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Istanbul

Istanbul

Istanbul [] (türkisch İstanbul []), das alte Konstantinopel, ist die größte Stadt der Türkei und wurde unter dem Namen Byzantion (griech.: Βυζάντιον ; lat.: Byzantium ; heute auch: Byzanz) gegründet. Die eigentliche Stadt hat 9.797.536 Einwohner, in der Agglomeration leben 11.588.545 Menschen (Stand jeweils 1. Januar 2005). Sie erstreckt sich sowohl auf der europäischen als auch auf der asiatischen Seite des Bosporus und ist damit die einzige Metropole, die auf zwei Kontinenten liegt. Mit ihrer fast dreitausendjährigen Geschichte ist sie eine der ältesten noch bestehenden Städte der Welt. Istanbul ist das Kultur- und Wirtschaftszentrum der Türkei. Es ist traditionell der Sitz des Patriarchen von Konstantinopel, zu dem einige orthodoxe Kirchen in der heutigen Türkei gehören und der als Oberhaupt der gesamten Orthodoxie anerkannt ist. Die Stadt ist Sitz des Erzbischofs der türkisch-orthodoxen Gemeinde, eines armenischen Erzbischofs und des türkischen Oberrabbiners. Istanbul ist Universitätsstadt und beherbergt Bibliotheken, zahlreiche Museen sowie ausländische Kulturinstitute. Die Altstadt von Istanbul wurde 1985 in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Geografie

Geografische Lage

Weltkulturerbe Istanbul umschließt den südlichen Bosporus und wird von ihm in ein westliches, europäisches und ein östliches, asiatisches Gebiet geteilt. Das Goldene Horn, eine nach Westen verlaufende Bosporusbucht, trennt den europäischen Teil in eine südliche, zwischen Marmarameer und Goldenem Horn liegende Halbinsel mit dem historischen Istanbul und die an das historische Galata anschließenden nördlichen Stadtteile. Sowohl nach Westen als auch nach Norden und Osten hin ist Istanbul weit über die historischen Stadtteile hinaus in einer vehementen Ausdehnung begriffen. Im Südosten liegen die zu Istanbul gehörenden Prinzeninseln. Die geografischen Koordinaten sind 41° 0' nördlicher Breite und 28° 57' östlicher Länge. Die eigentliche Stadt hat eine Fläche von 1.538,77 Quadratkilometer. Die Metropolregion Istanbul, die mit der Bodenfläche der Provinz Istanbul identisch ist, hat eine Fläche von 5.220 Quadratkilometer, was etwa doppelt so groß wie das Saarland ist.

Geologie

Istanbul liegt in der Nähe der großen Nordanatolischen Störung, einem Grabenbruch, der sich vom nördlichen Anatolien bis zum Marmarameer hinzieht. Zwei Erdplatten, die afrikanische und die eurasische, stoßen hier aneinander. In den Hauptbebenregionen der Türkei ereignen sich aus diesem Grund in Abständen von wenigen Jahren starke Erdbeben. Eines der katastrophalen Beben, verbunden mit einer gigantischen Flutwelle, die über die Seemauern der Stadt einbrach, ereignete sich 1509: Über 100 Moscheen wurden zerstört, mehr als 10.000 Menschen starben. Im Jahr 1766 wurde die Eyüp-Moschee vollständig zerstört. 1894 stürzten bei einem Beben weite Teile des Gedeckten Basars ein. Für die nächsten zehn bis zwanzig Jahre prognostizieren Erdwissenschaftler ein Beben der Stärke von mindestens 7,0 auf der Richter-Skala. Die verheerenden Beben vom August 1999 mit dem Epizentrum bei Kocaeli mit 18.000 Toten und im Winter 2001 in der Provinz Afyon waren, so befürchtet man, lediglich Vorboten. Gründe für die verheerenden Auswirkungen sind die dichte Besiedlung, die Baumängel, teilweise verursacht durch Korruption, Schlamperei und Schwarzbauten.

Stadtgliederung

Korruption Hauptartikel siehe: Stadtteile von Istanbul Istanbul gliedert sich in 27 Stadtbezirke: Adalar, Avcılar, Bağcılar, Bahçelievler, Bakırköy, Bayrampaşa, Beşiktaş, Beyoğlu, Beykoz, Eminönü, Eyüp, Esenler, Fatih, Gaziosmanpaşa, Güngören, Kadıköy, Kağıthane, Kartal, Küçükçekmece, Maltepe, Pendik, Sarıyer, Şişli, Tuzla, Ümraniye, Üsküdar und Zeytinburnu. Von den 27 Stadtbezirken befinden sich neun - Adalar, Beykoz, Kadıköy, Kartal, Maltepe, Pendik, Tuzla, Ümraniye und Üsküdar - im asiatischen Teil der Stadt, die restlichen 18 auf der europäischen Seite. Das alte, im Süden der europäischen Seite gelegene Stadtzentrum Konstantinopels mit den Stadtteilen Eminönü und Fatih wird durch das Goldene Horn von den nördlicher gelegenen, jüngeren Stadtteilen getrennt und im Westen von der Theodosianischen Landmauer begrenzt. Nördlich des Goldenen Horns befinden sich das europäisch geprägte Beyoğlu und Beşiktaş, wo sich der letzte Sultanspalast befindet, gefolgt von einer Kette ehemaliger Dörfer wie Ortaköy und Bebek entlang dem Ufer des Bosporus. Hier errichteten wohlhabende Istanbuler bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts luxuriöse Holzvillen, Yalı genannt, die als Sommerwohnsitz dienten. Die auf der asiatischen Seite gegenüberliegenden Stadtteile Üsküdar und Kadıköy waren ursprünglich selbstständige Städte. Heute sind sie vor allem Wohn- und Geschäftsviertel. Auch auf dieser Seite liegen ehemalige Dörfer am Bosporus, die heute zu Stadtteilen oder -vierteln geworden sind. Bedingt durch das starke Wachstum Istanbuls seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, machen den größten Teil der Stadtfläche heute moderne, im Hinterland errichtete Stadtteile aus. Sie wurden teilweise als Gecekondus errichtet und erst nach Jahren oder Jahrzehnten an die städtische Infrastruktur angeschlossen, wie zum Beispiel Gaziosmanpaşa westlich des Goldenen Horn. Konzernzentralen und teure Büro- und Wohnviertel enststehen vor allem im Norden auf Höhe der zweiten Bosporusbrücke oberhalb von Bebek in den Vierteln Levent und Etiler.

Klima

Das Frühjahr und der Herbst sind angenehm temperiert und daher die besten Zeiten, der Stadt einen Besuch abzustatten. Relativ hohe Temperaturen (jedoch deutlich weniger hoch als etwa an der türkischen Riviera oder in Griechenland) und eine hohe Luftfeuchtigkeit bestimmen die Sommermonate. Lediglich am Bosporus, wo immer eine leichte Brise weht, ist es auch dann angenehm. Der Winter ist durch wechselhaftes Wetter bestimmt: Es gibt frühlingshafte Sonnentage, häufig Regen und Kälteeinbrüche, manchmal auch Schneefälle. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei 14,1 Grad Celsius, die jährliche Niederschlagsmenge bei 698 Millimeter. Der wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlich 23,2 Grad Celsius, der kälteste der Januar mit 5,4 Grad Celsius im Mittel. Der meiste Niederschlag fällt im Monat Dezember mit durchschnittlich 122 Millimeter, der wenigste im Juli mit 19 Millimeter im Mittel.

Geschichte

Siehe auch: Geschichte Istanbuls

Byzantion

Im Jahre 658 v. Chr. gründeten dorische Griechen aus Megara, eine Kolonie am europäischen Ufer des Bosporus, in einem ruhigen und geschützten Hafen. Wegen der günstigen geografischen Lage - durch die Meerenge am Bosporus ist das Schwarze Meer mit dem Marmarameer verbunden und dieses seinerseits mündet über die Dardanellen in das Mittelmeer - wurde Byzantion sehr bald ein bedeutendes Handelszentrum. Im Jahre 513 v. Chr. eroberte der persische König Darius I. die Stadt. 324 n. Chr. vereinigte Konstantin I. beide Teile des Römischen Reiches und am 11. Mai 330 taufte er die neue Hauptstadt feierlich auf den Namen Neu-Rom. Sie wird jedoch später bekannter unter dem Namen Konstantinopel. Siehe auch: Byzantion

Konstantinopel

Byzantion Byzantion Unter Kaiser Justinian I. (483-565), dem einzigen Oberhaupt von Staat und Kirche, gelangte Konstantinopel zu Ruhm. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts hatte die geistige Spannung, in der das Abendland lebte, verbunden mit der Idee, die heiligen Stätten in Jerusalem von den "Ungläubigen" zu befreien, zum Gedanken der Kreuzzüge geführt. Im April 1204 eroberten die Kreuzritter Konstantinopel. Die Stadt wurde geplündert und zahlreiche Einwohner wurden ermordet, Kunstwerke von unschätzbarem Wert gingen unwiderruflich verloren. Auf rund 100.000 Einwohner reduziert, ihres früheren Ruhms beraubt, wurde die Stadt 1261 vom Byzantinischen Reich unter Michael VIII. zurückerobert. Am 5. April 1453 begann die Belagerung Konstantinopels durch osmanische Streitkräfte unter Sultan Mehmed II. und am Morgen des 29. Mai wurde die Stadt besetzt. Konstantinopel wurde nach Bursa und Adrianopel zur neuen osmanischen Machtzentrale. Die Sultane sahen sich in der Nachfolge der christlichen Kaiser. Die teilweise zerstörte und entvölkerte Stadt wurde planvoll wiederbesiedelt und wiederaufgebaut. Die Macht des Osmanischen Reichs erreichte ihren Höhepunkt mit Sultan Süleyman I. (1520-1566), dessen Architekt Sinan das Stadtbild mit zahlreichen Moscheen, Brücken, Palästen und Brunnen prägte. Mit dem fortschreitenden Verfall des osmanischen Einflusses in der Region und der Verkleinerung des Reiches bis Anfang des 20. Jahrhundert litt auch die kosmopolitische Bedeutung Konstantinopels. Im Ersten Weltkrieg schlug sich das Osmanische Reich auf die Seite der Mittelmächte und verlor. Im Friedensvertrag von Sèvres vom 10. August 1920 wurde das Reich unter den alliierten Siegermächten aufgeteilt und musste gewaltige Gebietsverluste hinnehmen. Konstantinopel mit den Meerengen Bosporus und Dardanellen wurde zunächst von den Alliierten besetzt, vor allem Griechenland forderte die "Rückgabe" Konstantinopels, das es zu seiner neuen Hauptstadt machen wollte. Unter Mustafa Kemal, genannt Atatürk, begann ein Befreiungskrieg. Konstantinopel verlor 1923 den Status als Hauptstadt der modernen Türkei an Ankara im zentralen Hochland Anatoliens, wohl auch, weil sich die neue Republik von der Tradition der Osmanen abgrenzen wollte: Sultanat und Kalifat wurden abgeschafft, die arabische Schrift wurde durch die lateinische ersetzt, ein an westlichen Idealen orientiertes Bildungssystem wurde installiert, ein Rechtssystem nach westlichem Vorbild wurde eingeführt, darunter ein allgemeines Wahlrecht (auch für Frauen: vor vielen europäischen Staaten. Siehe auch: Konstantinopel

Istanbul

Am 28. März 1930 wurde Konstantinopel auf Veranlassung von Kemal Atatürk in Istanbul umbenannt. Die Stadt behielt ihre kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung bei, was durch den regen Zuzug von Menschen aus Anatolien seit den 1950er Jahren noch verstärkt wurde. Gigantische Bauprojekte über und unter der Erde waren die Folge, die jedoch mit dem rapiden Bevölkerungswachstum nicht Schritt halten können. 1994 wurde der jetzige Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan als Kandidat der weit rechts stehenden RP Refah Partisi Bürgermeister. Sein Nachfolger ist Mimar Kadir Topbaş von der AKP. Das Istanbul von heute leidet vor allem unter bevölkerungspolitischen und infrastrukturellen Problemen, die durch den enormen Bevölkerungsanstieg und den wirtschaftlichen Strukturwandel mit vielen Arbeitslosen, einer unkontrollierten Schattenwirtschaft und Korruption verschärft werden. Istanbuls geschichtliche Bauwerke, sein kosmopolitischer Charme, sein viele Klischees befriedigender Orientalismus, sein aufstrebender Internationalismus und sein reiches Kulturleben ziehen viele ausländische und inländische Touristen an. Türkische Investoren und Investoren aus aller Welt machten und machen Istanbul zu einer wichtigen Wirtschaftsmetropole als Mittler zwischen Okzident und Orient.

Entwicklung des Namens

Der ursprünglich thrakische Name Istanbuls, Byzantion, wurde später auf einen der legendären Gründer zurückgeführt. Aus Byzantion wurde unter den Römern Byzantium und im Laufe der Zeit Byzanz. Der Name Konstantinupolis, woraus im Deutschen Konstantinopel, im Englischen Constantinople wurde, stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Stadt des Konstantin". Die osmanische Variante des Namens lautet Konsţanţiniyye, im Armenischen ist es Gostantnubolis. Für die slawischen Völker (Russen, Serben und Bulgaren) hieß die Stadt Tsarigrad (Stadt des Zaren bzw. Kaisers). Der heutige Name Istanbul kam erst nach der Einnahme der Stadt durch die Osmanen in Gebrauch. Er leitet sich angeblich vom griechischen στήν Πόλι / stin Poli, "in die Stadt", ab. Die Zwischenform Stambul war während des 19. Jahrhunderts gebräuchlich. Aus der Gewohnheit ein "i" vor Wörter zu setzen, die mit zwei Konsonanten beginnen (zum Beispiel "İzmir" von Smyrna: Beim Zusammentreffen von "s"+"m" wird das "s" stimmhaft gesprochen und daher als "z" geschrieben und ein "i" vorangestellt), wurde aus Stambul das türkische İstanbul. Die Türken sprechen den Namen als "Istambul" [isˈtɑmbul] aus. Im Türkischen wie auch im Persischen werden die Konsonantenverbindungen "n"+"b" stets als "mb" ausgesprochen. Aus anderen Quellen ist zu erfahren, dass das Wort "Istanbul" die türkische Verballhornung des Namens der Stadt (Kon-"stan"-tino-"pel" --> I-"stan"-"bul") ist, so wie das bei vielen anderen byzantinischen Städtenamen (z.B. Hadrianopolis zu Edirne, Ikonion zu Konya oder Nikomedia zu İzmit) auch geschehen ist. Eine weitere Deutung, die auf die Wortähnlichkeit zurückzuführen ist, leitet den Namen "Istanbul" von "islam bol" ab, was im Türkischen so viel bedeutet wie "viel Islam".

Religionen

Überblick

İzmit Das Stadtbild von Istanbul ist geprägt von Moscheen, Basaren und Palästen wie dem "Topkapı-Serail", aber auch von Kirchen und Synagogen, die überwiegend immer noch gut erhalten geblieben sind. Istanbul war und ist eine kosmopolitische Stadt. Der Vorschlag der Fundamentalisten, die "Hagia Sophia" - die heute als Museum genutzt wird - wieder in eine Moschee umzuwandeln, ist in der laizistischen Türkei bisher nicht durchsetzbar. Circa 80 Prozent der Bevölkerung Istanbuls bekennen sich zum Islam - in der gesamten Türkei sind es 89 Prozent. Bedeutende religiöse Minderheiten sind die griechisch-orthodoxen Christen, die armenischen Christen, und die sephardischen Juden. In einigen Stadtteilen, wie zum Beispiel in Kuzguncuk, befindet sich gleich neben einer Moschee eine armenische Kirche, etwas weiter entfernt eine Synagoge, auf der anderen Straßenseite dann eine griechisch-orthodoxe Kirche. Zu den christlichen Gebetszeiten zweimal täglich um acht und 16 Uhr ertönen in Kuzguncuk die Glocken.

Muslime

Die Muslime sind die größte Religionsgruppe in Istanbul und spalten sich in unterschiedliche Glaubensrichtungen auf. Die meisten Muslime der Stadt sind Sunniten. Circa 15 bis 30 Prozent zählen sich zu den Aleviten und Alawiten (arabischsprachig). 1925 verbot Kemal Atatürk, Gründer der Republik Türkei, die damals zahlreichen und mitgliederstarken Derwisch-Orden. Die meisten der Anhänger des Sufismus, einer islamischen Mystik, agierten anschließend im Geheimen, manche von ihnen haben noch in heutiger Zeit eine große Anhängerschaft. Um dem noch immer gültigen Verbot zu entgehen, treten diese aber meist als "Kulturvereine" auf.

Christen

Mystik Die Stadt ist traditionell Sitz des ökumenischen Patriarchen, zu dem einige orthodoxe Kirchen gehören und Sitz eines armenischen Erzbischofs sowie des Erzbischofs der türkisch-orthodoxen Gemeinde. Der Alltag der noch in Istanbul lebenden armenischen und griechischen Minderheiten war nach dem Ersten Weltkrieg von Diskriminierung und ständigen Repressalien geprägt. 1942 kam es zur Einführung einer Besonderen Vermögenssteuer (varlik vergisi), im September 1955 zu regelrechten Pogromen. 1964 wurden schließlich alle Griechen ohne türkische Staatsangehörigkeit des Landes verwiesen. Die Zahl der Armenier in Istanbul umfasst daher heute nur noch etwa 60.000, die Zahl der Griechen beläuft sich auf 2.000. Neben den Levantinern gibt es auch eine kleine, verstreute Anzahl von Bosporus-Deutschen.

Juden

Die sephardischen Juden leben in der Stadt seit über 500 Jahren. Sie flohen im Jahre 1492 von der iberischen Halbinsel, als sie nach dem Untergang des maurischen Reiches gezwungen werden sollten, zum Christentum überzutreten. Der damals herrschende Sultan Beyazit II. (1481-1512) schickte einen großen Teil der osmanischen Flotte nach Spanien, um die sephardischen Juden zu retten. Mehr als 200.000 von ihnen, die sich nicht zum Christentum bekehren lassen wollten, flüchteten zunächst nach Tanger, Algier, Genua und Marseille, später nach Saloniki und schließlich auch nach Istanbul. Der Sultan gewährte damals über 50.000 dieser spanischen Juden Zuflucht im osmanischen Reich. In Istanbul sind die sephardischen Juden bis heute geblieben. Ihre Zahl wird auf etwa 20.000 geschätzt. Insgesamt 20 Synagogen sind in der Stadt zu finden, die wichtigste davon ist die 1951 eingeweihte Neve-Shalom-Synagoge im Stadtteil Beyoğlu. In Istanbul sitzt der türkische Oberrabbiner (aktuell Ishak Haleva).

Entwicklung der Einwohnerzahlen

Obwohl Ankara die Hauptstadt des Landes ist, bleibt Istanbul wirtschaftlich und kulturell die größte und wichtigste Stadt der Türkei. Die Stadt am Bosporus erfüllt mit all ihren Problemen (Verkehrslärm, Luftverschmutzung), wie sie auch andere Städte dieser Größenordnung haben, alle UN-Kriterien für eine Megastadt. Die Einwohnerzahl der eigentlichen Stadt hat sich seit Anfang der 1980er Jahre bis heute verdreifacht. Von den 9.797.536 Einwohnern dieser Kernstadt leben 6.486.993 im europäischen Teil von Istanbul und 3.310.543 auf der asiatischen Seite (Stand 1. Januar 2005). Die Gesamtfläche des Stadtgebietes beträgt 1.538,77 Quadratkilometer, davon liegen 1.001,54 Quadratkilometer auf europäischer Seite, die Bevölkerungsdichte dort beträgt 6.477 Einwohner je Quadratkilometer. Die Stadtfläche des asiatischen Teils beträgt 537,23 Quadratkilometer, die Bevölkerungsdichte dort 6.162 Einwohner je Quadratkilometer. In der Metropolregion Istanbul, die mit der Bodenfläche der Provinz Istanbul identisch ist, leben 11.588.545 Menschen auf einer Fläche von 5.220 Quadratkilometern. Die Bevölkerungsdichte dort beträgt 2.220 Einwohner je Quadratkilometer, in den ländlichen Regionen außerhalb der Stadt sind es nur noch 487 Einwohner je Quadratkilometer. Etwa 70 Prozent der Bevölkerung Istanbuls sind durch Landflucht aus Anatolien zugezogen. Überwiegend aus Südost- und Ostanatolien kommend, erhoffen sich die Landflüchtigen, darunter viele Kurden, in Istanbul eine neue Existenz, mit meist wenig Erfolg. Jedes Jahr entstehen dadurch am Stadtrand neue Gecekondus, die mit der Zeit ausgebaut werden und sich zu neuen Stadtteilen gruppieren. Die Grenzen der Stadt werden immer weiter an die Peripherie gedrängt. Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1914 handelt es sich meist um Schätzungen, die je nach Forschermeinung um bis zu ± 50 Prozent variieren. Die Zahlen von 1927 bis 2000 sind Ergebnisse von Volkszählungen, 2005 einer Berechnung. Die Verdoppelung der Bevölkerung von Istanbul zwischen 1980 und 1985 ist neben Zuzug und natürlicher Bevölkerungszunahme auch auf administrative Maßnahmen zurückzuführen.

Entwicklung der Wohnsituation

Volkszählung Zum Stadtbild gehören die typischen, in osmanischer Tradition gebauten, Holzhäuser. In ihnen läßt sich die Harmonie der verschiedenen Kulturen Istanbuls wiedererkennen. Durch das schnelle Wachstum der Bevölkerung wurden in den letzten Jahrzehnten in und um die Stadt zahlreiche hohe Neubausiedlungen gebaut. Diese verhindern heute, dass die vom Schwarzen Meer und Marmarameer kommenden Winde die Atemluft der Bewohner auffrischen. Etwa zwei Drittel der Einwohner Istanbuls sind Landflüchtlinge. Ein Drittel von ihnen lebt in Marginalsiedlungen (Gecekondus), die in vielen Fällen im Laufe der Zeit an die öffentliche Versorgung angeschlossen worden sind. Und häufig wurden in den letzten Jahren auf deren Gebiet neue Wohnviertel errichtet. Erfolge wurden seit Mitte der 1990er Jahre bei der Beseitigung des Müllproblems, der teilweisen Entschärfung der Verkehrssituation und der Verringerung der Luftverschutzung durch den Einsatz von Erdgas erzielt. Trotzdem gehören die Luft- und Wasserverschmutzung durch die zahlreichen Fabriken, Kraftfahrzeuge und privaten Haushalte (hohe Ozon- und Kohlenmonoxidwerte) und die Lärmbelastung durch den zunehmenden Verkehr weiterhin zu den wichtigsten Sorgen der Bevölkerung Istanbuls. Krankheiten wie Bronchitis, Asthma und Erschöpfung sind unter den Bewohnern der Stadt weit verbreitet. Besondere Probleme ergeben sich aus der oft direkten Nachbarschaft ärmerer Wohngebiete und der Industrie.

Politik

Bürgermeister von Istanbul ist Mimar Kadir Topbaş von der islamisch-konservativen Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (Adaletve Kalkınma Partisi, AKP). Die AKP wurde 2001 von Recep Tayyip Erdoğan, dem ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden der Wohlfahrtspartei (Refah Partisi, RP) als Nachfolgepartei des gemäßigten Flügels der kurz zuvor verbotenen islamistischen Tugendpartei (Fazilet Partisi) gegründet. Topbaş siegte bei den Kommunalwahlen vom 28. März 2004 mit 45,84 Prozent der abgegebenen Stimmen und übernahm das Amt von seinem Vorgänger Ali Müfit Gürtuna (RP), der seit 12. November 1998 Bürgermeister war. Die Islamisten regieren Istanbul seit 27. März 1994, als sie die weltlichen Parteien bei den Kommunalwahlen besiegten. Der jetzige Ministerpräsident der Türkei, Recep Tayyip Erdoğan (RP), wurde für vier Jahre Bürgermeister der Stadt. Für den Islamismus bedeutete dies einen triumphalen Sieg, für die weltlichen Parteien hingegen Konsternation und Besorgnis, zumal die RP auch in anderen Städten große Sympathien ernten konnte, unter anderem in Ankara. Die meisten Stimmen erhielt die RP in den Elendvierteln von Istanbul. Die Islamisten verteilten vor den Wahlen unter der dort lebenden armen Bevölkerung kostenlos Lebensmittel und boten verschiedene Dienstleistungen an. In seinen vier Jahren als Bürgermeister von Istanbul erlangte Erdoğan eine erhöhte Popularität. Bereits bei seinem Amtsantritt präsentierte er seine islamisch geprägte Version von einer sauberen und anständigen Bosporus-Metropole, in der von nun an unter anderem Bordelle verboten und eigene Badestrände für Frauen eingerichtet würden. Durch die strukturierte Amtsführung und die Effizienz, mit der er die regionalpolitischen Angelegenheiten anging, gewann Erdoğan auch bei seinen politischen Gegnern Respekt. Während seiner Amtszeit verschwanden beispielsweise die früher für Istanbul typischen Müllhaufen in den Straßen. Die notorischen Probleme mit der Wasserversorgung wurden behoben, sowie, in mühevoller Kleinarbeit, zusätzliche Grünanlagen geschaffen. Dispute um verschiedene Maßnahmen machten schnell spürbar, dass die RP ein religiös geprägtes, vom Koran inspiriertes Parteiprogramm hatte. Ein kompletter Umsturz der bisherigen Lebensweise in der „westlichsten“ und kosmopolitischsten Stadt des Landes, immerhin mit zehn Millionen Einwohnern bevölkert, ist bis heute allerdings unvorstellbar.

Städtepartnerschaften

Istanbul unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

Koran Die bekanntesten Museen in Istanbul sind der Topkapı Sarayı, ein ehemaliger Sultanspalast, die Hagia Sophia, die Chora-Kirche, das Archäologische Museum, das Museum für türkische und islamische Kunst, das Museum Istanbul Modern und der Dolmabahçe Sarayı, ebenfalls ein früherer Sultanspalast, der im 19. Jahrhundert im neubarocken Stil erbaut wurde. Viele Nebengebäude der berühmten Moscheen wurden inzwischen in Museen verwandelt, die eindrucksvolle Einblicke in die Zeit der Osmanen gewähren. Es gibt auch noch weitere Kunstmuseen, bei denen es sich lohnt, sie zu besuchen. Die wichtigsten und wertvollsten Gemälde der Türkei, auch wertvolle Miniaturen sind in den Museen von Istanbul zu finden.

Bauwerke

Die ungeheuere Fülle von städtbaulich, kunsthistorisch und touristisch bedeutenden Bauwerken kann nur knapp, ausschnittsweise und exemplarisch dargestellt werden.

Byzanz und christliches Konstantinopel bis 1453

neubarocken neubarocken Im heutigen Stadtbild Alt-Istanbuls entdeckt man immer noch die antiken Ursprünge.
Einige Plätze und Bauwerke sind in der Anlage oder als Ruinen erhalten. Nur wenige haben die Jahrhunderte nahezu unverändert überdauert. Beispiele:
- das Hippodrom (At Meydanı), angelegt 203 n. Chr.
- das Konstantinsforum mit dem Relikt der Konstantinssäule (Çemberli Taş, aufgestellt 328 n. Chr.)
- der Valens-Aquädukt (Bozdoğan Kemeri), gegen 368 n. Chr. vollendet
- die Theodosianische Landmauer, 424 n. Chr. vollendet
- die Seemauer am Marmarameer, 439 n. Chr. von Theodosius II. in Auftrag gegeben
- verschiedene Ehrensäulen und -bögen, z. B. der 20 m hohe Obelisk Thutmosis III. (15. Jhd. v. Chr.) aus Rosengranit, der im 4. Jhd. n. Chr. von Karnak (Ägypten) nach Konstantinopel gebracht und 390 n. Chr. auf der Spina des Hippodroms aufgestellt worden ist
- Zisternen wie der "versunkene Palast" Yerebatan Sarnıcı, 6. Jh. n. Chr. Fast unversehrt haben einige Kirchen zunächst als Moscheen, dann als Museen überlebt:
- die Hagia Sophia (Ayasofya Camii, Kirche der Heiligen Weisheit), 537 n. Chr. geweiht
- die Pammakaristós-Kirche (Fethiye Camii), im 11. oder 12. Jh. n. Chr. gegründet
- die spätbyzantinische Chora-Kirche (Kariye Camii), in ihrer jetzigen Erscheinungsform aus dem 14. Jh.

Osmanisches Konstantinopel

Die osmanischen Sultane und ihre höchsten Würdenträger strebten sofort nach der Eroberung Konstantinopels danach, ihre Macht und ihren Glauben sichtbar zu demonstrieren, so wie das auch die christlichen Herrscher getan hatten. Die Übernahme griechischer Handwerker, griechischer Bauformen und sogar ganzer griechischer Gebäude dienten diesem Zweck. So erstaunt es keineswegs, dass der bedeutendste osmanische Architekt, Sinan, kein Türke war. Dennoch bildete sich ein eigener osmanischer Baustil heraus.
Ab dem 18. Jahrhundert geriet die osmanische Architektur immer mehr unter den Einfluss westeuropäischer Stile wie Barock (Lâleli Camii), Klassizismus und Jugendstil (Kamondo Merdivenleri, Beyoğlu). Der Versuch, wenigstens äußerlich Osmanisches beizubehalten, auch wenn der Kern längst von westlichen Technologien bestimmt war, führte in der zweiten Häfte des 19. Jahrhunderts zu einem osmanischen Historismus, der noch die in die neue Zeit der Türkischen Republik hineinragende "Erste Nationale Architekturbewegung" charakterisierte. Die osmanische Architektur zeigt sich vor allem
- in den Palästen und Residenzen
- in den Moscheen und den zugehörigen Stiftungsgebäuden, Külliyen genannt
- in den großen, mehrstöckigen Handelshäusern, Herbergen und Magazinen
- in den Basaren
- in Zweck- und Schmuckbauten
Residenzen
Basar
- Der Top Kapı Sarayı (deutsch "das Topkapi Serail") war bis 1856 Wohnung der Sultansfamilie (Harem) und Herrschersitz (Diwan) und damit Zentrum der Macht. Dieser immer wieder umgestaltete, vielgliederige Sultanspalast liegt exponiert an der Spitze der zwischen Goldenem Horn, Bosporus und Marmarameer gelegenen Halbinsel. Er ist eine touristische Hauptattraktion des heutigen Istanbul.
- Der Dolmabahçe Sarayı von 1856 auf der europäischen Seite des Bosporus zeigt sinnfällig, dass die Sultane im 19. Jahrhundert auch äußerlich danach strebten, sich dem europäischen Westen anzugleichen.
Moscheen
Dolmabahçe Sarayı Steter Ausdruck von Glaube, Macht und imperialem Willen der osmanischen Würdenträger sind die Großmoscheen, meist gestiftet von den Sultanen, deren Familienangehörigen, den Wesiren und anderen Würdenträgern des Staates. Die meisten Moscheen schließen sich der Bauidee der Hagia Sophia an.
Zum überkuppelten Gebetsraum gehören zudem ein umgrenzter Vorhof (avlu) und meist eine Külliye mit Medresen, z. B. genutzt als Grundschule (mektep), theologische Schule oder Ärzteschule, mit Wohnzellen der Studenten (hücre), Hospital (dar-üş-şifa), Hospiz (tabhane), Armenküche (imaret), Bibliothek (kütüphane), Karawanserei (kervansaray), Bad (hamam) und Grabbauten (türbe), manchmal auch mit einem Observatorium für glaubensrelevante Zeit- und Kalenderberechnungen (muvakkithane). Eine Auswahl typischer Moscheen:
- aus der osmanischen Frühzeit
  - Mahmut Paşa Camii - älteste erhaltene Großmoschee von 1462
  - Sultan Beyazıt Camii - älteste erhaltene Sultans-Moschee von 1506
- Moscheen des Architekten (Mimar) Sinan

  - İskele Camii in Üsküdar - erste von Sinan geschaffene Moschee von 1548
  - Şehzade Camii - Sinans "Lehrlingsstück" von 1548
  - Sultan Süleyman Camii - Sinans "Gesellenstück" von 1557
  - Rüstem Paşa Camii - Stiftung eines Großwesirs, ausgestattet mit wunderbaren İznik-Fliesen, von 1561
  - Piyale Paşa Camii - Sinans (?) Rückgriff auf den Ulu-Cami-Typ mit mehreren kleineren Kuppeln, vor 1578
- Nachklang
  - Yeni Camii - malerisch am Goldenen Horn gelegen, Bauzeit von 1597 bis 1663
  - Sultan Ahmet Camii - die berühmte "Blaue Moschee" von 1617
  - Sultan Mehmet Fatih Camii - Neubau der Eroberermoschee nach einem Erdbeben 1766, Mittelpunkt einer stilbildenden Külliye
  - Eyüp Sultan Camii - Moschee mit dem Grab von Mohammeds Bannerträger, bedeutendes spirituelles Heiligtum des Islam, gegründet 1458, Neubau in eher tradtionellem Stil von 1798-1800
- Osmanischer Barock
  - Nuru Osmaniye Camii - kühner Kuppelbau aus ursprünglich weißem Marmor mit halbrundem Vorhof, von 1755
  - Lâleli Camii - 1763 fertiggestellt, nach Erdbeben 1783 erneuert, effektvolle Barockmoschee mit kleinem Basar im Untergeschoss
  - Nusretiye Camii, Moschee für die Soldaten der einst nebenan gelegenen Kasernen, von 1826
  - Dolmabahçe Camii - unmittelbar am Ufer des Bosporus, von 1853
Basare und Handelshäuser

- der großen Gedeckte Basar (Kapalı Çarşı), der Ägyptische Basar (Mısır Çarşısı) und der Bücherbasar (Sahaflar Çarşısı)
- der Valide Hanı und der Rüstem Paşa Hanı.
Zweck- und Schmuckbauten
Sahaflar Çarşısı Sahaflar Çarşısı
- Bäder (hamam)
  - Çemberlitaş-Hamam in Alt-Stambul
  - Galatasaray-Hamam in Beyoğlu
- Brunnen
  - Reinigungsbrunnen (şadırvan) innerhalb eines Moscheevorhofes (avsu), z. B. der achteckige Brunnen der Yeni Cami
  - Brunnenhaus (sebil), z. B. der Valide Sultan Turhan Hadice Sebili bei der Yeni Cami
  - Laufbrunnen (çeşme), z. B. der Brunnen von 1906 am deutschen Generalkonsulat
  - Ein Kuriosum ist der vom deutschen Kaiser Wilhem II. gestiftete Brunnen auf dem Hippodrom
- Türben
  - Mausoleen verschiedener Mitglieder der Sultansfamilien und hoher Würdenträger bei der Süleymaniye Camii, der Hagia Sophia und bei der Eyüp Camii
- Militäranlagen
  - Selimiye-Kaserne in Üsküdar
- Fortifikationen Üsküdar
  - Yedikule („Burg der sieben Türme“) am Südende der Landmauer
  - Rumeli Hisarı und Anadolu Hisarı am Bosporus
- Türme
  - Galataturm
  - Beyazıtturm (Seraskerturm)
  - Leanderturm (Kız kulesi, „Mädchenturm“) auf einer Bosporusinsel vor Üsküdar
- Brücken
  - alte Galatabrücke, zwischen 1845 und 1912 mehrmals umgebaut, jetzt ersetzt und verschoben
- Bahnhöfe
  - Sirkeçi Garı, der europäische Kopfbahnhof
  - Haydarpaşa Garı - der asiatische Kopfbahnhof
- Wohngebäude
  - Straßenzüge mit meist mehrstöckigen Holzhäusern findet sie man z. B. noch in Fatih und in Üsküdar
  - Sommervillen aus Holz (Yali) an beiden Seiten des Bosporus, in jüngerer Zeit teilweise vorbildlich renoviert
  - Mietshäuser mit Geschäften und Handwerksbetrieben im Untergeschoss entstanden nach europäischen Vorbildern vor allem im 19. Jhd, z. B. in Beyoğlu
- Botschaftsgebäude in Beyoğlu, heute meist Konsulate
- Kirchen und Synagogen

Istanbul vom Zerfall des Osmanischen Reiches bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg

Erste Nationale Architekturbewegung (1912-1929)
Bis zum Ende der 20er Jahre stand die Architektur der Republik noch ganz im Bann einer bereits nach dem 1. Weltkrieg begonnenen Phase, die man "Erste Nationale Architekturströmung" nannte. In dieser Phase führten türkische Architekten wie Kemalettin Bey den Historismus fort, der sich im späten 19. Jahrhundert vor allem mit der ornamentalen Außengestaltung von Gebäuden an seldschukischen und osmanischen Vorbildern orientiert hatte.
Beispiele:
- Beşiktaş İskelesi (Schiffsanlegestelle), 1913, Architekt Ali Talat
- Haydarpaşa İskelesi, 1915, Architekt Vedat Tek
- Vakıf Hanı in Eminönü, 1912-26, Architekt Kemalettin Bey
- Hotel Merit Antique in Lâleli, 1912-22, Architekt Kemalettin Bey Verstärkt ab etwa 1930 verpflichtete man ausländische Architekten für die Planung öffentlicher Bauten. Sie befreiten die Fassaden weitgehend von den "türkischen" Ornamenten und pflegten einen internationalen, funktionalen Stil. Als Lehrer gaben sie ihre Auffassungen an türkische Architekten weiter.
Zweite Nationale Architekturbewegung (1940-1950)
Als Entwickler der "Zweiten Nationalen Architekturbewegung" gilt Bruno Taut (1880-1938). Er forderte als Leiter der Architekturabteilung an der Akademie der Schönen Künste in Istanbul und Chef der Bauabteilung im Unterrichtsministerium in Ankara eine genaue Analyse des Baustils der osmanischen Zeit und davor. Auf dieser Grundlage sollte der Modernismus überwunden und ein eigener türkischer Baustil gefunden werden.
Beispiel:
- İstanbul Ünivertesisi, Fen Fakültesi, 1942

Pluralismus der Baustile ab etwa 1960

Bruno Taut die Istanbuler Baukunst der letzten Jahrzehnte ist geprägt von einem heterogenen Stilgemisch, das von der Sinan nachgebildeten Moschee bis zu Hochhäusern mit internationalem Aussehen, von altertümelnden Hotels bis zu modernsten Wohnvierteln vielfältigste Aspekte bietet. Jede nur denkbare architektonische Anregung wird aufgenommen. Istanbul ist damit zu einem Experimentierfeld heutiger Architektur geworden. Beispiele:
- Bauwerke des Architekten Sedad Hakkı Eldem im "türkischen" Stil
  - Sosyal Sigortalar Külliyesi (1970),
  - Atatürk Kütüphanesi (1976)
  - Koç Holding A.S. Nakkaştepe Tesisleri (1986)
- Hochhäuser (Bestand im Oktober 2005: 2.110)
  - Hotel InterContinental in Beyoğlu, Höhe 87 m, fertiggestellt 1968
  - Barbaros Plaza in Levent, zwei Hochhäuser, Höhe 80 m, fertiggestellt 1987
  - Yapı ve Kredi Bankası in Levent, Höhe 120 m, fertiggestellt 1995
  - Işbank Tower 1 in Beşiktaş, Höhe 181 m, fertiggestellt 2000
  - Sun Plaza in Şişli, Höhe 147 m, fertiggestellt 2005 (statistische Angaben zu den Hochhäusern nach Emporis 10/2005)
- Brücken
  - Boğaziçi Köprüsü, 1. Bosporusbrücke, eröffnet 1973
  - Halıç Köprüsü (Fatih Köprüsü), Autobahnbrücke über das Goldene Horn, eröffnet 1974
  - Fatih Sultan Mehmet Köprüsü, 2. Bosporusbrücke, eröffnet 1988
  - Galata Köprüsü, Neubau von 1992
- Fernsehtürme
  - Camlica-Fernsehturm
  - Endem-Fernsehturm

Denkmalschutzaktivitäten

Das erste systematische Denkmalschutzprojekt in Istanbul wurde gegen Ende des Ersten Weltkrieges von der Stadtverwaltung initiiert, nachdem in den Kriegswirren Brände und Plünderungen zu Zerstörungen bedeutender Denkmäler geführt hatten. Das Projekt wurde 1917-18 u.a. vom deutsch-türkischen Kunsthistoriker und Journalisten Friedrich Schrader geleitet. Seit den sechziger Jahren hat sich besonders Çelik Gülersoy um den Istanbuler Denkmalschutz verdient gemacht. Er hat zahlreiche kunsthistorisch bedeutende Bauwerke der Stadt sichern lassen und mit der "Istanbul Library" eine wichtige Sammlung von Schrifttum über die Geschichte Istanbuler Baudenkmäler anlegen lassen.
Die gesamte Altstadt von Istanbul gehört seit 1985 zum UNESCO-Weltkulturerbe. ----

Freizeit und Erholung

Wegen der Verschmutzung des Meeres verschwanden in der Stadt gelegene traditionelle Badeorte allmählich, seit einigen Jahren jedoch eröffnen alte Plätze neu. Zu den beliebtesten Orten innerhalb der Stadt gehören Bakirköy, Küçükçekmece, Sarıyer und der Bosporus, außerhalb der Stadt sind es am Marmarameer die Prinzeninseln, Silivri und Tuzla sowie am Schwarzen Meer Kilyos und Şile. Die Prinzeninseln (Kızıl Adalar) sind eine Inselgruppe im Marmarameer vor den Stadtteilen Kartal und Pendik. Mit ihren Kiefern- und Pinienwäldern, hölzernen, vom Jugendstil geprägten Sommervillen aus der Wende zum 20. Jahrhundert, Pferdekutschen (Motorfahrzeuge sind nicht erlaubt) und Fischrestaurants sind sie ein beliebtes Ausflugsziel. Sie sind mit Fährschiffen und Schnellfähren (Deniz otobüsü) von Eminönu und Kartal aus zu erreichen. Von den neun Inseln sind vier besiedelt. Şile ist ein bekannter türkischer Badeort am Schwarzen Meer, 50 Kilometer von Istanbul entfernt. Die Winde und die Wellen sind rau und die Strömungen des Schwarzen Meeres nicht ganz ungefährlich. Seit den 1980er Jahren wurden Feriensiedlungen und Hotels ausgebaut. Außerhalb von Şile sind unberührte weiße Sandstrände zu finden, die zum Verweilen einladen. Kilyos ist ein kleiner ruhiger Badeort unweit dem europäischen Eingang des Bosporus am Schwarzen Meer. Der Ort verfügt über gute Bademöglichkeiten und wurde in den letzten Jahren unter den Einwohnern von Istanbul als Ausflugsort populär. Kilyos bietet ein Ferienresort mit (Fisch-)Restaurants und Diskotheken.

Sport

Fußball
Istanbul ist Heimat von unzähligen Fußballvereinen; darunter sind vier Erstliga-Vereine: Galatasaray SK, Fenerbahçe SK, Beşiktaş JK und İstanbulspor AŞ.
- Galatasaray Istanbul wurde seit 1939 15 mal türkischer Landesmeister und gewann im Jahre 2000 den UEFA-Pokal und den UEFA Super Cup. Der Verein spielt im Ali Sami Yen Stadion mit einer Kapazität von knapp 25.000 Plätzen. Eine moderne Arena, die das jetzige Stadion ablösen soll, ist bei Seyrantepe geplant. Sie soll Platz für bis zu 50.000 Zuschauer bieten. Galatasaray SK trägt seine internationalen Spiele im Istanbul Atatürk Olympiastadion aus. Das Stadion wurde 2004 als Fünfsternestadion ausgezeichnet und ist das zweitgrößte Fußballstadion in Europa. Galatasaray hat die meisten Anhänger in der Türkei.
- Fenerbahçe Istanbul erspielte seit 1965 16 nationale Meistertitel. Die Heimspiele der Mannschaft finden im Stadion F. Sükrü Saraçoğlu im Stadtteil Kadıköy statt. Es bietet Platz für 55.000 Zuschauer. Trainer des türkischen Erstligisten ist seit Sommer 2003 Christoph Daum aus Deutschland.
- Beşiktaş Istanbul trägt seine Heimspiele im İnönü-Stadion im Stadtteil Beşiktaş aus. Es hat ein Fassungsvermögen von 36.000 Plätzen. Weitere Sportarten
Auch Basketball und Volleyball sind sehr populär. Es bestehen mehrere professionelle Klubs - im Basketball Efes Pilsen Istanbul und Ülker Istanbul sowie im Volleyball Eczacıbaşı Istanbul und Vakıfbank Istanbul - die in ihren eigenen Schulen die Spieler der Zukunft ausbilden.
Golf, Schießen, Reiten und Tennis gewinnen immer mehr an Bedeutung, werden aber überwiegend von Ausländern und wohlhabenden Einheimischen betrieben.
Für Aerobic, Bodybuilding und Gerätegymnastik stehen zahlreiche Fitnessstudios zur Verfügung.
Paintball gehört zu den neuen Sportarten, ist aber schon in zwei großen Klubs in der Nähe von Istanbul vertreten.
Fernöstliche Sportarten wie Aikido und Yoga sind in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Es gibt mehrere Zentren in der Stadt, wo sie ausgeübt werden können.

Kulinarische Spezialitäten

In den zahlreichen Restaurants und Lokalitäten in Istanbul werden dem Gast Speisen aus internationaler und einheimischer Küche serviert. Einheimische Küche bedeutet hierbei die Küchen aller traditionell in Istanbul lebenden Völker und Sprachgruppen, also z. B. der Türken, Kurden, Kaukasusvölker, Griechen und Juden. Selten wird auch eine historische osmanische Küche angeboten.
Kulinarische Spezialitäten bilden zudem typische Produkte, die in Istanbul hergestellt werden und eine besondere Ausprägung oder Geltung haben, z. B. Süßigkeiten, Getränke oder frisch gerösteter Kaffee. Letztlich muss man aber feststellen, dass es keine originären Istanbuler Spezialitäten gibt, die nicht auch anderswo angeboten werden. Die Besonderheit der kulinarischen Spezialitäten Istanbuls liegt eher im Ambiente und der einmaligen Umgebung der Restaurants, Lokantas und Cafés sowie der Orte, wo die Spezialitäten zu erwerben sind. Die große kulinarische Vielfalt wird allerdings bedroht durch eine "Internationalisierung" minderer Art wie z.B. die Ausbreitung von Fastfoodlokalen, wozu neben den amerikanischen Ketten auch die aus Europa reimportierten Dönerbuden gehören.
Dem Touristen typisch erscheinende und inzwischen auch bei den Istanbulern beliebte Produkte wie z. B. der synthetisch aromatisierte Apfeltee, der mit dem ursprünglichen türkischen Apfeltee wenig gemein hat, zeigen, dass Traditionelles recht schnell durch Neues verdrängt werden kann. Die türkische Küche ist sehr vielseitig und bietet für jeden Geschmack etwas. Die meisten einheimischen Lokale bieten ein Standard-Angebot von Mahlzeiten, die sich meist nur im Preis und in der Dekoration unterscheiden. Die Lokale reichen von der einfachen Lokanta, in der Bauarbeiter mit Weißen Bohnen, Brot und Wasser zufrieden sind, bis zum geschmäcklerisch aufgemachten Spitzenrestaurant. In der Türkei werden die Mahlzeiten traditionsgemäß so zubereitet, dass sie nach der Hauptzutat schmecken und nicht von Soßen oder zu vielen Gewürzen überdeckt werden. Lamm- und Rindfleisch werden deshalb meistens gegrillt oder am Spieß (şiş) sparsam gewürzt serviert. Dazu gibt es entweder Kartoffeln, Salat und Reis oder Bulgur (grob geschroteter Weizen). Außer der Fastfood-Variante mit den dünn geschnittenen Döner-Scheiben im Brot (pide) gibt es viele andere Zubereitungsmöglichkeiten für Fleisch. :Aus Ostanatolien stammen die Variationen saç kebabı (geschnetzeltes Lammfleisch mit Champignons und Tomaten, in der Pfanne gebraten) oder patlican kebabı (mit Hackfleisch gefüllte Auberginen am Spieß). Geflügel gibt es überwiegend aus dem Ofen. In einigen, oft direkt an beiden Seiten des Bosporus gelegenen Restaurants dominieren Fisch und Meeresfrüchte die Speisekarte.
Empfehlenswert sind fener balığı (Seeteufel), kalkan balığı (Steinbutt), levrek (Seebarsch), lüfer (Blaubarsch) und palamut (Thunfisch). Schmackhaft ist auch frischer Hummer (istakoz). Gern gegessen wird auch balık ekmeği (Fischbrot). Für die berühmte Schwarzmeersardine (hamsi) gibt es zahlreiche Möglichkeiten der Zubereitung: Die Auswahl reicht von Hamsi-Suppe bis zur Hamsi-Nachspeise.
Eine Istanbuler Besonderheit sind Lokale, in denen Meze und vielfältige alkoholische Getränke angeboten werden, so z. B. in Beyoğlu in der Çiçek Pasajı.
Überhaupt lieben es die Istanbuler, zum Essen einheimisches Pils und "Löwenmilch", mit Wasser verdünnten Rakı, zu trinken.
Oft wird ein türkisches Essen mit Süßigkeiten wie Baklava oder Halva und türkischen Kaffee abgeschlossen. siehe auch Türkische Küche Osmanische Küche wird in Üsküdar und Kadıköy in ein paar Restaurants angeboten. Koschere jüdische Küche findet man in Beyoğlu und im alten Stambul, in feiner Ausprägung z. B. im Restaurant des Hotels Merit Antique. Istanbuler Produkte, die eine besondere Ausprägung oder Geltung haben: Lokum, ein süßes Konfekt aus Zucker (ursprünglich Honig), Stärkemehl (ursprünglich Weizenmehl),Pistazien, Mandeln, Nüssen und anderen Zutaten hergestellt. Die traditionelle Firma Hacı Bekir in Eminönü z. B. produziert 18 Lokumsorten, z. B. angereichert mit Extra-Pistazien (zweimal geröstete Pistazien), mit Rosenaroma, mit Mastix, mit Kaffee, mit Zimt oder mit Ingwer. Boza, ein alkoholisches Getreidegetränk aus Weizen oder Hirse, z. B. Vefa bozacısı aus der Katip Çelebi Cad. No:104/1 in der Nähe der Süleymaniye Camii. Mäßiger Bozagenuss ist nach einem islamischen Rechtsgutachten (fetvâ) nicht verboten (nicht haram). Boza wird vor allem im Winter getrunken.

Einkaufen

Süleymaniye Camii Basare und Märkte
- Der Große Basar (Kapalı Çarşı) ist nahezu das gesamte Jahr über täglich geöffnet. Nur während des Ramazans bleibt er sonntags geschlossen. In ihm kann man die Atmosphäre des historischen Istanbuls erleben. Er ist vollständig überdacht und beherbergt viele Hans, Hallen, Straßen und verwinkelte Gassen, in deren Geschäften verschiedene Waren wie Antiquitäten, Teppiche, Schmuck, Keramik und anderes verkauft werden.

- Ein weiterer großer Markt in Istanbul ist der Ägyptische Basar (Mısır Çarşısı). Er wurde im Jahre 1660 auf Anweisung der Mutter des Sultans Mehmed IV. (1642-1693) errichtet. Dort wird wie in früheren Zeiten mit Gewürzen, Obst, Gemüse und Tieren gehandelt.
- Im Dreieck zwischen Großem Basar, Ägyptischem Basar und der Süleymanye Camii findet man eine Unzahl von Geschäftsstraßen und -gassen mit Verkaufsständen, offenen Läden, Manufakturen, Hans und Pasaj genannten Kleinkaufhäusern. Diese Straßen tragen wie in den mittelalterlichen Städten Europas noch die Namen der ehemals hier produzierenden und handelnden Berufsstände.
- Der Balık Pazarı in Beyoğlu ist ein großer Fischmarkt mit riesiger Auswahl. Aber auch Obst und Gemüse sowie Meze und Rakı werden hier angeboten.
- Straßenhändler sind überall unterwegs; so die Verkäufer von Getränken, von Sesamkringeln (Simit) und allem erdenklichen Krimskrams. Moderne Geschäfte internationalen Zuschnitts - darunter auch eine deutsche Buchhandlung - findet man vor allem in Beyoğlu.
Zu den wichtigsten modernen Einkaufszentren Istanbuls gehören
- das vollklimatisierte Carousell in Bakırköy (europäischer Teil) mit mehreren Kaufhäusern, Boutiquen und verschiedenen Restaurants
- das Akmerkez in Etiler (europäischer Teil) mit zahlreichen Filialen aller bekannten Marken, einer großen Auswahl an Boutiquen, einem Vergnügungszentrum mit Spielhallen, Kinos, Restaurants un

Türkische Sprache

Die türkische Sprache (Eigenbezeichnung: Türk dili) oder kurz: Türkisch (Türkçe) ist die Amtssprache in der Türkei und gehört zu den Turksprachen. Als Alternativbezeichnung ist auch aus der Turkologie Türkiye Türkçesi (Türkeitürkisch) bekannt. Türkisch enthält zahlreiche Mundarten, wobei heute die Istanbuler Mundart die türkische Hochsprache bildet. Weitere Mundarten innerhalb der Türkei werden in der Schwarzmeerregion sowie in Ostanatolien und der Ägäis gesprochen. Das moderne Türkisch gehört zu den südlichen Turksprachen.

Verbreitung

südlichen Turksprachen Das heutige Türkisch ist die Muttersprache von rund 65 Millionen Menschen in der Türkei oder von gut 90 % der dortigen Bevölkerung (1987). 845.550 Menschen benutzen Türkisch in Bulgarien (1986), 37.000 in Usbekistan, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und Aserbaidschan (Schätzungen 1979). Für 180.000 Menschen ist Türkisch die Muttersprache auf Zypern und für 128.380 in Griechenland (1976). 63.600 Sprecher leben 1984 in Belgien, etwa 170.000 in Österreich (2000) und rund 2 Millionen in Deutschland (2003). Ferner sprachen 1982 in Rumänien noch 14.000 und auf dem Gebiet von Ex-Jugoslawien, insbesondere Mazedonien 250.000 türkisch. 1990 war Türkisch im Irak noch für rund 3.000 und im Iran für 2.570 Menschen die Muttersprache. In den USA lebten 1970 24.123 Sprecher des Türkischen, und für Kanada wurden 1974 8.863 türkische Muttlersprachler angegeben. In Frankreich gaben 1984 rund 135.000 und in den Niederlanden knapp 150.000 Menschen Türkisch als Muttersprache an. 1988 wurden in Schweden rund 5.000 Türkischsprachige registriert. Zurzeit (2004) sprechen ungefähr 80 Millionen Menschen Türkisch.

Geschichte

Die heutige türkische Sprache geht direkt auf das Oghusische zurück, die Sprache der östlichen Turk-Stämme, die einst in Zentralasien siedelten und ab dem 8./10. Jahrhundert von den anderen konkurrierenden uyghurisch-türkischen Stämmen in den Westen verdrängt wurden. Daher zählte einst auch die Sprache der Göktürken, Seldschuken und der späteren Osmanen zu den westlichen Turksprachen. Das Türkische ist stark vom Arabischen und zu einem geringeren Teil auch vom Persischen beeinflusst. Dieser Einfluß war in der Vergangenheit jedoch wesentlich größer. Liste arabischer und persischer Fremdwörter im heutigen Türkisch Nach der Gründung der Türkischen Republik 1923 begann man in den 1930er Jahren, die fremden Lehnwörter durch türkische Wörter zu ersetzen. Dieser Prozess ist bis heute nicht abgeschlossen, so dass sich immer noch viele Wörter persisch-arabischen Ursprungs finden. Im 20. Jahrhundert kamen weitere Begriffe aus europäischen Sprachen hinzu, vor allem aus dem Französischen. Die Türk Dil Kurumu, die „Gesellschaft der türkischen Sprache“, ist eine staatliche Einrichtung, die 1932 zur Returkisierung und Modernisierung der türkischen Sprache gegründet wurde. Als die engsten Verwandten der türkischen Sprache gelten heute das Aserbaidschanische und das Turkmenische. Im weitesten Sinne zählt auch der balkantürkische Dialekt der Gagausen im heutigen Moldawien zu den engeren Verwandten des Türkischen.
- Siehe auch: Vergleichende Betrachtung der Turksprachen

Alphabete

Hauptartikel: Neues türkisches Alphabet Die alten Osttürken oder Oghusen waren ein bedeutendes Kulturvolk, sie besaßen in der türkischen Runenschrift ein bescheidenes alttürkisches Schrifttum. Ab dem 10. Jahrhundert galten die Oghusen als islamisiert, und sie übernahmen die arabische Schrift, die um persische Zusatzzeichen ergänzt war. Allerdings war dieses Alphabet für die lautreiche türkische Sprache sehr ungeeignet. Anfang 1926 nahm Kemal Atatürk im aserbaidschanischen Baku an einem Kongress der Turkologen teil, bei dem u. a. die Schaffung einer Lateinschrift für die Turkvölker gefordert wurde. (Aserbaidschan hatte schon seit 1922 eine lateinisch-basierte Schrift: das einheitliche türkische Alphabet.) Seit 1928 wird das Türkische durch eine von Kemal Atatürk mitentwickelte Variante der lateinischen Schrift wiedergegeben. Atatürk nannte dieses neue Schriftsytem Neues türkisches Alphabet. Grundlage für die Neuschreibung der Wörter (wie für die allgemeine Sprachreform) war die Istanbuler Mundart. Bei den Schreib- und Ausspracheregeln existieren keine Ausnahmen. Das türkische Alphabet umfasst 29 Buchstaben, wobei jedem Laut ein Buchstabe zugeordnet ist: a b c ç d e f g ğ h ı i j k l m n o ö p r s ş t u ü v y z

Besonderheiten bei der Aussprache

Die übrigen Laute werden wie im Deutschen ausgesprochen.
Die Buchstaben ä, q, w, x und ß werden im Türkischen nicht verwendet; j steht meist in Fremdwörtern.

Grammatik

Das Türkische ist eine agglutinierende Sprache und unterscheidet sich somit wesentlich von den indogermanischen Sprachen. Das bedeutet, dass alle grammatischen Formen durch eine (eindeutige) Endung angezeigt werden. Dabei können mehrere Endungen aufeinander folgen, wobei die Reihenfolge festgelegt ist. Beispiel: Uçurtmayı vurmasınlar. – „Sie sollen den Drachen nicht runterschießen.“ (Filmtitel) Man könnte den Satz wie folgt zerlegen:  Uçurtma-yı vur-ma-sın-lar. – „Drachen-den runterschießen-nicht-sollen-sie.“
Die Endung -yı zeigt den bestimmten Akkusativ an; -ma steht für die Verneinung; -sın steht für den Imperativ, -lar für die 3. Person Mehrzahl. Bei der Suffigierung, also beim Anhängen der Endungen, spielt die Vokalharmonie eine große Rolle: die Vokale der Endungen richten sich nach dem letzten Vokal des Stammwortes bzw. der vorhergehenden Endung. Man unterscheidet hierbei die große Vokalharmonie, bei der ein Endungsvokal zu ı, i, u oder ü werden kann, und die kleine Vokalharmonie, die a und e als Alternativen kennt. Ein Beispiel für die kleine Vokalharmonie ist die Endung -da/-de für die Ortbestimmung: bahçede (im Garten), aber: lokantada (im Restaurant). Als Beispiel für die große Vokalharmonie dient die Endung -li/-lı/-lu/-lü; („aus ... stammend“): Berlinli (aus Berlin), aber: Ankaralı, Bonnlu, Kölnlü. Es kommt vor, dass infolge der Vokalharmonie mehrere Endungen mit dem gleichen Vokal aufeinander folgen (z. B. huzursuzsunuz: „ihr seid unruhig“). Da dies auch beim für deutsche Ohren offenbar lustig anmutenden ü der Fall ist (z. B. üzgünsünüz: „ihr seid traurig, es tut euch leid“), wird das Türkische in Deutschland manchmal als „ü-Sprache“ bezeichnet. Das Türkische kennt fünf Fälle (Nominativ, Dativ, Akkusativ, Ablativ und Lokativ, mitunter wird der Genitiv als sechster Fall genannt). Als Zeitformen sind im Wesentlichen zu nennen: (bestimmtes) Präsens, Aorist, Optativ, (bestimmtes) Präteritum, Narrativ, Dubitativ sowie zusammengesetzte Zeitformen, hinzu kommen Passiv und Konditional. Nebensätze werden meist durch sogenannte Konverben ausgedrückt. Weiterhin kennt das Türkische keinen Artikel und kein grammatisches Geschlecht.

Wortschatz

Einige Beispiele für Lehnwörter aus anderen Sprachen: aus dem Arabischen: fikir (Idee), hediye (Geschenk), resim (Bild), alkol (Alkohol), saat (Uhr, Stunde) aus dem Persischen: pencere (Fenster), şehir (Stadt), hafta (Woche) aus dem Französischen: lüks (Luxus), kuzen (Cousin), pantolon (Hose), kuaför (Friseur), hoparlör (Lautsprecher), kamyon (Lastwagen), sürpriz (Überraschung) aus dem Griechischen: liman (Hafen), kutu (Schachtel) aus dem Italienischen: kamyon (Lastwagen) aus anderen Sprachen: pikap (Plattenspieler), şalter ([Licht-]Schalter), tişört (T-Shirt)

Siehe auch


- Türkischsprachige Kultur in Deutschland
- [http://www.turan.tc/restur/index.htm Türkische Völker heute (Fotogalerie)] Der Language Code ist tr bzw. tur (nach ISO 639).

Weblinks


- [http://www.omniglot.com/writing/turkish.htm Verschiedene türkische Alphabete und Sprachbeispiele]
- [http://www.weberberg.de/infoport/tuerkisch/ Ein mit vielen Fotos illustrierter Online-Türkischkurs mit Übungen]
- [http://www.goereme.net/tuerkce.htm Grundwortschatz 50]
- [http://www.wdr5.de/funkhauseuropa/dossiers/detail.phtml?dossier_id=58 Aussprache des Türkischen, Sendereihe zum Online-Hören vom WDR, Real Audio und MP3]
- [http://cali.arizona.edu/maxnet/tur Online-Kurs (englisch) mit Soundausgabe, 10 Lektionen] Kategorie:Turksprachen ja:トルコ語

Konstantinopel

Konstantinopel (griech.: Κωνσταντινούπολις / Konstantinoupolis = "Stadt des Konstantin"), gegründet um 685 v. Chr. als Byzantion, war bis 1930 der Name des heutigen Istanbul. In der Spätantike und im Mittelalter war Konstantinopel die Hauptstadt des Oströmischen Reichs, das "Zweite Rom". Nach der osmanischen Eroberung 1453 dann die Hauptstadt des osmanischen Imperiums. Als Lebenszentrum zweier Weltreiche, an der Schnittstelle zweier Kontinente, besitzt Konstantinopel eine überragende historische und künstlerische Rolle. Über 1500 Jahre wurden von den Ufern des Bosporus die Geschicke der damaligen Menschheit gelenkt. Als Prototyp einer imperialen Stadt ist Konstantinopel vom 3 Jh. bis ins 18 Jh. länger Weltstadt gewesen als beispielsweise Rom (3. Jh. v. Chr.-4. Jh. n. Chr.), London (1588-1945), Paris (17. Jh.-1945) oder Washington (D.C.) (20. Jh.).

Spätantike und byzantinische Zeit

Konstantinopel und das Oströmische Reich

Wegen der wachsenden Bedeutung der Osthälfte des Römischen Reiches wurde Byzantion 324 vom römischen Kaiser Konstantin I. - an Stelle von Trier - als neue Hauptstadt, als "Neues Rom" (lat.: Nova Roma), geplant und sechs Jahre später, am 11. Mai 330 feierlich eingeweiht. Wenig später nach seinem Tode nannte man sie zu seinen Ehren Konstantinopel (griech.: Κωνσταντινούπολις "Stadt des Konstantin"). Die Stadt wurde auf das Fünffache der ursprünglichen Fläche vergrößert, und wie das Vorbild Rom auf sieben Hügeln errichtet. Auch die politischen und weltlichen Einrichtungen der alten Hauptstadt wurden bis ins Einzelne nachgeahmt. So erhielt Konstantinopel ein Kapitol, ein Hippodrom für 30.000 Zuschauer, ein Forum (Forum Constantini) und eine Hauptverkehrsachse in ost-westlicher Richtung. Trotz seiner Förderung des Christentums ließ der Kaiser auch heidnische Tempel errichten; sein Sohn Constantius II. gewährte dann dem Senat der Stadt dieselben Privilegien, wie sie der römische genoss. Konstantinopel wurde in der Folge konsequent zum Mittelpunkt von Verwaltung, Wirtschaft und Kultur des Oströmischen Reiches ausgebaut und erfüllte diese Aufgabe (mit Unterbrechung) seit dem späten 4. Jahrhundert bis in die Neuzeit par excellence. Solange Byzanz/Konstantinopel stand, stand auch das (von der modernen Geschichtsschreibung so genannte) Byzantinische Reich. Fiel die Stadt, fiel das Reich ebenso. In Konsequenz der zentralen Stellung wurde Konstantinopel auch zum kirchlichen Mittelpunkt. Der Bischof der Stadt, der sein Amt auf den Apostel Andreas zurückführte, war ab 381 Patriarch und beanspruchte eine herausgehobene Stellung. Auch kulturell lebte die Stadt in der Spätantike auf: Die Hochschule war die jüngste, aber auch größte des Ostreiches und erreichte unter Theodosius I. eine erste Blütezeit, wobei auch die Bibliotheken ausgebaut wurden. Die Erweiterung Konstantinopels konnte auf Grund der geografischen Lage nur nach Westen hin erfolgen. Bereits Theodosius I. baute die Stadt aus. Seit 412 wurde unter Theodosius II. etwa 500 m westlich der von Konstantin errichteten Stadtmauer eine neue, teilweise noch heute erhaltene Mauer errichtet und so das Areal der Stadt von sechs auf zwölf km² verdoppelt. Die Bevölkerung Konstantinopels wuchs rasch und ab einem gewissen Maß gegen den Willen der Herrscher, doch selbst Zuzugsbeschränkungen vermochten den Zuzug nicht zu verhindern. Die Versorgung der weit über 300.000 Einwohner (zur Zeit Justinians waren es vor Ausbruch der Pest in den 40er Jahren des 6. Jahrhunderts gar zwischen 500.000 und 600.000) stellte die Machthaber zeitweise vor Probleme, insbesondere im 7. Jahrhundert nach dem Verlust der "Kornkammer" Ägypten an die Araber, wodurch die Einwohnerzahl wieder zurückging. Bis etwa 600 gab es in der Stadt übrigens noch zahlreiche Einwohner mit Latein als Muttersprache, wie unter anderem durch Grabinschriften bezeugt wird, erst danach wurde Konstantinopel vollständig gräzisiert. Um die Warenversorgung sicherzustellen, wurden früh Häfen an der Küste zum Goldenen Horn und zum Marmarameer aus- oder neugebaut. Für die Versorgung der riesigen Hauptstadt mit Trinkwasser wurden mehrere Aquädukte aus dem nordwestlich gelegenen Hügelland errichtet, deren Wasser in mehreren, insgesamt 130.000 m³ fassenden, unterirdischen Zisternen (bspw. der 532 unter Justinian I. fertiggestellten Yerebatan Sarnıçı) gespeichert wurde. Allgemein erfasste die oströmischen Kaiser im 4.-6. Jahrhundert eine auffällige Baulust, von der auch Chalcedon - obwohl es ständig im Schatten von Konstantinopel stand - profitierte. So wurde der Hafen erweitert, sowie Paläste und Kirchen gebaut. Nach den Zerstörungen während des Nika-Aufstandes 532 ließ Justinian I. zahlreiche Gebäude, darunter die Hagia Sophia neu errichten. Militärisch galt Konstantinopel lange Zeit als uneinnehmbar und als die stärkste Festung der bekannten Welt; zahlreiche Angriffe und Belagerungen scheiterten an dem mehrfach gestaffelten Befestigungswerk der Stadt. Zu einer ersten Bewährungsprobe kam es 626 durch den Angriff der persischen Sassaniden und der mit ihnen verbündeten Awaren. Mit der islamischen Expansion, während der auch die Araber an der dreifachen Mauer der Stadt scheiterten, endete wenige Jahre später die spätantike Phase der Stadt.

Konstantinopel in mittelbyzantinischer Zeit

Die beiden abgewehrten Belagerungen durch die Araber in den Jahren 674-678 sowie 717/18 stoppten den Vormarsch der Muslime nach Europa und sind ebenso wie die Schlacht bei Tours und Poitiers durch die Franken von welthistorischer Bedeutung. Allerdings wirkte sich der endgültige Verlust der reichen römischen Orientprovinzen nach 636 auch auf die Hauptstadt aus; so entfielen nun die Getreidelieferungen aus Ägypten. Während die Araber im Laufe des 8. bis 10. Jahrhunderts teilweise zurückgedrängt werden konnten, wurden die Bulgaren zur neuen Bedrohung für die Stadt. Zu einer ersten (ebenfalls erfolglosen) Belagerung kam es 813. Die Serie der Angriffe riss auch im 9. und 10. Jahrhundert nicht ab, als Bulgaren und Rus, im Jahr 1090 die Petschenegen, mehrfach den Versuch einer Eroberung Konstantinopels unternahmen. In der Regel führten diese Belagerung zur Verwüstung des thrakischen Umlands der Stadt, und auch das leichter befestigte Chalcedon wurde mehrfach von Persern und Arabern eingenommen, geplündert und zerstört. Infolge dessen sind dort heute kaum noch Spuren der byzantinischen Baukunst zu finden. Trotz wiederkehrender Stadtbrände, Seuchen und Erdbeben blieb Konstantinopel bis ins Mittelalter eine der wenigen "Weltstädte" (neben Bagdad, Kairo und Córdoba), und die mit Abstand größte und wichtigste christliche Metropole. Unter Justinian hatte sie sie im 6. Jahrhundert wie bereits beschrieben ihre erste und größte Blüte erreicht, die Einwohnerzahl durchbrach damals die 500.000er Marke. Doch bis Mitte des 8. Jahrhunderts ging die Einwohnerzahl nicht zuletzt auf Grund der Araber-Belagerungen zurück, um dann allerdings bis ins 12. Jahrhundert auf angeblich etwa 700.000 Einwohner anzusteigen. Gebietsverluste infolge militärischer Niederlagen (u.a. in der Schlacht von Manzikert im Jahr 1071) zwangen die Byzantiner Ende des elften Jahrhunderts, Hilfe im christlichen Westen zu suchen. Dem Vordringen der Normannen über Süditalien bis auf das griechische Festland konnte nur dank der Venezianer Einhalt geboten werden, im Gegenzug wurden ihnen Handelsprivilegien, Zollnachlässe sowie eine Handelsniederlassung in Konstantinopel vertraglich zugesichert. Weitere Hilfsgesuche im Westen führten zum Ausruf des Ersten Kreuzzug durch Papst Urban II., infolgedessen ein Heer aus allen Teilen Westeuropas Richtung Konstantinopel zog, wo im April 1097 die letzten Abteilungen eintrafen. In der Metropole am Bospuros sahen die Kreuzfahrer eine fortschrittliche Infrastruktur, die sie aus keiner ihrer Städte auch nur annähernd kannten. Es gab Aquädukte, Bäder und Kanalisation, Kliniken mit Abteilungen für die unterschiedlichsten Krankheiten, eine große Universität, selbst Polizei und Feuerwehr. Händler aus aller Welt trafen sich auf den Basaren der Stadt, deren großer Reichtum auf dem Überseehandel beruhte. Kaiser Alexios I., der angesichts der barbarisch anmutenden Horden um seine Hauptstadt besorgt war, beeilte sich, das Kreuzfahrerheer auf die asiatische Seite des Bosporus zu befördern. Das gut 50.000 Mann starke Heer eroberte noch im gleichen Jahr die nahe gelegene Sultanats-Hauptstadt Nicäa und zog dann weiter Richtung Jerusalem. Dem dicht bedrängten Konstantinopel war wieder etwas Luft verschafft worden. Das traditionell freundliche Verhältnis der Byzantiner mit Venedig schlug im 12. Jahrhundert unter Manuel I. Komnenos in Misstrauen, Verachtung und Hass um, nicht zuletzt durch die immer wieder auf byzantinischem Boden ausgetragenen Machtkämpfe der Dogenrepublik mit Pisa und Genua. Die Einheimischen empfanden das anmaßende Auftreten der sog. "Lateiner" als Provokation. Die explosive Stimmung entlud sich 1171 in den "Lateinerprogromen", als die byzantinische Regierung zuerst den Besitz tausender Venezianer konfiszierte und sie anschließlich einkerkerte. Angeblich wurde sogar der anschließend zu Verhandlungen angereiste Enrico Dandolo geblendet. Trotz eines 1177 beschlossenen Friedens beeinträchtigten das Ereignis der "Lateinerprogrome" die Beziehung zwischen Konstantinopel und Venedig nachhaltig. Und so ist es nicht verwunderlich, dass 1202 ein von Venedig ausgerüstetes und vom Dogen Dandolo geführtes Kreuzfahrerheer die Eroberung Konstantinopels in Angriff nahm, unter dem Vorwand, die dortigen Thronstreitigkeiten zu klären. Kaiser Alexios III. floh vor dem anrückenden Heer, und Isaak II. nahm (wieder) Platz auf dem Thron. Die Kreuzfahrer blieben trotz "getaner Arbeit" in der Stadt. Als sie eine Moschee entdeckten - es gab seit 718 infolge der Niederlassung arabischer Händler eine muslimische Gemeinde in Konstantinopel - und sie anzündeten, zerstörte der dadurch entstandene Flächenbrand ein ganzes Stadtviertel. Nachdem Isaak II. sowie sein Sohn Alexios IV. (unter ungeklärten Umständen) starben und ihnen Alexios V. auf den Thron folgte, wurden die Kreuzfahrer aus der Stadt verwiesen. Diese bereiten daraufhin einen erneuten Angriff auf Konstantinopel vor. Am 13. April 1204 gelang es ihnen, die Stadt von der Seemauer am Goldenen Horn her zu stürmen. Die anschließende Plünderung der Stadt dauerte drei Tage. Viele Einwohner der kosmopolitischen Metropole wurden dabei getötet. Zahlreiche Monumente wurden zerstört, großartige Kunstwerke wurden vernichtet oder geraubt, etliche Bibliotheken niedergebrannt und eine große Anzahl der in Konstantinopel aufbewahrten Heiligenreliquien über ganz Europa zerstreut. So stammen beispielsweise die Skelette der Heiligen Drei Könige, die heute im Dreikönigsschrein im Kölner Dom ruhen, ursprünglich aus Konstantinopel. Von der Zerstörung und Plünderung durch die Venezianer und Kreuzfahrer hat sich Konstantinopel für den Rest des Mittelalters im Grunde nicht wieder erholt.

Die spätbyzantinische Zeit und das Vordringen der Türken

Kölner Dom Die Kreuzfahrer zerstückelten das Byzantinische Heerschaftsgebiet und errichteten das sog. Lateinische Kaiserreich. Dieses hielt nur kurz bestand, bereits 1261 eroberte ein Söldnerheer des von geflohenen byzantinischen Familien getragenen Kaiserreiches Nikaia die Stadt im Handstreich zurück. Das Byzantinische Reich wurde in vergleichsweise bescheidenem Umfang wieder hergestellt, verlor aber in der Folge immer weitere Gebiete seines Territoriums. Um 1300 hatte Konstantinopel noch etwa 100.000 Einwohner. Seine Rolle als wichtigstes Handelszentrum des Mittelmeers hatte es an die italienischen Hafenstädte, insbesondere Venedig, verloren. Die Italiener unterhielten Handelsniederlassungen im Stadtteil Pera (heute Beyoğlu) auf der nördlichen, europäischen Seite des Goldenen Horns. 1326 begann mit der Eroberung Bursas durch Osman, einem Heerführer eines kleinen türkischen Stammes, der Siegeszug der Osmanen. In rascher Folge eroberten diese ganz Anatolien und Teile des europäischen Festlandes. Byzanz glich bald einer Insel im Osmanischen Reich. Im 15. Jahrhundert bestand es nur mehr aus dem eigentlichen Stadtgebiet und den umliegenden Dörfern, die Einwohnerzahl sank auf etwa 40.000 ab. Mehrere Angriffe auf Konstantinopel blieben erfolglos, bis am 29. Mai 1453 die Stadt unter Mehmet dem Eroberer unter großen Verlusten eingenommen werden konnte (Siehe auch Belagerung von Konstantinopel (1453)). Die Zahl der Toten wird mit 50.000 angegeben. Die zahlenmäßig weit unterlegenen Verteidiger hielten knapp zwei Monate der Belagerung stand, warteten am Ende aber vergeblich auf Hilfe aus Venedig. Die Überlebenden wurden mit Ausnahme der Juden und Genuesen deportiert. Diese konnten dank ihrer umsichtigen Haltung während der Belagerung ihren Privatbesitz retten. Viele Einwohner und Intellektuelle flohen nach Westeuropa und vor allem Norditalien, und nahmen dabei viele erhalten gebliebene Kopien antiker Schriftstücke mit. Diese verbreiteten sich durch die ungefähr gleichzeitig erfundene Buchdruck-Kunst schnell in Norditalien und lösten eine Welle der "Wiederentdeckung" antiker Denkmodelle und Vorstellungen aus. Diese Wiederentdeckung beschleunigte den vielschichtigen Prozess, der heute als Renaissance bezeichnet wird. Inzwischen prägten die muslimischen Herrscher, die Konstantinopel zur Hauptstadt ihres Reiches machten, das Stadtbild neu. Unzählige Kirchen, deren bedeutendste die Hagia Sophia war, wurden um Minarette ergänzt und zu Moscheen umgebaut. Bald durften die vertriebenen Griechen und Armenier zurückkehren und prägten das multikulturelle Bild einer im europäischen Vergleich der damaligen Zeit toleranten Metropole bis zum Ende des Osmanischen Reiches.

Osmanische Zeit

Armenier Nach der Eroberung nannten die Türken die Stadt im Alltagsgebrauch İstanbul, auch wenn der inoffizielle Name bis in die 1920er Jahre weiter Konstantinopel blieb; auch wird bis heute im griechischen Sprachbereich Konstandinúpoli gesagt. Der Name İstanbul (im deutschen Sprachraum früher auch Stambul) leitet sich aus dem griechischen εἰς τὴν πόλι(ν), in der Koine zu is tim boli(n) verschliffen, ab, was in die Stadt bedeutet. Es existieren eine vielzahl von Theorien über die Namensgebung. Jedoch besagt die Legende : Zu Zeiten Sultan 2. nach der Eroberung Konstantinopels flüchteten die Christen aus Angst vor Übergriffen aus der Stadt. Kurz darauf gebot Fatih Sultan Mehmet besonderen Schutz der Christen. Auf den Pferdewagen verbreitet sich dann der Slogan eis ten polin, "in die Stadt". Mit der Zeit wurde dies der Name der Stadt. Die Stadt wurde Residenz der Sultane und Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Sie behielt neben der politischen große wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung und ein internationales Gepräge. Selbst das Patriarchat blieb erhalten, bis 1821 spielten Griechen eine wichtige Rolle. Unter Süleyman dem Prächtigen (1520-1566) war İstanbul die Hauptstadt eines riesigen Reiches, das von Ungarn über Belgrad bis Bagdad und weit nach Nordafrika reichte. Das Osmanische Reich war am Gipfel seiner Macht, was sich in einer Vielzahl von Palästen und Moscheen des Architekten Sinan, des größten osmanischen Baumeister seiner Zeit, widerspiegelt. Bereits damals begann aber der Niedergang. Fehlende Reformen, korrupte Wesire, die Macht der Sultansfrauen sowie die Abschottung gegen moderne Tendenzen bewirkten, dass man trotz einer schönen Fassade im 19. Jahrhundert schließlich vom "kranken Mann am Bosporus" sprach, wenn man das Osmanische Reich meinte. Ab dem 17. Jahrhundert kam es zu einem massiven Zuzug von Armeniern aus allen Gebieten des Osmanischen Reichs. Mitte des 19. Jahrhunderts lebten bereits über 220.000 Armenier in Konstantinopel, fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung der Stadt. Es bildete sich eine kulturelle armenische Infrastruktur, die schließlich zu einem literarisch-kulturellen sowie politischen Aufbruch der westarmenischen Gemeinschaft führte. Doch mit dem Ersten Weltkrieg und dem Machtgewinn der "Jungtürken" begann die Verfolgung der Armenier. Am 24. April 1915 kommt es zu einer großangelegten Verhaftungswelle, Auftakt zum Völkermord an den Armeniern. Fast alle Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wurden festgenommen und anschließend deportiert oder gar hingerichtet. Ein wichtiger Chronist dieser Zeit ist der deutsche Journalist und Schriftsteller Friedrich Schrader, der von 1891 bis 1918 in Konstantinopel lebte und arbeitete.

Imperiale Bauwerke

Als Kaiser Konstantin zwischen 324 und 330 ein neues Zentrum für das römische Reich am alten Byzanz gründetete, sollte dieses allmählich Rom als Hauptstadt ablösen. Um den Gedanken eines Nova Roma Nachdruck zu verleihen, mußte dieses dann auch architektonisch ausgebaut werden. Da Konstantinopel zudem von Anfang an christlich geprägt war und das Christentum Staatsreligion wurde, ohne das im Übrigen auf den Kaiserkult verzichtet wurde, bekam Konstantinopel ein durch Votiv- und Gedenksäulen, Foren, Palästen, dem Hippodrom und natürlich zahlreichen christlichen Kirchen geprägtes Aussehen. Ältestes erhaltenens Baudenkmal Konstantinopels ist die Konstantinssäule. Die ehemals knapp 50 Meter hohe Porphyrsäule bekrönte ursprünglich eine Statue des Helios aus Ilion. Der Kopf des Sonnengottes war von sieben Strahlen umkränzt, in die man Passionsnägel einarbeitete, während das Innere der Statue einen Spliter vom Kreuz Christi barg. Im Jahr 1105 wurde die Statue bei einem Unwetter zerstört und durch ein Kreuz ersetzt. Die Säule wurde zum Symbol der Stadt, und die letzten byzantinischen Chronisten berichten, dass sich am Tag der Eroberung durch Sultan Mehmed II. die Stadtbewohner frühmorgens um sie versammelten, um auf den rettenden Engel des Herrn zu warten. Neben der Konstantins-Säule bildete vor allem das Hippodrom den Mittelpunkt der Stadt und war Brennpunkt des öffentlichen Lebens. Hier begegneten sich Kaiser und Volk, hier demonstrierte der Kaiser seine Macht und dort finden sich daher auch einige repräsentative Objekte. Entlang der Spina, der Trennmauer zweischen den beiden Richtungsbahnen, um welche die Steitwagen kurvten, stellten Konstantin und seine Nachfolger Standbilder und Denkmäler auf. Darunter ein ägyptischer Obelisk vom Tempel in Karnak und die bronzene Schlangensäule aus dem 6. Jh. v. Chr. Unter Kaiser Thedosius wurde entlang der Wegstrecke der kaiserlichen Triumphzüge drei Foren erreichtet. Auf dem Forum Tauri stand die Ehrensäule des Kaisers Theodosios, geschaffen nach dem Vorbild der Trajanssäule in Rom. Weitere Säulen sind die Arkadios-Säule, Markian-Säule sowie die Justinian-Säule. Diese jüngste der Säulen ist ebenso wie die Konstantins-Säule aufs engste mit der Geschichte Konstantinopels verbunden. Die 543 eingeweihte 35 m hohe Säule trug ein Reiterstandbild Justinians I. in drei bis vierfacher Lebensgröße. Als Mehmed II. Konstantinopel eroberte, bestanden eine seiner ersten Taten darin, die Statue zu vernichten.

Literatur


- Friedrich Schrader: Konstantinopel in Vergangenheit und Gegenwart, Tübingen 1917
- Wolfgang Müller-Wiener: Bildlexikon zur Topographie Istanbuls. Byzantion - Konstantinupolis - Istanbul bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts, Tübingen 1977. ISBN 3-8030-1022-5 (Standartwerk zu Stadtentwicklung und Bauten)
- John Freely; Hilary Sumner-Boyd: Istanbul : ein Führer, 3., durchges. Aufl., München 1986, ISBN 3-7913-0098-9
- Philip Mansel: Constantinople - City of the world's desire 1453-1924, London 1995. ISBN 0-14-026246-6
- Wolfgang Müller-Wiener: Die Häfen von Byzantion - Konstantinopolis - Istanbul, Tübingen, 1997, ISBN 3-8030-1042-X
- Dogan Kuban: Istanbul - an urban history : Byzantion, Constantinopolis, Istanbul, Istanbul 1996, ISBN 975-7306-20-7
- Stéphane Yerasimos: Konstantinopel, Istanbuls historisches Erbe, Köln 2000, ISBN 3-8290-1896-7
- Klaus Kreiser: Istanbul : ein historisch-literarischer Stadtführer, München 2001, ISBN 3-406-47191-9 Kategorie:Ort in der Türkei Kategorie:Byzantinische Geschichte ja:コンスタンティノポリス ko:콘스탄티노폴리스

Agglomeration

Eine Agglomeration (lat. agglomerare „fest anschließen“) ist nach Definition der UNO von 1998 eine Kernstadt, die einen suburbanen Rand oder zumindest dicht besiedeltes Gebiet besitzt, das außerhalb der Stadtgrenzen liegt, aber direkt an sie angrenzt. Eine einzelne solche Agglomeration kann aus mehreren Städten mit ihren jeweiligen Vorstadt- bzw. Speckgürteln, sowie dem Stadtgebiet angeschlossenen Trabanten- und Satellitenstädten bestehen, wobei gesetzliche Grenzen keine Rolle spielen. Andere häufig verwendete Bezeichnungen für solch ein Gebiet sind Stadtregion und Ballungsraum/-gebiet. Zwar meinen diese Begriffe im wesentlichen das gleiche, doch gibt es je nach Auslegung kleine Bedeutungsnuancen. So beinhaltet die Stadtregion im Gegensatz zu den weiter gefassten Begriffen Großregion, Metropolregion oder Wirtschaftsregion nicht deren ländlich geprägte periphere Teilräume, sondern nur die unmittelbare, dicht bebaute Umgebung der Kernstadt. Aber auch Siedlungen, die nicht direkt an die Kernstadt angrenzen, können zur Stadtregion gezählt werden, wenn der Großteil der Einwohner in der Kernstadt arbeitet. Nach welchen Kriterien Zahlen für sämtliche dieser Begriffe berechnet werden, hängt aber letztendlich von der jeweiligen Gesetzesdefinition oder von den Institutionen ab, welche derartige Berechnungen zur Verfügung stellen. Ein oft verwendetes Kriterium ist die Pendlerrate. Pendelt ein gewisser Prozentsatz der Bevölkerung von Umlandgemeinden in die Kernstadt, so wird diese auch zur Agglomeration gezählt, obwohl baulich keine Verbindung zwischen dieser Gemeinde und der Kernstadt besteht. Da dies der Definition der UNO widerspricht, aber häufig, und in unterschiedlichem Maße, Gang und Gebe bei der Berechnung von Agglomerations-Einwohnerzahlen ist, erklärt dies die Tatsache, dass verschiedene Erhebungen selten den gleichen Wert ergeben. Besonders stark variieren die Zahlen bei Gebieten mit unzureichender statistischer Erfassung der Einwohner, sowie bei Kernstädten mit einem stark überhöhten Arbeitsplatzangebot im Verhältnis zu deren Bevölkerung. Man unterscheidet zudem zwischen polyzentrischen und monozentrischen Agglomerationen. Je nach dem, ob ein oder mehrere Zentren existieren.

regionale Definitionen

Die Definition von Agglomerationen kann allerdings von Land zu Land anders im Gesetz verankert sein, was allerdings nur bei Rechtsfragen im jeweiligen Land von Bedeutung ist. An der Definition der UNO, nach welcher Einwohnerzahlen von Agglomerationen für internationale Statistiken ermittelt werden, ändert das allerdings nichts. In Deutschland ist der Begriff Agglomeration kaum normiert, wird aber in verschiedenen Kontexten verwendet. So ist bei Verkaufsflächen über 700 m², welche im Regelfall als raumwirksam angesehen werden, eine Untersuchung der Auswirkung auf die Raumordnung und Regionalplanung vor Genehmigung zwingend erforderlich. Eine Agglomeration von Einzelhandelsflächen kann auch dann raumwirksam sein, wenn nur die Summe, nicht jedoch die einzelnen Teile, eine Verkaufsläche von 700 m² überschreiten. Als Einzelhandelsagglomerationen zählen daher auch Einkaufszentren, Fachmarktzentren oder Factory Outlet Center. In der Schweiz hingegen ist der Begriff vom Bundesamt für Statistik exakt festgelegt:
- a) Agglomerationen sind zusammenhängende Gebiete mehrerer Gemeinden mit insgesamt mindestens 20'000 Einwohnern.
- b) Jede Agglomeration besitzt eine Kernzone, die aus der Kernstadt (als Städte zählen Gemeinden mit mindestens 10.000 Einwohnern) und gegebenenfalls weiteren Gemeinden besteht, von denen jede mindestens 2'000 Arbeitsplätze insgesamt und mindestens 85 Arbeitsplätze pro 100 wohnhafte Erwerbstätige aufweist. Diese Gemeinden müssen ferner entweder mindestens 1/6 ihrer Erwerbstätigen in die Kernstadt entsenden oder mit dieser baulich verbunden sein oder an sie angrenzen.
- c) Eine nicht der Kernzone zugehörige Gemeinde wird einer Agglomeration zugeteilt, wenn:
  - mindestens 1/6 ihrer Erwerbstätigen in der Kernzone arbeitet und mindestens drei der fünf folgenden Kriterien erfüllt sind:
    - 1.) Baulicher Zusammenhang mit der Kerngemeinde; Baulücken durch Nichtsiedelgebiet (Landwirtschaftsflächen, Wald) dürfen 200 Meter nicht überschreiten.
    - 2.) Die kombinierte Einwohner-/Arbeitsplatzdichte je Hektare Siedlungs- und Landwirtschaftsfläche (ohne Alpweiden) übersteigt 10.
    - 3.) Das Bevölkerungswachstum im vorangegangenen Jahrzehnt lag um 10 Prozent über dem schweizerischen Mittel. (Dieses Kriterium findet nur Anwendung für Gemeinden, die noch keiner Agglomeration angehört haben; für bestehende Agglomerationsgemeinden gilt es unabhängig vom erreichten Wert als erfüllt).
    - 4.) Mindestens 1/3 der wohnhaften Erwerbstätigen arbeitet in der Kernzone. Schwellengemeinden, die an zwei Agglomerationen angrenzen, erfüllen dieses Kriterium auch dann, wenn mindestens 40% der Erwerbstätigen in beiden Kernzonen zusammen arbeiteten und auf jede einzelne mindestens 1/6 entfällt.
    - 5.) Der Anteil der im 1. Wirtschaftssektor Erwerbstätigen darf das Doppelte des gesamtschweizerischen Anteils nicht überschreiten.

Verhältnis innerhalb einer Agglomeration

Agglomerationen sind in den seltensten Fällen in einer politischen Verwaltungseinheit zusammengefasst. Im Regelfall herrscht zwischen Kernstadt und politisch eigenständigen Vororten ein starker politischer Gegensatz, der in manchen Fällen durch traditionelle Rivalitäten, fast immer aber durch die sozialen, fiskalischen und siedlungsstrukturellen Auswirkungen der Suburbanisierung verstärkt wird. Durch die anhaltende intraregionale Bedeutungs- und Bevölkerungsverschiebung zugunsten des Umlands, die Akkumulation sozial Benachteiligter in den Kernstädten, die Bereitstellung bzw. Finanzierung stadtregional bedeutsamer Infrastruktur (z.B. Verkehrsnetze, Kultur- und Freizeiteinrichtungen) durch die Kernstädte ohne finanzielle Beteiligung der davon profitierenden Vororte sowie den ruinösen Wettbewerb um die Ansiedlung von Unternehmen (Gewerbesteuer-Dumping) geraten die Kernstädte in immer größere Schwierigkeiten. Die finanzielle und funktionale Auszehrung kann eine Kernstadt so weit schwächen, dass sie zur Erfüllung ihrer gesamtregionalen Zentralfunktionen nicht mehr in der Lage ist, was letztlich der gesamten Stadtregion einschließlich der Vororte schadet. Zur Schaffung eines gerechten Interessenausgleichs innerhalb der Stadtregion und zur Koordination der Stadtregion im überregionalen Wettbewerb gibt es in zahlreichen Stadtregionen Institutionen zu interkommunalen Kooperation: Freiwillige Kooperationen
- Gemeinschaftliche Kooperationen privaten Rechts (GmbH u.a.)
- Regionalkonferenzen, Regionalforen u.a. Verbandsmodelle
- Zweckverbände zur Lösung von Einzelaufgaben (z.B. Abfallwirtschaft, Wasserversorgung, ÖPNV).
- Planungsverbände zur gemeinsamen Flächennutzungsplanung, Regionalplanung oder Verkehrsplanung.
- Stadt-Umland-Verbände, in denen mehrere solcher Aufgaben gebündelt werden, wodurch eine bessere Möglichkeit zur Kompromissfindung entsteht. Gebietskörperschaftliche Modelle
- z.B. Regionalkreise (BRD), Stadtprovinzen (Niederlande)
- Regionalstädte

Agglomerationen in einzelnen Ländern

Deutschland

Liste der größten Agglomerationen Deutschlands. Aufgeführt sind sämtliche Agglomerationen über 1.000.000 Einwohner. Die Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 1. Januar 2005. Für die Metropolregionen siehe Tabelle der deutschen Metropolregionen
-
- inkl. Raum Bochum-Dortmund-Duisburg; ohne Raum Düsseldorf-Köln-Bonn; vgl. Metropolregion Rhein-Ruhr

Österreich

Stand: 2001

Schweiz

Seit 1930 werden alle zehn Jahre die städtischen Agglomerationen anhand der Ergebnisse der Volkszählungen statistisch neu abgegrenzt. Seit 1980 werden bei grenzüberschreitenden Agglomerationen auch die im Ausland liegenden Gemeinden berücksichtigt, was bei Basel, Genf und Lugano von Bedeutung ist. Die 10 grössten Agglomerationen der Schweiz laut Bundesamt für Statistik (In Klammern die Bevölkerungszahl ohne ausländischen Teil): Grössten Agglomerationen mit Einzug in der Schweiz laut Bundesamt für Statistik:

Agglomerationen weltweit

Die größten Agglomerationen der Erde sind (2005):

Siehe auch


- Liste von Bezeichnungen für große Städte
- System der Zentralen Orte

Literatur


- United Nations (1998). Principles and recommendations for population and housing censuses
- Burgdorff, Stephan / Janssen, Dr. Hauke: Jahrbuch 2003 – Die Welt in Zahlen Daten Analysen, Spiegel-Buchverlag, Deutscher Taschenbuch Verlag, S.490f
- Häussermann, Hartmut: Grossstadt: soziologische Stichworte, Leske + Budrich Verlag, Opladen 1998, ISBN 3-8100-2126-1

Weblinks


- [http://www.citypopulation.de/World_d.html Die größten Agglomerationen der Welt laut citypopulation.de]
- [http://www.bbr.bund.de/infosite/rob_karten_abb/karte28.htm Karte deutscher Verdichtungsgebiete] Kategorie:Raumplanung

Europa

Europa ist das westliche Fünftel der eurasischen Landmasse und wird von Europäern üblicherweise als eigenständiger Kontinent betrachtet, obwohl es eigentlich ein Subkontinent ist. Insgesamt hat Europa eine Fläche von 8,327 Millionen Quadratkilometern, was Europa nach Australien zum zweitkleinsten Kontinent macht. Dennoch besitzt Europa mit rund 730 Millionen Einwohnern die drittgrößte Bevölkerung aller Kontinente. Die Ausdehnung erstreckt sich von der Nordsee und dem Atlantischen Ozean im Westen bis zum Ural im Osten. Ural

Geographie

Europa hat eine Fläche von 8,327.000 km² und eine Küstenlänge von 37.200 km. Der nördlichste Punkt des Kontinents liegt bei ca. 71,2° n. Br. in Knivskjelodden, Norwegen, der südlichste Punkt in Tarifa im Süden Spaniens. Damit beträgt die Nord-Süd Ausdehnung ca. 3.800 Kilometer. Von Ost nach West erstreckt sich die Landmasse Europas vom Uralgebirge in Russland bis zur Atlantikküste Portugals, was ca. 6.000 Kilometer West-Ost Ausdehnung bedeutet. Insgesamt ist Europa stark zergliedert. Es beinhaltet einige größere Halbinseln, wie die Iberische Halbinsel, die Apenninhalbinsel, die Skandinavische Halbinsel und die Balkanhalbinsel, sowie viele weitere, kleinere Halbinseln wie Bretagne und Jütland. Außerdem gibt es noch eine Vielzahl von Inseln, die größten sind die Britischen Inseln, Island, Sardinien und Sizilien. Sizilien Im Norden grenzt Europa an einzelne Randmeere des Nordpolarmeeres wie die Barentssee und das Europäische Nordmeer. Obwohl sich die Nebenmeere Nord- und Ostsee streng genommen innerhalb des Kontinents befinden, wird die Nordsee auch als seewärtige Grenze angesehen. Im Südosten grenzt Europa an das Kaspische Meer, im Süden an das Schwarze Meer und an das Mittelmeer, und im Westen an den Atlantischen Ozean. Der höchste Punkt des Kontinents liegt je nach Definition der "Grenzen" Europas entweder im nördlichen Kaukasus in Russland (Elbrus (5.642 Meter)) oder aber in den Alpen zwischen Frankreich und Italien (Montblanc (4.808 Meter)). Der niedrigste Punkt Europas liegt mit 28 Metern unter dem Meeresspiegel an der Nordküste des Kaspischen Meeres. Siehe auch: Mittelpunkt Europas

Innereurasische Grenze

Das