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Methoden der empirischen SozialforschungMit den Methoden der empirischen Sozialforschung werden in den Sozialwissenschaften objektive Gegebenheiten (wie Größe einer Schulklasse, Einkommenssituation in einer sozialen Schicht, Größe der Kernfamilie in ländlichen Gebieten), subjektive Faktoren (wie Wertvorstellungen, Meinungen, Motive, Normen) und Verhaltensweisen erforscht.
Methoden der empirischen Sozialforschung
Generell kann zwischen qualitativen und quantitativen Ansätzen der empirischen Sozialforschung unterschieden werden. Qualitative Methoden sind dabei an der Rekonstruktion von Sinn orientiert (subjektive Faktoren, Intentionalität), während quantitative Methoden auf eine systematische Messung (und Auswertung) von sozialen Fakten
mit der Hilfe verschiedener Erhebungsinstrumente zielen.
Methoden der Datenerhebung
Prinzipiell kann zwischen mehreren Methoden der Datenerhebung unterschieden werden: der Befragung, der Inhalts- (bzw. Text-)analyse, Beobachtung und dem Experiment. Diese prinzipiellen Datenerhebungsmethoden gibt es jeweils in qualitativen wie in quantitativen Spielarten. Weitere Unterscheidungskriterien können herangezogen werden.
siehe auch Datenanalyse
Befragung
Bei Befragungsmethoden kommt es zur Interaktion zwischen einem oder mehreren Interviewten und einem Interviewer bzw. einer Interviewerin. Unterscheidungskriterien für unterschiedliche Methoden der Befragung sind das Kommunikationsmedium, der Grad der Standardisierung und die Strukturierheit. Nach der Kommunikationsart kann zwischen persönlicher (face-to-face), schriftlicher (paper-and-pencil, der klassische Fragebogen), telefonischer (etwa als computergestütztes Telefoninterview, CATI, wie bei Marktforschungsbefragungen üblich) oder elektronischer (etwa per Internet) Befragung unterschieden werden. Der Grad der Standardisierung (d.h.: Gibt es Antwortvorgaben? Werden genau definierte Fragen gestellt?) kann von offenen (nicht-standardisierten) Formen über teilstandardisiert (strukturierte) Befragungen bis hin zur Vollstandardisierung gehen, bei der Reihenfolge, Wortlaut und mögliche Antworten von Fragen vorgegeben sind. Im Rahmen quantitativer Projekte wird zumeist mit hochgradig standardisierten Befragungsmethoden gearbeitet, während für qualitative Forschungsprojekte oft sehr offene Formen gewählt werden, etwa das biographische narrative Interview.
Gängige Formen der Befragung sind:
- narratives Interview,
- Leitfadeninterview,
- standardisiertes persönliches Interview,
- standardisiertes telefonisches Interview (CATI),
- schriftliche standardisierte Befragung,
- postalische Befragung,
- Electronic Mail Survey und
- Computerunterstütztes Selbstinterview (CASI).
Inhaltsanalyse (oder: Textanalyse) bezeichnet die Untersuchung schriftlich vorliegender oder verschriftlichter Dokumente und Materialien, also etwa der Transkripte von Interviews. Ebenfalls im Rahmen der Auswertung offener Fragen bei Interviews werden Methoden der Inhaltsanalyse eingesetzt.
Texte können sowohl qualitativ analysiert werden -- Techniken hierzu sind die Hermeneutik, die Zusammenfassung, die Explikation und die Strukturierung --, als auch mit quantitativen Techniken der Inhaltsanalyse wie der Frequenzanalyse (Zählung von Worthäufigkeiten), der Kontingenzanalyse (auch als "Korrespondenzanalyse" bezeichnet), der Bewertungsanalyse (Methode zur Messung der Intensität von Bewertungen) und weitergehenden statistischen Verfahren durchgeführt werden.
In den letzten Jahrzehnten wurden verschiedene Ansätze entwickelt, um qualitative Inhaltsanalyse systematisch durchzuführen und so intersubjektiv zuverlässige Kodierungen zu erhalten. Zudem wurden Computerprogramme entwickelt, die Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler bei der systematischen Auswertung von Texten unterstützen, indem beispielsweise die Zusammenstellung aller kodierten Textsegmente abrufbar gemacht wird.
Durch die erleichterte Verfügbarkeit von Rechenkapazität in jüngster Zeit nehmen in der quantitativen Inhaltsanalyse computergestützte Verfahren an Bedeutung zu, die den ursprünglichen Text mittels Wortlisten (sog. Wörterbuch-basierter Ansatz) die Struktur des Textes in ein statistisch auszuwertendes Format transformieren (vgl. Statistik). In der Inhaltsanalyse sind hierzu besonders geeignet solche statistischen Methoden, die traditionell der "explorativen Datenanalyse" zuzurechnen sind, wie die Multidimensionale Skalierung, die Ähnlichkeiten zwischen den einzelnen Texten, deren Sprechern/Autoren und den dahinterliegenden Konzepten versucht zu messen und zu modellieren. Weitere statistische Möglichkeiten bieten Korrespondenzanalyse, Clusteranalyse und die Mehr-Ebenenanalyse (engl. multi-level analysis).
Die Methoden der Inhaltsanalyse lassen sich generell auf alle Formen menschlicher Kommunikation anwenden: Gespräche, Reden, Parlamentsdebatten, Gesetzestexte, politische Wahlprogramme von Parteien, Zeitungsartikel usw. Speziell damit befassen sich die Kommunikationswissenschaft.
Im englischen Sprachraum wird "Inhaltsanalyse" mit content analysis und konkurrierend mit textual analysis übersetzt. Vgl. auch den Beitrag Inhaltsanalyse.
Beobachtung
Beobachtung bezeichnet Methoden des systematischen Verfolgens von sozialer Interaktion unter Zuhilfenahme von eigenen Notizen, Protokollen oder medialer Aufzeichnungen. Beobachtung kann offen oder verdeckt, teilnehmend oder nicht teilnehmend (etwa per Video) geschehen. Unterschieden werden kann nach dem Grad der Strukturiertheit der Beobachtung. Beobachtung kann sowohl quantitativ (etwa das Abzählen von Autos an einer Kreuzung, Erfassung der Passanten in einer Einkaufsstraße) als auch (was meist der Fall ist) qualitativ erfolgen (etwa die teilnehmende Beobachtung einer Ethnologin in einer "fremden Kultur" oder die Beobachtungen eines Soziologen in einer Gerichtsverhandlung). In allen Fällen entsteht durch die Beobachtung sog. Datenmaterial, das systematisch auszuwerten ist. Wie bei den meisten übrigen Methoden der empirischen Sozialforschung, bildet die statistische Auswertung und Interpretation gewonnener Daten den entscheidenden Punkt auch in der Beobachtung sozialer Prozesse.
Eine Sonderstellung aufgrund der Wortähnlichkeit nimmt die "Gesellschaftliche Dauerbeobachtung" ein: hiermit wird die andauernde Beobachtung sozialer Bedingtheiten, Prozesse etc. bezeichnet, die etwa in statistischen Jahrbüchern, aber auch in groß angelegten Untersuchungen (ALLBUS, EUROBAROMETER). Hiermit werden regelmäßig Informationen zu sozialen Prozessen und Fakten abgefragt und in statistisch kondensierter Form aufbereitet, weshalb dies als "gesellschaftliche Dauerbeobachtung" bezeichnet wird.
Experimente sind in der empirisch ausgerichteten Sozialforschung selten. Gemeint ist damit die Erhebung von Daten unter vollständig kontrollierten Bedingungen, d.h. meist, dass Versuchspersonen eine Aufgabe gestellt wird, die beobachtet und protokolliert wird. Experimente kommen eher in der Psychologie
und in der Sozialpsychologie als in den übrigen Sozialwissenschaften vor.
Siehe auch: Feldexperiment
Methoden der Datenauswertung
Neben der Datenerhebung ist die Datenauswertung ein wichtiger Teilbereich des Methodenkoffers der empirischen Sozialforschung, d.h. die Frage, wie die erhobenen Daten inhaltlich ausgewertet und analysiert werden. Nur mit Methoden der Datenauswertung ist es möglich, erhobene Daten mit einer Fragestellung (qualitative Forschung) bzw. mit einer zu überprüfenden Hypothese (quantitative Forschung) in Verbindung zu bringen.
Statistische Auswertungsverfahren werden vor allem in der quantitativen Sozialforschung eingesetzt.
Sie können sowohl dazu dienen, das vorliegende Datenmaterial (Fälle) auf einzelne Merkmale hin zu beschreiben (deskriptive Statistik), die Komplexität des Datenmaterials zu reduzieren (etwa Faktorenanalyse, Clusteranalyse, Multidimensionale Skalierung), aber auch dazu, Schlüsse
zu ziehen und Hypothesen zu überprüfen (schließende Statistik). Darüber hinaus gibt es zahlreiche
Verfahren, die Ergebnisse sowohl deskriptiver wie schließender Statistik grafisch aufzubereiten.
Die Visualisierung (statistischer Ergebnisse) d.h. die grafische Aufbereitung in Form von Kurven und Graphen stellt besonders dank computergestützter Verfahren inzwischen eine Methode dar, um die angemessene Interpretation zu erleichtern. Sie wird aufgrund der Möglichkeit, ihre Ergebnisse fehlzudeuten, von Wissenschaftlern oft noch kritisch betrachtet.
Die Soziometrie ist ein Verfahren Netzwerke zwischen Akteuren zu untersuchen. Ein anderer Begriff hierfür ist auch der Begriff: sozialwissenschaftliche Netzwerkanalyse. Wenn keine zusammenhängenden Netzwerke, sondern nur einzelne Akteure und deren Netzwerk untersucht werden, spricht man von egozentrierter Netzwerkanalyse. Die Soziometrie versucht soziales Handeln nicht individualisiert wie manche quantitative Befragungsmethoden zu untersuchen. Bei der Netzwerkanalyse geht es darum, Zusammenhänge zwischen sozialem Handeln und den Strukturen des Netzwerks der Akteure zu erforschen. Hierbei spielen Einstellungen, Meinungen, unausgesprochene Sympathien der Akteure eine zentrale Rolle. Waren früher aufgrund von Umfrageergebnissen die personenzentrierten Netzwerke im Focus der Forschung, so sind die Netzwerke z.B. in einem Themenbereich (z.B. Terrorismus, im Finanzmarkt) gegenwärtig stärker in den Blickpunkt der Forschung gerückt. Visualisierung als Methode, um aus vorliegenden Rohdaten etwa in Text- oder Zahlenform leichter verständliche Zusammenhänge abzubilden, befindet sich noch in den Anfängen der wissenschaftlichen Entwicklung
Methodenkombination
Üblicherweise werden im Forschungsprozess Methoden der Datenerhebung mit Methoden der Datenauswertung kombiniert. In der qualitativen Sozialforschung (etwa in der Biographieforschung, der Objektiven Hermeneutik oder in der Grounded Theory) ist die Kombination aus Beobachtung und/oder Befragung mit Verfahren der Inhaltsanalyse oft anzutreffen. In der quantitativen Sozialforschung ist der Regelfall eine standardisierte Befragung (schriftlicher Fragebogen, Telefoninterview), die mit Hilfe von statistischen Methoden inhaltlich ausgewertet wird.
Insbesondere bei neuartigen Fragestellungen, bei denen ein Forschungsproblem noch zu
erschließen ist, werden grundlegende Parameter mit Hilfe qualitativer Methoden erschlossen
und anschließend mit quantitativen Methoden (vgl. Statistik) genauer bestimmt. Die Vorgehensweise, Ergebnisse aus einer Untersuchung anhand der Anwendung einer weiteren Methode zu überprüfen, wird auch als "Methodentriangulation" bezeichnet.
Literatur
- Peter Atteslander u.a.: Methoden der empirischen Sozialforschung, lt.Aufl., de Gruyter 2003, ISBN 3110178176
- Andreas Diekmann: Empirische Sozialforschung, Reinbek 2004: Rowohlt-Verlag, ISBN 3499555514 (häufig empfohlene Grundlagenlektüre)
- Flick, Uwe / Kardorff, Ernst von / Steinke, Ines (Hrsg.): Qualitative Forschung. Ein Handbuch. Reinbek 2000: Rowohlt Verlag
- K.-W. Grümer: Beobachtung. Stuttgart 1974: B.G. Teubner Verlag, ISBN 3519000326
- Rainer Schnell, u.a.: Methoden der empirischen Sozialforschung. München, 1999: Oldenbourg, ISBN 3-486-25043-4
Kategorie:Empirische Sozialforschung
Kategorie:Ethnologie
Kategorie:Volkskunde
Empirische SozialforschungUnter empirischer Sozialforschung versteht man die Erhebung und Interpretation von Daten über soziale Tatsachen. Diese erfolgt systematisch an Methoden der empirischen Sozialforschung orientiert. Neben der allgemeinen Soziologie und den speziellen Soziologien kann die empirische Sozialforschung als dritter großer Bereich in der Soziologie betrachtet werden.
Geschichte
Die empirische Sozialforschung entwickelte sich im 17. und 18. Jahrhundert aus verschiedenen Disziplinen, u.a. der Statistik. Im 19. Jahrhundert diente sie (hauptsächlich in den USA) der Untersuchung von Integrationsproblemen und Armut. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich in den Niederlanden und im deutschen Sprachraum zunächst die Soziographie als direkter Vorläufer der empirischen Sozialforschung, während in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Meinungs- und Marktforschung in den Mittelpunkt rückte.
Ziele
Mit empirischer Sozialforschung werden
- Hypothesen und Theorien überprüft (induktives Vorgehen),
- Hypothesen und Theorien begründet und überarbeitet (deduktives Vorgehen),
- Planungs- und Entscheidungsprozesse fundiert,
- Wege aufgezeigt, praktische Probleme zu bewältigen.
Qualitative vs. quantitative Verfahren in den Sozialwissenschaften
Insbesondere in den Sozialwissenschaften gab es eine hitzige Diskussion darüber, ob es besser ist, Erhebungen mittels qualitativer Methoden oder quantitativer Methoden durchzuführen. Dieser Methodenstreit führte besonders zum Ende
der 1960er Jahre durch die gleichzeitig verlaufende Studentenrevolution dazu, dass stark weltanschaulich geprägte Haltungen die eigentlich wissenschaftlich motivierte Methodendiskussion überlagerte.
Der Vorteil quantitativer Methoden liegt darin, dass sich die Messergebnisse mit statistischen Methoden (Mittelwert, Varianz, etc.) weiter verarbeiten lassen. Grundlage der quantitativ ausgerichteten empirischen Sozialforschung ist die moderne Wissenschaftstheorie. Besonders sei hier auf den Kritischen Rationalismus von Karl Popper und Hans Albert hingewiesen. Ein wichtiger Grundsatz der empirischen Sozialforschung ist, dass Forschung prinzipiell unabhängig von der Subjektivität des Forschers oder der Forscherin ablaufen soll (Prinzip der Intersubjektivität). Quantitativ ausgerichtete Sozialforschung orientiert sich zumeist an der Überprüfung von Hypothesen oder Theorien (Induktion)
Parallel zur quantitativen Sozialforschung hat sich seit den 1960er Jahren eine qualitative Sozialforschung entwickelt. An den standardisierten Erhebungsmethoden wurden die mangelnde Offenheit des Verfahrens, die Künstlichkeit der Erhebungssituation und die Unsichtbarkeit sozialer Phänomene, die im standardisierten Erhebungsinstrument nicht planbar sind, bemängelt. Häufig zielt qualitative Sozialforschung darauf ab, Soziales tiefgründiger zu erforschen und Sinnstrukturen sichtbar zu machen. Ausgangspunkt für die Forschung ist dabei oft nicht die wissenschaftliche Hypothese, sondern eine Fragestellung oder ein abgegrenzter Gegenstandsbereich (Deduktion), über den erst noch eine Hypothese zu gewinnen ist. Eine populäre qualitative Methode ist z.B. die Hermeneutik, die aus einem gegebenen Text durch Interpretation auf die Intention des Autors und den Sinngehalt der Information rückschließen möchte.
Kritik
Zur sozialphilosophischen Kritik an der empirischen Sozialforschung siehe Adorno und die empirische Sozialforschung.
Literaturhinweise und Weblinks
Literatur zur quantitativen Sozialforschung
- Andreas Diekmann: Empirische Sozialforschung, Rowohlt-Verlag 2004, ISBN 3499555514
- Elisabeth Noelle-Neumann, Thomas Petersen: Alle, nicht jeder - Einführung in die Methoden der Demoskopie, Springer-Verlag 2004, ISBN 3540674985
- Rainer Schnell, Paul B. Hill, Elke Esser Methoden der Empirischen Sozialforschung 7. Auflage Oldenbourg Wissenschaftsverlag 2005 ISBN 3486576844
Literatur zur qualitativen Sozialforschung
- Flick, Uwe / Kardorff, Ernst von / Steinke, Ines (Hrsg.) (2000): Qualitative Forschung. Ein Handbuch. Reinbek: Rowohlt.
Verzeichnis Wissenschaftlicher Institute zur Sozialforschung
- [http://www.bvm.org BVM - Berufsverband Deutscher Markt- und Sozialforscher]
- [http://www.gesis.org/ GESIS] Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen
- [http://www.gesis.org/ZA/ ZA] Zentralarchiv für Empirische Sozialforschung, speichert und vertreibt repräsentative Umfragedaten incl. Dokumentation
- [http://www.mpi-fg-koeln.mpg.de Max-Planck Institut für Gesellschaftsforschung, Köln]
- [http://www.uni-koeln.de/wiso-fak/fisoz/index.htm Forschungsinstitut für Soziologie, Universität zu Köln]
- [http://www.sfs-dortmund.de/ Sozialforschungsstelle Dortmund]
- [http://www.wz-berlin.de/ Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung]
- [http://www.soz.jku.at/aes/ Johannes Kepler Universität Linz an der Donau, Institut für Soziologie, Abteilung für empirische Sozialforschung]
- [http://www.gesis.org/zuma/ ZUMA Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen] Spezialisiert auf Mikrodatenanalysen, Inhaltsanalyse
- Das Sozio-oekonomische Panel [http://www.diw.de/deutsch/sop/ (SOEP)]
- [http://www.dji.de/ Deutsches Jugendinstitut e.V. (DJI)], München
Kategorie:Soziologie
Kategorie:Empirische Sozialforschung
ObjektivitätObjektivität ist eine Eigenschaft, die der Haltung eines Beobachters oder der Beschreibung einer Sache oder eines Ereignisses zugeschrieben werden kann. Im Fall der Beschreibung bezeichnet Objektivität die Übereinstimmung mit der Sache oder dem Ereignis ohne eine Wertung oder subjektive Verzerrung, im Fall des Beobachters das erfolgreiche Bemühen um eine solche Übereinstimmung.
Wortherkunft und Begriffsabgrenzung
Substantiviert aus "objektiv", über französisch "objectif", kann man das Wort zurückverfolgen bis zum lateinischen "obiacere" (gegenüberliegen). Verwandte Begriffe sind "Wertfreiheit", "Unparteilichkeit" oder "Neutralität", Sachlichkeit, Unvoreingenommenheit. Größtmögliches Ausschalten von Gefühlen, Vorurteilen und Wünschen. Gegenbegriffe sind "Subjektivität" oder "Einseitigkeit".
Objektivität der Forschung
bezeichnet ein Merkmal und Prinzip der wissenschaftlichen Forschung, das darauf gerichtet ist, in den von ihr abgebildeten Aussagen, Theorien, Thesen u.a. die Realität objektiv widerzuspiegeln.
Einer Aussage, Theorie u.a. kommt Objektivität zu, wenn es in der Realität Sachverhalte gibt, die unabhängig von der Aussage, Theorie u.a. und dem, der sie aufstellt, sind und die so beschaffen sind, wie es in der Aussage, Theorie u.a. behauptet wird.
Im weiteren Sinne spricht man von der Objektivität von Aussagen, Theorien u.a., um damit zum Ausdruck zu bringen, dass für ihre Aufstellung nicht subjektive Wünsche, Meinungen, Neigungen, Vorurteile usw. maßgeblich sind, sondern allein die Sachverhalte, auf die sich die Aussagen, Theorien u.a. beziehen.
Objektivität setzt die philosophische Erkenntnis der Trennung des Objekts vom Subjekt voraus. Nicht alle philosophischen Systeme machen diese Trennung, so z.B. Johann Gottlieb Fichtes. Zur philosophischen Einordnung der Objektivität siehe u.a.: Erkenntnistheorie, Subjektivismus, Realismus
Subjektivität der Objektivität (Abjektion)
Die Form von Erkenntnistheorie nach der nur intersubjektive Erkenntnis möglich sei nennt man Kritischen Realismus. Die Einschätzung einer Sache oder eines Zustandes als "objektiv" beruhe demnach auf der subjektiven Einschätzung des Beobachters. Somit sei Objektivität nicht möglich, da sie stets der subjektiven Bewertung ausgesetzt sei.
Das Ideal Objektivität kann wegen der subjektiven Bedingungen einer Beobachtung nicht erreicht werden. Naturwissenschaftler streben deshalb stattdessen Intersubjektivität an.
Die in der empirisch orientierten Psychologie gebräuchliche Definition von Objektivität entspricht der naturwissenschaftlichen Sichtweise. Bei psychologischen Tests wird Objektivität in allen Phasen von der Durchführung bis zur Auswertung angestrebt, wenn auch nicht immer vollständig erreicht.
Für Karl Marx und Friedrich Engels war eine von Klasseninteressen unabhängige 'objektive' Erkenntnis undenkbar. "Die Gedanken der herrschenden Klasse „- schreiben Marx und Engels in der Deutschen Ideologie – „sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d. h. die Klasse welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht. Die Klasse, die die Mittel zur materiellen Produktion zu ihrer Verfügung hat, disponiert damit zugleich über die Mittel zur geistigen Produktion, so daß ihr damit zugleich im Durchschnitt die Gedanken derer, denen die Mittel zur geistigen Produktion abgehen, unterworfen wird.“ Die Angemessenheit einer wissenschaftlichen Theorie hängt Marx zufolge jedoch nicht nur davon ab inwieweit der Wissenschaftler es vermag sich von seinen Klassenvoruteilen zu lösen. Wichtiger noch ist, daß die verwendeten Kategorien selbst als historisch bedingte reflektiert werden.
Für den Soziologen Max Weber, der seinem Selbstverständnis nach auf Marx und Nietzsche antwortet, gibt es, niedergelegt in seinem berühmten Aufsatz von 1904, "keine schlechthin 'objektive' wissenschaftliche Analyse des Kulturlebens oder ... der 'sozialen Erscheinungen'". ([1]
S.49) Erkenntnis von Kulturvorgängen geschieht in der "individuell geartete[n] Wirklichkeit des Lebens" in Abhängigkeit von "Wertideen" und ist "stets eine Erkenntnis unter spezifisch besonderten(sic!) Gesichtspunkten". ([1] S.61f.)
Bei Jürgen Habermas heißen solche Wertideen "erkenntnisleitende Interessen". ([2]) Deren Offenlegung tritt an die Stelle der nicht mehr möglichen Objektivität.
Beispielhaft vorgeführt wird das z.B. von Hans-Ulrich Wehler in der Einleitung seiner "Deutsche[n] Gesellschaftsgeschichte". ([3] S.12ff.)
Für Niklas Luhmann sind Objektivität und Subjektivität keine Gegensätze, sondern ähnliche Begriffe in verschiedenartigen Systemen. Objektiv ist, was sich im Kommunikationssystem (= Gesellschaft) bewährt, subjektiv ist, was sich im einzelnen Bewusstseinssystem (grob gesprochen: im Kopf eines Menschen) bewährt. Bewusstseinssysteme können dann "subjektiv das für objektiv halten, was sich in der Kommunikation bewährt, während die Kommunikation ihrerseits Nicht-Zustimmungsfähiges als subjektiv marginalisiert". ([4] S.19)
Semiotik
Nach dem semiotischen Modell von Charles Sanders Peirce ist Objektivität das Zeichenobjekt, welches als reines Objekt nie fassbar ist, da es einerseits unserem menschlichen Verständnis immer der Interpretation unterliegt und andererseits für uns unlösbar mit dem Medium (Publikationsform), welches es zu uns Interpretanten leitet, verbunden ist.
Feministische Ansätze
Feministinnen kritisieren, dass als Bedingung der Objektivität von Forschern galt, von der eigenen Person abzusehen. Sandra Harding hingegen fordert für ihr Konzept der "strengen Objektivität", dass die "soziale Situiertheit" (Donna Haraway) der forschenden Person ins Forschungskonzept miteinbezogen werden müsse. Beim Konzept der "strengen Objektivität" geht es darum, "gesellschaftliche Ursachen guter Überzeugungen zu identifizieren." ([5] S. 166)
Quellen
- [1] Max Weber, Die "Objektivität" sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis, In: Schriften zur Wissenschaftslehre, Reclam, Stuttgart 1991. ISBN 3-15-008748-1
- [2] Jürgen Habermas, Erkenntnis und Interesse, Frankfurt am Main 1968
- [3] Hans-Ulrich Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Erster Band, C.H.Beck, München 1989. ISBN 3-406-32261-1
- [4] Niklas Luhmann, Die Religion der Gesellschaft, Suhrkamp, Frankfurt 2002. ISBN 3-518-29181-5
- [5] Sandra Harding, Das Geschlecht des Wissens. Frauen denken die Wissenschaft neu, 1994
Siehe auch
Ideologie, Wissenschaftsgeschichte, Positivismus, Wahrheit, Standpunkt-Theorie
Kategorie:Wissenschaftstheorie
Kategorie:Erkenntnistheorie
Qualitative MethodeUnter qualitativer Sozialforschung verstehen die Sozialwissenschaften eine sinnverstehende, interpretative wissenschaftliche Verfahrungsweise bei der Erhebung und Aufbereitung (Datenanalyse) sozial relevanter Daten.
Soziologische Gegebenheiten, die den Menschen in seiner Vergesellschaftung zum Inhalt haben, lassen sich einerseits quantitativ-empirisch beschreiben und erhellen, andererseits ist gerade für ein tieferes Verständnis dieser Zusammenhänge eine qualitative Analyse und Bewertung sowie in einem weiteren Schritt auch eine geisteswissenschaftliche Auseinandersetzung unerlässlich.
Begründung
Kritiker von qualitativen Forschungsmethoden kritisieren insbesondere die Subjektivität der auf diese Weise erhobenen Daten und werfen ihr Unwissenschaftlichkeit vor. Dem gegenüber wird geltend gemacht, dass ein Verzicht der Soziologie auf eine qualitative Hermeneutik diese zu einer das eigentlich Menschliche verkennenden und damit verfehlenden Theorie machen würde. Über stark interpretative und schwerer nachvollziehbare Methoden wie die Hermeneutik hinaus sind auch besser dokumentier- und nachvollziehbare Methoden entwickelt worden. Dies ist von Bedeutung, da Nachvollziehbarkeit als eines der zentralen Qualitätskriterien qualitativer Sozialforschung gilt. Methoden die diesen Anspruch erheben sind die Qualitative Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring oder die Grounded Theory nach Strauss & Glaser.
Als Begründung für die Notwendigkeit einer eigenen Methodologie der Sozialwissenschaften wird vor allem der sinnhaft und symbolisch vorstrukturierte Charakter des Gegenstandes der Sozialwissenschaften angeführt. Im Alltag und der von Wissenschaftlern und Nicht-Wissenschaftlern geteilten Lebenswelt sind Sinnkonstruktionen und Rationalität bereits vorgegeben, bevor sich die soziologische Analyse mit ihren Gegenständen befassen. Im Gegensatz zu einem naturwissenschaftlich gegebenen Sachverhalt ist der Gegenstand der Sozialwissenschaften selbst sinnkonstituierend und selbstreflexiv. Daher müssen diese Sinnkonstruktionen und der gegebene interaktive Prozess zwischen Forschung und Erforschtem in der soziologischen Analyse berücksichtigt werden und in einem besonderen Methodenansatz ihren Ausdruck finden.
Entwicklung
In der Diskussion um die Begründung und Berechtigung quantitativer und qualitativer Methoden in der Sozialforschung finden sich viele Aspekte des alten Methodenstreits wider, der seit den Anfängen der Soziologie als wissenschaftlicher Disziplin zwischen den Anhängern des naturwissenschaftlichen Methodenideals und den Gegnern seiner Übernahme in den Sozialwissenschaften geführt wurde. Der als Positivismusstreit bekannt gewordene Disput spitzte sich in den 60er Jahren in Folge von auf einer Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie 1961 von K.R.Popper und Th.W.Adorno vorgetragenen Referaten zur "Logik der Sozialwissenschaften" zu. Die qualitative Sozialforschung, die sich im Rahmen historisch-hermeneutischer Verfahren radikalisierte und zeitweise generell die Anwendung quantitativer Verfahren in den Sozialwissenschaften ablehnte, existierte in der folgenden Zeit als Randerscheinung neben der sich expansiv entwickelnden quantitativen Sozialforschung.
Seit den 80er Jahren erlangte die qualitative Methodologie eine zunehmende Aufmerksamkeit und qualitativ orientierte Projekte und Forschungsansätze eine zunehmende Verbreitung, so dass Mayring 1990 eine "qualitative Wende" diagnostizierte. Es entwickelte sich auf beiden Seiten eine wachsende Bereitschaft, die jeweilige Relevanz der unterschiedlichen Forschungsansätze für eine bestimmte Fragestellung zu akzeptieren und die Grenzen der eigenen Richtung zu erkennen. Diese Entwicklung fand schließlich Ausdruck in der Einrichtung einer Arbeitsgruppe "Methoden der qualitativen Sozialforschung" in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) im Oktober 1997 und der Einrichtung einer gleichnamigen Sektion im November 2003.
Qualitative Methoden
Die qualitative Methodologie hat sich zu einem eigenständigen Paradigma entwickelt und inzwischen mehrere fundierte Forschungsansätze hervorgebracht. Mit ihrer Hilfe sollen Phänomene und Sichtweisen in ihrer inneren, argumentativen und praktischen Struktur erhellt werden. Wird ein qualitativer Ansatz im Zusammenhang mit einer quantitativen Erhebung verfolgt, so kann dieser eine inhaltliche Zuordnung des quantitativ Erhobenen ermöglichen. Dabei soll die Sicht der jeweils Betroffenen, und gelegentlich auch der Forschenden, systematisch reflektiert werden. Elaborierte Methoden der qualitativen Sozialforschung:
- biographische Methode
- Einzelfallstudie
- Diskursanalyse
- grounded Theory
- objektive Hermeneutik
- qualitative Inhaltsanalyse
- qualitatives Interview
- teilnehmende Beobachtung.
Siehe auch: Methoden der empirischen Sozialforschung, Kultursoziologie, Alfred Schütz
Literatur
- Flick, Uwe/ von Kardorff, Ernst/ Steinke, Ines (Hg.): Qualitative Forschung - Ein Handbuch, Hamburg 2000.
- Lammek, Siegfried: Qualitative Sozialforschung Bd.1 und 2, 3.korrigierte Auflage, Psychologie Verlag Union München, Weinheim 1995.
- Mayring, Ph: Einführung in die qualitative Sozialforschung, München 1990.
- Popper, K.R./Adorno, Th.W.: Die Logik der Sozialwissenschaften in: KZfSS 14 (1962), Heft 2.
- Bibliographie mit Online-Literatur zu Qualitativen Methoden: http://wiki.pruefung.net/Wiki/QualitativeMethoden
Weblinks
- [http://www.qualitative-research.net/fqs/fqs.htm Forum Qualitative Sozialforschung]
- [http://www.soziologie.de/sektionen/m04/ DGS:AG Methoden der qualitativen Sozialforschung]
- [http://www.berliner-methodentreffen.de/ Berliner Methodentreffen Qualitative Forschung]
- [http://www.methodenbegleitung.de/ NetzWerkstatt. Integrierte Methodenbegleitung für qualitative Qualifizierungsarbeiten]
- [http://www.audiotranskription.de Transkriptionssoftware, Informationsportal zur digitalen Aufnahme und Transkription, Literaturauszüge usw.]
Kategorie:Empirische Sozialforschung Kategorie:Qualitative Sozialforschung
ja:定性的研究
DatenanalyseDie Auswertung oder (Daten-)analyse stellt den vierten Prozess einer Erhebung (Empirie) dar, der nach der Datenaufbereitung abläuft. Wesentliches Ziel der Auswertung ist die Bereitstellung statistischer Ergebnisse für Veröffentlichungen, statistische Datenbanken, CD-ROMs oder (anonymisierte) Mikrodaten.
Die Auswertung setzt auswertbare, d.h. (teil-)plausible Einzeldaten voraus und beginnt meistens mit der Erstellung von Tabellen (Tabellierung). Bei Stichprobenerhebungen gehört zur Auswertung auch die Hochrechnung, d.h. der Schluss von einer Stichprobe auf eine Grundgesamtheit. So können z.B. die Ergebnisse einer Unternehmensstichprobe für einen Wirtschaftszweig mit Hilfe von Hochrechnungsfaktoren auf alle Unternehmen des Wirtschaftszweiges hochgerechnet werden.
Die hochgerechneten Ergebnisse entsprechen "im Wesentlichen" den Verhältnissen der betreffenden Grundgesamtheit, d.h. sie sind mehr oder weniger mit zufälligen Fehlern behaftet. Eine gute Praxis stellt daher die Fehlerrechnung zur entsprechenden Hochrechnung dar. Sie enthält hauptsächlich Kennzahlen über mögliche Ergebnisschwankungen ((relativer) Standardfehler). Die Fehlerrechnung erleichtert erheblich die Interpretation statistischer Ergebnisse.
Statistische Ergebnisse setzen die Teilnahmebereitschaft von Auskunftgebenden voraus. Auskunftgebende, wie z.B. Unternehmen, geben nur dann Auskunft, wenn sie aufgrund ihrer Angaben in den Tabellen nicht reidentifiziert werden können. Diesen Belangen der Auskunftgebenden wird Rechnung getragen, indem vorliegende Ergebnistabellen anonymisiert werden, d.h. Tabellenzellen mit nur einem Auskunftgebenden werden z.B. gelöscht.
Neben der Tabellierung stellen die Überprüfung von Hypothesen mit Hilfe statistischer Methoden, die Formulierung und Berechnung von mathematisch-statistischen Modellen und die Entwicklung von Graphiken weitere wichtige Aktivitäten dar.
Für die o.g. Aufgaben werden mathematisch-statistische Methoden benötigt, die durch (statistische) Standardsoftware bereitgestellt werden.
Unter Datenanalyse versteht man die Aufbereitung und Auswertung gesammelter Daten. Diese Daten können sowohl empirisch erhoben werden (beispielsweise durch Fragebögen und Umfragen), als auch - z.B. in Form von Dokumenten oder in Datenbanken - bereits gesammelt vorliegen (siehe auch Dokumentenanalyse).
Datenanalysen finden sowohl in der Marktforschung statt, als auch im Rahmen der Software-Anwendungsentwicklung, wo die Datenanalyse meist mit der Systemanalyse einher geht und eine der Grundlagen für ein Pflichtenheft darstellt (siehe auch Software-Engineering).
Analysemethoden (Analyseverfahren)
- Statistische Analyse
- Komparativ-statistische Analyse
- Dynamische Analyse
- Evolutorische Analyse
- Univariate Analysemethoden: Univariate Verteilung
- Bivariate Analysemethoden: Bivariate Verteilung
- Multivariate Analysemethoden: Multivariate Verteilung
- Qualitative Analysemethoden
- Quantitative Analysemethoden
Kategorie: Statistik
Kategorie:Informationssystem
Nach der Auswertung folgt die Ergebnispräsentation.
Weblinks
Mathematisch-statistische Methoden
- http://www.statsoft.com/textbook/stathome.html guter Überblick der wichtigsten statistischen Verfahren.
- http://www.statistik.tuwien.ac.at/public/dutt/vorles/inf_bak/node1.html Zusammenhängender Text über die Grundlagen
- http://mathworld.wolfram.com/topics/ProbabilityandStatistics.html
- http://www.mathe-online.at/mathint/lexikon/index.html Das Lexikon ist eher auf die Mathematik ausgerichtet.
Statistische Standardsoftware
- http://www.r-project.org/ GNU_R, Open Source Software - Gratis
- http://de.wikibooks.org/wiki/GNU_R GNU_R bei Wikibooks
- http://www.sas.com/offices/europe/germany/index.html SAS-Startseite
- http://www.spss.com/de/ SPSS-Startseite
- http://www.stata.com/ Stata-Startseite
Standardsoftware mit statistischen Funktionen
- http://de.openoffice.org/ Kostenloses Office-Paket, dessen Tabellenkalkulation statistische Funktionen enthält.
- http://www.microsoft.com/germany/office/default.mspx Office-Paket, dessen Tabellenkalkulation statistische Funktionen enthält.
Statistische Einzeldaten zu Auswertungszwecken / Übungen
- http://www.destatis.de/fdz/ Anonymisierte Einzeldaten für Wissenschaftler
- http://www.destatis.de/fdz/leistungen/campusfiles.htm Kostenlose Campus-Daten für jeden
Kategorie:Statistik
Interview Bei einem Interview ('intevju:) handelt es sich um eine Befragung durch einen oder mehrere Fragesteller (sogenannte Interviewer) mit dem Ziel, persönliche Informationen oder Sachverhalte zu ermitteln.
Typologie
Man unterscheidet grob zwischen unstrukturierten (auch: qualitative, freie, non-direktive, narrative) und strukturierten (auch: quantitative, standardisierte) Interviews, wobei Misch- oder Zwischenformen ebenso möglich sind. Die freieren Formen laufen ähnlich wie normale Gespräche ab, bei denen lediglich das Thema oder ein grober Leitfaden vorgegeben ist. Hingegen arbeitet man in standardisierten Interviews einen strikt vorgegebenen Fragenkatalog ab, der meist kategoriale (Ja/Nein) oder skalierte (1="Stimme nicht zu", 5="Stimme voll und ganz zu") Antworten verlangt, die später statistisch analysiert werden.
Das Interview kann als einmalige oder als wiederholte Befragung angelegt sein, um bestimmte Entwicklungen des Meinungsbildes nachvollziehen zu können. Es kann als Einzel-Interview oder auch als Gruppen-Interview durchgeführt werden.
Anwendungsgebiete
Journalistische Formen
Die bekannteste Form ist das journalistische Interview, das für Textbeiträge, den Rundfunk und das Fernsehen mit einer Person der Zeitgeschichte (Politiker und andere Persönlichkeiten, die ein öffentliches Interesse betreffen) durchgeführt wird. Es taucht sowohl als Darstellungsform, aber auch als Recherchemittel auf.
Recherche
Während in der Presse- und Radioberichterstattung mit Interviews vor allem journalistische Ziele verfolgt werden, nehmen in den Fernsehprogrammen außerhalb der speziellen Berichterstattungssendungen vorwiegend unterhaltende Spielformen des Interviews breiten Raum ein. Medienwissenschaftler konstatieren, dass sowohl von den Zuschaueranteilen als auch vom öffentlichen Prestige etwa die Talkshow mit Sabine Christiansen die klassischen TV-journalistischen Formate ("Im Kreuzfeuer") in den Schatten gestellt haben. Vom deutschen Fernsehen her prominente Interviewer sind z.B.: Günter Gaus ("Zur Person"), Sandra Maischberger, Johannes B. Kerner .
In einigen Wissensgebieten haben sich journalistische Sonderformen zunehmend Geltung und Sendeplätze erobert, namentlich Wissenschaftsjournalisten und Medizinjournalisten, deren Arbeitsmittel neben der Durchforstung der aktuellen Forschungsergebnisse und deren allgemeinverständliche mediengerechte Aufbereitung das Experteninterview ist.
Kommerzielle Bedeutung
Interviews werden in der empirischen Sozialforschung, in der Meinungsforschung und in der Marktforschung eingesetzt, um durch mehr oder weniger standardisierte Fragen ein Meinungsbild einer größeren Gesamtheit (z.B. der Bevölkerung einer Region oder des ganzen Landes) zu bestimmten Themen, Zeitfragen oder Produkten zu erhalten. Eher aktualitätsbezogene und kurze Fragekataloge können per telefonischer Befragung ermittelt werden, während umfassendere Fragestellungen nach wie vor von geschulten Interviewern per Hausbesuch durchzuführen sind.
Da in Zeiten der Marktsättigung in vielen Wirtschaftszweigen (z.B. Pharmaindustrie, Nahrungsmittelindustrie, Möbelindustrie) die Ausgaben für Marketing die Ausgaben für Forschung und Entwicklung übertreffen, verwundert es nicht, dass es sich hier um einen Milliardenmarkt handelt. Denn die Entwicklungen der Werbeindustrie beruhen weitgehend auf der ständigen Marktbeobachtung mit Hilfe der Interviews der Marktforschungsunternehmen.
Nur Fachleuten ist hingegen klar, dass die meisten aktuellen, veröffentlichten Wirtschaftsnachrichten und -analysen in weitem Umfang auf Fragebögen, Direktinterviews und PR-Arbeit aus den Unternehmen beruhen, die von zum Teil spezialisierten Nachrichtendiensten dann mediengerecht aufbereitet und verbreitet werden. Auch dies ist ein Markt, in dem viel Geld umgesetzt wird.
Werbeindustrie
Wissenschaftliche Einsatzgebiete
Einen großen Stellenwert als Basis für die Analyse- und Dokumentationsarbeit haben Interviews wissenschaftlich in der Sprachwissenschaft (Sprachatlas, Mundartforschung), in der Volkskunde (Gewährsleute, Oral History) und in der Geschichtswissenschaft (Zeitzeugen, Technikgeschichte, Sozialgeschichte).
Neben Experimenten und anderen Beobachtungstechniken wird in der wissenschaftlichen Psychologie auch weiterhin ganz überwiegend mit validisierten, statistisch auswertbaren ausführlichen Fragebögen gearbeitet. In der Sozialpsychologie insbesondere werden häufig standadisierte Interviews zugrundegelegt, diese aber mit explorativen, offenen Interviews vorbereitet und für komplexere Fragen damit ergänzt.
In der Biographieforschung werden durch ausführliche wissenschaftliche Interviews Lebensverläufe bestimmter Bevökerungsgruppen dokumentiert, um geglückte oder auch problematische individuelle Verhaltensweisen, Mentalitäten und soziale Entwicklungen genauer untersuchen zu können. Besonders in der Kriminologie (Jugendkriminalität, Intensivtäter, Gewaltprävention) liegt die dringende Notwendigkeit und Relevanz solcher Forschung unmittelbar auf der Hand. In der Geschlechterforschung werden durch unterschiedliche Interviewformen die spezifischen Unterschiede in Verhalten und Habitus zwischen Männern und Frauen sowie unterschiedlichen Untergruppen derselben herausgearbeitet.
Sonderformen
Die alltäglichste Erscheinungsform des Interviews ist das Vorstellungsgespräch bei der beruflichen Bewerbung, dem in Großunternehmen häufig ein strukturiertes Einstellungsinterview in Gestalt eines umfangreichen standadisierten Fragebogens vorausgeht.
In der medizinischen Diagnostik nennt man das Interview durch den behandelnden oder in der Klinik stationär aufnehmenden Arzt die Anamnese.
In der psychologischen und psychologisch-pädagogischen Diagnostik dienen diagnostische Interviews dazu, über einzelne Individuen möglichst umfangreiche, aussagekräftige Informationen zutage zu fördern. In qualitativen Interviews soll durch gezieltes Hinterfragen von Antworten und durch freies Erzählen sowie themenzentrierte Ausführungen der Probanden ein möglichst vorurteilsfreies und nicht von normengestützten Vergleichsinteressen geleitetes Bild der Persönlichkeit oder der individuellen Denkleistungen erzeugt werden. So können z.B. Aussagen über das individuelle, inhaltlich-mathematische Denken (siehe auch: Qualitative Diagnostik) oder andere Sachgebiete gemacht werden.
Weitere Abwandlungen des Interviews sind das polizeiliche Verhör und die gerichtliche Befragung.
Bei der Pressekonferenz werden eher Stellungnahmen verbreitet und nur vereinzelte Fragen gestellt.
Literatur
- Jochen Gläser, Grit Laudel: "Experteninterviews und qualitative Inhaltsanalyse : Instrumente rekonstruierender Untersuchungen". 1. Aufl. UTB, Stuttgart 2004. 340 S. ISBN 3-8252-2348-5
- Cornelia Helfferich: "Die Qualität qualitativer Daten : Manual für die Durchführung qualitativer Interviews; Lehrbuch. 1. Aufl. - Wiesbaden : VS, Verl. für Sozialwiss., 2004. 187 S. ISBN 3-8100-3756-7
- Gerhard Amendt: "Scheidungsväter". 1. Aufl. - Bremen : IGG, Institut für Geschlechter- und Generationenforschung, 2004. 238 S. ISBN 3-88722-570-8
- Alexander Bogner: "Das Experteninterview : Theorie, Methode, Anwendung". Opladen: Leske + Budrich, 2002. 278 S. ISBN 3-8100-3200-X
- Peter Alheit, Kerstin Bast-Haider, Petra Drauschke: "Die zögernde Ankunft im Westen : Biographien und Mentalitäten in Ostdeutschland". Frankfurt [u.a.] : Campus, 2004. 349 S. Reihe Biographie- und Lebensweltforschung des Interuniversitären Netzwerkes Biographie- und Lebensweltforschung (INBL); ISBN 3-593-37484-6
- Gerald Richter: "Was misst das strukturierte Einstellungsinterview?? : Studien zur Konstruktvalidität des Multimodalen Interviews". 144 Bl. Marburg, Univ., Dissertation 2003.
- Christiana Berner: "Der Topmanager zwischen Anspruch und Realität : Aufgaben - Images - Selbstverständnis". Tectum-Verl., Marburg 2003. 271 S. (Kassel, Univ., Diss., 2001) ISBN 3-8288-8462-8
- Ginsburg, Herbert P. / Jacobs, Susan F. / Lopez, Luz Stella: The Teacher's Guide to Flexible Interviewing in the Classroom. Learning what Children know about Math. Needham Heights 1998, Allyn&Bacon, ISBN 0-205-26567-7
Weblinks
- [http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/FORSCHUNGSMETHODEN/Interview.shtml arbeitsblaetter.stangl-taller.at/] Das qualitative Interview
- [http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/FORSCHUNGSMETHODEN/NarrativesInterview.shtml arbeitsblaetter.stangl-taller.at/] Das narrative Interview
- [http://www.rhetorik.ch/Interviewtechnik/Interviewtechnik.html http://www.rhetorik.ch/Interviewtechnik/Interviewtechnik.html] Interviewtechnik
- [http://www.planet-interview.de Planet-Interview.de] Portal für Interviews mit Interview-Ticker, Interview-News, Link-Datenbank und einer Sammlung von ca. 350 Interviews mit Prominenten
Kategorie:Journalismus
Kategorie:Empirische Sozialforschung
Kategorie:Empirie
Kategorie:Psychologie
Kategorie:Fernsehen
Computer Assisted Telephone InterviewComputer Assisted Telephone Interview bezeichnet die Unterstützung des telefonischen Interviews mit Hilfe des Computers (CATI). Dies geschieht in folgenden technischen Teilbereichen:
Umsetzung des Fragebogens
Der Fragebogen, der meistens als Text(datei) vorliegt, wird in ein Computerprogramm umgesetzt. Die Interviewer führen dann die Interviews am Bildschirm durch, und das Fragebogenprogramm (CATI-Programm) präsentiert Frage für Frage am Bildschirm. Der Interviewer gibt die Antwort ein. Die gesamte Ablauflogik des Fragebogens wird durch das Computerprogramm korrekt durchlaufen.
Verwaltung aller anzurufenden Telefonnummern (Adressen)
Wenn in kurzer Zeit viele Personen befragt werden sollen, ist eine stringente Wiedervorlageverwaltung der Telefonnummern unverzichtbar. Angerufene Nummern können besetzt sein, die gesuchte Person kann gerade nicht zu Hause sein oder ein Interviewpartner unterbricht das Interview und bittet um Fortsetzung zwei Tage später. Alle diese Ereignisse müssen stets genau protokolliert und verarbeitet werden, damit zur richtigen Minute diese Telefonnummer erneut angerufen und einem Interviewer an den Bilschirm gebracht wird. Bei internationalen Projekten ist dabei auch noch die Zeitverschiebung zu beachten. In CATI-Systemen erledigt diese Verwaltung eine Komponente des Gesamtsystems.
Ersatz oder Treiben der Telefonanlage
Das CATI-System implementiert entweder selbst die nötige Telefontechnik, zumindest aber steuert es eine vorhandene Telefonanlage und nimmt von dieser die Antwortmeldungen entgegen und protokolliert sie. Die Adressverwaltung (Komponente 2) erkennt, dass eine Telefonnummer anzurufen ist. Die Telefonkomponente führt den Wählbefehl aus, stellt ggf. die Verbindung mit der Interviewkomponente her und/oder gibt das Ergebnis des Wählversuches an die Adressverwaltung zurück. Ist z.B. besetzt, dann wird dies sofort an die Adressverwaltung zurückgemeldet und diese kann den nächsten Anrufversuch zeitlich planen.
Monitoring des Telefonstudios durch die Supervisoren
Die Monitorkomponente ermöglich es dem Supervisor (Aufsichtsperson) auf seinem Bildschirm jederzeit den gesamten Studiobetrieb zu überwachen. Auf verschiedenen Fenstern wird angezeigt, wer an welchem Bildschirm sitzt, wo welches Projekt bearbeitet wird, wieviele Interviews pro Projekt bereits durchgeführt wurden. Über eine Watch- and Listen-Funktion kann sich der Supervisor auf einen Interviewerplatz aufschalten und das Interview in Echtzeit in Ton und Bild mitverfolgen.
Projektstatistik
Die Kennzahlen der Statusse der verschiedenen Projekte werden in Tabellen- und Chartform aufbereitet. So kann zum Beispiel der Projektleiter täglich eine Statistik der aktuellen Adressenlage aufbereiten, die Verteilung der Interviewzeiten ermitteln oder Kennzahlen für die Interviewerperformance errechnen. Die Projektstatistik befasst sich nicht mit den im Projekt erhobenen Daten der Befragung. Sie wertet vielmehr lediglich Informationen über die Projektabwicklung aus.
Unterstützen der Software-Entwicklung
Darunter versteht man die Programmier-Umgebung für die Fragebogenentwickler (z.B. Editor, Debugger, Testtreiber, Laufzeitumgebung) und die Software zur Aufbereitung der erfassten Daten zum Zwecke der Übergabe an Tabellier- und Auswerteprogramme. Zur Implementierung von Fragebögen werden meist spezielle Programmiersprachen verwendet, die nur für genau diese Anwendung optimiert wurden.
Sprachenunterstützung
Diese Komponente hilft, ein Fragebogenprogramm so zu übersetzen, dass die natürlichsprachlichen Teile des Fragebogens in die neue Zielsprache gebracht werden, ohne dass die Syntax des Fragebogenprogrammes dadurch beeinträchtigt wird. Einem Programmskelett (der Syntax) wird gewissermaßen eine neue Haut (die Interviewsprache) übergezogen.
Nicht alle CATI-Systeme weisen alle diese Komponenten auf und manche verfügen auch noch über zusätzliche Module. CATI ist aber in jedem Fall mehr als nur ein programmierter Fragebogen.
Kategorie:Marktforschung
HermeneutikDie Hermeneutik (von griechisch ερμηνευτική [τέχνη], altgriechische Aussprache hermeneutiké [téchne] - [die Kunst des] Interpretierens, Übersetzens, Erklärens und Auslegens) leitet sich her von Hermes dem Götterboten, der den Menschen den Götterwillen immer verschlüsselt, also interpretationsbedürftig gebracht hat, und bezeichnet ursprünglich die Lehre vom Verstehen eines Textes; Schleiermacher hat unter dem Begriff der Hermeneutik das Programm einer umfassenden Lehre vom Verstehen entworfen. Der Frankfurter Soziologieprofessor Ulrich Oevermann prägte den Begriff der objektiven Hermeneutik.
Anwendungsgebiete der Hermeneutik
Große Bedeutung besitzt die Hermeneutik nach wie vor bei der Auslegung von Texten, Kunstwerken oder Musikstücken.
In der Theologie findet die Hermeneutik in Form der Biblischen Hermeneutik Anwendung. Sie hat das Verstehen der Bibel zum Gegenstand. Zur Debatte steht hier zum Beispiel, inwieweit biblische Texte wörtlich zu verstehen sind. Ganz grundsätzlich wird aber auch gefragt, inwieweit eine Biblische Hermeneutik sich überhaupt als Spezialfall einer allgemeinen Hermeneutik verstehen kann.
Gadamer versteht die Hermeneutik universal als Weltdeutung. Man spricht daher von einer hermeneutischen Philosophie. Weitere wichtige Vordenker und Vertreter dieser Philosophierichtung sind z. B. Wilhelm Dilthey und Martin Heidegger.
Ein weiteres Anwendungsbeispiel ist die Rechtshermeneutik, die die Frage nach der Anwendung und Interpretation von Gesetzestexten stellt: muss das Gericht sie wörtlich verstehen oder gibt es Spielraum für eine übertragene Anwendung?
Wissenschaftstheoretisch kann ein hermeneutischer Ansatz einem naturwissenschaftlichen Ansatz (Empirie) entgegengestellt werden. W. Dilthey stellte so Naturwissenschaften und Hermeneutik (Geisteswissenschaften) einander gegenüber: Naturwissenschaften erklären etwas, fragen nach Ursachen (erklären z. B. den Tod eines Menschen medizinisch). Geisteswissenschaften versuchen etwas (im umfassenderen Sinne) zu verstehen (fragen z. B. Was ist der Tod? Wie gehe ich mit ihm um?).
In den Sozialwissenschaften unterscheidet man subjektive und objektive Hermeneutik. Während erstere das „einfühlende Verstehen“ z. B. in die persönliche Situation eines Menschen bezeichnet (auch Empathie genannt), ist die objektive Hermeneutik bemüht, die tatsächlichen Beweggründe, Botschaften eines Handelns oder einer Situation zu verstehen. Dies geschieht unter anderem durch die Interpretation von Kontextmerkmalen einer Situation oder eines Ereignisses. Die objektive Hermeneutik stellt auch eine Methode der qualitativen Sozialforschung dar.
In der geisteswissenschaftlichen Tradition der Pädagogik war die pädagogische Hermeneutik bis in die 60er Jahre das vorherrschende Forschungsprinzip.
Kritik an der Hermeneutik
Ungeklärt ist die Frage nach der Validität oder, bescheidener ausgedrückt, nach der Glaubwürdigkeit hermeneutischer Aussagen. Eine aussichtsreiche Möglichkeit resultiert, wenn man die hermeneutischen Aussagen als abduktive Schlüsse i. S. von C. S. Peirce auffasst und dann untersucht, ob die Regeln dieser Schlussform eingehalten wurden, ob beispielsweise von der hermeneutischen Hypothese Vorhersagen auf andere, noch unbekannte Merkmale des Erkenntnisgegenstandes deduziert und dann empirisch überprüft wurden. Diese Form der Gültigkeitskontrolle spielt z. B. in der medizinischen Differentialdiagnostik eine bedeutende Rolle.
Siehe auch
- Biblische Hermeneutik - Objektive Hermeneutik - Hermeneutische Differenz - Hermeneutischer Zirkel - Intuition
- Interpretation - Auslegungskunst - Doppelte Hermeneutik
Literatur
- H. Seiffert: Einführung in die Hermeneutik. UTB 1992 (relativ knapp gehaltene, übersichtliche Einführung mit Schwerpunkt auf klassischen Bereichen angewandter Texthermeneutik: Theologie, Jura, Pädagogik)
- J. Grondin: Einführung in die philosophische Hermeneutik. WBG 1991 (historischer Überblick mit Schwerpunkt auf der Traditionslinie Schleiermacher - Dilthey - Heidegger - Gadamer)
- M. Jung: Hermeneutik zur Einführung. Junius 2001 (knappe systematische Einführung, auf neuere philosophische Fragestellungen v.a. im Zusammenhang mit Gadamers Hermeneutik Bezug nehmend)
- J.Hörisch: Die Wut des Verstehens, edition suhrkamp, erweiterte Nachauflage 1998, ein fulminant verfasstes Essay zur Kritik der Hermeneutik
- Kurt Eberhard: Einführung in die Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie (2. Aufl.) Kohlhammer, 1999 (mit abduktionlogisch deduzierten Regeln für eine validitätsorientierte Hermeneutik)
Weblinks
- http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/hermeneutik/main.html
- http://www.capurro.de/hermwww.html
- http://www.objektivehermeneutik.de
Kategorie:Erkenntnistheorie
th:อรรถปริวรรตศาสตร์
FrequenzanalyseDurch Frequenzanalysen wird untersucht, wie häufig bestimmte Ereignisse in einer gewissen Zeiteinheit auftreten bzw. welche Frequenzanteile wie stark in einem Signal vertreten sind.
Demnach wird unterschieden in:
- Die Frequenzanalyse als Methode der Kryptoanalyse.
- Die Frequenzanalyse als Basis der Signalanalyse.
Kategorie:Digitale Signalverarbeitung
- Fourieanalyse (harmonische Analyse)
KommunikationswissenschaftKommunikationswissenschaft ist ein Zweig der Sozialwissenschaft bzw. Soziologie, der sich vorwiegend mit der Massenkommunikation befasst, d. h. mit der einseitigen Kommunikation Weniger an Viele über Massenmedien wie Presse, Hörfunk, Fernsehen oder Internet.
Kommunikationswissenschaft und Publizistikwissenschaft: nicht ein und dasselbe?
Der Begriff "Kommunikationswissenschaft" wird gelegentlich in einem Atemzug mit dem Begriff Publizistikwissenschaft genannt. Die Wissenschaft ist sich jedoch uneins, ob man das tun sollte.
Während Otfried Jarren und Heinz Bonfadelli von "Publizistik- und Kommunikationswissenschaft als einem Fach sprechen (vgl. "Einführung in die Publizistikwissenschaft"), weist Gerhard Maletzke ("Kommunikationswissenschaft im Überblick") auf grundlegende Unterschiede zwischen beiden Fächern hin: Beide beackerten zwar denselben Gegenstand, wobei die Kommunikationswissenschaft weitergehe: Schließlich beschränke sich die Kommunikationswissenschaft schon vom Namen her auf öffentliche Kommunikation (vgl. S.21). In den Methoden unterschieden sich die beiden Wissenschaften grundlegend: Die Publizistikwissenschaft sei, auf das Jahr 1926 zurückgehend, eine historisch-hermeneutische Geisteswissenschaft. Die Kommunikationswissenschaft sei hingegen stets eine empirische Sozialwissenschaft gewesen (vgl. S.22).
Ausgehend von der Tatsache, daß sich die Publizistikwissenschaft in der Tradition von Elisabeth Noelle-Neumann als eine "empirische Sozialwissenschaft" definiert, könnte auch eine andere Unterscheidung zutreffen: Die Publizistikwissenschaft erforscht die Kommunikation der Massenmedien (Massenkommunikation) inklusive interaktiver Medien wie Internet, während unter dem Begriff Kommunikationswissenschaft zumindest auch Beobachtungen zur Kommunikation unter Anwesenden subsumiert werden.
Gegenstände und Einteilung
Die einzelnen Forschungsgebiete der Kommunikationswissenschaft lassen sich am einfachsten mit Hilfe der Lasswell-Formel verdeutlichen und in der Frage zusammenfassen: "(1)Wer (2)sagt was (3)auf welchem Weg (4)zu wem (5)mit welchem Effekt?" Diese Trennung kann jedoch etwa mit Verweis auf die Theorie sozialer Systeme angefochten werden.
Die Erforschung der Effekte der Massenkommunikation (Medienwirkungsforschung) bezieht sich dabei einerseits auf das Individuum, die Psyche mit Kognitionen und Emotionen.
Andererseits werden auch Wirkungen auf die Gesellschaft oder Teile der Gesellschaft untersucht. Hier ist v.a. der Begriff der öffentlichen Meinung relevant.
Grundbegriffe
- "Kommunikation ist die Bedeutungsvermittlung zwischen Lebewesen." (Gerhard Maletzke, Kommunikationswissenschaft im Überblick, S.37)
- Massenkommunikation: Form der Kommunikation, bei der Aussagen öffentlich durch technische Verbreitungsmittel indirekt und einseitig an ein disperses Publikum vermittelt werden. (Definition von Gerhard Maletzke in: Psychologie der Massenkommunikation, S.32). Man kann an dem Begriff kritisieren, dass schon der Begriffsbestandteil "Kommunikation" irreführend ist – schließlich kommuniziert der BILD-Zeitungs-Leser nicht mit dem Redakteur und dem Verlag, sondern nimmt lediglich Informationen entgegen. Klassische Massenkommunikation ist daher eigentlich keine echte Kommunikation.
- Interaktion: soziales Handeln. Da Kommunikation nichts anderes ist als soziales Handeln mit Hilfe von Symbolen, setzt C. F. Graumann die Begriffe "Kommunikation" und "Interaktion" gleich.
- Sprache: Verständigung mit Hilfe von Symbolen – eine Fähigkeit, die nur Menschen haben.
- Kommunikator: der Journalist, Moderator oder Kommentator, der etwas aussagt. Da in der Praxis meist mehrere Personen an der Verbreitung von Aussagen beteiligt sind, spricht man heute oft besser von der "Kommunikatorseite".
- Aussage: präziser wäre "das Ausgesagte". "Das Ausgesagte" umfasst sowohl den Inhalt als auch die Form von Botschaften.
- Medium: ein umstrittener Begriff. Meint man technische Einrichtungen (Druckmaschinen, Video-Schnittsysteme, Bildschirme etc.)? Formen der Arbeitsorganisationen (Redaktionen, Nachrichtenagenturen o.ä.)? Informations-Verarbeitungsmuster? Die Kommunikationswissenschaft hat sich hier noch nicht geeinigt.
- Rezipient: Eine Person, die eine Aussage empfängt und "entschlüsselt". Wenden sich mehrere Rezipienten derselben Aussage zu, spricht man von Publikum. Recht einheitlich verwendeter Begriff.
Kleine Theoriegeschichte der Wirkungsforschung
Der Beginn der Wirkungsforschung liegt u.a. in der Untersuchung von Beeinflussung durch Propaganda, bedeutend insbesondere die Forschung in den USA im Umfeld der Zweiten Weltkrieges. Im Fach wird diskutiert, ob in diesen Frühzeiten Reiz-Reaktions-Modelle der Kommunikation überwogen. Ferner stellt die Zeitungswissenschaft einen Ausgangspunkt für die Entwicklung des Faches im deutschsprachigen Raum dar.
Im Laufe der Fachgeschichte werden naturgemäß einfache durch komplexere Modelle und Theorien abgelöst. So entwickelt sich die Theoriegeschichte weg von Vorstellungen, wonach Informationen und Meinungen durch Kommunikation übertragen werden hin zu Modellen, wie Rezipienten mit Medieninhalten interagieren, sich aus ihnen Weltbilder konstruieren und mittels verschiedener Wege daraus Einstellungen und Entscheidungen ableiten. Endgültig ausgetragen ist der Streit darüber, inwieweit Medieninhalte und Weltbilder der Rezipienten Realitätsbeschreibung sein können, jedoch nicht. Gemeinhin wird der Gegensatz mit dem Begriffspaar "Realismus" und "Konstruktivismus" ausgedrückt.
Zeitweise spitzt sich die Abkehr von starken, auf Einstellungen bezogenen Wirkungen zur These zu, Medien könnten wenn überhaupt nur bestimmen, welche Themen die Rezipienten als relevant wahrnehmen, nicht aber, welche Haltung sie dazu einnehmen. Hierfür wird das Bild der "Agenda" verwendet, also die Liste dessen, was gerade als wichtig behandelt wird. Entsprechend heißt das Konzept zu dieser Forschungstradition "agenda setting".
"Durch die Hintertüre" schleichen sich jedoch Meinungen wieder ein, indem man zur Einsicht gelangt, dass ein Thema keine allzu harte Einheit darstellt, sondern verschiedene Aspekte hat. Hinzu kommt die Erkenntnis, dass die menschliche Informationsverarbeitung nicht unbedingt unabhängig davon funktioniert, in welcher Reihenfolge und mit welcher Betonung Aspekte dargebracht werden, sondern vielmehr die Verfügbarkeit von Informationen die Schlussfolgerungen mehr oder weniger mitbestimmt. Somit wird den Medien wieder die Fähigkeit zugeschrieben, durch Betonen, Herunterspielen, Weglassen (sei es absichtsvoll oder nicht) Urteile mitzubestimmen.
Die neuere Forschung hält eine Vielzahl von Theorieangeboten und Gegenständen bereit, von der Untersuchung des augenblickhaften Unterhaltungserlebens bis hin zur langfristigen Kultivation von Ängsten und Misstrauen durch tausendfache Rezeption von Angeboten, in denen Gefahr und Gewalt dargestellt werden, von der Untersuchung politischer Meinungsbildung über den Einfluss von PR auf Berichterstattung bis zur Rezeption von Fußballspielen, von Verweisen auf die Kritische Theorie bis zu systemtheoretischen Ansätzen. Außerdem muss sich die Kommunikationswissenschaft mit der Tatsache auseinandersetzen, dass teilweise Massen- und Individualkommunikation schwerer zu trennen sind, etwa in den verschiedenen Anwendungen des Internet.
Zur Inhalts-, Kommunikator- und Publikumsforschung sowie weiteren Gebieten
Die Inhaltsforschung befasst sich mit den Inhalten, d.h. Aussagen und Darstellungsweisen dessen, was die Medien übermitteln. Sie differenziert sich einerseits anhand der Kontroverse darüber, was objektiv feststellbarer Inhalt ist, andererseits nach dem Erkenntnisinteresse, etwa der Einschätzung journalistischer Qualität, dem Abgleich von Realität und Berichterstattung (wenn man einen solchen Vergleich für möglich hält), Existenz und Eigenschaften einer eigenen "Medienrealität" sowie der Frage, was warum berichtet wird und warum anderes nicht, den Inszenierungsstrategien von Medienschaffenden und in den Medien präsenten Akteuren, der Ausdifferenzierung von Genres usw.
Die Kommunikatorforschung befasst sich mit Medienschaffenden und ihrer Einbindung in bestimmte Organisationen: Welche Einstellungen, Motivation, Interessen, Ausbildung usw. haben Journalisten, PR-Fachleute usw. Welchen Zwängen unterliegen sie, worin sind sie frei, wie arbeiten sie, wie entscheiden sie sich für Themen und Darstellungsweisen.
Die Publikumsforschung beschreibt schließlich die Zusammensetzung der Rezipientenschaft sowie die Motive, das Ausmaß, die Eigenschaften und Muster der Mediennutzung: Welche soziodemografischen und psychigrafischen Beschreibungen lassen sich von Lesern, Zuschauern und Zuhörern anfertigen? Welches Zeitbudget und welche Aufmerksamkeit widmen sie der Mediennnutzung?
Neben diesen Gebieten befasst sich die Kommunikationswissenschaft mehr oder weniger intensiv mit Fragen des Mediensystems (Ökonomisierung, Konzentration, Medienwirtschaft, Medienrecht, Medienpolitik), der Medienethik etc.
Verhältnis zur Medienwissenschaft
Das Verhältnis der Kommunikationswissenschaft zur Medienwissenschaft zeigt sich komplex: Kommunikationswissenschaftler bezeichnen sich gelegentlich als Medienwissenschaftler, weil dieser Begriff Laien eher zugänglich erscheint. Andere wiederum lehnen diese Vermischung ab und bestehen auf einer Unterscheidung, weil es sich genaugenommen um verschiedene Forschungszweige handelt. Mitunter wird versucht, die Unterscheidung an der unterschiedlichen Praxisrelevanz festzumachen, jedoch mit verschiedenen Ergebnissen.
Methoden
Lange Zeit war die Kommunikationswissenschaft durch empirische Methoden (standardisierte Befragung, Beobachtung und Inhaltsanalyse) geprägt, die der Logik des kritischen Rationalismus (vgl. Wiener Kreis, Karl Popper, Positivismusstreit) folgten. Bis heute bilden empirische Forschungsmethoden das Rückgrat der Kommunikationswissenschaft. Insbesondere der quantitativen Inhaltsanalyse kommt große Bedeutung zu. Bei dieser Vorgehensweise wird eine größere Zahl von Medieninhalten (Zeitungsartikel, Fernsehbeiträge etc.) nach einem vorher festgelegten Raster (Kategoriensystem) untersucht, wobei festgehalten wird, ob im Raster beschriebene Aussagen (Beschreibung von bestimmten Handlungen, Erwähnung bestimmter Themen und Personen, bestimmte wertende Aussagen) in den Texten (im weiteren Sinne, also auch in Bildform) getroffen werden. Die so gewonnen Daten werden dann einer statistischen Analyse zugeführt, so dass am Ende Feststellungen stehen wie "Medium X trifft mehr positive Aussagen über die Person A als Medium Y" oder "über das Thema X wird häufiger unter dem Aspekt A berichtet als unter dem Aspekt B, dies steht im Zusammenhang mit der Erwähnung von C..." usw.
Diese quantisierende, erklärende, variablenorientierte, deduktive Herangehensweise wird jedoch (viele Beobachter meinen: in zunehmendem Maße, hin zu einer Gleichbehandlung) von qualitativen, verstehenden, induktiven, hermeneutischen Ansätzen ergänzt oder ersetzt. Dies drückt sich in Methoden wie offenen Interviews und qualitativen Inhaltsanalysen aus
Siehe auch
- Kommunikation und Information
- Kommunikationstheorie
- Kommunikationsmodell
- Proxemik
Kategorie:Sozialwissenschaft
Kategorie:Kommunikation
InhaltsanalyseDie Inhaltsanalyse ist neben dem Interview, der Beobachtung und dem Experiment eine standardisierte Methode aus der empirischen Sozialwissenschaft. Gegenstand ist die wissenschaftliche Analyse der Inhalte von Kommunikation, die in Form von Texten, etwa verschriftlichten Interviews, öffentlich zugänglichen Reden oder als archivierte Korrespondenz vorliegt.
Nach Harold Lasswell und Ole Holsti versucht die Inhaltsanalyse eine Antwort zu geben auf die Frage: "Wer sagt was zu wem warum, wie und mit welchem Effekt?" (Auch bekannt als die Lasswell-Formel).
Als Begründer der Inhaltsanalyse gilt Harold D. Lasswell mit Untersuchungen zu Kriegsberichten und Kriegspropaganda während des Zweiten Weltkrieges. Frühe zivile Anwendungen von Inhaltsanalyse sind in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts zu verzeichnen, während wichtige Entwicklungen aus der Zeit nach Ende des Zweiten Weltkrieges stammen.
Inhaltsanalyse bedeutet, dass Inhalte von Kommunikation (also Texte, zunehmend auch Multimedia-Inhalte) wissenschaftlich systematisch ausgewertet werden. Das entsprechende Material wird nach einem (wissenschaftlich) begründbaren Schema codiert und offengelegt. Bei der Inhaltsanalyse geht der Forscher theoriegeleitet vor, also nicht wie in der hermeneutischen Textinterpretation, in der Sinn(-gehalt) des Textes und die Intention des Autors Gegenstand der Analyse sind), sondern auf der Basis (sozial-) wissenschaftlicher Hypothesen werden interessierende Aspekte isoliert und mit Hilfe empirischer Methoden der Inhaltsanalyse ausgewertet.
Ziel von Inhaltsanalyse ist es, vorhandene Komplexität des Untersuchungsmaterials (der Texte) zu reduzieren. Das wird erreicht, indem der nicht interessierende Teil der Kommunikation über Stop-Wortlisten ausgeblendet wird und nach einer Frequenzanalyse die Schlüsselworte (engl. 'Keywords') einer Analyse der 'Keywords in context' (KWIC) unterzogen wird. KWIC-Analysen sind elementare erste Schritte auf dem Weg einer Inhaltsanalyse, aber längst nicht der abschliessende. Im Anschluss erfolgen weitere Untersuchungen, die eine quantitativ-statistische Auswertung der Kommunikationsinhalte zulassen.
Dabei untersucht der formal-deskriptive Ansatz äußere Textmerkmale. Der diagnostische Ansatz versucht, Aussagen über die Entstehungsbedingungen des Materials bzw. über Motive der Berichterstattung, zu treffen (erste Bedeutung von Inferenz). Beim prognostischen Ansatz wird versucht, eine Prognose über die Wirkung der Inhalte auf den Rezipienten (zweite Bedeutung von Inferenz) zu treffen.
Man unterscheidet verschiedene Arbeitsweisen der Inhaltsanalyse: Frequenzanalysen beschränken sich auf eine deskriptive Auszählung der Worthäufigkeiten. Bei Valenzanalysen wird zusätzlich erfasst, ob die Inhalte positiv oder negativ bewertet werden. Die Intensitätsanalyse bewertet die Intensität der Bewertungen auf Einstellungsskalen.
Bewertung und Einschätzung der Methode
Inhaltsanalyse ist nicht zwingend auf eine Kooperation mit Befragten angewiesen (Problem der Antwortverweigerungen oder Reaktivität). Weil dank moderner Kommunikationsmittel (Webpräsenzen, Archive und Bibliotheken für schriftliches Material...) Texte sich leicht zusammenstellen lassen, stellt sie eine bevorzugte Anwendung für Sekundäranalysen dar. Klärungsbedürftig bleibt ähnlich wie in der Umfrageforschung das grundsätzliche Problem, inwieweit die Auswahl der Texte eine später statistisch repräsentative Aussage (über eine Gruppe von Akteuren, die Bevölkerung) erlaubt.
Mit Inhaltsanalyse allein lassen sich keine Wirkungsaussagen oder Aussagen über Absichten (des Autors, Sprechers) treffen. Dazu ist eine ergänzende Kommunikatoren- oder Rezipientenbefragung nötig (Kommunikationsforschung). Die deskriptiven Daten dienen als Voraussetzung für spätere Wirkungsanalysen. Historisch konnte die Inhaltsanalyse mehrfach aufzeigen, dass sie als Frühwarnsystem geeignet ist (Einsatz bei der Analyse von deutscher Kriegspropaganda im Zweiten Weltkrieg). Als Methode der Datenauswertung bietet Inhaltsanalyse interessante Aspekte dort, wo nicht-numerisches Rohmaterial (also Texte) in eine computer-gestützt analysierbare mathematisch-statistisch zugängliche Form transformiert wird.
Elementar ist die Beobachtung, dass jede Kommunikation in einem bis mehreren Kontexten gleichzeitig
erfolgt: der Bezug der Kommunikation auf die Rezipienten (Empfänger), die Intentionalität, aber auch außersprachliche Elemente (Körpersprache) können für Kommunikation sowohl verstärkende aber auch widersprechende Rollen spielen.
Im Vergleich zu anderen Methoden hat die Inhaltsanalyse folgende Vorteile:
- Mit Hilfe der Inhaltsanalyse lassen sich Aussagen über Kommunikatoren und deren Absichten treffen, die nicht bzw. nicht mehr erreichbar sind. Es lassen sich durch systematische (computergestützte) Analyse Eigenschaften abbilden, die eine Ähnlichkeit bzw. Unähnlichkeit von Texten bzw. den dahinter liegenden Konzepten der jeweiligen Autoren/Sprecher nahelegen (etwa mit der Hilfe der Multidimensionalen Skalierung).
- Das Untersuchungsmaterial steht zeitunabhängig zur Verfügung.
- Es besteht keine Gefahr der Reaktivität des Untersuchungsmaterials.
- Die Untersuchung lässt sich wiederholt durchführen (Replikation, Sekundäranalyse) und die Vorgehensweise nachvollziehen.
- Sie ist vergleichsweise kostengünstig.
Anwendungen für Inhaltsanalyse sind in den gesamten Sozialwissenschaften zu finden:
in der Politischen Soziologie bei der Untersuchung von Wahlprogrammen und politischen Texten (Parlamentsdebatten), in der Psychologie bei der Untersuchung von Tagebucheinträgen, in der Pädagogik bei der Untersuchung von Schüleraufsätzen, in den Sprachwissenschaften und Kriminalistik bei der Klärung der Urheberschaft anonymer Texte anhand von Mustervergleichen, im Marketing bei der Untersuchung von Werbetexten bzw. -aussagen, in der Konsumentenforschung (Beliebtheit von Produkten) und beim Vergleich von Gesetzestexten.
Ablauf einer Inhaltsanalyse
In der Planungsphase wird zunächst die Forschungsfrage formuliert und das Untersuchungsmaterial ausgewählt. Im Folgenden wird eine Stichprobe aus dem erhobenen Material gebildet. Es folgt Hypothesenbildung, gestützt durch Rückgriff auf umfassendere sozialwissenschaftliche Theorien (etwa: Theorien zur Organisation, Theorien der politischen Willensbildung etc.).
In der Entwicklungsphase wird mit theoriegeleiteter und empiriegeleiteter Kategorienbildung ein Kategoriensystem erstellt (Wörterbuch-basierter Ansatz), anhand dessen eine Untersuchung durchgeführt wird. Beim Kategoriensystem ist zu beachten, dass es umfassend ist, also das gesamte Untersuchungsmaterial abdeckt. Außerdem muss es disjunkt und eindeutig sein, das heißt, jedes Item sollte nur einer Kategorie zweifelsfrei zugeordnet werden können. Zuviel Detailliertheit sollte vermieden werden. Anschließend werden Codierregeln aufgestellt. Kategorienschema, Codieranweisungen und Codierbogen werden später im Codebuch zusammengefasst.
In der Testphase wird eine Probecodierung (Pre-test) durchgeführt und bei Bedarf das Kategoriensystem neu designt, um eine höchstmögliche Reliabilität sicherzustellen. Dabei wird mindestens getestet auf Intracoder-Reliabilität (gleiches Codierergebnis bei identischem Codierer während zwei Codiervorgängen) sowie auf Intercoder-Reliabilität (gleiches Codierergebnis von verschiedenen Codierern bei identischem Material). Anschließend erfolgt die eigentliche Codierung.
In der Anwendungsphase werden die aus den Texten gewonnenen Daten aufbereitet, kontrolliert und mittels statistischer Verfahren ausgewertet, etwa durch Verfahren der Multidimensionalen Skalierung (MDS), Varianzanalyse (ANOVA, MANOVA), der Korrespondenzanalyse oder Netzwerkanalysen. Entsprechend dem Skalierungsniveau bei Texten haben in jüngster Zeit diese Verfahren an Bedeutung zugenommen, während Faktoranalysen und Clusteranalysen an Zahl und Bedeutung eher abgenommen haben.
Literatur
- Früh, Werner: Inhaltsanalyse: Theorie und Praxis. 5. überarb. Aufl. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz 2001; ISBN 3-89669-334-4
- Atteslander, Peter: Methoden der empirischen Sozialforschung. 10. Aufl. Walter de Gruyter, Berlin 2003, S. 215-249 (Das Kapitel über Inhaltsanalyse umfasst auch die computerunterstützte Inhaltsanalyse, die bei W. Früh kurz abgehandelt wird. Auch werden Verfahren der qualitativen Analyseverfahren behandelt)
- Budge, Ian/Klingemann, Hans-Dieter u.a.: Mapping Policy Preferences. Estimates for Parties, Electors and Governments 1945-1998. Oxford 2001: Oxford University Press; ISBN 0199244006 (eine englischsprachige Darstellung und beispielhafte Anwendung der Inhaltsanalyse im Bereich der Politikwissenschaft)
- Krippendorff, Klaus: Content Analysis: An Introduction to Its Methodology. 2. Auflage, Sage, Thousand Oaks (CA) 2004 (englischsprachige Grundlagenliteratur. Schon die erste Auflage von 1980 galt als Klassiker, der die Gesamtheit der inhaltsanalytischen Methode vorstellte).
- Merten, Klaus: Inhaltsanalyse: Einführung in Theorie, Methode und Praxis, 2. verbesserte Auflage, Westdeutscher Verlag, Opladen 1995 (Dieses Buch bietet eine gute Gliederung der verschiedenen Verfahren, zusammengefasst unter dem Begriff Inhaltsanalyse, außerdem verweist es auf weiterführende Literatur.)
- Mochmann, Ekkehard: Inhaltsanalyse, in: Kriz, Jürgen/Nohlen, D./Schultze, R.O. (Hrsg.): Lexikon der Politik. Band 2: Politikwissenschaftliche Methoden. München 1994, Verlag C.H. Beck, ISBN 3406369049; Seite 184-187 (knappe Darstellung mit Abriss der historischen Entwicklung von Inhaltsanalyse als Methode, Neuauflage erschienen 2002. Als Einführungstext sehr empfohlen)
- Schnell, Rainer/Hill, Paul B./ Esser, Elke: Methoden der empirischen Sozialforschung. Oldenbourg Verlag GmbH, München 1999, S. 375-380 (das Kapitel Inhaltsanalyse in diesem Buch ist verhältnismäßig kurz geraten)
- Silbermann, Alphons: Systematische Inhaltsanalyse, in: König, René (Hg.): Handbuch der empirischen Sozialforschung, Bd. 4, Stuttgart 1974, Seite 253-339 (grundlegende deutschsprachige Darstellung)
- Züll, C./Mohler, P. P. (Hrsg.): Textanalyse. Anwendungen der computerunterstützten Inhaltsanalyse. Opladen 1992: Westdeutscher Verlag (speziell für sozialwissenschaftliche Anwender geeignet)
Siehe auch
- Qualitative Inhaltsanalyse
- Methoden der empirischen Sozialforschung
- Hermeneutik
Weblinks
- http://www.car.ua.edu/ (englischsprachig! Enthält unter "books and monographs" eine umfassende Literaturliste, eine ausgedehnte Liste von meist kommerziellen Softwarelösungen sowie eine englischsprachige Mailingliste in die man sich bei Interesse eintragen kann)
- http://www.textanalysis.info/ (englischsprachiges Portal, Links zu zahlreicher Analysesoftware)
- http://www.apb.cwc.net/homepage.htm (Software, die Verfahren der Multidimensionalen Skalierung für quantitative Textanalyse implementiert)
Kategorie:Soziologie
ExperimentEin Experiment (lateinisch: experimentum = Versuch, Beweis, Prüfung, Probe) im Sinne der Wissenschaft ist ein methodisch aufgebauter Versuch zur zielgerichteten Untersuchung einer unter definierten Bedingungen reproduzierbar hervorgerufenen Erscheinung. Das Experiment ist neben der genauen Beobachtung die wichtigste wissenschaftliche Methode, um etwas über die Realität zu erfahren. Neben der Funktion in der Wissenschaft, in der es auf Galileo Galilei zurück geht, sind Experimente eine didaktische Methode. In den Sozialwissenschaften werfen Experimente besondere Probleme der "angewandten Ethik" auf.
Beobachtung und Experiment
Das Experiment unterscheidet sich von der reinen Beobachtung dadurch, dass zunächst eine genau definierte Situation präpariert wird. Anschließend wird das Verhalten des präparierten Systems beobachtet beziehungsweise gemessen. Es dient der Überprüfung einer Behauptung (These/Hypothese) und kann diese stützen oder widerlegen.
Das Experiment hängt mit der Beobachtung zusammen, ist mit ihr aber nicht identisch. Das Experiment erlaubt nicht nur das zu studieren, was sofort ins Auge fällt, sondern auch das, was oft in der Tiefe der Erscheinung nicht offensichtlich zum Ausdruck kommt. Das Experiment hat eine ganze Reihe von Vorzügen gegenüber der reinen Beobachtung. Karl Marx äußerte sich zu Beobachtung und Experiment wie folgt: "Der Physiker beobachtet Naturprozesse entweder dort, wo sie in der prägnantesten Form und von störenden Einflüssen mindest ungetrübt erscheinen, oder, wo möglich, macht er Experimente unter Bedingungen, welche den reinen Vorgang des Prozesses sichern".
Folgt man Karl Poppers kritischem Rationalismus, lassen sich (Hypo-)Thesen grundsätzlich nicht beweisen (verifizieren), sondern nur widerlegen (falsifizieren). Widerlegt das Experiment die Hypothese nicht, kann dies jedoch als Stützung der Hypothese aufgefasst werden. Siehe auch: Falsifizierbarkeit.
Von einem Experiment wird gefordert, dass es quantifizierbare Ergebnisse liefert, und dass es wiederholbar ("reproduzierbar") und objektiv ist, das heißt, dass dasselbe Ergebnis resultiert, wenn es von verschiedenen Personen, an verschiedenen Orten und/oder zu verschiedenen Zeiten wiederholt wird. Dabei ist auszuschließen (was oft nicht genügend beachtet wird), dass die Erwartungen des Experimentators einen Einfluss auf das Ergebnis des Experiments haben. Erforderlich ist für die Reproduzierbarkeit das Versuchsprotokoll, das meist in einem Laborjournal geführt wird.
Das biologische Experiment gestattet beispielsweise durch variieren der Versuchsbedingungen nicht nur, nahezu exakt den Charakter der determinierenden Einwirkungen auf einen zu untersuchenden Prozess zu bestimmen, sondern auch diejenigen Prozesse zu beschleunigen oder zu verlangsamen und damit der Untersuchung zugänglich werden zu lassen, die im natürlichen Verlauf entweder extrem langsam oder zu schnell für die Auswertung des Experiments ablaufen, um hinreichend genau und vollständig fixiert zu werden.
Mit der Entwicklung von Wissenschaft und Produktionsinstrumenten erlangte das Experiment nicht nur immer größere Bedeutung für die Gesellschaft, sondern es änderte damit auch seinen Charakter.
Unterschiede gibt es zwischen Experimenten in den Naturwissenschaften und der Technik. Die Experimente in der Naturwissenschaft sind kausal orientiert und betrachten somit die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung. Experimente in der Technik sind finalorientiert und betrachten somit die Beziehung zwischen Zweck und Mittel.
Gedankenexperimente sind Experimente, die nicht wirklich ausgeführt werden, sondern nur zur Klärung eines Sachverhaltes dienen. Zuweilen wird es später möglich, das Gedankenexperiment als reales Experiment zu überprüfen.
Siehe auch: Experimentum Crucis
Berühmte Experimente
- Galileo Galilei - Versuche zum freien Fall.
- Otto von Guericke (1663) Magdeburger Halbkugeln (Effekte des Luftdrucks.)
- Millikan-Versuch zur Messung der Elementarladung von Robert Andrews Millikan
- Cavendish - Experiment zur Messung der Gravitationskonstante
- Michael Faraday - Versuchsreihe zu Elektrizität und Magnetismus
- Michelson - Morley-Experiment zur Messung der Unabhängigkeit der Lichtgeschwindigkeit von der Bewegung der Erde
- Uranspaltung von Otto Hahn und Lise Meitner
- Schwärzung eine Films durch Radioaktivität (Becquerel)
- Kreuzungsversuche mit Erbsen von Gregor Mendel
- Iwan Pawlows Experiment der Konditionierung von Hunden (bedingter Reflex)
- Miller-Urey-Experiment Urzeugung von Leben, Aminosäuren aus Uratmosphäre
- Stanford-Prison-Experiment Experiment zur Untersuchung menschlichen Verhaltens durch Zimbardo
- Stanley Milgrams Experiment der Manipulierbarkeit und Aggressionsbereitschaft (Milgram-Experiment)
- Psychologisches Experiment zu Inattentional Blindness (Blindheit wegen Unaufmerksamkeit) von Simons und Chabris
Siehe auch: Naturwissenschaft
Ohne Experimente
- Eine Naturwissenschaft, die weitgehend auf Experimente verzichten muss, wenn man von Experimenten zur Verbesserung der Beobachtung absieht, ist die Astronomie.
- Lange Zeit war die Biologie eine rein beschreibende Wissenschaft. Das gilt für die heutige Biologie nicht mehr.
- Auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften gibt es Experimente, zum Beispiel in der Psychologie, Beispiel: das Milgram-Experiment. Die Mehrzahl der Geisteswissenschaft ist allerdings typischerweise nichtexperimentell begründet, beispielsweise die Geschichtswissenschaft. In der Archäologie werden auch experimentelle Methoden eingesetzt, zum Beispiel um das frühe Transportwesen zu überprüfen (Thor Heyerdahl) oder den Bau bestimmter Gegenstände nachzubilden.
Das Experiment in der Kunst
Auch in verschiedenen Gattungen der Kunst spielt das Experiment teils eine wichtige Rolle, mit ähnlichen Zielsetzungen wie in der Wissenschaft. Teilweise gibt es sogar Überschneidungen: So stellten die fotografischen Untersuchungen von Bewegungen, die Eadweard Muybridge anstellte, sowohl ein wissenschaftliches als auch ein künstlerisches Experiment dar. Ähnlich verhielt es sich zuvor schon mit Erfindungen von Leonardo da Vinci.
Im Gegensatz zum wissenschaftlichen Experiment ist das künstlerische nicht unbedingt reproduzierbar. Es soll dazu dienen, neue Möglichkeiten des Ausdrucks, des Mediums zu finden, Dinge auf eine Weise zu sehen oder zu tun, wie sie zuvor nicht gesehen oder getan wurden. Die Kreativität ermöglicht, neue Formen, Kombinationen, Perspektiven zu entwickeln. Es stellt also in ähnlicher Weise Grundlagenforschung dar. Das künstlerische Experiment kann dabei auch scheitern, etwa an eigenen Ansprüchen oder Ablehnung des Publikums (Kunstbegriff).
Beispiele finden sich im Experimentalfilm, in Teilen der zeitgenössischen Kunst, in der avantgardistischen oder Neuen Musik, aber auch in der Literatur. In der Postmoderne tragen auch Teile des Mainstreams experimentelle Elemente in sich (etwa im Musikvideo). Gleichzeitig werden dezidiert experimentelle Werke von einem Grossteil des Publikums zurückgewiesen (Kulturindustrie) und kämpfen mit finanziellen Schwierigkeiten, Ausnahmen wie Kubricks Film 2001: Odyssee im Weltraum sind selten.
Literatur
- Manfred Achilles: Historische Versuche der Physik. Funktionsfähig nachgebaut. ISBN 3-925831-14-2
- Steven Schwartz: Wie Pawlow auf den Hund kam. Die 15 klassischen Experimente der Psychologie. ISBN 3407851022 (ist gleichzeitig eine sehr gute praxisbezogene Einführung in die Psychologie)
- Klaus Hentschel: Mythen um berühmte Experimente und Experimentatoren: Das Märchen vom Zauberer im weißen Kittel. Physik in unserer Zeit 34(5), S. 225 - 231 (2003), ISSN 0031-9252
Siehe auch
Messung, Test, Laborjournal, Quasi-Experiment, Experimentierkasten
Weblinks
- [http://www.bio-faqs.de/ts_downl/CH-AB-Versuchsprotokoll.pdf Inhalte eines einfachen Versuchsprotokolls]
- [http://www.netchemie.de Einfache Chemie Experimente für zu Hause]
- [http://www.hunkinsexperiments.com/ Hunkin`s Experiments Homepage]
- [http://testexperiment.stangl-taller.at/dasexperiment.html Hypertext zum Experiment in der Psychologie]
- [http://www.experimentalpsychologie.de Einführung in die Experimentalpsychologie und Testentwicklung]
Kategorie:Empirie
ja:実験
simple:Experiment
SozialpsychologieDie Sozialpsychologie ist ein Teilgebiet der Psychologie, das sich mit der Analyse des Verhaltens unter dem Einfluss anderer Menschen beschäftigt.
Der Schwerpunkt liegt dabei auf den psychischen Grundfunktionen (Wahrnehmung, Motivation, Verhalten). Beispiele für Untersuchungsgegenstände der Sozialpsychologie sind: interpersonale Attraktivität, Konformität in Gruppen, persuasive Kommunikation, Attribution, Emotion bzw. Emotionstheorien, Vorurteile und Personenwahrnehmung.
Es lassen sich u.a. zwei verschiedene Ansätze in der Sozialpsychologie ausmachen: die "soziologische Sozialpsychologie", die v.a. in Europa verbreitet ist, und die Psychologie der "sozialen Kognition" (social cognition), die v.a. in den USA verbreitet ist, aber auch zunehmend in Europa Fuß fasst. Der (nicht selten als "wesentlich" behandelte) Unterschied zwischen den beiden Ansätzen besteht darin, dass sich die der Soziologie nahe Sozialpsychologie stärker auf Inter- und Intragruppenprozesse ausrichtet, während sich die der Individualpsychologie eng verbundene social cognition stärker auf das Individuum fokussiert.
Einige wichtige Pioniere der Sozialpsychologie:
- Wilhelm Wundt ("Völkerpsychologie")
- William McDougall ("Moralisation": Sozialisation)
- Kurt Lewin
- Theodor Adorno (Vorurteilsforschung)
- Solomon Asch (Konformitätsforschung)
- Leon Festinger (Theorie des sozialen Vergleichs)
- Fritz Heider (Attributionstheorie, Konsistenztheorie)
- Carl Hovland (Persuasion)
- Muzafer Sherif
- Stanley Milgram
- Elliott Aronson
- Erich Fromm
Wichtige theoretische Ansätze aus der Sozialpsychologie sind:
- Kontrolltheorie
- Attributionstheorie
- Konsistenztheorie
Wichtige Forschungsbereiche sind:
- Interaktion und Kommunikation
- Gruppenprozesse und Führungsverhalten
- Normen und Rollen
- Einstellung und Einstellungsänderung
- Soziale Wahrnehmung und Kognition
- Soziales Lernen und Sozialisation
Weblinks
- http://www.sozialpsychologie.de/
- http://www.virtuelleallgemeinbibliothek.de/00497ANF.HTM
- http://www.socialpsychology.org/
Siehe auch
Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie
Kategorie:Spezielle Soziologie
ja:社会心理学
StatistikAls eine Statistik bezeichnet man:
# namengebend (v. lat.: status = Staat, Zustand; mit griechischer Endung) die (vergleichende) Staatsbeschreibung (eingeführt wurde der Begriff vom Göttinger Kameralisten Gottfried Achenwall um 1749);
# die heute als amtliche Statistik fortlebt;
# die aber auch unabhängig von der Namensgebung schon seit über 5000 Jahren als Bevölkerungsstatistik und Wirtschaftsstatistik existiert;
# davon verallgemeinernd quantitative Erhebungen aller Art, wie zum Beispiel für Markt- und Meinungsforschung (siehe Quantitative Methoden );
# deren Ergebnisse, deren Darstellung u.a. die deskriptive Statistik besorgt;
# die mathematische Statistik;
# gewisse Zufallsvariablen, z.B. eine »Teststatistik«;
# gewisse Modelle der statistischen Physik: Boltzmann-Statistik, Maxwell-Boltzmann-Verteilung, Fermi-Dirac-Statistik, Bose-Einstein-Statistik
Übersicht und Einteilung
Die Statistik ist die Zusammenfassung bestimmter Methoden um Massenerscheinungen zu quantifizieren und interpretieren.
Die Statistik wird in die folgenden drei Teilbereiche eingeteilt:
;deskriptive Statistik (beschreibende Statistik, empirische Statistik):mit der vorliegende Daten in geeigneter Weise beschrieben und zusammengefasst werden. Mit ihren Methoden verdichtet man quantitative Daten zu Tabellen, graphischen Darstellungen und Kennzahlen. Bei einigen Institutionen, z. B. bei der amtlichen Statistik, ist die Erstellung solcher Statistiken die Hauptaufgabe.
;induktive Statistik (schließende Statistik, mathematische Statistik):In der induktiven Statistik leitet man aus den Daten einer Stichprobe Eigenschaften einer Grundgesamtheit ab. Die Wahrscheinlichkeitstheorie liefert die Grundlagen für die erforderlichen Schätz- und Testverfahren.
;explorative Statistik (hypothesen-generierende Statistik, Data Mining): Methodisch eine Zwischenform der beiden vorgenannten Teilbereiche, bekommt als Anwendungsform jedoch zunehmend eine eigenständige Bedeutung. Mittels deskriptiver Verfahren und induktiver Test-Methoden werden mögliche Zusammenhänge (oder Unterschiede) zwischen Daten in vorhandenen Datenbeständen systematisch gesucht und zugleich in ihrer Stärke und Ergebnissicherheit zu bewerten versucht. Die so gefundenen Ergebnisse können als Hypothesen verstanden werden, die erst dann als statistisch abgesichert betrachtet werden können, nachdem sie von darauf aufbauenden, induktiven Testverfahren mit entsprechenden (prospektiven) Versuchsplanungen bestätigt wurden.
Induktive Statistik und Wahrscheinlichkeitstheorie werden unter dem Oberbegriff Stochastik zusammengefasst.
Schritte der Statistik
Die Schaffung und Datenanalyse empirischer Daten besteht im Idealfall aus folgenden Schritten:
# Versuchsplanung / Erhebungsvorbereitung (Erhebungskonzept, Fragebogenentwicklung, Stichprobenziehung),
# Datengewinnung / Erhebung (von Stichproben) / Nutzung von Betriebsdaten / Erhebung von Bestands- u. Ereignismassen,
# Datenaufbereitung (Datenprüfungen, Typisierungen / Merkmalszusammenfassungen),
# Auswertung (Tabellierung, Modellierung, Hoch- und Fehlerrechnung, Wahrscheinlichkeit, Fehler 1. und 2. Art, Schätzen und Testen) sowie
# Ergebnispräsentation (Tabellen, Grafiken, Ergebnisinterpretation, Veröffentlichungen, CD-ROMs, Statistische Datenbanken).
Während sich die univariate Statistik mit der Beschreibung der Verteilung
eines Untersuchungsmerkmals beschäftigt, wird in der
multivariaten Statistik die gemeinsame Verteilung von mehreren Untersuchungsmerkmalen betrachtet.
Schulen und Denkrichtungen
Es wird in Lehrbüchern oft der Eindruck vermittelt es gäbe nur die eine, sich ständig weiterentwickelnde Statistik. Im Gegensatz dazu kann man verschiedene Denkschulen ausmachen, die ein Problem durchaus unterschiedlich analysieren, bewerten und numerisch berechnen:
- Kausalbeziehungen: Ronald Fisher
- Gedächtnisleistungen, ROC-Kurven: Jerzy Neyman und Karl Pearson
- Urteile aufgrund unsicherer Annahmen: Karl Pearson
- Induktion und Änderung der Meinung: Thomas Bayes
Software
Die moderne Statistik ist, unterstützt durch leistungsfähige Computer,
in der Lage, mit teilweise rechenintensiven Methoden sehr große Datenmengen
zu analysieren. Ganze Teilbereiche der Statistik haben ihren Einzug in die
Datenanalyse neuer Software zu verdanken, zu nennen ist hier die Bayessche Statistik und deren Implementation in Markov Chain Monte Carlo Verfahren, üblicherweise abgekürzt durch MCMC-Verfahren.
Im folgenden sind einige gebräuchliche statistische Softwarepakete aufgelistet:
- SAS
- S-Plus basierend auf der S Programmiersprache
- Statistiklabor
- R (GNU R) ist eine Open Source Variante der S Programmiersprache ([http://www.r-project.org/ Im Netz: The R project for statistical computing])
- SPSS
- Almo (umfangreiches deutschsprachiges Statistiksystem)
- [http://www.statsoft.de/ Statistica]
- Dataplot: frei, plattformunabhängig
- Stata
- MiniTab
- [http://www.rosuda.org/Mondrian/ Mondrian] (Software zur explorativen statistischen Datenanalyse ([http://en.wikipedia.org/wiki/Exploratory_data_analysis EDA]))
- BUGS (Bayesian inference Using Gibbs Sampling) eine Open Source Software zur Analyse von komplexen statistischen Modellen mit Hilfe von MCMC-Verfahren
- [http://www.q-das.de/ qs-STAT]: Statistiksoftware für Industrielle Daten,- und [http://de.wikipedia.org/wiki/Prozessanalyse Prozessanalyse]
- XploRe
- [http://www.unesco.org/idams WinIDAMS]: kostenfrei zur Verfügung gestellt von der | | |