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Landschaft
Unter dem Begriff Landschaft versteht man im heutigen Sprachgebrauch ein geographisches oder natürliches Gebiet, ein Ausschnitt der Erdoberfläche, der sich durch gemeinsame Merkmale, sein Erscheinungsbild und sein besonderes Gepräge von anderen Landschaften mehr oder minder deutlich abgrenzt. (siehe auch Kulturlandschaft)
Einige charakterisierende Beispiele von Landschaften (besser: Landschaftstypen oder Landschaftsformen) sind:
- Küstenlandschaft
- Seenlandschaft
- Hügellandschaft
- Mittelgebirgslandschaft
- Berglandschaft
- Wüstenlandschaft
- Salzsteppenlandschaft
Die Naturlandschaft oder "natürliche Landschaft" ist ein von Menschenhand noch nicht, oder nur unwesentlich veränderter Naturraum.
Die Kulturlandschaft hingegen ist eine vom Menschen für seine Zwecke durch Landwirtschaft, Viehzucht, Gartenbau, Anlegen von Parkanlagen, Verkehrswegen und Siedlungen gestaltete Landschaft. Der Begriff der Kulturlandschaft geht bis zur Stadtlandschaft und Industrielandschaft.
Anzumerken ist, dass für Kulturlandschaften besser der Begriff Region Anwendung finden sollte. Am Beispiel Rhein-Main und Rhein-Neckar, wo gemeinsame geschichtliche, kulturelle und wirtschaftliche Aspekte die naturräumliche Gliederung u. a. in Rheintal, in Maintal und Neckartal sich weitestgehend überdecken und dieses Gebiet sich zudem noch auf mehrere Bundesländer erstreckt, wird deutlich, dass der Begriff in "Region" diesem Zusammenhang geeigneter erscheint.
Landschaften können Eigennamen, so genannte Toponyme tragen wie zum Beispiel Harz. Gleichzeitig ist aber der Harz ein Mittelgebirge oder wissenschaftlich typisierend - eine Mittelgebirgs- oder Berglandschaft. Genauso gut kann man den Harz unter Waldlandschaft einordnen.
In den Beispielen Glogau-Baruther-Urstromtal, Nördlicher Landrücken oder Saarmunder Endmoränenbogen finden wir wissenschaftlich, vor allem durch die Geologie geprägte Begriffe, die im allgemeinen Sprachgebrauch kaum Verwendung finden. Gleichwohl gilt dies für allgemein-geografische Karten hinsichtlich der Beschriftung. Dennoch aber spielen diese, weil sie typische Naturräume mit gemeinsamen Merkmalen benennen, eine Rolle. Sowohl für das Glogau-Baruther-Urstromtal als auch den Nördlichen Landrücken gibt es quasi "Untermengen", die durchaus allgemeine Gültigkeit und Bekanntheit vorweisen können (Baruther Urstromtal, Spreewald für ersteres; Feldberger Seenlandschaft für das zweite Beispiel). Dazu kommt erschwerend, dass natürliche Landschaftsgrenzen in der Natur kaum zu finden sind.
Den Landschaftsbegriff noch diffuser gestaltend wirkt sich die Tatsache aus, dass von Großlandschaften und Kleinlandschaften in der wissenschaftlichen Literatur die Rede ist. Die Wissenschaft versucht ebenfalls, Landschaften in einer Art Staffelung zu klassifizieren. In kleineren Landschaftsräumen wie z. B. Kaiserstuhl besteht hinsichtlich seiner Lage und seiner Begrenzung weitgehend Einigkeit. Problematischer wird es bei größeren Landschaftsräumen. Was alles umfasst Mitteldeutschland oder Mitteleuropa? Eine Art Taxonomie, wie in der Biologie üblich, ist unbefriedigend und bleibt unvollständig, gelingt nur teilweise, da Landschaften über zu viele natürliche und kulturelle Merkmale in der Gesamtheit verfügen.
Damit wird ein Problem deutlich, dass in der deutschsprachigen Wissenschaft der Geographie ab den 1950er Jahren der Begriff der Landschaft einer weitreichenden Diskussion unterzogen wurde. Diese Diskussion zeigt bis in die heutige Zeit ihre Auswirkungen. Um den Raumbegriff insgesamt näher zu spezifizieren, konnte dem Begriff Landschaft schließlich keine befriedigende, eindeutige Definition zugeordnet werden.
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Siehe auch:
- Landschaftspflege, Landschaftsschutzgebiet, Gelände, Natur, Naturschutz, Toponym
- Liste der Landschaften in Bayern
- Landschaften in Baden-Württemberg
- Liste der Landschaften in Brandenburg
- Liste der Landschaften in Nordrhein-Westfalen
- Liste der Landschaften in Rheinland-Pfalz
- Liste der Landschaften in Sachsen
Literatur
- Hansjörg Küster: Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa. München 1999, ISBN 3-406-45357-0
Weblinks
Kategorie:Physische Geographie
Kategorie:Humangeographie
!
Kategorie:Topografie
ja:景観
GeographieDie Geographie (auch: Geografie, griechisch Γεωγραφια geographia; gaia – Erde; gráphein – kritzeln, schreiben, zeichnen), vor allem in Deutschland umgangssprachlich auch Erdkunde genannt, untersucht die Beschaffenheit der Erdoberfläche und deren Auswirkungen auf den Menschen und bildet so eine Nahtstelle zwischen den Natur- und den Sozialwissenschaften. Dabei werden sowohl die Topographie der Landschaft als auch wirtschaftliche Faktoren (z. B. Lagerstätten, Wasserhaushalt) und die Stadtentwicklung ins Kalkül gezogen. Dort, wo diese Untersuchungen vom Menschen aus gesehen werden, bildet sich eine Überschneidung zur Ethnologie (Völkerkunde).
Geographie ist also die Lehre von der Umwelt des Menschen und vom wechselseitigen Beziehungsgefüge Mensch - Umwelt in räumlicher Sicht.
Die Definition, was Geographie ist, gestaltet sich entsprechend obiger Kurzbeschreibung problematisch und ist historischen und politischen Veränderungen unterworfen. Der Begriff Geographie wurde erstmals von dem griechischen Gelehrten Eratosthenes verwendet.
Geschichte
Die Bedeutung geographischen Wissens wurde erstmals in der Antike von den Griechen erkannt. Deren Erkenntnisse nutzten die Römer weiter. Während des europäischen Mittelalters geriet die Geographie, wie andere Wissenschaftszweige auch, wieder in Vergessenheit. Lediglich aus dem Kaiserreich China und dem aufstrebenden Orient kamen neue Impulse.
In den Anfängen der heutigen wissenschaftlichen Geographie im 19. Jahrhundert war deren Ziel im Wesentlichen die Entdeckung, Erkundung bisher unbekannter Regionen der Erde (terra incognita); sie hatte sich die Auffüllung und Entdeckung der "weißen Flecke" auf der Landkarte zur Aufgabe gemacht. Die damalige Geographie kann daher als eine Wissenschaft "vom wo" umschrieben werden. Die Geographie muss man bis in das 19. Jahrhundert hinein als eine Wissenschaft beschreiben, die Tatsachen sammelte und zum Beispiel in Form von Bildern, Karten und Berichten dokumentierte. Sie war also rein deskriptiv (beschreibend). Geographie ist die Wissenschaft der räumlichen Strukturen und der raumzeitlichen Prozesse.
"Unschuldig" war die Geographie damit nie. Die seitens der Staaten geförderte Geographie (Universitäten, Expeditionen) stand immer im Kontext der Geschichte. Für den Kolonialismus beispielsweise waren die deskriptiven Ergebnisse seitens der Geographen unabdingbar und sind in diesem Sinne Produkte desselben.
Siehe auch: Liste der Entdecker
Einteilung
Physische Geographie
Die Physische Geographie beschäftigt sich in erster Linie mit den natürlichen Bestandteilen und Strukturen der Erdoberfläche. Dabei wird die Tätigkeit des Menschen zur Erklärung der Landschaftsgenese tendenziell ausgeklammert:
Teilgebiete sind
- Geomorphologie,
- Klimageographie,
- Bodengeographie,
- Vegetationsgeographie, Biogeographie und
- Hydrogeographie.
Mathematische Geographie
Siehe Geodäsie, Kartografie
Anthropogeographie
Die Anthropogeographie (Geographie des Menschen; auch Humangeographie oder Kulturgeographie) beschäftigt sich mit dem Einfluss des Menschen auf den geographischen Raum, wie auch mit dem Einfluss des Raums auf den Menschen beispielsweise im Zusammenhang mit der räumlichen Verteilung von Bevölkerung oder von Wirtschaftsgütern.
Teilgebiete der Anthropogeographie sind unter anderem:
- die Politische Geographie, Historische Geographie,
- Wirtschaftsgeographie, Industriegeographie, Agrargeographie
- Bevölkerungsgeographie, Sozialgeographie,
- Siedlungsgeographie, Geographie des ländlichen Raums,
- Stadtgeographie,
- Kulturgeographie,
- Verkehrsgeographie, Dienstleistungsgeographie,
- Wahrnehmungsgeographie und
- Religionsgeographie
- Geographie der Freizeit und des Tourismus.
Der Anthropogeographie nahe stehen Raumordnung und Raumplanung. Begründer der Anthropogeographie war Alexander von Humboldt, der die wechselseitigen Beziehungen zwischen Mensch und Natur erstmals erkannte.
Zitate
- Es ist nichts, was den geschulten Verstand mehr kultiviert und bildet, als Geographie. - Immanuel Kant
- Geographie ist die Mutter der Wissenschaften! - Immanuel Kant
- Without Geography we are nowhere. - ([http://www.metskers.com Metsker Maps of Seattle])
- "Geography is what geographers do!"
- "Krieg ist Gottes Weg, den Amerikanern Geografie beizubringen."
Siehe auch
Portal:Geographie – Geowissenschaften – Länder der Welt –
Liste geographischer Namen in mehreren Sprachen
Weblinks
- [http://www.gender-arbeit-geographie.de Arbeitsgruppe Gender Arbeit Geographie] Bietet Informationen zur Geschlechterforschung in der Geographie, Newsletter: feministisches Geo-RundMail
- [http://www.geoportal.de geoportal.de] Bietet tagesaktuelle Nachrichten, ein Diskussionsforum, Literaturtipps und vieles mehr für geographische Themen
- [http://www.geographie-diplom.de Das Portal der erdwissenschaftlichen Intelligenz]
- [http://www.geographie.de Deutsche Gesellschaft für Geographie]
- [http://www.geographie.de/dvag/ Deutscher Verband für angewandte Geographie]
- [http://www.erdkunde-wissen.de Erdkunde-Portal]
- [http://www.geoworld.de Geographisches Informationssystem] inkl. Literatur-, Adress- und Linksuche sowie Web-Mapping-Anwendung
- [http://www.mygeo.info Geographisches Portal www.mygeo.info] mit [http://dict.mygeo.info Online Wörterbuch Deutsch Englisch]
- [http://www.geosciences-forum.com/ Geosciences-Forum: Geographie]
- [http://www.gfe-berlin.de Gesellschaft für Erdkunde]
- [http://www.uni-graz.at/geowww Institut für Geographie und Raumforschung der Universität Graz] inkl. Geographie Magazin, europaweitem Veranstaltungskalender u. v. m
- [http://www.kartenmeister.com/ Kartenmeister Datenbank]
- [http://www.kritische-geographie.at Kritische Geographie] inkl. Download-Material
- [http://www.critical-geography.de.vu www.critical-geography.de.vu - Die Seite des offenen AK Kritische Geographie] von Studis für Studis
!Geographie
Kategorie:Geowissenschaft
Kategorie:Sozialwissenschaft
Kategorie:Erde
als:Geografie
ja:地理学
ko:지리학
ms:Geografi
simple:Geography
th:ภูมิศาสตร์
GebietAls ein Gebiet bezeichnet man:
# eine räumlich (meist) zusammenhängende Fläche oder ein Areal der Erdoberfläche,
# - das sich auch in die 3. Dimension erstrecken kann (z.B. Zone tiefen Luftdrucks);
# - ein Staatsgebiet oder der Wirkungsbereich einer Gebietskörperschaft
# - die Übersetzung von Oblast, einer Verwaltungseinheit in Russland und der Ukraine;
# - eine regionale Begrenzung beim Vertrieb bzw. Verkauf (Gebiets-Repräsentanz).
# Eine Eingrenzung innerhalb eines größeren Faches oder zusammenhängender Themen
# - das Arbeitsgebiet eines Experten (z.B. "Fachmann auf wirtschaftlichem Gebiet") - siehe auch Ressort.
# In der Topologie eine offene, zusammenhängende Teilmenge eines topologischen Raumes,
# - siehe dazu auch Komplexe Teilmengen und Funktionentheorie.
Herkunft und Geschichte
Die heutige Bedeutung des Begriffes Gebiet leitet sich vom Zeitwort "gebieten" ab, auf althochdeutsch gibiotan (biotan = bieten). Ein Gebiet war demnach der Bereich, über den sich die Befehlsgewalt, die erlassenen Gebote oder die Gerichtsbarkeit erstreckte.
Siehe auch:
- Exklave, Enklave, Landschaft, Region, Territorium
- Bezirk, Einzugsgebiet, Revier, Verwaltungsgliederung
- Fachmann, Gebieter, Gebietsanspruch, Sektor.
Erdoberfläche
Die Erdoberfläche ist die Grenzschicht zwischen der festen Erdkruste oder den Gewässern auf der einen und der Atmosphäre auf der anderen Seite.
Die Erdoberfläche gliedert sich in Festland, Inseln und Meer.
Die Geodäsie beschäftigt sich mit der Beschreibung der Form der Erdoberfläche.
Die Oberfläche der Erde misst 510 Millionen km². Der Anteil der Landfläche beträgt etwa 144,5 Mio. km² (28%), das Wasser bedeckt ca. 365,5 Mio. km² (72%).
Das Land verteilt sich auf 5 Kontinente (mit der Antarktis 6 Kontinente) sowie Polargebiete und Meeresinseln:
- Europa (ohne Island, Nowaja Semlja und atlantische Inseln): 9.700.000 km² mit rund 31.460 km Küsten
- Asien (ohne Polarinseln): 44.142.000 km² mit 57.000 km Küsten
- Afrika (ohne Madagaskar): 29.200.000 km² mit 26.000 km Küsten
- Amerika (ohne Polargebiete): 38.334.000 km² mit 64.500 km Küsten
- Australien (mit Tasmanien): 7.700.000 km² mit 7.500 km Küsten
(Alle Angaben sind grobe Zahlen.)
Die mittlere Höhe des trockenen Teils der Erdoberfläche berechnet man auf ungefähr 700 m (Europa 300 m, Asien 880 m, Amerika 610 m, Afrika 660 m, Ozeanien und Australien 300 m). Ihren höchsten Punkt erreicht die Erdoberfläche mit dem Mount Everest bei etwa 8.844 Metern, den tiefsten frei zugänglichen Punkt der Erdoberfläche bildet das Tote Meer, dessen Wasseroberfläche - und Uferbereich - sich ca. 400 Meter unter Normalnull befindet.
Die Wasserfläche verteilt sich auf
- den Pazifischen Ozean mit 47%, mittlere Tiefe etwa 3.870 m
- den Atlantischen Ozean mit 24%, mittlere Tiefe etwa 3.380 m
- den Indischen Ozean mit 20%, mittlere Tiefe etwa 3.600 m
- den Arktischer Ozean 4%
- den Südlichen Ozean mit 5%
Insgesamt beträgt die mittlere Tiefe der Meere etwa 3.500 m.
Siehe auch: Geodäsie, Geowissenschaften, Kontinent, Naturkatastrophe
Kategorie:Erde
Kategorie:Geographie
Kategorie:Geomorphologie
Küste
]
Mit Küste bezeichnet man die Zone, die sich see- und landwärts entlang der Berührungslinie (Küstenlinie) von Land und Wasser eines Meeres oder Ozeans erstreckt. Der landwärtige Teil der Küste heißt Ufer, ist er flach, spricht man von einem Strand. Bei Flüssen und Seen wird die Kontaktzone von Wasser und Land als Ufer bezeichnet.
Der Küstenverlauf ändert sich durch die Wirkung der Tide, globale (eustatische) Meeresspiegelschwankungen, Mündungsdeltas der Flüsse, durch die erosive Kraft der Meeresbrandung, der Gletscher und des Windes und nicht zuletzt durch tektonische Prozesse (Landhebung und -senkung).
Man unterscheidet die Küstenform an hervorstechenden Merkmalen, wie zum Beispiel Flach- und Steilküste (je nach Querprofil), Hebungs- und Senkungsküsten (je nach Schwankung des Meeresspiegels), Längs- und Querküsten (je nach geologischer Struktur) oder glatte und gebuchtete Küsten (je nach Verlauf). Die Entstehung des jeweiligen Landschaftsraumes führt zu spezifischen Küstentypen, die sich aus den genannten Hauptgruppen ableiten lassen: Ausgleichsküsten, Boddenküsten, Schärenküsten und Fjordküsten.
Die Küsten sind geologisch gesehen nur Momentaufnahmen. Durch die Schwankungen des Meeresspiegels sind sie ständig im Wandel. Küsten werden anthropogen beeinflusst durch Häfen, Seeverkehr sowie die wirtschaftliche Nutzung der Küsteregion für Fischfang und Fremdenverkehr.
Die Küste lässt sich entsprechend ihrer Nutzung in eine küstenferne und in eine küstennahe Zone sowie das küstenferne Festland gliedern. Entfernt von der Küste im Schelf findet Bergbau, Ölförderung, Fischfang, Sandgewinnung, Entsorgung von Abwasser statt, an Korallenriffen wird Kalk abgebaut, Fischfang betrieben und Tourismus findet statt. Zudem wird die küstenferne Zone durch Bebauung zum Schutz der Küste verwendet.
Die küstennahen Zonen, in denen Sand- oder Kiesstrände anzutreffen sind, werden zur Erholung, zum Sand- und Kiesabbau genutz, meist ist eine Infrastruktur für den Tourismus vorhanden, Strandsiedlugen und Küstenschutz. In Watt- und Marschgebieten sind Aquakulturen und Naturschutzgebiete zu finden. In den Dünen findet Erholung, Camping, Sport (Golfplätze) statt. Es sind Gebäude, Naturreservate, Manövergebiete und Anlagen zur Wassergewinnung vorhanden. Im küstenferneren Festland befinden sich Häfen, Industrieanlagen, Wohnsiedlungen, Tourismusgebiete, Agrarland.
Folgende verschiedene Küstentypen werden unterschieden:
- aus Sand, siehe: Strand
- aus Felsen, siehe: Klippe, Felsenküste
- aus Wiesen und flachen Landschaften, siehe: Küstenebene
Küstenformen der Ostsee
Die Küstenformen der Ostsee sind ein Resultat eiszeitlicher Gletscherbewegungen und nach-eiszeitlicher Geländehebung im nördlichen und -absenkung im südlichen Bereich der Ostsee, die bis heute fortdauern. Des Weiteren werden die Küsten durch die Lage in der Westwindzone beeinflusst, wodurch von Westen her beständig Sedimente angeschwemmt werden. Folgende Erscheinungsformen werden unterschieden:
Fjordküste
Auch an der Ostsee finden sich Fjorde: Sie kommen vor allem an den Küsten des Kattegats, das heißt in Dänemark und Südwestschweden vor. Im Unterschied zu den norwegischen Fjorden sind sie weniger tief eingegraben, da die Eisdecke hier nicht so mächtig war.
Schärenküste
Die schwedische und finnische Küste in der zentralen, nördlichen und östlichen Ostsee ist fast ausschließlich eine Schärenküste; ab und zu findet man noch vereinzelte Fjorde (Fjord-Schären-Küste). Schären sind der Küste vorgelagerte, kleine und kleinste felsige Inseln, die durch den Abschleifeffekt der Gletscher eine charakteristische Kuppenform aufweisen. Da die Ostsee nur sehr geringe Gezeiten aufweist, sind sie über die letzten Jahrtausende praktisch unverändert geblieben. Das flach abfallende Gelände wurde beim Abschmelzen des Eispanzers überflutet und die Kuppen ragten fortan als Inseln heraus; durch die Geländehebung sind mit der Zeit weitere, vorgelagerte Schären entstanden.
Kliffküste
In einigen Fällen, zum Beispiel auf Gotland oder Bornholm, haben sich Kliffküsten gebildet. Diese ragen als Steilküsten schroff hervor und markieren Geländebrüche im geologischen Untergrund. Kliffkanten finden sich auch unterhalb des Meeresspiegels. Auch die Nordküste Estlands zum Finnischen Meerbusen hin ist durch solch eine Bruchlinie geprägt. Von West nach Ost rückt dieses Kliff immer näher an die aktuelle Küstenlinie heran und erreicht bei Sillamäe immerhin knapp 60 Meter.
Fördenküste
In Schleswig-Holstein, etwa von Flensburg bis Lübeck, ist der Küstenabschnitt durch Förden gekennzeichnet.Förden sind die Flensburger Förde, die Schlei, die Eckernförder Bucht und die Kieler Förde. Diese sind bei der Entstehung der Ostsee durch den Anstieg des Meeresspiegels "vollgelaufene" ehemalige Gletschertäler. Der Unterschied zu Fjorden besteht darin, dass die Gletscher sich nicht vom Land zur See bewegten, sondern umgekehrt der Eispanzer über der heutigen Ostsee Gletscher vorantrieb, die nach dem Abschmelzen eine Rinne übrig ließen, die sich mit Seewasser füllte.Die Schleswig-Holsteinischen Förden werden von den Landschaften Angeln, Schwansen und Dänischer Wohld getrennt. Zwischen der Kieler Förde und der ihr vorgelagerten Kieler Bucht einerseits und der Lübecker Bucht als Teil der Mecklenburger Bucht andererseits liegt die Probstei und die Halbinsel Wagrien mit der Insel Fehmarn. Der Hemmelsdorfer See bei Timmendorfer Strand ist ebenfalls eine alte Förde. Er ist wesentlich tiefer als die durch eine eiszeitliche Landbarriere abgeschnittene, davorliegende "Lübecker Bucht".
Boddenküste
Die vorpommersche Küste ist durch Boddenlandschaften geprägt. Bodden sind dadurch entstanden, dass vormalige Inseln durch stetige Zuführung von Material, hauptsächlich Sand, durch schmale Brücken miteinander verbunden worden sind. Die rückwärtigen Gewässer, die Bodden, sind dadurch größtenteils von der Ostsee abgetrennt worden und mit ihr nur noch durch Rinnen verbunden.
Ausgleichsküste
Diese Küstenform bestimmt die Küstenlinie Polens von Stettin bis kurz vor Danzig und die lettische Küste. Hier sind die typischen reich gegliederten glazialen Küstenformen durch die Anströmung und den Sedimenttransport von Westen her ausgeglichen worden, so dass der Verlauf fast gerade ist. Dies ist möglich geworden, weil die von der Nordsee hereinströmenden Wassermassen auf eine Küstenlinie treffen, die von Südwest nach Nordost verläuft und dadurch alles Transportmaterial anlagert.
Haffküste
Die Haff- oder Nehrungsküste ist im Küstenabschnitt zwischen Danzig und Klaipėda entstanden. Außerdem wird das Stettiner Haff ebenfalls hinzu gezählt. Haffs entstehen vor Flussmündungen als Brackwasserreservoire, die durch schmale Landzungen, die Nehrungen, von der übrigen Ostsee größtenteils abgetrennt wurden. Durch die ständige Zufuhr von Flusswasser schließen sich die Nehrungen nicht, sondern bleiben als langgestreckte Halbinseln bestehen, die eine Rinne zum Meer offen lassen. Bekannteste Haffe sind das Kurische und das Frische Haff. Eine (unvollständige) Nehrung bildet auch der Haken von Hela bei Zoppot.
Vergleiche
- Küstengewässer
- Riviera
- Ostseeküste
- Nordseeküste
- Elfenbeinküste
Kategorie:Ökosystem
Kategorie:Geographischer Begriff
Kategorie:Geologie
Kategorie:Ozeanologie
ja:海岸
Hügel
Ein Hügel ist eine mittelgroße Erhebung in einer Landschaft, meist mit eher abgerundeten Formen und mit Pflanzen bewachsen. Er ist kleiner als ein Berg, aber normalerweise größer als ein Fels oder eine Bodenwelle. Außerdem ist er normalerweise nicht wesentlich länger als breit.
Entstehung
Hügel können
- durch Erosion von Erdmaterial, Erdhügel
- durch den Druck und die Bewegung von Eismassen,
- durch Erosion von Bergen,
- durch Erdbeben und andere geologische Aktivitäten,
- durch Vulkanismus,
- durch Einschläge von Asteroiden oder vulkanischem Material,
- durch ungleichmäßige wind- und vegetationsbedingte Ablagerung von Staub, Sand usw. und
- durch Tiere Ameisenhügel, Termitenhügel
- durch menschliches Tun
entstehen.
Menschengemachte Erhebungen sind oft
- Grabhügel,
- Abraumhalden (Müllhalden) oder
- Siedlungen, bei denen Jahrtausende lang Häuser auf den Ruinen alter Häuser gebaut wurden ("Tell" im Orient, z.B. in Mesopotamien).
Erosion
Bei Hügeln greift die Erosion ringsum (in alle Richtungen) an, während sie im Bergland in nur zwei Vorzugsrichtungen (talwärts) wirkt. Daher sind Hügellandschaften meist unregelmäßiger strukturiert als z.B. Gebirgsketten.
Hügel als Siedlunsstätte
Hügel waren früher bevorzugte Orte zum Bau von Siedlungen und Verteidigungsanlagen, da man von dort einen Überblick über die umliegende Landschaft hatte und Angreifer größere Schwierigkeiten hatten, sie zu erobern, besonders mit einer schweren Ausrüstung. Mit dem Wachstum der Städte, der industriellen Verfügbarkeit von Sprengstoffen und der Änderung der Kriegstaktiken zugunsten erhöhter Mobilität haben sich derartige taktische Vorteile allerdings verflüchtigt.
Siehe auch:
- Pingo,
- Hügelland,
- Hochfläche,
- Mittelgebirge,
- Ringwall
Kategorie:Physische Geographie
ja:丘
simple:Hill
MittelgebirgeEin Mittelgebirge ist ein Gebirge, das im Gegensatz zum Hochgebirge eine bestimmte Höhe nicht überschreitet.
Diese Höhe ist nicht genau festgelegt, sie liegt etwa zwischen 500 und 1.500 m. Mittelgebirge sind oft alte Rumpfgebirge oder Tafelbergländer und weisen wegen der geringen Höhe keine glazialen Formen auf, so dass flachwellige Oberflächenformen vorherrschen. Im Unterschied zu den Hochgebirgen gibt es wegen der geringen Höhe der Mittelgebirge nur wenige oder gar keine unterschiedlichen Höhenstufen der Vegetation.
Bei einer entsprechenden Exposition der Mittelgebirge zur Hauptwindrichtung sind häufig stark ausgeprägte Steigungsregen zu beobachten.
Das in Tschechien und Polen gelegene Riesengebirge kann man als Grenzfall zwischen Hoch- und Mittelgebirge einordnen, es überschreitet in mehreren Bereichen die 1.500-m-Marke und weist dort auch eine typische Hochgebirgsvegetation auf, seine Oberflächenformen sind jedoch überwiegend denen von Mittelgebirgen vergleichbar.
Alle Gebirge in Deutschland mit Ausnahme der Alpen sind Mittelgebirge.
Das höchste deutsche Mittelgebirge ist der Schwarzwald.
Entstehung der Salzlagerstätten im deutschen Mittelgebirge
Vor 45 Millionen bis 10 Millionen Jahren entstanden im Mittelgebirge Deutschlands große Salzlagerstätten. Man kann die Entstehung der enormen Menge an Salz nicht auf ein einzelnes Ereignis in der Erdgeschichte zurückführen, doch haben Geowissenschaftler festgestellt, dass ein mehrfach eingetretener Zyklus die Ursache für die Salzanreicherung im deutschen Mittelgebirge darstellt:
Nachdem sich durch Verschiebung und Kollision der Erdplatten unter anderem das deutsche Land bildete (begleitend: Variskische Gebirgsbildung), wurde besonders das Gebiet des heutigen Mittelgebirges von gewaltigen Wassermassen überschwemmt (Transgression). So befand sich mindestens sechs Mal über dem deutschen Mittelgebirge ein vom offenen Meer durch eine flache Schwelle (Barre) abgeschlossenes salzhaltiges Binnenmeer.
Mit der Zeit verdunstete das Wasser und das in ihm gelöste Salz blieb auf dem Meeresgrund, der hauptsächlich aus Salz und kleinen Steinen bestand, zurück. Das nun ausgetrocknete Meer wurde wieder und wieder mit Wasser vom offenen Meer gefüllt und der Verdunstungsvorgang setzte erneut ein. Es ist vorgekommen, dass das Binnenmeer nicht ganz austrocknete, sondern gleich mit Wasser aus dem offenen Meer gefüllt worden ist.
Dieser Zyklus, der seinen Höhepunkt im Perm hatte, wird als Salinarzyklus bezeichnet. Am Ende waren große Teile des Bodens im Mittelgebirge in abwechselnde Schichten von Salzen, Tonlagen und Steinen unterteilt. Diese Schichten wurden durch das Wirken von endogenen und exogenen Kräften verformt und in andere Höhenlagen befördert. Heute sind im Mittelgebirge Chloride (z.B. Steinsalz), Anhydrit, Gips und Kalisalze zu finden.
Inntal
Als Mittelgebirge bezeichnet man auch die eiszeitlich geformten Terrassen des Tiroler Inntales südwestlich und südöstlich von Innsbruck. Sie überragen den Talboden um etwa 100–500 m.
Deutsche Mittelgebirge
Die Geokoordinaten in der folgenden Tabelle geben die Position der höchsten Erhebung an. An den Namen mancher Erhebungen ist zu erkennen, dass manche Mittelgebirge grenzübergreifend sind. Die Tabelle ist nach der Höhe der höchsten Erhebung sortiert.
Kategorie:Physische Geographie
Wüste
Als Wüste bezeichnet man ein Gebiet, in dem auf Grund seiner extremen Trockenheit oder Kälte keine oder nur wenig hochspezialisierte Vegetation existieren kann und welches dadurch zur Anökumene zählt. Die Araber bezeichnen die Wüste auch als Meer ohne Wasser.
Wüstenarten
Trockenwüsten
Trockenwüsten verhindern durch ihren Wassermangel das pflanzliche Wachstum. Einige Arten von Trockenwüsten sind:
- Die Sandwüste - eine Wüste, deren Oberfläche großteils aus Sand besteht. Sie entstehen durch Erosion von Kieswüsten, wenn das Gestein hauptsächlich aus Quarz besteht. Ein wesentliches Merkmal sind die Dünen, die vielfach auch Wanderdünen sind. Von allen Wüsten sind die Lebensbedingungen in Sandwüsten am härtesten. Die weltweit größte solcher Wüsten ist die Rub al-Chali in Arabien.
- Kieswüsten - sie entstehen durch Erosion von Stein- oder Felswüsten (Akkumulation von gröberen Korngrößen durch Ausblasung der feineren Korngrößen), oder durch die Ablagerung von Kiesen im Vorfeld von Gletschern.
- Stein- und Salzwüsten (Salztonebenen) - sie entstehen meist in ariden, abflusslosen Sedimentbecken durch starke Verdunstung. Viele Wüsten dieses Typs liegen in Persien und Mittelasien.
- Die Halbwüste stellt eine Vegetationszone dar, die geringfügig feuchter als die echte Wüste, aber immer noch trockener als die Dornsavanne ist. Sie befindet sich meist am Rand (in der Übergangszone) einer solchen "Vollwüste" - siehe auch Sahelzone.
- Relif- oder Binnenwüsten - sie befinden sich im Inneren der Kontinente oder hinter hohen Gebirgsketten befinden sich ebenfalls ausgedehnte Wüstengebiete. Dort fällt nur geringer Niederschlag, weil sie in zu großer Meeresferne oder in Regenschatten von Randgebirgen liegen. Die feuchten Luftmassen sind vor den Gebirgen zum aufsteigen gezwungen. Oben auf der Gebirgskette ist die Luft zu kühl. Kalte Luft kann nicht so viel Wasser speichern deshalb sind die feuchten, kalten Luftmassen dazu gezwungen abzuregnen. Auf der anderen Seite der Gebirgskette wird die Luft erwärmt und die warmen, trockenen Luftmassen sinken. Dort wo die Luftmassen gesunken sind bilden sich aufgrund der Wärme und Trockenheit die Relif- oder Binnenwüsten. Die berümtesten solcher Wüsten ist die Wüste Gobi und Takla Makan.
Die 'Subtropischen Trockenwüsten, liegen bei einer geografischen Breite bis zu etwa 30° beidseits des Erdäquators. Sowohl auf der nördlichen als auch auf der südlichen Halbkugel werden die Luftmassen vom Urpassat kommend gezwungen abzusteigen. Dies bewirkt eine zunehmende Erwärmung der Luftmassen, wodurch die relative Luftfeuchtigkeit abnimmt und es zu trockenen, wolkenlosen Klimaverhältnissen kommt. Beispiele für solche Wüsten sind die größten Teile der Sahara, die Gobi und die Kalahari.
Darüber hinaus gibt es die Küstenwüsten, die durch spezielle Meeresströmungen entstehen. Das kalte aufsteigende Wasser des Meeres führt zur Kondensation der in der Luft enthaltenen Feuchtigkeit an der Meeresoberfläche. Dadurch nimmt die relative Luftfeuchtigkeit ab und eine Wolkenbildung und folglich auch Niederschlag wird verhindert." So nah am Wasser und doch so arm an Wasser", hatte der berühmte Forscher Alexander von Humbold einmal die Küstenwüste der Atacama beschrieben. Die bekanntesten küstennahen Wüsten sind die Atacama, die Namib und die Nullarbor-Wüste. Aber auch meeresnahe Teile der Sahara stehen unter dem Einfluss kühler Meeresströme.
Weiterhin gibt es Nebelwüsten in den Subtropen.
Vegetation und Regen
In der Wüste ist Vegetationsarmut bzw. Vegetationslosigkeit, es sind nur 1/4 aller Wüstenflächen bewachsen. Auch herrscht in der Wüste Wasserarmut.Es gib nur wenig Regenschauer in der Wüste doch wenn es einmal Regnet dann oft sehr heftig. Nach den Regenschauern blüt die Wüste auf. Es Wachsen bunte Wüstenpflanzen die aber wegen des fehlenden Wassers nicht lange überleben. Wenn Regen fällt, dann ca. 250mm pro Quadratmeter, durch die Hitze, Tagsüber verdunstet das Wasser schon bevor es den Boden berührt.
Weitere Trockenwüsten und der Mars
Weitere Trockenwüsten liegen in isolierten Gebirgsbecken wie das Great Basin oder die Schattenwüsten an den windabgewandten Abhängen (d.h. im Lee, dem Regenschatten) von Gebirgen wie die Wüste Juda.
Die Böden der Trockenwüste zählen zu den Aridosolen.
Auch am Planeten Mars herrscht eine Art Wüstenklima, weil die äußerst dünne CO2-Atmosphäre kaum Wasserdampf enthält und freies Wasser sofort verdunsten würde. Trotzdem fegen oft langandauernde Winde über weite Gebiete, weil der Mars ähnliche Jahreszeiten wie die Erde und auch merkliche Temperaturgradienten aufweist. Sie erodieren den braunen und grauen Marsboden und rufen oft globale Sandstürme hervor. Dies hat auch dazu geführt, dass die 1877 entdeckten "Canali" (Marskanäle) jahrzehnelang als natürliche oder künstliche Wasserrinnen gedeutet wurden, die der Sand zeitweilig bedeckt, danach aber der vermutete Bewuchs wieder ein Ergrünen bewirkt hätte.
Edaphische Wüsten
In edaphischen (bodenbedingten) Wüsten werden zugeführte Niederschläge im stark wasserdurchlässigen Boden sehr schnell abgeführt. Wasser kann nicht oder nur sehr schlecht im Boden gespeichert werden, steht für pflanzliches Wachstum also nicht zur Verfügung. So bilden die riesigen Schotterflure im Isländischen Hochland trotz erheblicher Niederschlags- und Schmelzwassermengen eine Wüstenlandschaft.
Isländischen Hochland
Kältewüsten
Kältewüsten sind Wüsten in polaren Gebieten (Eiswüsten) und im Hochgebirge, deren extrem niedrige Temperaturen die Ausbreitung von Vegetation verhindern. Zum Beispiel: Wright Valley in der Antarktis.
Kulturgeschichte
In kulturhistorischer Hinsicht spielte die Wüste seit der Antike eine wichtige Rolle in der europäischen Historiographie und Literatur. Einerseits symbolisierte die Wüste seit Herodot das Fremde und Andersartige, das sich dem europäischen Zugriff entzog. Andererseits bot die Wüste aber auch Rückzugsmöglichkeiten, die es sonst nirgendwo gab. Insbesondere durch die Bibel (Exodus der Israeliten, Versuchungen Christi) und die spätere hagiographische Literatur (Eremiten) wurde ein Bild der Wüste nach Europa transportiert, das im Kern bis heute fortwirkt. Durch die Domestizierung des Dromedar gelang es dem Menschen, tiefer in die großen Wüsten vorzudringen oder sie zu durchqueren. Dadurch konnte die Wüste zum Lebensraum des Menschen werden.
Die UN Organisation UNCCD kämpft gegen die weitere Ausbreitung der Wüsten.
Die größten Wüsten
# 8.700.000 km² - Sahara (Afrika)
# 1.560.000 km² - Australische Wüsten (Australien)
# 1.300.000 km² - Arabische Wüsten (Asien)
# 1.040.000 km² - Gobi (Asien)
# 715.000 km² - Kalahari (Afrika)
# 330.000 km² - Takla Makan (Asien)
# 312.000 km² - Sonora (Nordamerika)
# 273.000 km² - Karakum (Asien)
# 273.000 km² - Tharr und Cholistan (Asien)
Alle Wüsten bedecken ein Siebtel der ganzen Erdfläche.
Tägliche Temperaturschwankung in Wüsten
In Sand- und Felswüsten existiert nur wenig Wasser - weder in der Luft noch im Boden. Wasser kann etwa sechs mal soviel Energie speichern wie Sand. Da es in Wüsten weitgehend fehlt, können diese keine größeren Wärmemengen speichern. Außerdem isoliert sandiger Boden sehr gut. Sand besteht in der Hauptsache aus Quarz, einem schlechten Wärmeleiter. Die einzelnen Sandkörner sind überwiegend locker geschichtet (siehe auch Wanderdünen), in den Zwickeln befindet sich Luft, die ebenfalls gut isoliert. Das hat zur Folge, dass der Boden die Hitze des Tages nicht sehr tief in sich aufnehmen kann und nur oberflächlich erhitzt. Daher kann er nur geringe Wärmemengen speichern.
Hinzu kommt die geringe Wolkenbildung. Wolken wirken als Isolierungsschicht sowohl vom Weltall zur Erde als auch umgekehrt. Durch das Fehlen dieser Isolierschicht dringt tagsüber Wärmestrahlung ungedämpft zu Boden und erhitzt diesen sehr stark (bis zu etwa 70°). Nachts hingegen strahlt die wenige gespeicherte Wärme ungehindert ins Weltall ab, was Temperaturunterschiede von 50° und mehr hervorrufen kann. Dieser Effekt ermöglicht allerdings auch in den trockensten Wüsten bescheidenes Leben, weil ein niedriger Taupunkt die starke Abkühlung ermöglicht, wobei bodennah der Taupunkt erreicht werden kann. Pflanzen oder Insekten leben dann von den gebildeten Tautropfen.
Die starken Temperatureffekte machen übrigens auch den Unterschied zwischendem Kontinentalklima und einem maritimen Seeklima aus. Am Meer oder in der Nähe von Ozeanen wirkt die Wärmespeicherung des Wassers und macht das Klima sehr viel ausgeglichener als im Inneren der Kontinente. Man denke nur an den klimatischen Unterschied etwa zwischen Moskau - heiße Sommer und bitterkalte Winter - und Kopenhagen, welches etwa am selben geografischen Breitengrad liegt. In Europa werden diese Unterschiede noch durch den Golfstrom verstärkt.
Wüsten-Glossar
- Arroyo (Südamerika und US-Westen). Identisch mit > Wadi.
- Barchan ist eine bewegliche Sicheldüne
- Chott (Schott)(arab.) Weitgespannte Senken mit Salzwüsten; auch Salzsee, Salzpfanne, Salzsumpf
- Churd (a) (arab.) Grosse Wanderdüne
- Djebel (Dschebel) (arab. = Berg)
- Draa (arab. = Arm ) Langgestrecktes Dünengebiet
- Enneri (arab.) Trockenfluss, trockenes Bachbett
- Erg (arab. = Ader) Riesige Dünengebiete; aber auch allgem. für Staubwüste
- Fata Morgana (arab. Bacher-el-Alfrid = Wasser des Satans). Luftspiegelungen als Folge von Reflexionen von Lichtstrahlen an der Grenzfläche zwischen Luftschichten von unterschiedlicher Temperatur und unterschiedlicher optischer Dichte.
- Fulgurit (lat. fulgur Blitz) Blitzröhre: Durch Blitzschlag gebildete Röhren aus zu Kieselglas verschmolzenem feinkörnigem Sediment
- Hammada (arab.) Stein-Geröllwüste
- Harra (arab.) Lava-Wüste
- Kavir (persisch); identisch mit > Chott
- Sahara (arab. = von gelber Farbe ; syn. für Wüste)
- Sebhka (Sebkra) (arab.) Salztonpfannen, in welchen Salz und Gips an der Oberfläche über Tonablagerungen kristallisieren.
- Seif(s) (arabisch = Schwert) sind Längsdünen, welche besonders schmal und scharfgratig sind.
- Serir (berb.) Kieswüste
- Oase (arab. - berberisch uau) Stellen an denen Grundwasser zutage tritt
- Reg (arab.) Kies-Kieselwüste
- Wadi (arabisch Oued = syn. für Trockenbett, Rinne). Bei Abtragung bis zur Schuttsedimentierung eines Gebirges werden die Reste erodiert. Ruckartig einsetzender Regen fliesst an der Oberfläche ab, wobei er Fliessrinnen in den Wüstenboden schneidet. (spanisch: Arroyo)
- Wüstenglas, ein diaplektisches Glas, wahrscheinlich vor 20 Mio. Jahren durch einen Meteoriten-Impakt in der libyschen Wüste gebildet
- Wüstenlack Infolge starker Verdunstung gebildeter Überzug aus Eisen- seltener Manganverbindungen, auch der durch Windschliff hervorgerufene matte Firnisglanz auf Steinen und anderen Oberflächen
- Yardang durch Windschliff hervorgerufene Erosionsform
Literatur
- Uwe Lindemann: Die Wüste. Terra incognita - Erlebnis - Symbol. Eine Genealogie der abendländischen Wüstenvorstellungen in der Literatur von der Antike bis zur Gegenwart. Heidelberg 2000
- [http://www.michael-martin.de Michael Martin]: Die Wüsten der Erde. - Dieses Buch bietet einen Überblick über sämtliche Wüsten der Erde
Siehe auch
- Desertifikation
Weblinks
Kategorie:Klimazonen und Vegetation
ja:砂漠
ko:사막
NaturlandschaftNaturlandschaft bezeichnet im Unterschied zur Kulturlandschaft eine Landschaft, deren Bestandteile (Flora, Fauna und anorganische Bestandteile) und Erscheinungsbild dem unbeeinflussten Naturzustand nahe kommen. Sie ist nicht oder wenig durch den Menschen beeinflusst. Die Landschaft mitsamt ihrer belebten Bestandteile (Biozönosen) kann sich im Laufe der natürlichen Sukzession wenig gestört entwickeln.
Heute sind weltweit keine vom Menschen unbeeinflussten Naturlandschaften mehr existent. Vom Menschen emittierte Gase und Stäube sind weltweit nachweisbar. Vereinzelt wird der Begriff Naturlandschaft auf wenig beeinflusste Gebiete angewendet: Hochgebirge wie der Himalaya, Wüsten usw.
In der Landschaftsmalerei wird der Begriff Naturlandschaft auch als Gegensatz zur Stadtlandschaft verwendet.
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Siehe auch: Ökologie, Hemerobie, Urwald
Kategorie:Naturschutz
Kategorie:Geowissenschaft
KulturlandschaftDefinitionen
Definition "Kulturlandschaft"
- "Eine vom Menschen zwar intensiv genutzte, jedoch durch kleinräumige Wirtschaftsweisen geprägte Agrarlandschaft, deren Haushalt durch eine Vielzahl von Landschaftselementen ökologisch relativ stabil ist und in ihrer Physiognomie naturräumliche Verschiedenheiten wahrt." (Briemle 1978)
Das Wort "Kultur" (im landbaulichen Sinne) wird dabei nicht nur verstanden als Urbarmachung und Pflege des Bodens, sondern vielmehr als Ausdruck des menschlichen Schaffens im ländlichen Raum schlechthin. Für die landschaftliche Ausstattung gelten somit die gleichen Maßstäbe wie für die kulturellen Bauten und das geistig-kulturelle Gedanken- und Brauchtumsgut. Demzufolge ist nicht nur die Pflanzendecke relevant, sondern auch jedes sichtbare Zeichen für die Landschaftsverbundenheit des Bauern. Bei Art, Umfang und Intensität der Bewirtschaftung machte er sich den sich weitgehend selbst stabilisierenden Naturhaushalt zunutze.
Definition "Wirtschaftslandschaft"
- "Eine durch großräumige Wirschaftsweisen intensiv genutzte Agrarlandschaft, die durch nivellierende Eingriffe des Menschen, Ausräumung von raumgliedernden Landschaftselementen sowie durch Uniformität geprägt ist und deren Haushalt über künstliche Eingriffe im ökologischen Gleichgewicht gehalten wird." ([http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Benutzer:Briemle Briemle], 1978)
Diese Definition beschränkt sich nicht nur auf die Pflanzendecke als Indikator für den Grad der Nutzungsintensität, sondern bezieht auch den Grad der Entfernung des Menschen von einer gewachsenen Kulturlandschaft ein, zu welcher der gestaltende Landwirt noch ein inniges Verhältnis hatte. Aus sozioökologischen Gründen ist es ein Anliegen der Industriestaaten, ihre gewachsenen Kulturlandschaften zu erhalten und nachhaltig zu pflegen (siehe auch Landschaftspflege).
Allgemeines
Evolutionäre Aspekte
Kulturlandschaft (allg.) bezeichnet die durch den Menschen geprägte Landschaft. Wichtige Faktoren (sogenannte Wirkfaktoren) für die Entstehung und Entwicklung der Kulturlandschaft sind sowohl Beschaffenheit (Standortbedingungen) des Naturraums, die ursprüngliche Fauna und Flora, die menschlichen Einflüsse als auch die daraus resultierenden Wechselwirkungen.
Regionale Aspekte
Die mitteleuropäische Kulturlandschaft ist durch die landwirtschaftliche Nutzung geprägt. Diese Nutzungsform schuf bis zur Intensivierung (ab Mitte 20.Jh.) extrem artenreiche Habitate bzw. Biotope. Diese gingen aus wirtschaftlich-profitorientierten Beweggründen der Landschaft verloren (z.B. Feuchtgebiete, Moorbiotope, Streuobstwiesen). Doch immer noch sind die bestehenden Kulturlandschaften - je nach Grad der regional erheblich differenzierten Intensivierung - in ihrer Gesamtheit (Biodiversität) artenreicher, als es eine vom Wald beherrschte humide Florenregion erlaubt.
Literatur
- G. Briemle: Flurbereinigung. Bereicherung oder Verarmung der Kulturlandschaft?, Schwäbische Heimat, 29. Jg., H. 4: 226-233, Konrad Theis-Verlag, Stuttgart 1978
- K. Buchwald, W. Engelhard: Handbuch für Planung, Gestaltung und Schutz der Umwelt. 4 Bände. BLV-Verlag, München, Wien, Zürich 1980, ISBN 3-405-12033-0
- K. Buchwald, W. Engelhard: Landschaftspflege und Naturschutz in der Praxis. BLV-Verlag München, Wien, Zürich 1984, ISBN 3-405-11200-1
- C. Troll: Landschaftsökologie (Geoecology) und Biogeocoenologie. Eine Terminologische Studie. S. 9-17, 1970
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Siehe auch: Naturlandschaft, Oberrheingraben, Semmeringbahn
Kategorie:Naturschutz
Kategorie:Geowissenschaft
ViehzuchtDie Viehzucht oder Viehhaltung ist nach der Jagd und dem Ackerbau das womöglich drittälteste Gewerbe der Menschheit. Die Bezeichnung Viehzucht ist nur zulässig, wenn der Mensch tatsächlich mit der Zuchtwahl unter Verfolgung von Zuchtzielen die Fortpflanzung beeinflußt und lenkt. In den frühen Agrargesellschaften war dies jedoch nicht der Fall, weswegen in der Vor- und Frühgeschichte von Viehhaltung gesprochen wird. Fast alle Gesellschaften kennen die Domestizierung von Tieren und die kontrollierte Vermehrung.
Hauptziel der Zucht ist die Herausbildung und Verbesserung gewünschter Eigenschaften – meist Leistungseigenschaften – und die Vermeidung ungünstiger Eigenschaften – meist Krankheitsanfälligkeiten. Dies wird durch planmäßige, künstliche Selektion, also Auslese oder Zuchtwahl, erreicht. Dabei werden Träger bestimmter gewünschter Genotypen miteinander gepaart, bzw. Träger unerwünschter Eigenschaften von der Zucht ausgeschlossen.
Viehzucht im eigentlichen Sinn bezieht sich auf Vieh, wie Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Geflügel. Züchterisches Ziel ist die optimale Verwertung dieser Tiere als Lieferanten von tierischen Produkten wie Milch, Fleisch und Fett oder Fell, Federn und Leder. Als Glanzpunkt der Viehzucht werden gerne die so genannten Riesenschweine mit zusätzlichen Rippen oder auch Kühe, die bis zu 33.000 Liter Milch im Jahr produzieren, angeführt; diese gehören aber bis heute noch in das Reich der Legende.
- Anmerkung: Bis zu 15000 Liter Milch und darüber sind pro Jahr und Kuh durchaus realistisch und werden von einigen Spitzenzüchtern in Österreich erreicht.
Daneben sind Hobbyzüchter (auch Kleintierzüchter), die sich vor allem Hunden, Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen, Reptilien, Fischen, sowie einer Reihe von Vogelarten, zum Beispiel Hühnern, Tauben, Sittiche, Sing- und Greifvögel, widmen. Auswüchse hier sind so genannte Qualzuchten, das heißt die Förderung von Merkmalen, die zu Lasten der Gesundheit der Tiere gehen, um in den häufigsten Fällen das optische Erscheinungsbild markanter zu gestalten.
Vornehmlich in den Zoologischen Gärten werden Tierarten gezüchtet, die vom Aussterben bedroht sind. Dazu zählen insbesondere exotische Tierarten.
Zukünftig versucht man zunehmend die gewünschten Eigenschaften durch Gentechnik zu erzielen.
Bild:Bubikon.JPG|Kuhmarkt Bubikon, Schweiz
Bild:Bubikon02.JPG|Bubikon, Schweiz
Zu Viehzucht zählt
- Geflügelzucht
- Kleintierzucht
- Rinderzucht
- Schafzucht
- Schweinezucht
Siehe auch: Pflanzenzucht, Tierzucht
Weblinks
[http://www.zbmed.de/bonn_service.html Fachinformationszentrum: Bereichsbibliothek Ernährung, Umwelt und Agarwissenschaften, Bonn]
Kategorie:Viehwirtschaft
GartenbauAls Gartenbau bezeichnet man die intensive, mit hohem technischen Aufwand und unter besonders hohem Arbeitskräfteeinsatz betriebene Form der Landwirtschaft. Der Gartenbau hat sich sukzessive aus der Privatversorgung entwickelt (die Geschichte des Gartens ist ausführlich im Artikel Garten beschrieben).
Eine große Zahl von Pflanzenarten wird von erwerbsmäßigen Gartenbaubetrieben und privaten Gärtnern kultiviert. Die Züchtung neuer Pflanzen und Kultursorten wird von einzelnen, teils im weltweiten Verbund arbeitenden Gartenbaufirmen betrieben.
In der Blumen und Zierpflanzenbauzüchtung sind deutsche Jungpflanzenunternehmen Weltmarktführer.
Der Gartenbau erzielt in Deutschland auf etwa 1 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche 10 % des Wirtschaftsvolumens der gesamten Landwirtschaft.
Die Haus- und Kleingartenfläche übertrifft die Anbaufläche des Erwerbsgartenbaus in Deutschland um ein Vielfaches.In den Niederlanden macht der Gartenbau - dort agri-business genannt - und die anhängigen Branchen und Dienstleistungen ca. 18 % des Bruttosozialproduktes aus.
Erwerbsgartenbau
Deutschland
Man unterscheidet im Erwerbsgartenbau folgende Sparten:
- Blumen- und Zierpflanzenbau
- Obstbau
- Gemüsebau, inklusive Pilzanbau
- Friedhofsgärtnereien
- Baumschulen
- Staudenbau
- Garten- und Landschaftsbau und Sportplatzbau
Gartenbau wird auch in der Pädagogik angewendet.
- Pädagogischer Gartenbau
Einordnung des Gartenbaus in die Landwirtschaft
Pädagogischer Gartenbau
Inwieweit der Gartenbau mit seinen Sparten generell zur Landwirtschaft gezählt werden kann oder soll, ist diskutierbar. Mit Sicherheit ist der Feldgemüsebau der Landwirtschaft noch am ehesten nahestehend. Auch Baumschulen zählen aufgrund der Produktionsverfahren und dem Technikeinsatz zu den Sparten, die der Landwirtschaft nahe stehen.
Im Bereich des Unterglasgemüseanbaus und vor allem der marktwirtschaftlich in Deutschland bedeutenden Sparte Blumen- und Zierpflanzenbau kommen schon andere, nicht-landwirtschaftliche Aspekte zur Geltung, so z.B. der Einsatz von Gewächshäusern oder anders gearteter Technikeinsatz wie Düngecomputer, Klimarechner oder Entkeimungsanlagen in geschlossenen Kultursystemen. "Urban Horticulture" oder die bereits erwähnte Innenraumbegrünung sowie Vermarktung und globaler Handel (Trend zum "Erlebnis-Gartencenter") setzen eher Akzente in Richtung Umwelt- oder Dienstleistungsgartenbau. Der Garten- und Landschaftsbau als Teil der Landschaftsarchitektur ist ebenfalls Teil des Dienstleistungsgartenbaues und arbeitet eng mit den planerischen Sparten des Berufsfeldes Landschaftsarchitektur (Freiraum- und Grünplanung) zusammen.
Weblinks
- [http://www.g-net.de/ Das Gartenbaunetz (g-net)] - Portal des Zentralverbandes Gartenbau und seiner Verbände
- [http://www.hdgbremen.de/tag/index.htm T·A·G - Top Ausbildung Gartenbau] - Umfangreiche Informationen über Ausbildungsmöglichkeiten im Gartenbau
- [http://www.bundesgartenschau.de/ Bundesgartenschau.de] - Homepage der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft
- [http://www.bildungsstaette-gartenbau.de/ Bildungsstätte Gartenbau Grünberg]
- [http://www.bundessortenamt.de Bundessortenamt] - Zulassung und Schutz von Pflanzensorten
- [http://www.gabot.de/ gabot.de] - Portal- und Suchmaschinenseite für den Gartenbau
- [http://www.gartentechnik.de/Wirtschaft/Gartenbau/ Gartentechnik.de] - Umfangreiche Linksammlung zum Thema Gartenbau
- [http://www.gartenbauvereine.de/ Bundesarbeitsgemeinschaft für Gartenkultur und Landschaftspflege] - Dachorganisation der Gartenbauvereine in Deutschland]
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ParkanlageUnter Gartenkunst oder Gartengestaltung versteht man die künstlerische und landschaftsarchitektonische Gestaltung begrenzter Freiräume durch Pflanzen, Wege, Anschüttungen, Planierungen, Architekturelemente, Wasserspiele und Skulpturen. Der folgende Artikel beschreibt die Entwicklung der Gartenkunst von der Zeit des Altertums bis in die Neuzeit.
Skulptur
Geschichte der Gartenkunst
Gartenkunst im Altertum
Die Gartenkunst im Alten Ägypten
Aufgrund der umfangreichen archäologischen Ausgrabungen, Grabinschriften und Wandmalereien ist die Entwicklung der Gartenkunst im Alten Ägypten gut dokumentiert. Erhalten geblieben ist beispielsweise das kleine Garten-Modell im Grab des Meketre, einem Kanzler des Pharaos Mentuhotep II. (2061-2010 v. Chr.). Daher wissen wir heute, dass die Pyramiden, die heute in kahler Wüste stehen, einst von umfangreichen Gartenanlagen umgeben waren. Der religiöse Kult sah Blumen-, Speise- und Getränkeopfer zu Ehren der Toten und der Götter vor, so dass frühzeitig rund um die Tempel und Gräber Gartenanlagen gebaut wurden. Aus der Zeit von Ramses III. lassen sich nicht weniger als 513 Tempelgärten nachweisen. Zentrale Bedeutung hatten in diesen Gärten, die der Wüste mühselig abgerungen wurden, künstlich angelegte Teiche. Weinlauben, Baumalleen, Gemüse- und Blumenbeete umgaben diese in streng symmetrischer Form.
Den Höhepunkt erreichte die altägyptische Gartenbaukunst während der Zeit des Neuen Reiches zwischen 1550 und 1080 v. Chr., eine Phase, in der so berühmte Herrscher wie Thutmosis III., Echnaton, Ramses II. und Tutanchamun regierten.
Anders als für Ägypten gibt es für den Gartenbau der Hochkultur, die sich schon 4000 Jahre vor Christi Geburt im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris entfaltete, wenig Belege. Hier liegt zwar die Wiege des modernen Menschen, der in dieser Region die ersten Schritte zu Ackerbau und Viehzucht tat; über die Gestaltung der Gärten wissen wir jedoch wenig. Auf Königsinschriften haben einige frühere Herrscher jedoch Hinweise auf ihre Gärten hinterlassen. So rühmt sich Tiglat-pileser I. (1115-1077 v. Chr.) üppiger Gärten; in Nimrud, dem biblischen Kalach fand sich eine Steinstele, die den königlichen Garten des Assurnasirpal II. (883-859 v. Chr.) beschreibt; eine Keilschrifttafel, die im Britischen Museum, London aufbewahrt wird, zählt die Pflanzen im Garten des babylonischen Königs Mardukapaliddina, dem biblischen Merodachbaladan (721-710 v. Chr) auf, und ein ebenfalls im Britischen Museum befindliches Relief des letzten bedeutenden Königs der Assyrer, Assurbanipal (668-627 v. Chr.) vermittelt wenigstens einen flüchtigen Eindruck, wie ein assyrischer Lustgarten gestaltet war.
Den wichtigsten Hinweis auf eine reiche Gartenkultur Mesopotamiens liefert jedoch die Geschichte der Hängenden Gärten von Babylon, die in der Antike als eines der sieben Weltwunder betrachtet wurden. Die Legende schreibt diese Gärten der Königin Semiramis zu, die möglicherweise der assyrischen Königin Schamuramat (809-782 v. Chr) gleichzusetzen ist, wahrscheinlich wurden sie -zumindest der Überlieferung nach -jedoch von Nebukadnezar II. (605-562) angelegt.
Jene berühmten Hängenden Gärten der Semiramis konnten jedoch bis heute nicht lokalisiert werden. Professor Kai Broderson stellt deswegen die Vermutung auf, dass sie nur in der Fantasie der Menschen existieren. Nach seiner Vermutung nahm ein ursprünglich unzugänglicher Palastgarten, den Nebukadnezar für sich errichten ließ, in der Vorstellungswelt der späteren Nachfahren immer wunderbarere Formen, bis daraus eben eines der sieben Weltwunder wurde.
Die persischen Königsgärten
Auch für die altpersischen Gärten sind archäologische Zeugnisse sehr spärlich. Das wenige, was wir über diese Gärten wissen - auch ihre Beeinflussung durch die Gartenkunst der Assyrer und Babylonier - wissen wir durch die Überlieferung griechischer Historiker.
Dareios (521-485) ließ bei den Karawansereien der königlichen Poststraße die herrlichsten Paradiese anlegen, schattige Parkanlagen mit Tiergärten, wo auch den Reisenden nach beschwerlicher Tagfahrt ein kühles Quartier und frisches Wasser geboten wurden. Dem jüngern Kyros (gest. 401) werden zwei solcher Paradiese zugeschrieben, schattige Alleen und Haine von Platanen, Zypressen und Palmen, zwischen denen die breitblätterige Aloe, herrliches Rosengebüsch und mannigfache Obstbäume, zahlreiche Blumen, zierliche Kioske, schattige Ruhesitze, Springbrunnen, Vogelhäuser und Aussichtstürme verteilt waren.
Die Gartenkunst im Alten Griechenland
:siehe Abschnitt Gartenbau im frühen Griechenland im Artikel Garten
Die Gartenkunst im Alten Rom
In Italien hatten die alten Römer die Nutz-(Gemüse- und Obst-) Gärten vom Lustgarten getrennt. Letzterer, durchaus regelmäßig gestaltet, wenn er sich an die Villa anschloss, war mit zahlreichen Schlingpflanzen an der Veranda, zierlichen Blumenbeeten und künstlich zu allerhand Figuren zugeschnittenen Bäumen versehen. Die Parkanlagen hatten eine deutende Ausdehnung, waren gleich zeitig Tiergärten, von Mauern u. dgl. eingeschlossen, mit in Stein gefassten Fischteichen, einem Geflügelhof und Marmorbecken, in deren Nähe Sitzplätze und Gartenhäuschen zum Betrachten der Schmuckvögel, und hatten oft ein architektonisch angelegtes Bassin mit Wasserkünsten, gewöhnlich von einer Säulenhalle umgeben. Am berühmtesten war die Villa Hadriana des Kaisers Hadrian in Tibur am Sabinergebirge. Die Anlagen hatten 12 römische Meilen im Umfang, enthielten Berge und Täler, Wasserfälle, Grotten, Wälder, Hippodrom, Theater und viele andre prachtvolle Gebäude. Hier wurde mit Benutzung mancher Überreste im 16. Jahrhundert die Villa d'Este angelegt. Durch Tacitus kennen wir noch andre Kaisergärten Roms, auch den Park am Goldenen Haus des Nero. Sie hatten künstliche Seen und Wälder, glichen also einigermaßen unserem modernen Park. Auch im Italien des römischen Reichs waren die Bewässerungsanlagen vollkommen.
Byzantinische Gärten
Viele byzantinische Palastanlagen waren mit weitläufigen Gärten versehen, wie der Mangana in Konstantinopel. Daneben gab es auch sehr intim gestaltete private Gärten. Teiche und fließendes Wasser spielten, ähnlich wie später in den osmanischen Anlagen, eine wichtige Rolle. Von Kaiser Konstantin IX. wird berichtet, daß er ausgewachsene Bäume versetzen ließ, um den Palastgarten möglichst schnell fertigzustellen.
Die Entwicklung der Gartenkunst in Asien
Die Entwicklung der Gartenkunst in China lässt sich bis 3000 v. Chr. zurückverfolgen. Chinesische Gärten sind Kunstwerke voll von Zeichen, Metaphern und Symbolen. Anders als die Gartenanlagen im Alten Ägypten und im Vorderen Orient entstanden, stand hier nicht die Pflanze im Vordergrund. Chinesische Gärten sind vielmehr als Abbild eines idealen Universums konzipiert, deren wesentliche Bestandteile künstlich angelegte Seen und Hügel, ungewöhnlich geformte Vegetation und Steine waren. Kein Volk der Erde hat den Garten so kultiviert wie die Chinesen; in ihm haben Herrscher und Reiche einen Luxus entwickelt, der wegen Verbrauchs von Land, Wasser und Arbeitskräften die Landwirtschaft gefährdete und öfters in die Geschicke des Landes eingriff. Der jetzige kaiserliche Garten bei Peking hat 80 km Umfang und ist in der Nachahmung der Natur ein Nonplusultra aller Gartenkunst. Landschaften aller Art, von der lieblichsten bis zur großartigsten, wechseln in demselben; der Pflanzenwuchs aller Zonen ist in ihm in der prächtigsten Entwicklung, Bäche, Flüsse, Seen, Dörfer und Schlösser beleben das Bild. Aber die Bewohner der Dörfer sind eine Art Schauspieler; sie stellen für den Kaiser, je nach den Anordnungen des Hofmarschalls, in schmucker Kleidung Fischer, Matrosen, Arbeiter, Handelsleute, Bauern, Soldaten etc. vor und führen dem Herrscher, welchem die strengste aller Etiketten das Erscheinen vor dem wirklichen Volk verbietet, ein verfeinertes Spiegelbild desselben vor. Die Liebhaberei der Chinesen für Zwergbäume lässt die Anordnungen auch in den größten Gärten doch meist sehr kleinlich erscheinen.
Die Gartenkunst in Japan
:siehe Hauptartikel Zengarten
Rückwirkung auf die europäischen Gartenanlage
Zwar hatte schon Marco Polo die chinesischen Gärten beschrieben, die so gänzlich von den europäischen abwichen, aber seine Beschreibungen waren zu vage, als dass sie großen Einfluss auf die Gartengestaltung in Europa haben konnten. Dies änderte sich, als der Franziskaner Matteo Ripa von seiner Reise in China zahlreiche Kupferstiche mit brachte, die ein Bild von der chinesischen Gartengestaltung vermitteln konnten. Bei seinem Besuch in England traf er mit zahlreichen Vertretern des englischen Hochadels zusammen, die in der Gestaltung ihrer Landschaftsgärten diese Ideen bereitwillig aufgriffen. Im Rahmen der Chinoiserie-Mode des 18. Jahrhunderts wurden chinesische Motive in ganz Europa aufgegriffen. Nachempfindungen chinesischer Gärten und Pagoden gehörten zur exotischen Ausstattung von Sanssouci, Versailles, Schönbrunn oder Schloss Pillnitz bei Dresden.
Die Gartenkunst in der nachrömischen Zeit
Man unterschied zwischen Gärten mit vorwiegend symbolischem Wert (hortus conclusus - von der Welt abgeschlossener Garten, mit christlicher Symbolik in Pflanze und Form ausgestattet) und dem hortus amoenus - dem schönen, lieblichen Garten der Sinne.
Das wichtigste Werk des 13. Jahrhunderts zur Gartenkunst stammt von Albertus Magnus: er beschreibt, wie der ideale Lustgarten auszusehen hat. Weitere wichtige Werke zur Gestaltung eines Gartens sind Hypnerotomachia Poliphili von Francesco Colonna und Leon Battista Albertis De re edificatoria.
1493 wurde Amerika, 1498 der Seeweg nach Ostindien entdeckt und durch den neu erblühten Handel ein großer Luxus eingeführt, der sich auch im Garten äußerte und den eigentlichen italienischen Gartenstil schuf. Italien gab Gesetze für hauptsächlich regelmäßige Gartenanlagen. Hohe, dichte, immergrüne Heckenwände und Pflanzungen, welche zugleich Schatten gewährten, stehende and springende Wasser, Grotten, die im Winter auch zur Aufbewahrung der Orangenbäume dienten, mussten die Glut des südlichen Himmels kühlen; reich besetzte Blumenbeete, in ihrer Form der Architektur des Hauses entsprechend, erfreuten durch ihre Farben und Formen; Vögel und Vogelnester unterhielten in anderer Weise den Spaziergänger. Ausgrabungen zahlreicher Statuen u. a. aus alter Zeit gaben Gelegenheit, diese Kunstschätze wieder, oft vielleicht überreich, zu verwenden und zwar, der leichten Übersichtlichkeit wegen, möglichst symmetrisch. Die Villen, welche durch guten Geschmack und den Kunstwert ihrer Gärten sich auszeichneten, waren im 16. Jahrhundert sehr zahlreich und find zum Teil heute noch erhalten, viele durch Anlagen im natürlichen Stil erweitert.
Von Privatgärten neuern Datums, ganz in diesem landschaftlichen Stil gehalten, verdienen Erwähnung: der des Chevalier Forti in Chiara bei Brescia, der Garten Casa Ramboldi bei Vicenza, Strozzi bei Florenz, der des Fürsten Stigliano Colonna in Neapel, Olivuzza und der Villa Tasca bei Palermo. Frankreichs Gartenbau kennt im Anfang feiner Geschichte nur das rein Nützliche, erhebt sich nur langsam zur Beachtung der Blumen und erreicht erst sehr spät das ästhetisch Schöne; jedes angenehme und nützliche Erzeugnis des Land- und Gartenbaues stammt aus der Fremde, von den Phönikern, Griechen, Karthagern, Römern und Sarazenen.
Gartenkunst der Neuzeit in Europa
Frankreich
Unter dem französischen König Heinrich IV. (1589-1610) nahm der Luxus mehr und mehr zu. Die Lustgärten bestanden zu Anfang des 17. Jahrhundert nur aus mehr oder weniger quadratischen Kompartimenten, die in einem regelmäßigen Raster angelegt wurden, einigen Rasenplätzen, wenigen Bäumen und Blumen, einigen Wasseranlagen. Sie alle waren im allgemeinen Nachahmungen der italienischen Gärten, übernahmen aber oft auss dem Mittelalter überkommenen französische Traditionen. Die Anlagen verwilderten aufgrund ihrer Vernachlässigung zussehends. Mit der allgemeinen Herausbildung eines sich vom italienischen Vorbild abtrennenden französischen Stiles und der Überwindung der Renaissance in Frankreich bekam auch die Gartenkunst in Frankreich ein neues Bild. Maßgebend für die Herausbildung des französischen Gartens war André Le Nôtre er legte im Auftrag Ludwigs XIV. den Garten von Versailles an, wobei zwar im Grundsatz die italienischen Formen verwandt wurden jedoch ungleich disziplinierter und mit einer straffen Symmetrie. Die Anlage war von großartiger Einfachheit, insbesondere übernahmen die Franzosen nicht die Terrassierung der italienischen Anlagen, sondern entwickelten den Garten in der Ebene. Absolut vorherrschend war der Formschnitt der Planzen, der nicht nur hochdekorative Buchsbaum-Broderieparterres, sondern auch die Kronen der angepflanzten Bäume hervorbrachte. Die Ausstattung mit Wasserkünsten, Skulpturen und kleinen Bauwerken folgte strikten von der Repräsentationsfunktion und ihrem mythologischen Programm vorgegebenen Regeln. Der französische Stil machte schnell seinen Rundlauf durch die zivilisierte Welt und erhielt sich bis Ende des 18. Jahrhunderts.
18. Jahrhundert
Bedeutende Beispiele sind: Die Gärten von Versailles und Vaux-le-Vicomte, für die frühen noch stark italienischen Gärten Chenonceau am Cher und Brecy in der Normandie. Jedoch übernahmen die neueren französischen Anlagen einige Forderungen des englischen Gartenbaus und gaben so teilweise den Formschnitt und andere Elemente des klassischen französischen Gartens auf. Beispiele dieses neuern französischen Stils sind unter anderem: der Park von Monceau, die städtischen Anlagen von Paris, das Boulogner und das Vincenner Gehölz, das bizarre Wunderwerk der Buttes Chaumont, Ferrieres, Besitzung des Chefs des Hauses Rothschild, der Garten Gustav v. Rothschilds in der Nähe des Palais d'Elysée.
Iberische Halbinsel
In Spanien blühte der Garten zur Zeit der Mauren und erreichte seinen höchsten Glanz ums Jahr 1000 unter Haschem IL; die mit Orangen, Blütensträuchern, Blumen, Kaskaden und anderen Wasserkünsten in strenger Regelmäßigkeit, dem Charakter des Gebäudes entsprechend, gezierten Höfe der Paläste waren zauberhaft schön; aber die Araber wurden durch die Christen des nördlichen Spanien nach und nach zu- rückgedrängt, zuletzt gänzlich vertrieben. Unter Philipp III. erfolgte die Ausweisung aller Abkömmlinge der Mauren, und Spanien wurde durch den Verlust seiner fleißigsten Arbeiter beinahe in eine Wüstenei verwandelt.
Portugal hatte in der Umgebung von Cintra bei Lissabon ebenfalls schöne alte Gärten, die Lord Byron in seinem Childe Harold als "glorious eden", ein herrliches Paradies bezeichnete; aber erst in jüngerer Zeit ließ ein kunstsinniger und fein fühlender deutscher Fürst, der König Ferdinand (von Coburg), dort Gärten anlegen, mit denen kaum ein anderer Garten Europas sich messen kann.
Niederlande
Die holländischen Gärten glichen einem Schachbrett in der Einteilung; das Grottenwerk u. a. der italienischen und französischen Gärten ward hier zur kindischen Spielerei, alles ward kleinlich oder großartig langweilig. Die geschweifte, geschnörkelte Linie der Hausornamente, selbst der Giebel, kehrte in den Gärten an den Hecken wieder, und die Figuren des Schmuckstücks (.Parterre) wiederholten dieselben Formen. Diese eigentümliche Mode der holländischen Gärten verbreitete sich um so schneller in Europa, je geschmackloser sie war, und je mehr Willkür dabei waltete. Die lebhafte Verbindung Hollands mit England war Ursache, dass auch hier der landschaftliche Gartenstil Eingang fand; Anlagen von größerer Bedeutung wurden aber nicht geschaffen, und der alte holländische Stil ist noch nicht erloschen, das beweisen die Gärten des Villendorfs Broek, wo man alle Spielereien, namentlich in den Baumfiguren, wiederfindet.
England
Barock
Im Barock ähnelt der englische Garten noch weitestgehend seinem französischen Vorbild. Geometrische Achsen, Boskette mit Buchsbaumornamenten und eine strenge Ausrichtung auf den Herrscher hin sind seine Kennzeichen. Oft findet man Labyrinthe und lange Alleen aus beschnittenen Bäumen. Ein Beispiel ist Hampton Court.
Da England über eine weitreichende Seehandelsflotte verfügte, wurden immer wieder Pflanzen aus fernen Gefilden importiert und im Botanischen Garten von Kew akklimatisiert und erforscht. So kamen die Zitrusgewächse nach England, die ebenso wie Rosen und Tulpen als Raritäten angepflanzt wurden.
Der Landschaftspark
Ab etwa 1720 entstand in England ein neuer Gartenstil, der englische Landschaftsgarten (oder auch englischer Landschaftspark). Als wichtiger Vorläufer gilt der Garten von Chiswick House, von William Kent angelegt, frühe Beispiele sind in Rousham und Stowe erhalten. Als wichtigste Einflüsse gelten die als natürlich empfundenen Gärten des Altertums sowie die Gärten Chinas und Miltons Versepos "Paradise Lost".
Kennzeichen des englischen Landschaftsgartens sind die natürlich belassene Bepflanzung, die geschwungene Wegführung, der fließende Übergang in die umgebende Landschaft und das Fehlen von dekorativen Blumenrabatten. Als Ideal wurde ein begehbares Landschaftsgemälde angestrebt, das besonders von Landschaftsmalern wie Gaspard Poussin und Claude Lorrain beeinflusst war. Ebenfalls den Gemälden entstammen die Gartenstaffagen, Follies genannt, in Form kleiner Tempel oder Ruinen, die meist als Blickfang in den Sichtachsen arrangiert sind.
In der Spätphase dominierte Lancelot "Capability" Brown mit seinen kargen weiten Gartenräumen, der den Stil auf die Spitze trieb, indem er natürlicher als die Natur gestalten wollte.
Wichtige Gärten: Chiswick, Rousham, Twickenham, Stowe, Stourhead, Blenheim Castle.
Wichtige Vordenker, Gärtner und Theoretiker: Charles Bridgeman, Joseph Addison, Publizist, Alexander Pope, Dichter, William Kent, Maler, Lancelot "Capability" Brown, Humphrey Repton (1752-1817), William Chambers und sein Jardin Anglo-Chinois.
Deutschland
In Deutschland wurde der erste Englische Park vom Baron Otto von Münchhausen in Schwöbber bei Hameln a. d. Weser 1750 angelegt; dann folgte Hinübers Englischer Garten in Marienwerder bei Hannover, 1765 der beide übertreffende Park zu Harbke bei Helmstedt, Besitzung des Grafen von Veltheim. Letzterer besteht noch und enthält die ältesten nordamerikanischen Bäume in Deutschland, besonders Eichen.
1768 wurde im Auftrag des anglophilen Fürsten von Anhalt-Dessau der bis heute akribisch gepflegte Park von Wörlitz von Schoch und Neumann in chinesisch-englischer Manier angelegt. In ihm finden sich neben der ersten europäischen Eisenbrücke und dem ersten außerhalb von England gebauten neo-gotischen Gartengebäude auch ein künstlicher Vulkan, der mittels Feuerwerkskörpern zum Ausbruch gebracht werden konnte.
Für die Entwicklung des natürlichen Gartenstils in Deutschland hat in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts Weimar einen großen Einfluss ausgeübt. Johann Wolfgang von Goethe, der Begründer einer neuen Richtung in der botanischen Wissenschaft, der Morphologie der Pflanzen, gab hier den Impuls; mit seinem fürstlichen Freunde, dem nachmaligen Großherzog Karl August, wandelte er die Gegend an der Ilm im Süden der Stadt in einen Park (Park an der Ilm) um, wie er noch heute, durch den Fürsten Hermann von Pückler-Muskau verbessert, als lehrreiches Beispiel vor unserm Auge steht.
Hermann von Pückler-Muskau
Ein Vorkämpfer für den natürlichen Gartenstil war Hirschfeld, Professor in Kiel, ein Bahnbrecher in Deutschland Friedrich Ludwig Sckell in München, der im dortigen Englischen Garten und in Nymphenburg Musteranlagen geschaffen, ein Meister erster Ordnung Lenné, der mit seinem Schüler und Gehilfen Garten Meyer Charlottenhof und die verschiedenen neuen Anlagen bei Sanssouci, letzterer allein die städtischen Anlagen von Berlin geschaffen. Ein Gartenkünstler von außergewöhnlicher Bedeutung aber war Fürst Hermann von Pückler-Muskau, der um die Residenz seiner Standesherrschaft Muskau herum, später bei Branitz noch unübertroffene Muster moderner Gärten hinterlassen hat. Er verfasste auch das wichtigste gartentheoretische Werk seiner Zeit in Deutschland, die "Andeutungen über Landschaftsgärtnerei". Sein Muskauer Parkdirektor, Eduard Petzold, wurde gleichfalls ein bedeutender Parkschöpfer: Park der deutschen Gesandtschaft in Sofia, Park von Philadelphia (USA), zahlreiche Gutsparks (z.B.:Altenstein). Herrliche Gärten sind auch Glienicke, vom Prinzen Karl von Preußen (gest. 1883) angelegt und in stets gleichem Glanz erhalten, die Rheinanlagen der Kaiserin Augusta in Koblenz, die Insel Mainau im Bodensee, der Park von Babelsberg bei Potsdam u. a.
Ende des 19. Jahrhunderts kamen so genannte Floragärten in Mode: prächtige und kunstvoll ausgeschmückte Einrichtungen mit Wintergärten, parkartige Anlagen, in denen den Blumen eine ungewöhnliche Bevorzugung eingeräumt ist, mit einem prachtvollen Blumenparterre, worin Teppichbeete vorherrschen, und zu welchem die schattigen Alleen und Parkteile nur den Rahmen bilden. Wasserkünste, welche hier besonders gut angewendet wären, findet man in diesen Gärten nicht so häufig. Als Muster dieser Art Gärten können gelten der Palmengarten in Frankfurt am Main, die Flora in Köln und die Flora in Charlottenburg, letztere mit einem sehr geschmackvoll bepflanzten Palmenhaus, ersterer mit unübertrefflichen Blumenparterres, die Flora von Köln mit einer Gärtnerlehranstalt verbunden.
:Siehe auch Arboretum, Hortus Eystettensis, Mill Ends Park, Liste berühmter Parks und Gartenanlagen, Gartendenkmalpflege
Berühmte Gartenkünstler und Gartenarchitekten
Gartendenkmalpflege
- André Le Nôtre (1613-1700)
- Peter Joseph Lenné (1789-1866)
- Hermann von Pückler-Muskau (1785-1871)
- Friedrich Ludwig Sckell (1750-1823)
- Eduard Petzold (1815-1891)
- Maximilian Friedrich Weyhe (1775-1846)
- Frederick Law Olmsted (1822-1903)
- Erwin Albert Barth (1880-1933)
- Ernst F. Cramer (1898-1980)
- Isamu Noguchi (1904-1988), Bildhauer
- Peter Latz ( - 1939)
Literatur
- [http://susi.e-technik.uni-ulm.de:8080/Meyers2/seite/werk/meyers/band/6/seite/0917/meyers_b6_s0917.html#Garten Garten], in: Meyers Konversationslexikon, 4. Aufl. 1888, Bd. 6, S. 917
- Marianne Beuchert: Die Gärten Chinas, in: Hans Sarkowicz (Hrsg.): Die Geschichte der Gärten und Parks, Frankfurt am Main 2001
- Kai Broderson: Die Hängenden Gärten von Babylon, in: Hans Sarkowicz (Hrsg.): Die Geschichte der Gärten und Parks, Frankfurt am Main 2001
- Karin Dzionara: Der Garten im alten Ägypten, in: Hans Sarkowicz (Hrsg.): Die Geschichte der Gärten und Parks, Frankfurt am Main 2001
- Michaela Kalusok: Schnellkurs Gartenkunst. Köln 2003
- Christa Hasselhorst: Meister der Gartenkunst. Die großen Gärten Europas und ihre Schöpfer, Berlin 2004, ISBN: 3894791381
- Gartenkunst Deutschland, hg. von der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in Deutschland und dem Landesdenkmalamt Berlin, Berlin 2002
- Ronald Clark: Garten Reiseführer. 1350 Gärten und Parks in Deutschland, München, ISBN 3766716441
- Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU)(Hrsg.): Erfassung der historischen Gärten und Parks in der Bundesrepublik Deutschland (CD-ROM), Bonn, 4. Auflage 2001
- Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU)(Hrsg.): Erfassung der historischen Friedhöfe in der Bundesrepublik Deutschland (CD-ROM), Bonn 1998
- Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU)(Hrsg.): Weißbuch der historischen Gärten und Parks in den neuen Bundesländern, Bonn
- Eva Berger: Historische Gärten Österreichs, 3 Bde., Wien 2002-2004
- Hans-Rudolf Heyer: Historische Gärten der Schweiz, Bern 1980, ISBN 3-7165-0341-X
- Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland und Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.): Historische Gärten. Eine Standortbestimmung. Berlin 2003, ISBN 3895411612
- Michael Rohde u. Rainer Schomann (Hrsg.): Historische Gärten heute, 2. Aufl., Leipzig 2004, ISBN 3-361-00567-1
Weblinks
- [http://www.garten-literatur.de/Blattwerk/architekten.htm Bücherliste Gartenkultur]
- [http://www.gartenkunst-museum.de/museum.htm Gartenkunst-Museum Schloss Fantaisie]
- [http://www.schloss-benrath.de/portal_gkm/default.asp Museum für Europäische Gartenkunst Schloss Benrath]
- [http://www.dgg1822.de/Gartenkulturpfad/idee.html Gartenkultur-Pfade - Ein Projekt der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft]
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SiedlungEine Siedlung ist ein Ort, wo Menschen in Gebäuden zum Zwecke des Wohnens und Arbeitens zusammen leben. Dazu gehören Baulichkeiten der Wirtschaft, Kultur, des Sozialwesens und Verkehrswesens.
Beispiele von Siedlungen
westliche Welt
- Anliegesiedlung
- Arbeitersiedlung
- Arbeitslosensiedlung
- Dorf
- Einfamilienhaussiedlung
- Eisenbahnsiedlung
- Einödhof
- Flecken
- Gewerbegebiet
- Historische Siedlung
- Hofgruppe
- Mittelpunktsiedlung
- Neubaugebiet
- Ökologische / Nachhaltige Siedlung, siehe: Ökosiedlung
- Reformsiedlung
- Schrebergartenkolonie
- Stadt
- Weiler
- Israelische Siedlung
Afrika
- Kral
Amerika
- Pueblo
Siehe auch
- Wohnplatz
Weblinks
- [http://www.schlumpfhausen.info/ Eine Salzburger Siedlung]
- http://www.lausitzer-bergbau.de/historisch/Arbeiterwohnen1.htm
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Kategorie:Humangeographie
Region
Als Region bezeichnet man im allgemeinen Sprachgebrauch ein Gebiet, dessen Bewohner eine enge kulturelle, sprachliche oder wirtschaftliche Bindung pflegen, wie zum Beispiel Ruhrgebiet, Rhein-Main, Region Saar-Lor-Lux, Euregio Maas-Rhein, Region Köln/Bonn, Mitteldeutschland. Eine Region ist in der Regel räumlich zusammenhängend. Sie hat meistens aufgrund ihrer historischen, geographischen, klimatischen oder wirtschaftlichen Entwicklung ganz spezielle Eigenheiten - regionale Kultur und Tradition, regionale Sprache (Dialekt), regionale Küche, regionale Wirtschaftsentwicklung (behandelt im Rahmen der Regionalökonomie) usw. Deshalb liegen die Aspekte einer Region vorwiegend bei den kulturellen und wirtschaftlichen Faktoren. In der Abgrenzung zum Landschaftsbegriff konnte keine allgemein gültige Definition gefunden werden. Als weitere Bezeichnungen für Region findet man deshalb auch Gegend oder Landschaft.
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