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Jean Bodin

Jean Bodin

Jean Bodin (
- 1529 (oder 1530) in Angers; † 1596 in Laon) war ein französischer Staatsphilosoph und Hexentheoretiker. Er gilt als Begründer des modernen Souveränitätsbegriffes und Theoretiker des Absolutismus.

Biografie

Bodin wurde wahrscheinlich im Jahre 1529 in Angers als Sohn einer bürgerlichen Familie geboren. In seiner Jugend erhielt er eine Ausbildung in den Karmeliterklöstern von Angers und Paris, war jedoch spätestens seit 1549 von seinem dort ursprünglich abgelegten Mönchsgelübde entbunden. In Paris musste der wohl hochbegabte Bodin nicht nur mit der üblichen orthodoxen Scholastik in Berührung gekommen sein, sondern auch mit der ramistischen Philosophie. Ein unbewiesenes Detail in seiner Biographie ist eine mögliche Verwicklung in Häresieprozesse 1547/48 und ein Aufenthalt im calvinistischen Genf. Sicher scheint dagegen, dass er an der Toulouser Universität das Studium der römischen Rechts aufnahm und hier später als akademischer Lehrer tätig wurde. Seit 1561 ging er dann zur praktischen juristischen Arbeit über und war als Advokat am Pariser Parlament tätig. Hier kommt er mit der damals herrschenden allgemeinen Hexenfeindlichkeit in unmittelbaren Kontakt, was sich bei ihm später auch im schriftstellerischen Bereich niederschlagen sollte. Er tritt in der Folgezeit auch als Berater König Karls IX. von Frankreich auf und nimmt verschiedene öffentliche Aufgaben wie etwa die eines königlichen Ratgebers bei den 1569 versammelten Generalständen von Narbonne wahr. Seine konkreten Forderungen für Toleranz auch den Hugenotten gegenüber hätten ihm beinahe das Leben gekostet - wahrscheinlich im Zuge der Hugenottenverfolgung in der berühmten Bartholomäusnacht 1572. Nachdem er sich zeitweilig im Dienst des Herzogs von Alencon-Anjou und in dem des frz. Königs Heinrich III. befand, geht er nach Laon und wird dort 1577 Staatsanwalt am Präsidialgericht von Laon. In dieser Zeit veröffentlicht er eine Reihe von Werken, darunter auch sein Hexentraktat Daemonomania. 1590 muss er sich dann jedoch selbst vor Gericht wegen des Verdachts auf Magie verantworten. Die Pest beendet 1596 dann das Leben dieses durchaus widersprüchlichen Gelehrten.

Werke

Politische Philosophie

Solange Bodin sich im politischen Leben befand, schrieb er staatstheoretische, politische Schriften wie z.B. das 1568 erschienene Werk Les paradoxe du seigneur de malestroit, in dem er eine Erklärung der Inflation gibt, oder seine wohl bekannteste Schrift Les six livres de la Republique, wobei es sich empfiehlt republique mit Staat zu übersetzen, da er hier für den Absolutismus und keineswegs für eine Republik im modernen Sinne eintritt. Ähnlich wie die anderen politischen Denker seiner Zeit (z. B. Thomas Hobbes) war Bodin mit dem Problem der religiösen Bürgerkriege konfrontiert, die Europa seit der Reformation heimsuchten - in seinem Heimatland Frankreich waren dies die Hugenottenkriege. Die einzige Lösung war in einer souveränen, den Konfessionen übergeordneten Instanz zu suchen: Im neuzeitlichen Staat, zu dessen theoretischer Grundlegung Jean Bodin einen entscheidenden Beitrag geleistet hat. Bodin verstand den Staat ganz nach der traditionellen, auf Marcus Tullius Cicero zurückgehenden Definition als Menge von Familien und ihnen gehörenden Gütern, aber er macht eine entscheidende Erweiterung, wenn er dieser Definition hinzufügt, daß das Gemeinwesen durch eine oberste Gewalt und Vernunft gelenkt werde ("summa potestate ac ratione moderata"). Damit führt Bodin die Idee der Souveränität (Souveränitätsthese) in die politische Philosophie ein. Souveränität ist eine beständige und unbedingte Gewalt über alle Bürger, mit dem Recht, Gesetze zu geben oder aufzuheben. Der souveräne Herrscher ist dabei keiner anderen irdischen Instanz gegenüber verantwortlich - er ist jedoch an das göttliche Recht oder Naturrecht gebunden, das in den scholastischen Diskussionen des Mittelalters definiert wurde.

Paradoxon, Heptaplomeres und De Magorum Daemonomania

Nachdem sich Bodin in einer späteren Phase seiner Lebens immer mehr zurückgezogen hatte, widmete er sich nicht mehr weltlichen, sondern metaphysischen Dingen. In dieser Zeit entstanden Bücher wie das Paradoxon oder vor allem das Heptaplomeres, in welchem er in Dialogform darstellt, wie sich sieben weise Männer über die verschiedenen Weltanschauungen in freundschaftlichem Gespräch tauschen und zu dem Schluss kommen, alle seien im Sinne einer Abwandlung der Naturreligion gleichwertig. Hier offenbart Jean Bodin also durchaus tolerante Grundeinstellungen. Es ist wichtig, an dieser Stelle nachzutragen, daß Bodins Autorschaft für das Heptaplomeres seit längerem bestritten wird. Faltenbacher seit langem und David Wootton seit etwa 1999 sind der Überzeugung, daß Jean Bodin keinesfalls der Autor dieses Textes sein kann. Auch Jean Céard und Isabelle Pantin in Paris bestreiten diese Zuschreibung. (Näheres in dem von F. herausgegeben Tagungsband "Magie, Religion und Wissenschaften im Coll. heptaplomeres. Darmstadt 2002. Man kann behaupten, dass sich Bodins Werke um zwei Zentren gruppieren: dem politisch-praktischen und dem weltanschaulich-religiösen, die jedoch beide irgendwie ineinander greifen. So findet man z.B. religiöse Elemente in den politischen Schriften, wie beispielsweise aus der Vorrede zu den Sechs Büchern über den Staat deutlich erkennbar ist. Hier weist er darauf hin, dass die Existenz von Kaiser- und Königreichen und überhaupt die von allen Völkern zunächst von Gott und dann, in zweiter Linie, von einem guten, weisen Fürsten abhänge. Deutlich erkennbar ist hier schon, dass für ihn Gott hinter jedem Ereignis steht, er lenkt und regiert aus Bodins Sicht alles - und zwar - wie er anderer Stelle betont - mit Hilfe von guten und schlechten Geistern wie aus der Bibel erkennbar sei. Liest man seine normalen Schriften im Vergleich zu seinem 1581 in lateinischer Sprache veröffentlichten Hexentraktat De Magorum Daemonomania so erkennt man schnell, dass diese Schrift eigentlich nur ein Spiegel seines allgemeinen Weltbildes ist: Es beschreibt das Wirken Gottes durch gute und böse Geister, und es ist ein Beispiel für das Ineinandergreifen seiner politischen und weltanschaulichen Werke. Keineswegs kann sein Hexentraktat als unerklärliche Verirrung abtun. Vielmehr reiht es sich lückenlos in die Reihe seiner Schriften ein, und es scheint zudem das einzige Werk zu sein, das nicht nur an der Praxis orientiert ist, sondern auch aus ihr heraus entsprungen ist. Bodin ist schon früh mit Hexenprozessen in Berührung gekommen, wie er selbst in seinem Buch verrät, wenn er anführt, dass er bereits 1549 einem Prozess beigewohnt habe, bei dem sieben Menschen der Zauberei angeklagt worden seien. Ohne Zweifel hat er jedoch vor allem durch seine juristische Tätigkeit als Anwalt am Pariser Parlament und am Präsidialgericht von Laon mit Zaubereidelikten zu tun. Er selbst führt den Prozess gegen Johanna Harwilerin aus dem Jahr 1579 als ausschlaggendes Moment für das Entstehen dieses unter Hexentheoretikern sehr hochgeschätzten Werkes an: Dies " hat mir Anlaß unnd Ursach geben / die Feder inn die Hann zunemmen / um die Matery von den Hexen und Unholde / welche heutigs tags jedermann so verwunderlich frembd fürkommet / auch bey vielen keinen glauben gewinnet / nunmal ausßführlich zu erklären."Über die hier formulierte erste Zielsetzung seines Buches hinaus betont er, dass er sein Hexenbuch schreibe, "damit man sich darvor [vor der Hexerei] zu hüten habe / und der sachen alsdann / wann man von disen / so solche stuck brauchen / urtheilen solle / ein gründliches wissen möge haben" Dies sei besonders für Richter wichtig, die Hexenprozesse führen müssten, damit sie nicht "der blauen Brillen nach urtheilten". Bodin nahm bereits Ideen der Quantitätstheorie vorweg, wie sie später auch von David Hume geäußert wurden.

Literatur


- Jean Bodin: Sechs Bücher über den Staat. hrsg. v. P.C. Mayer-Tasch, übers. v. B. Wimmer, München 1981.
- Jean Bodin: De Magorum Daemonomania libri IV.. Basel 1581.
- Jean Bodin, Vom ausgelasnen wütigen Teuffelsheer, übers. v. Johann Fischart, Straßburg 1591, ND Graz 1973.
- Henri Baudrillart: Jean Bodin et con temps. Tableau des théories politique et des idées économique au 16 éme siècle. Paris 1987, ND Aalen 1964.
- Elisabeth Feist: Weltbild und Staatsidee bei Jean Bodin. Halle 1930.

Weblinks


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- [http://www.philosophenlexikon.de/bodin.htm Eintrag im Philosophenlexikon] Bodin, Jean Bodin, Jean Bodin, Jean Bodin, Jean Bodin, Jean ja:ジャン・ボダン

1529

Ereignisse


- Schwabacher Artikel

Politik und Weltgeschehen


- 9. Februar: Bildersturm am Basler Münster
- 19. April: Reichstag mit Protestation in Speyer
- 26. Juli: Karl I. von Spanien erlaubt Francisco Pizarro einen Feldzug gegen das Inkareich und ernennt ihn zum Generalkapitän und künftigen Statthalter von Peru
- 5. August: Damenfriede von Cambrai beendet den zweiten Italienkrieg zwischen Kaiser Karl V. und Franz I. von Frankreich
- 24. September bis 14. Oktober: Erste Belagerung von Wien durch die Osmanen
- Spanien und Portugal teilen sich im Vertrag von Saragossa die Welt endgültig in zwei Hemisphären auf
- Marburger Religionsgespräche
- der Englische Schweiß fordert in Deutschland tausende Todesopfer

Geboren


- 24. März: Nicolaus Kistner, deutscher Humanist, Jurist († 1583)
- 14. Juni: Ferdinand II. (Tirol), Herrscher über Tirol († 1595)
- 8. November: Samuel Selfisch, Verleger und Buchhändler, Bürgermeister von Wittenberg († 1615)

Gestorben


- 7. Januar: Peter Vischer, deutscher Bildhauer und Erzgießer (
- 1460)
- 4. Februar: Ludwig Hetzer, Täufer, hingerichtet (
- um 1500)
- 7. Februar: Baldassare Castiglione, italienischer Autor und Diplomat (
- 1478)
- 6. September: Jörg Blaurock, führende Persönlichkeit des frühen Täufertums (als Ketzer verbrannt) (
- um 1492)
- 10. September: Erhard von Queis, Wegbereiter der Reformation in Preußen (
- ca. 1490)
- 27. September: Georg von der Pfalz, Bischof in Speyer (
- 1486)
- 28. September: Adolf Clarenbach, Märtyrer der evangelischen Kirche (
- um 1500) ko:1529년

1596

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- 3. August: Erster Bericht über einen Veränderlichen Stern durch David Fabricius
- Johannes Kepler verteidigt Galileo in seinem Buch Mysterium Cosmographicum
- Gründung der Universität Groningen durch Ubbo Emmius

Geboren


- 16. März: Ebba Brahe, schwedische Hofdame († 1674)
- 31. März: René Descartes, französischer Philosoph und Mathematiker († 1650)
- 23. Juni: Johan Banér, schwedischer Feldmarschall († 1641)
- 29. Juni: Go-Mizunoo, 108. Kaiser von Japan († 1680)
- 22. Juli: Michael I. (Russland), Zar von Russland von 1613 bis 1645 († 1645)
- 19. August: Elisabeth Stuart, Titularkönigin von Böhmen († 1662)
- 26. August: Friedrich V. (Pfalz), Kurfürst der Pfalz († 1632)
- 3. September: Nicola Amati, italienischer Geigenbauer († 1684)
- 4. September: Constantijn Huygens, Dichter aus den Niederlanden († 1687)
- 1. November: Pietro da Cortona, bedeutender Baumeister und Maler († 1669)
- 7. Dezember: Johann Kasimir von Anhalt-Dessau, († 1660)
- Vincenz Jelić, kroatischer Komponist († 1636)

Gestorben


- 28. Januar: Sir Francis Drake, englischer Freibeuter und Admiral (
- 1540)
- 5. Februar: Georg I. (Hessen-Darmstadt) (
- 1547)
- 3. April: Sinan Pascha, osmanischer Feldherr und Politiker (
- 1512) ko:1596년

Philosoph

Ein Philosoph (griechisch φιλόσοφος, philósophos - Liebhaber der Weisheit) ist ein Mensch, der nach Platons Symposion die Wahrheit, das Schöne und das Gute liebt, und damit begehrt. Philosophen setzen sich philosophierend, d.h. auf fundamentale Weise, mit Fragen, die sich dem Menschen stellen, auseinander. Dies können beispielsweise Fragen über die menschliche Existenz, oder aber auch (in der gegenwärtigen akademischen Diskussion verbreitetere) Fragen abstrakterer Natur, wie beispielsweise der Frage nach dem, was es gibt (vgl. Ontologie), sein. Die vier großen Fragen der Philosophie und damit der Philosophen lauten nach Immanuel Kant: # Was kann ich wissen? (Die Grenzen des Wissens) # Was soll ich tun? (Das Maß der Freiheit) # Was darf ich hoffen? (Der Sinn des Lebens) # Was ist der Mensch? (Das Wesen der Menschen) Die Frage, wer denn nun ein Philosoph sei, lässt sich unter verschiedenen Gesichtspunkten beantworten: # Unumstritten ist die Bezeichnung "Philosoph" für die "Großen" der Philosophie (wie beispielsweise Platon, Aristoteles und Kant). # Naheliegend scheint die Bezeichnung 'Philosoph' zunächst für diejenigen, die sich (beruflich) mit der akademischen Disziplin der Philosophie beschäftigen. Sehr oft möchten sich diese aber selbst nicht als solche sehen. (Prominentes Beispiel hierfür ist Michel Foucault, der sich selbst "nur" als Kritiker sah.) Ob das nun an eigener Bescheidenheit und Hochachtung für die "Großen" liegt oder eben daran, dass man von einem Philosoph vielleicht viel Weisheit erwartet, kann hier nur vermutet werden. # Als Philosophen werden auch diejenigen bezeichnet, die sich für die oben genannten Fragen interessieren oder sich ganz allgemein durch Scharfsinn und Tiefe in ihren Gedanken auszeichnen - und eben allem auf den Grund gehen wollen. (Eine hierfür beispielhafte Bezeichnung wäre: XY ist der Philosoph unter den Köchen.)

Literatur


- Metzler Philosophen Lexikon. ISBN 3476014282
- Philosophinnen-Lexikon. ISBN 3379015849
- Philosophinnen - Von der Antike bis zur Aufklärung. ISBN 3518393774
- Philosophinnen - Von der Romantik bis zur Moderne. ISBN 3518393782

Weblinks


- http://www.philosophenlexikon.de - Philosophen-Lexikon mit zahlreichen Kurzbiografien
- http://www.anderegg-web.ch/phil/philinhalt.htm
- http://www.philosophinnen.de/
- http://www.philosophenlexikon.de/women.htm Siehe auch: Portal:Philosophie, Liste der Philosophen ! ja:思想家 th:นักปรัชญา

Souveränität

Der Begriff Souveränität (von franz.: souveraineté, aus lat.: superanus, darüber befindlich, überlegen) beschreibt in der Rechtswissenschaft den Zustand einer natürlichen oder juristischen Person, der durch Eigenständigkeit, Selbstbestimmtheit und Vollmacht gekennzeichnet ist und nicht durch Fremdbestimmung. Diese Selbstbestimmtheit ist nicht rechtlich, sondern bestenfalls durch die Rücksichtnahme auf andere praktisch begrenzt.

Souveränität im Völkerrecht

Im Völkerrecht wird der Begriff der Souveränität als die grundsätzliche Unabhängigkeit eines Staates von anderen Staaten (Souveränität nach außen) und seine Selbstbestimmtheit in Fragen der eigenen staatlichen Gestaltung (Souveränität nach innen) bezeichnet. Der aus der klassischen Völkerrechtslehre stammende Souveränitätsbegriff erfährt in der modernen Völkerrechtswissenschaft eine zunehmende Beschränkung, begründet vor allem mit der zunehmenden rechtlichen wie tatsächlichen Interdependenz von Staaten, internationalen Organisationen, transnationalen Unternehmen und regierungsunabhängigen Organisationen. Das Gegenstück zur staatlichen Souveränität ist die frühneuzeitliche Rechtsfigur der Suzeränität. Siehe auch: Autonomie

Souveränität im Staatsrecht

Der Begriff Souveränität wird im innerstaatlichen Recht und in der politischen Theorie verwendet, um die oberste Kompetenz zur Machtausübung im Inneren eines Staates zu bezeichnen. So bezeichnete man den Herrscher eines absolutistischen Staates oft als den Souverän, und in demokratischen Gesellschaften ist von der Volkssouveränität die Rede, die darin besteht, dass alle staatliche Machtanwendung durch das Volk legitimiert ist und das Volk selbst Staatsform und Regierung bestimmen kann. Die Souveränität ist daneben eines der drei klassischen Definitionsmerkmale des Staates (Staatsvolk, Staatsgebiet und Souveränität, vgl. Jean Bodin und seine Souveränitätsthese). Da auf einem bestimmten Gebiet und über ein bestimmtes Volk immer nur ein Gemeinwesen souverän sein kann, dient der Begriff der Souveränität auch zur Unterscheidung von Bundesstaaten und Staatenbünden: Bei Staatenbünden liegt die staatliche Souveränität immer noch bei den einzelnen Staaten. Bei der Gründung eines Bundesstaates hingegen geben die nachmaligen Gliedstaaten (Deutschland: Bundesländer, Schweiz: Kantone, USA: states, usw.) ihre Souveränität an den Bund ab. Dies äussert sich insbesondere dadurch, dass im Bundesstaat der Bund die sogenannte Kompetenzkompetenz besitzt, d.h. er kann über die Zuweisung von Kompetenzen an den Bund oder an die Gliedstaaten entscheiden. In Staatenbünden hingegen entscheiden die einzelnen Staaten, ob sie dem Bund eine Kompetenz überlassen wollen.

Souveränität als menschliche Eigenschaft

Ein Zustand von Eigenständigkeit und Selbstbestimmtheit, im Gegensatz zur Fremdbestimmtheit Siehe auch: Integrität Kategorie:Politischer Begriff Kategorie:Völkerrecht Kategorie:Wort des Jahres ja:主権

Angers

Angers ist eine Stadt im Westen Frankreichs und Hauptstadt des Départements Maine-et-Loire in der Region Pays de la Loire. Sie liegt am Fluss Maine, in der Nähe vom Zusammenfluss von Maine und Loire, und war die alte Hauptstadt von Anjou. Angers liegt im Mittel 20 m über dem Meeresspiegel, die Gemeindefläche beträgt 4.270 ha.

Geschichte

Die Gegend von Angers ist seit der Steinzeit besiedelt. Auf dem Gebiet des späteren Schlosses hat man ein Steinmonument (Cairn) des Neolithikums entdeckt. Seit etwa dem 5. Jh. v. Chr. siedelten die keltischen Andes hier, nach denen das Anjou benannt ist. Sie errichteten ein Oppidum (frühstädtische Siedlung), das nach der Eroberung Galliens durch die Römer nach 50 v. Chr. Juliomagus (Marktplatz des Julius (Caesar)) benannt und zum Verwaltungszentrum der Andecaves bestimmt wurde. Bei Ausgrabungen wurden die Thermen der Stadt und einige weitere Gebäude aus der Römerzeit freigelegt. Nach den ersten Barbareninvasionen ab 275 erhielt die Stadt zum Schutz eine Mauer, die eine Fläche von etwa 9 ha umschloss. 372 wurde Angers erstmals als Bistum genannt. Im 6. Jh. wurde in der Stadt auf Initiative des Heiligen Germanus von Paris ein Kloster errichtet: Saint-Aubin, dem im 7. Jh. ein weiteres, Saint-Serge, folgte. 851 erhielt die Stadt eine Burg, die allerdings die Angriffe der Normannen der Folgezeit nicht verhindern konnte. Um 929 nimmt Fulko den Titel eines Grafen von Anjou an, Angers wird Sitz der Grafschaft seines Herrscherhauses, das in der französischen Geschichte eine bedeutende Rolle spielte. Um 1175 wurde das Krankenhaus Saint-Jean durch König Heinrich II. gegründet. In den Jahren 1232-1242 erfolgt eder Bau des Schlosses durch Blanche von Kastilien und Ludwig IX.. 1373-1380 entstand der Wandteppich "Apocalypse". Eine der bedeutendsten vertreter der dynastie Anjou war René I., Herzog von Anjou, Graf der Provence und König von Neapel und Sizilien (1409-480). 1598 bereitete Heinrich IV in Angers das Friedensedikt vor, das in Nantes unterzeichnet wurde. 1793 geriet Angers in die Auseinandersetzungen des Aufstands der Vendée. Im Zeitalter der Industrialisierung entstanden im 19. Jh. u.a. die Webereien Bessonneau. Im Jahre 1850 marschierten Soldaten im Gleichschritt über die Hängebrücke von Angers, die in Schwingungen geriet und einstürzte (Resonanzkatastrophe). In den Jahren 1957-1966 kreierte Jean Lurçat den Wandteppich "Der Gesang der Welt", der heute im alten Krankenhaus Saint-Jean ausgestellt ist. Seit 2001 ist Jean-Claude Antonini Bürgermeister der Stadt.

Bevölkerung


- Bevölkerungszahl: 157.000 Einwohner in der Stadt
- Agglomerationsraum: 31 Kommunen, insgesamt 270.000 Einwohner
- Bevölkerungsdichte: 3.311 Einwohner/km²
- Beschäftigungsstruktur:
  - Arbeiter: 11,7%
  - Angestellte: 13,4%
  - Handwerker, Händler, Betriebsleiter: 2,4%
  - Beschäftigte in der Landwirtschaft: 0,2%
  - Rentner: 15%
  - Andere, ohne Anstellung: 42,5%
  - 90.000 beruflich Aktive im Agglomerationsraum, entspricht einer Beschäftigungrate von 53,9% Stand 2005, Quelle: http://www.angers.fr

Wirtschaft

die wichtigsten Arbeitgeber:
- Universitätsklinik: 4.500 Beschäftigte,
- Angers Stadt und Agglomeration: 3.353 Beschäftigte,
- Thomson Multimédia: 1.350 Beschäftigte,
- Nec Computer International: 1000 Beschäftigte,
- Valéo: 1000 Beschäftigte,
- Bosch France: 900 Beschäftigte,
- Scania: 700 Beschäftigte jedes Jahr werden in Angers produziert:
- 1,2 Millionen Personalcomputer,
- 800.000 Fernsehgeräte (Thomson)
- 9.500 LKW (Scania)
- 12 Millionen Flaschen Cointreau
- 6 Millionen de Fahrzeugbremsen (Bosch)
- 3,5 Millionen Scheinwerfer (Valéo)
- 30.000 Tonnen Schiefer... Stand 2005, Quelle: http://www.angers.fr

Tourismus

Schiefer Die Altstadt geört zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Beherbergungsbetriebe in Angers:

insgesamt 1.900 Zimmer, davon :
- 19 Zimmer mit vier
      - (Relais et Châteaux),
- 340 Zimmer mit drei
    - ,
- 900 Zimmer mit zwei
  - ,
- 6 Campingplätze,
- 2 Jugendherbergen Stand 2005, Quelle: http://www.angers.fr

Museen in Angers

Schiefer Château du Roi René: Das Schloss von Angers findet seinen Ursprung im 11. Jahrhundert als die Grafen von Anjou ihr Palais an dieser Stelle errichteten. Im 13. Jahrhundert wurde es fertiggestellt und war Teil der Stadtmauer. Von aussen ähnelt es eher einer Festung mit seinen 17 Türmen, die bis auf den Mühlenturm alle gestutzt wurden. Eine architektonische Besonderheit sind die Baumaterialien : Tuffstein (weiss) und Schiefer (schwarz). Damit zeigt sich, dass Angers an der Grenze des Pariser Becken und des Armoricanischen Massif liegt.
Ein besonderes Kunstwerk ist dort ausgestellt : die Wandteppiche, die die Apocalypse, von Sankt Johannes erzählt, darstellen. Diese wurden im 14. Jahrhundert gewebt und sind ein einzigartiges Beispiel für die Wandteppichkunst des Mittelalters. Musée Jean Lurçat: Im Gebäude des Krankenhauses Saint-Jean aus dem 12. Jahrhundert werden die zeitgenösssichen Wandteppiche (1957-1966) von Jean Lurçat ausgestellt. Er hat dieses Werk "Chant du monde" genannt. Sie soll die Apocalypse der Neuzeit (Atombombe) darstellen. Es gibt auch Sonderausstellungen von jungen Kreateuren der Wandteppichkunst. Musée des Beaux-arts: Das Kunstmuseum wurde im Jahre 2004 nach fünfjährigen Bauarbeiten wieder eröffnet. Nach umfassender Renovierung und Vergrößerung beinhaltet das Gebäude nun zwei feste Ausstellungen auf 3.000 m². Die Ausstellung Beaux-arts zeigt Bilder und Skulpturen vom 14. bis zum 21. Jahrhundert. In Histoire d'Angers werden archäolgische Funde präsentiert und die Geschichte der Stadt beschrieben. Jeder Raum stellt eine Epoche oder eine künstlerische Bewegung dar. Ca. 20% der Kunstobjekte werden gezeigt (350 Werke). Es finden auch temporäre Ausstellungen statt, die eher der modernen und zeitgenössischen Kunst gewidmet sind (z.B. Niki de Saint-Phalle - 1930-2002, Neuer Realismus). Das Gebäude ist das ehemalige Logis oder auch Stadthaus der Familie Barrault, erbaut im 15. Jahrhundert. Es beherbergt das Museum der Künste seit 200 Jahren. Die Sammlung des Museums ist vielfältig und aus Spenden, Hinterlassungen und Käufen entstanden. Galerie David d'Angers: Die Abteikirche Toussaint (13. Jahrhundert) beinhaltet zahlreiche Werke des Bildhauers David d'Angers (1788-1856), die er an seine Heimatstadt vermacht hat; aus seiner Schaffensperiode von 1806 bis zu seinem Tod.
Dieses Gebäude wurde seit der französischen Revolution vernachlässigt. In den 80er Jahren wird die Kirche restauriert und mit einem Glasdach versehen. Das Museum wurde vom damaligen President der Republik, François Mitterrand, 1984 eingeweiht.
Die Kirche und ihr Klostergang integrieren sich in das Ensemble des Museums der "Schönen Künste" und seinen Park. Im Klostergang Toussaint finden im Sommer oft Konzerte statt. Musée Pincé: In dem Renaissance-Gebäude (1530-1535) werden Gegenstände aus griechischer und römischer Antike, sowie ägyptische, japanische und chinesische Kunstobjekte präsentiert. Musée-Château de Villevêque: Im Schloss von Villevêque werden 900 Kunstobjekte aus Mittelalter und Renaissance ausgestellt. Renaissance

Natur und Freizeit in Angers

Die Insel Saint-Aubin liegt 3 km vom Stadtzentrum entfernt, zwischen den Flüssen Mayenne und Sarthe. Sie besteht aus Flusssedimenten und bietet eine reichhaltige Flora und Fauna. Neben der Weidewirtschaft dient sie vor allem der Naherholung. Man kann die Insel vom Festland über ein kleine Fähre erreichen und zu Fuss oder mit dem Rad erkunden. 10 km Wege stehen dafür bereit. Das Naherholungsgebiet Lac de Maine umfasst 220 ha Fläche, davon 100 ha Gewässer. Es werden zahlreiche Freizeitaktivitäten angeboten, darunter Windsurfen, Segeln, Kanufahren, Tretbootfahren, Schwimmen, Tennis und Orientierungsläufe. Direkt am See liegt eine Jugendherberge (150 Betten) sowie ein Campingplatz (vier
      - , geöffnet von März bis Oktober). Flusstourismus: Von Angers aus kann man 300 km schiffbare Gewässer erreichen, die Flüsse Loire, Maine, Sarthe und Mayenne. Der Abschnitt der Loire von Sully-sur-Loire bis Chalonnes-sur-Loire wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Der Binnenhafen von Angers bietet sich als Ausgangspunkt an, man kann dort Haus- und Ausflugsboote mieten.

Verkehr

Die Stadt ist durch EIsenbahnverbindungen (Bahnhof St. Laud mit TGV-Halt) und Auobahnen mit den Städten Nantes, Le Mans und Tours verbunden. 20 km nordöstlich, in Marcé besteht ein Flughafen mit Auslandsflugverkehr. Der Nahverkehr wir durch mehrere Buslinien organisiert; eine Straßenbahn ist für 2009 vorgesehen.

Söhne und Töchter der Stadt


- Pierre Jean David d'Angers, Bildhauer
- Hervé Bazin, Schriftsteller
- René Bazin, Schriftsteller und Professor der Rechte
- Antoine-Joseph-Eulalie de Beaumont-Autichamp, General
- Jean Thérèse Louis de Beaumont-Autichamp, General
- Jean Bodin, Staatsphilosoph und Hexentheoretiker
- Eugène Chevreul, Chemiker und der Begründer der modernen Theorie der Pigmente
- Henri Dutilleux, Komponist
- Daniel Gélin, Schauspieler
- Natalis Pinot, Priester und Märtyrer
- Joseph-Louis Proust, Chemiker
- René I., Titularkönig von Neapel und Jerusalem, Herzog von Lothringen und Graf der Provence

Städtepartnerschaft


- Osnabrück, seit 1964
- Haarlem/Niederlande, seit 1964
- Bamako/Mali, seit 1974
- Pisa/Italien, seit 1982
- Wigan/England, seit 1988

Weblinks


- offizielle Website der Stadt Angers: [http://www.angers.fr/ www.angers.fr]
- Naherholungsgebiet Lac de Maine: [http://www.lacdemaine.fr/ www.lacdemaine.fr] Kategorie:Ort in Pays de la Loire ja:アンジェ

Scholastik

Die Scholastik (vom lateinischen: schola = Schule) ist eine philosophische Richtung, die gegen Ende des 11. Jahrhunderts entstand. Sie löste langsam aber sicher die spirituell-mystizistisch geprägten Intellektuellen des frühen Mittelalters ab (s. Patristik), die stets eine Einheit der Seele mit dem Göttlichen herstellen wollten und glaubten, dieses Streben sei der einzige Sinn des menschlichen Geistes. Die Entwicklung der Scholastik lässt sich in drei Abschnitte aufteilen: Frühscholastik (9.-12. Jahrhundert), Hochscholastik (12.-13. Jahrhundert) und Spätscholastik (14.-15. Jahrhundert). Großen Einfluss, vor allem auf die Frühscholastik, hatten auch die arabische und die jüdische Philosophie. Die Scholastik war sehr rational geprägt (vgl. teilweise auch den Rationalismus): Sie stellte die menschliche Vernunft in den Vordergrund, und sprach dem menschlichen Geist eine Sinnhaftigkeit zu, die auch zu anderen Zwecken als der inneren Kontemplation eingesetzt werden müsse. Gemeinsam war allen Scholastikern zum einen die Betonung des menschlichen Verstandes, und zum anderen der unbedingte Glaube an die christliche Offenbarung als unanzweifelbare Wahrheit. Das Projekt der Scholastik war, dem Verstand und dem Glauben eine gleichberechtigte Existenz zu verschaffen. Die Scholastik erreichte ihren Höhepunkt mit Thomas von Aquin und Wilhelm von Ockham von Mitte des 13. bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Sie verebbte in den aufkommenden Tendenzen des Humanismus und des Neuplatonismus (die durch die Florentiner Platonische Akademie wiederentdeckt wurde) zu Beginn der Neuzeit am Ende des 15. Jahrhunderts zusammen mit der Bildungshoheit des Klerus. Dennoch war die Scholastik keine einheitliche Strömung, denn die Ansätze der einzelnen Vertreter waren sehr unterschiedlich. Sie manifestierten sich im Universalienstreit. Die Hochscholastik, insbesondere unter Thomas von Aquin, verschmolz die christlichen Glaubensgrundlagen mit der Logik und den ontologischen Anschauungen des wiederentdeckten Aristoteles und dem ptolemäischen Weltbild aufs Engste: Durch den Verstand sollte der Mensch in die Lage kommen, die Existenz Gottes und ggf. Grundzüge seines Wesens zu erkennen (vgl. Gottesbeweis). Eine spätscholastische Richtung, die insbesondere von Wilhelm von Ockham geprägt wurde, vertrat genau gegenteilige Ansichten und trennte Wissenschaft und Glaube durch eine unüberbrückbare Linie: der Verstand könne nur Erkenntnis von der empirisch erfahrbaren Welt liefern, jedoch nie jene Bereiche betreten, in denen Gott absolute Freiheit genießt. Erkenntnisse über Gott könne also nur der Glaube, nicht der Verstand liefern. Zu den wesentlichen Zügen der Scholastik gehört der Exemplarismus.

Kernpunkte und wesentliche Vertreter

Das um 1140 geschaffene Decretum Gratiani, das von dem Mönch Gratian nach Scholastischer Systematik zusammengefasste kanonische Recht, war unhistorisch und unsystematisch. Die Scholastik sprach zunächst einmal dem menschlichen Verstand eine zentrale Rolle beim Verständnis des christlichen Glaubens zu. Der Verstand sollte nicht länger nur dem Glauben untergeordnet sein, sondern er sollte dazu dienen, den Glauben zu erforschen und neue gültige Wahrheiten über den Glauben zu finden. Anselm von Canterbury und Hugo von Sankt Viktor gehörten zu den ersten, die diese radikale These aufstellten. Die Scholastiker vollzogen im Grunde den Schritt von Platon zu Aristoteles erneut: Nicht mehr die Weltverneinung, sondern das Annehmen der Welt und logische Begründung treten in den Vordergrund. Im 13. Jahrhundert unterscheidet Albertus Magnus zwischen Wissen, das wissenschaftlich erworben (empirisch begründet und logisch abgeleitet) wird, und solchem, das theologisch abgeleitet wird. Sein Schüler, Thomas von Aquin, hatte sich dann vorwiegend mit der Kritik der konservativen Theologen auseinanderzusetzen, die das Aufdecken und Ableiten von Naturgesetzen als eine Einschränkung der Allmächtigkeit Gottes betrachteten. Thomas argumentierte dagegen, dass Gott den Menschen mit seinem Verstand und seiner Autonomie geschaffen habe. Diese Gaben hätten ihren Ursprung in der Natur Gottes, so könne ihre tägige Anwendung den Menschen nur näher zu Gott bringen, aber nicht von ihm entfernen. Im Gegenteil: Ein Verzicht auf den Einsatz seiner Fähigkeiten, hieße, dass der Mensch die Erwartungen, die Gott in ihn gelegt hat, indem er ihm diese Fähigkeiten gab, nicht erfüllen würde.

Arabische und Jüdische Einflüsse

Nach dem Ende der Antike hatten vor allem die Araber die griechische Philosophie bewahrt und weiterentwickelt. Im Zuge der Reconquista und der Kreuzzüge gelangten die Werke arabischer und jüdischer Philosophen in lateinischer Übersetzung nach Europa und hatten dort z. T. erheblichem Einfluss. Genannt seien hier vor allem:
- Farabi (Al-Farabi)
- Avicenna (Ibn Sina)
- Al-Ghazali
- Averroes (Ibn Ruschd)
- Avicebron (Ibn Gabirol)
- Maimonides (Mose Ben Maimon) Da in Europa lange Zeit nur die lateinischen Übersetzungen bekannt waren, wurden manche dieser Philosophen (z. B. Avicenna) bis ins 20. Jahrhundert hinein für Scholastiker gehalten.

Wichtige Scholastiker


- Thomas von Aquin
- Wilhelm von Ockham
- Anselm von Canterbury
- Hugo von Sankt Viktor
- Albertus Magnus
- Petrus Abaelardus
- Erasmus von Rotterdam
- Dominico de Soto

Siehe auch


- Scholastische Methode, Neuscholastik, Essentia
- Thomismus, Neuthomismus, Natürliche Theologie
- Via antiqua, via moderna
- Philosophie des Mittelalters
- Frühscholastik, Hochscholastik, Spätscholastik
- Logica vetus, Logica moderna, Logica nova
- Hans Altvater

Literatur


- Martin Grabmann: Mittelalterliches Geistesleben. Abhandlungen zur Geschichte der Scholastik und Mystik, München: Hueber, 1956
- Anna Maria Hennen: Die Gestalt der Lebewesen, Versuch einer Erklärung im Sinne der aristotelisch-scholastischen Philosophie, Würzburg 2000, ISBN 3-8260-1800-1
- Josef Pieper: Scholastik. Gestalten und Probleme der mittelalterlichen Philosophie, München: Kösel, 1991, ISBN 3-466-40130-5
- Josef de Vries: Grundbegriffe der Scholastik, Darmstadt 1993, ISBN 3-534-05985-9
- Kantische und scholastische Einschätzung der natürlichen Gotteserkenntnis, I. Band, 5. Heft in: Philosophie und Grenzwissenschaften Schriftenreihe hrsg. vom Innsbrucker Institut für scholastische Philosophie, Innsbruck 1925 Kategorie:Philosophie des Mittelalters ! Kategorie:Mittelalter Kategorie:Christentumsgeschichte (Mittelalter) ja:スコラ学 ko:스콜라 철학

Genf

Genf (franz.: Genève) ist die zweitgrösste Stadt der Schweiz. Sie liegt am südwestlichen Rand der französischsprachigen Schweiz am Ausfluss der Rhône aus dem Genfersee. Genf ist Sitz vieler internationaler Organisationen, u.a. UNO, CERN, IKRK, WHO, IAO, ITU, WIPO, WMO, WOSM und des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen UNHCR. Einwohner: 184'758 (Ende 2003), davon ca. 44 % Nichtschweizer.
Agglomeration Genf: 640'000 Einwohner (2000).

Geschichte


- in der Keltenzeit Hauptstadt der Allobroger
- in der Römerzeit Brückenkopf
- ca. 400-1536 Bischofssitz
- im 5. und 9. Jh. Sitz der burgundischen Könige, siehe dazu Burgund und Burgunder (Volk)
- 1026 1033? Genf gehört zum burgundischen Reichsteil des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation
- Genf wird ein bischöfliches Territorium innerhalb des HRR
- 1526 Städtebund mit Bern und Freiburg im Üchtland
- 1536 Reformation und Ausrufung der unabhängigen Genfer Republik. Genf wird zugewandter Ort der Schweizerischen Eidgenossenschaft
- 1559 Gründung der Akademie durch Johannes Calvin
- 1781 Bürgertum und Arbeiterschaft erringen die Vorherrschaft, Annahme einer repräsentativ-demokratischen Verfassung
- 1782 Mit Hilfe bernisch-savoyischer Truppen ergreift das Patriziat erneut die Macht; viele Industrielle als Exponenten des Bürgertums gehen in die Emigration
- 1798-1814 Genf wird von Frankreich annektiert
- 1815 Genf wird schweizerisch und Hauptstadt des neu gebildeten, gleichnamigen Kantons (Kanton Genf)
- 1864 Sitz des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz
- 1873 Gründung der Universität Genf
- 1920-46 Sitz des Völkerbundes Jährlich am 12. Dezember wird mit der Escalade de Genève die misslungene Eroberung durch Savoyen im Jahre 1602 gefeiert. Siehe auch: Geschichte des Kantons Genf

Sehenswürdigkeiten


- Romanisch-gotische Kathedrale St. Peter (ca. 1232 vollendet)
- Geburtshaus von Jean-Jacques Rousseau
- Rathaus (spätes 15. Jh.)
- Sitz der UNO (Völkerbundpalast, Palais des Nations), war bis 1939 Sitz des Völkerbundes (erbaut von Hannes Meyer)
- Internationales Reformationsdenkmal (1917)
- Servetus-Gedenkstein (1903)
- Englischer Garten
- Botanischer Garten
- Internationaler Autosalon
- Fontäne - Jet d'Eau
- Internationales Rotkreuz- und Rothalbmondmuseum
- Jardin botanique de genève et Le Bois-de-la-Bâtie Für besondere Verdienste um den Ortsbildschutz erhielt Genf vom Schweizer Heimatschutz im Jahre 2000 den Wakkerpreis.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

siehe: Söhne und Töchter von Genf

Zeitweilige Bewohner


- Ernest Ansermet
- Louis Appia
- Théodore Agrippa d'Aubigné
- Théodore de Bèze
- Johannes Calvin
- Michel de Certeau
- Albert Cohen
- Henri Dufour
- Ubbo Emmius
- Agénor Étienne de Gasparin
- Wladímir Iljítsch Uljánow (Lenin)
- Ferdinand Hodler
- Marcel Junod
- Bénédict Turrettini
- Voltaire
- Jean Ziegler Siehe auch: :Kategorie:Genfer :Kategorie:Genfer

Wirtschaft

Verkehr

Der ÖPNV wird in der Stadt durch die TPG abgewickelt.

Internationale Verträge, die den Namen der Stadt tragen


- Genfer Abkommen
- Genfer Abrüstungskonferenz
- Genfer Konvention
- Genfer Wellenplan

Siehe auch


- Genfer Bibelgesellschaft
- Genfer Initiative
- Genfer Psalter
- Neue Genfer Übersetzung

Weblinks


- [http://www.ville-geneve.ch Offizielle Website der Stadt Genf]
- [http://www.dhs.ch/externe/protect/textes/d/D2903.html Artikel Genf (Gemeinde)] im Historischen Lexikon der Schweiz
- [http://www.salon-auto.ch Autosalon]
Bild:Genf_intl.jpg|Internationales Viertel Genf Bild:Schweiz_Genf_Jet-D'Eau.jpg|Wahrzeichen der Stadt - Jet d'Eau Bild:Schweiz_Genf_IRK-Museum.jpg|Eingang zum Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondmuseum
Kategorie:Ort in der Schweiz Kategorie:Ort im Kanton Genf Kategorie:Schweizer Gemeinde Kategorie:Hauptort eines Kantons (Schweiz) Kategorie:Rotes Kreuz ja:ジュネーヴ simple:Geneva

Generalstände

Niederländische Generalstände, sehe Generalstaaten Als Generalstände (frz. États généraux) bezeichnet man die seit 1302 in Frankreich einberufene Versammlung von Vertretern der drei Stände. Diese bestanden aus Klerus, Adel sowie dem Dritten Stand, der den Großteil der Bevölkerung ausmachte. De facto war im Dritten Stand hauptsächlich das Bildungs- und Besitzbürgertum der Städte vertreten. Die Generalstände wurden meist in Krisenzeiten vom König einberufen, wenn es galt, neue Steuern durchzusetzen oder außenpolitisch riskante Verträge absegnen zu lassen. Die Ursprünge der Ständeversammlung liegen in der alten Pflicht des Adels, den König zu beraten. Immer wieder gab es Versuche der Versammlung, Einfluss auf die königliche Gesetzgebung zu gewinnen, die aber nicht sehr erfolgreich waren. Im 14. und 15. Jahrhundert hatten die Generalstände ihren größten Machteinfluss, unter Karl VII. jedoch verloren sie an Bedeutung. 1614 wurden sie, angeblich anlässlich der Volljährigkeit Ludwigs XIII., zum vorletzten Mal einberufen. Dahinter steckte jedoch der Druck hochadliger Vertreter, die ihre politische und ökonomische Stellung gefährdet sahen und auf die königliche Politik zu ihren Gunsten Einfluss nehmen wollten. Das Selbstverständnis der Herrscher Frankreichs in der neuen Ära des Absolutismus ließ dann die Einberufung der Generalstände nicht mehr zu. Erst zum 5. Mai 1789 wurden sie von Ludwig XVI. aufgrund der finanziellen Krise auf Druck des Adels nochmals einberufen. Doch im Kampf um die Abstimmungsmodalitäten kam es zur Auseinandersetzung zwischen Adel, König und den Vertretern des Dritten Standes. Am 17. Juni 1789 erklärte sich der Dritte Stand zur Nationalversammlung und beschleunigte somit die Französische Revolution, die mit einem Aufstand des Adels begonnen hatte, entscheidend. Kategorie:Ancien Régime Kategorie:Französische Revolution ko:삼부회

Hugenotten

Hugenotten ist die seit etwa 1560 gebräuchliche Bezeichnung für die französischen Protestanten. Heute vermeiden die Franzosen dieses abwertende Wort, das vermutlich auf das französische Wort aignos -Eidgenosse- anspielt. Ihr Glaube ist von der Lehre Johannes Calvins geprägt, dem sogenannten Calvinismus, der auch die reformierten Kirchen in Deutschland, den Niederlanden, Südafrika, Schottland und der französischen Schweiz prägte. Die Hugenotten wurden in den Hugenottenkriegen 1562-1598 in den Süden Frankreichs abgedrängt und erhielten im von Heinrich IV., der zuvor von der protestantischen Konfession zum Katholizismus übergetreten war, erlassenen Edikt von Nantes beschränkte Religionsfreiheit und militärische Sicherheitsplätze. 1598 stellten die Hugenotten ca. 10% der französischen Bevölkerung, um bis 1685 auf ca. 5% abzusinken. Besonders die Verfolgungen unter Ludwig XIV. ab 1669 mit der Aufhebung des Edikt von Nantes (1685) lösten eine erneute Fluchtwelle von 250.000 Hugenotten in die umliegenden protestantischen Länder aus. Diese hugenottische Diaspora prägte besonders die weniger entwickelten Gastländer stark und stärkte die kulturelle Hegemonie Frankreichs bis in die napoleonische Zeit. Die französische Verfassung von 1791 garantierte endgültig Religionsfreiheit.

Geschichte der Hugenotten vor den Hugenottenkriegen

Die protestantischen Kirchen in Frankreich entstanden nicht direkt aus der mittelalterlichen Glaubensgemeinschaft der Waldenser, die wegen ihrer friedlichen Grundüberzeugungen im Mittelalter nur mässig verfolgt wurde und so in abgelegenen Rückzugsgebieten wie den Cevennen und dem westlichen Piemont überlebte; das westliche Piemont gehörte 1543-1588 zu Frankreich und fiel durch Gebietstausch 1601 endgültig an Savoyen-Piemont. Die Waldenser schlossen sich ab 1532 teilweise dem Calvinismus an und gingen in Frankreich in den Hugenotten auf. 1521 verurteilte die Sorbonne die Schriften Martin Luthers als ketzerisch. Die Anhänger Luthers wurden gnadenlos verfolgt. Trotzdem breitete sich der reformatorische Gedanke in Frankreich aus. Margarete von Angoulême, durch Heirat Königin von Navarra und deshalb auch als Margarete von Navarra bekannt, hatte als Schwester des französischen Königs Franz I. großen Einfluss: Sie sympathisierte mit der Kirchenreform und sammelte erst in Meaux östlich von Paris, später in Nérac in der Gascogne, protestantisch beeinflußte Humanisten an ihrem Hof. Zu diesem Zeitpunkt verstanden sich diese Humanisten wie auch Erasmus von Rotterdam als Reformkräfte innerhalb der katholischen Kirche. Diese Situation änderte sich ab etwa 1540 mit der katholischen Reformation und dem radikalen protestantischen Calvinismus. Johannes Calvin stammte aus Nordfrankreich, musste jedoch 1533 aus Frankreich fliehen, weil er als radikaler Protestant verfolgt wurde. Er fand Aufnahme in Genf, einer Stadt, die mit ihrer Kirchenordnung, ihrer protestantischen Universität und ihrer planmässigen Mission v.a. im französischen Sprachbereich zum Gegenpol des katholischen Roms wurde. Unter den französischen Königen Heinrich II. und Franz II. 1547-1560 setzte eine scharfe anti-hugenottische Politik ein, die auch außenpolitisch motiviert war: Die schottische Königin Maria Stuart war mit Franz II. verheiratet und konnte aus katholischer Sicht Ansprüche auf den englischen Thron erheben. Trotzdem bildeten sich ab 1555 in ganz Frankreich protestantische Gemeinden nach dem Vorbild der calvinistischen Gemeinde in Genf. Etwa vier Jahre später schlossen sich diese Gemeinden auf einer geheimen Nationalsynode in Paris zur "reformierten Kirche Frankreichs" zusammen. Dort verabschiedeten sie auch ihr Glaubensbekenntnis, die "Confessio gallicana", sowie ihre Kirchenordnung, die "discipline ecclesiastique".

Hugenottenkriege 1562-1598

Katharina von Medici, Mutter und Regentin für den König Karl IX., bemühte sich erfolglos um einen Ausgleich zwischen katholischer und reformierter Kirche. Ab 1562 beginnen die Hugenottenkriege. Auslöser dafür war das Blutbad von Vassy, ein Gemetzel an friedlich zum Gottesdienst versammelten Hugenotten, das der Herzog von Guise entgegen den Intentionen von Katharina von Medici durchführte. Während der nächsten 30 Jahre fanden acht Hugenottenkriege statt. Das schlimmste Ereignis war die sogenannte Bartholomäusnacht vom August 1572: Die Hochzeit des jungen Hugenotten Heinrich von Navarra, dem späteren Heinrich IV., mit der katholischen Margarete von Valois entartet zu einem Massaker an den Hugenotten, die in das südliche Frankreich abgedrängt wurden. Durch Todesfälle im Haus Valois wurde der spätere Heinrich IV. Thronfolger. Im langen Achten Hugenottenkrieg 1584-1598 konnte er durch Konvertierung zum Katholizismus (1593) die katholischen Adeligen schrittweise auf seine Seite ziehen und die spanischen Interventionstruppen aus Frankreich vertreiben. Zur Befriedung erließ er 1598 das Edikt von Nantes. Es bestätigte damit das katholische Bekenntnis als Staatsreligion, gewährt aber Anhängern der reformierten Gemeinden Gewissens- und örtlich begrenzte Kultfreiheit. Hugenotten bekamen auch Zutritt zu öffentlichen Ämtern. Zur Wahrung des Rechts wurden konfessionell gemischte Gerichtshöfe gegründet. Außerdem bekamen sie "Sicherheitsplätze", deren wichtigster die Hafenstadt La Rochelle war.

Hugenotten nach 1598

1610 wurde Heinrich von Navarra vom religiösen Fanatiker François Ravaillac ermordet. Daraufhin begann Ludwig XIII. seine Regierungszeit, die maßgeblich durch Kardinal Richelieu bestimmt wurde. Rebellionen gegen den König beendete Kardinal Richelieu 1627 mit der Belagerung von La Rochelle, bei der 15.000 Einwohner verhungerten. Nach der Kapitulation von La Rochelle verloren die Hugenotten 1629 sämtliche Sicherheitsplätze. Richelieu setzte sich stark für die Zentralisation Frankreichs ein. Trotzdem blieb das Edikt von Nantes in Kraft und war Grundlage ihrer bürgerlichen und religiösen Rechte bis zu seiner Aufhebung im Edikt von Fontainebleau. Ab 1643 war Ludwig XIV. König von Frankreich. Ab 1669 wurden die Hugenotten verfolgt und zwangsweise rekatholisiert. Dazu dienten die berüchtigten Dragonaden. Der König hatte das Recht, Soldaten (in diesem Fall Dragoner) bei Bürgern einzuquartieren. Dieses Recht wurde dazu missbraucht, bekannte Hugenotten zu terrorisieren. 1685 erließ Ludwig XIV. das Edikt von Fontainebleau, das das Duldungsedikt seines Großvaters Heinrich IV. aufhob. Er wollte damit die Glaubenseinheit in Frankreich wiederherstellen. Im wesentlichen waren folgende Maßnahmen vorgesehen:
- Alle protestantischen Kirchen sollen sofort zerstört werden, der Wiederaufbau ist verboten.
- Private Versammlungen und Gottesdienste werden verboten.
- Die Hugenotten sollen rekatholisiert werden und ihre Kinder katholisch erzogen werden.
- Alle Geistlichen, die nicht zum katholischen Glauben wechseln wollen, sollen das Land innerhalb von 14 Tagen verlassen.
- Kinder, die älter als 7 Jahre sind, müssen zurückbleiben und werden im Schutz der staatlichen Fürsorge katholisch erzogen.
- Die Auswanderung der protestantischen Gemeindemitglieder wird verboten. In Brandenburg-Preußen erließ Kurfürst Friedrich Wilhelm am 29. Oktober 1685 das Edikt von Potsdam, in dem er die französischen Reformierten in sein im Dreißigjährigen Krieg verwüstetes und entvölkertes Land einlädt. Die hugenottischen Kolonisten wurden zudem mit Privilegien und Beihilfen ausgestattet. Allen Diskriminierungen zum Trotz, gelang es etwa 250.000 Hugenotten in protestantische Nachbarländer zu fliehen (Réfugiés). Nach 1700 ebbte der Flüchtlingsstrom ab, doch die Verfolgung der Hugenotten, z.B. im Cevennenkrieg, endete erst mit dem Ende der Regierung von Ludwig XIV.

Siehe auch


- hugenottische Diaspora
- Kamisarden
- Hugenottenkreuz
- Waldenser

Weblinks


- [http://www.hugenotten.de Deutsche Hugenotten-Gesellschaft]
- [http://www.hugenottenmuseum.de Deutsches Hugenottenmuseum, Bad Karlshafen] ! Kategorie:Christentumsgeschichte (Reformationen) Kategorie:Reformierte Kultur ja:ユグノー

Bartholomäusnacht

Der Ausdruck Bartholomäusnacht bezeichnet ein Massaker an den Hugenotten in Frankreich, das in der Nacht zum 24. August 1572, gegen 3:00 Uhr begann, dem Namenstag von Sankt Bartholomäus. In der Bartholomäusnacht bzw. den Tagen danach wurden zwischen 3.000-10.000 Menschen in Paris ermordet. Die Mutter des französischen Königs Karl IX. und Regentin Katharina von Medici veranlasste den Pogrom, nachdem ein Mordanschlag am 21. August 1572 auf den Anführer der Hugenotten, den Calvinisten Gaspard de Coligny fehlschlug. Coligny gewann Einfluss auf Karl IX. und drängte auf eine Unterstützung der aufständischen Reformierten in Flandern gegen die Herrschaft des spanischen Königs Philipp II. durch ein vereintes Heer aus Katholiken und Hugenotten. Er sah dies als einzige Alternative zu einem Bürgerkrieg in Frankreich, lief damit jedoch den langjährigen Friedensbemühungen Katharinas zuwider. Sie wollte die Schuld für das Attentat der Familie der Guise anlasten, um durch eine so intensivierte bereits bestehende Privatfehde (ein Parteigänger Colignys hatte 1563 Franz von Guise, den Herzog von Lothringen, ermordet) beide einflussreiche Parteien zu neutralisieren. Nach der Bartholomäusnacht flohen ca. 200.000 Hugenotten in Nachbarländer. Die Bartholomäusnacht wird auch Bluthochzeit genannt, weil kurz zuvor die Hochzeit des protestantischen Heinrich von Navarra mit Margarete von Valois, der Schwester Karls IX. stattgefunden hatte. Von August bis Oktober fanden ähnliche Massaker in anderen Städten statt, zum Beispiel in Toulouse, Bordeaux, Lyon, Bourges, Rouen und Orléans, wobei etwa 30 000 Menschen umkamen. Prominente Opfer des Massakers waren der Komponist Claude Goudimel und der Philosoph und Humanist Petrus Ramus.

Medien


- Filme
  - Patrice Chéreau: Die Bartholomäusnacht, Frankreich 1994. Mit: Isabelle Adjani, Daniel Auteuil und Jean-Hugues Anglade
- Literatur
  - Alexandre Dumas: Bartholomäusnacht - Die Königin Margot
  - Conrad Ferdinand Meyer - Das Amulett
  - Heinrich Mann: Margot - Die Bartholomäusnacht, ISBN 3596155886
  - Heinrich Mann: Das Leben des Henri Quatre
  - Prosper Mérimée: Die Barthlomäusnacht(frz. Orginaltitel: Chronique du règne de Charles IX)
  - Phillippe Erlanger: Bartholomäusnacht. Laokoon-Verlag, 1966. (frz. Originaltitel: Le Massacre de la Saint-Barthélemy)
  - Robert Merle: Die gute Stadt Paris (frz. Originaltitel: Fortune de France, tome 3: Paris, ma bonne ville) Siehe auch: Nacht der langen Messer Kategorie:1572 Kategorie:Massaker Kategorie:Hugenottenkriege Kategorie:Pogrom ja:サン・バルテルミの虐殺

Heinrich III. (Frankreich)

Heinrich III. (
- 19. September 1551 in Fontainebleau; † 2. August 1589 in Saint-Cloud) war 1572-1573 König von Polen und 1574-1589 König von Frankreich. Letzter König aus dem Hause Valois. In den letzten Regierungsjahren erhebt sich das katholische Paris, weil es die Thronfolge des hugenottischen Heinrich IV. nicht akzeptiert. Er wurde 1589 ermordet.

Jugend

Heinrich III. war der dritte Sohn Heinrichs II. von Frankreich und seiner Gemahlin Katharina von Medici. Er war der Lieblingssohn seiner Mutter, und die Beziehung mit dem kränklichen älteren Bruder war schwierig. Seit 1560 nach dem Tod des ältesten Bruders war er Thronfolger. Trotz seiner Jugend wurde er Oberbefehlshaber der königlichen Truppen im Dritten Hugenottenkrieg 1568-1569 , denn die Alternativen waren politisch problematischer, aber die zwei brillanten Siege bei Jarnac und Moncontour waren eher dem Marschall de Tavannes zu verdanken. Nach dem Massaker an den Hugenotten in der Bartholomäusnacht leitete Heinrich III. u. a. die Belagerung von La Rochelle, die am Wetter, an Seuchen und am fehlenden hugenottischen Nachschub über das Meer scheiterte.

Intermezzo als König von Polen

1573 veranlasste Katharina seine Wahl zum polnischen König: In Frankreich rettete dies die Hugenotten vor der Vernichtung, denn in Polen herrscht Religionsfreiheit, und die französischen Religionskriege gefährdeten die Wahl. Als französischer Thronfolger brach Heinrich III. nur widerwillig nach Polen auf. Als sein Bruder Karl IX. im Jahr darauf starb, floh Heinrich III. aus Polen und bestieg den französischen Thron. Zum König wurde er am 13. Februar 1575 in der Kathedrale von Reims gekrönt und heiratete zwei Tage später Louise de Lorraine-Vaudémon. Er förderte ebenso wie Franz I. die Kunst.

Schrecklicher Bruder und Thronfolger

Franz I. Der Thronfolger Franz, jüngerer Bruder des Königs, floh vom Königshof. Um ihn sammelten sich im Winter 1576 die unzufriedenen Gruppierungen, einschließlich des ebenfalls geflohenen Heinrich von Navarra, der zum Führer der Hugenotten aufstieg. Katharina von Medici rettete ihren tatenlosen königlichen Sohn: Der Bruder gab sich mit einer großzügigen Apanage an der unteren Loire zufrieden. Die Hugenotten erhielten im Edikt von Beaulieau mit jetzt acht Sicherheitsplätzen großzügigere Bedingungen als je zuvor. Dieses Edikt stieß bei der katholischen Partei auf so viel Widerstand, dass die beiden königlichen Brüder im Siebten Hugenottenkrieg 1576-1577 den Hugenotten maßvollere Bedingungen auferlegen müssen; wenigstens gab es keine größeren Kriegshandlungen. Der König baute danach die Festivitäten mit seinen Günstlingen, den unpopulären Mignons aus. Katharina von Medici reiste in den Süden bis in die Vorberge der Pyrenäen und sicherte in endlosen Verhandlungsrunden mit Heinrich von Navarra einen prekären Frieden. Sein Bruder erstrebte ein eigenes Königreich, entweder in den aufständischen Niederlanden oder in England durch Heirat mit Königin Elisabeth I.. Dies scheiterte wegen seiner völligen Unfähigkeit, alle - die aufständischen Niederlande, England, der eigene Bruder - lassen ihn fallen. Der Bruder und Thronfolger stirbt 1584 an Tuberkulose. Interessant wäre vielleicht auch Heinrichs Bisexualität, er interessierte sich lange Zeit nicht für Frauen, sondern für die Herren am Hof. Außerdem hatte er die Angewohnheit, seinen zahlreichen Hunden Namen entgegensätzlich ihres Geschlechts zu geben (sein liebster Hund hieß le mignon, war aber ein Weibchen).

Bürgerkrieg um die Thronfolge ab 1585

Neuer Thronfolger ist der Hugenottenführer Heinrich von Navarra aus der Nebenlinie Bourbon. Diese Situation war für die katholische Partei in Frankreich völlig unakzeptabel, es sei denn Heinrich von Navarra konvertiere zum Katholizismus. Das verweigerte Heinrich von Navarra standhaft. Darauf erneuerte Henri de Guise die katholische Liga. Diese erneuerte katholische Liga hatte einen völlig neuen Charakter: Sie war keine reine Adelspartei mehr, sondern eine Bewegung mit Rückhalt bei den Volksmassen besonders von Paris. Die katholische Liga schloss Anfang 1585 sogar ein Bündnis mit Spanien. Die Liga übernahm die Macht in Frankreich nördlich der Loire, ist aber klug genug, den untätigen König nicht gefangen zu setzen. Im Mai 1588) musste der König wegen Untätigkeit von Henri de Guise aus Paris fliehen. Heinrich III. bestellt den Liga-Führer Henri de Guise ein und lässt ihn im Dezember 1588 ermorden. Daraufhin erhebt sich das katholische Frankreich gegen den König, der daraufhin im Bündnis mit Heinrich von Navarra Paris belagert. Bei dieser Belagerung wird Heinrich III. am 1. August 1589 von einem Dominikanermönch ermordet. Auf dem Totenbett bestätigte er Heinrich von Navarra als seinen Nachfolger. Heinrich von Navarra wird als Heinrich IV. König von Frankreich und begründet die Dynastie der Bourbonen. Der Achte Hugenottenkrieg 1585-1589 geht nach dessen Konversion zum Katholizismus 1593 in einen nationalen Krieg gegen Spanien über.

Weblinks


- [http://www.valois.org www.valois.org] - Das Königliche Haus Valois Kategorie:König (Frankreich) Kategorie:König (Polen) Kategorie:Haus Valois Kategorie:Mann Kategorie:Geboren 1551 Kategorie:Gestorben 1589 ja:アンリ3世 (フランス王)

Laon

Die französische Stadt Laon [] ist die Hauptstadt (préfecture) des Départements Aisne. In Laon wohnen ungefähr 26.000 Menschen. Aisne Die Stadt verfügt über viele mittelalterliche Bauwerke, darunter die berühmte Kathedrale von Laon. Sie ist eine der bedeutendsten frühgotischen Kathedralen Frankreichs. Der weitreichende Einfluß ihrer Architektur ist nicht nur in der englischen Gotik nachweisbar, sondern auch am Bamberger und Naumburger Dom.

Söhne und Töchter der Stadt


- Bertrada die Ältere, die Stifterin der Abtei Prüm, sowie deren Tochter
- Bertrada die Jüngere, auch Bertrada von Laon genannt, die Ehefrau Pippins des Jüngeren und Mutter von Karl dem Großen
- Désiré Dondeyne, französischer Komponist und Dirigent
- Heribert von Laon, Graf von Laon in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts, und seine Ehefrau
- Jacques Marquette, Mönch und Entdecker des Mississippi (1637-1674)
- Pierre Méchain, französischer Astronom

Wirtschaft

Verkehr

Der ÖPNV wird durch die Verkehrsbetriebe der Stadt, die Transports Urbains Laonois, kurz TUL, abgewickelt. Sie betreiben neben verschiedenen Buslinien auch eine Standseilbahn, den Funiculaires Laon, zwischen dem Bahnhof und dem Rathaus in der Altstadt.

Partnerstädte


- Soltau in Deutschland

Weblinks


- [http://www.ville-laon.fr Offizielle Website] Kategorie:Ort in der Picardie ja:ラン (フランス)

Pest

Die Pest (v. lat. pestis = Seuche) ist eine hochgradig ansteckende Krankheit. Erreger der Erkrankung ist das Bakterium Yersinia pestis (Fam. Enterobacteriaceae, Classis Zymobacteria Gammaproteobacteria). In großen Pandemien hat diese Krankheit immer wieder die Weltbevölkerung getroffen und damit die Geschichte der Menschheit beeinflusst. Für den Verlauf der Geschichte in Europa ist vor allem die große Pestepidemie im 14. Jahrhundert prägend gewesen. Da jedoch zu dieser Zeit noch jegliche Mittel zur exakten Diagnostik sowie eindeutig verwertbare Augenzeugenberichte fehlten, ist nicht zweifelsfrei erwiesen, dass es sich bei den damaligen Epidemien um einen Ausbruch der Pest im eigentlichen Sinne (Yersinia pestis als Erreger) handelte. Mit dieser Pestepidemie befasst sich ein separater Artikel mit dem Titel Schwarzer Tod. Schwarzer Tod (nach J. Columbina). Durch diese Kleidung hofften die Ärzte während der Pestepidemie von 1656 in Rom, sich vor der Pestansteckung zu schützen. Sie trugen einen Wachsmantel, eine Art Schutzbrille und Handschuhe. In dem Schnabel befand sich „wolriechende Specerey“.]]

Arten

Man unterscheidet vier Erscheinungsformen der Pest: Beulenpest, Pestsepsis, Lungenpest sowie die abortive Pest. Bei Pandemien treten alle Formen der Erkrankung auf, eine Beulenpest entwickelt sich ohne Behandlung außerdem fast immer in eine Pestsepsis und eine Lungenpest.

Beulenpest

Rom Bei der Beulenpest, auch Bubonenpest genannt (v. lat. bubo = Beule), erfolgt die Ansteckung gewöhnlich durch den Biss des Rattenflohs. Wenn ein Floh seinen Wirt wechselt und ein neues noch nicht infiziertes Nahrungsopfer beißt, überträgt er damit auf biologischem Wege das Bakterium, welches sich in dem Floh vermehrt hat. Der Rattenfloh ist eigentlich eng an sein Wirtstier gebunden. Er befällt erst dann den Menschen, wenn er keinen geeigneten Wirt mehr findet. Daher ging zumindest der Beulenpest immer ein massenhaftes Rattensterben voraus. Die Inkubationszeit liegt bei wenigen Stunden bis sieben Tagen. Die Symptome sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, starkes Krankheitsgefühl, Benommenheit und später Bewusstseinsstörungen. Der Name Beulenpest stammt von den stark geschwollenen, sehr schmerzhaften Beulen am Hals, in den Achselhöhlen und in den Leisten, die durch die Infektion der Lymphknoten und Lymphgefäße im Bereich des Flohbisses entstehen. Diese Beulen können bis zu zehn Zentimeter groß werden und sind aufgrund innerer Blutungen in den Lymphknoten blau-schwarz gefärbt. Die Geschwüre zerfallen, nachdem sie eitrig eingeschmolzen sind. Die Beulenpest als solche ist nicht tödlich, und die Beulen sind nach Öffnung auch heilbar. Allerdings kommt es bei bis zu 75% der unbehandelten Patienten zu einer Infektion des Blutes und somit zur Pestsepsis und zur Lungenpest oder zu einer Streuung der Erreger mit ausgedehnten Hautblutungen. Diese Formen führen unbehandelt zum Tod. Die Beulenpest verbreitet sich im Winter langsamer als im Sommer, da der Überträgerfloh bei Temperaturen unter 12 °C in eine Kältestarre fällt. Der epidemische Höhepunkt dieser Pestart fiel stets mit der Fortpflanzungszeit der Flöhe im Herbst zusammen.

Pestsepsis

Die Pestsepsis entsteht durch Infektion des Blutes. Dies kann durch Infektion von außen, zum Beispiel über offene Wunden, geschehen, aber auch als Komplikation aus den beiden anderen schweren Verlaufsformen, zum Beispiel durch Platzen der Pestbeulen nach innen. Die Erreger im Blut verteilen sich mit dem Blutstrom im gesamten Körper. Die Infektion bewirkt hohes Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und ein allgemeines Unwohlsein, später großflächige Haut- und Organblutungen. Pestsepsis ist unbehandelt praktisch immer tödlich, in der Regel spätestens nach 36 Stunden. Heute kann durch die Behandlung mit Antibiotika die Sterblichkeit deutlich gesenkt werden.

Lungenpest

Antibiotika Die Lungenpest kann sich im Verlauf der Beulenpest entwickeln, wenn die Erreger in die Blutbahn geraten, und man spricht dann von einer sekundären Lungenpest. Wird sie aber durch eine Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen, spricht man von einer primären Lungenpest. Diese Krankheit verläuft heftiger, weil die Abwehrbarrieren der Lymphknoten durch direkte Infektion der Lunge umgangen werden. Sie beginnt mit Atemnot, Husten, Blaufärbung der Lippen und schwarz-blutigem Auswurf, der extrem schmerzhaft abgehustet wird. Daraus entwickelt sich ein Lungenödem und ein Kreislaufversagen, welches unbehandelt nach zwei bis fünf Tagen zum Tod führt. Die Inkubationszeit beträgt nur ein bis zwei Tage, die Sterblichkeitsrate liegt hier bei 95 %.

Abortive Pest

Die abortive Pest ist die harmloseste Variante der Pest. Sie äußert sich meist nur als leichtes Fieber und leichte Schwellung der Lymphdrüsen. Nach überstandener Infektion haben sich Antikörper gebildet, die eine langanhaltende Immunität gegen alle Formen der Erkrankung gewährleisten.

Übertragungsweg

:„Am Morgen des 16. April trat der Arzt Bernard Rieux aus seiner Wohnung und stolperte mitten auf dem Flur über eine tote Ratte (...) Am selben Abend sah er aus dem Dunkel des Gangs eine dicke Ratte auftauchen, mit feuchtem Fell und unsicherem Gang. Das Tier blieb stehen, schien sein Gleichgewicht zu suchen, wendete sich gegen den Arzt, blieb wieder stehen, drehte sich mit einem leisen Schrei im Kreis und fiel schließlich zu Boden, wobei aus den halb geöffneten Lefzen Blut quoll...“ Immunität Mit diesen Zeilen leitet der französische Literaturnobelpreisträger Albert Camus seinen 1947 erschienenen Roman Die Pest ein. Wenn das Werk Camus' auch fiktiv ist, so beschreibt er doch treffend das große Rattensterben, das einer Pestepidemie vorauszugehen pflegt. Flöhe, insbesondere aber der Rattenfloh Xenopsylla cheopsis spielen bei der Übertragung des Pesterregers eine große Rolle. Flöhe sind Parasiten, die von außen an ihrem Wirt schmarotzen, selber aber gelegentlich Parasiten in ihrem Inneren beherbergen und ihren Wirt mit diesem Parasiten infizieren können. Das Pestbakterium ist ein solcher Parasit. Wechselt der Rattenfloh von einem infizierten Nager – beispielsweise der Wanderratte oder der Hausratte – nach dessen Tod auf einen anderen Wirt über, ist er in der Lage, diesen mit dem Pestbakterium zu infizieren. Der Rattenfloh bevorzugt dabei als neuen Wirt wiederum Ratten, für die die Pesterkrankung ebenso tödlich ist wie für den Menschen. Fehlt es aber an Ratten, nimmt der Rattenfloh auch Menschen als neue Wirte an und infiziert dann auch diese mit dem Pestbakterium (Zoonose). Diese Situation ergibt sich vor allem, wenn viele Ratten aufgrund der Pest sterben. Die Frage, welche weiteren Floharten neben dem Rattenfloh an der Übertragung der Pest beteiligt sind, wurde seit den 1950er Jahren unter Naturwissenschaftlern und Medizinhistorikern kontrovers diskutiert. Mittlerweile besteht Übereinstimmung, dass etwa 30 Floharten sich als Überträger der Pestbakterien eignen, darunter auch der Menschenfloh (Pulex irritans). Das Pestbakterium kann darüber hinaus längere Zeit auch ohne tierischen Wirt überleben – beispielsweise in Erde, im Staub, im Kot oder in Tierkadavern – und von dort aus Krankheitsopfer infizieren. Neben dieser indirekten Ansteckung kann es allerdings auch zu einer direkten Ansteckung an infizierten Nagetieren oder Menschen über offene Wunden und Speichel kommen. Gelangt der Erreger im Menschen in den Lungenblutkreislauf, entsteht die sekundäre Lungenpest mit hochinfektiösem blutigem Auswurf. Wer Kontakt mit einem darunter leidenden Patienten hat, kann sich direkt mit dieser sogenannten primären Lungenpest infizieren. Ist der Sprung des Pestbakteriums aus einer Nagerpopulation auf den Menschen erst einmal gelungen, dann ist dies sehr rasch der hauptsächliche Infektionsweg. Bereits 100 bis 200 eingeatmete Erreger reichen für eine Infektion aus. Auch Raubtiere, die infizierte Ratten gefressen haben, können die Bakterien und die Flöhe weiter übertragen. Hauskatzen erkranken ebenfalls an der Pest, bei Hunden ist dies nicht bekannt. Diese Übertragungswege sind im Normalfall zwar selten, spielen jedoch im Rahmen von größeren Pandemien eine Rolle.

Wilde Nagetierpopulationen als Rückzugsgebiet des Pestbakteriums

Hunde Die Pestbakterien kommen auch heute noch in wilden Nagetierpopulationen vor – wie beispielsweise bei den Präriehunden, Erdhörnchen und Murmeltieren. Diese wilden Populationen sind die natürlichen Reservoire des Pestbakteriums, von denen aus gelegentlich häusliche Nager wie beispielsweise Ratten infiziert werden. Während in Europa und Australien keine infizierten Tierpopulationen bekannt sind, kommen solche im Kaukasus, Russland, in Südostasien, der Volksrepublik China, der Mongolei, Süd- und Ostafrika, Mittel- und Südamerika sowie im Südwesten der USA vor. Nach Nordamerika gelangte der Erreger dabei über ein Handelsschiff während der Pestepidemie, die ab 1894 in Südostasien grassierte. Während nur sehr wenige Menschen in Nordamerika an der Pest erkrankten, infizierte der Erreger die amerikanische Eichhörnchenpopulation. Gelegentlich kommt es daher auch heute noch in Nordamerika zu Übertragungen von Tier zu Mensch. Meist sind es Jäger, die sich bei einem Nagetier anstecken; Norman F. Cantor verweist jedoch auch auf einen nordamerikanischen Fall aus den 1980er Jahren, bei dem eine Frau ein Eichhörnchen mit einem Rasenmäher überfuhr und sich dabei mit der Pest infizierte. Der Pestausbruch in der indischen Stadt Surat im Jahre 1994 bestätigt daher die Aussage, die Camus bereits 1947 gegen Ende seines Romans Die Pest macht: :„Während Rieux den Freudenschreien lauschte, die aus der Stadt empordrangen, erinnerte er sich daran, daß diese Fröhlichkeit ständig bedroht war. Denn er wußte, was dieser frohen Menge unbekannt war und was in den Büchern steht: Daß der Pestbazillus niemals ausstirbt oder verschwindet, sondern jahrzehntelang in den Möbeln und der Wäsche schlummern kann, daß er in den Zimmern, den Kellern, den Koffern, den Taschentüchern und den Bündeln alter Papiere geduldig wartet und daß vielleicht der Tag kommen wird, an dem die Pest zum Unglück und zur Belehrung des Menschen ihre Ratten wecken und erneut aussenden wird (...)“ Weltweit registriert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) etwa 1000 bis 3000 Pestfälle pro Jahr, meistens in Form kleinerer, örtlich begrenzter Epidemien. In Europa gab es den letzten dokumentierten Pestausbruch im Zweiten Weltkrieg. Man nimmt an, dass die Pest gegenwärtig in Europa nicht mehr existiert.

Medizinische Behandlung

Zweiten Weltkrieg

Historische Entwicklung

Während der mittelalterlichen Pestepedemien kauten Ärzte auf der Angelikawurzel (Engelwurz), um sich vor Ansteckung zu schützen. Noch 1771 gab der französische Autor Buchoz seinen Lesern den Rat, bei Pestepidemien seine Kleidung mit einem Pulver aus Engelwurz zu bestreuen. Die medizinische Diagnostik und Behandlung der Krankheit basiert weitgehend auf den Forschungen und klinischen Beobachtungen eines Pestausbruchs, der Ende des 19. Jahrhunderts in der Mongolei begann. Der Bakteriologe Alexandre Yersin isolierte 1894 in Hongkong den Pesterreger, der später nach ihm als Yersinia pestis benannt wurde. Die Ausbreitung der Pest konnte jedoch nur teilweise eingedämmt werden. 1896 erreichte sie Bombay, wo Masanori Ogata und Paul-Louis Simond nachwiesen, dass der Biss des Rattenflohs den Erreger vom Tier auf den Menschen überträgt. Sowohl in China als auch in Bombay wurde darüberhinaus der Charakter und Verlauf der Epidemie umfassend klinisch beschrieben. Damit war der Grundstein für ein wissenschaftliches Verständnis der Pestinfektion gelegt, die Dezimierung der Ratten wurde zur Vorbeugung von Pestausbrüchen betrieben. Ein wirksames Gegenmittel der Erkrankung beim Menschen war damit noch nicht gefunden. Die Grundlage hierfür war die Entdeckung des Penicillins im Jahre 1928.

Diagnose und Therapie heute

Die Diagnose erfolgt über den Nachweis der Erreger im Blut, im Sekret der Beulen oder bei der Lungenpest im Auswurf. Antikörper lassen sich ab dem zehnten Krankheitstag nachweisen. Behandelt wird die Pest heutzutage mit Antibiotika, und bei frühzeitiger Erkennung bestehen gute Chancen auf Heilung. Eingesetzte Antibiotika sind beispielsweise Streptomycin und Chloramphenicol sowie Kombinationen aus Tetracyclinen und Sulfonamiden. Darüberhinaus stehen Schutzimpfungen zur Verfügung, die allerdings nur drei bis sechs Monate wirken und nur gegen die Beulen-, nicht aber gegen die Lungenpest wirken. Die Autoren Eberhard-Metzger und Ries weisen jedoch auf die schlechte Verträglichkeit dieser Schutzimpfungen hin. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt diese Impfung daher nur Risikogruppen, zu denen beispielsweise Bauern, Landarbeiter und Jäger in Regionen zählen, in denen infizierte Nagetierpopulationen verbreitet sind. Weitere Maßnahmen, um eine Pestepidemie einzudämmen, sind verbesserte Hygiene, Bekämpfung der Ratten und die Verhinderung des Transports von Ratten auf Schiffen. Da nach dem Tod der Ratten die Flöhe ihren Wirt wechseln, müssen die Menschen mit Insektiziden vor den Flöhen geschützt werden.

Quarantäne und Meldepflicht

Die Pest gehört neben den Pocken, Cholera und hämorrhagischem Fieber (Ebola, Lassa u.A.) in Deutschland zu den vier Quarantäne-Krankheiten. Patienten, die daran erkrankt sind, müssen in speziellen Infektionsabteilungen abgeschirmt werden. Länderübergreifende Quarantäneregelungen für Schiff-, Luft-, Zug- oder Kraftfahrzeugverkehr sind im [http://www.admin.ch/ch/d/sr/0_818_102/ internationalen Sanitätsreglement] von 1971 festgehalten. Ein Hinweis auf die Pest, die Erkrankung an oder der Tod durch Pest müssen in Deutschland nach dem [http://www.bmi.bund.de/cln_012/nn_122688/SiteGlobals/Forms/Suche/serviceSucheFormular,templateId=processForm.html?resourceId=122734&input_=&pageLocale=de&searchEngineQueryString=Infektionsschutzgesetz&sortString=-dateOfIssue&searchArchive=2&searchIssued=0&pat Infektionsschutzgesetz] auch bei Verdacht namentlich gemeldet werden. Die Meldungen werden von den Gesundheitsämtern an die Landesgesundheitsbehörde und das Robert-Koch-Institut weitergeleitet. Das Robert-Koch-Institut meldet sie gemäß internationalen Vereinbarungen an die Weltgesundheitsorganisation.

Die Pest als biologische Waffe

Die Pest wird von der Weltgesundheitsorganisation zu den zwölf gefährlichen biologischen Kampfstoffen gezählt. Zu diesem sogenannten dreckigen Dutzend gehören neben der Pest auch Milzbrand- und Tularämiebakterien, Pocken-, Ebola- und Marburg-Viren. Der erste historisch belegte Einsatz der Pest als biologische Waffe fand 1346 in der Hafenstadt Kaffa statt, als der Tartarenführer Khan Djam Bek Pestleichen über die Mauern der Stadt werfen ließ und die Belagerten vor der Pest die Flucht ergriffen. Während des Zweiten Chinesisch-Japanischen Krieges stellte die japanische Armee im Einheit 731 genannten Gefangenenlager bei Harbin in der Mandschurei Waffen her, die mit Pest infizierte Flöhe enthielten und deren Einsatz in der Republik China in den Jahren 1940 bis 1942 lokale Pestausbrüche verursachten. Bei der Zerstörung der Produktionsstätten durch die japanische Armee 1945 bei Kriegsende kamen mit Pest infizierte Ratten frei und lösten in den Provinzen Heilongjiang und Jilin eine Epidemie mit über 20.000 Todesopfern aus. Zur Zeit des Kalten Krieges beschäftigten sich russische Wissenschaftler mit dem Einsatz von Pesterregern als biologische Waffe. Wie der ehemalige russische Forscher für biologische Waffen Ken Alibek berichtete, gelang es Russland Ende der 1980er Jahre, die Pest in eine sprühfähige Form zu bringen und gegen Antibiotika resistent zu machen. In Deutschland beschäftigt sich das Robert-Koch-Institut mit den Gefahren durch biologische Kampfführung. Dort wurde auch die Informationsstelle des Bundes für biologische Sicherheit (IBBS) eingerichtet. Wie groß die Gefahr eines Angriffs mit biologischen Kampfstoffen tatsächlich ist, ist sehr umstritten. Die IBBS rät nicht zu einer Impfung gegen die Pest in Deutschland. Diese Empfehlung gilt sowohl für die Bevölkerung insgesamt als auch für Risikogruppen.

Geschichte

Pest, Pocken und Milzbrand

Große Pandemien sind bereits aus der Bibel überliefert: die Pest gehört zu den Plagen, die in der biblischen Erzählung Ägypten heimsuchen, und sie löst auch das Massensterben der Philister aus, die sich der jüdischen Bundeslade bemächtigt hatten. Da jegliches Mittel zur Diagnostik ebenso wie eindeutig verwertbare Augenzeugenberichte fehlen, ist nicht zweifelsfrei erwiesen, dass es sich bei den Pandemien, die uns aus der Zeit bis zum späten Mittelalter überliefert wurden, jeweils um einen Ausbruch der Pest handelt. Historiker nennen eine Vielzahl möglicher anderer Krankheiten. Das Spektrum reicht von Ebola-ähnlichen Krankheiten, Pocken, einer durch Kühe übertragenen Milzbrand-Infektion bis zu Gonorrhoe. Was die Ansteckungswege und die Symptomatik betrifft, kommen als Alternative zur Pest neben den Pocken eher Fleckfieber, Cholera und Typhus in Frage. Letztendlich stammt das Wort Pest aus dem Lateinischen und bedeutet nichts anderes als Seuche. Es steht darüber hinaus für Unglück, Verderben, verderbliche Person oder Sache, Scheusal, Unhold, Qual, Leiden, Hungersnot. Die klassischen Texte, von der Aeneis über die Ilias bis zur Bibel, bezeichnen daher alle großen Seuchen als Pest. Von den im nachfolgenden genannten Krankheitswellen sind viele Historiker jedoch überzeugt, dass Auslöser der Epidemien tatsächlich der Pesterreger war.

Antike bis Frühmittelalter

Die große Seuche im antiken Griechenland

Eine Seuche, der viele Menschen zum Opfer fielen, wurde bereits im