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Massenmedien

Massenmedien

Massenmedien sind alle Einrichtungen der Gesellschaft, die sich zur Verbreitung von Kommunikation technischer Mittel der Vervielfältigung bedienen (Niklas Luhmann).

Definition

Allgemein

Presse, Hörfunk und Fernsehen werden als Massenmedien bezeichnet. Ihre gemeinsamen Merkmale sind, dass sie sich über ein technisches Verbreitungsmittel, öffentlich, indirekt und einseitig an ein disperses (lat. "fein verteilt") Publikum wenden. Massenmedien stellen Massenkommunikation her, die von der Individualkommunikation zu unterscheiden ist. Die Bezeichnung wurde im englischsprachigen Bereich, in den 1920er Jahren mit dem Aufkommen des Rundfunks, der Massenblätter und -zeitschriften geprägt. Auf der Seite des "Senders" steht der Kommunikator. Der Beobachter und Reflektor der Wirklichkeit. Dieser richtet seine Aussagen für Jedermann zugänglich an die Öffentlichkeit. Kommunikatoren sind die Journalisten, Schriftsteller, Künstler usw.

Der Begriff

Das Fernsehpublikum und auch die Leser von Zeitungen/Zeitschriften bilden keine Masse im soziologischen Sinn.

Kommunikation der Masse untereinander

Das Publikum ist verstreut über ein ganzes Land, es kann nicht wie beispielsweise eine auf einem Platz versammelte Masse, die einem Redner zuhört, untereinander kommunizieren , gegenseitige Handlungen hervorrufen (Applaus, der von anderen Mitgliedern aufgenommen wird,...). Beim weit verstreuten Fernseh-, Radio- oder Zeitungspublikum fällt dieser Aspekt direkter Kommunikation völlig weg. In den letzten Jahren gibt es vermehrt Angebote, begleitend zu Fernseh- und Radiosendungen über das Internet über Chat direkt mit anderen Zuschauern oder den Sendeverantwortlichen oft schon während der Sendung in Kontakt zu treten. Meinungsäußerungen und Abstimmungen via Internet und E-Mail sind auch oft möglich.

Maletzkes Definition

Gerhard Maletzke definiert den Begriff Massenmedien 1963 in etwa so: öffentlich (nicht privat, allgemein zugänglich), medial (durch Nutzung eines technischen Verbreitungsmediums), einseitig (vom Sender zum Empfänger und nicht umgekehrt), indirekt (Zeit und Ort von Produktion und Rezeption sind nicht identisch), an ein weiter verteiltes Publikum (verstreute und individuelle Nutzung).

Formen


- Printmedien (für Daten, Texte, Bilder) die Presse, Flugblätter usw.; siehe Buchdruck
- elektronische Medien (für Daten, Texte, Töne, Bilder)
  - auditive Medien Hörfunk, Compact Cassette, CD etc.
  - audio-visuelle Medien Fernsehen, Video, Videotext etc. Zunehmend überwiegen die elektronischen gegenüber den nicht-elektronischen Medien. Die neuen Übertragungswege und -verfahren über Satellit, Kabel o.ä. verschaffen den klassischen Massenmedien Presse und Rundfunk eine wachsende Konkurrenz.

Inhalt

Das heutige Bild der Wirklichkeit ist das medial vermittelte und präsentierte Bild der Wirklichkeit. Ereignisse, die nicht in den Massenmedien wiedergegeben werden, haben in der Öffentlichkeit nicht stattgefunden. Von großer Bedeutung für die mediale Präsenz und den Wert einer Nachricht sind Faktoren wie

- Nähe, Prominenz, Personalisierung, Konfliktträchtigkeit, Negativismus, Ethnozentrismus, Überraschung.
Meldungen ohne solchen Nachrichtenwert werden für eine Publikation als nicht tauglich befunden, was sich nachhaltig im Bild der vermittelten Wirklichkeit niederschlägt. Der Abstand zwischen Ereignis und Berichterstattung vermindert sich zunehmend (Breaking News).

Siehe auch

Medienwissenschaft, Funktionen der Massenmedien, Medienmogul, Nachrichten, Pressekonferenz, Chronologie englischsprachiger Medien

Weblinks


- [http://www.wissen.de/xt/default.do?MENUID=40,156,538&MENUNAME=InfoContainer&OCCURRENCEID=SL0011762743.SL0012704613.TM01-FullContent&WissenID=QoMW2v0R4PtAX0qdwb4sio10oo7XqYV00SvXimZROBmbzKAeyqw0|5041278597594956151/182718475/6/7063/7063/7003/7003/7063/-1|4035159588067483181/182718489/6/7063/7063/7003/7003/7063/-1|1115887354345 Wissen.de - Basiswissen Massenmedien]
- [http://www.bpb.de/publikationen/04850952034553141195224309211891,0,0,Massenmedien.html bpb.de - Infos zu Massenmedien]
- [http://socio.ch/demo/t_hsuter1.htm socio.ch - Ausführlicher Text zum Thema] Kategorie:Medien ja:マスメディア

Kommunikation

Kommunikation (lat. communicare „teilen, mitteilen, teilnehmen lassen; gemeinsam machen, vereinigen“) bezeichnet auf der menschlichen Alltagsebene den wechselseitigen Austausch von Gedanken in Sprache, Gestik, Mimik, Schrift oder Bild. Im erweiterten Sinn ist Kommunikation das wechselseitige Übermitteln von Daten oder von Signalen, die einen festgelegten Bedeutungsinhalt haben, auch zwischen tierischen und pflanzlichen Lebewesen und technischen Objekten oder Systemen. Der Begriff ist eng verwandt mit dem der Interaktion, in vielen Bereichen sind diese Begriffe sogar synonym, besonders dann, wenn Wechselseitigkeit für den Kommunikationsbegriff vorausgesetzt wird.

Definition und Zusammenhang

Interaktion einen Brief" von Ilja Repin (1880)]] Eine allgemein anerkannte Definition des Begriffs existiert nicht. Ein Ansatz besagt, dass die Teilnehmer einer Kommunikation Menschen aber auch andere Lebewesen oder Objekte (insbesondere Geräte) sein können. Demnach kann auch zwischen Menschen und Dingen eine Kommunikation stattfinden, etwa zwischen Mensch und Computer nach dem Schlagwort der „Mensch-Maschine-Kommunikation“. Diskutiert wird vor allem, ob die Teilnehmer einer Kommunikation Individuen sein müssen, beziehungsweise ob jeder Kommunikation ein Bewusstsein zu Grunde liegt (siehe Turing-Test). In den technischen Disziplinen wird dies verneint und die Kommunikation als ein Prozess betrachtet, der den Zustand des Empfängers verändert. Aus philosophischer Sicht ist fraglich, ob es Kommunikation ohne "Verständnis" und "Erinnerung" überhaupt geben kann. Umstritten ist auch, ob Kommunikation intentional sein muss und ob es einseitige Kommunikation gibt.
- Vertikale Kommunikation ist die Kommunikation von Höhergestellten mit Untergebenen (auch komplementäre Kommunikation).
- Horizontale Kommunikation meint die Kommunikation von Gleichgestellten untereinander (auch symmetrische Kommunikation).

Kommunikation in verschiedenen Wissenschaftsbereichen


- Kommunikation (Soziologie) (auch:Soziale Interaktion und Interpersonelle Kommunikation)
  - Kommunikationswissenschaft
  - Informationswissenschaft
  - Medienwissenschaft
  - Informationstheorie
  - Sprechakttheorie
  - Linguistik
  - Semiotik
- Kommunikation (Biologie)
- Kommunikation (Informationstheorie)
- Kommunikation (Astronomie)
- Kommunikation (Konstruktivismus)
- Kommunikation (Kybernetik)
- Kommunikation (Nachrichtentechnik)
- Kommunikation (Psychologie)
- Kommunikation (Systemtheorie)
- Kommunikation (Wirtschaft)
- Kommunikation (Unterricht) Weitere Übersichten in: Kommunikationsmodell

Speziellere Bereiche

Nach den beteiligten Sendern und Empfängern, Techniken und Einzugsbereichen wird unterschieden zwischen: # Computervermittelte Kommunikation # Mensch-Maschine-Kommunikation # Digitale Kommunikation # Gruppenkommunikation # Individualkommunikation # Intimkommunikation # Massenkommunikation # Telekommunikation # Zwischenmenschliche Kommunikation #
- Nonverbale Kommunikation #
- Vokale Kommunikation #
- Visuelle Kommunikation #
- Parasprache #
- Gesprochene Sprache #
- Unterstützte Kommunikation #
- Gebärden-unterstützte Kommunikation #
- Gestützte Kommunikation

Siehe auch


- Information
- Information und Kommunikation
- Interaktion
- Diskussion
- Symbol
- Informationstheorie
- Interkulturelle Kommunikation
- Historische Kommunikation
- Probleme der Kommunikation
- Mediation
- Gewaltfreie Kommunikation
- Asymmetrische Information
- Verkaufspsychologie
- Medien
- Medienrecht
- Portal:Verhandlung und Verkauf
- Portal:Wissen, Information, Kommunikation und Medien

Literatur

Menschliche Kommunikation


- Paul Watzlawick Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien ISBN 3-456-82825-X
- Virginia Satir Kommunikation, Selbstwert, Kongruenz ISBN 3-87387-018-5
- Oliver Jahraus, Nina Ort Bewußtsein, Kommunikation, Zeichen ISBN 3-484-35082-2
- Heinz von Foerster, Ernst von Glasersfeld, Peter M. Hejl Einführung in den Konstruktivismus ISBN 3-492-21165-8
- Bernhard Badura, Klaus Gloy Soziologie der Kommunikation ISBN 3-7728-0363-6
- Roland Burkart Kommunikationswissenschaft ISBN 3-205-98185-5
- Kurt Koszyk, Karl Hugo Pruys Handbuch der Massenkommunikation ISBN 3-423-04370-9
- Helmut Glück Metzler-Lexikon Sprache ISBN 3-476-01519-X
- Christiane Grosser Kommunikationsform und Informationsvermittlung ISBN 3-8244-4000-8
- Dirk Baecker Kommunikation ISBN 3-379-20119-7
- Friedemann Schulz von Thun Miteinander reden 1. Störungen und Klärungen. Allgemeine Psychologie der Kommunikation. Reinbek (Rowohlt) 1981. ISBN 3-499-17489-8
- ders. Miteinander reden 2. Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung. Differentielle Psychologie der Kommunikation. Reinbek (Rowohlt) 1989. ISBN 3-499-18496-6
- ders. Miteinander reden 3. Das 'innere Team' und situationsgerechte Kommunikation. Reinbek (Rowohlt) 1998. ISBN 3-499-60545-7
- Peter Wendl: „Gelingende Fern-Beziehung. Entfernt zusammen wachsen“ ISBN 3-451-20896-2 [http://www.gelingende-fernbeziehung.de] und weitere ausführliche Liste [http://www.uni-leipzig.de/~debatin/lectures/KMW_lit.htm#lili hier]

Technische Kommunikation / Angewandte Linguistik


-
Walter Hoffmann Erfolgreich beschreiben - Praxis des technischen Redakteurs; Organisation, Textgestaltung, Redaktion ISBN 3-8007-1652-6
-
W. Sturz, C. Walling-Felkner Praxishandbuch Technische Dokumentation ISBN 3-8111-7088-0
-
H.P. Krings Wissenschaftliche Grundlagen der Technischen Kommunikation ISBN 3-8233-4543-5
-
Norbert Groeben Leserpsychologie. Textverständnis - Textverständlichkeit ISBN 3-402-04298-3
-
Anne Lehrndorfer Kontrolliertes Deutsch. Linguistische und sprachpsychologische Leitlinien für eine (maschinell) kontrollierte Sprache in der Technischen Dokumentation ISBN 3-8233-5080-3
-
Susanne Göpferich Interkulturelles 'Technical Writing' (2003) ISBN 3-8233-4760-8 und weitere ausführliche Liste [http://www.cabeweb.de/help/tdliteratur.htm hier]

Maschinenkommunikation


-
Albrecht Beutelspacher Kryptologie - Eine Einführung in die Wissenschaft vom Verschlüsseln, Verbergen und Verheimlichen ISBN 3-528-58990-6
-
Arno Bammé, Günther Feuerstein, Renate Genth Maschinen- Menschen, Mensch-Maschinen. Grundrisse einer sozialen Beziehung ISBN 3-499-17698-X
-
Hubert L. Dreyfus Die Grenzen der künstlichen Intelligenz. Was Computer nicht können ISBN 3-7610-8369-6 und weitere ausführliche Liste [http://lingua1.phil.uni-jena.de/srk/literat2.html hier]

Biochemische Kommunikation


-
William H. Calvin Wie aus Neuronen Bewußtsein entsteht ISBN 3-446-17279-3
-
Philip E. Stanley, Larry J. Kricka Bioluminescence and Chemilunimescence ISBN 9812381562
-
Imre Kerner, Dagny Kerner Der Ruf der Rose. Wie Pflanzen fühlen und wie sie mit uns kommunizieren ISBN 3-462-02166-4
-
F. Lottspeich, H. Zorbas Bioanalytik ISBN 3-8274-0041-4
-
G.-J. Krauß, J. Miersch Chemische Signale ISBN 3-7614-0707-6 und weitere ausführliche Liste (alternativ) [http://www.datadiwan.de/netzwerk/index.htm?/moch/moch_4.htm#--139 hier] sowie konservativ/naturwissenschaftlich [http://www.biochemtech.uni-halle.de/pflanze/kvv.html hier]

Zitat


-
Dürfte ich das Unwort des Zeitalters bestimmen, so käme nur eines in Frage: kommunizieren. Ein Autor kommuniziert nicht mit seinem Leser. Er sucht ihn zu verführen, zu amüsieren, zu provozieren, zu beleben. Welch einen Reichtum an (noch lebendigen) inneren Bewegungen und entsprechenden Ausdrücken verschlingt ein solch brutales Müllschluckerwort! Mann und Frau kommunizieren nicht miteinander. Die vielfältigen Rätsel, die sie einander aufgeben, fänden ihre schalste Lösung, sobald dieser nichtige Begriff zwischen sie tritt. Ein Katholik, der meint, er kommuniziere mit Gott, gehört auf der Stelle exkommuniziert. Zu Gott betet man, und man unterhält nicht, sondern man empfängt eine Heilige Kommunion. All unsere glücklichen und vergeblichen Versuche, uns mit der Welt zu verständigen, uns zu berühren und zu beeinflussen, die ganze Artenvielfalt unserer Erregungen und Absichten fallen der Ödnis und der Monotonie eines soziotechnischen Kurzbegriffs zum Opfer. Damit leisten wir dem Nichtssagenden Vorschub, das unsere Sprache mit großem Appetit auffrisst.Botho Strauß (Der Untenstehende auf Zehenspitzen, 2004, ISBN 3-446-20491-1)

Weblink


- [http://www.mfk.ch/ Museum für Kommunikation]
- [http://www.forum-ev.org/ Berliner KommunikationsFORUM e.V.] ! ja:通信 simple:Communication th:การสื่อสาร


Niklas Luhmann

Niklas Luhmann (
- 8. Dezember 1927 in Lüneburg; † 6. November 1998 in Oerlinghausen bei Bielefeld) war ein deutscher Soziologe, ab ca. 1967 von bedeutendem Einfluss auf die deutsche und internationale Soziologie, bis hin zur "Schulen"-Bildung. Als einer der Begründer der soziologischen Systemtheorie machte er sich auch in der Jurisprudenz und Philosophie einen Namen.

Leben

Niklas Luhmann wurde als Sohn eines Brauereibesitzers geboren und studierte von 1946 bis 1949 Rechtswissenschaft in Freiburg im Breisgau. Es folgte bis 1953 eine Referendarausbildung in Lüneburg. In dieser Zeit begann er auch mit dem Aufbau seiner Zettelkästen. Von 1954 bis 1962 war er dann als Verwaltungsjurist in der öffentlichen Verwaltung des Landes Niedersachsen tätig. 1960 heiratete er Ursula von Walter; 1960/61 erhielt er ein Fortbildungs-Stipendium für die Harvard-Universität, das er nach erteilter Beurlaubung wahrnehmen konnte. Dort kam er in Kontakt mit Talcott Parsons und dessen strukturfunktionaler Systemtheorie. Nach seiner Tätigkeit als Referent an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer von 1962 bis 1965 und seiner Tätigkeit als Abteilungsleiter an der Sozialforschungsstelle an der Universität Münster in Dortmund von 1965 bis 1968 (1965/66 daneben ein Semester Studium der Soziologie an der Universität Münster) promovierte er dort 1966 zum Dr. sc. pol. (Doktor der Sozialwissenschaften) und habilitierte sich fünf Monate später bei Dieter Claessens und Helmut Schelsky mit "Funktionen und Folgen formaler Organisation" bzw. "Recht und Automation in der öffentlichen Verwaltung. Eine verwaltungswissenschaftliche Untersuchung". 1968 bis 1993 lehrte er dann als Professor für Soziologie an der Universität Bielefeld. Niklas Luhmann wohnte mehrere Jahrzehnte in Oerlinghausen bei Bielefeld. Zwei Jahre nach seinem Tod wurde im Jahre 2000 das vorherige "Städtische Gymnasium Oerlinghausen" in "Niklas-Luhmann-Gymnasium" umbenannt.

Zur Systemtheorie

Die Luhmannsche Systemtheorie (in Abgrenzung zur allgemeinen Systemtheorie von Ludwig von Bertalanffy u. a. sowie zur Theorie sozialer Systeme von Talcott Parsons) gilt derzeit als eine der wohl erfolgreichsten und populärsten Theorieangebote im deutschen Sprachraum, nicht nur in der Soziologie, sondern auch in so diversen Feldern wie der Psychologie, der Theorie des Managements oder der Literaturtheorie. Auch international beeinflusst sie den sozialphilosophischen Diskurs. Luhmanns Systemtheorie handelt von selbstreferenziellen sozialen Operationen, Prozessen, Strukturen und Systemen, die sich auf sich selbst und auf ihre Umwelt beziehen können und dadurch den Unterschied von System und Umwelt erzeugen und reproduzieren.

Elemente sozialer Systeme

Kleinste Elemente sozialer Systeme, postuliert Luhmann, sind nicht etwa handelnde Menschen, sondern Kommunikationen. Ein soziales System steuert sich selbst, indem es ständig Kommunikationen produziert und anschlussfähig hält. Psychische Systeme (Bewusstsein) könnten nicht kommunizieren, sie denken; nur soziale Systeme (Interaktion, Organisation, Gesellschaft) können sich kommunikativ anregen. Luhmann radikalisiert den "Kommunikations"-Begriff und definiert ihn als dreifache Selektion aus "Information, Mitteilung und Verstehen". Die Verständigung zwischen Akteuren erscheint als ein prinzipiell unwahrscheinliches Ereignis, da Kommunikationen stör- und fehleranfällig sind. Sein berühmtestes Bonmot zur weltgesellschaftlichen Kommunikation lautet: "Hier zählt jeder Fluch der Ruderer auf den Galeeren". Luhmann hat Beschreibungen für einfache Interaktionssysteme (beispielsweise Liebesbeziehungen), Organisation, der Weltgesellschaft sowie für eine Vielzahl sozialer Funktionssysteme wie Recht, Wissenschaft, Wirtschaft, Religion, Erziehungswesen, Politik, Massenmedien, aber auch Sozialarbeit und Kunst angefertigt beziehungsweise angeregt. Dabei bedient er sich der Theoriefigur der "operativen Geschlossenheit" jedes der funktional differenzierten Systeme sowie des Gesellschaftssystems insgesamt. Diese Art der Analyse soll dem Soziologen/der Soziologin die trennscharfe Zurechnung von Kommunikationen, Ereignissen, Erlebnissen und Handlungen auf die gesellschaftlichen Subsysteme, ihre Codes, Medien, Strukturen, Frames und Programme ermöglichen.

Autopoiesis

Seit Anfang der 1980er Jahre übernimmt Luhmann den Grundbegriff der Autopoiesis für die Soziologie, der von Humberto Maturana und Francisco Varela in der Systembiologie erarbeitet wurde, doch nicht ohne ihn abzuwandeln. Ein System definiert sich danach selbst, indem es einen Unterschied zu seiner Umwelt markiert. Neben anderen inneren Komponenten ist die Systemgrenze Produkt des Systems. Erst durch die Ziehung seiner "Grenze" hebt es sich von der Umwelt ab und wird zu etwas von der Umwelt Verschiedenem. Mit anderen Worten: Das System schafft sich selbst. Deswegen spricht Luhmann mit Maturana von autopoietischen (griech.: selbsterzeugend), in operativer Hinsicht von geschlossenen Systemen. Im Gegensatz zu Maturana, der den Begriff der "Autopoiesis" strikt auf Organismen beschränkt, findet Luhmann insbesondere in sozialen Phänomenen ein weiteres Anwendungsgebiet. Luhmanns theoretische Grundbausteine sind jedoch nicht Kommunikationsagenten, sondern Kommunikationen selbst. Dieser Schritt mutet prima facie höchst seltsam an: soziale Systeme bestehen ausdrücklich nicht aus Menschen, sondern eben nur aus Kommunikationen. Jedoch lässt sich Luhmanns theoretische Entscheidung einfach begründen: Bestünden soziale Systeme aus Menschen, würden sie - kraft ihrer Eigenschaft, autopoietisch zu sein - Menschen produzieren. Das wäre in gewisser Hinsicht absurd. Folglich wählt Luhmann die zugegebenermaßen unorthodoxe, aber zumindest weniger abwegige Variante, die sich für ihn durch Grundsatzentscheidung für autopoietische Systeme ergibt. Aus der operationalen Abgeschlossenheit sozialer Systeme ergeben sich erkenntnistheoretische Konsequenzen, die Maturana als Vertreter des Radikalen Konstruktivismus als erster formuliert hat und die auch Luhmann im Weiten teilt, sich jedoch auf eine eigene Variante des operativen Konstruktivismus stützt. Eine logisch strenge Fundierung dieses Ansatzes, der zu postontologischen Perspektiven führt, findet sich für Luhmann in den Laws Of Form des britischen Mathematikers George Spencer-Brown. Paradigmatisch geht es Luhmann darum, durch die System-Umwelt-Differenz die Menschen (körperlich, psychisch) in der Umwelt der Gesellschaft zu verorten sowie umgekehrt soziale Systeme in der Umwelt von psychischen. Eine emphatische Anthropologie im Sinne des Humanismus lehnt er ab und betont die Eigenlogik des Sozialen. Ferner übernimmt er das aus der Kybernetik, insbesondere von Heinz von Foerster, entwickelte Konzept der Beobachtung 2. Ordnung als spezifisch wissenschaftliche Perspektive.

Zusammenfassung

Luhmanns Systemtheorie basiert auf der Evolution von Kommunikation (von Sprache über Schrift bis hin zu elektronischen Medien) und parallel auf der Evolution von Gesellschaft durch funktionale Ausdifferenzierung (siehe auch soziale Differenzierung). Daraus ergeben sich drei Stränge: # Systemtheorie als Gesellschaftstheorie, # Kommunikationstheorie und # Evolutionstheorie, die sich durch sein gesamtes Werk ziehen (siehe dazu: Aufsatz von 1975 „Systemtheorie, Evolutionstheorie und Kommunikationstheorie“). Luhmann bezeichnete sich zeitlebens als Soziologen, doch kann man - und hierin ist er Jürgen Habermas nicht unähnlich - ihn ebensowohl als Wissenschaftstheoretiker auffassen, der die Soziologie sehr angeregt hat und der eine bemerkenswerte soziologische Urteilskraft besaß. Für die Sucher nach einer "Großen Theorie" war sein Denkansatz verlockend, auffällig nach 1990 auch angesichts der Neuanhängerschaft zahlreicher vormaliger (Nenn-)Marxisten aus dem Ostblock. Insgesamt bietet das Werk Luhmanns eine oft subtil ironische, distanzierte, desillusionierende gesellschaftstheoretische Perspektive. Philosophen mag es an Hegels Versuch erinnern, seine Zeit in Worte zu fassen. Absolutem Wissen erteilt Luhmann jedoch eine Absage.

Kritik

Luhmanns Systemtheorie hat eine teilweise heftige Debatte nicht nur in der Soziologie entfacht. Aus erkenntnistheoretischer Perspektive wird moniert, die Theorie laufe auf Grund ihres tautologischen Ansatzes leer und sage uns nicht mehr über die Welt, als was wir vermöge fachwissenschaftlicher Erkenntnisse nicht ohnehin schon über sie wissen oder wissen könnten. Faktisch wird der Theorie vorgeworfen, sie definiere zu viele gängige Begriffe der Soziologie einfach systemtheoretisch um und führe sie damit weniger einer tieferen Analyse zu, als dass sie sie 'erledige', und dass das mit ihrer Schöpfung eingebrachte Problembewusstsein von ihr kupiert werde. Dem kommt zu Hilfe, dass sie es nach kleiner Einführung auch Adepten ohne gründliche positive Kenntnisse erlaubt, schnelle Urteile auszusprechen, für Studierende sehr verlockend. Diesem "Ableitungs-Luhmannismus" auch auf Lehrstühlen stehen jedoch Wissenschaftler/innen gegenüber, die fruchtbare Weiterentwicklungen vorgelegt haben (vgl. unten "Wirkung").

Werke

Große Monographien-Reihe

:Soziale Systeme (1984) ISBN 3518282662 :Die Wirtschaft der Gesellschaft (1988), ISBN 3518287524 :Die Wissenschaft der Gesellschaft (1990) ISBN 3518286013 :Das Recht der Gesellschaft (1993) ISBN 3518287834 :Die Kunst der Gesellschaft (1995) ISBN 3518289039 :Die Realität der Massenmedien (1996) ISBN 3531128418 :Die Gesellschaft der Gesellschaft (1997) ISBN 3518289608 :Die Politik der Gesellschaft (2000) ISBN 3518291823 :Die Religion der Gesellschaft (2000) ISBN 3518291815 :Das Erziehungssystem der Gesellschaft (2002) ISBN 3518291939

Einzelmonographien

Einführend

: Einführung in die Systemtheorie (2002)

Organisationssoziologie

:Funktionen und Folgen formaler Organisationen (1964) :Zweckbegriff und Systemrationalität (1968) :Organisation und Entscheidung (2000), ISBN 3531134515

Zur Gesellschaftsstruktur und Semantik

:Gesellschaftsstruktur und Semantik, (Frankfurt am Main), (4 Bände) :Liebe als Passion (1982)

Aufklärung

:Soziologische Aufklärung (6 Bände)

Weitere Werke

:Grundrechte als Institution (1965) :Vertrauen - ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität (1968) :Zweckbegriff und Systemrationalität (1968) :Legitimation durch Verfahren (1969), ISBN 3-518-28043-0 :Politische Planung (1972) :Macht (1975) :Funktion der Religion (1977) :Rechtssoziologie (1980) :Ökologische Kommunikation (1986) :Soziologie des Risikos (1991), ISBN 3-11-012939-6

Zitate

Zur ontologischen Metaphysik: Bei allen Perlen der Philosophie, die man auf diesem Gebiet bewundern kann, wird man sich als Soziologe fragen, welche ursprüngliche Verschmutzung sie erzeugt haben mag. (1997) Zur soziologischen Systemtheorie generell: #Der Aufklärungseffekt dieses Konzepts liegt darin, dass es zahlreiche Denkgewohnheiten mit der Zäsur System/Umwelt durchschneidet und das auf die eine bzw. andere Seite dieser Grenzlinie verteilt, was häufig in recht unklarer Weise als Einheit behandelt wird - so insbesondere dasjenige Konglomerat von empirischen Prozessen und semantischen Idealisierungen, das ein Beobachter als "Mensch" identifizieren kann. (1990) #Ein Problem, das man zu lösen versucht, bleibt eben deshalb ein Problem. Problembewusstsein und Kommunikation sensibilisieren die Gesellschaft, und dann mag man eines Tages strukturelle Veränderungen wahrnehmen, die, weil sie schon eingetreten sind, für eine Problemlösung verwendet werden können. (1984) #Die Einheit von Identität und Differenz heißt Distanz.(1984) Zur nicht kommunizierbaren Kommunikation von Aufrichtigkeit und ein Beispiel von Luhmanns Humor: Denn wenn man nicht sagen kann, dass man nicht meint, was man sagt, weil man dann nicht wissen kann, dass andere nicht wissen können, was gemeint ist, wenn man sagt, dass man nicht meint, was man sagt, kann man auch nicht sagen, dass man meint, was man sagt, weil dies dann entweder eine überflüssige und verdächtige Verdopplung ist oder die Negation einer ohnehin inkommunikablen Negation. (1998)

Zur Wirkung

Allgemein

Nicht wenig Begriffe der Soziologie wurden von ihm geschaffen, mehr noch aufgegriffen und systemtheoretisch neu interpretiert. Hierzu siehe im Einzelnen:
- Anschluss, Anschlussfähigkeit, Beobachtung, Differenz (Systemtheorie), Kommunikation (Systemtheorie), Medium-Form-Unterscheidung, Resonanz, Selektion, Soziales System, Strukturelle Kopplung, Zeitdimension
- Autopoiese, Doppelte Kontingenz (vgl. Kontingenz) Als renommierte Luhmann-Nachfolger/innen gelten u.a. Dirk Baecker, Elena Esposito, Peter Fuchs, Armin Nassehi, Rudolf Stichweh.

Literatur zu Luhmann


- Baecker, Dirk, u.a. (Hrsg): Theorie als Passion
- Baecker, Dirk, (Hrsg.) (2005): Schlüsselwerke der Systemtheorie. VS Verlag
- Baraldi u.a. (1997): GLU. Glossar zu Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme
- Berghaus, Margot (2003): Luhmann leicht gemacht
- Fuchs, Peter (1992): Niklas Luhmann - beobachtet. Eine Einführung in die Systemtheorie, Opladen, Westdt. Verl.
- Gerth, Michael (2005): Luhmann für Einsteiger. Eine multimediale Einführung in die Systemtheorie von Niklas Luhmann
- Giegel, Hans-Joachim / Schimank, Uwe (2001): Beobachter der Moderne
- Gripp-Hagelstange (1997): Niklas Luhmann. Eine Einführung. 2. Auflage. München: Fink. (UTB)
- Gripp-Hagelstange (Hrsg.)(2000): Niklas Luhmanns Denken. Interdisziplinäre Einflüsse und Wirkungen. Konstanz: UVK.
- Hagen, Wolfgang (Hg.): Warum haben Sie keinen Fernseher, Herr Luhmann? Letzte Gespräche mit Niklas Luhmann. Berlin: Kulturverl. Kadmos 2004. ISBN 3-931659-59-3
- Heinrichs, Johannes Logik des Sozialen, Woraus Gesellschaft entsteht, Varna und anderen Orten 2005, Aktualisierte Neuauflage von Reflexion als soziales System, Bonn 1976
- Hellmann, Kai-Uwe / Fischer, Karsten (2003): Das System der Politik
- Horster, Detlef (1997): Niklas Luhmann, (Beck'sche Reihe)
- Kneer, Georg / Nassehi, Armin (1993): Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme
- Krause, Detlef (2001): Luhmann-Lexikon. 3. Aufl. Stuttgart: UTB.
- Reese-Schäfer, Walter: Niklas Luhmann zur Einführung, Hamburg: Junius, 1999, 3. Aufl., ISBN 3885063050
- Reitzig, Jörg (2004): Zwischen Selbstorganisation, Deliberation und Regulation, Sozialökonomischer Text 114, Hamburger Univ. für Wirtschaft und Politik, Hamburg (ISSN 0178174X)
- Schützeichel, Rainer (2003): Sinn als Grundbegriff bei Niklas Luhmann
- Schuldt, Christian (2003): Systemtheorie, Hamburg: Europäische Verlagsanstalt (Reihe "wissen 3000"), ISBN 3434461841
- Weber, Andreas (2005): Subjektlos. Zur Kritik der Systemtheorie. Konstanz: UVK.
- Weinbach, Christine (2004) Systemtheorie und Gender. VS Verlag
- Willke, Helmut (2000): Systemtheorie I: Grundlagen, Stuttgart

Weblinks


-
- [http://www.soziale-systeme.ch Zeitschrift Soziale Systeme]
- [http://www.rechercheportal.de/dc/soziologie.php Quellen zu Luhmann (u.A. eine Stunde Audiofeature und Interview) im rechercheportal.de]
- http://www.suhrkamp.de/autoren/luhmann/luhmann.htm
- http://www.systemische-beratung.de/selbstreferentiell.htm
- http://www.systems-thinking.de/luhmann.html
- [http://www.sozialarbeit.ch SozialArbeit.ch - Plattform für Soziale Arbeit und soziologische Systemtheorie]
- [http://www.fen.ch Systemtheorie und Präventionstheorie]
- [http://www.fh-lueneburg.de/u1/gym03/homepage/chronik/luhmann/luhmann.htm Johanneum Lüneburg: Niklas Luhmann]
- [http://www.niklas-luhmann-gymnasium.de Niklas Luhmann Gymnasium in Oerlinghausen]
- [http://www.luhmann-online.de Luhmann für Einsteiger, multimediale Einführung in die Systemtheorie] Luhmann, Niklas Luhmann, Niklas Luhmann, Niklas Luhmann, Niklas Luhmann, Niklas Luhmann, Niklas Luhmann, Niklas Luhmann, Niklas Luhmann, Niklas ja:ニクラス・ルーマン

Hörfunk

Der Hörfunk, umgangssprachlich Radio war das erste elektronische Massenmedium, anfangs gleichbedeutend mit Rundfunk, dann in Abgrenzung zum Fernsehen von Technikern auch als Tonrundfunk bezeichnet. In Deutschland startete der regelmäßige Programmbetrieb im Oktober 1923. Hörfunk kann weltweit mit einem Radiogerät empfangen werden.

Programme

s. auch Hauptartikel Liste der Hörfunkprogramme Hörfunk besteht in Deutschland aus den Radioprogrammen der # öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auf Länderebene (hr, RBB, WDR u.a.) # öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt auf Bundesebene (DLR und DW) # privaten Programmanbietern (Privatradios) # Rundfunkprogrammen zur Versorgung der Angehörigen der alliierten Streitkräfte (AFN, BFBS) # von Deutschland aus sendenden Auslandsdiensten der USA und Russlands (Voice of America, Stimme Russlands, Radio Free Europe/Radio Liberty) # nichtkommerziellen und/oder freien Veranstalten (freie/alternative Radios/offene Kanäle/nichtkommerzieller Lokalfunk) # nicht zugelassen (und somit illegalen) Piratensendern Daneben können auf Langwelle, Mittelwelle und Kurzwelle sowie im grenznahen Gebiet auch auf Ultrakurzwelle Radioprogramme, die von ausländischen Sendestandorten aus abgestrahlt werden, empfangen werden.

Geschichte

siehe Hauptartikel Geschichte des Hörfunks

Übertragungswege

Hörfunk wird verbreitet:
- über Antenne, s. Terrestrische Übertragung
  - analog
  - digital, s. DVB-T (in Berlin seit 30. August 2005)
- über Kabelnetz
- über Nachrichtensatelliten, s. Satellitenradio (incl. DVB-S)
- über Internet
  - als Live-Stream, s. Streaming Audio
  - als Internetradio

Frequenzbereiche

Zur Verbreitung von terrestrischen Hörfunkübertragungen werden unterschiedliche Frequenzbereiche verwendet und verschiedene technische Spezifikationen benutzt: Rundfunksender des Langwellen- und Mittelwellenbereichs belegen eine Breite von 9 kHz (auf dem amerikanischen Kontinent 10 kHz), die des Kurzwellenbereichs eine Breite von 10 kHz und die des UKW-Bereichs eine Breite von 300 kHz. Im Kurzwellenbereich werden auch Rundfunkübertragungen nach dem Verfahren der Einseitenbandmodulation durchgeführt. Für ihren Empfang benötigt man einen Empfänger mit einem speziellen Demodulator. Es gibt auch AM-kompatible Einseitenbandmodulation. Sie wird aber nicht eingesetzt. Für digitale Hörfunkübertragungen, speziell Digital Radio (DAB), werden unter anderem Frequenzbänder genutzt, die früher nur für Fernsehübertragung Verwendung fanden. Digital Radio wird heute bereits in vielen Teilen der Welt (u.a. auch in Deutschland, Österreich, Schweiz) parallel neben den bestehenden UKW-Aussendungen betrieben und ist diesen qualitativ überlegen. Bei Digital Radio Mondiale (DRM) werden die Frequenzbereiche von LW, KW und MW (die bislang amplitudenmoduliert betrieben wurden) verwendet und bei DRM lediglich mit einem COFDM-modulierten digitalen Signal betrieben. Bisher analog betriebene Sender wechseln zum Teil für bestimmte Stunden des Tages auf die digitale Modulation von DRM, wodurch heute bereits weltweit diverse Programme empfangbar sind. DRM ist jedoch nicht für die Aussendung im Frequenzbereich von UKW spezifiziert oder lizenziert.

Siehe auch

Portal:Hörfunk

Weblinks


- [http://ch.dmoz.org/World/Deutsch/Medien/Radio/ Linksammlung] (dmoz)
- [http://www.shoutcast.com Online Internetradio streams (International)]
- [http://www.liveradio.de Online Internetradio streams (Deutsch)]
- [http://www.radio.ard.de/ ARD-Radio] & [http://www.freie-radios.de/ Freie Radios]
- [http://www.radionews.de/ Radionews]
- [http://www.radiovielfalt.de/ Radiovielfalt über Satellit (ADR, DVB, analog) unter anderem ]
- [http://www.ukwtv.de/sender-tabelle/index.html Senderliste UKW/MW/LW/DRM/DAB]
- [http://www.dra.de/ Deutsches Rundfunkarchiv]
- [http://www.drm-berlin.de/ Deutsches Rundfunkmuseum Berlin]
- [http://www.surfmusik.de Onlineportal für Freestreamradios]
- [http://www.radiopannen.de amüsante Radiopannen in Tonbeispielen] !

Fernsehen

Als Fernsehen (auch kurz TV, vom griechisch-lateinischen Kunstwort Television) bezeichnet man im Allgemeinen eine Technik zur Aufnahme, das heißt der Abtastung und Zerlegung von Bildern an einem Ort, deren Übertragung über einen Übertragungsweg an einen anderen Ort, sowie ihrer dortigen Wiedergabe, das heißt der Zusammensetzung mit Hilfe eines Fernsehgerätes. Im Speziellen bezeichnet Fernsehen heute eine Technik, bei der die Bilder bewegt sind und zusätzlich passender Ton übertragen wird. Letzterer wird mit Mikrofonen aufgenommen und meist mit Lautsprechern wiedergegeben.

Technik

Werden lediglich Helligkeitsunterschiede bei Aufnahme und Wiedergabe der Bilder berücksichtigt, so spricht man von Schwarz-Weiß-Fernsehen. Im Unterschied dazu wird vom Farbfernsehen gesprochen, wenn auch Farbinformationen aufgenommen und wiedergegeben werden. Falls die Bilder und Töne auf einem Speichermedium, etwa einer sogenannten "MAZ", aufgezeichnet werden, können sie auch zu einem späteren Zeitpunkt, gegebenenfalls nach einer Bearbeitung, über einen Übertragungsweg gesendet werden. Das sofortige Senden der aufgenommenen Daten wird als Liveübertragung bezeichnet. Die direkte Wiedergabe der Daten vom Speichermedium, z.B. Videokassette oder DVD, an einem Fernseher ohne Übertragung über einen (längeren) Übertragungsweg zählt man im Allgemeinen nicht zum Fernsehen. Für das Fernsehen werden üblicherweise Elektromagnetische Wellen oder Spannungen in Koaxialkabeln (Kabelfernsehen) genutzt. Die Übertragung über elektromagnetische Wellen kann dabei terrestrisch (Antennenfernsehen, auch terrestrisches Fernsehen genannt) über terrestrische Frequenzen oder aber mit Hilfe von Satelliten nicht-terrestrisch (Satellitenfernsehen) über Satellitenfrequenzen erfolgen. Im Bereich des Antennen- und Kabelfernsehens ist bis heute die analoge Übertragung der Informationen üblich (analoges Fernsehen), obwohl die Aufnahme und Bearbeitung der Bilder und Töne schon seit einigen Jahren digital erfolgt. Die Umstellung auf digitale Übertragung der Daten (digitales Fernsehen) ist aber beim terrestrischen Fernsehen bereits im Gange. Beim Satellitenfernsehen ist die Umstellung auf digitales Fernsehen schon weiter fortgeschritten. Die vollständige Umstellung im Bereich des Antennenfernsehens soll in Deutschland bis 2010 abgeschlossen sein. Zum Empfang wird dann ein zusätzlicher Digital-Decoder (eine so genannte Set-Top-Box) oder ein geeigneter Fernseher (in dem der Decoder genauso wie das heute übliche analoge Empfangsteil schon integriert ist) benötigt. Die Kabelnetzbetreiber des Kabelfernsehens zögern derzeit noch auf digitales Fernsehen umzustellen. Auf welche Weise die Bild- und Tondaten bei der Übertragung kodiert werden, wird von der Fernsehnorm festgelegt. Sie ist nötig, damit Sender und Empfänger "die gleiche Sprache sprechen". Es gibt weltweit eine verwirrende Vielzahl von Fernsehnormen, die jedoch auf wenige Grundparameter reduziert werden können; die Methode der Farbübertragung ist dabei der entscheidende Parameter, der oft schon alleine als "Fernsehnorm" bezeichnet wird. Die gebräuchlichsten Farbübertragungsnormen sind in Amerika, Japan und Südkorea NTSC und im Rest der Welt PAL und SECAM. Die Unterscheidung in mechanisches Fernsehen und elektronisches Fernsehen, die während der ersten Fernsehversuche entstand, ist heute unbedeutend: mechanische Aufnahme- und Wiedergabegeräte kamen nie zum Masseneinsatz. Mechanisches Fernsehen wurde sowohl bei der Aufnahme als auch bei der Wiedergabe mit der Nipkow-Scheibe realisiert; elektronisches Fernsehen erstmals mit der Ikonoskop-Röhre bei der Aufnahme und der Kathodenstrahlröhre bei der Wiedergabe. Da die Ikonoskopröhre erst später als die Kathodenstrahlröhre entwickelt wurde, gab es zwischenzeitlich auch eine Mischform.

Nutzung

Aufgrund der anfangs begrenzten Anzahl von Übertragungskanälen und der teuren Aufzeichnungstechnik, sowie den bis heute ständig steigenden Ansprüchen an die Bild- und Tonqualität der Fernsehdaten und den damit einhergehenden Kosten der Produktion von Inhalten für das Fernsehen hat sich eine gesellschaftliche Struktur entwickelt, bei der wenige Programmanbieter einem Massenpublikum von bis zu mehreren Millionen Zuschauern gegenüberstehen. Daher zählt Fernsehen zu den Massenmedien. Die Kosten zur Produktion der Inhalte werden seitens der Programmanbieter auf verschiedenen Wegen eingenommen (siehe hierzu auch Duales Rundfunksystem). Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (siehe hierzu auch Öffentlich-rechtlicher Rundfunk), die einen staatlich festgelegten Programmauftrag haben, an dem sich die Inhalte zu orientieren haben, finanzieren sich in Deutschland zu einem großen Teil aus staatlich festgelegten Gebühren (siehe hierzu auch Gebühreneinzugszentrale, abgekürzt GEZ) und Werbung. Einige weitere Einnahmequellen bestehen im Weiterverkauf oder in der Lizenzierung eigener Fernsehproduktionen. Die privaten Fernsehsender (siehe hierzu auch Privatfernsehen), finanzieren sich dagegen fast nur durch Werbung. Fernsehproduktionen werden in der Regel nur in Auftrag gegeben und ein Großteil der Programminhalte gekauft oder lizenziert. Bei den gekauften oder lizenzierten Produktionen der deutschen privaten Fernsehsender handelt es sich meist um umsatzträchtige US-amerikanische Serien oder Filme, teilweise ganze Fernsehformate. Neben den öffentlich-rechtlichen und den privaten Fernsehsendern gibt es noch so genannte Bezahlfernsehsender (engl. Pay-TV-Sender), die vom Zuschauer direkt bezahlt werden (z.B. Premiere). Diese verschlüsseln ihre Sendungen, die so nur mit speziellen Dekodern betrachtet werden können. Der Zuschauer bezahlt dann je nach System entweder pro Programm beziehungsweise Programmpaket oder pro Sendung. Für die Zukunft ist auch eine Bezahlung auf Bestellung geplant. Da Werbung vom Zuschauer meist als störend empfunden wird, verzichten Bezahlfernsehsender in der Regel auf Werbung zur Finanzierung. Dies gilt auch oft als Hauptargument, sich für ein Bezahlfernseh-Abonnement zu entscheiden. In Großbritannien existiert auch eine Zwischenform. Das dortige BSkyB ist zwar Bezahlfernsehen, es enthält jedoch trotzdem etwa soviel Werbung wie werbefinanziertes Privatfernsehen. Genutzt wird das Fernsehen seitens der Zuschauer hauptsächlich zur Unterhaltung und Feierabendgestaltung. Daneben dient es auch oft zur Informationsbeschaffung oder Bildung. Entsprechend unterteilt man die Fernsehsendungen auch in Unterhaltungssendungen, Nachrichtensendungen und Bildungsfernsehen. Letzteres wird in Deutschland, mit Ausnahme von Dokumentationen, gemäß ihres Bildungsauftrages fast nur von öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten angeboten. Zunehmend werden Bildung und Nachrichten mit Unterhaltung zum so genannten Infotainment vermischt. Diese Art von Sendungen wird auch zunehmend von privaten und Pay-TV-Sendern angeboten. Das Spektrum der Unterhaltungssendungen ist äußerst vielfältig und umfasst unter anderem Filme, Serien und Unterhaltungssendungen, die sich in weitere Sparten unterteilen lassen. Zur Rubrik Bildungsfernsehen gehören Dokumentationen, Politik-, Ratgeber- und Wissenschaftssendungen. Seitens der Wirtschaft wird das Fernsehen zur Werbung benutzt. In kurzen Werbespots werden einzelne Produkte und/oder Marken präsentiert und deren Kauf empfohlen. Neben den Werbespots gibt es auch so genannte Verkaufsshows oder Dauerwerbesendungen. Einige spezialisierte Sender, so genannte Home-Shopping-Sender zeigen den ganzen Tag nichts anderes als solche Verkaufsshows. Für die Werbeindustrie ist das Fernsehen eines der wichtigsten Medien, denn Fernsehen stellt eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigung dar. Im Schnitt sieht der Bundesbürger mehrere Stunden am Tag fern, so dass auf diesem Weg viele Menschen erreicht werden können. Außerdem eignet sich das Fernsehen für die Werbeindustrie, weil man mit diesem Medium besonders gut Gefühle und Emotionen beim Konsumenten wecken kann. In Deutschland regeln gesetzliche Auflagen Dauer und Häufigkeit der Werbung pro Sendung beziehungsweise Sendezeit. Die Rechte zur Ausstrahlung von Werbung in den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten sind stärker eingeschränkt. Sie dürfen beispielsweise nach 20 Uhr keine Werbung mehr ausstrahlen. Staat und Politik benutzen das Fernsehen hauptsächlich zur Information der Bevölkerung und Meinungsbildung. Das Spektrum der Inhalte reicht dabei von Hinweisen auf wichtige Ereignisse bis zu Katastrophenwarnungen. Politiker versuchen oft über das Fernsehen die Bevölkerung von ihren eigenen Ansichten zu überzeugen oder ihre Arbeit zu rechtfertigen. In vielen Staaten wird Fernsehen auch häufig seitens der Regierung zur Propaganda eingesetzt. Ein weiteres Anwendungsgebiet der Fernsehtechnik besteht in Videoüberwachung, die zunehmend günstiger wird, da die Technik einerseits qualitativ besser und gleichzeitig billiger wird, andererseits die besonders kostenintensive Herstellung von Inhalten entfällt. In der Weltraumforschung, die sowieso hohe Kosten für Missionen veranschlagt, wird die Fernsehtechnik ebenfalls eingesetzt. Allerdings werden hier selten bewegte Bilder aufgenommen. Stattdessen kommen Spezialkameras zum Einsatz, die oft besonders hohe Auflösungen besitzen und/oder Licht anderer Spektralbereiche, als die vom menschlichen Auge wahrgenommen, aufzeichnen und teilweise zeitversetzt zur Erde senden.

Rechtliche Regelung in Deutschland

Fernsehen wird in Deutschland vom Rundfunkrecht geregelt. Als meinungsbildendes Medium fällt es in die Kulturhoheit der Bundesländer und wird daher in erster Linie von ihnen geregelt und verwaltet. Um bundesweit einheitliche Regelungen zu schaffen, haben sich alle Bundesländer mit dem Rundfunkstaatsvertrag auf ein einheitliches Regelwerk geeignet. Dieses enthält insbesondere Regelungen für die Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten, über die Zulassungsvoraussetzungen von privaten Rundfunksendern, Form und Dauer der Werbung, Jugendschutz, die Kurzberichterstattung und der Berichterstattung über Großereignisse.

Soziologische Betrachtung

Kurzberichterstattung Fernsehen ist ein Massenmedium und hat sich seit den 1950er Jahren in den Industriestaaten zum Leitmedium entwickelt. Im Jahr 2003 besaßen 94,4% der deutschen Haushalte ein Fernsehgerät. Für viele Menschen ist es Teil des Alltags geworden und strukturiert oft sogar den Tagesablauf. Es erfährt eine Zuwendung durch alle Schichten und Altersgruppen und tritt mit einer zuvor nicht gekannten Wirksamkeit an die Stelle aller Institutionen mit publizistischem Anspruch, ohne diese aber vollständig zu ersetzen. Fernsehen wirkt orientierend und nivellierend. Wichtiges Instrument dafür ist die ständige Wiederholung. Dadurch wird es zur Grundlage der allgemeinen Geschmacks- und Stilbildung und dient der gesellschaftlichen Kommunikation. Durch das verstärkte Aufkommen von Spartenkanälen verbunden mit der wachsenden Rolle des Internets im gesellschaftlichen Leben geht die stilbildende Funktion des Fernsehens allerdings wieder zurück. Jedermann kann in gewissen Grenzen sein eigener Programmdirektor werden. Dies bewirkt eine zunehmende Zersplitterung und Fragmentierung der gesellschaftlichen Wahrnehmung und Kommunikation. Damit sachgemäß umzugehen ist Aufgabe der Medienpädagogik. Fernsehsender erheben oft den Anspruch, dem Zuschauer einen Blick auf die komplexe Gesellschaft zu präsentieren. Immer mehr und unterschiedlichere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens erfahren eine breiterwerdende mediale Beachtung. Aber der darzustellende Lebensbereich muss interessant, verständlich und optisch umsetzbar sein. Damit geht von vornherein eine Selektion einher, verbunden mit einer Reduktion der vielfältigen kommunikativen Codes und Zeichensysteme, sowie einer Spezialisierung und Perfektionierung akustisch-visueller Signale. Tatsächlich ist es in vielen Fällen sogar so, dass Fernsehen die Themen, über die Verständigung lohnenswert scheint, erst schafft. Auf der Suche nach neuen Themen, die die Zuschauer binden durchbrechen die Fernsehmacher oft Grenzen, die in den Augen vieler oft bis zum Tabubruch führen.

Geschichte

Im Jahr 1883 erfand Paul Nipkow das 'Elektrische Teleskop', welches mit Hilfe einer rotierenden Scheibe ('Nipkow-Scheibe'), die mit spiralförmig angeordneten Löchern versehen war, Bilder in Hell-Dunkel-Signale zerlegte beziehungsweise wieder zusammensetzte. Damit gelang ihm die erste elektrische Bildübertragung. Dieses Ereignis wird heute als Beginn des Fernsehens angesehen und Paul Nipkow als sein Erfinder bezeichnet. Die Technik zur Bildzerlegung und -Wiedergabe war aber mechanisch und damit nicht besonders leistungsfähig. In den 1920er Jahren ersetzte Lev Theremin die Löcher in der Nipkow-Scheibe durch Spiegelanordnungen und erreichte 1927 bereits Übertragungen bei Tageslicht und Bilder mit 100 Zeilen auf großflächigen Projektionen. Allerdings wurden seine Ergebnisse nicht publiziert, sondern vom sowjetischen Geheimdienst zur Personenüberwachung genutzt. (Der bekannte Weltrekord war damals 48 Zeilen.) Das erste elektronische Fernsehen entwickelte Manfred von Ardenne 1931 auf Grundlage der im Jahr 1897 von Ferdinand Braun zusammen mit Jonathan Zenneck entwickelten Kathodenstrahlröhre (auch Braunsche Röhre genannt). Diese ist die Grundlage für die bis heute am weitesten verbreitete Methode, Bilder für das Fernsehen darzustellen. Die ersten Anwendungen fand sie aber in Messapparaturen. Die für das Fernsehen entscheidenden Weiterentwicklungen der Kathodenstrahlröhre steuerte Wladimir Sworykin bei, der 1923 den ersten brauchbaren elektronischen Bildabtaster, die Ikonoskop-Röhre erfand, welche ab 1934 in Serie hergestellt wurde, heute aber keine Verwendung mehr findet. 1929 erfand Sworykin die Kineskop-Röhre zur Bildwiedergabe. Diese ist bis heute Vorbild in allen Fernsehgeräten, die auf der Kathodenstrahlröhre basieren. Damit ebnete Sworykin den Weg zum vollständig elektronischen Fernsehen. Das erste echte elektronische Fernsehbild sendete 1926 in Japan Kenjiro Takayanagi, der die Braunsche Röhre umgebaut hatte (s. Japanisches Fernsehen). Ab dem 22. März 1935 wurde in Deutschland das erste regelmäßige Fernsehprogramm der Welt ausgestrahlt (s. Haus des Rundfunks, Berlin). Ihren Höhepunkt erlebten die Sendungen im Dritten Reich, die nur wenige tausend Zuschauer in so genannten Fernsehstuben und Großbildstellen in Berlin und später Hamburg erreichten, mit den umfangreichen Übertragungen von den Olympischen Sommerspielen 1936. Obwohl die Nationalsozialisten auch das Fernsehen für ihre Zwecke zu nutzen versuchten, blieb das Radio (s. Hörfunk) wegen der Reichweite das wichtgste Medium für die nationalsozialistische Propaganda. Im Winter 1944 wurden die Fernsehsendungen im Deutschen Reich eingestellt. In der Bundesrepublik Deutschland sollte erst am 25. Dezember 1952 der Fernsehbetrieb wieder aufgenommen werden. Einer der Pioniere des Farbfernsehens war John Logie Baird, dem es 1941 gelang, erste farbige Fernsehbilder zu übertragen. Aber erst 1954 wurde in Nordamerika die NTSC-Norm für Farbfernsehen eingeführt. Damit waren die Amerikaner den Europäern weit voraus. Diese führten erst 12 bis 13 Jahre später mit der PAL-Norm von Walter Bruch das Farbfernsehen ein. Der Vorsprung der Nordamerikaner hatte aber auch seinen Preis. Die NTSC-Norm besitzt einige Schwächen, so dass es häufig zu Farbfehlern bei der Darstellung kommt. Daher wird die Abkürzung NTSC scherzhaft auch mit "Never The Same Color" übersetzt. Das Zeitalter des Satellitenfernsehens begann am 12. August 1960. An diesem Tag wurde mit Echo 1 der erste passive Kommunikationssatellit in eine Umlaufbahn um die Erde gebracht. Die Qualität der übertragenen Fernsehbilder war allerdings sehr mäßig. Der erste aktive Fernmeldesatellit Telstar wurde am 10. Juli 1962 in seine Umlaufbahn gebracht. Mit seiner Hilfe wurde am 23. Juli die erste Live-Sendung für die Eurovision aus den USA gesendet. Am 26. Juli 1963 wurde mit Syncom 2 erstmals ein Kommunikationssatellit in eine fast vollständige geostationäre Umlaufbahn gebracht. Dies ermöglichte es, von einem festen Punkt auf der Erde ununterbrochen Signale an einen Satelliten zu senden oder von diesem zu empfangen.

Ausblick

geostationär geostationär]] Viele Bestrebungen, die technische Qualität zu verbessern, sind mangels Kooperation verschiedenster Interessengruppen gescheitert. Sicher ist die Ablösung des analogen durch das digitale Fernsehen, die beim Satelliten-Fernsehen schon weitgehend abgeschlossen ist. Deutschland hat sich per Rundfunkstaatsvertrag das Ziel gesetzt, bis 2010 auf die digitale Ausstrahlung der Fernsehprogramme umzustellen. 2003 wurde in Berlin bereits die terrestrische analoge Fernsehausstrahlung auf digitale auf Basis von DVB-T umgestellt. Erst in der Folge wird es wohl auch zu einer Verbesserung der Fernsehqualität, insbesondere bei der Auflösung der Bilder (HDTV) kommen, da mit der fortschreitenden Weiterentwicklung der Computertechnik Anpassungen an zukünftige Fernsehnormen auch softwareseitig möglich werden und dies den Zwang zum Kauf neuer Geräte vermeiden helfen könnte. Die heute überwiegend auf Kathodenstrahlröhren basierenden Fernsehgeräte werden bei sinkenden Preisen wohl langsam von den flachen und damit platzsparenden Plasmabildschirmen oder Flüssigkristallbildschirmen abgelöst. Eine weitere alternative aber noch nicht ganz ausgereifte Technik für Flachbildschirme sind OLED-Bildschirme, die gegenüber den beiden Erstgenannten mehrere Vorteile (Blickwinkelunabhängigkeit, weiter reduzierter Stromverbrauch, schnellere Schaltzeiten, biegsam) mit sich bringen könnten. Mit dem Internet entsteht eine völlig neue Verbreitungsmöglichkeit von bewegten Bildern und Ton, die in Konkurrenz zur klassischen Nutzungs- und Verbreitungsform des Fernsehens (siehe oben) treten könnte, aber deutlich weitergehende Möglichkeiten und Vorteile bietet. Dies könnte der klassischen Verbreitungsform von Fernsehen zunehmend das Publikum entziehen. Allerdings bleibt abzuwarten, ob und wie die Contentproduzenten dabei ihre Produktionskosten einfahren können und wie das klassische Fernsehen darauf reagieren wird.

Literatur


- Pierre Bourdieu: Über das Fernsehen. Frankfurt: Suhrkamp, 1998.
- Knut Hickethier: Geschichte des deutschen Fernsehens. Stuttgart: Metzler, 1998.
- Monika Bernold (Hrsg.), Screenwise : Film, Fernsehen, Feminismus ; Dokumentation der Tagung "Screenwise. Standorte und Szenarien Zeitgenössischer Feministischer Film- und TV-Wissenschaften", 15. - 17. Mai 2003, in Wien, Marburg : Schüren, 2004. ISBN 3-89472-387-4

Siehe auch


- Geschichte des Fernsehens
- Chronologie des Fernsehens
- Chronologie englischsprachiger Medien
- Japanisches Fernsehen, Fernsehen der DDR
- Fernsehen in der ehemaligen Sowjetunion
- Liste der Fernsehsender, Frequenzen der Fernsehkanäle, Fernsehdrama
- Privatfernsehen, Industrielles Fernsehen
- Fernsehpreis, Einschaltquote
- Fernseher, Kellfaktor (Technik)
- Medienmogul, Massenmedien

Weblinks


- [http://www.w-akten.de/themaderwoche/deutschland-tv.phtml Kleine Fernsehgeschichte]
- [http://bs.cyty.com/menschen/e-etzold/archiv/TV/tv.htm Vom Einheitsempfänger bis zum Taschen-Farbfernseher - Fernseher und Farbfernseher aus der Anfangzeit des Fernsehens und des Farbfernsehens]
- [http://www.zohnertheater.ch/de/independentTheatre/index.php?we_objectID=170 NO TV: Fernsehen ausschalten!] ! ja:テレビ ko:텔레비전 ms:Televisyen simple:Television th:โทรทัศน์

Massenkommunikation

Als Massenkommunikation bezeichnet man in der Kommunikationswissenschaft einen Kommunikationstyp bzw. eine Kommunikationsform, die der öffentlichen Kommunikation zuzurechnen ist, "bei der Aussagen öffentlich (also ohne begrenzte und personell definierte Empfängerschaft), durch technische Verbreitungsmittel (Medien), indirekt (also bei räumlicher oder zeitlicher oder raumzeitlicher Distanz der Kommunikationspartner) und einseitig (also ohne Rollenwechsel zwischen Aussagenden und Aufnehmenden) an ein disperses Publikum [...] gegeben werden". (Maletzke 1963, mit Hickethier 1988). Massenkommunikation findet beispielsweise in den Massenmedien statt; der Begriff ist insbesondere abzugrenzen von der Individualkommunikation (z.B. Gespräch). Die Maletzke-Definition, die Generationen von Publizistik- und Kommunikationwisschenschafts-Studierenden als "Legal-Definition" gelehrt wurde, gilt mittlerweile den Fachvertretern als veraltet. Insbesondere die seit den frühen neunziger Jahren aufkommende Strömung einer systemtheoretisch-orientierten Kommunikationswissenschaft und der mittlerweile stärker gewordene Forschungsfokus auf Kommunikationsformen wie Public Relations, Werbung oder Internet führt zu der Erfordernis offenerer Definitionen. Manfred Rühl hat 1980 in seiner Habilitationsschrift als Funktion des Journalismus das Herstellen und Bereitstellen von Themen zur öffentlichen Kommunikation definiert. Dies schränkt aber in der Tradition der Zeitungswissenschaft wiederum auf klassischen Nachrichten-Journalismus ein. Offener und ausbaufähiger ist die Definition von Franz Ronneberger, 1980. Bei ihm ist Massenkommunikation: "Handlungszusammenhang zur Hervorbringung öffentlicher Aussagen". Theis-Berglmair schließlich betont 1997 unter dem Eindruck von Internet und Netzkommunikation in ihrem Akteur- und Beziehungsmodell der Massenkommunikationdie Wechselseitigkeit eines Beziehungsgeflechts von organisationsförmigen und natürlichen Rezipienten und Akteuren, die permanent zwischen ihren Kommunikator-Rollen Produktion und Rezeption wechseln. Ein exemplarisches Beispiel für diese neuen Ansätze, die keine "Einbahnstrassen-Modelle" mehr sind, ist dieses Wikipedia-Projekt. Nach wie vor sind in der Kommunikationswissenschaft die exakten Grenzen des Faches und damit der Gegenstand der Disziplin nicht völlig unstrittig geklärt. Damit hängt stets die Frage zusammen, was mit einer Definition über Massenkommunikation überhaupt erfasst wird.

Theorien zur Massenkommunikation

Es gibt für Massenkommunikation keine umfassende Gesamttheorie, aber verschiedene Ansätze:
- Einseitig-linearer Ansatz: In der Frühzeit der Kommunikationswissenschaft betrachtete die Forschung Massenkommunikation als einseitig-lineare Vermittlung der Aussage vom Kommunikator zum Rezipienten. Demnach verläuft Kommunikation hier in einer "Einbahnstraße", ähnlich wie bei einem Transmissionsriemen ("transmission belt theory").
- Variablenansatz: Als die Wissenschaft merkte, dass der einseitig-lineare Ansatz zu stark vereinfacht, "erfand" man den Variablenansatz. Plötzlich nam man den Rezipienten nicht mehr als eine Variable im Kommunikationssystem war, sondern als Bündel einer Vielzahl von Faktoren, und man begann, auch die anderen Grundfaktoren der Massenkommunikation in immer mehr Variablen aufzufächern. Mittlerweile haben die Kommunikationsforscher eine so große Zahl von Variablen herausgearbeitet, dass ein Gesamtüberblick kaum noch möglich ist. Dennoch ist der Variablenansatz heute das beherrschende Grundmuster in der Kommunikationswissenschaft.
- Theorien der Zusammenhänge zwischen persönlicher Kommunikation und Massenkommunikation: Hier beschäftigt man sich mit der Frage, wie einflussreich persönliche Kommunikation (z.B. mit dem Nachbarn) im Vergleich zur Massenkommunikation (z.B. BILD-Zeitung) ist. Außerdem untersucht man die Rolle von Meinungsführern (ein uneinheitlich verwendeter Begriff) sowie die Verbreitung neuer Ideen und Praktiken.
- Nutzenansatz (= "uses and gratifications approach"): Hier fließen drei Komponenten zusammen, nämlich die Lehre vom Nutzen durch Bedürfnisbefriedigung, die These vom aktiven Rezipienten und die Theorie der symbolischen Interaktion. Die Idee: Der Rezipient sucht im Erleben von Medienaussagen die Befriedigung von Bedürfnissen. Diese Befriedigung bedeutet für ihn einen Nutzen (gratification). Was der Rezipient an medialen Produkten konsumiert, hängt also von dem Nutzen ab, den er sich davon verspricht - deshalb der Begriff "Nutzenansatz". Indem der Nutzer manche Medien oder einzelne Artikel stark nutzt und andere nicht, gibt er ein Feedback. Daher erlaubt es der Nutzenansatz, von einer Interaktion zwischen Nutzern und Medien zu sprechen. Eine Weile begriff man den Nutzenansatz als wahre Revolution. Heute denkt man, dass er vor allem eine Ergänzung des Wirkungsansatzes ist.
- Systemansatz: Beim Systemansatz gibt es keine "Personen" mehr, sondern nur noch Systeme, die untereinander interagieren. Man spricht also nicht mehr vom Journalisten, sondern nur noch vom "System Journalismus". Sehr abstrakt und formal; heute eher out.
- Konstruktivismus: basiert auf der Erkenntnis, dass der Mensch aus seinen Erfahrungen sein Weltbild selbst formt. Der radikale Konstruktivismus verneint, dass ein Mensch überhaupt in der Lage sei, die "wahre Realität" zu erkennen. Medien können dieser Theorie nach allenfalls Wirklichkeitsentwürfe anbieten. Die Frage nach einer "objektiven Berichterstattung" wäre demnach von vornherein sinnlos. Dieser Entwurf ist heute eher out und wird nur noch von einer kleinen Minderheit vertreten.
- Kritische Theorien: Fast alle diese Theorien greifen auf die Lehre der Frankfurter Schule (Horkheimer, Adorno) zurück. Viele lehnen sich an Habermas' Theorie des kommunikativen Handelns an. Die Forschung hebt hier auf Besitzverhältnisse und Produktionsbedingungen ab, man fragt sich: Wem gehört welches Verlagshaus? Wer kontrolliert den Reporter? Wie beeinflussten Medien das gesellschaftliche Bewusstsein? Und schließlich: Welche Verbindungen gibt es zwischen Medienunternehmen und anderen Institutionen, z.B. Parteien? "Kritische" Wissenschaftler kritisieren oft, dass der herkömmliche Wissenschaftsbetrieb sich nicht mit den gesellschaftlich relevanten Fragen auseinandersetzt, da sie sich mit den Herrschenden arrangiert haben und sich in ihren Dienst stellen. Eine Untergruppe ist die "dialektisch-kritische" oder "kritisch-materialistische Richtung, die ihr Denken und Vokabular aus der marxistisch-materialistischen Lehre bezieht.
- Theorie der kognitiven Dissonanz: ursprünglich ein rein psychologischer Ansatz. Hier konzentriert man sich auf die Korrekturfaktoren beim Rezipienten, die die Wirkung von Medien abschwächen. Die Idee: Der Mensch mag keinen Widerspruch zwischen seiner eigenen Einstellung und dem, was Medien ihm sagen. Dies sei z.B. der Grund, warum Bürger im Wahlkampf meist nur Aussagen ihrer Lieblingsparteien konsumieren. Diese Theorie vernachlässigt aber menschliche Motive wie z.B. Neugier. Nach einem kurzen Hype empfindet man diese Theorie heute als hilfreich, aber nicht mehr als alles erklärend. Siehe auch: Medientheorie, Intimkommunikation, Individualkommunikation, Gruppenkommunikation, Wahlkommunikation

Literatur


- Gernot Wersig: Die kommunikative Revolution. Strategien zur Bewältigung der Krise der Moderne. Opladen: Westdeutscher Verlag 1985. ISBN 3531117343
- Rühl, Manfred: Journalismus und Gesellschaft. Mainz: v. Hase & Koehler 1980.
- Ronneberger, Franz: Kommunikationspolitik, Band 2. Kommunikationspolitik als Gesellschaftspolitik. Mainz: v. Hase & Koehler 1980.
- Theis-Berglmair, Anna-Maria: Die mediale Durchdringung von Kommunikationsräumen. Wirkungsforschung im Lichte der Entgrenzung von Kommunikationssphären. Antrittsvorlesung Universität Bamberg SS 1997. Kategorie:Kommunikation Kategorie:Medien

1920er

Ereignisse


- Einführung des Rundfunk, Langwelle, Mittelwelle
- Goldene Zwanziger
- 25. Oktober 1929: am schwarzen Freitag kommt es zu drastischen Kursverlusten an der New Yorker Börse. Als Folge darauf stürzt die Welt in die Weltwirtschaftskrise

Übersicht: Hits der 1920er

1920 : Mamie Smith: Crazy Blues : Charles Harrison: I'll Be With You in Apple Blossom Time : Jerome Kern: Look for the Silver Lining : Ted Lewis Jazz Band: When My Baby Smiles at Me : Ben Selvin: The Charleston 1921 : Ted Snyder: Sheik of Araby : Vaughn De Leath: I'm Just Wild About Harry : Paul Whiteman and Orchestra: Song of India : Van and Schenck: Ain't We Got Fun 1922 : Jazzbos Carolina Serenaders: Chicago (That Toddlin Town) : Al Jolson: Toot, Toot, Tootsie Goodbye : Blossom Seeley: Way Down Yonder in New Orleans : Fats Waller: I Wish I Could Shimmy Like Sister Kate : Van and Schenck: Carolina in the Morning 1923 : Louis Prima: Yes! We Have No Bananas! : Ted Snyder: Who's Sorry Now? : Ray Henderson: That Old Gang of Mine : Bessie Smith: Down-Hearted Blues : Bessie Smith: Gulf Coast Blues 1924 : Louis Armstrong & Bessie Smith: St. Louis Blues : Paul Whiteman and Orchestra: Indian Love Call : George Gershwin: Fascinatin' Rhythm : Harry Conick Jr.: It Had To Be You : Marion Harris: Tea for Two : Benny Goodman: California Here I Come 1925 : Art Gillham: I'm Sittin' On Top of the World : Goofus Five: Alabamy Bound : Eddie Cantor: If You Knew Susie Like I Knew Susie : Ethel Waters: Sweet Georgia Brown : Goofus Five: Yes Sir, That's My Baby : Fats Waller: Squeeze Me 1926 : Al Jolson: Are You Lonesome Tonight : Duke Ellington: Bye, Bye Blackbird : Jean Goldkette: Tip Toe Through the Tulips : Gertrude Lawrence: Someone to Watch Over Me 1927 : Paul Robeson: Old Man River : Fats Waller: The Digah's Stomp : Gene Austin: My Blue Heaven : Henry James Allen Jr.: Swonderful : Johnny Marvin: Me and My Shadow 1928 : Cliff Edwards: I Can't Give You Anything But Love : Ben Selvin: You're the Cream in My Coffee : Eddie Cantor: Makin' Whoopee : Helen Kane: I Wanna Be Loved by You 1929 : Fred Astaire: Puttin' On the Ritz : Fats Waller & Douglas Watt: Ain't Misbehavin' : Cliff Edwards, The Brox Sisters, Charles King, Gus Edwards, Marie Dressler, Bessie Love, Polly Moran: Singin' in the Rain : Howard Carmichael: Star Dust 1930 : King Oliver's Creole Jazz Band: Boogie Woogie : Count Basie: I Got Rhythm : Red Nichols: Embraceable You : Ted Lewis: Sunny Side of the Street

Persönlichkeiten


- Albert Einstein
- Johannes Heesters
- Lenin
- Erich Ludendorff
- Hans Luther
- Wilhelm Marx
- Benito Mussolini
- Josef Stalin
- Gustav Stresemann
- Kurt Tucholsky
- Auguste Viktoria
- Josef Wirth ja:1920年代 ko:1920년대 simple:1920s

Journalist

Journalist // war ursprünglich, im 17. und 18. Jahrhundert, der Herausgeber, wenn nicht alleinige Autor eines Journals – im Falle des literarischen Journals mit der Rezension neuester wissenschaftlicher Publikationen (Literatur) befasst, im Falle des historischen oder politischen Journals der Kommentator von Zeitungsnachrichten, die zu diesem Zeitpunkt in der Regel ohne Kommentar und anonym in den Zeitungen abgedruckt wurden. Die damit einhergehende Arbeitsteilung – der Journalist konnte sich jederzeit darauf zurückziehen, er kommentiere die Nachrichten lediglich, sei für sie selbst jedoch nicht verantwortlich – trug vornehmlich dem instabilen Schutz der Meinungsäußerung Rechnung. Mit der Einführung eines stabileren Presserechts im 19. und 20. Jahrhundert löste sich der Journalismus vom Journal. Die Analyse und der Kommentar zogen in die Zeitungen ein, die damit Plattformen öffentlicher Debatten wurden; in der Ausdifferenzierung in Berichterstattung und Kommentar lebt innerhalb der Zeitung die alte Arbeitsteilung fort. Der Journalist selbst wurde beruflich flexibel, er ist nicht länger auf das Journal beschränkt. Seine Arbeit besteht seit diesen Umschichtungen primär in der Recherche, der Aufarbeitung und dem Angebot von Information in den tagesaktuellen Medien des Drucksektors, des Radios, des Fernsehens und zunehmend des Internets.

Berufsbild

Vierte Gewalt

Aus den Erfahrungen mit dem Dritten Reich haben die Väter des Grundgesetzes den Medien, insbesondere den Journalisten, Freiheiten eingeräumt. Deutlich wird dies in der im Artikel 5 des Grundgesetzes verankerten Pressefreiheit. Die Journalisten können sich neben Priestern als einzige auf das Zeugnisverweigerungsrecht berufen, d. h. sie können vor Gericht die Aussage verweigern, wer ihnen die Informationen zu einer bestimmten Story gegeben hat. Denn gerade dadurch, dass ein Informant so sicher sein kann, nicht genannt zu werden, kann durch Aufdeckung von beispielsweise Bestechungen eine „Kontrollfunktion“ gegenüber dem Staat ausgeübt werden. Aus diesem Grunde werden Journalisten und Medien oft als Vierte Gewalt im Staate bezeichnet. Zudem informieren Journalisten die Öffentlichkeit über Sachverhalte oder Vorgänge, die von allgemeiner, politischer, wirtschaftlicher oder kultureller Bedeutung sind. Damit tragen sie zum Prozess der politischen Meinungs- und Willensbildung bei und erfüllen eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. In den vergangenen Jahren ist der Beruf aber durch Machtmissbrauch und Sensationsgier zunehmend in die Kritik geraten. Journalisten gelten daher mittlerweile neben Berufspolitikern als der unbeliebteste Berufsstand.

Ausbildung

Da der Begriff „Journalist“ rechtlich nicht geschützt ist, wie Arzt, Architekt oder Bäcker, kann sich jeder Journalist nennen. Eine vorgeschriebene Berufsausbildung oder Lehre für Journalisten gibt es nicht. Üblich für die professionelle Ausübung ist eine zweijährige Ausbildung in einer oder mehreren Redaktionen als Volontariat, dem üblicherweise eine gewisse Zeit der freien journalistischen Tätigkeit vorausgehen sollte. Weitere Möglichkeiten sind der Besuch einer Journalistenschule oder ein Journalistik-Studium. Jedoch ist das Berufsfeld offen für Quereinsteiger (insbesondere mit Spezialwissen). Voraussetzung für Beruf des Journalisten ist in erster Linie die handwerkliche Beherrschung seines Mediums, sei es Sprache, Foto oder Film. Darüber hinaus werden von einem Journalisten soziales und gesellschaftspolitisches Verantwortungsbewusstsein, logisches und analytisches Denken, Kreativität sowie Kontaktfähigkeit verlangt. Abgesehen vom Lokal-Journalisten, der ein Allrounder sein sollte, sind in den Mantel-Redaktionen bei den Print-Medien und Redaktionen von Hörfunk und Fernsehen zunehmend Fachleute gefragt. Eine alte, aber treffende Journalisten-„Weisheit“ sagt: Man muss nicht alles wissen, nur wissen, wer als Fachmann etwas zu einem Thema sagen kann.

Tätigkeitsgebiete

Journalisten arbeiten in Printmedien wie Zeitungen, Zeitschriften und Anzeigenblätter, aber auch im Hörfunk und Fernsehen sowie Nachrichtenagenturen oder Pressebüros. Mit dem Internetzeitalter kamen als jüngstes Tätigkeitsfeld Online-Redaktionen hinzu. Ferner sind Journalisten als Pressesprecher oder Pressereferenten in den Pressestellen (auch PR- oder Marketingabteilungen) von Wirtschaftsunternehmen, Behörden oder Organisationen tätig. Im Bereich der Tageszeitungen arbeiten ein großer Teil als Lokaljournalist. Bei überregionalen Tageszeitungen, bei Zeitschriften und in den Bereichen Rundfunk und Fernsehen findet i. d. R. eine Spezialisierung auf bestimmte Ressorts statt, z. B. Nachrichten, Sport, Wirtschaft, Kultur, Musik, Wissenschaft. Wer bei Presse, Hörfunk oder Nachrichtenagenturen Nachrichten bearbeitet, also redigiert, gilt als Redakteur. Dabei werden Bild- und Text-Redakteur unterschieden. Im Gegensatz dazu arbeitet der Reporter vor Ort, etwa bei einem großen Unglück oder einer Naturkatastrophe, recherchiert also die Fakten einer Geschichte. Ein Korrespondent ist für seine Heimatredaktion (Zeitung, Hörfunk, Fernsehen, Nachrichtenagentur) in der Bundes- oder Landeshauptstadt oder im Ausland tätig. Neben den angestellten Journalisten gibt es auch freiberufliche Journalisten. Diese arbeiten auf Honorar-Basis oder handeln Pauschalverträge aus. Viele Moderatoren im Fernsehen sind freie Journalisten.

Darstellungsformen

In seiner Arbeit benutzt der Journalist unterschiedliche Darstellungsformen. Neben der reinen Vermittlung von Fakten (Nachricht, Bericht, Fotografie, Film und Interview) fließen in den anderen Darstellungsformen auch persönliche Wertungen ein: Reportage und Feature. Eine ausschließlich persönliche Wertung eines Sachverhaltes findet sich im Kommentar und in der Glosse.

Tätigkeitsfelder

KorrespondentReporterBildredakteurKolumnistFeuilletonist – LokaljournalistLeitartiklerFotojournalistVideojournalistModerator

Literatur


- Walther von LaRoche: Einführung in den praktischen Journalismus, 13. Aufl. München, Leipzig 1992
- Claudia Mast (Hrsg.): ABC des Journalismus. Ein Leitfaden für die Redaktionsarbeit, 7. Aufl. Konstanz 1994
- Elisabeth Noelle-Neumann, Winfried Schulz, Jürgen Wilke (Hrsg.): Fischer Lexikon Publizistik Massenkommunikation, Frankfurt a. M. 1994
- Wolf Schneider: Deutsch für Profis. Wege zu gutem Stil (Buchtipp zum Thema sprachliche Ausdrucksfähigkeit und -sicherheit)
- Deutscher Fachjournalisten-Verband (Hrsg.): Fachjournalismus. Expertenwissen professionell vermitteln, Konstanz 2004

Siehe auch


- Portal:Wissen, Information, Kommunikation und Medien
- Liste bekannter Journalisten
- Embedded Journalist
- Journalistenschule
- Journalismus
- Investigativer Journalismus
- Wissenschaftsjournalismus
- Journalistische Darstellungsformen
- Pressefreiheit
- Musikjournalismus

Weblinks


- [http://www.djv.de Deutscher Journalisten-Verband (DJV)]
- [http://www.mediafon.net Mediafon – Dienstleistungsgewerkschaft ver.di]
- [http://www.jonet.org jonet – Diskussionsforum für Journalisten]
- [http://www.jungejournalisten.de Netzwerk von Nachwuchsjournalisten]
- [http://www.medien-frauen.de.vu Berühmte Journalistinnen]
- [http://www.dfjv.de Deutscher Fachjournalistenverband] Kategorie:Freie Berufe ! ! Kategorie:Medien ja:ジャーナリスト

Künstler

Als Künstler werden kreativ tätige Menschen bezeichnet, die auf dem Gebiet der Bildende Kunst, der darstellenden Kunst und der Musik arbeiten und Kunstwerke schaffen. Die Abgrenzung der bildenden Kunst zum Kunsthandwerk und zum allgemeinen Handwerk ist fließend und hängt im Allgemeinen vom Grad der Originalität, also der Findung neuer Darstellungsformen bzw. der Verwertung bekannter Formen ab. Der Kunstberuf ist kein klassischer Ausbildungsberuf, hat sich seit 1800 jedoch im Westen zu einem höheren Lehrberuf entwickelt, sodass heute auch Künstler an Hochschulen ausgebildet werden. Die spezielle Begabung und das Können Kunstwerke hervorzubringen wird jedoch auch autodidaktisch entwickelt. Den Beruf des Künstlers gab es bereits in der Antike. Vor dem Mittelalter war die Berufskunst allerdings eng mit dem "niederen" Handwerk verbunden: Ein Maler beispielsweise galt als einfacher Handwerker. Erst mit dem Aufkommen des Geniebegriffs in der Renaissance wurde die Kunst aufgewertet und der Künstler mit seinen außerordentlichen Begabungen auf eine „höhere“ Stufe mit großen Denkern – etwa den Philosophen der Zeit – gestellt. Bei einigen Berufen ist es umstritten, ob sie der Kunst zuzurechnen sind, beispielsweise beim Koch. Auch die Selbsteinschätzung und -darstellung der eigenen Tätigkeit hat einen großen Einfluss darauf, ob eine Person von der Öffentlichkeit als Künstler betrachtet wird oder nicht.

Künstlerische Berufe


- Angewandte Künste
  - Architekten
  - Designer
  - Konzeptkünstler
- Bildende Künstler
  - Bildhauer
  - Comiczeichner
  - Fotografen
  - Grafiker
  - Installationskünstler
  - Maler
  - Medienkünstler
  - Performance-Künstler
  - Street-Art Künstler
  - Zeichner
  - Illustrator
- Darstellende Künstler
  - Sänger
  - Schauspieler
  - Tänzer
  - Artisten
  - Zaubereren
  - Pantomime
- Keramiker
- Literaten
  - Schriftsteller
  - Dichter
- Musiker

Sehr bekannte Künstler

Bildende Künstler


- Matthew Barney
- Joseph Beuys
- Natascha Bindzus
- Elfriede Lohse-Wächtler
- Andre Breton
- Paul Cezanne
- Tony Cragg
- Otto Dix
- Marcel Duchamp
- Albrecht Dürer
- Max Ernst
- Vincent van Gogh
- Damien Hirst
- Rebecca Horn
- Pierre Huygue
- Jörg Immendorff
- Asger Jorn
- Kazuo Katase
- Anselm Kiefer
- Yves Klein
- Jeff Koons
- Michelangelo
- Joan Miró
- Amedeo Modigliani
- Claude Monet
- Henry Moore
- Barnett Newman
- Claes Oldenburg
- Yoko Ono
- Pablo Picasso
- Steven Pippin
- Sigmar Polke
- Robert Rauschenberg
- Rembrandt
- Pierre-Auguste Renoir
- Gerhard Richter
- Pipilotti Rist
- Dieter Roth
- Peter Paul Rubens
- Richard Serra
- Cindy Sherman
- William Turner
- Andy Warhol

Darstellende Künstler


- Romy Schneider
- Charlie Rivel
- Herman van Veen
- Anneliese Rothenberger
- Janet Baker
- Alfred Deller
- Jos� Carreras
- Luciano Pavarotti
- Mattia Battistini
- Renato Bruson
- Boris Christoff
- Johannes Heesters
- Ella Fitzgerald
- Josephine Baker
- Jimi Hendrix
- Stevie Wonder
- Nat King Cole
- Marcel Marceau
- Oleg Popow
- Pantomimin Giselle

Konzeptkünstler


- André Heller

Literaten


- Gottfried Benn
- Erich Kästner
- Hans Magnus Enzensberger
- Günter Grass
- Peter Handke
- Christa Wolf
- Friedrich Dürrenmatt
- Erich Frie