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IttoqqortoormiitIttoqqortoormiit (dän.: Scoresbysund) liegt isoliert im Nordosten Grönlands am Ausgang des riesigen Fjordkomplexes des Scoresbysund und am Rande des größten Nationalparkes der Welt.
Der Ort wurde in den 1920er Jahren auf Anregung von Ejnar Mikkelsen gegründet, als die Bevölkerung in Tasiilaq, dem 800 km entferntem Nachbarort zu groß wurde. Da die Tierbestände nicht mehr für alle Jäger reichten, war es zu Hungersnöten gekommen. Hier am Rande des Nationalparkes fanden die Jäger gute Jagdbedingungen, mit Eisbären, Moschusochsen, Walrössern, Robben, und Vögeln. Dennoch ist die finanzielle Situation der Bewohner nicht gut, aufgrund der europäischen und amerikanischen Kampagnen gegen Robbenfelle (obwohl die Inuit nie Babyrobben geschossen haben).
1925 waren es 84 Menschen, die diese unbewohnte Gegend besiedeln wollten. Bei einem Stop ihres Schiffes in Isafjördur (Island), starben 14 Menschen an Grippe, so das schließlich nur 70 Menschen in Ittoqqortoormiit ankamen. Heute leben in der Gegend 560 Menschen, davon 530 in Ittoqqortoormiit selbdz und die restlichen verteilt auf die beiden Dörfer Unarteq (Kap Tobin) und Itterajivit (Kap Hope).
Die Landschaft ist geprägt durch das hocharktische Klima, so dass die Gegend sehr vegetationsarm ist. Bedingt durch die niedrigen Temperaturen sind die Fjorde bis Juni zugefroren.
Nördlich von Ittoqqortoormiit erstreckt sich das Liverpool Land, mit seinen wilden Berggipfeln, Gletschern, Eisfjorden, Inseln, Kaps und Vogelfelsen. Die größten Vogelfelsen sind Kap Höegh (Krabbentaucher) und Raffles Ö (Dickschnabellummen, Krabbentaucher, Papageitaucher), u.a.
Nach Westen wird diese Landschaft begrenzt durch den Hurry Fjord, an dessen westlichem Ufer (wo auch der Flughafen Constable Pynt liegt) das Jameson Land beginnt, das einer typisch hocharktischen Tundralandschaft entspricht. Hier sind unzählige Moschusochsen zu Hause.
Weiter im Inneren des größten Fjordsystemes der Welt ist das Klima geschützter, was sich auch auf die Landschaft auswirkt, vor allem auf die Vegetation. An einigen Stellen kalbt das Inlandeis in den Fjord und produziert riesige Eisberge.
Südlich von Ittoqqortoormiit, auf der anderen Seite des Scoresbysundes, liegt die Volquer Boons Coast, mit schroffen Bergen, kalbenden Gletschern und weiteren Vogelfelsen. Kap Brewster im äußerstem Osten ist einer dieser Vogelfelsen mit zahlreichen Dickschnabellummen und Krabbentauchern.
Viele Tierarten sind nur hier im Nordosten Grönlands anzutreffen, wie etwa Lemming, Hermelin und Polarwolf. Eisbären sind im Frühsommer häufig, wenn sie den Robben übers Packeis folgen. Moschusochsen sind in großen Zahlen anzutreffen und bilden das Wappentier des Ortes. Auch Narwale, Belugas, Walrosse, Robben, Schneeeulen, Polarfüchse, Schneehasen, Prachteiderenten und andere Tiere kommen hier vor.
Kategorie:Ort in Grönland
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Grönland (auf Grönländisch Kalaallit Nunaat- "Land der Menschen", dänisch Grønland - "Grünland") ist die größte Insel der Erde. Geographisch wird sie zum arktischen Nordamerika gezählt, politisch ist sie autonomer Bestandteil des Königreichs Dänemark. Seit 1979 besteht das Autonomie-Statut (hjemmestyreloven), seit 1985 ist Grönland nicht mehr Mitglied der Europäischen Gemeinschaft.
Größere Orte sind die Hauptstadt Nuuk (Godthåb), Aasiaat (Egedesminde), Uummannaq, Qasigiannguit (Christianshåb), Ilulissat (Jakobshavn), Sisimiut (Holsteinsborg), Maniitsoq (Sukkertoppen), Tasiilaq (Ammassalik), Narsaq, Upernavik, Nanortalik, Paamiut (Frederikshåb), Qaqortoq (Julianehåb).
Ebenfalls den Stadtstatus haben Ivittuut, Kangaatsiaq, Qaanaaq (Thule), Ittoqqortoormiit (Scoresbysund).
Die internationalen Flughäfen sind Kangerlussuaq (Søndre Strømfjord, bei Sisimiut, Anbindungen an Dänemark), Narsarsuaq (bei Narsaq, Anbindungen an Island und Dänemark), Kulusuk (bei Tasiilaq, Anbindung an Island), und Constaple Point bei Ittoqqortoormiit (Scoresbysund, Anbindungen an Island).
Siehe auch: Städte in Grönland.
Bevölkerung
Etwa 20 Prozent der Bevölkerung sind außerhalb des Landes geboren. 87% gelten als Grönländer (Nachfahren der Kalallit). Aufgrund der andauernden Rückwanderung europäischer Bewohner bleibt die Bevölkerungszahl fast konstant. 98 Prozent der Bevölkerung sind protestantisch.
Die Inuit Grönlands werden in drei Gruppen unterteilt. Den Hauptteil stellen die Westgrönländer dar, die an der Westküste zwischen Upernavik und Nanortalik leben. Die Ostgrönländer, die in den Kommunen Tasiilaq und Ittoqqortoormiit leben, trafen erst vor etwa 100 Jahren auf Europäer. Die Nachfahren der letzten Einwanderungswelle von Inuit aus Kanada stellen die Polarinuit (Inughuit) dar, die in Avanersuaq leben.
Vor allem in den größeren Orten Grönlands lebt auch eine dänische Minderheit. Diese Minderheit ist zu 90% in Nuuk zu finden. Auch ein noch kleinerer Teil Deutsche lebt in Nuuk.
Regierung
Grönland ist demokratisch verfasst. Das Parlament (Landsting) wird alle vier Jahre gewählt und wählt seinerseits den Premierminister und die Regierung (Hjemmestyre). Grönland ist durch zwei direkt gewählte Abgeordnete im dänischen Parlament vertreten.
Die grönländische Regierung und das Landsting verwalten die grönländischen Angelegenheiten. Dies geht bis in den Bereich der Gesetze und Rechtsprechung. Dänische Gesetze können vom Landsting übernommen werden. Die Landesverteidigung obliegt Dänemark, die Außenpolitik ist weitgehend von Dänemark übernommen, es gibt spezielle Aspekte grönländischer Außenpolitik, beispielsweise die Beziehungen zu anderen Inuit-Regionen oder die Nichtmitgliedschaft in der EU.
Im Jahre 2006 soll ein Referendum den künftigen Status der Insel bestimmen. Gegenwärtig wird durch die Erschließung von Rohstoffen versucht, sich wirtschaftlich weiter von Dänemark zu lösen.
Geschichte
- Um 3000 v. Chr. wanderten die Vorfahren der ersten Inuit über die Beringstraße aus Asien nach Alaska.
- Um 2500 v. Chr. gab es die ersten Einwanderungswellen von Indianern nach Grönland (Sarqaq-Kultur). Bereits aus dieser Zeit sind Jagdplätze zum Beispiel in der Disko-Bucht und bei Qaja in der Nähe des Jakobshavn-Isfjords nachgewiesen.
- 500 v. Chr. bis 1000 indianische Dorset-Kultur.
- Um 875 entdeckte der Wikinger Gunnbjørn die Insel und nannte sie Gunnbjørnland.
- 982 musste Erik der Rote aus Island fliehen und landete schließlich im Südwesten von Grönland. Er gab der Insel ihren Namen. Mit seinen Gefolgsleuten besiedelte er ab 986 die Gegend um Brattahlid.
- 986 erreichten nur 14 von 25 isländischen Auswandererschiffen mit 700 Menschen an Bord Grönland.
- Aus der Zeit um 1000 sind im Süden Wohn- und Kirchenruinen nordländischer Siedler erhalten.
- 1000 kehrte Leif Eriksson, der Sohn Eriks des Roten, von Norwegen, wo er Christ wurde, mit einem Missionar nach Grönland zurück. Die grönländischen Wikinger wurden Christen und errichteten die erste Kirche.
- Um 1000 entdeckte Leif Eriksson von Grönland kommend Nordamerika (Vinland). Die Handelsbeziehungen mit Vinland dauerten bis ins 14. Jahrhundert.
- Ab etwa 1000 wanderten Inuit aus Alaska und Nordkanada ein (Thule-Kultur).
- 1076 gab Adam von Bremen in seiner Chronik des Erzbistums Hamburg den ersten schriftlichen Nachweis über die Besiedlung und Christianisierung Grönlands, das bei ihm Gronland heißt.
- Um 1124-1126 wurde Grönland eine eigene Diözese, der Bischofssitz war in Gardar, dem heutigen Igaliku.
- 1350 berichtete der isländische Kirchenmann Ivar Bardarsson, dass die westliche Siedlung aufgegeben sei. Inuit erschienen in der Nähe des Normannengebietes und rotteten die Versterbygd-Grönländer aus.
- Von 1408 stammt die letzte schriftliche Aufzeichnung der Nordmänner, die von einer Hochzeit in der Kirche von Hvalsey berichtete. Die Kontakte mit Norwegen und Island rissen ab. Aufgrund des Verlustes der Vesterbygd, der Verbindung zu Vinland, kommt es zu vermehrtem Holzmangel.
- Um 1550 erlosch die letzte nordische Siedlung in Grönland. Ob sich die Nordmänner mit den Inuit vermischt haben oder ausgestorben sind, ist bislang ungeklärt.
- 1721 kam es durch die Landung des Missionars Hans Egede zu einer europäischen Neubesiedlung der Insel.
- Im 18. und 19. Jahrhundert wurde Grönland immer wieder von niederländischen, dänischen, deutschen und anderen Walfängern besucht. Die Grönlandfahrt trug wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung Flensburgs bei, das damals zweitgrößter Hafen Dänemarks war.
- 1814 wurde im Frieden von Kiel die dänisch-norwegische Personalunion aufgelöst, Grönland fiel an Dänemark.
- Im ersten Weltkrieg 1914 - 1918 blieb Dänemark (und damit auch Grönland) neutral.
- 1933 gab Norwegen nach einem Schiedsspruch des Permanenten Internationalen Gerichtshofes in Den Haag zugunsten Dänemarks seine Ansprüche auf Grönland endgültig auf.
Seit dem Zweiten Weltkrieg wird Grönland insbesondere von den USA militärisch genutzt. Dabei spielt die geographische Lage Grönlands eine große Rolle.
Im Zweiten Weltkrieg wurde es vor allem als Basis für atlantiküberwachende Flugzeuge auf der Suche nach deutschen U-Booten und als Basis und Auftankstation für eigene Seemissionen benutzt. Dies wurde möglich, nachdem das Deutsche Reich Dänemark kampflos besetzte, da Grönland politisch zu Dänemark gehört. Es gab darüber hinaus auch deutsche Versuche, die Insel zur Errichtung von Wetterstationen zu nutzen, die allesamt scheiterten.
Ab 1945 bauten die USA an größeren Luftstützpunkten in Grönland wie der Thule Air Base, denn im Kalten Krieg spielte die Nähe zur UdSSR quer über den Nordpol eine wichtige Rolle. Zwar ist diese Nähe weder für Schiffe noch für Bodeneinheiten nutzbar, aber durchaus der Luftraum für Flugzeuge und Raketen. Ein Vertrag über die gemeinsame Verteidigung der Insel zwischen den USA und Dänemark wurde 1951 geschlossen, 1953 wurde Grönland integraler Bestandteil von Dänemark.
1979 erlangte Grönland eine Selbstverwaltung und die innere Autonomie mit eigenem Parlament und eigener Regierung. 1982 gab es eine Volksabstimmung über den Austritt aus der Europäischen Gemeinschaft, der 1985 Grönland vollzogen wurde, in erster Linie wegen der Überfischung grönländischer Gewässer durch damals westdeutsche Fangflotten. Grönland genießt allerdings weiterhin den Status eines überseeischen EU-Territoriums mit den Vorteilen einer Zollunion.
Nach dem Ende des Kalten Krieges verblasste die militärische Bedeutung Grönlands, allerdings gibt es Bemühungen seitens der USA, auf Grönland Bodenstationen für den geplanten US-Atomraketenabfangschild errichten zu dürfen.
Geografie
Grönland reicht von 59°50' nördlicher Breite (Kap Farvel) bis 83°37' nördlicher Breite (Kap Morris Jesup), ist 2.650 km lang und bis 1.000 km breit. Grönlands Nordküste ist mit 710 km Abstand das dem Nordpol am nächsten gelegene Festland.
Im Norden der Insel liegt der vereiste Arktische Ozean. Im Osten grenzt sie an die Grönlandsee und an die Irminger See sowie im Westen an die Davisstraße und die Baffinbai, alles Randmeere des Atlantiks. Im Nordwesten geht Grönland in die sehr zerklüftete und äußerst weitläufige Inselwelt der Königin-Elizabeth-Inseln über.
Grönland hat überaus große Eisvorkommen. Das bis zu 3000 m mächtige, durchschnittlich 1500 m starke) Inlandeis bewegt sich an den Küsten zum Meer und lässt oft Eisberge von mehreren Kilometern Länge entstehen. Lediglich etwa 341.700 km² der Fläche Grönlands sind eisfrei. In Grönland befinden sich mit 4.000 m die zweitgrößten Eishöhen der Welt, nur die Antarktis weist noch größere auf. Würde das gesamte Inlandeis Grönlands schmelzen, so würde der Wasserstand weltweit um 6 m steigen. Das Inlandeis ist weniger eine Folge des heutigen Klimas, vielmehr ist es ein Überbleibsel der letzten Eiszeit vor circa 10.000 Jahren.
Eiszeit
Grönland ist ein im Süden leicht gewelltes Hochland, das an der Küste durch zahlreiche Fjorde, Buchten und Meeresstraßen gegliedert ist. Im Zentrum und im Norden besteht der Untergrund aus einem riesigen, zum Teil unter dem Meeresspiegel liegenden, Becken. Grönland umsäumen an seinem Hochlandsrand sehr hohe Berge und Gebirge, die im Gunnbjörn am Ostrand der Insel bis zu 3.700 m hoch aufragen. Höchste Erhebung ist der 3.753 m hohe Gunnbjørn Fjeld, der alternativ auch als Hvitserk bezeichnet wird.
In Grönland herrscht polares und subpolares Klima, das an der Westküste durch den Golfstrom gemildert wird. Die Temperatur auf dem Inlandeis hat ein absolutes Temperaturminimum von -70 °C; im Sommer kommt sie bis an 0 °C heran. Die Küstenstreifen, an der Westküste bis 150 km breit, und alle vorgelagerten Inseln sind eisfrei und haben Tundravegetation, die nach Norden hin stark abnimmt.
Die Städte und Siedlungen liegen durchweg im eisfreien Künstenstreifen, aus klimatischen Gründen überwiegend an der Westküste. Im küstenfernen Inlandeis wurden zeitweilig Forschungsstationen wie Eismitte und North Ice unterhalten.
Tierwelt
Der bekannteste Vertreter der grönländischen Tierwelt ist der Eisbär (Ursus maritimus, grönlandisch: Nanoq). Dieser hat seinen eigentlichen Lebensraum in erster Linie im äußersten Norden und im nordostgrönländischen Nationalpark, dem größten Nationalpark der Welt. Mit dem Treibeis, welches mit dem Ostgrönlandstrom um Kap Farvel bis nach Südgrönland kommt, gelangen Eisbären auf der Jagd nach Robben bis in den äußersten Süden (Nanortalik), und mit anderen Treibeisströmungen nach Upernavik in Nordwestgrönland.
Der zweitgrößte Landsäuger Grönlands ist der Moschusochse (Ovibos moschatus), der ursprünglich nur in Nordostgrönland vorkam, wo er in oft großen Herden anzutreffen ist. Der Moschusochse wurde jedoch auch an der Westküste ausgesetzt, etwa in Kangerlussuaq, Ivittuut und bei Upernavik, wo er sich zu stabilen Beständen vermehrt hat. Rentiere (Rangifer tarandus) kommen, teilweise in großen Herden, vor allem an der Westküste vor.
Kleinsäuger wie Hermelin (Mustela erminea) und Lemming (Lemmus lemmus) leben nur in Nordostgrönland. Auch der Polarwolf (Canis lupus) kommt nur dort und im äußersten Norden vor.
Weit verbreitet sind Polarhase (Lepus arcticus) und Polarfuchs (Alopex lagopus).
Auch die Welt der Meeressäuger ist mit Minkwalen, Buckelwalen, Belugas, Schwertwalen, Narwalen, Grönlandwalen, Walrössern, Grönlandrobben, Sattelrobben, Bartrobben und Ringelrobben besonders artenreich. Die Inuit zählen auch den Eisbär zu den Meeressäugern, weil dieser die meiste Zeit seines Lebens auf dem Meer bzw. Pack- und Treibeis verbringt.
Die Vogelwelt ist ebenfalls reichhaltig. Am weitesten verbreitet sind Kolkrabe, Gryllteiste, Dreizehenmöwe, Schneeammer, Eiderente, Eistaucher, Odinshühnchen und Alpenschneehuhn.
Viele Seevögel nisten an den Vogelfelsen, die besonders groß in Upernavik, Qaanaaq und Ittoqqortoormiit sind. Wichtiger Brutvogel ist die Dickschnabellumme (Uria lomvia), deren größte Kolonien im Upernavik-Distrikt liegen. Es gibt weitere Kolonien in den Distrikten Qaanaaq, Ilulissat (Ritenbenk/Appat), Maniitsoq, Nuuk, Ivittuut, Ittoqqortoormiit und im Archipel Ydre Kitsitsut, welches zu Qaqortoq gerechnet wird. Trottellummen (Uria aalge) sind vergleichsweise selten und kommen an einigen Vogelfelsen in Südwestgrönland vor. Der hocharktische Krabbentaucher (Alle alle) kommt in riesigen Kolonien bei Qaanaaq und Ittoqqortoormiit vor. Es gibt kleinere Kolonien bei Upernavik (Horse Head) und in der Diskobucht (Grönne Ejland). Der Papageitaucher (Fratercula arctica) hat für nordatlantische Verhältnisse eher kleinere Kolonien in Grönland, etwa bei Aasiaat, Upernavik, Nuuk, auf Ydre Kitsitsut (Qaqortoq) und vor Nanortalik sowie bei Ittoqqortoormiit und Qaanaaq. Gryllteisten (Cepphus grylle) sind in ganz Grönland verbreitet und leben nicht nur an den Vogelfelsen. Weitere Bewohner der Vogelfelsen sind Dreizehenmöwen und Kormorane.
Küstenseeschwalben haben ihre größten Kolonien in der Diskobucht (Grönne Ejland). Thorshühnchen und Prachteiderenten kommen von der Diskobucht an nördlich vor. Seeadler sind vor allem in Südwestgrönland verbreitet, Falken und Skuas haben einen größeren Lebensraum.
Die Schneeeule lebt hauptsächlich in Nord- und Nordostgrönland. Auch viele Gänsearten (etwa Nonnengans, Schneegans, Meerente, Blässgans, u.a.) leben in Grönland. Die hocharktische Rosenmöwe kommt nur im äußersten Norden vor.
Kajak
Das Wort „Kajak“ kommt aus dem Grönländischen. Dieses Boot wurde hier schon sehr früh als Mittel für die Jagd im Sommer benutzt. Im Gegensatz zum Umiaq, dem Frauen-Boot, war das Kajak sehr schmal und genau dem Körper einer bestimmten Person angepasst. Im Winter diente der Hundeschlitten der Jagd.
Auch wenn Motorboot, welches von der Form her dem Umiaq entspricht, und Snowscooter die traditionellen Jagdmittel größtenteils abgelöst haben, werden diese nach wie vor, vor allem in den entlegenen Regionen wie Qaanaaq, Ittoqqortoormiit und in den Dörfern bei Upernavik, benutzt.
Kultur und Sport
Universität
An der Universität „Ilisimatusarfik“ in Nuuk studieren etwa 120 Studierende, davon wenige Ausländer. In den Studienfächern Verwaltung, Kultur- und Sozialgeschichte Grönlands sowie Grönländische Sprach-, Literatur- und Medienstudien können Bachelor- und Master-Abschlüsse erworben werden. Außerdem gibt es das Studienfach Theologie. Unterrichtet wird größtenteils auf Dänisch, in einigen Kursen auch auf Grönländisch.
Fußball
Siehe auch: Fußball in Grönland
Grönland ist bisher nicht Mitglied der FIFA. Ein Beitritt wird zwar anvisiert, UEFA und FIFA sperren sich aber bisher. Das grönländische Nationalteam wird von Sepp Piontek trainiert. Im Jahr 2001 fand ein Länderspiel gegen eine Auswahl aus Tibet statt, das ebenfalls keine offizielle Nationalelf hat, da es in den 1950er Jahren von der Volksrepublik China okkupiert wurde.
Kunsthandwerk
Siehe: Tupilak
Der Weihnachtsmann von Grönland
Nach Angaben der dänischen Botschaft in Deutschland erreichen jedes Jahr tausende Briefe das Weihnachtspostamt des Weihnachtsmanns in Grönland, weil viele Kinder auf der Welt glauben, der Weihnachtsmann wohne in Grönland. Im Sommer kann man sein Haus besichtigen. Es liegt einen kleinen Spaziergang außerhalb der Ortschaft Uumannaq, unterhalb des markanten Robbenherzberges.
Grönland hat darauf reagiert und dem Weihnachtsmann eine eigene Website eingerichtet. Es dürfte die meistbesuchte Website mit der Top-Level-Domain .gl sein: http://www.santa.gl/
Sonstiges
Grönland heißt auch ein Ortsteil von Sommerland in Schleswig-Holstein.
Literatur
Grönland (ISBN 3-7701-4423-6) ein Reiseführer durch Grönland
Weblinks
- [http://dk.nanoq.gl/enhed.asp?page=enhed&objno=522 Grönländische Regierung] (inuktitut, dänisch, englisch)
- [http://www.greenland-guide.gl/ Grönländische Touristen-Informationen] (englisch)
- [http://www.um.dk/deutsch/daenemark/enzyklopaedie/kap7/7-1-8.asp Königlich Dänisches Ministerium des Äußeren]
- [http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/europe/country_profiles/1023393.stm Profiles at BBC] (englisch)
- [http://www2.daenemark.org/tysk/tekst.php?id=109 Dänische Botschaft über den Weihnachtsmann in Grönland]
- [http://www.arc-pic.com/ Fotos aus Grönland]
- [http://www.ilisimatusarfik.gl/ Universität von Grönland]
- [http://www.maxweise.de/Greenland/ Grönlandfotos mit einigen Panoramen]
Kategorie:Insel (Nordamerika)
Kategorie:Insel (Arktis)
Kategorie:Insel (Grönland)
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Kategorie:Dänemark
Kategorie:Ehemalige Kolonie
Kategorie:Abhängiges Gebiet (Dänemark)
Kategorie:Glaziologie
ja:グリーンランド
ko:그린란드
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Nationalpark
Geschichte der Nationalparks
Die Idee, eine besonders schützenswerte Naturlandschaft zum Nationalpark zu erklären, ist über 100 Jahre alt. 1872 wurde in den USA der Yellowstone-Nationalpark gegründet. Bereits seit 1864 gab es ein erstes Schutzgebiet im heutigen Yosemite-Nationalpark, das aber erst 1906 in das entstehende Nationalparksystem eingegliedert wurde. Die Idee der Gründer war, die Wunder der Natur zu bewahren, so dass auch nachfolgende Generationen sich an ihnen erfreuen und sich hier erholen können.
Die Länder Kanada, Australien und Neuseeland folgten bald mit der Errichtung von Nationalparks, da hier noch große Gebiete unberührter Natur existierten, die relativ einfach geschützt werden konnten. In Europa wurden die ersten Nationalparks 1909 in Schweden errichtet, 1914 in der Schweiz. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte sich die Idee, und heute existieren in etwa 120 Ländern mehr als 2.200 Nationalparks. Die landschaftliche Vielfalt der Gebiete ist enorm und beinhaltet fast alle Landschaftstypen.
In Deutschland wurde mit dem Nationalpark Bayerischer Wald der erste Nationalpark erst 1970 errichtet. 1978 folgte der Nationalpark Berchtesgaden, der Königssee und Watzmann umschließt. 1985 und 86 wurden die Küstenbereiche des deutschen Wattenmeers als Nationalpark ausgewiesen. In der DDR gab es bis kurz vor der Wende keine Nationalparks. Rund 15% der Landesfläche waren aber öffentlichem Zugang versperrt und wiesen fast unberührte Landschaften auf. In den Umbruchszeiten der Wende wurden 1990 noch vor der Wiedervereinigung fünf Nationalparks in der Noch-DDR umgesetzt. Seitdem kamen bis 2004 sechs weitere Nationalparks hinzu, die Errichtung eines Parks "Elbtalaue" scheiterte 1999. So bestehen 2004 in Deutschland 15 Nationalparks.
Nationalparks in Deutschland
Der Nationalpark gehört in Deutschland zu den Möglichkeiten des gebietsbezogenen Naturschutzes, den das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) bereitstellt.
Gesetzgebung und Verwaltung
In §24 des BNatSchG wird festgelegt, dass Nationalparks dem großräumigen Schutz von Gebieten von besonderer Eigenart dienen sollen. Diese Gebiete müssen in einem überwiegenden Teil die Voraussetzungen eines Naturschutzgebietes erfüllen. Laut internationaler Konvention gelten für einen Nationalpark folgende Kriterien:
# es handelt sich um ein hervorragendes Gebiet von nationalem Interesse
# der Nationalpark wird öffentlich kontrolliert, d.h. Eigentümer ist eine zentrale Regierung, die auch die Verwaltung und Finanzierung sicherstellt
# es herrscht ein strenger gesetzlicher Schutz mit Einschränkung oder Verbot der Nutzung
# der Nationalpark ist für die Öffentlichkeit erschlossen.
Grundsätzlich sind hier alle Handlungen, Eingriffe und Vorhaben verboten, die dem Schutzzweck zuwiderlaufen. Im übrigen gilt für jedes bauliche oder sonstige Vorhaben die Eingriffs-Ausgleichs-Regelung des Bundesnaturschutzgesetzbuches.
Nationalparks sind bei der Bauleitplanung zu berücksichtigen und müssen in Bebauungsplänen dargestellt und beachtet werden. Man spricht hier von einer nachrichtlichen Übernahme. Sie sind verbindlich und können nicht etwa aufgrund eines übergeordneten Allgemeinwohls in der Abwägung überwunden werden.
Neben dem Nationalpark kennt das Bundesnaturschutzgesetz weitere Schutzmöglichkeiten, die mehr oder weniger rigide sind und unterschiedliche Zweckbestimmungen haben:
- Besonderer Gebietsschutz: Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete, Biosphärenreservate, Naturparks,
- Schutz einzelner Landschaftsteile: Naturdenkmale, geschützte Landschaftsbestandteile
- Schutz von Arten und Biotopen: Biotopschutz
- Europäische Schutzgebiete nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie zur Bildung eines europäischen Biotopverbundsystems Natura 2000.
Nationalparks-Liste für Deutschland
- Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer seit 1985, 441 000 ha
- Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer seit 1986, 240.000 ha
- Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft seit 1990, 80.500 ha
- Nationalpark Müritz - seit 1990, 32.000 ha
- Nationalpark Unteres Odertal seit 1990, 32.884 ha
- Nationalpark Bayerischer Wald seit 1970, 13.042 ha, Erweiterung 1997, insgesamt 24.250 ha
- Nationalpark Berchtesgaden seit 1978, 21.000 ha
- Nationalpark Harz - seit 1994, 2005 zusammengeschlossen mit dem Nationalpark Hochharz - seit 1990, insgesamt 24.700 ha
- Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer seit 1990, 13.750 ha
- Nationalpark Eifel seit 2004, 11.000 ha
- Nationalpark Sächsische Schweiz seit 1990, 9.292 ha
- Nationalpark Hainich seit 1997, 7.600 ha
- Nationalpark Kellerwald-Edersee seit 2004, 5.724 ha
- Nationalpark Jasmund - seit 1990, 3.000 ha
- Nationalpark Senne-Egge - (geplant)
Zusammen sind dies etwa 2,6% des Bundesgebietes.
Der Nationalpark Elbtalaue wurde direkt nach seiner Einrichtung 1998 wegen einer Klage 1999 wieder aufgelöst - das Gebiet erfüllt nicht die Anforderungen an die Naturbelassenheit.
Anfang 2005, wurden der Nationalpark Harz und der Nationalpark Hochharz zu einem Nationalpark zusammengeschlossen. Damit entfällt die Bezeichnung "Nationalpark Hochharz".
Geschichte der österreichischen Nationalparks
Die Einrichtung der österreichischen Nationalparks nahm jeweils mehrere Jahre in Anspruch. Damit liegt Österreich im internationalen Vergleich im Mittelfeld. Bei einem Drittel der weltweit errichteten Nationalparks beträgt die Dauer aufgrund von Konfliktintensitäten mehr als 20 Jahre.
Liste der Nationalparks
- Nationalpark Donau-Auen seit 1996, 9.300 ha
- Nationalpark Kalkalpen seit 1997, 21.000 ha
- Nationalpark Hohe Tauern seit 1981 in Kärnten 40.000 ha, seit 1984 in Salzburg 80.500 ha, seit 1992 in Tirol 61.000 ha, insgesamt 181.500 ha
- Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel seit 1993, 9.700 ha (gemeinsam mit Ungarn)
- Nationalpark Thayatal seit 1999, 1.300 ha (gemeinsam mit Tschechien)
- Nationalpark Gesäuse seit 2002, 11.000 ha
Im Tiroler Lechtal war ein Nationalpark in Diskussion. Die Tiroler Landesregierung beschloss allerdings im Jahr 2004 die Errichtung eines Naturparks.
Nationalpark der Schweiz
- Nationalpark der Schweiz (Kanton Graubünden) http://www.nationalpark.ch/
Nationalparks in Europa
- Nationalparks in England und Wales
- Nationalparks in Estland, Lettland und Litauen
- Nationalparks in Finnland
- Nationalparks in Frankreich
- Nationalparks in Irland
- Nationalparks in Island
- Nationalparks in Italien
- Nationalparks in Kroatien
- Nationalparks in Norwegen
- Nationalparks in den Niederlanden
- Nationalparks in Polen
- Nationalparks in Schweden
- Nationalparks in Serbien
- Nationalparks in der Slowakei
- Slowenien: Nationalpark Triglav
- Nationalparks in Spanien
- Nationalparks in Tschechien
- Nationalparks in Ungarn
- Nationalparks in Äthiopien
- Nationalparks in Botsuana
- Nationalparks in Gambia
- Nationalparks in Kenia
- Nationalparks in Madagaskar
- Nationalparks in Malawi
- Nationalparks in Namibia
- Nationalparks in Simbabwe
- Nationalparks im Sudan
- Nationalparks in Südafrika
- Nationalparks in Tansania
- Nationalparks in Uganda
- siehe auch: Naturparks in Afrika
Nordamerika:
- Nationalparks in den USA
- Nationalparks in Kanada
Zentralamerika:
- Nationalparks in Costa Rica
Südamerika:
- Nationalparks in Argentinien
- Nationalparks in Bolivien
- Nationalparks in Chile
- Nationalparks in Indien
- Nationalparks in Japan
- Nationalparks in Malaysia
- Nationalparks in Thailand
- Nationalparks in Australien
- Nationalparks in Fidschi
- Nationalparks in Neuseeland
Weblinks
- [http://www.europarc-deutschland.de www.europarc-deutschland.de] - EUROPARC Deutschland
- [http://sea.unep-wcmc.org/wdbpa/ World Database of Protected Areas] – United Nations Environment Programme
- [http://www.hum.amu.edu.pl/~zbzw/ph/pnp/swiat.htm www.hum.amu.edu.pl] - National Parks worldwide
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Siehe auch: Naturpark
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ja:国立公園
ko:국립공원
1920er Jahre
- Einführung des Rundfunk, Langwelle, Mittelwelle
- Goldene Zwanziger
- 25. Oktober 1929: am schwarzen Freitag kommt es zu drastischen Kursverlusten an der New Yorker Börse. Als Folge darauf stürzt die Welt in die Weltwirtschaftskrise
Übersicht: Hits der 1920er
1920
: Mamie Smith: Crazy Blues
: Charles Harrison: I'll Be With You in Apple Blossom Time
: Jerome Kern: Look for the Silver Lining
: Ted Lewis Jazz Band: When My Baby Smiles at Me
: Ben Selvin: The Charleston
1921
: Ted Snyder: Sheik of Araby
: Vaughn De Leath: I'm Just Wild About Harry
: Paul Whiteman and Orchestra: Song of India
: Van and Schenck: Ain't We Got Fun
1922
: Jazzbos Carolina Serenaders: Chicago (That Toddlin Town)
: Al Jolson: Toot, Toot, Tootsie Goodbye
: Blossom Seeley: Way Down Yonder in New Orleans
: Fats Waller: I Wish I Could Shimmy Like Sister Kate
: Van and Schenck: Carolina in the Morning
1923
: Louis Prima: Yes! We Have No Bananas!
: Ted Snyder: Who's Sorry Now?
: Ray Henderson: That Old Gang of Mine
: Bessie Smith: Down-Hearted Blues
: Bessie Smith: Gulf Coast Blues
1924
: Louis Armstrong & Bessie Smith: St. Louis Blues
: Paul Whiteman and Orchestra: Indian Love Call
: George Gershwin: Fascinatin' Rhythm
: Harry Conick Jr.: It Had To Be You
: Marion Harris: Tea for Two
: Benny Goodman: California Here I Come
1925
: Art Gillham: I'm Sittin' On Top of the World
: Goofus Five: Alabamy Bound
: Eddie Cantor: If You Knew Susie Like I Knew Susie
: Ethel Waters: Sweet Georgia Brown
: Goofus Five: Yes Sir, That's My Baby
: Fats Waller: Squeeze Me
1926
: Al Jolson: Are You Lonesome Tonight
: Duke Ellington: Bye, Bye Blackbird
: Jean Goldkette: Tip Toe Through the Tulips
: Gertrude Lawrence: Someone to Watch Over Me
1927
: Paul Robeson: Old Man River
: Fats Waller: The Digah's Stomp
: Gene Austin: My Blue Heaven
: Henry James Allen Jr.: Swonderful
: Johnny Marvin: Me and My Shadow
1928
: Cliff Edwards: I Can't Give You Anything But Love
: Ben Selvin: You're the Cream in My Coffee
: Eddie Cantor: Makin' Whoopee
: Helen Kane: I Wanna Be Loved by You
1929
: Fred Astaire: Puttin' On the Ritz
: Fats Waller & Douglas Watt: Ain't Misbehavin'
: Cliff Edwards, The Brox Sisters, Charles King, Gus Edwards, Marie Dressler, Bessie Love, Polly Moran: Singin' in the Rain
: Howard Carmichael: Star Dust
1930
: King Oliver's Creole Jazz Band: Boogie Woogie
: Count Basie: I Got Rhythm
: Red Nichols: Embraceable You
: Ted Lewis: Sunny Side of the Street
Persönlichkeiten
- Albert Einstein
- Johannes Heesters
- Lenin
- Erich Ludendorff
- Hans Luther
- Wilhelm Marx
- Benito Mussolini
- Josef Stalin
- Gustav Stresemann
- Kurt Tucholsky
- Auguste Viktoria
- Josef Wirth
ja:1920年代
ko:1920년대
simple:1920s
Moschusochse
Der Moschusochse (Ovibos moschatus), auch als Bisamochse oder Schafsochse bezeichnet, ist ein Paarhufer aus der der Ziegenartigen (Caprinae). Die bis zu 1,30 m großen Tiere sind Bewohner der arktischen Tundra, sie sind heute in Grönland, Kanada, Sibirien und Alaska zu finden. Kleine ausgewilderte Herden leben auch in Norwegen und Schweden.
Paläontologie
Paläontologische Funde zeigen, dass der Moschusochse die letzte überlebende Art eines mehrere Arten umfassenden Hornträger-Zweiges ist. Sein Überleben als Art verdankt der Moschusochse offenbar seiner Anpassung an extrem kalte Standorte. Die ausgestorbenen Arten waren an wärmere Klimazonen angepasst
(zum Beispiel Praeovibos priscus – trotz des Namens ist dieser keine Vorläuferform, sondern existierte parallel zu Ovibos moschatus). Besonders weit verbreitet war der Helm-Moschusochse (Bootherium bombifrons), dessen Fossilfunde zunächst für einen ausgestorbenen Bison (Bison appalachicolus) gehalten worden waren. Während der Eiszeit (Würmglazial) erstreckte sich das Verbreitungsgebiet von Bootherium von Nord-Alaska bis zur Hudson Bay und in Eurasien sogar bis in die Schweiz. Bootherium bombifrons, der größer und schlanker war als Ovibos moschatus, taucht in der Literatur auch unter den Namen Ovibos pallantis und Symbos cavifrons auf. Andere fossile Moschusochsen waren Euceratherium collinum – eine an das Hochgebirge angepasste Moschusart – und Soergelia mayfieldi.
Die Vorfahren der heutigen Moschusochsen begannen sich vor einer Million Jahren in der Tundra des nördlichen Zentralasiens zu entwickeln; über die Beringstraße erreichten vor etwa 500.000 Jahren die Vorfahren der Moschusochsen Nordamerika.
Verantwortlich für das Aussterben der Moschusochsen in Europa und Asien war die Umwandlung weiter Tundraflächen in Waldgebiete nach Abklingen der Eiszeit.
In Sibirien gab es Moschusochsen bis vor ungefähr 13.000 Jahren.
Name
Männliche Moschusochsen geben zur Paarungszeit eine Substanz in den Urin ab, die moschusähnlich süß riecht und die die Bezeichnung "Moschus" begründete. Der lateinische Artname Ovibos bedeutet Schafsochse und spielt auf den früheren Glauben an, dass der Moschusochse eine Mischung aus dem Rind und dem Schaf sei. Die wahren Vorfahren sind unbekannt. Die Tiere sind mit den Ziegen oder den Schafen verwandt, auch wenn sich viele Merkmale des Rindes zeigen. In der Inuitsprache heißen sie Oomingmak, was übersetzt "Bart" oder "bärtig" bedeutet.
Verbreitung
Natürliche Vorkommen der Moschusochsen befinden sich in Teilen Kanadas und im Nordosten von Grönland. In Alaska wurden die Moschusochsenbestände gegen Ende des 19. Jahrhunderts oder Anfang des 20. Jahrhunderts ausgerottet. Die Wiedereinbürgerung gelang, nachdem in Grönland gefangene Moschusochsen in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts auf der Insel Nunivak vor der Westküste Alaskas ausgesetzt wurden und sich von dort aus entlang der arktischen Westküste wieder verbreitet haben.
Nunivak
Wiedereinbürgerungen der Tiere gab es in weiteren Teilen Grönlands, Sibirien, Svalbard und Schweden. Die ersten Wiedereinbürgerungsversuche in Norwegen gab es 1927, doch erst 1947 waren sie erfolgreich. Eine Herde Moschusochsen lebt heute im Dovrefjell-Nationalpark. Die heute in Schweden lebenden Tiere stammen von einem Rudel aus einem Bullen, zwei Kühen und zwei Kälbern ab, das 1971 von Norwegen aus nach Schweden überwechselte. Auch auf der im Nordpolarmeer liegenden russischen Wrangelinsel sind mit Erfolg Moschusochsen ausgewildert worden. Mittlerweile beträgt die Zahl der Moschusochsen auf der Insel, die 2004 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurde, hundert Tiere.
Die Einbürgerungsversuche auf Island und auf Spitzbergen sind gescheitert.
Lebensraum
Die Tiere bevorzugen als Lebensraum die arktische, niederschlagsarme Tundra. Sie leben bevorzugt in tiefer gelegenen Ebenen und Flusstälern, in denen sich der geringe Niederschlag im Sommer über dem Permafrostboden sammelt und so eine für arktische Verhältnisse saftige Vegetation wachsen lässt. Sie ernähren sich von Holzgewächsen wie beispielsweise Birken und Weiden, von denen sie die Blätter abstreifen, sowie von Gräsern, Kräutern, Seggen, Flechten und Moosen.
In diesem Lebensraum weisen männliche Tiere nur während einer Zeit von zwei Monaten eine positive Nahrungsbilanz – also eine Gewichtszunahme – auf. Weitere vier Monate ist die Nahrungsbilanz für sie neutral, d.h. weder verlieren noch gewinnen sie Gewicht. Weibliche Tiere haben dagegen eine positive Nahrungsbilanz von fünf Monaten und eine negative Nahrungsbilanz während der verbleibenden sieben Monate. Beide Geschlechter zehren von den angefressenen Fettreserven während des langen arktischen Winters. Das Weibchen nutzt darüberhinaus seine Fettreserven in der Zeit, in denen es sein Kalb säugt.
Der Hungertod eines Moschusochsen tritt dann ein, wenn es aufgrund schlechter Weide- und Wetterbedingungen nicht gelingt, eine für den Winter ausreichende Fettreserve aufzubauen. Die meisten Todesfälle treten dementsprechend im Spätwinter und im zeitigen Frühjahr auf.
Von der Anwesenheit von Moschusochsen profitieren eine Reihe anderer Tierarten: Schneeammern und Spornammern polstern ihre Nester mit der weichen Wolle der Moschusochsen aus; im Winter fressen auch der Schneehase und das Schneehuhn von den von Moschusochsen freigescharrten Futterpflanzen. Polarfüchse lassen sich häufig in der Nähe von Moschusochsen beobachten, ohne dass man dafür bisher eine Erklärung gefunden hat.
Körperbau
Moschusochsen sind von kurzer, stämmiger Gestalt. Auffällig ist der Buckel über der Schulter und der im Verhältnis zum Körper große Kopf. Ausgewachsene Weibchen und Männchen haben außerdem vom Widerrist bis zum Hornansatz eine ausgeprägte Mähne.
Die männlichen Tiere wiegen 300–400 kg, sind 2,5 m lang und erreichen eine Schulterhöhe von 1,45 m. Die Kühe wiegen 200–300 kg, werden 2,30 m lang und bis zu 1,30 m hoch. Ihre dicken Fettpolster schützen sie vor der Kälte.
Widerrist
Die von beiden Geschlechtern getragenen Hörner sind abwärtsgerichtet. Bei den männlichen Tieren sind die Hornbasen verdickt und verbreitert, bei den ausgewachsenen Weibchen auf der Stirn dicht beieinander. Die Hörner beginnen beim vier- bis sechswöchigen Kalb zu wachsen; die Hornbildung ist etwa im sechsten Lebensjahr abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt haben die Weibchen auch ihr Endgewicht erreicht, männliche Tiere wachsen bis ins siebente Lebensjahr. Die Hörner werden als Waffe gegen Raubtiere und von männlichen Tieren während der Brunst eingesetzt.
Die Augen des Moschusochsen sind in zweifacher Hinsicht an die besonderen Bedingungen des arktischen Lebensraums adaptiert. Aufgrund der großen Pupille und der lichtempfindlichen Netzhaut des Auges reicht das Licht von Mond und Sternen aus, damit der Moschusochse die Monate von November bis Februar überleben kann, in denen die Sonne nicht über den Horizont steigt. Gleichzeitig kann sich die Pupille, ein horizontaler Schlitz, völlig schließen, um Schneeblindheit zu vermeiden. Pigmentkörperchen schützen außerdem die Netzhaut vor dem blendenden Licht der Sonne, das vom Schnee reflektiert wird.
Die Hufe sind breit, rund und scharfkantig, wobei die der Vorderfüße größer sind. Sie werden im Winter genutzt, um Schnee wegzukratzen oder das Eis aufzubrechen.
Fell
Schneeblindheit
Schneeblindheit
Moschusochsen besitzen ein langes, dichtes Fell, das fast bis auf die Hufe herabreicht und aus mehreren unterschiedlichen Haararten zusammengesetzt ist. Gegen Ende des Winters ist dieses Haar ausgeblichen, so dass die Fellfarbe von überwiegend dunkel- bis schwarzbraun nach gelbbraun wechseln kann. Am Sattel und an den Füßen kommen auch hellbeige bis gelbbraune Haarfarben vor; Scrotum und Euter sind graubeige. Einzelne Tiere und auch manche Populationen haben helle Haare auch im Gesicht. Ältere Tiere sind generell etwas heller gefärbt.
Das im Winter sehr dichte Haar lässt die Tiere sehr massig erscheinen.
Unmittelbar auf der Haut liegt ein dichtes, 5 cm langes Unterfell aus feiner Wolle, welches das ganze Tier außer an Hufen und Hörner sowie einer kleinen Stelle zwischen Nüstern und Lippen bedeckt und in den Monaten Mai bis Juli gewechselt wird. Darüber liegt eine Schicht grober Schutz- oder Grannenhaare, die wesentlich länger (45 bis 62 cm) sind und vor allem Hinterteil, Bauch, Flanken und Kehle bedecken. Das längste Schutzhaar wird an der Kehle getragen.
Die Haut des Moschusochsen besitzt keine Talgdrüsen, die Haare des Moschusochsen sind daher nicht wasserabweisend. Moschusochsen, die bevorzugt in niederschlagsarmen Regionen leben, sind daher durch Regen besonders gefährdet. Sie können sich durch Regen Erkältungskrankheiten zuziehen, die tödlich enden können.
Kälber haben bei Geburt ein zimtfarbenes Deckhaar und ein Unterfell aus dunkler Wolle, das sie gemeinsam mit den isolierenden Fettdepots vor der Kälte schützt. Das längere Deckhaar erscheint erstmals am Ende des ersten Lebensjahres.
Während des Mittsommers verlieren die Moschusochsen ihre Unterwolle. Da diese nicht gleichzeitig mit den Grannenhaaren gewechselt wird, wirken die Tiere über einige Zeit sehr zottig, da die feinen Wollhaare an den Grannenhaaren haften bleiben.
Die Unterwolle der Moschusochsen zählt zu den feinsten natürlichen Fasern. Bezogen auf ihr Gewicht ist sie achtmal wärmer als Schafswolle und so weich wie die Unterleibswolle der Kaschmirziegen. In Alaska hat man deshalb den Versuch unternommen, Moschusochsen zu domestizieren. Aus dem Fell der halbzahmen Tiere wird mit den Händen die Unterwolle herausgekämmt und zu hochwertigen Schals und Pullovern verarbeitet. Aus zehn Pfund Wolle – was der Unterwolle eines Moschusochsen entspricht – lässt sich ein vierzigfädiges Wollgarn von 250 km Länge herstellen.
Fortpflanzung
Weibliche Moschusochsen werden für gewöhnlich im Alter von vier Jahren fortpflanzungsfähig. Männliche Tiere erreichen ihre sexuelle Reife nach sechs Jahren. Nur in Lebensräumen mit außergewöhnlich guten Bedingungen, wie sie beispielsweise im norwegischen Dovrefjell gegeben sind, erreichen die Tiere ihre Geschlechtsreife früher.
Die Paarungszeit reicht von Juli bis August. Die Kuh ist 7–9 Monate trächtig und gebärt meist nur ein Kalb, das bei der Geburt etwa 10 bis 14 kg wiegt. Moschusochsenkälber haben bei Geburt einen Vorrat an braunem Fettgewebe, das für die Wärmeproduktion genutzt werden kann. Wie der Biologe Lavers berichtet, kann ein Moschusochsenkalb diesen Brennstoffvorrat zur Erhöhung der Wärmeproduktion so nutzen, dass sie dreizehnmal so viel Wärme freisetzen wie ein Mensch im Ruhezustand. Aufgrund dieser Anpassung kann ein neugeborenes Kalb seine Körpertemperatur bis zu 75° Celsius über die Umgebungstemperatur anheben.
Das Kalb wird bis zu 15 Monate lang gesäugt, obwohl Kälber bereits eine Woche nach der Geburt zu grasen beginnen. Jährliche Geburten sind möglich, hängen jedoch von den Qualität des Lebensraums ab.
Verhalten
Verhalten in der Herde
Während des Sommers befinden sich 5–15 Tiere in einer Herde, im Winter erreichen die Herden eine Anzahl von bis zu 100 Tieren. Wie problematisch es ist, aus einzelnen Beobachtungen auf die Herdenzusammensetzung und typische Verhaltensmuster zu schließen, beschreibt der Naturforscher Lopez:
:Eine auf einer Seggenwiese grasende große Herde kann sich nach langer Beobachtung als aus verschiedenen, voneinander getrennten Herden zusammengesetzt erweisen. Zwei Herden verschmelzen vielleicht zu einer; einen Tag später werden drei Herden daraus. Herden sind weder streng organsiert noch unorganisiert. Sie sind bindende soziale Arrangements auf Zeit...Veränderungen in der Zusammensetzung der Moschusochsenherden legen die Vermutung nahe, dass sowohl die einzelnen Tiere als auch die Gruppen als Ganzes einen "eigenen Charakter" haben... Die Kenntnis der Persönlichkeiten der anderen Tiere, die Erfahrung, die sie miteinander gemacht haben, dürfte in [bedrohlichen] Situationen eine Rolle spielen und möglicherweise besonders deutlich werden, wenn die Verteidigungsstellung eingenommen wird. Vielleicht sind es nur Tiere, die einander nicht besonders gut kennen, die in Panik geraten und weglaufen und Kälber und ihre Mütter zurücklassen, während andere, die sich untereinander gut kennen, sich mit effizienter Präzision bewegen, wobei die älteren Tiere die kurzfristig verwirrten oder widerspenstigen Kälber mit Püffen und Tritten in das geschützte Innere der Verteidigungsstellung stoßen.
Anders als etwa Rentiere führen Moschusochsen keine großen Wanderungen durch, sondern durchziehen täglich mit einer Wegstrecke von durchschnittlich 2 km langsam ihr Revier. Kühe beeinflussen die Bewegung der Herde und ihr Verhalten ebenso wie die Bullen. Bei den in Norwegen beobachteten Tieren führt stets eine ältere Kuh die Tiere an, wobei sie sich möglichst gradlinig bewegen.
Sommer- und Winterreviere liegen oft nur wenige Kilometer auseinander. Im norwegischen Dovrefjell, wo für die Tiere besonders gute Lebensbedingungen herrschen, halten sich die Tiere das ganze Jahr über in einem Gebiet auf, das etwa 8 mal 13 km misst.
Der Naturforscher Lopez nennt Moschusochsen einzigartig unter den Wiederkäuern, da sie so viel Körperkontakt zueinander halten und auch während der Flucht Schulter an Schulter, Flanke an Flanke galoppieren:
:Zu den umwerfendsten Beobachtungen, die ich je gemacht habe, gehört der Anblick einer Herde Moschusochsen auf der Seward-Halbinsel, die, erschrocken über ein niedrig fliegendes Flugzeug, auf einer Hügelkuppe wendete. Sie bewegten sich wie ein einziges Wesen, bäumten sich in einer engen Wendung auf, um die Richtung zu ändern. Das wilde, gleichzeitige Schwingen ihrer langen Haarschürze war wie eine dunkle Woge, die an einer Klippe hochsteigt, bevor sie in sich selbst zurückfällt.
Die Herden verhalten sich nicht nur während der Flucht synchron. Auch
die Fress- und Ruhephasen, die jeweils eine Länge von 100 bis 150 Minuten haben, werden von der gesamten Herde eingehalten.
Verhalten gegenüber Fressfeinden
Ren
Die natürlichen Feinde der Moschusochsen sind Wölfe und gelegentlich Eis- und Braunbären. Bei Angriffen durch Wölfe etwa fliehen die Tiere zunächst zu einem etwas erhöhten oder flach mit Schnee bedeckten Ort und wenden sich dann in einer phalanxförmigen Aufstellung mit dem Gesicht dem Angreifer zu. Werden sie durch Wölfe eingekreist, ist diese Phalanx kreisförmig; die Jungtiere stehen geschützt innerhalb dieses Kreises. Einzelne Tiere – Bullen, Kühe, aber auch Halbwüchsige – brechen immer wieder aus diesem Kreis aus und attackieren die Angreifer. Wölfe sind in ihrem Angriff nur dann erfolgreich, wenn sie ein angreifendes Tier von der Herde abschneiden können oder wenn sie durch eine Lücke in der Phalanx ein Kalb erwischen können.
Wie Lopez berichtet, schützt sich ein einzelnes Tier, wenn es von Wölfen gestellt wird, indem es sich rückwärts in eine Schneewehe oder gegen eine Unebenheit des Geländes schiebt. Auch bei den in Norwegen lebenden Moschusochsen hat man beobachtet, dass sie am ehesten zu beunruhigen sind, wenn das offene Gelände ihnen keinen Schutz bietet.
Verhalten während der Brunft
phalanx
Während der Brunftzeit nehmen die Kämpfe zwischen den Bullen deutlich zu. Neben herausforderndem Brüllen zählen zu den Drohgebärden vor dem eigentlichen Kampf, dass die Bullen ihre Voraugendrüsen am Boden oder am Vorderbein reiben. Danach werden während eines langsamen und steifbeinigen Parallelschritts Hörner und Kopf dem Gegner seitlich gezeigt.
Im eigentlichen Kampf galoppieren die Bullen frontal aufeinander zu und prallen an der Stirn aufeinander. Dies kann sich bis zu zwanzigmal wiederholen. Der Aufprall der Tiere ist so heftig, dass sich häufig eines der beiden Tiere auf die Hinterkeulen setzt oder sich beide Tiere auf die Hinterbeine erheben. Zum Kampfverhalten gehört es jedoch auch, dass die Widersacher einander in die Seiten stechen und dabei mitunter so heftig mit den Hornspitzen verletzen, dass es zu Todesfällen kommt.
Die Verlierer dieses Kampfes sondern sich in der Regel von der Herde ab und leben in der Folge entweder einzelgängerisch oder schließen sich mit anderen männlichen Tieren zusammen. In der Herde können sie nur verbleiben, sofern sie sich gegenüber dem Hauptbullen unterwürfig verhalten.
Die Werbung um die Weibchen beginnt im Juni, wenn der Hauptbulle seinen Weibchen folgt und sie beriecht. Dem folgt häufig ein Flehmen, bei dem der Bulle seinen Kopf hebt. Die Werbung wird bis August immer intensiver. Zur Paarung bleibt die Kuh stehen, während der Bulle aufreitet und ihre Flanken mit den Vorderläufen umklammert.
Natürliche Todesursachen
Wenige Moschusochsen werden älter als 20 Jahre. Typisch ist der Tod durch Verhungern, wenn sie im Vorjahr keine ausreichende Fettreserve aufbauen konnten, um den langen arktischen Winter zu überstehen. Andere Tiere erfrieren oder ertrinken, wenn sie im Frühjahr durch das Eis der zugefrorenen Flüsse brechen. Sie werden Opfer von Raubtieren wie Wölfen und Bären, sterben jedoch auch an Verletzungen, die sie sich während der Brunstkämpfe zuziehen.
Mensch und Moschusochse
Für einen mit einem Gewehr ausgerüsteten Jäger ist es leicht, Moschusochsen zu jagen. Auf einen Angriff von Hunden reagieren Moschusochsen wie auf den von Wölfen. Sie nehmen ihre typische Verteidigungshaltung ein und verharren ruhig am Ort. Damit sind sie für die Gewehrkugel des Jägers ein einfaches Ziel.
Moschusochsen waren schon immer Jagdwild für die Inuit, die neben dem Fleisch auch Haut und Wolle nutzten. Aus dem Leder der Tiere fertigten die Inuit beispielsweise Schuhe, der kurze Schwanz wurde als Fliegenwedel benutzt.
Die Bejagung der Moschusochsen nahm gegen Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts deutlich zu. Die großen Nordpolexpeditionen nutzten das Fleisch der Moschusochsen nicht nur zur menschlichen Nahrung, sondern auch, um die umfangreichen Schlittenhundgespanne zu füttern. Bejagt wurden sie auch durch Walfänger, und die Hudson Bay Company handelte mit ihren Fellen. Allein zwischen 1888 und 1891 verkaufte die Hudson Bay Company 5.408 Moschusochsenfelle.
Zum Niedergang der Moschusochsenpopulation trug auch der Ankauf von Kälbern durch Tiergärten bei. Um die Kälber zu fangen, wurden die erwachsenen Tiere einer Herde niedergeschossen. Man schätzt, dass für die 250 Moschusochsenkälber, die zwischen 1900 und 1925 an Tiergärten verkauft wurden, ca. 2000 erwachsene Tiere getötet wurden. Tiergärten haben nach 1925 den Erwerb von Moschusochsen eingestellt, nachdem die Einzelheiten der Fangmethode bekannt wurden.
Seit 1917 in Kanada und seit 1974 in Teilen Grönlands stehen die Moschusochsen unter Schutz. Die Bestände haben sich dadurch deutlich erholt (vgl. Bestandstabelle). Kanada erlaubt eine beschränkte Bejagung durch die Inuit: Seit 1970 dürfen sie jährlich 20 Moschusochsen abschießen und die Felle und Wolle verkaufen. Auch in Grönland ist außerhalb der Nationalparks eine begrenzte Jagd erlaubt. In Alaska gibt es darüberhinaus den Versuch, Moschusochsen so weit zu domestizieren, dass ihre Wolle genutzt werden kann (vgl. dazu Kapitel Fell).
Moschusochsen selber können dem Menschen gefährlich werden. In Norwegen kamen bislang zwei Menschen durch Moschusochsen ums Leben. Dazu trägt bei, dass sie nicht unbedingt flüchten, wenn sie sich bedroht fühlen, sondern ihre Verteidigungsstellungen einnehmen und von dieser aus unversehens angreifen können. Den Besuchern des Dovrefjells wird deshalb nahegelegt, mindestens einen Abstand von 200 Metern zu den Tieren einzuhalten und – sofern Hunde mitgeführt werden – diesen Mindestabstand auf 500 Meter auszudehnen.
Gefährdung
Die IUCN führt den Moschusochsen gegenwärtig nicht als bedroht. In Deutschland sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz, Bundesartenschutzverordnung Handel und Einfuhr verboten, um die Bejagung in den verbliebenen natürlichen Lebensräumen nicht zu begünstigen.
Bestandstabelle:
Unterarten
- Alaska-Moschusochse (Ovibos moschatus moschatus) in Alaska, Kanada und Russland
- Grönland-Moschusochse (Ovibos moschatus wardi) in Grönland, Svarbald, Norwegen und Schweden mit weißem Fellfleck auf der Stirn
Nächste verwandte Tierarten
Bundesartenschutzverordnung
Als am nächsten verwandte Tierart galt nach bisherigem Wissensstand der nordtibetische Takin. Als weitere Verwandte wurden der Serau, die Gämse, die Schneeziege und der Mähnenspringer angesehen. Die nahe Verwandtschaft zwischen dem Takin und dem Moschusochsen wurde von Wissenschaftlern seit 1850 vermutet, da sich beide Tiere in Körperbau und Verhalten ähneln. Genetische Untersuchungen der Wissenschaftlerin Pam Groves bestätigen dies jedoch nicht. Ihre Untersuchungen legen stattdessen nahe, dass der nächste Verwandte der Goral ist, eine kleine Ziegenart aus Asien, die sich vom Moschusochsen äußerlich deutlich unterscheidet.
Zitate
- Obige Zitate stammen aus Barry Lopez Buch Arktische Träume (s.u.), S. 96 und 98f.
Literatur
- Wolf Keienburg (Hrsg); Grzimeks Enzyklopädie – Band 5, Säugetiere, München 1988, ISBN 3-463-42005-8
- Jochen Niehammer, Franz Krapp (Hrsg.); Handbuch der Säugetiere Europas, Wiesbaden, 1986 ISBN 3-89104-026-1
- Chris Lavers; Warum Elefanten große Ohren haben – dem genialen Bauplan der Tiere auf der Spur, Gustav Lübbe Verlag, Bergisch-Gladbach 2001, ISBN 3-7857-2047-5
- Barry Lopez; Arktische Träume, Düsseldorf 1987, ISBN 3-442-72642-5. Der Titel des Buches ist etwas irreführend. Der Naturforscher Lopez beschreibt darin die Lebensformen der Arktis; das Buch wurde mit dem National Book Award ausgezeichnet.
- Jork Meyer (2004): Sex ratio in muskox skulls (Ovibos moschatus) found at East Greenland - Geschlechterverhältnis bei Schädeln des Moschusochsen (Ovibos moschatus) in Ostgrönland, Beiträge zur Jagd- und Wildtierforschung 29: 187-192. http://www.staff.uni-marburg.de/~meyerj/Ms%20Ovibos%20moschatus.pdf
Weblinks
- [http://www.etojm.com/Tysk/Norwegen/FloraFauna/Dyrsider/Moskus.htm www.etojm.com] – Moschusochsen in norwegischen Nationalparks
- [http://www.uaf.edu/seagrant/NewsMedia/98ASJ/12.14.98_MuskOxKin.html Takin als nächster Verwandte des Moschusochsen?] – Englische Mitschrift einer Radiosendung des "Arctic Science Journeys"
Kategorie:Paarhufer
Robbe
Die Robben (Pinnipedia) sind eine Gruppe zum Wasserleben übergegangener Raubtiere (Carnivora). Der wissenschaftliche Name leitet sich aus dem Lateinischen von pinna, „Flosse“ und pes, „Fuß“ her, bedeutet also Flossenfüßer. Unter diesem Namen oder als Wasser-Raubtiere findet man sie manchmal auch in der Fachliteratur, am bekanntesten aber sind sie als Robben.
Anatomie
Robben sind mittelgroße bis große Säugetiere, die Längen zwischen 1,20 und 6 Metern erreichen können. Das Gewicht schwankt zwischen den Arten extrem und liegt zwischen 25 Kilogramm bei Weibchen der Antarktischen Seebären (Arctocephalus gazella) und mehr als 4 Tonnen bei männlichen Südlichen See-Elefanten (Mirounga leonina). Oft lässt sich ein auffälliger Geschlechtsdimorphismus feststellen: See-Elefanten-Männchen etwa wiegen oft bis zu viermal mehr als ihre Weibchen.
Der Robbenkörper hat eine torpedoförmige Gestalt: Der abgeflachte Kopf ist durch einen dicken Hals nur undeutlich vom Rest des Körpers abgesetzt, der Schwanz nur noch als Rudiment erhalten. Die Gliedmaßen sind zudem bis zum Ellbogen beziehungsweise Knie in den Körper eingebettet, so dass nur Unterarm und -schenkel freiliegen. Alle diese Eigenschaften setzen den Strömungswiderstand herab und dienen so der Anpassung an das Leben im Wasser.
Schädel und Gebiss
Im Robbenschädel überlappt das vordere Hinterhauptbein, der Supraokzipitalknochen mit dem Schläfenbein, dem Parietalknochen; die Augenhöhlen sind vergrößert, während das Rostrum, also die „Schnauze“ der Tiere, stark verkürzt ist. Statt des typischen Raubtiergebisses haben die meisten Robben ein gleichförmigeres Fischfressergebiss. Es existieren meist ein bis zwei Paar untere Schneidezähne, kegelförmige, meist wenig betonte Eckzähne und zwölf bis vierundzwanzig einfache, homodonte, also gleichartig aufgebaute Backenzähne. Letztere besitzen zwei Wurzeln und sind zugespitzt; sie sind somit weniger zum Kauen als zum Festhalten der Beute geeignet. Reißzähne wie bei den anderen Raubtieren kommen bei Robben nicht vor. Allerdings gibt es innerhalb der Robben zahlreiche Abweichungen, vor allem bei jenen Arten, die andere Ernährungsweisen pflegen: Bei Walrossen sind die Eckzähne etwa als Stoßzähne ausgebildet, während bei Krabbenfressern die Zähne kompliziert gebaute Höcker besitzen, die bei geschlossenem Kiefer ein engmaschiges Sieb bilden, mit denen die Tiere ihre Nahrung, Krill, erbeuten.
Wirbelsäule und Gliedmaßen
Je nach Familie sind unterschiedliche Teile der Wirbelsäule verstärkt, dies hängt mit der unterschiedlichen Fortbewegung der Tiere zusammen. Bei Ohrenrobben, bei denen die Vorderflossen im Mittelpunkt stehen, sind die Hals- und Brustwirbel deutlich verstärkt, während bei Hundsrobben, die sich mithilfe ihrer Hinterflossen fortbewegen stattdessen die Lendenwirbel vergrößert sind. Zusätzlich sind bei ihnen die Gelenkfortsätze der Wirbel stark reduziert, so dass diese nicht so starr miteinander verbunden sind wie bei anderen Säugetieren. Durch diese Flexibilität kommt die große Wendigkeit des Robbenkörpers zustande. Diese wirkt sich durch das fehlende Schlüsselbein (Clavicula) und den kleinen, parallel zur Wirbelsäule ausgerichteten Beckengürtel auch auf die Bewegungsfreiheit der Gliedmaßen aus.
Wirbelsäule
Alle vier Beine wurden im Laufe der Evolution zu Flossen umgewandelt, die Hinterextremitäten wurden dabei ans äußerste Körperende verlagert. Oberarmknochen (Humerus), Elle (Ulna) und Speiche (Radius) sind im Vergleich zu anderen Raubtieren kürzer, aber kräftiger ausgeprägt, auch der Oberschenkelknochen (Femur) ist flach und breit, so dass eine effektive Kraftübertragung im Wasser ermöglicht wird. Bei näherem Hinsehen kann man erkennen, dass jede der Flossen in fünf langen, abgeflachten Zehen endet, die durch Schwimmhäute miteinander verbunden sind; oft sind die erste und die fünfte Zehe verlängert. Eine weitere Spezialisierung der Flossen wurde vermutlich nur durch die fortbestehende Notwendigkeit, sich an Land fortbewegen zu müssen, verhindert.
Fell und Fettschicht
Geboren werden Robben meistens mit einem dichten Fell, das beim Älterwerden verschwindet und durch ein kurzes Haarkleid ersetzt wird. Nur die Seebären behalten auch als Alttiere ein auffälliges Pelzkleid, das sich aus einem dichten Unterfell und darüber vorstehenden steifen Grannenhaaren besteht; Walrosse sind dagegen praktisch haarlos. Das Fell wird zusammen mit der obersten Hautschicht bei Ohrenrobben über einen längeren Zeitraum hinweg ersetzt, der bis zu einem Monat betragen kann, während Hundsrobben diesen Häutungsprozess meist verhältnismäßig abrupt innerhalb weniger Tage vollziehen.
Zum Schutz vor Auskühlung befindet sich unterhalb der Haut eine bei manchen Arten bis zu zehn Zentimeter dicke Fettschicht, die daneben als Nährstoffspeicher und Auftriebshilfe fungiert. Sie ist bei Hundsrobben und Walrossen besonders ausgeprägt. Allerdings schützt sie nicht die durch eine besonders große Zahl von Blutgefäßen versorgten Flossen.
Innere Organe
Der Robbenmagen ist ein einfacher länglicher Schlauch und darauf eingerichtet, als Ganzes verschluckte Beute aufzunehmen. Sehr aufwendig und lang ist dagegen der Dünndarm, der bei Männchen der Südlichen See-Elefanten (Mirounga leonina) eine Länge von über 200 Metern erreichen kann; alle anderen Darmabschnitte sind dagegen verhältnismäßig kurz.
Nicht mehr äußerlich sichtbar, weil weitgehend ins Körperinnere verlagert, sind die Hoden der Männchen; eine Ausnahme stellen lediglich die Walrosse dar, bei denen die Geschlechtsorgane besonders in der Paarungszeit gut zu erkennen sind. Auch die Zitzen der Weibchen liegen nicht mehr auf der Oberfläche: Da Jungtiere die Zitzen so nicht mehr mit dem Maul umfassen können, muss das Muttertier die Milch bei Bedarf aktiv ins Maul seines Jungen spritzen.
Sinnesorgane
Die Sinnesorgane der Robben müssen sowohl unter Wasser, als auch an Land funktionieren und sind daher einander widerstrebenden Anforderungen ausgesetzt.
Augen
Die Augen sind verhältnismäßig groß und ermöglichen eine gute Unterwassersicht. An die oft geringe Lichtintensität unter Wasser sind sie durch eine stark vergrößerte Anzahl an Stäbchen in der Netzhaut angepasst, die im Gegensatz zu den Zapfen zwar keine Farbsicht ermöglichen, dafür aber wesentlich lichtempfindlicher sind. Das Empfindlichkeitsspektrum variiert mit dem Lebensraum: Das Maximum liegt bei tieftauchenden Arten wie zum Beispiel See-Elefanten (Mirounga) im blauen Bereich, ist aber etwa bei Seehunden (Phoca vitulina), die sich vornehmlich in Küstengewässern aufhalten, in Richtung Grün verschoben. Farbsicht ist bei Robben durch die eingeschränkte Zapfenanzahl nur in eingeschränktem Ausmaß möglich. Eine weitere Anpassung an die geringen Lichtverhältnisse ist das Tapetum lucidum, eine hinter der Netzhaut gelegene reflektierende Schicht, die Licht, dass die Netzhaut durchquert hat, zurückwirft: So besteht die Möglichkeit, Licht, das beim ersten Passieren nicht wahrgenommen wurde, beim zweiten Mal zu registrieren.
Das Leben im Wasser bedingt nicht nur eine oft geringe Lichtintensität, sondern auch eine andere Lichtbrechung: So hat die Hornhaut nahezu den gleichen Brechungsindex wie Wasser und fällt daher unter Wasser als Bestandteil des Abbildungsapparats aus. Als Ausgleich ist bei Robben die Augenlinse nahezu kugelförmig ausgebildet und besitzt daher eine wesentlich höhere Brechkraft. Weil in Luft Linse und Hornhaut lichtbrechend wirken, sind Robben dafür allerdings an Land, wo der Sehsinn eine geringere Bedeutung hat, stark kurzsichtig. Dafür sind sie in der Lage, die hohen Lichtintensitäten, die etwa von sonnenbeschienenen Eisflächen ausgehen, zu tolerieren, in dem sie die Pupille zu einem engen senkrechten Schlitz verengen. Die Hornhaut bildet den äußeren Abschluss des Auges. Sie wird beständig mit Tränenflüssigkeit benetzt, um Fremdkörper abzuwaschen und den direkten Augenkontakt mit Salzwasser zu verhindern. Anders als ihre nahen Verwandten besitzen Robben jedoch keine Tränenkanäle.
Obwohl der Sehsinn auch für Robben eine große Bedeutung einnimmt, ist er nicht unersetzlich: Bei Seelöwen und Seebären, deren Männchen oft blutige Revierkämpfe durchführen, kommt es nicht selten zum Verlust des Augenlichts; die Tiere sind durch ihre Blindheit aber anscheinend wenig eingeschränkt und kommen relativ problemlos zurecht.
Gehör
Äußerlich sind die Ohren der Robben verkümmert oder nicht mehr existent; falls vorhanden werden sie beim Tauchen verschlossen. Dennoch besitzen Robben ein exzellentes Gehör. Das Innenohr steht bei ihnen nur mit je einem einzigen Schädelknochen in Verbindung, wodurch die unterschiedslose Übertragung von Schallwellen durch den ganzen Schädel unterbunden wird; erst dadurch wird auch unter Wasser Richtungshören möglich. Die Auskleidung des Hörkanals und des Mittelohrs erlaubt beim Tauchen die Anpassung des Innendrucks.
Der wahrgenommene Frequenzbereich unterscheidet sich je nach Medium: Im Wasser können Robben wesentlich höhere Töne wahrnehmen als der Mensch; dafür ist das Gehör an Land bei etwa gleichem Wahrnehmungsspektrum weniger empfindlich.
Weil manche Robben hochfrequente Klicklaute von sich geben, wird vermutet, dass die Tiere ein Echo-Orientierungssystem besitzen, das dem der Wale ähnelt. Laborbefunde stützen diese Ansicht, Feldstudien liegen zu dieser Art der Kommunikation allerdings noch nicht vor.
Geruch und Tastsinn
Der Geruchssinn ist wie bei den meisten Landraubtieren sehr gut entwickelt; da die schlitzartigen Nasenöffnungen unter Wasser geschlossen sind, funktioniert er aber nur an Land. Er spielt insbesondere bei Begegnungen mit Artgenossen eine Rolle: So wird die Mutter-Kind-Beziehung oft durch den Geruchssinn aufrechterhalten; bei vielen Ohrenrobben dient er den Männchen dazu, die Empfängnisbereitschaft der Weibchen zu ermitteln.
Für die Orientierung im Wasser ist ein weiterer Sinn bedeutsam: der hoch entwickelte Tastsinn der in horizontalen Längsreihen auf der „Schnauze“ angeordneten Barthaare (Vibrissae). Jedes dieser Haare entspringt in einer reich mit Nervenendigungen und Blutgefäßen versorgten Bindegewebekapsel. Vibrissae können Druck- und Strömungsänderungen erspüren und dienen den Tieren vermutlich auch zum Abschätzen ihrer Geschwindigkeit. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass die Tasthaare besonders empfindlich gegenüber niederfrequenten Schwingungen sind, die von der Bewegung von Beutetieren herrühren. Tatsächlich können Robben, die ihre Tasthaare verloren haben, selbständig keine Fische mehr fangen und müssen daher verhungern. Schließlich werden Vibrissae zur Kommunikation etwa bei Rangordnungskonflikten eingesetzt - aufgestellte Tasthaare signalisieren häufig die Bereitschaft zur Aggression.
Thermoregulation
Wie alle Säugetiere sind Robben homöotherm, das heißt, ihr Körper weist eine nahezu konstante Innentemperatur auf. Um eine Auskühlung im Wasser und zugleich eine Überhitzung an Land zu vermeiden, haben die Tiere zahlreiche Anpassungen entwickelt.
Bereits die Körpergröße, die jene der landlebenden Raubtiere meist um ein Vielfaches übertrifft, verringert durch das wesentlich günstigere Verhältnis von wärmeproduzierendem Körpervolumen zu wärmeabgebender Körperoberfläche eine Auskühlung und kann als Adaptation an das Medium Wasser gewertet werden. Die bereits erwähnte Fettschicht direkt unter der Haut ist wegen ihrer geringeren Wärmeleitfähigkeit zudem ein guter, von der Wassertiefe unabhängiger Isolator. Daneben tritt bei den Seebären das wasserdichte Fell, das vor allem durch darin gelöste Luftbläschen wärmerückhaltend wirkt. Die isolierende Luftschicht wird allerdings durch den mit der Wassertiefe zunehmenden Druck komprimiert und verliert daher bei tiefen Tauchgängen ihre Wirksamkeit.
Robben sind auch in der Lage, den Blutfluss in ihre Gliedmaßen zu regulieren. So können sie die Energieabgabe über die Flossen unter kalten Bedingungen so minimieren, dass die Temperatur knapp oberhalb der Gefriertemperatur bleibt. Spezielle Querverbindungen zwischen arteriellen und venösen Gefäßen, die arteriovenösen Anastomosen (AVA) erlauben umgekehrt in warmer Umgebung einen verstärkten Blutfluss in oberflächennahen Hautschichten. Bei Seebären sind sie nur in den Flossen vorhanden und der Wärmeverlust über diese Gliedmaßen ist somit die einzige Abkühlungsmöglichkeit. An Land schlagen die Tiere daher oft zusätzlich mit den Flossen, um den Energieaustausch mit der Umgebung durch den erzeugten Luftstrom zu maximieren. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Flossen mit Urin zu benetzen, um dem Körper so durch die Verdunstungswärme Energie zu entziehen.
Sowohl Hundsrobben als auch Walrosse besitzen dagegen über die ganze Körperoberfläche hinweg arteriovenöse Anastomosen, so dass sie die Blutzirkulation und damit die Wärmeabgabe oder -aufnahme gezielt regulieren können. Auf diese Weise sind die Tiere in der Lage, sich selbst bei niedrigen Lufttemperaturen durch die bei der Absorption von Sonnenstrahlung freiwerdende Energie aufzuwärmen. Bei sonnenbadenden Walrossen lässt sich dieser Effekt wegen der fehlenden Behaarung anhand der rosaroten Hautfärbung besonders deutlich erkennen.
Daneben greifen manche Robben auch auf verhaltensbasierte Thermoregulation zurück: Bei drohender Überhitzung begeben sich etwa Mönchsrobben (Monachus) zurück ins Wasser. Dazu zählt auch die Tatsache, dass die energieintensive Häutung, die mit vermindertem Auskühlungsschutz verbunden ist, meist an Land stattfindet, wobei sich oft zahlreiche Tiere hautnah aneinanderlegen, um die Wärmeabgabe an die Umgebung zu vermindern.
Fortbewegung im Wasser und an Land
Im Wasser spielen Robben die Vorteile ihres Körperbaus aus. Der Vortrieb wird dabei bei den Ohrenrobben von den Vorder- und bei Walrossen und Hundsrobben von den Hinterflossen erzeugt. Obwohl Robben zum Luftholen an die Oberfläche kommen müssen, können sie eine beträchtliche Zeit unter Wasser bleiben. Beim Tauchen kollabieren dazu die Lungen, die darin enthaltene Luft wird durch Mund oder Nase ausgestoßen. Auf diese Weise befindet sich beim Tauchen kaum freies Gas im Robbenkörper und kann daher auch nicht wie bei menschlichen Tauchern beim Auftauchen zur Bildung von Blasen im Blut führen. Der gesamte Sauerstoff liegt in gebundener Form vor; die Zahl der roten Blutkörperchen ist bei Robben ebenso erhöht wie deren Gehalt an dem Atemprotein Hämoglobin, so dass größere Mengen dieses Atemgases gespeichert werden können. Daneben verlangsamt sich der Stoffwechsel beim Tauchen erheblich; so kann sich die Herzaktivität von normalen hundert Schlägen je Minute auf bis zu vier Schläge verringern; gleichzeitig wird die Blutversorgung nicht unmittelbar lebensnotwendiger Organe eingeschränkt und die Körpertemperatur herabgesetzt, so dass der Sauerstoffverbrauch verringert wird. Das Muskelgewebe der Tiere ist zudem gegenüber Landsäugetieren deutlich mit dem sauerstoffspeichernden Protein Myoglobin angereichert und toleriert außerdem große Mengen an Kohlenstoffdioxid (CO2).
Manche Robben wie See-Elefanten können durch diese Anpassungen bis zu zwei Stunden am Stück unter Wasser bleiben, ohne auftauchen zu müssen und dabei Tiefen von bis zu 1.500 Metern erreichen. Die meisten Arten erreichen allerdings nicht solche Rekordwerte und sind zudem insbesondere nach längeren Tauchgängen auf vergleichbar lange Erholungszeiten angewiesen. See-Elefanten bilden auch hier eine Ausnahme: Sie benötigen zwischen Unterwasserzeiten von jeweils bis zu einer halben Stunde oft nur wenige Minuten zum Auffrischen ihrer Sauerstoffreserven - dies hängt in erster Linie mit dem größeren Körpervolumen und der dadurch größeren Speicherkapazität für Sauerstoff zusammen.
An Land wirken Robben dagegen eher unbeholfen. Hier bestehen Unterschiede zwischen den Ohrenrobben und Hundsrobben. Während erstere kräftige Hinterextremitäten behalten haben, mit denen sie den Körper stützen und auch Aktivitäten wie Körperpflege durchführen können, sind die Hinterbeine der Hundsrobben an Land weitgehend nutzlos, so dass sie auf dem Bauch „robben“ und sich vorwärts ziehen müssen.
Verbreitung und Lebensraum
Kohlenstoffdioxid
Nahezu alle Robben bewohnen das Meer. Da sie zu vielen Tätigkeiten immer wieder an Land kommen müssen, entfernen sie sich aber nicht allzu weit von der Küste und sind daher nicht auf hoher See anzutreffen. Eine kleine Zahl von Robben findet man auch im Süßwasser, die Baikalrobbe ist die einzige Robbenart, die ausschließlich dort zu finden ist. Der gemeine Seehund, für gewöhnlich ein Meerestier, lebt in Kanada an Seeufern, zwei Unterarten der Ringelrobbe findet man im russischen Ladogasee und im finnischen Saimaa-See.
Der Großteil der Robben lebt in polaren und subpolaren Breiten. Die Meere der Arktis und Antarktis haben einen bemerkenswerten Arten- und Formenreichtum. Hier bilden viele Robben große Kolonien an den Küsten unbewohnter Inseln. Hingegen nimmt die Artenzahl zu den gemäßigten Meeren hin schnell ab, und in den Tropen gibt es fast keine Robben. Auch hier gibt es allerdings Ausnahmen, zum Beispiel die Mönchsrobben und den Galápagos-Seebär. Großregionen, in denen es überhaupt keine Robben gibt, sind die Küsten des tropischen Afrikas, die asiatischen Küsten des Indischen Ozeans und die Inselwelt des westlichen Pazifik. Kennzeichnend für fast alle Verbreitungsgebiete ist, dass die Wassertemperatur ganzjährig unterhalb von 20 °C bleibt; die Mönchsrobben bilden die einzige Ausnahme von dieser Regel.
An den Küsten von Nord- und Ostsee gibt es nur drei Robbenarten: den Seehund, die Kegelrobbe und die Ringelrobbe. Der Seehund ist in der Nordsee allgegenwärtig, in der Ostsee aber eine extreme Rarität; Kegelrobben-Kolonien findet man auf deutschem Boden auf dem Jungnamensand westlich von Amrum sowie auf Helgoland, außerhalb der Jungenaufzucht an allen Nordseeküsten sowie selten an vorpommerschen Ostseeküsten; die Ringelrobbe lebt im Finnischen und Bottnischen Meerbusen der Ostsee und gelangt nicht an deutsche Küsten.
Lebensweise
Im Gegensatz zu Walen und Seekühen, die vollkommen zum Wasserleben übergegangen sind, führen Robben eine amphibische Lebensweise. Die Paarung und die Jungenaufzucht findet an Land statt. Obwohl Robben auch an der Wasseroberfläche schlafen können, kommen sie oft zum Ruhen an die Küste.
Seekühe
Ernährung
Alle Robben sind Fleischfresser. Die überwältigende Mehrzahl der Arten ernährt sich dabei von Fischen. Einige haben aber besondere Lebensweisen entwickelt: So bildet Krill die Nahrungsgrundlage des Krabbenfressers, das Walross sucht den Meeresgrund nach Schnecken und Muscheln ab, Tintenfische bilden einen Teil der Nahrung von See-Elefanten, während der Seeleopard Jagd auf Pinguine und kleinere Robben macht. Kleine Beutetiere werden meist bereits unter Wasser als Ganzes verschluckt, während größere Nahrung an die Wasseroberfläche gebracht wird, wo gegebenenfalls einzelne Stücke abgebissen werden. Besonders Jungtiere sind auf ein reichhaltiges Nahrungsangebot angewiesen, da sie aufgrund ihrer geringeren Körpergröße ein ungünstiges Verhältnis von Körperoberfläche zu -volumen haben und daher stärkere Wärmeverluste ausgleichen müssen. Gesunde ausgewachsene Tiere sind dagegen nicht zuletzt durch ihre unter der Haut gelegene Fettschicht in der Lage, auch längere Fastenzeiten zu überstehen.
Gastrolithen sind aus den Mägen von verschiedenen Robben- und Seelöwenarten bekannt. Die Funktion der Magensteine ist noch weitgehend unklar, plausibel sind sowohl die Zerkleinerung der Nahrung im Magen als auch die Verringerung des Auftriebs im Wasser.
Sozialstruktur
Die meisten Robben leben gesellig. Einzelgängerische Arten wie die Ross-Robbe sind die Ausnahme. Vor allem zur Jungenaufzucht finden sich Robben zu Kolonien zusammen, die in der Größe von einigen Individuen (Kegelrobbe) bis zu mehreren Millionen Tieren (Südliche Seebären) reichen können. Allerdings sind sehr große Kolonien infolge der massenhaften Abschlachtungen voriger Jahrhunderte selten geworden.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzungszeit liegt typischerweise im Frühling oder Frühsommer. Bei den meisten Arten etablieren die Männchen Territorien, von denen sie Konkurrenten fernzuhalten versuchen. Bei den dabei auftretenden Rivalenkämpfen haben schwächere Männchen unweigerlich das Nachsehen, so dass ein dominantes Männchen meist mehrere Partnerinnen für sich reklamieren kann.
Die meist vom Vorjahr schwangeren Weibchen treffen manchmal um Wochen später als die Männchen in der Kolonie ein. Sie suchen sich dort die besten Plätze für die Aufzucht ihres Nachwuchses aus, die in der Regel von den durchsetzungsstärksten Männchen besetzt sind; dort bringen sie ihr Junges zur Welt. Hundsrobben säugen es je nach Art für einige Tage oder mehrere Wochen und paaren sich dann nach der Entwöhnung mit dem Besitzer des Territoriums. Die Beziehung zwischen Mutter und Jungtier ist zu diesem Zeitpunkt praktisch beendet. Bei Ohrenrobben bleibt der Kontakt dagegen über die Paarung der Mutter hinaus bestehen, die meist etwa eine Woche nach der Geburt ihres Nachwuchs stattfindet. Dieser wird erst nach etwa vier bis sechs Monaten selbstständig, kann aber gelegentlich sogar noch nach der Geburt des nächsten Jungen mit Muttermilch versorgt werden.
Nach der Befruchtung entwickelt sich der Embryo nur bis zum Blastula-Stadium, einer noch undifferenzierten Hohlkugel aus Zellen. Erst nach einer Periode der Keimruhe nistet sich die Blastula in der mütterlichen Gebärmutterwand ein und bildet eine Plazenta aus. Nur durch dieses System können Robbenweibchen Geburt und erneute Befruchtung in denselben Zeitabschnitt verlegen.
Die Tragzeit beträgt bei Robben je nach Art acht bis fünfzehn Monate. Alle Arten bringen in der Regel ein Junges zur Welt, das entweder mit dem Kopf oder mit dem Schwanz voraus geboren wird. Zwillingsgeburten kommen vor, sind aber sehr selten; die Milch der Mutter reicht denn auch fast nie zur Aufzucht beider Tiere. Neugeborene besitzen ein spezielles flaumiges Geburtsfell, dass Lanugo genannt wird und sich oft noch von der Fellfarbe der erwachsenen Tiere unterscheidet. Einige Hundsrobben-Arten wechseln es allerdings bereits in der mütterlichen Gebärmutter, während die meisten Ohrenrobben erst mit zwei bis drei Monaten ihr Jungenkleid ablegen. Alle Jungtiere haben noch keine ausreichende Fettschicht, um Auftrieb und Wasserabweisung zu gewährleisten. Obwohl sie theoretisch von Anfang an schwimmen könnten, gehen sie daher erst im Alter von einigen Wochen erstmals ins Wasser. Da die Jungtiere am Anfang ihres Lebens weitgehend schutzlos sind, geht das Wachstum sehr schnell vonstatten.
Fressfeinde und Lebenserwartung
Zu den Feinden der Robben gehören vor allem Haie und Schwertwale. Letztere haben sich in Patagonien so auf die Robbenjagd spezialisiert, dass sie sich sogar auf den Strand werfen, um die fliehenden Robben zu erbeuten. In der Arktis tritt der Eisbär als wichtiger Feind der Robben in Erscheinung, in der Antarktis der Seeleopard, der selbst eine Robbe ist, die sich auf die Jagd nach ihren Verwandten spezialisiert hat.
Die meisten Arten haben eine Lebenserwartung von etwa dreißig Jahren. Das Walross wird oft älter als vierzig, viele Ohrenrobben nicht älter als zwanzig Jahre. Bei den herdenlebenden Robben sterben die Männchen oft sehr viel früher als die Weibchen, weil sie sich bei den Revierkämpfen verausgaben oder schwere Verletzungen zuziehen. Auch die kleineren Robbenarten haben theoretisch eine hohe Lebenserwartung - die Seehunde zum Beispiel über 30 Jahre - die sie aber wegen natürlicher Feinde und menschlicher Einflüsse selten ausschöpfen können.
Stammesgeschichte
Moderne Arten
Traditionell wurden Robben entweder als eine eigenständige Ordnung angesehen, oder sie wurden als Unterordnung der Wasserraubtiere den Landraubtieren gegenübergestellt. Zumindest letztere Variante ist heute unüblich. Die Robben haben sich aus Landraubtieren entwickelt, genauer gesagt aus Hundeartigen; sie sind daher auch innerhalb der Hundeartigen anzusiedeln.
Aufgrund morphologischer Untersuchungen gingen manche Zoologen noch in den 1990ern davon aus, dass die Robben zwei verschiedene Entwicklungslinien darstellen. Vielmehr meinte man, dass die Ohrenrobben von bärenähnlichen Ahnen und die Hundsrobben von otterartigen Vorfahren abstammten. Demnach hätten sich die beiden Robbengruppen unabhängig voneinander entwickelt. Dieser Hypothese folgend wären Robben polyphyletisch, also ein reines Formtaxon, das keine Berechtigung als systematische Gruppe der Säugetiere hätte.
Formtaxon
In molekulargenetischen Analysen wurde allerdings seit den 1990ern diese Hypothese zurückgedrängt. Olaf R. P. Bininda-Emonds und A.P. Russell führten 1996 starke Belege für eine Monophylie der Robben an; spätere Studien haben ihre Ergebnisse bestätigt.
Seit dem 19. Jahrhundert wird eine Verwandtschaft der Robben mit den Bären und ihren Verwandten für wahrscheinlich gehalten. Allerdings ist die genaue Position der Robben im zoologischen System noch unklar, so dass auch die Schwestergruppe der Robben noch nicht zweifelsfrei bekannt ist.
Bei Malcolm C. McKenna und Susan K. Bell tauchen die Robben als Schwestergruppe der Bären auf, und dies innerhalb eines übergeordneten Taxons Ursida:
Ursida
|-- Amphicyonidae
`-- N.N.
|-- Ursoidea
`-- Phocoidea
Die Amphicyonidae sind eine ausgestorbene Gruppe, die vom Eozän bis zum Miozän lebte; die Ursoidea umfassen die Bären und die ebenfalls ausgestorbenen Hemicyonidae (Eozän bis Pliozän); und Phocoidea ist der von Malcolm C. McKenna und Susan K. Bell synonym für Pinnipedia verwendete Begriff. Die hier gezeigte Hypothese ist am weitesten verbreitet, doch gibt es auch widersprechende Ansichten, in denen beispielsweise die Marder oder der Kleine Panda als Schwestergruppen der Robben angesehen werden.
Fossile Vertreter
Aus dem späten Oligozän vor etwa 27 bis 25 Millionen Jahren ist erstmals ein Taxon robbenartiger Tiere fossil erhalten, dessen Angehörige als Enaliarctidae bezeichnet werden. Diese lange Zeit rätselhafte Gruppe wurde in jüngerer Zeit durch Funde vollständiger Skelette besser bekannt. Die Tiere der Gattungen Enaliarctos und Pacificotaria waren bereits robbenähnlich, hatten aber noch zum Laufen an Land geeignete Vorder- und Hinterbeine. Ob die Enaliarctidae oder die ebenfalls ausgestorbenen Tiere der Gattung Pteronarctos bereits echte Robben waren, ist eine Frage der Definition. A. Berta und A. R. Wyss verneinten dies 1994 und fassten Robben und Enaliarctidae zu einem höheren Taxon Pinnipedimorpha zusammen:
Pinnipedimorpha
|--†Enaliarctidae
| |--†Enaliarctos
| |--†Pacificotaria
|
|-- N. N.
|--†Pteronarctos
|-- Robben (Pinnipedia)
Der biogeografische Ursprung der Robben lag sehr wahrscheinlich im Nordpazifik, vermutlich an der Westküste des nordamerikanischen Kontinents. Hierher stammen vermutlich auch die modernen Taxa der Ohren- wie Hundsrobben, die erstmals im Miozän auftraten. Durch Fossile ist dies allerdings nur für die Ohrenrobben und Walrosse belegt, deren früheste Arten allesamt aus nordpazifischen Fundstätten stammen; die ersten Hundsrobben-Fossile sind dagegen erst aus ehemals atlantischen Gewässern vor der Ostküste der USA bekannt.
Systematik
Miozän
Die heute lebenden 33 Robbenarten werden traditionell in drei Familien eingeteilt:
- Hundsrobben (Phocidae) besitzen keine äußerlich sichtbaren Ohren; ihre Beinflossen sind nach hinten ausgerichtet, so dass sie bei der Fortbewegung an Land nicht zum Einsatz kommen können. Im Wasser liefern sie im Wechselschlag dagegen den Vortrieb der Tiere. Neben der vermutlich ausgestorbenen Karibischen Mönchsrobbe existieren noch 18 Arten. Die Hundsrobben umfassen eine Vielzahl kleinerer Robben wie etwa Seehunde oder Kegelrobben, aber auch die riesigen See-Elefanten.
- Ohrenrobben (Otariidae) haben kleine äußerliche Ohren und können ihre Beinflossen nach vorne unter den Körper drehen, um sich so besser an Land bewegen zu können. Bei ihnen sind im Wasser die Vorderflossen die Hauptquelle des Vortriebs. Die vierzehn Arten der Gruppe sind vor allem große koloniebildende Robben wie Seelöwen oder Seebären.
- Walrosse (Odobenidae), heute nur noch durch eine Art vertreten, zeichnen sich in erster Linie durch die auffälligen Stoßzähne, die stark vergrößerten Eckzähne des Oberkiefers, aus. Sie können ihre Hinterflossen, die eher jenen der Hundsrobben ähneln, wie Ohrenrobben unter den Körper stellen.
Die Ohrenrobben werden wegen ihrer sichtbaren äußeren Ohren gelegentlich als die „primitivere“ Gruppe angesehen, doch ihre fossilen Belege sind ebenso alt wie die der Hundsrobben.
Ohrenrobben und Walrosse werden meistens als eng verwandte Kladen angesehen, obwohl die Walrosse in zahlreichen Merkmalen zwischen beiden Gruppen vermitteln. Malcolm C. McKenna und Susan K. Bell haben in Widerspruch zu dieser weit verbreiteten Ansicht die Walrosse als Unterfamilie der Hundsrobben eingestuft. Dies ist jedoch eine Minderheitensicht, denn die meisten Zoologen sehen starke Belege für ein gemeinsames Taxon von Ohrenrobben und Walrossen, manchmal Otarioidea genannt:
Robben (Pinnipedia)
|--Hundsrobben (Phocidae)
|--Otarioidea
|--Ohrenrobben (Otariidae)
|--Walrosse (Odobenidae)
Siehe auch: Systematik der Robben
Menschen und Robben
Frühe Referenzen
Die Beziehung zwischen Menschen und Robben ist stark von der Region abhängig, in der sich eine menschliche Kultur befand. Sie begann sehr wahrscheinlich schon in der Altsteinzeit, aus der Gravuren in Robbenknochen und -zähnen bekannt sind. Aus dem Leben der Inuit waren Robben kaum wegzudenken, bildeten sie doch nicht nur eine bedeutende Nahrungsquelle, sondern lieferten auch Haut für Leder, Fell für Pelze, Knochen zur Werkzeugherstellung, Sehnen für Bogen und Fett für wärme- und lichtspendende Öllampen. Auch andere Völker pflegten enge Beziehungen zu Robben. So erlegten die Maori der Südinsel Neuseelands und die Aborigines australischer Südküsten Seebären und nutzten sie in ähnlich vielfältiger Weise. Seebären waren auch eine beliebte Beute der Ureinwohner des südamerikanischen Feuerland.
Dagegen hatten die antiken Reiche des Mittelmeerraums wenig Berührung mit Robben, da hier nur eine Art, die Mittelmeer-Mönchsrobbe, beheimatet ist, die wahrscheinlich schon im Altertum eine Seltenheit war. Aristoteles lieferte eine Beschreibung dieser Robbe, die somit der früheste in schriftlicher Überlieferung erhaltene Vertreter der Tiergruppe überhaupt ist. Dass an Küsten liegende Mönchsrobben die Vorlage für die Sirenen der griechischen Mythologie waren, ist denkbar, bewegt sich aber im Bereich der Spekulation.
Keine der angesprochenen Subsistenz-Jagden hatte vermutlich einen wesentlichen langfristigen Einfluss auf die Bestände der betroffenen Robbenpopulationen.
Robbenjagd
Subsistenz
Die große Zeit der Robbenjäger begann im späten 18. Jahrhundert, obwohl schon seit dem 16. Jahrhundert Schiffe einzig zum Zweck des Schlachtens von Robben ausgesandt wurden. Im gesamten 19. Jahrhundert waren im Nord- und Südpolarmeer Schiffe unterwegs, die an Inseln anlegten, um die dort in Kolonien lebenden Großrobben zu erschlagen. Besonders betroffen waren dabei die Seebären, deren Fell man als besonders wertvoll erachtete. Die Robbenjagden erreichten ein Ausmaß, das unter den Ausrottungen im Tierreich seinesgleichen sucht. So lagerten an den Juan-Fernandez-Inseln in jedem Sommer etwa fünfzehn Schiffe gleichzeitig, deren Besatzungen jährlich 250.000 an den Küsten lagernde Seebären erschlugen und somit eine der größten Tierkolonien der Welt binnen fünfzehn Jahren restlos vernichteten. Der Antarktische Seebär, der zu etlichen Millionen Tieren an den Küsten subantarktischer Inseln beheimatet war, wurde von kreuz und quer durch das Südpolarmeer fahrenden Robbenjägern zwischen 1800 und 1830 beinahe ausgerottet. Die Südshetlandinseln wurden beispielsweise erst 1819 entdeckt, doch schon zwei Jahre später waren die fünfhunderttausend hier lebenden Seebären bis auf das letzte Exemplar getötet. Dass bei diesen Ausrottungsexzessen nur eine Art, die Karibische Mönchsrobbe (Monachus tropicalis), ausgestorben ist, ist eine erstaunliche Tatsache. Allerdings sind fast alle Robben in ihrem Bestand stark zurückgegangen, und manche Arten, die früher gewaltige Kolonien bildeten, leben heute nur noch in winzigen Grüppchen an den Küsten.
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