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MennonitenMennoniten, auch Altevangelisch Taufgesinnte und Alttäufer genannt, sind eine reformierte christliche Konfession in der Tradition der Täufer. Der Name leitet sich vom friesischen Gründer Menno Simons ab. Anfangs war "Mennoniten" ein Schimpfwort, später wurde der Name von der Gruppe übernommen.
Verbreitung
Menno Simons
Weltweit gibt es etwa 1,3 Millionen Mennoniten (Mennonitische Weltkonferenz 2003) in über 60 Ländern: Vereinigte Staaten von Amerika und Kanada (42%); Afrika (28%), Asien und Australien (16%); Karibik, Mittel- und Südamerika (9%) und Europa (5%).
Paraguay und Argentinien sind zwei Länder, in denen Mennoniten siedeln. Im zentralen Chaco entstanden drei Kolonien, sie gehören heute zum paraguayischen Departamento Boquerón. Zuerst gründeten deutschsprachige mennonitische Einwanderer aus Mexiko die Kolonie Menno mit dem Zentrum Loma Plata. Es folgte die Gründung der Kolonie Fernheim mit dem Zentrum Filadelfia (ursprünglich Philadelphia, = 'Bruderliebe') durch Mennoniten, die unter Stalin aus Russland geflohen waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand dann die Kolonie Neuland mit dem zentralen Ort Neu Halbstadt.
Die Kolonien wurden seit ihrer Gründung durch die Bundesrepublik Deutschland gefördert. Auch heute noch sind dort mehrere vom Bundesverwaltungsamt in Köln dorthin vermittelte und entsandte Lehrer tätig. Auch die GTZ (Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) ist im Chaco aktiv.
In Mexiko selbst besteht seit den 1920er Jahren eine größere Kolonie der Mennoniten rund um Cuauthémoc. Die ehemals wenig fruchtbare Gegend ist durch Wasserbohrungen zu einem Gebiet erfolgreichen Apfelanbaus geworden.
Mennoniten im deutschsprachigen Raum
Deutschland
In Deutschland leben etwa 32.000 Mennoniten in ungefähr 190 Gemeinden. Neben den ältesten Zusammenschluss, die Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland, traten durch die Zuwanderung zahlreicher Mennoniten aus der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten zahlreiche weitere Verbände. Heute bilden die Gemeinden der Zuwanderer die Mehrheit der deutschen Mennoniten. Einen Überblick über die Situation gibt die folgende Tabelle (Quellen: [http://www.mwc-cmm.org/Directory/europe.html] und [http://www.mennoniten.de], Stand 2003):
Zur Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden (AMG) in Deutschland haben sich drei Regionalverbände zusammengeschlossen:
- Vereinigung der Deutschen Mennonitengemeinden K.d.ö.R. (VDM)
- Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutscher Mennonitengemeinden K.d.ö.R. (ASM)
- Verband deutscher Mennonitengemeinden K.d.ö.R. (VdM)
Luxemburg
In Luxemburg gibt es zwei Mennonitengemeinden mit etwa 110 Mitgliedern, die in der Association Mennonite Luxembourgeoise zusammengeschlossen sind.
Österreich
Die Mennonitische Freikirche Österreich bilden die sechs österreichischen Gemeinden mit ihren etwa 300 Angehörigen.
Schweiz
Die vierzehn Gemeinden der Konferenz der Mennoniten der Schweiz (Alttäufer) mit ihren 2.500 Mitgliedern liegen alle im Nordwesten der Schweiz. In Liestal befindet sich das täuferische Ausbildungs- und Tagungszentrum Bienenberg (vormals Europäische Mennonitische Bibelschule).
Lehre
Die Mennoniten waren und sind bestrebt, den Inhalt der Bibel zu leben und diese als Gebrauchsanweisung für ihr Leben zu sehen. Gute Bibelkenntnis wird von allen Mitgliedern erwartet - in den Anfangszeiten, als Mennoniten oft Analphabeten waren, konnten viele von ihnen große Teile der Bibel auswendig.
Mennoniten gehören zu den Friedenskirchen, die sich an Gewaltlosigkeit und Pazifismus orientieren und vielfach in politischen Krisengebieten diakonisch aufgetreten sind. Manche Mennoniten verweigern jeden Wehrdienst und sogar die Steuern, die für Militärausgaben bestimmt sind, andere leisten Militärdienst.
Ihre Lehre in der Tradition der Täufer beinhaltet:
- Bekehrung und Wiedergeburt: Um das Heil in Jesus Christus anzunehmen, muss ein Mensch sich bekehren. Die Bekehrung ist die bewusste Abkehr vom Leben unter der Macht der Finsternis und der Sünde und die Hinkehr zu Gott und zum Leben unter seiner Leitung durch Jesus Christus und durch die Wirkung des Heiligen Geistes. Nicht das Bekehrungserlebnis, sondern das Bekehrt-sein ist entscheidend.
- Die Glaubenstaufe wird an Erwachsenen vollzogen. Sie kann durch Untertauchen oder Besprengung praktiziert werden. Immer ist sie ein öffentliches Bekenntnis der Bekehrung und der Wiedergeburt Gott und den Menschen gegenüber. Durch die Taufe wird die Bekehrung besiegelt. Sie gehört zur Rettung, weil Jesus sagt: "Wer da glaubt und getauft wird, wird gerettet werden." (Markus (Evangelium) 16,16.
- Gemeindedisziplin: Sündenbekenntnis, Lossprechung von den Sünden, Wiederaufnahme von Sündern in der Gemeinde.
- Das Abendmahl ist ein Gedächtnismahl unter den getauften Gläubigen, das an die Leiden und den Tod Christi erinnern.
Zu den frühesten Glaubensbekenntnissen zählen die am 24. Februar 1527 angenommenen Schleitheimer Artikel. Ihre sieben Artikel umfassen:
- die Taufe
- die Exkommunikation
- das Brotbrechen
- die Abtrennung von der Welt
- die Pastoren in der Kirche
- das Schwert
- den Eid.
Gottesdienst und Praxis
Es gibt über zwanzig verschiedene mennonitische Gruppen, die sich bezüglich Lebensweise und religiöser Praxis stark unterscheiden. Gemeinsam ist ihnen die täuferische Tradition und das Engagement in aktiver Friedensarbeit und diakonischer Tätigkeit.
Einige mennonitische Gruppen, zum Beispiel in Kanada, den USA oder Russland, leben in einer ausgeprägten Distanz zum normalen Alltagsleben. Ein bekanntes Beispiel sind die Amischen, die weitestgehend auf den Einsatz moderner Technik verzichten und sich sonntags in ihren Privathäusern treffen, statt in Kirchen. In einigen Fällen haben sich mennonitische Gruppen auch ihren ursprünglichen niederdeutschen Dialekt erhalten, wie zum Beispiel das Plautdietsch. Eine Vermischung mit der ansässigen Bevölkerung findet häufig nicht statt.
Die Mennoniten "an sich" gibt es allerdings nicht. Ursprünglich in die Wildnis von Paraguay ausgesiedelte Gemeinden beispielsweise sind heute modern und weltoffen.
Mennoniten bemühen sich "im Namen Christi" wohltätig zu sein und gründeten Hilfsorganisation wie den Mennonitischen Katastrophendienst (MDS, Mennonite Desaster Service) und das Mennonitische Hilfswerk (MCC, Mennonite Central Committee) um Hilfsbedürftigen, Fremde wie Mitgläubige, zu unterstützen.
Organisation
Die einzelnen Gemeinden sind unabhängig (kongregationalistisch) und werden als Abbild der neutestamentlichen Gemeinde verstanden. Die Gemeindeleitung liegt in der Regel in den Händen von Ältesten, Predigern und Diakonen.
1990 wurde die Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden (AMG) in Deutschland mit Sitz in Enkenbach-Alsenborn gegründet.
Alle bedeutenderen Mennonitenkirchen (164 Kirchen) sind Mitglieder der Mennonitischen Weltkonferenz.
Geschichte
Die Wiedertäufer, einfach Täufer genannt, nahmen ihren Anfang 1525 in Zürich/Schweiz, gleichwohl sie in mehreren Gegenden zu finden waren. Die damalige Kirche hat vielfach versucht, die Täufer zu verdrängen, vor allem weil sie die Kindertaufe ablehnten. Täufer glaubten, dass die wahre christliche Gemeinde nur aus denen bestehen dürfe, die sich freiwillig haben taufen lassen. Das konnten der Staat und die Kirche nicht dulden.
Während des 16. Jahrhunderts drohte den Mennoniten und anderen Täufern so in ganz Europa Verfolgung, Folter und Märtyrertod. Bis zum 17. Jahrhundert vereinigten sich einige von ihnen mit der niederländischen Staatskirche und veranlassten den Staat zur Einstellung der Verfolgungen.
Die Mennoniten außerhalb der Staatskirche sollten sich dafür entscheiden, die Gemeinschaft mit ihren Brüdern innerhalb der Staatskirche aufrecht zu erhalten. Dies führte zur Spaltung. Diejenigen, die gegen das Verbleiben in der Gemeinde waren, wurden als Amish-People beziehungsweise Amisch bekannt, nach ihrem Gründer Jakob Ammann. Die in der Gemeinschaft blieben, behielten die Bezeichnung Mennoniten. Im Lauf der Jahre haben andere Widersprüche zu weiteren Spaltungen geführt; es gab theologische, praktische und auch geographische Gründe. Als zum Beispiel Anfang des 20. Jahrhunderts einige in der Amisch-Gemeinde mit der Einführung der Sonntagsschule und der Evangelisation in ihrer Gemeinde scheiterten, trennten sie sich ab und bildeten die konservative Mennonitenkirche.
Seit dem 16. Jahrhundert lebten auch in Westpreußen viele Mennoniten. Damals wurden die mennonitischen Flüchtlinge aus den Niederlanden aufgenommen, um die Sumpfgebiete des Weichsel-Nogat-Deltas zu kultivieren. Sie haben dort Deiche und Kanäle gebaut und konnten auf diese Weise das Land für eine erfolgreiche Viehzucht nutzen. Da sie den dortigen Städten und den Großgrundbesitzern wirtschaftliche Vorteile brachten, wurde ihre Religion geduldet. Als Westpreußen im Zuge der polnischen Teilungen 1772 unter die preußische Herrschaft kam, hat sich die Situation für die Mennoniten stark verändert. Damals lebten in Westpreußen 12.182 Mennoniten. Die Mennoniten standen mit ihrer Ablehnung des Wehrdienstes dem Wunsch der preußischen Könige nach einer Vergrößerung ihrer Armee entgegen. Sie wurden zwar vom Wehrdienst befreit, aber ihre weitere Ausbreitung wurde verhindert.
So sind dann viele Mennoniten aus Westpreußen nach Südrussland ausgewandert, weil sie dort bessere Möglichkeiten für ihre wirtschaftliche, religiöse und soziale Entwicklung sahen. 1789 wurden in Chortitza und 1804 in Molotschna mennonitische Siedlungen gegründet. Beide Orte liegen heute in der südlichen Ukraine. Diese Ansiedlungen haben sich wirtschaftlich gut entwickelt und ihre Bevölkerung ist stark angewachsen. Überall in Russland wurden Tochterkolonien gegründet, unter anderem Jazykowo, Fürstenland, Sagradowka, Barnaul und Neu Samara.
Etwa ein Drittel der damaligen mennonitischen Bevölkerung ist 1874 nach der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Russland nach Kanada, dort vor allem nach Manitoba (Westreserve und Ostreserve), und in die USA emigriert. Weitere 23.000 sind in den 1920ern ausgewandert.
Während der kommunistischen Herrschaft in Russland wurde die Religionsausübung verfolgt. Viele Mennoniten haben ihren Glauben aber bewahrt und sind nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nach Deutschland gekommen. Heute leben in Deutschland mehr als 200.000 Menschen russlanddeutscher mennonitischer Herkunft. Die Anzahl der von Russlanddeutschen gegründeten mennonitischen Gemeinden übersteigt die der Alteingesessenen bei weitem.
Ökumene
Die meisten Mennoniten sehen sich mit allen Christen verbunden, die Jesus als Herrn bekennen und nach seiner Lehre leben wollen und halten ihre Kirchen für sie offen.
Diese sind Mitglied der Vereinigung Evangelischer Freikirchen in Deutschland und in der Schweiz sowie in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland.
Ein Großteil der mennonitischen Kirchen sind Mitglieder im Ökumenischen Rat der Kirchen. Von einigen Mennoniten jedoch, insbesondere auch Teilen der Russlanddeutschen, wird jede Kooperation mit Andersgläubigen konsequent abgelehnt. Sie sehen darin eine Verwässerung ihrer Glaubensgrundsätze. Diese machen jedoch inzwischen eine Minderheit aus.
Siehe auch
- Portal:Freikirchen
- Freikirchen in Ostfriesland
- Amische
- Täufer
- Vereinigung Evangelischer Freikirchen
Weblinks
- [http://www.mennoniten.de Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden Deutschlands (AMG)]
-
- [http://www.tekstlink.com/menno.htm Menno on the Net - Ein Verzeichnis von Netzseiten über Menno Simons (Englisch)]
Kategorie:Mennoniten
Kategorie:Körperschaft des öffentlichen Rechts (kirchenrechtlich)
Täufer
Täufer ist die Bezeichnung einer vielschichtigen christlichen reformatorischen Bewegung des 16. Jahrhunderts, die in der Schweiz, Tirol, Süddeutschland und in Ostfriesland ihre geografischen Ausgangspunkte hatte, sich aber schnell über ganz Zentraleuropa ausbreitete. Oft wurden die Täufer als "Wiedertäufer" (Anabaptisten) bezeichnet: Da die Täufer die Taufe unmündiger Kinder als unbiblisch und deshalb als ungültig verwarfen, wurden Mündige aufgrund ihres persönlichen Glaubensbekenntnisses erneut getauft, auch wenn sie bereits als Säuglinge getauft worden waren. In den Augen der Täufer und ihrer Nachfolger war - und ist - lediglich die Glaubenstaufe gültig. Diese wird im Regelfall nicht wiederholt, so dass aus Sicht der Täufer keine Wiedertaufe vorliegt.
Die Täuferbewegung der Reformationszeit ist eine der Wurzeln der heutigen Hutterer, Mennoniten und der Amischen sowie im gewissen Sinne auch der Baptisten.
Entstehung
Baptisten
Die Bewegung der Täufer hat ihren Ursprung wohl in Zürich und zwar als Abspaltung der von Zwingli dort eingeleiteten und durchgeführten Reformation. Im Zuge der 2. Zürcher Disputation im Herbst 1523 hatte der Rat der Stadt im Einvernehmen mit Zwingli beschlossen, den reformatorischen Maßnahmen erst ausführliche evangelische Predigten vorangehen zu lassen, um die Bevölkerung angemessen auf die bevorstehenden Wandlungen vorzubereiten. Einer Gruppe um Felix Manz und Konrad Grebel war dieser Reformationsprozess nicht durchgreifend genug. Sie bildeten eine Gemeinschaft, die sich von der Welt abschied und die sich als "Gemeinschaft der Glaubenden" verstand.
Erst im Jahr 1524 rückte die Taufe während des Taufstreits in den Mittelpunkt der Diskussion. Die Gruppe weigerte sich ihre Kinder taufen zu lassen. Der Rat erließ einen Taufbefehl, dem sich größte Teil der Gruppe 1525 widersetzte.
Gründung der ersten Täufergemeinde
Der 21. Januar 1525 gilt als eigentliches Gründungsdatum der Täuferbewegung. Am Abend dieses Tages versammelte sich der Grebelsche Kreis im Haus der Mutter von Felix Manz. Nach einer längeren Gesprächs- und Gebetszeit kam es zur Gründung der ersten Täufergemeinde. In der Ältesten Chronik der hutterischen Brüder ist ein Bericht über den Verlauf dieser Zusammenkunft erhalten. Die Chronik berichtet, dass "die Angst begann und auf sie kam" und "dass ihre Herzen bedrängt wurden". Nach einem Gebet trat der ehemalige römisch-katholische Priester Jörg Blaurock aus dem Schweizer Kanton Graubünden vor Konrad Grebel und bat diesen, ihn zu taufen. Grebel kam dieser Bitte sofort nach. Danach taufte Blaurock auf deren Bitten hin auch die anderen des Kreises - unter ihnen auch Felix Manz.
Reaktionen der Zürcher Obrigkeit
Da es sich der Rat der Stadt nicht gefallen lassen wollte, dass der seit 1525 geltende Zwang zur Kindertaufe von den Täufern missachtet wurde, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, an deren Ende 1527 die Hinrichtung von Felix Manz – durch Ertränken in der Limmat – stand.
Weitere Entwicklungen
Ausgelöst durch die Verfolgungen und die Vertreibung aus Zürich und durch ein starkes missionarisches Sendungsbewusstsein breiteten die Täufer sich schnell in das Alpengebiet (Konrad Grebel, Jakob Hutter), nach Nordwestdeutschland (Melchior Hofmann), in die heutigen Niederlande und nach Mähren (Balthasar Hubmaier) aus. Auch in den protestantischen Territorien Südwestdeutschlands, so zum Beispiel in Württemberg und den angrenzenden Herrschaften, ließen sich Erwachsene taufen. Dort verzichtete die Obrigkeit auf allzu grausame Sanktionen.
Zusammenfassung
Man kann das Täufertum als "linken Flügel der Reformation" (nach Heinold Fast) verstehen. Anhänger der "großen" Reformatoren waren enttäuscht, dass die "Gemeinde des Neuen Testaments" durch die Reformation nicht wieder hergestellt und an der "Ehe von Thron und Altar", also der engen (politischen) Verbindung zwischen Kirche und Staat fest gehalten wurde.
- Einen ausführlichen Überblick über die Geschichte des Täufertums bietet die Zeittafel zur Geschichte der Täufer.
Verschiedene Täufergruppen
Zeittafel zur Geschichte der Täufer
Eine Sonderrolle innerhalb der Täuferbewegung spielten die Münsterschen Wiedertäufer(siehe dort). Ansonsten unterscheidet man in der Täuferforschung folgende Täufergruppen:
Sie leiteten sich in direkter Linie von der ersten Zürcher Täufergemeinde her, breiteten sich in der Schweiz, am Oberrhein, im Kraichgau sowie in der Pfalz aus und vertraten besonders den Gedanken der "Absonderung von der Welt".
Sie bildeten in Schwaben, Bayern, Franken und Österreich ihre Gemeinden und waren eine außerordentlich missionarische Täufergruppe. Ihre Theologie war stark endzeitlich geprägt.
Sie lebten zunächst in Tirol und Mähren, durchzogen jedoch - bedingt durch Vertreibung und Verfolgung - halb Osteuropa. Urchristliche Gütergemeinschaft, strikte "Absonderung von der Welt", absolute Gewaltlosigkeit und eine enge Ethik kennzeichnen ihre Lehre und ihre Glaubenspraxis.Einer ihrer großen Lehrer im 16. Jahrhundert war Peter Rideman.
Ihre Verbreitungsgebiete waren zunächst die Niederlande, Ostfriesland und der Niederrhein; später gelangten sie nach Ostpreußen und Russland. Man kann sie als sehr gemäßigte aber auch friedfertige Vertreter des Täufertums bezeichnen. Nachdem sie ihre reformatorischen Ideen zunächst mit Gewalt durchzusetzen versuchten, was in den Niederlanden jedoch kläglich scheiterte, besannen sie sich und machten die Verweigerung des Kriegsdienstes und der Eidesleistung zu ihrem festen Programm.
Schleitheimer Artikel - Grundsatzerklärung der verschiedenen Täufergruppen
Russland
Bekannt wurden die von Michael Sattler verfassten "Schleitheimer Artikel" (Schleitheim, Kanton Schaffhausen - Schweiz) von 1527, in denen die Lehre der Täufer programmatisch zusammengefasst wurde. Wichtigste Punkte in diesen Artikeln waren:
- Ablehnung der Kindertaufe,
- Ablehnung von Eid, Kriegsdienst und Steuern,
- Ablehnung der Wahrnehmung weltlicher Obrigkeit durch Täufer,
- Bildung einer Gemeinschaft der wahrhaft Gläubigen (in Ablehnung der Idee von der "Volkskirche").
Verfolgungen der Täufer
Der Zweite Reichstag zu Speyer 1529 war zwar einerseits ein Meilenstein auf dem Weg zu neuzeitlicher Gewissensfreiheit. Die 19 evangelischen Reichstände konnten ihre religiöse Gewissensfreiheit politisch durchsetzen. Auf der anderen Seite aber wurde ein Mandat verabschiedet, das die Todesstrafe gegen die Täufer reichsrechtlich verfügte. Während die Reformation einen starken Rückhalt bei den deutschen Fürsten verfügte, wurden die Täufer von keinem der Reichstände vertreten. Das so genannte Wiedertäufermandat von Speyer schuf die gesetzliche Grundlage für eine großangelegte Verfolgung der täuferischen Bewegung; es hatte folgenden Inhalt:
# Wer wiedergetauft oder sich der Wiedertaufe unterzogen hat, ob Mann oder Frau, ist mit dem Tode zu bestrafen, ohne dass vorher noch ein geistliches Inquisitionsgericht tätig zu werden braucht.
# Wer sein Bekenntnis zu den Wiedertäufern widerruft und bereit ist, für seinen Irrtum zu sühnen, soll begnadigt werden. Er darf jedoch nicht Gelegenheit erhalten, sich durch Anweisung in ein anderes Territorium einer ständigen Aufsicht zu entziehen und eventuell rückfällig zu werden. Die Hartnäckigkeit auf täuferischen Lehre zu beharren, soll mit dem Tode bestraft werden.
# Wer die Wiedertäufer anführt oder ihre Anweisungen vorantreibt, soll "keines wegs" also auch bei Widerruf nicht, begnadigt werden.
# Wer nach einem ersten Widerruf rückfällig geworden ist und abermals widerruft, soll nicht mehr begnadigt werden. Ihn trifft die volle Strafe.
# Wer die Taufe für seine neugeborenen Kinder verweigert, fällt ebenfalls unter die Strafe, die auf die Wiedertaufe steht.
# Wer von den Täufern in ein anderes Territorium entwichen ist, soll dort verfolgt und der Bestrafung zugeführt werden.
# Wer von den Amtspersonen nicht bereit ist, nach diesen Anordnungen streng zu verfahren, muss mit kaiserlicher Ungnade und schwerer Strafe rechnen.
- Quelle: Wikibooks
Zusammenfassung: Glaubensüberzeugungen/Charakteristika
- Misstrauen gegenüber Staat und Staatskirchentum
- Starker Bezug auf die Sittlichkeitsgebote der Bergpredigt
- Friedensliebe / Erdulden von Unrecht und Gewalt wie beispielsweise bei Amischen.Das Täufertum in Münster repräsentierte dagegen eine radikal-fundamentalistische Minderheit mit militanter Gewalt.
- Glaube an prophetische Erleuchtungen ("inneres Licht"), daraus gewonnene Erfahrungen wurden hier und dort über die Aussagen der Bibel gestellt (vgl. Spiritualismus (theologisch)).
- Gläubigentaufe / Ungültigkeit der Kindertaufe
- Heiligung
Bedeutende Gestalten des Täufertums
- Jörg Blaurock
- Christian Entfelder († nach 1544)
- Konrad Grebel
- Hans Haslibacher
- Ludwig Hetzer († 1529)
- Melchior Hofmann
- Balthasar Hubmeier
- Hans Hut
- Jakob Hutter
- Bernd Knipperdolling
- Bernd Krechting
- Heinrich Krechting
- Jan van Leiden
- Felix Manz
- Michael Sattler
- Menno Simons
- Bernd Rothmann
- Peter Rideman
Literatur
- Richard van Dülmen (Hrsg.): Das Täuferreich zu Münster 1534 - 1535 (Dokumente), München 1974, [ISBN 3-423-04150-1]
- Claus-Peter Clasen: Die Wiedertäufer im Herzogtum Württemberg und in benachbarten Herrschaften. Stuttgart 1965
- Franklin H. Littell: Das Selbstverständnis der Täufer (1966)
- Heinold Fast: Der linke Flügel der Reformation
- Samuel Henri Geiser Die Taufgesinnten Gemeinden 1971
- Barbara Kink: Die Täufer im Landgericht Landsberg 1527/28, St. Ottilien 1997, [ISBN 3-88096-887-X]
- Hans-Jürgen Goertz (Hrsg.):Radikale Reformatoren. 21 biographische Skizzen von Thomas Müntzer bis Paracelsus. München 1978.
- Hans-Jürgen Goertz:Die Täufer. Geschichte und Deutung. München 1988, 2. Aufl.
- Hans-Jürgen Goertz:Konrad Grebel. Ein Radikaler in der Zürcher Reformation. Eine biographische Skizze Zürich 2004.
- Werner O. Packull: Die Hutterer in Tirol. Frühes Täufertum in der Schweiz, Tirol und Mähren - Aus dem Englischen übersetzt von Astrid von Schlachta. Innsbruck 2000.
- Bruce Gordon:The Swiss Reformation, Manchester/New York 2002, Kapitel 6: The Radical Challenge, Seite 191-227.
Film
- [http://www.artifar.com/clients/vogu/imleben05.html Im Leben und über das Leben hinaus] (Schweiz 2005), Regie: Peter von Gunten
Weblinks
- [http://www.mennoforum.net Täuferisches Diskussionsforum]
- [http://www.schule.tmr.net/lessing/relinet/projekt/wiedertaeufer/ Schulprojekt: Täufer in Münster]
- Carsten Fischer: [http://www.forhistiur.de/zitat/0408fischer.htm Die Täufer in Münster (1534/35) - Recht und Verfassung einer chiliastischen Theokratie -], in [http://www.forhistiur.de/index_de.htm forum historiae iuris], Erste europäische Internetzeitschrift für Rechtsgeschichte 2004
- http://www.artifar.com/clients/vogu/imleben05_img.html
- http://www.efb.ch/Texte/zhtauf/1920jhd.htm
- http://www.menno.ch
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Kategorie:Christentumsgeschichte (Reformationen)
Kategorie:Täufer
ja:再洗礼派
2003
Jahreswidmungen
- 2003 ist „Das Europäische Jahr der Menschen mit Behinderung“
- 2003 ist „Internationales Jahr der Chemie“
- 2003 ist „Jahr des Süßwassers“ (UNESCO)
- 2003 ist „Jahr der Bibel“
- Der Papageigrüne Saftling (Hygrocybe psittacina) ist Pilz des Jahres (Deutsche Gesellschaft für Mykologie)
- Der Mauersegler (Apus apus) ist Vogel des Jahres (NABU/Deutschland)
- Die Schwarzerle (Alnus glutinosa) Baum des Jahres (Kuratoriums Baum des Jahres/Deutschland)
- Die Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera) ist Orchidee des Jahres (Arbeitskreis Heimische Orchideen/Deutschland)
- Der Wolf (Canis lupus) ist Tier des Jahres (Schutzgemeinschaft Deutsches Wild)
- Die Salbei (Salvia) ist Staude des Jahres (Bund deutscher Staudengärtner)
Politik
Januar
- 1. Januar: Pascal Couchepin wird Bundespräsident der Schweiz
- 1. Januar: Angola und Deutschland gehörten als nichtständige Mitglieder für zwei Jahre dem UN-Sicherheitsrat an
- 1. Januar: Luiz Inácio Lula da Silva wird Staatspräsident von Brasilien
- 15. Januar: Ecuador. Lucio Gutiérrez Borbúa wird Staatspräsident
- 19. Januar: Kuba. Dritte Direktwahlen zur Nationalversammlung
- 22. Januar: Parlamentswahl in den Niederlanden
Februar
- 2. Februar: Landtagswahlen in Niedersachsen und Hessen mit jeweils deutlichen Siegen der CDU
- 2. Februar: Verfassungsänderung in Kirgisistan
- 4. Februar: Durch Parlamentsbeschluss erfolgte die Umbenennung von Jugoslawien in Serbien und Montenegro
- 5. Februar: Armenien tritt der WTO bei
- 9. Februar: Präsident Wladimir Putin, Russland, und Bundespräsident Johannes Rau, Deutschland, eröffneten die deutsch-russischen Kulturtage in Berlin
- 10. Februar: Deutschland und die Niederlande übernahmen in Afghanistan die Führung der ISAF (Sicherheitsunterstützungstruppe)
- 11. Februar: Bolivien. Aufstand der Polizei: als Folge davon kam es zu Massenunruhen mit mehreren Toten und Hunderten Verletzter
- 21. Februar: Kroatien stellte in Athen, Griechenland, den Antrag auf Mitgliedschaft in der EU
- 26. Februar: Rolandas Paksas wird als Staatspräsident Litauens vereidigt
- 27. Februar: Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Tadschikistan
- 28. Februar: Tschechische Republik. Václav Klaus wird Staatspräsident
März
- Österreich hat nach der Nationalratswahl 2002 große Probleme eine neue Regierung zu finden. ÖVP und FPÖ entschließen sich zu einer Neuauflage der im Vorjahr gescheiterten schwarz-blauen Koalition
- 1. März: Handelsabkommen zwischen der EU und dem Libanon
- 11. März: Recep Tayyip Erdogan wird Ministerpräsident in der Türkei
- 16. März: Parlamentswahlen in El Salvador
- 16. März: Parlamentswahlen in Finnland
- 17. März: Verfassungsänderung in Frankreich. Hauptpunkt: Dezentralisierung Frankreichs
- 20. März: Beginn des Dritten Golfkriegs: Die Regierung Deutschlands und weite Teile der deutschen Bevölkerung stellten sich zusammen mit Frankreich im Irak-Konflikt gegen die Kriegspolitik der USA und Großbritanniens. Seitens der USA erhielt sie dafür harsche Kritik, aber auch Unterstützung von Russland und China
- 23. März: Verfassungsänderung in Tschetschenien
- 23. März: 90 % der Bevölkerung Sloweniens waren für einen EU-Beitritt
- 24. März: US-Präsident George W. Bush kündigt dem amerikanischen Volk in einer nur vier Minuten langen Rede den Beginn des Krieges gegen den Irak an
- 26. März: Unterzeichnung des NATO-Beitrittsprotokolls in Brüssel durch Estlands Außenministerin Kristiina Ojuland
April
- 3. April: Serbien und Montenegro wird Mitglied im Europarat
- 4. April: Mehrere Hundert Menschen wurden bei einem Massaker in Ituri, Demokratische Republik Kongo, getötet
- 9. April: Einmarsch der von den USA geführten Truppen in Bagdad, Irak
- 9. April: Kulturabkommen zwischen Deutschland und Libanon
- 10. April: Estland. Juhan Parts wird Ministerpräsident
- 14. April: Militätputsch in Guinea-Bissau
- 16. April: Estland und Malta unterzeichnen in Athen, Griechenland, den Beitrittsvertrag zur EU
- 17. April: Finnland. Anneli Jäätteenmäki wird Regierungschefin (für 63 Tage)
- 19. April: Nigeria. Staatspräsident wird Olusegun Obasanjo wird im Amt bestätigt
- 21. April: Die Koalitions-Übergangsverwaltung für den Irak wird gegründet
- 27. April: Dritte demokratische Wahlen im Jemen
- 27. April: Allgemeine Wahlen in Paraguay
- 29. April: Gemeinsame Erklärung in Brüssel, Belgien, von Deutschland, Frankreich, Luxemburg und Belgien zur Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik
- 30. April: Burundi. Domitien Ndayizeye wird Staatspräsident
- 30. April: Die Einwohner des Golfstaates Katar stimmen der ersten Verfassung seit der Unabhängigkeit von Großbritannien (1971) zu
Mai
- 1. Mai: Gipfeltreffen in Athen, Griechenland, zwischen Japan und der EU
- 1. Mai: US-Präsident George W. Bush erklärt den wesentlichen Teil der Kampfhandlungen im Irak für beendet
- 2. Mai: Albanien und die USA unterzeichnen ein Nichtauslieferungsabkommen amerikanischer Staatsbürger an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag
- 25. Mai: Argentinien. Dr. Néstor Kirchner wurde Staatspräsident
- 25. Mai: Armenien. Wahl zur Nationalversammlung
- 26. Mai: Ruanda. 93 % Zustimmung zur neuen Verfassung
- 28. Mai: Deutschland stellt Großraumzelte für die vom Erdbeben in Algerien Betroffenen zur Verfügung
Juni
- 1. Juni: Der Wechselkurs des Taka, Landeswährung in Bangladesch, zum USD wird freigegeben
- 1. Juni: In Deutschland tritt das neue Ladenschlussgesetz in Kraft
- 4. Juni: Surya Bahadur Thapa wird Premierminister von Nepal
- 5. Juni: Unterzeichnung des Kulturabkommens zwischen Kasachstan und Deutschland
- 5. Juni: Dieter Althaus wird Ministerpräsident des Freistaates Thüringen
- 8. Juni: Putschversuch in Mauretanien scheitert
- 8. Juni: Polen. 77 % stimmen für den Beitritt in die EU
- 10. Juni: Deutschland. Hans Martin Bury wird zum Beauftragten für die deutsch-französische Zusammenarbeit ernannt
- 12. Juni: Vereidigung des Rumpfkabinets in Nepal
- 17. Juni: Parlamentswahlen in Jordanien
- 24. Juni: Finnland. Matti Vanhanen wird Ministerpräsident
- 24. Juni: Die USA frieren die Vermögen der 55 Personen auf der Liste der meistgesuchten ehemaligen Regimemitglieder ein
- 25. Juni: Verleihung des Deutsch-Französischen Journalistenpreis (DFJP)
Juli
- 4. Juli: Gemeinsame Erklärung über die Beendigung des Krieges in Côte d'Ivoire
- 5. Juli: Parlamentswahlen in Kuwait
- 6. Juli: Sghaïr Ould M'Bareck wird Regierungschef in Mauretanien
- 6. Juli: Abgeordnetenwahl in Mexiko
- 10. Juli: Übergabe des EU-Fragebogens an Kroatien
- 15. Juli: Kuwait. Erstmals Trennung des Amtes des Kronprinzen und des Regierungschefs
- 15. Juli: Revolte in São Tomé und Príncipe durch unzufriedene Söldner
- 27. Juli: Parlamentswahlen in Kambodscha
August
- 6. August: Côte d'Ivoire. Das Amnestiegesetz tritt in Kraft
- 8. August: René Harris wird Staatspräsident, Regierungschef und Außenminister in einer Person in Nauru
- 11. August: Liberia. Präsident Charles Taylor geht ins Exil nach Nigeria
- 15. August: Dr. Nicanor Duarte Frutos wird Staatspräsident in Paraguay
- 18. August: Ein bilaterales Konsolidierungsabkommen über die Schulden Angolas gegenüber der Bundesrepublik Deutschland wurde unterzeichnet
- 27. August: Die maoistische Führung kündigt den Waffenstillstand in Nepal
- 27. August: Kabinettsumbildung im Senegal
- 30. August: Der Premierminister Khin Nyunt von Myanmar verkündet die „Myanmar Roadmap to Democracy“
September
- 5. September: Besuch der Königin Margrethe II. (Dänemark) in Deutschland
- 5. September: Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder besucht Prag/Tschechien
- 9. September: Der deutsche Bundespräsident Johannes Rau stattet der Volksrepublik China einen Staatsbesuch ab
- 10. September: Mijailo Mijailovic sticht in einem Stockholmer Kaufhaus Schwedens Außenministerin Anna Lindh nieder
- 11. September: Kuba. Das spanische Kulturinstitut wird durch die kubanische Regierung geschlossen
- 14. September: Estland. Volksabstimmung über den geplanten EU-Beitritt
- 14. September: Erneuter Militärputsch in Guinea-Bissau
- 22. September: Henrique Pereira Rosa wird Staatspräsident von Guinea-Bissau
- 23. September: Landtagswahl in Bayern
- 24. September: Litauen. Das Kabinett beschließt den Verkauf der Anteile an der russischen Gasprom
- 28. September: Italien. Es kommt zu einem großflächigen Stromausfall, der die weiße Nacht vorzeitig beendet
Oktober
- 4. Oktober: Oman. Erste Wahlen, bei denen alle Personen über 21, auch Frauen, wahlberechtigt sind
- 5. Oktober: Präsidentschaftswahlen in Tschetschenien
- 12. Oktober: Kommunalwahlen in Albanien mit leichten Stimmengewinnen für die Opposition
- 13. Oktober: Die Außenminister Joschka Fischer (Deutschland) Dominique de Villepin (Frankreich) und Lydie Polfer (Luxemburg) eröffnen das Pierre-Werner-Institut in Luxemburg
- 14. Oktober: Gyude Bryant wird Staats- und Regierungspräsident der Übergangsregierung in Liberia
- 15. Oktober: Aserbaidschan. Ilham Äliyev wird zum Präsidenten gewählt
- 17. Oktober: Das deutsche Auswärtiges Amt unterstützt Frauenprojekte in Kandahar/Afghanistan, mit 1 Mio. Euro
- 17. Oktober: Bolivien. Staatspräsident und Regierungschef wurde Carlos Mesa
- 17. Oktober: Bolivien. Präsident Gonzalo Sánchez de Lozada tritt zurück
- 17. Oktober: Deutschland und Tschechoslowakei treffen Abkommen über Sozialversicherung
- 17. Oktober: In Österreich wird die nullkommasieben Kampagne gestartet
- 18. Oktober: Rumänien nimmt eine neue Verfassung an
- 19. Oktober: Parlamentswahlen in der Schweiz
- 24. Oktober: Bundestagsbeschluss: Deutschland verstärkt sein Engagement in Afghanistan und richtet im Herbst 2003 zwei Außenstellen der Botschaft Kabul in Kundus und Herat ein
- 25. Oktober: Faisal al-Fayez wird Premierminister in Jordanien
- 27. Oktober: Sicherheitskonferenz in Mexiko
- 28. Oktober: Zweite Kommunalwahlen in Mosambik
- 29. Oktober: Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder besucht Bratislava, Slowakei
- 30. Oktober: Ein bilaterales Investitionsschutz und -förderungsabkommen wurde am in Luanda, Angola, unterzeichnet
- 30. Oktober: Erster Besuch des deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder in Kroatien
November
- 2. November: Georgien. Dritte Parlamentswahlen. Wahlbetrug und Wahlfälschung überschatten diese Wahlen
- 5. November: Besuch des litauischen Staatspräsidenten Rolandas Paksas in Deutschland
- 12. November: Das deutsche Auswärtige Amt unterstützt Winternothilfe in Afghanistan mit 1,2 Mio. Euro
- 23. November: Georgien. Rücktritt Eduard Schewardnadses
- 23. November: Parlamentswahlen in Kroatien
- 28. November: Der deutsche Bundesaußenminister Joschka Fischer eröffnet Akademisches Jahr am Europa-Kolleg in Brügge/Belgien
Dezember
- 1. Dezember: Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder besucht die Volksrepublik China bereits zum fünften Mal
- 4. Dezember: Abkommen zwischen Monaco und der Europäischen Kommission über Rechtsangelegenheiten
- 7. Dezember: Wahlen zur Duma in Russland
- 8. Dezember: Simbabwe tritt aus dem Commonwealth aus
- 9. Dezember: Der Hamburger Senat aus CDU, FDP und der Partei Rechtsstaatlicher Offensive scheitert nach etwas über zwei Jahren. Es werden Neuwahlen ausgerufen
- 10. Dezember: Schweiz: nach 44 Jahren wurde die Zauberformel gesprengt. Damit erhielt die SVP einen zweiten Sitz und Christoph Blocher wurde zum Bundesrat gewählt
- 10. Dezember: Abkommen zwischen Russland und Deutschland über Reiseerleichterungen
- 12. Dezember: Kanada. Paul Martin wird Premierminister
- 12. Dezember: Neue Regierung in San Marino
- 13. Dezember: Irak: Saddam Hussein wurde in Tikrit festgenommen
- 15. Dezember: Internationales Forum zum Thema Myanmar in Bangkok/Thailand
- 20. Dezember: Im Abkommen von Moroni, Komoren, werden freie und demokratische Wahlen festgeschrieben
- 23. Dezember: Dr. Ivo Sanader wird Regierungschef in Kroatien
Siehe auch
Liste der Staatsoberhäupter 2003
Terroranschläge und Kriege
- 5. August: Eine Autobombe explodiert vor dem J.W. Marriot Hotel in Jakarta und tötet 12 Menschen
Katastrophen
- 8. Januar: Charlotte (North Carolina), North Carolina, USA. Eine Maschine der US-Airways verunglückt auf der Start- und Landebahn als die linke Tür während des Starts abfällt und in das Triebwerk gelangt. Das Flugzeug rast in einen Hangar und fängt Feuer. Alle 21 Menschen an Bord starben
- 8. Januar: Diyarbakır, Türkei. Aus Istanbul kommend stürzte eine Verkehrsmaschine beim Landeanflug ab. 75 Menschen starben, 5 konnten gerettet werden
- 9. Januar: Cerro Coloque, Peru. Absturz einer Fokker F-28. Alle 46 Menschen an Bord starben
- 17. Januar: Spanien. Absturz einer Fokker 50, aus Málaga kommend, nach Verfehlung der Landebahn. 19 Menschen starben, 9 konnten gerettet werden
- 21. Januar: Ein Erdbeben im Westen Mexikos forderte 29 Menschenleben
- 1. Februar: Im Abschluss des 16-tägigen Forschungsaufenthalt STS-107 zerbricht und verglüht die Columbia (Raumfähre) 15 Minuten vor der Landung auf Cape Canaveral. Alle 7 Besatzungsmitglieder, fünf Männer und zwei Frauen, kommen uns Leben
- 22. Februar: Ein Erdbeben der Stärke 5,5 nach der Richterskala entlang des Rheins zwischen Basel und Freiburg mit Epizentrum bei Straßburg erschütterte die Rheinregion und richtete geringen Schaden im Elsass an
- 24. Februar: Erdbeben der Stärke 6,3 in der Provinz Xinjiang, Volksrepublik China, 261 Tote
- 6. März: Tamanrasset, Algerien. Eine Boeing 737 der Air Algerie verfehlt die Landebahn und stürzt ab. Alle 103 Menschen an Bord starben
- 1. Mai: Ein Erdbeben der Stärke 6,4 im Osten der Türkei. 177 Tote
- 21. Mai: Erdbeben der Stärke 6,8 in Algerien, 2.266 Tote
- 27. Mai: Ein Erdbeben der Stärke 5,8 in Algerien. 9 Tote
- 7. Juli: Port Sudan, Sudan. Absturz einer Boeing 737 der Sudan Airways kurz nach dem Start, etwa 5 km nach der Start- und Landebahn. 116 Personen starben, ein Kind soll angeblich überlebt haben
- 21. Juli: Ein Erdbeben der Stärke 6,0 in der Provinz Yunnan, Volksrepublik China. 16 Tote
- 22. August: Eine schwere Explosion zerstört eine VLS-3 Rakete der Brasilianischen Weltraumbehörde auf dem Starttisch in der Alcântara Luftwaffenbasis im Norden Brasiliens. 21 Menschen sterben
- 26. Dezember: Ein Erdbeben der Stärke 6,6 nach Richter im Iran forderte schätzungsweise 35.000 Menschen das Leben
Wirtschaft
- 1. Januar: die EU verbietet die irreführenden Bezeichnungen „light“ und „mild“ für Zigaretten
- 4. April: Der bundesweit im Mittelwellenbereich zu empfangende Popmusiksender Megaradio stellt wegen Insolvenz seinen Betrieb ein
- Die Deutsche Bahn nimmt nach Umsatzverlusten Teile des neuen Preissystems zurück und führt die „Bahncard 50“ ein, mit der man wieder um 50 % reduzierte Fahrkarten ohne Zugbindung erwerben kann
- Juni: Ein vierwöchiger Streik der IG Metall in Ostdeutschland für die Einführung der 35-Stunden-Woche bleibt erfolglos
- Der in Birresborn angesiedelte Birresborner Phönix Sprudel wird wegen verunreinigter Quellen am 11.November geschlossen
- Das geplante satellitengestützte Autobahnmautsystem kann wegen technischer Probleme nicht planmäßig den Betrieb aufnehmen; seine Einführung wird Ende Dezember 2003 auf das dritte Quartal 2004 verschoben
Bildung, Wissenschaft und Technik
- 1. Januar: Die Universitäten Essen und Duisburg fusionieren zur Universität Duisburg-Essen
- 1. Januar: Die Universitäskliniken Kiel und Lübeck fusionieren zum Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
- 5. Januar: Der Saturn-Transit durch den Krebsnebel ermöglicht das Röntgen der Gashülle des Mondes Titan
- 1. Februar: Die Raumfähre Columbia zerbricht beim Landeanflug in etwa 60 km Höhe
- 28. Mai: Das erste geklonte Pferd mit dem Namen Prometea kommt zur Welt
- 31. Mai: Ringförmige Sonnenfinsternis in Grönland und Island
- 24. Juni: Eine Concorde fliegt zum letzten Mal von New York nach Paris
- 30. Juli: Der letzte VW Käfer rollt im Volkswagenwerk in Pueblo (Mexiko) vom Band
- August: Die in Deutschland höchste bisher gemessene Temperatur wird mit 40,8 °C in Perl-Nenning im Saarland am 8. August gemessen, muss jedoch später wieder nach unten auf 40,3 °C korrigiert werden. In der Schweiz stellt man erstmals Temperaturwerte von über 40 °C fest: am 11. August misst MeteoSchweiz in Grono (Graubünden) 41,5 °C. 2003 geht als heißestes Jahr in Deutschland seit 1540 in die Geschichte ein. Zusätzliche Todesfälle wegen der Sommerhitze gehen als Hitzetote ins öffentliche Bewusstsein ein. Zahlen für Frankreich, Italien und Deutschland gehen in die Tausende
- 15. Oktober: China startet ein erstes bemanntes Raumschiff mit dem Taikonauten Yang Liwei
- 24. Oktober: Letzter Flug der Concorde von New York nach London
- 23. November: Totale Sonnenfinsternis (Indischer Ozean, Antarktis)
- 18. Dezember: Linux-Kernel Version 2.6 veröffentlicht
- 25. Dezember: Landeversuch des europäischen Roboters Beagle 2; ob die Oberfläche des Mars erreicht wurde, ist unbekannt. Die Raumsonde Mars Express tritt in eine Umlaufbahn um Mars ein
Gesellschaft
- Kulturhauptstadt Europas ist 2003 die steirische Landeshauptstadt Graz
- In China bricht am Neujahrstag 1. Februar das Jahr des Schafes/der Ziege (Schriftzeichen Yang) an (siehe Chinesische Astrologie)
- 13. Februar: Gründung des dG'Entertainments
- 7. Mai: Erstmals in der Geschichte des Vatikans wurde eine Frau an die Spitze einer päpstlichen Akademie berufen. Letizia Pani Ermini wurde von Johannes Paul II. zur Präsidentin der Akademie für Archäologie ernannt
- 28. Mai bis 1. Juni: Der erste Ökumenische Kirchentag fand in Berlin statt
- 31. Mai: In Anwesenheit europäischer Regierungschefs wurde eine Replik des bei Kriegsende verschollenen Bernsteinzimmers im Katharinenpalast bei Sankt Petersburg nach 20 Jahren mühseliger Rekonstruktion eröffnet
- 12. Juli: In Berlin fand die letzte Loveparade statt
- 5. Dezember: Johannes Heesters wurde 100 Jahre
- Kino: X-Men 2, Matrix Reloaded, Good Bye Lenin, The Hulk, My Big Fat Greek Wedding, Catch Me If You Can, Solaris, The Ring, Chicago, Gangs Of New York, Daredevil, 28 Days Later, Das Dschungelbuch 2, Nicht auflegen, Fluch der Karibik, Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs
- Bei den Grammy Awards 2003 geht Neuling Norah Jones mit fünf Grammys als große Gewinnerin hervor
- Joanne K. Rowling: Harry Potter and the Order of the Phoenix
- Hillary Clinton: Gelebte Geschichte
- Michael Moore: Stupid White Men
- Dieter Bohlen: Hinter den Kulissen
Sport
- 8. März: Wladimir Klitschko verlor einen Boxkampf gegen Corrie Sanders in der Preussag Arena, Hannover, Deutschland, durch technisches K.o
- 12. April: Deutsche Vorauswahl für die Olympiabewerbung 2012 in München, gewählt wird Leipzig
- 21. Juni: Vitali Klitschko verlor einen Boxkampf gegen Lennox Lewis im Staples Center, Los Angeles, Kalifornien, USA, durch technisches K.o
- 12. Juli: 27. Juli: Hannah Stockbauer holte bei den 10. Schwimmweltmeisterschaften in Barcelona drei Goldmedaillen
- 23. August: 31. August: 9. Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Paris
- 30. August: Wladimir Klitschko gewann einen Boxkampf gegen Fabio Eduardo Moli in der Olympiahalle in München, Deutschland, durch K.o
- 27./28. September: 30. Berlin-Marathon
- 12. Oktober: die deutschen Frauen gewannen die Fußballweltmeisterschaft
- 12. Oktober: Michael Schumacher wurde zum sechsten Mal Formel 1-Weltmeister
- 6. November: Wok-Weltmeisterschaften in Winterberg
- 6. Dezember: Vitali Klitschko gewann einen Boxkampf gegen Kirk Johnson im Madison Square Garden, New York, USA, durch technisches K.o
- 20. Dezember: Wladimir Klitschko gewann einen Boxkampf gegen Danell Nicholson in der Ostseehalle in Kiel, Deutschland, durch technisches K.o
- 21. Dezember: Jan Ullrich wurde Sportler des Jahres, Hannah Stockbauer Sportlerin des Jahres und die Fußball-Nationalmannschaft der Frauen Mannschaft des Jahres
- Bayern München wurde zum 18. Mal deutscher Fußballmeister
- Deutschland wurde bei der Handball-WM in Portugal Vize-Weltmeister
- 100-Jahr-Feier der Tour de France, es gewann zum fünften Mal Lance Armstrong
- US-Tennisstar Andy Roddick gewinnt das Finale der USopen gegen Juan Carlos Ferrero und somit seinen 1.Grand Slam Titel
- 23. April: Prinzessin Laetitia-Maria von Belgien, Tochter von Prinzessin Astrid von Belgien und Erzherzog Prinz Lorenz von Österreich-Este
- 29. April: Maud Angelica Behn, Tochter von Prinzessin Märtha Louise von Norwegen und Ari Behn
- 15. Mai: Ana-Maria, Tochter von Prinzessin Alexia von Griechenland und Carlos Morales
- 27. Mai: Moritz Emmanuel Maria, Sohn von Prinz Constantin von Liechtenstein und Marie von Kalnoky
- 20. August: Prinz Gabriel Baudouin Charles Marie, Sohn von Kronprinz Philipp von Belgien und Prinzessin Mathilde d'Udekem d'Acoz
- 8. November: Louise Mountbatten-Windsor, Tochter von Prinz Prince Edward, Earl of Wessex und Sophie Helen Rhys-Jones
- 7. Dezember: Prinzessin Catharina-Amalia der Niederlande, Tochter von Prinz Willem-Alexander der Niederlande und Prinzessin Máxima, 2. der niederländischen Thronfolge
Dies ist eine Liste der bedeutendsten Persönlichkeiten, die 2003 verstorben sind. Für eine ausführlichere Liste siehe Nekrolog 2003.
- 24. Januar: Giovanni Agnelli, italienischer Unternehmer ( - 1921)
- 2. Februar: Lou Harrison, US-amerikanischer Komponist ( - 1917)
- 13. Februar: Walt Whitman Rostow, US-amerikanischer Ökonom und Wirtschaftshistoriker ( - 1916)
- 14. Februar: Schaf Dolly, erstes geklontes Säugetier der Welt ( - 1996)
- 20. Februar: Ulrich Roski, deutscher Liedermacher( - 1944)
- 28. Februar: Chris Brasher, britischer Leichtathlet und Olympiasieger ( - 1928)
- 3. März: Horst Buchholz, deutscher Schauspieler ( - 1933)
- 12. März: Zoran Đinđić (ermordet), serbischer Politiker ( - 1952)
- 17. Mai: Luigi Pintor, italienischer Schriftsteller, Journalist und Politiker ( - 1925)
- 20. Mai: Walter Höllerer, deutscher Germanistikprofessor und prägender Literat der frühen Bundesrepublik ( - 1922)
- 30. Mai: Günter Pfitzmann, deutscher Schauspieler ( - 1924)
- 5. Juni: Jürgen W. Möllemann, deutscher Politiker ( - 1945)
- 12. Juni: Gregory Peck, US-amerikanischer Schauspieler ( - 1916)
- 29. Juni: Katharine Hepburn, US-amerikanische Schauspielerin ( - 1907)
- 4. Juli: Barry White, US-amerikanischer Soulsänger ( - 1944)
- 16. Juli: Walross Antje, Maskottchen des NDR ( - 1976)
- 17. Juli: Hans Abich, deutscher Filmproduzent und Rundfunkpublizist ( - 1918)
- 22. Juli: Udai ( - 1964) und Kusai Hussein ( - 1967), die Söhne von Saddam Hussein
- 21. Juli: Ingrid von Bothmer, deutsche Schauspielerin ( - 1918)
- 27. Juli: Bob Hope, US-amerikanischer Komiker ( - 1903)
- 8. August: Hermann Oxfort, Berliner Bürgermeister und Justizsenator (FDP) ( - 1927)
- 13. August: Staat in Nordamerika. Der einzige unabhängige Nachbarstaat sind die USA, mit denen Kanada rege Wirtschaftsbeziehungen pflegt. Ferner grenzt Kanada an das zu Dänemark gehörende Grönland und an das zu Frankreich gehörende St. Pierre und Miquelon. Kanada ist ein Flächenstaat, dessen Bevölkerung zum Großteil auf wenige städtische Zentren konzentriert ist. Um die ethnische, sprachliche und kulturelle Vielfalt der einzelnen Bevölkerungsgruppen zu gewährleisten, ist Kanada politisch als Föderation organisiert; ein Mosaik der Kulturen ist (im Gegensatz zum Modell des Schmelztiegels) politisch gewollt. Die Unabhängigkeitsbestrebungen Québecs, die Rechte der französischsprachigen Bevölkerungsgruppe und die Rechte der indianischen Völker prägen zentrale Konfliktlinien innerhalb der kanadischen Gesellschaft.
Geographie
Québec
Kanada ist mit einer Fläche von 9.984.670 Quadratkilometern nach Russland das zweitgrößte Land der Erde. Davon sind 9.093.507 km² Landmasse und 891.163 km² Wasserfläche. Die größte Nord-Süd-Ausdehnung über Landfläche beträgt 4.634 Kilometer von Kap Columbia auf den Ellesmere-Inseln, Nunavut nach Mittelinsel auf dem Eriesee in Ontario, die größte Ost-West-Entfernung beträgt 5.514 Kilometer von Kap Spear in Neufundland und Labrador bis zur Grenze des Yukon-Territoriums mit Alaska.
Die Gesamtlänge der Grenze zwischen Kanada und den USA beträgt 8.890 Kilometer. Kanada hat mit 202.080 Kilometern die längste Küstenlinie der Welt.
Es grenzt an die USA (im Süden und im Westen (Alaska)), den Pazifischen Ozean, das Nordpolarmeer, Grönland (Seegrenze) und den Atlantischen Ozean. Die größte Insel ist die Baffininsel. Der Osten des Landes wird vom Sankt-Lorenz-Strom dominiert, der Norden von der Hudson Bay. In Mittelkanada schließen sich – als nördliche Fortsetzung des US-amerikanischen „Mittleren Westen“ – weitläufige Ebenen an. Westlich davon liegen die Rocky Mountains und die Pazifikküste. Die größte Stadt ist Toronto, gefolgt von Montréal, Vancouver und Calgary.
Der Nordteil wird vom kanadisch-arktischen Archipel geprägt. Die nördlichste Halbinsel ist Boothia.
Klima
Kanada umfasst unterschiedliche Klimazonen (vom Polarklima bis zum gemäßigten Klima). Hauptsächlich bestimmt jedoch das Boreale Klima mit langen kalten Wintern (bis zu –35 °C) und kurzen heißen Sommern (bis zu 35 °C) den überwiegenden Teil Kanadas. Aufgrund der Größe des Landes ist das Klima in den einzelnen Bundesstaaten sehr unterschiedlich. So wurden z.B. im Winter 2004 / 2005 Temperaturen von -58 °C in Burwash Landing / Yukon Territory gemessen.
An der Westküste findet man angenehmes Seeklima mit hohen Niederschlägen, da sich die feuchte vom Ozean kommende Luft am Westrand des Küstengebirges abregnet. Die Jahreszeiten sind in den Provinzen Quebec und Ontario am deutlichsten zu entdecken. Hier gibt es kalte Winter, angenehme Frühjahre und Herbstmonate und von Juli bis September den oft sehr schwül-heißen Sommer mit Durchschnittstemperaturen um 25 °C.
Bevölkerung
Die Bevölkerung Kanadas beträgt geschätzte 32 Millionen. Der letzte Census-Report von 2001 gibt die kanadische Bevölkerung mit 30.007.094 an. Das ergibt eine Bevölkerungsdichte von ca. 3,2 Einwohner/km², welche damit eine der geringsten der Welt ist.
Der Großteil der Bevölkerung lebt in den Provinzen Québec und Ontario entlang des Sankt-Lorenz-Stromes, d. h. rund um Toronto, Montréal, Québec, Ottawa, London und Hamilton.
11,4 Millionen leben in Ontario, 7,2 Millionen in Québec, 3,9 Millionen in British Columbia und 3 Millionen in Alberta. Die restlichen Provinzen und Territorien haben jeweils weniger als 1 Million Einwohner, wobei Nunavut mit knapp 27.000 Einwohnern das bevölkerungsärmste Territorium Kanadas ist.
Sprachen
Landessprachen sind Englisch und Französisch. In Nunavut ist auch Inuktitut Amtssprache.
Alle Provinzen mit Ausnahme von Québec (frz.) und Neubraunschweig (bilingual engl./frz.) sind englischsprachig, im Volksmund auch genannt English Canada. Alle Regionen haben nicht-englischsprachige Minderheiten, in der Hauptsache Nachkommen der ursprünglichen Bewohner, Inuit (im Norden) und Indianervölker (siehe auch Indianer Nordamerikas). In Neuschottland gibt es eine Minderheit, die Schottisches Gälisch spricht.
Demographische Struktur und Entwicklung
Schottisches Gälisch
Kanada ist ein klassisches Einwandererland. Große Einwanderergruppen kamen in der Vergangenheit aus dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Deutschland, der Ukraine, Polen und aus den USA. Heutzutage wächst die Bedeutung der Einwanderer aus Fernost, vor allem aus der Volksrepublik China.
Die Geburtenrate betrug 2003 10,99 Geburten pro 1000 Einwohner, die Sterberate 7,61 Todesfälle pro 1000 Einwohner. Das Bevölkerungswachstum betrug 0,94 %.
Die durchschnittliche Lebenserwartung in Kanada liegt bei 73,6 Jahren. 26 % der Kanadier sind 19 Jahre oder jünger, 13 % 65 Jahre oder älter. Das mittlere Alter der erwerbsfähigen Bevölkerung liegt bei 42 Jahren, die Schätzung für 2011 bei 43,7.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Kanadas
Der erste Versuch einer europäischen Besiedlung erfolgte durch die Wikinger unter Leif Eriksson um 1000. Die Siedlung hatte jedoch nicht lange Bestand. Die erste dauerhafte Siedlung gründeten, mit Québec, die Franzosen 1608. Nach mehreren Kriegen zwischen Frankreich und England fielen alle nordamerikanischen Kolonien 1763 an die englische Krone.
1812 bis 1814 kam es zwischen den unabhängigen USA und Großbritanniens verbliebenen Kolonien in Kanada zu einem Krieg. 1867 erhielten die britischen Kolonien eine Verfassung und eine gewisse Eigenständigkeit gegenüber Großbritannien.
Formal erhielt Kanada erst 1982 die vollständige Unabhängigkeit.
Politik
Kanada ist eine Föderation mit zehn Provinzen und drei von der Regierung verwalteten Territorien.
Kanada ist eine repräsentative parlamentarische Demokratie mit einer symbolischen konstitutionellen Monarchie innerhalb des Britischen Commonwealth of Nations.
Das symbolische Staatsoberhaupt ist die britische Königin Elizabeth II., sie wird durch einen Generalgouverneur vertreten.
Der Premierminister ist der liberale Paul Martin.
Das Parlament besteht aus dem demokratisch gewählten Unterhaus und dem Senat, dessen Mitglieder ernannt werden. Die Legislaturperiode dauert fünf Jahre, aber der Premierminister kann das Unterhaus vorzeitig auflösen und Neuwahlen ausrufen.
Außenpolitik
Militär
Hauptartikel: Kanadische Streitkräfte
Provinzen und Territorien
Kanadische Streitkräfte
Hauptartikel: Provinzen und Territorien Kanadas
Kanada ist in 10 Provinzen und 3 Territorien gegliedert. Das sind von West nach Ost:
- Yukon-Territorium (Whitehorse), Territorium
- Nordwest-Territorien (engl. Northwest Territories, fr. Territoires du Nord-Ouest, Yellowknife), Territorium
- Nunavut (Iqaluit), Territorium
- Britisch-Kolumbien (engl. British Columbia, fr. Colombie-Britannique, Victoria)
- Alberta (Edmonton)
- Saskatchewan (Regina)
- Manitoba (Winnipeg)
- Ontario (Toronto)
- Québec (Québec)
- Neubraunschweig (engl. New Brunswick, fr. Nouveau-Brunswick, Fredericton)
- Prinz-Eduard-Insel (engl. Prince Edward Island, fr. Île-du-Prince-Édouard, Charlottetown)
- Neuschottland (engl. Nova Scotia, fr. Nouvelle-Écosse, Halifax)
- Neufundland und Labrador (engl. Newfoundland and Labrador, fr. Terre-Neuve-et-Labrador, Saint John's)
Der Unterschied zwischen kanadischen Provinzen und Territorien besteht darin, dass die Bundesregierung eine direktere Macht auf die Territorien ausübt, während die Provinzen durch eigene Provinzregierungen verwaltet werden.
Wirtschaft
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug im Jahr 2003 preisbereinigt 756,25 Mrd. Euro gegenüber 727,42 Mrd. Euro im Jahr 2002. Damit ist Kanada gemessen am BIP pro Kopf mit 23.909 Euro an achter Stelle in der Welt. Real wuchs das BIP im Jahr 2003 um 2,2 %, ein Jahr zuvor waren es noch 3,4 %. Die Inflationsrate betrug 2003 2,6 %.
Kanada ist Mitglied im NAFTA (North-American Free Trade Agreement) zwischen Kanada, den USA und Mexiko.
Kultur
Das heutige Kanada wird überwiegend durch die europäischen Einflüsse der Pioniere, Forscher, Händler und Fischer aus Großbritannien, Frankreich und Irland geprägt, die ab 1497 den nördlichen Teil des Kontinents erforscht und bald besiedelt haben. Viele ihrer Traditionen bleiben weiterhin Teil von Kanada, etwa ihre Nahrung, Sprache, Erzählungen, Geschichte, Feiertage und Sport. Viele Kanadier können ihre Wurzeln zurück zu diesen Ländern verfolgen und sind stolz auf ihre Herkunft.
Kanada und Großbritannien teilen eine gemeinsame Geschichte und arbeiten durch viele Organisationen wie den Commonwealth, die G-8 und die NATO zusammen. Die beiden Länder teilen das gleiche Staatsoberhaupt und zählen zu den ältesten parlamentarischen Demokratien in der Welt. Großbritannien ist Kanadas drittgrößter Handelspartner und nach den USA auf Platz zwei der ausländischen Touristen, die Kanada besuchen.
Vielfältig sind die kulturellen Überlieferungen der kanadischen Indianer oder der first nations, wie sie sich selbst nennen. Jedes Volk hat seine eigene Kultur, Sprache und Geschichte. Ihre Kultur wurde ausschließlich mündlich übertragen. Verschiedene Stämme schufen einzigartige Kunstwerke wie geflochtene Körbe, gemalte Abbildungen und geschnitzte Tier-Skulpturen. Eine besondere Rolle spielen die Inuit (auch Eskimos genannt) im Norden des Landes. Ihre Kultur ist in besonderem Maße von der Anpassung an die widrigen Klimaverhältnisse geprägt.
Viel dieses kulturellen Vermächtnis wird bis heute in Kanada gefeiert. Das Emblem der Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver ist ein inukshuk (Steinmand'l) aus aufeinander gestapelten Steinen in menschlicher Form, als Symbol für die Inuitkultur.
Seit den 1990er Jahren sind in Kanada viele Asiaten, vorwiegend aus Hongkong, China und Korea, eingewandert. Insbesondere in Vancouver und Toronto bilden sie eine starke nationale Minderheit.
Kanada hat viele namhafte Künstler der Rock- und Popmusik hervorgebracht, z.B. Joni Mitchell, Bryan Adams, Michael Bublé, Leonard Cohen, Céline Dion, Shania Twain, Nelly Furtado, Avril Lavigne, Alanis Morissette, Nickelback, NoMeansNo, Rush, Simple Plan, Skye Sweetnam, Smashing Pumpkins, Sum 41 und Neil Young. Populäre Jazzmusiker sind u. a. Oscar Peterson und Diana Krall.
Zu den bekannten kanadischen Schauspielern gehören Keanu Reeves, Carrie-Anne Moss, Pamela Anderson, Jim Carrey, Michael J. Fox, William Shatner und Mike Myers.
Auf dem Gebiet der klassischen Musik ist der bekannteste Kanadier sicherlich Glenn Gould (1932–1982), der einer breiteren Öffentlichkeit als begnadeter Interpret vor allem der Werke Bachs bekannt ist. Berühmtheit erlangte der damals 22-Jährige im Jahr 1955 mit einer aufsehenerregenden Einspielung der Goldberg-Variationen.
Kanada verfügt über eine reiche, wenn auch junge literarische Tradition. Insbesondere seit den 1960er Jahren genießen Autoren wie Leonard Cohen, Margaret Atwood und Michael Ondaatje auch außerhalb ihrer Landesgrenzen erhebliche Bekanntheit.
Der eigentliche Nationalsport ist Lacrosse, jedoch ist in Kanada auch Eishockey sehr beliebt, was nicht nur den US-amerikanischen Mannschaften in der NHL beim Kampf um den begehrten Stanley Cup bestens bekannt sein dürfte, sondern auch weit über die Grenzen Kanadas hinaus. Außerdem erfreut sich auch Curling großer Beliebtheit.
Siehe auch: Kanadische Literatur, Liste kanadischer Schriftsteller
Umwelt
Der Kohlenstoffdioxidausstoß pro Kopf des Landes gehört zum weltweit höchsten, was an der wirtschaftlichen Ausrichtung und der Größe des Landes liegt. Zum einen wird dort viel geflogen, zum anderen baut die Wirtschaft vor allem auf Holzhandel und Fischfang auf.
Ein großes Problem stellt der Lachsfang auf dem Yukon River dar. In der Vergangenheit waren immer genügend große Lachsbestände vorhanden, mittlerweile musste jedoch der Lachsfang zum Teil schon saisonell verboten werden (Saison 2002). Schuld für das Fehlen der Fischzüge zu den Quellen des Yukon sind US-amerikanische Fischtrawler, welche vor der Mündung des Yukon River großzügig alles abfischen und somit die Rückwanderung und das Ablaichen der Lachse erschweren. Ein Einspruch der Kanadischen Regierung ist nicht zu erwarten, da gefürchtet wird, dass sonst die amerikanischen Kreuzfahrtschiffe auf dem Weg nach Alaska nicht mehr an der kanadischen Küste halt machen. Der Tourismus würde somit in den betroffenen Regionen stark geschädigt.
Ein noch nicht gelöster Konflikt zwischen Interessenvertretern von Naturschutz und Industrie ist die teilweise recht rabiate Tötung von Robben zur Fell- und Fleischgewinnung. Hier gerät Kanada einerseits unter den moralischen Druck der Weltöffentlichkeit, andererseits unter den Druck der neufundländischen Bevölkerung, für welche die Robbenjagd einen notwendigen Nebenverdienst darstellt.
In Kanada gibt es eine Reihe bekannter Nationalparks und Provinzparks (Provicial Parks, z. B. Algonquin Park, Ontario). Siehe Nationalparks in Kanada
Nach einer Studie der Simon Fraser Universität, die auf Betreiben der David Suzuki Foundation durchgeführt wurde, gehört Kanada zu jenen Industrienationen mit der schlechtesten Umweltschutz-Bilanz. So liegt Kanada auf dem 28. Platz von 30 untersuchten Staaten auf dem Gebiet der Ökonomischen Zusammenarbeit und Entwicklung. Auch teilt sich das Land den 30. Rang bei der Produktion von Atommüll u | | |