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KZ Mauthausen
Das KZ Mauthausen war ein deutsches Konzentrationslager der Nationalsozialisten in Mauthausen im Bezirk Perg im Lande Oberösterreich.
Im August 1938 von der SS als Außenstelle des Konzentrationslagers Dachau errichtet, wurde das Konzentrationslager Mauthausen ab März 1939 zu einem selbständigen Lager erweitert. Bis 1945 wurden nach Mauthausen und in seine Nebenlager etwa 200.000 Personen deportiert. Unter ihnen befanden sich Menschen mit über 30 verschiedener Nationalitäten. Etwa 2,5% der Insassen waren Frauen. Es wurden auch Jugendliche und Kinder inhaftiert und ermordet.
Heinrich Himmler bestimmte das KZ Mauthausen durch einen Erlass von 1941 zum Vernichtungslager. Das Lager war für die Gefangenen der „Stufe III", d.h. „alle schwer belasteten, insbesondere gleichzeitig auch kriminell vorbestraften und asozialen, d.h. kaum noch erziehbaren Schutzhäftlinge" vorgesehen. Die Gefangenen sollten durch Arbeit vernichtet werden. Etwa 120.000 Häftlinge kamen so durch Zwangsarbeit in den nahe gelegenen Granitsteinbrüchen um oder wurden ermordet.
Zu den besonders schweren Grausamkeiten gehörte die so genannte Todesstiege, eine Steintreppe, die den Steinbruch „Wiener Graben" mit dem eigentlichen Konzentrationslager Mauthausen verband. Die Beteiligten des Steinträgerkommandos schleppten mehrmals täglich Granitblöcke über die insgesamt 186 Stufen der Treppe 31 Meter nach oben. Die „Todesstiege" war der Ort zahlreicher Unfälle und Morde an Häftlingen, verübt durch Kapos und die SS-Wachmannschaft.
Eine 50 Meter hohe Felswand wurde von der SS dazu missbraucht, Häftlinge hinabzustoßen, wo ihre Körper entweder durch den Aufprall auf dem Stein zerschmettert wurden oder sie im Regenwasserteich am Fuße der Wand ertranken. Zynisch nannten die SS-Totenkopf-Offiziere die Stelle „Fallschirmspringerwand".
Auf Befehl von Heinrich Himmler entstand in Mauthausen im Juni 1942 das erste von zehn Häftlingsbordells. Hierfür wurden Frauen „abgestellt“, die zur Häftlingskategorie „asozial“ gehörten. Viele dieser zur Prostitution gezwungenen Frauen kamen aus dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Zogen sich Frauen eine Geschlechtskrankheit zu, wurden sie für medizinische Versuche zur Verfügung gestellt. Schwangere wurden einer Zwangsabtreibung unterzogen. Bis in die 1990er Jahre galten die Betroffenen nicht als Opfer der Naziherrschaft und erhielten keine Entschädigung.
1990er
Das KZ hatte auch zahlreiche Außenlager. Die größten waren in Gusen und Melk. Aber auch auf Schloss Hartheim, in Ebensee in Oberösterreich oder in der Hinterbrühl, wo die Strafgefangenern im unterirdischen Flugzeugwerk Seegrotte arbeiten mussten, und in Guntramsdorf/Wr. Neudorf waren solche Außenstellen. Auch in der sogenannten Serbenhalle in den Raxwerken in Wiener Neustadt waren bis zu eintausend Häftlinge untergebracht.
Noch vor Kriegsende sollten zusätzliche Verbrennungsöfen, die vor der Sprengung des KZ Auschwitz-Birkenau demontiert worden waren, aufgestellt werden. Es ist nicht erwiesen, ob dieser Plan durch den der SS angehörigen Bauleiter selbst oder durch Häftlinge bis zum Kriegsende verzögert wurde.
Am 5. Mai 1945 wurde das Lager von Alliierten befreit. Das KZ Mauthausen war damit das letzte Konzentrationslager, das befreit wurde.
Viele Nationen und Opfergruppen haben auf dem Gelände für ihre Opfer und für den Befreiungskampf Denkmäler und Gedenktafeln geschaffen. Es findet sich auch ein Denkmal der DDR dort mit den Worten von Bertolt Brecht: „O Deutschland bleiche Mutter / wie haben deine Söhne dich zugerichtet / dass du unter den Völkern sitzest / ein Gespött oder eine Furcht!"
Die österreichische Bundesregierung hat in einem Gebäude des ehemaligen Konzentrationslagers ein Museum errichtet; das übrige Lager und der angrenzende Steinbruch sind heute Mahn- und Gedenkstätte. Seit einiger Zeit befindet sich auch außerhalb des Geländes ein neu errichtetes Gedenkzentrum.
Der 5. Mai, der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers durch die Alliierten, wird seit 1998 in Österreich als nationaler „Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus" begangen.
Das Hauptlager
Die Errichtung des Lagers
1998
Die ersten Häftlinge in Mauthausen waren 300 österreichische und einzelne deutsche Polizei-Sicherheitsverwahrungs-Häftlinge und kamen am 8. August 1938 aus dem KZ Dachau im KLM an. Mit ihnen kamen auch die ersten Bewacher von SS-Totenkopfverbänden. Kommandant des Lagers war zu Beginn Albert Sauer, ab dem 9. Februar 1939 Franz Ziereis.
Die Aufgabe der ersten Häftlinge war es, die ersten 4 Baracken zu bauen und im Steinbruch zu arbeiten. Einige Monate später hatte das Lager schon 14 Baracken und ein Großteil der Häftlinge wurde im Steinbruch eingesetzt.
Das Lager wurde später in drei Teile geteilt: Lager I, II und III:
Als erstes wurde das Lager I errichtet. Diese ersten 20 Baracken wurden in den Jahren 1938 bis 1940 erbaut. Lager II bestand aus den Baracken 21 bis 24 und wurde im Jahre 1941 gebaut und Lager III bestand nur aus 6 Baracken und wurde im Frühjahr 1944 erbaut.
Außerdem gab es noch das Krankenlager, das sich südlich des Lagers I befand. Dieses Krankenlager wurde auch „Russenlager“ genannt, da es im Oktober 1941 eigentlich für sowjetische Kriegsgefangene gebaut wurde. Neben dem Krankenlager gab es auch noch das Zeltlager, das sich nördlich des Lagers I befand. Es bestand aus 6 großen und 8 kleinen Militärzelten und wurde im Dezember 1944 bezogen und gehörte bis zum 8. April 1945 zum Hauptlager.
Des weiteren existierte ein Arrestgebäude, das 1939 bis 1940 erbaut wurde und 33 Zellen von je 5,4 m² beinhaltete. Dann gab es noch das sogenannte Revier, ein Steingebäude im Lager II, das nicht vollendet, jedoch dessen linke Hälfte aber im Jahre 1944 bezogen werden konnte.
Als letztes gab es noch die Wäscherei- und Küchenbaracken, die in den Jahren 1938 bis 1941 erbaut wurden. Eine Normal-Baracke im KLM war 52,61 Meter lang und 8,22 Meter breit. Außerdem war sie in zwei Teile eingeteilt: Stube „A“ links und Stube „B“ rechts. Jede Stube bestand aus zwei Zimmern, den Aufenthaltsräumen und einem Schlafraum. Die meisten Häftlinge durften sich allerdings nur im Schlafraum aufhalten, da der Aufenthaltsraum den Häftlingsfunktionären auch als Schlafraum vorbehalten war.
Das Hauptlager wurde durch eine 2,5 Meter hohe Umfassungsmauer mit einer Länge von 1.668 Metern gesichert. Gekrönt wurde die Mauer durch einen elektrisch geladenen Zaun mit 380 Volt. Die Ausnahme war der nördliche Teil von Lager I, wo an der Rückfront der Baracken 5, 10 und 15 nur elektrischer Zaun war. Das Krankenlager hatte zur Sicherung einen doppelten Stacheldrahtzaun, der mit Starkstrom geladen war. Die Gesamtfläche der Lager I, II und III betrug, mit dem Appellplatz zusammen, etwa 25.000 m², das Krankenlager hatte ungefähr eine Größe von 15.000 m² und das Zeltlager von 16.000 m².
Alltag und SS-Terror
Der Tagesablauf des KLM war anders als der Tagesablauf anderer KZs, was vor allem daran lag, dass der SS-Gruppenführer Theodor Eicke seine ganz besonderen Methoden hatte, ein Lager zu führen - vor allem was die Strafe anging. Diese Strafen begleiteten natürlich den gesamten Tagesablauf. Eicke hatte vorher „Erfahrung“ im KZ Dachau gesammelt. So übernahm er auch die im KZ Dachau erlassenen Strafverordnungen.
Die offiziellen Strafmaßnahmen im KLM waren Ordnungsstrafen (Essensentzug, Strafarbeit), Arreststrafen, Dunkelarrest und als letztes: körperliche Züchtigungen. Zu den Ordnungsstrafen gehörten im allgemeinen Strafarbeit unter Aufsicht eines SS- Unterführers, ein „Briefschreibverbot“ bzw. ein Verbot, Briefe zu empfangen, Essensentzug bei voller Beschäftigung und schlimmstenfalls die Einweisung in die Strafkompanie des KLM (bis zum Herbst 1943 und für nahezu alle Ausländer), was einem Todesurteil gleich kam. Die Strafkompanie hatte die härteste Arbeit zu leisten, so z.B. das Hochtragen der schweren Granitblöcke über die sogenannte „Todesstiege“ (die Treppe die vom Steinbruch aus hoch zum Lager führte, wobei der Zustand nicht einer Treppe entsprach, da sie sehr steil war und die Stufenabstände sehr groß und sehr klein waren, und selbst heute sind die 186 Stufen der Treppe nicht leicht zu begehen) aus dem Steinbruch herauf. Die Arreststrafen waren meist mit Stockschlägen verbunden und der verschärfte Arrest wurde in der Dunkelkammer vollzogen, ohne die Möglichkeit zum Hinlegen bzw. Sitzen. Zur körperlichen Züchtigung gehörte vor allem das Schlagen mit einem „Ochsenziemer“. Die Anzahl der Schläge, die man im KLM als Strafe bekommen konnte, lag zwischen 5 und 75 (!). Waren es mehr als 25 Schläge, so musste der Häftling, egal welcher Nationalität, laut auf Deutsch mitzählen und verzählte er sich, oder machte er einen Fehler, wurde von vorne angefangen. Laut Vorschriften sollte die Strafhandlung nur im Beisein eines SS-Arztes stattfinden, was aber im KLM nie der Fall war.
Aufgrund einer Weisung des RFSS („Reichsführer-SS“, Heinrich Himmler) vom 2. Dezember 1942 sollten „Prügelstrafen nur noch als letztes Mittel angewandt werden“. Dadurch musste man eine Prügelstrafe immer beim WVHA bzw. dem dortigen Inspekteur der KZs anmelden, was dem Lagerführer des KLM oft viel zu kompliziert war. Von diesem Datum an wurde die Prügelstrafe im KLM nur noch sehr selten angewandt. Als weitere Disziplinarbehandlung gab es das sogenannte Tor- oder Strafestehen. Die betroffenen Häftlinge mussten dafür stundenlang, Tage und Nächte in der Nähe des Lagertores stehen, während sie von vorbeigehenden SS-Männern „zum Spaß“ geschlagen oder getreten wurden. Eine der schlimmsten Misshandlungen bzw. Strafen war das „Pfahlhängen“, das oft in Mauthausen verübt wurde. Dem Häftling, der damit bestraft wurde, „wurden die Hände mit einem etwa fingerdicken Strick auf dem Rücken zusammengebunden. An diesem Strick wurde das Opfer dann am Querbalken einer Baracke in etwa 2 Meter Höhe aufgehängt, so dass der Körper frei in der Luft schwebte. Das ganze Körpergewicht lastete auf den nach rückwärts gebogenen Gelenken. Diese Tortour war mit großen Dehnungsschmerzen der Muskulatur, mit Bewusstseinstrübung und nach 30 Minuten mit völliger Ohnmacht verbunden“.
Der Alltag im KLM war so ausgelegt, dass er den Häftling „zerstörte“, ihm seine Würde raubte und ihn so stark quälte wie möglich. Die Häftlinge mussten sich jedem Befehl unterordnen und die SS-Männer hatten eine unerschöpfliche Phantasie, was das „Zerstören“ und Demütigen der Häftlinge anging. Die Häftlinge mussten z.B. stundenlang strammstehen oder in der Nacht 10 bis 20 Mal aus den Fenstern springen und sich im Dreck wälzen und danach ihre Kleider waschen.
Arbeitseinsatz und Verpflegung
Die Ernährung eines Häftlings im KLM war, wie in allen Konzentrationslagern, mehr als unzureichend. Das verabreichte Essen, das die Häftlinge täglich erhielten, hatte etwa 1450 Kalorien. Bei der langen und sehr schweren Arbeit, die die Häftlinge zu verrichten hatten, wären mindestens 4.500 Kalorien notwendig gewesen. Aufgrund der mangelnden Ernährung und der schweren Arbeit betrug die durchschnittliche Lebensdauer eins Häftlings im KLM bis Herbst 1939 etwa 15 Monate, dann bis Spätsommer 1943 ungefähr 6 Monate und später von Ende 1943 bis Anfang 1945 etwa 9 Monate und dann bis zur Befreiung am 5. Mai 1945 nur noch 6 Monate.
Der Arbeitseinsatz im KLM betrug immer 11 Stunden. Ausgenommen davon waren die Steinmetzlehrlinge mit einem Arbeitseinsatz von 9 Stunden. Geweckt wurden die Häftlinge um 4.45 Uhr im Sommer und im Winter um 5.15 Uhr. Jeden Morgen spielte sich dann die gleiche Prozedur ab: Die Häftlinge mussten sofort aufstehen und ihre Betten perfekt machen, dann schnell anziehen und für die Toiletten- und Waschräume anstehen (8 Toiletten und 5 Minuten Zeit für 250 bis 600 Häftlinge), danach schnell den Spind ordnen und danach wieder anstehen - dieses Mal für das Essen. Danach erfolgte vor den Baracken die Formierung des Zuges für den Zählappell. Dieser war immer gleich: In Zwanzigerreihen barackenweise rechts und links geordnet warteten die Häftlinge auf dem Appellplatz auf das Erscheinen der SS-Leute. Nach einem Rapport und einem „Mützen ab, Mützen auf“ war der Appell beendet und vom Lagerältesten kam der Ruf: „Arbeitskommando formieren“. Nach kurzer Zeit konnten dann die Kolonnen zu ihren jeweiligen Arbeitsstätten marschierten. Bis Frühjahr 1944 erfolgten täglich drei Zählappelle, jeweils am Morgen, am Nachmittag und ein letztes Mal am Abend. Danach gab es dann nur noch zwei, morgens und abends. Die Häftlinge, die in den Werkstätten und innerhalb des Hauptlagers ihren Arbeitseinsatz verrichteten, mussten auch weiterhin mittags zum Appell antreten, außer dem Bedienungspersonal, das in den SS-Unterkünften und Revieren arbeitete. Abends, nach der Rückkehr der Häftlinge von der Arbeit, und je nach Jahreszeit, ab 18.00 Uhr oder ab 19.00 Uhr, fand dann der Abendappell statt. Dieser Appell wurde immer exakt ausgeführt, da die dafür benötigte Zeit von der Freizeit der Häftlinge abgezogen wurde. Wenn es gut ging, dauerte der Appell nur 30 Minuten, manchmal aber auch 1 bis zwei Stunden und in Sonderfällen, wie z.B. einer Hinrichtung oder Flucht, bis zu 3 Stunden. Nach dem Appell wurde das Essen ausgeteilt. Theoretisch hatten die Häftlinge dann bis 20.45 Uhr frei, dazu kam es allerdings fast nie, denn man musste lange für die Toiletten- und Waschräume anstehen. Um 20.45 mussten dann alle Häftlinge in ihren jeweiligen Baracken sein und ab 21.00 Uhr war Bettruhe. Allerdings wurden Abends sehr oft Laus- Kleider- oder Spindkontrollen angeordnet, um die Häftlinge zu schikanieren und ihre Nachtruhe zu kürzen. So konnten die Häftlinge oft nur 6 Stunden schlafen.
Währen der Mauthausener Typhus-Epidemien 1940-41 wurden jeden Abend schikanöse Lauskontrollen durchgeführt. Oft wurde ein Häftling einfach erschlagen oder ertränkt, da er Läuse hatte. „Kaum drastischer konnte die Aufschrift der in den Mauthausener Baracken angeschlagenen Plakate (auf gelbem Grund eine große schwarze Laus) praktiziert werden: „Eine Laus dein Tod.“ Am Sonntagnachmittag hatten die Häftlinge frei. Sie nutzten ihre Freizeit dazu, die Garderobe zu richten, Flickarbeiten vorzunehmen, Socken zu stopfen (wenn sie welche hatten, die Mehrzahl der Häftlinge besaß nur Fußlappen), die Haare zu schneiden und sich zu rasieren. Selten gab es sonntags auch Auftritte der Häftlingskapelle oder Box- bzw. Fußballturniere. Allerdings hatten nur wenige Häftlinge die Kraft, daran teilzunehmen. Ab 1943 gab es in Mauthausen dann auch Fußballmannschaften der einzelnen Volksgruppen.
Insgesamt waren im KLM 197.464 Häftlinge inhaftiert, von denen ungefähr 100.000 ermordet wurden bzw. starben.
Die Befreiung
Befreit wurde das KLM am 5. Mai 1945 durch die vorrückenden amerikanischen Truppen. Wesentlichen Anteil daran hatte Louis Haefliger, der sich als Delegierter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) zur Begleitung eines Lebensmitteltransports im Lager aufhielt. Kurz vorher, im April 1945, hatte die SS damit begonnen, alle Akten zu zerstören, die auf ihre Verbrechen im KLM hinwiesen. Darunter fiel auch das Abmontieren der Gaskammer, die 1941 im Keller des Krankenbaus eingerichtet worden war. Alles, was darauf hinwies, dass es eine Gaskammer war, wurde entfernt. Danach flohen die SS-Männer und die Häftlinge wurden vom Volkssturm und von der Wiener Feuerwehr bewacht. Noch kurz vor der Befreiung wurden im KLM noch Häftlinge ermordet, deren genaue Zahl unbekannt ist.
Nebenlager des Konzentrationslagers Mauthausen
Das KLM besaß 52 Nebenlager (unter Berücksichtigung der jeweiligen untergeordneten Lager, d.h. zum Beispiel bei Gusen werden Gusen II und Gusen III jeweils als einzelnes Außenlager gezählt).
Gusen I, II und III
Der Aufbau des Nebenlagers Gusen begann 1939, damals noch unter dem Namen KL Mauthausen/Unterkunft Gusen. Gusen lag 4,5 Kilometer westlich von Mauthausen Aufgebaut wurde das Lager am Anfang von zwei Arbeitskommandos, bestehend aus 400 österreichischen und deutschen Häftlingen, die jeden Morgen vom KLM aus nach Gusen marschieren mussten.
Im März 1940 waren die ersten Baracken fertig.In den nächsten Monaten kamen weiter 4.000 polnische Intellektuelle nach Gusen zur „Umschulung“.
Gusen bestand aus 34 Baracken, davon 24 Häftlingsbaracken, zwei Werkstatt- und Magazinbaracken sowie sechs Krankenbaracken, denen im Winter 1943/44 noch vier weitere folgten. Außerdem gab es noch zwei Steingebäude. Die Häftlinge des Außenlagers Gusen I mussten unter anderem in den Gusener Steinbrüchen, im Stollenbau und in der Waffenindustrie arbeiten, wo sie beispielsweise Flugzeugmotoren für Daimler-Benz herstellten. Dieser Tarnname lautete „Georgenmühle“.
Am 9. März 1944 wurde das Lager Gusen II eröffnet. Es war für 10.000 Häftlinge gebaut worden, welche im Stollenausbau, für die Steyr-Daimler-Puch AG und in der Produktion von Bauteilen für Maschinenpistolen sowie in der Teileproduktion für Düsenjäger arbeiten mussten. Die Tarnnamen von Gusen II waren einerseits ebenfalls „Georgenmühle“ für die Produktion der Maschinenpistolenbauteile, andererseits „Esche II“ für die Teilproduktion für Düsenjäger.
Ungefähr zehn Monate später, im Dezember 1944, wurde Gusen III für weitere 262 Häftlinge eröffnet. Die Häftlinge von Gusen III mussten beim Bau der Großbäckerei Lungitz und in einem Ersatzteillager der Messerschmitt GmbH helfen.
Da die Außenlager Gusen I, II und III reine Arbeitslager waren, wurden dort sofort alle Häftlinge, die krank oder schwach waren, ermordet beziehungsweise hingerichtet.
In den Nebenlagern waren insgesamt 67.677 Häftlinge inhaftiert, von denen 31.535 offiziell getötet wurden, wozu noch ca. 2.500 Ermordete kommen, die nicht in den Todeslisten aufgeführt wurden. Zu diesen Zahlen muss man allerdings auch die 2.630 Häftlinge zählen, die in Schloss Hartheim ermordet wurden. Die Nebenlager Gusen wurden, wie das KLM, am 5. Mai 1945 von der US-Armee befreit, welche nur noch 2.000 erschöpfte Häftlinge vorfand.
Ebensee
Das Nebenlager Ebensee wurde auf Befehl Hitlers erbaut, nachdem in der Nacht vom 17. auf den 18. August 1943 die wichtigsten Produktionsstätten für die V2-Raketen durch alliierte Luftangriffe zerstört worden waren. Hitler verlangte von seinem Rüstungsminister, dass die Produktionsstätten in unterirdische Stollen verlegt werden sollten. So beschloss der Rüstungsrat, die Produktion in Höhlen am Traunsee zu verlegen. Diese Höhlen existierten allerdings noch nicht. Daher wurden zwei Monate später, am 8. November 1943, die ersten Häftlinge in die Nähe der Ortschaft Ebensee verlegt, um Häftlings- und Werkstättenbaracken zu bauen. Als Tarnnamen für diese KZ-Anlagen wurden „Zement“, „Kalksteinwerke“ und „Solvay“ gewählt. Die Häftlinge mussten unter größten körperlichen Anstrengungen innerhalb kürzester Zeit die Stollen bis zu 250 Meter in den Berg hineintreiben. Das gesamte Stollensystem war durch ein Schienensystem untereinander verbunden. Es sollte ein Raketen-Entwicklungswerk mit Prüfständen entstehen, wo die Interkontinentalrakete „A 9“ produziert werden sollte, und Ende 1944 wurde in den Ebenseer Stollen mit der Errichtung einer Schmierölraffinerieanlage begonnen. Die Raffinerie begann dann auch im Februar 1945 zu produzieren. Letztendlich sollten noch im Frühjahr 1945 in der Anlage B Motoren für Panzer und Flugzeuge hergestellt werden.
Nach der Zerstörung des Bahnhofs in Attnang-Puchheim wurde die sogenannte „Todeskolonne“ täglich teils per Viehwagen, teils zu Fuß zum Bahnhof transportiert, um ihn wieder aufzubauen.
Die Lebensbedingungen in Ebensee waren schlechter als die in allen anderen Nebenlagern. Während des langen Winters vom November 1943 bis Juni 1944, wo erst die letzten Schneereste verschwanden, mussten die Häftlinge zum Teil barfuß bleiben, da es nicht genug Schuhe gab. Die Häftlinge waren auch sonst mehr als unzureichend bekleidet. Hinzu kam, dass sie täglich 10 bis 12 Stunden in den Stollen arbeiten mussten. Der leitende SS-Offizier, Otto Riemer, war ein Trinker und Sadist, der es richtiggehend genoss, Häftlinge zu quälen und zu töten. Außerdem gab es in Ebensee die auf Menschen dressierte Dogge „Lord“, die mehrmals Häftlinge zerfleischte. In Zeit von November 1943 bis Mai 1945 starben in Ebensee 8.745 Häftlinge. Ende April 1945 gab es 18.437 Häftlinge in Ebensee. Einen Tag vor der Befreiung der Lagers, am 5. Mai 1945, versuchte der Lagerkommandant noch, die Häftlinge in die Stollen zu treiben. Sie leisteten allerdings einen so starken Widerstand, dass der Lagerkommandant das Vorhaben fallen ließ.
Am 6. Mai 1945 wurde das Lager Ebensee von Soldaten der 3. US-Panzerarmee befreit. Ihnen bot sich ein Bild des Grauens. Durch spontan eingeleitete Hilfsaktionen, die der Pfarrer aus der Wiener Hofburg, Dr. Franz Loidl, leitete und bei denen die Armee der USA tatkräftig mithalf, konnten einige Überlebende gerade noch vor dem Tod gerettet werden.
Melk
Das Außenlager Melk wurde am 11. April 1944 für 500 Häftlinge eröffnet und bestand genau ein Jahr lang. Wie die Häftlinge im Nebenlager Ebensee, mussten auch die Häftlinge in Melk, zu denen viele Kinder und Jugendliche gehörten, Stollen in den Berg treiben. Das Nebenlager Melk lief unter dem Tarnnamen „Quarz“, da die Stollen im Großteil durch Quarzgestein getrieben wurden. Die Häftlinge mussten in drei Schichten ohne Sicherheitsvorkehrungen und bei ungenügender Sicherung der Stollen arbeiten. Es kam daher auch oft zu Todesfällen und regelmäßig mussten Transporte aus Mauthausen „Häftlingsnachschub“ bringen. Im Winter 1944/45 wurden dann sechs Stollen fertig gestellt, alle für die Steyrwerke-AG, die dort Kugellager produzieren ließ.
Während des gesamten Bestehens des KZs kamen 5.000 Häftlinge ums Leben. Viele von ihnen wurden, wie in anderen Lagern, entweder mit Herzinjektionen getötet, „auf der Flucht erschossen“ oder in Schloss Hartheim vergast. Wie in den anderen Lagern, wurden viele von ihnen auch von ihren Bewachern ermordet. Am 11. April 1945 wurde das Lager geräumt, da die alliierten Truppen immer näher kamen. Die Kinder und Jugendlichen kamen nach Mauthausen, die Erwachsenen nach Ebensee.
Linz
Auch in Linz war ein Außenlager bei den damaligen Hermann-Göring-Werken, der heutigen VOEST. Hier mussten Zwangsarbeiter im Stahlwerk aus ganz Europa unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Da das Stahlwerk ab 1944 ein vorrangiges Ziel der alliierten Luftangriffe darstellte, kamen auch im Zuge dieser Angriffe viele Häftlinge ums Leben.
Guntramsdorf / Wiener Neudorf
Das KZ-Nebenlager wurde am 2. August 1943 unter dem Namen "KL Wiener Neudorf" gegründet. Es lag großteils auf dem heutigen Gemeindegebiet von Guntramsdorf. Das gesamte Lager bestand aus etwa 80 Holzbaracken (inkl. Fremd- bzw. Zwangsarbeiterlager), davon 34 Gebäude im eigentlichen KZ-Gelände, das von einem elektrisch geladenen Zaun umgeben war.
Mit zusätzlichen Arbeitskräften sollte der Aufbau und die Produktion der Flugmotorenwerke beschleunigt werden. Aus dem KZ Mauthausen wurden daher vor allem Häftlinge, die über Erfahrung in der Metallverarbeitung und mit Bauarbeiten besaßen, angefordert.
Bis zu 3.170 KZ-Häftlinge (Höchststand Sept. 1944) wurden zwischen 1943 und 1945 in den Flugmotorenwerken, den Firmen Steyr-Daimler-Puch AG, Rella & Co., Hofman und Maculan, Himmelstoß und Sittner, Ing. Czernilowski und Saurerwerke Zehethofer sowie in kleineren Betrieben und der Landwirtschaft in den Gemeinden Guntramsdorf, Wiener Neudorf, Laxenburg, Achau und Wien als Zwangsarbeiter eingesetzt.
Siehe auch: Liste der Außenlager des KZ Mauthausen
Bekannte Opfer des KZ Mauthausen
- Henryk Slawik († 24. oder 25. August 1944)
- Peter van Pels († 5. Mai 1945; Tag der Befreiung) Berühmt geworden als Mitbewohner von Anne Frank im Amsterdamer Hinterhaus
Siehe auch
- Liste der Konzentrationslager im Dritten Reich
- Aribert Heim
- A Letter To The Stars
- Mühlviertler Hasenjagd
- Simon Wiesenthal
Literatur
- Sexualisierte Gewalt. Weibliche Erfahrungen in NS-Konzentrationslagern. Helga Amesberger, Katrin Auer, Brigitte Halbmayr, Wien 2004
Weblinks
- [http://www.nationalsozialismus.at/Themen/Nationalsoz/lager.htm Konzentrationslager in Österreich]
- [http://www.mauthausen-memorial.at offizielle Seite der Gedenkstätte]
- [http://www.sbg.ac.at/rom/ag/moderne/homepage/holocaust_index.htm Salzburger Mauthausen-Projekt]
- [http://www.mkoe.at Mauthausen-Komitee Österreich]
- [http://www.gedenkverein.at Gedenkverein KZ-Nebenlager Guntramsdorf / Wiener Neudorf]
Kategorie:Oberösterreich
Mauthausen
Kategorie:Österreichische Geschichte
KonzentrationslagerKonzentrationslager (englisch concentration camp) ist eine Bezeichnung für verschiedene Formen von Gefangenenlagern. Die ersten "Concentration Camps" ließ der britische Stabschef General Horatio Herbert Kitchener während des Burenkrieges (1899-1902) in Südafrika einrichten, um 120.000 Farmbewohner, vor allem Frauen und Kinder, in diesen "Konzentrationslagern" zu internieren. Der Begriff wird im Deutschen meist KZ abgekürzt und seit der Zeit des Nationalsozialismus mit den Vernichtungslagern assoziiert. Woher das Kürzel stammt, ist unklar; daneben gab es damals auch die von Nazi-Funktionären verwendete Abkürzung KL. Nach Eugen Kogon ("Der SS-Staat") gaben SS-Wachmannschaften "KZ" wegen seines härteren Klanges den Vorzug.
Der Begriff
Der Begriff bezeichnet alle möglichen Arten von Sammel-, Internierungs- und Arbeitslagern, sagt aber nichts über den Zweck eines solchen Lagers aus. Sammellager für Kriegsgefangene, Strafgefangenen- und Strafarbeitslager waren schon längere Zeit verbreitet, daneben entwickelte sich ab dem 19. Jahrhundert die Form des Internierungs- oder Auffanglagers im Kontext von Vertreibung, Auswanderung und kolonialistischer Eroberung.
Seit der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland 1933–1945 verbindet man den Begriff jedoch vor allem mit der gezielten staatlichen Verfolgung und Ermordung von Andersdenkenden und anderweitig gesellschaftlich Ausgegrenzten, insbesondere mit der Verfolgung der europäischen Juden und dem Holocaust. Die Nazis selbst verwendeten ihn, ohne zwischen den während ihrer Gewaltherrschaft errichteten Arbeitslagern und Vernichtungslagern zu unterscheiden. Sie nannten ihre KZs zynisch auch "Würdegarten" oder "Konzertlager", in denen den Juden und Marxisten die "richtigen Flötentöne beigebracht werden". Damit verschleierten sie den geplanten und industriell durchgeführten Massenmord an Millionen von Menschen, der ihre Lager von allen bisherigen Gefangenenlagern unterscheidet. Neonazi-Kreise propagieren solche Ausdrücke dennoch gern heute noch.
Vor diesem Hintergrund wirkt der Gebrauch des Wortes für alle Arten von Sammellagern leichtfertig. Er soll meist auf massive und eklatante Menschenrechtsverletzungen hinweisen, die verschiedene Lagerarten verbindet. Manchmal werden sogar nach den Genfer Konventionen zulässige Kriegsgefangenenlager fälschlich als "Konzentrationslager" bezeichnet. Dies kann die Vernichtungslager der NS-Zeit zusätzlich verharmlosen.
Gleichwohl sind Konzentrationslager bisher nicht geächtet. Es gibt bis heute Gefangenenlager, die die Genfer Konvention missachten oder ihrem Geltungsbereich entzogen werden (s.u.), auch wenn diese anders genannt werden.
Kriegsgefangenenlager
Definition
Ein Konzentrationslager ist eine Einrichtung, um politische Gegner oder missliebige Menschen aus ethnischen, religiösen oder sozialen Gruppen festzuhalten und zu isolieren. Dies geschieht meistens auf unbestimmte Zeit durch bürokratische, administrative Verwaltungsakte, ohne Gerichtsurteil, ohne die Möglichkeit einer Rechtsvertretung, Verteidigung oder gar des Widerspruches und der Haftprüfung.
In Arbeitslagern müssen die Insassen zudem Zwangsarbeit verrichten. In Vernichtungslagern, zu denen viele deutsche Konzentrationslager zählten, werden sie gezielt ermordet oder kommen durch menschenunwürdige Haftbedingungen, Krankheit, Unterernährung, Erschöpfung, Hitze oder Kälte ums Leben.
Zu den Vorgehensmethoden zählen drastische Bestrafungen, Folter und willkürliche Hinrichtungen. In den Konzentrationslagern des Nationalsozialismus verfolgte man das Programm der "Vernichtung durch Arbeit" (Überschrift: "Arbeit macht frei"). Die NS-Parole der "Erziehung durch Arbeit" fand in den stalinistischen, später auch chinesischen und anderen Umerziehungslagern ihre programmatische Weiterführung.
Ein Internierungslager dient der Kontrolle über politische Gegner oder als politisch unzuverlässig geltende Bevölkerungsgruppen. Ein Kriegsgefangenenlager hat den Zweck der Unterbringung gefangener Soldaten gegnerischer Streitkräfte. Nach der Genfer Konvention haben Internierte und Kriegsgefangene humanitäre Mindestrechte und dürfen auch nicht zur Arbeit gezwungen werden. Diese Regeln wurden und werden oft missachtet.
Es gab auch Gefangene, die durch Gerichtsurteil für eine bestimmte Zeit in ein Arbeitslager oder Konzentrationslager eingewiesen wurden, die Mehrheit der Häftlinge war jedoch ohne Gerichtsverfahren in Unfreiheit. Auch manche Flüchtlingslager unterscheiden sich von den Konzentrationslagern nur in Kleinigkeiten, oft werden Flüchtlinge genau so interniert und isoliert wie andere Missliebige, und deren schlechte Behandlung und Unterbringung soll gezielt weiteren Flüchtlingstrom unterbinden - so beispielsweise die Lager für Vietnamflüchtlinge in Hong Kong und Macao, Flüchtingslager in Australien, auf Nauru und auch anderswo heute. Während des Zweiten Weltkrieg wurden sogar die Flüchtlingslager in der Schweiz "Konzentrationslager" genannt. Das karge Leben dort war jedoch keinesfalls mit dem Dasein und Sterben in den Konzentrationslagern des Nationalsozialismus vergleichbar.
Es ist oft auch für den objektiven Beobachter schwer, die verschiedenen Lagertypen voneinander abzugrenzen. Allen Lagertypen ist gemeinsam, dass die Menschenrechte der Insassen missachtet und verletzt werden.
Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland
Die in der Zeit des Nationalsozialismus etablierten Konzentrationslager sind weltweit am bekanntesten: Liste der Konzentrationslager im Dritten Reich.
Man schätzt heute, dass insgesamt sechs Millionen Juden in den Lagern des Dritten Reiches ermordet oder an Folgen von Misshandlungen und Krankheiten gestorben sind. Es wurden viele andere ermordet: Homosexuelle, geistig behinderte,... . Die Anzahl der Toten ist bis heute unklar, da am Ende des Krieges keine Ermordungen mehr festgehalten wurden. Das NS-Regime betrieb damals im Reichsgebiet und den besetzten Gebieten mehr als 24.000 Lager, einschließlich aller Außenlager.
Historische Entwicklung
Die ersten in Deutschland errichteten Lager waren Arbeitslager im beschriebenen Sinne. In diese Lager wurden zunächst Mitglieder der von den Nationalsozialisten sofort verfolgten und verbotenen KPD und alsbald auch der SPD als so genannte "Schutzhäftlinge" eingeliefert. Bald wurden auch viele andere Gruppen, insbesondere Juden (siehe Holocaust), Zigeuner, Homosexuelle, Vertreter der großen Konfessionen (katholische und evangelische Geistliche, Angehörige der Bekennenden Kirche), insbesondere aber religiöse Minderheiten (beispielsweise die Bibelforscher wegen ihrer konsequenten Verweigerung des Kriegsdienstes), und andere politische Gegner sowie Kriegsgefangene (insbesondere aus der Sowjetunion) in Konzentrationslagern inhaftiert.
Arbeitslager
Auch die Arbeitslager dienten der Vernichtung, nämlich durch Arbeit. Menschen, die keine Arbeit mehr leisten konnten, wurden, soweit sie nicht an den unmenschlichen Bedingungen von selbst zugrunde gingen, ermordet, insbesondere durch Erschießen. Diejenigen Kranken, die nicht in voraussichtlich vier Wochen wieder arbeitsfähig waren, wurden vom medizinischen Personal mit Phenol oder anderem zu Tode gespritzt. Auch in den Arbeitslagern überlebten viele Gefangene nur kurze Zeit.
Im Verlauf des Krieges erlangten die Arbeitslager eine kriegswichtige Funktion, die zu dem Vernichtungsziel in gewissem Gegensatz stand. Die Lager waren Produktionsstätten der SS, zunächst zur Gewinnung von Natur- und Ziegelsteinen, später in vielen anderen Bereichen. Außerdem wurden Arbeitskräfte an die (Rüstungs-)Industrie ausgeliehen. Der bekannteste Fall betrifft die IG Farben. Praktisch die gesamte Großindustrie machte von solchen Zwangsarbeitern Gebrauch.
Vernichtungslager
Vernichtungslager wurden zu dem einzigen Zweck errichtet, jüdische Menschen, Sinti, Roma (und auch andere Minderheiten), Homosexuelle und andere Missliebige mit Hilfe von Gaskammern beziehungsweise Gaswagen massenhaft zu ermorden. Der nationalsozialistische Mordapparat konzentrierte sich dabei auf Menschen jüdischen Glaubens, in wesentlich geringerem Umfang zählten aber auch Menschen aus anderen Gruppen zu den Opfern, so z. B. russische Kriegsgefangene. Lager dieses Typs wurden zwischen Dezember 1941 und Juli 1942 in Chelmno im Wartheland, Belzec, Sobibor und Treblinka im Generalgouvernement, sowie Maly Trostinez in Weißrussland errichtet.
Etwas anders gelagert sind die Fälle KZ Auschwitz-Birkenau und Majdanek. In beiden Konzentrationslagern wurden erst nach Inbetriebnahme der ersten Vernichtungslager Gaskammern zum Massenmord an Juden eingerichtet. Wegen der ungeheuren Opferzahl werden daher auch Auschwitz-Birkenau und Majdanek zu den Vernichtungslagern gezählt. Anders als die erstgenannten Vernichtungslager waren sie aber zugleich Konzentrationslager im herkömmlichen Sinn.
Vernichtungslager unterscheiden sich weiter von Konzentrationslagern durch die Zahl jüdischer Opfer. In allen KZs zusammen, Birkenau und Majdanek ausgenommen, kamen weniger Juden um als im kleinsten Vernichtungslager. Auschwitz-Birkenau ist zwar das weltweit bekannteste aller Vernichtungslager, dennoch ist nachgewiesen, dass im erheblich weniger bekannten Treblinka deutlich mehr jüdische Menschen vergast wurden als in Auschwitz-Birkenau.
Es erscheint wissenschaftlich nicht haltbar und ethisch bedenklich, die Judenvernichtungslager unter "Konzentrationslager" zu subsumieren und dadurch letzten Endes Verharmlosungen Vorschub zu leisten, denn allein in Auschwitz wurden über eine Million Juden ermordet.
Organisation
Insgesamt gab es 23 KZ-Stammlager, die selbstständig waren und denen weit über 1.000 Außenlager als "Außenkommandos" organisatorisch unterstellt waren. Diese Stammlager waren in Deutschland die Konzentrationslager Arbeitsdorf, Bergen-Belsen, Buchenwald, Dachau,
Flossenbürg, Groß-Rosen, Dora-Mittelbau, Neuengamme, Ravensbrück, Sachsenhausen und Niederhagen-Wewelsburg, in Österreich Mauthausen, in Polen
Auschwitz I Stammlager, Auschwitz-Monowitz, Majdanek, Warschau, Plaszow und Stutthof, in Estland Waiwara, in Litauen Kauen, in Lettland
Riga-Kaiserwald, in Frankreich Natzweiler-Struthof sowie in den Niederlanden Herzogenbusch. Waren die Häftlinge als Arbeitskräfte nicht bzw. nicht mehr einsetzbar, wurden sie umgebracht oder in die 7 Vernichtungslager transportiert.
Diesem System waren Durchgangslager und Sammellager vorgeschaltet. Abgetrennte Stadtteile wurden als Ghettos bezeichnet, welche es in Europa längst nicht mehr gab. Allein in Osteuropa gab es ca. 600 Ghettos, in denen mindestens 4 Millionen Menschen zwischenzeitlich interniert wurden.
Medizinische Experimente
An Erwachsenen und Kindern wurden von Ärzten wie Josef Mengele (Auschwitz), Robert Ritter (KZ Buchenwald) u.a. medizinische Experimente vorgenommen, die dadurch meist qualvoll starben. Sie wurden mit Fleckfieber ([http://www.gesch.med.uni-erlangen.de/gewissen/ausstell/fleck/text_03.htm]) infiziert, um Impfstoffe zu testen, ebenso geschah es mit dem Infizieren durch TBC Erreger, dem Beifügen von Brandbombenverletzungen ([http://www.stiftung-evz.de/soperss/medizinische_versuche_uebersicht.html]) und der Durchführung von Salzwasserversuchen an diesen Personen. Der Nürnberger Ärzteprozess fand vom 9. Dezember 1946 bis zum 20. August 1947 vor dem Ersten Amerikanischen Militärgerichtshof in Nürnberg statt. Angeklagt war u.a. der Abteilungsleiter für Tropenmedizin am Robert-Koch-Institut in Berlin Dr. med. Gerhard Rose für die Fleckfieberversuche an Sinti und Roma in Buchenwald ([http://www.gesch.med.uni-erlangen.de/gewissen/ausstell/fleck/text_04.htm]). Weiterhin wurde der SS-Hauptsturmführer Dr. med. Waldemar Hoven, Lagerarzt KZ Buchenwald angeklagt.
Quellengrundlage für die Experimente in Buchenwald sind das Stationstagebuch von Dr. med. Erwin Ding-Schuler SS-Hauptsturmführer, Aussagen von europäischen Medizinern die im KZ inhaftiert waren sowie Häftlingen wie der österreichische Soziologe und Philosoph Eugen Kogon, der 1946 unter dem Titel Der SS-Staat über das Leben in Buchenwald berichtete. Die Publikation der vollständigen Dokumentation, der Wortprotokolle, des Anklage- und Verteidigungsmaterials erfolgte erst 1999 durch den Saur-Verlag München die Analyse dazu liefert 2001 Angelika Ebbinghaus/Klaus Dörner (Hg.): Vernichten und Heilen. Der Nürnberger Ärzteprozess und seine Folgen.
Die Bundesärztekammer weigert sich, diese Edition finanziell zu unterstützen. Erst Einzelspenden von 8.000 Ärzten ermöglichen sie.
Todesarten der KZ-Häftlinge
Die Todesursachen der Häftlinge wurden im Aktenverkehr der NS-Organe zum Zweck der Geheimhaltung häufig chiffriert. Als Kürzel wurden die Aktenzeichen verwendet, unter denen der Aktenvorgang bei der Inspektion der Konzentrationslager(IKL) (1) bearbeitet wurde.
Folgende Chiffre-Formen wurden verwendet:
- 14 f 1 : "natürliche Todesfälle"
- 14 f 2 : "Freitod oder Tod durch Unglücksfall"
- 14 f 3 : "Erschießung auf der Flucht"
- 14 f I : "Exekution"
- 14 f 13 : "Sonderbehandlung kranker und gebrechlicher Häftlinge" (siehe auch: Aktion 14f13, Sonderbehandlung)
Siehe auch: SS, Zyklon B, Kapo, Wannsee-Konferenz, Nürnberger Kriegsverbrechertribunal Schutzhaft, Jugendkonzentrationslager, Arbeitserziehungslager
Verschiedene Lager aus der Geschichte
Erste Lager
Erstmalig wurden 1838 von der US-Armee die Cherokee-Indianer vor ihrer zwangsweisen Umsiedlung in Lagern gefangengehalten. Diese Maßnahme wurde vom Präsidenten Andrew Jackson angeordnet, um den "Indian Removal Act" durchzusetzen. Die Cherokee erinnern sich noch heute an den "Trail of Tears" ihrer Umsiedlung.
Auch die in der Folgezeit von den USA angelegten Indianerreservationen für zahlreiche indigene (eingeborene) Ethnien sind als Konzentrationslager anzusehen: Die Menschen wurden aus rassistischen Motiven unter inhumanen Umständen auf Gebieten festgehalten, die ein eigenes Auskommen unmöglich machten und dazu führten, dass Kinder, Frauen und auch Männer verhungerten. Flucht oder Gegenwehr wurden mit dem Tod bestraft.
Die Geschichte des Begriffes Konzentrationslager beginnt wohl im kubanischen Unabhängigkeitskampf gegen Spanien 1868-1898, als zunächst der spanische General Valmaseda und später in weitaus größerem Umfang General Valeriano Weyler y Nicolau anordneten, dass sich diejenigen Bauern, die nicht als Aufständische behandelt werden wollen, in befestigten Lagern konzentrieren müssen, den so genannten campos de reconcentración. (siehe auch: Guerilla)
Der Begriff "concentration camp" (Konzentrationslager) wurde danach vom Militär Großbritanniens benutzt, um die im Burenkrieg (1899-1902) angelegten Lager zu beschreiben. Frauen und Kinder der Buren sowie Afrikaner, die im Burengebiet lebten, wurden in Lagern in Südafrika zusammengetrieben. Obwohl diese Lager keine speziellen Vernichtungslager waren, bedingten die schlechte Ernährung sowie die schlechten hygienischen Verhältnisse eine hohe Sterblichkeitsrate. Hier starben etwa 26 000 Frauen und Kinder. Die Offenlegung der Verhältnisse in Südafrika durch Emily Hobhouse führte dort zu einer Entspannung der Situation.
Auch die deutschen Kolonialtruppen setzten in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika beim Völkermord an den Herero und Nama entsprechende Lager ein. Nach Angaben der deutschen Militärverwaltung starben zwischen Oktober 1904 und März 1907 insgesamt 7.682 Inhaftierte. Die Sterblichkeit betrug je nach Lager zwischen 30 und 50% der insgesamt Gefangenen.
In Deutschland wurden um 1920 die ersten als ‘Konzentrationslager’ bezeichneten Einrichtungen zur Abschiebung unter anderem in Stargard errichtet. In diesen Lagern wurden vor allem jüdische EinwandererInnen aus Osteuropa aber auch Sinti und Roma interniert. Sie wurden 1923 nach Protesten aufgrund der unmenschlichen Bedingungen aufgelöst.
Nordamerika
Im Ersten Weltkrieg internierte Kanada tausende von Ukrainern, und zwang diese 'feindlichen Fremden' zur Arbeit in Stahlindustrie und Forstwirtschaft.
Im Zweiten Weltkrieg wurden amerikanische Staatsbürger japanischer, deutscher und italienischer Herkunft in Lagern interniert, ohne jedoch Zwangsarbeit oder der Vernichtung ausgesetzt zu sein.
Seit dem Afghanistan-Krieg als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 werden Talibankämpfer und mutmaßliche Al-Quaida-Terroristen von der US-Armee in großer Zahl in Guantanamo Bay (Kuba) gefangen gehalten. Die amerikanische Regierung gewährt ihnen nicht den Kriegsgefangenenstatus. Sie besitzen also keine Rechte, außer denen, die die US-Armee für sie vorsieht.
Es gibt inzwischen einzelne Häftlinge, die sich mit viel Mühe als unschuldig erklären konnten und einen von der US-Regierung gestatteten Anwalt erhalten haben.
Sowjetunion und Osteuropa
Das zur Zeit des Stalinismus in der Sowjetunion existierende Lagersystem wird heute oft als "Gulag" bezeichnet, nach der Hauptabteilung des sowjetischen Innenministeriums, die maßgeblich für ihre Verwaltung zuständig war.
Sie dienten als Gefangenlager sowohl für "gewöhnliche" Kriminelle als auch für politische Opponenten und waren in erster Linie Arbeitslager.
Alexander Solschenizyn hat in seinen Werken "Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch" und "Archipel Gulag" die Haftbedingungen literarisch offengelegt. Viele Bauvorhaben, beispielsweise der Ostsee-Weißmeer-Kanal, die Stadt Norilsk oder die Moskauer Universität, wurden von Lagerhäftlingen gebaut.
"Der erste Kreis der Hölle" beschreibt die "Sharashka", in denen Wissenschaftler und Ingenieure gezwungen wurden, für den Staat zu arbeiten.
Von 1930 bis 1959 haben insgesamt etwa 18 Millionen Menschen das Lagersystem durchlaufen, mindestens 1,5 Millionen Menschen sind im Lager umgekommen. Die Schätzungen der Opfer der Jahrzehnte des leninistischen und stalinistischen Terrors sind jedoch schwierig, manche gehen in mehrere Millionen.
Unter der Herrschaft Lenins und Stalins konnte es passieren, dass jemand wegen einer kritischen Äußerung im Familienkreis oder wegen des Diebstahls eines Apfels denunziert und verhaftet wurde. Während des Großen Terrors (1937-38) wurden von der Staats- und Parteiführung Verhaftungsquoten festgelegt, die dazu führten, dass eine Vielzahl Unschuldiger inhaftiert und verurteilt wurden, viele darunter zu Lagerhaft. Derartige Urteile stützten sich meist auf vom Geheimdienst fabrizierte "Beweise" oder auf unter Folter erpresste Geständnisse. Sehr vage und undeutlich war insbesondere der berüchtigte Paragraph 58 des sowjetischen Stafgesetzbuches, der "konterrevolutionäre Verbrechen" betraf. Sogar "Verbeugung vor dem Westen", "das Äußern von Hoffnungen auf das Ende des Kommunismus" und "der beabsichtigte Versuch der Spionage" waren strafbar.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in Osteuropa Menschen, die wirklich oder angeblich mit dem deutschen Kriegsgegner zusammengearbeitet hatten oder selbst Deutsche waren, in Lagern interniert (zum Beispiel in der Tschechoslowakei und Polen).
Die Bedingungen für die deutschen Kriegsgefangenen entsprachen ebenfalls nicht den Vorschriften der Genfer Konvention, und viele Menschen starben oder überlebten nur mit Folgeschäden.
Unter der kommunistischen Diktatur Nicolae Ceauşescus in Rumänien "verschwanden" Regimekritiker in Gefängnissen und Irrenhäusern. Ceauşescus Versuch, die Anzahl der Rumänen zu vergrößern, führte zur Einrichtung von "Kinder-GULAGs" für behinderte oder überzählige Kinder, wie beispielsweise in Cighid.
Italien
Die größten Konzentrationslager des faschistischen Italiens
In italienischen Konzentrationslagern im besetzten Dalmatien und der besetzten nordkroatischen Küste Bakar, Kraljevica, Molat, Rab, Zlarin wurden von 1941- 1943 einige zehntausend gefangener Zivilisten festgehalten.
Zwangsarbeit und widrige Lebensumstände kosteten zahlreiche Insassen, die nicht gleich hingerichtet wurden, das Leben.
Die Lager in Molat und in Rab (34% der Insassen überlebten nicht) waren als Todeslager besonders berüchtigt.
- (...Hier fehlen weitere Daten und Kommentare...)
Jugoslawien
Zur Zeit der deutschen Okupation Jugoslawiens, während des 2. Weltkrieges, wurden von der faschistischen Ustascha [http://lexikon.idgr.de/u/u_s/ustascha/ustascha.php] und Kollaborateuren Konzentrationslager errichtet.
Diese befanden sich in: Topovske Supe, Sabac und Jasenovac. [http://www.antisemitismus.net/osteuropa/jugoslawien.htm]
In den Konzentrationslagern wurden 66000 jugoslawische Juden ermordet. Dies entspricht in etwa 83 % der damals dort ansässigen jüdischen Bevölkerung. Es starben auch Nazigegner sowie Sinti und Roma.
Die Gefangenen starben nicht durch Gas, sondern wurden vielfach erschlagen, erhängt, lebend verbrannt und andere grausame Tötungsarten.[http://lexikon.idgr.de/u/u_s/ustascha/ustascha.php] Für das Lager Jasenovac sind folgende Opferzahlen recheriert: "30.000 Serben, 15.000 Juden, 20.000 Roma und 20.000 kroatische Oppositionelle, die in Jasenovac durch Mord, Krankheit, Erschöpfung oder Hunger zu Tode kamen."[http://lexikon.idgr.de/u/u_s/ustascha/ustascha.php]
In der Zeit der militärischen Intervention der NATO gegen die Bundesrepublik Jugoslawien zu Ende der 90er Jahre, fand die kriegsvorbereitende Propagandalüge von der Existenz serbischer Konzentrationslager, weite Verbreitung. [http://www.kefk.net/Politik/Massenmedien/Manipulationen/Serbische.Konzentrationslager/index.asp] Ein Titel der auflagenstärksten deutschen Zeitung, Bild, vom ??.??.1999, welcher einen von serbischer Armee eskortierten Flüchtlingszug zeigt, wurde mit der Schlagzeile "Sie treiben sie ins KZ" unterlegt. Durch die militärische und politische Führung[http://www.gegeninformationsbuero.de/frameset.html?/krieg/jugos_brosch_propa.htm][http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/aktuell/Scharping.html] der NATO wurden zahlreiche Presseenten zu diesem Thema lanciert. [http://www.wdr.de/online/news/kosovoluege/sendung_text.pdf] [http://www.freitag.de/1999/16/99160102.htm] Neben der Existenz von serbischen Konzentrationslagern wurde kriegsvorbereitend auch von Vergewaltigungslagern gesprochen.[http://www.japs-jena.de/archiv/flugi/da_ist_alles_gelogen.htm]
Spanien
Auch in Francos Spanien richteten die Falangisten zahlreiche Konzentrationslager ein, über deren Existenz auch zwei Jahrzehnte nach der Diktatur immer noch sehr wenig bekannt ist.
Griechenland
Unter der Diktatur von Georgios Papadopoulos gab es auch in Griechenland für Regimegegner zahlreiche Konzentrationslager von denen die Öffentichkeit
und insbesondere der Tourismus keine Kenntnis hatten.
Kroatien
Das während des zweiten Weltkrieges selbständige Kroatien errichtete nach dem Vorbild des deutschen Reichs für seine Gegner, aber auch hauptsächlich für die serbische, jüdische und antifaschistische kroatische Bevölkerung Konzentrationslager, die jüdische Bevölkerung wurde auch willig den deutschen Mördern ausgeliefert. Im Konzentrationslager Jasenovac wurden Zehntausende Serben, Juden, Sinti und Roma und Kroaten (Antifaschisten) umgebracht. Die Zahlen schwanken zwischen 60.000 und 700.000 Menschen.[http://www.hagalil.com/archiv/99/03/jasenovac.htm]
Japan
In den besiegten Ländern richteten im Zweiten Weltkrieg auch die japanischen Besatzer zahlreiche Konzentrationslager ein, die Umstände waren den deutschen Vorbildern ähnlich, besonders traurig war das Schicksal der vielen koreanischen Sklavenarbeiter und noch mehr der vielen Tausenden von jungen chinesischen und koreanischen Frauen, die als Trostfrauen (Zwangsprostituierte) den japanischen Frontsoldaten zur Verfügung gestellt wurden. Zudem wurden medizinischen Versuche an russischen, chinesischen und anderen Gefangenen, bei denen beispielsweise mit Krankheitserregern experimentiert wurde, durchgeführt. In diesem Zusammenhang tritt besonders die Einheit 731 hervor. Das offizielle Japan hat bis heute keine Stellung zu dieser Kriegsschuld bezogen und auch nie Entschädigungen an die Opfer bezahlt.
USA
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges richteten die USA Concentration-Camps für alle potentiell gefährlich werden könnenden Bürger japanischer oder deutscher Abstammung ein. Aber auch Menschen mit anderem Hintergrund wurden zwangsinterniert (z.B. Zeugen Jehovas). Bekannt wurden insbesondere die kalifornischen Camps, weil sich dort die meisten japanstämmischen Familien aufhielten. Ein Gerichtsbeschluss war für die Zwangseinweisungen nicht nötig.
Heute betreiben die USA ein Lager auf Kuba (US-Stützpunkt Guantanamo Bay) für Menschen, die der Unterstützung des Terrors verdächtigt werden. Von offizieller Seite wird die Bezeichnung als "concentration camp" zurückgewiesen, jedoch genügt bereits der bloße Verdacht der aktiven Unterstützung des Terrors für eine Inhaftierung ohne ein nach der US-Verfassung zwingend vorgesehenes Gerichtsverfahren. Kritiker sehen damit alle wesentlichen Kriterien eines Konzentrationslagers als erfüllt an. Es gibt ernste Anzeichen, dass die Haftbedingungen für die Internierten, welche von Menschenrechtsorganisationen scharf gerügt werden, den Insassen physisch und psychisch massiv schaden. Auch das IKRK hat nach Informationen der New York Times im November 2004 gegenüber der US-Regierung die Haftbedingungen in ungewöhnlich scharfer Form kritisiert und von Folter gesprochen. [http://www.g26.ch/texte_027_guantanamo_01.html]. Wiederholte Medienberichte weisen ebenfalls in diese Richtung. [http://www.faz.net/s/Rub28FC768942F34C5B8297CC6E16FFC8B4/Doc~E20DBFDA9778949E2A428464736F03979~ATpl~Ecommon~Scontent.html]
Die völkerrechtliche Zulässigkeit des Lagers in Guantanamo, aber auch die Rechtmäßigkeit nach der US-Verfassung ist äußerst umstritten. Einige US-Gerichte haben das Festhalten von Verdächtigen ohne ordnungsgemäßen Gerichtsprozess inzwischen als illegal bezeichnet, so zum Beispiel Hens Joyce Green, Richter am District Court for the District of Columbia in seinem Urteil [http://news.findlaw.com/hdocs/docs/gitmo/inregitmo13105opn.pdf] vom 31. Januar 2005. Eine endgültige gerichtliche Klärung der Rechtmäßigkeit nach US-Recht steht jedoch noch aus.
Australien, Neuseeland, Schweiz
Während beider Weltkriege wurden fast überall Staatsangehörige von Kriegsgegenparteien in Internierungslager eingesperrt, in der Schweiz auch Menschen, die zuvor noch dem Schicksal eines Nazi-KZ geflohen waren.
Diese Lager wurden ganz ungeniert auch Konzentrationslager genannt, das Wort hatte damals noch einen anderen, rationalen Klang. Jedoch waren die Lebensbedingungen darin auf keinen Fall mit denen in einem deutschen KZ zu vergleichen.
Kambodscha
In Kambodscha starb unter Pol Pot ein bedeutender Anteil der Bevölkerung. Die gesamte Bevölkerung der Hauptstadt wurde in den Wochen nach der Machtübernahme der Roten Khmer zum Aufbau eines utopischen Agrarkommunismus zur Feldarbeit aufs Land gebracht. Von einer Gesamtbevölkerung von sieben Millionen starben 1,7 bis 2 Millionen Menschen an den Folgen der Zwangsarbeit, verbunden mit Nahrungsknappheit und fehlender medizinischen Versorgung oder wurden ermordet - siehe Tuol-Sleng-Museum, Killing Fields.
Chile
Nach der faschistischen Machtergreifung sperrte die Junta ihre Gegner in Fußballstadien ein, unter freiem Himmel wurden sie der glühenden Sonne, dem Durst und dem Hunger ausgesetzt, aber auch gefoltert und ermordet. In der von Paul Schäfer und anderen faschistischen deutschen Kolonisten gegründeten Colonia Dignidad sind viele Menschen nach dem blutigen Putsch von 1973 ums Leben gekommen oder bis heute verschwunden. Nach der Verhaftung Schäfers im Jahr 2005 fand man umfassende Waffenlager auf dem Gelände.
Siehe auch: Geschichte Chiles
Portugal
In den Jahren 1936–1954, der Salazar-Diktatur, richtete Portugal auf der Insel Kapverden ein Konzentrationslager ein. Am 29.10.1936 kamen die ersten Gefangenen im Lager Tarrafal an. Insgesamt waren in den 17 Jahren des Bestehens des Lagers etwa 340 Gefangene hier konzentriert. Bei ihnen handelte es sich vorwiegend um Matrosen der Organização Revolucionário da Armada die sich am 08.09.1936 an einer Revolte beteiligten, aber auch "Republikaner, antifaschistische Oppositionelle und das gesamte Sekretariat der kommunistischen Partei Portugals PCP" gehörten zu den Eingekerkerten.
In der Zeit ihrer Inhaftierung starben 32 Gefangene, darunter 1940 Mário Castelhano, Führer der Gewerkschaft CGT und Direktor der anarchosyndikalistischen Tageszeitung A Batalha, sowie 1942 der PCP-Generalsekretär Bento Gonçalves.
Ab 1938 war João da Silva Leiter des Konzentrationslagers. Silva besichtigte vorher die deutschen Konzentrationslager. Die Wachmannschaften bestanden aus 25 Mitgliedern der portugisieschen Geheimpolizei PVDE (ab 1945 PIDE), sowie einem Bataillon von über 75 kapverdischen und angolanischen Hilfswächtern. Die Gefangenen wurden zahlreichen Foltermethoden unterzogen.
Fluchtversuche der Gefangenen in den Jahren 1937 und danach scheiterten.
Nach dem Ende des deutschen Faschismus entspannte sich die Lage im Lager. Bis zur Schließung des Lagers am 26.01.1954 starben noch 2 Gefangene. Auch wurden bis zur Schließung die meisten Gefangenen auf das portugisische Festland verlegt oder gar amnestiert.[http://www.jungewelt.de/2005/10-19/012.php]
In den Jahren 1961 - 1974 wurde das Lager für Gefangene aus den antikolonialen Kämpfen genutzt. Es herrschten KZ ähnliche Bedingungen.
Volksrepublik China
Die in der Volksrepublik China Laogai (Umerziehungslager, wörtl. Umerziehung durch Arbeit) genannten Gefangenenlager werden auch als eine Art von Konzentrationslagern angesehen.
Sie wurden nach der Machtergreifung der Kommunistischen Partei eingerichtet. Vor allem Regimekritiker werden dort inhaftiert, es wird allerdings vermutet, dass zur
Erfüllung von Insassenquoten auch andere Häftlinge dort untergebracht werden.
Nach dem Massaker auf dem Tiananmen-Platz von 1989 und der damit verbundenen Machtübernahme von Jiang Zemin wurden und werden in der Volksrepublik wieder Millionen von Dissidenten in Arbeitslagern gefangen gehalten, nachdem in den 70er Jahre durch Deng Xiaopings Reformen viele der politischen Gefangenen freigelassen worden waren.
Darunter befinden sich von der Partei verfolgte Gruppen wie Tibeter, Christen, Demokraten, Falun Gong Übende, Betreiber von Qigong-Schulen, Menschenrechtler, Uiguren, Gewerkschaftler und viele mehr.
Die Lager sind fabrikmäßig organisierte Produktionsstätten. Ihre jährliche Produktionskraft entspricht der eines durchschnittlichen europäischen Landes wie Spanien oder Frankreich.
In chinesischen Propaganda-Filmen werden die Arbeitslager als harmlos hingestellt und Beweise für Misshandlungen und Folter werden von der chinesischen Regierung geleugnet.
Des weiteren gab es vor einigen Jahren Berichte über Waisenheime für ungewollte, von ihren Eltern ausgesetzte oder behinderte Kinder. Als Folge der staatlich verordneten Ein-Kind-Politik werden ungewollte oder behinderte Kinder, oftmals Mädchen, in Heime gegeben. Die Lebensbedingungen in diesen Lagern sind so schlimm, dass 30% bis 50% der Insassen innerhalb kurzer Zeit sterben.
Literatur
- Johannes Tuchel: Die Inspektion der Konzentrationslager 1938-1945, Berlin, ISBN 3894681586
- Eugen Kogon et al.: Nationalsozialistische Massentötungten durch Giftgas. Eine Dokumentation, Frankfurt am Main, 1983
- Stephan Jegielka: Das KZ-Aussenlager Genshagen.Struktur und Wahrnehmung der Zwangsarbeit in einem Rüstungsbetrieb 1944/45, 1. Auflage. Tectum Verlag, Marburg 2005, 3-8288-8895-X
Siehe auch
- Ghetto
- Internierungslager
- Liste der Konzentrationslager
Weblinks
- [http://www.memorial-museums.net Internationale Übersicht von Holocaust-Gedenkstätten und Institutionen]
- [http://www.shoa.de/ Deutschsprachiges Portal zum Thema Shoah und Holocaust]
- [http://www.kz-kaltenkirchen.de/archivtexte/index.htm#Begriffsbestimmung Lager-Arbeitslager-Konzentrationslager - eine Begriffsbestimmung (KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen: Siehe "Archivtexte / Geschichtliches")]
- KZ-Kommando Kaufering/Landsberg und Europäische Holocaustgedenkstätte in freier Trägerschaft der Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert ( http://www.buergervereinigung-landsberg.de )
- [http://www1.jur.uva.nl/junsv/Excerpts/697004.htm Zur Entstehung und Ausführung der Tötungsaktionen durch die "Sonderbehandlung 14 f 13"]
- [http://www.keom.de/denkmal/ Datenbank nationalsozialistischer Lager und Haftstätten]
- [http://www.deathcamps.org www.deathcamps.org auch mit deutschsprachigem Inhalt]
Kategorie:Holocaust
!Konzentrationslager
Kategorie:Nationalsozialismus
Kategorie:Rassismus
Kategorie:SS
Kategorie:Zweiter Weltkrieg
ja:強制収容所
Nationalsozialisten
Nationalsozialismus bezeichnet die totalitäre Weltanschauung und Bewegung, die im Deutschland der 1920er und 30er Jahre politisch wirksam wurde und die ab 1933 zur Errichtung einer Diktatur in einem nach völkischen Kriterien ausgerichteten Staat führte. Ihre Entstehung gründet sich auf die Ablehnung des nach 1918 in Deutschland entstandenen demokratischen Staates, der Weimarer Republik, sowie des geistigen Führungsanspruchs der Kirche und des Kommunismus. Zu ihren Grundlagen zählten ferner der völkische Rassismus und Antisemitismus sowie die Forderung nach einer Revision der infolge des verlorenen Ersten Weltkriegs erlittenen Sanktionen („Schmach von Versailles“). Die nationalsozialistische Weltanschauung lieferte die ideologische Begründung für den ab 1939 in Europa geführten deutschen Eroberungskrieg (Zweiter Weltkrieg) und die Verbrechen des Holocaust.
Begriff
„Nationalsozialismus“ war eine selbstgewählte, propagandistisch motivierte Bezeichnung, die später in der Bundesrepublik übernommen wurde; in der DDR wurde stattdessen (wie im Russischen) die Bezeichnung „Faschismus“ (speziell „Hitlerfaschismus“) verwendet. Die Bezeichnung „Nationalsozialismus“ rührt daher, dass in dem 1920 erschienen Programm der NSDAP tatsächlich eine sozialistische Gesellschaftsordnung gefordert wurde. Die Partei der deutschen Nationalsozialisten war die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Der Begriff Nazismus, in Deutschland eher selten verwendet, ist die wieder eingedeutschte Version des englischen Wortes nazism. In Deutschland wird häufig der negativ konnotierte Begriff Nazi für einen Anhänger des Nationalsozialismus verwendet.
Hauptmerkmale des Nationalsozialismus
Es ist strittig, inwieweit es eine geschlossene nationalsozialistische Ideologie gab. Überliefert ist dazu die Aussage Hans Franks aus den Nürnberger Prozessen, dass es „soviele Nationalsozialismen wie Nationalsozialisten“ gegeben habe. Die Frage muss aber letztlich offen bleiben, weil man lediglich vermuten kann, inwieweit der Nationalsozialismus als Ideologie seinen ‚Führer‘ überdauert hätte, um den herum, als dem absoluten, zentralen Mittelpunkt, das komplette politische System aufgebaut war.
Es lassen sich aber einige Hauptmerkmale benennen:
- Rassismus, insbesondere Antisemitismus, der im Holocaust kulminierte sowie Verherrlichung der „arischen und germanischen Rasse“; siehe auch Nationalsozialistische Rassenideologie (vgl. Rassentheorie und Ariosophie)
- Euthanasie und Eugenik bzw. ‚Rassenhygiene‘ sowie der Glaube an die Möglichkeit einer ‚Höherzüchtung‘ einer Herrenrasse,
- Verwandtschaft zum Faschismus, die sich insbesondere in den Propaganda-Inszenierungen zeigte
- Antimarxismus, Antikommunismus, Antibolschewismus und Antikapitalismus
- Totalitarismus – Ablehnung von Demokratie; Zerschlagung politischer Parteien, Gewerkschaften und freier Presse;
- weitreichned Vollmachten für Geheimdienste und Spitzel; siehe auch Gestapo und Denunziantentum
- Führerprinzip – Konzentration aller Autorität in einer zentralen Führungspersönlichkeit, sowie Projektion dieses Prinzips auf die restlichen Hierarchie-Stufen
- Militarismus - Verteidigung von "Blut und Boden"
- Ideologie der Volksgemeinschaft
- Lebensraumpolitik, „Lebensraum im Osten“
- Berufung auf Preußische Tugenden bzw. die Philosophie des Deutschen Idealismus
Ähnlich wie im Faschismus in Italien, den dessen Urheber Benito Mussolini als „Verschmelzung von Großkapital und Staat“ bezeichnete, wurden die Nationalsozialisten von einzelnen deutschen wie auch ausländischen Unternehmern als Bollwerk gegen den Bolschewismus finanziell unterstützt.
Bolschewismus]]
Der Antisemitismus speiste sich aus verschiedenen, teilweise widersprüchlichen Richtungen. So wurden Juden pauschal für Missstände wie Massenarbeitslosigkeit, Verstädterung, Abwanderung der Landbevölkerung in die Städte, Zersiedelung der Landschaft usw. verantwortlich gemacht. Sie wurden auch als Hintermänner von Marxismus und Kapitalismus dargestellt und als ‚zersetzend‘, einer „minderwertigen Rasse angehörend“ gebrandmarkt.
Der Begriff der Rasse war ein zentraler Begriff nationalsozialistischer Weltanschauung. Es wurde die „Überlegenheit einer arischen Rasse“ über andere Rassen postuliert, wobei „Arier“ fälschlicherweise mit Indogermane gleichgesetzt wurde. Die arische Rasse sollte vor dem schädlichen Einfluss, den die Nationalsozialisten in der ‚Vermischung‘ mit anderen Rassen sahen, bewahrt werden. Die Erhaltung der sogenannten „Reinheit des Blutes“ rechtfertigte z.B. die in den Nürnberger Gesetzen erlassenen Heiratsverbote von Deutschen mit „überwiegend anderer Rasse zugehörigen“ Partnern.
Die Sterilisierung von geistig Behinderten, psychisch Kranken und von Schwerverbrechern sollte verhindern, dass sich ‚krankes‘ Erbgut weitervererben konnte.
Parallel wurde Aufrüstung betrieben, zunächst geheim, dann offen. Sobald die Wehrmacht stark genug sein würde, sahen Pläne Hitlers und anderer hoher Nationalsozialisten vor, gezielt Angriffskriege einzufädeln. Dabei sollte ein Land nach dem anderen isoliert und einzeln ‚niedergekämpft‘ werden. Das Endziel war die Eroberung des kontinentalen Festlands, der Sowjetunion bis zur Linie Archangelsk–Uralgebirge–Kaukasus sowie die Besiedelung dieser Gebiete durch die Deutschen. Die Herrschaft über die besetzten Gebiete sollte durch Vertreibung unerwünschter Bevölkerungsgruppen gestärkt werden.
Machtergreifung des Nationalsozialismus
In Deutschland verpasste Hitler mit der NSDAP bei den Reichstagswahlen Anfang 1933 nur knapp die absolute Mehrheit und schloss infolgedessen vorerst einen Pakt mit dem Zentrum und der DNVP. Hitler wurde als Vorsitzender der stärksten Partei des Reichstags am 30. Januar 1933 Reichskanzler. Obwohl die Nationalsozialisten diesen Tag als Tag der "Machtergreifung" propagierten, kam dieser Vorgang vorerst einem gewöhnlichen Regierungswechsel gleich. Der Brand des Reichstagsgebäudes in Berlin am 27. Februar 1933 veränderte jedoch diese Situation. Die Nationalsozialisten behaupteten, dass der Brandanschlag ein kommunistischer Umsturzversuch sei, beschuldigten mehrere Politiker und schufen sich mit der bereits am Tag darauf erlassenen Notverordnung des Reichspräsidenten Hindenburg nach §48 der Weimarer Verfassung die Möglichkeit, unter Aufhebung der durch die Verfassung garantierten Grundrechte gegen die Opposition, insbesondere die KPD, vorzugehen. Im späteren Reichstagsbrandprozess vom 12. August bis 23. Dezember 1933 wurde der am Tatort verhaftete Holländer M. van der Lubbe zum Tode verurteilt; die mit ihm angeklagten kommunistischen Politiker wurden freigesprochen. Bis heute konnte kein Nachweis erbracht werden, dass van der Lubbe von den Nationalsozialisten oder von den Kommunisten zu der Brandlegung angestiftet wurde.
Die vollständige Machtergreifung gelang den Nationalsozialisten erst durch das Ermächtigungsgesetz, für das sie eine Zwei-Drittel-Mehrheit der anwesenden Abgeordneten benötigten, welche sie durch das Verbot der KPD und einen Pakt mit dem Zentrum und der DNVP auch erlangten. Durch dieses Gesetz wurde die Weimarer Reichsverfassung praktisch beseitigt: Der Reichstag entzog sich am 5. März 1933 selbst die Macht, indem er die Trennung von Exekutive und Legislative aufhob und sich damit selbst überflüssig machte.
Grundlagen und Weiterentwicklungen
Eine ideologische Grundlage des Nationalsozialismus ist die Anfechtung des allgemeinen menschlichen Grundwertes, nach welchem der Mensch seinen Wert als solcher besitzt, das heißt ohne alle Leistung. Die Grundwerte des NS waren darum weder neu noch auf eine bestimmte historische Zeit beschränkt. Sie sind die der Leistungsgesellschaft, nur eben radikal und total. Die Inszenierung der Arbeit, des Körpers, der Technik, das Absinken der Künste auf die Beschwörung des Willens ist genauso Ausdruck dieser Sicht des Menschen wie das System der Arbeitslager und die Vernichtung sogenannten „unwerten Lebens“. (Siehe auch Asoziale) Der Versailler Vertrag und die Folgen der Weltwirtschaftskrise der zwanziger Jahre öffneten der Leistungsideologie und dem Gefühl, um die eigene Leistung betrogen zu sein, weit die Tore. Anders aber zeigt das Beispiel des Antisemitismus, gegründet auf dem Mythos, die jüdische Kultur lebe auf Kosten der deutschen, die geringe Bindung der Leistungswerte zur Wirklichkeit.
Wesentliche Elemente der NS-Ideologie wurden von Adolf Hitler in seinem Buch Mein Kampf niedergeschrieben. Das Buch galt als Grundlage aller anderen Schriften des Nationalsozialismus. Als bedeutender Ideologe wird daneben Alfred Rosenberg angesehen, der mit seinem Buch "Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts" eine sehr weite Verbreitung seiner Gedanken erreichen konnte. Der "Mythus" Rosenbergs wurde zusammen mit Hitlers "Mein Kampf" in den Grundstein der riesigen Kongresshalle in Nürnberg eingemauert, um die Grundlagen des Nationalsozialismus für die Zukunft zu bewahren. Gleichwohl wurde Rosenbergs Buch sogar von führenden NS-Politikern nicht sehr ernst genommen. Besonders Goebbels soll über Rosenberg immer wieder gespottet haben.
Eine eigene Weiterentwicklung der nationalsozialistischen Ideologie nahm Heinrich Himmler vor. Die bereits bei Rosenberg vorhandenen Bezugspunkte zu Indien wurden in den SS-Einrichtungen wie den "Ordensburgen" (die Himmler als Elite des Systems verstand) ausgebaut. Esoterische Lehren mit deutlichen östlichen Einflüssen, die teilweise von der SS übernommen wurden, haben das Kriegsende überdauert und leben - meist als unpolitische religionsähnliche Lehren - bis heute fort. Himmler betrieb auch eine Europäisierung der Ideologie. Ein bekanntes Produkt dessen sind die Freiwilligen-Einheiten der "Europäischen SS" aus vielen Ländern; jedoch gab es auch Konzepte für einen europäischen Wirtschaftsraum.
Häufig nahm der Nationalsozialismus religiöse Züge an. Auf den Reichsparteitagen wurde der Nationalsozialismus geradezu zelebriert, was durch den Film "Triumph des Willens" der Regisseurin Leni Riefenstahl besonders herausgearbeitet und verstärkt wurde. Das Verhältnis des Nationalsozialismus zur christlichen Religion war daher auch zwiespältig. Einerseits gab es den Versuch, mit einem "Deutschen Christentum" die Religion für den Nationalsozialismus einzuspannen. Andererseits aber gab es antichristliche Elemente bei Rosenberg und eine völlige Abwendung vom Christentum durch die Himmlersche Bezugnahme auf Buddha und vorbuddhistische indische Schriften. Die Haltung der Religionen und derer Vertreter während des NS-Regimes muss differenziert gesehen werden (siehe hierzu Religion während des Nationalsozialismus).
Hinzu kam der "Blut-und-Boden-Mythos" und die Verherrlichung des Bauernstandes (der "Nährstand") sowie eine gewisse Nostalgie. Viele Nationalsozialisten lehnten die Verstädterung und die zunehmende Industrialisierung ab und sehnten sich nach einem Land, das wie eh und je von Bauern bestellt wurde. Auch Heinrich Himmler hatte solche Gedanken, als er vorschlug, die eroberten Gebiete der Sowjetunion mit Bauern zu besiedeln, die zugleich Soldaten ("Wehrbauern") waren. Russen, Ukrainer und Polen sollten die Landarbeiter, das Hauspersonal, die Bauarbeiter oder die Hilfsarbeiter stellen.
Errichtung der NS- Diktatur:
30.1 .1933:
Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum Reichskanzler
Dies markierte das Ende der Weimarer Republik und den Beginn der Diktatur des Nationalsozialismus
27.2.1933:
Reichstagsbrand. Ein geistig verwirrter zündet den Reichstag an. ( Wahrscheinlich war es NSDAP selbst )
28.2.1933:
Reaktion auf den Reichstagsbrand: „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“:
Sie setzt sämtliche Grundrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft
( Meinungs /Presse/Vereins/Versammlungsfreiheit)
Der Reichstagsbrand lieferte die Begründung für die Gefangennahme vieler Parlamentsmitglieder.
5.3.1933:
Ebene 2 Überschrift
Festlegung von Neuwahlen: NSDAP erzielt Stimmenanteil von 44%.
Im Vorfeld der Wahl kommt es zu Überfällen auf politische Gegner von SA und SS
21.3.1933:
Tag von Potsdam: Gemeinsames Auftreten Hindenburgs und Hitlers am Grabe Friedrich des Großen
23.3.1933:
Reichstag verabschiedet mit 94 Gegenstimmen der SPD das Ermächtigungsgesetz:
Inhalte:
· Reichsregierung kann alle Gesetze auch gegen die Verfassung beschließen
· Reichsregierung hat die ganze Macht
· Reichskanzler verkündet Gesetze
· Wahrung der Rechte des RP,RT,RR
· Aufhebung der Gewaltenteilung
Begründung Hitlers:
· Zustimmung des RT verschleppt Entscheidungen, schadet der Autorität und dem Ansehen der Regierung
· Aufgrund der revolutionären Erregung wäre die Tagung des Reichstages eine Provokation
· Mehr Stabilität durch klare Mehrheiten
· Bestand der Länder, Kirchen, RR und RT wird nicht beseitigt
31.3.1933:
Gleichschaltung der Länderparlamente durch Anpassung der Mandatsverteilung an die Reichstagswahlen vom 5.3.1933. D.h. sie haben das Wahlergebnis auf alle Parlamente übertragen und die NSDAP hatte somit die automatische Mehrheit-
7.4.1933:
Auflösung der Landesregierungen und Einsetzung von Reichsstatthaltern, die für die Durchführung der Richtlinien des RK in den Ländern verantwortlich sind( alle von der NSDAP)
7.4.1933:
Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums: Beamte können jederzeit gekündigt werden, wenn sie nicht arischer Abstammung sind oder jederzeit rückhaltlos für den nationalsoz. Staat eintreten
6.5.1933:
Auflösung der Gewerkschaften: Wurden von SA und SS besetzt die Führer in Haft genommen und die Gewerkschaftsvermögen beschlagnahmt.
Wurden durch die DAF ( Deutschearbeiterfront) ersetzt
Sommer 1933:
Beginn der Parteienauflösung:
Verbot der SPD am 222. Juni
Selbstauflösung der bürgerlichen Parteien Ende Juni auf Druck Hitlers
NSDAP verbleibt einzige Partei
Dezember 1933:
Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat: NSDAP wird als beherrschende Staatspartei bestätigt. Das heißt: NSDAP= Staat
30.1.1934
Gesetz über den Neuaufbau des Landes: Volksvertretungen der Länder werden aufgehoben ihre Rechte gehen auf das Reich über. Landesregierungen unterstehen nun endgültig der Reichsregierung-
14.2.1934:
Reichsrat als Verfassungsorgan wird aufgehoben.
April 1942: Volksgerichtshof erhält Status eines Sondergerichtes.( Richter und NSDAP Mitglieder)
1.8.1942:
Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches:
Das Amt des Reichspräsidenten wird mit dem des Reichskanzlers vereinigt. Die bisherigen Befugnisse des Reichspräsidenten gehen auf Adolf Hitler über.
Wie wurde Hitler möglich?
1. Institutionelle Rahmenbedingungen: die verfassungsmäßigen Rechte und Möglichkeiten des Reichspräsidenten, zumal beim Fehlen klarer parlamentarischer Mehrheiten
2. Ökonomische Entwicklung: Hohe Inflationsrate/ Arbeitslosenrate
3. Politische Kultur: Republikferne/ Eliten waren gegen Demokratie
4. Soziale Umschichtungen: Umschichtungen im Mittelstand mit Konsequenzen für politische Orientierung und Wahlverhalten
5. Ideologische Faktoren: Extremer Nationalismus( verstärkt durch Kriegsniederlage). Hoffnung auf „starken Mann“/ Führerwahrung
6. Massenpsychologische Momente: Erfolgschancen der Propaganda infolge politischer Labilität der breiten Bevölkerungsmasse.
7. Rolle einzelner Persönlichkeiten: Hindenburg, Schleicher, Papen
Zitat
:"Ich betrachte das Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie als potentiell bedrohlicher denn das Nachleben faschistischer Tendenzen gegen die Demokratie."
::Theodor W. Adorno (Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit? 1959)
Literatur
- Wolfgang Benz: Geschichte des Dritten Reiches, ISBN 3423308826
- Sebastian Haffner: Anmerkungen zu Hitler, Kindler Verlag, 1978, ISBN 3596234891
- Franz Neumann: Behemoth. Struktur und Praxis des Nationalsozialismus 1933-1944 Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M., 1984
- Der Nationalsozialismus. Dokumente 1933-1945, herausgegeben und kommentiert von Walther Hofer, Fischer Taschenbuch Verlag, Reihe Bücher des Wissens, Erstausgabe 1957, ISBN 3-436-00183-X
- Michael Ruck, Bibliographie zum Nationalsozialismus, 2 Bde. m. CD-ROM, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2000, ISBN 3534149890
- Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus, Marixverlag, ISBN 3937715487
- Rüdiger Sünner: Schwarze Sonne, Herder Spektrum Verlag, Freiburg im Breisgau 1999, ISBN 3-451-05205-9,
- F.P. Heller/A. Maegerle: Thule. Vom völkischen Okkultismus bis zur neuen Rechten. Schmetterling-Verlag. Stuttgart, 1998.
- Reinhard Kühnl: Der deutsche Faschismus in Quellen und Dokumenten. Pahl-Rugenstein, Köln.
- Karin Neidhart: Nationalsozialistisches Gedankengut in der Schweiz. Eine vergleichende Studie schweizerischer und deutscher Schulbücher zwischen 1900 und 1945, Peter Lang Verlag : Bern u.a. 2004, ISBN 3-631-51892-7
- Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus. Berlin: de Gruyter 2000, ISBN 311016888X.
- Kurt Pätzold, Manfred Weißbecker: Geschichte der NSDAP, Köln 2002 ISBN 3894381345
- Vinnai, Gerhard: Hitler – Scheitern und Vernichtungswut. Zur Genese des faschistischen Täters. Psychosozial-Verlag. Gießen 2004. ISBN 3-89806-341-0
Errichtung der NS- Diktatur:
30.1 .1933:
Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum Reichskanzler
Dies markierte das Ende der Weimarer Republik und den Beginn der Diktatur des Nationalsozialismus
27.2.1933:
Reichstagsbrand. Ein geistig verwirrter zündet den Reichstag an. ( Wahrscheinlich war es NSDAP selbst )
28.2.1933:
Reaktion auf den Reichstagsbrand: „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“:
Sie setzt sämtliche Grundrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft( Meinungs /Presse/Vereins/Versammlungsfreiheit)
Der Reichstagsbrand lieferte die Begründung für die Gefangennahme vieler Parlamentsmitglieder.
5.3.1933:
Festlegung von Neuwahlen: NSDAP erzielt Stimmenanteil von 44%.
Im Vorfeld der Wahl kommt es zu Überfällen auf politische Gegner von SA und SS
21.3.1933:
Tag von Potsdam: Gemeinsames Auftreten Hindenburgs und Hitlers am Grabe Friedrich des Großen
23.3.1933:
Reichstag verabschiedet mit 94 Gegenstimmen der SPD das Ermächtigungsgesetz:
Inhalte:
· Reichsregierung kann alle Gesetze auch gegen die Verfassung beschließen
· Reichsregierung hat die ganze Macht
· Reichskanzler verkündet Gesetze
· Wahrung der Rechte des RP,RT,RR
· Aufhebung der Gewaltenteilung
Begründung Hitlers:
· Zustimmung des RT verschleppt Entscheidungen, schadet der Autorität und dem Ansehen der Regierung
· Aufgrund der revolutionären Erregung wäre die Tagung des Reichstages eine Provokation
· Mehr Stabilität durch klare Mehrheiten
· Bestand der Länder, Kirchen, RR und RT wird nicht beseitigt
31.3.1933:
Gleichschaltung der Länderparlamente durch Anpassung der Mandatsverteilung an die Reichstagswahlen vom 5.3.1933. D.h. sie haben das Wahlergebnis auf alle Parlamente übertragen und die NSDAP hatte somit die automatische Mehrheit-
7.4.1933:
Auflösung der Landesregierungen und Einsetzung von Reichsstatthaltern, die für die Durchführung der Richtlinien des RK in den Ländern verantwortlich sind( alle von der NSDAP)
7.4.1933:
Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums: Beamte können jederzeit gekündigt werden, wenn sie nicht arischer Abstammung sind oder jederzeit rückhaltlos für den nationalsozialistischen Staat eintreten
6.5.1933:
Auflösung der Gewerkschaften: Wurden von SA und SS besetzt die Führer in Haft genommen und die Gewerkschaftsvermögen beschlagnahmt.
Wurden durch die DAF ( Deutschearbeiterfront) ersetzt
Sommer 1933:
Beginn der Parteienauflösung:
Verbot der SPD am 222. Juni
Selbstauflösung der bürgerlichen Parteien Ende Juni auf Druck Hitlers
NSDAP verbleibt einzige Partei
Dezember 1933:
Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat: NSDAP wird als beherrschende Staatspartei bestätigt. Das heißt: NSDAP= Staat
30.1.1934
Gesetz über den Neuaufbau des Landes: Volksvertretungen der Länder werden aufgehoben ihre Rechte gehen auf das Reich über. Landesregierungen unterstehen nun endgültig der Reichsregierung-
14.2.1934:
Reichsrat als Verfassungsorgan wird aufgehoben.
April 1942: Volksgerichtshof erhält Status eines Sondergerichtes.( Richter und NSDAP Mitglieder)
1.8.1942:
Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches:
Das Amt des Reichspräsidenten wird mit dem des Reichskanzlers vereinigt. Die bisherigen Befugnisse des Reichspräsidenten gehen auf Adolf Hitler über.
Wie wurde Hitler möglich?
1. Institutionelle Rahmenbedingungen: die verfassungsmäßigen Rechte und Möglichkeiten des Reichspräsidenten, zumal beim Fehlen klarer parlamentarischer Mehrheiten
2. Ökonomische Entwicklung: Hohe Inflationsrate/ Arbeitslosenrate
3. Politische Kultur: Republikferne/ Eliten waren gegen Demokratie
4. Soziale Umschichtungen: Umschichtungen im Mittelstand mit Konsequenzen für politische Orientierung und Wahlverhalten
5. Ideologische Faktoren: Extremer Nationalismus( verstärkt durch Kriegsniederlage). Hoffnung auf „starken Mann“/ Führerwahrung
6. Massenpsychologische Momente: Erfolgschancen der Propaganda infolge politischer Labilität der breiten Bevölkerungsmasse.
7. Rolle einzelner Persönlichkeiten: Hindenburg, Schleicher, Papen
Phasen der Verfolgung:
Die Entrechtung und Verfolgung der Juden begann direkt nach der „Machtergreifung“. Das erste Konzentrationslager wurde - zunächst noch vor allem für politische Gegner - schon 1933 in Dachau eingerichtet
1. Schritt: ab 1921
· Boykott-Aktionen gegen jüdische Geschäfte
· Beginn der Ausgrenzung der Juden aus dem öffentlichem- und wirtschaftlichem Leben
· Durch einen Arierparagraphen wurden „Nicht-Arier“ zuerst aus dem öffentlichen Dienst entfernt ( durften keine Beamte mehr sein)
· dieser Paragraph wurde auf immer mehr Bereiche ausgedehnt und auch von Vereinen, Verbänden und anderen Gruppierungen übernommen
· -Judenstern/Ghettos
2. Schritt: 10.Mai 1933
· Bücherverbrennung
· „undeutsche Bücher“ wurden auf dem Opernplatz in Berlin öffentlich verbrannt.
· z, B. Heinrich Heine oder Karl Marx
3. Schritt: 15.September 1935
Nürnberger Gesetze
· sie erklären den Juden zu Staatsbürger minderen Rechts
· Sie verlieren das aktive und passive Wahlrecht
Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre
· Eheschließungen und außerehelichen Geschlechtsverkehr zwischen Juden und ,,Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes" verboten, Zuwiderhandlungen galten als ,,Rassenschande"_ Gefängnis- oder Zuchthausstrafe
· außerehelicher Verkehr zw. Juden und Dt. verboten
Bedeutung:
· stellten gesetzliche Grundlage zur Diskriminierung, Verfolgung und Vernichtung
der Juden dar
· Juden Menschen 2. Klasse, wehrlos, Rechte genommen
· weiterer Schritt auf dem Weg zur vollständigen Pervertierung des Rechtsstaates
· auf diesen Gesetzen bauten weitere Rassengesetzgebungen des NS-Staates auf
Ziel: ,,politische und biologische Scheidung des jüdischen Volkes vom deutschen Volke
· März 1936 Kinderreiche jüdische Familien keine Beihilfe mehr
· Oktober 1936 Verbot Nichtjuden Privatunterricht von jüdischen Lehrern
· April 1937 Juden an Uni kein Doktortitel mehr erwerben
· April 1937 jüdische. Ärzte verlieren Krankenkassenzulassung
· Juli 1938 dann auch die Erlaubnis der Berufsausübung
4. Schritt: 9/10. November 1938
· April 1938 Juden gezwungen Vermögen zu deklarieren, wenn über 5000 RM
· Mai 1938 Juden von der Vergabe öffentlicher Aufträge ausgeschlossen
· November 1938 jüdischen Kindern der Besuch an dt. Schulen untersagt
·
„Reichskristallnacht“ der befohlene Pogrom (russ.: Unwetter, Verwüstung)
· Es kommt zu Progromen gegen die jüdische Bevölkerung
· 91 Juden werden ermordet, über 7000 Geschäfte verwüstet
· Für die angerichteten Schäden mussten Juden t 1 Milliarde Reichsmark zahlen
· Alles jüdische Eigentum wird beschlagnahmt
· Bewegungsfreiheit wird eingeschränkt( Ausgehverbote, Einzug der Führerscheine)
· 3000 Juden werden verhaftet
· Bedeutung:
· Endgültiger Ausschluss aus dem WIrtschaftsleben
· Einleitung der endgültigen Ausgrenzung der dt. Juden aus sozialen und
ökumenischen Bereichen :Dezember 1938 Autofahren verboten
· 1939: Es kommt zu ersten Erschießungen polnischer Juden durch Einsatztruppen der Sicherheitspolizei-
· Im Oktober finden bereits Deportationen von Juden im neu errichteten Polen statt
· Noch im selben Monat wird die Euthanasie- Verordnung , die Ermordung von 120 000 geistig behinderter Menschen eingeleitet.
5. Schritt: ab 1941
· Ghettoisierung (Warschauer Ghetto)
· Mit dem schnellen Vordringen der dt. Truppen in die Sowjetunion befinden sich millionen osteuropäischer Juden im deutschen Herrschaftsbereich.
· Es beginnen Sonderkommandos auf dem eroberten Gebiet mit Erschießungen
· Auswanderung wird ihnen untersagt, müssen Judenstern tragen
Auf der Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 wurden von führenden Verwaltungsgrößen des NS-Regimes geheim die Weichen für die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“ gestellt.
· Mit den dort gefassten Beschlüssen wurde der direkt hinter der Front schon begonnene Völkermord an den europäischen Juden auf eine gemeinsame organisatorische Basis gestellt und die Ermordung auf industrieller Grundlage mit Hilfe von Massenvergasungen für die Nationalsozialisten „effizienter“ geregelt.
· Die Verwertung des Eigentums der vernichteten Juden wurde bis ins Detail geregelt.
· In Auschwitz wird noch im selben Monat mit der Ermordung der Juden in Gaskammern begonnen
·
6. Endlösung
· Mit der Ausdehnung der Endlösung auf alle Gebiete Europas, die unter dt. Herrschaft stehen, werden Juden vonüberallher in die Vernichtungslager deportiert.
· Nur einige Länder wie Italien, Rumänien und Ungarn ( bis 1944) leisten Widerstand gegen die Deutschen
· Bis zum Kriegsende werden in KZ über 5 Millionen Juden ermordet
· Zu den Opfern zählen auch 500 000 Sinti und Roma, politische Gegner, „Assoziale“, Kriminelle.
· Systematische und fabrikmäßige Ermordung von Juden in den Konzentrationslagern ( z.B. Auschwitz)
· Vor dem Eintreffen alliierter Armeen werden viele KZ zerstört( Auschwitz 1944).
· Die noch Überlebenden werden verlegt ( Todesmärsche)
Endlösung der Judenfrage" oder auch kurz "Endlösung" ist die in der Zeit des Nationalsozialismus von den Machthabern benutzte Bezeichnung für die planmäßige Vertreibung und Ermordung der Juden in Deutschland und im deutschen Machtbereich in den Jahren 1941 bis 1945. Es handelt sich somit um die euphemistische Umschreibung für die Planung und Realisierung des Holocaust.
Weblinks
- [http://www.bpb.de/publikationen/01646950938424722470412600973617,0,0,Nationalsozialismus_II.html Nationalsozialismus II] Informationen zur politischen Bildung (Heft 266)
- [http://www.shoa.de/nationalsozialismus.html Nationalsozialismus] Ausführlicher Artikel beim Arbeitskreis Shoa.de
- [http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/ LEMO]
- [http://www.nationalsozialismus.at Nationalsozialismus in Österreich]
- [http://www.doew.at/thema/terror/chron.html Opfer des Terrors der NS-Bewegung in Österreich 1933-1938]
- [http://www.documentarchiv.de/ns.html Chronologische Abfolge wichtiger politischer Entscheidungen von 1933 - 1945 mit Gesetzestext]
- [http://www.ns-archiv.de Dokumente zum Nationalsozialismus]
- [http://www.documentarchiv.de/wr/1920/nsdap-programm.html Das Programm der NSDAP]
Nationalsozialismus
Kategorie:Rassismus
Kategorie:Rechtsextremismus
ja:ナチズム
simple:Nazism
Mauthausen
Mauthausen ist eine Marktgemeinde in Oberösterreich im Bezirk Perg im Mühlviertel mit 4.850 Einwohnern. Der zuständige Gerichtsbezirk ist Mauthausen.
Zwischen 1938 und 1945 lag auf dem Gemeindegebiet das KZ Mauthausen.
Geografie
Mauthausen liegt auf 265 m Höhe im Mühlviertel. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 6,9 km, von West nach Ost 3,3 km. Die Gesamtfläche beträgt 14 km². 10,7 % der Fläche sind bewaldet, 66,4 % der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt.
Ortsteile der Gemeinde sind: Albern, Bernascheksiedlung, Brunngraben, Haid, Hart, Heinrichsbrunn, Hinterholz, Marbach, Mauthausen, Oberzirking, Reiferdorf, Ufer, Vormarkt.
Wappen
Offizielle Beschreibung des Gemeindewappens: In Blau auf einem schwarzen, aus dem silbernen, gewellten Schildfuß mit blauen Wellenbändern ragenden Felsen ein silberner Schlossbau mit drei Ecktürmchen und friesbogenförmiger Krönung, schwarzen Fensteröffnungen, roten, schwarz bewimpelten Dächern und geschlossener, roter, eisenbeschlagener Ausfallspforte. Die Gemeindefarben sind Rot-Weiß-Blau.
Geschichte
Von der Römerzeit bis ins Spätmittelalter
Mauthausen ist altes Siedlungsgebiet. Funde aus der Jungsteinzeit, hoch auf den Granitfelsen über den Donauauen, zeugen davon. Hier, am linken Donauufer, gegenüber der Ennsmündung, kreuzten sich zwei Handelswege: Von Westen nach Osten verlief die Schiffsroute der Donau bzw. die Limesstraße entlang der römischen Reichsgrenze (ab dem 6. Jh. v. Chr.), von Süden her die noch viel ältere Salz- und Eisenstraße mit einer Furt über die Donau, einem kurzen steilen Aufstieg auf den Höhenrücken und nordwärts weiter nach dem späteren Böhmen und Mähren. Die Errichtung des römischen Standlagers Lauriacum (heute Lorch, Stadtteil von Enns; 212 zur römischen Provinzstadt erhoben) und die Anlage eines Hafens am gegenüberliegenden Tabor (Felshügel) betonen diesen wichtigen Standort.
Ende des 10. Jahrhunderts gründeten die Babenberger eine Mautstätte. Rund um das Mauthaus hat sich wohl bald eine Siedlung gebildet. 1208 wurde der Name „Muthusen“ für die Ansiedlung zum ersten Mal erwähnt.
Als Zollstätte und Warenumschlagsplatz erreicht der Ort Wohlstand und erhält eine Reihe von Privilegien: eine eigene Marktordnung, niedere Gerichtsbarkeit, Stapelrecht, Straßenzwang. 1335 bezeichnet das Urbar von Baumgartenberg den Ort als „freien Markt“. 1446 bestätigt (der spätere Kaiser) Friedrich III. das Recht, „mit Stock und Galgen“ zu richten und hob damit Mauthausen aus der Reihe der einfachen Märkte heraus.
Kirchlich gehörte Mauthausen zur Pfarre Ried in der Riedmark (823 erstmals erwähnt) und damit zur Diözese Passau, bis 1122 das Gebiet an das Stift St. Florian fiel. 1420 wurde es zur Filiale mit eigenem Seelsorger für die Kirchen St. Nikolaus (am Berg) und St. Heinrich (an der Donau) erhoben.
Die weitere Entwicklung
Im Jahr 1424 wurden viele Häuser des Marktes von den Hussiten zerstört. Von 1544 bis 1599 hielten protestantische „Prädikanten“ Gottesdienst in der Heinrichskirche, ab 1578 gab es wieder katholische Messen in der Nikolai-Kirche. Drei evangelische Bürger des Marktes wanderten mit ihren Familien aus, um ihrem Glauben treu bleiben zu können. 1613 wird Mauthausen eine selbständige Pfarre. Sie ist dem Stift St. Florian inkorporiert.
Der Markt mit seinen Rechten war an verschiedene Pfandherren vergeben, u. a. an den Herzog von Bayern, an das Domkapitel zu St. Stephan in Wien und an Geschlechter der Umgebung. Die Herrschaft gelangte 1490 an Lasla von Prag. Dieser errichtete auf einer kleinen Felseninsel in der Donau zur Befestigung des Ortes das „Schloss Pragstein“. Von diesem ein Stück stromaufwärts wurde erstmals 1505 eine stabile Brücke über die Donau geschlagen. Zwischen den Inhabern des Schlosses und den Marktbürgern kam es immer wieder zu Streitigkeiten. Von 1552 bis 1790 unterstand der Markt dem Marktgericht.
Die Bauernkriege des 16. und 17. Jahrhunderts sowie der Dreißigjährige Krieg und die Türkeneinfälle gingen nicht spurlos an Mauthausen vorüber. Die Verkehrslage brachte den Durchzug von Soldaten mit sich. Kaiser Ferdinand II., Kaiser Leopold I., Kaiser Karl VI. und Kaiser Franz II. besuchten Mauthausen. Am 4. Oktober 1762 betrat der wohl berühmteste Gast Mauthausen: der sechsjährige Wolfgang Amadeus Mozart auf der Durchreise zur Kaiserin Maria Theresia. Unter Joseph II. wurde Mauthausen landesfürstlicher Markt. In den Franzosenkriegen wurde der Ort zweimal geplündert.
Die „Fliegende Brücke“ (1821), ein Fährschiff mit Verankerung am Schloss Pragstein, und die Eisenbahnbrücke (1871/72) für die Bahnlinie St. Valentin – Budweis brachten wirtschaftlichen Aufschwung.
Vor allem aber die Steinbrüche mit Granit von europaweit bester Härte lösten allmählich den Salzhandel ab. Viele Steinpflasterungen in Linz, Wien und Budapest, Brückenbauten und Fundamentierungen stammen aus den zahlreichen Abbaustellen entlang der Donau. Die Möglichkeit der Verschiffung trug zum Aufschwung bei. Bis zu 1.200 Steinarbeiter fanden Beschäftigung. Allerdings bedeutete jede Rezession am Bau auch Arbeitslosigkeit und Verelendung.
Das 20. Jahrhundert
Während des Ersten Weltkrieges befand sich im Osten des Gemeindegebietes ein Kriegsgefangenenlager. Russen, Serben und vor allem Italiener (zeitweise 40.000 Mann) waren auf dem weiten Gelände entlang der Bahnstrecke inhaftiert. An die 9.000 fanden den Tod. Ein internationaler Soldatenfriedhof erinnert an sie.
Zeitgeschichtlich Interessierte verbinden "Mauthausen" mit der Erinnerung an ein deutsches Konzentrationslager während der siebenjährigen Herrschaft des Nationalsozialismus in Österreich. Im Westen des Gemeindegebietes (Wiener Graben) dienten von 1938 bis 1945 ausgedehnte Anlagen der Internierung von etwa 200.000 Menschen im KZ Mauthausen. Ungefähr 4.500 Juden wurden vergast, ca. 110.000 Menschen verstarben an unmenschlichen Arbeits- und Haftbedingungen.
Zum Schicksal der Bürger Mauthausens gehören die Hochwasser der Donau. Überschwemmungen der Schiffslände und der anliegenden Häuser kehrten vor Donauregulierung und Kraftwerksbauten alle Jahre mehrmals wieder; oftmals auch das Eis, das Brücken und Fähren zu schaffen machte. Große Hochwasserkatastrophen gab es zuletzt in den Jahren 1954 und 2002.
Politik
Bürgermeister ist Erwin Wohlmuth von der SPÖ.
Einwohnerentwicklung
1991 hatte die Gemeinde laut Volkszählung 4.403 Einwohner, 2001 dann 4.850 Einwohner.
Weblinks
- [http://www.mauthausen.at Gemeinde Mauthausen]
- [http://www.mauthausen-memorial.at/ KZ-Gedenkstätte Mauthausen]
- [http://www.pfarre.mauthausen.at Katholische Pfarrgemeinde Mauthausen]
- [http://www.ff.mauthausen.at Freiwillige Feuerwehr Mauthausen]
- [http://www.musik.mauthausen.at Marktmusik Mauthausen]
Kategorie:Ort in Oberösterreich
Perg
Perg ist eine im oberösterreichischen Mühlviertel gelegene Bezirkshauptstadt. Sie liegt auf einer Seehöhe von 250 m im unteren Mühlviertel und hat ca. 7.400 Einwohner.
Geografie
Perg liegt inmitten des Bezirkes Perg auf 250 m Höhe im Mühlviertel am nördlichen Rand der fruchtbaren Machlandebene am Übergang zu den Ausläufern des Böhmischen Granitplateaus wenige Kilometer nördlich der Donau. Das Gemeindegebiet grenzt im Westen an Schwertberg, im Norden an Allerheiligen und Windhaag, im Osten an Münzbach und Arbing, im Süden an Mitterkirchen und Naarn.
Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 8,1 km, von West nach Ost 6,3 km. Die Gesamtfläche beträgt 26,5 km². 17,7 % der Fläche sind bewaldet, 68,7% der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt.
Die Naarn durchfließt die Gemeinde von Nord nach Süd, zuerst in einem engen, tiefeingeschnittenen Durchbruchstal, dann im Machland im regulierten Bett des Naarnkanals.
Auch verkehrspolitisch bildet Perg eine wichtige Drehscheibe: Bahn, Bundesstraße und die Umfahrung erschließen den Bezirk in westöstlicher Richtung.
Ortschaften: Auhof, Aisthofen, Dörfl, Karlingberg, Kickenau, Lanzenberg, Lehenbrunn, Mitterberg, Pergkirchen, Thurnhof, Tobra, Weinzierl, Zeitling.
Wappen
Offizielle Beschreibung des Gemeindewappens: In Rot auf schwarzem Dreiberg ein silbernes, auf der mittleren und hinteren Kuppe stehendes, aufgerichtetes Einhorn. Die Gemeindefarben sind Rot-Weiß-Schwarz.
Geschichte
Ursprünglich im Ostteil des Herzogtums Bayern liegend, gehörte der Ort seit dem 12. Jahrhundert zum Herzogtum Österreich. 1269 gewährte König Ottokar von Böhmen, damals auch Herzog von Österreich, den Bürgern von Perg Handelsvorrechte. 1349 starben ein Drittel der Bewohner an der Pest. Seit 1490 wird der Ort dem Fürstentum 'Österreich ob der Enns' zugerechnet. 1542 wurde Perg eine selbstständige Pfarre. Während der Napoleonischen Kriege war der Ort mehrfach besetzt. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum "Gau Oberdonau", | | |