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Kultur
Kultur (lat. cultura), Pflege (des Körpers, aber primär des Geistes), später im Kontext mit dem Landbau, aus colere, bebauen, (be)wohnen, pflegen, ehren, (ursprünglich etwa) emsig beschäftigt sein, ist die Gesamtheit der menschlichen Leistungen. Dies schließt einerseits physische Dinge wie Werkzeuge ein, aber auch die durch den Menschen hervorgerufene Veränderung der Natur, die geistigen Hervorbringungen der Menschheit wie Schrift und Kunst sowie die sozialen Organisationsformen, in denen die Menschen zusammenleben. Der Begriff der Kultur steht insofern in Zusammenhang mit dem Begriff der Zivilisation und der sie erhaltenden menschlichen Arbeit. Der Begriff wird einerseits generell auf die Menschheit als Ganzes bezogen, andererseits aber auch als Zusammenfassung der Lebensumstände einer bestimmten Ethnie oder Region (beispielsweise die amerikanische Kultur) oder historischen Phase (z.B. die minoische Kultur). Frühe Kulturen haben entscheidend mit der gesellschaftlichen Praxis der Ernährung ihrer Träger zu tun (Jäger- Hirten/Nomaden- oder Bauernkultur).
Definition
Das Wort Kultur (von lat. cultura: Landbau, Pflege, auch des Körpers und Geistes) bezeichnet im Deutschen: 1. die Pflege und Bebauung des Bodens, die Zucht von Bakterien - 2. die Gesamtheit der geistigen und künstlerischen Lebensäußerungen einer Gemeinschaft bzw. eines Volkes und - bezogen auf einzelne Menschen - seine Bildung, Gesittung und verfeinerte Lebensweise. Kultur ist die Summe aller Bestrebungen, die Grundbedürfnisse der menschlichen Natur zu befriedigen; eingeschlossen sind die Hilfsmittel dazu sowie die Erträge dieser Leistung ( z.B. Arbeitsgeräte, Techniken, sittliche, religiöse und politische Ordnungen).
Weitere Definitionsmöglichkeiten
William James Durant gibt in seinem Werk (Kulturgeschichte der Menschheit) folgende populäre Definition. Dieser Kulturbegriff spart prähistorische Kultur aus:
:"Kultur ist soziale Ordnung, welche schöpferische Tätigkeiten begünstigt. Vier Elemente setzen sie zusammen: Wirtschaftliche Vorsorge, politische Organisation, moralische Traditionen und das Streben nach Wissenschaft und Kunst. Sie beginnt, wo Chaos und Unsicherheit enden. Neugier und Erfindungsgeist werden frei, wenn die Angst besiegt ist, und der Mensch schreitet aus natürlichem Antrieb dem Verständnis und der Verschönerung des Lebens entgegen."
Nach Albert Schweitzer ist Kultur "Fortschritt, materieller und geistiger Fortschritt der einzelnen wie der Kollektivitäten". Der Fortschritt bestehe "zunächst darin, dass für die Einzelnen wie für die Kollektivitäten der Kampf ums Dasein herabgesetzt" werde. Letztes Ziel der Kultur ist nach Albert Schweitzer "die geistige und sittliche Vollendung des Einzelnen":
:"Der Kampf ums Dasein ist ein doppelter. Der Mensch hat sich in der Natur und gegen die Natur und ebenso unter den Menschen und gegen die Menschen zu behaupten. Eine Herabsetzung des Kampfes ums Dasein wird dadurch erreicht, dass die Herrschaft der Vernunft über die Natur sowohl wie über die menschliche Natur sich in größtmöglicher und zweckmäßigster Weise ausbreitet. Die Kultur ist ihrem Wesen nach also zweifach. Sie verwirklicht sich in der Herrschaft der Vernunft über die Naturkräfte und in der Herrschaft der Vernunft über die menschlichen Gesinnungen." (Albert Schweitzer, Kultur und Ethik, ISBN 3406392504, S. 35)
Im engeren Sinne versteht man unter Kultur folgende Bereiche: Sprache, Literatur, Religion und Ethik, Medizin, Kunst, Wirtschaft, Wissenschaft und Rechtsprechung.
Die interkulturelle Kommunikation versteht unter Kultur ein gültiges Sinnsystem oder die Gesamtheit der miteinander geteilten verhaltensbestimmenden Bedeutungen.
Wissenssoziologisch könnte man eine Kultur auch als das einem Kollektiv gemeinsame "Wissen" kennzeichnen, das heißt als die im Bewusstsein seiner Mitglieder verankerten Erwartungen hinsichtlich üblicher Verhaltensweisen, Werthaltungen, sozialer Deutungsmuster und Weltbilder die von Kulturschaffenden entwickelt und zu Allgemeingut wurden.
Johann Wolfgang von Goethe ging sogar soweit, dass in seinem Kulturbegriff "weder die Kleidung noch die Eß- und Trinkgewohnheiten, weder die Geschichte noch die Philosophie, weder Künste noch die Wissenschaft, weder die Kinderspiele noch die Sprichwörter, weder das Klima noch die Landschaftsformen, weder die Wirtschaft noch die Literatur, weder das Politisch noch das Private noch der Hinweis auf ‚Schäden durch Abholzung der Berge’ fehlen."
Neben der oben genannten Definition gibt es im allgemeinen Sprachgebrauch eine weitere Verwendung des Wortes im Sinne von Kultiviertheit, der stets aber Unkultiviertheit gegenübersteht, die es -da Kultur alles umfasst- eigentlich nicht gibt.
Verschiedene Definitionen des Begriffes spiegeln verschiedene Theorien der Bewertung und des Verständnisses menschlichen Tuns wider.
1952 haben Alfred Kroeber und Clyde Kluckhohn eine Liste von über 200 verschiedenen Definitionen in ihrem Buch (Culture: A Critical Review of Concepts and Definitions) zusammengetragen.
In der nordamerikanischen cultural anthropology (der in der englischen Sozialwissenschaft die social anthropology entspricht) wird culture ("Kultur") oft gleichbedeutend mit society ("Gesellschaft") benutzt (vor allem bei Stammesgesellschaften, vergleiche Anthropologie, Ethnologie und Soziologie).
Etymologie
Das Wort Kultur kommt aus dem Lateinischen. Das lateinische Wort cultura bedeutet Landwirtschaft, Feldbestellung, bebautes Land (zurückgehend auf das Verb colo, colui, cultus - pflegen) - als Gegensatz zu Natur - und so wurde das Wort Kultur bis ins 19. Jahrhundert verwendet, während für die heutige Bedeutung des Begriffes Kultur mehrheitlich das Wort Kunst seine Anwendung findet.
Entstehung der Kultur
Die vier entscheidenden Schritte des Menschen auf dem Weg zum Kulturwesen (Hominisation) sind vielleicht folgende gewesen, wobei sich der Übergang von der natürlichen zur kulturellen Weiterentwicklung nicht scharf trennen lässt und die Reihenfolge nicht chronologischen Anspruch erhebt.
- Die Entwicklung der Sprache (=>Sprachkultur)
- Die extensive Nutzung von Werkzeugen
- Die Zähmung des Feuers
- Die Entwicklung von expliziten Regeln und Formen des Zusammenlebens (Religion, Ethik, Diakonie und Medizin Rechtsprechung)
Entwicklung des Kulturbegriffs
Gelehrte des 18. und 19. Jahrhunderts und viele Menschen heutiger Zeit setzen Kultur gleich mit Zivilisation und sehen beides im Gegensatz zur Natur.
So wurden Menschen, denen Elemente einer Hochkultur fehlten, oft als naturverbunden, bodenständig und im negativen Sinne als unzivilisiert bezeichnet. Die gehobene Kultur wurde kritisiert oder auch verteidigt, da sie angeblich die menschliche Natur unterdrücken würde. Kultur in Abgrenzung zur Barbarei war und ist teilweise heute noch definiert als das Fehlen ökonomischer Notwendigkeit und Betonung des Rituellen, so z.B. ein nach allen Regeln der Kunst gedeckter Tisch als Gegensatz zu ausschließlich "sinnvoller" Bestückung.
Im späten 19. Jahrhundert plädierten Anthropologen für eine breitere Definition des Begriffes Kultur. Sie wollten das Wort auf eine Vielzahl von verschiedenen Gesellschaften anwenden können.
Sie argumentierten, dass die Kultur der menschlichen Natur entspräche.
Die Kultur habe ihre Wurzeln in der menschlichen Fähigkeit, Versuche systematisch auszuwerten und deren Ergebnisse in Schrift und Sprache weiterzugeben. 1
Deswegen entwickeln Menschen, die getrennt voneinander leben, einzigartige Kulturen. Trotzdem können sich Elemente verschiedener Kulturen heute leicht von einer Menschengruppe zu einer anderen ausbreiten.
Es wurde also notwendig, methodisch und theoretisch nützlichere Definitionen des Wortes Kultur zu entwickeln.
Dabei unterscheiden die Anthropologen zwischen einer
- materiellen Kultur und einer
- symbolischen Kultur (Schrift und Sprache).
Der Unterschied spiegelt nicht nur verschiedene menschliche Tätigkeiten wider. Man braucht auch verschiedene Untersuchungsmethoden, um beide Bereiche zu beschreiben und zu untersuchen. In der Regel konzentrieren sich die Archäologen auf die materielle Kultur und die Kulturanthropologen auf die symbolische Kultur. Beide wollen aber letztendlich auch wissen, wie diese zwei Bereiche zusammenhängen.
Darüberhinaus bezieht sich der Begriff Kultur für die Anthropologen nicht nur darauf, wie Güter verbraucht werden, sondern auch darauf, wie sie produziert werden und wie sie für die Menschen bedeutsam werden. Die Anthropologen wollen darunter auch die sozialen Beziehungen und Handlungsweisen verstehen, in welche die Dinge des täglichen Lebens einbezogen werden.
2000 wurde von Anthropologen gefordert, den Kulturbegriff auf Primaten auszudehnen.
Kultur ist in Zeiten des Umbruchs und der Veränderung auch ein Modewort geworden: Kultur wird mit großem Aufwand als Event inszeniert und als ein wirtschaftlicher Impulsgeber konsumierbar gemacht ("Kulturalismus").
Verwandte Themen
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- Kulturkapitalismus
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- Kulturell Kreativ
- Kulturindustrie
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- Kulturtechnik
- Kultur und Entwicklung
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- Zivilisation
Siehe auch
- Aborigines-Kultur
- Afrikanische Kultur
- Arabische Kultur
- buddhistische Kultur
- chinesische Kultur
- christliche Kultur
- deutsche Kultur
- europäische Kultur
- französische Kultur
- indianische Kultur
- Indische Kultur
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- Mogollon-Kultur
- Naqada-Kultur
- Nazca-Kultur
- Negade-Kultur
- Nok-Kultur
- Pueblo-Kultur
- Talayot-Kultur
- Tisza-Kultur
- Vinča-Kultur
weitere
- Popkultur
- Postmoderne Kultur
Weblinks
- [http://www.turkologie.com/kultur/ Tuerkische Kultur, Aberglauben, Aussteuer..]
- http://www.111er.de/lexikon/begriffe/kultur.htm
- http://dickinson.edu/departments/germn/glossen/heft3/negt.html Was ist das: Kultur? (Vortrag von Oskar Negt)
Publikationshinweise
- Albert Schweitzer, Kultur und Ethik, ISBN 3406392504
ja:文化
simple:Culture
zh-min-nan:Bûn-hoà
WerkzeugEin Werkzeug ist ein Arbeits- bzw. Produktionsmittel oder auch Teil der Fertigungshilfsmittel. Als ein System aus physikalischen Komponenten oder Informationen erleichtert oder ermöglicht es überhaupt erst die Durchführung bestimmter konkreter Arbeiten. Das Werkzeug ist dabei im Gegensatz zur Maschine nicht unabhängig einsetzbar. Es erfüllt seinen Zweck nur im Rahmen seiner Handhabung durch einen Menschen (oder ein Tier) oder als Komponente innerhalb einer Maschine oder eines Apparates.
Im Einzelnen steht der Begriff Werkzeug für
#einen für bestimmte Zwecke geformten Gegenstand oder ein Mittel zur Erweiterung der (beschränkten) Möglichkeiten eines Individuums, mit dem etwas bearbeitet oder hergestellt wird.
#die Gesamtheit der Werkzeuge, die für eine Verrichtung gebraucht werden (das Werkzeug des Tischlers).
#in der Informatik eingesetzte Software zur Erstellung anderer Software (z. B. Compiler, Interpreter).
#ein in der Massenproduktion (Massenfertigung) eingesetztes Hilfsmittel, das im Werkzeugbau oder Formenbau hergestellt wird.
#ein zur Bearbeitung von Werkstücken auf Werkzeugmaschinen eingesetztes Bearbeitungswerkzeug.
Bereits Schimpansen sind in der Lage, nicht nur Dinge als Werkzeug zu benutzen, sondern auch gezielt herzustellen. Im Verlauf der Steinzeit wurden sehr viele der heute noch üblichen Werkzeuge entwickelt. Die ältesten Steinwerkzeuge, die das Niveau der Schimpansentechnik übertrafen, wurden vor 2,4 Millionen Jahren vermutlich durch Homo rudolfensis hergestellt. Metalle als Material für Werkzeuge sind seit der Bronzezeit üblich. Der bekannteste Beruf zur Herstellung von Werkzeugen aus Metall ist der Schmied.
Um die Gesamtheit der Mittel und Hilfsmittel beim Lernen zu bezeichnen, hat sich in der Pädagogik/Erziehungswissenschaft der Begriff des Lernwerkzeugs durchgesetzt. Im Unterrichtsalltag kommen Lernwerkzeuge in Form von Heften, Füllern, Radiergummis, Linealen, Taschenrechnern und Computerprogrammen (z.B. elektronische Nachschlagewerke) etc. vor. Sie sparen Zeit, Material oder erledigen immer gleiche Abläufe. Gute Lernwerkzeuge helfen und sorgen für eine Arbeitserleichterung und tragen auch zu einer Unterstützung wichtiger Lernaktivitäten bei.
Werkzeuge werden, abhängig von ihrer Verwendung, auch als Instrumente bezeichnet, zum Beispiel die chirurgischen Instrumente.
Siehe auch
- Liste der Werkzeugmaschinen
- Liste der Werkzeuge
- Werkzeuggebrauch bei Tieren
Weblinks
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Kategorie:Handwerk
ja:道具
simple:Tool
Schrift
Schrift dient der Kommunikation und der Konservierung von sprachlicher Information. Mit einem vereinbarten, festgelegten Zeichensystem werden Informationen auf einen Träger geschrieben und somit chiffriert und können von diesem wieder abgelesen, sprich dechiffriert werden.
Schrift bedeutet umgangssprachlich auch eine Schriftart (gestalteter Zeichensatz, Typografie), eine Schriftdatei (Computertechnik), eine Handschrift (Schriftbild : »ich kann deine Schrift nicht lesen«), schriftliche Werke (»Goethes Schriften zur Farbenlehre«) und dient als Eigenname für religiöse Texte (»Heilige Schrift«)
Siehe auch: Inschrift, Blindenschrift
Definition
Man unterscheidet:
- Alphabetschrift – die grundlegende Beziehung hier ist: ein Zeichen entspricht einem Laut (bzw. Phonem)
- Silbenschrift – hier entspricht weitgehend ein Zeichen einer Silbe
- Logogramme – ein Zeichen steht hier in der Regel für ein Wort bzw. für eine Aussage oder Anweisung
Alphabet- und Silbenschriften sind mehr oder weniger phonologisch, also lautbasiert. Logogramm- oder Ideogramm-Schriften sind hingegen eher bedeutungsbasiert: das Schriftzeichen entspricht eher einer bestimmten Bedeutung als einem bestimmten Laut. Beispiele für eine solche Schrift sind die arabischen Ziffern (1,2,3 ...), mathematische Symbole, Verkehrszeichen, Piktogramme, Gefahrensymbole. Diese sind international, also über Sprachgrenzen hinweg, verständlich.
Bei den Alphabetschriften unterscheidet man zwischen Alphabetschriften im engeren Sinne und Konsonantenschriften, bei denen nur die Konsonanten bezeichnet werden. Bei ersteren kann man noch zwischen solchen unterscheiden, in denen jeder Laut ein gleichberechtigtes Zeichen erhält, wie in der lateinischen Schrift, und solchen, in denen Vokale als obligatorische Hilfszeichen von Konsonanten auftauchen, wie in indischen Schriften. Diese sind also in gewisser Weise das Bindeglied zwischen Alphabetschriften im engeren Sinne und Konsonantenschriften, in gewisser Weise auch zu den Silbenschriften.
Manche Sprachen nutzen gemischte Schriften, die Züge von zwei oder allen drei Schriftsystemen haben, oder mehrere Schriften nebeneinander.
Eine Besonderheit bilden die Geheimschriften, die zur verschlüsselten Informationsübertragung verwendet werden.
Schriftfamilien
Entwicklung
Vor der Entwicklung der Schrift war Jahrtausende lang die mündliche Überlieferung von wesentlichen Inhalten üblich. Sie barg schon immer gewisse Risiken in sich. Eine mögliche Sinnentstellung des ursprünglichen Quelleninhaltes und das Weglassen oder Hinzufügen von Inhalten sind in der mündlichen Vermittlung des jeweils einzelnen Erzählers immanent enthalten. Psychologische, soziale und kulturelle Faktoren spielen bei der mündlichen Überlieferung eine wesentliche Rolle. Weltweit wurden seit jeher überlebenswichtige Informationen, aber auch geheimes Wissen, Rituale, Mythen, Legenden und Sagen mündlich weitergegeben (wie u.a. die Geschichte von der großen Sintflut), die einen ähnlichen Kern aufweisen, in ihren Details aber beträchtlich voneinander abweichen können.
Auch heute noch existieren Kulturen, in denen die mündliche Überlieferung von Traditionen und Wissen üblich ist. Bei den Aborigines in Australien steht das mündliche Zeugnis sogar im Vordergrund, obwohl sie in engem Kontakt mit einer schreibenden Kultur stehen. Die wortwörtliche Wiedergabe an nachfolgende Generationen trägt dazu bei, eigene Kultur und Werte zu bewahren, und charakterisiert zugleich eine Besonderheit dieser Kultur.
Gemeinsam mit der Fähigkeit des Lesens bilden Schreiben, Schrift und Rechnen die Grundlage von Tradition, Kultur und Bildung durch die mittelbare Weitergabe von Wissen.
Die Erfindung der Schrift gilt als eine der wichtigsten Errungenschaften der Zivilisation, da sie die Überlieferung von Wissen und kulturellen Traditionen über Generationen hinweg erlaubt, und deren Erhaltung (je nach Qualität des beschrifteten Materials) über einen langen Zeitraum garantiert.
Alle bekannten Hochkulturen (Sumer, Ägypten, Indus-Kultur, Reich der Mitte, Amerika) werden mit der Verwendung der Schrift in Verbindung gebracht.
Traditionell wird Sumer als die Kultur genannt, in der die Schrift erstmals verwendet wurde. Die wohl ältesten Schriftfunde stammen von dem Fundort Uruk aus Abfallschichten unter der sogenannten Uruk-III-Schicht. Sie werden somit ins 4. Jahrtausend vor Christus datiert. Es handelt sich dabei um Wirtschaftstexte. Die verwendete Schrift lässt allerdings keine Rückschlüsse auf die Sprache zu, es ist daher falsch, diese Schrift im strengen Sinne als sumerisch zu bezeichnen.
Nur wenige Forscher glauben, daß es sich bei den spärlichen Symbolzeichen der Vinča-Kultur, die in das 5. Jahrtausend v. Chr. datiert werden, um eine tatsächliche Schrift handelt.
Die ägyptischen Hieroglyphen werden oft als eine aus Vorderasien importierte Idee angesehen; neuere Funde von Günter Dreyer in Ägypten stellen diese Lehrmeinung allerdings in Frage, und er vermutet eine eigenständige Erfindung. In China und Mittelamerika (Maya) wurde die Schrift ebenfalls unabhängig entwickelt.
Andere Ausprägungen der Schrift sind meistens direkte Übertragungen von einer Kultur zu einer anderen (etwa die Entwicklung des lateinischen aus dem griechischen Alphabet).
In einigen Fällen hat die Beobachtung, dass eine fremde Kultur eine Schrift besitzt, die Entwicklung einer eigenen Schrift bewirkt (die Silbenschrift der Cherokee).
Der uns heute bekannten Schrift gehen Felszeichnungen, z.B. in der Höhle von Lascaux, vor ca. 20 000 Jahren voraus. Seit Zehntausenden von Jahren benutzen Menschen Zeichen oder Bilder, um Botschaften zu hinterlassen. Von Schrift kann aber erst gesprochen werden, wenn ein festgelegtes Zeichensystem zum Ausdruck für verschiedene Informationen zur Verfügung steht. Bereits in der Jungsteinzeit (Neolithikum) wurden Steine mit geometrischen Linien hergestellt, von denen die Forschung mit einiger Gewissheit sagen kann, dass sie zum Zählen dienten. Diese Steine wurden entsprechend lateinisch calculi genannt, woraus sich das französische calcul (Rechnen, Rechnung) und das deutsche kalkulieren ableiten.
Zur Entwicklung der Schreibschrift in Deutschland siehe Schreibschrift
Schriftklassifikation
In der westlichen Welt gibt es verschiedene Schriftklassifikationsmodelle, die voneinander teils erheblich abweichen. Davon sind in Deutschland insbesondere zwei Modelle gebräuchlich:
DIN 16518
Die Norm DIN 16518 aus dem Jahr 1964 teilt Bleisatzschriften in elf Gruppen ein:
- Venezianische Renaissance-Antiqua (Stichwort Antiqua)
- Französische Renaissance-Antiqua
- Barock-Antiqua
- Klassizistische Antiqua
- Serifenbetonte Linear-Antiqua (Egyptienne)
- Serifenlose Linear-Antiqua (Grotesk)
- Antiqua-Varianten
- Schreibschriften
- Handschriftliche Antiqua
- Gebrochene Schriften
- Fremde Schriften
Die Schriftklassifikation entspricht dabei der historischen Entwicklung und berücksichtigt besonders detailliert die im deutschen und westeuropäischen Sprachbereich üblichen lateinischen Schriften. In anderen Ländern gibt es vergleichbare Einteilungen.
Matrix Beinert
Ein modernes Schriftklassifikationsmodell für das Electronic Publishing ist die Matrix Beinert, welche 2001 vom deutschen Typographen Wolfgang Beinert erarbeitet wurde. Sie ordnet westeuropäische Druck- und Bildschirmschriften sowie Bildzeichen in eine Matrix von neun Hauptgruppen.
Literatur
Eine besondere Herausforderung stellt die Entzifferung alter Schriften dar. Oft gelingt sie, wenn ein Text mit Übersetzungen gefunden wird, oder wenn man die Sprache oder einen Dialekt der Sprache kennt. Viele Schriften konnte man entziffern, eine Reihe geben aber noch Rätsel auf.
Bücher
- Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1983, ISBN 3-520-45201-4
- Florian Coulmas: The Blackwell Encyclopedia of Writing Systems. Blackwell, New York, 1996, ISBN 0-631-21481-X
- Florian Coulmas: Writing Systems. An Introduction to their linguistic analysis. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-78737-8
- Werner Ekschmitt: Das Gedächtnis der Völker. Hieroglyphen, Schriften und Schriftfunde, Heyne, München 1980, ISBN 3-453-01058-2
- Ernst Doblhofer: Die Entzifferung alter Schriften und Sprachen. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1993, ISBN 3-15-008854-2
- Carl Faulmann: Schriftzeichen und Alphabete aller Zeiten und Völker. Weltbild, Freiburg 2003 (Reprint von 1898), ISBN 3-8289-0799-7
- Karoly Földes-Papp, Vom Felsbild zum Alphabet - die Geschichte der Schrift von ihren frühesten Vorstufen bis zur modernen lateinischen Schreibschrift. Chr. Belser Verlag, Stuttgart, 1966, ISBN 3-811-20007-0
- Harald Haarmann: Geschichte der Schrift. C. H. Beck, München 2002, ISBN 3-406-47998-7
- Harald Haarmann: Universalgeschichte der Schrift. Campus Verlag, Frankfurt/Main; New York 1990, ISBN 3-593-34346-0
- Hans Jensen: Die Schrift in Vergangenheit und Gegenwart. 1987(Reprint). ISBN 3326002327
- Werner König: dtv-Atlas zur deutschen Sprache. Tafeln und Texte. München 1985, ISBN 3-423-03025-9
- Andrew Robinson: Die Geschichte der Schrift. 2004. ISBN 3491961297
Aufsätze
- Herbert E. Brekle: Vom Rinderkopf zum Abc. Spektrum der Wissenschaft, April 2005, S. 44 - 51 (2005),
Verweise
Schriftsprache, Medientheorie, Portal:Schrift, Alphabet, Analphabetismus, Buchdruck, Typografie, Manuskript, Orthografie, Schreiben, Schreibschrift, Schriftreform, Schriften der Welt, Sonderschrift, Geschichte der Schrift
Download von Schriften
- [http://www.omniglot.com/links/fonts.htm Omniglot]
- [http://www.vistawide.com/languages/foreign_language_fonts.htm Schriften für Fremdsprachen] - Zahlreiche Schriftarten für über 40 Sprachen kostenlos herunterladen
Weblinks
- [http://www.profil.at/index.html?/articles/0523/560/114219_s2.shtml Der Wiener Altorientalist und Archäologe Gebhard Selz über die Anfänge der Schrift]
- [http://www.typolis.de/version1/ www.typolis.de Typografie, Schrift und Gestaltung]
- http://www.schriftgrad.de/ - Alphabete, Typologie, Typografie, Schriftkunst, Glossar und vieles mehr
- http://www.schriften-lernen.de/ - Exotische Schriften lernen - leicht gemacht
- [http://www.holger-rada.de/themen/Schrift-%20und%20Druckgeschichte.pdf Schrift- und Druckgeschichte]
- [http://www.typolexikon.de/s/schriftklassifikation-bei.html Beinert, Wolfgang: Typolexikon.de, Das Lexikon der westeuropäischen Typographie, Die Schriftklassifikation Matirx Beinert]
- [http://www.designguide.at/typologie.html Typologie der Schrift]
Kategorie:Schrift
zh-min-nan:Bûn-jī hē-thóng
Kunst
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Der Begriff Kunst bezeichnet die Fähigkeit des Menschen zum ästhetischen Ausdruck seines Geistes. Kunst ist auch der Begriff für die vom Menschen geschaffenen Werke, die eine gesellschaftliche Relevanz besitzen und eine ästhetisch-sinnliche Wirkung auf den Rezipienten haben, zum Beispiel die Werke der Kunstformen Malerei, Graphik, Bildhauerei, Architektur, Literatur, Dichtung, Theater, Musik, Film oder Video. Umgangsprachlich wird der Begriff "Kunst" häufig ausschließlich für die Hervorbringungen der Bildenden Kunst verwendet.
Daneben wird der Begriff im Zusammenhang mit ausgeprägten Fertigkeiten, also Kunstfertigkeiten verwendet, zum Beispiel Kochkunst, Reitkunst, Redekunst, Verführungskunst oder Zauberkunst.
Bis ins 18. Jahrhundert wurde mit den Künsten (lateinisch: artes) der gesamte Bereich menschlicher Fertigkeiten bezeichnet. Der heutige Kunstbegriff entwickelte sich aus dem Begriff der Kunstfertigkeit, welcher etymologisch im Deutschen aus dem mittelhochdeutschen Wort Können hergeleitet werden kann - was aber zu Missverständnissen führt: Technische Perfektion, die meisterhafte Beherrschung eines Handwerks bei der Ausführung einer künstlerischen Arbeit ist für die heutige Kunsttheorie weder notwendige Voraussetzung für ein Kunstwerk, noch macht sie allein ein Kunstwerk aus.
Der Begriff Kunst bezeichnet einerseits Kunstwerke als Elemente der menschlichen Kultur, die nicht primär durch ihre Zweckmäßigkeit, sondern durch ihre unterschiedlich verstandene Ästhetik geprägt sind. Darüber hinaus umfasst er auch künstlerisch gestaltete funktionale Artefakte und Produkte aus dem Bereich der so genannten angewandten Kunst.
Kunst im Sinne von künstlerischer Fertigkeit und bildhafter Erfassung wird beim Menschen durch die rechte Gehirnhälfte gesteuert. Sie ist vorrangig zuständig für räumliches Erfassen, für musikalische Empfindungen, kreative Gestaltungen und die Gefühle.
Geschichte
Seit ihren Anfängen war Kunst eng mit Arbeit, Spiel und dem Heiligen verbunden. Historisch entwickelten sich die Künste aus ihrem Beitrag zur materiellen Organisation von Kulten und Ritualen. Ein zentrales Moment war somit die Religion, die seit der frühen Neuzeit in den westlichen Gesellschaften allmählich an Einfluss verlor.
Von den Künsten wurde vor dem 19. Jahrhundert zumeist so gesprochen wie heute von den Berufen, die eine Fachausbildung voraussetzen. Die Handwerke galten als eigene Künste, die artes mechanicae, ebenso wie die Fächer des (philosophischen) Grundstudiums, die artes liberales, die freien Künste, die in den drei großen Fakultäten Theologie, Jurisprudenz und Medizin vorausgesetzt wurden. Bücher über einzelne Künste galten vor dieser Zeit zumeist Feldern erlernbarer Könnerschaft. Meisterleistungen des Ingenieurwesens wurden in Büchern zur "Bergbau-" oder "Wasserbau-Kunst" (Schleusenbau) behandelt.
In der zweiten Hälfte des 18. und am Anfang des 19. Jahrhunderts, im Zeitalter der Aufklärung, begannen die gebildeten Kreise Gemälde, Skulpturen und Architektur, sowie Literatur und Musik als Kunst im heutigen Wortsinn zu diskutieren. Themenverbindend wurde die Ästhetik in Abgrenzung zum Hässlichen als Kategorie zur Qualifizierung von Kunstwerken begründet. Freiheit wurde zum Ideal für Politik, Wissenschaft sowie für die sich allmählich als eigenständige Bereiche herausbildenden Literatur und Kunst. Der handwerkliche Aspekt künstlerischen Schaffens verlor an Bedeutung. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für diesen Prozess war die durch die beginnende Industrielle Revolution beschleunigte Säkularisierung.
Die Differenzierung zwischen Literatur und Kunst war das Ergebnis der kurz zuvor begonnenen Literaturdiskussion, die sich nicht mehr mit allen geistigen Arbeiten befasste, sondern Romane, Dramen und Gedichte als Literatur in einem gewandelten Wortsinn zusammenfasste. Im Bestreben, ein größeres Publikum anzusprechen, wurde der Terminus Kunst zunächst auf Gemälde und Skulpturen verengt, auf Gegenstände, die in den Zeitungen und Zeitschriften - den Journalen, die es seit dem frühen 18. Jahrhundert gab -, vorgestellt und beurteilt wurden. Es entstand ein verbreitetes Rezensionswesen. Die Begriffe Werk, Original und Genie als Ausdrucksformen der Individualität des Künstlers wurden durch Kant geprägt. Um Kunst kommunizierbar zu machen, brauchte man geeignete Bilder. Man unterscheidet zwischen inneren und äußeren Bildern. Innere Bilder sind zum Beispiel Sprache, Vorstellungen und die Ideen, äußere hingegen Einrichtungsgegenstände, Bauwerke oder irgendein anderes Ding.
Werden in der Kunstgeschichte bis zum 19. Jahrhundert aufeinander folgende so genannte Kunstepochen definiert, entwickelten sich seit den frühen Phasen der modernen Kunst verschiedene Stilrichtungen nebeneinander. Je komplexer die gesellschaftlichen Verhältnisse wurden, desto mehr konkurrierende zeitgenössische und alte Kunst kam auf den prosperierenden Kunstmarkt und in die neu gegründeten Kunstmuseen . Die Bedeutung von Kunstausstellungen mit thematischen Schwerpunkten wächst stetig.
Die Debatte um den Kunstbegriff als Ausdruck der Frage Was ist Kunst? verschob sich in der (Kunst)-Geschichte immer wieder. Die Artes wurden in der Neuzeit im westlichen Kulturbereich als menschliche kreative Fähigkeiten betrachtet und immer weiter differenziert. In anderen Kulturen gab und gibt es vielfältige nicht in Übereinstimmung zu bringende Antworten.
Der heutige, in den meisten hochindustrialisierten Ländern verbreitete, Begriff der Kunstfreiheit ,der z.B. in das Grundgesetz aufgenommen worden ist, umfasst eine Vielzahl an menschlichen Ausdrucks- und Handlungsmöglichkeiten, zweckfrei oder mit unterschiedlichen Zielen verbunden. Im Zuge der Globalisierung entstand einerseits ein vermehrter Dialog verschiedener Kunstrichtungen in aller Welt, andererseits wurden regionale Unterschiede tendenziell nivelliert. In zahlreichen Staaten wird die Kunstausübung reglementiert und zu Propagandazwecken instrumentalisiert.
Bereiche
Im Römischen Reich unterschied man die Sieben Freien Künste (artes liberales), bestehend aus dem Trivium und Quadrivium, die gegenüber den mechanischen Künsten höher geschätzt wurden: Grammatik, Dialektik, Rhetorik; Geometrie, Arithmetik, Astronomie und Musik.
Die Einteilung in Literatur, Kunst, Handwerk und Wissenschaft bildete sich seit Ende des 18. Jahrhunderts in Europa heraus.
Nach heutigem Verständnis gliedert sich die Kunst in die Teilbereiche:
- Bildende Kunst . Die Ausbildung erfolgt an Kunstakademien. Die Künstler sind frei gestalterisch tätig, ihre Arbeiten werden von der Kunstkritik diskutiert, am entsprechenden Kunstmarkt gehandelt und in Museen und Galerien ausgestellt.
- Angewandte Kunst (Gebrauchskunst), wie Kunstgewerbe/Kunsthandwerk, Design mit einer berufsbezogenen Ausbildung in Deutschland, beispielsweise an Universitäten, Kunsthochschulen und Fachhochschulen. Es handelt sich um die gestalterische Umsetzung eigener Entwürfe oder von Vorgaben. Gegenwärtig werden die Exponate der angewandten Kunst zumeist in den Kunstgewerbemuseen, Museen für angewandte Kunst oder in Designmuseen gemeinsam ausgestellt. Daneben existieren einige Museen, die ausschließlich Design präsentieren. Darüber hinaus gibt es in einigen bedeutenden Kunstmuseen Abteilungen für angewandte Kunst.
- Darstellende Kunst, Musik, Tanz, Theater und Film.
Daneben wird nach wie vor zwischen profaner und sakraler Kunst unterschieden. Ein weiterer wichtiger Ansatz zur Einordnung von Kunstwerken nach ihrer Funktion sind die Kategorien Auftragskunst und Freie Kunst. Hinzu kommt eine wertende Abgrenzung von Hochkultur, wozu die Kunst gerechnet wird, und Alltagskultur.
Grenzüberschreitungen zwischen diesen Disziplinen und Bereichen sowie den genutzten Ausdrucksformen sind häufig, dem Wesen der Kunst als kreative Äußerung entsprechend.
In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts trennten sich das Kunstgewerbe, im Sinne von künstlerischem Hervorbringen von Gebrauchswerten (Werkbund Streit) und das Design, im Sinne von planvollem Handeln für industrielle Zwecke. Das Design war eine wesentliche kulturelle Kraft der Moderne und der in den 80er Jahren aufkommenden Postmoderne in den hochindustrialisierten Ländern.
Qualitätskriterien
Die Beurteilung der Qualität von Kunstwerken wechselte ständig im Laufe der Geschichte. Die Kriterien wurden von dem gesellschaftlich akzeptierten bzw. durchgesetzten Geschmack der jeweiligen Herrschafts- und Bildungsschicht aufgestellt, von einer Minderheit hinterfragt und von großen Teilen der Bevölkerung nicht übernommen. Jedes Zeitalter entwickelte eigene Vorstellungen darüber, was zum Bereich der Kunst gehört und was als minderwertig, dem Massengeschmack entsprechend, abqualifiziert wird. Insofern kann Kunst auch ein kulturelles Mittel zur elitären Abgrenzung von Individuen und Gruppen sein.
Die postmoderne Anschauung von Kunst stellt zum Teil die Ideen von Freiheit, Originalität und Authentizität in Frage, setzt bewusst Zitate anderer Künstler ein und verbindet historische und zeitgenössische Stile, Materialien und Methoden aber auch diverse Kunstgattungen miteinander. Plagiate, Imitate und sehr stark von anderen Künstlern beeinflusste Werke gab und gibt es in jeder Phase der Kunstgeschichte. Heute werden solche Ausdrucksformen untersucht und nicht allesamt abgewertet. Es sei denn, der Produzent verbirgt seine Vorbilder und versucht, auf dem schwarzen Markt mit Fälschungen Geld zu verdienen.
Kunst ist das Produkt menschlicher Kreativität, eine schöpferische Leistung, deren Ergebnis das Kunstwerk ist. Es lässt sich schwer beurteilen, da jeder Künstler seine eigenen Vorstellungen von Kunst und seine eigene Herangehensweise an kreativ-künstlerisches Handeln hat (Phasen des kreativen Prozesses). Der ästhetische Wert eines Kunstwerkes basiert auf gesellschaftlicher Übereinkunft oder beruht auf einem Bruch mit derselben. Kunst ist - wie jede menschliche Ausdrucksweise - determiniert durch die jeweiligen Gesellschaftsformen, die die Freiheit der Kunst teilweise erheblich einschränken. Kunst kann auf diesem Hintergrund in totalitären Staaten eine affirmative, aber auch subversive Rolle spielen. Die Nationalsozialisten verachteten die freie moderne Kunst so sehr, dass sie sie als entartete Kunst diffamierten, Künstler verfolgten, Einrichtungen - wie das Bauhaus - schlossen und Kunstwerke zerstörten.
Kunst ergibt sich aus der Wahl eines bestimmten Mediums, aus festgelegten Regeln für dessen Gebrauch und aus besonderen Vorstellungen und Werten, die bestimmen, was durch das jeweilige Medium ausgedrückt werden soll, zum Beispiel welche Ideen, welche Weltanschauungen, welche Gefühle bewusst oder unbewusst zum Ausdruck gebracht werden. Experimentelle Kunst versucht, diese Grenzen zu überschreiten.
Der amerikanische Maler Ad Reinhardt führt den Begriff ins Absurde, indem er sagt: ,,Kunst ist Kunst. Alles andere ist alles andere". Es sei demnach unnütz, Kunst genau definieren zu wollen. Alternativ kann man nach der Funktion von Kunst bzw. eines Kunstwerkes, nach der Intention des Künstlers sowie nach der Rezeption eines künstlerischen Werkes fragen und dabei die Gegebenheiten berücksichtigen, unter denen es entstanden ist.
Zitate
- Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit! Karl Valentin
- Kunst ist, wenn man's nicht kann, denn wenn man's kann, ist's keine Kunst. Johann Nestroy
- Kunst ist Magie, befreit von der Lüge, Wahrheit zu sein. - Theodor W. Adorno
- Kunst kommt von Können, käme sie von Wollen, so würde sie Wulst heißen. Max Liebermann
- Jeder freie Mensch ist kreativ. Da Kreativität einen Künstler ausmacht, folgt: nur wer Künstler ist ist Mensch. ... Jeder Mensch ist ein Künstler. Joseph Beuys
- Wenn ich wüßte, was Kunst ist, würde ich es nicht verraten. Pablo Picasso
- Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.. Pablo Picasso
- Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele. - Pablo Picasso
- Kunst ist das, was wir machen. Christo auf die Frage wie er und seine Frau Kunst definieren würden.
- Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit. - Friedrich Schiller
- Wehe, wenn es uns gelänge, den Begriff zu definieren und damit zu zementieren! Kunst gibt sich dort zu erkennen, wo wir über das ästhetisch-sinnliche Erlebnis an unsere Möglichkeiten als geistbegabte Geschöpfe erinnert werden. Kunst hat etwas mit dem Bedürfnis zu tun, an unsere Grenzen zu gehen. Es mutet dem Menschen eine gewisse Anstrengung zu, nämlich die, über seinen Horizont hinauszublicken. Helmut Lachenmann auf die Frage Was ist Kunst?
Begriffe
Begriffe um Kunst
- Avantgarde
- Ikonografie
- Künstler
- Kunstakademie
- Kunstbegriff
- Kunstfälschung
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- Kunstgeschichte
- Kunstgewerbe
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- Kunst im öffentlichen Raum
- Kunstkritik
- Kunstpädagogik
- Kunstskandal
- Kunsttheorie
- Kunsttherapie
- Kunstverein
- Kunstwerk
- Kurator
Begriffe in der Kunst
- Denken, Kreativität, Intuition, Vorstellung, Idee, Gestaltung
- Medien, Medientheorie, Bild, Abbild, Ikone, Bildsprache, Bildelement, Duktus, Skulptur, Rauminstallation
- Licht, Farbe, Form, Raum, Ort, Fläche, Linie
Ausstellungen, Museen, Veranstaltungen
- Liste bekannter Museen
- Liste deutscher Museen nach Themen#Kunst
- Museum, Galerie, White Cube, Kunstausstellung, Kunstfestival, Kunstmarkt
- Documenta, Biennale
- Louvre, Prado, Eremitage, Museum of Modern Art, Tate Gallery
Siehe auch
- Portal:Kunst, Portal:Gestaltung, Portal:Architektur und Bauwesen, Stilrichtungen in der Kunst
Weblinks
- [http://www.kunstlinks.de/ Kunstlinks: Portal zu Kunst und Kunstgeschichte, mit Ausstellungsübersicht, Sendungen im Fernsehen zu Kunst und einer umfangreichen Datenbank]
- [http://www.kunstaspekte.de/ Informationen zu Kunst, zu zeitgenössischen Künstlern und aktuellen Ausstellungen]
- [http://www.kunst-und-kultur.de/ Portal mit Datenbanken zu Künstlern, Museen etc.]
- [http://www.multimediakunst.net/ Internationales Künstlernetzwerk und offene Community]
- [http://www.galerienvirtuell.de/ Deutschsprachiges Künstlerverzeichnis sowie News aus Kunst und Kultur]
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Arbeit (Philosophie)Die Arbeit als sozialwissenschaftlich-philosophische Kategorie erfasst alle Prozesse der bewussten schöpferischen Auseinandersetzung des Menschen mit der Natur und der Gesellschaft. Sinngeber dieser Prozesse sind die arbeitenden Menschen mit ihren individuellen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Anschauungen im Rahmen der aktuellen Naturgegebenheiten und gesellschaftlichen Arbeitsbedingungen.
Zweck und Ziel der Arbeit
Menschen suchen mittels Arbeit unterschiedliche, auch divergierende Ziele zu erreichen. Auf der Abstraktionsebene der "Kategorie Arbeit" wird deutlich, dass der Mensch in allen Gesellschaftssystemen - unter Aufhebung systemimmanenter Widersprüche - stets folgende übergeordnete Ziele verfolgt:
- Die individuelle und damit in Summe gesehen auch die gesellschaftliche Reproduktion der eigenen materiellen Lebensbedingungen zur Befriedigung seiner Bedürfnisse.
- Die soziale Absicherung und Verbesserung des erworbenen Status in der Gesellschaft für sich selbst, die eigenen Familienmitglieder, Freunde, die eigene Milieugruppe, Gesellschaftsschicht, etc..
- Die Mitwirkung und Teilhabe an Innovationen, kulturellen und künstlerischen Ereignissen, neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen bzw. Entdeckungen und an der Entwicklung der politischen und sozialen Verhältnisse in der Gesellschaft.
Arbeit als Gegenstand philosophischer Theorien
Wer sich mit dem Begriff "Arbeit" vom philosophischen Standpunkt aus beschäftigt, stößt auf ein Dilemma: Obwohl die "Arbeit" in ihrer Formenvielfalt eine Konstante des menschlichen Daseins ist, gibt es nur wenig namhafte Philosophen, die sie aus der Ökonomie, Ethik oder Theologie herausgehoben haben. Platon sah für seine "bewusste schöpferische Auseinandersetzung mit der Natur und der Gesellschaft" die Muße als Grundbedingung. Diese Auffassung ist heute noch unter dem Aspekt nachvollziehber, dass unter Zwang die hinreichende Kreativität und der Bedürfnisbezug der Arbeit verloren gehen. Von der Antike bis ins Mittelalter galt: Nur wer sich alltäglichen Mühen und Arbeitszwängen entzieht, hat Zeit, seinen Bedürfnissen zu frönen, und den Kopf frei für neue Erkenntnisse und kreatives Handeln.
Aristoteles kommt mit einer Kategorie im Sinne von "Bewirken" der "Arbeit" recht nah, wobei sich diese Kategorie aber auf die Natur insgesamt bezieht. Überwiegend wird "menschliche Arbeit" jedoch im Zusammenhang mit oder sogar als Synonym für "Tätigkeit" bzw. "Tat", "Produktion", "nützliche Arbeit", "Beruf", "Erwerbstätigkeit", "Dienst für die Gemeinschaft" usw. partiell abgehandelt (vgl. Arbeitssoziologie). Im Mittelalter wurde die Philosophie der Arbeit meist als theologische Debatte geführt (vgl. Benedikt von Nursia). Im 18. und 19. Jahrhundert kamen zunehmend ökonomische und sozialwissenschaftliche Zusammenhänge ins Blickfeld (vgl. David Hume, Adam Smith, David Ricardo).
Friedrich Engels und Karl Marx stützten ihre Gesellschaftsanalyse und Kritik der politischen Ökonomie mit einer entwickelten Arbeitsphilosophie ab. In Auseinandersetzung damit sind im 19. und 20. Jahrhundert zahlreiche Philosopheme zur "Arbeit" entwickelt worden (vgl. Hannah Arendt, Ernst Bloch, Max Weber).
Heute sehen Systemtheoretiker "menschliche Arbeit" unter dem - einer philosophischen Kategorie - adäquaten Aspekt, nämlich als abstrakten Begriff für die von Menschen bewusst getragenen Interaktionen und Prozesse in sozialen Systemen, welcher Art auch immer diese Arbeitssysteme sein mögen.
Historischer Aspekt der Arbeit
Menschen setzen die Produktivkräfte ihrer Gesellschaftssysteme in "Arbeitsprozessen" frei. Sie gestalten diese Prozesse arbeitsteilig nach den Regeln und Gesetzen der Systeme, in denen sie jeweils leben und zusammen arbeiten. Dabei bewegen sie sich in Strukturen, in denen sie die Aneignung und Nutzung der Arbeits-Ressourcen und die Verteilung der Arbeits-Resultate - je nach Kultur-Epoche oder Staatsform - geordnet haben. Diese Strukturen überformen Zweck und Ziel der "Arbeit" ökonomisch, ethisch und politisch. Die Arbeit erfährt dadurch eine historische Ausprägung.
Durch die Arbeit und die daraus entstandenen kulturellen und technischen Entwicklungen ist es den Menschen bisher nicht nur gelungen sich in der Natur zu behaupten, sondern die Produktivkräfte durch überschießendes Wachstum dermaßen zu stärken, dass daraus ernste Gefahr für den weiteren Bestand der Menschheit droht. Dieser historische Aspekt der Arbeit rückt seit Mitte des 20. Jahrhunderts nach und nach in das Bewusstsein jener Menschen, die Arbeit nicht nur als Tätigkeit oder Produktionsfaktor begreifen.
Eine besondere historische Dimension erhält die Arbeit durch den Entwicklungsstand der Technik. Der Mensch setzt in Arbeitsprozessen - je nach Können und Vermögen - außer seiner Arbeitskraft die leistungsstärksten, neuesten Arbeitsmittel ein, um die Qualität und Produktivität seiner Arbeit sicherzustellen oder zu steigern. Je technisierter und vernetzter die Arbeitsmittel jedoch sind, umso weniger menschliche Arbeitskraft wird in den Arbeitsprozessen anteilig benötigt. Daraus erwachsen Situationen, in denen Menschen in Arbeitssystemen freigesetzt werden oder möglicherweise von der Teilnahme an bestimmten Arbeitsprozessen sozial ausgegrenzt sind. Soweit es sich dabei um Erwerbsarbeit handelt, wird das unter dem Begriff "Arbeitslosigkeit" subsumiert. Oft liegen Freisetzungsgründe ursächlich im Verhalten oder Können betroffener Personen. Durch individuelle Anstrengungen (Arbeit) können Betroffene solche Freisetzungen bzw. Ausgrenzungen überwinden oder umgehen, wenn sie in bestimmten Arbeitssystemen, z.B. in Betrieben, Vereinen, Familien, Parteien, Glaubensgemeinschaften, etc., mitwirken wollen. Objektiv gesehen sind bewusst handelnde Menschen im Sinne der "Kategorie Arbeit" auch in Lebenssituationen der "Arbeitslosigkeit" nicht arbeitslos.
Unter marktwirtschaftlichen Bedingungen kann es jedoch auch strukturelle Gründe für "Arbeitslosigkeit" geben, z.B. in Folge zunehmender Automatisierung und Produktivitätssteigerungen. Die Entwicklung oder Instandhaltung komplexer technischer Systeme bietet zwar gut ausgebildeten, qualifizierten Arbeitskräften ggf. neue Arbeitsperspektiven. Diese reichen aber zur Kompensation der entfallenen Erwerbsarbeit nicht aus. In höherentwickelten Industriestaaten hat die Produktivität Ende des 20. Jahrhunderts einen Stand erreicht, der es erlaubt mehr als ein Drittel der Staatsbevölkerung sozial von der Erwerbsarbeit auszugrenzen. Die Beseitigung dieses Zustands wird als eine der Hauptaufgaben verantwortungsvoller Staatsführungen angesehen.
Im Industriezeitalter haben die Menschen Organisationsformen entwickelt, um die Aneignung und Nutzung der Arbeits-Ressourcen und die Verteilung der Arbeits-Resultate durch institutionalisierte Arbeitskämpfe sozial gerechter und volkswirtschaftlich effektiver zu gestalten. Aus der Geschichte der Arbeitskämpfe kann abgeleitet werden, dass die Einführung neuer Arbeitszeitmodelle zur Reduzierung und gleichzeitigen Flexibilisierung der Arbeitszeit probate Wege zur mittelfristigen Umverteilung der Erwerbsarbeit und Überwindung der Massen-Arbeitslosigkeit sind. Außerdem gilt es noch brachliegende oder neue Felder der Erwerbsarbeit für die Gesellschaft zu erschließen, z.B. im Erziehungs- und Bildungswesen, in Wissenschaft und Forschung, in der Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft, bei der Entwicklung und weltweiten Einführung umweltschonender Technologien. Denkbar wären auch verstärkte Bemühungen zur Eroberung des Weltraums, um ggf. extraterrestrische Ressourcen zu erkunden und zu nutzen.
Trotz alle dem gilt auch für die "Kategorie Arbeit" das, was z. B. Karl Popper in "Die Offene Gesellschaft und ihre Feinde" intendierte, als er sich für die Demokratie einsetzte: Der aus freiem Willen selbstbestimmt und eigenverantwortlich handelnde Mensch ist eine allgemeingültige Grundbedingung für die "bewusste schöpferische Auseinandersetzung mit der Natur und der Gesellschaft". Sklaven, Zwangsarbeiter oder im Kadavergehorsam verhaftete Soldaten nehmen im Rahmen eng gesetzter Aufträge bzw. Befehle die Rolle fremdbestimmter "Arbeitsmittel" bzw. "Waffen" ein, die ihren Macht- bzw. Befehlshabern mit Körperkraft und Intelligenz nützliche Dienste erweisen. Gemäß der "Kategorie Arbeit" sahen die Römer in ihren Sklaven keine Menschen, sondern sprechende Werkzeuge.
Arbeits-Aspekte und -Begriffe, die Karl Marx in die Philosophie einführte.
Karl Marx und Friedrich Engels analysierten die Arbeit unter philosophischen, entwicklungsgeschichtlichen, ökonomischen und sozialen Aspekten. Eine ausführliche Darstellung des Arbeitsprozesses findet sich in Das Kapital Band I; Fünftes Kapitel; Arbeitsprozess und Verwertungsprozess. Unter 1. Arbeitsprozess heißt es da einleitend:
:"Die Arbeit ist zunächst ein Prozeß zwischen Mensch und Natur, ein Prozeß, worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigne Tat vermittelt, regelt und kontrolliert. Er tritt dem Naturstoff selbst als Naturmacht gegenüber. Die seiner Leiblichkeit angehörigen Naturkräfte, Arme und Beine, Kopf und Hand, setzt er in Bewegung, um sich den Naturstoff in einer für sein eignes Leben brauchbaren Form anzueignen. Indem er durch diese Bewegung auf die Natur außer ihm wirkt und sie verändert, verändert er zugleich seine eigne Natur. Er entwickelt die in ihr schlummernden Potenzen und unterwirft das Spiel ihrer Kräfte seiner eignen Botmäßigkeit."
Einige Arbeits-Aspekte und -Begriffe, die Karl Marx in den Schriften zur Kritik der politischen Ökonomie und in seinem Hauptwerk Das Kapital näher beschrieben hat, sind ebenfalls von allgemeinerer Bedeutung und bis heute Gegenstand philosophischer, sozialwissenschaftlicher und politischer Diskurse.
Konkrete Arbeit
Arbeitende Menschen führen immer konkrete Tätigkeiten aus und leisten damit i.d.R. zweckmäßige, zielgerichte "konkrete Arbeit" (Karl Marx nennt es "konkrete nützliche Arbeit"). Entsprechend den Fähigkeiten, Fertigkeiten und Bedürfnissen der einzelnen Menschen und ihrer individuellen Lebenssituationen ist "konkrete Arbeit" nach Form und Inhalt unendlich vielfältig. Auch unter dem Aspekt der individuellen Zweckmäßigkeit und Zielsetzung bestimmt der arbeitende Mensch, welche "konkrete Arbeit" durch ihn zu leisten ist. "Konkrete Arbeit" erfordert vom arbeitenden Menschen den Einsatz seiner Arbeitskraft, das heißt immer ein gewisses Quantum an "lebendiger Arbeit", sowie die Bereitstellung und Nutzung der notwendigen Arbeitsmittel. Durch den Gebrauch und die Verarbeitung der Arbeitsmittel entstehen ihm dabei in der warenproduzierenden Gesellschaft Kosten. Dafür gehören ihm die Ergebnisse seiner "konkreten Arbeit". Als Eigentümer des Arbeitsergebnisses verfügt er - je nach Grad der Zielerreichung - über einen Gebrauchswert, der sich individuell aus seiner persönlichen Bedürfnislage und ideellen Wertschätzung ergibt, unabhängig vom Aufwand oder irgendwelchen anlegbaren Marktpreisen. Über die "konkrete Arbeit" scheibt Karl Marx (siehe Das Kapital, Band I, 1. Kapitel):
:"Als Bildnerin von Gebrauchswerten, als nützliche Arbeit, ist die Arbeit daher eine von allen Gesellschaftsformen unabhängige Existenzbedingung des Menschen, ewige Naturnotwendigkeit, um den Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur, also das menschliche Leben zu vermitteln."
Abstrakte Arbeit
Der von Karl Marx postulierte "Doppelcharakter der in den Waren dargestellten Arbeit" beruht auf der Tatsache, dass der mittels "konkreter Arbeit" geschaffene Gebrauchswert einer Ware zwar die Grundvoraussetzung zu deren Vermarktung überhaupt ist, damit aber noch keine Aussage über die Höhe des Tauschwerts vorliegt. Der materialistischen Weltsicht zufolge entspringt jedoch auch der Tauschwert einer Ware primär der dafür aufgewendeten Arbeit. Deshalb führte Karl Marx den Begriff der "abstrakten Arbeit" ein. Zum Doppelcharakter der Arbeit schreibt er (siehe Das Kapital, Band I, 1. Kapitel):
- "Alle Arbeit ist einerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen Sinn, und in dieser Eigenschaft gleicher menschlicher oder abstrakt menschlicher Arbeit bildet sie den Warenwert."
- "Alle Arbeit ist andererseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in besonderer zweckbestimmter Form, und in dieser Eigenschaft konkreter nützlicher Arbeit produziert sie Gebrauchswerte."
Ausgehend von der "abstrakten Arbeit", die selbst den Charakter des Tauschwertes in sich trägt, entwickelte Karl Marx die Arbeitswerttheorie, die in der Volkswirtschaftlehre heute als weitgehend widerlegt gilt. Allerdings spielt die "abstrakte Arbeit" bei der Arbeitswertbestimmung im Rahmen von Lohn- und Gehaltstarifen auch jetzt noch eine grundlegende Rolle.
Entfremdete Arbeit
Karl Marx analysierte in seiner "Kritik der politischen Ökonomie", dass unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen die doppeltfreien Lohnarbeiter gezwungen sind, ihre Arbeitskraft an die Eigentümer der Produktionsmittel zu verkaufen. Damit nimmt die Arbeitskraft Warencharakter an. Der Preis der Arbeitskraft bzw. Lohn stellt sich unter Marktbedingungen entsprechend Angebot und Nachfrage ein. "Konkrete Arbeit", die der Lohnarbeiter leistet, wird dadurch zu "entfemdeter Arbeit". Für einen lohnabhängigen Menschen ist der Zweck und das primäre Ziel seiner "entfremdeten Arbeit" der Arbeitslohn, also Geld. Lohnarbeiter interessiert daher die Werthaltigkeit der Arbeitsergebnisse, die sich in der Qualität, in den Kosten und in den Preisen der hergestellten Waren und Dienstleistungen manifestiert, eigentlich nur unter Aspekten der Lohnsicherheit und Arbeitsplatzerhaltung. Eine durchaus vergleichbare Interessenlage findet sich auf Seiten der angestellten Manager, die mit hohen Einkommen nichts anderes als "entfremdete (geistige) Arbeit" leisten und i.d.R. nur bereit sind Verantwortung für die ökonomischen, ökologischen und sozialen Folgen ihrer Entscheidungen zu übernehmen, wenn sie der ordnungspolitische Rahmen staatlicher Gesetze mit entsprechenden Strafverfolgungsmaßnahmen dazu zwingt.
Arbeit als Menschenrecht
Die fortschreitende Automatisierung der Arbeitsprozesse führt in den hochentwickelten Industriestaaten zu einem anhaltenden Verfall der Arbeitskraft-Nachfrage. In der Tendenz bewirken die Marktgesetze, dass durch Automatisierung die Quantität der "entfremdeten Arbeit" abnimmt, die Arbeitslosigkeit steigt und die Reallöhne auf Seiten der Arbeitnehmer sinken. Im Rahmen der Sozialen Marktwirtschaft ist es daher eine der wichtigsten Aufgaben des Staates die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen mittels wirtschafts-, finanz- und sozialpolitischer Maßnahmen so zu gestalten, dass daraus keine gesellschaftsgefährdenden Strukturkrisen auf dem Arbeitsmarkt entstehen.
In der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" ist das Recht auf Arbeit im Artikel 23 erklärt. [http://www.runiceurope.org/german/menschen/udhr_template.htm 1]
:(1) Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.
:(2) Jeder, ohne Unterschied, hat das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit.
:(3) Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere soziale Schutzmaßnahmen.
:(4) Jeder hat das Recht, zum Schutze seiner Interessen Gewerkschaften zu bilden und solchen beizutreten.
In der sächsischen Verfassung ist das Recht auf Arbeit im Artikel 7 Menschenwürdiges Dasein als Staatsziel ebenfalls verankert.
[http://www.landtag.sachsen.de/slt_online/de/infothek/volksvertretung/popup_verfassung.html 2]
:(1) Das Land erkennt das Recht eines jeden Menschen auf ein menschenwürdiges Dasein, insbesondere auf Arbeit, auf angemessenen Wohnraum, auf angemessenen Lebensunterhalt, auf soziale Sicherung und auf Bildung, als Staatsziel an.
:(2) Das Land bekennt sich zur Verpflichtung der Gemeinschaft, alte und behinderte Menschen zu unterstützen und auf die Gleichwertigkeit ihrer Lebensbedingungen hinzuwirken.
Das Recht auf Arbeit beinhaltet nicht das Recht auf einen Arbeitsplatz.
Siehe auch
- Arbeit, Arbeit (Soziologie), Arbeit (Ökonomie), Arbeit (Marxismus), Arbeitswertlehre, immaterielle Arbeit, Lebensarbeitszeitkonto
- Politische Ökonomie, Volkswirtschaftslehre, Betriebswirtschaftslehre, Arbeitssoziologie
Literatur
- Karl Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde.
- Band I: Der Zauber Platons., Francke Verlag, Bern 1957
- Band II: Falsche Propheten - Hegel, Marx und die Folgen., Francke Verlag, Bern 1958
- Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie.
- Band I: Der Produktionsprocess des Kapitals., Verlag von Otto Meissner, Hamburg 1867
- Band II: Der Cirkulationsprocess des Kapitals. (Herausgegeben von Friedrich Engels), Verlag von Otto Meissner, Hamburg 1885
- Band III: Der Gesammtprocess der kapitalistischen Produktion, Kapitel I bis XXVIII. (Herausgegeben von Friedrich Engels), Verlag von Otto Meissner, Hamburg 1894
- Friedrich Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England. Nach eigener Anschauung und authentischen Quellen., Dietz-Verlag, Stuttgart 1892 (Neu herausgegeben von Walter Kumpmann bei DTV, München 1987, ISBN 3423060123)
- Günther Anders: Die Antiquiertheit des Menschen: Über die Zerstörung des Lebens im Zeitalter der dritten industriellen Revolution., Verlag C.H. Beck 1980, ISBN 3406476457
- Manfred Brocker: Arbeit und Eigentum. Der Paradigmawechsel in der neuzeitlichen Eigentumstheorie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1992.
- Wulf D. Hund: Stichwort Arbeit: Vom Banausentum zum travail attractif. Distel Verlag, Heilbronn 1990, ISBN 3-923208-21-9
- Ernst Lohoff, Norbert Trenkle, Karl-Heinz Lewed, Maria Wölflingseder (Hg.): Dead Men Working. Gebrauchsanweisungen zur Arbeits- und Sozialkritik in Zeiten kapitalistischen Amoklaufs. 2004. ISBN 3-89771-427-2
- Arne Eggebrecht, Jens Flemming, Gert Meyer, Achatz v. Müller, Alfred Oppolzer, Akos Paulinyi, Helmuth Schneider: Geschichte der Arbeit. Vom Alten Ägypten bis zur Gegenwart. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1980, ISBN 3462013823.
- Holger Schatz: Arbeit als Herrschaft. Die Krise des Leistungsprinzips und seine neoliberale Rekonstruktion., 2004, ISBN 3-89771-429-9
- Jörg Reitzig: Gesellschaftsvertrag, Gerechtigkeit, Arbeit, Münster 2005: Verlag Westfälisches Dampfboot, ISBN 3-89691-611-4
- Hans Uske: Das Fest der Faulenzer. Die öffentliche Entsorgung der Arbeitslosigkeit., Duisbug, ISBN 3-927388-47-5
Weblinks
- [http://www.runiceurope.org/german/menschen/udhr_template.htm Allgemeine Erklärung der Menschenrechte]
- [http://www.landtag.sachsen.de/slt_online/de/infothek/volksvertretung/popup_verfassung.html Verfassung des Freistaates Sachsen Vom 27. Mai 1992]
- [http://www.mlwerke.de/me/me20/me20_444.htm Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen] (Friedrich Engels)
- [http://www.bloch-akademie.de/txt/t4_02.htm Faktor Arbeit in der Philosophie Ernst Blochs]
Kategorie:Sozialphilosophie
Kategorie:Wirtschaft
Kategorie:Arbeit
William James DurantWilliam James Durant ( - 5. November 1885 in North Adams, Massachusetts; † 7. November 1981) war ein US-amerikanischer Philosoph und Schriftsteller.
Leben
Durant hatte franko-kanadische Eltern. Er kämpfte für gleiche Löhne, das Stimmrecht für Frauen und gerechtere Arbeitsbedingungen für die amerikanischen Arbeitnehmer. Er schrieb effektvoll über diese Themen und seine Ideen und versuchte, die Philosophie dem einfachen Menschen näher zu bringen.
Bei Die Geschichte der Zivilisation war seine Frau Ariel Koautorin.
Werk (Auswahl)
- Die Geschichte der Philosophie
- Die Geschichte der Zivilisation
- Kulturgeschichte der Menschheit
Weblinks
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Durant, William James
Durant, William James
Durant, William James
Durant, William James
Durant, William James
Durant, William James
Durant, William James
Durant, William James
Durant, William James
Kreativität
Kreativität (von lat. creatio - Schöpfung) ist die Fähigkeit intelligenter Lebewesen, neue und unübliche Kombinationen für bestehende und neue Aufgabenstellungen zu finden. Das Patentrecht bietet die international standardisiertesten Verfahren zur Beurteilung von Kreativität und setzt voraus, dass Kreationen "sinnvoll" seien. Im anderen Bereichen - z.B. in der Kunst - ist dagegen der Zweck kein Maßstab zur Beurteilung der schöpferischen Leistung. Bei der Schaffung von Chindōgus ist sogar das Fehlen kommerzieller Nutzbarkeit ein Qualitätskriterium.
Voraussetzung für Kreativität ist die Fähigkeit, Dinge und Vorgehensweisen frei und neu kombinieren und entwickeln zu können. Eine andere, sehr gebräuchliche Definition lautet: Kreativität ist die Fähigkeit, produktiv gegen Regeln zu denken und zu handeln (also: nicht nur zu kombinieren) und damit auch neue Regeln aufzustellen. Allgemein ist Kreativität eine "intelligente" Sonderform der Produktivität. Darum kann Kreativität im Umkehrschritt als ein Indikator für die Intelligenz von Lebewesen dienen.
Unter Kreativität kann demnach die schöpferische, Ideen entwickelnde Kraft des
Menschens verstanden werden. Dies bedeutet nicht unbedingt, dass dabei etwas völlig neues auf der Grundlage von bisher Unbekanntem geschaffen wird. Neues entsteht vielmehr dadurch, dass bei dem kreativen Prozess vorhandenes Wissen in "ungewöhnlicher" Weise kombiniert wird. Aus diesem Grund wird der Prozess oft als unlogisch empfunden, das Ergebnis jedoch als im höchsten Maße logisch wahrgenommen.
Siehe auch: Kreativitätstechnik, Phasen des kreativen Prozesses, Innovation
Zitate
Neues entsteht an den Grenzen. Und nur dort. Durch achtsames Überschreiten und gekonnte Kombination. – Bernhard von Mutius
Man kann sagen, Kreativität ist die wichtigste Eigenschaft im Leben. Mit ihr kann man mehr erreichen, glücklicher sein, flexibel und vor allem einfallsreich sein. Probleme lassen sich durch wahre Blitzgedanken sofort lösen, ohne darüber lange und verzweifelt nachzudenken.
Kreativität spielt oftmals auch im Beruf und den damit verbundenen Anforderungsprofilen eine wichtige Rolle. z.B. braucht man in der Fotografie Kreativität um sein gestalterisches Talent zu verwirklichen.
Auch in Bereichen wie Malerei, d.h. in künstlerischen Berufen, oder Design, sowie Architektur, ist sie manchmal unausweichlich und ebenso erfolgsabhängig. Doch darf man sie nicht nur auf diese Bereiche beschränken, spielt sie doch in jeden Lebensabschnitten oder Lebensbereichen einen ausschlaggebenen Faktor. Kreativität macht sich z.B oftmals in Gedichten bemerkbar, die einem auf den ersten Blick gar nicht gefallen, da sie wirr und konfus sind. Dann kommt meistens die übliche Frage auf, warum man selbst nicht auf diese Idee, die anfangs so sinnlos verwirklicht schien, gekommen ist. Auch bei Kunstwerken, die auf das Interesse aller Bevölkerungsschichten stoßen sollten, findet man interessant umgesetzte Motive, die nicht zuletzt deshalb so anziehend und schön wirken, weil der Künstler seine eigene Kreativität zum Ausdruck brachte. Sie ist oftmals auch ein Spiegel der Wirklichkeit, erkennt man doch eben durch diese Gabe (Kreativität) den Charakter eines Menschen am besten. Auf welche Art und Weise er Probleme löst, wie er mit Dingen umgeht, wie flexibel er auf Alltagssituationen reagiert oder sogar auf welche Art und Weise er es auch immer schafft an Geld zu kommen. Kreativität ist tief mit der menschliche Seele und dem Unterbewusstsein verankert, sodass Menschen viele einfallsreiche Eigenschaften nie ans Tageslicht bringen können, da sie es gar nicht einmal versuchenn wollen, von ihrem Alltag in einigen Gewohnheiten abzuweichen. Dies soll nicht heißen, dass die meist angeborene und "anerzogene" Einstellung des Menschen die Kreativität eingrenzt, verdrängt oder gar fördert. Man kann sie allerdings auch nicht erlernen. Man muss sie ausleben, da jeder Mensch auf seine eigene Art und Weise kreativ ist, d.h. in Lebensbereichen, von denen man nie erdacht hätte, dass sie auf kreativer Grundlage basieren. (zitat?)
WebLinks
- [http://www.whyareyoucreative.com/ Why are you creative?]
- [http://www.geistesblitz.de Geistesblitz - Blog mit vielen Artikeln zu den Themen Kreativität und Rhetorik]
- [http://www.akus.at/bildung.html ARGE für Kunsttherapie und Supervision]
- [http://www.creativcoach.com Das Wissensportal rund um Kreativität und Ideenfindung]
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simple:Creativity
Albert Schweitzer
Albert Schweitzer ( - 14. Januar 1875 in Kaysersberg im Oberelsass bei Colmar, Deutsches Reich; † 4. September 1965 in Lambaréné, Gabun) war ein elsässischer evangelischer Theologe und Pfarrer, Orgelkünstler, Musikforscher (Musiker), Philosoph und Arzt. In der evangelischen Kirche ist sein Gedenktag am 4. September.
Schweitzer stammte aus einer alemannisch-elsässischen Familie. Er gründete das Krankenhaus in Lambaréné im Gabun und war 1952 Friedensnobelpreisträger. Er spielte sich selber in einem Film von Gilbert Cesbron über sein Leben. Unter seinen theologischen Werken kann man Die Mystik des Apostels Paulus (1962); Das Christentum und die Weltreligionen, Geschichte der Leben-Jesu-Forschung (1961) nennen. Seine philosophischen Werke: Die Weltanschauung der indischen Denker (1936); Kultur und Ethik, Verfall und Wiederaufbau der Kultur, Das Problem des Friedens in der Heutige, Die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben. Seine autobiographischen Werke: Zwischen Wasser und Urwald, Aus meinem Leben und Denken, Aus meiner Kindheit und Jugendzeit, die Linde von Gunsbach. Musikologische Werke: Johann Sebastian Bach (Biographie), Die Orgelwerke Johann Sebastian Bachs. Er war auch Organist und Mitherausgeber einer Ausgabe von Bachs Orgelwerken.
Leben und Werk
Frühe Jahre und Ausbildung
Albert Schweitzer studierte in Deutschland (Deutsches Reich) an der Universität in Straßburg die Fächer Theologie und Philosophie; daneben studierte er in Frankreich (Paris) bei Charles-Marie Widor Orgel und war Mitglied der Wilhelminata-Studentenverbindung.
1899 promovierte er im Fach Philosophie mit einer Dissertation über "die Religionsphilosophie Kants von der Kritik der reinen Vernunft bis zur Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft". 1901 folgt die theologische Dissertation "Kritische Darstellung unterschiedlicher neuerer historischer Abendmahlsauffassungen" (Erstauflage 1906) - die in der zweiten Fassung den weitaus bekannteren Titel "Geschichte der Leben-Jesu-Forschung" (Tübingen 1913) trägt.
Nach seinem Studienabschluss wurde er Dozent für Theologie an der Universität Straßburg und Vikar an der Kirche St. Nikolai. Seine Theologie fand unter anderem bei Fritz Buri Nachhall. Schweitzer schrieb 1905 die französische Ausgabe von "Johann Sébastien Bach", die er drei Jahre später 1908 in seiner deutschen Muttersprache neu verfasste.
Leben als Mediziner in Afrika
Mit 30 Jahren beschloss Albert Schweitzer, Medizin zu studieren, um im Gabun als Missionsarzt dem Ruf Jesu Christi nachzufolgen und Menschen helfen zu können. Seine medizinische Doktorarbeit "Die psychiatrische Beurteilung Jesu: Darstellung und Kritik" widerlegt, analog seiner theologischen Dissertation, zeitgenössische Versuche aus dem Bereich der zeitgenössischen Forschung, das Leben Jesu aus psychiatrischer Sicht beleuchten zu können.
1913 gründete er in Französisch-Äquatorialafrika (heute Gabun), an einem Fluss der afrikanischen Westküste, das Urwaldspital Lambaréné. Als Deutsche wurden er und seine Frau Helene Schweitzer-Bresslau ab 1914 zeitweise von den Franzosen interniert. Diese Zeit nutzte er zur Entwicklung und zum Ausbau seiner Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben. Zentral für diese Ethik ist der Satz: »Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.«
1917 wurde das Ehepaar Schweitzer von Afrika nach Frankreich überführt und in Bordeaux, Garaison und St. Rémy de Provence interniert. 1918 kamen sie ins Elsass zurück, das inzwischen wieder französisch geworden war. Dort nahm Albert Schweitzer wieder die Stelle als Vikar in St. Nicolai an und trat als Assistenzarzt in ein Straßburger Spital ein.
Dank des schwedischen Bischofs Nathan Söderblom konnte Albert Schweitzer ab 1920 in Schweden Vorträge über seine Ethik der "Ehrfurcht vor dem Leben" halten, mittels Orgelkonzerten seine Schulden bezahlen und Geld für die Rückkehr 1924 nach Afrika verdienen, um dort das Urwaldhospital auszubauen.
Bekannt wurde Albert Schweitzer vor allem durch sein Buch "Zwischen Wasser und Urwald", das er in kurzer Zeit 1921 geschrieben hatte. In seiner Rede zum 100. Todestag Johann Wolfgang von Goethes 1932 in Frankfurt am Main warnte Schweitzer vor dem aufkommenden Nationalsozialismus.
In seiner Rede zur Verleihung des Friedensnobelpreises 1952 warnte Schweitzer davor, alle Verbrechen der Weltgeschichte allein nur "den Deutschen" und dem Nationalsozialismus anzulasten und deren Verbrechen als "einzigartig" hinzustellen, vielmehr sei jede Art von Gewalt zu allen Zeiten und bei allen Völkern gleichermaßen zu verurteilen. Albert Schweitzer war ein Gegner von Atomversuchen und atomarer Rüstung und setzte sich daher 1957 und 1958 über Radio Oslo in mehreren Reden dagegen ein. Seine Reden wurden auch in dem Buch Frieden oder Atomkrieg veröffentlicht.
Albert Schweitzer war 44 Jahre alt, als seine elsässische Heimat von Frankreich annektiert wurde, damit bekam er als Deutscher die französische Staatsangehörigkeit. Da er kein Franzose war, wird er heute auch nicht als einer der Söhne Frankreichs angesehen. Deutsch war seine Muttersprache, Französisch seine erste Fremdsprache. Mit Frankreich verband ihn aber Jean-Paul Sartre, der Sohn von Schweitzers Cousine Anne-Marie. Die kritische Auseinandersetzung mit der gerade in Frankreich populär gewordenen Existenzphilosophie beschäftigte ihn noch in seinen letzten Lebensjahren. Schweitzers Großneffe Louis Schweitzer ist heute Vorstandsvorsitzender des französischen Automobilkonzerns Renault.
Auszeichnungen
- Goethe-Preis 1928
- Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1951
- Friedensnobelpreis 1952
- Orden der Friedensklasse des 'Pour le Mérite' 1954
- Ehrenbürger der Stadt Frankfurt am Main 1959.
Literatur
- Albert Schweitzer: Gesammelte Werke in fünf Bänden. Hrsg. von Rudolf Grabs. Beck, München 1974 ISBN 3406042155
- James Bentley: Albert Schweitzer. Eine Biographie. Düsseldorf, Patmos 1993 ISBN 3491690315
- Tomaso Carnetto: Albert Schweitzer: Tatsachen. Eine Einführung in Leben und Werk. CD-ROM für Windows und Mac mit Textband, Verlag P12c 2002 ISBN 3933176034
- Claus Günzler: Albert Schweitzer. Einführung in sein Denken. Beck, München 1996. ISBN 406392490
- Harald Steffahn: Albert Schweitzer. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. 14. Aufl. Rowohlt, Reinbek 2000 ISBN 3499502631
- Albert Schweitzer: Johann Sebastian Bach. Wiesbaden 1979, ISBN 376510034X
- Albert Schweitzer und Fritz Buri: Existenzphilosophie und Christentum. Briefe 1935 - 1964. Eingeleitet, kommentiert und hrsg. von Andreas Urs Sommer. München 2000, ISBN 3-406-46730-X.
Namensgeber
- Albert-Schweitzer-Gymnasium Alsfeld
- Albert-Schweitzer-Schule Amberg
- Albert-Schweitzer-Gymnasium Dillingen
- Albert-Schweitzer-Schule Dorsten
- Albert-Schweitzer-Grund- und Hauptschule Freiburg
- Albert-Schweitzer-Gymnasium Freiburg
- Albert-Schweitzer-Gymnasium Hamburg
- Albert-Schweitzer-Schule Hamburg
- Albert-Schweitzer-Gymnasium Hürth
- Albert-Schweitzer-Gymnasium Kaiserslautern
- Albert-Schweitzer-Realschule Köln-Ostheim
- Albert-Schweitzer-Schule Nienburg/Weser [http://www.ass-nienburg.de]
- Albert-Schweitzer-Gymnasium Offenbach
- Albert-Schweitzer-Gymnasium Plettenberg
- Albert-Schweitzer-Schule Villingen-Schwenningen
Siehe auch
- Geschichte der Medizin
- Liste bedeutender Mediziner und Ärzte
Weblinks
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- [http://www.schweitzer.org/german/asdind.htm Archiv und Museum Günsbach / AISL]
- [http://www.schweitzerlambarene.net Lambaréné]
- [http://www.nobel.se/peace/laureates/1952/index.html/ Nobelstiftung, Stockholm (engl.)]
- [http://www.albert-schweitzer-zentrum.de Albert Schweitzer Zentrum]
- [http://www.quellenlexikon.de/probe29.htm#H213 Heiner Schmidt: Quellenlexikon zur deutschen Literaturgeschichte, Bd. 29. 2001, S. 44-105] (Bearbeiter: Werner Raupp)
- http://www.uni-giessen.de/~gk1415/Albert-Schweitzer.htm
- [http://private.addcom.de/kdvo/stiftung/ Albert-Schweitzer-Gedenk-und Begegnungsstätte Weimar]
- [http://www.auslandsdienst.at/sozialdienst/deutsch/stellen/stelle42.php4 Österreichischer Auslandsdienst in Lambaréné ]
Schweitzer, Albert
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Schweitzer, Albert
Schweitzer Albert
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Kategorie:Heiliger
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ja:アルベルト・シュバイツァー
NaturDer Begriff Natur (lat.: natura, von nasci „entstehen, geboren werden“) wird in verschiedenen Gesellschaften und oft auch innerhalb einer Gesellschaft unterschiedlich und teilweise widersprüchlich verwendet.
Natur als Gegenbegriff zur Kultur
Unter Natur wird heute in westlichen Kulturkreisen im Allgemeinen das bezeichnet, was nicht vom Menschen geschaffen wurde. Natur ist bei dieser vorherrschenden Auffassung das Gegenteil von Kultur. Objekte der Natur sind nach dieser Auffassung z.B. Steine, Pflanzen, Tiere, Landschaft - ob der Mensch selbst zur Natur gehört oder nicht, ist bereits nicht mehr gesellschaftlicher Konsens. Man unterscheidet dabei zwischen belebter Natur (z.B. Tier, Pflanze) und unbelebter Natur (z.B. Steine).
Naturereignisse, Naturerscheinungen sind unter anderem Regen oder Gewitter, das Klima insgesamt. Dass auch diese natürlichen Phänomene längst nicht mehr von der Kultur des Menschen unbeeinflusst sind, passt nicht zu dieser tradierten Auffassung. Der menschliche Umgang mit der Natur wird immer häufiger zum Gegenstand einer Kritik an der Kultur, an Gesellschaftssystemen oder Regierungen.
Heute stellen sich in dieser Hinsicht mehr denn je ethische Fragen: Umweltverschmutzung und ökologische Probleme, dazu die Knappheit der Rohstoffe sind die Folgen einer jahrelangen Ignoranz gegenüber natürlichen Werten. Ereignisse, die der Mensch nicht in den Griff bekommt, wie Erdbeben, Vulkanausbrüche und ähnliches, sind im menschlichen Maßstab Naturkatastrophen. Die Forderung nach Eingriffen in das Naturgeschehen zum Schutz vor solchen Naturgefahren steht im Gegensatz zu der genannten Kulturkritik. Heute weiß man: Die Natur ist zerstörbar und kann sich aus eigener Kraft in manchen Bereichen nicht erneuern.
In unserem Sprachgebrauch vorhandene Wendungen wie "natürlich" (selbstverständlich) oder "in der Natur der Sache" verweisen auf die elementare Bedeutung des Begriffs Natur. Bereits in der Romantik war ein grosses Interesse an der Natur - in Verbindung mit einer gesteigerten Hinwendung zu Innerlichkeit und | | |