gesteigerten, weit überspannten Erwartungen der deutschen Öffentlichkeit schränkten die Handlungsfähigkeit der noch relativ nüchternen Reichsleitung unter Bethmann Hollweg immer wieder ein und vergrößerten die Diskrepanz zwischen weltpolitischen Illusionen und kontinentaleuropäischen Realitäten.
In der Außenpolitik vor und im Kriege zeigte sich wieder einmal Deutschlands altüberkommene geografisch-politische Spaltung. Der Bruch mit England wurde gefördert und begrüßt von der Flottenpartei, der (Schwer-) Industrie, dem anitplutokratischen Flügel des preußischen Mittelstandes sowie den Junkern und war im wesentlichen eine norddeutsche Angelegenheit. Der Kampf mit Russland fand dagegen mehr Unterstützung in Süddeutschland, bei den Sympathisanten der Habsburger und bei der Finanzindustrie. Auf die Seite des kontinentalpolitischen Flügels war auch der Reichskanzler Bethmann Hollweg zu zählen, auf die Gegenseite sein Hauptwidersacher (in den ersten Kriegsjahren), Tirpitz.
Hier taucht auch wieder der alte Versuch auf, innere Probleme durch Expansion nach außen zu lösen. Es versuchten die traditionellen agrarischen und industriellen Machteliten im Reich, notwendige Reformen durch einen Sieg zu verhindern, um ihre privilegierte soziale Stellung im Inneren zu behaupten. Daher war ein Verständigungsfriede für die politisch Mächtigen Deutschlands immer undenkbar, bedeutete er doch den Verlust ihrer Macht fast ebenso sicher wie eine von außen herbeigeführte Niederlage.
Das angestrebte „Imperium Germanicum“ scheiterte nicht nur an der deutschen „Kontinuität des Irrtums“, sondern auch an den Mängeln der inneren Strukturen des Reiches, das zu keinerlei Selbstbeschränkung als Vormacht eines Kontinentaleuropas fähig war, sowie an den Erfordernissen der Zeit mit ihrem Selbstbestimmungsrecht der Völker, das vom Reich im Grunde nicht wirklich akzeptiert wurde.
Nach der Sozialimperialismustheorie von Hans-Ulrich Wehler entwickelte das Reich bereits in der Bismarck-Zeit die politische Strategie, die sozialen Spannungen im Inneren durch eine verstärkt auf den überseeischen Imperialismus setzende Außenpolitik abzulenken und womöglich zu neutralisieren. Der Krieg war demnach als „Flucht nach vorne“ zu verstehen. Für Wehler hatten die deutschen Kriegsziele für die Machteliten den funktionalen Aspekt, als „Integrationsklammer“, als Mittel, die politische und soziale Einheit der tief in sich gespaltenen wilhelminischen Gesellschaft herzustellen.
Das Deutsche Reich war aufgrund seiner militärischen Macht, seines wirtschaftlichen Potentials und seiner territorialen Größe ohnehin schon die stärkste europäische Großmacht. Daher musste jede in seinem Wesen angelegt imperialistische Expansion zwangsläufig mit dem Gleichgewicht der Kräfte in Europa kollidieren. Hätte sich Deutschland gegen die stärkst-mögliche Koalition aufrechterhalten, wäre ihm automatisch eine hegemoniale Funktion in Europa und der Welt zugefallen (Ludwig Dehio).
Schließlich hat Deutschland im Krieg bewiesen, dass es schon eine Weltmacht war, sonst hätte es nicht jahrelang gegen die drei anderen beneideten Weltmächte Russland, die Vereinigten Staaten und das Britische Empire Krieg führen können. Das Streben nach Weltmacht ging eher in die Richtung von Statussymbolen einer Weltmacht, mit möglichst vielen Kolonien. Denn das deutsch beherrschte Gebiet der Erdoberfläche erschien den deutschen Imperialisten im Vergleich zu den anderen Weltmächten, aber auch zur nur europäischen Großmacht Frankreich, viel zu klein, als Ausgangsbasis für die Zukunft einfach zu schmal.
Deutschland war also stark genug für den Versuch eine dritte Weltmacht, neben der russischen und der anglo-amerikanischen, zu werden, aber nicht stark genug, um Erfolg zu haben. Es scheiterte an dem überspannten Versuch, ein Reich von der flandrischen Küste bis zum Peipussee, von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer und der Ägäis, von „Helgoland bis Bagdad“ zu beherrschen, wobei Kolonien und überseeische Stützpunkte, mit „Mittelafrika“ als Supplement zu einem ausgeweiteten Mitteleuropa, vorgesehen waren.
Freilich hätte gerade eine solche Machtzusammenballung europäische Befreiungskriege gegen die deutsche Hegemonie provozieren müssen, wie sie im Zweiten Weltkrieg Realität wurden.
Vorkriegspolitik, Kriegsziele von 1914, Kriegsziele von 1918 bilden eine Einheit, so wie die Kriegsziele der verschiedenen Gruppen, Parteien, Klassen und Individuen eine Einheit bilden. Die Kriegszielpolitik des Deutschen Reiches war die erschütternde Illusion durch unrealistische Überschätzung der deutschen Macht. Charakteristisch für diese Politik war ein Ineinandergreifen von wirtschaftlichem Denken und rein emotionalen Elementen, mit einem Mangel an Sinn fürs Reale, Überschätzung der eigenen und Unterschätzung der feindlichen Kräfte.
Deutschland mit seinem „Bündnis zwischen Rittergut und Hochofen“ führte eine Kriegszielpolitik, die nur aus dem Dilemma des konservativen Systems eines industrialisierten Agrarstaates erklärbar wird, in dem die ökonomische Machtstellung der Konservativen immer schwächer geworden ist.
Lange Zeit dominierte in Westdeutschland die Auffassung, dass keinerlei Zusammenhang zwischen den deutschen Kriegszielen im Ersten und Zweiten Weltkrieg bestehe. In allen kriegsführenden Staaten waren es aber nur die deutschen Nationalisten, allen voran die Alldeutschen, die den entscheidenden Qualitätssprung, die Umsiedlung feindlicher Bevölkerungsteile, vollzogen. Die Veränderung der ethnischen Verteilung zur Festigung der Macht des Reiches wurde, in der Tradition der preußischen Ostmarkenpolitik, durch zwangsweises Aufkaufen, Übernahme von Krondomänen, Kirchengütern usw. und Abschiebung von Teilen der Bevölkerung geplant.
Die völkischen Aussiedlungs- und Kolonisationspläne für den „Ostraum“ gab es zwar schon seit Kriegbeginn, sie beherrschten allerdings erst seit 1918, nach dem kurzfristigen Triumph der 3. OHL, die gesamte Führungsspitze des Reiches.
Diese für den Osten, vor allem für den polnischen Grenzstreifen, von der Obersten Heeresleitung projektierte Ansiedlung von (vorerst) Russlanddeutschen wies schon in die Richtung der Ostpläne der Nationalsozialisten. Der Nationalsozialismus hat die Ostraumideologie und den deutschen Expansionsdrang nach Osten hart und rücksichtslos wieder aufgenommen, allerdings viel energischer und brutaler als das kaiserliche Deutschland. Die Befürworter des Grenzstreifenprojekts in Regierung und Militär dachten nur an eine systematische „Auskaufung“ als Fortführung der preußischen Ostmarkenpolitik, nicht jedoch an eine völkerrechtswidrige gewaltsame Aussiedlung schon im Krieg, wie sie das Dritte Reich durchführte.
Die völkische Politik Ludendorffs, vor allem im Osten 1918, nahm jedoch schon große Teile der Rassenpolitik Hitlers vorweg. Der Versuch im Sommer 1918, den deutschen Großraum im Osten zu realisieren, war begleitet von völkischen Umsiedlungs- und Kolonisationsplänen, die in vielen Zügen auf Hitlers Ostpolitik vorauswiesen. Die Idee, Millionen von Slawen als Heloten zu behandeln oder gar Millionen von Juden zu ermorden, existierte im Ersten Weltkrieg natürlich nicht. Das Problem war das veraltete Denken der meisten Annexionisten in Kategorien der agrarischen Epoche, das sich die Lösung der inneren Schwierigkeiten, die aus dem rasanten Bevölkerungswachstum im Zuge der raschen Industrialisierung Deutschlands erwuchsen, nur auf dem traditionellen Weg einer territorialen Expansion mit bäuerlicher Ansiedlung vorstellen konnte.
Hitlers schon in den Zwanziger-Jahren fixiertes Fernziel, ein deutsches Ostimperium auf den Trümmern der Sowjetunion aufzubauen, war also nicht nur Vision, sondern besaß einen konkreten Anknüpfungspunkt in dem 1918 für kurze Zeit schon einmal realisierten. Das verräterische Vokabular von 1918 zeigt, dass wichtige Voraussetzungen für Programmatik und Praxis des Nationalsozialismus in dieser Zeit entstanden oder geschaffen wurden. Hitler, der „an diese Kontinuitäten anknüpft und sie doch zerbricht“ (Nipperdey), und sein Programm knüpften an die am weitesten gespannten Kriegsziele des Ersten Weltkrieges zwar an, waren jedoch qualitativ durch die Verquickung mit dem rassischen Dogma davon abgehoben.
Neben frappierend ähnlichen Kriegszielen gab es auch Ähnlichkeiten im Auftreten nach West wie nach Ost. Nach Westen beide Male noch relativ zivilisiert, nach Osten sehr viel brutaler, mit Steigerungen unter Hitler.
Literatur
- Fritz Fischer: Griff nach der Weltmacht. Düsseldorf 2000 (erstmals 1961), ISBN 3770009029 - Die Monographie zur deutschen Kriegszielpolitik vor und während des Ersten Weltkriegs löste die so genannte Fischer-Kontroverse aus.
Frankreich
Frankreich wollte Revanche für die von den Franzosen als schmerzhaft empfundene Niederlage von 1871 nehmen und Elsass-Lothringen zurückerobern. Frankreich wollte darüber hinaus die durch den Deutsch-Französischen Krieg eingeleitete Vormachtstellung des Deutschen Reiches auf dem europäischen Festland beseitigen, welche die französische Nation zuvor seit dem 17. Jahrhundert innegehabt hatte.
Das wichtigste, fast absolute Kriegsziel der Nation tauchte bereits in den ersten Kriegstagen auf: die Rückgewinnung Elsass-Lothringens. Diese Forderung blieb vom Anfang bis zum Ende des Krieges, quer durch das politische Spektrum, ein unverrückbares Kriegsziel. Als nach dem Sieg an der Marne beschlossen wurde, den Krieg bis zum Ende der „Hegemonie des preußischen Militarismus“ fortzuführen, traten bald auch weitere Ziele an die Öffentlichkeit, vom Saarbecken, über linksrheinische Gebiete, in manchen Kreisen bis hin zur Infragestellung der Reichseinheit, oder zumindest ihrer Schwächung im föderativen Sinne. Führend in dieser Frage war die extreme national-royalistische „Action française“, während die republikanische „Ligue des patriotes“ eine Kampagne lancierte, die auf eine Umgestaltung des Rheinufers in einen Pufferstaat unter französischer Dominanz, oder sogar offene Annexion abzielte.
Im Herbst 1915 zeichneten sich schließlich jene französischen Kriegsziele ab, die in den kommenden Jahren immer wieder, mit unterschiedlicher offizieller Unterstützung, kaum verändert auftauchten. Die Rückkehr von Elsass-Lothringen in den Grenzen von 1814 oder sogar 1790, also mit dem Saargebiet, die Zurückdrängung Deutschlands an den Rhein, durch Annexion oder Neutralisation des Rheinlandes, wobei sich die Regierung völlig freie Hand ließ, sowie eine wirtschaftliche und militärische Angliederung Belgiens und Luxemburgs an Frankreich.
Die überseeischen Kriegsziele Frankreichs manifestierten sich durch die Konzentration auf die Westfront, hauptsächlich bei den Vereinbarungen mit den Alliierten über den Nahen und Mittleren Osten und Westafrika.
Für die Russland, im März 1915 im „Abkommen über Konstantinopel und die Meerengen“, zugesprochenen Gebiete forderte Delcassé vorerst Kilikien und Syrien als Interessenszonen. Dem Comité de l’Asie Française war das jedoch zu wenig, es rief offen nach einer Annexion Kilikiens und Syriens, inklusive Palästina. Die Regierung folgte dieser Forderung und bekam im Oktober Kilikien und Syrien mit dem Libanon von Großbritannien zuerkannt. Palästina sollte internationalisiert werden. Die kolonialen Kriegsziele waren auch weniger Bestrebungen der Regierung, sondern der Kolonialpartei und ihren Sympathisanten im Außen- und Kolonialministerium. Die Regierung, durch die Westfront voll in Anspruch genommen, diskutierte koloniale Fragen nicht einmal, weswegen der Kolonialminister bis 1918 in dieser Frage dominierte.
Priorität für viele Kolonialisten hatte ein geschlossenes französisches Westafrika, inklusive der deutschen und britischen Enklaven. Auch im Orient war Großbritannien mehr Konkurrent als der eigentliche Kriegsgegner, das Osmanische Reich.
Zum Leidwesen der Kolonialisten hörte Georges Clemenceau aber wenig auf die Kolonialpartei und ihre Leute im Außenministerium am Quai d’Orsay, sondern trat Lloyd George in der anglo-französischen Deklaration vom 7. November 1918 die Ansprüche auf Palästina und Mossul ab – möglicherweise, um britische Unterstützung bei den französischen Ambitionen auf die linksrheinischen Gebiete zu erhalten.
Die anderen Hauptgründe, warum die französische Kolonialpartei ihre Kriegsziele nicht voll durchsetzen konnte, waren das Mandatsprinzip des Völkerbundes in Afrika, die Tatsache, dass Großbritannien die militärische Macht in den fraglichen Gebieten inne hatte und die Mäßigung der Kolonialisten, vor allem in der Sprache, bedingt durch Wilsons Selbstbestimmungsrecht der Völker. Hatten kolonialistische Beamte lange Zeit die kolonialen Kriegsziele bestimmt, konnte sich Clemenceau zuletzt doch durchsetzen.
Die günstige Kriegslage im Sommer 1916, insbesondere der als entscheidend bewertete Kriegseintritt Rumäniens, bewirkte bei der Regierung Briand ein Aufgeben der bisherigen Zurückhaltung. Diskussionen und Untersuchungen in Bezug auf die Friedensbedingungen setzten ein und führten schließlich zu einem umfangreichen Forderungsprogramm.
Auf Verlangen Präsident Poincarés entwarf zuerst Generalstabschef Joffre im August 1916 einen Plan der wünschenswerten Friedensbedingungen – mit Annexion des saarländischen Kohlebeckens, der Bildung von drei oder vier linksrheinischen Staaten mit Brückenköpfen am rechten Rheinufer bei Straßburg und Germersheim, sowie einer Verkleinerung Preußens zugunsten der anderen deutschen Staaten. Dieser Generalstabsplan wurde im Oktober 1916 überarbeitet und verschärft, wobei eine dreißigjährige Okkupation des Rheinlandes und eine Teilung Deutschlands in neun unabhängige Staaten vorgesehen war. Dieses extreme Konzept sollte aber erst nach Kriegsende wieder auftauchen.
Das Kriegszielprogramm der Regierung Briand, im November 1916 von Paul Cambon, Botschafter in London, und seinem Bruder ausgearbeitet, war deutlich moderater. Danach sollte der deutsche Nationalstaat bestehen bleiben, Frankreich „zumindest“ die Grenze von 1790, also Elsass-Lothringen mit dem Saarland, erhalten. Einer mit großen Schwierigkeiten verbundenen Okkupation des Rheinlandes wird die Errichtung zweier neutraler, unabhängiger Pufferstaaten unter französischem Schutz vorgezogen. Belgien, aber nicht Luxemburg, wird im Gegensatz zum Generalstabsmemorandum in Unabhängigkeit belassen.
Manchen Regierungsmitgliedern ging das Cambon-Memorandum zu weit, andere wollten wiederum keinen Verzicht auf Annexionen im Rheinland. Ministerpräsident Briand stand aber hinter dem Programm, weshalb es im Januar 1917, in revidierter Form, zum offiziellen Regierungsprogramm wurde. Die revidierte Form bezog sich jedoch in erster Linie auf die Verwendung subtilerer Formulierungen. So wurde das „zumindest“ beim Anspruch auf die 1790er-Grenze weggelassen oder die Bezeichnung „Pufferstaaten“ durch „Neutralität“ und „provisorische Okkupation“ ersetzt.
Alles Sonstige sollte inter-alliierten Verhandlungen vorbehalten bleiben, was Frankreich freie Hand sicherte. Jedenfalls waren alle der Meinung, ein System von Pufferstaaten würde spätere Annexionen erleichtern. Das Dokument war gedacht als Diskussionsgrundlage mit Großbritannien, ohne legislative Sanktion, und war daher möglichst unverbindlich gehalten, vage vor allem in Bezug auf die, von Großbritannien abgelehnte, Annexion des Rheinlandes.
Aus diesem Grunde wurde das spektakulärste Kapitel in der Geschichte der französischen Kriegsziele auch ohne Wissen Großbritanniens geschrieben – die Mission des Kolonialministers Doumergue in Petrograd am 12. Februar 1917. Das Angebot Doumergues an Russland zur freien Festsetzung seiner Westgrenze war der Versuch, einen Sonderfrieden mit dem Deutschen Reiche zu verhindern. Am 14. Februar 1917 sicherte Russland seinerseits den Franzosen Unterstützung bei ihren Forderungen zu. Frankreich wurde Elsass-Lothringen im Umfang des früheren Herzogtums Lothringen mit dem Saarbecken zugestanden, die nicht annektierten linksrheinischen Gebiete „sollen ein autonomes und neutrales Staatswesen“ unter französischem Schutz bilden, das besetzt bleibt, bis alle Friedensbedingungen erfüllt sind.
Wenige Wochen später wurde die Abmachung durch die erste russische Revolution allerdings hinfällig, und die französische Kriegszielpolitik geriet, zusammen mit der gesamten Politik wegen der unsicheren Kriegslage, bedingt durch ein mögliches Ausscheiden Russlands, in eine tiefe Krise. Das zaristische Russland war schließlich die einzige Großmacht gewesen, die Briands Pläne im Saarland und am Rhein unterstützt hatte. Mit dem Kollabieren des Zarenreichs kollabierten, so schien es vorerst, auch Frankreichs Rheinpläne.
Der den gescheiterten Briand ersetzende Ministerpräsident Ribot leitete eine neue Phase der französischen Kriegszielpolitik ein. Da durch das drohende Ausscheiden Russlands nun der Ausgang des Kampfes selbst in Frage gestellt wurde, trat die Frage der Kriegsziele natürlich in den Hintergrund – offiziell wurde nur mehr an Elsass-Lothringen festgehalten.
Die Regierung Ribot wies den „Geist der Eroberung“ weit von sich und verlangte neben Elsass-Lothringen „nur“ notwendige „Sicherheitsgarantien“. Als die Erfolge des deutschen U-Bootkrieges und die Meutereien im französischen Heer im Frühjahr 1918 die Kriegslage für die Alliierten zusätzlich verschlimmern, sieht sich Ribot von den französischen Sozialisten gedrängt, die Kriegsziele noch mehr zurückzuschrauben. Er entbindet Russland seiner Zusagen bezüglich der neuen französischen Ostgrenze, an die sich die neue russische Regierung ohnehin nicht gebunden fühlte, und beteuert, die Rückgabe Elsass-Lothringens sei keinesfalls eine Annexion und die notwendigen „Garantien“ solle man doch nicht im „Geiste der Eroberung“ sehen.
Später meint Ribot „die Stunde ist noch nicht gekommen, um über alle Friedensbedingungen zu diskutieren“, und weist jegliche Annexionsbestrebungen zurück. Gleichzeitig lässt er aber die Möglichkeit unabhängiger Rheinstaaten offen und predigt weiterhin die Niederwerfung des „preußischen Militarismus“. Ribot hielt also an der Rheinlandpolitik, ebenso wie an der Gesamtheit der französischen Ziele fest, die Veränderung betraf lediglich die äußere Form der Kriegsziele, nicht ihren Inhalt.
Erst im Januar 1918 erhielt Frankreich die endgültige offizielle Unterstützung in der Hauptkriegszielfrage Elsass-Lothringen; Lloyd George und Präsident Wilson forderten öffentlich die Auslöschung des Unrechts von 1871. Bis Kriegsende konzentriert sich die Regierung Clemenceau darauf, das Recht Frankreichs auf die Provinzen, ohne jegliche Abstimmung, zu zementieren, während die anderen Fragen diskret im Hintergrund blieben, was aber keinesfalls ein Abgehen von weiteren Zielen bedeutete.
So kam es, dass selbst nach Ende des Krieges die französischen Kriegsziele noch halbfertig und unklar waren, obwohl nach der sicheren Erlangung Elsass-Lothringens die Rheingrenze eindeutig das Hauptziel Clemenceaus und aller politischen Führer war.
Langlebigstes und wichtigstes Konzept zur Schwächung Deutschlands war der Versuch der Loslösung der Rheinlande von Deutschland, durch Annexion oder Neutralisation.
Es ist nicht richtig, dass Frankreich mit seinen Absichten in Versailles gescheitert ist, konnte es doch, trotz aller Konzessionen an seine Alliierten, einen guten Teil seiner Ziele durchsetzen. Zwar musste das Land auf offene Annexionen im Saar- und Rheinland verzichten, hatte jedoch durch die Besetzung dieser Gebiete alle Möglichkeiten den Vertrag, wie 1923 bei der Ruhrbesetzung, „nachzubessern“. Dass die Okkupation letztlich scheiterte, lag jedenfalls nicht am mangelnden Durchsetzungsvermögen Frankreichs in Versailles.
Allerdings ist anzunehmen, dass bei einem Nichtausscheiden Russlands die „annexionistischen Mächte“ Frankreich und Russland ihren Frieden diktiert, also ihre Kriegsziele weitgehend durchgesetzt und Deutschland auf das Gebiet zwischen Rhein und unterer Weichsel beziehungsweise Oder beschränkt, hätten. Die Forderungen an die Besiegten hätten von vornherein anders gelautet, denn der Einfluss der liberal-gemäßigt gesinnten angelsächsischen Mächte wäre auf der Friedenskonferenz weit weniger zum Tragen gekommen. Frankreich und sein großer kontinentaler Verbündeter hätten die neue Karte Europas weitgehend unter sich ausgemacht. So aber musste sich Frankreich, da es seine westlichen Alliierten benötigte, um Deutschland auch nach dem Kriege dauerhaft niederzuhalten, von vornherein bescheiden, um sich nicht britischen und US-amerikanischen Einwänden beugen zu müssen, die ja das bereits „kosmetisch behandelte“ und reduzierte Programm Frankreichs kritisierten und einzuschränken trachteten. Man könnte daher, leicht überspitzt, formulieren, Deutschland verdankt das Rheinland der russischen Revolution.
Russland
Russland konzentrierte seine internationalen Interessen nach dem verlorenen Krieg 1904/05 gegen Japan auf den Balkan, als dessen natürliche Schutzmacht es sich sah. Dabei kam es unweigerlich zu starken Spannungen mit Österreich-Ungarn. Das Selbstverständnis Russlands als Erbe der byzantinisch-orthodoxen Kultur und die traditionelle Feindschaft gegen das Osmanische Reich kamen in den russischen Kriegszielen ebenfalls zum Ausdruck. Nach dem osmanischen Kriegseintritt erhoffte man sich auf russischer Seite den Gewinn Konstantinopels und der Meerengen zwischen der Ägäis und dem Schwarzen Meer. Die russischen Kriegsziele umfassten neben dem alten Ziel der Meerengen, aber auch Galizien, vor allem den „(klein)russisch“ besiedelten Ostteil, und aus strategischen Gründen, das ins russische Gebiet hineinragende Ostpreußen. Im weiteren Sinne spielte sicher auch die Idee des Panslawismus, einer Zusammenfassung aller Slawen in einem Kontinentalblock, eine Rolle.
In der ersten Siegeszuversicht erstellte der russische Außenminister Sazonow am 14. September 1914 ein 13-Punkte-Programm, das in manchen Aspekten als Gegenpart zum Septemberprogramm Bethmann-Hollwegs anzusehen ist. Dies ist auch bekannt als „12-Punkte-Programm“, weil bei den ersten Veröffentlichungen Punkt 13, über die Reparationen, eliminiert worden war.
Sazonov sah in erster Linie territoriale Abtretungen Deutschlands, angeblich auf der Basis des Nationalitätenprinzips, vor. Russland würde den Unterlauf des Njemen (Memelland) und den östlichen Teil Galiziens annektieren sowie dem Königreich Polen das östliche Posen, (Ober-) Schlesien und Westgalizien angliedern. Weitere Bestimmungen waren die oft genannten Fixpunkte alliierter Kriegszielprogramme: Elsass-Lothringen, vielleicht das Rheinland und die Pfalz an Frankreich, ein Gebietszuwachs für Belgien bei Aachen, Schleswig-Holstein zurück an Dänemark und die Wiederherstellung Hannovers.
Österreich würde eine „Dreifache Monarchie“ bilden, bestehend aus den Königreichen Böhmen (Böhmen und Mähren – Mähren wurde dabei für das Gebiet der Slowaken gehalten, was die Unklarheit russischer Vorstellungen von Zentraleuropa zeigt), Ungarn und Österreich (Alpenländer), wobei sich Ungarn mit Rumänien über Siebenbürgen einigen müsste. Serbien erhielte Bosnien-Herzegowina, Dalmatien und Nordalbanien, Griechenland hingegen Südalbanien, Bulgarien einen Teil Mazedoniens, England, Frankreich und Japan die deutschen Kolonien. Die Meerengen blieben, noch vor dem türkischen Kriegseintritt, zumindest offiziell unerwähnt. Sazonows Programm war die erste umfassende Kriegszielerklärung der russischen Regierung und Russland war damit die erste Ententemacht, die ihren Alliierten eine Liste mit Kriegszielen vorlegte.
Großbritannien
Großbritannien wollte sich der wachsenden Wirtschaftskraft Deutschlands entledigen und die starke deutsche Flotte ausschalten, da es seine Machtstellung durch das seit der Reichseinigung aufstrebende Deutschland bedroht sah. Die deutsche Invasion Belgiens war der offizielle Grund für Großbritanniens Kriegseintritt – die Wiederherstellung Belgiens blieb in den ersten Kriegsjahren daher auch das einzige erklärte wichtige Kriegsziel. Zum Ziel der Befreiung Belgiens trat aber schon früh die Formel der „Zerschlagung des preußischen Militarismus“, zur Wahrung des europäischen Gleichgewichts, das durch die deutsche Besetzung Belgiens und der Kanalküste bedroht schien.
Direkte territoriale Ziele auf dem europäischen Kontinent hatte Großbritannien jedenfalls zu keiner Zeit, auch außerhalb Europas habe Großbritannien, laut Premier Asquith, schon jetzt gerade so viel Land wie „we are able to hold“. Dennoch mussten etwaige Interessen gegenüber Frankreich, Russland und den anderen Verbündeten gewahrt bleiben, was im Klartext Erwerbungen von deutschen und türkischen Besitzungen in Afrika und Vorderasien bedeutete.
Territoriale Belange wurden offiziell immer, wohl um peinliche Implikationen zu vermeiden, als sekundär angesehen. Nach dem Ausscheiden des zaristischen Verbündeten konnte der Krieg propagandistisch hervorragend als Kreuzzug der Demokratie gegen Tyrannei und Despotismus geführt werden. Aber Ende 1916 wollte die englische Öffentlichkeit schließlich konkret wissen, wofür ihre Soldaten kämpfen und sterben sollten, was die Formulierung der Kriegsziele dringend machte.
Am 20. März 1917 bezeichnete Lloyd George die Beseitigung der reaktionären Militärregierungen und die Etablierung von „populären“ Regierungen, als Basis des internationalen Friedens, als wahre Kriegsziele. Gegen Ende des Jahres einigte sich das Kabinett auf erste provisorische Kriegsziele. Es unterstützte französische Aspirationen auf Elsass-Lothringen, italienische Forderungen, entgegen dem Vertrag von London, nur auf Basis des Nationalitätenprinzips, sowie die Restauration Belgiens, Serbiens und Rumäniens. Später kamen, neben der Forderung nach Unabhängigkeit Polens und der Völker der Donaumonarchie, auch eigene Expansionswünsche in Form von Forderungen nach Selbstbestimmung für die deutschen Kolonien, um den Deutschen die Grundlage für ihr Mittelafrika zu entziehen und den schon okkupierten arabischen Teilen der Türkei unter „British rule“ zu Tage.
Das Sykes-Picot-Abkommen vom 3. Januar 1916 regelte die Interess
Österreich
Die Republik Österreich ist ein Bundesstaat in Mitteleuropa mit der Staatsform einer parlamentarischen Demokratie. Das Land ist seit 1955 Mitglied in der UNO und seit 1995 in der Europäischen Union. Es grenzt im Norden an Deutschland und Tschechien, im Osten an die Slowakei und Ungarn, im Süden an Slowenien und Italien und im Westen an die Schweiz und Liechtenstein.
Geografie
Hauptartikel: Geografie Österreichs
Landschaft
Etwa 60 Prozent des Landes sind gebirgig und haben Anteil an den Ostalpen (vor allem Tiroler Zentralalpen, Hohe Tauern und Niedere Tauern, Nördliche Kalkalpen, Südliche Kalkalpen und Wienerwald). In Ober- und Niederösterreich liegt - bereits nördlich der Donau - die Böhmische Masse, ein altes Rumpfgebirge, das auch nach Tschechien und Bayern hinüberreicht, und an der Ostgrenze die Kleinen Karpaten.
Die fünf Großlandschaften Österreichs:
- Anteil an den Ostalpen (52.600 km², 62,8 % der Staatsfläche)
- Anteil am Alpen- und Karpatenvorland (9.500 km², 12,3 %)
- Vorland im Osten, Anteil an Randgebieten des Pannonischen Tieflands (9.500 km², 12,3 %)
- Granit- und Gneisplateau, Anteil am Mittelgebirgsland der Böhmischen Masse (8.500 km², 10,1 %)
- Anteil am Wiener Becken (3.700 km², 4,4 %)
Von der Gesamtfläche Österreichs (rd. 84.000 km²) entfällt etwa ein Viertel auf Tief- und Hügelländer. Nur 32 % liegen tiefer als 500 m.
Gebirge
km²
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km²
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Die sieben höchsten Berge Österreichs sind:
Ebenen
Die großen Ebenen liegen im Osten entlang der Donau, vor allem das Alpenvorland und das Wiener Becken mit dem Marchfeld, sowie in der südlichen Steiermark, die wegen ihrer Landschaftsähnlichkeit zur
Toskana auch oftmals Steirische Toskana genannt wird.
tiefster Punkt: Hedwighof (Gemeinde Apetlon - Burgenland) 114 m
Seen
Der größte See ist der Neusiedler See im Burgenland, der mit ca. 77 % seiner Gesamtfläche von 315 km² in Österreich liegt, gefolgt vom Attersee mit 46 km² und dem Traunsee mit 24 km² in Oberösterreich. Auch der große Bodensee mit seinen 536 km² im Dreiländereck mit Deutschland (Freistaat Bayern und Land Baden-Württemberg) und der Schweiz liegt zu einem kleinen Anteil auf österreichischem Staatsgebiet. Allerdings sind die Staatsgrenzen innerhalb des Bodensees nicht genau bestimmt.
Für den Sommertourismus in Österreich haben die Seen neben den Bergen die größte Bedeutung, insbesondere die Kärntner Seen und jene des Salzkammerguts. Die Bekanntesten davon sind der Wörthersee, der Millstättersee, der Ossiachersee und der Weißensee. Weitere bekannte Seen sind der Mondsee und Wolfgangsee an der Grenze von Salzburg und Oberösterreich.
siehe auch: Liste der Seen in Österreich
Flüsse
Der größte Teil Österreichs wird über die Donau zum Schwarzen Meer entwässert, nur kleine Gebiete über Rhein oder Elbe zur Nordsee.
Große Nebenflüsse der Donau sind (von Westen nach Osten):
- Lech und Inn (entwässern Tirol) mit Salzach (entwässert Salzburg).
- die Ager, Traun, Enns, Ybbs, Erlauf, Traisen, Wien, und Fischa entwässern die südlich der Donau gelegenen Gebiete von Oberösterreich und Niederösterreich sowie Wiens.
- die Große und Kleine Mühl, Rodl und Aist, der Kamp, Göllersbach und Rußbach, sowie die March an der Ostgrenze entwässern die nördlich der Donau gelegenen Gebiete von Oberösterreich und Niederösterreich
Klima
Das Klima wird vom Westen nach Osten immer trockener (In Wien sind die Niederschläge nur noch halb so hoch wie in Salzburg) und erreicht in den östlichen und südöstlichen Landesteilen das pannonische Kontinentalklima, das teilweise im südlichen Seengebiet mediterran beeinflusst wird. Die schneereichen Winter bringen dem Tourismus eine zweite Saison. Die Sonnenscheindauer ist etwa um 10 bis 20 Prozent länger als beispielsweise in Norddeutschland.
Die niederschlagsreichsten Gegenden sind das gesamte Alpenvorland sowie das Tiroler Unterland, das Außerfern und der Bregenzer Wald. Dort fallen bis zu 3.000 mm Regen pro Jahr (Durchschnitt 900 mm). In diesen Regionen kann es auch sehr oft zu Überschwemmungen kommen.
Bundesländer
Bregenzer Wald
Die österreichischen Bundesländer: B Burgenland, K Kärnten, NÖ Niederösterreich, OÖ Oberösterreich, S Salzburg, St Steiermark, T Tirol, V Vorarlberg, W Wien
Die neun österreichischen Bundesländer sind in Bezirke aufgeteilt, diese wiederum in Gemeinden.
Städte
Siehe auch: Städte in Österreich
Das mit Abstand größte Siedlungsgebiet in Österreich ist die Metropolregion Wien mit einer Einwohnerzahl von 2.067.652 (Stand 1. Januar 2005). Damit konzentriert sich ein Viertel der Bevölkerung des Landes in der Hauptstadtregion. In Österreich besitzen rund 200 Gemeinden das Stadtrecht. Ein großes Problem, vor allem in wirtschaftlich schwachen Gegenden, ist die Abwanderung (Landflucht) der ländlichen Bevölkerung in die städtischen Ballungsräume.
Große Städte
Die größten Städte Österreichs (nach Einwohnerzahl) sind:
Landflucht]
Landflucht
Landflucht
Landflucht mit Bodensee (vom Pfänder gesehen)]]
Stand: 2001
Ballungsräume in Österreich
Die nachstehenden Gemeinden, die in einem größeren bebauten Siedlungsgebiet liegen, sind nach ihrer Einwohnerzahl sortiert.
Stand: 2001
Entfernungen (Luftlinie)
- Wien - Bregenz 505 km
- Wien - Innsbruck 390 km
- Wien - Salzburg 253 km
- Wien - Linz 155 km
- Wien - Graz 148 km
- Wien - Bratislava (SK) 55 km
- Salzburg - München (D) 116 km
- Wien - Berlin (D) 530 km
- Wien - Budapest (H) 255 km
- Bregenz - Paris (F) 568 km
- Villach - Triest (Mittelmeer) (I) 109 km
- Graz - Maribor (SLO) 70 km
Grenzlängen
- Staatsgrenzen insgesamt 2.562 km, davon zu:
- Deutschland (Bayern): 784 km
- Italien: 430 km
- Ungarn: 366 km
- Tschechische Republik: 362 km
- Slowenien: 330 km
- Schweiz: 164 km
- Slowakei: 91 km
- Liechtenstein: 35 km
Bevölkerung
siehe auch: Österreicher
Österreicher
Lebenserwartung
Die durchschnittliche Lebenserwartung in Österreich beträgt zur Zeit (2005) bei den Frauen 82,1 Jahre und bei den Männern 76,4 Jahre (im Vergleich 1971: 75,7 Frauen und 73,3 Männer). Die Kindersterblichkeit beträgt 0,45 %. siehe auch: Österreichisches Gesundheitssystem
Sprache
Deutsch ist Amts- und Muttersprache von etwa 98 % der österreichischen Bevölkerung. Die deutsche Sprache wird vielfach in Form eines der vielen oberdeutschen Dialekte gesprochen, die zu den Mundartfamilien des
- Alemannischen (gesprochen in Vorarlberg sowie dem Tiroler Außerfern) und
- Bairischen (gesprochen in allen anderen Bundesländern – siehe Sprachgebrauch in Österreich) gehören. Sieben Millionen Österreicher sprechen einen mittel- oder südbairischen Dialekt.
Daneben werden slawische und andere Sprachen von autochthonen Minderheiten gesprochen. Die alteingesessenen burgenlandkroatischen, slowenischen und ungarischen Bevölkerungsanteile in Österreich haben einen Anspruch auf muttersprachlichen Schulunterricht und Behördenverkehr. Burgenlandkroatisch und Slowenisch sind zusätzliche Amtssprachen in jenen Verwaltungs- und Gerichtsbezirken der Steiermark, des Burgenlandes und Kärntens mit kroatischer oder slowenischer, bzw. gemischter Bevölkerung. Auch die alteingesessene Roma-Bevölkerung hat ihre eigene Sprache.
Außerdem leben 35.000 Jenische in Österreich, wovon gerade noch 3.500 ein fahrendes Leben führen. Sie wurden in den 1960er Jahren im Burgenland, im Mühlviertel, im Waldviertel, auf dem Hausruck, im Toten Gebirge, in den Seetaler Alpen und Fischbacher Alpen angesiedelt.
Siehe auch: Minderheitssprachen in Österreich, Kärntner Slowenen
Zuwanderung
Das Land beherbergt Menschen aus vielen anderen Ländern, die aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen ins Land gekommen sind. Diese Zuwanderer oder vorübergehend im Land lebenden Menschen stammen vornehmlich aus Russland, dem ehemaligen Jugoslawien (v.a. Serbien und Montenegro), Deutschland, Georgien, dem asiatischen Raum (Indien, Türkei, Afghanistan, Pakistan, China u.a.), aber auch aus anderen Weltregionen; Deren Anteil an der einheimischen Bevölkerung beträgt etwa 12,5 % (Anfang 2005). Bereits in den 1960er und 1970er Jahren wurden viele damals noch als Fremdarbeiter wegen des herrschenden Arbeitskräftemangels von den Firmen direkt in den Herkunftsländern angeworben um in Österreich zu arbeiten. Viele dieser Familien leben mittlerweile in der zweiten oder dritten Generation im Land. Ungefähr die Hälfte aller Menschen mit Migrationshintergrund bzw. deren Nachkommen lebt im Großraum Wien, wo etwa ein Viertel der gesamten Bevölkerung Österreichs ansässig ist.
Der Rest verteilt sich vorwiegend auf die übrigen Ballungszentren, in denen ihr Anteil zwischen 10 und 20 % ausmacht. In einigen ländlichen Regionen liegt der Anteil der Migranten und Migrantinnen zwischen 0 und 5 %. In den vergangenen Jahren wurde pro Jahr an etwa 30.000 - 40.000 Menschen die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen.
Prognose
Laut Prognosen der Statistik Austria, dem statistischen Amt der Republik Österreich, halten sich Geburten und Sterbefälle in Österreich noch für etwa 20 Jahre die Waage, danach werden die Geburten- voraussichtlich unter den Sterbezahlen liegen, was zu einem höheren Altersdurchschnitt führen wird. Durch Zuwanderung kann die Bevölkerung bis zum Jahr 2050 auf rund 9 Millionen anwachsen und das Geburtendefizit teilweise ausgeglichen werden. Nur in Wien, als einzigem der neun Bundesländer, wird der Altersdurschnitt niedriger und das Bevölkerungswachstum höher als im Bundesdurchschnitt sein; bis 2050 kann Wien demnach wieder zur Zweimillionenstadt werden. Als Grund führt Statistik Austria an, dass die Geburtenraten höher liegen und rund 40% der Immigration nach Österreich auf die Bundeshauptstadt entfallen.
Religion
73,6 % der einheimischen Bevölkerung bekennen sich zum römisch-katholischen Glauben und 4,7 % zum Protestantismus (überwiegend Augsburger Bekenntnis). Etwa 12 % der Bevölkerung gehören keiner Kirche oder Glaubensgemeinschaft an, die israelitische Kultusgemeinde zählt etwa 7.300 Mitglieder. Zum Buddhismus, der in Österreich 1983 als Religionsgemeinschaft anerkannt wurde, bekennen sich etwas über 10.000 Menschen. Etwa 20.000 sind aktive Mitglieder der Zeugen Jehovas. Von den zugewanderten Personen sind etwa 180.000 Mitglieder christlich-orthodoxer Kirchen, und rund 350.000 Menschen Mitglieder verschiedener muslimischer Religionsgemeinschaften (August 2005).
Siehe auch: Geschichte des Christentums in Österreich, Anerkannte Religionen in Österreich, Baptisten in Österreich, Buddhismus in Österreich, Religionsfreiheit in Österreich
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Österreichs
Franken- und Ostfrankenreich
Weite Gebiete des heutigen Österreich gehörten im späten 8. Jahrhundert zum bayrischen Stammesherzogtum im fränkischen Reich Karls des Großen.
Im folgenden Ostfrankenreich, in der Region des heutigen Niederösterreich, war seit 856 eine Marchia Orientalis den Karolingern unterstellt. Diese Grenzmark im Südosten des Reiches wurde zur Keimzelle des späteren Österreich. Dieses Gebiet ging 907 allerdings an die Ungarn verloren. Erst nach der Schlacht auf dem Lechfeld 955 konnte das ostfränkische Reich wieder nach Osten expandieren und es entstanden neue Herzogtümer und Markgrafschaften. Damit begann auch eine weitere Welle bajuwarischer (bayerischer) Siedlungstätigkeit.
Heiliges Römisches Reich (HRR) (962 - 1806)
955
Im Jahr | | |