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Itzehoe

Itzehoe

Itzehoe [] ist eine Mittelstadt im Zentrum Schleswig-Holsteins. Sie ist die Kreisstadt des Kreises Steinburg.

Geschichte

Um ca. 1000 n. Chr. entstand in einer Störschleife eine Wallburg, die sich durch die Verleihung des Stadtrechts (1238) und später des Stapelrechts (1260) zu einer Kaufmannsstadt entwickelte. Auf der anderen Flussseite entstanden weitere Ansiedlungen um den Klosterhof (ca. 1260) und um die Laurentii-Kirche (erste Erwähnung 1196). Im Jahr 1657 wurde Itzehoe von schwedischen Soldaten im zweiten schwedisch-polnischen Krieg (16551660) fast völlig zerstört. Aus diesem Grund ist der Kreuzgang der Laurentii-Kirche das einzige bis heute erhaltene mittelalterliche Gebäude Itzehoes. Im 19. und 20. Jahrhundert siedelten sich viele Gewerbe- und Industriebetriebe in und um Itzehoe an, die der Stadt wieder zu größerer Bedeutung verhalfen. Zwischen 18351848 und 18521863 tagte in Itzehoe die holsteinische Ständeversammlung. Während des 1.Weltkriegs litt Itzehoe genau wie viele deutsche Städte unter der Hungersnot, viele Bürger der Stadt kamnen nicht von den Schlachtfeldern Europas wieder und die Einwohnerzahl sank stark. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr Itzehoe, durch Heimatvertriebene aus Ostpreußen und Pommern, eine Verdoppelung der Einwohnerzahl und einer damit verbundenen Platznot. In den 60er Jahren entstanden in Itzehoe die ersten Hochhäuser.
Pommern

Einwohnerentwicklung

(jeweils zum 31. Dezember)
- 1998 - 33.926
- 1999 - 33.710
- 2000 - 33.549
- 2001 - 33.442
- 2002 - 33.429
- 2003 - 33.230
- 2004 - 33.277

Politik

Bürgermeister


- 1945-1946: Carl-Christian Arfsten, CDU : :
- 1950 - 1966: Joachim Schulz
- 1967 - 1990: Günter Hörnlein
- 1991 - 2002: Harald Brommer, SPD
- 2002 - : Rüdiger Blaschke (parteilos))

Städtepartnerschaften


- Cirencester, Großbritannien seit 1982
- La Couronne, Frankreich seit 1988
- Pasłęk, Polen seit 1990 Mit Malchin (Mecklenburg-Vorpommern) besteht seit 1990 eine Städtefreundschaft.

Wirtschaft und Infrastruktur

Ansässige Unternehmen (alphabetisch)


- Klinikum Itzehoe
- BKK Gruner & Jahr
- D+S europe AG
- Itzehoer Versicherungen
- PRINOVIS (Gruner und Jahr)
- Sterling SIHI GmbH

Bildung und Forschung


- Gymnasien: Kaiser-Karl-Schule, Sophie-Scholl-Gymnasium (ehem. Kreisgymnasium), Auguste-Viktoria-Schule
- Realschulen: Wolfgang-Borchert-Realschule, Realschule am Lehmwohld
- Hauptschulen: Klosterhof-Schule, Hauptschule Lübscher Kamp, Hauptschule Sude
- Grundschulen: Grundschule Edendorf, Ernst-Moritz-Arndt-Schule, Fehrs-Schule, Schule Wellenkamp, Grundschule Sude-West
- Sonderschulen: Pestalozzi-Schule, Steinburg-Schule
- Kreis-Berufs- und Fachschule
- Freie Waldorfschule
- Volkshochschule
- Westküstenakademie WAK (ehem. Überbetriebliches Ausbildungszentrum ÜAZ)
- Krankengymnastikschule
- Schule für Physiotherapie
- Berufsfortbildungswerk des DGB
- Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie (ISIT)
- 15 Kindergärten und -heime
- Handelslehranstalt Neumann (gemeinnützige Schule)

Freizeit- und Sportanlagen


- Schwimmzentrum
- 1 Kino
- 1 Stadtbibliothek

Sportvereine


- Itzehoer Kanu-Club
- Itzehoer Wasser-Wanderer
- Segler-Vereinigung Itzehoe
- MTV Itzehoe
- Gut-Heil Itzehoe
- Itzehoer Sportverein
- Pfadfinder BdP Stamm Störvögel

Nachtleben

Itzehoe verfügt über eine einzige Diskothek, den "Cheyenne-Club", die insbesondere an den Wochenenden stets gut besucht ist. Sie ist vor allem bei den Jugendlichen aus den umliegenden Städten und Dörfern, welche keine eigenen Möglichkeiten der Abendgestaltung bieten, sowie bei den Soldaten aus der nahegelegenen Kaserne beliebt. Die daraus resultierende Zusammensetzung der Besucherschaft führt bei einem Teil der einheimischen Itzehoer Bürger jedoch zur Tendenz, den landläufig nur mehr so genannten "Club" und dessen Umgebung an belebten Abenden zu meiden. Auch sehr bekannt ist das sog. "Bermudadreieck". In diesen Viertel Itzehoes gibt es besonders viele Kneipen und Restaurants. Die Kneipen und Restaurants sind immer gut gefüllt. Den Namen "Bermudadreieck" verdankt dieses Viertel der Anordnung der Straßen, die wie ein Dreieck verlaufen.

Soziale Einrichtungen


- 9 Alten- und Pflegeheime
- 20 Beratungs- und Hilfsorganisationen

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen


- Wenzel-Hablik-Museum
- Kreismuseum Prinzeßhof

Theater


- Theater Itzehoe

Stadtgliederung

Itzehoe untergliedert sich in die Stadtteile Neustadt, Kratt, Sude, Sude West, Tegelhörn, Pünstorf, Edendorf, Wellenkamp und Klosterforst.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt


- Sabine Sinjen, (
- 18. August 1942 - † 18. Mai 1995), deutsche Schauspielerin
- der "lange Peter aus Itzehö", literarische Figur aus Wallensteins Lager, fünfter Auftritt von Friedrich Schiller

Weblinks


- http://www.itzehoe.de/ Kategorie:Ort in Schleswig-Holstein

Mittelstadt

Mittelstadt ist die Bezeichnung für alle Städte und Gemeinden zwischen 20.000 und 100.000 Einwohnern. Im Gegensatz dazu die Kleinstadt (unter 20.000 Einwohner) und die Großstadt (mehr als 100.000 Einwohner). Städte mit mehr als 1.000.000 Einwohnern werden auch als Millionenstädte bezeichnet.

Kommunalrecht

Saarland

Im Saarland sind Mittelstädte „kreisangehörige oder stadtverbandsangehörige Städte, denen diese Rechtsstellung auf Antrag durch Rechtsverordnung der Landesregierung zu verleihen ist, wenn sie mehr als 30.000 Einwohnerinnen und Einwohner haben und nicht Sitz der Landkreisverwaltung oder der Stadtverbandsverwaltung sind“ (Kommunalselbstverwaltungsgesetz des Saarlandes §§ 4 und 7). Es sind dies die beiden Städte Sankt Ingbert und Völklingen. Diese kreis- bzw. stadtverbandsangehörigen Städte sollten auf Grund ihrer Größe mehr Aufgaben als ihre kleineren Nachbargemeinden erhalten. Das saarländische Kommunalrecht führte daher für diese Städte den Sonderstatus Mittelstadt ein. Sie behielten somit z. B. auch die KFZ-Zulassung, so dass es bis heute die KFZ-Kennzeichen IGB und VK gibt, obwohl Sankt Ingbert zum Saarpfalz-Kreis gehört und somit eigentlich HOM und Völklingen zum Stadtverband Saarbrücken gehört und somit eigentlich SB haben müsste. Die Untergrenze der Mittelstadt lag früher bei 40.000, wurde Ende der 1990er Jahre jedoch auf 30.000 abgesenkt. Dies könnte mit der Tatsache zu tun haben, dass die Einwohnerzahl von Sankt Ingbert in dieser Zeit rapide abnahm und es den Status Mittelstadt ansonsten verloren hätte und somit auch das Kennzeichen IGB und den Oberbürgermeister. Siehe auch: Gemeindearten, Liste der kreisangehörigen Städte mit Sonderstatus in Deutschland Kategorie:Politische Geographie Kategorie:Kommunalpolitik Kategorie:Städtebau

Kreisstadt

Mit Kreisstadt wird die Stadt bezeichnet, in der der (Land-)Kreis seinen Sitz hat. Dort befindet sich in der Regel das Landratsamt oder die Kreisverwaltung. Eine Kreisstadt muss nicht unbedingt Stadtrechte haben. Vor der Kreisreform gab es vor allem in Bayern Kreisstädte, die keine "Städte" im eigentlichen Wortsinn waren, zum Beispiel Wegscheid, Roding, Illertissen. Diese Kreissitze waren allenfalls Marktgemeinden. Die heutigen 323 Kreissitze in Deutschland tragen jedoch nahezu alle die Bezeichnung "Stadt". Lediglich Garmisch-Partenkirchen hat kein Stadtrecht, sondern ist nur Marktgemeinde. Bei einigen (Land-)Kreisen in Deutschland liegt die Kreisstadt nicht im Kreisgebiet selbst, sondern in einer benachbarten kreisfreien Stadt (Stadtkreis), z.B. beim Kreis Aachen, bei den Landkreisen Karlsruhe oder Augsburg. Vom Begriff Kreisstadt zu unterscheiden ist der besondere Rechtsbegriff Große Kreisstadt. Eine Große Kreisstadt muss nicht unbedingt Kreisstadt sein. Beispiel: die Große Kreisstadt Backnang im Rems-Murr-Kreis, dessen Sitz jedoch Waiblingen ist.

Siehe auch


- Gemeindearten
- Liste der Landkreise in Deutschland
- Liste der kreisangehörigen Städte mit Sonderstatus in Deutschland (z.B. Große Kreisstädte) Kategorie:Politische Geographie

Kreis Steinburg

Der Kreis Steinburg ist ein Landkreis des Bundeslandes Schleswig-Holstein. Er gehört zur Metropolregion Hamburg.

Geografie

Der Kreis Steinburg grenzt im Norden an den Kreis Rendsburg-Eckernförde, im Osten an den Kreis Segeberg, im Südosten an den Kreis Pinneberg, im Südwesten an die Elbe und das Land Niedersachsen (mit dem Landkreis Stade) und im Westen an den Nord-Ostsee-Kanal, die Grenze zum Kreis Dithmarschen.

Landschaft

Bestimmende Landschaftselemente sind die Marsch (Schwemmland) in einem 10 bis 15 km breiten Streifen im Südwesten entlang der Elbe und die durch Moränen geprägte wellige und waldreiche Geest, hier besonders die Heide-Itzehoer Geest. Im Kreisgebiet liegt in der Wilstermarsch bei Neuendorf die tiefste Landstelle Deutschlands (3,54 m unter dem Meeresspiegel, NN). Im Nordosten beginnt der Naturpark Aukrug. Die Stör, der drittlängste Fluss Schleswig-Holsteins, fließt durch den Kreis Steinburg und mündet dort in die Elbe.

Verkehr

Wichtige Straßenverbindungen


- Itzehoe–Hamburg (A 23)
- Itzehoe–Kiel
- Itzehoe–Heide (A 23)
- Itzehoe–Brunsbüttel
- Itzehoe–Glückstadt

Wichtige Fähren


- Autofähre Glückstadt–Wischhafen (Niedersachsen)

Schienenverkehr


- Hamburg–Itzehoe–Sylt
- Hamburg–Elmshorn–Horst–Wrist–Kiel

Häfen


- Glückstadt (Außenhafen), Wassertiefe 6,00 m bei MHw (mittleres Hochwasser)
- Glückstadt (Binnenhafen), Wassertiefe 4,50 m bei Nw (Niedrigwasser)
- Itzehoe (Suder Hafen), Wassertiefe 3,80 m bei MThw (mittleres Tidehochwasser)

Politik

Direkt gewählte Abgeordnete im Bundestag aus dem Kreis ist SPD-Politikerin Cornelie Sonntag-Wolgast. Der erfolglose Gegenkandidat der CDU Dietrich Austermann zog ebenso über die Landesliste ein wie der FDP-Abgeordnete Jürgen Koppelin.

Landräte


- 1946-1947: Wilhelm Käber, SPD
- 1947-1949: Willi Steinhörster, SPD
- 1982-heute: Dr. Burghard Rocke, parteilos

Kreispräsidenten


- 2003-heute: Hans-Friedrich Tiemann, CDU

Geschichte

Der Name Steinburg rührt von einer 1307 zum ersten mal urkundlich erwähnten, von holsteinischen Grafen errichteten Schutz- und Trutzburg her. Die Burg war der Sitz von Vögten, die ihr Amt zunächst als erbliches Lehen erhielten. Nach Konflikten mit den gräflichen Landesherren wird der Burgvogt ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts von den Landesherren ernannt. Nachdem die dänischen Könige 1460 die Landesherrschaft übernommen hatten, führt der Vogt den Titel "Amtmann". Seine Zuständigkeit umfasste die gesamte allgemeine Verwaltung (wie von Polizei, Wegen und Deichen) und auch das Gerichts-, Steuer- und Militärwesen. Die Steinburg blieb Sitz der Amtmänner, bis sie nach 1630 abgebrochen wurde. Danach wurde das Amt Steinburg erst von Glückstadt, dann von Itzehoe verwaltet. Nach der Annexion der Herzogtümer Schleswig und Holstein in der Folge des Deutsch-Dänischen und des Deutsch-Österreichischen Krieges (1864 und 1866) wurde die Stelle des Amtmanns durch einen Königlich Preußischen Landrat ersetzt. Das Amt Steinburg wurde in "Kreis Steinburg" umbenannt und wesentlich vergrößert. Im Zuge einer Gebietsreform werden 1970 17 Gemeinden des ehemaligen Kreises Rendsburg in den Kreis Steinburg eingegliedert.

Städte und Gemeinden

(Einwohner am 30. Juni 2005) Ämter mit amtsangehörigen Gemeinden/Städten

Weblinks


- [http://www.kreis-steinburg.de/ Offizielle Website des Kreises Steinburg]
- [http://www.shgt.de/mitglieder/steinburg.htm Angaben des Schleswig-Holsteinischen Gemeindetages über die Gemeindes des Kreises Steinburg]
Steinburg

1000

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- 15. März – Während des "Staatsakts von Gnesen", Errichtung des Erzbistums Gnesen mit den Bistümern Breslau, Krakau und Kolberg durch Kaiser Otto III.
- 30. April – Das Kloster Helmarshausen (Hessen) erhält vom Kaiser das Münzrecht.
- Island wird christlich.
- Leif Eriksson entdeckt Nordamerika (Vinland).
- Erste urkundliche Erwähnung von Oedingen.
- Erste urkundliche Erwähnung von Elspe.
- Erste urkundliche Erwähnung von Wasenweiler.
- Erste urkundliche Erwähnung von Vinnen.
- Poppon wird erster Bischof von Krakau.
- 31. Dezember – Ende des 1. Jahrtausends und des 10. Jahrhunderts.

Geboren


- Adelmann von Lüttich, belgischer Gelehrter

Gestorben


- 9. SeptemberOlav I. Tryggvasson, König von Norwegen (
- 963) ja:1000 ko:1000년 simple:Thousand

Wallburg

Wallburg ist auch der Name eines Stadtteiles von Ettenheim in Baden-Württemberg. ---- Baden-Württemberg Als Wallburg oder Schanze werden Burganlagen aus ur- und frühgeschichtlicher Zeit und dem frühen Mittelalter bezeichnet, die heute meist als Bodendenkmal unter Schutz gestellt sind. Etliche dieser Anlagen werden vom Volksmund irreführend auch als Hunnenburgen o.ä. bezeichnet.

Verteidigungsanlagen

Kennzeichnend ist der Wall als wesentlicher ehaltener Bestandteil der ehemaligen Einhegung, der entweder als solcher angelegt wurde oder durch das Verschleifen einer Konstruktion aus Holz, Erde und/oder Stein entstand. Die in der Regel vorhandenen Gräben sind durch Erosion verfüllt. Reine Steinmauern sind in Mitteleuropa selten, jedoch bereits seit der Urnenfelderzeit mit Beispielen belegt. In ihrer einfachsten Ausführung besteht sie lediglich aus einer natürlichen Anhebung, deren Krone ggf. eingeebnet und eventuell mit einem meist kreisrunden Erdwall markiert (ergänzt) wurde. Solche Beispiele sind die Torsburg und das Herregårdsklint auf Gotland. Innerhalb der Wallringe lag eine Freifläche, die groß genug war ein kleines Dorf samt der Tiere aufzunehmen (1/2 bis 4 Hektar), obgleich spuren von Gebäuden selten sind. Der Zugang zu derartigen Anlagen verlief manchmal im Uhrzeigersinn nach oben, so dass die Schilde etwaiger Angreifer (gewöhnlich rechtshändiger) nach außen zeigten, sie aber nach innen ungedeckt waren. Dies ist eine militärhistorische Erfindung, denn wenn der potentielle Angreifer rückwärts ging war diese Situation sofort aufgehoben. Daher gibt es, wie auch bei mittelalterlichen Burgen ebenso viele Gegenbeispiele. Im allgemeinen wurde die Lage des Hauptores den jeweiligen topographischen Bedingungen angepasst, den (weitverbreiteten) pauschalierenden Theorien sollte man daher mit Vorsicht begegnen. Allenfalls haben Wallanlagen als Fluchtburg gedient, das zumindest lässt ihre Größe und die unauffällige Konstruktion schließen. Noch relativ gut erhaltene sogenannte Schanzen findet man in der Oberlausitz, z.B. die Ostroer Schanze, nahe Panschwitz-Kuckau, aber auch in den meisten anderen Altsiedellandschaften Europas. Wallanlagen können Dörfer umschließen und viele Hektar groß sein. Fast immer wurde das für den Wall verwendete Material direkt davor entnommen, so dass zusätzlich ein Graben vor (bzw. hinter) dem Wall entstand, welcher oft durch archäologischen Ausgrabungen belegt ist. Ein auf der Wallkrone angebrachter, auf der Innenseite begehbarer Palisadenzaun zeigt bei jüngeren Anlagen den fließenden Übergang zur Stadtmauer und Burg. Reste von Wallanlagen dieses Typs findet man zum Beispiel im heutigen Russland und in der Ukraine.

Wallburgen in der Frühgeschichte

Ukraine Die ehemalige Funktion von Burgwallanlagen ist heute nur noch schwer zu bestimmen. Die in Bayern von Archäologen entdeckten so genannten Viereckschanzen der Kelten, dienten vermutlich kultischen Zwecken und nicht der Verteidigung. Hinweise hierauf sind die geringen Wallhöhen und Grabentiefen sowie die wehrtechnisch ungünstige topographische Situation einiger Anlagen. Bei größeren eisenzeitlichen Anlagen kann es sich jedoch um dauerhafte Ansiedlungen gehandelt haben, die gewisse Zentralfunktionen wie Verwaltung übernahm und in der sich Handwerk und Handel konzentrierten. Eine besondere Entwicklung stellen dabei die keltischen Oppida dar, deren Befestigungen oft schon mittelmeerischen Einfluss erkennen lassen. Ein herausragendes, eindrucksvoll erhaltenes Beispiel einer grossen keltischen Befestigung ist der weitgehend unbewaldete Ipf bei Bopfingen(Ries). Eine vergleichbare Anlage ist das berühmte englische Maiden Castle. Seit dem 19. Jahrhundert wurden die Anlagen aufgrund ihres Charakters zumeist als Schanze (von verschanzen) eingestuft, jedoch häufig verschiedenen jüngeren Kriegsereignissen zugeschrieben (Hunnenschanze, Schwedenschanze usw.). Auch im germanischen Kulturraum war der Befestigungstyp gängig (vgl. Haithabu). Wallburgen waren von sehr unterschiedlicher Größe. Im Laufe der Geschichte kommen Funktionen sowohl als Fluchtburgen, als auch als Herrschersitze und heidnische Tempel infrage. Im weiteren Sinne wird der Begriff Wallburg gebraucht, um rätische Höhenburgen zu bezeichnen, die zuweilen gar keinen Erdwall oder nur einen kurzen Erdwallabschnitt aufwiesen.

Wallburgen im Mittelalter

Häufig waren im frühen Mittelalter auch Mischtypen aus fester Burg und Wallburg. Oft errichteten die lokalen Herrscher auf einem künstlich aufgeworfenen Erdhügel einen hölzernen oder steinernen Wohnturm (Burgtyp Motte) und umgaben den Haupthügel wiederum mit einer aus Erdwällen und Palisadenzäunen bestehenden Vorburg. Im 9. und 10. Jahrhundert bedrohte das östliche Reitervolk der Ungarn Süd- und Südwestdeutschland. Als Schutzburgen wurden zahlreiche ältere Wallanlagen verstärkt oder neue, teilweise gewaltige Wallburgen aufgeworfen. Die grössten dieser Ungarnwälle haben eine Innenfläche von mehreren Hektar, konnten also hunderten und tausenden von Menschen als Zuflucht dienen. Bisweilen bestehen die Schutzburgen aus doppelten oder dreifachen Wallgrabensystemen, 10 bis 15 Meter hohen Wällen mit entsprechenden vorgelegten Gräben und ausgeklügelten Reiterannäherungshindernissen im Vorfeld. Im Jahre 955 wurden die Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg venichtend geschlagen, die Gefahr war beseitigt. Mehrere der grossen Anlagen wurden als Gaugrafenburgen weiterbenützt, andere teilweise unvollendet aufgelassen. Einige der beeindruckensten Burgen dieses Typs lassen sich im Umkreis des Schlachtfeldes finden. Interessierten seien besonders die Burg bei Wagesenberg (Pöttmes), die Haldenburg bei Schwabmünchen und der Büschelberg bei Fischach empfohlen. Auch unzählige kleinere Wallanlagen tragen eindeutige Merkmale ihrer Funktion als ungarnzeitliche Schutzburgen. Oft war dieser letzte Ausbau das Ende einer jahrtausendelangen Entwicklung. Sinn aller dieser Anlagen war es, die Angreifer zum ungewohnten Fußkampf zu zwingen. Wallburgen im klassischen Sinne wurden - wenn auch selten - noch im Spätmittelalter erbaut oder ausgebaut. Die Höhlenburg Stein an der Traun in Bayern etwa ist durch einen mehreren hunderte Meter langen begehbaren Tunnel mit der oberen Burg verbunden, deren Erdwall noch im 14. Jahrhundert verstärkt wurde. Benutzt wurden die alten Wallburgen aber noch bis in die Neuzeit als Viehbergen und Verstecke in Notzeiten (Schwedenschanzen). Viele hoch- und spätmittelalterliche Burgen sind in ältere, wesentlich grossflächigere Wallanlagen eingebaut. Die alten Wälle wurden hierbei gerne als zusätzliche Annäherungshindernisse verwendet.

Erdwälle in der Neuzeit

Anders als eine hohe Steinmauer fällt ein Erdwall auch beim Beschuss durch Kanonenkugeln nicht in sich zusammen sondern wird nur vergleichsweise leicht beschädigt. Deshalb errichtete man von den Niederlanden ausgehend seit dem späten 16. Jahrhundert eigene Forts, deren Hauptbefestigung ein Erdwall war oder schüttete zusätzlich zu vorhandenen Befestigungsanlagen Erdwälle auf. Ein gutes Beispiel für eine neuzeitliche Erdwallfestung ist das Kastellet in Kopenhagen. Die Zahl der Europa erhaltenen Wallburgen und - anlagen geht in die Tausende. Oft liegen spektakuläre Beispiele nur wenige hundert Meter von einander entfernt. Häufig sind diese beeindruckenden Zeugnisse unserer Geschichte sogar der einheimischen Bevölkerung weitgehend unbekannt. Die offizielle Bodendenkmalpflege betreibt noch bis heute eine Politik des "Versteckens" dieser Denkmäler, in der fälschlichen Hoffnung, sie dadurch schützen zu können. Das Gegenteil ist der Fall, die Gräben unserer Wallanlagen werden gerne von der Forstwirtschaft als Abladeplätze für Holzabfälle missbraucht, Holzabfuhrwege werden in die Burganlagen geschoben und Material für den Wegebau entnommen. Zahlreiche Wallburgen wurden und werden sogar mit dichtem Jungwald bepflanzt, besonders in Staatswaldgebieten. Raubgräber und Sondengänger tummeln sich häufig in den Wällen, für Motocrossfahrer sind sie beliebtes Übungsgelände. Hier gilt die alte Regel: Was man nicht kennt, kann man auch nicht achten.

Wallanlagen als Grünflächen im Städtebau

Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden in einigen Städten Mitteleuropas parkähnliche Wallanlagen auf den Überresten der barocken Befestigungsanlagen, die als Grünflächen den historischen Stadtkern ringförmig umschließen. In der Regel sind diese Reste durch planmäßige Verschleifung der alten Stadtmauer entstanden. Städte mit Wallanlagen:
- Frankfurt am Main (siehe auch: Frankfurter Anlagenring)
- Hamburger Wallanlagen in Hamburg
- Bremen
- Lübeck
- Promenade in Münster
- Wien

Bedeutende deutsche Burgwallanlagen

Insbesondere im Nordosten Deutschlands gibt es mehrere tausend Burgwälle. Einige sehr bedeutende sind slawischen Ursprungs:
- der Burgwall am Kap Arkona auf Rügen - die Jaromarsburg
- der Wall von Haithabu bei Schleswig
- die Mecklenburg, der Ort Dorf Mecklenburg bei Wismar gab dem Land seinen Namen
- der Burgwall von Garz/Rügen
- der Burgwall von Groß Raden bei Sternberg
- der Burgwall von Neu-Kentzlin (Gemeinde Kentzlin) zwischen Demmin und Stavenhagen Sonstige Burgwall-Anlagen
- Eisenzeitliche Befestigung Moitzfeld in Nordrhein-Westfalen

Literatur


- Albrecht Jockenhövel (Hrsg.): Ältereisenzeitliches Befestigungswesen zwischen Maas/Mosel und Elbe. Internationales Kolloquium am 8. November 1997 in Münster anläßlich des hundertjährigen Bestehens der Altertumskommission für Westfalen. Veröffentlichungen der Altertumskommission für Westfalen 11 (Münster 1999), ISBN 3-402-05036-6.
- Joachim Henning/Alexander T. Ruttkay (Hrsg.): Frühmittelalterlicher Burgenbau in Mittel- und Osteuropa. Tagung Nitra vom 7. bis 10. Oktober 1996 (Bonn 1998), ISBN 3-7749-2796-0.
- Hansjürgen Brachmann: Der frühmittelalterliche Befestigungsbau in Mitteleuropa. Untersuchungen zu seiner Entwicklung und Funktion im germanisch-deutschen Bereich. (Schriften zur Ur- und Frühgeschichte 45 (Berlin 1993), ISBN 3-05-001995-6.
- Wilhelm Schneider, Die südwestdeutschen Ungarnwälle und ihre Erbauer (Arbeiten zur Alemannischen Frühgeschichte XVI), Tübingen 1989 Die archäologischen Landesämter in mehreren deutschen Bundesländern und anderen europäischen Ländern geben Corpuswerke zu den Geländedenkmälern heraus, so zum Beispiel:
- Hans-Wilhelm Heine: Die ur- und frühgeschichtlichen Burgwälle im Regierungsbezirk Hannover. Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens Reihe A, Monographien 28 (Hannover 2000), ISBN 3-7752-5645-8
- Archäologische Denkmäler in Hessen
- Materialhefte zur bayerischen Vorgeschichte. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Abt. für Vor- und Frühgeschichte. Reihe B, Inventare der Geländedenkmäler
- Atlas archäologischer Geländedenkmäler in Baden-Württemberg

Weblinks


- http://www.capsurlemonde.org/copenhague/kastellet.html Kategorie:Stadtbaugeschichte Kategorie:Burg !Wallburg

1238

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Gründung der Nasriden-Dynastie durch Ibn Ahmar. Granada löst sich von Dynastie der Almohaden.
- Konrad I. von Hochstaden wird Erzbischof von Köln
- Das Fürstentum von Belo Osero in Nordrussland wird gegründet.
- Bad Oldesloe erhält das lübische Stadtrecht.
- Erste urkundliche Erwähnung von Bellamont und Reinbek
- Jakob I. von Aragon erobert Sagunt.
- Mindaugas I. wird König von Litauen.
- Spanien: Eroberung Valencias durch Jaime I. von Aragon.

Geboren


- Selige Fina († 1253), Patronin von San Gimignano.

Gestorben


- 6. März - Al-Kamil, vierter Sultan der Ayyubiden in Ägypten (1218-1238) (
- 1180)
- 26. März - Heinrich I. von Müllenark, von 1225 bis 1238 Erzbischof des Erzbistums Köln (
- 1190) ko:1238년 th:พ.ศ. 1781

Stapelrecht

Wurde einer Stadt vom jeweiligen Landesfürsten das Stapelrecht verliehen, waren durchziehende Kaufleute verpflichtet, ihre Waren für eine bestimmte Zeit vor Ort zum Kauf anzubieten. Zusammen mit dem Stapelrecht hatten die Städte meist ein Umschlagsrecht. Die Stadt Köln hatte ein Stapelrecht, nach dem alle Waren drei Tage den Kölner Bürgern zum Verkauf angeboten werden mussten. Diese Regelung verschaffte den Kölner Bürgern einen bedeutenden Reichtum. Vor allem verderblichen Waren wie Fisch setzte diese Auflage eine große Handelserschwernis entgegen.

Weblinks


- Eintrag [http://www.schifffahrtslexikon.de/lexikon/lemma/def/stapelrecht_de.htm Stapelrecht im www.schifffahrtslexikon.de] mit einem Auszug aus O. Teubert, Binnenschiffahrt, Bd. 1, 1912, S. 16
- Artikel [http://www.zoll-d.de/f0_veroeffentlichungen/c0_zeitschrift_zoll_aktuell/f0_zoll_aktuell_5_2002/h0_zoll_aktuell_5_02_14_15.pdf „Niederlage“ besonderer Art: Das Stapelrecht] in der Zeitschrift Zoll aktuell Kategorie:Güterverkehr Kategorie:Handel Kategorie:Rechtsgeschichte

1260

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Beginn des Aufstands der Pruzzen.
- Gründung des Nonnenklosters zu Ebersdorf (heute Ebersdorf b.Coburg).
- Erste urkundliche Erwähnung von Kapfenhardt.
- Hückeswagen fällt an die Grafen zu Berg.
- Bremen tritt der Hanse bei.
- Ottokar erwirbt die Steiermark.

Geboren


- um 1260:
  - Aaron ben Joseph, jüdischer Gelehrter und Karäer († um 1320)
  - Meister Eckhart, Theologe († 1328)

Gestorben


- 24. Februar - Irmengard bei Rhein, Markgräfin von Baden (
- um 1200) ko:1260년

1196

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Der serbische Herrscher Stefan Nemanja dankt zugunsten seines Sohnes Stefan ab und zieht sich als Mönch Simeon ins Kloster zurück.
- Fleckeby, Gifhorn, Heidelberg werden zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

Geboren


- 3. Januar - Tsuchimikado, 83. Kaiser von Japan († 1231)
- Alice (Champagne)

Gestorben


- 8. April - Knut I., König von Schweden (
- um 1160)
- 26. April - Alfons II., König von Aragón (
- 1157) ko:1196년

Schweden

Das Königreich Schweden (schwedisch Konungariket Sverige ) ist eine parlamentarische Monarchie in Nordeuropa. Das Staatsgebiet schließt - neben dem östlichen Teil der skandinavischen Halbinsel - die Inseln Gotland und Öland mit ein. Schweden ist Mitglied der EU und des Nordischen Rats.

Geografie

Nordischen Rats Schweden grenzt an das Kattegatt, die Staaten Norwegen und Finnland, sowie die Ostsee. Zu Schweden gehören zwei große Inseln in der Ostsee: Gotland (ca. 3.000 km²) und Öland (ca. 1.300 km²). Es gibt ca. 221.800 Inseln. Die längste Ausdehnung von Norden nach Süden beträgt 1.572 km, von Osten nach Westen 499 km. Während weite Teile des Landes flach bis hügelig sind, steigen entlang der norwegischen Grenze die Gebirgsmassive der Skanden bis über 2.000 m Höhe an, sie gipfeln im Kebnekaise, 2.111 m. Über das Land verteilt gibt es 28 Nationalparks die flächenmäßig größten im Nordwesten des Landes.

Regionale Einteilung

Traditionell wird Schweden in die drei Regionen (schwed.: landsdelar) Götaland, Svealand und Norrland eingeteilt. Die vierte historische Region Schwedens war bis 1809 Österland, das heutige Finnland. Bis zur von Axel Oxenstierna 1634 durchgeführten Verwaltungsreform waren die Regionen weiterhin in folgende 25 Landschaften (landskap) gegliedert: Die größte Stadt ist die Hauptstadt Stockholm. Andere wichtige Städte sind Göteborg, Malmö, Uppsala, Linköping, Västerås, Örebro und Norrköping. Siehe auch die Liste der Städte in Schweden. Grob lässt sich Schweden in den stärker entwickelten und besiedelten Süden und den sehr schwach besiedelten Norden einteilen. Der Norden beginnt nördlich einer Linie Mora-Borlänge-Falun-Gävle-Söderhamn. Um 1900 wurde begonnen den Norden zu erschließen. Zwischen 1907 und 1937 wurde die Inlandsbahn zwischen Kristinehamn und Gällivare gebaut, um diese Erschließung voranzutreiben.

Topografie

Gällivare Süd- und Mittelschweden (Götaland und Svealand), das nur zwei Fünftel von Schweden umfasst, ist von Süden nach Norden in drei Großlandschaften geteilt, Nordschweden, das die restlichen drei Fünftel umfasst, ist von Westen nach Osten in drei Landschaften geteilt. Der südlichste Teil, die historische Provinz Schonen, ist eine Fortsetzung der Tiefebene Norddeutschlands und Dänemarks. In Schonen liegt auch der tiefste Punkt Schwedens (ausgenommen Seen u. ä.) mit 2,4 Metern unter Meereshöhe. Nördlich davon erstreckt sich das Südschwedische Hochland, eine Hochebene umgeben von einer Hügellandschaft, mit einer großen Anzahl von langgestreckten Seen, die durch eiszeitliche Erosion entstanden sind. Die dritte Großlandschaft ist die Mittelschwedische Senke, eine flache, jedoch zerklüftete Landschaft mit großen Ebenen, Horsten, Tafelbergen, Fjorden und einer Reihe von Seen (darunter die vier größten Seen Schwedens Vänern, Vättern, Mälaren und Hjälmaren). Hjälmaren ]] Der Westen Nordschwedens ist durch das Skandinavische Gebirge geprägt, das die Grenze zu Norwegen bildet. Die Gebirgskette weist Höhen zwischen 1.000 und 2.000 Metern über dem Meeresspiegel auf. Im Skandinavischen Gebirge liegt auch Schwedens höchster Berg, der Kebnekaise (2.111 m). Nach Osten hin schließt das Vorland an, Schwedens ausgedehnteste Großlandschaft. Entlang des Gebirges erstrecken sich große Hochlandsebenen auf einer Höhe von 600-700 Metern über dem Meeresspiegel, die in ein welliges Hügelland übergehen, das nach Osten abfällt. In dieser Landschaft befinden sich auch die großen Erzvorkommen (Eisen, Kupfer, Zink, Blei) Schwedens. Die großen Flüsse Schwedens, die ihren Ursprung im Skandinavischen Gebirge haben, fließen beinahe parallel in tiefen Talgängen in Richtung Ostsee. Entlang der Ostseeküste erstreckt sich die ebene Küstenlandschaft, die zwischen Härnösand und Örnsköldsvik von einem bis an die Ostseeküste reichenden Ausläufer des Vorlandes (Höga kusten, Nationalpark) unterbrochen wird. Die skandinavische Halbinsel war während der letzten Eiszeit von Eis bedeckt. Der Druck und die Bewegung der Eismassen hat die Landschaft in vielen Teilen wesentlich mitgestaltet. Ein auch heute noch wichtiger Faktor ist die Landhebung. Das Abschmelzen der Eismassen, die die Erdkruste niedergedrückt hatten, hat seit der letzten Eiszeit (ungefähr 10.000 v. Chr.) zu einer Landhebung von 800 m geführt. Heutzutage beträgt die Landhebung 10-11 mm jährlich. Die längsten Flüsse Schwedens sind Klarälven, Torneälv, Dalälven, Umeälv und Ångermanälven. Die größten Seen sind Vänern, Vättern, Mälaren, Hjälmaren.

Klima

Schwedens Klima ist für seine geografische Lage ziemlich mild. Es wird vor allem durch die Nähe zum Atlantik mit dem warmen Golfstrom bestimmt. Große Teile Schwedens haben daher ein temperiertes, feuchtes Klima mit reichlichem Niederschlag und relativ geringen Temperaturunterschieden zwischen Sommer und Winter. Kontinental beeinflusstes Klima mit geringeren Niederschlägen und höheren Temperaturunterschieden findet man im Inneren des Südschwedischen Hochlandes und in einigen Teilen des Vorlandes des Skandinavischen Gebirges. Polares Klima kommt nur im nördlichen Hochgebirge vor. Die Durchschnittstemperatur für den Januar beträgt 0 °C bis -2 °C im Süden und -12 °C bis -14 °C im Norden (ausgenommen das Hochgebirge), die Durchschnittstemperatur für den Juli beträgt 16 °C bis 18 °C im Süden und 12 °C bis 14 °C im Norden. Da sich Schweden zwischen dem 55. und 69. Breitengrad erstreckt und ein Teil nördlich des Polarkreises liegt, ist der Unterschied zwischen dem langen Tageslicht im Sommer und der langen Dunkelheit im Winter beträchtlich.

Flora und Fauna

Polarkreis In Nordschweden prägen die ausgedehnten borealen Nadelwälder das Bild. Je südlicher man jedoch kommt, als markanter Grenzraum für Flora und Fauna gilt der sogenannte "limes norrlandicus", desto häufiger gibt es Mischwälder. In Südschweden mussten die Laubwälder dem Ackerbau Platz machen oder wurden durch Nadelbäume aufgrund der höheren Wachstumsrate ersetzt. Auf den Inseln Gotland und Öland findet man eine beeindruckende und vielfältige Flora vor. Besonders erwähnenswert sind die zahlreichen Orchideenarten. Schwarz- und Rotwild gibt es reichlich, wobei das Wildschwein zum Ende des 19. Jahrhunderts in freier Wildbahn ausgerottet war, jedoch nach erfolgreicher Flucht aus Wildgehegen wieder eine lebensfähige Population entwickelte. Raubtiere wie Bären, Wölfe und Luchse sind in den letzten Jahren wieder auf dem Vormarsch dank strenger Umweltbestimmungen. Die vielen Seen und langen Küsten bieten viel Lebensraum für Wassertiere. Süß- und Salzwasserfische gibt es reichlich und auch Robben sind anzutreffen. Schweden richtete 1910 als erstes Land in Europa Naturschutzgebiete ein und ist auch heute noch stets darauf bedacht, die heimische Natur zu schützen. Die Menschen haben ein starkes Umweltbewusstsein.

Bevölkerung

Rotwild Schweden hat ca. 9,04 Millionen Einwohner. 90,8 Prozent sind ethnische Schweden, 2,5 Prozent sogenannte einheimische Finnen (Tornedalen). Es wird geschätzt, dass noch etwa 20.000 Sami (Lappen) in Schweden leben, wovon ein Großteil bereits in der übrigen Bevölkerung aufgegangen ist und nur noch wenige sich mit der Rentierzucht beschäftigen. 6,7 Prozent der Bevölkerung sind Ausländer, wovon die Finnen mit 100.000 die größte Gruppe sind. Die neu eingewanderten Finnen, werden zur Unterscheidung der alteingesessenen Tornedalen "Schweden-Finnen" genannt. Durch die Krise im Irak haben auch viele Iraker den Weg nach Schweden gefunden. Weiterhin gibt es noch Norweger, Dänen, Kroaten, Serben, Bosnier, Deutsche und Polen. Letztere sind im Gesundheitssektor als Gastarbeiter stark verbreitet (Stand 2001). Die Geburtenrate von 1,6 Kindern pro Frau (2002) ist eine der bisher niedrigsten in der Geschichte Schwedens, obwohl sie damit noch über dem europäischen Durchschnitt liegt.

Sprache

Polen Die Umgangssprache ist fast überall Schwedisch. Norwegisch wird meist im Norden und an der Grenze verstanden, da es dem Schwedischen sehr ähnlich ist. Dänisch wird im allgemeinen ab Mittelschweden nicht verstanden, da es sich in der Aussprache zu sehr vom Schwedischen unterscheidet. Südschweden war lange Zeit ein Teil des dänischen Königreiches, was sich auch im alltäglichen Idiom Südschwedens widerspiegelt. In einigen Gebieten werden Finnisch und Samisch gesprochen. In Schweden haben Finnisch, Meänkieli, Jiddisch, Romani und Samisch den Status anerkannter Minoritätensprachen. Fast 80 % der schwedischen Bevölkerung sprechen Englisch als Fremdsprache, da Englisch zum einen die erste Fremdsprache an den Schulen darstellt und zum anderen im Fernsehen sehr stark vertreten ist. Als zweite Fremdsprache wählt die Mehrheit der Schüler Deutsch und als dritte zu 24 % Französisch, wobei neuerdings Spanisch ebenfalls stark im Kommen ist und an manchen Schulen Deutsch schon überholt hat. Allerdings war Deutsch bis etwa 1950 die erste Fremdsprache in Schweden, wie auch im restlichen Skandinavien. Schwedisch wird ebenfalls auf der Inselgruppe Åland gesprochen. In Teilen Finnlands wird zudem noch Finnlandschwedisch gesprochen, eine mittlerweile fast eigene schwedische Sprache, die Einflüsse des Finnischen zeigt.

Religion

75 % der schwedischen Bevölkerung gehören der evangelisch-lutherischen Schwedischen Kirche an, die von 1527 bis 1999 Staatskirche war. Die zweitgrößte Gruppe, die der Moslems, lässt sich zahlenmäßig nur schwer einschätzen. Ihre Mitgliederzahl liegt bei ungefähr 250.000. Die römisch-katholische Kirche hat 150.000 Mitglieder und christlich-orthodoxe Kirchen etwa 100.000. Daneben gibt es in Schweden etwa 23.000 Zeugen Jehovas. Etwa 10.000 Menschen gehören zu einer mosaischen Gemeinde.

Soziales Leben

mosaischen Gemeinde
- Hauptartikel: Wohlfahrtsstaat Schweden
- Hauptartikel: Schwedisches BildungssystemDas schwedische Modell”, ein Begriff vor allem der 1970er Jahre, bezieht sich auf den Wohlfahrtsstaat, ein umfassendes System sozialer Sicherheit und sozialer Fürsorge, das das Ergebnis einer einhundertjährigen Entwicklung ist. Zwischen 1890 und 1930 wurden teilweise die Grundlagen für ein Sozialsystem geschaffen, aber erst ab den 1930er Jahren – insbesondere nach der Regierungsübernahme der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei 1932 - wurde der Aufbau des Wohlfahrtsstaates als politisches Projekt vorangetrieben. Das schwedische Sozialsystem erfasste schließlich alle vom Kleinkind (über die kommunale Kinderfürsorge) bis zum Rentner (über die kommunale Altenfürsorge). Erst im letzten Jahrzehnt kam es zu einschneidenden Veränderungen. Eine schwere Wirtschaftskrise am Beginn der 1990er Jahre führte zu einer Kürzung von Sozialleistungen, und die erwartete demographische Entwicklung führte zu einem radikalen Umbau des Rentensystems, das nun an die wirtschaftliche Entwicklung gekoppelt ist. Die letzten Wahlen zeigten aber, dass gerade die Kernbereiche des Wohlfahrtsstaates auch heute dem Staatsbürger am Herzen liegen.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Schwedens

Politik

Hauptartikel siehe Politisches System Schwedens. Schweden ist eine parlamentarisch-demokratische Monarchie. Staatsoberhaupt ist seit 1973 König Karl XVI. Gustav. Das Einkammern-Parlament, der Reichstag (schwed.: Riksdag) hat 349 Abgeordnete und wird alle vier Jahre neu gewählt. Die sieben im Reichstag vertretenen Parteien sind die konservative Moderate Sammlungspartei (Moderata samlingspartiet, m), die Liberale Partei (Folkpartiet liberalerna, fp), die Zentrumspartei (Centerpartiet, c), die Christdemokraten (Kristdemokraterna, kd), die Grünen (Miljöpartiet de gröna, mp), die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Schwedens(Sveriges socialdemokratiska arbetareparti, s) und die Linkspartei (Vänsterpartiet, v). Der Reichstag ernennt den Premierminister (statsminister), der seinerseits die weiteren Minister (schwed.: statsråd) seiner Regierung ernennt. Zur Zeit wird Schweden von einer sozialdemokratischen Minderheitenregierung mit Unterstützung der Grünen und der Linkspartei regiert. Das Königreich ist in 21 Provinzen (schwed.: län) gegliedert. Die staatlichen Verwaltungsaufgaben auf regionaler Ebene werden von einem Regierungspräsidenten (schwed.: landshövding) und einer Provinzialregierung (schwed.: länsstyrelse) wahrgenommen. Die kommunale Selbstverwaltung geschieht auf zwei Ebenen: den 289 Gemeinden (schwed. kommun), die kommunale Aufgaben wie u. a. das Schulwesen, soziale Dienstleistungen, Kinder- und Altenbetreuung sowie die kommunale Infrastruktur wahrnehmen und den Provinziallandtagen (schwed. landsting), die für die Bereiche der kommunalen Selbstverwaltung zuständig sind, die die Kraft einzelner Gemeinden übersteigen, wie das Gesundheitswesen und die Krankenpflege, den Regionalverkehr und die Verkehrsplanung u. a. Die Gemeinden und die Provinziallandtage finanzieren ihre Tätigkeit durch die Erhebung von Einkommenssteuern, mit Abgaben und staatlichen Zuschüssen. In Schweden gilt das Öffentlichkeitsprinzip, das heißt dass behördliche Schriftstücke mit geringen Ausnahmen der Presse und allen Privatpersonen zugänglich sind. Niemand muss angeben, warum er ein Schriftstsück einsehen möchte, noch muss man sich ausweisen. Eine weitere skandinavische Besonderheit ist das System der Ombudsmänner (schwed.: ombudsman). Sie sollen die Rechte des Einzelnen beim Kontakt mit den Behörden schützen und die Befolgung wichtiger Gesetze sicherstellen. Bürger, die meinen, ungerecht behandelt worden zu sein, können sich an die Ombudsmänner wenden, die den Fall untersuchen und eventuell als Sonderankläger vor Gericht bringen. Gleichzeitig sollen sie in Zusammenarbeit mit den Behörden die Lage in ihren jeweiligen Bereichen erfassen, Aufklärungsarbeit betreiben und Vorschläge für Gesetzesänderungen machen. Neben den Justizombudsmännern gibt es einen Verbraucherombudsmann, einen Kinderombudsmann, einen Gleichberechtigungsombudsmann sowie Ombudsmänner gegen ethnische Diskriminierung und gegen Diskriminierung aufgrund sexueller Veranlagung. Schweden galt lange Zeit als sozialdemokratisches Musterland; es wurde von vielen europäischen Linken als gelungenes Beispiel für einen dritten Weg zwischen Sozialismus und Marktwirtschaft gesehen. Am 14. September 2003 wurde in Schweden über die Einführung des Euro als Landeswährung abgestimmt. Die Einführung war im Vorfeld kontrovers diskutiert worden, und letztlich setzten sich die Euro-Skeptiker durch (Wahlbeteiligung: 81,2 %, Wahlausgang: 56,1 % dagegen, 41,8 % dafür, 2,1 % Enthaltungen, 0,1 % ungültig). Die Skeptiker sahen in der Euro-Einführung eine Bevormundung der schwedischen Währungspolitik durch die Europäische Zentralbank (EZB). Vor 2013 soll es nach der Ankündigung der schwedischen Regierung keinen weiteren Volksentscheid zur Einführung des Euro geben. Die Abstimmung wurde durch die Ermordung der schwedischen Außenministerin Anna Lindh schwer überschattet.

Verwaltungsgliederung

Die 21 offiziellen Verwaltungseinheiten, Län genannt, die mit den Landschaften nicht deckungsgleich sind, heißen:

Wirtschaft

Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Schweden – trotz des Eisenbahnbaues - ein ausgeprägter Agrarstaat, in dem 90 % der Bevölkerung von der Landwirtschaft lebten. Erst im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts setzte eine umfassende Industrialisierung ein, die bis zur Weltwirtschaftskrise von 1929 die Grundlagen für eine moderne Industriegesellschaft legte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Schweden zu einer der führenden Industrienationen der Welt. Die Entwicklung erreichte in der Mitte der 1960er Jahre ihren Höhepunkt, seit den 1970er Jahren geht die Anzahl der Beschäftigten in der Industrie zurück, während der Dienstleistungsbereich wächst. 2002 betrug der Anteil der Landwirtschaft am BIP nur mehr 2 % und der des sekundären Sektors 28 %, während 70 % des BIP durch den tertiären Sektor erwirtschaftet wurden.

Land- und Forstwirtschaft

Die schwedische Landwirtschaft ist durch die geologischen Voraussetzungen und das Klima geprägt. 10 % der Staatsfläche werden landwirtschaftlich genutzt. 90 % der Anbaufläche befinden sich in Süd- und Mittelschweden. Ein Großteil der Landwirtschaftsbetriebe sind in Familienbesitz. Angebaut werden vor allem Getreide, Kartoffeln und Ölpflanzen. Mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Einnahmen (58 %) wird aber durch die Tierhaltung erwirtschaftet, hier vor allem die Milchproduktion. Die Landwirtschaftssubventionen der EU belaufen sich auf 24 % der Einnahmen. Drei Viertel der landwirtschaftlichen Betriebe verfügen auch über Wald und verbinden Landwirtschaft mit Forstwirtschaft. Die Forstwirtschaft ist von einiger Bedeutung, da Schweden eines der waldreichsten Länder der Erde ist. Von Wald bedeckt sind 52 % der Staatsfläche.

Bergbau und Industrie

Forstwirtschaft Schweden ist reich an Bodenschätzen, die schon ab dem Mittelalter abgebaut wurden. Eisenerz wird – nach der Eisen- und Stahlkrise der 1970er Jahre - nur noch in Norrland (Kiruna, Gällivare-Malmberget) abgebaut und exportiert. Kupfer, Blei und Zink übersteigen den Eigenbedarf um das Mehrfache und werden ebenfalls exportiert, während Silber zu 60 % und Gold zu 80 % den Eigenbedarf decken. Größere Erzreserven sind vorhanden, deren Abbau ist aber zur Zeit unwirtschaftlich. Was die schwedische Industrie auszeichnet, ist der verhältnismäßig hohe Anteil von Großunternehmen. Nach einer Krise am Beginn der 1990er Jahre (mit einem Produktionsrückgang von 10 % innerhalb von zwei Jahren) hat sich die Industrie wieder erholt. Die größten Industriezweige sind Fahrzeugbau (1996: 13 % der industriellen Wertschöpfung) mit Unternehmen wie Volvo, Scania, Saab-Automobile, Saab AB (Flugzeuge und Raumfahrttechnik) u. a., die Holz- und Papierindustrie (ebenfalls 13 % der industriellen Wertschöpfung) mit vier Großunternehmen, der Maschinenbau (12 % der industriellen Wertschöpfung) mit Unternehmen wie Electrolux, SKF, Tetra-Pak, Alfa-Laval und die Elektro- und Elektronikindustrie (10 % der industriellen Wertschöpfung) mit den dominierenden Unternehmen Ericsson und ABB.

Energie

Die in Schweden erzeugte elektrische Energie stammt zu einem Anteil von 50,8 % (2001) aus Wasserkraftwerken an den großen Flüssen (Luleälv, Indalsälv, Umeälv und Ångermanälv) im Norden des Landes und zu ca. 43 % aus Atomkraftwerken. Nur ca. 4 % der Stromproduktion stammt aus fossilen Energieträgern.

Atomausstieg

Nach der partiellen Kernschmelze in Three Mile Island in den USA (1979) wurde in Schweden eine Volksabstimmung gegen Kernenergie erfolgreich durchgeführt. Dies hatte zur Folge, dass das Parlament 1980 entschied, keine weiteren Atomkraftwerke mehr zu bauen und die vier vorhandenen bis 2000 abzuschalten. Dieser Ausstiegsplan wurde nur teilweise vollzogen. Zwischenzeitlich versuchte eine konservative Regierung den Atomausstieg ganz auszusetzen, dies wurde jedoch durch starke Proteste aus Teilen der Bevölkerung verhindert. 1997 nahm der Schwedische Reichstag die Vorlage über „Eine nachhaltige Energieversorgung“ an. Diese bestimmte u. a., einen der Reaktoren am Standort Barsebäck vor dem 1. Juli 1998 und den zweiten vor dem 1. Juli 2001 stillzulegen, allerdings unter der Voraussetzung, dass deren Stromproduktion kompensiert werden kann. Der frühere Beschluss, alle Reaktoren bis 2010 stillzulegen, wurde aufgehoben. Barsebäck Block 1 wurde schließlich am 30. November 1999 stillgelegt, Barsebäck Block 2 am 1. Juni 2005. Der Verzicht auf die Nutzung der Kernenergie wird in Schweden kontrovers diskutiert. Die Industrie befürchtet den Verlust einer preiswerten und auch umweltverträglichen Stromerzeugung und damit eine Beeinträchtigung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Ein Verzicht auf die Kernenergienutzung ohne über ausreichende andere und verlässliche Stromerzeugungstechniken zu verfügen, habe erhebliche negative Folgen für die schwedische Volkswirtschaft. Die Leistung der noch in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke ist in den letzten Jahren erheblich gesteigert worden. Diese Steigerung ermöglichte die Kompensation des Ausfalls von Barsebäck. Eine Ausnutzung von vorhandenen weiteren großen Wasserkraftpotenzialen ist nicht möglich. Der Schwedische Reichstag beschloss 1998, aus Naturschutzgründen keine weiteren Ausbauten von Gewässern zuzulassen. Per Gesetz geschützt sind die Flüsse Kalixälv, Piteälv, Torneälv und Vindelälv. Trotz erheblicher Anstrengungen, wirtschaftlich tragfähige Alternativen zur Kernenergienutzung als auch zum Verbrauch fossiler Brennstoffe zu schaffen, ist davon auszugehen, dass Schweden noch weit über das Jahr 2010 hinaus auf die Nutzung der Kernenergie nicht verzichten kann. Die Betreiber von Kernkraftwerken gehen von einer Nutzungszeit der bestehenden Anlagen etwa bis zum Jahr 2050 aus.

Dienstleistungen

Der Dienstleistungsbereich erwirtschaftet heute 70 % des BIP, was sich vor allem darauf zurückführen lässt, dass der öffentliche Sektor in den letzten Jahrzehnten so stark gewachsen ist. Dennoch steht der private Dienstleistungsbereich für mehr als zwei Drittel der Produktion.

Außenhandel

Schwedens Wirtschaft ist stark vom internationalen Handel abhängig. Die wichtigsten Exportländer sind die USA (11,9 % des Exportes im ersten Quartal 2004), Deutschland (10,2 %), Norwegen (8,3 %) und Großbritannien (7,8 %). Die wichtigsten Exportprodukte sind Maschinen (15,5 % des Exportes im ersten Quartal 2004), Elektro- und Elektronikprodukte (14,9 %) und KFZ und KFZ-Bestandteile (14,4 %). Die wichtigsten Importländer sind Deutschland (19 % des Importes im ersten Quartal 2004), Dänemark (8,8 %) und Großbritannien (8 %). Die wichtigsten Importprodukte sind Elektro- und Elektronikprodukte (16,8 % des Importes im ersten Quartal 2004), Maschinen (11,4 %) und KFZ und KFZ-Bestandteile (11,3 %). Vergleichsmäßig hoch ist der Anteil ausländischer Direktinvestitionen in Schweden. Dies kann darauf zurückgeführt werden, dass die schwedische Wirtschaft von einer kleinen Anzahl international tätiger Konzerne dominiert wird. Etwa 50 Konzerne kommen für zwei Drittel des schwedischen Exportes auf.

Fremdenverkehr

Der Fremdenverkehr trägt mit etwa 3 % (3,3 Mrd. Euro, 2000) zu Schwedens BIP bei. Vier Fünftel der Touristen sind Inländer und nur ein Fünftel kommt aus dem Ausland. Von den Auslandstouristen kamen 1998 23 % aus Deutschland, 19 % aus Dänemark, 10 % aus Norwegen und je 9 % aus Großbritannien und den Niederlanden.

Kultur

Literatur

Hauptartikel: Schwedische Literatur Überregionale Tageszeitungen sind die beiden in Stockholm erscheinenden Dagens Nyheter und Svenska Dagbladet, sowie Göteborgs Posten.

Film

Hauptartikel: Schwedischer Film Um 1910 begann man mit der regelmäßigen Produktion von Spielfilmen. Der schwedische Film erreichte bald eine Qualität, die ihn international bekannt machte. Aber mit der Einführung des Tonfilmes und der damit verbundenen Begrenzung auf den kleinen, schwedischsprachigen Markt sank der Film auf ein provinzielles Niveau ohne künstlerischen Anspruch ab. Erst nach dem zweiten Weltkrieg erlebte der schwedische Film einen neuerlichen künstlerischen Aufschwung, zuerst im Dokumentarfilm, z. B. Arne Sucksdorffs 1948 mit dem Oscar ausgezeichneten Film Menschen in der Stadt, und danach als Autorenfilm mit Ingmar Bergman als herausragender Persönlichkeit. Auch die Kinder- und Jugendfilme erlangten internationale Aufmerksamkeit. Die Schaffung des Schwedischen Filminstitutes in den 1960er Jahren trug zu einer Qualitätssicherung bei, die bis heute andauert.

Architektur

Hauptartikel: Schwedische Architektur

Sport

Schweden stand 1958 bei der Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land im Finale gegen Brasilien.

Musik

Listen: Liste schwedischer Musiker

Varia

Ein einmaliges Kulturdenkmal ist die alte Sendeanlage SAQ in der Nähe von Varberg, denn sie verfügt über den einzigen funktionsfähigen Maschinensender der Erde. Schweden ist international für seine Popmusik bekannt. Bands wie ABBA, Roxette, Ace of Base und Army of Lovers sind weltbekannt. Zu den aktuellen bekannten Bands gehören zum Beispiel Looptroop, The Hives und The Cardigans. Ebenfalls gibt es eine große Anzahl an Metal Bands, wie zum Beispiel Dark Funeral, Hammerfall oder Amon Amarth. Siehe auch: Liste schwedischsprachiger Schriftsteller, Liste schwedischer Musiker, Schwedische Küche, Liste historischer Gebäude in Schweden

Typisch schwedische Feste und Bräuche

Liste historischer Gebäude in Schweden Liste historischer Gebäude in Schweden Liste historischer Gebäude in Schweden Am 6. Januar wird Trettondedag jul (dreizehnter Weihnachtstag, auch Trettondag jul) begangen. Dieser Tag entspricht dem deutschen Dreikönigstag und ist im hauptsächlich protestantischen Schweden ein staatlicher Feiertag. Am Tjugondedag jul (zwanzigster Weihnachtstag, auch Tjugondag jul) oder Knut (13. Januar) ist die Weihnachtszeit vorbei. Es finden gelegentlich Abschlussfeste mit Weihnachtsbaumplünderung statt. Die Kerzen und der Schmuck werden entfernt und der Baum hinausbefördert. Der Valborgsmässoafton wird am 30. April gefeiert und entspricht der deutschen Walpurgisnacht. Das Volk versammelt sich um große Lagerfeuer. Es werden Reden über den Frühling gehalten und Frühlingslieder gesungen. Vor allem in Lund und Uppsala ist Valborg am Abend vor dem 1. Mai ein wichtiges Studentenfest. Punkt 15 Uhr setzen alle versammelten ihre weißen Studentenmützen auf und singen Studentenlieder. Die darauffolgende Nacht verbringt man mit übermäßigem Alkoholgenuss und Katerfrühstück. Der 6. Juni, Svenska flaggans dag, ist der offizielle Nationalfeiertag Schwedens. Ursprünglich als "Flaggentag" 1916 ins Leben gerufen, ist der 6. Juni seit 1983 Nationaltag und seit 2005 auch gesetzlicher Feiertag. Das Midsommarfest wird an der ersten Nacht zum Samstag nach dem 21. Juni gefeiert. Die Heftigkeit des Feierns dieses Wochenendes ist nur mit Weihnachten vergleichbar. Wenn am Johannisabend Ende Juni das Sonnenlicht im Norden 24 Stunden lang zu sehen ist und im Süden nur wenige Stunden lang in blauen Dämmerschein übergeht, ist Schweden am schönsten. Der Feiertag ist eine uralte Tradition und wurzelt in den vorgeschichtlichen Sommersonnenwendefeiern. Um den mit Birkenreisig und Blumen geschmückte Maibaum, das vielleicht bekannteste schwedische Nationalsymbol, wird überall in Schweden getanzt und gesungen. Überall herrscht ausgelassene Feststimmung. Im August kamen früher die ersten frischen Krebse auf den Markt. Das dazugehörige Fest wird Kräftskiva genannt und kann zu beliebigem Zeitpunkt stattfinden. Man isst, so viel man schafft, von den in einem kräftigen Dillsud gekochten Krebsen und trinkt dazu Schnäpse. Als Schmuck dienen Girlanden und lustige Hüte. In Nordschweden gibt es zum Ende des Sommers noch das Surströmmingsfest. Der Verzehr der in einer Dose vorgegorenen Heringe mit Kartoffeln oder tunnbröd (Dünnbrot – eine Vorstufe des Knäckebrot aus Norrland) erfordert aber unempfindliche Geschmacksnerven (s. Sauerströmling). Das Luciafest beginnt am Morgen des 13. Dezembers und ist in Schweden der Tag der Lichterkönigin. Die älteste Tochter erscheint als Luziabraut in einem weißen Kleid und einem Kranz aus Preiselbeerzweigen und brennenden Kerzen auf dem Kopf. Die „Lussebrud“ weckt die Familie und serviert das Frühstück am Bett. Im ganzen Land werden Schulen und Arbeitsstätten in den frühen Morgenstunden von magisch schimmernden Luciazügen besucht. Junge Mädchen in fußlangen weißen Gewändern mit Kerzen auf dem Kopf und in den Händen werden von weißgekleideten jungen Männern begleitet, den „Sternjungen“, die bei dieser Gelegenheit einen langen, spitzen, mit einem Stern gekrönten Hut tragen. Zusammen singen sie die traditionellen Gesänge, die zur Vorweihnachtszeit und zu Weihnachten gehören. Von diesem Tag an und über die gesamte Weihnachtszeit hinweg isst man ein besonderes, mit Safran gewürztes und gefärbtes, Hefegebäck.

Sonstiges

In der Nähe von Kiruna in Esrange wird ein Raketenstartplatz für den Start von Höhenforschungsraketen betrieben.

Weitere Themen

Portal:Schweden, Portal:Nordeuropa, Liste schwedischsprachiger Schriftsteller, Liste der schwedischen Könige, Schwedische Nationalenzyklopädie, Nationalparks in Schweden, Liste der Städte in Schweden, Liste der Gemeinden in Schweden, Liste schwedischer Sportler, Fußball in Schweden, Schweden (Volk) Schweden (Volk)

Literatur


- Anemone Schlich: Das Bild der Europäischen Union in der schwedischen Öffentlichkeit. Der Andere Verlag, Osnabrück 2004, ISBN 3-89959-243-3

Weblinks


- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?land_id=147 Länder- und Reiseinformationen] des Auswärtigen Amtes
- [http://www.swedengate.de Informationsportal rund um das Thema Schweden] (deutsch)
- [http://www.sweden.se Das offizielle Portal Schwedens] (deutsch, englisch, französisch, spanisch, ...)
- [http://www.schweden.org Schwedische Botschaft in Deutschland]
- [http://www.riksdagen.se Der schwedische Reichstag] (schwedisch, englisch)
- [http://www.si.se Das Schwedische Institut] (deutsch, englisch, schwedisch, ...)
- [http://www.schwedentor.de Nachrichten und Infos über Schweden] (deutsch)
- [http://www.brunnvalla.ch/schweden Schweden - Land und Leute]
- [http://www.visit-sweden.com/de/frontpage.asp?show=fp Offizielle Seite für Touristeninformationen und Reisen in Schweden]
Kategorie:Staat Kategorie:Monarchie Kategorie:Land in der EU als:Schweden fiu-vro:Roodsi [[got:

Schwedisch-Polnischer Krieg

Der Schwedisch-Polnische Krieg (auch Zweiter Nordischer Krieg und in Polen Schwedische Sintflut genannt) von 1655-1660 war ein militärischer Konflikt um die Vorherrschaft im Baltikum (siehe auch Nordische Kriege).

Vorgeschichte

Schweden und Polen waren schon seit der Absetzung Sigismund III. als schwedischer König im Jahr 1599 in schwere kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt. Es ging um den Besitz der baltischen Küstenregionen Estland und Livland. Riga, Dorpat, große Teile von Kurland, Königsberg und wichtige preußische Küstengebiete fielen in schwedische Hand.
Zum anderen hatte Polen die „Zeit der Wirren“ in Russland genutzt, um große Gebiete im Westen des Russischen Reiches zu annektieren. 1648 begann in der Ukraine ein Kosakenaufstand unter der Führung ihres Atamans Bohdan Chmelnyzkyj, durch den Polen einen Großteil seiner eroberten Gebiete wieder verlor. Als die schwedische Königin Christina I. am 16. Juni 1654 abdankte, machte der polnische König Johann II. Kasimir, ein Urenkel des Königs Gustav I., Ansprüche auf den schwedischen Thron geltend.

Kriegsbeginn

Im Juni 1655 fiel Karl X. Gustav in das politisch völlig zerrüttete Polen ein und besetzte Warschau und Krakau. Am 25. Juli kapitulierte Polen, am 18. August stimmte Janusz Radziwill einer Union des Großfürstentums Litauen mit Schweden zu.
Durch die Verträge von Königsberg am 17. Januar 1656 und Marienburg am 23. Juni 1656 erzwang sich Karl X. Gustav die Unterstützung von Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg.

Bündnispartner

Königstreue Truppen leisteten den Schweden erbitterten Widerstand. Währenddessen versuchte Johann II. Kasimir, Bündnispartner zu finden. Um ein Übergewicht Schwedens in Nordeuropa zu verhindern, traten Dänemark, Österreich (Haus Habsburg) und die Niederlande auf die Seite Polens. Auch Brandenburg wechselte die Fronten, nachdem Polen im Vertrag von Wehlau am 19. September 1657 dem Kurfürsten die Souveränität im Herzogtum Preußen zuerkannte. Gegen Dänemark erzielte Karl X. Gustav zunächst militärische Erfolge. Nach einer erfolgreichen Offensive der antischwedischen Koalition schlugen England und Frankreich Friedensverhandlungen vor. Frankreich

Kriegsende

Der Krieg wurde dann am 3. Mai 1660 durch den Vertrag von Oliva beendet. Der polnische König verzichtete darin auf alle Ansprüche auf den schwedischen Thron. Schweden behielt Livland und Estland gemäß den Bestimmungen des Westfälischen Friedenvertrages vom 24. Oktober 1648.
Brandenburg musste sich aus den besetzten schwedischen Gebieten in Pommern, Holstein und Schleswig zurückziehen, erlangte aber gleichzeitig die endgültige Souveränität über das Herzogtum Preußen und erwies sich während des Krieges als militärischer und politischer Machtfaktor. Frankreich übernahm die Garantie der Einhaltung des Friedens. Kategorie:Nordische Kriege Kategorie:Polnische Militärgeschichte

1655

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Beginn des Schwedisch-polnischen Kriegs
- Beginn des Englisch-Spanischen Kriegs
- Beginn der Gabelzeit auf den Färöern
- Christiaan Huygens entdeckt mit einem selbstgebauten Teleskop erstmals den Saturnmond Titan
- 7. April: Fabio Chigi wird Papst Alexander VII.
- 10. Mai: Jamaika wird von den Engländern erobert
- 14. Oktober: Feierliche Eröffnung der alten Universität Duisburg

Kultur


- 4. November: Uraufführung des musikalischen Dramas L'Argia von Antonio Cesti in Innsbruck

Geboren


- 1. Januar: Christian Thomasius, deutscher Jurist und Philosoph († 1728)
- 6. Januar (27. Dezember 1654 a. St.): Jakob Bernoulli, schweizerischer Mathematiker und Physiker († 1705)
- 28. Februar: Johann Beer, österreichischer Schriftsteller und Komponist († 1700)
- 8. April: Ludwig Wilhelm I., der so genannte „Türkenlouis“ († 1707)
- 13. Mai: Innozenz XIII. (Papst), unter dem Namen Innozenz XIII. Papst von 1721 bis 1724 und stammte aus der Familie († 1724)
- 4. Oktober: Lothar Franz von Schönborn, Bischof des Bistums Bamberg (1693–1729) und Erzbischof des Bistums Mainz (1694–1729) († 1729)
- 4. Dezember: Karl XI. (Schweden), König von Schweden und in Personalunion Herzog von Zweibrücken von 1660 bis 1697 († 1697)

Gestorben


- 7. Januar: Giovanni Battista Pamfili, als Innozenz X. Papst von 1644 bis 1655 (
- 1574)
- 25. Februar: Daniel Heinsius, Gelehrter der niederländischen Renaissance (
- 1580)
- 27. Juni: Eleonora Gonzaga, jüngste Tochter von Vincenzo I. Gonzaga, Herzog von Mantua (
- 1598)
- 24. Juli: Friedrich von Logau, Dichter des Barock (
- 1605)
- 28. Juli: Cyrano von Bergerac, französischer Schriftsteller (
- 1619)
- 7. August: Prasat Thong, König von Ayutthaya in Thailand
- 24. Oktober: Pierre Gassendi, französischer Philosoph, Theologe, Mathematiker, Astronom und Physiker (
- 1592) ko:1655년

19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert begann am 1. Januar 1801 und endete am 31. Dezember 1900. Es gehört zur Epoche der Neuzeit, die um die Jahrhundertwende zum 16. Jahrhundert begonnen hatte.

Neue Organisationsformen: Der Nationalstaat

Fragt man nach den Organisationsformen, danach in welchen Einheiten sich die Menschen wahrnahmen, dann dürfte dies die große Veränderung sein, die mit den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts eintrat: Der Nationalstaat wurde als neue politische Institution aufgebaut. Er forderte neue Themen, neue Bildungssysteme, neue wirtschaftliche Strukturen, eine neue Vorstellung seitens derer, die in ihm lebten: die Bereitschaft, sich als Bürger zu sehen und sich dementsprechend zu organisieren. Herrschaft geht im 18. Jahrhundert noch von den Herrschaftshäusern und politischen Parteiungen aus, sowie von mächtigen Adeligen, die hinter den Parteiungen stehen. Kriege werden im 18. Jahrhundert dementsprechend wahrgenommen: Regenten wollen sie, und lassen "ihr" Geld in sie fließen. Militärische Niederlagen werden im 18. Jahrhundert nicht als nationale Demütigungen empfunden, sondern als Teil einer von Regenten gestalteten Machtpolitik. Hier entwickelt sich im 19. Jahrhundert eine ganz neue Wahrnehmung. Sie ist vor allem eine Folge der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege, die von einem ganz neuen Heer getragen werden - einem aus Staatsbürgern zusammengesetzten. Insbesondere Deutschland hat dem französischen Nationalismus zu Beginn des 19. Jahrhunderts wenig entgegenzustellen. Das Heilige Römische Reich ist in Einzelstaaten zersplittert, die von Napoleon gegeneinander ausgespielt werden. Der Reichsverband wird aufgelöst. Deutschlands Intellektuelle fordern in der Reaktion auf die Bedrohung einen Nationalstaat, der erst noch gegründet werden muss, der jedoch auf diesem Weg mit einem ganz neuen Bewusstsein von Staatsbürgerlichkeit ausgestattet wird. Ende des 19. Jahrhunderts sind militärische Niederlagen dann mit enormen nationalen Gesichtsverlusten verbunden. Ein deutsches Heer zieht 1870 durch Frankreich und erzwingt in Versailles, dem traditionelle Ort der von Frankreich ausgehenden Herrschaft ein Eingeständnis der Niederlage, das als nationale Schmach empfunden werden muss (und 1918 eine internationale Gegenantwort, eine verheerende Demütigung Deutschlands nach sich zieht). Nationale Euphorien, wie sie in der Befreiung Griechenlands von den Türken in den 1820ern und im Einigungsprozess Italiens Mitte des 19. Jahrhunderts aufkommen, bleiben ohne Parallele im 18. Jahrhundert - weder die englische Glorious Revolution von 1688 noch die Französische Revolution waren von vergleichbaren nationalen Sentimenten der Vereinigung begleitet. Europas Intellektuelle wie der Romantiker Lord Byron, der bei einem militärischen Kommando in Griechenland stirbt, entwickeln eine romantische Identifikation mit den neuen nationalen Bewegungen, die vom Volk getragen werden müssen, um zu funktionieren. Authentischer als Politik des 18. Jahrhunderts, echter, den Wurzeln näher, erscheint der neue Nationalismus. Das 19. Jahrhundert legte hier Grundsteine für Entwicklungen die im 20. neue Ausprägungen und globale Dimensionen gewinnen sollten. Der Faschismus und der Nationalsozialismus des 20. Jahrhunderts werden sich als national-völkischen Bewegungen manifestieren. Hochtechnisierte und hochgerüsteten Staaten werden sich hier in romantischen Rückbesinnungen auf Völkische Ursprünge definieren und Konflikte globaler Dimensionen austragen, die die Welt neu ordnen werden.

Die Nation als von ihrer Wirtschaft lebende Einheit

Entscheidende Bedeutung für die Ausbildung des Nationalstaates gewinnt im Verlauf des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung, die ein Ringen um wirtschaftliche Macht zwischen Europas Nationen auslöst. Im 18. Jahrhundert suchen die Regenten Europas nach Möglichkeiten, ihre Staatshaushalte zu sanieren - Staatshaushalte, die im wesentlichen ihre persönlichen familiären Haushalte sind. Geld leihen sie sich von privaten Finanziers, Steuereinnahmen erhöhen sie, soweit dies geht, im besonderen Fall ziehen sie Geld aus der kursierenden Münze. Es geht aus der Sicht der Haushalte des 17. und 18. Jahrhunderts darum, den Abfluss von Edelmetall ins Ausland verhindern. Infrastrukturmaßnahmen, wie die Ansiedlung von Manufakturen, bleiben im 18. Jahrhundert von den Regenten gesteuerte Maßnahmen. Der Kameralismus entwickelt sich als eigene Wissenschaft der wirtschaftlichen Sanierung eines Territoriums durch den Landesherrn. Mit dem 19. Jahrhundert verändert sich die Sicht auf wirtschaftliche Entwicklungen. Großbritannien wurde als Kolonialmacht und als Land der hier früh einsetzenden Industrialisierung bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zum Wirtschaftsimperium. Amsterdam verlor seine Stellung als zentraler Handelsplatz. London, die Hauptstadt des Commonwealth übernahm diese Position. Die nationale Einigung Deutschlands geschieht am Ende im 19. Jahrhundert maßgeblich in einem Aufholprozess, der auf dem Gebiet des Nationalismus mit Frankreich konkurriert, wirtschaftlich und militärisch jedoch mit dem industrialisierten und hochgerüsteten Großbritannien. Ohne die Industrialisierung, wie sie England leistete, kann das aufstrebende Preußen, die Kernmacht des neuen deutschen Reichs, Großbritannien keine Flotte entgegenstellen, und ohne eine Flotte wird die neue Nation keine Chance haben, noch Kolonien zu akquirieren. Europas Nationen müssen die Rahmenbedingungen für die Industrialisierung stellen, wollen sie einander gegenüber bestehen. Der wirtschaftliche Konzentrationsprozess wird von neuen Debatten begleitet: Mit der Auseinandersetzung um den Liberalismus geht es im 19. Jahrhundert um die Kernfrage, ob dem Nationalstaat mehr mit einer staatlich gelenkten Wirtschaft gedient ist, oder damit, dass er seinen Bürgern und ihrer Initiative größte Freiheit lässt. Der Kommunismus gewinnt in der Auseinandersetzung zwischen deutschen Debatten und der Realität des englischen Wirtschaftssystems Mitte des 19. Jahrhunderts seine Programmatik. Er prognostiziert, dass mit der neuen wirtschaftliche Integration die Klasse der Arbeiter eigene Kontur gewinnt - eine Klasse, die am Ende das Ende der Nationalstaaten herbeiführen wird, eine Weltherrschaft der Arbeiterklasse, gestützt auf die Produktion, die letztlich von der Arbeiterklasse ausgehen muss. Der Sozialismus strebt Kompromisse mit dem Nationalstaat an, soziale Sicherungssysteme, die Massenarmut verhindern und den Staat stabilisieren.

Europas Nationen im Wettbewerb um Kolonien

Der Kolonialismus des 19. Jahrhunderts geht im wesentlichen bis in das 16. und 17. Jahrhundert zurück, er weist jedoch gänzlich neue Züge auf. Spanien und Portugal nutzten ihr Kolonien vordringlich, um Gold aus ihnen zu beziehen - das Edelmetall war von kurzem Profit, der Goldfluss führte zu einem Preisverfall, weniger jedoch zum Aufbau sich selbst erhaltender wirtschaftlicher Strukturen. Einen zweiten Entwicklungsschub leistete der niederländische Kolonialismus des 17. Jahrhunderts, der Amsterdam zum Weltfinanzort machte. Ihn prägte der Zusammenschluss Amsterdamer Kaufleute in Handelsgesellschaften, die die größere Erschließung von Wirtschaftsräumen zwischenfinanzierten. Importiert wurden aus den Kolonien Handelswaren. Der Reichtum der Niederlande resultierte aus dem Zwischenhandel und der Veredelung von Rohstoffen in Manufakturen des Landes. Was dem niederländischen Kolonialismus fehlte, war die staatliche Deckung, die er in Großbritannien entwickelte. Die Unterwerfung des Mogul-Reichs Mitte des 18. Jahrhunderts mit britischer Militärmacht bedeutet hier am Ende eine Weichenstellung in den Kolonialismus des 19. Jahrhunderts. Private Kapitalgesellschaften bilden das Rückgrat des britischen Kolonialismus. Der Staat deckt sie durch den Aufbau der Nationalbank. In den Kolonien baut der erstarkende Staat Substrukturen seiner selbst auf: Eigene Bildungszentren, eine eigene ständige Armee als Ordnungsmacht, eigene staatliche Strukturen, aus denen im 20. Jahrhundert führende Nationen der Dritten Welt hervorgehen. Der Wettstreit der Nationen um Kolonien wird im 19. Jahrhundert zum zentralen Thema europäischer nationaler Selbstwahrnehmung. Große Projekte wie der Bau des Sueskanals werden zu Kristallisationspunkten des neuen Bewusstseins. Die eigene, europäische Überlegenheit gegenüber dem kolonialen Raum schafft einen Rassismus, der im 18. Jahrhundert nicht bestand, und ein eigenes Feld der Kulturtheorie, in dem es um die Frage geht, unter welcher Bedingung sich Kulturnationen entwickeln.

Rohstoffe, Energiereserven und Industrie

Innerhalb der einzelnen Länder wird die Industrialisierung und die Erschließung der Kohlevorkommen zum Gegenpol des Kolonialismus. Zu verarbeitende Güter werden importiert, Energiereserven müssen im Land für ihre Verarbeitung erschlossen werden. Die Kohlevorkommen Nord und West Englands, Lothringens und des Rheinlands werden der Reihe nach wirtschaftlich nutzbar gemacht. Großbritannien muss sich Ende des 19. Jahrhunderts der wirtschaftlichen Konkurrenz des erstarkten europäischen Kontinents stellen, bevor die USA im 20. Jahrhundert mit einer eigenen Wirtschaftspolitik und Dank ihrer schieren Marktgröße Europas Nationen überholen. Die Erfindung der Dampfmaschine geht in das frühe 18. Jahrhundert zurück. Im Zusammenspiel mit der Erschließung neuer Energievorkommen und dem Rohstoffimport aus den Kolonien erlaubt sie den Aufbau des industrialisierten Europas. Europas Landkarte verändert sich im Prozess. Reich waren im 17. und 18. Jahrhundert vor allem die Herrschaftszentren. Mit der Erschließung von Rohstoffvorkommen werden Regionen, die bislang uninteressant waren, als Wirtschaftsstandorte attraktiv. Das Rheinland und der Raum um Lüttich machen hier Karrieren.

Neue Verkehrsmittel und Medien

Mit der Industrialisierung wird die Eisenbahn und die Dampfschifffahrt aufgebaut - beides Erfindungen, die nötig sind, um die flächendeckende Erschließung von Wirtschaftsräumen überhaupt zu durchzuführen. Auf dem Kontinent erlaubte die Eisenbahn Mitte des 19. Jahrhunderts den Transport von Waren, die verarbeitet werden sollen an die Orte, an denen Rohstoffvorkommen die Energiereserven stellen. Zwischen den Kohleabbaugebieten, den industrialisierten Zentren, und den bestehenden Handelsmetropolen entwickeln sich Verkehrsnetze. Mit der Ausdehnung der wirtschaftlich nutzbaren Fläche wächst die Bevölkerung im 19. Jahrhundert. Zu den neuen Verkehrsmitteln kommt ab Mitte des 19. Jahrhunderts der Aufbau der modernen Telekommunikation. Das erste Transatlantikkabel wird in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelegt. Nachrichten können wenig später mit Lichtgeschwindigkeit weltweit transportiert werden - für den Wettstreit zwischen den USA und Europa, der mit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beginnt, ist das fast die entscheidende Voraussetzung. Mit den neuen Medien nimmt die staatliche Struktur selbst neue Formen an. Herrschaft bedurfte im Mittelalter immer wieder der persönlichen Präsenz des Regenten, der im Bedarfsfall von Pfalz zu Pfalz reiste, um Herrschaftsansprüche zu vor Ort geltend zu machen. Die frühe Neuzeit erlaubte die zentrale Machtausübung, den Absolutismus als neue Herrschaftsform. Eine zentrale Steuer- und Geldpolitik und eine bis an die Landesgrenzen reichende militärische Präsenz sicherten die neue Herrschaftsform wie die neuen Medien des Informationsmarkts: der Druck machte im 17. Jahrhundert Zeitungen allerorten verfügbar. Noch breiteten sich Nachrichten jedoch mit der Geschwindigkeit des Postverkehrs aus, und dieser Informationsfluss ließ bis in das 19. Jahrhundert kaum beschleunigen. Die Kommunikation über die Telegrafie erlaubt Mitte des 19. Jahrhunderts die Produktion von Zeitungen und Journalen, in denen weltweit am selben Tag dieselben Nachrichten verfügbar werden. Die Machtausübung zwischen Regierungszentralen und lokalen Behörden gewinnt Intensität. Das Gefühl jederzeit und an jedem Ort des Landes von den Entscheidungen der Regierung betroffen zu sein, von Entscheidungen die ihre Informationen vorort erheben, schafft ein neues Bewusstsein bei den Bürgern von der übergeordneten staatlichen, das gesamte Gebiet erfassenden Einheit.

Bürgertum und Interessenverbände

Die Beziehungen zwischen dem Einzelnen und dem Staat werden im Verlauf des 19. Jahrhunderts in den Nationalstaaten grundlegend neu organisiert. Das 18. Jahrhundert trug noch immer den Traditionen der Ständegesellschaft Rechnung. Privilegien wurden einzelnen Ständen garantiert. In den Städten wurden Berufsgruppen mit Privilegien ausgestattet. Wirtschaftlichem Wachstum waren im 18. Jahrhundert ganz handfeste Grenzen gesetzt: Die meisten Städte Europas waren im 18. Jahrhundert ummauert. Manufakturen mussten vor den Stadtmauern ohne den Schutz errichtet werden, den die Stadt gewährte. In der Stadt wiederum wurden die einzelnen Handelsbefugnisse vom Rat der Stadt verwaltet und nicht vermehrt. Wer im 18. Jahrhundert in einer Stadt ein neues Geschäft aufmachen wollte, musste in eine Familie mit der Gewerbebefugnis seiner Wahl einheiraten oder eine verwaiste Gewerbebefugnis erwerben. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts schleifen die größeren Städte Europas ihre Befestigungsanlagen. Wo die Mauern standen, entstehen Ringstraßen. Wirtschaftliche Ansiedlungen und Villenviertel greifen an den neuen Sternstraßen aus, die die Städte des 19. Jahrhunderts anlegen. Die Voraussetzung dieser Entwicklung war der militärtechnischer Fortschritt: Als sich Städte nicht mehr verteidigen ließen, wurden ihre großen Befestigungsanlagen unnütz, neue Armeen mussten die Landessicherung vornehmen. Mit dem 19. Jahrhundert entwickeln sich die Großstädte Europas zu Wirtschaftszentren. Zutrittsbedingungen zu den Berufen werden liberalisiert. Neuansiedlungen von Unternehmen werden gefördert. Ein neues Verständnis staatsbürgerlicher Initiative und privaten Unternehmertums ist die Folge. Das Bürgertum, das zur treibenden initiativen Kraft wird, benötigt und schafft neue Organisationsformen. Berufsverbände und ein komplexes Geflecht an Gesellschaften und Interessengruppen, die das wirtschaftliche Leben bestimmen und den kulturellen Austausch prägen.

Nation und Bildung

Eines der wichtigsten Probleme, das die Französische Revolution Europas Nationen hinterließ war das der stabilen sozialen Ordnung. Eigene Ideologien nehmen sich im 19. Jahrhundert der zentralen Frage der sozialen Mobilität und ihrer konfliktfreien Gewährleistung an - der Positivismus, der anfänglich der französische Revolution nahe steht und dann mit dem Liberalismus einhergeht, begründet die Soziologie als Wissenschaft des geregelten und für die Menschheit fruchtbaren Zusammenlebens. Der Sozialismus und der Kommunismus knüpfen weiterreichende politische Forderungen an die Entwicklung der Staaten. Eine ganz andere Lösung des Problems sozialer Mobilität richtet sich mit den Bildungssystemen ein. Die Nationen Europas garantieren ihren Bürgern - unabhängig von Schicht und Konfession - gleiche Aufstiegschancen. Statt der Revolution einer Klasse, kann das Individuum versuchen, in privater Initiative sich empor zu arbeiten. Die Chancen dazu muss das Bildungssystem liefern, das allen offen steht. Die