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JüngerDer Begriff Jünger (von althochdt.: jungiro = Lehrling, aus: jung) bezeichnet den Nachfolger einer religiös prägenden Persönlichkeit.
Allgemein
Bei der Leitfigur handelt es sich in der Regel um einen Religionsstifter oder Religionserneuerer (Buddha, Jesus, Konfuzius, Lao Tse, Mani, Mohammed, Mosche, Nanak, Zarathustra oder andere), wobei nicht alle religiösen Enthusiasten immer Jünger um sich versammelten.
Ein Jünger ist ein Angehöriger einer gemeinschaftlich folgenden Gruppe von Jüngern. Die Jünger im engsten Kreis bilden eine besondere Elite mit einem besonderen Anspruch und hervorgehobener Autorität in der Gemeinde.
Ein Jünger ist mehr als ein Schüler. Wenn es auch in religiösen Bezügen ausgesprochene Lehrer-Schüler-Verhältnissen geben kann, geht die Beziehung des Jüngers zum Meister insofern darüber hinaus, dass der Jünger vor dem Erwerb von Wissen und Fähigkeiten z.B. die Erfahrung der Gemeinschaft, persönlichen Verbundenheit und des Vertrauens genießt.
Nach dem Tod des Stifters wirken die Jünger weiter als dessen Repräsentanten (Augenzeugen) und Missionare (Apostel). Sie bilden so als eine Gemeinschaft der Zeugen und Märtyrer bis zum Tod die Voraussetzung zum Entstehen neuer religiöser Gruppierungen.
Christlich
Als Jünger bezeichnet man die Schüler in der Nachfolge Jesu. Der Begriff Jünger ist die übliche deutsche Übersetzung des griechischen mathetai, das ins heutige Deutsch wörtlicher mit Lehrlinge übersetzt werden könnte.
Sie dürfen nicht mit den von Jesus Christus speziell ausgewählten und in der Bibel namentlich benannten 12 Aposteln verwechselt werden. Außer diesen gab es noch sehr viel mehr Jünger, in den Evangelien wird ihre Zahl mit 70 bzw. 72 beziffert. Während die Apostelliste nur Männer anführt, gehörten zur Schar der Jünger offensichtlich auch Frauen, die teilweise namentlich bekannt sind. Nach der Auferstehung wird auch Jesu Mutter Maria hinzugezählt, die vorher anscheinend eher skeptisch war gegenüber der Mission ihres Sohnes.
Zur Zeit Jesu gab es viele Wanderprediger und lehrende Juden, die Hörer um sich scharten, die ihren Lehrer Rabbi, d.h. Meister nannten. Auch im späteren Judentum - vor allem unter den Chassidim - blieb dies so.
Siehe auch
- Ernst Jünger (Schriftsteller) - Hermann Jünger (1928-2005, Goldschmied)
- Berglehre
Kategorie:Religion
Kategorie:Neues Testament
Althochdeutsche SpracheAls Althochdeutsch (Ahd.) bezeichnet man die älteste schriftlich bezeugte Form der deutschen Sprache in der Zeit etwa von 750 bis 1050.
1050
Das Althochdeutsche ist keine einheitliche Sprache, wie der Begriff suggeriert, sondern die Bezeichnung für eine Gruppe von westgermanischen Dialekten, die südlich der so genannten „Benrather Linie“ (die von Düsseldorf-Benrath ungefähr in west-östlicher Richtung verläuft) gesprochen wurden. Diese Dialekte unterscheiden sich von den anderen westgermanischen Sprachen oder Dialekten durch die Durchführung der Zweiten (oder Hochdeutschen) Lautverschiebung. Die Dialekte nördlich der „Benrather Linie“, das heißt, im Bereich der norddeutschen Tiefebene und im Gebiet der heutigen Niederlande, haben die Zweite Lautverschiebung nicht durchgeführt. Diese Dialekte werden zur Unterscheidung vom Althochdeutschen unter der Bezeichnung Altsächsisch (seltener: Altniederdeutsch) zusammengefasst. Aus dem Altsächsischen hat sich das Mittel- und Neuniederdeutsche entwickelt.
Da das Althochdeutsche eine Gruppe nahe verwandter Dialekte war, gab es im frühen Mittelalter auch keine einheitliche Schriftsprache; die überlieferten Textzeugnisse lassen sich den einzelnen Dialekten zuweisen, so dass man oft treffender von Altfränkisch, Altbairisch, Altalemannisch etc. spricht.
Die althochdeutsche Überlieferung besteht zu einem großen Teil aus geistlichen Texten (Gebeten, Taufgelöbnissen, Bibelübersetzung); nur vereinzelt finden sich weltliche Dichtungen (Hildebrandslied) oder sonstige Sprachzeugnisse (Inschriften, Zaubersprüche).
Charakteristisch für die althochdeutsche Sprache sind die noch vokalisch volltönenden Endungen (vgl. Latein), zum Beispiel:
Im Zusammenhang mit der politischen Situation ging im 10. Jahrhundert die Schriftlichkeit im Allgemeinen und die Produktion deutschsprachiger Texte im Besonderen zurück; eine Neueinsetzung einer deutschsprachigen Schriftlichkeit und Literatur ist ab etwa 1050 zu beobachten. Da sich die schriftliche Überlieferung des 11. Jahrhunderts in lautlicher Hinsicht deutlich von der älteren Überlieferung unterscheidet, bezeichnet man die Sprache ab etwa 1050 als Mittelhochdeutsch.
Literatur
- Rolf Bergmann u. a. (Hrsg.): Althochdeutsch
# Grammatik. Glossen. Texte. Winter, Heidelberg 1987, ISBN 3-533-03877-7
# Wörter und Namen. Forschungsgeschichte. Winter, Heidelberg 1987, ISBN 3-533-03940-4
- Wilhelm Braune: Althochdeutsche Grammatik. Niemeyer, Tübingen 2004, ISBN 3-484-10861-4
- Rudolf Schützeichel: Althochdeutsches Wörterbuch.Niemeyer, Tübingen 1995, ISBN 3-484-10636-0
- Stefan Sonderegger: Althochdeutsche Sprache und Literatur: eine Einführung in das älteste Deutsch. Darstellung und Grammatik. de Gruyter, Berlin (u. a.) 1987, ISBN 3-11-004559-1
Siehe auch
Deutsche Sprachgeschichte, althochdeutsche Literatur
Weblinks
- [http://www.cis.uni-muenchen.de/ahdeutsch/haupt.html www.cis.uni-muenchen.de/ahdeutsch/haupt.html] – Althochdeutsches Wörterbuch des 8. Jahrhunderts
- [http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/althochdeutscheswoerterbuch/nhd-ahd.pdf Neuhochdeutsch-althochdeutsches Wörterbuch] – im PDF-Format
Kategorie:Deutsche Sprache
Kategorie:Sprachstufe
ReligionsstifterAls Religionsstifter werden Personen bezeichnet, die den Anstoß zur Gründung einer Religion gaben, oder auf die sich eine Religionsgemeinschaft als Quelle bezieht.
Religionsstifter der Weltreligionen
Als die bekanntesten Religionsstifter der ältesten Weltreligionen gelten (in zeitlicher Reihenfolge):
- Mose für das Judentum
- Zarathustra für den Zoroastrismus – 7. Jahrhundert v. Chr. oder früher
- Laozi (Lao-Tse) für den Daoismus – 6. Jahrhundert v. Chr.
- Konfuzius für den Konfuzianismus – 5. bis 6. Jahrhundert v. Chr.
- Siddhartha Gautama für den Buddhismus – 6. Jahrhundert v. Chr.
- Jesus von Nazaret für das Christentum – um die Zeitenwende
- Manes für den (untergegangenen) Manichäismus – 3. Jahrhundert n. Chr.
- Mohammed für den Islam – 6. bis 7. Jahrhundert n. Chr.
- Baha'u'llah für das Baha'itum – 19. Jahrhundert n. Chr.
Die Einteilung ist in jedem Einzelfall abhängig von der Perspektive der Betrachtung. So sehen gläubige Buddhisten Siddhartha Gautama als einen Wiederentdecker der Buddhaschaft – und nicht als deren Begründer. Gläubige Christen erkennen in Jesus Leben und Handeln den Ursprung ihrer Religion, während er selbst sich als Jude sah. Und Mohammed wird von gläubigen Muslimen nicht als Begründer ihrer Religion gesehen, sondern als der wichtigste und letzte Prophet eines seit Beginn der Menschheit existierenden Monotheismus.
Weitere Religionsstifter
Als Religionsstifter werden darüber hinaus jene Menschen angesehen, deren spirituelles Wirken zwar nicht zur Ausbildung einer Weltreligion geführt hat, wohl aber zu einer eigenständigen religiösen Bewegung (eine Übersicht bietet die Liste der Religionsstifter); Neugründungen von religiösen Gemeinschaften gibt es bis in die Gegenwart. Nicht als Religionsstifter gelten dagegen die Reformatoren der evangelischen Konfessionen, wenn ihr Wirken nicht direkt zur Gründung einer unabhängigen Glaubensgemeinschaft geführt hat (eine Übersicht bietet die Liste von Reformatoren).
Kategorie:Religion
Kategorie:Neue religiöse Bewegung
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Jesus ChristusJesus Christus (von griechisch: Ιησους Χριστός (Iesous Christos), Jesus, der [von Gott] Gesalbte) ist die gebräuchlichste Bezeichnung, unter der Christen Jesus von Nazaret verehren.
Es handelt sich bei „Jesus Christus“ zunächst um eine Bekenntnisformel, die aus der gräzisierten Form des hebräischen Vornamens Jeschua und der griechischen Übersetzung des hebräischen Titels Maschiach (eingedeutscht Messias) einen griechischen Nominalsatz ohne Verb bildet: Jesus (ist der) Christus, der Messias.
Sie findet sich bei sämtlichen Autoren des Neuen Testaments, was auf ihr hohes Alter und ihre Bedeutsamkeit schließen lässt.
Ob dieses Bekenntnis schon zu Lebzeiten Jesu entstand, und ob Jesus sich selbst für den Messias hielt, wie es das Neue Testament behauptet, ist in der Forschung heftig umstritten. Jedenfalls lässt sich die Formulierung mit großer Wahrscheinlichkeit bis zur Jerusalemer Urgemeinde zurückführen und ist integraler Bestandteil des urchristlichen Kerygmas (vgl. Apg 5,42 sie hörten nicht auf, ... Jesus als den Christus zu verkündigen Revidierte Elberfelder Übersetzung).
Schon die erste Generation der Christen hat die Formel Jesus Christus als einen „Namen“ für Jesus im Sinne eines ihm von Gott verliehenen Ehrentitels verstanden (vgl. den Philipper-Hymnus Phl 2,5–11), was die frühe Taufformel „Im Namen Jesu Christi“ (Apg 2,38) nahe legt.
Artikelverweise
- Für die Namensbestandteile siehe die Artikel Jesus (Name) und Christus.
- Für die historische Person Jesus siehe die Artikel Jesus von Nazaret und Leben-Jesu-Forschung.
- Für die wichtigsten Glaubensaussagen des Neuen Testaments zu dieser Person siehe den Artikel Jesus Christus im Neuen Testament.
- Für die biblische Vorstellung vom Messias zu dieser Person siehe Artikel Messias (Christentum).
- Für die spätere theologische Reflexion zu dieser Person siehe die Artikel Christologie und Soteriologie.
- Für die Bedeutung dieser Person für andere Religionen siehe die Artikel Jesus außerhalb des Christentums und Isa (Prophet).
- Für weitere Spekulationen zu dieser Person siehe Artikel Spekulative Theorien über Jesus von Nazaret.
Kategorie:JesusKategorie:Christentum
Konfuzius
Konfuzius (eigentlich Kong Fuzi chin. 孔子, Kŏng Zĭ) war ein chinesischer Philosoph und Begründer des Konfuzianismus. Er lebte vermutlich von 551 v. Chr. bis 479 v. Chr. Er wurde in der Stadt Qufu im chinesischen Staat Lu (鲁in der heutigen Provinz Shandong) geboren, er entstammte der Kong-Familie und gehörte dem niederen Adel an, im Alter von zehn Jahren wurde er Waise. Die Familie des Konfuzius besteht weiterhin in gerader Linie und dürfte damit eine der ältesten nachgewiesenen Familien der Welt sein. Ein Nachfahre der 75. Generation lebt heute in Taiwan.
Konfuzius gründete eine Schule für Philosophie. Der zentrale Wert seiner Lehren war die Ordnung, die seiner Meinung nach durch Achtung vor anderen Menschen und Ahnenverehrung erreichbar sei. Im Mittelpunkt seines Denkens stand der „Edle“ (junzi 君子), ein moralisch einwandfreier Mensch.
Biografie
Zwei Jahre nach seiner Geburt 551 v. Chr. im Staat Lu im heutigen Shandong starb sein Vater und der Knabe Konfuzius erhielt 539-533 v. Chr. Privatunterricht bei seinem Großvater. Mit 19 Jahren erfolgte die Heirat und er verrichtete in den Jahren 532 - 502 v. Chr. verschiedene niedrige Anstellungen.
Seine Mutter starb 529 v. Chr.. Nach einem angeblichen Treffen mit Laozi in Luoyang 518 v.Chr. musste er zwei Jahre später die Flucht vor internen Machtkämpfen ergreifen und Exil im Nachbarstaat Qi suchen. Nach seiner Rückkehr nach Lu begann etwa 500 v. Chr. der politische Aufstieg des Konfuzius. Er wurde zunächst Bauminister und dann Justizminister von Lu und schließlich 498 v.Chr. stellvertretender Kanzler.
497 v. Chr. nimmt Herzog Ding von Lu 80 Singmädchen als Geschenk des Nachbarstaates Qi entgegen, woraufhin Konfuzius abermals ins Exil geht. Nun beginnt eine 13-jährige Wanderschaft durch verschiedene Staaten. Er besucht nacheinander
- 495 v. Chr. Staat Wei
- 494 v. Chr. Staat Chen
- 492 v. Chr. Wei, dann Jin
- 490 v. Chr. Staat Cai
- 489 v. Chr. Auseinandersetzungen zwischen Chen und Cai lassen Konfuzius fast verhungern
- 488 v. Chr. Staat Wei
Wei]
Erst 484 v. Chr. erfolgt die Zurückberufung nach Lu. Dort erlebt er 482 v. Chr. den Tod seines Sohnes Bo Yu und 481 v. Chr. den Tod von Yan Hui und die Ermordung des Herzogs von Qi. Dies wird auch als der Beginn der "Zeit der Streitenden Reiche" bezeichnet. 480 v. Chr. stirbt sein Schüler Zilu auf dem Schlachtfeld und ein Jahr später stirbt auch Konfuzius selbst.
Andere Quellen
Über das Leben und Wirken des Konfuzius informiert vor allem ein ausführliches Kapitel in den Historischen Annalen (Shiji) von Sima Qian, der Jahrhunderte später während der Han-Dynastie lebte und schrieb.
Die Vorfahren des Konfuzius waren die Könige von Shang, denen der König von Zhou nach dem Sturz der Shang-Dynastie das Lehen von Song gegeben hatte. Die Familie verarmte jedoch später. Bereits in früher Jugend verlor Konfuzius seinen Vater und wurde von seiner Mutter allein aufgezogen.
Mit 19 Jahren heiratete Konfuzius und trat in den Dienst des Staates Lu ein. Mit 50 Jahren soll es ihm gelungen sein, einen Ministerposten zu erlangen. Diesen Posten soll er jedoch bereits ein paar Jahre später wieder enttäuscht quittiert haben. Anschließend zog er mit seinen Schülern als Wanderlehrer von einem Lehensstaat zum anderen und wirkte als Berater an verschiedenen Fürstenhöfen. Drei Jahre vor seinem Tod kehrte er in seinen Heimatstaat Lu zurück. Erfolg war ihm nicht beschieden. Erst seine Schüler bauten seine Lehre aus und gewannen Einfluss.
Wenn es schwierig ist, ein klares Bild von Konfuzius zu zeichnen, so liegt dies daran, dass er kein einziges schriftliches Werk hinterlassen hat. Am meisten über seine Gedankenwelt erfahren wir aus den "Gesprächen" (Lunyu), in denen viele seiner Aussprüche überliefert sind.
Lehre
Lunyu
Das einflussreichste Werk der ostasiatischen Geistesgeschichte ist das Lunyu. Es enthält die vier Grundbegriffe des Konfuzius:
- Humanität (仁 ren),
- Gerechtigkeit (義 yi),
- kindliche Pietät (孝 xiao)
- und Riten (禮 li).
Außerdem wird dem Lernen eine hohe Priorität eingeräumt. Das erste Wort des Lunyu ist „lernen“:
Der Konfuzianismus
Der Konfuzianismus ist eine der philosophisch-politischen Strömungen Chinas, die sich als Antwort auf eine tief greifende Krise der Gesellschaft herausgebildet haben. Der Begriff „Konfuzianismus" ist allerdings eine westliche Prägung ohne genaues chinesisches Äquivalent. Der nächste chinesische Ausdruck Kongjiao (孔教„Konfuzius-Lehre"), gebildet analog zu Fojiao (佛教Buddha-Lehre) und Daojiao (道教Dao-Lehre), bezieht sich auf den religiösen Kult, der um die Person des Stammvaters der Schule, Kong Qiu (孔丘, -551 bis -479), lateinisch Konfuzius (孔夫子 nach Kong Fuzi „Lehrer Kong"), betrieben wurde. Der in China gebrauchte Begriff Rujia (儒家) lässt sich wörtlich als „Schule (家 jia) der Sanftmütigen (儒 ru)" verstehen, wobei „Sanftmütiger" für den Gelehrten steht, der sich mit seinem Geist statt mit Gewalt für seine Sache einsetzt.
Der Schwierigkeit zu bestimmen, was „Konfuzianismus" überhaupt sei, steht eine sehr undifferenzierte Alltagsverwendung des Begriffs im Westen gegenüber. Das Etikett „konfuzianisch" wird hier meist für das ethische System verwandt, welches (durchaus nicht unumstrittenerweise) dem Verhalten von vor "konfuzianischem" Hintergrund aufgewachsener Chinesen (oder Koreanern) zugrundegelegt wird. Dabei ist zu bedenken, dass die meisten Verwender dieses Begriffes selber keinerlei Vorstellungen darüber haben, was diesen "Konfuzianismus" kennzeichnen könnte. Ähnliche Tendenzen sind im Zuge der Öffnung der chinesischen Märkte im Übrigen auch in China beobachtbar, wo Konfuzius seit Anfang der Neunzigerjahre wieder hoffähig ist. (Hier dienen sie als, im Grunde genommen haltlose, "Erklärungsmodell" für das schnelle Wirtschaftswachstum und haben apologetische Funktion für das rasante Anwachsen sozialer Ungleichheit - betont Konfuzius doch die Segnungen einer stabilen politischen Ordnung).
"Vor Konfuzius war die Kultur das Geheimnis der Heiligen auf dem Thron. Durch Konfuzius, den „ungekrönten König", wurde sie einer Schule von Gebildeten anvertraut, die als Berater und Minister von Herrschern und Königen dafür gesorgt haben, daß, wo sie Einfluß hatten, die Macht durch Recht und Sitte geheiligt wurde.
...
Das Problem des Konfuzius war die naturgemäße Organisation der Menschheit. Für den Aufbau seines Systems wählte er eine Ellipse mit zwei Brennpunkten. Der eine Brennpunkt war für ihn das Innere des Menschen, der andere die menschliche Gesellschaft."
(Richard Wilhelm)
Fünf Klassiker
Richard Wilhelm]
Es gibt die so genannten Fünf Klassiker des Konfuzianismus, deren Studium von Konfuzius empfohlen wird:
- 易經 Yijing, das Buch der Wandlungen (64 Hexagramme, Textbuch des Großwahrsagers))
- 詩經 Shijing, das Buch der Lieder (Eine Sammlung alter Volkslieder)
- 書經 Shujing, das Buch der Urkunden (Sammlung von Gesetzen und Erlassen mit Kommentierung)
- 禮記 Liji, das Buch der Riten (Riten für den Umgang mit den Ahnen, dem König, der Familie)
- 春秋 Chunqiu, die Frühlings- und Herbstannalen (das einzige von Konfuzius selbst verfasste Buch, eine Chronik der Ereignisse seines Heimatstaates Lu vom 8. bis zum 5. Jahrhundert)
Allerdings wurden diese Bücher wahrscheinlich nicht alle von Konfuzius verfasst. Überliefert wurden sie durch Mengzi (371 v. Chr.–289 v. Chr.) und Xunzi (300 v. Chr.–230 v. Chr.)
Literatur
- Carl Crow: Konfuzius. Staatsmann - Heiliger - Wanderer; Leipzig 1939 (Originaltitel: Master Kung)
- Xuewu Gu: Konfuzius zur Einführung, Hamburg: Junius, 2002, 2.Auflage, ISBN 3885063611
- Volker Zotz: Konfuzius, Reinbek: Rowohlt 2000, ISBN 349950555X
Siehe auch
Konfuzianismus - Lunyu - Qufu - Neokonfuzianismus - Menzius
Weblinks
-
-
Kategorie:Philosoph (Antike)
Kategorie:Religionsstifter
Kategorie:Konfuzianismus
Kategorie:Literatur (Chinesisch)
ja:孔子
ko:공자
ms:Ajaran Konfucius
th:ขงจื๊อ
ManiMani
- Religionsbegründer des Manichäismus, siehe Manes
- Landstrich im Süden der Peloponnes, siehe Mani (Peloponnes)
- Mondgott aus der nordischen Mythologie, siehe Mani (Mythologie)
- Tibetische Bezeichnung für eine Gebetsmühle
- In der Deutschschweiz gebräuchliche Abkürzung für Manfred, aber auch Spitzname (ein Beispiel dafür ist der Sänger Mani Matter)
Moses
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Mose, fälschlich oft Moses genannt (Mose, hebräisch: מֹשֶׁה Moshe, griechisch: Moyses, arabisch: Musa, jiddisch: Moische) ist ein in den 5 Büchern Mose vorkommender Prophet des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs und der Anführer des israelischen Volkes auf seiner Wanderung aus der Sklaverei in Ägypten ins verheißene Land (Auszug aus Ägypten, etwa im 13. Jahrhundert v. Chr.) Diese Befreiung aus der Gefangenschaft feiern die Juden jedes Jahr mit dem Pesachfest.
Bedeutung
Mose, fälschlich oft Moses genannt, ist ein in den 5 Büchern Mose vorkommender Prophet des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs und der Anführer des israelischen Volkes auf seiner Wanderung aus der Sklaverei in Ägypten ins verheißene Land. Diese Befreiung aus der Gefangenschaft feiern die Juden jedes Jahr mit dem Pesachfest.
Mose ist laut biblischer Tradition der Begründer der Mosaischen Religion, die sich zum Judentum weiterentwickelte. Er hat dem Gottesvolk der Juden das Gesetz Gottes bekannt gemacht.
Im Islam gilt Mose (Musa) als bedeutender Prophet; besonders die Geschichte seiner Konfrontation mit dem Pharao und dessen Hofmagiern erscheint des Öfteren im Koran.
Die Darstellung des Mose mit Hörnern in manchen älteren (west-)christlichen Kunstwerken geht auf einen Schreibfehler in der lateinischen Bibel zurück - cornuta, gehörnt, erscheint statt coronata, gekrönt. Die falsche Übersetzung muss Michelangelo dazu veranlasst haben, Mose mit zwei Hörnern darzustellen.
Lebenslauf (Fassung 1)
Geburt - Die wunderbare Errettung
Der Bibel zufolge war Mose ein Israelit aus dem Stamm der Leviten. Sein Vater war der Sklave Amram, seine Mutter die Sklavin Jochebed. Er hatte zwei ältere Geschwister, den Bruder Aaron und die Schwester Miriam. Mose wurde nach seiner Geburt in einem "Kästlein von Rohr" am Ufer des Nils ausgesetzt - denn der Pharao Ramses II hatte befohlen, alle männlichen Nachkommen der Hebräer aufgrund ihrer ihm bedrohlich erscheinenden Fruchtbarkeit umzubringen - und von einer ägyptischen Prinzessin gefunden. Zunächst bestellte sie Moses leibliche Mutter als Amme, später nahm sie ihn als ihren eigenen Sohn auf und nannte ihn Mose (ägyptisch: "der Sohn"; vgl auch ägyptische Königsnamen wie Ram(o)ses = Sohn des Ra und Tutmosis = Sohn der Weisheit). So wuchs er im Haushalt des Pharao auf.
Das Exil
Als junger Mann floh er ins Exil nach Midian, nachdem er einen ägyptischen Sklavenaufseher im Zorn erschlagen hatte, als dieser einen Israeliten misshandelte. Dort heiratete er Zippora, die Tochter des Priesters Jitro, eine kuschitische Frau. Sie gebar ihm zwei Söhne, Gerschom und Elieser.
Auszug aus Ägypten
Einige Jahre später hatte er eine Begegnung mit JHWH als er gerade die Schafe seines Schwiegervaters hütete. Er kam am Gottesberg Horeb vorbei und erlebte, wie aus einem Dornenbusch Flammen schlugen, der Busch jedoch nicht verbrannte. JHWH gab sich zu erkennen und Mose wurde von diesem nach Ägypten zurückgesandt, um das Volk Israel aus der Sklaverei zu führen. Der Pharao wollte die Menge jedoch zuerst nicht ziehen lassen, bis die von Mose prophezeiten Zehn Plagen über Ägypten gekommen waren. Hierbei war auch der Stab von Bruder Aaron von nachhaltiger Bedeutung, der sich beim Wurf auf den Boden in eine Schlange verwandelte. In der Folge zogen sie durch das auf wundersame Weise unter Beteiligung von Mose ausgetrocknete Schilfmeer während bereits kurz hinter ihnen die ihnen nacheilenden ägyptischen Truppen samt Pharao in den zurückströmenden Wassermassen ertranken.
Wüstenwanderung und die 10 Gebote
Mose wurden von JHWH auf dem Berg Sinai die 10 Gebote und die ganze Thora für sein Volk gegeben. Er führte das Volk während der Wüstenwanderzeit an, zusammen mit seinem älteren Bruder Aaron, den er zum ersten Hohepriester salbte. Hierbei kam es zu weiteren Gotteswundern, teils unter Mitwirkung von Mose, z.B. beim Freisetzen von Wasser aus einem Felsen mit einem Stock, dem Mana-Wunder, dem Wachtel-Segen sowie einer Art Heil-Segen durch das Aufrichten einer Schlange an einem Stab.
Tod und Nachfolge
Mose wurde von Jahwe wegen einer kurz zuvor begangenen Sünde verwehrt, das Land Israel selbst zu betreten; er starb kurz vor der Überquerung des Jordans auf dem Berg Nebo im Gebiet des heutigen Jordanien. Seine Nachfolge als Volksführer trat nicht einer seiner Söhne an, sondern ein Gefolgsmann und Stabsmitglied Josua aus dem Stamm Ephraim.
Über das weitere Schicksal von Moses direkten Nachkommen finden sich nur zwei kurze Notizen in der Bibel: Laut dem Buch der Richter dienten einige von ihnen -- entgegen dem jüdischen Gesetz -- als Priester für den Stamm Dan, laut dem 1. Buch der Chronik verwalteten andere von ihnen in späterer Zeit die Schatzkammer des Jerusalemer Tempels.
Lebenslauf (Fassung 2)
Der Auszug (Exodus) aus Ägypten
Mose hat von JHWH den Auftrag bekommen, das Volk Israel aus Ägypten in ein Land zu führen, in dem Milch und Honig fließen. "Aber ich weiß, dass euch der König von Ägypten nicht ziehen lassen wird, es sei denn, er werde gezwungen. Darum werde ich meine Hand ausstrecken und Ägypten mit all meinen Wundertaten schlagen." (2.Mos 3:19ff)
Eine wichtige Rolle spielt der Bruder Moses, Aaron, der als begnadeter Redner und auch als Wundertäter bekannt ist. Einmal schleudert er vor dem Pharao einen Stab auf den Boden, der sich durch die Macht Gottes in eine Schlange verwandelt. Dies dient dazu, den Pharao vom Auszug der Israeliten zu überzeugen. (2.Mos 6:10-12) Ein anderes Mal verwandelt er mit dem selben Stab die Gewässer Ägyptens in eine stinkende, rote Flut. Bei der furchtbarsten Plage verlieren alle Ägypter, auch der Pharao, den erstgeborenen Sohn. Durch diese Zeichen umgestimmt lässt der Pharao die Israeliten endlich ziehen.
Der Karawane der Israeliten umfasste laut Bibel etwa 600.000 Personen und "viel fremdes Volk", die Kinder nicht mitgezählt. (2.Mos 12:37-38) Damit sie den Weg kennen, "zieht der Herr vor ihnen her, am Tag in einer Wolkensäule, um ihnen den Weg zu zeigen, und des Nachts in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten." (2.Mos 13:21) Nach anderer Lesart handelte es sich nicht um 600.000 Personen, sondern um 600 Familienverbände.
Das Volk Israel ist mit seinem neuen Gott sowie auch mit Mose und seinem Bruder Aaron zunächst sehr unzufrieden. Damit es wieder zum Glauben zurückfindet, läßt Gott einige Wunder geschehen. So teilt er eine Stelle des Meeres, damit der israelische Treck durch das Meer ziehen kann, und lässt später das gewaltige Heer der ägyptischen Verfolger in den Wasserfluten untergehen. (2.Mos 14,28) Da aber nach einer Weile erneut Unzufriedenheit aufkommt, und viele daran zweifeln, es mit einem numinosen Wesen zu tun zu haben (2.Mos 15,24), lässt Gott mitten in der Wüste Manna (bekannt auch als Wüstenbrot) vom Himmel regnen.
Auf dem Höhepunkt des Exodus erhält Mose von JHWH am Berg Sinai (auch Horeb genannt) die Gesetzestafel mit den zehn Geboten.
Abermals wächst jedoch die Unruhe im Volk der Israeliten. Sinnenfreudige unter ihnen schmelzen allerhand Schmuck und Gold und erschaffen ein goldenes Kalb, welches ihnen als neuer göttlicher Fetisch gilt. Moses ist erbost darüber, und befielt 3000 Mann zu töten. (2.Mos 32,27ff)
Später lehnen sich 250 Leviten (die die Bundeslade und die anderen heiligen Gegenstände betreuten) gegen Mose und den Herrn auf. "Feuer ging vom Herrn aus, und er verzehrte die 250 Männer." (4.Mos 16,33)
Kurz vor der Ankunft im gelobten Land stellt Gott den Israeliten einen Engel als seinen Stellvertreter zur Verfügung, der die dort ansässigen Völker an einen anderen Ort bringt. Mose stirbt vor der Überquerung des Jordan, da er sich selbst einmal gegen Gott aufgelehnt hatte.
Thesen zur historischen Identität Mose
Es wird immer wieder versucht, die Person Moses mit historisch belegten Persönlichkeiten zu identifizieren. Einerseits existieren über die israelitische Geschichte in den Büchern der Thora durchaus umfangreiche Beschreibungen, andererseits finden sich auch in den Niederschriften der Ägypter auf Stein und anderen Materialien recht umfangreiche Quellen. Aus Vergleichen beider "Geschichtsschreibungen" ergeben sich dabei teils auf den ersten Blick verblüffende Entsprechungen. Die Bewertung, welche Ähnlichkeiten nun rein zufälliger Natur und welche tatsächlich Kandidaten für eine echte Entsprechung sind, ist natürlich schon aufgrund der möglichen mythologischen und religiös-symbolischen Verklärung der Erzählungen schwierig und wird wegen der tatsächlichen Verwebung jüdischer und ägyptischer Geschichte, nicht zu letzt durch die zeitweilige Besiedlung des Nil-Deltas durch die Hyksos, nicht gerade einfacher gemacht. Vorsicht ist zudem immer bei etymologischen Herleitungen und Parallelen geboten. Diese können zufällig sein. Die Forschung wird daher - nicht nur in den hier zur Debatte stehenden Bereichen - diesbezüglich immer vorsichtiger.
Bei intensivem Studium der Gleichsetzungen kann man zu der Auffassung kommen, dass die Mose-Überlieferung möglicherweise eine Kondensation von mehreren, einst unabhängigen Einzelüberleiferungen der Israeliten aus ihrer Zeit in Ägypten darstellt. Konkret heisst dies, dass Begebenheiten aus dem Leben von verschiedenen herausragenden Einzelpersonen in ein Gesamtkonzept eingepasst wurden. Dadurch wurden diese Schilderungen zu der Lebensgeschichte einer so gar nicht real existenten einzelnen "Über-Person" verschmolzen; zur Geschichte eines damit höchst herausragenden, aber nurmehr rein mythischen Führers.
Amun-Masesa
Unter Historikern wird diskutiert, ob Mose auf einen rebellischen Pharao in der Zeit des Neuen Reiches zurückzuführen sein könnte. Amun-Masesa heißt der ca. im Jahr 1230 v. Chr. lebende Gegen-Pharao (ein Enkel von Ramses_II.) dessen Biographie Parallelen zur Biographie Moses, die in jüdischen Legenden beschrieben wurde, aufweist. Masesa - Mose - die Namen könnten verwandt sein. Beide Persönlichkeiten sollen sich zehn Jahre lang im Lande Kusch aufgehalten haben, beide haben eine kuschitische Frau geheiratet - und beide kehren nach Ägypten zurück, um den Pharao zu bekämpfen. Es erscheint möglich, dass dieser Gegen-Pharao im Gegensatz zum regierenden Pharao noch dem monotheistischen Glauben von Echnaton folgte, was seine Rolle als Religionsstifter für verbündete hebräische Sklavenclans plausibler macht. Wenn Masesa und Mose ein und dieselbe Person sind, dann ist eine kürzlich entdeckte Inschrift Masesas zugleich ein Beleg für die Geschichte der Bibel.
Alternative Bedeutungen
Als Moses (Schiffsjunge) wird auch das jüngste Besatzungsmitglied an Bord eines Schiffes bezeichnet, von spanisch mozo = Bursche. Vielfach wird auch das kleinste Boot (das Beiboot einer Yacht) mit Moses bezeichnet.
Die ehemalige Sklavin Harriet Tubman arbeitete unter dem Decknamen Moses in der Underground Railroad.
Verfilmungen
Nach Jesus von Nazaret gilt Moses als der Charakter der Bibel, dessen Leben am häufigsten verfilmt wurde.
Unter anderem wurden folgende Filme produziert:
- 1956: "Die Zehn Gebote" [ Charlton Heston ]
- 1975: "Moses - Der Gesetzgeber" [ Burt Lancaster ]
- 1996: "Die Bibel - Moses" [ Ben Kingsley ]
- 1998: "Der Prinz von Ägypten" [ Val Kilmer ]
- 2000: "Am Anfang" (Episode des Films) [ Billy Campbell ]
Literatur
- Sigmund Freud: Der Mann Moses und die monotheistische Religion
- Richard Müller: Mose, der Knecht Gottes, Dillenburg, 2. Aufl. 1991, ISBN 3-921292-51-4
- Moshe Pearlman: Auf den Spuren des Moses, Gondrom-Verlag Bayreuth 1981, ISBN 3-8112-0231-6
- Israel Finkelstein - Neil Asher Silberman: Keine Posaunen vor Jericho. Die archäologische Wahrheit über die Bibel, München 2002, ISBN 3-406-49321-1.
- Jan Assmann: Moses der Ägypter
- Jan Assmann: Die Mosaische Unterscheidung
Weblinks
- [http://www.bautz.de/bbkl/m/mose.shtml Artikel Moses] mit Bibliographie (BBKL)
- ZDFmediathek: [http://www.zdf.de/ZDFmediathek/inhalt/6/0,4070,2280774-5,00.html Moses und Amun-Masesa] (Video)
Kategorie:Biblische Person altes Testament
Kategorie:Bibel
Kategorie:Koran
Kategorie:Religionsstifter
Kategorie:Judentum
ja:モーセ
NanakGuru Nanak (गुरु नानक) ( - 1469; † 1538) ist ein indischer Heiliger und Religionsstifter.
Nanak wurde in dem Dorf Talwandi, dem heutigen Nankana Sahib in Pakistan geboren. Seine Eltern waren Hindus, und er gehörte der Händlerkaste an. Schon als Junge war er fasziniert von Religion, und sein Drang, die Geheimnisse des Lebens zu erforschen, brachte ihn dazu, sein Elternhaus zu verlassen. Nach Art der Hindu-Heiligen wanderte er durch ganz Indien.
Nanak sah sich selbst als Schüler Gottes. Er betont in seinen Schriften (festgehalten im Guru Granth Sahib) immer wieder, dass er ausschließlich ein Diener und Schüler Gottes ist. Nanak hat sich laut eigener Aussage nie als Schüler irgend eines menschlichen Lehrers gesehen.
Nach mehreren Jahren der Wanderschaft begann Nanak zu lehren. Er predigte vor Jain- und Hindu-Tempeln und vor muslimischen Moscheen und zog dabei eine Vielzahl von Sikhs (Schülern) an. Er fand, Religion sollte die Menschen verbinden. Tatsächlich aber stellte er fest, dass sie die Menschen gegeneinander aufbrachte. Insbesondere bedauerte er die Feindschaft zwischen Hindus und Muslimen, und sein lebenslanges Ziel war es, die beiden Religionen zu einer Einheit zu verschweißen. Ein bekanntes Zitat Nanaks lautet "Es gibt keine Hindus, es gibt keine Muslime, es gibt nur Geschöpfe Gottes."
Nanak war ein Gegner des Kastensystem. Seine Anhänger bezeichneten ihn als Guru (Lehrer). Vor seinem Tod ernannte er Guru Angad zu seinem Nachfolger und zum Oberhaupt seiner Gemeinschaft.
Siehe auch
- Sikhismus
Kategorie:Mystiker
Kategorie:Religionsstifter
Kategorie:Sikhismus
Kategorie:Inder
Kategorie:Geboren 1469
Kategorie:Gestorben 1638
ja:グル・ナナク
EnthusiastEin Enthusiast ist ein leicht zu begeisternder Mensch, ein Schwärmer, der sich für bestimmte Dinge oder Ideologien persönlich und oft in übertriebener Weise begeistern kann.
Man unterscheidet
- Enthusiasten, die im Sinne der platonischen Lehre des Enthusiasmus in eine Art religiösen Wahn verfallen und glauben, übernatürliche göttliche Eingebungen zu empfangen, so etwa die Propheten des Alten Testaments oder die Verfasser des Neuen Testaments;
- religiöse Enthusiasten, die übertrieben fanatisch ihrem Glauben anhängen und manchmal auch vor einem Mord oder Suizid im Rahmen ihrer Glaubensauffassung nicht zurückschrecken;
- politische Schwärmer, die sich für die Ideologien einer bestimmten politischen Gruppierung, oft auch mit fanatischem Interesse, begeistern;
- Menschen, die einem "edlen Enthusiasmus" frönen und sich für schöne, erhabene Dinge begeistern können und sich etwa an den Schönheiten der Natur, an einem Gedicht, einem Musikstück oder einem Kunstwerk erfreuen. Auch junge Menschen, die sich für bestimmte Stars begeistern, gehören in diese Kategorie der Enthusiasten.
Siehe auch: Enthusiasmus
Kategorie:Differentielle und Persönlichkeitspsychologie
GemeinschaftUnter Gemeinschaft (herrührend von dem Wort "gemein") versteht man die zu einer Einheit zusammengefassten Individuen (Gruppe), wenn die Gruppe emotionale Bindekräfte aufweist und ein Zusammengehörigkeitsgefühl (Wir-Gefühl) vorhanden ist.
Häufig wird das Wort auch benutzt, wenn die emotionalen Bindekräfte erst entstehen sollen, z.B. Europäische Gemeinschaften. Gelegentlich wird eine programmatische Aussage mit der Benutzung des Wortes getroffen.
Allgemeines
Die kleinste Gemeinschaft ist die Familie ungeachtet ihres rechtlichen Rahmens. An ihr wird bereits deutlich, dass Gemeinschaften aufgrund freier Willensentscheidung entstehen können (Ehepartner). Andererseits kann man ohne freie Willensentscheidung in eine Gemeinschaft hineingeboren werden (Kinder).
Neben den Extremen der freien Willensentscheidung und des hinein geboren Werdens gibt es in der Praxis viele Gemeinschaften, bei denen die freie Willensentscheidung so eingeschränkt ist, dass sie kaum wahrnehmbar ist, ohne dass man hineingeboren wird. Ein Beispiel hierfür ist die Klassengemeinschaft in der Schule. Auch Schicksalsgemeinschaften zählen zu den Gemeinschaften, etwa zunächst wildfremde Menschen, die einander auf Grund eines Unfalls z.B. im Rettungsboot über längere Zeit gegenseitig helfen.
Eine Gemeinschaft entwickelt ein Eigeninteresse, welches sich an den alltäglichen Zielsetzungen der Lebensführung der Mitglieder bemisst und entsprechend auf vielerlei Weise miteinander verflochten ist. Nicht selten fällt deshalb der Austritt aus der Gemeinschaft leichter oder schwerer, wird auch behindert oder moralisch diskreditiert ("Untreue"), denn einen argumentativ vorbringbaren Einzelzweck haben sie gerade nicht. Politische Zwangsverbände werden oft als "Gemeinschaften" deklariert, um ihre Mitglieder moralisch an sie zu binden, am nachhaltigsten in totalitären Diktaturen.
Kriterien für Gemeinschaften sind:
- Klare Festlegung der Zugehörigkeit und damit Abgrenzung zum "Rest der Welt"
- freiwillige Solidarität der Gemeinschaftsangehörigen untereinander (Primat des Gemeinschaftsinteresses vor dem jeweiligen Individualinteresse)
- Emotionale Bindungskräfte (Wir-Gefühl)
- Nicht nur kurzzeitige Existenz der Gemeinschaft
- Vertrautheit der Gemeinschaftsangehörigen (gilt auch für anonyme Großgemeinschaften wie Völker)
Anmerkungen: Die klare Zugehörigkeit muss für Außenstehende nicht zwingend erkennbar sein. Es muss sich auch nicht um objektiv eindeutige Kriterien handeln. Wesentlich ist, dass die Gemeinschaftsmitglieder "wissen" (oftmals mehr spüren), wer dazu gehört und wer nicht. Oft werden Zugehörigkeitsmerkmale bewusst oder unbewusst künstlich geschaffen, etwa in Form von besonderen Kleidungsmerkmalen. Gelegentlich kommt es vor, dass Gemeinschaften Personen vereinnahmen, die gar nicht dazugehören wollen. Zum Beispiel wollen die Südtiroler keine Italiener sein, die Basken keine Spanier. Auch die Dauer einer Gemeinschaft kann strittig sein. Bei Familien kommt es vor, dass ein Teil (häufig die Kinder) die Gemeinschaft noch als existent sehen, während andere (hier die Ehepartner) sie als zerbrochen betrachten.
Grundsätzlich drücken Gemeinschaften mehr Zusammengehörigkeit aus als bloße Gesellschaften, bei denen die gemeinsame Interessensvertretung im Vordergrund steht.
Eine besondere Untersuchung über den grundsätzlichen Unterschied zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft stammt von dem deutschen Soziologen Ferdinand Tönnies (1855-1936) in "Gemeinschaft und Gesellschaft" von 1887 (viele Auflagen). Tönnies entwickelte darin den Ansatz, dass "Gemeinschaft" und "Gesellschaft" beide den Gegenstand der (von ihm damit in Deutschland begründeten) "Soziologie" ausmachten. Beide sind ihm Formen sozialer Bejahung, wobei der Wille, sich als einen Teil eines Kollektivs zu sehen (sich selbst notfalls als Mittel, das Kollektiv als Zweck – der Wesenwille), "Gemeinschaften" ausmache – indes der Wille, sich eines Kollektivs als eines Mittels zum eigenen Nutzen zu bedienen (der Kürwille), "Gesellschaften" konstituiere. In der Reinen Soziologie der Begriffe schlössen also die Begriffe "Gemeinschaft" und "Gesellschaft" einander aus (er nennt solche Begriffe Normaltypen); in der empirischen Welt, dem Feld der Angewandten Soziologie, erscheinen sie hingegen nach Tönnies immer gemischt. Als Sonderformen unterscheidet Tönnies dann zwischen den "Gemeinschaften des Blutes" ("Verwandtschaft"), "des Ortes" ("Nachbarschaft") und "des Geistes" ("Freundschaft").
In seinem Spätwerk Geist der Neuzeit wandte Tönnies diese Begriffe an und folgerte, dass im (europäischen) Mittelalter die "Gemeinschaft" die vorwiegende Anschauungsweise gewesen sei, in der man Kollektive verstanden habe, dass sich dies aber mit der Neuzeit zu Gunsten der Anschauung gewandelt habe, alle Kollektive eher als "Gesellschaft" zu verstehen.
Der französische Soziologe Émile Durkheim traf die berühmt gewordene Unterscheidung zwischen mechanischer und organischer Solidarität. Mechanische Solidarität beruht auf der Gleichheit der Kompetenzen der Mitglieder, "organische Solidarität" auf ihrer Unterschiedlichkeit. Mit "mechanischer Solidarität" wird die Unterscheidung nach außen deutlicher ("Wir Arbeiter", "Wir Deutschen", "Wir Frauen"), während in der organischen Solidarität die gegenseitige Ergänzung (Arbeitsteilung) zu einer Einheit deutlich wird (Mann und Frau in der Familie, verschiedene Spezialisten in der arbeitsteiligen Volkswirtschaft). Dauerhafte Gemeinschaften haben sowohl mechanische als auch organische Elemente.
Der deutsche Soziologe Max Weber erörtert, an Tönnies angelehnt, "Vergemeinschaftung" in Wirtschaft und Gesellschaft.
Die Kommunitarismus-Diskussion, ausgehend von den USA, benutzt vergleichbare Auffassungen von Community, ohne die "Gemeinschafts"-Diskussion in der europäischen Soziologie nennenswert rezipiert zu haben.
Besondere Gemeinschaftsformen
Ferdinand Tönnies nennt als typisch Verwandtschaft, Nachbarschaft (der Begriff ist bei ihm vom Dorf bis hin zur griechischen Polis anwendbar) und Freundschaft.
Religionsgemeinschaften, vor allem Ordensgemeinschaften sind im tönnesianischen Sinn in ihrem Selbstbild stark "gemeinschaftlich"; der Einzelne opfert sich dem Kollektiv bis hin zum Martyrium. Doch über kurz oder lang 'vergesellschaften' sie sich (vgl. auch Max Webers "Vergesellschaftung").
Bei Sportgemeinschaften wird das füreinander Eintreten im Mannschaftssport besonders wahrnehmbar. Bei Extremsportarten wie Bergsteigen wird die Verlässlichkeit der Gemeinschaftsmitglieder zu einem wesentlichen Element.
Die Volksgemeinschaft wurde zu Beginn des ersten Weltkriegs als Schlagwort für den Zusammenhalt der Nation beschworen, als Kaiser Wilhelm II. proklamierte: "Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche." In der Weimarer Republik stritten sich die Parteien um den Begriff. Noch 1933 sprach Otto Wels in seiner berühmten Rede gegen das Ermächtigungsgesetz davon, dass die SPD die wirkliche Volksgemeinschaft wolle. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde
die Idee der Volksgemeinschaft Teil einer politischen Beschwörungsformel, mit der Hitler Deutschland in den 2. Weltkrieg führte und den Holocaust rechtfertigte.
Wirtschaftliche Gemeinschaften wie z.B. die Gemeinschaft Dämmstoff Industrie haben meistens nur das Wort im Namen und sind meistens reine Interessensvertretungen. Zumindest bei der Gründung war aber i.a. der Gedanke dabei, dass man ein Gemeinschaftsgefühl aus gleichartiger Tätigkeit und eine Solidarität der Mitglieder schaffen könne.
Wissensgemeinschaften sind Netzwerke von Erfahrungsträgern und Interessierten an einem Wissensgebiet, z.B. Projektmanagement. Sie wollen Wissen in diesem Gebiet teilen und weiterentwickeln, z.B. mit Methoden und Lösungen des Wissensmanagements. Typische Wissensgemeinschaftsformen sind das Expertennetzwerk (Community of Practice) , die Nutzergemeinschaft, z.B. eines Produkts, oder betriebliche Organisationsformen wie Organisationseinheiten und Teams.
Die Versicherten-Gemeinschaft empfindet im allgemeinen wenig Solidarität, aber dennoch handelt es sich um eine Solidargemeinschaft. Allerdings ist der Gedanke meist verlorengegangen, dass z.B. eine Brandversicherung nichts anderes bedeutet, als dass die Masse der Nicht-Brandgeschädigten (durch ihre Beiträge) den Brandgeschädigten unterstützt.
Lebensgemeinschaften aller Art sind auf die gesamte Dauer des Lebens angelegt. Neben der Ehe und der Lebenspartnerschaft zählen dazu beispielsweise religiöse Orden, auch "Lebensbünde" (vgl. - auch generell - den "Bund"), von Burschenschaften, Corps, Sängerschaften, Turnerschaften u.a. Verbindungsstudenten. Hier sind auch faktische Zwangsgemeinschaften auf Lebenszeit auffindbar, z.B. Geheimdienste.
Korpsgeist s. ebd.
Zu ganzheitlich ökologischen Gemeinschaftsformen, siehe: Ökosiedlung, und [http://en.wikipedia.org/wiki/Global_Ecovillage_Network Global Ecovillage Network] .
Literatur
Lars Clausen, Gemeinschaft, in: Günter Endruweit/Gisela Trommsdorf, Wörterbuch der Soziologie, Stuttgart (Lucius & Lucius) ²2002, S. 183-185, ISBN 3-8282-0172-5
Missbrauch
Menschliche Individuen (soziale Akteure) können "Gemeinschaften" nur begrenzt bilden. Es ist ihnen praktisch nicht möglich, zu jedem Zeitpunkt in allen ihren sozialen Beziehungen gemeinsame Ziele zu verfolgen oder jegliche Handlungen gemeinschaftlich durchzuführen. Im theoretisch strengen Sinne ist es ihnen sogar nie zur Gänze möglich, obwohl sie es anders empfinden können. Der Begriff "Gemeinschaft" ist daher eine oft missbrauchte Fiktion. Der Begriff dient dann zumeist dem, Menschen zu einem von Zweckorganisationen oder von einzelnen charismatischen Personen gewünschten Handlungen zu drängen, indem der Eindruck erweckt wird, dieses Handeln geschehe für ihm teure oder lebenswichtige Gemeinschaften (vgl. Ideologie, Derivation). So propagierten die Nationalsozialisten den Begriff der "Volksgemeinschaft", um die von ihnen beherrschten Menschen für ihre nationalistischen, kriegerischen und rassistischen Ziele zu gewinnen.
Siehe auch
- Ferdinand Tönnies, Geist der Neuzeit, 1935, 2. Aufl. 1998 im Rahmen der kritischen Ferdinand Tönnies Gesamtausgabe
- Ökosiedlung
- Neue Gemeinschaft,
- Gemeinwesen
- Partnerschaft (Beziehung)
Kategorie:Soziologie
Weblinks
[http://en.wikipedia.org/wiki/Global_Ecovillage_Network Global Ecovillage Network]
[http://de.mabico.com/en/news/european_community/ Gemeinschaft]
Kategorie:Wortexport
Autorität
Autorität ist im weitesten Sinne eine soziale Positionierung, die einer Institution oder Person zugeschrieben wird und dazu führt, dass sich andere Menschen in ihrem Denken und Handeln nach ihr richten. Sie entsteht (durch Vereinbarungen) in gesellschaftlichen Prozessen (Lehrer/Schüler, Vorgesetzter/Mitarbeiter), durch vorausgehende Erfahrungen von Macht, Fähigkeiten, Wissensvorsprung und/oder durch religiöse Überzeugungen.
Die sprachlichen Wurzeln entstammen dem lateinischen „auctoritas“ (Einfluss, Geltung, Ansehen, Würde, Macht) bzw. dessen Verb „augere“, das soviel wie vermehren, fördern, bereichern, wachsen bedeutet. In derselben Wortfamilie gab es auch den "auctor" (Urheber, Schöpfer, Mehrer, Förderer, Autor).
Das Adjektiv zu Autorität lautet "autoritativ". Das Adjektiv "autoritär", welches oft mit "Autorität" in Zusammenhang gebracht wird, stellt hingegen die negativen Seiten der Autorität, d.h. Machtmissbrauch, Unterdrückung und Gewalt dar.
Neben der Verwendung als Attribut kann Autorität auch die Person oder Institution selbst bezeichnen, die Autorität auf ihrem jeweiligen Gebiet besitzt. So ist der Lehrer in der Schule eine Autorität kraft Gesetz; ein Wissenschaftler ist eine Autorität, wenn er bei den Kollegen allgemeine Anerkennung für seine Forschung genießt.
Genau betrachtet, ist Autorität nicht als Eigenschaft, sondern als Beziehung zu begreifen; die Autorität bedarf der Anerkennung anderer, das Autoritätsverhältnis ist zweiseitig. Dabei kann es sich um die verschiedensten Beziehungsformen handeln, insbesondere können die Grade der Freiwilligkeit der Anerkennung viele Formen annehmen, insbesondere:
- Zutiefst freiwillige Bewunderung und Respekt. Autorität erhält hier einen Bezug zu Ehre.
- Faktisch akzeptierte Autorität in gesellschaftlichen Rollen (z.B. Eltern, Lehrer, Vorgesetzte, Polizisten, Richter, Trainer)
- Vortäuschen der Akzeptanz der Autorität nach Außen hin, um Nachteile zu vermeiden, bei gleichzeitiger innerer oder gegenüber Vertrauten dokumentierter Ablehnung
- Erzwungene Anerkennung von Autorität aufgrund körperlicher Unterlegenheit, in Situationen von Gefangenschaft oder Gefängnis- oder allgemein aufgrund von massiven Angstsituationen.
Neue Ansätze im Lehrbereich, zum Beispiel in den konstruktivistischen Lehr- und Lerntheorien, gehen davon aus, dass die Lehrperson ihre Autorität nicht nur kraft des Gesetzes/der Position erlangt, sondern durch Zustimmung von den Belehrten. Autorität kann zudem geteilt oder delegiert werden, sofern die Autorität (als Person) gewillt ist, dies zu tun.
Prinzipiell betrachtet, entsteht durch Autorität dennoch ein (wenn auch ein zeitlich, räumlich oder fachlich beliebig eingeschränkt vorstellbares) Machtgefälle zwischen im elementaren Fall zwei Personen.
Erich Fromm bezeichnet die Autorität des Lehrers im Lehrer-Schüler-Verhältnis als Beispiel für eine rationale Autorität, gegenüber der irrationalen Autorität des Herrn in der Herr-Knecht-Beziehung. Die rationale Autoritätsbeziehung löst sich auf, je selbstständiger der Schüler wird, bis er schließlich der Schule entwachsen ist. Pädagogisch wird Autorität oft grundsätzlich als förderliche Autorität betrachtet, die auf Vertrauen gründet, aber auch missbraucht werden kann. Soziopsychoanalytisch kritisiert Gérard Mendel Autorität als "täuschende Maske der Gewalt", die im Fall unzureichenden oder verweigerten Gehorsams ihr wahres strafendes Gesicht zeigt.
Der sehr schillernde Autoritätsbegriff beinhaltet weitere Differenzierungen: charismatische Autorität, funktionale Autorität, personale Autorität, anonyme Autorität, Sachautorität, Amtsautorität, Erziehungsautorität usw.
Man kann nach Bocheński epistemische und deontische Autorität unterscheiden: Epistemische Autorität ist die Autorität des Wissenden, der sich in einem Fachgebiet besonders gut auskennt und auf den man deswegen bei Fragen, die dieses Fachgebiet betreffen, zu hören gewillt ist. Deontische Autorität bezeichnet die Autorität des Vorgesetzten, der von dieser seiner Position her Weisungen zum Verhalten seiner Untergebenen erteilen kann.
Unter Demonstration von Autorität oder Autoritätsdemonstration wird eine Handlung verstanden, die dazu dienen soll, dass eine Autorität anerkennt wird.
Wird die Demonstration von Autorität von mehreren zusammengehörig fühlenden gleichzeitig ausgeführt, tragen Effekte der Gruppendynamik in der Regel zu einer Stärkung der Intensität der Demonstration von Autorität bei.
Das Milgram-Experiment zeigt, dass eine Deckung in dem Sinne, dass z.B. Vorgesetzte Handlungen zur Demonstration von Autorität allgemein oder im Einzelfall befürworten, weiterhin zur Stärkung der Intensität der Demonstration von Autorität beiträgt. Gibt es möglichst wenig Kontakt (z.B. Gelegenheiten für Mitgefühl) zwischen Demonstrierenden und Betroffenen, so ist dies ebenfalls intensitätssteigernd.
Eine Demonstration von Autorität kann zum Beispiel positiv durch Nachsicht und Respekt
oder durch die offensichtliche Suche nach einem gerechten Konsens in Konflikten und somit Demonstration intellektueller Überlegenheit geschehen.
Es gibt aber auch negative Methoden, z.B. durch möglichst beeindruckendes Auftreten (Habitus, Kleidung, z.B. möglichst imposante Uniform, Talar, Abzeichen, Waffe, o.ä.,
durch Sprache, etwa entschiedener Tonfall, Schreien, auch Drohungen, ("Säbelrasseln"), oder Beleidigungen, sowie durch Gewalt, Androhen oder Zufügen von physischem oder psychischem Schmerz, Qual, Folter. Dazu gehört auch das Verbreiten von Angst und Terror, z.B. demonstrative Verletzung oder Tötung Anderer (Exempel statuieren).
Siehe auch
Autorisierung, Erziehung, Führung, Herrschaft, Macht, Amt]
Literatur
- Joseph M. Bocheński: Was ist Autorität? Einführung in die Logik der Autorität. Herder, Freiburg i. Br. 1974, ISBN 3-451-01939-6
- Gérard Mendel: Plädoyer für die Entkolonisierung des Kindes. Sozio-Psychoanalyse der Autorität. Walter-Verlag, Olten u. Freiburg i.Br. 1973, ISBN 3-530-56401-X
Weblinks
- [http://www.bruehlmeier.info/macht.htm "Macht und Autorität in der Erziehung", vom Schweizer Pädagogen Arthur Brühlmeier]
- [http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20260/1.html Telepolis: "Wer nicht kuscht, wird getasert"]
[[Kategorie:Herrschaftssoziologie]]
[[Kategorie:Pädagogik
Kategorie:Macht
ja:権威
th:อำนาจหน้าที่
SchülerEin Schüler ist eine Person, die zu einer anderen Person, dem Lehrer, in regelmäßigem kommunikativen Kontakt steht. Das Resultat besteht (hoffentlich) meistens in erweitertem Wissen und (Lebens-) Weisheit oder aber auch im Erreichen des jeweiligen Ziels der Schule. Der Sinn des Schulbesuchs (für Schüler) besteht oftmals nicht darin, Wissen zu erhalten, sondern im Erhalten des Schul-Abschlusses, da den Schülern selten alles gelehrte Wissen sinnvoll brauchbar scheint; diese Übereinstimmung ist maßgeblich für die Qualität einer Schule bzw. dessen Lehrplan.
Meistens ist diese Beziehung, durch die Schulen bzw. das verantwortliche Kultusministerium institutionalisiert (z.B. Grund-, Real-, Berufs-, Fach-, Hoch-, Volkshochschule, Religionsschule oder auch Gymnasium).
Ein Schüler wird daher, während seiner Erziehung oder Ausbildung, eine die Schule besuchende Person, genannt.
In dieser Beziehung unterrichtet der Lehrer den Schüler. Seltener, findet der Diskurs, als bidirektionale Form der Wissenskommunikation und -Vervielfachung Anwendung.
Im traditionellen Handwerk, der Wissenschaft und der Kunst, spricht man oft auch vom Schüler eines großen Meisters ( = dem Meisterschüler), und nimmt so direkt Bezug auf die Einflüsse und Quellen des Schüler-Wissens. (vgl. Schule (Künstler), Schule (Wissenschaft))
Die, in einer bestimmten wissenschaftlichen, literarischen oder künstlerischen Richtung gebildeten Personen werden auch als Schüler dieser bezeichnet (z.B. Bauhaus-Schüler).
Siehe auch
- Student
- Streber
Weblinks
- [http://www.weberberg.de/skool Tipps für SchülerInnen]
Kategorie:Pädagogik
Kategorie:Schulwesen
Stifter
Als Stifter wird der Gründer oder Erbauer eines Bauwerks oder einer Kultstätte bezeichnet, später auch jemand, der den entsprechenden Geldbetrag zur Verfügung stellte. Als sogenannte Stifterfiguren erscheinen Auftraggeber für ein kirchliches Bauwerk oder ein Ausstattungsstück in der kirchlichen Kunst seit frühchristlicher Zeit. Stifter von Kirchen sind häufig mit einem Kirchenmodell als Attribut ausgezeichnet. So ist beispielsweise die Kaiserin Kunigunde an der Adamspforte des Bamberger Doms dargestellt.
Auf kirchlichen Ausstattungsstücken erscheinen Stifter meist betend, im frühen Mittelalter sind sie häfuig verschwindend klein neben den Heiligen oder Christus dargestellt. Diese Darstellungsweise - als kleine, in einer der unteren Bildecken angeordneten Figuren - bleibt bis ins ausgehende Mittelalter erhalten.
Ab dem 15. Jahrhundert treten aber bereits Stifter in annähernd gleicher Größe mit den dargestellten Heiligen auf. Auf den protestantischen Altären der Renaissance werden Stifter häufig auf den Altarflügeln oder auf der Predella dargestellt.
Sonstiges
Gestiftet werden heute vorwiegend Institutionen mit gemeinnützigem Anliegen. Englische Bezeichnungen sind benefactor, founder und - als Stifter eines Treuhandvermögens - trustor.
Literatur
- Ulrich Brömmling: Die Kunst des Stiftens. 20 Perspektiven auf Stiftungen in Deutschland. Berlin: edition pro arte infantibus, 2005. ISBN 3-9805009-6-9
Siehe auch
Stiftung, Mäzen, Stift
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Apostel
Ein Apostel (männlich, von griechisch απόστολος, apóstolos; aramäisch saliah - Gesandter, Sendbote) ist im Verständnis der christlichen Tradition jemand, der von Jesus Christus direkt als "Gesandter" beauftragt worden ist. Von ihnen wird nur in der Bibel berichtet (insbesondere in der Apostelgeschichte)
Apostel im engeren Sinne
In den Evangelien
In den Evangelien der Bibel wird von einer Auswahl aus den Jüngern Jesu Christi berichtet, die auch zwölf Apostel oder kurz die Zwölf genannt werden. Diese Zahl hat aufgrund der jüdischen Tradition der zwölf Stämme Israels eine spezielle Bedeutung.
Das Matthäusevangelium (10,2 ff) und das Markusevangelium (3,18 ff) listen folgende Apostel auf:
# Simon Petrus
# dessen Bruder Andreas
# Jakobus (der Ältere)
# dessen Bruder Johannes, die beiden Söhne des Zebedäus
# Philippus
# Bartholomäus
# Thomas
# Matthäus (der Zöllner, evtl. identisch mit dem Evangelisten Matthäus)
# Jakobus der Jüngere oder Jakobus, Sohn des Alphäus
# Judas Thaddäus
# Simon der Zelot (Simon der Eiferer)
# Judas Ischariot
Das Lukasevangelium folgt dieser Aufzählung im Wesentlichen (6,13 ff). Den Judas Thaddäus nennt es aber Judas, Bruder des (jüngeren) Jakobus, und Simon Kanaanäus wird auch als Zelot, also "Eiferer", bezeichnet.
Im Johannesevangelium existiert keine förmliche Liste der Apostel. Dort tritt zweimal ein Nathanael auf, der in den anderen Evangelien nicht erscheint (Johannes 1,45 ff, 21,2). Er wird zwar nicht Apostel genannt, in Johannes 21,2 befindet er sich nach der Auferstehung Jesu allerdings in ihrer Gesellschaft. Er könnte mit Bartholomäus identisch sein.
In der Apostelgeschichte
Da Judas Ischariot sich nach dem Verrat an Jesus selbst tötete, wurde, kurz nach der Himmelfahrt Jesu, Matthias als einer der Zwölf nachgewählt (Apostelgeschichte 1,15 ff). Der Bericht über seine Nachwahl ist besonders interessant, weil er die Voraussetzungen nennt, die ein Mitglied der apostolischen Zwölfergruppe aufzuweisen hat:
: Das muss einer von den Männern sein, die mit uns (den anderen Zwölfen) gewesen sind in all der Zeit, in der der Herr Jesus bei uns ein- und ausging, und zwar von der Taufe des Johannes an bis zu dem Tage, an dem er aufgenommen wurde. Mit uns soll er zum Zeugen seiner Auferstehung werden. (Apostelgeschichte 1,21-22)
Diesen Voraussetzungen entsprach die Biografie des Apostels Paulus nicht. Er hatte seine Begegnung mit Jesus Christus ja erst nach Pfingsten. Was den "geschichtlichen" Jesus anging, war Paulus auf Informationen der anderen Apostel und Jünger sowie auf besondere Offenbarungen angewiesen. In Römer 11,13 nennt Paulus sich Apostel der Heiden und beschreibt damit seinen besonderen Dienstauftrag, den er nach seinen Aussagen bereits bei seiner Bekehrung erhalten hatte.
Das Neue Testament arbeitet nur wenige Jünger bzw. Apostel als Individuen heraus (z. B. Simon Petrus, Johannes, Judas Ischariot). Generell bleiben sie bis auf ihren Namen oder einzelne Ereignisse farblos. Allerdings sind zahlreiche Legenden über den Lebensweg dieser Apostel überliefert. So soll Thomas das Evangelium nach Indien gebracht und Jakobus der Ältere sein Grab in Santiago de Compostela (übersetzt: Heiliger Jakob vom Sternenfeld) gefunden haben.
Weitere Apostel
Im Neuen Testament
Hier geht es nicht um die auserwählten Zwölf, sondern der Begriff "Apostel" wird im wörtlichen Sinne verwendet - Gesandter.
- In Hebräer 3,1 wird Jesus Christus selbst als der Apostel und Hohepriester unseres Bekenntnisses bezeichnet.
- In Römer 16,7 werden Andronikus und Iunia (oder Iunias) als Männer erwähnt, die unter den Aposteln angesehen sind.
- In Apostelgeschichte 14,14 wird Barnabas als Apostel bezeichnet, der zuvor laut Apostelgeschichte 13,1-4 zusammen mit Paulus zu dem Werk, zu dem sie der Herr berufen hatte, auserwählt wurde.
- Paulus bezeichnet Jakobus, "des Herrn Bruder", als Apostel (Galater 1,19). Gemeint ist vermutlich Jakobus der Ältere.
- Silvanus und Timotheus nennen sich zusammen mit Paulus Christi Apostel (1 Thessalonicher 2,7 im Zusammenhang mit 1 Thessalonicher 1,1)
- In Epheser 4,11 wird das Amt des Apostels zusammen mit den Ämtern der Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrern als einer der grundlegenden Dienste der Kirche bezeichnet.
- Die drei Frauen, die am Ostermorgen auf dem Weg zum Grab zuerst die Kunde der Auferstehung erhielten, werden - allerdings außerhalb der biblischen Berichte - manchmal die Apostel der Apostel genannt, weil sie als erste die Auferstehungsbotschaft den Aposteln weitermeldeten.
In der Katholischen und Orthodoxen Kirche
In der Katholischen und der Orthodoxen Kirche gelten die Bischöfe als Nachfolger der Apostel, unterscheiden sich aber von diesen dadurch, dass sie einen festen Sitz haben. Den Titel eines Apostels haben die Bischöfe aber nie getragen.
Im 8. Jahrhundert wurde der Angelsachse Bonifatius "Apostel der Deutschen" genannt, im 9. Jahrhundert bekamen Kyrill und Method den Titel "Slawenapostel".
Einige Heilige, darunter auch Frauen wie Nina von Georgien, werden als "apostelgleich" verehrt.
In protestantischen Kirchen
Einige protestantische Kirchen, insbesondere solche der Pfingstbewegung, kennen in ihren Gemeinden den Dienst des Apostels (zusammen mit den Diensten des Lehrers, Hirten, Propheten und Evangelisten) gem. Epheser 4,11. Sie sehen dieses Amt als Funktion ohne besondere Privilegien.
In der Neuapostolischen Kirche
Ein "Apostelamt der Neuzeit" wurde von Gott in den Katholisch-Apostolischen Gemeinden um 1832 eingerichtet. Auch die zahlreichen Nachfolgeorganisationen dieser Gemeinden kennen meist das Apostelamt. Die Neuapostolische Kirche (NAK) als bekannteste Abspaltung bzw. Nachfolgeorganisation kennt das Amt des Stammapostels und der Apostel, das innerhalb der Kirche weitergegeben wird. Der Stammapostel ist das religiöse Oberhaupt der Apostel der NAK, er beruft die ihm unterstehenden Bezirksapostel und Apostel. Die niederländische "Apostolisch Genootschap" und die in der Vereinigung Apostolischer Gemeinden zusammengeschlossenen Gemeinschaften, wie die deutsche Apostolische Gemeinschaft, kennen ebenfalls das Apostelamt, jedoch mit einer veränderten Bedeutung und Autorität.
In der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen)
Auch in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage existiert das Amt des Apostels. Es gibt immer nur 15 lebende Apostel, die die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel bilden.
Literatur
- Jürgen Roloff: Art. Apostel/Apostolat/Apostolizität I. Neues Testament. In: Theologische Realenzyklopädie, Bd. 3, de Gruyter, Berlin 1978, S. 430-445. (mit weiterer Lit.)
- Jörg Frey: Apostelbegriff, Apostelamt und Apostolizität. Neutestamentliche Perspektiven zur Frage nach der "Apostolizität" der Kirche. In: T. Schneider / G. Wenz (Hgg.), Das kirchliche Amt in apostolischer Nachfolge I. Dialog der Kirchen 12. Freiburg / Göttingen 2004, S. 91-188 (differenzierte, umfassende Darstellung)
- Jürgen Roloff: Apostolat - Verkündigung - Kirche. Ursprung, Inhalt und Funktion des kirchlichen Apostelamtes nach Paulus, Lukas und den Pastoralbriefen. Gütersloh 1965
- Rudolf Schnackenburg: Apostel vor und neben Paulus. In: Ders., Schriften zum Neuen Testament. Exegese in Fortschritt und Wandel. Kösel, München 1971, S. 338-358
- Ferdinand Hahn: Der Apostolat im Urchristentum. In: Kerygma und Dogma 20 (1974), S. 54-77
- John MacArthur: Zwölf ganz normale Menschen, 224 Seiten, CLV, 2004, ISBN 3-8939-7959-X (mit Kapiteln zu jedem einzelnen Apostel Jesu; auch online verfügbar als PDF (1,3 MB) unter [http://clv.dyndns.info/pdf/255959.pdf])
Siehe auch
- Portal:Bibel
- Stammapostel, Johann Gottfried Bischoff
- Neuapostolische Kirche
- Katholisch-apostolische Gemeinden
- Apostolische Gemeinschaft
- Apostelamt Jesu Christi
Weblinks
- [http://www.theologie-systematisch.de/ekklesiologie/3nt.htm Aktuelle Literatur zu den neutestamentlichen Kirchen und den Aposteln]
Kategorie:Christentum
Kategorie:Kirchenwesen
Kategorie:Alte Kirche
Kategorie:Biblische Person neues Testament
ja:使徒
ko:사도
MärtyrerMärtyrer (v. griech. martys – Zeuge; martyrion – Zeugnis) sind Angehörige von Religionen, die um des Bekenntnisses ihres Glaubens willen unschuldig und nicht im Zusammenhang eigener Gewaltausübung oder Kriegführung Misshandlungen oder den Tod erdulden.
Im weiteren Sinn werden auch Menschen als Märtyrer bezeichnet, die um einer nicht notwendigerweise religiösen Idee wegen, etwa einer (gesellschaftlich unterdrückten oder umstrittenen) politischen Überzeugung willen, einen in der Regel gewaltsamen Tod durch ihre Gegner erleiden.
Die Wortbedeutung vermischt sich seit Wiedererstarken des militärisch aktiven Islam im 20. Jahrhundert mit der Übersetzung des islamischen Begriffes „Schahid“ (wörtlich „Zeuge“), eines Gefallenen im militärischen Glaubenskampf (Dschihad), als „Märtyrer“.
Das Wort Blutzeuge ist eine Übersetzung von Philipp von Zesen für das Wort Märtyrer. Es wurde insbesondere auch von den Nationalsozialisten verwendet; so wurde z.B. alljährlich am 9. November deutschlandweit der "Blutzeugen der Bewegung" gedacht, die anderen am Hitlerputsch von 1923 beteiligten Nazis erhielten den "Blutorden". Der Blutzeugenkult der NSDAP bestimmte auch das Datum für die Pogrome vom 9. November 1938, bei denen mehr als 400 jüdische Deutsche ermordet und 1400 Synagogen verbrannt wurden.
Der christliche Märtyrerbegriff
Entstehung des Begriffs
Der fest geprägte Begriff Märtyrer begegnet das erste mal im Bericht vom Martyrium des Polykarp von Smyrna aus dem dritten Viertel des 2. Jahrhunderts n. Chr. Die genaue Entstehung diese fest geprägten Terminus ist noch nicht geklärt.
Als sicher gilt, dass in den Schriften des Neuen Testaments martys immer den Wort- bzw. Glaubenszeugen, der vom Glauben an Jesus Christus Zeugnis ablegt, bezeichnet. Personen, die um ihres Glaubens willen verfolgt werden und des Todes sterben, werden im Neuen Testament noch nicht als Märtyrer bezeichnet, auch wenn sie wegen ihres Wortzeugnisses umgebracht werden. Vom neutestamentlichen Begriff des Zeugen bzw. des Zeugnisses her kann der Märtyrerbegriff daher nicht abgeleitet werden, auch wenn das, was später durch den Begriff Märtyrer bzw. Martyrium beschrieben wird, der Sache nach schon im Neuen Testament begegnet (z.B. Apg 7,54-60: Tod des Stephanus).
Um zu erklären, wie es zur Bezeichnung dieses Geschehens als Martyrium kommt, erwägt man unterschiedliche Einflüsse:
# Die Vorstellung vom Martyrium lässt sich bereits im Spätjudentum nachweisen. Allerdings wird auch dort der Märtyrer nicht als solcher bezeichnet. Das Martyrium ist dort Folge der Treue zum Gesetz (Thora) und der Tod des Märtyrers kann als Sühne für das jüdische Volk gedeutet werden. Die spätjüdischen Vorstellungen haben vermutlich die Vorstellung vom christlichen Martyrium mit geprägt, erklären aber nicht, wie es zur Verbindung dieser Vorstellung mit dem Begriff Märtyrer kommen konnte.
# Vielfach nimmt man einen Einfluss der Philosophie der Stoa, insbesondere des Philosophen Epiktet an. Das Martyrium ist hier ein besonders intensiver Fall des Zeugnisses des Philosophen: der wahre Philosoph lebt in der Haltung der Ataraxie, der Gleichgültigkeit gegenüber allen äußeren, sinnlich-körperlichen Einflüssen auf das eigene Leben. Das kann auch bedeuten im Falle der Auseinandersetzung mit einem Herrscher, der dem Philosoph hier widersprechen muss, den Tod hinzunehmen. Zwar zeigen sich inhaltlich und formal zahlreiche Parallelen zwischen der von Epiktet vertretenen Vorstellung eines „Philosophen-Martyriums“ und dem christlichen Märtyrerbegriff. Man kann aber nicht nachweisen, dass und wie diese Vorstellung auf den christlichen Märtyrerbegriff eingewirkt hat.
# Der Begriff martys kann im antiken Griechisch neben dem Wortzeugen auch den Tatzeugen bezeichnen. In diesem Sinne wurde der Begriff auch von Epiktet aufgegriffen. In dieser Verwendung begegnet er auch in den Schriften des Neuen Testaments (z.B. Mk 6,11; Lk 9,5; Mt 10,18; 1Petr 5,1). Daher ist es auch möglich, dass sich der christliche Märtyrer-Begriff vom allgemeinen Griechisch seiner Zeit her ableiten lässt. Dann aber muss erklärt werden, wie sich die zu Grunde liegende Vorstellung vom Tatzeugnis durch den eigenen Tod entwickelt hat.
Noch bevor der Märtyrertod im Martyrium des Polykarp durch den Begriff des Martyriums bezeichnet wird, entwickelt Ignatius von Antiochien (Erstes Drittel des 2. Jahrhunderts n. Chr.) eine Theologie des Martyriums: Der Tod des Märtyrers entspricht dem Leiden und dem Tod Christi. Durch den Tod wird der Märtyrer zum Jünger Jesu, er erwirbt im Tod mit Jesus Christus die Vollendung und Auferstehung. Bedenkt man, dass Polykarp bereits vor Ignatius die Kreuzigung Christi als ein Zeugnis gegen die Irrlehre des Doketismus anführt, so könnte sich erklären, wie es in der Zeit zwischen Ignatius und dem Martyrium des Polykarp zur Ausprägung des Märtyrerbegriffs kommt.
Der Märtyrertod wurde als Bluttaufe bezeichnet, sollte selbst die Taufe, wenn diese noch nicht stattgefunden hatte, ersetzen und sofort zur vollen Seeligkeit führen
Der erste christliche Märtyrer war Stephanus, der wegen seines Glaubens gesteinigt wurde (Apg 7,54-60). Seine Ermordung war das Signal zu einer großen Verfolgung der Christen in Jerusalem, an der sich Saulus besonders eifrig beteiligte.
Auf Anregung von Papst Johannes Paul II. (Apostolisches Schreiben: Tertio millennio adveniente vom 10. November 1994) hat die katholische Kirche am Ende des zweiten Jahrtausends eine Dokumentation aller Blutzeugen erstellt, um deren Zeugnis nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts verzeichnet Lebensbilder von 700 Glaubenszeugen. Am Entstehen des Werkes haben über 130 Fachleute mitgewirkt.
Der islamische Märtyrerbegriff (schahid)
Märtyrer im Islam ist nach den islamischen Rechtschulen eine Person, die auf dem Schlachtfeld im Kampf gegen Nichtmuslime (Dschihad) gefallen ist. Nach der vorherrschenden Meinung muss der Märtyrer aber nicht von einem Nichtmuslim direkt getötet werden. Der Tod muss aber eine direkte Folge von Verletzungen sein, die der Märtyer erlitten hat. Teilweise wird als Bedingung angesehen, dass die betreffende Person nach dem Kampf und vor ihrem Tode nicht mehr gegessen, getrunken oder geschlafen hat, und auch nicht behandelt worden ist und auch kein Testament mehr aufgesetzt hat.
Im 21. Jahrhundert sehen sich zunehmend auch islamische Personen als „freiwillige Märtyrer“, die als Kämpfer in „Selbstmordkommandos“ für Terroraktionen ausgebildet und eingesetzt werden. Diese Täter gehen nach dem Rechtsverständnis einiger Mulsime nicht durch Selbstmord in den Tod, sondern sterben im Kampf bzw. im „Krieg“ gegen die Ungläubigen. Auch Terroraktionen im Namen des Al Kaida Netzwerkes gehören hierzu. Aufgrund mangelnder militärischer Möglichkeiten und nur begrenzter Anzahl an Waffen und Munition sollen Märytrer im Namen des Islam potentielle Feinde durch Selbstmordattentate bekämpft werden. Meistens tragen die „Märtyrer“ einen Sprengstoffgürtel am Körper und führen diesen an gewählten Orten zur Explosion ohne Rücksicht auf zivile Opfer und damit auch möglicher muslimischer Opfer. Die Täter werden als „Märtyrer“ von ihren Anhängern verehrt und die Angehörigen erhalten meist von verschiedenen Quellen eine finanzielle Entschädigung.
Dieses Verständnis der militanten, extremistischen "Salafiya Jihadiya" widerspricht dem orthodoxen, sunnitischen Islam und hat sich im 20. Jahrhundert entwickelt.
Der bekannte salafitische Gelehrte Scheikh Al-Albani, der theologisch der gleichen Schule angehört, hat Selbstmordattentate in einer Fatwa als unislamisch und Mehrfachmord bezeichnet, da die Angreifer auch sich selber töten und Unbeteiligte die anzugreifen verboten ist.
Die schiitische Richtung des Islams kennt den Kult um die Schuhada ("Märtyrer"), besonders in Gedenken an den Enkelsohn Muhammads der in Kampf gefallen ist. Im Gedenken daran schlagen sich manche Schiiten selber und fügen sich Verletzungen zu. Zu einem Extrem wurde dieser "Märtyrerkult" bei den "Hassasinen". (Stichwort: Sinan der Alte vom Berg, Assasin)
Märtyrer der Zeitgeschichte (20. Jahrhundert)
- Dietrich Bonhoeffer
- Martin Luther King
- Maximilian Kolbe
- Paul Schneider
- Edith Stein
- [http://www.ewetel.net/~hermann.rieke-benninghaus/druchhorn.html#Geistliche August Benninghaus SJ]
- [http://www.st-johann-os.de/Kirche/blutzeuge.htm Wilhelm Hengelbrock FSC]
Menschen, die aufgrund ihrer Überzeugungen als Ketzer getötet wurden
- Konstantin von Mananalis, Apostel des Paulikianertums, wird um 680 gesteinigt.
- Simeon-Titus, Apostel des Paulikianertums, wird 694 verbrannt.
- Die Albigenser wurden in den Albigenserkreuzzügen vernichtet.
- Jan Hus, tschechischer Reformator, wird 1414 in Konstanz verbrannt.
- Jeanne d’Arc, französische Freiheitskämpferin, wird 1431 in Rouen verbrannt.
- Hans Böhm (Pauker von Niklashausen), wird 1476 in Würzburg verbrannt.
- Johannes van Esschen und Hendrik Vos, 1523 in Antwerpen verbrannte Augustinermönche, die der Reformation anhingen
- Jan van Woerden, 1525 in Woerden hingerichteter Reformator
- Felix Manz, Täufer, ertränkt bei Zürich 1526
- Balthasar Hubmaier, Täufer, wird in Wien 1528 verbrannt.
- Adolf Clarenbach und Peter Fliesteden, 1529 in Köln verbrannte Reformatoren
- Jörg Blaurock, Täufer, wird 1529 in Klausen/Südtirol hingerichtet
- Nahezu 2000 Täufer der Reformation sterben bis zum Jahr 1530 den Märtyrertod
- Jakob Hutter, Täufer, wird 1536 in Innsbruck hingerichtet.
- In Gorinchem, (Niederlande) wurden 1572 neunzehn katholische Geistliche von den Protestanten abtransportiert und anderswo aus Religionsgründen erhängt.
- Giordano Bruno, 1600 in Rom auf dem Scheiterhaufen verbrannt
Literatur
- Märtyrer ... [Jahreszahl] : das Jahrbuch zur Christenverfolgung heute; hg. für die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte und für den Arbeitskreis für Religionsfreiheit der Deutschen und Österreichischen Evangelischen Allianz und die Arbeitsgemeinschaft Religionsfreiheit der Schweizerischen Evangelischen Allianz im Auftrag von Idea; Wetzlar: Idea, ab 2002; teilweise auch: Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft;
- Moll, Helmut (Hg.): Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts; 2 Bände; Paderborn: Schöningh, 1999-2000; ISBN 3-506-75778-4
- Rieke-Benninghaus, Hermann: Zeugen für den Glauben; Dinklage: Verlag Hermann Rieke-Benninghaus, 2005
- Rieke-Benninghaus, Hermann: Ich gebe Zeugnis. Lebensbilder von Glaubenszeugen; Dinklage: Verlag Hermann Rieke-Benninghaus, 2005
- Schirrmacher, Christine; Damson, Erwin: "Märtyrer heute". Eine Dokumentation zur weltweiten Diskriminierung und Verfolgung der Christen; Idea-Dokumentation 16/1999; Wetzlar: Idea, 1999
Kategorie:Religion
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ja:殉教
Deutsche Sprache
Die deutsche Sprache (Hochdeutsch und Niederdeutsch) zählt zur indoeuropäischen Sprachfamilie (in Deutschland abweichend auch indogermanische Sprachfamilie genannt), spezifisch zu den westgermanischen Sprachen.
Geschichte
Hauptartikel: Deutsche Sprachgeschichte
Als hochdeutsche Sprache bezeichnet man zunächst alle germanischen Dialekte, die im frühen Mittelalter an der zweiten oder althochdeutschen Lautverschiebung beteiligt waren (alemannisch, bairisch, ost-, rhein-, mittelfränkisch, ostmitteldeutsch = ober- und mitteldeutsche Mundarten = hochdeutsche Mundarten). Die germanischen Dialekte, die diese zweite germanische Lautverschiebung nicht oder nur zu einem sehr geringen Teil mitgemacht haben, bezeichnet man seit der frühen Neuzeit als niederdeutsche Sprachen (niedersächsisch und niederfränkisch).
Das Wort „teutsch“ (deutsch) bildete sich dabei innerhalb des Lateinischen aus dem germanischen Wort für „Volk“ (thioda, thiodisk) heraus und bezeichnete die Sprache der nicht lateinisch (und nicht romanisch) sprechenden Bevölkerung. Die ältere Bezeichnung „fränkisch“ für die eigene Sprache traf etwa seit dem 9. Jahrhundert nicht mehr eindeutig zu, nachdem einerseits die westfränkische Oberschicht im späteren Frankreich den romanischen Dialekt der einheimischen Bevölkerung übernommen hatte und andererseits das Ostfrankenreich auch nicht-fränkische Stämme wie die Alemannen, die Bayern, die Thüringer und die (Nieder-)Sachsen umfasste.
Da während des ganzen Mittelalters im Unterschied zu den Nachbarländern in dem Land der Teutschen stark territorial zersplitterte politische Strukturen existierten, entwickelten sich die zum Teil extrem unterschiedlichen deutschen Dialekte (deutsche Mundarten) lange parallel nebeneinander her.
Einen ersten Ansatz zu einem überregionalen Ausgleich der Mundarten hat man teilweise in der mittelhochdeutschen Dichtersprache der höfischen Dichtung um 1200 sehen wollen. In der Tat ist teilweise das Bemühen der Dichter zu erkennen, nur regional verständliches Vokabular und dialektale lautliche Besonderheiten zu vermeiden, um ein überregionales Verständnis ihrer Werke zu ermöglichen; andererseits muss aber die Breitenwirkung der an den Fürstenhöfen tätigen Dichter zu einer Zeit, als nur eine verschwindend geringe Minderheit der Bevölkerung alphabetisiert war und Zugang zu dieser elitären Kunst hatte, als äußerst gering eingeschätzt werden. Der Beginn der neuhochdeutschen Schrift- und Standardsprache kann daher erst in überregionalen Ausgleichsprozessen des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit gesehen werden.
Während die Standardsprache in den meisten europäischen Ländern aus dem Dialekt der jeweiligen Hauptstadt hervorgegangen ist, stellt die heutige deutsche Hochsprache (Standardsprache) eine Art „Kompromiss“ zwischen den mittel- und oberdeutschen Dialekten südlich der Benrather Linie dar.
Benrather Linie
In Norddeutschland hat sich das Hochdeutsche, vor allem im Gefolge der Reformation als Amts- und Schulsprache gegen das Niederdeutsche (Plattdeutsche/Niedersächsische und Niederfränkische) durchgesetzt. Zur Blütezeit der Hanse fungierte das Niederdeutsche als Verkehrssprache im gesamten Nord- und Ostseeraum. Auch die Niederländische Sprache ist eine niederfränkische und daher niederdeutsche Sprache.
Martin Luther übersetzte 1521 das Neue Testament und 1534 das Alte Testament in die sich damals noch entwickelnde neuhochdeutsche Schriftsprache. Die dort verwendete Sprache in einer ostmitteldeutschen Färbung prägte durch die religiöse Bedeutung Luthers ganze Generationen. Es muss aber angemerkt werden, dass Luthers Bedeutung im Hinblick auf die Entstehung der Neuhochdeutschen Schriftsprache lange Zeit überschätzt wurde. Bereits seit dem 14. Jahrhundert bildete sich allmählich eine immer stärker überregional geprägte Schriftsprache heraus, die man auch als Frühneuhochdeutsch bezeichnet. Die Herausbildung der hochdeutschen Schriftsprache war im 17. Jahrhundert zum Großteil abgeschlossen. Durch die Beseitigung der so genannten Letternhäufelung im 18. Jahrhundert wurde das seitdem in Grundzügen kaum veränderte deutsche Schriftbild abgerundet.
Die Geschichte der deutschen Sprache wird häufig in vier Abschnitte (Sprachstufen) unterteilt:
- 750 – 1050: Althochdeutsch
- 1050 – 1350: Mittelhochdeutsch
- 1350 – 1650: Frühneuhochdeutsch
- ab 1650: Neuhochdeutsch
Johann Christoph Adelung veröffentlichte 1781 das erste große Wörterbuch. Jacob und Wilhelm Grimm begannen 1852 mit der Herausgabe des umfassendsten Deutschen Wörterbuchs, das 1961 vollendet wurde, aber seither einer Überarbeitung unterzogen wird.
Die deutsche Rechtschreibung wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmend normiert. Ein Durchbruch zu einer deutschen „Einheitsschreibung“ gelang mit dem „Orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache“ von Konrad Duden (1880), das in der Rechtschreibreform von 1901 in leicht veränderter Form zur Grundlage der amtlichen Rechtschreibung erklärt wurde. Erst | | |