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MathematikerMathematiker beschäftigen sich mit der Weiterentwicklung des Fachgebiets der Mathematik und mit der Anwendung der Erkenntnisse auf praktische Belange. Die Anwendung mathematischer Methoden führt zu exakten Erkenntnissen und Aussagen, in bestimmten Teilgebieten auch zu quantitativen Ergebnissen (z. B. aus der Numerik und der Statistik).
Die zunehmende Mathematisierung des Alltags führt dazu, dass Mathematiker in vielen Bereichen eingesetzt werden können, u. a. Forschung und Entwicklung, in den Wirtschaftswissenschaften, in Versicherungsunternehmen, im Öffentlichen Dienst (Schulen und Universitäten, Statistik), im Marketing, in der Meteorologie, in der Logistik, in der Bildverarbeitung, in der Sicherheitstechnik und natürlich in der Informationstechnik.
Sie können auf Spezialgebieten tätig sein, so z. B. Numerische Mathematik, Statistik, Mathematische Logik, Geometrie, Analysis, Modelltheorie und Wahrscheinlichkeitstheorie. Da viele Verfahren und Techniken sich auch auf andere Teilbereiche übertragen lassen, ist eine Abgrenzung in der Praxis eher schwer.
Ausbildung
Diplom-Mathematiker studieren an einer Universität oder an einer Fachhochschule (Zusatz FH). Die Regelstudienzeit an der Universität beträgt 9 oder 10 Semester, die tatsächliche Studienzeit beträgt jedoch durchschnittlich 13,0 Semester. Nach der Umstellung auf das europäische Studiensystem beträgt die Studiendauer bis zum Bachelor 6 Semester, die zum darauf aufbauenden Master weitere 4 Semester. Inwiefern diese Richtwerte mit der tatsächlichen Studiendauer übereinstimmen, wird sich noch zeigen, wenn die ersten Absolventen nach dem neuen System ihr Studium abschließen.
Studieninhalte
Studieninhalte im Grundstudium umfassen in der Regel: Analysis, Lineare Algebra, angewandte Mathematik (Numerik oder Stochastik), ein Wahlpflichtfach.
Bestandteile des Hauptstudiums:
- Reine Mathematik (Algebra, Analysis, Funktionentheorie, Differentialgeometrie, Topologie, Zahlentheorie)
- Angewandte Mathematik (Mathematische Statistik, Numerik der Differentialgleichungen, Funktionalanalysis, diskrete Mathematik, Steuerungstheorie, Optimierung, Methoden, Algorithmen)
- Nichtmathematische Anwendungsfächer (z. B. Wirtschaftswissenschaften, Informatik, Physik, ingenieurtechnische Wissenschaften)
Akademische Grade
Aufgrund der bestandenen Diplomprüfung werden folgende Grade verliehen:
Deutschland
- Diplom-Mathematiker/Diplom-Mathematikerin
- Diplom-Mathematiker (Technomathematik)/Diplom-Mathematikerin (Technomathematik)
- Diplom-Technomathematiker/Diplom-Technomathematikerin
- Diplom-Mathematiker (Wirtschaftsmathematik)/Diplom-Mathematikerin (Wirtschaftsmathematik)
- Diplom-Wirtschaftsmathematiker/Diplom-Wirtschaftsmathematikerin
- Diplom-Finanz- und Wirtschaftsmathematiker/Diplom-Finanz- und Wirtschaftsmathematikerin
- Diplom-Computermathematiker/Diplom-Computermathematikerin
Österreich
- Magister/Magistra der Naturwissenschaften
- Magister/Magistra der Wirtschaftswissenschaften
- Diplom-IngenieurIn der Technischen Mathematik
Siehe auch: Liste bedeutender Mathematiker, Philosoph, Wissenschaftler, Astronomen, Physiker, Studium der Technischen Mathematik
Weblinks
- [http://www.mathematik.uni-bielefeld.de/DMV/ Deutsche Mathematiker-Vereinigung]
- [http://www-gap.dcs.st-and.ac.uk/~history/BiogIndex.html Biographien zahlreicher Mathematiker (Englisch)]
- [http://www-groups.dcs.st-and.ac.uk/~history/ MacTutor History of Mathematics archive. Beste Sammlung von Mathematiker-Biographien, Porträts, Karten u. a. mathematikhist. Material]
- [http://genealogy.math.ndsu.nodak.edu/ The Mathematics Genealogy Project ]
Kategorie:Beruf
ja:数学者
ko:수학자
th:นักคณิตศาสตร์
MathematikDie Mathematik (vom altgr. Adjektiv μαθηματικός, mathēmatikos – zum Lernen gehörig; abgeleitet aus dem altgr. Verb μανθάνω, manthanō - lernen) ist eine Wissenschaft, die aus der Untersuchung von Figuren und dem Rechnen mit Zahlen entstanden ist. Für Mathematik gibt es keine allgemein anerkannte Definition; heute wird sie üblicherweise als eine Wissenschaft, die selbst geschaffene abstrakte Strukturen auf ihre Eigenschaften und Muster untersucht, beschrieben.
Strukturen
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte der Mathematik
Die Mathematik ist eine der ältesten Wissenschaften überhaupt. Eine erste Blüte erlebte sie in der Antike, in Griechenland und im Hellenismus, von dort datiert die Orientierung an der Aufgabenstellung des „rein logischen Beweisens“ und die erste Axiomatisierung, nämlich die euklidische Geometrie.
Im Mittelalter überlebte sie unabhängig voneinander im frühen Humanismus der Universitäten und in der arabischen Welt.
In der frühen Neuzeit führte François Viète Variablen ein und R. Descartes eröffnete durch die Verwendung von Koordinaten einen rechnerischen Zugang zur Geometrie. Die Beschreibung von Tangenten und die Bestimmung von Flächeninhalten („Quadratur“) führte zur Infinitesimalrechnung von G. W. Leibniz und I. Newton. Newtons Mechanik und sein Gravitationsgesetz waren auch in den folgenden Jahrhunderten eine Quelle richtungsweisender mathematischer Probleme wie des Dreikörperproblems.
Ein anderes Leitproblem der frühen Neuzeit war das Lösen zunehmend komplizierterer algebraischer Gleichungen. Zu seiner Behandlung entwickelten N. H. Abel und E. Galois den Begriff der Gruppe, der Beziehungen zwischen Symmetrien eines Objektes beschreibt. Als weitere Vertiefung dieser Untersuchungen können die Algebra und insbesondere die algebraische Geometrie angesehen werden.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts fand die Infinitesimalrechnung durch die Arbeiten von A. L. Cauchy und K. Weierstrass ihre heutige strenge Form. Die von G. Cantor gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte Mengenlehre ist aus der heutigen Mathematik ebenfalls nicht mehr wegzudenken, auch wenn sie durch die Paradoxien des naiven Mengenbegriffs zunächst deutlich machte, auf welch unsicherem Fundament die Mathematik vorher stand.
Die Entwicklung der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert stand unter dem Einfluss von David Hilberts Liste von 23 mathematischen Problemen. Eines der Probleme war der Versuch einer vollständigen Axiomatisierung der Mathematik, gleichzeitig gab es starke Bemühungen zur Abstraktion, also des Versuches, Objekte auf ihre wesentlichen Eigenschaften zu reduzieren. So entwickelte E. Noether die Grundlagen der modernen Algebra, F. Hausdorff die Topologie als die Untersuchung topologischer Räume, S. Banach den wohl wichtigsten Begriff der Funktionalanalysis, den nach ihm benannten Banachraum. Eine noch höhere Abstraktionsebene, einen gemeinsamen Rahmen für die Betrachtung ähnlicher Konstruktionen aus verschiedenen Bereichen der Mathematik schuf schließlich die Einführung der Kategorientheorie durch S. Eilenberg und S. Mac Lane.
Inhalte und Teilgebiete
Die folgende Aufzählung gibt einen ersten chronologischen Überblick über die Breite mathematischer Themen (siehe auch: Teilgebiete der Mathematik, Geschichte der Mathematik sowie das Portal:Mathematik):
- das Rechnen mit Zahlen (Arithmetik),
- die Untersuchung von Figuren (Geometrie – vorklassische Hochkulturen, Euklid),
- die Untersuchung der korrekten Schlussfolgerungen (Logik - Aristoteles)
- das Auflösen von Gleichungen (Algebra – Tartaglia, Mittelalter und Renaissance),
- Untersuchungen zur Teilbarkeit (Zahlentheorie – Euklid, Diophant, Fermat, Leonhard Euler, Gauß, Riemann),
- das rechnerische Erfassen räumlicher Beziehungen (Analytische Geometrie – Descartes, 17. Jahrhundert),
- das Rechnen mit Wahrscheinlichkeiten (Stochastik – Pascal, Jakob Bernoulli, Laplace, 17.–19. Jahrhundert),
- die Untersuchung von Funktionen, insbesondere deren Wachstum, Krümmung, dem Verhalten im Unendlichen und der Flächeninhalte unter den Kurven (Analysis – Newton, Leibniz, Ende des 17. Jahrhunderts),
- die Beschreibung physikalischer Felder (Differentialgleichungen, partielle Differentialgleichungen, Vektoranalysis – Leonhard Euler, die Bernoullis, Laplace, Gauß, Poisson, Fourier, Green, Stokes, Hilbert, 18.–19. Jahrhundert),
- die Perfektionierung der Analysis durch die Einbeziehung komplexer Zahlen (Funktionentheorie – Gauß, Cauchy, Weierstraß, 19. Jahrhundert),
- die Vermessung gekrümmter Flächen und Räume (Differentialgeometrie – Gauß, Riemann, Levi-Civita, 19. Jahrhundert),
- das systematische Studium von Symmetrien (Gruppentheorie – Galois, Abel, Klein, Lie, 19. Jahrhundert),
- die Aufklärung von Paradoxien des Unendlichen (Mengenlehre und wieder Logik – Cantor, Frege, Russell, Zermelo, Fraenkel, Anfang des 20. Jahrhunderts),
- die Untersuchung von Strukturen und Theorien (Kategorientheorie).
Etwas abseits steht in dieser Aufzählung die Numerische Mathematik, die für konkrete kontinuierliche Probleme aus vielen der oben genannten Bereiche Algorithmen zur Lösung bereitstellt und diese untersucht.
Unterschieden werden ferner die reine Mathematik oder auch theoretische Mathematik, die sich nicht mit aussermathematischen Anwendungen befasst, wie sie u.a. der Brite Andrew Wiles und der Deutsche Gerd Faltings betreiben, und die angewandte Mathematik wie zum Beispiel Versicherungsmathematik und Kryptologie. Die Übergänge sind fließend.
Kategorisierung der Mathematik
Kryptologie
Über die Frage, zu welcher Kategorie der Wissenschaften die Mathematik gehört, wird seit langer Zeit kontrovers diskutiert. Im englischen und französischen Sprachraum wird Mathematik lediglich als Science eingestuft, eine weitere Differenzierung erfolgt dort in der Regel nicht.
Viele mathematische Fragestellungen und Begriffe sind durch die Natur betreffende Fragen motiviert, beispielsweise aus der Physik oder den Ingenieurwissenschaften, und die Mathematik wird als Hilfswissenschaft in nahezu allen Naturwissenschaften herangezogen. Jedoch ist sie selbst keine Naturwissenschaft im eigentlichen Sinne, da ihre Aussagen nicht von Experimenten oder Beobachtungen abhängen. Meistens gehört die Mathematik an deutschen Universitäten aber zur selben Fakultät wie die Naturwissenschaften, und so wird Mathematikern nach der Promotion in der Regel der akademische Grad eines Dr. rer. nat. verliehen.
Die Mathematik hat methodische und inhaltliche Gemeinsamkeiten mit der Philosophie; beispielsweise ist die Logik ein Überschneidungsbereich der beiden Wissenschaften. Damit könnte man die Mathematik zu den Geisteswissenschaften im weiteren Sinne rechnen, aber auch die Einordnung der Philosophie ist umstritten.
Auch aus diesen Gründen wurden die Kategorien der Strukturwissenschaften bzw. Formalwissenschaften eingeführt, neben der Mathematik wird - von den Befürwortern dieser Kategorien - beispielsweise die Informatik dazu gezählt.
Sonderrolle unter den Wissenschaften
Informatik
Eine Sonderrolle unter den Wissenschaften nimmt die Mathematik bezüglich der Gültigkeit ihrer Erkenntnisse ein. Während beispielsweise alle naturwissenschaftlichen Erkenntnisse durch neue Experimente falsifiziert werden können und daher prinzipiell vorläufig sind, werden mathematische Aussagen durch reine Gedankenoperationen auseinander hervorgebracht oder aufeinander zurückgeführt und brauchen nicht empirisch überprüfbar zu sein. Dafür muss aber für mathematische Erkenntnisse ein streng logischer Beweis gefunden werden, bevor sie als mathematischer Satz anerkannt werden. In diesem Sinn sind mathematische Sätze prinzipiell endgültige und allgemeingültige Wahrheiten, so dass die Mathematik als die exakte Wissenschaft betrachtet werden kann. Gerade diese Exaktheit ist für viele Menschen das Faszinierende an der Mathematik. Joseph Weizenbaum vom Massachusetts Institute of Technology bezeichnete die Mathematik als die Mutter aller Wissenschaften.
Anwendungsgebiete
Massachusetts Institute of Technology
Die Mathematik ist in allen Wissenschaften anwendbar, die ausreichend formalisiert sind. Daraus ergibt sich ein enges Wechselspiel mit Anwendungen in empirischen Wissenschaften. Über viele Jahrhunderte hinweg hat die Mathematik Anregungen aus der Astronomie, der Geodäsie, der Physik und der Ökonomie aufgenommen und umgekehrt die Grundlagen für den Fortschritt dieser Fächer bereitgestellt. Beispielsweise hat Newton die Infinitesimalrechnung entwickelt, um das physikalische Konzept „Kraft gleich Impulsänderung“ mathematisch zu fassen; Fourier hat beim Studium der Wellengleichung die Grundlage für den modernen Funktionsbegriff gelegt; Gauß hat im Rahmen der Hannover'schen Landesvermessung die Methode der kleinsten Fehlerquadrate entwickelt und das Lösen von linearen Gleichungen systematisiert.
Umgekehrt haben Mathematiker zuweilen Theorien entwickelt, die erst später überraschende praktische Anwendungen gefunden haben wie die Boole'sche Algebra in der Digitaltechnik oder der elektrischen Steuerungstechnik für Maschinen und Anlagen. Ein weiteres Beispiel ist das Differentialformenkalkül in der Allgemeinen Relativitätstheorie. Ferner galt lange Zeit die Beschäftigung mit der Zahlentheorie als reine intellektuelle Spielerei ohne praktischen Nutzen, ohne sie wären heute allerdings die moderne Kryptographie und ihre vielfältigen Anwendungen im Internet nicht denkbar.
Siehe auch: Angewandte Mathematik.
Fortschreiten durch Problemlösen
Angewandte Mathematik
Kennzeichnend für die Mathematik ist weiterhin die Weise, wie sie durch das Bearbeiten von „eigentlich zu schweren“ Problemen voranschreitet.
Sobald ein Grundschüler das Addieren natürlicher Zahlen gelernt hat, ist er in der Lage, folgende Frage zu verstehen und durch Probieren zu beantworten: „Welche Zahl muss man zu 3 addieren, um 5 zu erhalten?“. Die systematische Lösung solcher Aufgaben aber erfordert die Einführung eines neuen Konzepts: der Subtraktion. Die Frage lässt sich dann umformulieren zu: „Was ist 5 minus 3?“. Sobald aber die Subtraktion definiert ist, kann man auch die Frage stellen: „Was ist 3 minus 5?“, die auf eine negative Zahl und damit bereits über die Grundschulmathematik hinaus führt.
Ebenso wie in diesem elementaren Beispiel beim individuellen Erlernen ist die Mathematik auch in ihrer Geschichte fortgeschritten: auf jedem erreichten Stand ist es möglich, wohldefinierte Aufgaben zu stellen, zu deren Lösung weitaus anspruchsvollere Mittel nötig sind. Oft sind zwischen der Formulierung eines Problems und seiner Lösung viele Jahrhunderte vergangen und ist mit der Problemlösung schließlich ein völlig neues Teilgebiet begründet worden: so konnten mit der Infinitesimalrechnung im 17. Jahrhundert Probleme gelöst werden, die seit der Antike offen waren.
Auch eine negative Antwort, der Beweis der Unlösbarkeit eines Problems, kann die Mathematik voranbringen: so ist aus gescheiterten Versuchen zur Auflösung algebraischer Gleichungen die Gruppentheorie entstanden.
Axiomatische Formulierung und Sprache
Gruppentheorie
Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, vereinzelt schon seit der Antike, wird die Mathematik in Form von Theorien präsentiert, die mit Aussagen beginnen, welche als wahr angesehen werden; daraus werden dann weitere wahre Aussagen hergeleitet. Diese Herleitung geschieht dabei nach genau festgelegten Schlussregeln. Die Aussagen, mit denen die Theorie anfängt, nennt man Axiome, die daraus hergeleiteten nennt man Sätze. Die Herleitung selbst ist ein Beweis des Satzes. In der Praxis spielen noch Definitionen eine Rolle, sie gehören aber zum Handwerkszeug der Logik, das vorausgesetzt wird.
Aufgrund dieses Aufbaus der mathematischen Theorien bezeichnet man sie als axiomatische Theorien.
Im allgemeinen verlangt man dabei von Axiomen einer Theorie, dass diese widerspruchsfrei sind, also dass nicht gleichzeitig ein Satz und die Negation dieses Satzes wahr ist. Diese Widerspruchsfreiheit selber lässt sich aber nicht innerhalb einer mathematischen Theorie beweisen. Dies hat zur Folge, dass es immer noch nicht geklärt ist, ob die Mengenlehre, und damit die ganze Mathematik, widerspruchsfrei ist. Es gab schon Anfang des 20. Jahrhunderts Widersprüche wie die Russellsche Antinomie in der damaligen Mengenlehre, welche erst durch Zermelo und Fraenkel beseitigt werden konnten. Nach diesen ist die Zermelo-Fraenkel-Mengenlehre benannt, die der Satz von Axiomen ist, auf dem die heutige Mathematik üblicherweise aufbaut.
Die von diesen Theorien behandelten Gegenstände sind abstrakte mathematische Strukturen, die ebenfalls durch Axiome definiert werden. Während in den anderen Wissenschaften die behandelten Gegenstände vorgegeben sind und danach die Methoden zur Untersuchung dieser Gegenstände geschaffen werden, ist bei der Mathematik umgekehrt die Methode vorgegeben und die damit untersuchbaren Gegenstände werden erst danach erschaffen. In dieser Weise nimmt und nahm die Mathematik immer eine Sonderstellung unter den Wissenschaften ein.
Die Weiterentwicklung der Mathematik geschah und geschieht dagegen oft durch Sammlungen von Sätzen, Beweisen und Definitionen, die nicht axiomatisch strukturiert sind, sondern vor allem durch die Intuition und Erfahrung der beteiligten Mathematiker geprägt sind. Die Umwandlung in eine axiomatische Theorie erfolgt erst später, wenn weitere Mathematiker sich mit den dann nicht mehr ganz so neuen Ideen beschäftigen.
Allerdings sind der Axiomatisierung der Mathematik auch Grenzen gesetzt. Kurt Gödel zeigte um 1930 in dem nach ihm benannten Unvollständigkeitssatz, dass es wahre Aussagen in jedem mathematischen Axiomensystem gibt, die nicht innerhalb dieses Systems bewiesen werden können.
Mathematik benutzt zur Beschreibung von Sachverhalten eine sehr kompakte Sprache, die auf Fachbegriffen und vor allem Formeln beruht. Eine Darstellung der in den Formeln benutzten Zeichen findet sich in der Tabelle mathematischer Symbole
Mathematik als menschliche Tätigkeit
Auch nichtmenschliche Lebewesen, speziell Tiere sind in begrenztem Umfang fähig, mathematische Leistungen zu erbringen. siehe auch: Phylogenese mathematischer Fähigkeiten
Mathematik als Schulfach
Mathematik spielt in der Schule eine wichtige Rolle als nicht abwählbares Pflichtfach. Die für die Schule relevanten Inhalte werden in Mathematik in der Schule ausführlich behandelt. Mathematikdidaktik ist die Wissenschaft, die sich mit dem Unterrichten von Mathematik beschäftigt.
Mathematik als Studienfach und Beruf
Menschen, die sich beruflich mit der Entwicklung und der Anwendung der Mathematik beschäftigen, nennt man Mathematiker.
Neben dem Mathematikstudium auf Diplom in dem man seine Schwerpunkte auf reine und/oder angewandte Mathematik setzen kann, sind in neuerer Zeit vermehrt interdisziplinäre Studiengänge wie Technomathematik, Wirtschaftsmathematik oder Computermathematik eingerichtet worden. Ferner ist das Lehramt an weiterführenden Schulen und Hochschulen ein wichtiger mathematischer Berufszweig. An deutschen Universitäten wird jetzt auch das Diplom auf Bachelor/Master-Studiengänge umgestellt. Eine gewisse Anzahl an Semesterwochenstunden belegen müssen auch angehende Chemiker, Biologen, Physiker, Geologen, und Ingenieure.
Die häufigsten Arbeitgeber für Diplom-Mathematiker sind Versicherungen, Banken und Unternehmensberatungen, insbesondere im IT-Consulting. Darüber hinaus werden Mathematiker in fast allen Branchen eingesetzt.
Zitate
- Do not worry about your difficulties in mathematics; I can assure you that mine are still greater. Albert Einstein
- Jede Wissenschaft bedarf der Mathematik, die Mathematik bedarf keiner. Jakob I. Bernoulli
- Erstaunlich und entzückend ist die Macht zwingender Beweise, und so sind allein die mathematischen geartet. Galileo Galilei
- Mathematics may be defined as the subject in which we never know what we are talking about, nor whether what we are saying is true. Bertrand Russell
Literatur
- Hans Kaiser, Wilfried Nöbauer: Geschichte der Mathematik. DE: ISBN 3-486-11595-2 Ö: ISBN 3-209-02212-7
- Richard Courant, Herbert Robbins: Was ist Mathematik?. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 2000 ISBN 354063777X
- Glaeser, Georg: Der Mathematische Werkzeugkasten. Elsevier - Spektrum Akademischer Verlag, 2004. ISBN 3-8274-1485-7.
Weblinks
- [http://www.mathematik.uni-bielefeld.de/DMV/ Deutsche Mathematiker-Vereinigung]
- [http://www.mathematik.de/mde/presse/fuenfminuten/fuenfminuten.html "5 Minuten Mathematik"] Regelmäßige Kolumne des Mathematikprofessors Ehrhard Behrends zur Popularisierung der Mathematik
- [http://www.arndt-bruenner.de/mathe/mathekurse.htm Interaktive Programme zu einer Vielzahl mathematischer Problemstellungen]
- [http://www.w-volk.de/museum/exposi.htm Zeugnisse über Mathematik]
- [http://www.webmath.com/ webmath.com - solve your math problem] Hervorragende englischsprachige Seite mit Berechnungsprogrammen zu unzähligen Problemen und deren Lösungswegen!
- [http://www.matheplanet.com/ matheplanet]
- [http://www.mathematik-wissen.de/ Mathematik-Wissen.de] [http://www.emath.de/ eMath.de] Mathematik für Schüler
- [http://www.zum.de/wiki/index.php/Mathematik Mathewiki von ZUM.de] Mathematik für Lehrer
- [http://mathworld.wolfram.com/ Mathworld.Wolfram.com] Die umfangreichste Mathematikquelle im Internet
- (http://www.mathepower.com/index.html) Diese Seite berechnet ihnen alles!
- [http://www.emis.de/ZMATH/ Zentralblatt für Mathematik: MATH-Datenbank]
- [http://nsm1.nsm.iup.edu/gsstoudt/history/images/images.html Images of Some Famous Mathematical Works] (Bilder berühmter mathematischer Werke)
- http://www.mathe-online.at/mathint.html
Kategorie:Wissenschaft
ja:数学
ko:수학
ms:Matematik
simple:Mathematics
th:คณิตศาสตร์
Numerische MathematikDie numerische Mathematik, kurz Numerik genannt, beschäftigt sich als Teilgebiet der Mathematik mit der Konstruktion und Analyse von Algorithmen für kontinuierliche mathematische Probleme.
Überblick
Interesse an solchen Algorithmen besteht meist aus einem der beiden folgenden Gründe:
#Es gibt zu dem Problem keine explizite Lösungsdarstellung (so zum Beispiel bei den Navier-Stokes-Gleichungen oder dem Dreikörperproblem) oder
#die Lösungsdarstellung existiert, ist jedoch nicht geeignet, um die Lösung schnell auszurechnen beziehungsweise sie liegt in einer Form vor, in der Rechenfehler sich stark bemerkbar machen (zum Beispiel bei vielen Potenzreihen).
Unterschieden werden zwei Typen von Verfahren. Einmal direkte, die nach endlicher Zeit bei unendlicher Rechnergenauigkeit die exakte Lösung eines Problems liefern und auf der anderen Seite Näherungsverfahren, welche — wie der Name sagt — nur Approximationen liefern. Ein Beispiel für ersteres ist das Gaußsche Eliminationsverfahren, welches die Lösung eines linearen Gleichungssystems liefert. Näherungsverfahren sind unter anderem Quadraturformeln, die den Wert eines Integrals näherungsweise berechnen oder auch das Newton-Verfahren, das iterativ bessere Approximationen an eine Nullstelle einer Funktion liefert.
Unterschiedliche Verfahren werden nach Laufzeit, Stabilität und Robustheit verglichen.
Geschichte
Der Wunsch, mathematische Gleichungen zahlenmäßig (auch näherungsweise) lösen zu können, besteht seit der Antike. Die alten Griechen kannten bereits Probleme, die sie nur näherungsweise lösen konnten, wie die Berechnung von Flächen (Integration) oder der Kreiszahl π. In diesem Sinne kann Archimedes, der für beide Probleme Algorithmen lieferte, als der erste bedeutende Numeriker bezeichnet werden. Im Zeitalter der Computer-Technik gewinnt das numerische Verfahren dagegen dramatisch an Bedeutung.
Die Namen klassischer Verfahren zeigen deutlich, dass der algorithmische und approximative Zugang zu mathematischen Problemen immer wichtig war, um rein theoretische Aussagen fruchtbar nutzen zu können. Konzepte wie Konvergenzgeschwindigkeit oder Stabilität waren auch beim Rechnen per Hand sehr wichtig, so lässt beispielsweise hohe Konvergenzgeschwindigkeit darauf hoffen, schnell fertig zu werden. Und schon Gauß bemerkte, dass sich seine Rechenfehler beim Gaußschen Eliminationsverfahren manchmal desaströs auf die Lösung auswirkten und sie so komplett unbrauchbar machten. Er zog deswegen das Gauß-Seidel-Verfahren vor, wo man Fehler durch das Ausführen eines weiteren Iterationsschrittes leicht ausgleichen konnte.
Um das monotone Durchführen von Algorithmen zu erleichtern, wurden im 19. Jahrhundert mechanische Rechenmaschinen entwickelt und schließlich in den 1930ern der erste Computer von Konrad Zuse. Der Zweite Weltkrieg beschleunigte die Entwicklung dramatisch und insbesondere John von Neumann trieb im Rahmen des Manhattan Projects sowohl mathematisch als auch technisch die Numerik voran. Die Zeit des kalten Krieges war vor allem von militärischen Anwendungen wie Wiedereintrittsproblemen geprägt, doch die Explosion der Rechnerleistung seit den 1980ern hat zivile Anwendungen in den Vordergrund treten lassen. Ferner hat sich der Bedarf nach schnellen Algorithmen mit dem Geschwindigkeitszuwachs entsprechend verstärkt. Für viele Probleme hat die Forschung dies leisten können und so hat sich die Geschwindigkeit der Algorithmen in den letzten 20 Jahren um etwa dieselbe Größenordnung verbessert wie die CPU-Leistungen. Heutzutage sind numerische Verfahren in jedem technischen oder wissenschaftlichen Bereich präsent und Alltagswerkzeug.
Fehleranalyse
Ein Aspekt bei der Analyse der Algorithmen in der Numerik ist die Fehleranalyse. Bei einer numerischen Berechnung kommen verschiedene Typen von Fehlern zum Tragen: Beim Rechnen mit Computerzahlen treten unvermeidlich Fehler auf. Diese Fehler lassen sich zwar zum Beispiel durch eine Erhöhung der Stellenzahl verkleinern, aber nicht prinzipiell verhindern, da die Stellenzahl endlich bleiben muss. Das numerische Verfahren ersetzt ferner das kontinuierliche mathematische Problem durch ein diskretes, also endliches Problem. Wie das Problem auf die Diskretisierung, also kleine Störungen in den Anfangsdaten reagiert, wird mit der Kondition gemessen. Hat ein Problem eine große Kondition, so hängt die Lösung des Problems empfindlich von den Anfangsdaten ab, was eine numerische Lösung erschwert. Man spricht von einem schlecht gestellten Problem.
Dabei tritt bereits der so genannte Diskretisierungsfehler auf, der im Rahmen der Konsistenzanalyse abgeschätzt und bewertet wird. Wie sich sich solche Fehler beim Weiterrechnen vergrößern, wird mit Hilfe der Stabilitätsanalyse bewertet.
Konsistenz und Stabilität des Algorithmus führen im Regelfall zu Konvergenz.
Teilgebiete
Teilgebiete der Numerik sind unter anderem:
- Optimierung
- Approximation
- Numerische Lösung nichtlinearer Gleichungen
- Numerik von Differentialgleichungen
- Numerik von Integralgleichungen
- Numerische Lineare Algebra
Eine kommentierte Zusammenstellung von ausgewählten numerischen Verfahren ist hier: Liste numerischer Verfahren.
Literatur
- Martin Hermann: Numerische Mathematik. Oldenbourg Verlag, München und Wien 2001 ISBN 3-486-25558-4
- Gerhard Opfer: Numerische Mathematik für Anfänger. Eine Einführung für Mathematiker, Ingenieure und Informatiker. 4. Aufl. Vieweg Verlag, Braunschweig 2002 ISBN 3-528-37265-6
- Robert Plato: Numerische Mathematik kompakt. Grundlagenwissen für Studium und Praxis. Vieweg Verlag, Braunschweig 2000 ISBN 3-528-03153-0
- Thomas Huckle, Stefan Schneider: Numerik für Informatiker. Springer Verlag, Berlin 2002 ISBN 3-540-42387-7
ja:数値解析
Alltag
Alltag ist alltagssprachlich der Gegensatz zu Fest- oder Feiertagen oder sonstigen, außergewöhnlichen Zeiten. Der Begriff wird in zahlreichen Zusammensetzungen gebraucht, mit denen man das nicht Besondere, nicht Eigentümliche betonen will.
Alltag sind somit die gewöhnlichen Arbeits-, Werk- oder Wochentage. Unter "Alltag" versteht man auch allgemein routinemäßig ablaufende Zeitzyklen, also ein Tag (morgens aufstehen...), eine Woche (Wochenende frei), ein Monat (z. B. Vereinstreffen), oder sogar ein Jahr (im Sommer Urlaub). Meist wird der Alltag durch sich wiederholende Muster von Arbeit, Konsum (Einkauf und Essen), Freizeit und Schlaf geprägt, deren Ablauf grob vorhersehbar ist. Alltag kann sich durch Monotonie, Langeweile, Angst, oder auch Zufriedenheit und Glück auszeichnen, je nachdem welche Person nach ihrem Alltag befragt wird und in welchem sozialen und kulturellen Milieu / Umfeld / Umwelt diese lebt.
Kulturspezifische Sichtweisen
Im Kulturkreis, der durch das Christentum geprägt ist, stellt der Alltag einen theologisch fundamentalen Gegensatz zum Sonntag dar. Dieser ist nach christlicher Auffassung durch das Dritte Gebot geheiligt, um sich Gott neu bewusst zu machen. Im Judentum steht der Alltag im Gegensatz zum Sabbat (Freitag- bis Samstag-Abend), im Islam zum Freitag. Dazu treten (z. B. in der Bundesrepublik Deutschland) die staatlichen (und kirchlichen) Feiertage, an denen für die Allgemeinheit arbeitsfrei ist, wie der Maifeiertag und die Feste Ostern, Pfingsten, Fronleichnam und Weihnachten. Im Buddhismus ist jeder Wochentag Alltag, nur an besonderen Feiertagen, wie Makha Bucha, kann man von einer Unterbrechung des Alltags-Rhythmus sprechen.
Soziologische Betrachtung
Viele Soziologen, unter ihnen die Franzosen Henri Lefebvre, Roland Barthes und andere haben sich mit der Untersuchung der Alltagskultur der Menschen befasst.
Pierre Bourdieus soziologische Forschungen, zumeist im Alltagsleben verwurzelt, waren vorwiegend empirisch orientiert und können der Kultursoziologie zugeordnet werden. Anknüpfend an den Strukturalismus versuchte Bourdieu, subjektive Faktoren mit objektiven Gegebenheiten zu verbinden. Die Kulturtheorie Bourdieus vergleicht Interaktionen des Alltagslebens mit einem Spiel. Die Individuen besitzen unterschiedlich viele Potentiale verschiedener Art, die sie einsetzen und teilweise transformieren können. Er wies - alltägliche Beobachtungen einbringend - nach, dass Feinheiten der Sprache wie Akzent, Grammatik, Aussprache und Stil einen wesentlichen Faktor in der sozialen Mobilität (z. B. beim Erwerb eines besser bezahlten und höherbewerteten Berufs) darstellen.
Giddens Hauptaugenmerk liegt darauf, wie Handeln sich über Raum und Zeit erstrecken kann, und untersucht dazu den Bereich des unbewusst gesteuerten Alltagshandelns.
Hägerstrand analysiert Punkte in Raum und Zeit.
Erving Goffman machte Untersuchungen über Verhaltensmuster, Interaktionsrituale, Rollendistanz sowie persönliche Selbstdarstellung im Alltag haben neuere soziologische Ansätze wesentlich beeinflusst.
Die Kostitutionsanalyse bei Alfred Schütz ermöglicht eine personale (subjektive) Idealtypus-Konstruktion, die durch den Vergleich mit alltäglichen sozialweltlichen Situationselementen das Verstehen von Handeln ermöglicht (und sei es durch post-hoc-Erklärungen).
Garfinkel ist Begründer der Ethnomethodologie, in der er z. T. das methodische Programm von Alfred Schütz empirisch angewandt hat. Dieser beschäftigte sich mit Fragen, wie Menschen in soziologischen Strukturen der Alltagswelt wechselseitig orientiert handeln und nach dem selbstverständlich scheinenden Alltagswissen handeln. Der Beitrag von Garfinkel besteht vor allem darin, selbstverständlich und vertraut erscheinendes Verhalten im Detail untersuchbar und soziologischer Forschung zugänglich zu machen.
Zerubavel erfasste den bespielhaften Alltag in Krankenhäusern.
de Certeaus bekanntestes und einflussreichstes Werk ist die Kunst des Handelns (Berlin (Merve) 1988), eine soziologische Theorie des Alltagslebens und des Verbraucherverhaltens.
Eine aktuelle praktische Kritik des Alltagsbegriffes findet durch Herbert Euschen und im Umkreis der Situationsdynamik statt.
Literatur
- Pierre Bourdieu: Das Elend der Welt. Zeugnisse und Diagnosen alltäglichen Leidens an der Gesellschaft. (französ. 1993), Konstanz 1997. ISBN 3-87940-568-9, - cultural studies zum Neoliberalismus
- Michel de Certeau: Kunst des Handelns. Berlin:Merve 1988
- Henri Lefebvre: Kritik des Alltagslebens : Grundrisse e. Soziologie d. Alltäglichkeit; mit e. Vorw. zur dt. Ausgabe, Taschenbuchausgabe, Frankfurt am Main: Fischer 1987
- Dorothy Smith: The Everyday World as Problematic. A Feminist Sociology, Toronto: University of Toronto Press 1987
- Laurence Wylie: Dorf in der Vaucluse. Der Alltag einer französischen Gemeinde, Taschenbuchausgabe, Frankfurt am Main: Fischer 1978
- Hans-Georg Soeffner: Auslegung des Alltags - der Alltag der Auslegung, Taschenbuchausgabe, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1989
Dokumentarfilme
- Farrebique, Regie: Georges Rouquier, Frankreich 1946 - Alltag einer französischen Bauernfamilie
Weblinks
- [http://www.bopsecrets.org/SI/6.everyday.htm Perspectives for Conscious Changes in Everyday Life]
Zitate
Siehe auch
- Alltagsgeschichte
- Alltagssprache
Kategorie:Zeitbegriff
Kategorie:Alltagskultur
EntwicklungUnter Entwicklung versteht man im Allgemeinen einen Prozess der Entstehung, der Veränderung bzw. des Vergehens.
Im Detail muss unterschieden werden zwischen:
- Wissenschaftliche Entwicklung
- 1. Biologie
- Ontogenese - die körperliche Entwicklung / das Wachstum eines Lebewesens,
- Entwicklungsbeschleunigung
- Phylogenese - die Entwicklung einer Art
- Entwicklungsanregung, Pathenogenese
- Evolution, Darwin
- Biologische Evolution, Evolutionstheorie
- Entwicklungsbiologie
- 2. Chemie
- chemischer Prozess
- Evolution der unbelebten Materie, Chemische Evolution
- 3. Physik
- physikalischer Versuch
- 4. Mathematik
- Rechnen, Gleichung
- 5. Psychologie
- die Entwicklung einer Persönlichkeit, siehe Entwicklungspsychologie
- Entwicklungsjahre
- Spiritualität,
- Versuch und Irrtum
- 6. Soziologie
- die Entwicklung einer Gruppe, einer Gesellschaft, siehe Entwicklungssoziologie, auch: Dependenztheorie
- Sozialer Wandel
- 7. Ökonomie
- die wirtschaftliche Entwicklung einer Firma
- Managementprozess
- Produktentwicklung
- die gesamtwirtschaftliche Entwicklung eines Landes
- Wirtschaftliche Entwicklung,
- Nachhaltige Entwicklung
- die weltwirtschaftliche Entwicklung
- Entwicklungstheorien, Dependencia
- Entwicklungsland, Dritte Welt
- Entwicklungspolitik
- Nachhaltige Entwicklung
- Entwicklungshilfe
- Fairer Handel
- Bankenwesen
- Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung
- Afrikanische Entwicklungsbank
- Asiatische Entwicklungsbank
- Interamerikanische Entwicklungsbank
- 8. Ökologie
- Ozonloch
- Energieverbrauch
- Ressourcen
- 9. Geschichte
- Historische Entwicklung
- 10. Philosophie
- „Vom Mythos zum Logos“
- 11. Theologie
- 12. Religionswissenschaft
- Religion
- Mythen
- Spiritualität
- Glaube
- 13. Geographie
- Entwicklungsachse (Infrastruktur / Verkehr / Siedlung)
- Kulturgeschichte
- Geistesgeschichte
- Kunst
- Stilepochen
- Literatur
- Entwicklungsroman
- Sport
- Leistungssport
- Spiel
- Schach
- Technische Entwicklung
- Technik
- Forschung
- Fortschritt
- Erfindungen
- F&E
C. Weitere gebräuchliche Verwendungen des Begriffs Entwicklung
- 1. Fotografie: das Entwickeln eines belichteten Films oder eines (Papier-)Abzuges, siehe Entwicklung (Film)
- 2. Entwicklungsstrategie
- 3. Produktentwicklung
- 4. Softwareentwicklung
- 5. Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)
- 6. Umentwicklung
- 7. Entwicklungsfähigkeit
- 8. Entwicklungsgang (Gang, Verlauf der Entwicklung, Werdegang)
WirtschaftswissenschaftenWirtschaftswissenschaft (Ökonomik) ist die Lehre von der Ökonomie (v. griech.: Oikos = Haushalt und Nomos= Gesetz). Sie unterteilt sich in die Bereiche Betriebswirtschaftslehre, welche die wirtschaftliche Seite eines Unternehmens innerhalb einer Volkswirtschaft untersucht, sowie Volkswirtschaftslehre (ehemals Nationalökonomie), welche die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge und Prozesse in einer Gesellschaft untersucht. Die Wirtschaftsinformatik trat Mitte der 1980er Jahre als Teildisziplin der Wirtschaftswissenschaft hinzu. Um wirtschaftstheoretische Modelle empirisch zu überprüfen und ökonomische Phänomene quantitativ zu analysieren werden ökonometrische Methoden eingesetzt.
Ebenso werden die Wirtschaftspädagogik, das Wirtschaftsingenieurwesen sowie die Wirtschaftsgeschichte im Rahmen der Wirtschaftswissenschaft berücksichtigt. Weitere Disziplinen sind die Wirtschaftsgeographie, Verkehrswirtschaftslehre und die Wirtschaftsethik. Wirtschaftliche Aspekte werden auch in anderen Sozialwissenschaften untersucht.
Historische Entwicklung
Die Geschichte der Wirtschaftswissenschaft ist fast so lang wie die Menschheitsgeschichte. Die großen Denker der Antike und des Mittelalters gelten als Ahnherren der Wirtschaftswissenschaft. Als Geburtsstunde der Wirtschaftswissenschaft in der heute verstandenen Form als Forschungsdisziplin mit eigenständigen Theoriegebilden gilt das Jahr 1758, in welchem der französische Arzt Francois Quesnay sein Tableau économique veröffentlichte. Durch die Beobachtungen am Hofe Ludwigs XV. angeregt beschrieb der damals 64-jährige Gelehrte in seinem Werk die Abhängigkeiten von Geld- und Güterströmen und damit den Einkommenskreislauf eines Landes.XY
Methoden
Die Methodenfragen und -positionen in den Wirtschaftswissenschaften sind durch vier Methodendebatten gekennzeichnet:
# Historismus(-debatte)
# Werturteil(-sdebatte)
# Positivismus(-streit)
# Kuhninismus(-debatte)
Organisationen, Verbände und Vereine
- Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte (bdvb)
- Gesellschaft für Experimentelle Wirtschaftsforschung (GEW)
Literatur
- Pribram, Karl: A History of Economic Reasoning. Johns Hopkins University Press 1983. ISBN 0801822912
- Pribram, Karl: Geschichte des ökonomischen Denkens. Übersetung der Originialausgabe A History of Economic Reasoning. Erster und zweiter Band. Frankfurt/M.: Suhrkamp Verlag 1998. ISBN 351828956X.
- Frank, Jürgen: Kritische Ökonomie
- Kromphardt/Clever/Klippert: Methoden der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
- Lipczynski, John & Wilson, John: Industrial Organisation - An analysis of competitive markets. Prentice Hall 2001, Essex.
- Starbatty, Joachim: Geistesgeschichte als Korrelat zur Ökonomik, in: Florian Keisinger u. a. (Hrsg.): Wozu Geisteswissenschaften? Kontroverse Argumente für eine überfällige Debatte, Frankfurt a. M./New York 2003 ISBN 359337336X
Siehe auch
- Sozialwissenschaften
- Portal:Wirtschaft
- Liste von Ökonomen
- Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW)
Weblinks
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simple:economics
VersicherungDer Begriff Versicherung wird allgemein mehrdeutig verwendet. Man versteht darunter:
#Eine Gesellschaft, die Versicherungsverträge anbietet, also der "Versicherer".
#Eine bindende Zusage: Ich versichere = Ich sage die Wahrheit.
#Den Versicherungsvertrag selbst.
#Das Grundprinzip der kollektiven Risikoübernahme: Viele zahlen einen Geldbetrag (= Prämie) in den Geldtopf "Versicherung" ein, um beim Eintreten des Versicherungsfalles abgesichert zu sein. Andererseits wird der Versicherungsfall in Wirklichkeit nur bei wenigen Versicherten eintreten, weshalb der Geldtopf bei bezahlbarer Prämie ausreicht. In diesem Sinne ist nach Karl Hax eine Versicherung die planmäßige Deckung eines im einzelnen ungewissen, im ganzen aber schätzbaren Geldbedarfs auf der Grundlage eines zwischenwirtschaftlichen Risikoausgleichs.
Versicherung im Kontext des Risikomanagements
Bevor ein Risiko richtig versichert werden kann, muss es erkannt, bewertet und der Umgang mit dem Risiko festgelegt werden. Mit diesem Prozess, welcher als Vorstufe jedem Versicherungsabschluss vorausgehen sollte befasst sich das Risikomanagement. Risikomanagement oder Risk-Management (engl.) ist der gesamtheitliche Umgang mit Risiken. Eine generelle, einfache Definition von Risiko ist Unsicherheit. Die Komponenten eines Risikos sind:
# Ein Wert (Sache, Person, Prozess, System, Zustand)
# Die Gefahren, welcher die Werte ausgesetzt sind
# Die Auswirkungen, wenn sich die Gefahr am Wert verwirklicht (direkte und indirekte finanzielle und nicht-finanzielle Auswirkungen).
Weitere Dimensionen von Risiko sind Eintrittswahrscheinlichkeit und Häufigkeit. Die Versicherungswirtschaft oder der Versicherungsmarkt (als Begriff für alle, welche sich mit versicherbaren Risiken befassen) kümmert sich primär um die durch eine Versicherungsgesellschaft (den Versicherer) versicherbaren Risiken. Nur ein Teil aller Risiken ist durch eine Versicherungsgesellschaft versicherbar. Weitere Risiken sind in anderer Art und Weise absicherbar, wie zum Beispiel das Risiko von sinkenden Aktienkursen durch Optionen (Bsp. Put-Option). Ausserdem gibt es die Versicherungswirtschaft konkurrenzierende oder ergänzende Techniken, wie die Securitization, welche den Kapitalmarkt zur finanziellen Absicherung von Risiken anzapft. Viele Risiken sind nicht oder nur tweilweise auf andere überwälzbar, wie das Risiko des Unternehmers, dass ein neu lanciertes Produkt am Markt keinen Erfolg hat; könnte man dieses Risiko voll abwälzen, hätte man auch kein Recht auf einen Gewinn. Denn der Gewinn ist der Lohn für eingegangene Risiken.
Welches die richtigen Instrumente, die richtige Methoden im Umgang mit Risiken sind, ist eine Frage, welche das Risikomangement zu beantworten hilft. Vielfach ist die Antwort nicht ein Allerheilmittel, sondern ein Mix aus verschiedenen Massnahmen (z.Bsp. Risikohäufigkeit reduzieren, planmässiger Umgang mit der Situation, wenn sich Risiko verwirklicht, einen Teil der finanziellen Auswirkungen selber tragen, einen Teil versichern). Ein kritischer Schritt im Umgang mit Risiken ist die Erkennung von Risiken, denn mit nicht erkannten Risiken kann auch nicht planmässig umgegangen werden.
Klassifikation von Versicherungsvertragsarten
Allgemein werden Versicherungsverträge an Hand von zwei Kriterien in Gruppen eingeteilt:
:1. Personen- und Nichtpersonenversicherungen
: - Die Personenversicherung gliedert sich in die Lebens-, die Kranken- und die Unfallversicherung.
: - Zur Nichtpersonenversicherungen werden alle Sach-, Haftpflicht- und sonstige Vermögensversicherungen gerechnet. Beispiele sind Grundstücks- & Eigentumsversicherung
:2. Schadens- und Summenversicherungen
: - Die Schadensversicherung deckt im Versicherungsfall den konkreten Schadensbedarf. Eine vereinbarte Versicherungssumme beschreibt bei dieser Versicherungsart lediglich die maximale Versicherungsleistung. Typische Schadensversicherungen sind die Kranken-, die Hausrat-, die Haftpflicht- und die Rückversicherung sowie die Autoversicherung.
: - Die Summenversicherung leistet im Versicherungsfall eine vorbestimmte Versicherungssumme. Summenversicherungen sind immer Personenversicherungen, bekanntestes Beispiel ist die Lebensversicherung, daneben steht noch die Unfallversicherung.
Grundprinzip der Versicherung
Versicherung ist die nach dem Wahrscheinlichkeitsprinzip arbeitende wirtschaftliche Absicherung von Risiken gegen Prämienzahlung; sie wird entweder nach dem Assoziationsprinzip als Gegenseitigkeitsversicherung oder nach dem Spekulationsprinzip als Erwerbsversicherung betrieben. Die Rechtsordnung trennt das Versicherungsrecht in das immer umfangreicher werdende Sozialversicherungsrecht und das Privatversicherungsrecht, das wiederum Versicherungsunternehmensrecht, Versicherungsaufsichtsrecht und Versicherungsvertragsrecht umfasst. Das Versicherungsvertragsrecht ist besonderes Schuldvertragsrecht und als solches das den Besonderheiten des Versicherungsvertrages gerecht werdende Sonderprivatrecht.
Antike Vorformen der Gegenseitigkeitsversicherung begegnen in den ägyptischen, griechischen und römischen Begräbnisvereinen (collegia tenuiorum), die mittels regelmäßiger Beiträge für ein anständiges Begräbnis ihrer Mitglieder und für den Totenkult sorgten. Die bis in die Neuzeit fortwirkende Entwicklung der Gegenseitigkeitsversicherung beginnt jedoch erst im frühen Mittelalter in Nordeuropa mit der auf einem gegenseitigen Treueverhältnis beruhenden und sich zur gemeinsamen Erfüllung religiöser, politischer, wirtschaftlicher und geselliger Zwecke zusammenschließenden Gilden und Genossenschaften, die sich bevorzugt der gemeinschaftlichen Risikoübernahme und Hilfeleistung bei Tod, Brand, Viehsterben, Schiffbruch und Gefangennahme widmeten.
Die versicherbaren Risiken sind sehr vielfältig, lassen sich aber auf wenige Risikogruppen reduzieren:
- Biometrischen Risiken, darunter versteht man die das Leben und den Lebensunterhalt betreffenden individuellen Risiken, wie Erwerbsunfähigkeit, Pflegebedürftigkeit, Langlebigkeit und vorzeitigen Tod. Sie werden durch Lebensversicherungsprodukte abgedeckt
- Kostenrisiken (beispielsweise Gerichtskosten, Krankheitskosten) werden beispielsweise durch die Rechtsschutzversicherung und die Krankenversicherung gedeckt
- Schadensrisiken (beispielsweise Feuer, Unfall, Diebstahl) werden durch zahlreiche Schadensversicherungsarten gedeckt (beispielsweise Wohngebäudeversicherung, Unfallversicherung, Hausratversicherung)
- Haftungsrisiken werden durch zahlreiche Formen der Haftpflichtversicherung gedeckt
Die Zweige der Sozialversicherungen können nur eingeschränkt zu den Versicherungen gezählt werden, da es sich um anlage- (Kapitaldeckungsverfahren) oder umlagefinanzierte (Umlageverfahren), staatlich organisierte Pflichtversicherungen handelt. Sie werden an dieser Stelle nicht weiter behandelt.
Deckungsprinzipien
Für die Deckung der Anwartschaften insbesondere bei Personenversicherung haben sich zwei grundlegende Deckungsprinzipien herauskristallisiert.
- Mit dem Kapitaldeckungsverfahren wird in der privaten Versicherungswirtschaft gearbeitet.
- Das Umlageverfahren wird überwiegend in der gesetzlichen Versicherung angewendet. Diese ist im eigentlichen Sinne des Wortes keine Versicherung, sondern ein Transfersystem.
Besonders augenscheinlich wird dieser Unterschied bei der Gegenüberstellung von gesetzlicher und privater Rentenversicherung. Unabhängig vom Deckungsprinzip dienen aber beide zur Absicherung des Alters- z.T. auch des Invaliditätsrisikos.
Untypische Versicherungen
Eine Lotterie ist einer Versicherung in manchen Aspekten sehr ähnlich, nicht zuletzt auch deshalb, weil Versicherungen ursprünglich vielfach Wett- oder Lotteriecharakter hatten. Allerdings dient das Glücksspiel weder der finanziellen Risikovorsorge noch dem kollektiven Ansparen!
Eine besondere Form der Lotterie ist die Tontinenversicherung, bei der eine Gesamtheit von Anlegern einen Betrag aufbringt, der nach dem Ablauf einer vereinbarten Laufzeit verzinst an die Überlebenden der Gesamtheit ausbezahlt wird. Hier steht die Beitragszahlung nicht unter Risiko. Für die Leistung wird das biometrische Risiko zur Erhöhung der Rendite für die Überlebenden genutzt.
Allerdings ist die Tontinenversicherung als Vorläufer unserer heutigen Renteversicherungen anzusehen.
Die insbesondere in Frankreich übliche Kapitalisierung ist ebenfalls im eigentlichen Sinn keine (Lebens-)versicherung, da hier ausschließlich ein Sparvorgang vorliegt.
Der Versicherungsvertrag in Deutschland
Definition des Versicherungsvertrages
Eine Versicherungsvertrag ist die
- entgeltliche, rechtsverbindliche, selbständige
- Zusage einer Leistung
- für den Fall, dass ein Ereignis entritt, von dem noch ungewiß ist, ob oder wann es eintritt (Versicherungsfall),
- wobei ein Risikoausgleich nach dem Gesetz der großen Zahl erfolgt.
Rechtsquellen
Der Versicherungsvertrag ist in Deutschland ein privatrechtlicher Vertrag. Aufgrund der hervorgehobenen volkswirtschaftlichen Bedeutung der Versicherungen und den zahlreichen Spezialitäten des Versicherungsrechts wurde 1908 das Gesetz über den Versicherungsvertrag (Versicherungsvertragsgesetz - VVG) in Kraft gesetzt. Als Spezialnorm des Versicherungsrechts hat es Vorrang vor den Normen des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB), von dem nur die allgemeinen Bestimmungen etwa zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) und der spezifische Sprachgebrauch in der Auslegung für das VVG maßgeblich sind.
Neben dem BGB haben das Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) und das Handelsgesetzbuch (HGB) Einfluss auf den Versicherungsvertrag.
Das VVG findet keine Anwendung auf die Zweige der Sozialversicherung, die Seeversicherung und die Rückversicherung.
Neben den gesetzlichen Normen sind die für den jeweiligen Versicherungsvertrag geltenden Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) von zentraler Bedeutung. In den AVB wird der Versicherungsfall, die Leistungsmodalitäten und andere wichtige, allgemeine Details zum Versicherungsvertrag geregelt. Vereinbarungen, die nur für den konkreten Versicherungsvertrag gelten und nicht mit dem Inhalt der für den Vertrag maßgeblichen AVB vereinbar sind, werden in so genannten Besonderen Vereinbarungen (BV) festgehalten. Diese haben in ihrer Wirkung Vorrang vor den AVB. Alle Arten von Versicherungsbedingungen müssen sich an den Verbraucherschutzbestimmungen über Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB; §§ 305 ff BGB) messen lassen: Mehrdeutigkeit geht zu Lasten des Versicherers, überraschende oder übermäßig benachteiligende Bedingungen sind unwirksam. Teilweise geben die Versicherungsbedingungen die gesetztlichen Regelungen wider, teilweise weichen sie von diesen ab oder konkretisieren sie. Sie haben dem Versicherungsnehmer eine umfassende Übersicht über seine Rechte und Pflichten zu geben.
Bis 1994 war der deutsche Versicherungsmarkt reguliert. Dies bedeutete, dass jeder Versicherungstarif inklusive der AVB und der versicherungsmathematischen Kalkulation explizit durch die damals zuständige Aufsichtsbehörde (Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen) genehmigt werden musste. Um für das einzelne Versicherungsunternehmen das Genehmigungsverfahren zu vereinfachen, wurden daher einheitliche AVB in den verschiedenen Versicherungssparten verwendet. So waren beispielsweise die privaten Haftpflichtversicherungen aller Anbieter hinsichtlich ihrer AVB identisch, der Wettbewerb bewegte sich fast ausschließlich auf der Preisebene. Mit der Deregulierung des deutschen Versicherungsmarktes 1994 entfiel die Genehmigungspflicht für neue Tarife und ihre AVB, so dass sich schon nach kurzer Zeit in einigen Sparten (beispielsweise Berufsunfähigkeitsversicherung) ein heftiger Wettbewerb bei den AVB entwicklte. Soll heute ein Versicherungsvertrag neu abgeschlossen werden, ist ein Bedingungsvergleich unverzichtbar.
Der einzelne Versicherungsvertrag wird im so genannten Versicherungsschein (oder auch Police) dokumentiert. Im Versicherungsschein werden alle vertragsindividuellen Inhalte festgehalten (beispielsweise Versicherungsbeginn und -ende, Prämie, Versicherungssummen, versicherte Risiko, Tarif).
Am Versicherungsvertrag Beteiligte
Die Vertragsparteien eines Versicherungsvertrags sind der Versicherer auf der einen und der Versicherungsnehmer auf der anderen Seite. Als Versicherungsnehmer kommen natürliche wie juristische Personen in Frage. Auf beiden Vertragsseiten können auch mehrere Parteien beteiligt sein. So ist es beispielsweise möglich, dass es zwei Versicherungsnehmer gibt (beispielsweise Ehepaar), genauso wie mehrere Versicherer (Konsortium) an einem Versicherungsvertrag beteiligt sind. Versicherer treten zumeist als Versicherungs[aktiengesellschaft] auf, daneben können sie als [Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit] (VVaG) oder als öffentlich-rechtliche Versicherungsanstalt organisiert sein. Ausländische Versicherer aus der [EU], dem [EWR] und der Schweiz sind im europäischen Binnenmarkt wie in ihrem Sitzland zugelassen, Versicherer aus anderen Ländern müssen eine Niederlassung in Deutschland begründen, bevor eine Zulassung möglich ist.
Bei Personenversicherungen gibt es neben dem Versicherungsnehmer noch eine oder mehrere versicherte Personen, auf die das versicherte Risiko abgestellt ist. Die bezugsberechtigten Personen in der Lebensversicherung gehören im engeren Sinn nicht zu den Beteiligten, wenn sie auch gerade in der betrieblichen Altersversorgung Informations- und Gestaltungsrechte im Bezug auf den Versicherungsvertrag haben.
In der Schadenversicherung sind häuig weitere Personen am Versicherungsvertrag beteiligt, sei es als versicherte Person bei der Versicherung für fremde Rechnung oder aufgrund sonstiger enger Beziehung zum versicherten Interesse. In der Haftpflichtversicherung ist der Geschädigte im Schadensfall beteiligt, sei es über den Direktanspruch im Bereich der Kraftfahrt-Haftpflichtversicherung, sei es über ihn schützende Regelungen des Versicherungsvertragsgesetzes wie § 156 Absatz 1 oder § 157 VVG.
Indirekt gilt auch der Versicherungsvermittler als Beteiligter, da er als Handelsvertreter oder Makler den Versicherungsvertrag zwischen den Vertragsparteien vermittelt.
Rechtspflichten und Obliegenheiten der Beteiligten
Der Versicherungsnehmer hat die vom Versicherer einklagbare Pflicht, die Versicherungsprämie zu zahlen. Obliegenheiten sind zwar nicht einklagbar, werden sie jedoch vom Versicherungsnehmer schuldhaft verletzt, kann es sein, dass der Versicherer keine Versicherungsleistung erbringen muss. Die Obliegenheiten unterscheiden sich je nach Art der Versicherung erheblich. Sie können darin bestehen, dass der Versicherungsnehmer nach Eintritt des Versicherungsfalls zumutbare Maßnahmen zur Vermeidung von Folgeschäden ergreifen muss, können aber auch nur darin bestehen, den Versicherer innerhalb einer bestimmten Frist über den eingetretenen Versicherungsfall zu informieren.
Die vertragliche Hauptleistung des Versicherers ist die so genannte Gefahr- oder Risikotragung, dass heißt im Schadensfall die vereinbarte Leistung zu erbringen. Der Versicherer hat nur eine Obliegenheit zu erfüllen. Bei der vorvertraglichen Anzeigepflichtverletzung obliegt es dem Versicherer die eingereichten Unterlagen auch zu prüfen und bei Bedarf Rückfragen zu stellen.
Der Versicherungsnehmer hat die vereinbarte Prämie zu leisten, eine verspätete Leistung kann den Versicherungsschutz für während des Verzugs eintretende Versicherungsfälle beeinträchtigen oder die Unwirksamkeit des Vertrages nach sich ziehen.
Beendigung von Versicherungsverträgen
Versicherungsverträge sind regelmäßig auf eine bestimmte Zeit abgeschlossen. Beträgt die vereinbarte Dauer mehr als ein Kalenderjahr, verlängert sich der Versicherungsvertrag automatisch um ein weiteres Jahr, wenn er nicht vor Ablauf von einer der Seiten gekündigt wird. Damit soll der Versicherungsnehmer vor unvorhersehbaren Deckungslücken geschützt werden.
Kündigungsrechte stehen beiden Vertragsparteien aus gesetzlich geregelten Fällen zu: Prämienverzug des Kunden, unberechtigte Leistungsverweigerung des Versicherers und Leistungsfall sind die häufigsten; in der privaten Krankenversicherung verzichtet der Versicherer auf das außerordentliche Kündigungsrecht im Leistungsfall.
Besonders bei Lebens- und Rentenversicherungen werden die entstehenden Abschlusskosten (z.B. für die Vermittlung des Vertrages) häufig "gezillmert". Das bedeutet, dass diese Kosten rechnerisch auf die ersten Jahre der Laufzeit verteilt werden. Dies führt dazu, dass der Rückkaufswert einer Lebens- oder Rentenversicherung in den ersten Jahren trotz Einzahlung in den Vertrag sehr gering oder sogar Null sein kann, da die gezahlten Beiträge Anfangs nur zur Deckung dieser Kosten herangezogen werden.
Versicherungsvertragsarten
Die Versicherungsvertragsarten werden je nach Land auch anders genannt, zum Beispiel "Branchen", "Versicherungszweige" oder "Sparten".
- Lebensversicherung
- Risikolebensversicherung
- Kapitallebensversicherung
- fondsgebundene Kapitallebensversicherung
- Rentenversicherung
- fondsgebundene Rentenversicherung
- Krankenversicherung
- gesetzliche Krankenversicherung
- private Ergänzungstarife zur gesetzlichen KV
- private Krankenversicherung
- Dread-Disease-Versicherung (schwere Krankheiten)
- Reiseversicherung
- Reisestornoversicherung
- Reisemittelversäumnisversicherung
- Reisegepäckversicherung
- Reiseunfallversicherung
- Reisekrankenversicherung
- Reiserücktransportversicherung
- Reiseprivathaftpflichtversicherung
- Reiseassistenzversicherung
- Berufsunfähigkeit
- Haftpflichtversicherung
- Kfz-Haftpflichtversicherung
- Privathaftpflichtversicherung
- Tierhalterhaftpflichtversicherung
- Betriebshaftpflichtversicherung (General Liability, GL) und Berufshaftpflichtversicherung (Professional Indemnity, PI)
- Produkthaftpflichtversicherung
- Bauherrenhaftpflichtversicherung
- Vermögensschadenhaftpflichtversicherung für Manager (D&O Versicherung)
- Vermögensschadenhaftpflichtversicherung für Stiftungsräte von Pensionskassen
- EPLI (Employers Practice Liability Versicherung)
- Sachversicherung
- Hausratversicherung
- Gebäudeversicherung
- Gewerbeversicherung, Schweiz: Geschäftsversicherung
- Bauwesenversicherung
- Maschinenkasko- und Maschinenbruchversicherung
- Montageversicherung
- spezielle Erdbebenversicherung
- spezielle Hagelschadenversicherung für Obstkulturen
- Betriebsunterbrechungsversicherung
- Rechtsschutzversicherung
- Kfz-Versicherung
- Unfallversicherung
- Pflegeversicherung
- Tierhalterversicherung
- Kreditversicherung
- Vertrauensschadenversicherung (auch Crime genannt)
- Kidnap&Ransom (Entführung und Lösegeld)
- Versicherung gegen die finanziellen Folgen von Führerausweisentzug
- Private Arbeitslosenversicherung
siehe auch: Abonnentenversicherung
Weblinks
- [http://www.versicherung.de/ Informationsportal rund um Versicherungen]
- Informationen rund um die verschiedenen Versicherungsarten mit vielen Downloads
- Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft
- hat unter anderem ein [http://www.gdv.de/von_a_bis_z/index.html Stichwortverzeichnis] vieler Versicherungsbegriffe veröffentlicht
- Der [http://www.vvo.at Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs] bietet einen Überblick und Informationen zur Branche in Österreich
- [http://www.vvw.de/vvw/indexall.asp?breite=1024 Verlag Versicherungswirtschaft]
- i.d.R. sehr gute und fundierte Publikationen zu allen Versicherungsthemen und -sparten
- [http://www.vw.fh-koeln.de/service/vers_internet/ Linkliste des Fachbereichs Versicherungswesen der FH Köln]
- Zusammenfassung verschiedener privater Versicherungen
- [http://www.versicherungsombudsmann.de Homepage des Vereins Versicherungsombudsmann e. V.]
- Als kostenlose, unabhängige Schlichtungsstelle bereinigen diese Streitigkeiten schnell und unbürokratisch.
- [http://www.pkv-ombudsmann.de/ Homepage des PKV-Ombudsmanns.]
- Kostenlose, unabhängige Schlichtungsstelle für den Bereich der privaten Kranken- und Pflegeversicherung.
- [http://www.bundderversicherten.de/ Bund der Versicherten e. V.]
- unabhängiger Verein zur Versicherungsberatung
- [http://www.fwdienste.de/ umfangreicher Ratgeber zu den privaten Versicherungsarten]
ja:保険
MarketingMarketing (von engl. marketing: Vermarktung, Öffentlichkeitsarbeit oder Vertriebwesen) bietet einer Organisation einen systematischen Ansatz, um ihre Entscheidungen markt- und kundenorientiert treffen zu können. Marketing (auch: Unternehmensführung aus der Sicht des Kunden) ist eine Funktion der Betriebswirtschaft mit Stabscharakter. Umgangssprachlich wird Marketing eingeschränkt auf werbliche oder verkäuferische Tätigkeiten.
Vielfalt der Marketing-Definitionen
Im Jahr 1968 definiert die „American Marketing Association“ (AMA) Marketing wie folgt: „Der Planungsprozess der
- Konzeption,
- Preispolitik,
- Promotion und
- Distribution
von Produkten und Dienstleistungen, um Austauschprozesse zu erreichen, die individuelle und organisationale Ziele erfüllen.“
Diese Definition hat Eingang in die Allgemeine Lehrmeinung gefunden. Marketing ist also nicht nur ein anderer Begriff für Werbung oder Verkauf.
Eine ältere Definition beschreibt Marketing als einen Prozess im Wirtschafts- und Sozialgefüge, durch den Einzelpersonen und Gruppen ihre Bedürfnisse und Wünsche befriedigen, indem sie Produkte und andere Dinge von Wert erzeugen, anbieten und miteinander austauschen (vgl. älterer Absatzbegriff von Gutenberg).
Nach Orbis Wirtschaftslexikon 1989: „Alle Maßnahmen einer Unternehmung, die darauf ausgerichtet sind, den Absatz zu fördern.“ Diese ältere Verkürzung ist insofern auch heute noch zutreffend, als die Elemente des Marketing dem Unternehmen dazu dienen, eine erfolgreiche Teilnahme am Marktgeschehen durch die Erreichung der Unternehmensziele zu realisieren. Auch Philip Kotler, ein bedeutender US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, definiert Marketing ähnlich: „Bedürfnisse profitabel zu befriedigen.“
Heribert Meffert und Klaus Backhaus, zwei Wirtschaftswissenschaftler mit eher ganzheitlichem Ansatz und starkem Bezug zum Investitionsgütermarkt, fassen Marketing weiter. Meffert greift besonders die unternehmensweite Funktion des Marketing auf und definiert: „Die bewusst marktorientierte Führung des gesamten Unternehmens, die sich in Planung, Koordination und Kontrolle aller auf die aktuellen und potenziellen Märkte ausgerichteten Unternehmensaktivitäten niederschlägt.“ Hiermit ist insbesondere die Motivation nicht nur der kundennahen Wertschöpfungsbereiche zur überzeugenden Leistung gemeint. In einem Unternehmen sollte sich jeder Mitarbeiter darüber bewusst sein, welchen Anteil er persönlich für die Zufriedenheit oder gar die Begeisterung des Kunden (siehe auch: Empfehlungsmarketing) beitragen kann.
In neueren Publikationen wird Marketing als Management komparativer Konkurrenzvorteile unter Nutzung der Marketinginstrumente verstanden. Unter komparativen Konkurrenzvorteilen (KKVs) versteht man Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz, welche aus Kundensicht wichtig und wahrnehmbar sind und aus Unternehmersicht dauerhaft und ökonomisch sinnvoll realisiert werden müssen.
In einem umfassenden Sinne versteht man unter Marketing die marktorientierte Verwirklichung von Unternehmenszielen unter Einbeziehung von Erkenntnissen der Soziologie, Psychologie und Verhaltenswissenschaft.
Marketingthemen im Überblick
komparativer Konkurrenzvorteile
Klassischer Marketing-Mix der American Marketing Association
- Produkt- bzw. Leistungspolitik
- Preispolitik / Kontrahierungspolitik
- Kommunikationspolitik
- Distributionspolitik (Vertrieb, Logistik)
Geläufige Erweiterung um wichtige benachbarte Funktionen
- Marktforschung und Meinungsforschung
- Balanced Scorecard
- Qualitätsmanagement
- Controlling
- Brand Management
Marketingausrichtungen
- Konsumgütermarketing (B-to-C)
- Investitionsgütermarketing (B-to-B)
- Dienstleistungsmarketing
- Beteiligungsmarketing
- Marketing nach innen
- Non-Profit Marketing
- History marketing
Operative Marketingziele sind z.B.:
- Umsatz / Absatzmenge
- Erhöhung des Deckungsbeitrags
- Marktanteil / Bekanntheitsgrad
- Imagepositionierung
- Branding (Markenführung)
Historische Entwicklung
Der Begriff „Marketing“ wurde erstmalig zwischen 1905 und 1920 an US-amerikanischen Universitäten verwendet.
In Deutschland sprachen die Fachleute jedoch bis in die 1960er Jahre von „Absatzwirtschaft“. Verkauf und Werbung stehen im Mittelpunkt des absatzpolitischen Instrumentariums.
Eine Ausnahme bildet die Untersuchung von Stackelbergs aus dem Jahre 1939: Im Gegensatz zur damals vorherrschenden Preistheorie, welche von Preis und Menge als alleinige Aktionsparameter von Unternehmungen ausgeht, berücksichtigte von Stackelberg erstmalig Qualitätsvariationen und Vertriebspolitik.
Die Einführung des heutigen Marketingbegriffes wurde vom Wandel der Absatzmärkte begleitet, weg vom Verkäufermarkt, in dem der Verkäufer aufgrund des Mangels an Gütern und Dienstleistungen Preise und Konditionen weitgehend bestimmen kann, hin zu einem Käufermarkt, in dem die Vielzahl an Wettbewerben immer mehr Kunden die Wahl ermöglicht, ob sie das Angebot überhaupt annehmen.
Die Geburtsstunde des Marketings war in Deutschland durch die Erfindung des Backpulvers durch Dr. Oetker. Durch Arbeitserleichterung, in Verbindung mit dem Einsatz von Massenwerbung, wurde dem Kunden erstmals ein Produkt angeboten, das er so noch nicht brauchte. Da die Weiterentwicklung durch Erfindungen neuer Produktvarianten immer weiter vorranschritt, reicht der Erfolg des Angebots bis in die Gegenwart hinein.
Der Wandel auf dem Marketing-Sektor findet seit etwa 2002 statt, er wurde durch die Suchmaschinen-Portale eingeleitet. Mit einer bisher nicht gekannten Einfachheit und Effizienz können sich Verkäufer und Käufer finden. Beispiele dafür liefern Google mit AdWords und AdSense und Yahoo mit Overture.
Marketingziele
Die Marketing-Konzeption ist ein in sich geschlossener Gesamtplan und stellt einen Kernbereich der Führung eines Unternehmens oder einer Organisation dar. Sie umfasst Marketing-Ziele, Marketing-Strategien und die operative Umsetzung in konkrete Marketing-Maßnahmen im Marketing-Mix sowie die Erfolgskontrolle. Da ein Käufermarkt, der durch teilweise extreme Markttransparenz gekennzeichnet ist (Stichwort: zum Wettbewerb „googeln“), entweder sehr umfassende oder ausgesprochen spezialisierte Vorgehensweisen (siehe Marktsegmentierung) erfordert, haben sich in der Vergangenheit verschiedene Entwicklungen unabhängig voneinander abgezeichnet.
Strategische Marketingziele im Portfolio-Marketing können sein: (Entweder horizontale/vertikale Diversifikation oder Spezialisierung)
- Beispiele für Marktdurchdringung (Penetration):
- Erhöhung der Produktverwendung und Markentreue bei bestehenden Kunden durch Cross Selling.
- Gewinnung bisheriger Nichtverwender
- Gewinnung neuer Kunden von Mitbewerbern
- Beispiele für Marktentwicklung (Abschöpfung):
- Erschließung zusätzlicher, räumlicher Absatzgebiete
- Eindringen in andere Verwendungsbereiche
- Orientierung an neuen Zielgruppen.
Daraus ergeben sich Unterziele, beispielsweise in den Bereichen Platzierung, Qualität, Regalfläche, Inhalt der Handelswerbung und der Kundenwerbung etc. Eine Zielformulierung könnte lauten: „Wir wollen unseren Marktanteil im Hochbau der Bundesrepublik im nächsten Jahr von 3 auf 5 Prozent steigern“ oder „wir planen die Außendienstkosten in Berlin innerhalb der nächsten 6 Monate um 25 Prozent zu senken.“
Neben den reinen Ergebniszielen, wie Art und Menge der verkauften Produkte oder die damit verbundenen Kosten, sind auch qualitative oder informelle Prozessziele zu beachten. Ein wichtiges Kriterium für gute Zielformulierung ist die Nachhaltbarkeit der Zielerfüllung: i. A. sind nur auf irgendeine Art quantifizierbare Größen sinnvoll. Völlig ungeeignet sind unscharfe Prozessziele wie z. B. „Wir wollen die Zufriedenheit unserer Kunden im nächsten Jahr steigern.“
Auch ein Prozessziel kann exakt formuliert werden:
„Wir wollen die Produktqualität im Bereich schnell drehender Konsumgüter im nächsten Geschäftsjahr mit Hilfe einer neu eingerichteten Einzelhändlerhotline so weit steigern, dass wir einen Kunden-Reklamationsstand von unter 5 % erreichen. Dazu ist ein Budget von 100.000,- € p.a. unter der Leitung von Dr. Mayermüller mit Sitz in Hannover vorgesehen. Die Ergebnisse sind der Fachabteilung Marktkommunikation quartalsweise zur Verfügung zu stellen.“
Ziele im Marketing sind also als ebenso detailliert zu formulieren wie in jedem technischen Führungsbereich oder Militärbereich, aus dem sich z.B. die Distributionslogistik ursprünglich ableitet.
CI Corporate Identity, Unternehmensidentität (mit den drei Teilaspekten Corporate Communication, Design und Behaviour) bedeutet einheitliches, prägnantes Erscheinungsbild des Unternehmens mit Außen- und Innenwirkung.
Innenwirkung:
- Die Mitarbeiter identifizieren sich mit ihrem Unternehmen. Es entsteht ein Wir-Gefühl: der Mitarbeiter von VW fährt idealerweise selbst z. B. einen Golf und keinen Ford Focus.
Außenwirkung:
- Das Unternehmen wird nach außen einheitlich präsentiert. Dazu gehören operativ die Geschäftsausstattung mit Logo, Farbgebung, Schrifttypografie und Layoutvorgaben (Corporate Design), aber auch eine strategisch als geschlossen wahrnehmbare Kommunikationspolitik, mit der die anderen Elemente des Marketing-Mix den Marktteilnehmern zugänglich gemacht werden.
Die kommunizierte Zusammengehörigkeit (Corporate Behaviour: im Zusammenhang mit den anderen Bestandteilen des CI eine schlüssige und widerspruchsfreie Ausrichtung der Verhaltensweisen einer Organisation nach innen und aussen) führt zu einer eindeutigen und unverwechselbaren Marktpräsenz. Wenn die CI stimmig ist, erscheint das Unternehmen glaubwürdiger.
Siehe hierzu eigenständige Artikel Werbung und Kommunikationspolitik mit ihren Unterartikeln.
Modebegriffe
In der Unternehmensführung und davon ausgehend für das Marketing entwickeln sich ständig neue Moden mit immer neuen Wortschöpfungen. Für diese neuen Begriffe wurde häufig Markenschutz beantragt, was verdeutlicht, dass es sich hierbei weniger um die Weiterentwicklung einer Wissenschaft, sondern oft um Werbebegriffe imagebewusster Unternehmensberater handelt, mit denen Kunden geworben werden sollen. Diese Marketingmoden sind dadurch gekennzeichnet, dass sie häufig genauso schnell wieder verschwinden wie sie gekommen sind.
Andere Strömungen werden von benachbarten Disziplinen aufgegriffen und beeinflusst, wie z. B. im Fall des Qualitätsmanagements, des Category Managements oder des Guerilla-Marketing, welches das betriebswirtschaftliche Denken der kleinen und mittleren Unternehmen berücksichtigt. Für Betriebe, die sich keine wissenschaftliche Unternehmensführung erlauben können, sind die komplexen Modelle der Marketingtheorie oft unverständlich.
Scheinbar revolutionäre Ansätze wie „Das Ende der Kundenbindung“ oder „Abschied vom Verkaufen“ dienen dabei sowohl der Wertschöpfung durch Beratung, als auch der Provokation zur Veränderung. Die Sichtweise des „Kaizen“ in Japan wird hingegen kaum vermarktet, in Europa jedoch unter dem Begriff Kontinuierlicher Verbesserungsprozess vermittelt. Diese Einflüsse wirken inzwischen auch im westlichen Wirtschaftsraum.
Vor diesem Hintergrund ist die angelsächsische Zurückhaltung, vor allem von Naturwissenschaftlern bei nicht wissenschaftlichen Denkanstößen, mit denen natürlich auch Geld verdient werden soll, oft nicht nachzuvollziehen. Besonders aktuelle Beispiele sind Clienting, Guerilla-Marketing, Virales Marketing sowie Low-Budget-Marketing. So haben die von Edgar Geffroy in den Neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts propagierten Ansätze zu wesentlich intensiverem Kundenbeziehungsmanagement und der strategischen Nutzung des Internet als Absatzkanal sich heute in vielen Unternehmen bereits etabliert. Ein entsprechendes Geschäftskonzept für das Internet haben die Unternehmensberater John Hagel III und Marc Singer eingeführt: Ein Infomediär vermarktet im Auftrag der Kunden deren Daten an interessierte Unternehmen und ermöglicht den Anbietern die Realisierung personalisierter Marketingmaßnahmen.
- Das Low-Budget-Marketing kurz: Lowbudgetmarketing ist die Analyse des Wirtschafts- und Sozialgefüges von Nonprofit-Organisationen und mittelständischen Unternehmen sowie die Gestaltung der darin stattfindenden Prozesse. Charakteristisch für das Lowbudgetmarketing sind die vom Budget bestimmten Maßnahmen mit dem Zweck, Zielgruppen möglichst effizient zu erreichen, zu beeinflussen und zu einer Austauschbeziehung zu bewegen. Dieser Austausch von Produkten, Leistungen, Geld und anderen Dingen von Wert dient der beidseitigen Bedürfnisbefriedigung.
Weitere Modebegriffe im Marketing:
- Destinationsmarketing
- Yield-Marketing
- Cross-Marketing
Bekannte Marketing-Professoren
- Klaus Backhaus
- Christian Belz
- Manfred Bruhn
- Christian Gündling
- Wolfgang Hilke
- Christian Homburg
- Philip Kotler
- Heribert Meffert
- Werner Reinartz
- Volker Trommsdorff
- Jürgen Weber
- Bernd Erichson
- Torsten Czenskowsky
Siehe auch
- Portal:Verhandlung und Verkauf
- Sex sells
- relaunch
Literatur
- Bruhn, Manfred / Homburg, Christian: Gabler Lexikon Marketing, Gabler Verlag 2. Aufl. 2004. XXIV, 924 S., Geb.
- Geml, Richard/Lauer, Hermann: Das kleine Marketing-Lexikon, 3. Aufl., Düsseldorf 2004, 488 Seiten
- Esch, Franz-Rudolf: Moderne Markenführung, Grundlagen - Innovative Ansätze - Praktische Umsetzungen
Gabler Verlag 4., vollst. überarb. u. erw. Aufl. 2005. XXIV, 1537 S. Mit 403 Abb., Geb.
- Homburg, Christian / Krohmer, Harley: Marketingmanagement, Strategie - Instrumente - Umsetzung - Unternehmensführung
2003. XX, 1128 S. , Gabler Verlag 2003.
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- Nieschlag, Robert/Dichtl, Erwin/Hörschgen, Hans: Marketing. Duncker & Humblot, 19. Aufl. 2002, 1349 Seiten
- Jablonski, Malte: Low-Budget-Marketing. Strategien und Kampagnen für Verein und Mittelstand, Verlag Dr.Müller, 1. Aufl., 2005, 180 Seiten, www.marktmann.de
- Dettmann, Joachim; Holewa, Michael: Vertrauen - oder das Wunder der Loyalität. Unternehmenskultur als Marketing-Strategie. Berlin 2006, ISBN 3-937684-03-4, www.efb-consulting.de
Weblinks
- [http://www.markenlexikon.com/glossar.html Markenlexikon]
- [http://www.checkliste.de/unternehmen/marketing-und-vertrieb/index.htm Checklisten-Sammlung zu Marketing und Vertrieb]
-
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Logistik
Der Begriff Logistik umfasst alle Zwischenschritte der Fertigung. Sie umfasst alle Aktivitäten zur physischen Raum- und Zeitüberbrückung von Gütern und Personen, einschließlich deren Umgruppierung.
Konkreter wird Logistik definiert als integrierte Planung, Organisation, Steuerung, Abwicklung und Kontrolle des gesamten Material- und Warenflusses mit den damit verbundenen Informationsflüssen, beginnend beim Lieferanten, durch die (eigenen) betrieblichen Wertschöpfungsstufen (z.B. Produktions- und/oder Distributionsstufen), bis zur Auslieferung der Produkte beim Kunden, inklusive der Abfallentsorgung und des Recyclings.
Eine mögliche Definition des Begriffs Logistik ist die der Anwendung der sechs R: Die richtige Menge der richtigen Güter zur richtigen Zeit in der richtigen Qualität zu den richtigen Kosten am richtigen Ort. Häufig wird auch noch ein siebtes R in diese Aufzählung mit aufgenommen: mit der richtigen Information für alle Beteiligten. Insbesondere in der "just in time " Produktion, wie sie heute üblich ist, spielt die Informationsbearbeitung eine grosse Rolle.
Geschichte
Der byzantinische Kaiser Leontos VI (886 - 911 n. Chr.) verfasste ca.900 n. Chr. die erste, heute bekannte Definition der (militärischen) Logistik im Rahmen seines Werkes "Summarische Auseinandersetzung der Kriegskunst", das unter der Bezeichnung der "Leoninischen militärischen Institute" bekannt geworden ist.
Im Einzelnen schreibt er etwa:"Sache der Logistik ist es, das Heer zu besolden, sachgemäß zu bewaffnen und zu gliedern, es mit Geschütz und Kriegsgerät auszustatten, rechtzeitig und hinlänglich für seine Bedürfnisse zu sorgen und jeden Akt des Feldzugs entsprechend vorzubereiten, d.h. Raum und Zeit zu berechnen, das Gelände in Bezug auf die Heeresbewegungen sowie des Gegners Widerstandskraft richtig zu schätzen und diesen Funktionen gemäß die Bewegung und Verteilung der eigenen Streitkräfte zu regeln und anzuordnen, mit einem Wort zu disponieren.“
Ursprünglich als Hauptfunktion der Materialwirtschaft verstanden, wird Logistik heute v. a. als flussorientierte betriebliche Querschnittsfunktion über die Bereiche Beschaffung, betriebliche Leistungserstellung (Produktion i. w. S.) und Absatz gesehen.
Sah man früher die Logistik vor allem als Rationalisierungsinstrument und Servicefunktion zur Kostenminimierung an, so hat man im Zeitverlauf zunehmend die Logistik als Wettbewerbsinstrument und Gestaltungsfunktion zur Gewinnmaximierung erkannt.
Teilbereiche
Absatz, Produktions- und Absatzlogistik]]
Man untergliedert die Logistik i. e. S. horizontal oftmals in die vier phasenspezifischen Subsysteme:
#Beschaffungslogistik (vom Lieferant ins Eingangslager)
#Produktionslogistik (Material- & Warenwirtschaft, Verwaltung von Halbfabrikaten in Zwischenlägern, z.T. auch Fertigungswirtschaft)
#Distributionslogistik (Absatzlogistik) (vom Vertriebslager zum Kunden)
#Entsorgungslogistik (Reverselogistik) (Rücknahme von Abfällen, Leergut, Recycling aber auch Retourware)
Im Rahmen der Distributionslogistik wird auch von Marketinglogistik gesprochen.
Die Personallogistik ist hingegen Kernaufgabe der Personalabteilung (Personaleinsatzplanung).
Durch moderne Konzeptionen wie Efficient Consumer Response (ECR), Supply Chain Management (SCM), Category Management (CM) und Technologien wie beispielsweise Electronic Data Interchange (EDI) kann Logistik effizienter gestaltet werden. Beispiele sind JIT-Belieferung und Kanban.
Nach Art der Tätigkeit wird auch zwischen Lagerlogistik (Lagerwesen), Verpackungslogistik und Transportlogistik unterschieden. Häufig taucht in diesem Zusammenhang auch der Begriff Intralogistik auf, der i.d.R. die kompletten logistischen Vorgänge an einem Standort übergreifend zusammenfasst und je nach Betrieb eine Kombination aus Produktionslogistik, Lagerlogistik und Verpackungslogistik darstellt.
Aufgaben
In den Ursprüngen umfasst die Logistik die klassischen TUL-Prozesse Transport, Umschlag, Lagerung.
Eine der wichtigsten Aufgaben der Logistik ist der Transport. Logistik ist verantwortlich für den Transport vom Hersteller zum Unternehmen, den innerbetrieblichen Transport, sowie den Transport zum Kunden. Sie ist damit stark abhängig von einer ausgebauten und effizienten Verkehrsinfrastruktur.
Weitere Funktionsbereiche sind:
- Warenprüfung und Handhabung
- Lagerung und Kommissionierung
- Verpackungen
- Steuerung und Planung der Produktionsabläufe
- Koordination der Prozessdurchführung
Spezialaufgaben der Logistik sind z.B. die Sicherung der Güter während der Lagerung und während des Transportes, dies nicht nur bei wertvollen Gütern wie Geldtransporte, sondern auch ganz besonders beim Gefahrgut.
Die Ziele der Logistik sind die Erbringung einer hochwertigen Leistung, Qualität und Kostensenkung. Hierbei entstehen Zielkonflikte. Beispielsweise wird ein hoher Lagerbestand zwar die Fehlmengenkosten vermindern sowie die Lieferbereitschaft erhöhen, jedoch steigen dadurch die Lagerhaltungskosten. Die Logistik-Kostenrechnung dient hierbei als Instrument zur Optimumsermittlung.
Empirie
Der Anteil der Logistik an den Gesamtkosten ist nicht unerheblich. Die meisten Kosten werden hierbei von Transport und Lager eingenommen. Logistikkosten sind jedoch branchenabhängig. Hohe Logistikkosten finden sich beispielsweise in der Konsumgüterindustrie. Ebenso sind die Logistikkosten vom volkswirtschaftlichem Entwicklungsgrad abhängig. So beträgt z.B. der Anteil der Logistikkosten am Bruttoinlandsprodukt bei Schwellenländern 20% (Industrieländer weniger als 5%). Häufig fehlt es bei der Ausgestaltung der Logistik noch an der Ausgestaltung von Anreizen (Personalführung).
Logistische Kette
Der logistische Kanal (der Weg vom Hersteller bis zum Endkunden) wird durch Schnittstellen miteinander verbunden, die Grenzen darstellen und den logistischen Fluss behindern. Das Ziel der logistischen Kette ist es, diese Schnittstellen in Nahtstellen zu transformieren, in dem sie durchgängig abgestimmt und Prozessabläufe systemübergreifend gesteuert werden. Dabei wird zwischen logistischen Schnittstellen erster bis dritter Ordnung unterschieden (gleiche Abteilung, gleiches Unternehmen, unternehmensübergreifend).
Die logistische Kette bringt u.a. folgende Vorteile:
- Durch das Zusammenfassen der Hauptprozessketten wird die Duplizierung logistischer Aktivitäten vermieden.
- Transporteinheiten werden aufeinander abgestimmt, wodurch der Umschlags- und Verpackungsaufwand vermindert wird.
- Die logistische Flussorientierung wird verwirklicht.
Siehe auch
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