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Meeraugspitze
Die Meeraugspitze (slowakisch und polnisch Rysy) liegt in der Hohen Tatra und ist mit 2.499 m der höchste Berg Polens. Prominente Besucher waren u.a. Papst Johannes Paul II. und Wladimir Iljitsch Lenin .
Kategorie:Berg in Polen
Kategorie:Berg in der Slowakei
Kategorie:Zweitausender
Slowakische Sprache
Slowakisch (slowakisch slovenčina) wird von etwa 5 Millionen Slowaken in der Slowakei und etwa einer Million Auswanderer in Nordamerika gesprochen. Kleinere Sprachgruppen gibt es heute noch in Ungarn, Rumänien, Serbien, Tschechien, Kanada und den USA. Seit dem 1. Mai 2004 ist es eine der Amtssprachen der Europäischen Union.
Slowakisch gehört – ebenso wie Tschechisch, Polnisch, Kaschubisch und Sorbisch – zu den westslawischen Sprachen.
Slowaken und Tschechen verstehen sich relativ problemlos, allerdings tun sich jüngere Tschechen, die nach der Trennung der Slowakei und Tschechien sprachlich sozialisiert worden sind, schon deutlich schwerer.
Geschichte
Das Slowakische entstand im 10. Jahrhundert nach dem Untergang des Großmährischen Reiches aus der Sprache der slověne (ausgesprochen etwa [slowäne](offenes e) oder [slowene] (mittleres e)), das heißt der Bevölkerung dieses Reichs (siehe unter Slawen), in Form von mehreren Dialekten. Vom 10. bis zum 19. Jahrhundert wurde im Königreich Ungarn (dessen Bestandteil die Slowakei im 11. Jahrhundert geworden war) als Amts- und Literatursprache vorwiegend Latein verwendet. Außerdem wurde zum Teil Deutsch und Ungarisch verwendet. Daneben begann vor allem das Bürgertum der Slowakei im 13. und 14. Jahrhundert, die eigene Sprache als (parallele) Amtssprache zu verwenden, wobei man allerdings schon bald (am Ende des 14. Jahrhunderts) dazu überging, in dieser Funktion und später auch als Literatursprache das Tschechische einzusetzen. Die Gründe hierfür waren anfangs vor allem, dass es sich um eine bereits "fertige" Schriftsprache eines verwandten Landes mit einer berühmten Universität in Prag handelte, im 15. Jahrhundert auch der Einfluss tschechischer Hussiten in der Slowakei und später auch der Einfluss tschechischer protestantischer Emigranten in der Slowakei. Die tschechischen Texte wurden aber sehr oft (bewusst oder unbewusst) mit slowakischen Elementen versehen (so genanntes slowakisiertes Tschechisch, siehe auch Žilina). Im mündlichen Gebrauch wurden natürlich weiterhin die jeweiligen slowakischen Dialekte verwendet.
Obwohl es schon im 16. Jahrhundert Versuche gab, eine slowakische Schriftsprache zu etablieren, wurde die erste richtige Schriftsprache erst 1787 von Anton Bernolák auf der Grundlage des westslowakischen Dialekts aus der Umgebung von Trnava festgelegt. Die heutige slowakische Schriftsprache wurde in den 1840er Jahren des 19. Jahrhunderts von Ľudovít Štúr auf der Basis eines mittelslowakischen Dialektes festgelegt (siehe Nationale Wiedergeburt der Slowaken). Die Tatsache, dass die Sprache erst so relativ spät kodifiziert wurde, ist verantwortlich dafür, dass das slowakische Formensystem einfacher ist als das tschechische.
Seit dem 1. Mai 2004 ist Slowakisch eine der Amtssprachen in der EU.
Grammatik
Slowakisch ist eine stark flektierende Sprache mit sechs grammatischen Fällen.
Hauptartikel Slowakische Grammatik
Aussprache
Grundregeln:
- Im Slowakischen wird grundsätzlich die erste Silbe betont.
- Die mit dem so genannten "Dĺžeň" (=Verlängerungszeichen) gekennzeichneten Buchstaben (á, é, í, ý, ó, ú, ŕ, ĺ) werden lang ausgesprochen. Die beiden seltenen Konsonanten ŕ, ĺ sind dabei deutlich lang auszusprechen. Lange und betonte Silben fallen nicht notwendigerweise zusammen, das heißt es gibt auch unbetonte Längen.
- Die mit dem so genannten "Mäkčeň" (=Weichheitszeichen) gekennzeichneten Buchstaben (ť, ď, ľ) werden weich ausgesprochen, das heißt in der Regel mit einem Anklang an ein j hinter dem Konsonanten artikuliert. Ferner werden mit diesem diakritischen Zeichen Zischlaute bezeichnet (š, č, ž, ň, dž).
: Vor e und i werden d/t/n/l weich ausgesprochen, das heißt mit einem Anklang an ein j hinter dem Konsonanten artikuliert. Die Zunge geht dabei zum vorderen Gaumen. Von dieser Regel gibt es eine Reihe von Ausnahmen, vor allem in Fremdwörtern (zum Beispiel wird das Wort telefón wie auf Deutsch ausgesprochen), aber auch in einer kleineren Gruppe einheimischer Wörter wie teraz "jetzt".
Die meisten Buchstaben werden ausgesprochen wie im Deutschen. Anders gesprochen werden (zum Teil aufgrund der vorstehend genannten Grundregeln):
Noch zu beachten:
- die Vokale "e" und "o" sind im Gegensatz zum Deutschen immer etwa halboffen
- v wird am Ende der Silbe wie ein bilabiales u [u̯] ausgesprochen, zum Beispiel dievča [djiieu̯ča]
- Beachte: h wird immer ausgesprochen (nicht wie gähnen) und nähert sich im Auslaut an das ch, welches als eigener Buchstabe im Alphabet hinter dem h steht; ck = c + k (nicht wie Hacke); sch = s + ch (nicht wie Schule); sp = s + p (nicht wie speziell); st = s + t (nicht wie Stunde); eu = e + u (nicht wie Europa)
Die rhythmische Kürzung
Die als "rhythmische Kürzung" bekannte Regel ist für das Slowakische charakteristisch. Gemäß dieser Regel dürfen im Slowakischen zwei lange Silben nicht aufeinander folgen. Wenn zwei lange Silben aufeinderfolgen sollten, wird meistens die zweite gekürzt, zum Beispiel:
- krátky - normalerweise würde das "y" auch ein mit Dĺžeň geschrieben werden (Adjektivendung -ký), also "krátký", was aber durch die rhythmische Kürzung vermieden wird, denn "krá" ist schon eine lange Silbe
- biely - hier ist "bie" schon eine lange Silbe (-ie- ist nämlich ein Diphthong), somit kommt bei "y" kein Dĺžeň vor
- und so weiter.
Es gibt allerdings auch eine Reihe von Ausnahmen, so etwa die Possessivadjektive auf -í (z.B. vtáčí / vtačí "zum Vogel gehörig"), Substantive mit den Suffixen -ie (z.B. prútie "Reisig") u.a.m., außerdem wird die Endung der 3. Person Plural auf -ia nie gekürzt. Die Menge der Ausnahmen nimmt jedoch im Alltagsgebrauch und entsprechend bei jeder Neukodifizierung der Sprache ständig ab. So hieß es z.B. noch vor 15 Jahren píšúci (schreibend), mliekáreň (Molkerei), kamzíčí (zur Gemse gehörend), seit etwa 1997 jedoch bereits píšuci, mliekareň, kamzičí usw.
Dialekte
Das gesprochene Slowakisch zerfällt in zahlreiche Dialekte. Diese lassen sich jedoch in 3 Hauptgruppen unterteilen:
- Ostslowakische Dialekte in den Regionen Spiš (deutsch Zips), Šariš (deutsch Scharosch), Zemplín (deutsch Semplin) und Abov (deutsch Abaujwar oder Neuburg),
- Mittelslowakische Dialekte in den Regionen Liptov (deutsch Liptau), Orava (deutsch Arwa), Turiec (deutsch Turz), Tekov (deutsch Barsch), Hont, Novohrad (deutsch Neuburg oder Neograd), Gemer (deutsch auch Gömör) und des historischen Komitats Zvolen (deutsch Altsohl)
- Westslowakische Dialekte in der Region Kysuce und den Komitaten Bratislava (deutsch Preßburg), Esztergom (deutsch Gran), Komárno (deutsch Komorn), Nitra (deutsch Neutra), Trenčín (deutsch Trentschin).
Für eine genauere Beschreibung der Regionen siehe Liste traditioneller Regionen der Slowakei.
Unterschiede zum Tschechischen
Lautsystem
Das Slowakische und das Tschechische unterscheiden sich vor allem durch einige lautliche Entwicklungen. Eigene slowakische Laute, die es im Tschechischen nicht gibt, und die teilweise auch graphisch anders dargestellt werden, sind das ä, die Diphthonge ia/ie/iu und ô, das dz, das dž, sowie das ľ (zur Aussprache dieser Laute siehe unten). Wie im Tschechischen können l und r als Vokale auftreten, im Slowakischen gibt es dazu noch einen Unterschied zwischen langem und kurzem r oder l. (tschech.: vrba [vrba], slowak.: vŕba [vr:ba], dt.: Weide).
Die Lautassimilierung sowie eine Art "liaison" bei der Aussprache ist (zumindest in der Schriftsprache) im Slowakischen viel deutlicher ausgeprägt als im Tschechischen.
Wortschatz
Der Wortschatz ist bis auf die lautlichen Differenzen zum großen Teil mit dem tschechischen identisch. Unterschiede betreffen im Wesentlichen die folgenden Bereiche:
a) Fremdwörter sind im Tschechischen oft bewusst durch eigene Bildungen ersetzt worden, im Slowakischen aber gebräuchlich (vergleiche Sekunde = ts. vteřina = sl. sekunda, Januar/Jänner = ts. leden = sl. január, ähnlich auch die anderen Monatsnamen, Grammatik = ts. mluvnice = sl. gramatika usw., dt. Flasche = ts. láhev = sl. fľaša;);
b) im Slowakischen gibt es eine kleine Zahl ungarischer Wörter, die im Tschechischen fehlen, vergleiche Nachricht = sl. chýr, ungar. hír, und Wörter der im Karpatenraum siedelnden Hirten, vergleiche Schafskäse = sl. bryndza (dies ist aus dem Rumänischen übernommen, wo es einfach Käse heißt);
c) gewisse Bereiche des Grundwortschatzes (zum Beispiel dt.sprechen = ts. mluvit = sl. hovoriť; dt.ja(wohl) = ts. jo = sl. hej, dt. falls, wenn = ts. jestli = sl. ak; dt. auf Wiedersehen = ts. nashledanou = sl. dovidenia).
Die Ähnlichkeiten gehen zum größeren Teil darauf zurück, dass das Tschechische vom 15. bis 18. Jahrhundert in weiten Teilen der Slowakei als Schriftsprache gebräuchlich war. Im 19. Jahrhundert entfernte sich die neue slowakische Schriftsprache (zum Teil auch bewusst) vom Tschechischen, in dieser Zeit wurden auch einzelne Wörter aus Dialekten in die Schriftsprache übernommen. Außerdem wurde vor allem in der Biologie eine eigene wissenschaftliche Terminologie gebildet. In der Zeit des gemeinsamen Staates Tschechoslowakei näherten sich die Sprachen wieder an. Von 1918 bis in die 1930er Jahre gingen die tschechoslowakischen Behörden von der Fiktion einer "tschechoslowakischen" Sprache aus, de facto wurde in dieser Zeit das Slowakische bewusst an das Tschechische herangeführt. Nachdem sich in den dreißiger Jahren deutlicher Widerstand gegen diese Politik gewandt hatte, wurde sie nach 1945 nicht wiederaufgenommen. Doch waren bis zum Ende der Tschechoslowakei terminologische Kommissionen bestrebt, den Fachwortschatz beider Sprachen möglichst ähnlich zu halten. Besonders großen Einfluss auf die heutige Ähnlichkeit des Wortschatzes der beiden Sprachen haben jedoch vor allem seit den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts tschechischsprachiges Fernsehen und Filme in der Slowakei.
Grammatik
Große Unterschiede bestehen hinsichtlich der Deklinations- und Konjugationsendungen in der Grammatik, die im allgemeinen im Slowakischen viel regelmäßiger und einfacher sind. Das Slowakische hat ursprünglich wie das Tschechische sieben grammatikalische Fälle besessen, aber während das Tschechische den Fall Vokativ (Fall für Anreden von Personen) aktiv verwendet, ist er im Slowakischen weitgehend außer Gebrauch gekommen. Er ist fast immer durch den Nominativ ersetzt, weicht aber in einigen Sonderfällen (meist alte Wörter wie zum Beispiel: syn -> synku, oder kmotor -> kmotre) ab. Schon seit einigen Jahren wird er nicht mehr in den Grammatiken aufgeführt.
Ein anderer Unterschied besteht darin, dass auf dem Gebiet der Slowakei zahlreiche, zum Teil sehr unterschiedliche Dialekte gesprochen werden, während die Bedeutung der Dialekte in Tschechien stark zurückgegangen ist.
Die slowakische Schrift und ihre diakritischen Zeichen
und so schreibt man sie im Web und in der Wikipedia:
siehe dazu auch unter Slowakische Sonderzeichen
Textsammlungen
Beim Free Translation Project liegen zahlreiche Übersetzungen (Englisch-Slowakisch) aus dem Bereich freier Software vor: http://www.iro.umontreal.ca/contrib/po/HTML/team-sk.html
Siehe auch: Sprache
Literatur
- Peter Rehder (Hrsg.): Einführung in die slavischen Sprachen, ISBN 3-534-06150-0
- Yvonne Tomenendal-Wollner: Slovenčina, ISBN 3-209-03181-9
Siehe auch
- [http://sk.wiktionary.org/wiki/Hlavná_stránka Slowakisches Wiki-Wörterbuch]
Weblinks
- [http://www.angelfire.com/sk3/quality/Slovak_declension.html Eine ausführliche Darstellung der slowakischen Deklination - auf Englisch]
- [http://kssj.juls.savba.sk/ Das slowakische Äquivalent des deutschen Duden - Universalwörterbuchs, 4. Auflage von 2003]
- [http://www.slovnik.sk/ Wörterbuch DE->SK, SK->DE, EN->SK, SK->EN]
- [http://korpus.juls.savba.sk/index.en.html Offizielles slowakisches Sprachkorpus (noch ziemlich neu; englisch)]
- [http://www.vykoupil.de/homeslowlit_beck_frame.htm Eine recht gute Darstellung der Geschichte der slowakischen Sprache]
- [http://www.bohemica.com/slovak/slovakgrammar.pdf Vereinfachte Übersicht der slowakischen Grammatik urspr. für die Peace Corps (slowakisch und englisch)]
- [http://www.eki.ee/letter/chardata.cgi?lang=sk+Slovak&script=latin alle notwendigen Details zur slowakischen Schrift, UniCode, HTML, Adobe, ISO, CodePage...]
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Kategorie:Einzelsprache
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Polnische Sprache
Die Polnische Sprache (Polnisch, poln. język polski) zählt zur lechitischen Gruppe der westslawischen Sprachen, einer Untergruppe der indogermanischen Sprachfamilie.
Sie ist eng verwandt mit dem Kaschubischen, dem Tschechischen, dem Slowakischen und dem Sorbischen (das von einer in Deutschland lebenden Minderheit gesprochen wird).
Polnisch ist die Landessprache Polens. Weltweit weist sie fast 46 Millionen Sprechern auf. Bedeutende polnische Minderheiten gibt es in Litauen, Weißrussland und der Ukraine. Zudem ist Polnisch die Muttersprache von etwa zehn Millionen Sprechern in den USA, ferner in Russland und den anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion, aber auch in Kanada, Deutschland und Frankreich.
Dialekte
Zu den polnischen Dialekten gehören Kleinpolnisch (Südostpolen mit Krakau), Schlesisch (im Südwesten), Masowisch (Nordostpolen mit Warschau) und Großpolnisch (im Norden und Westen). Das Kaschubische (im Norden) ist eine eigenständige westslawische Sprache, aber insbesondere in der polnischen Literatur auch als polnischer Dialekt zu finden. Das Góralische ist ein Übergangsdialekt vom Polnischen zum Slowakischen, der im äußersten Süden Kleinpolens und in Teilen des slowakischen Gebiets Orava gesprochen wird.
Geschichte
Die ältesten, heute bekannten polnischen Schriftzeugnisse sind Namen und Glossen in lateinischen Schriftstücken, insbesondere in der Bulle von Gnesen des Papstes Innozenz II. von 1136, in der fast 400 einzelne polnische Namen der Ortschaften und Personen auftauchen. Den ersten geschriebenen vollständigen Satz fand man dagegen in der Chronik des Zisterzienserklosters in Henryków bei Wrocław. Unter den Einträgen des Jahres 1270 lesen wir die Aufforderung eines Mannes zu seiner mahlenden Frau. "Daj, ać ja pobruszę, a ty poczywaj", was in der Übersetzung lautet: "Lass mich jetzt mahlen, und du ruh dich aus."
Zu den frühesten Denkmälern der polnischen Sprache gehören die "Bogurodzica" – die erste polnische Hymne, die "Heilig-Kreuz-Predigten", der "Florianer Psalter" und die "Gnesener Predigten". Später wurden auch religiöse Texte aus dem Lateinischen ins Polnische übertragen, beispielsweise der Psałterz Floriański ("Florianer Psalter") aus dem 14. Jahrhundert. Im 15. Jahrhundert wurde der zunächst bestehende Einfluss des Tschechischen zurückgedrängt, und das Schriftpolnische emanzipierte sich vom Lateinischen. Nachdem Polnisch bis zum 16. Jahrhundert überwiegend von Geistlichen geschrieben wurde, verbreitete es sich in der Folgezeit auch bei Adel und Bürgertum.
Die moderne polnische Literatursprache entwickelte sich im 16. Jahrhundert auf der Grundlage von Dialekten, die in der Gegend von Poznań (Posen) im Westen Polens gesprochen wurden. Aus dieser Zeit stammen die Eulenspiegelliteratur sowie die Chronikliteratur von Marcin Bielski und die Prosaschriften von Mikołaj Rej. Ihr hohes sprachliches Niveau lässt auf eine lange gesprochene Tradition des Polnischen auf dem Königshof, in der staatlichen Verwaltung wie auch in der weltlichen und kirchlichen Rhetorik schließen. Im 16. Jahrhundert erreichte die polnische Sprache einen Stand, der sie wegen ihres Reichtums und ihrer Geschmeidigkeit zu den wichtigsten Sprachen Mitteleuropas aufsteigen lies. Die Gebildeten der Renaissance kämpften um die weitere Entwicklung des Polnischen und seine Durchsetzung gegenüber dem Latein. "Gesagt sei´s allen Völkern außerhalb, der Lache (Pole) ist keine Gans, auch er hat seine eigene Sprache!" lautete die berühmte Maxime des als Vater der polnischen Literatur geltenden Mikołaj Rej aus dem Jahre 1562.
Im Polnischen gibt es eine Reihe von Lehnwörtern aus dem Alttschechischen und Mittelhochdeutschen sowie aus dem Lateinischen; in jüngerer Zeit gingen Einflüsse auf die polnische Sprache insbesondere vom Weißrussischen, Ukrainischen, Deutschen, Französischen und Englischen aus.
Alphabet
Polnisch wird von Anfang an mit dem lateinischen Alphabet geschrieben (vgl. andere slawische Sprachen) und benutzt zur Wiedergabe der polnischen Laute diakritische Zeichen.
Das polnische Alphabet besteht aus 32 Buchstaben und lautet vollständig:
A, Ą, B, C, Ć, D, E, Ę, F, G, H, I, J, K, L, Ł, M, N, Ń, O, Ó, P, R, S, Ś, T, U, W, Y, Z, Ź, Ż.
Ą, Ę, Ń und Y kommen nie am Wortanfang vor, deshalb sind die entsprechenden Großbuchstaben sehr selten und werden nur dann verwendet, wenn das ganze Wort in Großbuchstaben geschrieben wird. Q, V und X werden nur bei Fremdwörtern benutzt, die noch nicht polonisiert wurden.
Im Lauf seiner Entwicklung ging im Polnischen die Unterscheidung von langen und kurzen Vokalen verloren, und der Wortakzent festigte sich auf der vorletzten Silbe.
Zur Aussprache von h und ł:
In einigen Regionen ist eine abweichende Aussprache anzutreffen:
- ł - apico dental (ähnlich der Aussprache von л im Russischen)
- h - als stimmhaftes pharyngales Frikativ [] - allerdings artikuliert im Larynx .
Diese Aussprache gilt als korrekt, wird auch vereinzelt von (älteren) Schauspielern verwendet.
Noch im 19. Jahrhundert galt diese Aussprache als einzig korrekte.
r wird als „gerollter“ Zungenspitzlaut [] also (alveolarer Vibrant), ein Zäpfchen-R [] (uvularer Vibrant), wie auch ein Zungenseitenlaut, gilt streng genommen als (häufiger) Aussprachefehler.
Grammatik
Das Polnische hat eine sehr freie Wortstellung, tendiert jedoch langsam zur Verbzweitstellung.
Es gibt zwei Numeri:
- Singular
- Plural
- Dual.
Es gibt fünf Genera:
- Personalmaskulinum (beschränkt auf männliche Personen)
- belebtes Maskulinum
- unbelebtes Maskulinum
- Femininum
- Neutrum
Polnisch verfügt über ein gut ausgebautes Formensystem und hat das altslawische Kasussystem bewahrt: sechs Kasus für Nomen, Pronomen und Adjektive und ein siebter Kasus, der Vokativ, für Nomen und Pronomen, der in der direkten Anrede gebraucht wird.
Im Polnischen werden Substantive – im Gegensatz zum Deutschen – grundsätzlich klein geschrieben, Ausnahmen sind Eigennamen und Satzanfänge. Es werden wahrnehmbare und nicht wahrnehmbare (abstrakte Objekte oder Eigenschaften) sowie belebte (personale) und unbelebte (nichtpersonale) Substantive unterschieden. Dies ist für die Deklination sehr wichtig.
Fast alle Adjektive werden nach einem Grundmuster dekliniert. Es gibt zwei Arten von Adjektiven:
- weichstämmige, die auf einen weichen Konsonanten oder auf k bzw. g auslauten, haben die Endung -i
- hartstämmige (alle anderen) haben die Endung -y
Verben werden nach Person, Numerus und Genus flektiert. Das Tempussystem hat eine Vereinfachung erfahren, indem drei alte Tempora (Aorist, Imperfekt und Plusquamperfekt) aufgegeben wurden. Das Präteritum ist die einzige Vergangenheitsform, die in der Alltagssprache gebraucht wird. Sehr selten vor allem in der Schriftsprache wird noch Plusquamperfekt verwendet - und ist schon mehr oder weniger veraltet.
Präpositionen sind unveränderlich und bilden zusammen mit einem Substantiv oder einem Pronomen eine Sinneseinheit.
Mehr über polnische Grammatik gibt es in den Wikibooks
Wie jede lebendige Sprache unterliegt auch das Polnische im Laufe der Zeit normalen Entwicklungen und Veränderungen, sowohl in der Grammatik wie auch im Wortschatz. Manche Änderungen werden tief in die Sprache verwurzelt, andere wiederum haben kaum einen Einfluss oder geraten in Vergessenheit.
Änderungen
in der Dialektstruktur
Die Dialekte der polnischen Sprache vereinheitlichen sich im Zusammenhang mit der Umsiedlung der Bevölkerung nach dem zweiten Weltkrieg, der Verstädterung, den Einflüssen der Massenmedien und der Bildung, die im allgemeinen Dialekt durchgeführt wird, immer mehr. Die Dialekte sind in der jüngeren Generation kaum ausgeprägt, davon ausgenommen sind jedoch der gorallische und der schlesische Dialekt, denen im Augenblick das Aussterben nicht droht, doch die Allgemeinheit spricht im gemeinsamen Dialekt.
in der Grammatik
Eine gegenwärtig zu beobachtende Veränderung besteht darin, dass die maskuline unbelebte Sachform durch die maskuline belebte Sachform ersetzt wird. Viele Wörter, die bisher als eindeutig unbelebt betrachtet wurden, werden umgangssprachlich, vor allem in der Jugendsprache, als belebt angesehen. Es äußert sich dadurch, dass der Akkusativ dem Genitiv gleicht, und nicht wie bisher, dem Nominativ. Sehr oft (noch in der Umgangssprache) anzutreffende Formen sind „mieć pomysła“ (eine Idee haben) oder „obejrzeć filma“ (einen Film ansehen). Doch die meisten Neologismen und Fremdwörter, die sich auf nichtmaterielle oder nichtwahrnehmbare Begriffe beziehen, nehmen auch in der offiziellen Sprache die maskuline belebte Sachform an. Beispiel: „dostać e-maila/SMSa” (eine E-Mail/SMS bekommen).
im Wortschatz
Es werden immer mehr Wörter aus dem Englischen entliehen. Gleichzeitig verschwinden viele französische und russische Fremdwörter. Eine interessante Erscheinung ist die Änderung mancher französischer Fremdwörter von der französischen in die englische Aussprache, z. B. wird image wie im Englischen imidż ausgesprochen und nicht wie im Französischen imaż.
in der Phonetik
Da immer mehr Wörter aus dem Englischen mit seiner unterschiedlichen Sprachstruktur entliehen werden, verbreiten sich in diesem Zusammenhang immer mehr bisher selten anzutreffende Lautverbindungen. Es erscheint z. B. i nach alveolaren Lauten t, d, s, z, r (didżej, tir, ring).
in der Vulgarität
In den letzten Jahren flossen sehr viele vulgäre Ausdrücke in die Umgangssprache hinein (z. B. das Adjektiv zajebiste, lässt sich mit der heutigen Bedeutung von geil vergleichen, bedeutet ursprünglich aber etwas völlig anderes als die damalige deutsche Bedeutung). Viele andere Wörter, welche weiterhin vulgär sind, verloren ihre Stärke und werden oft in Situationen gebraucht, die früher undenkbar waren (das Wort kurwa, polnisch für Nutte, wird z. B. von vielen Polen in der Umgangssprache als Interjektion verwendet und entspricht damit in etwa dem fuck in der englischen Sprache).
Auf der anderen Seite werden im Rahmen der politischen Korrektheit manche Wörter als stärker beleidigend empfunden als früher. Zum Beispiel gehört es sich heutzutage nicht das Wort pedał (hier: schwul) zu benutzen (außer in der Bedeutung Pedal), das englische Wort gej oder homoseksualista (Homosexueller) haben es ersetzt.
Fremdwörter aus dem Polnischen
Es sind nur relativ wenige polnische Wörter aus dem Polnischen ins Deutsche übernommen.
Gurke - mittelgriechisch αγγούριον „Gurke“ (pl. ogórek), das möglicherweise vom altgriechischen αωρος „grün, unreif“ stammt. Das griechische Wort wurde wahrscheinlich aus dem Polnischen ins Deutsche übernommen. Auch das Wort Grenze (pl. granica) sowie einige Vogelarten (z.B. Stieglitz) kamen aus dem Polnischen ins Deutsche.
Weblinks
- [http://www.dep.pl DeP - Deutsch-Polnisch-Online-Wörterbuch]
- [http://portalwiedzy.onet.pl/tlumacz.html?tr=nie-auto Onet - Deutsch-Polnisch Wörterbuch]
- [http://www.ponsline.de/cgi-bin/wb/w.pl Pons - Deutsch-Polnisch Wörterbuch]
- [http://www.deutsches-polen-institut.de/ Deutsches Polen-Institut]
- [http://www.pol-institut.de/int/woert.htm Polnische Wörterbücher]
Kategorie:Einzelsprache
Kategorie:Slawische Sprache
ja:ポーランド語
ko:폴란드어
Hohe Tatra
Die Hohe Tatra (auf slowakisch "Vysoké Tatry", auf polnisch "Tatry Wysokie") ist der höchste Teil der Karpaten und gehört größtenteils zur Slowakei und zu einem kleineren Teil zu Polen. Sie ist der bekannteste Bestandteil der Tatra.
Landschaftsbild
Die Hohe Tatra bietet ein alpenähnliches Panorama mit Hochgebirgsrelief und vereinzelten Schneefeldern.
Sie wird auch oft - obwohl es sich eigentlich nur um ein Teilgebirge handelt - als das (flächenmäßig, keineswegs jedoch höhenmäßig) "kleinste Hochgebirge der Welt" bezeichnet. Der Hauptkamm der Hohen Tatra ist "nur" 27 km lang. Das Gebirge bietet dennoch eine Überfülle an Naturschönheiten und touristischen Möglichkeiten (Wanderungen, Klettertouren, Skihochtouren, Pistenstandorte, zahlreiche Kur- und Erholungsorte).
Hohe Tatra aus dem Liptauer Becken, Slowakei
Berge
Hohe Tatra aus dem Liptauer Becken, Slowakei
Hohe Tatra aus dem Liptauer Becken, Slowakei
Ein Fünftel der Hohen Tatra liegt in Polen, der Rest in der Slowakei. Die Waldgrenze liegt bei 1500 Metern. 24 (oder 25) Gipfel der Hohen Tatra überschreiten die 2500-Meter-Grenze.
Die höchsten Erhebungen sind die Gerlsdorfer Spitze (Gerlachovský štít) mit 2655 m/M - zugleich der höchste Berg der Slowakei -, der Gerlsdorfer Turm (Gerlachovská veža) mit 2642 m/M, die Lomnitzer Spitze (Lomnický štít) mit 2632 m/M und die Eistaler Spitze (Ľadový štít) mit 2606 m/M. Von den niedrigeren Gipfeln ist beispielsweise die Meeraugspitze (Rysy) mit 2503 m/M (Grenzgipfel 2499 m/M) an der slowakisch-polnischen Grenze - zugleich der höchste Berg Polens - und die mächtige Schlagendorfer Spitze (Slavkovský Štít) mit 2452 m/M in der Slowakei, sowie der 1.895 m hohe Giewont in Polen bekannt. Auf den Kasprowy Wierch (1984 m) kann man mit der Seilbahn von Zakopane aus gelangen.
Seen
Die größten der zahlreichen Gletscherseen der Hohen Tatra befinden sich unterhalb der Meeraugspitze auf polnischem Gebiet (Morskie Oko, Czarny Staw, Tal der fünf polnischen Seen, Großer polnischer See)
Bild:Dolina5Stawow.jpg|Hohe Tatra, Dolina Pieciu Stawow Polskich, Polen
Bild:MorskieOko.jpg|Tatra, "Morskie Oko" See, Polen
Bild:TatryWysokie.jpg|Hohe Tatra, Polen
Fremdenverkehr
Großer polnischer See
Die Tatra, insbesondere die Hohe Tatra, ist der am besten für den Tourismus erschlossene Teil der gesamten Karpaten. Insbesondere im polnischen Zakopane, als größte Stadt in der Tatra auch als "Hauptstadt der Tatra" bekannt und die slowakischen Orte Poprad, Štrbské Pleso, Starý Smokovec und Tatranská Lomnica - die letzten drei neuerdings unter der Bezeichnung (die Stadt) Hohe Tatra (sl. (Mesto) Vysoké Tatry) bekannt -, sowie die polnischen Orte Bukowina Tatrzanska und Bialka Tatrzanska befindet sich eine gut ausgebaute touristische Infrastruktur. Seit 1949 besteht sowohl auf der polnischen als auch der slowakischen Seite der Tatra ein Nationalpark. Er ist der älteste und (heutzutage) größte slowakische Nationalpark - der "Tatra Nationalpark (abgekürzt TANAP). Eine elektrisch betriebene Eisenbahn verbindet die größeren Talorte der slowakischen Hohen Tatra. Zakopane ist über die Schnellstraße "Zakopianka" von Krakau aus gut zu erreichen.
Orkan Ende November 2004
Krakau
Ein Orkan hat am 19. November 2004 fast die Hälfte aller Bäume auf der slowakischen Seite der Hohen Tatra zerstört. Die Schneise der Verwüstung ist 3 Kilometer breit und 50 Kilometer lang. Man schätzt die Größe der zerstörten Fläche auf 46.000 Hektar. Durch die ungewollte "Abholzung" drohen nun nach Regenfällen und Schneeschmelzen Überschwemmungen und Erdrutsche.
(siehe: Portal:Umweltschutz)
Literatur
- Die slowakisch-polnische Tatra,Dajama Verlag,Bratislava 1998,ISBN 80-967547-5-0
- Hohe Tatra und Zakopane,Andrzej Bydlon,Laumann Verlag Dülmen 1996,ISBN 3-87466-189-X
- Hohe Tatra - Zakopane und Umgebung,Edition Temmen 1996,ISBN 3-86108-434-1
Weblinks
- http://www.tatry.sk
- http://www.tanap.sk/
- QuickTime VR-Panorama vom Rysy (2499m): http://merzhase.de/hightatras/rysi/
- http://www.tatry-fellows.de
Kategorie:Gebirge in der Slowakei
Kategorie:Gebirge in Polen
Kategorie:Karpaten
Papst
Papst (v. griech.: pappas, Vater; v. lat.: papa, Papa, Vater) ist der religiöse Titel für das Oberhaupt der Römisch-Katholischen Kirche (auch: Heiliger Vater oder Santo Padre).
Römisch-Katholischen Kirche
Unter der Bezeichnung Heiliger Stuhl agiert der Papst sowohl allein, als auch zusammen mit der Kurie international als nichtstaatliches Völkerrechtssubjekt und vertritt zugleich den Vatikanstaat (als staatliches Völkerrechtssubjekt), dessen Staatsoberhaupt er ist.
Der aktuelle Papst ist Benedikt XVI., der am 19. April 2005 in dieses Amt gewählt wurde.
Seit 1871 residiert der Papst im Apostolischen Palast neben dem Petersdom. Kathedralkirche des Papstes ist die Lateranbasilika. Der Papst-Thron wird auch Kathedra Petri genannt.
Geschichte
Kathedra Petri)]] Der Papst ist nach katholischer Auffassung und der einiger anderer christlicher Kirchen Nachfolger des Apostels Petrus, der von diesen Kirchen als erster Bischof von Rom angesehen wird und vermutlich um das Jahr 67 in Rom den Märtyrertod erlitten hat. Einige Kritiker und einige Historiker bezweifeln jedoch, dass er je dort war.
Begründet wird dieser Anspruch mit einer Stelle aus dem Matthäus-Evangelium der Bibel (Kapitel 16, Vers 18-19), die wie folgt lautet (Einheitsübersetzung):
Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Und dir will ich geben die Schlüssel über das Himmelreich. Was du auf Erden bindest, soll im Himmel gebunden sein. Und was du auf Erden lösest, soll im Himmel gelöst sein.
Umstritten ist, ob der 1. Clemensbrief aus dem Jahre 98 bereits eine Vorrangstellung der Gemeinde von Rom dokumentiert oder als brüderliche Ermahnung unter Gleichberechtigten anzusehen ist. In diesem Brief an die Gemeinde von Korinth fordert der damalige Bischof von Rom, Clemens, von den Korinthern die Rücknahme von abgesetzten Presbytern. Er nimmt Bezug auf das Martyrium der Apostel Petrus und Paulus in Rom.
In der römisch-katholischen Kirche stammt die erste bekannte Verbindung des Titels "Papst" mit dem Bischof von Rom aus der Zeit des Marcellinus (†304), der in der Grabinschrift des Diakons Severus so bezeichnet wird. Bischof Siricius von Rom (385–399) bezeichnet sich als Erster amtlich als papa, als ausschließliche Amtsbezeichnung für den Bischof von Rom wird der Begriff von Gregor I. (590-604) gesetzlich festgeschrieben.
Vorher (ab dem 3. Jahrhundert) war es eine Ehrbezeichnung für Bischöfe, Patriarchen und Äbte vor allem im Orient – da die koptische Kirche bereits seit dem Konzil von Chalcedon 451 (vor Gregor) nicht mehr zur gleichen Kirche wie die lateinische gehört, führt ihr Oberhaupt ebenfalls den Titel Papst.
Seit Leo I. (Bischof von Rom 440 bis 461) führt der römische Papst die Bezeichnung „Pontifex Maximus“, den bis zu Kaiser Gratian der römische Kaiser als oberster römischer Priester trug (mögliche Etymologien unter anderem: Oberster Brückenbauer oder Pfadbahner).
Im Mittelalter ergab sich des Öfteren die Situation, dass es mehrere Päpste gleichzeitig gab, da zu Lebzeiten eines bereits kanonisch gewählten Papstes ein Gegenpapst eingesetzt wurde. Dazu kam es, weil sich zum Beispiel das Kardinalskollegium spaltete, der Kaiser oder römische aristokratische Familien in die Papstwahl eingriffen. Solche Eingriffe sind inzwischen unter Androhung der Exkommunikation verboten. Außerdem kam es im 14. Jahrhundert zur Verlegung der Residenz nach Avignon und zum großen Schisma (siehe Avignonesisches Papsttum und Abendländisches Schisma).
Im 15. Jahrhundert gewann der Konziliarismus an Auftrieb, der aber bald zurückgedrängt wurde.
Titel
Die Titel des Papstes lauten:
- Bischof von Rom
- Stellvertreter Jesu Christi auf Erden (Vicarius Christi)
- Nachfolger des Apostelfürsten (gemeint ist Petrus; beide Titel haben kirchenrechtlich keine Konsequenzen und spiegeln nur religiöse Aspekte wider)
- Oberster Priester der Weltkirche (Ehrentitel, der seine Stellung in der Liturgie regelt, gerade wenn Patriarchen konzelebrieren.)
- Oberster Brückenbauer (Pontifex maximus) (Geht zurück auf den Titel Pontifex Maximus im römischen Reich)
- Patriarch des Abendlandes
- Primas von Italien (ein Ehrenvorrecht, Primatentitel sind in der Rechtstellung aufgehoben)
- Metropolit und Erzbischof der Kirchenprovinz Rom (wie alle Erzbischöfe übt er eine Art Supervision über die Bischöfe der umliegenden Diözesen aus)
- Souverän des Staates der Vatikanstadt (der weltliche Titel des Papstes)
- Diener der Diener Gottes (ein Titel, den sich Papst Gregor der Große gegeben hat. Lateinisch: servus servorum dei)
Insignien
Vatikanstadt nicht mehr getragen]]
Die päpstlichen Insignien bestehen aus
- dem Papstthron
- der Papstkrone (Tiara). Papst Paul VI. war bislang der letzte Papst, der mit der Tiara gekrönt wurde. 1964 legte er die Tiara ab. Seine Nachfolger verzichteten fortan auf eine Krönungszerememonie, führten die Tiara aber weiterhin in ihrem persönlichen Wappen. Papst Benedikt XVI. ersetzte die Tiara in seinem persönlichen Wappen durch eine einfache Bischofsmitra mit drei goldenen, in der Mitte verbundenen Ringen.
- dem päpstlichen Hirtenstab (Ferula)
- dem Fischerring (anulus piscatoris)
- dem Pallium
- sowie einigen liturgischen Gewändern
Kleidung
Reisebekleidung und Alltagskleidung: Jeder Papst trägt sein eigenes Wappen auf den Gürtel gestickt. Der sog. Mantello ist ein roter Mantel für kaltes Wetter. Wie jeder Bischof trägt auch der Papst ein Pileolus. Im Laufe der Zeit hat sich die Bekleidung des Papstes zum Teil grundlegend verändert.
Bis auf die Papstkrone sind die päpstlichen Insignien spezielle Varianten der bischöflichen Insignien.
Kirchenrecht
Wahl
Zum Papst kann nach dem Kirchenrecht jeder getaufte männliche Katholik gewählt werden; es gibt keine näheren Bestimmungen außer der, daß er unverheiratet sein muss. Allerdings war der letzte nicht als Kardinal gewählte Papst Urban VI. im 14. Jahrhundert (1378). Der Papst wird im Konklave, einer Versammlung aller Kardinäle, die zum Zeitpunkt des Todes des Vorgängers jünger als 80 Jahre sind, auf Lebenszeit gewählt. Das Konklave wird jeweils in der Sixtinischen Kapelle (la cappella sistina) abgehalten. 1996 wurde mit der Konstitution Universi Dominici Gregis die früher geforderte Zweidrittelmehrheit plus eine Stimme ab dem 33. erfolglosen Wahlgang durch eine absolute Mehrheit ersetzt. Ist der Gewählte kein Bischof, oder ist er gar nur Laie, wird er noch im Konklave zum Bischof von Rom geweiht, so dass er dann Papst werden kann.
Nach (römisch-katholischem) kirchlichem Recht ist der Papst, wie alle Bischöfe, immer ein Mann. Ob es die in verschiedenen Überlieferungen erwähnte Päpstin Johanna tatsächlich gegeben hat, ist historisch nicht gesichert.
siehe auch: Sedisvakanz, Konklave
Namensgebung
Nach der erfolgten Wahl wird der neue Papst gefragt, welchen Namen er annimmt. Die Namenswahl unterliegt der freien Entscheidung des Papstes. Aus der Wahl des Namens versuchen Beobachter politische Ziele des neuen Papstes abzuleiten, indem die charakteristischen Eigenschaften von vorherigen Päpsten sowie Heiligen dieses Namens untersucht werden. So war der Name Pius vom Ende des 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts der mit Abstand am häufigsten gewählte Name. Seit dem Tod von Pius XII. (1958) wurde er jedoch nicht mehr gewählt, da diesem Papst oft Untätigkeit gegenüber dem Holocaust vorgeworfen wird. Zudem verkörperten viele Päpste dieses Namens die besonders konservativen Kräfte der Kirche, wie Pius IX. mit dem Syllabus Errorum und Pius X. mit dem Antimodernisteneid. Ein Papst, der sich heute Pius nennen würde, gälte daher von Anfang an als sehr konservativ. (Lucian Pulvermacher, das Oberhaupt der ultrakonservativen True Catholic Church, hat sich den Namen Pius XIII. gegeben.)
Päpste können Namen annehmen, die die latinisierte Form ihres bürgerlichen Namens darstellen (Hadrian VI. = Adrian Florisz, Marcellus II. = Marcello Cervini), was jedoch seit dem 16. Jahrhundert nicht mehr vorgekommen ist. Viele Päpste nehmen die Namen bedeutender Vorgänger an (Leo, Gregor) oder auch jene von Heiligen (z. B. Paul VI. nach dem Apostel Paulus). Andere gehen nach der Bedeutung der Namen (Pius = fromm; Innozenz = unschuldig). Einige Päpste wählen ihren Namen aus persönlichen Gründen (Johannes XXIII. zu Ehren seines Vaters).
Ursprünglich behielten die Päpste nach der Wahl ihren bürgerlichen Vornamen. Der erste Papst, der seinen Namen änderte, war Johannes II. im Jahr 533. Er hieß eigentlich Mercurius und wollte als Papst nicht den Namen eines heidnischen Gottes tragen. Jedoch blieb die Annahme eines neuen Namens bis zum Ende des 1. Jahrtausends eine Ausnahme.
Der erste Papstname, der wiederholt verwendet wurde, war Sixtus (257). Seitdem werden die Namen, die mehrfach vergeben werden, wie Herrschernamen mit römischen Ziffern versehen. Die Päpste der Antike und des Frühmittelalters trugen jedoch häufig Namen, die kein zweites Mal in Gebrauch kamen. Einige der antiken Namen (Clemens, Pius) wurden ab dem Hochmittelalter und damit dem Aufkommen der Namenswahl wieder aufgegriffen.
Johannes Paul I. wählte in Erinnerung an seine beiden Vorgänger den ersten Doppelnamen der Papstgeschichte. Zugleich ist dies der erste neue Papstname seit Lando (913-914). Nachdem er nach 33 Tagen im Amt starb, wählte sein Nachfolger Karol Wojtyła ebenfalls diesen Papstnamen und wurde Johannes Paul II. genannt. Der Name des derzeitigen Papstes Benedikt XVI. nimmt Bezug auf Benedikt XV. (1914-1922), der vergeblich versuchte, den Ersten Weltkrieg zu verhindern bzw. zu beenden, sowie auf den Mönchsvater und Patron Europas, Benedikt von Nursia.
Rücktritte
Päpste werden grundsätzlich auf Lebenszeit gewählt, das Kirchenrecht sieht aber auch ausdrücklich die Möglichkeit eines Rücktritts vor:
:Falls der Papst auf sein Amt verzichten sollte, ist zur Gültigkeit verlangt, dass der Verzicht frei geschieht und hinreichend kundgemacht, nicht jedoch, dass er von irgendwem angenommen wird. (Can. 332 — § 2. CIC)
Es gibt mehrere Beispiele von Rücktritten in der Geschichte der römischen Päpste: Der bekannteste dürfte der Rücktritt Coelestins V. im Jahr 1294 sein. Papst Gregor XII. wurde im Zuge des Konzils von Konstanz zum Rücktritt gezwungen. Benedikt IX. war ganze drei Mal Papst, trat dreimal zurück (1044, 1045, 1048) zu Gunsten seiner Verwandten. Die fromme Legende, es wäre bis jetzt nur ein Papst zurückgetreten (Coelestin V.), ist historisch nicht haltbar und widerlegt. Der am 2. April 2005 verstorbene Papst Johannes Paul II. lehnte noch in seinen letzten Lebenswochen einen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen ab.
Er begründete dies damit, dass er „sein Kreuz tragen“ und Christus im Leiden nachfolgen wolle. Auch Jesus sei nicht vom Kreuze gestiegen. Insbesondere in westlichen Gesellschaften wurde er dafür kritisiert; einige nehmen an, dies sei auf eine Tabuisierung des öffentlichen Leidens und Sterbens in westlichen Gesellschaften zurückzuführen.
Stellung und Kritik
Der universale Primatsanspruch des Bischofs von Rom entwickelte sich im Lauf des ersten Jahrtausends und gipfelte im Dictatus Papae von 1075. Der Papst gilt in der römisch-katholischen Kirche als oberster Herr der Gesamtkirche und Stellvertreter Christi auf Erden – ein Anspruch, der, abgesehen von den Unierten Kirchen, von allen übrigen Kirchen nicht anerkannt wird.
Das erste Vatikanische Konzil (1869 – 1870) erhob die Glaubensüberzeugung, der Papst sei, wenn er ex cathedra spricht, in Glaubensfragen unfehlbar, zum Dogma. Auch dieser Anspruch wird von den übrigen Kirchen abgelehnt; als Folge entstand zudem die Alt-Katholische Kirche. Ausdrücklich angewendet wurde das Unfehlbarkeitsdogma seit 1870 ein einziges Mal, 1950 bei der Formulierung des Dogmas von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel. Enzykliken und Lehrschreiben des Papstes sind für die römisch-katholische Kirche zwar bindend, aber nicht ohne weiteres als unfehlbare Lehrentscheidungen anzusehen. Die theologische Diskussion hierüber ist nicht abgeschlossen.
In der Alten Kirche gab es fünf maßgebliche Patriarchen (in der Reihenfolge des durch ökumenische Konzile definierten Ehrenvortritts):
# den Bischof von Rom
# den Bischof von Konstantinopel (seit Chalcedon im gleichen Rang wie Rom, aber im Vortritt nach Rom, da Rom älter ist)
# den Bischof von Alexandria
# den Bischof von Antiochia
# den Bischof von Jerusalem
Damals schon galt unter einigen Christen der römische Bischofssitz als „primus inter pares“, da Rom die Hauptstadt des Römischen Reiches war und die Kirche von Rom insbesondere durch die Gräber der „Apostelfürsten“ Petrus und Paulus als verehrungswürdig angesehen wurde. Der Kirchenhistoriker Eusebius von Caesarea († 339) notiert das Martyrium von Petrus und Paulus in Rom, als sei es eine in der ganzen Kirche bekannte Tatsache. Irenäus von Lyon († um 202) gibt die römische Ortstradition wieder, wonach das römische Bischofsamt sich in direkter Nachfolge vom Apostel Petrus herleite, der der erste Vorsteher (episkopos) der römischen Christengemeinde gewesen sei. Aber auch das Patriarchat von Antiochia beruft sich darauf, dass Petrus (bevor er nach Rom gegangen sei) dort der erste Bischof war (seit dem Jahr 38). Ebenso führen sich die übrigen Patriarchate (und einige weitere östliche Bischofssitze) auf einen Apostel zurück. Ob Petrus überhaupt jemals in Rom gewesen ist, ist unter Historikern umstritten.
Die römische Petrustradition ist historisch nicht ausgeschlossen, war aber in den ersten Jahrhunderten kein wichtiges Thema. Für die Anwendung von Matthäus 16,18 auf die Bischöfe von Rom als Petrusnachfolger findet sich das früheste schriftliche Zeugnis bei Papst Damasus I. im 4. Jahrhundert. Dort wird auch die römische Kirche erstmals exklusiv als "sedes apostolica" (apostolischer Stuhl) bezeichnet - eine Sonderstellung, die von den übrigen Patriarchaten nicht anerkannt wird. Durch die Teilung des Römischen Reiches wurden aber die monarchischen Tendenzen des einzigen westlichen (lateinischen) Patriarchensitzes weiter begünstigt.
Scharfe Kritiker sehen im Papsttum die Fortsetzung des Machtanspruchs des alten Roms. Die Konstantinische Wende rief einen völlig anderen Menschenschlag als den bisherigen an die Spitze der noch jungen Kirche. Während in den ersten Jahrhunderten Christen noch grausam verfolgt wurden und zum Christsein außerordentlich viel Mut gehörte, war nun das Christentum Teil der kaiserlichen Machtpolitik geworden und bot begehrenswerte (weil gut bezahlte und einflussreiche) Ämter. Die römische Kirche hatte im Westen die traditionelle Vorherrschaft Roms übernommen. Versuche, sie auf die übrigen Patriarchate auszudehnen, scheiterten jedoch. In der Folge setzte sich das Papsttum in Westeuropa mehr und mehr auch als weltlicher Herrscher durch.
Eine Stellvertreterschaft Gottes, die aus der Bibel nicht stichhaltig abzuleiten sei, habe ihr Vorbild dagegen im römischen Kaisertum. So war der Papst im Hochmittelalter in geistlichen und weltlichen Fragen Gebieter über Könige und Völker, was sich jedoch ab dem 14. Jahrhundert immer weniger durchsetzen ließ. Auch auf religiösem Gebiet kam es im Spätmittelalter zu einer immer stärkeren Diversifikation, wobei die Kirche allerdings hart gegen Andersdenkende in ihrem Machtbereich vorging.
Literatur
- Ludwig Ring-Eifel: Weltmacht Vatikan. Päpste machen Politik., Pattloch Verlag München 2004, ISBN 3629016790
- Horst Fuhrmann: Die Päpste, Beck, 2004, ISBN 3406510973
- Horst Herrmann: Die Heiligen Väter. Aufbau-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3746681103
- Georg Schwaiger: Papsttum und Päpste im 20. Jahrhundert. Von Leo XIII. zu Johannes Paul II.,C.H. Beck Verlag 1999, ISBN 3406448925
- Georg Denzler: Das Papsttum, C.H. Beck Verlag 1997, ISBN 3406418651
- Ludwig Freiherr von Pastor: Die Geschichte der Päpste, Freiburg im Breisgau 1928, 15 Bde.
Weblinks
- [http://www.katholisch.de/9000.htm Katholische Kirche im Internet: Der Papst]
- [http://www.ikvu.de/papst/ IKvu-SPECIAL: Papstamt und Petrusdienst]
- [http://www.requiem-projekt.de Datenbank zu den Grabmälern und Karrieren der Päpste in Renaissance und Barock]
- [http://dmoz.org/World/Deutsch/Gesellschaft/Religion_und_Spiritualit%c3%a4t/Christentum/Glaubensrichtungen/Katholische/Personen/P%c3%a4pste/ Open Directory Project: Päpste]
- [http://papst.jesus.ch/ Papst Special auf jesus.ch]
- [http://www.theologie-systematisch.de/ekklesiologie/12staende.htm Aktuelle Literatur zum Papstamt]
- [http://www.vaticanhistory.de/vh/html/body_deutsche_papste.html "Die acht deutschen Päpste"]
- [http://stephanscom.at/papst/benediktxvi/0/articles/2005/04/21/a8246/ Artikel über die deutschen Päpste]
Siehe auch
- Liste der Päpste
- Papstbesuche in Deutschland
- Papstaudienz
- Liste der historischen Gegenpäpste
- Konzil
- Sedisvakanz
- Konklave (d.h. Papstwahl)
- Primat
- Religiöse Titel
- Päpstin Johanna
- Pornokratie (Mätressenherrschaft)
Kategorie:Christentum
-
Kategorie:Römisch-katholischer Geistlicher
Kategorie:Römisch-Katholische Kirche
Kategorie:Kirchenwesen
Kategorie:Herrschertitel
Kategorie:Kirchliches Amt
als:Papst
ja:ローマ教皇
ko:교황
ms:Paus (Katholik)
nb:Pave
simple:Pope
th:พระสันตะปาปา
Johannes Paul II.Johannes Paul II., bürgerlich Karol Józef Wojtyła (Aussprache) ( - 18. Mai 1920 in Wadowice bei Krakau, Polen; † 2. April 2005 in der Vatikanstadt) wurde als polnischer Kardinal nach kirchlicher Zählung zum 264. Papst in der Geschichte der Römisch-Katholischen Kirche gewählt. Sein Pontifikat vom 16. Oktober 1978 bis zum 2. April 2005 prägte nachhaltig sowohl die Endphase des Kalten Krieges als auch die Zeit danach. Johannes Paul II. war der Papst mit der längsten historisch belegbaren Amtszeit nach Pius IX.. Sein Vorgänger war Johannes Paul I., dessen Pontifikat nur 33 Tage dauerte.
Johannes Paul I.
Leben
Kindheit und Jugend
Johannes Paul I.
Karol Wojtyła wurde in Wadowice, einer Kleinstadt bei Krakau, als Sohn eines ehemaligen k.u.k. Offiziers geboren, der als Schneider tätig war. Seine Mutter, Emilia Kaczorowska, starb, als Karol neun Jahre alt war. Als Karol 12 Jahre alt war, verlor er seinen Bruder Edmund, der am 5. Dezember 1932 als junger Mediziner in Bielitz (Bielsko-Biala) an Scharlach starb.
Ab 1930 besuchte er das Gymnasium und wirkt ab 1934 bei Theateraufführungen mit. Wojtyła galt als strebsamer Schüler und beendete die Schule mit Bestnoten. Im Sommer 1938 siedelte er mit dem Vater nach Krakau über und schrieb sich zum Studium der Philosophie und Literatur in der Jagiellonen-Universität ein. Drei Jahre später, im Jahre 1941, starb sein Vater.
An der Universität schloss sich Wojtyła der Experimentaltheatergruppe „Studio 39“ um Tadeusz Kulínský an, in der er bis 1943, zuletzt im Untergrund, wirkte. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde die Universität von der deutschen Besatzungsmacht geschlossen und 144 bedeutende Professoren verhaftet und im Konzentrationslager ermordet. Wojtyła führte seine Studien in der Untergrunduniversität fort, wurde aber zur Zwangsarbeit in einem Steinbruch sowie vom Frühjahr 1942 bis August 1944 in einer Chemiefabrik verpflichtet. So konnte er auch seine Deportation zur Zwangsarbeit nach Deutschland verhindern.
Wadowice und Krakau sind Orte, die bis zum Zweiten Weltkrieg sehr stark durch die jüdische Kultur beeinflusst waren. Sie wurden prägend für Wojtyłas positives Verhältnis zum Judentum. Seine Interessen waren breit gefächert; groß war sein Engagement im rhapsodischen Theater. Im Oktober 1942 trat er ins geheime Priesterseminar der Erzdiözese Krakau ein. Von da an bis zum Kriegsende fand er Zuflucht in der Residenz des Erzbischofs Adam Stefan Sapieha.
Priester und Professor
Am 1. November 1946 empfing er heimlich die Priesterweihe von Kardinal Sapieha und promovierte in den folgenden zwei Jahren auf dessen Anweisung in Rom über die Theologie und Mystik des Heiligen Johannes vom Kreuz. Am 3. Juli 1947 erwarb er ein Lizenziat der Theologie. Im Juni 1948 erhielt er nach Abschluss seiner Dissertation das Doktorat der Philosophie.
Im Anschluss war er als Kaplan in Niegowice bei Gdów und später in der Krakauer Studentenkirche Sankt Florian tätig, wo er schon bald für seine Predigten bekannt war. Seine unkonventionelle Art machte ihn zu einem beliebten Ansprechpartner unter den katholischen Studenten. Wojtyła kehrte nach Polen zurück und promovierte bis Ende 1949 auch in Theologie.
Ab 1953 lehrte Wojtyła als Professor für Moraltheologie in Krakau und bekam 1954 einen Lehrauftrag für Philosophie und Sozialethik an der Katholischen Universität von Lublin, wo er 1955 auch habilitierte.
Bischof und Kardinal
Am 28. September 1958 wurde er zum Weihbischof von Krakau geweiht. Wojtyła nahm aktiv am Vaticanum teil; sein Hauptaugenmerk lag dabei auf der Religionsfreiheit, die in dem Dokument Dignitatis humanae beschworen wurde, und einer zeitgemäßen Verkündigung der kirchlichen Lehre, die im Konzilspapier Gaudium et Spes gefordert wurde.
Am 13. Januar 1964 folgte er Kardinal Sapieha im Amt des Erzbischofs von Krakau. Sein Episkopat in Krakau ist vor allem durch eine „sanfte“ Konfrontation mit dem kommunistischen Regime Polens geprägt. Sein Beharren auf dem Bau einer Kirche in der neu gegründeten Arbeiterstadt Nowa Huta und seine Predigten, in denen er oft die freie Ausübung der Religion für alle Polen forderte, zeigten ihn als unerschrockenen Antikommunisten. 1965 war er maßgeblich an dem Brief des polnischen Episkopats an die deutschen Amtsbrüder beteiligt, in dem zur Versöhnung zwischen beiden Völkern aufgerufen wurde. Auch dies machte ihn zum Objekt scharfer Attacken seitens der polnischen Machthaber.
Zum Kardinal erhoben wurde er am 26. Juni 1967.
Im Zuge der kirchlichen Bemühungen um eine deutsch-polnische Aussöhnung besuchte Wojtyła 1974 Deutschland und zelebrierte mit Kardinal Döpfner am 19. September eine Versöhnungsmesse im Karmelitinnenkloster Heilig Blut innerhalb des ehemaligen KZ Dachau. Als Papst sprach er später 48 der dort inhaftierten Priester selig. Im September 1975 zelebrierte er mit Bischof Joachim Meisner, den er später zum Kardinal ernannte, den Wallfahrtsgottesdienst in Erfurt. Ein letzter Deutschlandbesuch vor seiner Wahl erfolgte im 1978 an der Seite des Primas von Polen Kardinal Wyszyński, bei dem er anläßlich eines Pontifikalamtes am 24. September im Münchner Liebfrauendom bei seiner Predigt den Wunsch nach der baldigen Seligsprechung Edith Steins ausdrückte, was er später am 1. Mai 1987 persönlich in Köln vollziehen konnte.
Pontifikat
Köln
Anfangsjahre
Am 16. Oktober 1978 wurde er beim Konklave in der Sixtinischen Kapelle als Nachfolger des am 28. September 1978 verstorbenen Johannes Paul I. zum Papst und Bischof von Rom gewählt. Damit war er der erste nicht-italienische Papst seit Hadrian VI. ( - 1459 in Utrecht, heute Niederlande) sowie der erste slawische Papst der Kirchengeschichte. Johannes Paul war bei seiner Wahl mit 58 Jahren der jüngste Papst seit Pius IX.. Zudem war er in außerordentlich guter körperlicher Verfassung. Im Gegensatz zu anderen Päpsten vor ihm trieb er in jener Zeit noch Sport, er schwamm und fuhr regelmäßig Ski.
Bereits am 25. Januar 1979 begab sich der Papst auf die erste von insgesamt 104 Auslandsreisen in die Dominikanische Republik, nach Mexiko und auf die Bahamas. Am 4. März folgte die Antrittsenzyklika Redemptor hominis, die ihn als Papst der Menschenrechte erscheinen ließ und den markanten Satz enthielt: Der Weg der Kirche ist der Mensch. In den ersten Jahren seines Pontifikats standen das Beharren auf der Religionsfreiheit und eine damit verbundene Konfrontation mit den kommunistischen Regimes Osteuropas im Vordergrund. Die Außenpolitik Johannes Pauls II. gegenüber dem Ostblock unterschied sich hier in der seiner kompromissbereiteren Vorgänger. Die polnische Parteiführung konnte eine Pastoralreise in die Heimat aufgrund der Popularität des Krakauers nicht verhindern. Vom 2. Juni bis 10. Juni 1979 besuchte er zum ersten Mal als Papst sein Heimatland Polen. In Polen sahen etwa 10 Mio. Menschen den Papst, was etwa ein Viertel der gesamten polnischen Bevölkerung darstellte. Johannes Paul II. wurde zum Symbol des polnischen Widerstands.
Weitere Reisen in den Jahren führten ihn nach Zentralafrika und Ostasien. Im November 1980 besuchte er erstmals als Papst die Bundesrepublik Deutschland, 1983 erstmals Österreich.
Attentatsversuche
Am 13. Mai 1981 verübte der türkische Rechtsextremist Mehmet Ali Ağca auf dem Petersplatz in Rom ein Attentat auf Johannes Paul II.. Dieser wurde dabei durch drei Kugeln schwer verletzt und 20 Tage lang in der Gemelli-Klinik behandelt. Am 20. Juni 1981 wurde er erneut wegen der Schussverletzungen in die Klinik gebracht und nach einer Operation am 14. August wieder entlassen.
Die Hintermänner wurden beim sowjetischen Geheimdienst KGB vermutet. Es blieb allerdings lange Zeit eine Vermutung, da Ağca sich bis März 2005 beharrlich über die Hintergründe des Attentats ausschwieg. Inzwischen behauptet er, Unterstützung aus dem Vatikan erhalten zu haben und möchte demnächst ein Buch herausgeben. Aus den bislang gefundenen Unterlagen gibt es keine Hinweise auf die Verstrickung der DDR, des bulgarischen Geheimdienstes oder des KGB. Aufsehen erregte der Papst, als er den Attentäter, dem er schon auf dem Krankenbett vergeben hatte, nach der Genesung im Gefängnis besuchte.
Am 12. Mai 1982, während einer Pilgerreise des Papstes in Portugal zum Dank, dass er das Attentat überlebt hatte, versuchte der ultrakonservative katholische Priester und Anhänger des französischen Bischofs Marcel Lefebvre, Joan Fernandez Krohn mit einem Bajonett ein weiteres Attentat auf den Papst zu verüben, konnte jedoch von dessen Leibwächtern überwältigt werden. Der Attentäter begründete sein Handeln mit der "Rettung" der katholischen Kirche vor den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils.
Exkurs: Johannes Pauls Marienverehrung
Die Marienverehrung war für Johannes Paul II., der seine irdische Mutter in jungen Jahren verlor, besonders wichtig. Seinen Wahlspruch "Totus tuus" (Ganz dein) verstand er als Ganzhingabe an Jesus durch Maria. Da der Tag des Attentats auf den Tag fiel, an dem sich in Fátima die erste Marienerscheinung ereignet hatte, schrieb Johannes Paul II. seine Rettung der Gottesmutter zu und bedankte sich mit einer Wallfahrt in den portugiesischen Wallfahrtsort. Dabei brachte er das Geschoss, das ihm aus dem Bauch entfernt worden und inzwischen vergoldet und in eine kleine Krone gefasst war, der Madonna von Fátima als Geschenk dar. Die Madonna trägt bis heute diese Krone mit der Kugel auf dem Kopf.
Verlauf des Pontifikats nach den Attentaten
Am 28. Mai 1982 besuchte Johannes Paul II. als erster Papst seit der Kirchenspaltung vor 450 Jahren Großbritannien. Während seines sechstägigen Aufenthaltes wurde er von Königin Elisabeth II. empfangen und besuchte einen ökumenischen Gottesdienst in der Kathedrale von Canterbury.
Als erstes Oberhaupt der Katholiken besuchte er am 13. April 1986 eine (römische) Synagoge. Am 27. Oktober dieses Jahres kam es in Assisi zu dem von ihm initiierten Gebet der Weltreligionen für den Frieden.
1987 besuchte der Papst erneut Deutschland (nochmals 1996), des weiteren 1988 Österreich (nochmals 1998). Am 1. Dezember 1989 wurde der damalige Generalsekretär der KPdSU Michail Gorbatschow als einziger in der Geschichte der Sowjetunion vom Papst im Vatikan empfangen.
Am 15. Juli 1992 wurde Johannes Paul II. ein gutartiger Tumor aus dem Dickdarm entfernt. Am 29. April 1994 brach er sich den Oberschenkel beim Sturz in seinem Badezimmer und trug seitdem ein künstliches Hüftgelenk. Im Dezember desselben Jahres kürte ihn das US-Magazin Time zum Mann des Jahres, mit der Begründung, er setze sich in besonderer Weise für Werte ein. Am 15. Januar 1995 nahmen in Manila vier Millionen Menschen am größten Gottesdienst in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche teil. Es war zugleich die größte bekannte Versammlung in der Geschichte der Menschheit. Am 21. Januar 1998 führte ihn eine Pilgerreise nach Kuba.
Mit der Öffnung der Heiligen Pforte am 25. Dezember 1999 begannen die Feierlichkeiten für das Heilige Jahr 2000. Am 12. März 2000 sprach der Papst ein "Mea Culpa" für die Kirche wegen ihrer Verfehlungen wie Glaubenskriege, Judenverfolgungen und Inquisition aus. Acht Tage später begann eine Reise nach Israel, Jordanien und in die Palästinensergebiete, bei welcher er die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel besuchte und an der Klagemauer betete. Im August fand in und bei Rom ein neuer Weltjugendtag statt, bei dem wieder über 3 Mio. Gläubige aus der ganzen Welt teinahmen. Als erster Papst betrat er am 6. Mai 2001 in Damaskus eine Moschee (Omajjaden-Moschee). Drei Jahre später, besuchte er am 5. und 6. Juni das nationale katholische Jugendtreffen in Bern (Schweiz), und am 14. August 2004 den französischen Marienwallfahrtsort Lourdes.
1979 beauftragte Johannes Paul II. die Päpstliche Akademie der Wissenschaften, den berühmten Fall Galileo Galilei aufzuarbeiten. Am 31. Oktober 1992 wurde der Kommissionsbericht übergeben und Johannes Paul II. hielt eine Rede, in der er das gegenseitige Missverstehen von Wissenschaft und Kirche bedauerte.
Papst Johannes Paul II. hat in seiner Amtszeit 1338 Selig- und 482 Heiligsprechungen vorgenommen. Die Zahl aller von seinen Vorgängern in den letzten 400 Jahren insgesamt heiliggesprochenen Personen ist nur etwa halb so hoch. Er sprach auch die italienische Kinderärztin Gianna Beretta Molla als eine von wenigen verheirateten Frauen heilig - sie gilt als Vorbild der Abtreibungsgegner. Die Selig- und Heiligsprechung des umstrittenen Opus-Dei-Gründers Josemaria Escrivá führte zu Kritik innerhalb der Kirche. Im Unterschied zu seinen Vorgängern und zu seinem Nachfolger Benedikt XVI. nahm Johannes Paul II. auch Seligsprechungen persönlich vor, statt sie dem Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen zu übertragen.
Am 24. März 2004 wurde in Rom Johannes Paul II. der außerordentliche Karlspreis der Stadt Aachen für seinen Einsatz für Frieden, Freiheit und Demokratie in Europa verliehen.
Krankheit und Tod
Aachen Der sich kontinuierlich verschlechternde Gesundheitszustand Johannes Paul II. prägte die letzten Jahre seines Pontifikats. Insbesondere Lähmungserscheinungen und Schwierigkeiten beim Sprechen, hervorgerufen durch die Parkinson-Krankheit, konnten in zunehmendem Maße bei öffentlichen Auftritten beobachtet werden. Des weiteren litt er unter den Folgen des Attentats und angeblich einer schweren Arthritis im rechten Knie als Folge einer Hüftoperation.
Dies alles prägte mit der Zeit das Bild eines körperlich angeschlagenen Papstes, obwohl Johannes Paul II. sich anfangs gerade durch seine ungewöhnlich gute körperliche Verfassung ausgezeichnet hatte. Die zunehmenden Einschränkungen führten schließlich vermehrt zu Spekulationen über einen vorzeitigen Rücktritt, eine Möglichkeit, von der in der Geschichte der Römisch-Katholischen Kirche nur selten Gebrauch gemacht wurde. Johannes Paul II. erklärte hierzu, er lege seine Amtszeit in Gottes Hände, und lehnte einen Rücktritt hiermit indirekt ab. Diese Überzeugung äußert sich auch in entsprechenden Anmerkungen in seinem Testament.
Anfang 2005 kam es dann aber zu einer dramatischen Verschlechterung seines Gesundheitszustandes, was zunehmend zu offenen Spekulationen über ein baldiges Ableben des Papstes führte. Am 1. Februar 2005 wurde Johannes Paul II. wegen Kehlkopfentzündung und Atemnot in die Gemelli-Klinik in Rom gebracht. Nachdem er zwischendurch am 10. Februar entlassen werden konnte, musste er aufgrund eines Rückfalls bereits am 24. Februar wieder eingeliefert werden. Am selben Tag wurde ein Luftröhrenschnitt durchgeführt.
Am 13. März 2005 kehrte Johannes Paul II. wieder in den Vatikan zurück, konnte aber erstmals in seiner Amtszeit an den Osterfeierlichkeiten nicht aktiv teilnehmen, sondern zeigte sich den Pilgern am Ostersonntag (27. März) nur stumm am Fenster seines Arbeitszimmers zur Spende des traditionellen Segens Urbi et Orbi. Am 30. März 2005 ließ sich der Papst erneut zum üblichen Mittwochstermin am Fenster seiner Privatgemächer sehen. Er erlitt einen Hustenanfall und hatte sichtlich Schmerzen. Zugleich gab der Vatikan bekannt, dass der Papst über eine Magensonde ernährt werde. Es war der letzte öffentliche Auftritt des Papstes.
Am 31. März 2005 verschlechterte sich dann der Gesundheitszustand erneut, und dem Papst wurde das Sakrament der Krankensalbung gespendet. Nach Angaben des Vatikans hatte er nach einer Harnwegsinfektion einen septischen Schock und einen Herzkreislaufkollaps erlitten; er sei jedoch heiter gewesen und habe am Morgen des 1. April die Eucharistie gefeiert.
Im Alter von 84 Jahren verstarb Papst Johannes Paul II. am Abend des 2. April 2005 um 21:37 Uhr MESZ in seinen Privaträumen im Vatikan. Einen erneuten Krankenhausaufenthalt und intensivmedizinische Behandlung hatte er selbst abgelehnt. Sein Sterben war während der ganzen Zeit von einer sehr ausführlichen Live-Berichterstattung internationaler Nachrichtenkanäle begleitet. Der deutsche Sender n-tv zum Beispiel blendete schon Tage zuvor Ticker-Meldungen mit dem aktuellen Gesundheitszustand des Papstes ein.
Zuvor hatte er nacheinander seine engsten Mitarbeiter empfangen. Eines seiner letzten Worte richtete er schriftlich an die ihn umsorgenden Nonnen und Priester seiner polnischen Heimat: „Ich bin froh, seid Ihr es auch!“.
Im September 2005 veröffentlichte der Heilige Stuhl in seinem Amtsblatt Acta Apostolicae Sedis einen offiziellen Bericht über die letzten Tage und letzten Worte Papst Johannes Paul II. Danach sagte der Papst am 2. April 2005 um 15:30 Uhr auf polnisch: „Lasst mich zum Haus des Vaters gehen!“. Vier Stunden später fiel er in ein Koma und verschied nach zwei weiteren Stunden um 21.37 Uhr MESZ.
Beisetzung
Der Tod von Johannes Paul II. wurde nicht nur von der katholischen Kirche, sondern auch von der Weltöffentlichkeit mit großer Aufmerksamkeit bedacht.
Begleitet von intensiver Berichterstattung kam es zunächst zu Versammlungen in vielen größeren Metropolen und anschließend zu einer Pilgerbewegung nach Rom, wo am Abend des 4. April der Leichnam aufgebahrt wurde. Bereits während des ersten Tages erwiesen eine halbe Million Menschen dem verstorbenen Papst die letzte Ehre.
Zur Totenmesse am 8. April 2005 auf dem Petersplatz waren 3,5 Millionen Pilger nach Rom gekommen; viele davon aus seiner polnischen Heimat. 200 Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt sowie hohe geistliche Vertreter verschiedener Religionen (u.a. der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel Bartholomäus I., der Metropolit von Smolensk und Kaliningrad als Vertreter des Außenamtes der Russisch-Orthodoxen Kirche sowie der Papst der Koptischen Kirche) wohnten der Zeremonie bei. Die Totenmesse wurde vom Dekan des Kardinalskollegiums, dem deutschen Kardinal Joseph Ratzinger, geleitet, der durch das Konklave wenige Tage später zum Nachfolger Johannes Paul II. gewählt wurde (Benedikt XVI.). In seiner Predigt würdigte er das Leben und das Pontifikat von Karol Wojtyła. Die Messe und das Heraustragen des Sarges wurde vom Beifall der angereisten Pilger begleitet. Sprechchöre und Spruchbänder zahlreicher Pilger forderten die sofortige Heiligsprechung Johannes Pauls II.
Heiligsprechung
Johannes Paul II. wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Papstgruft des Petersdoms an der Stelle beigesetzt, die bis zu dessen Umbettung 2001 Grabstätte Johannes’ XXIII. gewesen war. Vor und nach dem Tod Johannes Pauls II. hatte es Gerüchte gegeben, der Papst wolle in seiner polnischen Heimat beigesetzt werden. Auch über die Überführung seines Herzens nach Polen wurde spekuliert. Die Entscheidung darüber überließ er jedoch testamentarisch dem Kardinalskollegium, welches sich gegen diese beiden Optionen entschied.
Es war eine der größten Beisetzungszeremonien in der Geschichte des Christentums.
Seligsprechung
Nachdem sowohl viele Kardinäle als auch die Gläubigen mit dem Ruf "Santo subito" eine sofortige Heiligsprechung Johannes Pauls II. gefordert hatten, gab sein Nachfolger, Papst Benedikt XVI., am 13. Mai 2005, dem Tag des Attentats von 1981 und Tag der Muttergottes von Fátima, die das Attentat vereitelt haben soll, wenige Wochen nach dem Tod des Papstes, die Absicht bekannt, den Seligsprechungsprozess baldmöglichst einzuleiten. Die Seligsprechung ist die Vorstufe der Heiligsprechung. Benedikt XVI. setzte für diese Entscheidung die kirchenrechtlichen Bestimmungen außer Kraft, nach denen dieser Prozess erst fünf Jahre nach dem Tod des Betreffenden eröffnet werden kann. So war es möglich, den kirchenrechtlichen Prozess bereits am 28. Juni 2005 in der feierlichen Vesper zum Hochfest Petrus und Paulus in der Lateranbasilika in Rom zu eröffnen; die Erzdiözese Rom ist für die Durchführung des Seligsprechungsprozesses verantwortlich.
Morallehre
Sexualmoral
Johannes Paul II. wich von der vor allem von Pius XII. in der Enzyklika Casti conubii begründeten und in den dazwischen liegenden Jahrzehnten von jedem Papst vertretenen Lehre, wonach künstliche Empfängnisverhütung den Katholiken nicht erlaubt ist, nicht ab. Insbesondere Kondome und Methoden zur hormonellen Empfängnisverhütung, welche gemäß der Definition der katholischen Kirche eine „temporär unfruchtbar machende“ Wirkung haben, lehnte der Papst und seine Vorgänger als moralisch verwerflich ab. Er beharrte auf der hergebrachten Lehre der katholischen Kirche, wonach Sexualität und Partnerschaft gleichermaßen dem Zweck der Fortpflanzung wie dazu dienen, den Partnern Freude zu bereiten; wenn nur einer der beiden Zwecke erreicht sei (also etwa die Fortpflanzung ausgeschlossen ist), handele es sich um die sogenannte „fehlgeleitete Sexualität“. Schon vor seiner Amtszeit als Papst hatte er maßgeblich an der Enzyklika Humanae Vitae Pauls VI. mitgewirkt, in der die Pille als Verhütungsmittel abgelehnt wurde. Auch andere Eingriffe in die menschliche Sexualität, wie etwa die Sterilisation lehnte der Papst in der Enzyklika "Evangelium Vitae" ab.
In "Evangelium Vitae" vertrat der Papst darüber hinaus die Auffassung, dass die Verwendung von Kondomen auch zur Vorbeugung von Geschlechtskrankheiten nicht erlaubt sei. Stattdessen plädierte er für sexuelle Enthaltsamkeit. Wegen seiner Einflußnahme zur Verhinderung von Kondomnutzung sah sich Johannes Paul II. häufig der Kritik von Seiten der UNO sowie anderer Organisationen und Gruppierungen ausgesetzt.
Johannes Paul äußerte sich auch mehrfach zu Homosexualität. Unter Berufung auf die Lehre der Kirche billigte er weder homosexuelles Verhalten noch die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften im Rahmen der sog. Homo-Ehe. Der Papst forderte von Homosexuellen Enthaltsamkeit und von katholischen Politikern die Ablehnung der rechtlichen Anerkennung homosexueller Partnerschaften. [http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20030731_homosexual-unions_ge.html] In vielen westlichen Ländern förderten diese Äußerungen eine Polarisierung der Gesellschaft, und sie wurden teilweise als rückschrittlich und menschenverachtend bewertet, ähnlich wie die vatikanische Haltung zu Kondomen.
Schwangerschaftsabbruch
Im Buch „Erinnerung und Identität - Gespräche an der Schwelle zwischen den Jahrtausenden“ rief Johannes Paul II. dazu auf, Gesetze zum Thema Abtreibung zu hinterfragen. Parlamente, die Gesetze verabschiedeten, die Frauen einen Schwangerschaftsabbruch ermöglichten, sollten sich bewusst sein, dass sie damit ihre Befugnisse überschritten und in offenen Konflikt mit dem Gesetz Gottes und dem Gesetz der Natur gerieten.
In den 1990er Jahren sprach sich Johannes Paul II. mit Nachdruck gegen eine Lockerung der Gesetze in seinem Heimatland Polen aus. Abtreibung sei „Mord“.
Unter Berufung auf sein Jurisdiktionsprimat veranlasste Johannes Paul II. die deutschen Bischöfe im Herbst 1999 dazu, bei Schwangerenberatungen durch kirchliche Träger das Ausstellen einer Beratungsbescheinigung zu verbieten, welche in Deutschland Voraussetzung für eine straffreie Abtreibung bis zum dritten Schwangerschaftsmonat ist. Beratungsstellen in kirchlicher Trägerschaft verloren damit ihre staatliche Anerkennung.
Die Mehrheit der deutschen Bischöfe wollte die katholische Schwangerenberatung innerhalb des staatlichen Systems nicht aufgeben und versuchte seit 1995 vergeblich, ihren Argumenten beim Papst Gehör zu verschaffen. Die Bischöfe vertraten die Meinung, die katholische Schwangerenberatung sei ein wichtiger Beitrag zum Schutz von ungeborenem Leben. Nach dem Ausstieg der katholischen Kirche aus dem staatlichen System kam es zur Gründung des gemeinnützigen Vereins Donum Vitae, der die bisherige Arbeit der kirchlichen Träger fortsetzt und weiterhin eine "katholisch geprägte Schwangerenberatung" innerhalb des staatlichen Systems anbietet.
Ökologie
Für Johannes Paul II. war die fortschreitende Umweltzerstörung ein moralisches Problem, eine Konsequenz der aus der Balance geratenen Beziehung der Menschen mit der Schöpfung. Die Möglichkeit der Vermeidung einer ökologischen Katastrophe sah er in der Rückbesinnung auf christliche Werte. Ursachen der ökologischen Probleme waren für ihn nicht nur politische Hindernisse wie Formen von übertriebenem Nationalismus und ökonomische Interessen sondern insbesondere die mangelnde Solidarität der Menschen. Johannes Paul II. forderte immer wieder, Verantwortung für sich, für andere und für die Erde zu übernehmen [http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/messages/peace/documents/hf_jp-ii_mes_19891208_xxiii-world-day-for-peace_en.html]. Er betonte deshalb die „ökologische Berufung“ aller Christen, die eine Umkehr zu ökologisch tragfähigen Lebensstilen und globaler Solidarität als ein unverzichtbares Glaubens- und Lebenszeugnis in der modernen Gesellschaft propagiere. Sie sei Ausdruck der Ehrfurcht vor dem Schöpfer und zugleich der Verantwortung für künftige Generationen [http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/speeches/2002/june/documents/hf_jp-ii_spe_20020610_venice-declaration_ge.html].
Sozialethik
Neben seiner Kritik am Kommunismus und Sozialismus war Johannes Paul II. auch ein scharfer Kritiker des neoliberalen Kapitalismus. Im Gegensatz zu früheren Zeiten, wo die Kirche nur allzu oft auf der Seite der Reichen stand, nahm Johannes Paul II. energisch für die Rechte der Armen und der Arbeitenden Partei und griff Ausbeutung und Verletzung von Menschenrechten an, beispielsweise in seinen Enzykliken Laborem exercens (1981) Sollicituo rei socialis (1987).
Kirchenpolitik
Die Amtszeit von Johannes Paul II. war geprägt von einer verstärkten Wahrnehmung der repräsentativen Aspekte des Papstamtes. Dies zeigte sich von Anfang an vor allem durch zahlreiche Auslandsreisen, Pastoralbesuche genannt. Sie trugen ihm rasch den Spitznamen "(H)eiliger Vater" ein. Außerdem wurde der Dialog mit anderen Kirchen und Religionen ausgebaut.
Interreligiöser Dialog
Johannes Paul II. setzte sich stärker als seine Vorgänger für den interreligiösen Dialog ein, insbesondere mit dem Judentum, dessen Vertreter er als die "älteren Geschwister der Christen" bezeichnete, und dem Islam. Sichtbaren Ausdruck fanden diese Bemühungen vor allem bei dem ersten Weltgebetstreffen der Religionen am 27. Oktober 1986 in Assisi, das seither an verschiedenen Orten wiederholt wurde. Am 13. April 1986 besuchte Johannes Paul in Rom als erster Papst eine Synagoge wie auch die Omajaden-Moschee in Damaskus.
Am 16. März 1998 beklagte der Vatikan in dem Dokument Nachdenken über die Shoa die Mitschuld von Christen am Holocaust. Das päpstliche mea culpa am 12. März 2000 wurde als historischer Akt bezeichnet. Johannes Paul II. hatte darin kirchliche Verfehlungen im Zusammenhang von Glaubenskriegen, Judenverfolgungen und Inquisition eingestanden. Kurz darauf folgte am 20. März eine Pilgerreise nach Israel, Jordanien und in die Palästinensergebiete, bei der der Papst an der Klagemauer betete und in Betlehem und Nazaret Eucharistie feierte. Bereits am 30. Dezember 1993 konnte in Jerusalem der Grundlagenvertrag mit Israel über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen unterzeichnet werden.
Ökumene
Ein besonderes Anliegen des Papstes war die Ökumene.
Bei seinem ersten Deutschlandbesuch 1980 wurde eine katholisch-lutherische Kommission eingesetzt, deren Arbeit in die 1999 von der römisch-katholischen Kirche und dem Lutherischen Weltbund in Augsburg unterzeichnete Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre mündete. Johannes Paul II. war der erste Papst, der eine lutherische Kirche besuchte. Er stellte aber auch fest, dass wegen der unterschiedlichen Auffassungen von der Eucharistie bzw. vom Abendmahl eine Interkommunion zur Zeit nicht möglich sei. Er verbot daher im am 17. April 2003 veröffentlichten Dokument Ecclesia de Eucharistia die Teilnahme von katholischen Priestern an protestantischen Abendmahlsfeiern bzw. die Einladung von evangelischen Christen zur katholischen Eucharistie. Das Verbot führte bei fortschrittlichen Priestern und Gruppierungen innerhalb der katholischen Kirche zu heftiger Kritik. Auch die Vertreter anderer Konfessionen bedauerten die Aussagen des Schreibens, mit dem Johannes Paul II. auf der Linie seiner Vorgänger geblieben war.
Auch die von der Kongregation für die Glaubenslehre verfasste und von Johannes Paul II. bestätigte Erklärung Dominus Jesus, in der den protestantischen Kirchen der Rang als gleichberechtigte Partnerinnen der katholischen Kirche abgesprochen wurde, ist insbesondere im konfessionell gemischten Deutschland heftig kritisiert worden. Seitens der evangelischen Kirchen wurde aber auch festgestellt, dass die Erklärung Dominus Jesus inhaltlich keine neue Position darstellte. Man stieß sich besonders am Stil und am Zeitpunkt der Erklärung. In Dominus Jesus wird dargelegt, dass sich die katholische Kirche in einem anderen, nämlich sakramentalen Sinne als Kirche versteht, als manche evangelischen Kirchen dies von sich tun.
In Bezug auf die orthodoxen Kirchen kam es zwar zu Annäherungen, die Bemühungen des Papstes, nach Moskau zu reisen um dort den wichtigsten Vertreter der Orthodoxie, den russischen Patriarchen Alexej II. zu treffen scheiterten jedoch an dessen Widerstand. Alexej warf der katholischen Kirche erhöhte Missionstätigkeit in orthodoxen Glaubensregionen vor.
Innerkirchliche Angelegenheiten
Umstrittene Bischofsernennungen, beispielsweise diejenige von Wolfgang Haas in Chur und später in Liechtenstein, Hans Hermann Groër in Wien und Kurt Krenn in St. Pölten, sorgten immer wieder für Konflikte. Als Johannes Paul II. 1988 gegen den Widerstand des Domkapitels Joachim Meisner als neuen Erzbischof von Köln durchsetzte, protestierten mehr als 160 katholische Hochschullehrer öffentlich gegen den "römischen Zentralismus".
In Österreich führte die Affäre Groër im März 1995 zu einem Kirchenvolksbegehren. Die Initiative Wir sind Kirche sammelte mehr als 500.000 Unterschriften für eine "grundlegende Erneuerung der Kirche Jesu". Reformen seinen notwendig, um der katholischen Kirche "wieder zu mehr Ansehen und Akzeptanz zu verhelfen".
Johannes Paul II. machte in Glaubens- und Moralfragen keine Kompromisse. Kritiker warfen ihm vor, er lasse missliebige Theologen, Priester, Ordensleute und Bischöfe wie Tissa Balasuriya (Sri Lanka), Leonardo Boff (Brasilien), György Bulányi (Ungarn), Edward Schillebeeckx (Belgien), Bischof Jacques Gaillot (Frankreich) und Erzbischof Raymond Hunthausen (USA) "inquisitorisch verfolgen".
Johannes Paul II. ließ am 17. Mai 1993 den ersten Weltkatechismus seit 1566 herausgegeben, in dem Glaubenslehre und Moral behandelt werden.
Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern
Während des Pontifikats Johannes Pauls gab es keine nennenswerten Tendenzen zur Öffnung der kirchlichen Weiheämter für Frauen. Frauen dürfen bis heute in der Römisch-Katholischen Kirche kein solches Amt ausüben. Kritiker in westlichen Ländern fordern seit langem eine stärkere Einbindung der Frauen und sehen die diesbezügliche Auffassung des Vatikans nicht durch die Bibel gerechtfertigt. Die lehramtliche Auslegung der Bibel durch das Papsttum schließt einen solchen Schritt jedoch kategorisch aus. Johannes Paul II. bekräftigte dies in seinem Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis“.
Nichtweiheämter sind jedoch für Frauen grundsätzlich erreichbar: 2003 wurde erstmals in der Geschichte des Vatikans eine Frau an die Spitze einer päpstlichen Akademie berufen. Letizia Pani Ermini wurde von Johannes Paul II. zur Präsidentin der Akademie für Archäologie ernannt. Die Zahl und Stellung der Nichtweiheämter in der römischen Kirche ist im Vergleich zu den Weiheämtern vergleichsweise gering. Auch die Akademie für Archäologie gehört nicht zu dem primären Tätigkeitsbereich der Kirche.
Weltpolitik
Johannes Paul II. griff direkt und indirekt in das weltpolitische Geschehen ein. Bereits die Tatsache, dass mit ihm ein Bürger eines sozialistischen Landes zum Papst erwählt wurde, war ein Politikum.
Er verstand es, durch das Empfangen oder Besuchen von politischen Größen diese - aber auch den Vatikan selbst - aufzuwerten. So war er das erste Staatsoberhaupt, das am 15. September 1982 Jassir Arafat eine Audienz gewährte. Ebenso empfing er am 24. April 1985 dem Staatsratsvorsitzenden der DDR, Erich Honecker. Im Januar 1998 | | |