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Jäger Und Sammler

Jäger und Sammler

Der Ausdruck Jäger und Sammler oder Wildbeuter bezeichnet in der anthropologischen Entwicklung bestimmter menschlicher Gesellschaften die Nutzung wilder Pflanzen und Tiere. Durch diese Bedingungen waren die Jäger und Sammler recht mobil; Gruppen von Jägern und Sammlern bewegten sich innerhalb fließender Grenzen und Reviere. Vorwiegend (jedoch nie ausschließlich) gingen die Männer der Jagd nach; die Frauen sammelten (daher hat sich in der modernen Matriarchatsforschung der Ausdruck "Jäger und Sammlerinnen" eingebürgert, um die üblichere Rollenverteilung in diesen Kulturen zu betonen). Die Sammlerinnen können bei ihrer Tätigkeit bequem ihre kleineren Kinder mitnehmen, während die Knaben ab einem bestimmten Alter die Männer beim Fischen und Jagen begleiten. Die ursprünglichen Jäger- und Sammlergesellschaften wandelten sich - beginnend in Kleinasien etwa 10.000 v.Chr. - zu sesshaften Gesellschaften, die Ackerbau und Viehzucht betrieben. In Europa fand dieser Übergang von etwa 6.000 v.Chr bis 4.500 v.Chr. statt (vgl. Neolithische Revolution). Auch heute noch trifft man auf Gemeinschaften von Jägern und Sammlern in den arktischen Gebieten, dem tropischen Regenwald oder in den Wüsten, wo andere Formen des Nahrungserwerbs nicht entwickelt wurden oder unmöglich sind. Manche Gemeinschaften halten über sehr lange Zeiträume an ihrer Siedlungsregion fest, bleiben über Hunderte von Jahren im gleichen, relativ kleinen Gebiet oder ändern ihre Wirtschaftsform in Abhängigkeit vom Klima (z.B. khoisanide Völker in der Kalahari, die zwischen Wildbeuter- und Viehzüchter-Ökonomie möglicherweise mehrfach wechselten).

Noch existierende Jäger-und-Sammler-Völker

Afrika


- Hadzabe (Kenia)
- San (Südafrika und Botswana)

Asien


- Tasaday (Philippinen)
- Mlabri (Thailand)
- Orang Kubu (Indonesien)

Südamerika


- Ache

Sonstige


- Ogiek
- Aweer
- Watha Kategorie:Anthropologie Kategorie:Ethnologie ja:狩猟採集社会

Wildbeuter

Wildbeutertum bezeichnet die ursprüngliche (altsteinzeitliche) menschliche Subsistenzwirtschaft mittels Jagd, Fischerei und Sammeltätigkeit. Durch Vertreibung oder Verdrängung können auch bereits ackerbauende oder viehhaltende Gesellschaften dazu genötigt werden ("sekundäres Wildbeutertum"). Sie findet sich spurenweise auch noch im 21. Jahrhundert. Die heutige Bezeichnung für Wildbeuterei ist Jäger und Sammler. Diese Tätigkeit wurde immer in der Nähe des Lagers ausgeübt. Wild, Fische und Vögel wurden von den Männern (Jäger) erlegt. Die Frauen (Sammler) sammelten Früchte, Wurzeln, Eier, Insekten und Wildsamen. In den verschieden Region ist das Nahrungsangebot unterschiedlich, aber größtenteils auf Sammeln ausgelegt.
- Aborigines - Australien
- Eskimo - Grönland, Kanada, Alaska und Sibirien
- San (Buschmänner) - Afrika - südliches Afrika
- Ayoreo - Bolivien/Paraguay - Grenzgebiet Siehe auch Jäger und Sammler. Kategorie:Anthropologie Kategorie:Ethnologie

Weblinks


- [http://www.ditsl.de/de/sammlung.html Ethnographische Sammlung Völkerkundliches Museum Witzenhausen - Kulturen der Welt]
- [http://www.uni-giessen.de/palaver/safrika/heft2c.htm ANPASSUNGSKÜNSTLER - Die Buschleute der KalahariWüste]
- [http://fdn.x21.org.uk/cms/fdn_filme/popup_hadza.htm ONLINE VIDEO - Hadzabe - Die letzten Wildbeuter Ostafrikas]
- [http://home.worldcom.ch/~negenter/008NEA_a2Abstr_D02i19.html WIE LEBTEN PALÄO-SIBIRISCHE WILDBEUTER IN IHRER UMWELT? - Notizen zu räumlichen, ästhetischen und metaphysischen Aspekten der Ainu-Kultur im Norden Japans]
- [http://home.worldcom.ch/~negenter/008NEA_b02l03_Z.html WIE LEBTEN PALÄO-SIBIRISCHE WILDBEUTER IN IHRER UMWELT? - Notizen zu räumlichen, ästhetischen und metaphysischen Aspekten der Ainu-Kultur im Norden Japans]
- [http://www.tu-harburg.de/rzt/rzt/it/Acker_Feld/ Vom Ackerbau zur Feldtheorie]
- [http://www.uni-koeln.de/phil-fak/afrikanistik/forschung/bericht19981999/tra_wil.shtml Sprache und Kultur der San (Buschmänner) im südlichen Afrika (SFB 389) 1998/1999]
- [http://www.uni-koeln.de/phil-fak/afrikanistik/forschung/bericht20002001/tra_wil.shtml Sprache und Kultur der San (Buschmänner) im südlichen Afrika (SFB 389) 2000/2001]
- [http://survival-international.de/news.php?id=265 Kenia: Wildbeuter und Hirtenvölker nehmen an Verfassungsdebatte teil 31.05.2003]

Anthropologie

Die Anthropologie (griechisch ανθρωπολογία, anthropo~ von άνθρωπος - der Mensch und ~logie von λόγος - die Lehre) ist die Wissenschaft vom Menschen und von der Menschheit. Sie befasst sich mit dem einzelnen menschlichen Wesen wie auch mit der Gesamtheit aller Menschen sowie der menschlichen Kultur. Mit überartlichen Fragestellungen befasst sich übergeordnet die Primatologie, die Wissenschaft von Affen, Halbaffen, Menschenaffen und Menschen. Wichtige Themen der Anthropologie sind u.a. die Fähigkeiten des Menschen, die Welt abstrakt zu erfassen, zu lernen und zu lehren, und die (Um-)Welt zu beeinflussen oder zu verändern.

Differenzierungsbereiche

Philosophische Anthropologie

Die philosophische Anthropologie betrachtet die Stellung des Menschen in der Gesamtwirklichkeit. Sie erarbeitet sein Wesen. Außerdem fragt sie sich: "Was ist der Mensch?". Dabei erfasst sie insbesondere seine Stellung zur unbelebten Welt, zu den Tieren, zu anderen Menschen sowie zu Gott. Nietzsche bezeichnete den Mensch als das "nicht festgestellte Tier" da es zwar auf den ersten Blick einige Gemeinsamkeiten gibt, aber auf den zweiten Blick doch sehr viele Unterschiede. Der größte Unterschied ist, dass der Mensch sich selbst deuten kann (also wenn wir vorm Spiegel stehen erkennen wir uns selbst) und das Tier kann das nicht. Außerdem hat der Mensch den Drang dazu sich immer zu "verhalten". So gut wie jedes Handeln wird überlegt und nicht wie beim Tier aus Instinkt getan. In Deutschland sind hier vor allem Max Scheler als Begründer der Philosophischen Anthropologie sowie Helmuth Plessner und Arnold Gehlen zu nennen (zur neueren Auseinandersetzung damit vgl. auch die biosoziologischen Studien von Dieter Claessens). Weiterhin zu nennen sind Ernst Cassirer und seine Philosophie der symbolischen Formen sowie Wilhelm Kamlah als einer der Begründer des Erlanger Konstruktivismus. Eine breite Einführung in die Philosophische Anthropologie bietet Kuno Lorenz mit seinem gleichnamigen Buch, welches einen dialogischen Ansatz bietet. Vergleiche auch die gleichnamige Kategorie.

Theologische Anthropologie

Die theologische Anthropologie betrachtet die Stellung des Menschen vor Gott und im Fall der christlichen Anthropologie die Beschädigung von Gottes Abbild in Adam und seine Wiederherstellung in Christus.

Biologische Anthropologie

Die biologische Anthropologie (engl. physical anthropology) versteht sich als die vergleichende Biologie des Menschen. Mit 'vergleichend' setzt sie sich ab von ihrem fernen Ursprung, der Anatomie. Teilgebiete sind Primatologie, Evolution des Menschen, historische (prähistorische) Anthropologie, Bevölkerungsbiologie, Populationsgenetik, Wachstum (Auxologie), Konstitution, Forensik. Dabei wird stets sowohl beschrieben als auch kausal analysiert, werden genetische Grundlagen ebenso berücksichtigt wie umweltbestimmte. Übergeordnete Fächergruppen sind Biologie (mit den weiteren Fächern Zoologie, Botanik, Mikrobiologie etc) oder Humanbiologie (mit den weiteren Fächern Anatomie, Physiologie, Psychologie etc). Institutionen im Deutschraum gibt es an Universitäten und an Museen in Kiel, Hamburg, Berlin, Göttingen, Jena, Gießen, Frankfurt, Mainz, Ulm, Freiburg, München, Zürich und Wien. Meist ist dort die Bezeichnung nur 'Anthropologie', Zusätze wie biologisch werden erst in jüngerer Zeit notwendig, weil der konkurrierende amerikanische Begriff von 'anthropology' auch hier bekannt wird. Darin werden Humanbiologie, Ethnologie, Linguistik und Soziologie zusammen gefasst. http://www.nhm-wien.ac.at/AG/MAG128/Roesing.html

Forensische Anthropologie

Forensische Anthropologie ist eine der drei gerichtlichen Wissenschaften vom Menschen, neben der Rechtsmedizin und der forensischen Odontologie. Gebiete der forensischen Anthropologie:
- Identifikation nach Bildern,
- Identifikation von Skeletten und teilskelettierten Leichen, auch in Massengräbern
- Altersdiagnose, insbesondere bei jungen Straftätern
- Abstammungsgutachten (morphologisch)
- Zwillingsdiagnose Es gibt mehrere Praxen für forensische Anthropologie, Hauptgebiet ist dort die Identifikation nach Bildern. Einige nennen sich auch "Büro" oder gar "Institut". Internetseiten:
- [http://www.gfanet.de/ags/fa.php Gesellschaft für Anthropologie]
- [http://www.dgrm.de/ Gesellschaft für Rechtsmedizin]
- [http://www.bildidentifikation.de Arbeitsgruppe Identifikation nach Bildern]
- http://www.dr-buck.net/
- http://Praxis-FAU.com/
- http://www.forens.com/ Die forensische Anthropologie dient mit den Mitteln der Anthropologie bei der Aufklärung von Verbrechen. Forensische Anthropologen haben vor allem mit der Identifikation von Bankräubern, Schnellfahrern etc. zu tun, dann auch häufig mit stark verwesten oder vollständig skelettierten Leichen. Nicht selten sind sie die letzte Hoffnung zur Aufklärung eines Verbrechens.

Historische Anthropologie

Der Begriff historische Anthropologie wird in mindestens zwei verschiedenen Bedeutungen benutzt: Als Teil der Geschichtswissenschaften, dann ist das eine Geschichtsschreibung, die besonders das Wesen und das Schicksal des Menschen berücksichtigt. Als Teil der Anthropologie = vergleichende Biologie des Menschen. Dort werden vor allem Skelette aus historischen Gräberfeldern bearbeitet, bezüglich Sterblichkeit, körperlichen Merkmalen, Krankheiten etc.

Kultur- und Sozialanthropologie

Unter Kulturanthropologie und Sozialanthropologie versteht man die Wissenschaft vom Menschen und seiner Entwicklung; sie untersucht das Wesen "Mensch" in seiner Eigenart und seiner besonderen Stellung in Natur und Geschichte. In Deutschland sind die Begriffe "Völkerkunde" und Ethnologie gebräuchlicher. Siehe auch: Ethnosoziologie

Kybernetische Anthropologie

Als kybernetische Anthropologie bezeichnet man den Versuch der terminologischen Kopplung von Anthropologie und Kybernetik mit einer technikinduzierten Theoriebildung.

Pädagogische Anthropologie

Ist eine wissenschaftliche Subdisziplin, mit deren Hilfe die impliziten und expliziten Annahmen der Pädagogik über den Menschen reflektiert werden. Die Pädagogische Anthropologie nutz die neusten Erkenntnisse der Forschung (im Besonderen der Gehirnforschung). Sie ist bestrebt, die Erkenntnisse nutzbar für die Erziehung zu machen.

Berühmte Anthropologen


- G. Acsadi
- Herbert Bach
- Johann Jakob Bachofen
- Gregory Bateson
- Alfred Czarnetzki
- Egon Freiherr von Eickstedt
- Paul Ekman
- Brian M. Fagan
- Fernando Ortíz Fernández
- Helen Fisher
- Gisela Grupe
- Hans Friedrich Karl Günther
- Marvin Harris
- Winfried Henke
- Bernd Herrmann
- Rainer Knußmann
- Louis Leakey
- Mary Leakey
- Rudolf Martin
- Margaret Mead
- J. Nemeskeri
- Adolf Portmann
- Friedrich Wilhelm Rösing
- Karl Saller
- Friedemann Schrenk
- Ilse Schwidetzky
- M. Stloukal
- Maria Teschler-Nicola
- Fei Xiaotong

Literatur


- Christoph Wulf (2004): Anthropologie. Geschichte, Kultur, Philosophie. Reinbek: Rowohlt.
- Friedemann Schrenk, Timothy G. Bromage, Henrik Kaessmann: Die Frühzeit des Menschen: Zurück zu den Wurzeln. Biologie in unserer Zeit 32(6), S. 352 - 359 (2002),
- Winfried Henke, Hartmut Rothe (2003): Menschwerdung. Fischer (Tb.), Frankfurt, ISBN 3596155541.

Populärwissenschaftliche Literatur


- Johannes M. Waidfeld: Wachstum, der Irrtum Wohlstand, eine gesellschaftliche Betrachtung. Fischer & Fischer Medien AG, Frankfurt 2005, ISBN 3-89950-076-8
- Aldous Huxley: "Schöne neue Welt",die Betrachtung der zukünftigen Welt. Fischer
- Bücherei,Frankfurt a.M.,Oktober 2004,ISBN 3-596-50802-9

Weblinks


- [http://www.antropologi.info/blog/ethnologie Antropologi.Info]
- [http://www.anthropologie.ch/bulletin/bulletin_pdf/04_Czarnetzki_Pusch_Text.pdf Prinzipien der Paläanthropologie gestern, heute morgen]

Siehe auch


- Cultural studies
- Ethnologie
- Medienanthropologie
- Nicht zu verwechseln mit Anthroposophie ! Kategorie:Kulturwissenschaft ja:人類学 ko:인류학 ms:Antropologi simple:Anthropology th:มานุษยวิทยา zh-min-nan:Jîn-lūi-ha̍k

Jagd

Jagd bezeichnet das Aufsuchen, Nachstellen, Fangen, Erlegen und Aneignen von Wild. Wo die Jagd gesetzlichen Reglungen unterliegt oder die Jagdgebiete nur von bestimmten Personenkreisen genutzt werden dürfen, wird die unerlaubte Jagd als Wilderei bezeichnet.
Unter "Erlegen" versteht man das gezielte Töten von Wildtieren. Wilderei

Aufgaben und Motive

Die Jagd erfolgte ursprünglich aus verschiedenen Gründen:
- Nahrungsgewinnung
- Gewinnung von Tierteilen aller Art (wie zum Beispiel Felle, Hörner, Geweihe, etc.)
- Freizeitgestaltung In neuerer Zeit kam als weiterer angeblicher Grund hinzu:
- Ökologische Gründe (beispielsweise Bestandsregulierung, um Wildschäden in der Forst- und Landwirtschaft zu verhindern, und auch Seuchenbekämpfung) Auch heute sind die genannten Motive weiterhin nebeneinander zu finden. Jedoch ist darüber hinaus ein wesentlicher Bestandteil der Jagd die Hege. Dazu gehören beispielsweise auch Fütterungen von Wildtieren in Notzeiten und die Anlage von Wildäckern, womit der natürliche Nahrungsengpass im Winter und somit der Verbiß im Wald verringert wird. Diese Vorgehensweise bleibt nicht ohne Kritik (s. Absatz: Kritik). Weiterhin werden im Rahmen der Hege jedoch auch Maßnahmen ergriffen die allgemein den Zielen des Naturschutzes dienen, wie etwa Maßnahmen zum Schutz wertvoller Biotope, Biotopverbesserungen (etwa durch Anlage von Hecken) und Renaturierungen. Seit die Jagd nicht mehr Teil der Schaffung der Nahrungsgrundlage ist, wird sie als Hobby angesehen (Jagdsport).

Geschichte und Tradition

Jagdsport Jagdsport

Ursprung

Schon in der Altsteinzeit wurde von Menschen gejagt - "Jäger und Sammler" ist die gängige Bezeichnung für Menschen dieser Zeit. Die Jagd diente hauptsächlich zur Nahrungsversorgung und lieferte neben Fleisch wertvolle tierische Nebenprodukte wie Knochen und Felle. Mit der zunehmenden Sesshaftigkeit und damit verbundenen Domestizierung von Tieren trat die Jagd als Lebensgrundlage in weiten Teilen der Bevölkerung zunehmend in den Hintergrund. Schon in den antiken Hochkulturen wurde die Jagd als Freizeitvergnügen betrachtet. Sie wurde zunehmend nur noch von einem kleinen Teil der Gesamtbevölkerung ausgeübt. Bis im Mittelalter wurde die Jagd immer mehr zum Privileg des Adels, sowie staatlicher und kirchlicher Würdenträger. Aus dem Mittelalter stammt auch die Unterscheidung in "hohe Jagd" - die dem Adel vorbehaltene Jagd auf Hochwild - und "niedere Jagd" auf kleinere Tiere wie Hasen und Federwild (Niederwild). Bezirke in denen das Jagdrecht alleine dem König zustanden werden als Wildbann bezeichnet. Heute wird die Jagd in Deutschland vorrangig von privaten Jägern ausgeübt. Das Jagdrecht ist fest mit dem Grundbesitz verknüpft, so dass in Jagdgenossenschaften zusammengeschlossene Grundbesitzer das Jagdausübungsrecht an Dritte auf Zeit verpachten. Daneben existiert auch ein reger Jagdtourismus ins Ausland. In den Staats- und Landesforsten wird das Jagdrecht durch die Forstämter ausgeübt und zum Teil ebenfalls weiterverpachtet.

Brauchtum - Jäger in Märchen und Geschichten

Auch in Deutschland existiert ein jagdliches Brauchtum mit verschiedenen jagdlichen Bräuchen, u. a. wird eine Jägersprache gepflegt. Die traditionelle grüne Bekleidung ist jedem bekannt und kaum mehr wegzudenken. Die jagdlichen Traditionen werden in der Jägerschaft aktiv gepflegt und finden sich auch häufig in der Praxis. Wie wenige andere Berufsgruppen sind die Jäger in zahlreichen Märchen und Geschichten mystifiziert worden. In den (nord- und mitteldeutschen) Märchen und Geschichten treten sie vor allem als edele Gestalten auf. In Märchen sind sie es oft, die am Ende die Wende zu guten herbeiführen oder besiegeln (z.B. Rettung vor dem "bösen Wolf"). Auch in den Heimatfilmen der 50er Jahre traten Jäger oft als edle Kavaliere auf und traten damit die Nachfolge der Rittersgestalt in mittelalterlichen Geschichten an. Dagegen werden die Jäger oder Jager in süddeutschen, besonders in bayerischen Volkserzählungen oft negativ dargestellt. Der Wald gehörte im Empfinden des Volkes allen. Somit wurde das Wildern als legitim angesehen. Dies gilt vor allem für Lieder und Geschichten aus der Zeit des Absolutismus. Dort wird oft der Konflikt zwischen den "Wildschützen" (Wilderer) und den Jägern als Gehilfen der verhassten absolutistischen Obrigkeit beschrieben. Während die Wildschützen als mit den Armen teilende, tapfere Männer dargestellt werden, werden die Jäger als feige und hinterrücks beschrieben. Besonders deutlich kommt das in dem bayerischen Lied vom Schützen Jennerwein zum Ausruck (Vgl. [http://www.br-online.de/land-und-leute/thema/jennerwein/index.xml Die Legende Jennerwein]).

Jagdarten

Im Laufe der Zeit haben sich verschiedenste Jagdarten entwickelt, welche jeweils in speziellen Situationen bzw. bei der Jagd auf bestimmte Tierarten am geeignetesten sind. Die wichtigsten sind:

Einzeljagd


- Suche: Mit Hilfe eines Hundes "durchsucht" man Felder oder Waldabschnitte um flüchtendes Wild erlegen zu können. Diese Jagdart findet meist auf Hasen, Kaninchen oder Federwild statt. Sie wird von einem einzelnen oder einer kleineren Gruppe von Jägern ausgeübt. Dafür benötigt man kurzjagende Hunde oder Vorstehhunde.
- Ansitz: Beim Ansitz wartet ein Jäger still an einer Lichtung o.ä., häufig auf einem Hochsitz. Wild, welches vorbeizieht, kann so in Ruhe beobachtet werden, bevor entschieden wird, ob geschossen wird. Die Beunruhigung ist minimal. Beim Ansitz wird hauptsächlich auf Rehwild, Raubwild und Hochwild gejagt.
- Pirsch: Hierbei begeht der Jäger vorsichtig und leise das zu bejagende Gebiet, er "pirscht". Dabei kann Spuren gefolgt werden, um Wildtiere aufzuspüren. Besonders erfolgsversprechend ist diese Jagd bei Neuschnee, da hier die frischen Spuren besonders gut zu sehen sind.

Gemeinschaftsjagd


- Treibjagd: Eine Gemeinschaftjagd, bei der mehrere Treiber und Hunde das Wild hoch flüchtig machen. Treibjagden werden meist auf offenen Flächen auf Hasen und anderes Niederwild, außer Rehwild ausgeübt.
- Drückjagd: Bei einer Drückjagd gehen mehrere Treiber - meist ohne Begleitung von Hunden - durch das zu bejagende Gebiet um die Wildtiere in Bewegung zu bringen und aus den Einständen zu "drücken". Das Wild wird im Gegensatz zur Treibjagd nicht durch laute Geräusche und Hundegebell aus ihren Einständen getrieben. Das Wild kommt auf den natürlichen Wechseln auf die wartenden Jäger zu. Diese Art der Gemeinschaftsjagd erzeugt weniger Stress bei den Wildtieren. Die Jäger warten in der Nähe dieser Einstände an zuvor festgelegten Ständen auf das Wild. So wird zumeist Schwarzwild und Reh- und Rotwild bejagt.
- Bewegungsjagd: Bei dieser Jagdform, ähnlich der Drückjagd, wird weiträumiger abgestellt. Das Wild wird nur soweit beunruhigt, dass es seine Einstände verlässt und möglichst vertraut und langsam auf den Schützen zuzieht. Das erleichtert den Jägern die gezielte Selektion und das Wild wird weniger beunruhigt. Diese Jagdart wird in großen Revieren oder revierübergreifend auf alle Hochwildarten, Rehwild und Raubwild genutzt.

Weitere Jagdarten

Hochsitz um 1415. Es zeigt den Ausritt einer eleganten Gesellschaft zur Falkenjagd. Die lange Stange, die der Falkner mit sich führt, diente zum Aufschrecken der Vögel]]
- Fangjagd: Die Jagd mit Fallen. Diese wird in den Fang durch Lebendfallen und durch Totschlagfallen unterschieden. In Deutschland gibt es strenge Gesetze, die diese Jagdform regeln. In den meisten Bundesländern muss der Jäger eine zusätzliche Prüfung für einen Fallenschein ablegen. In anderen Ländern wie Russland sind die Regelungen anders. Professionelle Fallensteller unternehmen oft große Touren und kommen erst nach Tagen wieder an den Ort. Falls das Tier schon länger tot ist, ist nur noch das Fell - um das es meist primär geht - brauchbar.
- Hetzjagd: In Deutschland verboten. Auch in England wurde diese sehr umstrittene Jagdart nach Protesten im Juni 2004 per Gesetz verboten.
- Beizjagd: Die Jagd mit Greifvögeln durch Falkner. In verschiedenen Regionen haben sich darüber hinaus unterschiedliche Jagdtraditionen herausgebildet:
- In England gab es bis zum Verbot im Juni 2004 die traditionelle Fuchsjagd zu Pferd, in Schottland wurde diese bereits früher abgeschafft. In Deutschland sind Hetzjagden generell verboten.
- In Afrika wird seit Kolonialzeiten die Großwildjagd (Safari) betrieben.
- In Stadtgebieten (z.B. auf Friedhöfen, aber auch auf Privat- oder Firmengrundstücken oder Flughäfen) wird zudem zur Schädlingsbekämpfung Tauben oder Niederwild nachgestellt. Dies geschieht oftmals im Auftrag von Grundstückseigentümern oder der Stadtverwaltung und muss von der Jagdbehörde genehmigt werden.

Recht

Deutschland

Jagdrecht

Nach Art. 75 Abs. 1 Nr. 3 des Grundgesetzes hat der Bund das Recht zur Rahmengesetzgebung auf dem Gebiet der Jagd. In Ausübung dieser Gesetzgebungskompetenz hat der Bund das Bundesjagdgesetz (BJagdG) erlassen. Daneben existieren in allen Bundesländern Landesjagdgesetze. Auch das Europarecht hat indirekten Einfluss auf das bundesdeutsche Jagdrecht, z.B. durch die Vogelschutzrichtlinie oder die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie. Das Bundesjagdgesetz ist zwar das Nachfolgegesetz des Reichsjagdgesetzes von 1934, die jagdfachlichen Inhalte jedoch gehen viel weiter zurück: Die Grundlagen stammen aus dem preußischen Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten zur Amtszeit des Sozialdemokraten und Jägers Otto Braun als Minister (1918-1921). Weitere Vorbilder waren die reformierten Jagdgesetze von Polen, Rumänien und das stark auf Naturschutz ausgerichtete britische Kolonial-Jagdrecht. Konkret veranlasst und durchgesetzt - durchaus auch gegen den Widerstand von Adolf Hitler und Joseph Goebbels - hat das Reichsjagdgesetz dann der preußische Ministerpräsident und spätere Reichsjägermeister Hermann Göring. Eigentlicher Spiritus rector des Gesetzeswerkes, mit dem die Jagd in Deutschland erstmals einheitlich geregelt wurde, war jedoch der Jagdfunktionär Ulrich Scherping (1889 - 1958), der seit 1933 als Jagdreferent in der preußischen Staatsforstverwaltung wirkte. Im Vorwort des Reichsjagdgesetzes waren die "ideologiegeprägten, teils von Hermann Göring selbst beigesteuerten Passagen konzentriert", so der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages, der sich mit der Herkunft des Bundesjagdgesetzes eingehend beschäftigt hat. Deshalb sei das Vorwort im BJG komplett gestrichen worden. Weitere Einzelheiten zur Entstehung des Reichsjagdgesetzes und seiner Bedeutung für das heutige Bundesjagdgesetz finden Sie in der entsprechenden Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages. ([http://www.bundestag.de/bic/analysen/2004/2004_10_01.pdf]) 1952 wurde das RJG nach formellen und redaktionellen Änderungen in bundesdeutsches Recht überführt. Die Tatsache, dass das Bundesjagdgesetz das Nachfolgegesetz des Reichsjagdgesetzes ist, dient Jagdgegnern häufig als Angriffspunkt. Wie die Auswertung des Wissenschaftlichen Dienstes belegt – zu Unrecht. Nach deutschem Recht ist das Jagdrecht unmittelbar mit dem Grundeigentum verknüpft. Die Ausübung der Jagd ist jedoch nur in Jagdbezirken erlaubt und auch dort, mit Ausnahme der Jagd zur Schädlingsbekämpfung, nur außerhalb von "befriedeten Bezirken" (z.B. Wohngegenden, Gärten, etc.) Alle Grundflächen innerhalb eines Jagdbezirks gehören diesem an. Die Jagdbezirke sind entweder Eigenjagdbezirke, oder gemeinschaftliche Jagdbezirke. In letzteren sind mehrere Grundstücke zu einem genügend großen Jagdbezirk zusammengeschlossen. Die zugehörigen Grundbesitzer sind zwangsläufig Mitglieder in Jagdgenossenschaften (einer Körperschaft öffentlichen Rechts). Ein gemeinschaftlicher Jagdbezirk ist üblicherweise mindestens 150 ha groß. Besteht ein solcher, so steht das Jagdausübungsrecht der Jagdgenossenschaft, also der Körperschaft, zu, die die Ausübung anderen per Verpachtung überlassen kann. Dies geschieht immer für den gesamten Jagdbezirk. Verpachtet wird also nicht etwa ein Grundstück, sondern ausschließlich das Recht zur Jagdausübung innerhalb eines Jagdbezirks. Im Bundesjagdgesetz und den Landesjagdgesetzen sowie weiteren Gesetzen (Waffengesetz) und Verordnungen sind darüber hinaus vielfältige Regeln und Beschränkungen zur Jagdausübung festgehalten. Dies umfasst u.a. Vorschriften zu Jagd- und Schonzeiten, jagdbaren Tieren und erlaubten Jagdmethoden. So darf beispielsweise bis auf einige Ausnahmen (Ländergesetze), wie z.B. für die Jagd auf Schwarzwild, nicht nachts gejagt werden. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, daß zahlreiche Wildarten seit vielen Jahren ganzjährig geschont sind oder keine Jagdzeiten haben. Sie werden dennoch nicht dem Jagdrecht entzogen, um sie in der aktiven Hegepflicht der Jäger zu belassen. Wilderei bezeichnet die illegale Jagd auf Tiere, also Jagd, die das Jagdrecht eines anderen verletzt.

Jägerprüfung

Wilderei Die Jagd ausüben dürfen nur Personen, welche zuvor einen Jagdschein erworben haben. Dieser setzt eine Prüfung voraus, die sich aus den Fachbereichen Jagd- und Waffenrecht, sowie dem Schießen zusammensetzt - auch Inhalte von Ökologie und Naturschutz fließen ein. Die Prüfung unterteilt sich in einen mündlichen, einen schriftlichen und einen praktischen Teil. Die Ausgestaltung der Prüfungen ist in den jeweiligen Landesjagdgesetzen geregelt und obliegt zum Beispiel in Schleswig-Holstein und Niedersachsen den Kreisjägerschaften in Zusammenarbeit mit der Unteren Jagdbehörde bei den Kreisverwaltungen. Neben Multiple-Choice-Fragen können dies auch Fragen mit frei zu formulierenden Antworten sein. Hinzu kommt eine Schießprüfung. Die praktische Prüfung ist in der Regel ein Reviergang, bei dem Fragen mündlich beantwortet werden und jagdliche Situationen eingeschätzt werden müssen. In allen Bundesländern ist gesetzlich ein vorausgehender 1-jähriger Lehrgang bzw. ein in der Dauer verkürzter Intensivkurs vorgeschrieben. Dieser Lehrgang mit abschließender Prüfung wird unter Jägern als "grünes Abitur" bezeichnet.

Österreich

In Österreich gilt das germanische Jagdrecht(Revierjagd). Es besagt, dass das Ausüben der Jagd untrennbar mit dem Besitz von Grund und Boden verbunden ist. Jagdgesetze werden auf Landesebene beschlossen und geändert. Es gibt demnach neun verschiedene Jagdgesetze, die sich aber größtenteils decken. Das mit dem Jagdrecht eng verbundene Waffengesetz ist hingegen Bundesgesetz. Mit Ausnahme von Flächen zur "landwirtschaftlichen Wildtierhaltung" sind alle Gebiete bejagbare Flächen. Es sind jedoch auch Flächen vorhanden, auf denen "die Jagd ruht", wie z.B. in Umgebung von Häusern bzw. Dörfern, auf Friedhöfen, öffentlichen Straßen usw.). Bejagbare Flächen teilen sich in Eigenjagden, (mindestens 115 ha Fläche)zusammenhängende Gemeindejagden (mindestens 500 ha Fläche) und Sonderjagdgebiete (Gemeindejagden unter 500 ha Fläche). In Eigenjagden ist der Eigentümer von Grund und Boden üblicherweise auch Jagdausübungsberechtigter. Gemeindejagden werden meist durch öffentliche Versteigerung an Jagdgenossenschaften oder Jagdgesellschaften (=Verein zum Zwecke der Ausübung der Jagd) vergeben, auch eine Vergabe an Einzelpersonen oder juristische Personen ist möglich, aber selten.

Schweiz

Das Jagdrecht der Schweiz wird durch die Kantone geregelt und ist uneinheitlich. Es gibt neben dem Revierjagdsystem, das in Deutschland und Österreich angewandt wird, auch das Lizenzjagdsystem (z.B. im Wallis). Im Kanton Genf ist (aufgrund der hohen "Diplomatendichte") die Jagdausübung ganz untersagt; dort wird die Bestandsregulierung von staatlichen Wildhütern durchgeführt.

Kritik

Kritik an der Jagd in Deutschland und Österreich

Jagdgenossenschaft]] Verstärkt wird eine stärkere Ausrichtung der Jagd an ökologischen Kriterien gefordert. So wird von einigen Gegnern der Jagd beispielsweise argumentiert, durch Wildfütterung, Wildäcker und andere Hegemaßnahmen werde massiv in das Ökosystem eingegriffen und dadurch ein unnatürliches Wachstum der Wildpopulationen begünstigt (Populationsdynamik). Dagegen wenden Jäger ein, tatsächlich sei die Natur eben nicht unberührt, da sie besonders in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft ständigen menschlichen Eingriffen unterliege. Daher müsse der Mensch regulierend eingreifen und das natürliche Gleichgewicht künstlich erhalten. Jäger und auch die Forstwirtschaft sind z.B. der Meinung, dass (unter anderem) durch die Nahezu-Ausrottung des Wolfes in großen Teilen Europas der Rot-, Reh- und Damwild-Bestand so stark angestiegen ist, dass die Populationen durch gezielte Bejagung kontrolliert werden müsse. Die Jagdgegner halten dagegen, dass der Populationsanstieg durch gezielte Fütterungen gefördert wurde, um besonders kapitale Trophäen erzielen zu können. Über mögliche ökologische Kriterien herrscht jedoch zwischen und auch innerhalb der sich zudem teilweise überschneidenden Gruppen der Jäger, Waldbesitzer, Landwirte sowie der Tier- und Naturschützer heftiger Streit. Ernsthafte Jagdgegner und - kritiker distanzieren sich jedoch i.d.R. zudem ausdrücklich von gewaltsamem Aktionismus gegen Jäger und Jagdeinrichtungen, da ein Ablehnen der Gewalt gegen Tiere in keinem Fall Gewalt gegen Menschen rechtfertigen würde. Dennoch kommt es immer wieder zu Fällen, in denen Jagdgegner nicht nur den Jagdbetrieb stören bzw. unterbinden oder jagdliche Einrichtungen zerstören, sondern etwa Leitern oder Kanzeln so präparieren, dass sie erst beim Besteigen zusammenbrechen. Jagdgegner verweisen zudem darauf, dass die Jagd im allgemeinen oder zumindest bestimme Jagdarten seien mit dem Tierschutz nicht vereinbar sind. In Deutschland steht der Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz, andererseits genießt das Jagdrecht als Teil des Eigentumsgrundrechts besonderen grundgesetzlichen Schutz, was aber einen Grundeigentümer nicht gesattet die Jagd auf seinen Eigenen Grund und Boden zu verbieten. Vielmehr wird er in einer Jagdgenossenschaft gezwungen, womit nach einem Luxemburgischen Urteils des Verfassungsgerichtes die gängige Praxis gegen geltendes Menschenrecht verstößt. Nach Auffassung der Jägerschaft stellt dies jedoch gerade keinen Widerspruch dar, da eine weidgerechte Jagd den Anforderungen des Tierschutzes genügt. Dementsprechend ist in der Rechtsprechung allgemein anerkannt, dass eine nach den Grundsätzen der Weidgerechtigkeit ausgeübte Jagd nicht den Straftatbestand der Tierquälerei erfüllt, wie von manchen Jagdkritikern behauptet wird. Die so genannte „Weidgerechtigkeit“ ist nicht etwa Auslegungssache eines jeden Jägers, sondern vielmehr genaustens festgelegt und gesetzlich anerkannt. Über Verletzungen dieser „Weidgerechtigkeit“ von Jägerseite urteilt der Jagdbeirat, der von jeder Kreisverwaltung bestellt wird und aus Vertretern der Forst- und Landwirtschaft, der Naturschutz- und Jägerverbände und Mitgliedern der kommunalen politischen Verwaltung (Untere Jagdbehörde) besteht. Er hat u.a. das Recht Jagdscheine zu entziehen. Nähere Informationen über den Begriff Weidgerechtigkeit und dessen Inhalt finden sich unter dem Link "Position des ÖJV zur Weidgerechtigkeit". Auffällig sind jedoch bis zu über 800 (Jagd-)Unfälle pro Jahr, bei denen Menschen ernsthaften Schaden erleiden, oder sogar getötet werden. Die Dunkelziffer dürfte indes noch wesentlich höher liegen. Die oft von Jägerseite gebrachte Argumentation im Sinne der 'nachhaltigen' Jagd ist nicht völlig unumstritten, denn der auf das Werk von Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645 – 1714) zurückgehende Begriff aus dem Sylvicultura Oeconomica „Die Naturmäßige Anweisung zur Wilden-Baum-Zucht“ (1713) lässt sich in seinem Grundsatz nicht ohne weiteres auf Wildtiere übertragen. Soweit der formulierte Gedanke der „nachhaltigen Nutzung“ auf heutige Wildtierbestände einschließlich der Vögel Anwendung finden soll, so muss das Jagdwesen eine grundsätzliche Änderung erfahren. Ferner wird die Jagd von vielen Menschen als „Blutsport“ abgelehnt, da die Freude am Töten von Tieren, bzw. der Spaß am Töten von leidensfähigen und schmerzempfindlichen Lebewesen als Hobby und Freizeitbeschäftigung nicht (mehr) mit den Grundsätzen unserer Zivilisation und Kultur zu vereinbaren sei. Die Jagd erfülle keinen praktischen Nutzen, da die moderne Wissenschaft bereits die meisten Argumente der Jäger widerlegt habe. Im Gegensatz zu der landläufigen Meinung, dass die Jagd angewandter Naturschutz sei, schade diese der Natur wesentlich mehr, als dass sie dem Naturschutz in irgendeiner Weise dienlich wäre - wobei hierüber in der sehr heterogenen Gemeinde der Umwelt-, Tier-, Arten- und Naturschützer keine Einigkeit besteht. Aber auch in den verschiedenen Jagdverbänden gibt es keine Einigkeit, so stehen sich ÖJV und DJV ebenso mit unvereinbaren Positionen gegenüber. Die Jagd stellt für gläubigen Christen nicht unbedingt ein Paradoxum dar. Auch wenn, einigen Quellen zufolge, der Schutzheilige der Jäger, der Heilige Hubertus (Gedenktag 3. November), der Jagd nach einer Erscheinung abschwor und vom überzeugten Jäger zum Nichtjäger wurde. Andere Quellen berichten, dass der vorher wilde und zügellose Hubertus nachdem ihm ein Kruzifix zwischen dem Geweih eines weißen Hirschen erschien, sich zum christlich-gemäßigten (er war vorher Heide und ließ sich nach der Erscheinung taufen), zum weidgerechten Jäger wandelte. Daher dient er noch heute allen Jägern, Christen wie nicht Christen als Vorbild der Mäßigung und zum Ansporn, gemäß der jägerlichen Losung, "...dem Schöpfer im Geschöpfe [zu] ehren."

Jagdtourismus

Berühmte Jagdgebiete waren und sind z. B. bei Rominten oder in der Schorfheide. Der Jagd-Tourismus in die oft naturbelassenen Jagdgebiete in der Slowakei, in Polen(vorallem südliches Ostpreußen und Pommern), im Baltikum(Kurland), in Rumänien oder in Russland, aber auch in die entferntesten Regionen der Welt, hat viele Freunde, so dass die Kommerzialisierung der dortigen Jagd zwar einerseits Gelder beschafft, andererseits aber in vielen Gebieten durch Übernutzung die Wildbestände stark reduziert wurden und so zunehmend die Erwartungen der Jagdtouristen nicht in vollem Umfang erfüllt werden. Anders sieht das jedoch auf so genannten Jagdfarmen in Afrika aus. Diese meist ehemaligen Rinderfarmen dehnen sich auf für Europäer unvorstellbare Flächen aus, sind regelmäßig eingezäunt, und garantieren dem Jäger den gewünschten Jagderfolg. Mit den Geldern wird dort meist staatlich geregelt der Wildschutz auch für nicht freigegebene Wildarten finanziert.

Literatur


- Kalchreuter, Heribert : Die Sache mit der Jagd. Franckh-Kosmos Verlag 2003, ISBN 3-44-009323-9
- Krebs, Herbert : Vor und nach der Jägerprüfung. BLV Verlagsgesellschaft, München 2003, ISBN 3-405-16372-2
- Nüßlein, Fritz : Das praktische Handbuch der Jagdkunde. BLV Verlagsgesellschaft, München 2002, ISBN 3-405-16456-7
- Ortega y Gasset, José : Meditationen über die Jagd. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1998, ISBN 3-421-01262-8
- von Raesfeld, Ferdinand : Das deutsche Weidwerk. Unveränderter Reprint der Erstausgabe von 1914, Verlag Paul Parey, Hamburg 1996, ISBN 3490144120
- Winter, Thomas : Jagd - Naturschutz oder Blutsport?. Winter-Buchverlag, Passau 2003, ISBN 3-00-012219-2

Siehe auch


- Deutscher Jagdschutz-Verband, Halali, Wiederladen
- Wild, Wildschaden, Wildfolge, Weidgerechtigkeit,

Weblinks

Die hier aufgeführten Web-Links stellen nur einen kleinen Ausschnitt der im Internet verfügbaren Informationen dar. Weitere Web-Links befinden sich beim [http://dmoz.org/World/Deutsch/Freizeit/Outdoor/Jagd/ Open Directory Project].

Verbände


- [http://www.face-europe.org/ Zusammenschluss der Verbände für Jagd und Wildtiererhaltung in der E.U.] (FACE)
- [http://www.jagd-online.de/ Deutscher Jagdschutz-Verband] (DJV)
- [http://www.oejv.de/ Ökologischer Jagdverband] (ÖJV, Deutschland)

Zeitungen & Zeitschriften


- [http://www.anblick.at Der Anblick]
- [http://www.artenschutzbrief.de Artenschutzbrief - Zeitschrift für Vogel- und Artenschutz]
- [http://www.pirsch.de Die Pirsch]
- [http://www.djz.de/ Deutsche Jagd Zeitung]
- [http://www.jww.de/ Jagen Weltweit]
- [http://www.oekojagd.de ÖkoJagd]
- [http://www.wildundhund.de Wild und Hund]

Ausbildung


- [http://www.filemaker-4-you.de/jaegerpruefung-bw/ Programm für Jägerprüfung in Baden-Württemberg]

Jagdkritiker und Jagdkritik


- [http://www.ijh.de/ Initiative jagdgefährdeter Haustiere]
- [http://vogelschutz-komitee.de VsK Vogelschutz-Komitee e.V.]
- [http://homepages.compuserve.de/JuergenAndresen/antijagd.htm Pferd, Jagd und Wild - Dichtung und Wahrheit]
- [http://www.wir-fuechse.de Wir Füchse]
- [http://www.die-tierfreunde.de/inhalte/info/schutz/jagd/jagd.htm Die Tierfreunde "Die Jagd ...und die Lust am Töten"]
- [http://www.papernews.de/pdf/2004/2004_10/rotenhan.pdf ...damit keiner mehr sagen kann, er habe es nicht gewusst - Kritik der Hege überhöhter Wildbestände, nicht der Jagd an sich]

Geschichte und Geschichten


- [http://www.br-online.de/land-und-leute/thema/jennerwein/index.xml Die Legende vom Schützen Jennerwein] !Jagd Kategorie:Naturschutz ja:狩猟 nb:Jakt

Matriarchatsforschung

Die Matriarchatsforschung erforscht als interdisziplinäre Wissenschaft alle matrilinearen/matrifokalen/matriarchalen Gesellschaften, sowohl in ihren historischen wie in den gegenwärtigen Formen. Ihre Aufgabe ist es, unsere kulturellen Wurzeln aufzudecken, die Kulturgeschichte der Menschheit zu vervollständigen und ein neues kulturgeschichtliches Paradigma zu entwickeln. Gleichzeitig zeigt sie Wege für eine heutige "Gesellschaft in Balance" auf (siehe Weltkongress für Matriarchatsforschung) und geht damit über die Grundlagenforschung hinaus.

Geschichte

Die Wissenschaft zur Untersuchung der Gesellschaftsform Matriarchat begann im 19. Jahrhundert mit dem Basler Patrizier Johann Jakob Bachofen (1815-1887), der den kulturhistorischen Zweig der Matriarchatsforschung begründete. Er erforschte anhand einer umfangreichen Materialsammlung hauptsächlich klassischer griechischer und römischer Texte die soziale Stellung der Frau in den vorklassischen Kulturen des östlichen Mittelmeeres. Außerdem zog er ethnographisches Material über die so genannte mutterrechtliche Gesellschaftsordnung heran und legte seine Ergebnisse in verschiedenen Werken nieder, darunter als wichtigste Das Mutterrecht (1861), Urreligion und antike Symbole (3 Bde., 1926) sowie Mutterrecht und Urreligion (1927). Für Bachofen war die Gesellschaft des Matriarchats zu keiner Entwicklung fähig, erst die Ausbildung des Patriarchats führte zu gesellschaftlichen und kulturellen Fortschritt. Er sah die Entwicklung der Menschheit in einem Dreischritt: vom wilden Hetärismus, von ihm oft unter dem Term "Sumpfleben" benannt zu einer Stufe unter der Herrschaft der Frau, die durch das Materielle geprägt ist, dann erfolgt der Schritt zur Herrschaft des Mannes oder auch die Ablösung des materiellen Prinzips durch das Geistige. Es bleibt festzuhalten, dass für Bachofen das Matriarchat eine allgemeingültige Kulturstufe ist, die alle Völker einmal gekannt haben. Von der Wissenschaft zum Zeitpunkt des Erscheinens nicht beachtet, erfolgte eine erste Rezeption durch linke Theoretiker wie [Friedrich Engels]. Der wissenschaftliche Wert dieser Arbeiten ist nach heutigen Maßstäben schwer zu beurteilen. Der Ethnologe Lewis Henry Morgan (1818-1881), stellte in seinem Werk "Ancient Society" (deutsch: "Die Urgesellschaft", 1891) ein evolutionistisches Schema der menschlichen Familienentwicklung auf. Am Beispiel der Irokesen-Liga in Nordamerika erforschte er erstmals ethnologisch eine matriarchale Gesellschaft. Friedrich Engels (1820-1895) griff in seinem Buch "Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates" im Anschluss an Karl Marx die Fragen auf, die Morgan offen ließ: 1. Ist die bürgerliche Monogamie das ideale Gebilde für die Gleichheit der Geschlechter? und 2. Wie kam es zum Privateigentum in den Händen von Männern? August Bebel (1840-1913), Mitbegründer der deutschen Sozialdemokratie und Verfechter des Marxismus schloss sich Engels' Thesen vollständig an und resümierte in seinem Buch Die Frau und der Sozialismus, dass Matriarchate ohne unterdrückerische Besitzverhältnisse waren und dass Frauen nicht "unterdrückt und geknechtet" wurden, wie sie später im Patriarchat "diskriminiert und versklavt" wurden. Was "Matrilinearität" ist und welche weitreichenden Konsequenzen sie hat, beschreibt der Ethnologe Bronislaw Kasper Malinowski (1884-1942) in einer Studie über die Trobriand-InsulanerInnen in Melanesien, bei denen er sich viele Jahre aufhielt. Eines der Hauptwerke ist Das Geschlechtsleben der Wilden in Nordwest-Melanesien. Im selben Sinne wie Malinowski kritisiert Wilhelm Reich (1897-1957) in seinem Buch Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral das so genannte "Inzest-Tabu". Zudem stellt Reich den Zwiespalt zwischen dem freien bedürfnis-orientierten Liebesleben der trobriandischen Jugend, das matriarchalen Traditionen entspricht, und dem nachfolgenden monogamen Ehezwang, so wie der nochmals nachfolgenden Witwen-Heuchelei für die trobriandische Ehefrau, die den Einbruch patriarchaler Prinzipien abbilden dar. Daher hält es Reich für unwahrscheinlich, dass sich das Matriarchat aus einem ursprünglichen Patriarchat entwickelt habe. Während Malinowski auf den Trobriand-Inseln forschte (1932), gab es dort schon etliche Missionsstationen. Wilhelm Schmidt ist ein Missions-Ethnologe katholischer Prägung, der eine interessante Wanderungstheorie zum Matriarchat aufstellte: Matriarchate entstanden als Hackbaukulturen in Hinterindien und breiteten sich auf dem Wasserweg als Hack- und Ackerbaukulturen über die ganze Erde aus. In seinem wichtigsten Werk The Mothers bestätigt der britische Ethnologe Robert Stephen Briffault (1876-1948) seine Vordenker, dass die Mütter die Basis und handelnden Subjekte der Gesellschaftsordnung von der Urzeit an bis zum Patriarchat sind, entgegen der These vom ewigen Patriarchat und "Frauentausch" seit der Urhorde (Freud, Lévi-Strauß und andere). So genial wie Bachofen zum ersten Mal das Bild einer mutterrechtlich geprägten Gesellschaft erforschte, fand der britische Ethnologe Sir James George Frazer (1854-1941) ein uraltes, religiös-rituelles Grundmuster, das "ritual pattern", heraus, das er in seinem Buch Der goldene Zweig beschreibt. Diese Entdeckung hatte seinerzeit eine außerordentliche Wirkung und zur Folge, dass sich Freud, Malinowski und Robert von Ranke-Graves als Schüler Frazers bezeichneten. Der Mythenforscher Robert (von Ranke-)Graves (1895-1985) erarbeitete anhand seines wichtigsten Sachbuches Griechische Mythologie die Grundzüge der matriarchalen Kulturepoche für den gesamten Mittelmeerraum und den Vorderen Orient. Seine These lautet: Matriarchale Mythologie ist das Muster der dreifachen Göttin und ihres Heros-Königs. An vielen Stellen seines Werkes, besonders in Die weiße Göttin, übt Ranke-Graves scharfe Patriarchatskritik. 1900 entdeckte der Archäologe Sir Arthur John Evans (1851-1941) die minoische Kultur auf Kreta. In umfangreichen Büchern hat er über seine Ausgrabungen berichtet. Anfangs ist seine Deutung einseitig patriarchal, aber später revidiert er seine Ansicht vollständig. Seine Forschungen führen ihn zu dem Schluss, dass Kreta von der Großen Muttergöttin geprägt ist, die uns auf allen Wandbildern, Siegelringen und in vielen Statuetten entgegen tritt. Zusammenfassend lautet seine These, dass das Matriarchat mit seinen späten Formen noch die Bronzezeit umfasst, wie es am Beispiel des minoischen Kreta (Untergang um 1400 v.Chr.) erkennbar ist. Der nächste archäologische Fund, der neue Erkenntnisse für die Matriarchatsforschung brachte, war die Entdeckung der ältesten Steinzeit-"Stadt" Çatal Hüyük (Anatolien) durch James Mellaart. Von 1961 bis 1964 legte er den östlichen Ruinenhügel (arabisch "Tell"; türkisch "Hüyük") zum Teil frei. Mellaart hat in seinen Büchern ein völlig anderes Bild der Steinzeit entworfen, als wir es zu sehen gewohnt sind. Er weist darauf hin, dass schon in der Altsteinzeit der Austausch von Wissen, Dienstleistungen und Gütern stattgefunden hat, und dass die altsteinzeitlichen Höhlen, Felsunterkünfte und offenen Siedlungen bereits Sesshaftigkeit anzeigen. Die Vorstellung vom ziellosen Wandern der Altsteinzeitmenschen lässt sich deshalb nicht halten. Mellaart weist darauf hin, dass die hoch entwickelte Ackerbaukultur von Çatal Hüyük bereits eine Vorgeschichte des Ackerbaus voraussetzt, die bis zum Anfang des frühesten Neolithikums zurück reicht, d.h. bis 10000-9000 v. Chr. In den dreißiger Jahren schrieb die unter dem männlichen Pseudonym Sir Galahad bekannte Bertha Eckstein-Diener (1874 – 1948) mit ihrem Buch Mütter und Amazonen die erste universale weibliche Kulturgeschichte, in der sie die seit Bachofen lawinenartig niedergegangenen Einzelstudien der einzelnen Wissenschaftszweige zusammenfasste. Beide schöpften bei ihren Analysen überwiegend aus den rein lesbaren Quellen der Mythologie so wie aus Reiseberichten der ersten EthnologInnen. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg wurden die Ergebnisse der Matriarchatsforschung für völkisches und rassistisches Gedankengut missbraucht, im Dritten Reich geschah dies dann auch politisch im Sinne der Nazi-Ideologie. Nach langjährigen Ausgrabungsarbeiten legt die Archäologin Marija Gimbutas (1921 – 1994) zwei enzyklopädische Hauptwerke vor, die uns in allen Einzelheiten ein Bild von Religion, Bräuchen, Sozialstruktur, Ackerbauwirtschaft, Ritualen und Kunst im Alten Europa geben. Es ist damit das bisher vollständigste Werk zur Göttin und der matriarchalen Kultur im europäischen und vorderasiatischen Raum. 1967 führt Christian Sigrist (
- 1936) mit seinem Buch Regulierte Anarchie neue marxistische Thesen zur Entstehung von Herrschaft ein. Er greift die Frage nach der Entstehung von Herrschaft, die bei Engels offen geblieben ist, auf und zeigt mittels ethnologischer Studien, dass es noch heute Gentilgesellschaften gibt, die herrschaftsfrei leben und zwar nicht aus Naivität, sondern auf dem Boden bewusster Sozialtechniken. Gleichzeitig weist er ein anderes Vorurteil zurück, das auch dem Engelschen Evolutionismus noch anhängt, dass nämlich die alten Stammesgesellschaften nur deswegen herrschaftslos gewesen seien, weil sie keine Differenzierung auf allen Lebensgebieten hatten. Sigrist zeigt, entgegen der „Primitivitätsthese“, dass sich eine solche Auffassung in der modernen Ethnologie nicht halten lässt, weil die herrschaftslosen Stammesgesellschaften eine erstaunliche Vielfalt sozialer Beziehungen und Gebilde aufweisen, die jede "simple Naturwüchsigkeit" weit hinter sich lässt. Im Zuge der Frauenbewegung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, haben sich vermehrt Wissenschaftlerinnen der Matriarchatsforschung angenommen. Waren es vorher überwiegend Männer, die ethnologische und archäologische Forschung betrieben, so gab es nun ausgebildete Frauen, die mit anderen Frauen in noch lebenden restmatriarchalen Kulturen in Kontakt kommen konnten. Dies war von entscheidender Bedeutung, da die Frauen in matriarchal geprägten Stämmen fremden weißen Männern nicht erzählen, was oft das Entscheidende ist. Hier konnte nur durch Frauen die einseitige Darstellung durchbrochen werden.

Heutige Situation

Während es heute einerseits MatriarchatsforscherInnen auf der ganzen Welt in den verschiedensten Fachbereichen gibt, leidet auf der anderen Seite das Ansehen der Matriarchatsforschung einerseits unter der ideologiebesetzten Perspektive, aus der sie oft diskutiert wird, und andererseits unter der gelegentlich laienhaften Verarbeitung des Themas. Seit Merlin Stone 1976 ihr Buch Als Gott eine Frau war herausbrachte, begann die ernstzunehmende Matriarchatsforschung der Gegenwart. Im deutschsprachigen Raum ist Heide Göttner-Abendroth die Pionierin, die mit ihrem Buch Die Göttin und ihr Heros (1980) die Matriarchatsforschung eröffnete und mit ihrem mehrbändigen Hauptwerk Das Matriarchat (1989-2000) der modernen Matriarchatsforschung eine wissenschaftliche Grundlage gab. 1984 folgte Gerda Weiler mit dem Werk Ich verwerfe im Lande die Kriege, das sich mit der Erforschung der matriarchalen Muster bei den Stämmen des alten Israel befasst. Nach dreißig Jahren moderner Matriarchatsforschung arbeitet heute weltweit eine Vielzahl von Wissenschaftler/innen interdisziplinär an dieser Thematik. 2003 fand unter Leitung von Göttner-Abendroth der "Erste Weltkongress für Matriarchatsforschung" in Luxemburg statt. Schirmfrau des Kongresses war die Frauenministerin von Luxemburg, Frau Marie Josée Jacobs. Der "Zweite Weltkongress für Matriarchatsforschung" fand Ende September 2005, ebenfalls unter Leitung von Heide Göttner-Abendroth und gesponsort von Genevieve Vaughan, in San Marcos Texas, USA statt.

Beteiligte Fachbereiche

Die Matriarchatsforschung ist eine internationale und interdisziplinäre Wissenschaft, vergleichbar den Gender Studies. Sie umfasst hauptsächlich folgende Bereiche:
- Anthropologie
- Archäologie
- Ethnologie
- Friedensforschung
- Geografie
- Geschichte
- Medizin
- Mythologie
- Philosophie
- Politologie
- Psychologie
- Soziologie
- Theologie
- Wirtschaftswissenschaften

Weiterführende Begriffe

Akademie HAGIA - Patriarchat –-- Weltkongress für Matriarchatsforschung

Literatur


- [http://www.goettner-abendroth.de/ Heide Göttner-Abendroth], Das Matriarchat I. Geschichte seiner Erforschung. Kohlhammer ISBN 3170128493
- dies., Das Matriarchat II.1. Stammesgesellschaften in Ostasien, Indonesien, Ozeanien Kohlhammer ISBN 3170149954
- dies., Das Matriarchat II.2. Stammesgesellschaften in Amerika, Indien, Afrika Kohlhammer ISBN 317010568x
- Claudia von Werlhof u.a., Die Diskriminierung der Matriarchatsforschung. edition amalia ISBN 3905581213

Links

[http://www.hagia.de Akademie HAGIA] Auf dieser Website der Internationalen Akademie HAGIA sind beide Weltkongresse für Matriarchatsforschung, 2003 in Luxemburg und 2005 in Texas/USA, mit ihren vollständigen Websites vertreten. Diese enthalten alle Sprecher/innen und die Abstrakts ihrer Reden. !

Kinder

Kinder ist/sind die Nachkommenschaft eines Mannes und einer Frau.
- im Deutschen der Plural von Kind
- der Familienname von
  - Hermann Kinder, Schriftsteller
  - Manfred Kinder (
- 1938), deutscher Leichtathlet
- ein Markenname der Firma Ferrero (Kinder-Überraschungen, Kinder-Schokolade) Kategorie:Familienname

Sesshaftigkeit

Der Ausdruck Sesshaftigkeit (von sitzen, fest haften) bezeichnet das dauerhafte Verharren eines Lebewesens an seinem Wohnsitz. Die (geografische) Sesshaftigkeit hat sich im Gegensatz zur Mobilität vor einigen Jahrtausenden entwickelt. Sie ist eine Folge der landwirtschaftlichen Entwicklung. Begonnen hat dieser Trend allerdings schon in der Jungsteinzeit, was mehrfach belegt ist:
- Existenz von Hackbau
- Auffinden einfacher Exemplare des Hakenpflugs
- Sprachentwicklung der Indogermanischen Ursprache In früheren Jagd- und Sammler-Kulturen beherrschten Wanderungsbewegungen den Alltag vieler Menschengruppen. Die frühe Landwirtschaft - und das sesshafter werden - hing einerseits mit dem Wunsch nach gesicherten Lebensverhältnissen zusammen, andererseits - speziell im Orient - mit dem Übergang von Viehweiden zur Viehhaltung. siehe auch: Migration Kategorie:Soziologie Kategorie:Anthropologie Kategorie:Ethnologie

Ackerbau

Unter landwirtschaftlichen Ackerbau versteht man die Produktion von Kulturpflanzen auf eigens dafür bearbeitetem Kulturboden.

Grundlage

Auf der Grundlage der verwendeten Ackergeräte kann man zwischen Grabstockbau und Hackbau und dem Pflugbau unterscheiden. Äcker der industrialisierten Landwirtschaft sind Abkömmlinge der pflugbearbeiteten Äcker. Die Bearbeitung besteht heute im Wesentlichem im Umbruch der Oberflächenschichten zum Zweck der Lockerung der Krume und unter Umständen der Gründüngung. Die Produktion geschieht zum einen zum direkten Verbrauch, zum anderen und noch wichtiger zur Vorratshaltung. Sie umfasst Aussaat, Pflege (Düngung, Jäten), Ernte und - mehr oder weniger zielgerichtet - Züchtung der angebauten Pflanzen. Die angebauten Pflanzen sind traditionell diverse Getreidearten, Hülsenfrüchtler und (unterirdische) Hackfrüchte wie Zuckerrüben und Kartoffeln. Weiterhin gibt es den Anbau von Pflanzen, die nicht als Lebensmittel für den Menschen dienen. Dazu zählen Genussmittelpflanzen wie Tabak, Faserlieferanten wie Baumwolle und Viehfutter wie Klee. Klee

Historischer Beginn des Ackerbaus

Der Ackerbau ist lokal entstanden. Der Beginn der Jungsteinzeit (Neolithikum) wird zumeist mit dem Beginn des Ackerbaus gleichgesetzt. Danach kam die Bronzezeit, die sich durch die Entdeckung der Metallverarbeitung auszeichnet. Voraus ging die Mittelsteinzeit (Mesolithikum), die sich gewissermaßen als Entwicklungsperiode vom Jäger- und Sammlertum zum Ackerbau bezeichnen lässt. Der Beginn der Jungsteinzeit lässt sich jedoch - wie auch andere Epochen - nur regional präzisieren, da er die kulturelle Entwicklung darstellt. In der Levante und in Syrien, im Norden von (Mesopotamien war der Zeitpunkt des Beginn des Ackerbaus nach neusten Erkenntnissen um 11000 v. Chr. In Europa lag diese Periode zwischen 7.000 und 4000 v. Chr. In Japan hielt der Ackerbau erst 300 v. Chr. Einzug, andere Völker waren da bereits in der Kupfer-, Bronze- und Eisenzeit. Technologisch gesehen sind einige Amazonas-Gebiete und Gebiete der Kalahari teilweise heute noch jungsteinzeitlich einzuordnen.

Anbaumethoden

Dauerfeldbau

Dauerfeldbau bezeichnet in der Landwirtschaft ein Prinzip, in welchem Jahr für Jahr auf demselben Feld angebaut wird. Dabei wird durch Fruchtfolgesysteme versucht die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und Schädlinge zu bekämpfen. Dauerfeldbau setzt eine ganzjährige Wachstumszeit wie in den immerfeuchten Tropen voraus. (Temperaturen über 10°C und humides Klima.)

Maßnahmen für die Ertragssteigerung beim Dauerfeldbau

Eine Möglichkeit, die Erträge beim Dauerfeldbau zu steigern, liegt einerseits darin, Fruchtfolgesysteme zu verwenden, welche den Nährstoffgehalt erhalten und Schädlinge bekämpfen. Des Weiteren besteht die Möglichkeit sein Anbaugebiet zu düngen, um höhere Erträge zu erzielen,

Dauerfeldbau im Tropischen Regenwald

Im Tropischen Regenwald ist es nicht ratsam, Dauerfeldbau zu betreiben. Außer wenn man in Gunsträumen anbaut, ist damit zu rechnen, dass die Nährstoffe nach und nach abnehmen und somit die Erträge immer weiter sinken. Es ist zwar ausreichend Niederschlag vorhanden, welcher aber aufgrund der großen Poren des Bodens fast immer sofort in tiefere Bodenschichten abfließt.
Landwirtschaftliche Gunsträume in den Tropen

- Schlemmflächen, hoher Nährstoffgehalt (Ganges, Amazonas)
- vulkanische Gebiete (Philippinen, Java) Grundlage für die Fruchtbarkeit der Ausnahmegebiete ist das Angebot an Nährstoffen bzw. an Tonmineralien mit hoher Austauschkapazität. Landwirtschaftliche Gunsträume befinden sich an Stellen mit relativ mäßigem Klima, also z.B. in etwas höher gelegenen Orten, da dort nicht solch extrem hohe Temperaturen herrschen, wie in normaler Höhe. Des Weiteren ist fruchtbarer Boden wichtig, welcher sich durch hohen Nährstoffgehalt und geringes Porenvolumen auszeichnet, was zum einen den Pflanzen Nährstoffe liefert und zum anderen verhindert, das das Wasser allzu schnell versickert. Ebenfalls benötigt wird ausreichender Niederschlag. Allerdings darf dieser auch wiederum nicht zu hoch sein, da die Pflanzen sonst „überwässert“ werden.

Ecofarming

Das Ecofarming ist eine Anbaumethode, welche das Ziel verfolgt, mit möglichst wenig Fremdmitteleinsatz einen möglichst hohen Ernteertrag zu erreichen. Dieses wird z.B. dadurch erreicht, dass eine Anbaustruktur verwendet wird, die dem Stockwerkaufbau des Regenwaldes ähnelt und somit dem Boden möglichst wenig Nährstoffe entzieht. Beim Ecofarming werden Hänge terrassiert und Erosionsschutzgräben angelegt. Die Terrassenkanten werden mit Bäumen bepflanzt. Weitere Bäume und Sträucher werden zur Gewinnung von Obst, Bau- und Brennholz, Futter und Mulch für den Humusaufbau gepflanzt. Es erfolgt eine intensive Gründüngung. Die Viehhaltung wird von der Weide in den Stall verlagert.

Ziel

Das Ziel des Ecofarmings liegt darin, den Boden nachhaltig zu schonen und dessen Fruchtbarkeit zu erhalten. Bei Dauerfeldbau ist dieses nicht gegeben, da dort die Nährstoffe des Bodens verbraucht werden.

Vorteile

Die Vorteile des Ecofarmings liegen darin, dass der Boden geschont und auf lange Zeit verwendet werden kann. Des Weiteren ist ein minimaler Kapitaleinsatz notwendig und die Ernteerträge bleiben stabil.

Vergleich zu konventionellen Anbaumethoden

Im Vergleich zum Ecofarming existiert bei der Reinkultur kein Bodenschutz, sodass Regen und Sonne mit voller Kraft auf den Boden treffen. Der Boden wird durch Regen ausgewaschen und durch Sonne ausgetrocknet. Die Pflanzen entziehen ihm alle Nährstoffe, sodass der Boden nach wenigen Jahren nicht mehr zu gebrauchen ist. Beim Ecofarming hingegen nutzt man die Vorteile des Primärwaldes, welche z.B. in der Eigendüngung des Bodens durch vielfältige Lebensformen im Boden sowie Laubabwurf durch Bäume und Sträucher liegt. Des Weiteren wird der Regen abgebremst und trifft nicht mehr mit voller Wucht auf den Boden. Dies verhindert desweiteren die Abschwemmung also Erosion der dünnen nährstoffhaltigen Schicht. Gleiches gilt für die Sonne, welche hier ebenfalls von der Austrocknung des Bodens abgehalten wird.

Siehe auch


- Regenfeldbau
- Geschichte der Landwirtschaft
- Portal:Land- und Forstwirtschaft Kategorie:Feldwirtschaft ko:농경

Neolithische Revolution

Der Begriff "Neolithische Revolution" (eine Revolution ohne Revolutionäre) wurde 1936 von dem australischen Archäologen Vere Gordon Childe in Anlehnung an den Ausdruck "Industrielle Revolution" geprägt. Ähnlich dem epochalen Wandel von vorindustrieller zu industrieller Zeit bedeutete die Neolithisierung einen fundamentalen Einschnitt in der Menschheitsgeschichte, der sich an mehreren Merkmalen erkennen lässt: Neben einer völlig neuen Wirtschaftsweise, nämlich von der aneignenden (=jägerischen) zur produzierenden (=bäuerlichen) Wirtschaft, sind noch andere Innovationen zu bemerken, die auf die Lebensweise großen Einfluss hatten: Keramik, Schliff von Steingeräten, Kulturpflanzen, domestizierte Tiere und Seßhaftigkeit. Diese Neuerungen treten in Mitteleuropa schlagartig um 5500 v. Chr. auf und werden deswegen als "neolithische Revolution" bezeichnet. Mittlerweile ist jedoch hinreichend bekannt, dass dies nur in Europa so passierte. In den anderen Regionen der Welt war der Prozeß ein schleichender, sich teilweise über mehrere Jahrtausende erstreckender Prozeß.

Überblick

Ausgangslage

Menschheitsgeschichte Setzt man den Beginn der Menschheitsgeschichte mit dem Auftreten der ersten Homo sapiens in Ostafrika vor mehr als 150.000 Jahren an, so ernährte sich der mitteleuropäische Mensch den größten Teil seiner Geschichte von dem Wild, das er jagte, und wilden Pflanzen, die er sammelte. Er zog sein gesamtes Leben - den Wanderungen der Tierherden folgend - von einem Lagerplatz zum anderen. Gemeinschaft gab es für ihn in Form seiner Gruppe. Bei der Nahrungsbeschaffung war jedes der Mitglieder eingebunden, so dass sich kaum Spezialisation ausbildete. Die Forschung ist sich uneinig, inwieweit die Steinverarbeitung und der Bootsbau zu der Entwicklung von Spezialwissen bei Stammesmitgliedern führte. Wahrscheinlich gab es Individuen, die sich veranlagungsbedingt auf besondere Fähigkeiten spezialisiert haben, doch es ist ausschließbar, dass sie sich nur von diesen Fähigkeiten ernähren konnten. Während der letzten Eiszeit konnten die Menschen scheinbar sehr gut als Jäger und Sammler überleben. Die Natur bot ausreichend pflanzliche und tierische Ressourcen. Mit dem Ende der Eiszeit aber schrumpfte in weiten Teilen der Welt die Anzahl an großen Säugetieren erheblich. Arten, wie das Mammut, starben letztlich aus. Gründe dafür waren primär klimatische Veränderungen später das Anwachsen der Bevölkerung. Die daraus resultierende Unsicherheit ließ die Menschen lokal und zwar federführend unter der besonderen Bedingungen der Levante Nutztiere halten und Feldfrüchte anbauen. Zwar hatte der Mensch als Omnivoren (Allesfresser) alle Möglichkeiten zur Nahrungssuche aber nur innerhalb seines Aktionsradius bzw. Terretoriums. Die archäologischen Belege geben Anlaß zur Vermutung, dass die wirtschaftliche Umstellung aus einer Notsituation heraus entstand, da der ständige Zugriff auf Ressourcen für das Überleben der Gruppe lokal saisonal beeinträchtigt war und nur Vorratshaltung das Überleben garantierte.

Vorläufiger Rest des Artikels

Einleitung

Die Neolithische Revolution markiert einen der wichtigsten Umbrüche in der Geschichte der Menschheit. Das ist zum einen der mittels Domestikation von Tieren und Pflanzen erfolgte Übergang vom nomadischen Wanderleben der mesolithischen Sammler, Fischer und Jäger zur sesshaften Lebensweise der Bauern einerseits und der nomadisch verbleibenden aber aktive Bevorratung lebender Tiere betreibenden Viehzüchter andererseits. Zum andern der Wechsel von routinierter Anpassung an die Umwelt zu einem durch folgenreiche Erfindungen dynamisierten Prozess der Beherrschung der Umwelt mit zunächst steigender Produktivität. Die Anfänge dieser Entwicklung lagen in der Levante vor 20.000 bis 10.000 Jahren.

Streit um den Begriff

Zuerst gebrauchte der Australier Vere Gordon Childe den Begriff 1936 in Anlehnung an den bereits existenten Terminus "Industrial Revolution" (Industrielle R.). Heute weiß man, dass zwischen den diversen Erfindungen wie Keramik, erste Tier- und Pflanzenzucht Jahrtausende vergingen, mithin der "Revolution" der revolutionäre Charakter fehlt, weshalb man jetzt in der Forschung den evolutionären Wandel betont und das Wort Revolution in diesem Kontext meidet. Der Vorschlag, anstelle von Neolithischer Revolution besser von "Neolithisierung" zu sprechen, hat auch nicht mehr für sich. Das Wort bedeutet "Verjungsteinzeitlichung" und besagt nichts inhaltlich Neues. M.E. könnte der Begriff "(Peri- und)Postglaziale Akzeleration" das Wesentliche des Phänomens ohne Wertung fassen und fassbar machen, wobei natürlich nur die auffallende kulturelle Beschleunigung im historischen Prozess gemeint ist. 1936

Charakterisierung

Kennzeichnend für die vorletzte Jahrtausenderdekade ist der Seriencharakter der Neuerungen, wenngleich die Erfindungen und Umstellungen nicht annähernd das Tempo der Industrialisierung erreichten. Vielmehr stehen den Jahrhunderten hier die Jahrtausende dort als Zeitmaß gegenüber. Auslösender Faktor, der die neolithischen Kulturformen prägte, war die Domestikation von Tieren bzw. von Pflanzen. Die Viehhaltung durch Bauern ist keine Viehzucht. Mit Viehzüchtern sind (nomadisierende) Hirten gemeint, deren Frauen heute zumeist kleine Gärten bewirtschaften (Mongolen) was den Charakter von Halbnomadentum erfüllt. In der Vorzeit waren diese Arten der Nahrungsbeschaffung deutlich getrennt. Der Wandel von der aneignenden Lebensweise der Sammler und Jäger zur erzeugenden Wirtschaftsweise der Hirten und Bauern ging einher mit gesellschaftlichen Veränderungen sowie mit veränderten Ritualen und Vorstellungen. Vor etwa 12.000 Jahren erscheinen ihre Zeugnisse in Beisamun. Schon 500 Jahre später hat die Agrarwirtschaft die Levante durchdrungen. Noch einmal 500 Jahre später entsteht der erste Bergtempel auf dem Göbekli Tepe. 800 Jahre danach, also vor gut 10.000 Jahren sind die ersten Bauern bereits auf Zypern.

Soziale Vor- und Nachteile

Gewöhnlich wird der Wandel der Wirtschafts- und Lebensweise zu Beginn der agrarischen Ära als großer Fortschritt betrachtet, schließlich wurden die Menschen durch die landwirtschaftliche Produktion allmählich unabhängig von den Schwankungen im natürlichen Angebot der gesammelten und erjagten Nahrung. Auch auf die Steigerung des Angebots durch die selbstbestimmte Produktion wird hingewiesen. Das Beispiel des Hirten, der, statt auf die Jagd mit ungewissem Ausgang zu gehen, in seine Herde tritt, um eines der Tiere zur Schlachtung auszuwählen, wirkt überzeugend. Die Umstellung erhöhte die Sicherheit der Versorgung. Meist wird vergessen, dass neben dem Fortschritt zur agrarischen und handwerklichen Produktion auch ein "Fortschritt" in der Destruktion zu verzeichnen ist. Die Erfindung von Pfeil und Bogen, der ersten Fernwaffe, steigerte den Jagderfolg und beschleunigte die Ausrottung etlicher Tierarten. Aber die Waffe wurde auch gegen andere Menschen gerichtet, wie Felszeichnungen belegen. Die Menschenjagd begann in etwa so früh wie die Landwirtschaft. Die Vorgänge erfolgten vermutlich unter dem Druck des postglazialen Klimawandels und der damit einhergehenden Landschaftsveränderungen. Daher entstand die durch Funde von Ohalo am See Genezareth gestützte These: "Unsere Vorfahren gaben ihre paläolithische Existenz nicht bereitwillig auf" (J.E. McClellan und H. Dorn). Es setzt sich die Einsicht durch, dass die 'Urgesellschaft' in diesen Regionen durch knapper werdende Ressourcen im Bereich der Großfauna (also durch Not) gezwungen wurde, sich auf neue Wege des Wirtschaftens einzulassen (Zwang zur Vorratshaltung). Dass mit der Bevorratung von Saatgut und eine immer rudimentärere Viehhaltung eine Kapitalbildung vorlag, die ihrerseits den Raub lukrativer machen konnte und eine Vorkehr dagegen erzwang, ist (noch) nicht nachgewiesen. Der friedvolle Charakter mancher Siedlungen („1000 Jahre Frieden in Caral”, der ersten Stadt Amerikas. R. Shady 2002) spricht gegen diese Annahme. Dass die Menschen den Bruch mit der drei (bis fünf) Millionen Jahre dauernden Wildbeuterzeit noch Jahrtausende später (vermutlich durch konstante Überlieferung) sehr intensiv empfanden, zeigt die Stilisierung des Naturmenschen Enkidu im sumerischen Gilgamesch-Epos. Die biblische Legende von Adam und Evas Vertreibung aus dem Paradies (sammlerzeitlicher Unschuld) dürfte auf den Übergang zur produzierenden Wirtschaftsweise zurückzuführen sein.

Rechtliche Auswirkungen

Die neolithische Revolution hatte auch enorme Auswirkungen auf das Recht. Jäger und Sammler hatten außer Jagd- und Kochgerät, Kleidung und Schmuck keine Sachgüter. Bei Hirten waren nun die Herden und bei den Bauern Land, Gebäude und Vorräte Eigentum, wobei insbesondere deren Übertragung nach dem Tod des Herrn geregelt werden musste. Auch die Ungleichverteilung der Sachgüter (besserer oder schlechterer Boden, größere oder geringere Schäden bei Unwettern und Dürren usw.) bedurfte einer Regelung und führte fast automatisch zu einer sozialen Schichtung, zur Trennung von Arm und Reich. Die Spitzen der neuen Gesellschaft waren bald von jeder Arbeit freigestellt, konnten etwa mit den nun freien geistigen und zeitlichen Ressourcen anthropomorph-theistische Stammesreligionen entwickeln im Gegensatz zu den bisher vorherrschenden animistischen und totemistischen Vorstellungen. Oft waren oberster geistiger und weltlicher Führer in einer Person als Priesterkönig vereint.

Das Verhältnis zwischen den Geschlechtern

Die Auswirkungen auf das Verhältnis von Mann und Frau sind unterschiedlich. Bei Hirten war die Frau von der "Produktion" durch ihre Herdsässigkeit meist ausgeschlossen und auf die Bereitung der Nahrung und die Herstellung von Textilien beschränkt. Der sich entwickelnde Ackerbau wird dagegen zunächst zur außerhäusigen Aufgabe der Frau (Grabstockfeldbau); der Mann war für die Tierhaltung zuständig. Die Frau ist hier noch nicht vom sich neu entwickelnden politischen Bereich ausgeschlossen. Die Bedeutung der Frau stieg im Ackerbau an aber sie erreichte nie schwindelerregende Ausmaße. Die anfängliche Anhäufung femininer Plastik verliert sich mit dem Pflugfeldbau, also ab 5.500 v. Chr., sukzessive. Die vorzeitliche Geschlechterrolle im Alltag spiegelt am genauesten die zwar etwas spätere (aber zuvor auch nicht anders ausschauende) ägyptische Überlieferung. Der Himmel ist relativ egalitär besetzt (wobei der oberste Gott immer ein Mann ist). Auf der Erde führen dagegen die Versuche, Pharaoninnen und damit weibliche Macht zu installieren zu enormem Widerstand. Zu den sozialen Faktoren für die Bestimmung des Verhältnisses der Geschlechter tritt hier ein neuer geistig-religiöser. Es bilden sich Vorstellungen über die Entstehung des Menschen, die Fortpflanzungsbiologie und über den Anteil von Mann und Frau daran. In Bauernkulturen in Vorderasien und Europa wird die Reproduktion erstmalig in Analogie zur Produktion gesehen: der männliche Regen befruchtet die weibliche Erde. In Vorderasien und in Europa herrschten in der frühen Zeit Muttergottheiten (z.B. Ishtar, Kybele, Nerthus), die frühesten plastischen Menschendarstellungen sind oft weibliche Fruchtbarkeitsgötter. Dem Anteil an der Nahrungsprokution entsprechend veränderte sich der Status der Frau auch im täglichen Leben.

Literatur


- B. Volkhausen, Neolithisierungsprozeß : Ethnographische Parallelen 1994
- M. Benz, Die Neolithisierung im Vorderen Orient 2000
- S. Scharl, Die Neolithisierung Europas. Ausgewählte Modelle und Hypothesen. 2002
- R. Bernbeck, Theorien in der Archäologie 1999
- Lewis Mumford, Die Stadt, München 1979
- Marilyn French, Jenseits der Macht, Reinbek 1988
- James E. McClellan/Harold Dorn, Werkzeuge und Wissen, Hamburg 2001 Siehe auch: Revolution

Weblinks


- [http://www.urkommunismus.de/catalhueyuek.html#revolution Archäologische Belege] für einen sozialen Umsturz im Verlauf der neolithischen Revolution Kategorie:SoziologieKategorie:Archäologie Kategorie:Revolution

Arktis

Die Arktis ist die Region innerhalb des nördlichen Polarkreises am Nordpol der Erde. Sie umfasst Teile von Russland, Alaska (USA), Kanada, Grönland, Lappland (Norwegen, Schweden, Finnland) und Spitzbergen (Norwegen) sowie den zu großen Teilen von Eis bedeckten Arktischen Ozean (Nordpolarmeer). Die Bezeichnung "Arktis" leitet sich her aus dem griechischen Wort árktos für Bär, und bedeutet so viel wie "Land unter dem (Sternbild des) Großen Bären". Im Gegensatz zur Antarktis ist die Arktis nicht, wie oft angenommen wird, ein Kontinent, sondern der bis über 5.000 Meter tiefe Arktische Ozean, da sich unter dem Eis der Arktis keine Landmasse befindet. Bezüglich der Uhrzeit gelten in der Arktis, im Gegensatz zur Antarktis, keine speziellen Regelungen. Es ist deshalb möglich, am geographischen Nordpol bei einer Umkreisung alle Zeitzonen in kürzester Zeit zu durchschreiten.

Nördlicher Polarkreis

Der nördliche Polarkreis ist einer der fünf wichtigen Breitengrade, die die Erde einteilen. Alles nördlich dieses Polarkreises gehört zur Arktis. Es ist der Breitengrad 66,5° nördlich vom Äquator. Innerhalb des Polarkreises geht zur Sommersonnenwende die Sonne für mindestens 24 Stunden nicht unter, das heißt sie bleibt oberhalb des Horizonts sichtbar. Daher wird die Arktis auch das Land der Mitternachtssonne genannt. Zur Wintersonnenwende geht die Sonne in Gegenzug für mindestens 24 Stunden nicht auf, das heißt sie bleibt unsichtbar unterhalb des Horizonts. Wintersonnenwende

Bevölkerung

In der Arktis leben gegenwärtig etwa zwei Millionen Menschen. Zu den Polarvölkern zählen Inuit, Nenzen, Jakuten, Saami, Athapasken, Ewenken und Tschuktschen. Zudem leben in der Arktis zahlreiche Skandinavier, Russen und Nordamerikaner. Der typische Bewohner aus dem Tierreich ist der Eisbär, so, wie es in der Antarktis der Pinguin ist. Zum Schutz der Umwelt und der Ureinwohner in der Arktis wurde 1996 der Arktische Rat gegründet.

Die Arktis in der Urzeit

Im Nordpolarmeer herrschten vor 55 Millionen Jahren subtropische Wassertemperaturen. In Bohrkernen wurden Reste von Süßwasserpflanzen entdeckt, die unter anderem in Reiskulturen vorkommen. Dies deutet darauf hin, dass die gesamte Arktis vor mehr als 50 Millionen Jahren ein abgeschlossener gigantischer Süßwassersee war. Andere Funde zeugten von heftigen biologischen Umwälzungen und vom plötzlichen Aussterben vieler Organismen.

Historischer Irrtum

Heute ist bekannt, dass die Eiskappe der Arktis ein unwirtlicher Ort ist. Anfang des 19. Jhds. entwickelte der Amerikaner John Cleve Symmes eine Theorie, nach der die Pole der Erde Öffnungen ins Erdinnere darstellen. Um zu diesen unbekannten Welten vorzudringen, müssten die Pole erobert werden. Jules Verne hat wohl in seiner Geschichte Reise zum Mittelpunkt der Erde diese Theorie noch am Ende des 19. Jhds. kolportiert, obwohl in diesem Buch der Eingang in das Innere der Erde nach Island (und somit an einen Ort südlich des Polarkreises und 2700 km südlich des Nordpols) gelegt wird. Die Symmes'sche Theorie wurde aber schon in den 30er Jahren des 19. Jhds. nicht mehr akzeptiert. Eine weitere Theorie, nach der nördlich des Eisgürtels wieder eisfreies und schiffbares Meer existiere, wurde so populär, dass von verschiedenen Nationen, vorwiegend USA und England, immer wieder Expeditionen zum Erreichen des Nordpols entsandt wurden. Diese drangen vorwiegend über die Baffinbucht westlich von Grönland nach Norden vor und sollten das eisfreie Meer finden. Erst in den 1880er Jahren begann man an dieser Theorie zu zweifeln.

Literatur

Blümel, W.D. (1999): Physische Geographie der Polargebiete. – 239 S., Stuttgart. Vom 9.-12. Mai 1926 erreichen die US-amerikanischen Marineflieger Byrd und Bennett mit dem Flugzeug, vor Amundsen und Nobile im Luftschiff "NORGE" den Nordpol.

Weblinks


- [http://www.wissenschaft.ag/Arktis.php4 Arktis-Newsletter]
- [http://www.wissenschaft.ag/Arktis.php4?tvsearch=Arktis Arktis im Fernsehen]
- [http://www.arctic.noaa.gov Arctic Theme Pages] Kategorie:Arktis Kategorie:Region ja:北極 ko:북극 simple:Arctic

Wüste

Als Wüste bezeichnet man ein Gebiet, in dem auf Grund seiner extremen Trockenheit oder Kälte keine oder nur wenig hochspezialisierte Vegetation existieren kann und welches dadurch zur Anökumene zählt. Die Araber bezeichnen die Wüste auch als Meer ohne Wasser.

Wüstenarten

Trockenwüsten

Trockenwüsten verhindern durch ihren Wassermangel das pflanzliche Wachstum. Einige Arten von Trockenwüsten sind:
- Die Sandwüste - eine Wüste, deren Oberfläche großteils aus Sand besteht. Sie entstehen durch Erosion von Kieswüsten, wenn das Gestein hauptsächlich aus Quarz besteht. Ein wesentliches Merkmal sind die Dünen, die vielfach auch Wanderdünen sind. Von allen Wüsten sind die Lebensbedingungen in Sandwüsten am härtesten. Die weltweit größte solcher Wüsten ist die Rub al-Chali in Arabien.
- Kieswüsten - sie entstehen durch Erosion von Stein- oder Felswüsten (Akkumulation von gröberen Korngrößen durch Ausblasung der feineren Korngrößen), oder durch die Ablagerung von Kiesen im Vorfeld von Gletschern.
- Stein- und Salzwüsten (Salztonebenen) - sie entstehen meist in ariden, abflusslosen Sedimentbecken durch starke Verdunstung. Viele Wüsten dieses Typs liegen in Persien und Mittelasien.
- Die Halbwüste stellt eine Vegetationszone dar, die geringfügig feuchter als die echte Wüste, aber immer noch trockener als die Dornsavanne ist. Sie befindet sich meist am Rand (in der Übergangszone) einer solchen "Vollwüste" - siehe auch Sahelzone.
- Relif- oder Binnenwüsten - sie befinden sich im Inneren der Kontinente oder hinter hohen Gebirgsketten befinden sich ebenfalls ausgedehnte Wüstengebiete. Dort fällt nur geringer Niederschlag, weil sie in zu großer Meeresferne oder in Regenschatten von Randgebirgen liegen. Die feuchten Luftmassen sind vor den Gebirgen zum aufsteigen gezwungen. Oben auf der Gebirgskette ist die Luft zu kühl. Kalte Luft kann nicht so viel Wasser speichern deshalb sind die feuchten, kalten Luftmassen dazu gezwungen abzuregnen. Auf der anderen Seite der Gebirgskette wird die Luft erwärmt und die warmen, trockenen Luftmassen sinken. Dort wo die Luftmassen gesunken sind bilden sich aufgrund der Wärme und Trockenheit die Relif- oder Binnenwüsten. Die berümtesten solcher Wüsten ist die Wüste Gobi und Takla Makan. Die 'Subtropischen Trockenwüsten, liegen bei einer geografischen Breite bis zu etwa 30° beidseits des Erdäquators. Sowohl auf der nördlichen als auch auf der südlichen Halbkugel werden die Luftmassen vom Urpassat kommend gezwungen abzusteigen. Dies bewirkt eine zunehmende Erwärmung der Luftmassen, wodurch die relative Luftfeuchtigkeit abnimmt und es zu trockenen, wolkenlosen Klimaverhältnissen kommt. Beispiele für solche Wüsten sind die größten Teile der Sahara, die Gobi und die Kalahari. Darüber hinaus gibt es die Küstenwüsten, die durch spezielle Meeresströmungen entstehen. Das kalte aufsteigende Wasser des Meeres führt zur Kondensation der in der Luft enthaltenen Feuchtigkeit an der Meeresoberfläche. Dadurch nimmt die relative Luftfeuchtigkeit ab und eine Wolkenbildung und folglich auch Niederschlag wird verhindert." So nah am Wasser und doch so arm an Wasser", hatte der berühmte Forscher Alexander von Humbold einmal die Küstenwüste der Atacama beschrieben. Die bekanntesten küstennahen Wüsten sind die Atacama, die Namib und die Nullarbor-Wüste. Aber auch meeresnahe Teile der Sahara stehen unter dem Einfluss kühler Meeresströme. Weiterhin gibt es Nebelwüsten in den Subtropen.

Vegetation und Regen

In der Wüste ist Vegetationsarmut bzw. Vegetationslosigkeit, es sind nur 1/4 aller Wüstenflächen bewachsen. Auch herrscht in der Wüste Wasserarmut.Es gib nur wenig Regenschauer in der Wüste doch wenn es einmal Regnet dann oft sehr heftig. Nach den Regenschauern
blüt die Wüste auf. Es Wachsen bunte Wüstenpflanzen die aber wegen des fehlenden Wassers nicht lange überleben. Wenn Regen fällt, dann ca. 250mm pro Quadratmeter, durch die Hitze, Tagsüber verdunstet das Wasser schon bevor es den Boden berührt.

Weitere Trockenwüsten und der Mars

Weitere Trockenwüsten liegen in isolierten Gebirgsbecken wie das Great Basin oder die
Schattenwüsten an den windabgewandten Abhängen (d.h. im Lee, dem Regenschatten) von Gebirgen wie die Wüste Juda. Die Böden der Trockenwüste zählen zu den Aridosolen. Auch am Planeten Mars herrscht eine Art Wüstenklima, weil die äußerst dünne CO2-Atmosphäre kaum Wasserdampf enthält und freies Wasser sofort verdunsten würde. Trotzdem fegen oft langandauernde Winde über weite Gebiete, weil der Mars ähnliche Jahreszeiten wie die Erde und auch merkliche Temperaturgradienten aufweist. Sie erodieren den braunen und grauen Marsboden und rufen oft globale Sandstürme hervor. Dies hat auch dazu geführt, dass die 1877 entdeckten "Canali" (Marskanäle) jahrzehnelang als natürliche oder künstliche Wasserrinnen gedeutet wurden, die der Sand zeitweilig bedeckt, danach aber der vermutete Bewuchs wieder ein Ergrünen bewirkt hätte.

Edaphische Wüsten

In edaphischen (bodenbedingten) Wüsten werden zugeführte Niederschläge im stark wasserdurchlässigen Boden sehr schnell abgeführt. Wasser kann nicht oder nur sehr schlecht im Boden gespeichert werden, steht für pflanzliches Wachstum also nicht zur Verfügung. So bilden die riesigen Schotterflure im Isländischen Hochland trotz erheblicher Niederschlags- und Schmelzwassermengen eine Wüstenlandschaft. Isländischen Hochland

Kältewüsten

Kältewüsten sind Wüsten in polaren Gebieten (
Eiswüsten) und im Hochgebirge, deren extrem niedrige Temperaturen die Ausbreitung von Vegetation verhindern. Zum Beispiel: Wright Valley in der Antarktis.

Kulturgeschichte

In kulturhistorischer Hinsicht spielte die Wüste seit der Antike eine wichtige Rolle in der europäischen Historiographie und Literatur. Einerseits symbolisierte die Wüste seit Herodot das Fremde und Andersartige, das sich dem europäischen Zugriff entzog. Andererseits bot die Wüste aber auch Rückzugsmöglichkeiten, die es sonst nirgendwo gab. Insbesondere durch die Bibel (Exodus der Israeliten, Versuchungen Christi) und die spätere hagiographische Literatur (Eremiten) wurde ein Bild der Wüste nach Europa transportiert, das im Kern bis heute fortwirkt. Durch die Domestizierung des Dromedar gelang es dem Menschen, tiefer in die großen Wüsten vorzudringen oder sie zu durchqueren. Dadurch konnte die Wüste zum Lebensraum des Menschen werden. Die UN Organisation UNCCD kämpft gegen die weitere Ausbreitung der Wüsten.

Die größten Wüsten

# 8.700.000 km² - Sahara (Afrika) # 1.560.000 km² - Australische Wüsten (Australien) # 1.300.000 km² - Arabische Wüsten (Asien) # 1.040.000 km² - Gobi (Asien) #  715.000 km² - Kalahari (Afrika) #  330.000 km² - Takla Makan (Asien) #  312.000 km² - Sonora (Nordamerika) #  273.000 km² - Karakum (Asien) #  273.000 km² - Tharr und Cholistan (Asien) Alle Wüsten bedecken ein Siebtel der ganzen Erdfläche.

Tägliche Temperaturschwankung in Wüsten

In Sand- und Felswüsten existiert nur wenig Wasser - weder in der Luft noch im Boden. Wasser kann etwa sechs mal soviel Energie speichern wie Sand. Da es in Wüsten weitgehend fehlt, können diese keine größeren Wärmemengen speichern. Außerdem isoliert sandiger Boden sehr gut. Sand besteht in der Hauptsache aus Quarz, einem schlechten Wärmeleiter. Die einzelnen Sandkörner sind überwiegend locker geschichtet (siehe auch Wanderdünen), in den Zwickeln befindet sich Luft, die ebenfalls gut isoliert. Das hat zur Folge, dass der Boden die Hitze des Tages nicht sehr tief in sich aufnehmen kann und nur oberflächlich erhitzt. Daher kann er nur geringe Wärmemengen speichern. Hinzu kommt die geringe Wolkenbildung. Wolken wirken als Isolierungsschicht sowohl vom Weltall zur Erde als auch umgekehrt. Durch das Fehlen dieser Isolierschicht dringt tagsüber Wärmestrahlung ungedämpft zu Boden und erhitzt diesen sehr stark (bis zu etwa 70°). Nachts hingegen strahlt die wenige gespeicherte Wärme ungehindert ins Weltall ab, was Temperaturunterschiede von 50° und mehr hervorrufen kann. Dieser Effekt ermöglicht allerdings auch in den trockensten Wüsten bescheidenes Leben, weil ein niedriger Taupunkt die starke Abkühlung ermöglicht, wobei bodennah der Taupunkt erreicht werden kann. Pflanzen oder Insekten leben dann von den gebildeten Tautropfen. Die starken Temperatureffekte machen übrigens auch den Unterschied zwischendem Kontinentalklima und einem maritimen Seeklima aus. Am Meer oder in der Nähe von Ozeanen wirkt die Wärmespeicherung des Wassers und macht das Klima sehr viel ausgeglichener als im Inneren der Kontinente. Man denke nur an den klimatischen Unterschied etwa zwischen Moskau - heiße Sommer und bitterkalte Winter - und Kopenhagen, welches etwa am selben geografischen Breitengrad liegt. In Europa werden diese Unterschiede noch durch den Golfstrom verstärkt.

Wüsten-Glossar


- Arroyo (Südamerika und US-Westen). Identisch mit > Wadi.
- Barchan ist eine bewegliche Sicheldüne
- Chott (Schott)(arab.) Weitgespannte Senken mit Salzwüsten; auch Salzsee, Salzpfanne, Salzsumpf
- Churd (a) (arab.) Grosse Wanderdüne
- Djebel (Dschebel) (arab. = Berg)
- Draa (arab. = Arm ) Langgestrecktes Dünengebiet
- Enneri (arab.) Trockenfluss, trockenes Bachbett
- Erg (arab. = Ader) Riesige Dünengebiete; aber auch allgem. für Staubwüste
- Fata Morgana (arab. Bacher-el-Alfrid = Wasser des Satans). Luftspiegelungen als Folge von Reflexionen von Lichtstrahlen an der Grenzfläche zwischen Luftschichten von unterschiedlicher Temperatur und unterschiedlicher optischer Dichte.
- Fulgurit (lat.
fulgur Blitz) Blitzröhre: Durch Blitzschlag gebildete Röhren aus zu Kieselglas verschmolzenem feinkörnigem Sediment
- Hammada (arab.) Stein-Geröllwüste
- Harra (arab.) Lava-Wüste
- Kavir (persisch); identisch mit > Chott
- Sahara (arab. = von gelber Farbe ; syn. für Wüste)
- Sebhka (Sebkra) (arab.) Salztonpfannen, in welchen Salz und Gips an der Oberfläche über Tonablagerungen kristallisieren.
- Seif(s) (arabisch = Schwert) sind Längsdünen, welche besonders schmal und scharfgratig sind.
- Serir (berb.) Kieswüste
- Oase (arab. - berberisch uau) Stellen an denen Grundwasser zutage tritt
- Reg (arab.) Kies-Kieselwüste
- Wadi (arabisch Oued = syn. für Trockenbett, Rinne). Bei Abtragung bis zur Schuttsedimentierung eines Gebirges werden die Reste erodiert. Ruckartig einsetzender Regen fliesst an der Oberfläche ab, wobei er Fliessrinnen in den Wüstenboden schneidet. (spanisch: Arroyo)
- Wüstenglas, ein diaplektisches Glas, wahrscheinlich vor 20 Mio. Jahren durch einen Meteoriten-Impakt in der libyschen Wüste gebildet
- Wüstenlack Infolge starker Verdunstung gebildeter Überzug aus Eisen- seltener Manganverbindungen, auch der durch Windschliff hervorgerufene matte Firnisglanz auf Steinen und anderen Oberflächen
- Yardang durch Windschliff hervorgerufene Erosionsform

Literatur


- Uwe Lindemann:
Die Wüste. Terra incognita - Erlebnis - Symbol. Eine Genealogie der abendländischen Wüstenvorstellungen in der Literatur von der Antike bis zur Gegenwart. Heidelberg 2000
- [http://www.michael-martin.de Michael Martin]:
Die Wüsten der Erde. - Dieses Buch bietet einen Überblick über sämtliche Wüsten der Erde

Siehe auch


- Desertifikation

Weblinks

Kategorie:Klimazonen und Vegetation ja:砂漠 ko:사막


Kalahari

Die Kalahari ist überwiegend eine Sandwüste aus feinpulverigem rotem Sand. Sie erstreckt sich von der nördlichen Kapprovinz in Südafrika durch Botsuana hindurch bis weit nach Angola und Sambia hinein. Geologisch reicht die Kalahari sogar noch weiter nach Norden und geht dort im Tschad in die Sahara über. Der ausgedehnteste Teil der Kalahari - die Zentral-Kalahari - liegt auf dem Gebiet von Botsuana und reicht hier mit seinen westlichen Ausläufern auch nach Namibia hinein. Große Teile der Kalahari sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen: so z.B. der Kgalagadi Transfrontier Nationalpark im Grenzgebiet zu Südafrika und Namibia (ehemals Gemsbok National Park), das Central Kalahari Game Reserve und im Nordwesten Botsuanas das weltberühmte Okawango-Flussdelta: der in Angola entspringende Okawango fächert sich hier in ein riesiges Binnendelta auf, um sodann in der Kalahari zu versickern. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts wird die Kalahari durch den Trans Kalahari Highway (oder auch Trans-Kgalagadi-Highway genannt) durchschnitten. Diese gut ausgebaute Straße ist ein wichtiges Teilstück des vom Indischen Ozean in Mosambik bis zum Atlantik in Namibia führenden Handels- und Transportwegs.

Geologie

Die Zentral-Kalahari besteht aus einem riesigen Sandbecken, das durch Erosion weicher Gesteine entstand. Der Sand bildet Dünen, die in der jüngsten Erdgeschichte durch Bewuchs stabilisiert wurden. Die Kalahari hat keine Wanderdünen.

Leben in der Kalahari

Das Okawango-Delta ist der wohl untypischste Teil der Kalahari - von der Vegetation und dem Tierreichtum her aber bestimmt auch der eindrucksvollste. Je nach Jahreszeit und Wasserstand finden sich hier riesige Tierherden aller im südlichen Afrika vorkommenden Arten ein. Das Delta wurde daher von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt und unter strengen Schutz gestellt. Damit einhergehend fördert die botsuanische Regierung einen ausgesucht teuren, aber auch ausgesprochen luxuriösen Safari-Tourismus im Delta und verhindert dadurch die Negativauswirkungen eines ungezügelten Massentourismus. Der größte Teil der Kalahari dagegen wird vor allem von speziell