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Japaner Demographie
Die japanische Gesellschaft ist eine moderne Industriegesellschaft, die alle demographischen Eigenschaften einer solchen teilt.
Dazu zählt vor allem ein hoher Anteil von Kleinfamilien und Alleinstehenden bedingt durch eine hohe Scheidungsrate und eine geringe Geburtenrate (nur 1,3 Kinder pro Frau). Außerdem leidet Japan an einer zunehmenden Überalterung aufgrund der hohen Lebenserwartung (nach einigen Statistiken die höchste der Welt). Weitere Merkmale sind ein hoher Bildungsstand und eine sehr breite Mittelschicht.
ethnische Minderheiten
Die Gesellschaft ist ethnisch und linguistisch weitgehend homogen.
Die Einwohner Okinawas (im Deutschen etwas holprig als "Okinawaner" bezeichnet) gelten üblicherweise als ethnische Japaner, bilden aber nach anderer Lesart die größte Minderheit von etwa 1,5 Millionen Menschen.
Weitere Minderheiten sind die koreanische Minderheit (etwa 1 Million), Chinesen und Taiwanern (etwa 0,5 Millionen), Philippinern (etwa 0,5 Millionen) und Brasilianern (die meisten davon japanischer Abstammung, etwa 250.000), sowie den Ainu, japanischen Ureinwohnern (größtenteils in Hokkaido, etwa 20.000). 99% der Bevölkerung sprechen japanisch als Muttersprache.
Randgruppen
Da die japanische Gesellschaft sehr auf Homogenität setzt, ist sie gegenüber ethnischen oder sonstigen Unterschieden generell intolerant. Menschen, die als "anders" oder "schmutzig" bzw. "unrein" identifiziert werden, sind oft Ausgrenzung oder Diskriminierung ausgesetzt. Sie zählen zur Kaste der unreinen Berufe, der Burakumin.
Auch Ausländer (Gaijin) sind von Diskriminierung betroffen. Das kann soweit führen, dass selbst Japaner, die eine längere Zeit im Ausland lebten und wieder nach Japan zurückkehren, diskriminiert werden.
Homosexuelle Menschen werden von den konservativen Teilen der Bevölkerung ebenfalls nicht angenommen.
Eine Sonderstellung nimmt die gesetzlose "Kaste" der Yakuza ein. Ihre Existenz wird zwar akzeptiert, aber nicht gutgeheißen.
Auch Überlebende der Atombombenabwürfe (Hibakusha) auf Nagasaki und Hiroshima und deren Nachfahren waren oft allerlei Formen der Diskriminierung ausgesetzt. Die Sorge gilt hier vor allem bleibenden Erbschäden, die ein Ehepartner in die Familie bringen könnte. Auch war das Thema lange Zeit tabu.
Besonderheiten der japanischen Gesellschaft
Die Kurve der Frauenerwerbstätigkeit zeigt ein M-Form. Das bedeutet, dass Frauen nach der Ausbildung ins Berufsleben einsteigen, nach der Hochzeit aber oft wieder aussteigen. Erst wenn die Kinder die Oberschule besuchen oder erwerbstätig sind, kehren sie ins Arbeitsleben zurück.
Vor allem Facharbeiter und Gebildete binden sich stark an ihren Betrieb. Sie identifizieren sich mit dem Erfolg der Firma. Auf der anderen Seite stehen die sogenannten Freeta, nicht firmengebundene Arbeitskräfte, die von Teilzeitjob zu Teilzeitjob wechseln.
Auch die Zahl der parasitären Singles, Jugendliche über 20 die noch bei den Eltern wohnen, weil es ökonomische Vorteile bringt, nimmt zu.
Sozialer Verhaltenskodex
Die Verhaltensregeln sind sehr genau festgelegt und für Außenstehende nicht immer leicht nachvollziehbar. (siehe Soziales Verhalten in Japan)
Um in der Gesellschaft nicht aufzufallen, zeigen viele Japaner in der Öffentlichkeit nicht ihr wahres Gesicht Ura sondern ein idealisierte, gesellschaftskonformes Omote.
Damit in Verbindung steht die Schamkultur, die das Gegenteil zur westlichen Schuldkultur darstellt.
Auch in der betrieblichen Entscheidungsfindung unterscheiden sich japanische Firmen von westlichen. Entscheidungen sollen unter Mitarbeit aller Firmenangehörigen getroffen werden (Nemawashi).
Phänomene
Die Besonderheiten der japanischen Gesellschaft haben einige mehr oder weniger einzigartige Phänomene hervorgebracht:
Eines der bekanntesten Phänomene wird Karōshi genannt und bedeutet Tod durch Überarbeitung. Aufgrund der extremen Identifizierung mit der eigenen Firma, vernachlässigen einige Angestellte die Bedürfnisse ihres Körpers.
Inemuri, Schlafen in der U-Bahn, ist ein weiteres Phänomen.
Aufgrund der isolierten Lage und der Vergangenheit Japans kann man auch den sogenannten Insulaner-Komplex feststellen. Daraus resultiert eine unter Umständen abweisende Haltung gegenüber Fremden.
Der extreme Leistungsdruck führt bei manchen Menschen zu Versagensängsten, was so weit gehen kann, dass Menschen ihr Zimmer nicht mehr verlassen, weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen. Dieses Phänonem wird Hikikomori genannt.
Otaku
Die Tradition des Selbstmords
Seppuku ist ein Ritual der Selbsttötung, das vor allem ab der Mitte des 12. Jahrhunderts bei den Samurai verbreitet war. Seit 1868 ist Seppuku offiziell verboten.
Die im Deutschen und Englischen übliche Bezeichnung Harakiri ist ein umgangssprachlicher und herabsetzender Ausdruck und seine Verwendung kann in Japan als Beleidigung empfunden werden.
Mann und Frau
- Die Rolle der Frau in der modernen japanischen Gesellschaft
- Yamato Nadeshiko (jap.: 大和撫子), die Bezeichnung für das klassische japanische Frauenideal
- Absichtlich kindliches Verhalten von Frauen (burikko)
- Heiraten in Japan und arrangierte Hochzeiten (Omiai)
Namen und Identität
- Japanische Namen
- Kamon, japanische Familiensiegel
- Hanko, Namensstempel, hat in Japan die gleiche Bedeutung wie in Deutschland die Unterschrift
Literatur
- Andrea Germer, Historische Frauenforschung in Japan. Die Rekonstruktion der Vergangenheit in Takamure Itsues „Geschichte der Frau“ (Josei no rekishi),München: Iudicium 2003 • ISBN 3-89129-504-9 ·
- Volker Grassmuck,Geschlossene Gesellschaft : mediale und diskursive Aspekte der "drei Öffnungen" Japans, Volker Grassmuck, München : Iudicium, 2002 - Gemeint sind die Schiffe Commodore Perrys, die Atombomben und das Internet
- Irmela Hijiya-Kirschnereit, Das Ende der Exotik : zur japanischen Kultur und Gesellschaft der Gegenwart, Frankfurt am Main : Suhrkamp, 1988, ISBN 3-518-11466-2
- Wolfgang Herbert: Japan nach Sonnenuntergang. Unter Gangstern, Illegalen und Tagelöhnern, Berlin 2002
- Vera MacKie, Feminism in Modern Japan: Citizenship, Embodiment and Sexuality, Paperbackausgabe, Cambridge University Press 2003, ISBN 0521527198
- Wolfram Manzenreiter, Pachinko Monogatari. Soziokulturelle Exploration der japanischen Glücksspielindustrie, München: Iudicium, 1998, ISBN 3-89129-431-X
- Yamazaki, Tomoko, Sandakan Bordell Nr. 8. Ein verdrängtes Kapitel japanischer Frauengeschichte, München: Iudicium, 2005 • ISBN 3-89129-406-9
- Ingeborg Y. Wendt, Geht Japan nach links?, Reinbek b. Hamburg : Rowohlt, 1964
Siehe auch
- Japanische Sprache
- Kultur Japans
- Religion in Japan
- Bildung in Japan
- Uchi-Soto-Beziehung
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DemographieDie Demografie (auch Demographie geschrieben, griechisch δημογραφία, von δήμος, démos – Volk und γραφή, graphé – Schrift, Beschreibung) bzw. Bevölkerungswissenschaft ist eine wissenschaftliche Disziplin, die sich mit dem Leben, Werden und Vergehen menschlicher Bevölkerungen befasst, sowohl mit ihrer Zahl als auch mit ihrer Verteilung im Raum und den Faktoren, insbesondere auch sozialen, die für Veränderungen verantwortlich sind. Die Erforschung der Regelmäßigkeiten und Gesetzmäßigkeiten in Zustand und Entwicklung der Bevölkerung wird mit Hilfe der Statistik erfasst und gemessen.
Untersuchungsobjekt
Die Demografie untersucht:
- die Bevölkerung selbst (z. B. Wohnbevölkerung, Tag-/Nachtbevölkerung),
- die Bevölkerungsstruktur (z. B. Alter, Geschlecht, Nationalität, Haushaltsstruktur),
- die Bevölkerungsbewegung (horizontale Mobilität, Natürlicher Bevölkerungssaldo, Migrationssaldo) sowie
- als Historische Demographie die Bevölkerungsgeschichte.
Methodik
Ihre Daten bezieht die Bevölkerungswissenschaft aus der laufend fortgeschriebenen Statistik, aus Stichproben und aus Volkszählungen.
Zur Untersuchung demografischer Prozesse (also der Bevölkerungsbewegung) werden neben verschiedenen, statistischen Kennziffern wie Geburtenrate, Fruchtbarkeitsrate, Sterberate, Migrationsrate, Lebenserwartung, etc. auch graphische Darstellungen wie die Alterspyramide verwendet.
Für die vorstatistische Zeit (also vor 1850) werden derartige Daten durch die Auswertung von Kirchen- und Ortsfamilienbüchern und anderen Quellen berechnet.
Demografische Entwicklung
Deutschland
Siehe auch: Demographie Deutschlands.
In Zusammenhang mit der politischen Debatte um die Aufrechterhaltung der Sozialversicherungen ist in Deutschland häufig von der demografischen Entwicklung oder dem demografischen Wandel die Rede. Damit ist die prognostizierte Veränderung der Gesellschaft gemeint, die von drei entscheidenden Merkmalen geprägt ist:
# Zunehmende Lebenserwartung der Menschen: "Wir leben vier Jahre länger als unsere Eltern, unsere Kinder vier Jahre länger als wir", sagt Axel Börsch-Supan, Direktor des Mannheimer Forschungsinstituts Ökonomie und demographischer Wandel. Dies sei ein einmaliger Alterungsprozess, der in Kombination mit der in Deutschland vorherrschenden niedrigen Geburtenrate eine enorme Herausforderung für unser Sozialsystem, unsere gesamte Infrastruktur und vor allem für unsere Wirtschaft darstelle.
# Niedrige Geburtenrate: Mit derzeit im Schnitt 1,4 Geburten pro Frau hält Deutschland in der Disziplin „niedrigste Geburtenrate“ – gleichauf mit Italien und Spanien – einen demografischen Weltrekord. Bereits seit 1972 verzeichnet das Land einen Bevölkerungsrückgang, der sich durch den Geburtenrückgang begründet. So bleiben heutzutage etwa 1/3 aller Männer und Frauen ihr Leben lang ohne Nachwuchs (vgl. Kinderlosigkeit). Die Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen prognostiziert einen langfristigen Anstieg der deutschen Geburtenziffer auf 1,85 im Jahre 2050. Dies ist jedoch umstritten.
# Außenwanderung: Für die zukünftige Bevölkerungszahl und die Altersstruktur ist der Wanderungssaldo, d.h. die Differenz zwischen Zu- und Fortzügen, von Bedeutung. Der Wanderungssaldo war in den letzten 50 Jahren überwiegend positiv und betrug im Jahresdurchschnitt knapp 200.000 Personen. Davon waren drei Viertel Ausländerinnen und Ausländer. Das Statistische Bundesamt ging (2003) davon aus, dass die Zahl der Zuwanderungen langfristig sinken wird.
Die ersten beiden Merkmale stützen die Befürchtung einer Überalterung der Gesellschaft. In der Vergangenheit hat das positive Wanderungssaldo jedoch für eine Zunahme der Bevölkerung gesorgt.
Über die Genauigkeit von Bevölkerungsprognosen gehen die Meinungen auseinander. In der zehnten koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung prognostizierte das Statistische Bundesamt 2003, dass bis zum Jahre 2050 noch zwischen 67 und 81 Millionen Menschen leben werden. Diese Berechnungen basieren jedoch auf der Annahme einer niedrig bleibenden Geburtenziffer von 1,4.
Aktuell leben 82,5 Millionen Menschen in Deutschland. Das entspricht einer Bevölkerungsdichte von 231 Einwohnern je km² (Stand April 2005).
Andererseits: Hätten sich die geburtenstarken Jahrgänge der sechziger Jahre konstant fortgesetzt, so wären in Deutschland zusätzlich etwa 20 Millionen mehr Kinder geboren worden.
Weltweit
Im weltweiten Kontext stellt sich v. a. das Problem der Bevölkerungsexplosion, was in letzter Konsequenz in Überbevölkerung mündet.
Durch hohes natürliches Bevölkerungswachstum (also hohe Geburtenraten bei niedrigen Sterberaten) in zahlreichen mittleren und kleineren Ländern (v. a. in Afrika) und durch mittleres bis hohes absolutes Bevölkerungswachstum in Ländern mit breiter Bevölkerungsbasis (v. a. in Asien) wächst die Weltbevölkerung rasant.
Modell des demografischen Übergangs
Siehe Hauptartikel: Demografischer Übergang
Demografischer Übergang
Um die Veränderungen in der Bevölkerungsentwicklung von Staaten bzw. Gesellschaften zu beschreiben, wurde das Modell des demographischen Übergangs (theory of demographic transition) entwickelt. Dieses Modell teilt die Bevölkerungsentwicklung während des Übergangs in fünf Phasen ein:
# Prätransformative Phase – hier sind sowohl Sterbe- als auch Geburtenrate sehr hoch, wobei die Geburtenhäufigkeit im Trend etwas höher als die Sterbehäufigkeit ist. Das Bevölkerungswachstum ist daher eher gering
# Frühe Transformationsphase – die Sterberate sinkt, während die Geburtenrate unverändert hoch bleibt und erst gegen Ende dieser Phase leicht rückläufig ist. Daher steigt die Wachstumsrate der Bevölkerung. In Europa war diese Phase der Beginn der Industrialisierung
# Mittlere Transformationsphase – die Geburtenrate sinkt ebenfalls schnell, allerdings hält die Sterberate einen Vorsprung. Die vorherige und diese Phase sind die Abschnitte schnellen Bevölkerungswachstums. Im Durchschnitt aller Länder gesehen, nähert sich die Weltbevölkerung heute dem Ende dieser Phase
# Späte Transformationsphase – die Sterberate ist sehr gering und stabilisiert sich. Die Geburtenrate nähert sich dem niedrigen Niveau der Sterblichkeit an. Das Wachstum der Bevölkerung nimmt weiter ab
# Posttransformative Phase – Sterbe- und Geburtenrate stabilisieren sich auf geringem Niveau. Das Bevölkerungswachstum ist gering oder sogar negativ. Im Vergleich zur prätransformativen Phase ist die Lebenserwartung höher und langfristig nimmt der Anteil der älteren Menschen an der Gesellschaft überproportional zu
Kritik an der Demografie
Kritik an der Demografie wurde insbesondere in Bezug auf die Voraussetzung der Berechenbarkeit der Bevölkerung sowie auf ihre politische Funktion geübt:
:Der britische Demograph David Eversley, dessen Spezialgebiet Bevölkerungsprognosen sind, hält die Vorstellung von einer exakten Berechenbarkeit für einen „irrigen Glauben“. „So komplex diese Modelle auch sein mögen, die ihnen zugrunde liegenden Thesen sind doch von zweifelhafter Gültigkeit. Entweder handelt es sich um rein mechanische Extrapolationen vergangener Trends oder um Berechnungen, die auf Vermutungen der Verfasser beruhen.“ Bevölkerungsprognosen, so Eversley, hätten normalerweise immer auch einen politischen Zweck verfolgt: „Die Geschichte der Bevölkerungsprognosen ist daher nie frei von Ideologie, und es muß immer gefragt werden, warum wurde die Prognose aufgestellt, was bezweckte der Autor wirklich.“ (Heim/Schaz, S. 12)
Hätte man vor 50 Jahren die heutige Bevölkerungszahl Deutschlands prognostizieren wollen, so wäre es nicht möglich gewesen, entscheidende Einflussfaktoren wie beispielsweise die Vermarktung der Antibabypille im Vorhinein zu berücksichtigen. Dennoch wird häufig, z. B. im Zusammenhang mit der sogenannten Rentenreform, mit sehr langfristigen und daher wissenschaftlich fragwürdigen Prognosen argumentiert.
Dem Mainstream der Demographen wird auch eine unkritische Haltung zur Geschichte ihrer eigenen Disziplin vorgeworfen:
:Die Bevölkerungswissenschaftler, die vor der „Überbevölkerung“ warnen, argumentieren jedoch bewusst geschichtslos und das aus gutem Grund: Andernfalls müßten sie nicht nur ihre epochalen Irrtümer und Fehlleistungen reflektieren und von all den Voraussagen reden, die sich, obwohl „wissenschaftlich“ exakt berechnet, nicht bewahrheitet haben, sondern auch über den Beitrag ihrer Disziplin zu den realen Katastrophen des Jahrhunderts: die wissenschaftliche Vorbereitung und Billigung beispielloser Verbrechen. Bis heute haben es die Demographen weitgehend vermieden, eine fachinterne Kritik zu leisten. Während es in anderen Disziplinen eine Heterogenität der Ansätze gibt, Richtungs- und Meinungsstreits offen ausgetragen werden, dominiert in der Bevölkerungswissenschaft dagegen ein Korpsgeist, der sich nicht zuletzt aus der besonderen Regierungsnähe, aus dem intimen und nie kritisch hinterfragten Verhältnis zur jeweiligen Macht erklärt. (Heim/Schaz, S. 12/13)
Zu den demografisch, nämlich mit Hinweis auf die angeblich drohende „Überbevölkerung“ begründeten Zwangsmaßnahmen gehören auch die Zwangssterilisationen, wie sie in Bolivien, Indien und anderen Ländern der dritten Welt angewendet wurden.
Literatur
- Birg, Herwig: Die demographische Zeitenwende: Der Bevölkerungsrückgang in Deutschland und Europa. München: Beck 2001, ISBN 3-406-47552-3
- Chaunu, Pierre: Die verhütete Zukunft. Stuttgart: Seewald 1981, ISBN 3-512-00616-7
- Dinkel, Reiner: Demographie, Band 1: Bevölkerungsdynamik. München: Vahlen 1989, ISBN 3-8006-1310-7
- Susanne Heim, Ulrike Schaz: Berechnung und Beschwörung. Überbevölkerung. Kritik einer Debatte, Berlin 1996
- Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (Hrsg.): Demografische Analyse und Strategieentwicklung im Unternehmen Köln: Wirtschaftsverlag Bachem 2005, ISBN 3-89172-459-4
- Kronberger,Ralf: Der demografische Wandel und das Wirtschaftssystem, 2004, in: Aktuelle Unterlagen, Wirtschafts und Gesellschaft Nr. 46/2004, Wien: Arbeitsgemeinschaft für Wirtschaft und Schule (zum Herunterladen:[http://wko.at/aws/AWS1024/PDF/AU46.pdf])
- Juliane Roloff: Demographischer Faktor, Europäische Verlangsanstalt, ISBN 3-434-46191-4
- Longman, Phillip: The empty cradle: how falling birthrates threaten prosperity and what to do about it. New York: Basic Books 2004, ISBN 0-465-05050-6
Populärwissenschaftliche Literatur
- Schirrmacher, Frank: Das Methusalem-Komplott, München: Blessing 2004, ISBN 3-89667-225-8
- Johannes M. Waidfeld: Wachstum, der Irrtum; Wohlstand, eine gesellschaftliche Betrachtung, Fischer & Fischer Medien AG, Frankfurt 2005, ISBN 3-89950-076-8
Siehe auch
- Sozialwissenschaften
- Bevölkerungsgeografie, Bevölkerungspolitik, Bevölkerungswachstum, Demoskopie, Soziographie
- Ältester Mensch, Generationengerechtigkeit, Woopie
- Mannheim Research Institute for the Economics of Aging (MEA)
Weblinks
- [http://www.zukunftsradar2030.de/ Demografischen Wandel gestalten]
- [http://www.arbid.de/ Initiative Arbeit und Innovation im demografischen Wandel]
- [http://www.aktion2050.de/ Aktion Demographischer Wandel der Bertelsmann Stiftung]
- [http://www.bib-demographie.de/ Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung]
- [http://www.demogr.mpg.de/ Max-Planck-Institut für demografische Forschung]
- [http://www.zdwa.de/ Informationsportal zum Demografischen Wandel]
- [http://www.privat-adrian.de/privat-adrian/demo.html Demographie und Volkswirtschaft. Die demographische Entwicklung in Deutschland und Europa mit ihren katastrophalen Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft]
- [http://www.berlin-institut.org/ Deutschland 2020. Die demografische Zukunft der Nation]
- [http://www.volkmar-weiss.de/iq-falle-renteohnekinder.html Der verloren gegangene Zusammenhang zwischen Rente und eigenen Kindern]
- [http://www.iwkoeln.de/default.aspx?p=content&i=17140 Beruf statt Baby]
- [http://www.iwkoeln.de/default.aspx?p=content&i=17268 Hochbefähigte verzweifelt gesucht]
- [http://www.destatis.de/presse/deutsch/pk/2003/Bevoelkerung_2050.pdf Bevölkerungsvorausberechnung 2050]
Kritik an den demografischen Prognosen und ihren Folgen
- Frankfurter Allgemeine Zeitung: [http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc%7EE6E52DF4987844F3EB129FBEF49DB7D6A%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html A-H-O-V-X von Professor Dr. Ruprecht Jaenicke]
- Frankfurter Allgemeine Zeitung: [http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E8001DACF46994584AAEEBABB451E51F4~ATpl~Ecommon~Sspezial.html "Grundkurs Demographie", zehnteiliges Dossier von Professor Herwig Birg]
- Frankfurter Rundschau: [http://www.fr-aktuell.de/uebersicht/alle_dossiers/politik_inland/wie_viel_staat_braucht_der_mensch/rentenreform/?cnt=267812 Rentenexperte wirft Regierungen Täuschung vor (Prof. Bosbach)]
- Frankfurter Rundschau: [http://www.frankfurter-rundschau.de/ressorts/nachrichten_und_politik/dokumentation/?cnt=392527 "Die modernen Kaffeesatzleser", ebenfalls von Gerd Bosbach]
- Frankfurter Rundschau: [http://www.fr-aktuell.de/uebersicht/alle_dossiers/politik_inland/wie_viel_staat_braucht_der_mensch/rentenreform/ Umfangreiches Dossier zur Rentenpolitik, inkl. Rieser-Rente und] Agenda 2010
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Geburtenrate
Diskussion siehe Diskussion:Geburtenziffer
Die Geburtenrate ist eine in der Demografie verwendete Einheit. Sie ist ein Synonym zu Geburtenziffer, zu weiteren Synonymen und abgeleiteten Begriffen siehe auch dort.
In der Bevölkerungsstatistik wird die Anzahl der Geburten pro Jahr bezogen auf 1000 Einwohner angegeben (so genannte rohe Geburtenrate), also rechnerisch:
:
mit
:: Lebendgeborene und : Einwohner.
Geburtenziffer
In der Bundesrepublik sind aktuelle regionale Geburtenraten zwischen 5/1000 und 15/1000 zu beobachten.
Ableitungen der Geburtenrate bilden Geburtenraten, die nicht auf die Gesamtbevölkerung einer Raumeinheit, sondern auf Teilgruppe wie beispielsweise Stadtbevölkerung oder Landbevölkerung bezogen werden.
Die Geburtenrate ist zu unterscheiden von der Fertilitätsrate und weiteren Begriffen, die unter Geburtenziffer erläutert werden.
Die Geburten- ist wie die Sterberate kurz- und langfristigen Veränderungen unterworfen. Im Modell des demografischen Übergangs wird die Annahme getroffen, dass es einen einheitlichen Trend von hohen zu niedrigen Geburten- und Sterberaten gibt. Dieser Trend lässt den Altenquotienten steigen. Hohe Geburten- und Sterberaten würden zu einem Steigen des Jugendquotienten führen. Eine besonders deutliche Veränderung der Geburtenrate erlebten viele Staaten nach Einführung der Antibabypille (Pillenknick).
Siehe auch
- Geburtenziffer
- demographische Kennziffern
- Demografie
- Bevölkerung
- Demografischer Übergang
- Geburtendefizit
- Reproduktionsziffer
- Fruchtbarkeitsrate
- Fertilitätsrate
Kategorie:Demografie
Koreanische Minderheit in JapanDie koreanische Minderheit in Japan (jap. 在日 zainichi bzw. 在日コリアン zainichi korian) ist die größte Minderheitengruppe Japans. Ihr gehören schätzungsweise 600.000-700.000 koreastämmige Menschen an, die vor allem während der Besetzung Koreas zwischen 1910 und 1945 eingewandert sind. Noch heute leiden sie und ihre Nachkommen, die mittlerweile in der vierten Generation in Japan leben, unter Diskriminierung und rechtlichen Einschränkungen.
Geschichte
Mit der Annexion Koreas 1910 begann eine rege Völkerbewegung von der koreanischen Halbinsel nach Japan. Diese geschah teilweise freiwillig, da sich auf den japanischen Inseln bessere Arbeitsmöglichkeiten boten. Andererseits wurden, vor allem während des Zweiten Weltkriegs, hunderttausende Koreaner nach Japan verschleppt, um dort in der vom Krieg zerrütteten Industrie zu arbeiten. Am Ende des Zweiten Weltkriegs befanden sich schätzungsweise 2 Millionen Koreaner auf dem japanischen Festland. Nach der Kapitulation Japans kehrten die meisten Koreaner in ihre Heimat zurück, aufgrund der ungewissen Lage in Korea blieben jedoch ca. 600.000 Koreaner in Japan.
In den folgenden Jahren wurden die Rechte der koreanischen Minderheit zunehmend beschnitten. Im Dezember 1945 verloren sie das Wahlrecht, denn Korea wurde von Japan bis zum Vertrag von San Francisco (1952 in Kraft getreten) weiterhin als Teil Japans angesehen. Minderheitsverbände und von ihnen unterstützte koreanische Schulen wurden sowohl von der japanischen Regierung als auch von den Besatzungsmächten unterdrückt.
Die Lage verschlechterte sich, als die Koreaner mit dem Ausbruch des Koreakrieges (1950-1953) im Prinzip staatenlos wurden, denn weder Nord- noch Südkorea wurden von der japanischen Regierung als souveräne Staaten anerkannt.
Erst 1965 nahm die japanische Regierung mit der südkoreanischen Regierung Verhandlungen auf und ermöglichte es Koreanern (und deren Kindern) nach 20 Jahren, die südkoreanische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Da Nordkorea nach wie vor nicht von Japan anerkannt wird, konnten Nordkoreaner erst 1981, nachdem Japan die Flüchtlingskonvention der Vereinten Nationen und die Menschenrechtkonventionen ratifiziert hatte, in ihr Herkunftsland (und nach Japan zurück) reisen. Zu dieser Zeit besserte sich auch die wirtschaftliche Lage der koreanischen Minderheit, da diese endlich auch vom japanischen Wirtschaftswunder profitieren konnte.
Heutige Situation
Obwohl es in den 1990er-Jahren einfacher wurde, die japanische Staatsbürgerschaft zu beantragen, weigern sich nach wie vor viele Koreaner, die mittlerweile bereits in der vierten Generation in Japan leben und oft nicht einmal mehr koreanisch sprechen, dies zu tun: Die japanische Saatsbürgerschaft setzt eine vollständige Assimilation voraus, darunter auch das Annehmen eines japanischen Namens, was einen Verlust der koreanischen Identität bedeuten würde. Für offene Unterstützer der Nordkorea nahestehenden Minderheitenorganisation Chongryun ist es außerdem kaum möglich, die Staatsbürgerschaft zu erwerben. Eine weitere, Südkorea nahestehende Minderheitenorganisation ist Mindan.
In den letzten Jahren hat sich die Situation der koreanischen Minderheit verbessert, was jedoch hauptsächlich daran liegt, dass die sich nunmehr in der dritten oder vierten Generation befindenen Koreaner in und mit Japan aufgewachsen sind und sich mehr mit Japan als mit Korea identifizieren.
Obwohl sie äußerlich schwer bis gar nicht von Japanern zu unterscheiden sind, werden Koreaner in vielerlei Hinsicht diskriminiert, vor allem in der Bildung, bei der Arbeitssuche und bei Sozialleistungen. Dazu müssen sie immer ihren Ausweis mitführen, ansonsten drohen hohe Geld- bzw. Haftstrafen.
Da die japanische Gesellschaft sehr auf die Ideologie der Homogenität setzt, ist sie gegenüber ethnischen oder sonstigen Unterschieden generell intolerant eingestellt. Menschen, die als "anders" oder "schmutzig" (bzw. "unrein") identifiziert werden, sind oft Ausgrenzung oder Diskriminierung ausgesetzt (Burakumin). Hierbei sind besonders Angehörige von Minderheitsgruppen betroffen. Das kann soweit führen, dass selbst Japaner, die eine längere Zeit im Ausland lebten und wieder nach Japan zurückkehren, diskriminierend behandelt werden. Auch Überlebende der Atombombenabwürfe (Hibakusha) auf Nagasaki und Hiroshima und deren Nachfahren waren oft allerlei Formen der Diskriminierung ausgesetzt.
Außerdem ist es für nationalistisch eingestellte Japaner nicht ungewöhnlich, Detektive zu beauftragen, um in den Familienregistern von Heiratskandidaten nach unerwünschten "Erblasten" wie koreanischer Abstammung, aber auch Zugehörigkeit zu der Burakumin-Kaste oder den Atombombenopfern (Hibakusha) zu suchen.
Die Koreanische Minderheit und die Atombombenabwürfe
Unter den Opfern der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki war schätzungsweise jedes zehnte ein koreanischer Zwangsarbeiter. Bei den alljährlichen Zeremonien zum Gedenken an die Abwürfe wird der koreanischen Opfer nicht gedacht. Für sie wurde erst 1970 in Hiroshima ein Mahnmal errichtet.
Literatur
- Ryang, Sonia: "Koreans in Japan - Critical Voices from the Margin". Routledge. New York 2000. ISBN 041521999X
- Hammitzsch, Horst: "Japan-Handbuch". Steiner. Stuttgart 1990. ISBN 3515057536
Weblinks
- [http://www.lebenshaus-alb.de/mt/archives/003137.html Zehntausende der Atombombenopfer von Hiroshima und Nagasaki waren Koreaner]
Kategorie:Gesellschaft_(Japan)
Kategorie:Korea
Kategorie:ethnische Minderheit
ja:在日コリアン
ko:재일 한국인
HomogenitätHomogenität (griech.: homos gleich; genos Art; homogenos: von gleicher Art) bezeichnet die Gleichheit einer Eigenschaft über die gesamte Ausdehnung eines Systems, bzw. die Gleichartigkeit von Objekten, Erscheinungen, Elementen eines Systems.
System
Bei der betrachteten Eigenschaft kann es sich um irgendeine Eigenschaft handeln (mathematisches Attribut, physikalische Eigenschaft, soziale Kenngröße, etc.). Daher besitzt der Begriff der Homogenität einen weit gefächerten Anwendungsbereich und kann konkret unterschiedliche Bedeutungen enthalten, die sich jedoch auf eine Gleichheit irgendeiner Eigenschaft innerhalb eines Systems zurückführen.
In der Physik ist Materie auf atomarer Ebene grundsätzlich nicht homogen, da die Bausteine der Materie keine gleichmäßige Raumfüllung aufweisen. Schon im Atom ist die Masse- und Ladungsverteilung nicht homogen, da sie ungleich auf Atomkern und Atomhülle verteilt wird. Wenn diese Bausteine jedoch gleichmäßig (nicht notwendigerweise mit der Regelmäßigkeit eines Kristallgitters, sondern nur ohne makroskopische Schwankungen) verteilt sind, so erscheint die Materie dennoch homogen.
Ein Beispiel für Materie, die auf mikroskopischer Längenskala heterogen ist, und makroskopisch homogen erscheint ist Milch. Mikroskopisch sind in der Milch Bereiche zu unterscheiden, die Fett enthalten, und solche, die Wasser enthalten. Beide können sich nicht vermischen. Diese einzelnen Bereiche sind jedoch so klein, dass makroskopisch die Verteilung homogen erscheint. In einem solchen Gemisch kann es jedoch vorkommen, dass sich die beiden Anteile separieren. In diesem Fall ist die Milch auch makroskopisch nicht mehr als homogen zu bezeichnen, da dann wasserreiche Bereiche klar von fettreichen Bereichen zu unterscheiden sind. Bei der Milch existiert eine Behandlung, die diese Separation verhindert und für eine gleichmäßige Verteilung von Fett und Wasser sorgt. Dieses wird daher auch als Homogenisieren bezeichnet.
Bedeutung homogener Stoffe
Die Gewinnung hinreichend homogener Ausgangsmaterialien und relativ homogener Zwischenprodukte für die industrielle, besonders für die Automatisierung zur Herstellung von kristallinen Bauteilen für Computer, gehört zu den Schlüsselproblemen der wissenschaftlich-technischen Entwicklung, deren Lösung hohen materiellen und ideellen Aufwand erfordert (vor allem bei der Gewinnung von Reinststoffen oder der Verringerung von Fehlertoleranzen).
In der Chemie sind homogene Stoffe entweder homogene Gemische, die man auch Lösungen nennt, zum Beispiel Legierungen, oder Reinstoffe.
HaLLi HaLLo
Folgen der chemischen Homogenität
Homogene Materie hat überall die gleiche Dichte und Zusammensetzung. Wenn in einem großen Behälter mit einem homogenen Stoff, z.B. mit einem Gas, an einer Stelle eine Teilmenge V1 eingeschlossen wird, so enthält diese dieselbe Stoffmenge wie eine Teilmenge mit demselben Volumen V1 an anderer Stelle. Teilt man die gesamte Stoffmenge auf zwei gleichgroße Volumina auf, so enthalten sie die gleiche Stoffmenge, nämlich die Hälfte der ursprünglichen. Daraus folgt:
Die Stoffmenge ist für homogene Substanzen bei gleichbleibendem Druck und gleichbleibender Temperatur proportional zum Volumen, oder umgekehrt:
Das Volumen homogener Substanzen ist bei gleichbleibendem Druck p und gleichbleibender Temperatur T proportional zur Stoffmenge.
Für T = const und p = const gilt also:
:.
Diese Gesetze gelten für alle homogenen Stoffe, solange Temperatur und Druck unverändert bleiben, einschließlich für ideale Gase, für die die Ideale Gasgleichung gilt. Der Quotient
heißt Molvolumen, der Quotient ist die Konzentration. Die genannten Beziehungen sind auch die Grundlage der Volumetrie.
Für homogene Substanzen gelten auch die Beziehungen
:,
siehe Dichte.
Siehe auch: Heterogenität, Isotropie, Anisotropie, Kontinuum, Homogene Güter
Kategorie:Physik
Kategorie:Chemie
Kategorie:Ontologie
GaijinDer Gaijin (jap. 外人, wörtlich: Mensch von draußen; auch 外国人 Gaikokujin, dt. Ausländer) ist ein in Japan lebender oder reisender Ausländer. Oft bezieht sich Gaijin ausschließlich auf westliche Ausländer oder beschränkt sich auf Menschen weißer und schwarzer Hautfarbe. Während sich einige in Japan lebende Ausländer selbst neutral als Gaijin bezeichnen, hat das Wort für einige Japaner und viele Ausländer einen negativen Beiklang, gilt manchmal sogar als Schimpfwort. Die Beschränkung auf bestimmte Rassen läßt das Wort auch als rassistisch erscheinen.
Bild:OAI_Studenten_in_Iwate.jpg|ausländische Studenten in Morioka: ein Indonesier, ein Deutscher, zwei Chinesinnen
Image:MoriokaStudentinnen.JPG|ausländische Studentinnen
Image:MoriokaStudenten.JPG|ausländische Studenten
Image:Arudou.jpg|der eingebürgerte Japaner Arudou Debito
Das Wort Gaijin hat für viele Japaner einen exotischen und geheimnisvollen Klang; gleichzeitig zieht es aber auch die Grenze zwischen „uns“, den Japanern, und den „anderen“ von draußen, so dass ausländischen Menschen in Japan völlig unabhängig von ihrer genaueren Herkunft und ihrem individuellen Charakter pauschal mit Vorurteilen, Einschränkungen aber auch oft einer gewissen Nachsichtigkeit (die können die japanischen Sitten ja nicht kennen) begegnet wird.
Um die pejorative Konnotation des Wortes Gaijin zu umgehen, werden Ausländer offiziell und oft auch im Alltag nunmehr als Gaikokujin (外国人, wörtlich: Mensch aus dem Ausland) bezeichnet. Da sich die tatsächliche gesellschaftliche Position gegenüber Ausländern und Andersfarbigen kaum geändert hat, ist aber eine negative Bedeutungsverschiebung des Wortes Gaikokujin hin zu Gaijin zu beobachten (dieser Prozess wird von der linguistischen Theorie der Euphemismus-Tretmühle vorhergesagt).
Der Bürgerrechtler Arudou Debito, ein weißer Japaner, ist die personifizierte Antithese zum Wort Gaijin: Er erlebt Diskriminierung als Weißer, obwohl er doch nicht Ausländer ist.
Der kantonesische Begriff Gweilo hat in der Gesellschaft Hongkongs eine ähnliche Bedeutung und Entwicklung wie das Wort Gaijin in Japan.
Verweise
William Adams - Lafcadio Hearn - Akebono Taro
Kategorie:Kultur (Japan)
Kategorie:Gesellschaft (Japan)
ja:外人
Homosexualität in JapanHomosexualität bzw. gleichgeschlechtliche romantische Liebe oder sexuelles Begehren ist in Japan aus alten Zeiten überliefert und wird auch heute wie in nur wenigen Ländern der Welt toleriert. In früheren Zeiten wurde Liebe zwischen Männern sogar als die reinste Form der Liebe überhaupt betrachtet. Zu keiner Zeit wurde Homosexualität in der japanischen Gesellschaft und Religion als eine Sünde angesehen; noch gab oder gibt es Gesetze gegen Homosexualität. Jedoch hat die moderne Sexualwissenschaft und der Wunsch, "zivilisiert" zu erscheinen, auch in Japan die Auffassungen von gleichgeschlechtlicher Liebe beeinflusst.
Sexualwissenschaft
Begriffswandel
Ursprünglich waren Shudo, Wakashudo und Nanshoku die bevorzugten Termini. Gegenwärtig sind Dōseiai (同性愛) – Anfang des 20. Jahrhunderts in Anlehnung an das deutsche Wort Homosexualität geprägt – und davon abgeleitet Dōseiaisha (wörtlich: "gleichgeschlechtlich liebende Person") neben dem englischen Fremdwort Gay die einzigen verfügbaren Begriffe geworden.
Der Ausdruck Gay wird fast nie benutzt, wenn antike und historische Quellen diskutiert werden, weil das Wort mit modernen, westlichen und politischen Konnotationen befrachtet ist und eine besondere Identität nahelegt – eine, mit der sich sogar die Homosexuellen im modernen Japan nicht unbedingt identifizieren mögen.
Vergleiche mit dem Westen
Anders als im Westen betrachtete man in Japan Sex nicht in moralischen Begriffen, sondern vielmehr in solchen des Vergnügens, des gesellschaftlichen Status und der sozialen Verantwortung. Obgleich sich sonst viel verändert hat, trifft diese Aussage größtenteils auch heute noch zu. Jedoch wurde im alten im Unterschied zum modernen Japan nur der Geschlechtsakt als "homosexuell" oder "heterosexuell" betrachtet, nicht die Menschen, die ihn vollziehen. Darin zeigt sich eine wesentliche Veränderung, die einer Anpassung an westliche Vorstellungen entspricht.
Das moderne Japan
Anime und Manga
Viele Anime und Manga enthalten schwule Inhalte, die Shōnen Ai, Boys Love, BL oder JUNE genannt werden, wenn sie eher zu romantischen, und Yaoi, wenn sie eher zu sexuellen Motiven tendieren. Sie werden primär an weibliche Kundinnen vermarktet, die von Schulmädchen bis zu Hausfrauen reichen, und fallen in Buchhandlungen nicht weiter auf. Lesbische Inhalte sind weit weniger verbreitet, auch hier wird zwischen Shoujo Ai, der romantischen Liebe, und Yuri, dem Gegenstück zu Yaoi, unterschieden.
Einige Manga sprechen unverhohlen lüsterne Interessen an und zielen direkt auf den schwulen Markt. Sie sind jedoch meist nur in speziellen Geschäften zu finden.
Sexualleben
Die japanische Sexualmoral ist weltweit eine der offensten überhaupt. Für die meisten Japaner steht die Privatsphäre ihrer Mitmenschen, einschließlich ihres Sexuallebens, nicht zur Diskussion. Die Offenheit der japanischen Gesellschaft gegenüber Homosexualität entspringt also nicht unbedingt einer besonders liberalen, durchdachten Aufgeklärtheit, sondern eher einer allgemeinen Indifferenz. Gay-Bashing kommt praktisch nicht vor.
Schwule werden in der japanischen Gesellschaft allerdings oft einseitig auf ein Tuntenimage reduziert, so sehr, dass bei okama (jap. オカマ), eines der Alltagswörter für "schwul" auch immer gleich das Bild einer Tunte mitschwingt. Ein Hauptgrund ist sicher, dass Tunten mit ihrer Kleidung und Gehabe allgemein als kawaii ("putzig") gelten, was in dieser von Kritikern oft als infantilisiert beschriebenen Gesellschaft ein positives Urteil darstellt. Mehrere Tarentos im japanischen Fernsehen sind offen schwul; alle tendieren zur Tuntenhaftigkeit.
Die meisten Love Hotels akzeptieren keine Männerpärchen, öfter dagegen zwei Frauen. Allerdings gibt es spezielle schwule "Liebeshotels" in den einschlägigen Vierteln, von denen einige auch heterosexuelle Paare akzeptieren. Das größte und einzig explizite Schwulenviertel Japans ist Shinjuku ni-chome in Tokio (siehe dort für Besonderheiten des schwulen Nachtlebens). In Osaka finden sich die meisten schwulen Einrichtungen in Umeda (梅田). Neben Bars und Discos sind auch Saunas, Sexclubs und Hotels vorhanden. Lesben-Events finden regelmäßig statt. Wie in anderen Großstädten verteilen sich die Lokale etwas übers Stadtgebiet. Schwulenbars sind in Japan oft von außen nicht als solche zu erkennen, auch ist deren Fluktuation sehr hoch. Läden die für Ausländer interessant sind haben meist englischsprachige Webpages mit Lageplan, die man am besten ausdruckt und mitnimmt.
Leben als Homosexueller
Die japanische Gesellschaft trennt scharf zwischen homosexuellem Sex an sich einerseits und der sexuellen Orientierung andererseits. Während die Praktizierung homosexuellen Sexes in Japan gesellschaftlich genauso toleriert wird wie die von heterosexuellem Sex, ist es für offene Homosexuelle schwierig, soziale Gleichstellung mit Heterosexuellen zu erreichen. Die meisten Homosexuellen hier halten sich an die japanische Maxime "Was du nicht weisst, macht dich nicht heiss" und leben ihr schwules Leben im Verborgenen aus.
Zwar wird Homosexualität bei Ausländern (die sowieso Narrenfreiheit genießen), bei (Fernseh-) Künstlern und in Mangas allgemein akzeptiert und besitzt sogar teilweise Kultstatus; Vom gewöhnlichen Japaner wird aber nichts anderes erwartet, als dass er selbstverständlich heterosexuell zu sein hat. Offene Homosexualität wird ignoriert und Rechte lassen sich daraus nicht ableiten.
Eine Ausnahme stellt die Stadtverwaltung Tokio dar, die ein Diskriminierungsverbot in den allgemeinen Arbeitsanweisungen veröffentlicht hat, das auch die sexuelle Orientierung einschließt. Für die meisten japanischen Arbeitnehmer wäre es jedoch völlig abwegig, sich am Arbeitsplatz zu outen. Nicht selten gehen Homosexuelle auf Grund der gesellschaftlichen Erwartungshaltung eine heterosexuelle Scheinehe ein (Jahr 2005).
Über Gleichstellungsgesetze oder Partnerschaftsgesetze wie in Europa wird nicht mal nachgedacht, geschweige denn diskutiert. Im Gegenteil: Die japanischen Registrierungsbehörde (Gaimusho, 外務省) erhielten erst kürzlich die Anweisung, Anträge auf zur Heirat notwendige Urkunden auf "Heterosexualität" zu prüfen und die Bearbeitung gegebenenfalls abzulehnen. Dank der Flexibilität der deutschen Behörden ist eine Eingetragene Lebenspartnerschaft in Deutschland dennoch möglich, die aber in Japan keinerlei Rechtswirksamkeit entfaltet. Auch in der Familie ist Homosexualität noch ein Tabu-Thema. Viele Japaner berichten, dass ihre Eltern sich wahrscheinlich ihren Teil denken, aber dabei bleibt es dann auch.
Das Wohnungsamt Osaka vermittelt günstige Stadtwohnungen nur an Einzelpersonen oder Verheirateten- bzw. "heiratswilligen" Paaren; die Vergabe an zwei Personen des gleichen Geschlechts ist dagegen explizit untersagt, im "Vergehensfall" droht die Kündigung (nicht so in Tokyo).
Gegen diese und ähnliche Diskriminierungen von staatlicher oder privater Seite haben Homosexuelle in Japan keinerlei rechtliche Handhabe.
Die Folgen
Einerseits ist in Japan anonymer Sex mindestens ebenso leicht zu haben wie in westlichen Großstädten und wird ohne schlechtes Gewissen genossen. Homosexualität ist legal, gewaltsame Übergriffe auf Homosexuelle gibt es praktisch nicht.
Andererseits gilt Homosexualität außerhalb besonderer Nischen weiterhin als Makel. Rechtlich sind Homosexuelle in vielerlei Hinsicht benachteiligt, Unterstützung von Gesellschaft und Familie gibt es nicht. Mit einer grundlegenden Verbesserung der Situation ist auf absehbare Zeit nicht zu rechnen. Vielen Japanern fällt es daher schwer, ihre eigene Homosexualität anzunehmen. Auch Partnerschaften haben es dadurch deutlich schwerer als im Westen.
Das alte Japan
Obwohl ab dem 4. Jahrhundert ein vereinigtes Japan existierte, beginnt die schriftliche Überlieferung erst mit den Kojiki (古事記) oder Aufzeichnungen alter Geschehnisse [http://www.androphile.org/preview/Library/Mythology/Japanese/kojiki_yamato-takeru%20.html], welche im frühen 7. Jahrhundert zusammengestellt wurden. Während chinesische Quellen bereits im 6. Jahrhundert homosexuelle Bezugnahmen enthalten, beginnen ähnliche Referenzen in Japan erst im 10. Jahrhundert aufzutauchen. Diese Stellen scheinen, zumindest anfangs, dem chinesischen Beispiel zu folgen.
Chinesische Herkunft der Nanshoku-Tradition
Der Begriff Nanshoku (男色) ist die japanische Lesart der chinesischen Zeichen für "männliche Farben". Das Zeichen 色 bedeutet in Japan und China noch immer "sexuelles Vergnügen".
Im alten Japan war Nanshoku als Wort für gleichgeschlechtlichen Sex unter Männern weit verbreitet. Laut Gary P. Leupp assoziierten die Japaner Nanshoku mit China, dem Land, dessen Kultur die Basis eines Großteils der japanischen Hochkultur einschließlich des Schriftsystems Kanji wurde. Die japanische Nanshoku-Tradition zehrte in hohem Maße von der chinesischen und in begrenztem Umfang von der Koreas.
Soziale Milieus der Nanshoku-Tradition
Klöster
Buddhistische Klöster scheinen im alten Japan bereits früh Zentren homosexueller Aktivität gewesen zu sein. Der Volksmund schreibt Kukai, dem Gründer der buddhistischen Shingon-Sekte, zu, Nanshoku in Japan eingeführt zu haben, nachdem er im 9. Jahrhundert aus dem China der Tang-Dynastie zurückgekehrt war. Jedoch erörtert er dieses Thema in keinem seiner größeren Werke. Es sollte auch angemerkt werden, dass die Vinaya, die klösterliche Disziplin, jede sexuelle Aktivität ausdrücklich verbot; und Kukai war ein enthusiastischer Unterstützer der Vinaya. Gleichzeitig wurde jedoch der Berg Koya, der Sitz von Kukais Kloster, zum Beinamen für gleichgeschlechtliche Liebe.
Hingegen enthalten weder Shinto noch die japanische Lesart des Konfuzianismus irgendwelche Verbote. Genügend Mönche scheinen der Ansicht gewesen zu sein, dass ihr Keuschheitsgelübde sich nicht auf gleichgeschlechtliche Beziehungen erstreckte, so dass Geschichten, die von den Affären zwischen Mönchen und jungen Akolyten erzählen, unter dem Namen Chigo Monogatari relativ populär waren. Solche Affären wurden milde bespöttelt, solange die Leidenschaften nicht bis zu körperlicher Gewalt eskalierten, was durchaus nicht ungewöhnlich war. Jesuiten berichteten entsetzt über die Verbreitung der "Sodomie" unter buddhistischen Mönchen.
Militär
Sodomie
Aus den religiösen Kreisen breitete sich die gleichgeschlechtliche Liebe in die Kriegerklasse aus, in der es für einen jungen Samurai üblich war, bei einem älteren und erfahreneren Mann in die Lehre zu gehen. Für eine Anzahl von Jahren wurde er dessen Geliebter. Diese Praktik war als Shudo bekannt, die Sitte der Jungen, und stand in der Kriegerklasse in hohem Ansehen.
Mittelschichten
Als die japanische Gesellschaft weniger kriegerisch wurde, übernahmen die Mittelschichten viele der Praktiken aus der Kriegerklasse. Im Fall von Shudo gaben sie dieser Sitte einen kommerzielleren Anstrich. Junge Kabuki-Schauspieler, bekannt unter dem Namen Kagema, wurden zum letzten Schrei. Sie waren ähnlich prominent wie heutige Medienstars und standen in hoher Nachfrage bei wohlhabenden Mäzenen, die um ihre Gunst wetteiferten. [http://www.androphile.org/preview/Culture/Japan/japan.htm]
Gleichgeschlechtliche Liebe in der Kunst
Auch in der japanischen Druckgrafik finden sich unter den Ukiyo-e (Bilder der fließenden Welt) und den erotischen Shunga (Bilder des Frühlings) viele Darstellungen von Homosexualität. Einige der größten Künstler wie Katsushika Hokusai und Andō Hiroshige rühmten sich, die gleichgeschlechtliche Liebe dargestellt zu haben. [http://www.androphile.org/preview/Museum/Japan/Japanindex.htm]
Gleichgeschlechtliche Liebe in der Literatur
Alte japanische Quellen enthalten viele verdeckte Anspielungen auf gleichgeschlechtliche Liebe, die oft jedoch so subtil sind, dass sie nicht zweifelsfrei zu deuten sind. Denn Bekundungen der Zuneigung unter befreundeten Männern waren allgemein üblich und entsprachen den damaligen Konventionen.
Nichtsdestoweniger gibt es auch eindeutige Stellen, die in der Heian-Periode zahlreicher werden. In Genji Monogatari (源氏物語, Die Geschichte vom Prinzen Genji) aus dem frühen 11. Jahrhundert lassen sich Männer häufig von der Schönheit eines Knaben rühren. In einer Szene wird der Held von einer Dame zurückgewiesen und schläft stattdessen mit ihrem Bruder:
:„"Genji zog den Jungen an seine Seite herab. […] Genji seinerseits fand, so sagt man, den Jungen attraktiver als seine kühle Schwester.”
Die Geschichte vom Prinzen Genji ist ein Roman (oft als der erste der Welt angesehen), aber es gibt auch mehrere Tagebücher aus der Heian-Zeit, die Bezüge auf homosexuelle Handlungen enthalten. Einige von ihnen verweisen auch auf Kaiser, die in homosexuelle Beziehungen involviert waren, sowie auf „schöne Knaben”, die den Kaisern „für sexuelle Zwecke vorbehalten” waren. In anderen literarischen Werken finden sich Hinweise auf das, was Leupp „Probleme der Geschlechtsidentität” genannt hat, wie etwa die Geschichte eines Jungen, der sich in ein Mädchen verliebt, das in Wirklichkeit ein verkleideter Junge ist.
Homosexuelle Beziehungen waren auch in späteren Jahrhunderten der Stoff für zahllose Werke, die meist noch nicht in westliche Sprachen übersetzt sind.
Literatur
- Gary P. Leupp: Male Colors : The Construction of Homosexuality in Tokugawa Japan. Los Angeles, California, 1997. ISBN 0-520-08627-9
- Nicholas Bornoff: Pink Samurai : Love, Marriage & Sex in Contemporary Japan. New York 1991. ISBN 0-671-74265-5
- Gregory M. Pflugfelder: Cartographies of Desire: Male-male Sexuality in Japanese Discourse, 1600-1950. University of California Press, 1999. ISBN 0-520-20909-5
Siehe auch
- Homosexualität in China
Weblinks
- [http://members.aol.com/matrixwerx/glbthistory/samarai.htm The Way of the Samurai]
- [http://www.androphile.org/preview/Culture/Japan/japan.htm The "Beautiful Way" of the Samurai]
- [http://www.theory.org.uk/ctr-rol4.htm Gender and sexuality in Japanese Anime]
- [http://wwwsshe.murdoch.edu.au/intersections/issue3/mclelland2.html Male Homosexuality and Popular Culture in Modern Japan]
- [http://www.westernbuddhistreview.com/vol3/homosexuality.html Homosexuality in the Japanese Buddhist Tradition]
- [http://www.infopt.demon.co.uk/biborien.htm Bibliography of Gay and Lesbian History]
Kategorie:Sex in Japan
Kategorie:Homosexualität
Kategorie:Geschichte der Homosexualität
Kategorie:Homosexualität (literarisches Motiv)
YakuzaYakuza (jap. やくざ oder ヤクザ) ist der Name einer japanischen kriminellen Organisation mit einigen hundert Jahren Geschichte, die in verschiedene rivalisierende gumi (Banden) eingeteilt und von der ausländischen Presse manchmal auch zusammenfassend als "japanische Mafia" bezeichnet wird. Sie verfolgen eine strenge Hierarchie und unterschiedliche Kodices in Form von Hausordnungen und sind auf nahezu allen japanischen Inseln und auch zu kleinen Teilen im Ausland vertreten. Seit 1993 ist allein die Angehörigkeit zu einem gumi in Japan strafbar, was die moderne Yakuza zu immer mehr Arbeit im Untergrund zwingt. Ebenfalls verschlechterten sich dadurch ihre wechselhafte Beziehung zur Polizei und ihr allgemeines gesellschaftliches Ansehen. Sie sprechen ebenfalls einen eigenen Berufsjargon und sind heute zumeist als Geschäftsmänner getarnt.
Ya-Ku-Za ist eigentlich die dialektale Aussprache einer Zahlenkombination 8-9-3, welche bei dem japanischen Kartenspiel Hanafuda (ähnlich dem Black Jack) als völlig wertlos gilt. So sehen sich auch die Yakuza mit einem gewissen Stolz als die "Wertlosen" der Gesellschaft. Während der Edo-Periode bestand die Yakuza fast ausnahmslos aus Menschen von "niederer Geburt", also Angehörigen der Kasten der Bauern und Handwerker, hauptsächlich jedoch der Kaufleute. Hatte man als solcher sein Land oder Geschäft durch Glücksspiel, Naturkatastrophen oder plündernde Ronin verloren oder kam als Flüchtling vor Unruhen oder Strafverfolgung mittellos in eine neue Stadt, blieb einem nicht viel anderes übrig, als bei der Yakuza anzufragen. Diese gab einem dann eine Unterkunft und Arbeit; nicht selten zogen allein Geborgenheit innerhalb der Familienstruktur sowie Abenteuerlust und Hoffnung auf Respekt und Anerkennung unter der ländlichen Bevölkerung auch Freiwillige in die Dienste der Yakuza. Die Polizeikräfte dagegen kamen derzeit alle aus der Kaste der Samurai, welche durch die so genannte pax Tokugawa keine kriegerische Beschäftigung mehr hatten und sich auf den Schutz der öffentlichen Sicherheit konzentrierten. So entstand oft ein spannungsgeladenes Verhältnis zwischen den beiden Parteien, und die Yakuza wurden oft von den bushi als Möchtegern-Samurai ohne Ehrung des Bushido herablassend behandelt. Trotzdem war ein Interessenkonflikt nicht unbedingt vorprogrammiert und die Radikalität der verschiedenen gumi unterschied sich von Ort zu Ort stark, so gab es auch in wenigen Fällen Kooperation zwischen den beiden Gruppierungen, wenn es um Gemeindepolitik und um Anliegen der Bürger ging.
Die moderne Yakuza hat ihren Wirkungskreis bis hin zur Einflussnahme auf Finanzmärkte und politische Korruption ausgedehnt. Sie hat auch bereits versucht, Einfluss auf politische Wahlen zu nehmen, indem Kandidaten zunächst finanziell oder mit "Dienstleistungen" unterstützt wurden, in der Absicht, sie nach der Wahl durch Erpressung zu kontrollieren. Daneben betreibt die Yakuza weiterhin auch "traditionelle" Mafia-Aktivitäten, wie Drogenhandel, Prostitution, Menschenhandel, illegales Glücksspiel, Pachinko, oder Schutzgelderpressung, die beispielsweise bei vielen Restaurants verdeckt über den Wäscheservice der japanischen Erfrischungstücher, Oshibori genannt, abläuft.
Yakuza verwenden seit hunderten von Jahren großflächige Tätowierungen als Ausdruck der Gruppenzugehörigkeit, aber auch um sich als ranghöheres Individuum zu kennzeichnen. Nicht selten gaben sich Bauern und Handwerker bei ihrem Eintritt in die Yakuza neue und kriegerisch klingende Namen wie Tiger und Kranich, neun Drachen, tobender Sturm usw., welche sie dann in dieser Form auf Rücken oder Brust bildlich darstellen ließen. Zusätzlich wurden oft noch ausschweifende und künstlerische Verzierungen angebracht, nicht selten war alles bis auf Kopf, Hände und Füße sowie Genitalbereich mit Mustern versehen. Bis heute noch sind Tätowierungen in Japan direkt mit den Yakuza assoziiert, weshalb Tätowierten der Zutritt zu öffentlichen Badeanstalten meist untersagt ist. Tatsächlich aber hat sich der tätowierte Yakuza mittlerweile eher zu einer Art leerem Klischee entwickelt, da seit dem offiziellen Verbot der Yakuza niemand mehr gerne auffällt.
Begeht ein Angehöriger der Yakuza einen Fehler, welcher zu einem Gesichtsverlust führt, so kann er diesen tilgen, indem er sich ein Fingerglied mit einem Tanto und einem Hammer abtrennt. In der Regel wird mit der linken Hand und mit dem ersten Glied des kleinen Fingers begonnen. Dieses Ritual stammt ebenfalls noch aus der Zeit der Samurai. Mit jedem verlorenen Fingerglied lag das Schwert schlechter in der Hand - und mit dem Verlust der letzten Fingerkuppe war das Führen eines Schwertes nicht mehr möglich. Altgedienten Yakuza fehlen deshalb oft einige Fingerkuppen, die sie mit Fingerprothesen ersetzen, um in der Öffentlichkeit nicht sofort als Kriminelle erkannt zu werden.
Es wird vermutet, dass die japanische Politik und Wirtschaft eng mit den Yakuza verknüpft ist. Insbesondere zur liberaldemokratischen Regierungspartei, so wird oft vermutet, sollen die Yakuza schon seit Jahrzehnten gute Kontakte pflegen.
Literatur
- Taro Yamada, Guido Keller (Hg.): Bizzaria. 555 japanische Eigenarten und Mafia-Adressen, Angkor Verlag, 2002. ISBN 3936018073
- Ian Buruma: Japan hinter dem Lächeln. Götter, Gangster, Geishas, Frankfurt/Main u.a. : Ullstein, 1985, ISBN 3550079699
- Wolfgang Herbert: Japan nach Sonnenuntergang. Unter Gangstern, Illegalen und Tagelöhnern, Berlin 2002, ISBN 3496027339
- Peter B. E. Hill: The japanese mafia. Yakuza, mafia and the state, Oxford 2003.
- David E. Kaplan: Yakuza. The explosive account of Japan's criminal underworld, Tokyo [u.a.] 1986.
- Gabriele Kawamura: Yakuza. Gesellschaftliche Bedingungen organisierter Kriminalität in Japan, Pfaffenweiler 1994.
- Mark Schilling: The yakuza movie book. A guide to Japanese gangster films, Berkeley 2003.
Siehe auch
- Portal:Japan
Weblinks
- http://www.japonet.de/j-impressionen/yakuza.html
- http://www.japan-stammtisch.de/stammtisch/lecture/lecture_yakuza.php
- http://www.desertwars.de/index.php?order=sart&sid=71
- [http://www.v-22.de/content/view/33/27/ Yakuza Artikel] - mit Beschreibung der Organisationsstruktur
- http://www.okinawan-shorinryu.com/okinawa/yakuza.html (englisch)
- http://www.virtualginza.com/yakuza.htm (englisch)
- http://members.tripod.com/~orgcrime/japindex.htm (englisch)
- http://www.crimelibrary.com/gangsters_outlaws/gang/yakuza/1.html (englisch)
- http://www.jingai.com/yakuza/movies.html Yakuza-Filme (englisch)
Kategorie:Gesellschaft (Japan)
Kategorie:Mafia
ja:ヤクザ
Hibakusha
Als Hibakusha (jap. 被爆者, explosionsgeschädigte Personen) werden in Japan die heute noch lebenden, etwa 340.000 Überlebenden der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 bezeichnet.
Da die Strahlenkrankheit anfangs als ansteckend galt, wurden Hibakusha in der Nachkriegszeit, hauptsächlich aufgrund mangelnden Wissens über die tatsächlichen Spätfolgen radioaktiver Verstrahlung, gesellschaftlich diskriminiert. Sogar zu Beginn des 21. Jahrhunderts gibt es immer noch Hibakusha-Neuregistrierungen, da manche Betroffenen erst jetzt mit ihrer persönlichen Geschichte an die Öffentlichkeit gehen.
Ein Gesetz über die Behandlung der Atombombenopfer, in dem erste Versorgungsregelungen für die Hibakusha getroffen wurden, wurde 1957 beschlossen, und erst ab 1968 erhielten die Überlebenden eine unentgeltliche ärztliche Betreuung. Die materielle Entschädigung bzw. Versorgung der Hibakusha ist auch heute noch unbefriedigend.
Knapp 60 % aller Hibakusha leiden an körperlichen Langzeitschäden, Behinderungen und Folgekrankheiten. Dazu kommen häufig psychische Störungen: Nach den Bombenangriffen verfielen viele Überlebende aufgrund familiärer und gesellschaftlicher Verluste in Lethargie oder entwickelten wegen des eigenen Überlebens starke Schuldgefühle. Zudem war bei der Gründung eigener Familien zunächst unklar, ob die Kinder gesund zur Welt kommen würden. Jährlich sterben etwa 2.500 Hibakusha an den Nachwirkungen der Bombenabwürfe.
Anlässlich des internationalen Jahres des Friedens 1986 beschloss die Friedens- und Kulturstiftung von Hiroshima, die Berichte von 100 Hibakusha aufzuzeichnen und im Friedensmuseum Hiroshima zu archivieren.
Zu den Überlebenden der Atombombenabwürfe zählten auch etwa 40.000 koreanische Zwangsarbeiter, von denen die meisten nach Korea zurückkehrten. Da Südkorea im Normalisierungsvertrag mit Japan 1965 auf alle Ansprüche verzichtete, erhielten sie keine Reparationszahlungen. Während japanische Gerichte die Forderungen koreanischer Opfer früher stets zurückgewiesen hatten, wurde die japanische Regierung im Januar 2005 erstmals zu Entschädigungszahlungen für vierzig südkoreanische Atombombenopfer verurteilt.
Siehe auch
- Portal:Japan
Weblinks
- [http://www.inicom.com/hibakusha/ Voice of Hibakusha]
- [http://www.lebenshaus-alb.de/cgi-bin/movabletype/mt-search.cgi?search=Hibakusha&SearchField=keywords Hibakusha - Zeugenberichte und Artikelsammlung]
- [http://www.lebenshaus-alb.de/mt/archives/003138.html Was den Menschen von Hiroshima und Nagasaki Grauenhaftes widerfahren ist]
- [http://www.lebenshaus-alb.de/mt/archives/003137.html Zehntausende der Atombombenopfer von Hiroshima und Nagasaki waren Koreaner]
Kategorie:Japanische Geschichte
Kategorie:Gesellschaft (Japan)
Kategorie:Kriegsverbrechen
Kategorie:Hiroshima
Kategorie:Atomwaffe
ja:被爆者
Nagasaki
Nagasaki (jap.: 長崎市; -shi) ist die Hauptstadt und die größte Stadt der Präfektur Nagasaki mit 413.100 Einwohnern (Stand 1. Januar 2004), an der Südwest-Küste von Kyushu in Japan gelegen.
Geschichte
Gegründet wurde die Stadt vor 1500 und war ursprünglich eine abgelegene Hafenstadt mit wenig historischer Bedeutung, bis sie Mitte des 16. Jahrhunderts mit europäischen Forschungsreisenden in Kontakt kam. 1542 verschlug es ein portugiesisches Schiff an die Küste der Präfektur Kagoshima. Der eifrige Jesuiten-Mitgründer und -Missionar Francisco Xavier erreichte 1549 einen anderen Teil des Gebietes, und obwohl er 1551 in das Kaiserreich China weiterreiste und bald nach seiner Ankunft dort starb, bekehrten seine in Japan zurückgebliebenen Anhänger einige Daimyo (Fürsten). Der wichtigste unter ihnen war Omura Sumitada, der großen Profit aus seiner Konvertierung zum Christentum schlug, denn er ließ sich dafür einen Anteil am Handel der portugiesischen Schiffe sichern, die an einem mit seiner Hilfe 1571 errichteten Hafen in Nagasaki anlegten.
Die kleine Hafenstadt wuchs schnell und portugiesische Produkte, die über den Nagasaki importiert wurden (wie z.B. Tabak, Brot, Tempura (fritiertes Gemüse), Biskuit und eine neue Bekleidungsmode), wurden schnell in die japanische Alltagskultur übernommen. Die Portugiesen brachten auch viele Güter aus dem Kaiserreich China mit.
1587 wurde Nagasakis Wohlstand gefährdet, als Toyotomi Hideyoshi als neuer Kampaku an die Macht kam. Er war besorgt wegen des großen christlichen Einflusses in Süd-Japan und befahl die Vertreibung aller Missionare. Die Jesuiten verloren die ihnen von Omura verliehene eingeschränkte Verwaltungskontrolle, die nun wieder an die Zentralregierung fiel. Japanische und ausländische Christen wurden verfolgt, und Hideyoshi ließ 1596 26 Christen in Nagasaki kreuzigen, um davor abzuschrecken, seine Macht zu übernehmen. Portugiesische Händler wurden jedoch nicht geächtet, und so konnte die Stadt weiter gedeihen.
Als Tokugawa Ieyasu knapp 20 Jahre später nach Hideyoshis Tod und der geschichtsträchtigen Schlacht von Sekigahara Shōgun wurde und die Macht übernahm, verbesserte sich die Lage kaum. Das Christentum wurde 1614 vollends verbannt und alle Missionare deportiert, ebenso wie der Daimyo, der nicht dem Christentum abschwören wollte. Es folgte eine brutale Verfolgung mit tausenden Getöteten und Gefolterten in Nagasaki und anderen Teilen Japans. Die Christen leisteten anfänglich Widerstand in der Rebellion von 1637, an der verarmte Christen aus der Enklave Nagasaki Shimabara und lokale Bauern teilnahmen. Mit 40.000 Mann eroberten sie die Burg Hara und demütigten den lokalen Daimyo. Der Shogun entsandte 120.000 Soldaten, um den Aufstand niederzuschlagen, und beendete damit Japans kurzes "christliches Jahrhundert". Einige Japaner hielten am Christentum fest, jedoch heimlich (Kakure Kirishitan) und als Opfer gelegentlicher Verfolgungen.
Die Niederländer hatten sich zu dieser Zeit still und leise in Japan festgesetzt, trotz der offiziellen Politik des Shogunats, den ausländischen Einfluss im Land zu beenden. Die Niederländer waren allein am Handel interessiert, was sie dadurch demonstrierten, dass sie während der Shimabara-Rebellion zugunsten des Shoguns eingriffen und auf die Christen feuerten. 1641 wurde ihnen als Handelsstützpunkt Deshima zugesprochen, eine künstliche Insel in der Bucht von Nagasaki. Von diesem Zeitpunkt bis 1855 war Japans Kontakt mit der Außenwelt auf Nagasaki begrenzt. 1720 wurde der Bann niederländischer Bücher aufgehoben, was zur Folge hatte, dass hunderte Gelehrte und Studenten nach Nagasaki strömten, um europäische Kunst und Wissenschaft zu studieren.
Nachdem der US-Commodore Matthew Perry 1853 in Japan landete und das Shogunat kurz darauf zerfiel, öffnete Japan seine Tore erneut. Nagasaki wurde 1859 Vertragshafen. Europäer ließen sich in Nagasaki nieder, und am 17. März 1865 begegnete der französische katholische Priester Bernard Petitjean in der neuerrichteten Kirche von Ooura etwa 15 in Urakami wohnenden Christen, die bisher ihr Christentum versteckt im Untergrund praktiziert hatten. Dieses Ereignis ist als Wiederbelebung des Christentums in Japan bekannt.
In Nagasaki wurde 1868 eine umfassende Modernisierung begonnen. Mit der Meiji-Restauration erlangte Nagasaki schnell wirtschaftliche Dominanz, vor allem auf dem Gebiet des Schiffbaues.
Dominanz
Dieser Industriezweig ließ Nagasaki zum Ziel der Amerikaner im Zweiten Weltkrieg werden: Am 9. August 1945 um 11:02 Uhr warf ein amerikanischer Bomber (B-29, "Bocks Car") eine Atombombe über der Mitsubishi-Waffenfabrik ab, als sich gerade eine Wolkenlücke auftat. Ursprüngliches Ziel waren die Schiffswerften. Die Atombombe, Fat Man (22kt TNT-Äquivalent) genannt, war nach der über Hiroshima abgeworfenen die zweite, die über Japan explodierte. Obwohl die Bombe ihr Ziel um mehr als 2 km verfehlte, ebnete sie fast die halbe Stadt ein. Etwa 31.000 der 240.000 Einwohner wurden sofort getötet. Da Nagasaki in einem Tal liegt, blieb der Feuersturm aus.
Viele Menschen sterben in Folge der Strahlenkrankheiten
(Schätzungen: 1946 - ~75.000 : 1950 - ~140.000). Die Überlebenden werden auch als Hibakusha bezeichnet.
Nach dem Krieg wurde die Stadt wieder aufgebaut, jedoch wegen der großen Zerstörungen völlig anders, als sie vor dem Krieg aussah. Neue Tempel und Kirchen wurden gebaut -- das Christentum fand nach dem Krieg sogar noch signifikanten Zulauf, und Nagasaki hat bis heute den höchsten christlichen Bevölkerungsanteil von allen japanischen Großstädten. Einige Trümmer wurden als Mahnmal stehengelassen, wie z.B. das einbeinige Torii und ein Stein-Bogen nahe Ground Zero. Auch neue Gebäude wurden als Mahnmale errichtet, wie z.B. das Atombomben-Museum.
Söhne und Töchter der Stadt
- Kazuo Ishiguro, japanischer Schriftsteller
- Hantaro Nagaoka, japanischer Physiker
Literatur
- Paul Takashi Nagai, Die Glocken von Nagasaki : Geschichte d. Atombombe, - München : Rex-Verlag, 1955 - Bericht eines überlebenden Arztes
Weblinks
- [http://www1.city.nagasaki.nagasaki.jp/index_e.html Homepage von Nagasaki]
- [http://archiv.tagesspiegel.de/drucken.php?link=archiv/08.08.2005/1977371.asp Christoph von Marschall, Die verschollene Wahrheit - George Weller war als erster Westjournalist in Nagasaki] ("Der Tagesspiegel", 08.08.2005)
Siehe auch
- Portal:Japan
- Liste der Städte in Japan
Kategorie:Ort in Japan
ja:長崎市
Soziales Verhalten in JapanDas soziale Verhalten in Japan von Japanern untereinander einerseits und im Kontakt mit Gaikokujin (外国人, dt. Ausländern; kurz, unhöflich: Gaijin) andererseits unterscheidet sich in vielen Punkten von anderen westlichen, aber auch asiatischen Nachbarländern. Das rührt teilweise davon her, dass Japan ein Inselstaat ist und entsprechend das Bewusstsein der Japaner ausgeprägt ist, isoliert und einzigartig zu sein. Jeder Ausländer ist prinzipiell ein Gaijin, ein Wort, das dem Betreffenden in abgelegenen Gegenden oft hinterher gerufen wird.
Zwischenmenschliches
Titel und Anrede
siehe auch: Japanische Anreden
Wichtigstes Prinzip in der japanischen Konversation ist, dem Gesprächspartner gegenüber Respekt zu zeigen und sich selbst gegenüber Bescheidenheit. Dieses System, genannt Keigo (敬語, "Höflichkeitssprache") basiert auf den Hierarchievorstellungen des Konfuzianismus. Es ist komplexer als in der Deutschen Sprache, die nur die Ebenen "Du" und "Sie" unterscheidet, und stellt daher eine große Hürde beim Lernen der gehobenen Japanischen Sprache dar.
In der Anrede werden Männer und Frauen angesprochen, indem man -san (さん) an den Familiennamen anhängt. Manchmal wird auch Vorname+san benutzt, um Respekt, aber Nähe auszudrücken. Diese Silbe wird auch verwendet, wenn man von jemandem in seiner Abwesenheit spricht. Die Silbe -san drückt Respekt aus, daher benutzt man sie nicht, wenn man von sich selbst oder den eigenen Familienangehörigen spricht.
Freunden und Geschwistern gegenüber wird nur der Vorname ohne Suffix verwendet.
Die Nachsilbe -chan (ちゃん) wird für kleine Mädchen und Niedliches (kawaii) im Allgemeinen (Katzen nekochan, Babys akachan) benutzt und entspricht den deutschen -chen oder -lein. Oft wird dabei auch der Name gekürzt, so wird Yukiko (幸子) zu Yuki-chan (幸ちゃん). Wenn Frauen niedlich wirken wollen, benutzen sie -chan auch untereinander.
-kun wird für Klassenkameraden, Soldaten in der Einheit und Jungs im Allgemeinen verwendet. Für ältere Jungs als der Sprecher selbst gibt es das respektvollere -senpai, das Schüler und Studenten der höheren Jahrgänge bezeichnet.
-sama (様 oder さま) ist die respektvollste Anrede im modernen Japanisch, sieht man mal vom Hofzeremoniell des Tennō ab, wo noch alte Adelstitel im Gebrauch sind. Es wird in der Anrede in Briefen verwendet und gegenüber angesehenen Persönlichkeiten. minasama (皆様) dient als Äquivalent von "Meine Damen und Herren".
Weiterhin sind Suffixe üblich, die die Stellung in der Hierarchie klar machen. Mit Nachname+sensei (先生, wörtlich: früher geboren) spricht man Gebildete wie Lehrer, Anwälte, Ärzte, Professoren, Budo-Trainer an, die Anrede ist geschlechtsneutral. 中村先生 (Nakamura-sensei) kann daher Herr oder Frau Nakamura sein. In Firmen wird den Namen der Chefs der verschiedenen Ebenen ein buchō (部長), kachō (課長) oder shachō (社長) angehängt. Um die genaue Stellung des Gesprächspartners zu erfahren, sind die Visitenkarten wichtig. Man kann auch den Namen weglassen und nur die Funktion als Anrede verwenden, und zum Beispiel einen Lehrer mit sensei anreden. Hier gilt aber auch wieder: Mitglieder der eigenen Firma bezeichnet man anderen gegenüber ohne die Höflichkeits-Suffixe. So redet ein Delegationsleiter über den eigenen Firmenchef als "社長の井上"(Firmenschef Iinoue). Die Stellung in der Hierarchie wird als Attribut vor den Namen gesetzt.
Die Nachsilbe -tachi (達) bildet dagegen einen Plural. Neben watashitachi (私達, wir) kann man die Nachsilbe auch an andere Personalpronomen und an Namen anhängen. Dann bezeichnet man damit nicht nur das entsprechende Individium sondern die ganze Gruppe von Leuten, mit denen die Person normalerweise anzutreffen ist.
Japaner mit Auslandserfahrung stellen sich einem Ausländer gegenüber möglicherweise nach amerikanischer Sitte mit ihrem Eigennamen vor. Dann wird es natürlich knifflig. Wenn das Gespräch auf Japanisch geführt wird, sollte man sich trotzdem an die japanischen Konventionen halten, wenn Englisch benutzt wird, geht das etwas legerer.
Ein großer Unterschied zum Deutschen besteht in der Benutzung von Personalpronomen. Es gibt zwar Wörter, die eine ähnliche Funktion haben, die japanische Sprache, die viel mit Respekt und Hierarchie arbeitet, benutzt hier aber viel mehr Abstufungen. Es gibt rund zehn verschiedene Arten, "ich" zu sagen (der eigene Vorname; watakushi / watashi 私; boku 僕 und ore 俺 sind nur einige regionsunabhängige Beispiele), je nachdem ob man Mann oder Frau ist, alt oder jung, und wer der Gesprächspartner ist. Am einfachsten ist, Gesprächspartner immer mit Nachnamen und -san anzureden und von sich selbst ebenfalls mit Namen oder mit watashi 私 (Neutral) zu sprechen.
Wo im Deutschen immer das Personalpronomen nötig ist, um zu bezeichnen, um wen es geht, wird es im Japanischen eher weggelassen und aus dem Kontext geschlossen, um wen es sich eigentlich handelt. Was in Japanisch-Lehrbüchern als Personalpronomen aufgeführt wird, hat in der japanischen Umgangssprache leider ganz andere Verwendungen. Mit kare 彼 und kanojo 彼女 ist immer der Freund und meistens die Freundin gemeint. Ob jemand Single ist, fragt man also mit "kare / kanojo ga imasu ka?"
anata あなた Ist das einzige im aktuellen Japanisch verwendete Wort mit der Bedeutung "du" das in neutralen Zusammenhängen als "Sie" gebraucht werden kann z.B.: "Bitte benutzen Sie die Yamanote-Linie bis zur Station Shinjuku und steigen sie dann ..." Es stammt von einer gleichnamigen Anrede von Frauen für ihre Ehemänner.
Anreden von unbekannten oder höhergestellten Erwachsenen mit anata ist ausgeschlossen!
Weiterhin ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass ehemalige sehr höfliche sie-Wörter in der Geschichte der Sprache oft unhöflich geworden sind. Beispiele dafür sind:
- kimi 君 ursprünglich Bezeichnung für den Tenno(ookimi 大君) in der Edo-Periode, jetzt Ausdruck für "du" in der Männersprache
- omae お前 (ehrenhafter Gegenüber) früher "Sie", jetzt "hey du!" (Ausruf, unhöflich) oder im vertrauten Zusammenhang ein einfaches "du" (ebenfalls Männersprache)
- kisama 貴様 (Ehrenwerter hochverehrter [Herr]) bedeutet in heutiger Verwendung ironischerweise "du Arschloch".
Namen
siehe auch: Japanische Namen
Japanische Familiennamen stehen traditionell vor dem persönlichem Namen. Wird der Name in Kanji geschrieben, steht er immer in dieser Reihenfolge, in westlicher Schrift wird er aber in der Regel Vorname Nachname geschrieben.
Hinweis: Endet ein Name auf -moto (本, Wurzel), -yama (山, Berg), -ta/-da (田, Feld), -mura (村, Dorf), -ki (木, Baum) oder -bayashi (林, Hain), so ist es meist der Familienname. Weibliche Eigennamen enden oft auf -ko (子). Männernamen kennen wesentlich mehr Varianten, -ichi, -suke oder -taro trifft man allerdings öfters an.
Trivia: Für Ausländer wirkt die Liste gebräuchlicher japanischer Namen sehr kurz, tatsächlich gibt es aber für gleich gesprochene und in Rōmaji gleich geschriebene Namen, besonders bei männlichen Vornamen, oft viele unterschiedliche Schreibweisen in Kanji, denen unterschiedliche Bedeutungen zu Grunde liegen.
Verhältnis Eltern-Kinder
Kanji
Benimmt sich ein japanisches Kind unartig, tun die Eltern oft so, als hätten sie dies nicht bemerkt. Will das Kind die Aufmerksamkeit seiner Eltern zurück gewinnen, muss es sich erst artig benehmen. Sinnbild für dieses Verhalten sind die drei berühmten Affen von Nikko:
- mizaru (見ざる) = nichts (Böses) sehen
- kikazaru (聴かざる) = nichts (Böses) hören
- iwazaru (言わざる) = nichts (Böses) reden
Geschenke
Geschenke werden manchmal nicht in der Gegenwart des Schenkenden ausgepackt, um beiden Seiten einen Gesichtsverlust bei Überraschung und Enttäuschung zu ersparen. Ein Geschenk verlangt ein Gegengeschenk, das allerdings – aus logischen Gründen – von geringerem Wert sein sollte. Ausnahmen bilden Dankesgeschenke, hier ist die Gegenleistung ja schon erbracht worden.
Geld unverhüllt zu schenken gilt als plump. Deshalb gibt es in Schreibwarenläden spezielle Umschläge für Geldgeschenke zu kaufen.
Beim Schenken beachten Japaner viele Tabus. Nicht angebracht sind:
- Vier Gegenstände: vier (shi) klingt gleich wie japanisch für "tot"
- Weiße Taschentücher weisen auf Trauer hin
- Weiße Blumen gibt es nur für Beerdigungen
- Scheren und Messer weisen auf Trennung der Bande hin
- Gegenstände, die das kaiserliche Wappen enthalten
- Abbildungen mit Füchsen, die für Hinterhältigkeit stehen
Als Ausländer sollte man sich aber nicht zu große Gedanken darüber machen, denn von Gaijin erwarten Japaner keine tiefere Kenntnis dieser Regeln. Gäste aus Deutschland sollten etwas mitbringen, das Japaner als "typisch deutsch" empfinden. Japaner lieben auch Dinge, die Deutsche als verspielt oder kitschig empfinden. Wer aus München kommt, liegt mit einem Bierkrug, auf dem das Hofbräuhaus abgebildet ist, bestimmt richtig. Berliner können es mit einem kleinen Brandenburger Tor versuchen. Selbst eine Sandmännchenpuppe, die die Titelmelodie singt, wurde schon mit Erfolg in Japan verschenkt.
Bei Artikeln wie T-Shirts, die von bekannten Labels hergestellt werden, ist auf Markenzeichen zu achten. Wenn es z. B. einen bestimmten Aufdruck nicht von weltbekannten Marken gibt, sollte man einen anderen wählen, sofern man sich nicht sicher ist, dass der Empfänger sich nichts aus Marken macht. (Im Zweifelsfall muss man vom Gegenteil ausgehen)
Eventuell kann man auch im voraus etwas über die Interessen des Beschenkten herausfinden.
Bei Geschenken ist die Verpackung oft fast genau so wichtig wie der Inhalt. Aus diesem Grund haben die Japaner auch die Kunst der Verpackung auf ein hohes Niveau entwickelt.
Begrüßung
Händeschütteln ist in Japan unüblich. Statt dessen verlangt die Etikette eine – je nach Rang des Gegenüber gestaffelte – Verbeugung. Beim Verbeugen muss der Rücken gestreckt sein. Der Rangniedere muss der Waagerechten (dem rechten Winkel) näher kommen und länger in der Verbeugung verharren. Junge Japaner werden dem Europäer allerdings möglicherweise das Händeschütteln anbieten. Es gibt auch die Kombination Verbeugen und gleichzeitig Händeschütteln. Im Zweifelsfall lächeln und den Japaner imitieren.
Es gibt einige Regeln, wer sich tiefer zu verbeugen hat:
- Jüngere vor dem Älteren
- Frauen vor den Männern
- Schüler vor Lehrern
- Gastgeber vor Gästen
- Verkäufer vor Käufern (Käufer verbeugen sich gar nicht, bestenfalls nicken)
- Schuldner vor Gläubigern
Eine 5° Verbeugung ist für neutrale Handlungen;
eine 15° Verbeugung ist für die höflichere Handlung;
eine 30° Verbeugung ist für eine Bitte oder tiefste Entschuldigung.
Gefühle
Starke Gefühle zeigen Japaner nach Möglichkeit nicht offen, da dies mit einem Gesichtsverlust gleichzusetzen wäre. Vor allem Zorn und Trauer sollten nicht nach außen hin gezeigt werden. Wer traurig ist, lächelt, wer glücklich ist, auch. Abgesehen davon, dass Japaner oft lächeln, bemühen sie sich gerne um eine ausdruckslose Mimik. Das Lächeln verbirgt oft Schmerz und Verlegenheit und will dem Gegenüber das Mitleid ersparen.
Hara (腹) – davon leitet sich Harakiri ab – ist der Männersprache zugeordnet und kann so viel wie Bauch, Geist oder Seele bedeuten. Frauen verwenden den Begriff Kokoro (心, dt. Herz) oder o-naka (お腹).
Tatemae (建前, Fassade) ist das Gegenstück zu Honne und bezeichnet die öffentliche Haltung, die gezeigt wird, um die Harmonie zu wahren. Dies bedeutet oft einen Widerspruch zur Wahrheit oder den tatsächlichen Verhältnissen und eine Diskrepanz zwischen Denken und Sprechen. Honne ist das Gegenstück zu Tatemae und bezieht sich auf die wahre Absicht, die man verschweigt, um die Harmonie zu wahren.
Eine ungeschriebene Regel japanischer Filme besagt, dass wenn Männer ihre Gefühle offenbaren, dann nur entweder ganz indirekt oder laut unter Schreien und Tränen.
Kritik
Auf Kritik wird in Japan noch empfindlicher reagiert als in westlichen Ländern. Bei aller Kritik ist zu beachten, dass der Kritisierte sein Gesicht wahren möchte. Kritik wird deshalb eher indirekt vorgebracht:
- Vorsichtig durch Dritte
- Ohne Worte (durch Schweigen)
- Lob mit einer angedeuteten Einschränkung
- Beim gemeinsamen Trinken
- Ansprechen der ganzen Gruppe, die dann dem Schwächeren hilft
- Allgemeine Kritik, ohne konkret zu werden
- Betonung des erwünschten Resultats
Ja und Nein
Ein Ja (はい Hai) kann auch bedeuten, dass man aufmerksam zuhört. Die japanische Etikette verlangt, dass man den Sprecher durch wiederholtes Ja seiner Aufmerksamkeit versichert. Selbst ein hai, so desu (Ja, so ist es) eines Untergebenen einem Höhergestellten gegenüber muss nicht heißen, dass der Sprecher tatsächlich aus vollem Herzen zustimmen, vielleicht möchte er auch in der Öffentlichkeit den Chef nicht bloßstellen.
Ein direktes Nein ist verpönt. Zieht das Gegenüber die Luft durch die Zähne ein, deutet das auf Schwierigkeiten hin. Das Gleiche gilt für eine in den Nacken gelegte Hand. chigau (違う, anders) oder indirekter chigaemasu (違えます, möglicherweise anders, oder ich irre mich) kommt dem deutschen "Nein" am nächsten.
Verhalten bei Mahlzeiten
Japanische Essstäbchen unterscheiden sich von den chinesischen vor allem darin, dass sie spitz zulaufen und oft kürzer sind. Ein schlimmer Fauxpas ist es, die Stäbchen senkrecht in den Reis zu stecken, da dies an die Räucherstäbchen für die Verstorbenen erinnert. Ist man fertig mit Essen, legt man die Stäbchen parallel zu einander auf den Teller. Leere Gläser werden vom Tischnachbarn sofort wieder nachgeschenkt, möchte man nichts mehr lässt man einen Rest im Glas. Wer sich selbst einschenkt gilt als Säufer.
Männer dürfen am Tisch Tee und Suppe schlürfen (gemäßigt). Tabu ist dagegen Niesen oder Nase schnauben: Am besten zieht man sich dafür auf die Toilette zurück.
Ausbildung und Berufliches
Japanische Kinder werden schon früh auf Disziplin getrimmt, damit sie eine erfolgreiche Schullaufbahn hinter sich bringen. Voraussetzung für eine erfolgreiche Berufskarriere ist der Abschluss einer guten Universität, welche wiederum eine gute Schulausbildung voraussetzt usw. bis hinunter in den Kindergarten. Hinter dieser Erziehung stehen meist die Mütter. Der Begriff ist Kyōiku Mama (教育ママ, dt. Erziehungsmutter). Es gibt aber auch das Wort Mamagon (ママゴン), das sich zusammen setzt aus mama und dragon (englisch: Drachen).
Kennzeichnend für die japanische Arbeitswelt war fast bis zum Ende des 20. Jahrhunderts das Prinzip der lebenslangen Beschäftigung, wenn man das Glück hatte, einen Arbeitsplatz in einem renommierten Betrieb zu erhalten. Aber auch nach der Asienkrise hat sich die hohe Arbeitsmoral der Japaner erhalten. So verzichten nach wie vor viele Angestellte auf den ihnen zustehenden Jahresurlaub aus Loyalität mit der Firma und den Kollegen, die dann ja die anfallende Arbeit für einen mit erledigen müssten. Auch der Krankenstand ist mit 1 Prozent erstaunlich niedrig (Deutschland: ~ 7 Prozent), dafür ist Karōshi (Tod durch Überarbeitung) seit Ende der 1980er Jahre ein Medienthema.
Kollegen nehmen an familiären Ereignissen regen Anteil und schaffen dadurch ein Klima der Geborgenheit. Der Preis für diese Geborgenheit ist allerdings auch ein enorm hoher Gruppenzwang.
Zur Corporate Identity gehört auch die Firmenhymne, die oft vor Arbeitsbeginn von der Belegschaft gemeinsam im Freien gesungen wird.
Visitenkarten (名刺 Meishi) sind in der Geschäftswelt absolut unerlässlich, denn sie sind die Grundlage für das Kennenlernen und zeigen den jeweiligen Status des Gegenüber an. Man nimmt die Visitenkarte mit beiden Händen entgegen und liest sie oder betrachtet sie zumindest symbolisch. Viele Visitenkarten haben je eine Seite mit japanischer und „westlicher“ Schrift. Findet ein Gespräch am Tisch statt, wird die Karte links oben vom Empfänger, mit der Schriftseite für ihn lesbar, abgelegt. Keinesfalls steckt man die Visitenkarten in die Hosen- oder Jackentasche, das gilt als respektlos. Zur Aufbewahrung gibt es Etuis, oder man benutzt das Portemonnaie. Auf fremde Visitenkarten soll man, zumindest im Beisein des Gebers, nichts notieren.
Der Begriff Sarariman leitet sich von dem (nicht existierenden) englischen Wort salary man (von salary = Gehalt, man = Mann) her (vgl. deutsch Handy). Er bezeichnet den Büroangestellten einer guten Firma. Früher war es das Ziel von Oberschülern und Studenten, Sarariman in renommierten Unternehmen zu werden. Dies änderte sich mit der schrittweisen Auflösung der lebenslangen Beschäftigung.
Der japanische Begriff für Firma lautet Kaisha (会社). Diese Kaisha beansprucht mehr vom Privatleben ihrer Mitarbeiter als zum Beispiel eine deutsche Firma. Dazu gehört auch das Nomikai (飲み会), das gemeinsame Trinken mit Kollegen nach Feierabend. Die Kaisha verlangt mehr von ihren Mitarbeitern, bindet sie aber auch mehr in die Entscheidungsprozesse ein. Nemawashi (根回し) bedeutet so viel wie „die Wurzeln bündeln“ und bezeichnet den Vorgang, dass bei der Entscheidungsfindung alle Betroffenen mit einbezogen werden.
Siehe auch: Office Lady - Fenstergucker - Nemawashi
Sprache
siehe: Japanische Sprache
Die Formulierung einer Bitte auf Japanisch ist relativ umständlich. Eigentlich kann man eine Bitte nur in einem ganzen Satz formulieren. In diesem Satz wird dann das Verb kudasai (ください) verwendet, das wörtlich „heruntergeben” bedeutet und die eigene untergeordnete Stellung andeutet. Andere Begriffe, um im Satz eine Bitte auszudrücken, sind dōzo (bitte) oder onegai shimasu (ich habe eine Bitte).
Die Höflichkeit gebietet es Japanern, eine Bitte nicht abzulehnen. Fängt ein Japaner an zu zögern oder auf Probleme hinzuweisen, ist das als "Nein" zu interpretieren. Am besten trägt man Bitten nur indirekt vor (ich hätte da ein Problem ...), um dem Gegenüber den Gesichtsverlust zu ersparen.
Beim Bedanken bieten sich mehrere Abstufungen an:
#どうもありがとうございます Dōmo arigatō gozaimasu!
#Dōmo arigatō!
#Dōmo! oder ありがとう Arigatō!
Etwa die Hälfte des japanischen Wortschatzes besteht aus Fremdwörtern. In historischen Zeiten kamen diese meist aus China. Seit der Meiji-Restauration ist die englische Sprache die größte Lieferantin von Fremdwörtern. Diese Fremd- und Lehnwörter werden der japanischen Phonetik angepasst und in der Silbenschrift Katakana geschrieben. Wenn man einen Begriff auf japanisch nicht weiß, kann man es mit einem japanisch ausgesprochenen (amerikanisch-)englischen Wort versuchen, das oft verstanden wird.
Lachen gehört in den privaten Bereich und wird deshalb in der Öffentlichkeit nicht so gerne gesehen. Japanische Witze sind oft Wortspiele, die sich auf Grund der homophonen Struktur der japanischen Sprache sehr oft ergeben.
Alltagsleben
Genkan ist der Eingangsbereich zu einer japanischen Wohnung. Hier werden die Schuhe abgestellt, da der Innenbereich des Hauses nur mit Strümpfen oder speziellen Pantoffeln betreten werden soll. Für die Toilette gibt es spezielle "Toilettenpantoffeln".
Im Gegensatz zu Europa und Amerika dient die Badewanne ausschlieslich zur Entspannung. Man wäscht sich bevor man die Wanne betritt, indem man sich auf einen kleinen Schemel setzt, sich mit Wasser übergießt und dann mit Seife wäscht.
In Japan sind sowohl traditionelle japanische Toiletten als auch die bei uns gebräuchliche Version bekannt. Bei einer japanischen Toilette geht man tief in die Hocke, um sein Geschäft zu verrichten. (Vorsicht beim Aufstehen! Es kann zu unangenehmen Unfällen kommen, wenn man es nicht gewohnt ist.) „Europäische“ Toiletten funktionieren wie üblich, manche Modelle weisen aber eine Konsole mit Knöpfen und Anzeigen auf. Am häufigsten sind dabei drei Knöpfe und ein Drehknopf. Ein Knopf startet die Gesäßdusche, der andere eine Bidet-Funktion für Frauen (unmissverständlich symbolisch gekennzechnet), der Drehknopf reguliert den Wasserdruck und der dritte Knopf stoppt die Dusche. Er ist mit dem Stopp-Symbol beschriftet, das sich auch auf CD-Playern u.ä. findet. Manchmal gibt es nur Start und Stopp und die Position des Drehknopfes bestimmt das Ziel des Wasserstrahls.
Literatur
- Neumann, Christoph: Darum nerven Japaner. Der ungeschminkte Wahnsinn des japanischen Alltag, Eichborn, Frankfurt a.M. 2002, ISBN 3-821-83594-X
- Thomas, Gothild und Kristina: Reisegast in Japan,Iwanowski's Reisebuchverlag, Muenchen 2001, ISBN 3-923975-82-1
- Kobayashi, Kazuhiko: Business mit Japan. Was europäische Manager wissen müssen, ISBN 3784473482
- Lutterjohann, Martin: Kulturschock Japan, ISBN 3831711879
- Ogawa, Tadashi: Grund und Grenze des Bewusstseins. Interkulturelle Phänomenologie aus japanischer Sicht, ISBN 3826019725
- Tominaga, Minoru: Erfolgsstrategien für deutsche Unternehmer. So bestehen Sie im globalen Wettbewerb, ISBN 3612266349
- Vardaman, James M.; Vardaman, Michiko: Japan from A to Z. Mysteries of everyday life explained, ISBN 4900737410
- Williams, Stephen N.: American and Japanese Gestures, ISBN 4770023448
- Moosmüller, Alois: Kulturen in Interaktion. Deutsche und US-amerikanische Firmenentsandte in Japan, ISBN 3893255834
- Coulmas, Florian: Die Deutschen schreien, ISBN 3498009214
- Coulmas, Florian: Die Kultur Japans, ISBN 3406528112
- Coulmas, Florian: Japanische Zeiten, ISBN 3463403927
- Mutranowski, Bill: You Know You've been in Japan too Long…, ISBN 080483380X
Siehe auch
Weitere Informationen zu Japan: Gesellschaft Japans, Kultur Japans, Religion in Japan
Andere Asiatische Länder: Koreanische Sitten und Bräuche, Soziales Verhalten in China
Weblinks
- [http://www.kuroitenshi.de/Regeln.htm KuroiTenshi - Regeln] Das Wissensportal um und über die japanische Kultur. (deutsch - Private Homepage mit vielen Informationen aus dem Bereich Kultur, Sprache und Geschichte Japans. Mit detaillierten Angaben zu Kimonos).
Kategorie:Kultur_(Japan)
Kategorie:Gesellschaft (Japan)
SchamkulturDie Begriffe Schamkultur und Schuldkultur wurden im Jahr 1951 von dem Oxforder Altphilologen Eric Robertson Dodds eingeführt. Der Begriff Schamkultur steht im Gegensatz zur Schuldkultur, die dem westlichen Abendland zugeschrieben wird, und besagt, dass Unrecht, das niemand bemerkt nicht belastet, wohl aber ein erkennbares Vergehen, das der eigenen Gruppe Schande bringt.
Scham hat zu empfinden, wem Unrecht zugefügt wurde. In einer Schuldkultur sollte Scham empfinden, wer Unrecht begangen hat.
In einer schamorientierten Kultur gilt nicht ein ruhiges Gewissen, sondern die öffentliche Wertschätzung als höchstes Gut. In der Schuldkultur ist das Gewissen entscheidend, in der Schamkultur die Gesellschaft. Bereits im China des 13. Jahrhunderts soll, laut dem Asienreisenden Marco Polo, die Scham wegen einer öffentlichen Beleidigung den Betroffenen dazu gebracht haben, sich vor dem Haus seines Gegners zu erhängen. Damit wolle er seine Verachtung diesem gegenüber ausdrücken und seinen eigenen Gesichtsverlust in der Gesellschaft verhindern. Im Jenseits würde ihm Gerechtigkeit widerfahren.
Beispiel
Japanische Eltern erziehen ihre Kinder dahin gehend, Auffallen zu vermeiden. Wer auffällt, isoliert sich. Die Ermahnung lautet deshalb oft: "Tu das nicht, sonst lachen dich die anderen aus!"
Ein Beispiel für diese Einstellung ist der Aufwand, der um einen japanischen Touristen betrieben wurde, der in Rothenburg ob der Tauber ein Graffiti hinterließ. Da er seinen Namen und seine Adresse aufgeschrieben hatte, war er von anderen japanischen Touristen leicht zu identifizieren und wurde in den japanischen Medien massiv gedrängt, sich bei Rothenburgs Bürgermeister zu entschuldigen. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als auf eigene Kosten noch einmal nach Deutschland zu fliegen und sich bei dem (verwunderten) Bürgermeister zu entschuldigen.
Siehe auch: Scham, Schuld
Kategorie:Kultur
SchuldkulturDer Begriff Schuldkultur steht im Gegensatz zur Schamkultur, die dem Fernen Osten zugeschrieben wird, und besagt, dass das eigene Verhalten durch das Gewissen als moralischem Korrektiv kontrolliert werden soll. Dabei ist es nicht von Belang, ob Andere das eigene Vergehen bemerkt haben oder nicht.
In einer Schamkultur muss sich der Geschädigte selber um Wiedergutmachung kümmern, Scham hat zu empfinden, wem Unrecht zugefügt wurde. In einer Schuldkultur sollte Scham empfinden, wer Unrecht begangen hat.
Scham- und Schuldkultur
nach Schirrmacher herrscht folgendes Grundprinzip:
- In der Schamkultur gilt die öffentliche Wertschätzung als höchstes Gut
- In der Schuldkultur gilt die Sorge des Menschen der Sühnung seiner Schuld
Schuld- und Schamorientierung nach Klaus W. Müller
Schuld- und Schamorientierung, modifiziert nach Müller
Literatur
- T. P. Schirrmacher, Kolumne: Scham- und Schuldkultur, Professorenforum – Journal 2002, Vol. 3, No. 3
Kategorie:Kultur
KarōshiAls Karōshi (jap. 過労死, Tod durch Überarbeiten) bezeichnet man in Japan einen plötzlichen berufsbezogenen Tod. Todesursache ist meist ein durch Stress ausgelöster Herzinfarkt oder Schlaganfall. Etwa 40 japanische Kliniken haben sich auf Karōshi-gefährdete Fälle spezialisiert.
Der erste Fall von Karōshi wurde 1969 gemeldet, als ein 29-jähriger, verheirateter Arbeiter in der Versandabteilung der größten japanischen Zeitung durch einen Schlaganfall starb. Die Medien wurden jedoch erst Ende 1980 auf dieses Phänomen aufmerksam, nachdem mehrere geschäftsführende Manager in ihren besten Jahren, ohne vorherige Anzeichen einer Erkrankung | | |