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Ming-Dynastie
Die Ming-Dynastie () herrschte von 1368 bis 1644 im Kaiserreich China und löste die mongolische Fremdherrschaft der Yuan-Dynastie in China ab.
Der Staat unter Hung-Wu
Gegründet wurde die Dynastie von Zhu Yuanzhang. 1363 entschied der Rebellenführer die Flottenschlacht auf dem Poyang-See gegen seinen wichtigsten Rivalen, den "Han"-Prinzen Chen You-liang, für sich und beseitigte in den Folgejahren auch seine restlichen Gegenspieler. Parallel dazu begann er mit der Organisation einer ordnungsgemäßen Verwaltung und gab dabei schon 1363 38 Millionen Münzen heraus. 1368 verjagte seine Armee unter Hsü Ta den Khan Toghan Timur aus Peking. Damit endete die Mongolenherrschaft.
Als Kaiser der Ming-Dynastie trug Zhu Yuanzhang den Titel Hung-Wu. In seiner Regierungszeit stand der wirtschaftliche Wiederaufbau im Mittelpunkt der Bemühungen. Es kam zu unzähligen Bebauungs- und Bewässerungsprojekten, durch die ½ bis fünf Millionen ha Land pro Jahr erschlossen wurden. Die Einnahmen aus der Getreidesteuer verdreifachten sich in sechs Jahren. Man schätzt, dass in 20 Jahren bis zu einer Milliarde Nutzbäume gepflanzt wurden (Obstbäume, Bäume für die Flotte, Maulbeerbäume für die Seidenherstellung..).
In der Ming-Zeit kam es auch zu gewaltigen bürokratischen Anstrengungen. Diese liefen - verglichen mit der liberalen Song-Zeit - auf eine absolutistische Regierung hinaus. Schon 1380 kam es zu einem Prozess des Kaisers gegen einen ehemaligen Vertrauten, in den 15.000 Personen verwickelt wurden. Das führte dazu, dass sich alle Macht auf den Kaiser konzentrierte, dem nun alle Ministerien direkt (das heißt ohne kaiserliches Sekretariat) unterstellt wurden. In den Jahren 1385 und 1390 wiederholte Hung-wu diese Prozesse.
Widersprüchliche Meinungen kamen nicht mehr zum Tragen, der Kaiser regierte isoliert in seinem Palast mittels beschränkter und geheimer Beamter und der Geheimpolizei (1382: die Garden mit den Brokatkleidern). Politische Fehlgriffe waren schon unter Hung-wu die unmittelbare Folge .
Staatsaufbau und Wirtschaft
Die Bevölkerung wurde in Bauern-, Soldaten- und Handwerkerfamilien unterteilt, ihnen wurde je ein eigenes Ministerium (mit je eigener Steuererhebung) und Hauptsiedlungsgebiete zugeordnet, Berufswechsel wurden unterdrückt. Zudem machte man je zehn Familien (lijia) gegenüber der Verwaltung für Steuern, öffentliche Dienstleitungen und Ordnung kollektiv verantwortlich. Da die Zahl der Beamten für die Kontrolle nicht ausreichte, kam es bald zu Orts- und Berufswechseln, verbunden mit Abweichungen in den Steuereinnahmen und - noch schlimmer - zur Verdrängung der ärmeren Mitglieder einer lijia auf dem Land.
Das gesellschaftliche Gefüge geriet bald außer Kontrolle, so dass man diese Regelungen in der zweiten Hälfte des 15. Jhdts. ändern musste, nachdem bereits mehrfach soziale Unruhen ausgebrochen waren und sich immer mehr Menschen der Steuer- und Wehrpflicht entzogen.
Zu den bereits beschriebenen Verwaltungsproblemen gesellte sich im 15. Jahrhundert die Herrschaft der Palasteunuchen und der Haremsdamen, welche die Kontrolle über den 1426 errichteten "Privatrat" und bald auch über die Geheimpolizei übernahmen. Die Kaiser wurden vollständig isoliert, im Spannungsfeld zwischen den Eunuchen (meist armer Herkunft aus Nordchina) und den hohen Beamten (Südchinas Wohlstands- und Bildungselite) kam es ununterbrochen zu Intrigen und Willkür, was den Staat innerlich "zersetzte", besonders im Zeitraum 1615-1627 bzw. unter Kaiser Wanli.
Erschwerend für den wirtschaftlichen Fortschritt kam die traditionelle Verachtung der Konfuzianer gegenüber dem Handel und den Händlern hinzu. In der Ming-Zeit erreichte diese Einstellung einen Höhepunkt, indem der Außenhandel nach 1433 stark beschränkt und sogar das Erlernen fremder Sprachen zeitweise verboten wurde. Die Folge der Verbote war ein Aufschwung von Schmuggel und Piraterie in den Küstengebieten - die Händler wechselten dort ihre Einkommensquelle. Daneben ersetzte das Silbergeld wieder das Papiergeld.
Nach 1520 verzeichnet man dann wieder einen Aufschwung des Großhandels und des Handwerks sowie technische Fortschritte im Handwerk (Weberei und Buchdruck), der Landwirtschaft (neue Nutzpflanzen zum Teil dank der Portugiesen), ferner dem Militärwesen (im 15. Jahrhundert). Großkaufleute, Geschäftsleute und Bankiers stiegen als Lieferanten des Staates gesellschaftlich wieder auf. Man bemühte sich unter dem Kanzler Zhang Juzheng (1525-82) auch, die Lasten der Kleinbauern zu mildern.
Außenpolitik
Die größte Belastung der Ming waren die wechselvollen Kämpfe mit den Mongolen - diesmal aber in der Mongolei. Erwähnenswert ist dabei der Sieg vom Buinor-See 1387, der die baldige Entmachtung der Kublaiden zur Folge hatte. Allerdings traten nun die Westmongolen (besonders die Oiraten) in den Vordergrund, so dass Kaiser Yong-le in den Jahren von Nanking nach Peking verlegen musste. In diesem Zusammenhang wurde auch der Kaiserkanal für den Reistransport ausgebaut.
Eine ernste Niederlage erlitten die Ming 1449, als die Westmongolen unter Esen Taiji bei Tumu siegten und den unerfahrenen Kaiser Yingzong/Zhengtong gefangen nahmen. Im 16. Jahrhundert erneuerte sich der Druck der Mongolen unter Dayan- und Altan Khan, so dass zum Schutz vor ihren Überfällen die chinesische Mauer auf den heutigen Stand ausgebaut wurde.
Erwähnenswert sind auch die großen Expeditionen zur See unter dem islamischen Eunuchen Zheng He. Derartige Seereisen waren schon zur Song-Zeit üblich, aber nun wurden sie offiziell durchgeführt. Sie dienten hauptsächlich dazu, der Welt anzuzeigen, dass wieder Chinesen in China regierten. Der kommerzielle Nutzen spielte eine untergeordnete Rolle, so dass man nach 1433 auf eine derartige Flottenpolitik wieder verzichtete. Der Bau von Hochseeschiffen wurde verboten und 1525 verfügt, dass alle einlaufenden Seeschiffe zu vernichten und die Besatzungen zu verhaften seien. Als die Portugiesen 1557 Macao übernahmen, war daher von chinesischen Seemacht nichts mehr übrig, stattdessen beherrschten japanische Piraten (Wokou) die Küsten. Erst die Siege nach 1556 machten dem ein Ende.
Untergang der Ming
Den Untergang der Dynastie läuteten Angriffe der Mandschu ein, zu denen sich heftige Bauernaufstände gesellten. Als die Ming-Armee 1583 Familienmitglieder des Mandschu-Fürsten Nurhaci († 1626) tötete, wurde dieser ein Feind Chinas. 1619 schlug er vier gleichzeitig gegen ihn vorrückende Ming-Armeen. Analog dazu hatten wiederholte Missernten 1627/28 eine Hungersnot ausgelöst. Es kam zu Bauernaufständen, die ab 1636 von zwei Männern organisiert wurden und 1641 unter Li Zicheng (1606-45) den Sturz der Dynastie zum Ziel hatten. 1644 zog Li Zicheng in Peking ein, der letzte Ming-Kaiser Chongzhen erhängte sich.
Li Zicheng machte allerdings einen häufig zitierten Fehler. Er "entführte" die Konkubine des Generals Wu Sangui, der die Ming-Armee an der Nordgrenze befehligte. Wu Sangui schloss sich den Mandschu an, woraufhin deren Regent Prinz Dorgon im Namen des damals sechsjährigen Mandschu-Kaisers Fulin (Shun Zhi, 1644-62) nach Peking vorrückte.
Literatur
- Jacques Gernet: Die chinesische Welt. Frankfurt, Suhrkamp 1997 (suhrkamp taschenbuch). ISBN 3-518-38005-2.
Siehe auch
- Kaiser der Ming-Dynastie
Weblinks
- [http://www.sino-liedtke.de/Chin__Geschichte/Ming_Dynastie/ming_dynastie.html Text über die Ming-Dynastie 1]
- [http://www.jaduland.de/asia/china/text/ming.html Text über die Ming-Dynastie 2]
Kategorie:Ming-Dynastie
ja:明
ko:명나라
1368
Politik und Weltgeschehen
- Während der Ming-Dynastie wird im Kaiserreich China der größte Geldschein der Weltgeschichte herausgegeben. Er ist 23 cm breit und 32 cm lang.
- Vertreibung der Mongolen aus China.
- 15. Februar - Sigismund von Luxemburg, römisch-deutscher Kaiser († 1437)
- 3. Dezember - Karl VI. (Frankreich), von 1380 bis 1422 König von Frankreich († 1422)
- 29. März - Go-Murakami, 97. Kaiser von Japan ( - 1328)
- 25. August - Engelbert III. von der Mark, Erzbischof von Köln ( - 1304)
- Guy de Chauliac, einer der bedeutendsten Ärze des Mittelalters ( - um 1298)
ko:1368년
1644
Politik und Weltgeschehen
- René Descartes veröffentlicht die Prinzipien der Philosophie (Principia philosophiae), das bereits das Trägheitsprinzip vorstellt, wie es Isaac Newton später für sein 1. Axiom verwendet hat
- Das erste deutsche Walfangschiff legt in Hamburg ab
- Weihnachten darf in England nach einem Parlamentsbeschluss nicht gefeiert werden
Kultur
- Gründung des Pegnesischen Blumenordens
- 10. Januar: Louis-François de Boufflers, französischer Feldherr und Marschall von Frankreich († 1711)
- 24. Februar: Johann Ambrosius Bach, Sohn des Stadtmusikanten Christoph Bach
- 14. Mai: Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg, Fürstbischof und Domherr († 1693)
- 22. Mai: Gabriel de Grupello, belgischer Bildhauer († 1730)
- 16. Juni: Henrietta Anne Stuart, französische Herzogin († 1670)
- 27. Juni: Christian Ernst zu Bayreuth, Landesherr († 1712)
- 2. Juli: Abraham a Sancta Clara, deutschsprachiger Publizist, Kanzelredner und Schriftsteller († 1709)
- 6. August: Louise de La Vallière, Mätresse Ludwigs XIV. († 1710)
- 12. August: Heinrich Biber, böhmischer Geiger und Komponist († 1704)
- 25. September: Ole Rømer, dänischer Astronom († 1710)
- 14. Oktober: William Penn, Quäker und Begründer Pennsylvaniens († 1718)
- 28. Oktober: Franz Ferdinand Freiherr von Rummel, Fürstbischof der Diözese Wien († 1716)
- 23. Dezember: Tomás de Torrejón y Velasco, peruanischer Komponist († 1728)
- Heinrich Ignaz Franz von Biber, deutscher Komponist († 1704)
- Antonio Stradivari, italienischer Geigenbauer († 1737)
- Matsuo Basho (松尾芭蕉), japanischer Dichter († 1694)
- Francisco de Zurbarán ( - 1598)
- 24. Mai: Alfonso III. d'Este, ältester Sohn des Herzogs Cesare d'Este ( - 1591)
- 29. Juli: Urban VIII., Papst von 1623–1644 ( - 1599)
- 2. August: Bernardo Strozzi, italienischer Maler ( - 1581)
- 15. Dezember: Johann Truchseß von Waldburg-Zeil, Abt auf der Reichenau und Domherr in Köln ( - 1598)
- 30. Dezember: Johan Baptista van Helmont, belgischer Universalwissenschafter, Arzt, Naturforscher und Chemiker ( - 1579)
ko:1644년
Kaiserreich ChinaDas Kaiserreich China // entstand 221 v. Chr. unter Qín Shǐ Huángdì aus mehreren kleinen Königreichen während der „Zeit der streitenden Reiche“ und währte über 2.133 Jahre bis zur Ausrufung der Chinesischen Republik durch Sun Yatsen und die darauf 1912 erfolgte Abdankung des letzten Kaisers Pu Yi. Auf die wechselvolle Geschichte und Vorgeschichte des Kaiserreichs und seiner Dynastien geht der Artikel Geschichte Chinas ein, worüber die Zeittafel China einen schematischen Überblick gibt.
Kaiserdynastien
Im Laufe der Geschichte des chinesischen Kaiserreiches gab es verschiedene Dynastien, die die jeweiligen Kaiser stellten. Die wichtigsten sind:
Verwandte Themen
- Portal: China
- Kategorie: Dynastien (China)
- Republik China und Volksrepublik China
- Zeit der Streitenden Reiche
Kategorie: Dynastien (China)
China
Zhu YuanzhangHongwu 洪武 ( - 21. September 1328; † 24. Juni 1398), Geburtsname: Zhu Yuanzhang 朱元璋, Tempelname: Taizu 太祖, war der Gründer der Ming-Dynastie. Er regierte als Kaiser von 1368 bis 1398 über China.
China
Zhu Yuanzhang, der spätere Hongwu-Kaiser, kam aus einfachsten bäuerlichen Verhältnissen. Durch seine ungewöhnlichen körperlichen und geistigen Eigenschaften, gelang ihm der schnelle Aufstieg innerhalb der Rebellenbewegung die man Rote Turbane nannte und schließlich der Sturz der fremdländischen Yuan-Dynastie und damit die Vertreibung der Mongolen zurück in die Steppe. Er gründete 1368 nach dem Vorbild des ersten Han-Kaisers Gaozu die Ming-Dynastie und formte die Institutionen des Reiches so, wie sie bis zum Ende der Kaiserzeit bestand haben sollten. Durch seine großen Leistungen wird er zu den bedeutendsten Kaisern Chinas gezählt.
Aufstieg und Kampf um die Macht
Zhu Yuanzhang wurde 1328 als jüngstes von sechs Kindern geboren. Sein Vater Zhu Shichen floh von Nanjing nach Anchui, weil er die dortigen Steuern nicht bezahlen konnte. Sein Großvater war Goldwäscher und der Vater seiner Mutter ein populärer Hexenmeister. 1344 starben die meisten Mitglieder von Zhu Yuanzhangs Familie durch eine Epidemie, so dass er sich gezwungen sah in ein buddhistisches Kloster einzutreten, um nicht zu verhungern. Hier lernte er Lesen und Schreiben und kam zum ersten mal mit höherer Bildung in Berührung.
1352 verließ er das Kloster und trat den Roten Turbanen bei, denn überall in China flackerten Aufstände und die Macht der Yuan-Khane war im Begriff unterzugehen. Mit einer kleinen Gruppe von Freunden gelang ihm der Aufstieg innerhalb der Rebellenarmee und bald hatte er eine eigene kleine Truppe, mit der er feindliche Garnisonen und Städte angriff. Durch seine Erfolge wurde der Rebellenanführer Guo Zixing auf ihn aufmerksam, zu dessen persönlichen Stab nun schnell Zhu Yuanzhang gehörte. Durch die Heirat Zhus mit der Tochter des Guo Zixing kam dem zukünftigen Hongwu immer mehr Bedeutung zu und er wurde so zu einem neuen Kriegsherrn in China. Mit seiner eigenen 30.000 Mann starken Armee machte er sich in den Südosten auf und eroberte eine Reihe von Städten entlang des unteren Yangtze. Nach dem Tod seines Schwiegervaters 1355 verfolgte er zusehends seine eigenen Ziele, obwohl er formal den Machtanspruch der Roten Turbane weiter unterstützte. 1356 eroberte er nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen die Großstadt Nanjing und machte sie zu seiner neuen Basis. Bis 1367 hatte er praktisch den gesamten Südosten Chinas erobert. Im gleichen Jahr verweilte das Oberhaupt der Roten Turbane bei ihm als Gast und starb unter unaufgeklärten Umständen. Unverzüglich verkündete Zhu Yuanzhang seinen Anspruch auf den Kaiserthron und entsandte seine Armeen nach Norden, um die Mongolenhauptstadt Dadu anzugreifen. Der letzte Mongolenkaiser Toghan Timur floh des Nachts in die Mongolei und die Herrschaft der Yuan war nun endgültig beendet. Zhu Yuanzhang ließ die Paläste Dadus versiegeln, alle Archive und Sammlungen nach Nanjing bringen, die Mauern schleifen und den Stadtnamen in Beiping (Nördlicher Friede) ändern.
Gründung einer neuen Dynastie
Am 14. September 1368 proklamierte der Sieger des Bürgerkriegs Zhu Yuanzhang, die Gründung einer neuen Kaiserdynastie, die er Da Ming nannte, was die Große Leuchtende bedeutet. Er selbst wählte für sich die Regierungsdevise Hongwu (Gewaltige Militärische Macht).
Hongwu war sich nicht sicher, ob Nanjing wirklich seine neue Reichshauptstadt sein sollte, denn nie zuvor war das gesamte Reich von so weit im Süden regiert worden. Zunächst ließ er die alte Hauptstadt der Song-Dynastie Kaifeng und die Hauptstadt der Han- und Tang-Dynastie Chang’an (heute Xi'an) auskundschaften, dann legte er sich auf seinen eigenen Geburtsort Fengyang fest, einige hundert Kilometer nordwestlich von Nanjing. Hier wollte er seine neue Residenz, die Mittlere Hauptstadt (Zhongdu), errichten. Ab 1369 begannen die gewaltigen Bauarbeiten. Zuerst ließ er seinen Eltern eigene Kaisermausoleen errichten und dann großzügige Paläste und weite Stadtmauern errichten. 1375 besichtigte er die fast fertigen Anlagen der Mittleren Hauptstadt zum ersten mal. Prompt war er erschüttert über die Kosten und den nutzlosen Luxus der Bauten. Er ließ die Arbeiten anhalten und binnen weniger Jahre verfielen die Anlagen zu Schutthalden. Der Kaiser beabsichtigte in Nanjing zu bleiben und ließ diese nun als Kaiserresidenz prächtig ausschmücken. Östlich der Altstadt entstand die Verbotene Stadt von Nanjing, außerdem wurde die gesamte Stadt stark ausgedehnt und mit einer 35 km langen Mauer umgeben. So wuchs die Südliche Hauptstadt zum Zentrum Chinas heran, mit einer Bevölkerungszahl um die eine Million Einwohner.
Strukturen der neuen Regierung
Die neue Ming-Regierung benötigte eine eigene Verwaltungsstruktur. Auf Institutionen der Yuan konnte Hongwu nicht aufbauen, da es solche praktisch kaum gegeben hatte. So musste man an die Tradition der Song-Zeit anknüpfen. Doch formte Hongwu keine bloße Kopie, sondern eine völlig eigenständige, ganz auf ihn abgestimmte Bürokratie. Nach 1380 schaffte er zunächst den Titel eines Kanzlers ab, nachdem sein eigener Kanzler Hu Weiyong einen Anschlag auf ihn geplant hatte. Damit beendete er eine Ämtertradition die seit dem Ersten Kaiser ununterbrochen existiert hatte, wenn auch mit ständigem Machtverlust. Er wurde nun sein eigener Kanzler, weshalb die Hongwu-Ära auch als der Beginn des chinesischen Absolutismus betrachtet wird.
Verwaltungsaufbau:
- 1. Das Großsekretariat
::Mit drei bis sechs Großsekretären besetzt, die dem Kaiser bei der Beaufsichtigung und Koordination der Arbeit der sechs Fachministerien an die Hand gingen und damit große Macht innerhalb der Regierung auf sich vereinigten.
- 2. Die sechs Ministerien
::Ministerium für Ernennungen und Personal, Finanzministerium, Ritenministerium, Kriegsministerium, Justizministerium und Ministerium für Öffentliche Arbeiten.
- 3. Das Zensorat
::War mit zwei leitenden Zensoren und einigen Unterzensoren besetzt und umfasste vier untergeordnete Amtsstellen. Es beschäftigte 110 Ermittlungsbeamte, die die Verwaltung im gesamten Reich beobachteten und Fälle von Untüchtigkeit, Rechtsbeugung und Korruption bestrafen sollten. Außerdem waren sie befugt die höchsten Staatsdiener und selbst den Kaiser für ihre Handlungen zu kritisieren. Zur Zeit von Hongwu hatte das Zensorat aber noch keine so weitreichenden Kompetenzen, erst mit Kaiser Xuande sollte es eine wirklich mächtige Behörde werden.
Hongwu schuf zwar ein geradezu autokratisch zentralisiertes System, dass der unmittelbaren Machtausübung des Kaisers diente, dennoch passte dieses System gut für ambitionierte und arbeitsame Herrscher wie Hongwu. Problematisch sollte es jedoch bei schwachen und an Politik desinteressierten Kaisern werden. Um die Macht dann nicht an ehrgeizige Eunuchen fallen zu lassen, verbot er diesen bei Todesstrafe die Einmischung in die Politik. Sogar das Lesen und Schreiben versuchte er ihnen vorzuenthalten und Banner mit der Aufschrift: Eunuchen haben sich nicht für die Angelegenheiten des Staates zu interessieren, wurden im Palast als Mahnungen aufgehängt. Außerdem führte er die Sitte der Beamtenprügel ein. Bei Rechtsvergehen wurden die Staatsdiener mit einer Holzlatte geschlagen, bei schweren Übertretungen soll es dadurch sogar Tote gegeben haben.
Herrschaft und Persönlichkeit
Eunuch
Nachdem sich Hongwu zum ersten Kaiser der Ming gemacht und ganz Zentralchina restlos erobert hatte, begann er eine aggressive Außenpolitik. Als erstes unterwarf er Korea als Vasallen und Tibet als Protektorat. Bei einer Invasion der Mongolei gelang ihm zwar nicht deren Eroberung, aber seine Generäle machten die Mongolenhauptstadt Karakorum dem Erdboden gleich, wobei die letzten Angehörigen der Yuan-Sippe den Tod fanden. Des weiteren mischte er sich in die inneren Verhältnisse von Annam und Japan ein.
Seine Innenpolitik stand im Zeichen wirtschaftlichen Wiederaufbaus. Es kam zu unzähligen Bebauungs- und Bewässerungsprojekten, durch die ½ bis fünf Millionen ha Land pro Jahr erschlossen wurden. Die Einnahmen aus der Getreidesteuer verdreifachten sich in sechs Jahren. Man schätzt, dass in 20 Jahren bis zu einer Milliarde Nutzbäume gepflanzt wurden. Die Folge war ein enormes Bevölkerungs- Wirtschaftswachstum.
Im zunehmenden Alter wurde Kaiser Hongwu immer mehr zu einem Autokraten, der ständig Verschwörungen und Intrigen gegen seine Person fürchtete. Den Säuberungen, die er nach dem Verrat seines Kanzlers durchführen ließ, fielen an die 70.000 Personen zum Opfer. Hongwu verspürte den Drang, die Welt von bösen und unaufrichtigen Menschen zu befreien. Er schreibt selbst:
“Des Morgens bestrafe ich einige; am Abend begehen andere das selbe Verbrechen. Bestrafe ich diese am Abend, so kommt es am nächsten Morgen zu neuen Übertretungen. Die Leichen der ersten Übeltäter sind noch nicht weggeschafft, da folgen bereits die nächsten ihrem Pfad. Je härter die Strafe, desto mehr Übertretungen. Tag und Nacht muss ich wachsam bleiben. Aus dieser Lage gibt es keine Hilfe. Verhänge ich milde Strafen, werden diese Personen noch schlimmere Verbrechen begehen. Wie sollen da die Menschen außerhalb der Regierung ein friedliches Leben führen ? Was für eine schwierige Situation ! Bestrafe ich diese Personen, so hält man mich für einen Tyrannen. Erweise ich ihnen Milde, so verliert das Gesetz seine Wirkung, die Ordnung zerfällt, und das Volk hält mich für einen unfähigen Kaiser.“
Es wird berichtet, dass ein konfuzianischer Gelehrter sehr unzufrieden war mit den extremen Maßnahmen seines Kaisers und beschloss in die Hauptstadt zu gehen um Hongwu seine Meinung zu sagen. Als er zur Audienz vorgelassen wurde, brachte er seinen eigenen Sarg mit. Nachdem er den Kaiser heftig kritisiert hatte, legte er sich in den Sarg, sein Todesurteil erwartend. Doch stattdessen, war der Herrscher so sehr von dem Mut des Mannes beeindruckt, dass er ihm nichts tat.
Mit Hongwu wandte sich der Staat mehr und mehr der Landwirtschaft zu und nicht mehr so stark dem Handel wie in früheren Zeiten. Der Kaiser verstand wenig von Ökonomie und übernahm von den Konfuzianern den Standpunkt, dass Händler Parasiten an der Gesellschaft wären. In typisch konfuzianischer Sichtweise wünschte Hongwu, dass die Landwirtschaft die Quelle allen Reichtums für die Menschen sei und nicht mehr so sehr der Handel, wie einst zur Song-Zeit. Dies ist nur nachvollziehbar, wenn man Hongwus bäuerliche Herkunft bedenkt.
Gesellschaft
Mit Hongwu kam auch wieder der Gebrauch von Papiergeld in Mode. Da der Kaiser jedoch nichts von Inflation verstand, gab er so gewaltige Mengen davon heraus, dass Preisverfall die Folge war und bald wieder ausschließlich Münzgeld geprägt wurde.
Trotz der persönlichen Fehler gibt es an Hongwu mehr zu loben als zu tadeln. Man kann ihm nicht absprechen ein erfolgreicher Kaiser gewesen zu sein, der sich ernsthaft mit den Problemen der Menschen beschäftigte und pflichtbewusst arbeitete. Nach 30 Jahren Regentschaft hinterließ er ein sehr reiches und stabiles Land, dazu noch hatte er 36 Söhne und 16 Töchter in die Welt gesetzt. Seinen Söhnen verschaffte er mächtige Positionen in eigens geschaffenen Fürstentümern entlang der Grenzen. Damit beabsichtigte er die Prinzen von der Hauptstadt und der Regierung fernzuhalten. Ein System das nicht lange bestand haben sollte, denn spätestens sein Sohn Yongle und sein Urenkel Xuande demontierten die Ming-Prinzen in ihren Privilegien, da sie sie als Machtkonkurrenten und potentielle Rebellen fürchteten
Auch seine Nachfolge regelte Hongwu eher unglücklich. Sein ältester Sohn Zhu Biao war vor ihm gestorben, so dass er dessen Sohn, seinen Enkel Zhu Yunwen, zum Kronprinzen machte. Damit verstieß er gegen die traditionelle Thronfolge, wonach immer der älteste lebende Sohn eines Kaisers die Nachfolge antritt. Dies war aber Zhu Di, der Prinz von Yan.
Als Hongwu schließlich starb, wurde er im Xiaoling bei Nanjing bestattet und ist somit der einzige Ming-Kaiser der nicht in der Nähe von Peking ruht. Seinem Enkel Jianwen war nur eine kurze Regierung vergönnt, denn Zhu Di nahm für sich das Recht des Erstgeborenen in Anspruch. Als der berühmte Yongle-Kaiser sollte Zhu Di dann seinen Vater noch an Ruhm und Fähigkeit in den Schatten stellen.
Weblink
[http://www.orientalarchitecture.com/nanjing/mingtombindex.htm Xiaoling-Mausoleum des Hongwu bei Nanjing]
Kategorie:Kaiser (China)
Kategorie:Ming-Dynastie
Kategorie:Mann
Kategorie:Geboren 1328
Kategorie:Gestorben 1398
ja:朱元璋
zh-cn:朱元璋
Rote TurbaneDer sozialreligiöse Aufstand der Roten Turbane 1352 - 1365 stürzte die Mongolenherrschaft und leitete unter Zhu Yuanzhang den Übergang zur Ming-Dynastie ein. Ihr Name stammt von ihren roten Kopftüchern her.
Als 1351 noch die Dämme des Hoang-ho brachen, ließ der mongolische Kanzler Toghta in der bereits verarmten und unruhigen Region südlich der Shandong-Halbinsel durch den Beamten Jia Lu einen neuen Kanal bauen. Es gelang der Weißen Lotus-Sekte hier erstmals, die Aufständischen unter den rund 150 000 Zwangsarbeitern zu organisieren. Die Umleitung des Hoang-ho war zwar erfolgreich, aber unmittelbar danach begann in den geplagten Regionen ein Aufstand bisher ungekannten Ausmaßes, der sie gegenstandslos machte.
Unter den Rebellenorganisationen hatten die Roten Turbane (Hung-chin) das größte Ansehen, sie waren der stärkste militärische Arm der Rebellen. Der erste Anführer der Roten Turbane war Han Shantong, der den Aufstand im Huai-Gebiet leitete, als die Inkarnation des zukünftigen Buddha Maitreya angesehen und als Nachkomme der Sung ausgegeben wurde. Ihm schloß sich dann 1352 Kuo Tsu-hsing, der Sohn eines Wahrsagers an, ein echter Volksführer, der aber schon 1355 verstarb. Han Shantong selbst wurde von mong. Truppen gestellt und getötet, seine Frau und sein Sohn Han Lin´er entkamen aber.
Han Lin´er wurde dann 1355 von Liu Fu-t´ong, seinem "ersten Minister" unter dem Titel "Ming-wang" zum Kaiser der "Sung" ausgerufen. Seine Truppen konnten 1357 Kaifeng besetzen und die Hauptstadt Peking selbst bedrohen, als Streitigkeiten unter seinen Generälen ausbrachen. Der Mongole Cayan Timur sah seine Chance und rückte 1359 gleichzeitig mit drei Armeen nach Kaifeng vor. Liu Fu-t´ong wurde getötet, Han Lin´er alias Ming-wang selbst konnte fliehen, bis er 1365 ertrank.
Daneben gab es noch weitere Anführer der Roten Turbane, insbesondere den ehemaligen Tuchmacher Hsü Shou-hui am mittleren Yangtse, der nach seinem Sieg an den Han-chuen-Untiefen 1356 mehrere Städte (u.a. heutige Wuhan) besetzen konnte und ebenfalls als Inkarnation des Maitreya ausgegeben wurde. Er wurde 1359 von seinem Stellvertreter Chen You-liang samt seinen Anhängern zwischen zwei Toren eingeschlossen und nach einem Pfeilhagel getötet. Letzterer proklamierte sich zum Prinzen der "Han"-Dynastie.
Der kommende Mann unter den Rebellenführern war jedoch Zhu Yuanzhang, ein Pachtbauernsohn, Ex-Mönch und Schwiegersohn Kuo Tsu-hsing´s. Zhu Yuanzhang wollte von den sozialreligiösen Ideen der Roten Turbane bald nichts mehr wissen, hielt sie für närrisch und setzte stattdessen auf ordnungsgemäße Beamte und die etablierten gesellschaftlichen Strukturen. Mit der Eroberung von Nanking 1356, Yangzhou 1357 und Umgebung bis 1359 brachte Zhu Yuanzhang die Nachschubwege des Nordens unter seine Kontrolle und schnürte so die Versorgung der Hauptstadt ab. In Nanking begann er mit der Einrichtung einer regulären Verwaltung. Schon 1363 gab er 38 Millionen Münzen heraus.
Der Aufstieg Zhu Yuanzhangs -verbunden mit der Beseitigung seiner Rivalen unter den Roten Turbanen und weiteren Rebellenführern, vor allem Chen You-liangs in der Flottenschlacht auf dem Poyang-See 1363- führte zur Gründung der Ming-Dynastie.
Kategorie:Yuan-Dynastie
Kategorie:Ming-Dynastie
Kategorie:14. Jahrhundert
Zhu YuanzhangHongwu 洪武 ( - 21. September 1328; † 24. Juni 1398), Geburtsname: Zhu Yuanzhang 朱元璋, Tempelname: Taizu 太祖, war der Gründer der Ming-Dynastie. Er regierte als Kaiser von 1368 bis 1398 über China.
China
Zhu Yuanzhang, der spätere Hongwu-Kaiser, kam aus einfachsten bäuerlichen Verhältnissen. Durch seine ungewöhnlichen körperlichen und geistigen Eigenschaften, gelang ihm der schnelle Aufstieg innerhalb der Rebellenbewegung die man Rote Turbane nannte und schließlich der Sturz der fremdländischen Yuan-Dynastie und damit die Vertreibung der Mongolen zurück in die Steppe. Er gründete 1368 nach dem Vorbild des ersten Han-Kaisers Gaozu die Ming-Dynastie und formte die Institutionen des Reiches so, wie sie bis zum Ende der Kaiserzeit bestand haben sollten. Durch seine großen Leistungen wird er zu den bedeutendsten Kaisern Chinas gezählt.
Aufstieg und Kampf um die Macht
Zhu Yuanzhang wurde 1328 als jüngstes von sechs Kindern geboren. Sein Vater Zhu Shichen floh von Nanjing nach Anchui, weil er die dortigen Steuern nicht bezahlen konnte. Sein Großvater war Goldwäscher und der Vater seiner Mutter ein populärer Hexenmeister. 1344 starben die meisten Mitglieder von Zhu Yuanzhangs Familie durch eine Epidemie, so dass er sich gezwungen sah in ein buddhistisches Kloster einzutreten, um nicht zu verhungern. Hier lernte er Lesen und Schreiben und kam zum ersten mal mit höherer Bildung in Berührung.
1352 verließ er das Kloster und trat den Roten Turbanen bei, denn überall in China flackerten Aufstände und die Macht der Yuan-Khane war im Begriff unterzugehen. Mit einer kleinen Gruppe von Freunden gelang ihm der Aufstieg innerhalb der Rebellenarmee und bald hatte er eine eigene kleine Truppe, mit der er feindliche Garnisonen und Städte angriff. Durch seine Erfolge wurde der Rebellenanführer Guo Zixing auf ihn aufmerksam, zu dessen persönlichen Stab nun schnell Zhu Yuanzhang gehörte. Durch die Heirat Zhus mit der Tochter des Guo Zixing kam dem zukünftigen Hongwu immer mehr Bedeutung zu und er wurde so zu einem neuen Kriegsherrn in China. Mit seiner eigenen 30.000 Mann starken Armee machte er sich in den Südosten auf und eroberte eine Reihe von Städten entlang des unteren Yangtze. Nach dem Tod seines Schwiegervaters 1355 verfolgte er zusehends seine eigenen Ziele, obwohl er formal den Machtanspruch der Roten Turbane weiter unterstützte. 1356 eroberte er nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen die Großstadt Nanjing und machte sie zu seiner neuen Basis. Bis 1367 hatte er praktisch den gesamten Südosten Chinas erobert. Im gleichen Jahr verweilte das Oberhaupt der Roten Turbane bei ihm als Gast und starb unter unaufgeklärten Umständen. Unverzüglich verkündete Zhu Yuanzhang seinen Anspruch auf den Kaiserthron und entsandte seine Armeen nach Norden, um die Mongolenhauptstadt Dadu anzugreifen. Der letzte Mongolenkaiser Toghan Timur floh des Nachts in die Mongolei und die Herrschaft der Yuan war nun endgültig beendet. Zhu Yuanzhang ließ die Paläste Dadus versiegeln, alle Archive und Sammlungen nach Nanjing bringen, die Mauern schleifen und den Stadtnamen in Beiping (Nördlicher Friede) ändern.
Gründung einer neuen Dynastie
Am 14. September 1368 proklamierte der Sieger des Bürgerkriegs Zhu Yuanzhang, die Gründung einer neuen Kaiserdynastie, die er Da Ming nannte, was die Große Leuchtende bedeutet. Er selbst wählte für sich die Regierungsdevise Hongwu (Gewaltige Militärische Macht).
Hongwu war sich nicht sicher, ob Nanjing wirklich seine neue Reichshauptstadt sein sollte, denn nie zuvor war das gesamte Reich von so weit im Süden regiert worden. Zunächst ließ er die alte Hauptstadt der Song-Dynastie Kaifeng und die Hauptstadt der Han- und Tang-Dynastie Chang’an (heute Xi'an) auskundschaften, dann legte er sich auf seinen eigenen Geburtsort Fengyang fest, einige hundert Kilometer nordwestlich von Nanjing. Hier wollte er seine neue Residenz, die Mittlere Hauptstadt (Zhongdu), errichten. Ab 1369 begannen die gewaltigen Bauarbeiten. Zuerst ließ er seinen Eltern eigene Kaisermausoleen errichten und dann großzügige Paläste und weite Stadtmauern errichten. 1375 besichtigte er die fast fertigen Anlagen der Mittleren Hauptstadt zum ersten mal. Prompt war er erschüttert über die Kosten und den nutzlosen Luxus der Bauten. Er ließ die Arbeiten anhalten und binnen weniger Jahre verfielen die Anlagen zu Schutthalden. Der Kaiser beabsichtigte in Nanjing zu bleiben und ließ diese nun als Kaiserresidenz prächtig ausschmücken. Östlich der Altstadt entstand die Verbotene Stadt von Nanjing, außerdem wurde die gesamte Stadt stark ausgedehnt und mit einer 35 km langen Mauer umgeben. So wuchs die Südliche Hauptstadt zum Zentrum Chinas heran, mit einer Bevölkerungszahl um die eine Million Einwohner.
Strukturen der neuen Regierung
Die neue Ming-Regierung benötigte eine eigene Verwaltungsstruktur. Auf Institutionen der Yuan konnte Hongwu nicht aufbauen, da es solche praktisch kaum gegeben hatte. So musste man an die Tradition der Song-Zeit anknüpfen. Doch formte Hongwu keine bloße Kopie, sondern eine völlig eigenständige, ganz auf ihn abgestimmte Bürokratie. Nach 1380 schaffte er zunächst den Titel eines Kanzlers ab, nachdem sein eigener Kanzler Hu Weiyong einen Anschlag auf ihn geplant hatte. Damit beendete er eine Ämtertradition die seit dem Ersten Kaiser ununterbrochen existiert hatte, wenn auch mit ständigem Machtverlust. Er wurde nun sein eigener Kanzler, weshalb die Hongwu-Ära auch als der Beginn des chinesischen Absolutismus betrachtet wird.
Verwaltungsaufbau:
- 1. Das Großsekretariat
::Mit drei bis sechs Großsekretären besetzt, die dem Kaiser bei der Beaufsichtigung und Koordination der Arbeit der sechs Fachministerien an die Hand gingen und damit große Macht innerhalb der Regierung auf sich vereinigten.
- 2. Die sechs Ministerien
::Ministerium für Ernennungen und Personal, Finanzministerium, Ritenministerium, Kriegsministerium, Justizministerium und Ministerium für Öffentliche Arbeiten.
- 3. Das Zensorat
::War mit zwei leitenden Zensoren und einigen Unterzensoren besetzt und umfasste vier untergeordnete Amtsstellen. Es beschäftigte 110 Ermittlungsbeamte, die die Verwaltung im gesamten Reich beobachteten und Fälle von Untüchtigkeit, Rechtsbeugung und Korruption bestrafen sollten. Außerdem waren sie befugt die höchsten Staatsdiener und selbst den Kaiser für ihre Handlungen zu kritisieren. Zur Zeit von Hongwu hatte das Zensorat aber noch keine so weitreichenden Kompetenzen, erst mit Kaiser Xuande sollte es eine wirklich mächtige Behörde werden.
Hongwu schuf zwar ein geradezu autokratisch zentralisiertes System, dass der unmittelbaren Machtausübung des Kaisers diente, dennoch passte dieses System gut für ambitionierte und arbeitsame Herrscher wie Hongwu. Problematisch sollte es jedoch bei schwachen und an Politik desinteressierten Kaisern werden. Um die Macht dann nicht an ehrgeizige Eunuchen fallen zu lassen, verbot er diesen bei Todesstrafe die Einmischung in die Politik. Sogar das Lesen und Schreiben versuchte er ihnen vorzuenthalten und Banner mit der Aufschrift: Eunuchen haben sich nicht für die Angelegenheiten des Staates zu interessieren, wurden im Palast als Mahnungen aufgehängt. Außerdem führte er die Sitte der Beamtenprügel ein. Bei Rechtsvergehen wurden die Staatsdiener mit einer Holzlatte geschlagen, bei schweren Übertretungen soll es dadurch sogar Tote gegeben haben.
Herrschaft und Persönlichkeit
Eunuch
Nachdem sich Hongwu zum ersten Kaiser der Ming gemacht und ganz Zentralchina restlos erobert hatte, begann er eine aggressive Außenpolitik. Als erstes unterwarf er Korea als Vasallen und Tibet als Protektorat. Bei einer Invasion der Mongolei gelang ihm zwar nicht deren Eroberung, aber seine Generäle machten die Mongolenhauptstadt Karakorum dem Erdboden gleich, wobei die letzten Angehörigen der Yuan-Sippe den Tod fanden. Des weiteren mischte er sich in die inneren Verhältnisse von Annam und Japan ein.
Seine Innenpolitik stand im Zeichen wirtschaftlichen Wiederaufbaus. Es kam zu unzähligen Bebauungs- und Bewässerungsprojekten, durch die ½ bis fünf Millionen ha Land pro Jahr erschlossen wurden. Die Einnahmen aus der Getreidesteuer verdreifachten sich in sechs Jahren. Man schätzt, dass in 20 Jahren bis zu einer Milliarde Nutzbäume gepflanzt wurden. Die Folge war ein enormes Bevölkerungs- Wirtschaftswachstum.
Im zunehmenden Alter wurde Kaiser Hongwu immer mehr zu einem Autokraten, der ständig Verschwörungen und Intrigen gegen seine Person fürchtete. Den Säuberungen, die er nach dem Verrat seines Kanzlers durchführen ließ, fielen an die 70.000 Personen zum Opfer. Hongwu verspürte den Drang, die Welt von bösen und unaufrichtigen Menschen zu befreien. Er schreibt selbst:
“Des Morgens bestrafe ich einige; am Abend begehen andere das selbe Verbrechen. Bestrafe ich diese am Abend, so kommt es am nächsten Morgen zu neuen Übertretungen. Die Leichen der ersten Übeltäter sind noch nicht weggeschafft, da folgen bereits die nächsten ihrem Pfad. Je härter die Strafe, desto mehr Übertretungen. Tag und Nacht muss ich wachsam bleiben. Aus dieser Lage gibt es keine Hilfe. Verhänge ich milde Strafen, werden diese Personen noch schlimmere Verbrechen begehen. Wie sollen da die Menschen außerhalb der Regierung ein friedliches Leben führen ? Was für eine schwierige Situation ! Bestrafe ich diese Personen, so hält man mich für einen Tyrannen. Erweise ich ihnen Milde, so verliert das Gesetz seine Wirkung, die Ordnung zerfällt, und das Volk hält mich für einen unfähigen Kaiser.“
Es wird berichtet, dass ein konfuzianischer Gelehrter sehr unzufrieden war mit den extremen Maßnahmen seines Kaisers und beschloss in die Hauptstadt zu gehen um Hongwu seine Meinung zu sagen. Als er zur Audienz vorgelassen wurde, brachte er seinen eigenen Sarg mit. Nachdem er den Kaiser heftig kritisiert hatte, legte er sich in den Sarg, sein Todesurteil erwartend. Doch stattdessen, war der Herrscher so sehr von dem Mut des Mannes beeindruckt, dass er ihm nichts tat.
Mit Hongwu wandte sich der Staat mehr und mehr der Landwirtschaft zu und nicht mehr so stark dem Handel wie in früheren Zeiten. Der Kaiser verstand wenig von Ökonomie und übernahm von den Konfuzianern den Standpunkt, dass Händler Parasiten an der Gesellschaft wären. In typisch konfuzianischer Sichtweise wünschte Hongwu, dass die Landwirtschaft die Quelle allen Reichtums für die Menschen sei und nicht mehr so sehr der Handel, wie einst zur Song-Zeit. Dies ist nur nachvollziehbar, wenn man Hongwus bäuerliche Herkunft bedenkt.
Gesellschaft
Mit Hongwu kam auch wieder der Gebrauch von Papiergeld in Mode. Da der Kaiser jedoch nichts von Inflation verstand, gab er so gewaltige Mengen davon heraus, dass Preisverfall die Folge war und bald wieder ausschließlich Münzgeld geprägt wurde.
Trotz der persönlichen Fehler gibt es an Hongwu mehr zu loben als zu tadeln. Man kann ihm nicht absprechen ein erfolgreicher Kaiser gewesen zu sein, der sich ernsthaft mit den Problemen der Menschen beschäftigte und pflichtbewusst arbeitete. Nach 30 Jahren Regentschaft hinterließ er ein sehr reiches und stabiles Land, dazu noch hatte er 36 Söhne und 16 Töchter in die Welt gesetzt. Seinen Söhnen verschaffte er mächtige Positionen in eigens geschaffenen Fürstentümern entlang der Grenzen. Damit beabsichtigte er die Prinzen von der Hauptstadt und der Regierung fernzuhalten. Ein System das nicht lange bestand haben sollte, denn spätestens sein Sohn Yongle und sein Urenkel Xuande demontierten die Ming-Prinzen in ihren Privilegien, da sie sie als Machtkonkurrenten und potentielle Rebellen fürchteten
Auch seine Nachfolge regelte Hongwu eher unglücklich. Sein ältester Sohn Zhu Biao war vor ihm gestorben, so dass er dessen Sohn, seinen Enkel Zhu Yunwen, zum Kronprinzen machte. Damit verstieß er gegen die traditionelle Thronfolge, wonach immer der älteste lebende Sohn eines Kaisers die Nachfolge antritt. Dies war aber Zhu Di, der Prinz von Yan.
Als Hongwu schließlich starb, wurde er im Xiaoling bei Nanjing bestattet und ist somit der einzige Ming-Kaiser der nicht in der Nähe von Peking ruht. Seinem Enkel Jianwen war nur eine kurze Regierung vergönnt, denn Zhu Di nahm für sich das Recht des Erstgeborenen in Anspruch. Als der berühmte Yongle-Kaiser sollte Zhu Di dann seinen Vater noch an Ruhm und Fähigkeit in den Schatten stellen.
Weblink
[http://www.orientalarchitecture.com/nanjing/mingtombindex.htm Xiaoling-Mausoleum des Hongwu bei Nanjing]
Kategorie:Kaiser (China)
Kategorie:Ming-Dynastie
Kategorie:Mann
Kategorie:Geboren 1328
Kategorie:Gestorben 1398
ja:朱元璋
zh-cn:朱元璋
BewässerungBewässerung ist die Versorgung des Kulturlandes mit Wasser, um das Wachstum von Pflanzen zu fördern, fehlenden Regen zu ersetzen. Dabei wird vor allem in ariden Regionen zwischen den Wendekreisen künstlich bewässert, um den Sonnenreichtum und die hohen Temperaturen auszunutzen. Aber auch in humiden Regionen wird für sehr wasserbedürftige Pflanzen - wie Reis - oder für die Überbrückung saisionaler Trockenphasen bewässert.
Das Wasser wird mit folgenden Methoden auf die zu bewässernden Flächen aufgebracht:
Reis
- Gießen
- Einstau von horizontalen Flächen bzw. Überflutung.
- Verrieselung über geneigte Flächen (oberflächlicher Abfluss).
- Beregnungsanlage, das heißt Versprühen von Wasser über den zu beregnenden Flächen. Diese Methode ist in der moderen Landwirtschaft am weitesten verbreitet. Neben Regnern mit kleiner Reichweite kommen dabei auch Beregnungsmaschinen zum Einsatz, die selbstfahrend die Felder bewässern. Mit diesem Verfahren ist auch die Frostschutzberegnung (zum Beispiel im Obstbau zur Blütezeit) möglich. Dabei wird während frostkalter Nächte beregnet. Die beim Gefrieren des Wassers freiwerdende Energie und die Bildung eines Eismantels schützt die Pflanzen vor extremer Kälte.
- Sondermethoden wie die Tröpfchenbewässerung. Dabei sind an Schläuchen in regelmäßigen Abständen Auslässe angebracht, die nur geringe, exakte Wassermengen (tröpfchenweise), weitgehend unabhängig vom Druck in der Rohrleitung, abgeben. In trockenen Ländern zum wassersparenden Einsatz entwickelt, findet dieses Verfahren in Mitteleuropa zunehmend beim Weinbau (z.B. in der Wachau) aber auch im Hausgarten und in Parkanlagen Anwendung. Neben der exakten Aufbringung des Wassers unter Vermeidung von Verdunstungsverlusten ist ein Vorteil des Verfahrens, dass die Blätter nicht benetzt werden und somit Pilzerkrankungen der Pflanzen nicht weiter gefördert werden.
Die Bewässerung muss dafür sorgen, dass genügend Frischwasser über die Bodenfläche geführt wird. Insbesondere in ariden Gebieten, in denen der Niederschlag oft niederer als die Verdunstung ist, muss zur Vermeidung der Versalzung des Bodens über den Pflanzenbedarf hinaus bewässert und dieses Wasser wieder abgeführt werden (leaching). Bei wasserstauenden und zur Vernässung neigenden Böden ist daher unter Umständen zur Vermeidung von Vernässungen eine Drainage des Bodens, bei der über unterirdische Rohrsysteme das Wasser wieder abfließt, erforderlich. Das Ausmaß der dazu notwendigen überschüssigen Bewässerung hängt vom Salzgehalt des Wassers und der zu bewässernden Pflanzenart ab. Dabei ist insbesondere der Na+-Gehalt von Bedeutung, das neben der negativen Auswirkung auf die Pflanzen zu einer Schädigung des Korngefüges des Bodens führt.
Die Qualität des Bewässerungswassers muß einerseits den Anforderungen der zu bewässernden Pflanzen und andererseits hygienischen Mindeststandards entsprechen. Internationale Richtlinien dazu wurden von der FAO der UNO in Rom herausgebracht.
Als Bewässerungwasser kann Wasser aus Flüssen, Seen und Grundwasser genutzt werden. Mitunter wird auch aufbereitetes Abwasser oder gespeichertes Regenwasser eingesetzt.
Zur Wasserbereitstellung und zu dem Ausgleich zwischen trockenen und feuchten Jahreszeiten wird in trockenen Gebieten das Wasser mitunter in Staubecken (Staudamm) gehalten, ehe es, über z.T. weite Strecken, verteilt wird. Dies geschieht durch Bewässerunggsysteme wie Gräben bis hin zu Beregnungsanlagen und Rieselsystemen.
Bei der Bewässerung handelt es sich um eine uralte Technik der Landwirtschaft. Insbesondere in den frühen Hochkulturen Ägypten, Mesopotamien, Indien und China konnten durch intensive Anwendung von Bewässerungstechniken die landwirtschaftliche Produktion so deutlich gesteigert werden, dass auch eine merkliche Zunahme der Bevölkerung möglich war. Mitunter wird argumentiert, dass die erheblichen, nur von entwickelten Gesellschaften zu bewerkstelligenden Arbeiten zur Errichtung der Bewässerungssysteme einen wesentlichen Impuls zur Bildung organisierter, gesellschaftlicher Strukturen bildeten.
Auch in vielen Teilen Europas ist das Ausmaß des zur Verfügung stehenden Wassers ein begrenzender Faktor der Entwicklung der Landwirtschaft. Dies kann mitunter zu Konflikten zwischen Ländern und Regionen führen.
Siehe auch
- Waal
- Gartenkunst im Alten Ägypten
- Gartenkunst im Vorderen Orient
- New Valley Project
Kategorie:Wasserwirtschaft
Kategorie:Feldwirtschaft
ja:灌漑
simple:Irrigation
HektarDas Ar ist eine Maßeinheit der Fläche, Einheitenzeichen: a (Formelzeichen der Fläche: A) von exakt 100 m² und ist damit äquivalent zu einem Quadratdekameter (dam²).
; 1 a := 100 m²
; 1 daa := 10 a = 1000 m²
; 1 ha := 100 a = 10000 m²
Das Ar wurde mit der postrevolutionären Einführung des metrischen Systems in Frankreich zum Ende des 18. Jahrhunderts dort die Basiseinheit der Fläche, da sie eher im Bereich der in der Landwirtschaft üblichen Größen liegt als der Quadratmeter. Dieser wurde durch Anwendung der bekannten Präfixe zum Zentiar (ca). Ebenso wurden die Zehn- und Hunderfachen gebräuchlich, der (oder das) Dekar (daa) und Hektar (ha), bei denen der letzte Vokal der Vorsilbe entfällt. Heute ist fast nur noch der Hektar gebräuchlich, d.h. vor allem in der Land- und Forstwirtschaft, wo er noch nicht durch Quadratmeter und Quadratkilometer (km²) ersetzt worden ist, und wird häufig als eigene unabhängige Einheit empfunden, obwohl sein Nutzen eigentlich darin bestand, dass er mit Quadratmeterm, Ar und Quadratkilometer eine durch den Faktor einhundert verknüpfte Reihe bildet. Das Ar gehört nicht zum SI-Einheitensystem, doch es ist – auch mit Präfix – bis auf weiteres zur Benutzung mit diesem zugelassen. In der Schweiz überwiegt die französische Schreibung Are (Helvetismus).
Eine in Deutschland noch verbreitete – aber nicht SI-gerechte – Maßeinheit ist der Morgen, der seit der Reichseinigung 1871 überall 0,25 ha (also 2500 m²) entsprechen soll und daher zeitweilig auch Viertelhektar (vha) genannt wurde. Während des 20. Jahrhunderts wurde in der Landwirtschaft das Rechnen in Morgen und Zentner (100 Pfund = 50 kg) bzw. Scheffel (50 l) von Hektar und Dezitonne / Doppelzentner / Quintal (100 kg; dt, dz, q) bzw. Hektoliter (100 l = 0,1 m³; hl) abgelöst und gleitet derzeit auf Quadratkilometer und Tonne / Megagramm (1000 kg; t, Mg) bzw. Kubikmeter (m³) über.
Siehe auch
- Acre
- Mathematik für die Schule
- Flächenmaß
- Alte Maße und Gewichte
Kategorie:Maßeinheit
als:Ar
ja:アール
Seidenraupe
Der Seidenspinner (Bombyx mori) ist ein vor allem in China beheimateter Schmetterling aus der Familie der Spinner (Bombycidae).
Der Seidenspinner ist 32 - 38 mm breit, mehl-weiß oder perlgrau, besitzt blass gelbbraune Querstreifen auf den Flügeln und schwärzlich gekämmte Fühler (Antennen).
Die Paarung der Schmetterlinge dauert 6 - 8 Stunden. Danach legt das Weibchen in wenigen Tagen ca. 400 Eier, worauf die Schmetterlinge sterben. Die zunächst gelben Eier werden bald dunkler und schließlich grau. Jedes Ei ist dann oval, flach gedrückt, 1 - 1,5 mm lang und schiefergrau gefärbt, wobei die Farbe zum Teil ins Bläuliche, Violette oder Grünliche spielt. Unbefruchtete Eier bleiben gelb und trocknen aus. Die befruchteten Eier überwintern, und im nächsten Jahr schlüpfen aus ihnen die Seidenraupen, die, nachdem sie herangewachsen sind und sich viermal gehäutet haben, aus einem einzigen langen Seidenfaden einen Kokon spinnen, in dem sie ihre Entwicklung zum Schmetterling vollenden.
Der Mensch nutzte schon früh die Fähigkeiten der Seidenraupe zur Erzeugung von Seide.
Der Seidenspinner ist ursprünglich in China beheimatet.
Seidenraupen
Die Seidenraupe ist die Larve des Seidenspinners.
Die Raupe ist gefärbt, wird aber nach der ersten Häutung perlgrau, teils ins Bräunliche, teils ins Gelbliche neigend. Einige Rassen sind schwärzlichgrau oder samtschwarz oder am ganzen Körper dunkel quergestreift. Der elfte Körperring besitzt auf der Rückenseite einen Hautzapfen (Sporn), und vom Kopf bis zu diesem Zapfen verläuft ein bläulichgraues Band, dem Rückengefäß oder Herzen entsprechend. Auf der Rückenseite des dritten und achten Ringes finden sich zwei halbmondförmige Flecke, welche aber bei einigen Rassen fehlen.
Die Seidenraupe häutet sich viermal, und 30 - 35 Tage nach dem Ausschlüpfen aus dem Ei ist sie spinnreif. Die Spinndrüsen der Raupe bestehen aus einem vielfach gewundenen Schlauch, dessen hinterer Teil das aus Proteinen bestehende Seidenmaterial absondert, welches durch dünne Ausführungsgänge zu der im Kopf gelegenen Spinnwarze und von da aus dem Körper geleitet wird. Indem die Raupe das an der Luft sofort zu einem Faden erhärtende Protein-Material aus den Spinnwarzen austreten lässt und dabei mit dem Kopfe charakteristische Bewegungen macht, legt sie um sich herum Fadenwindung um Fadenwindung. In kurzer Zeit ist sie von einem dichten Seidengespinst, dem Kokon, eingeschlossen, der aus einem einzigen langen Faden besteht, der bis zu 3.000 m lang sein kann. Der Kokon ist länglich-oval, bei den einheimischen Rassen strohgelb, bei den japanischen Rassen grünlich, bei den Weißspinnern weiß. Acht Tage nach dem Einspinnen verpuppt sich die Seidenraupe, nach weiteren acht Tagen schlüpft der Schmetterling, wobei er den Kokon durch eine bräunliche Flüssigkeit an einer Stelle auflöst.
Der Mensch macht sich die Fähigkeit der Seidenraupe für die Erzeugung von Seidengarn zunutze. Die Raupen werden zur Gewinnung von Seide in China, Japan, Indien und in Südeuropa gezüchtet. Durch Kreuzungen erhält man bei den Seidenfäden unterschiedliche Farben, z.B. goldgelbe und andere Nuancen. Die Raupen ernähren sich ausschließlich von den Blättern der Maulbeerbäume, die für ihre Zucht kultiviert wurden und auch nach Europa importiert wurden.
Bild:Seidenspinner_Eier_20020518-41.jpg|Seidenspinner Eier
Bild:Seidenspinner_Raupe_7Tage_20020518-42.jpg|Seidenspinner Raupe, 7 Tage alt
Bild:Seidenspinner_Raupe_30Tage_20020518-43.jpg|Seidenspinner Raupe, 30 Tage alt
Bild:Seidenspinner_Kokon_20020518-44.jpg|Seidenspinner Kokon
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Ebenfalls als Seidenspinner werden verschiedene andere Schmetterlingsarten bezeichnet, welche auch zur Gewinnung von Seide genutzt werden. Darunter etwa der Ailanthusspinner (Philosamia cynthia), welcher sich von den Blättern des Götterbaumes (Ailanthus altissima) ernährt.
Kategorie:Schmetterlinge
ja:カイコ
ko:누에
ms:Ulat sutera
Endeckung:
Die seidenraupe kommt ursprünglich aus China ,
es hat alles damit angefangen das die Chinesische-Kaiserin einen Cocon einer Seidenraupe in ihrer teetasse fand ,und kam dadurch auf die Idee daraus einen Stoff zu weben.
Zwei Mönche die auf dem Weg nach Europa waren hatten in ihren wanderstöcken Seidenraupeneier versteckt.So hatten sie die Seide nach europa zum kaiser gebracht.Das ist einer der jüngsten fälle von Industriespionasche.
LiberalUnter Liberalismus (lat. liber: frei, lat. liberalis: die Freiheit betreffend, freiheitlich) wird eine in der Aufklärung entstandene freiheitliche Gesinnung und politisch-philosophische Lehre verstanden.
Der Liberalismus begründete die Emanzipation (Befreiung) von überlieferten Dogmen aus dem Feudalismus und Absolutismus, die Unfreiheit rechtfertigen sollten (beispielsweise Gottesgnadentum). Im Zentrum seiner politischen Philosophie steht das Individuum, dem größtmögliche Freiheit gegeben werden soll. Die individuelle Freiheit ist nach liberaler Überzeugung die Grundnorm und Basis einer menschlichen Gesellschaft, auf die hin der Staat und seine politische wie wirtschaftliche Ordnung auszurichten seien. Wo die Freiheit des Einzelnen berührt wird, habe jede, auch die staatliche Gewalt zu enden – der Staat habe nur dann einzugreifen, wenn die Freiheit der Individuen verletzt wird. Seine Rolle habe sich vorrangig auf den Erhalt von Recht und Freiheit zu beschränken. Regulationen der Wirtschaft, aber auch Sozialleistungen sollten ebenso wie Steuern minimiert werden. Dem Einzelnen solle durch sein Mehr an Freiheit auch mehr Verantwortung für sich selbst übertragen werden.
Der Liberalismus steht in seiner Theorie im Gegensatz zum Totalitarismus und gilt vielerorts als Voraussetzung, wenn nicht als Synonym zur Auffassung einer modernen pluralistischen Demokratie. Bis in die Gegenwart betrachten sich auch Vertreter von nicht explizit liberalen Parteien als Liberale im Sinne der aufklärerischen philosophischen Definition des Liberalismus.
Vom Anarchismus unterscheidet sich der heutige Liberalismus durch die Auffassung, dass der Staat - wenn auch möglichst weit im Hintergrund - zur Sicherung von Freiheit und Eigentum als notwendig angesehen wird.
Begriffe und Konzepte
Der Begriff des Liberalismus selbst ist relativ schwer zu bestimmen, ohne auf den gesamten westlichen Individualismus Bezug zu nehmen. Die Spannbreite reicht von den Sozial- bzw. Linksliberalen bis zu den Ultra-Liberalen oder Libertären, die prinzipiell jede durch erzwungene Beiträge finanzierte soziale Maßnahme als unzulässigen Eingriff des Staates in die persönliche Freiheit des Einzelnen ablehnen. In den USA werden heute mit liberals Sozialliberale gemeint, während sich die Verfechter eines auf ein absolutes Minimum reduzierten staatlichen Eingreifens seit den 1930er Jahren in Abgrenzung zu den Sozialliberalen unter dem Begriff der libertarians sammeln.
Politik
Zentrale politische Forderung des Liberalismus ist die nach Grundrechten als institutionalisierter Form der Menschenrechte. Diese sind vom Staat zu garantieren und haben Vorrang auch vor demokratisch herbeigeführten Entscheidungen. Siehe auch Rechtsstaat, Minderheitenschutz.
Als ein wichtiger Begründer des Liberalismus gilt John Locke. In seinem 1689 veröffentlichtem Werk Two Treatises of Government (deutsch: Über die Regierung) postuliert er Leben, Freiheit und Eigentum als unveräußerliche Rechte des Bürgers. Zweck des Staates sei, diese Rechte zu schützen. Der Franzose Voltaire prägte mit seinem Ausspruch "Ich bin nicht Eurer Meinung, aber ich werde darum kämpfen, dass Ihr Euch ausdrücken könnt." das liberale Prinzip der Toleranz und der Meinungsfreiheit. Charles de Montesquieu gilt mit seinem 1748 veröffentlichten De l'esprit des lois (dt. Vom Geist der Gesetze) als Begründer des Konzepts der Gewaltenteilung. John Stuart Mill formulierte in seiner bekanntesten Schrift On Liberty (dt: Über die Freiheit) das Limit, "dass der einzige Grund, aus dem die Menschheit, einzeln oder vereint, sich in die Handlungsfreiheit eines ihrer Mitglieder einzumischen befugt ist: sich selbst zu schützen. Dass der einzige Zweck, um dessentwillen man Zwang gegen den Willen eines Mitglieds einer zivilisierten Gesellschaft rechtmäßig ausüben darf: die Schädigung anderer zu verhüten."
Ökonomie
Ökonomisch betonen Liberale das Recht auf privates Eigentum, da nur dieses die Freiheit des Einzelnen gewährleisten könne. Begründungen dafür können entweder naturrechtlichen Argumentationsmustern folgen oder primär auf die Effektivität eines auf Privateigentum basierenden Gesellschaftssystems verweisen. Naturrechtliche Begründungen dieser Art finden sich in Ansätzen bei Hugo Grotius und Samuel Pufendorf und werden von John Locke ausformuliert: Der einzelne besitze Eigentum an seinem Körper und folglich auch an der Arbeit seines Körpers. Er sei auch berechtigt, Dinge aus dem Naturzustand zu reißen, wenn er diese bearbeitet hat (beispielsweise den Boden, den jemand das erste mal bearbeitet). Ist das Ding aus dem Naturzustand gerissen, könne es dann nur noch durch Schenkung oder Tausch den Eigentümer wechseln. Zwang sei hiermit ausgeschlossen. In der Tradition dieser Begründung argumentieren beispielsweise die US-amerikanischen Gründerväter, Robert Nozick oder Ayn Rand.
Die auf Effizienz beruhende Argumentation nimmt an, dass der Markt für die optimale Allokation der Ressourcen sorge. Ein freier Wettbewerb stellt dabei das prinzipiell optimale Steuerungsinstrument der Wirtschaft dar. Sowohl staatliche Wettbewerbshemmnisse (z.B. Steuerprivilegien oder Schutzzölle) als auch Unternehmenskonzentrationen seien dabei eine Bedrohung des Wettbewerbs. Erster bekannter Vertreter des klassischen Liberalismus ist Adam Smith, berühmt wurde sein Konzept der unsichtbaren Hand: Das eigennützige Streben der Menschen trage zum Wohl der gesamten Gesellschaft bei. Weiter wird die Idee des klassischen Liberalismus - explizit ohne naturrechtliche Komponente - von Jeremy Bentham und John Stuart Mill vertreten, auf ein sozialdarwinistisches Extrem von Herbert Spencer getrieben und findet sich in der neueren Theorie beispielsweise bei James M. Buchanan oder Robert Axelrod.
Zu ökonomischen Aspekten des Liberalismus siehe auch: Manchesterliberalismus, Neoklassik, Österreichische Schule, Neoliberalismus, Ordoliberalismus, Monetarismus
Geschichte des Liberalismus
Wurzeln des Liberalismus
Obwohl der Begriff des Liberalismus erst relativ spät in Spanien entstand (1812), ist seine Geschichte doch älter. Er entwickelte sich zeitgleich mit der Aufklärung als politische Gegenbewegung zum Absolutismus des 17. und 18. Jahrhunderts.
Während der Liberalismus die politische Szene in England und den USA während des 18. und 19. Jahrhunderts fast vollkommen beherrschte, hatte er in den kontinentaleuropäischen Ländern zunächst weit weniger Einfluss.
Dies änderte sich mit in den verschiedenen französischen Revolutionen (nach der „großen“ französischen Revolution von 1789 besonders die Bürgerliche Revolution von 1830 und in der Folge auch in anderen Ländern (Deutschland, Österreich-Ungarn, Italien, Schweiz)
Der Liberalismus des frühen 19. Jahrhunderts ging in vielen europäischen Staaten, insbesondere im deutschsprachigen Raum, aber auch in den italienischen und anderen Fürstentümern einher mit dem seit der französischen Revolution fast überall aufblühenden Nationalismus (nicht nur in Europa, sondern beispielsweise auch in Süd- und Mittelamerika), der zunächst als einheitlich mit den Ideen der Demokratie begriffen wurde. Besonders in den zersplitterten deutschen und den vor allem von den österreichischen Habsburgern bzw. den spanischen Bourbonen abhängigen italienischen Provinzen dieser Zeit, oder den unter preußischer und österreichischer Herrschaft stehenden Gebieten wie Böhmen, Ungarn und dem zerteilten Polen war der Liberalismus auch verbunden mit damals revolutionären Forderungen nach nationaler Unabhängigkeit oder nationalstaatlicher Einheit. Nach der Niederschlagung der bürgerlich-liberalen Revolutionen von 1848/49 (vgl. auch Risorgimento, Februarrevolution 1848 und Märzrevolution) wurde die Idee der nationalen Einheit vor allem in Deutschland und Italien von eher konservativen Kreisen aufgegriffen und dort fast zeitgleich etwa zwei Jahrzehnte später "von oben" umgesetzt. Große Teile der vorrangig nationalen Strömungen entfernten sich daraufhin vom Liberalismus mit seinen emanzipatorisch-freiheitlichen, an den Rechten des Individuums ausgerichteten Idealen und entwickelten sich längerfristig zu Parteien mit dezidiert antidemokratischen und antiliberalen Fraktionen.
Heute ist mit den Liberal Democrats eine liberale Partei (ca 18%) im britischen Unterhaus vertreten.
Liberalismus in Deutschland
Erste Hälfte des 19. Jahrhunderts bis nach der Märzrevolution 1848/49
Erste Höhepunkte waren zum Beispiel das Wartburgfest 1817, das Hambacher Fest 1832 und die Revolution von 1848. Die entsprechenden vorrevolutionären und revolutionären liberalen Bewegungen bekämpften zum einen die wieder am Absolutismus ausgerichteten Fürstentümer während der nachnapoleonischen Ära bzw. der dem Wiener Kongress (1814/15) bis 1848 folgenden Restauration (vgl. auch Vormärz). Sie forderten Verfassungen, Liberalisierung des Handels durch Beseitigung der Zollschranken und demokratische Rechte für das Volk. Zugleich traten sie für die Einigung der Staaten des deutschen Bundes in einem gesamtdeutschen Nationalstaat ein.
Während der durch die Märzrevolution entstandenen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche 1848/1849 stellten die bürgerlich-liberalen Fraktionen Casino und Württemberger Hof (Heinrich von Gagern), die sogenannten "Halben", die Mehrheit. Sie traten für eine konstitutionelle Monarchie, Volkssouveränität und parlamentarische Rechte ein. Die Minderheit der "Ganzen", der ebenfalls dem Liberalismus, teilweise auch dem Frühsozialismus zugeordneten Radikaldemokraten, unter ihnen beispielsweise Robert Blum, forderte eine deutsche Republik und die Beseitigung monarchistischer Strukturen. Schon in diesen unterschiedlichen Fraktionen während der 1849 gewaltsam niedergeschlagenen Revolution deutete sich die später stärker um sich greifende Zersplitterung des deutschen Liberalismus an: beispielsweise in „Sozialliberale“, „Wirtschaftsliberale“ oder „Nationalliberale“.
Die radikale herrschafts- und staatsverneinende Strömung des Liberalismus, der Anarchismus, entwickelte sich ab den 1840er Jahren vor allem unter der Wortführerschaft Michail Bakunins (der zum Beispiel am Dresdner Maiaufstand 1849 in Sachsen maßgeblich beteiligt war), in ihren wesentlichen philosophischen Ausprägungen in eine sozialistische und kommunistische Richtung, und vertrat die Interessen der revolutionären Arbeiterbewegung. In den frühen 1870er Jahren eskalierte der Konflikt zwischen den Anhängern von Karl Marx und denen Michail Bakunins in der ersten Internationalen (Internationale Arbeiterassoziation), und es kam zur Spaltung der revolutionär-sozialistischen Bewegung in eine anarchistische und marxistisch-kommunistische Ausprägung.
Kaiserreich bis 1918
Die Deutsche Fortschrittspartei, die sich 1861 gründete, war die erste politische Partei Deutschlands im heutigen Sinn, mit Parteiprogramm und klaren politischen Zielen. Diese richteten sich am traditionellen Liberalismus aus. Nach dem preußischen Verfassungskonflikt in den 1860er Jahren kam es zwischen 1866 und 1868 noch vor der Gründung des deutschen Kaiserreichs zur wesentlichsten Spaltung des parteipolitisch organisierten deutschen Liberalismus, der Auswirkungen bis in Auseinandersetzungen der Gegenwart hat. Die beiden größten und bedeutendsten Nachfolgeparteien der Deutschen Fortschrittspartei in der Zeit des Deutschen Kaiserreiches waren ...
- ... einerseits die Nationalliberale Partei (gegründet 1866/1867): Sie unterstützte die Regierungspolitik Bismarcks und die Vorherrschaft Preußens im Reich, favorisierte im Prozess der Reichseinigung deshalb eine kleindeutsche Lösung (ohne Österreich), und entwickelte sich sehr schnell in eine konservative Richtung, in der die Einheit und Freiheit der Nation Vorrang vor demokratischen Freiheitsrechten hatte. Letztere traten bei den Nationalliberalen zunehmend in den Hintergrund. Die Nationalliberale Partei war lange Zeit die stärkste Fraktion im Reichstag des Kaisereichs und kooperierte mit der Konservativen Partei des Reichskanzlers. Nach dem 1. Weltkrieg zerfiel die Nationalliberale Partei. Ihr größter Teil ging in der Deutschen Volkspartei (DVP) der Weimarer Republik auf.
- ... andererseits - neben weiteren kleinen linksliberalen Parteien - die Deutsche Volkspartei (DtVP) des Kaiserreichs (gegründet 1868): Sie hatte ihre Hochburgen in Süddeutschland und forderte zunächst eine Reichseinigung als großdeutsche Lösung (mit Österreich). Sie vertrat sozialliberale Positionen, forderte föderalistische Strukturen im Reich und mehr demokratische Rechte für den Reichstag sowie soziale Reformen für die ärmeren Schichten der Bevölkerung. Zeitweilig und punktuell arbeitete die DtVP mit der damals noch marxistisch ausgerichteten Sozialdemokratie (vgl. auch SPD) zusammen. Im Gegensatz zu den Nationalliberalen behielt die Forderung nach demokratischen Freiheitsrechten bei der DtVP Priorität vor der nationalen Einigung. 1910 fusionierte die Partei mit anderen linksliberalen Gruppen und der Deutschen Freisinnigen Partei (gegründet 1884) zur Fortschrittlichen Volkspartei. Aus der wiederum ging 1918 die Deutsche Demokratische Partei (DDP) hervor.
Mit dem Aufkommen der Sozialdemokratie mussten die Liberalen nach und nach ihren Einfluss als prägende politische Kraft mit den Sozialisten teilen - und, bezogen auf das Wählerpotenzial - bis Anfang des 20. Jahrhunderts an sie abgeben. Die Reichsregierung wurde allerdings im Kaiserreich noch vom Kaiser bestimmt und nicht vom Parlament gewählt. Dabei fanden die mehrheitlich regierungstreuen Nationalliberalen mehr Berücksichtigung als die Linksliberalen oder die Sozialdemokraten, die in der Zeit der deutschen Monarchie lange Zeit als Staatsfeinde betrachtet und behandelt wurden.
Weimarer Republik und Zeit des Nationalsozialismus: 1918 bis 1945
Bei der Gründung der Weimarer Republik spielten die Liberalen nach der Novemberrevolution neben den Sozialdemokraten wieder eine relativ wichtige Rolle im parlamentarischen Parteienspektrum. Nach dem 1. Weltkrieg gründeten sich erneut zwei Parteien, die aus den links- bzw. rechtsliberalen Parteien der Kaiserzeit hervorgingen: die Deutsche Demokratische Partei (DDP) und die Deutsche Volkspartei (DVP). Trotz gleichen Namens stand letztere mit der DtVP des Kaiserreichs in keinem inhaltlichen Zusammenhang.
Die linksliberale DDP war zusammen mit der SPD und dem Zentrum beteiligt an der sogenannten Weimarer Koalition, der ersten Regierung der Weimarer Republik in den Jahren 1919 und 1920. Nach 1920 musste sie von Wahl zu Wahl stetig Stimmenverluste hinnehmen. - Dagegen war die rechtsliberale DVP nach 1920 viele Jahre an verschiedenen Regierungen beteiligt.
Wo die DDP eine eher sozialliberale Politik vertrat und die Republik von Anfang an unterstützte, gab es in der DVP, die zu ihrem größten Teil aus der die Monarchie stützenden Nationalliberalen Partei (NLP) hervorgegangen war, eine starke republikfeindliche Fraktion. Der kleine „linke“ Flügel der NLP war 1918 in die DDP gewechselt, der „rechtsnationalistisch“-völkische Flügel in die Deutschnationale Volkspartei (DNVP).
Die DVP stellte nach 1920 mit Gustav Stresemann, der bis heute als „Prototyp“ eines Realpolitikers gilt, und der dem deutschen Reich nach dem 1.Weltkrieg wieder zu einem relativen Ansehen im Ausland verhalf, über mehrere Jahre hinweg den Außenminister der Weimarer Republik, und 1923 für wenige Monate in einer Mehrparteienkoalition kurzzeitig gar den Reichskanzler. Er stand nach eigener Aussage „aus Vernunftgründen“ hinter der Republik und versöhnte die Partei mit der demokratischen Staatsform, hatte jedoch im Industriellen Hugo Stinnes einen bedeutenden innerparteilichen Widersacher. Nach Stresemanns Tod (1929) driftete die DVP schnell nach rechts ab - bis hin zur Duldung und schließlich Unterstützung der rechtsdikatorischen Inhalte der völkischen Parteien DNVP und NSDAP.
Die DDP vereinigte sich 1930 nach heftigen innerparteilichen Auseinandersetzungen mit der aus der bündischen Tradition kommenden Volksnationalen Reichsvereinigung, bekannter unter dem Namen "Jungdeutscher Orden" und benannte sich um in Deutsche Staatspartei. Damit folgte sie dem nationalistischen Trend der Zeit am Ende der zunehmend krisengeschüttelten Weimarer Republik, die zu dieser Zeit im Grunde schon faktisch gescheitert war. Bedingt durch diese Entwicklung trat fast der gesamte linke Flügel aus der Partei aus, darunter auch der Pazifist und Friedensnobelpreisträger von 1927, Ludwig Quidde. Dieser linke Flügel der vormaligen DDP gründete die kurzlebige Radikaldemokratische Partei, die aber in den letzten Jahren der Republik politisch erfolglos blieb.
In der Zeit des Nationalsozialismus galt auch der Liberalismus als verfemt. Die entsprechenden Parteien wurden wie alle anderen demokratisch legitimierten Parteien verboten, wenn sie sich nicht selbst auflösten. Viele, vor allem linke Liberale wurden, wenn sie sich dem System nicht anpassten, politisch verfolgt oder sahen sich zur Emigration gezwungen.
Bis in die Gegenwart gelten unter anderen Persönlichkeiten wie Friedrich Naumann, Max Weber, Walther Rathenau, Gustav Stresemann, Hugo Preuß, Reinhold Maier, Theodor Heuss, Ludwig Quidde als Protagonisten des klassischen Liberalismus, wenn auch in sehr unterschiedlichen und letzten Endes teilweise gegensätzlichen politischen Ausprägungen.
Bundesrepublik Deutschland: Ende der 1940er Jahre bis Gegenwart
Nach dem 2. Weltkrieg vereinten sich die Vertreter des politischen Liberalismus noch vor der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wieder in einer Partei: der FDP. Sie war unter anderem mit Thomas Dehler, Erich Mende, Walter Scheel, Hans-Dietrich Genscher und Klaus Kinkel an verschiedenen Bundesregierungen sowohl in einer Koalition mit der CDU/CSU als auch mit der SPD beteiligt. Sie war dritt-, bzw. von 1994 bis 2005 viertstärkste Kraft unter den im Bundestag vertretenen Parteien. Mit Theodor Heuss stellte die FDP von 1949 bis 1959 den ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland und mit Walter Scheel von 1974 bis 1979 den vierten.
Seit den 1990er Jahren kam auch aus den eigenen Reihen (z.B. von den eher "Parteilinken" Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Burkhard Hirsch, Gerhart Baum und anderen) verstärkt die Kritik auf, dass liberale Prinzipien im Bereich der Bürgerrechte kaum noch eine Rolle spielten und wirtschaftsliberale bzw. neoliberale Werte dominierten. Leutheusser-Schnarrenberger trat 1996 aus Protest gegen den zur damaligen Zeit von ihrer Partei befürworteten „Großen Lauschangriff“ von ihrem Amt als Bundesjustizministerin in der CDU/CSU-FDP-Koalition unter Bundeskanzler Helmut Kohl zurück.
Die Versuche von Jürgen Möllemann, anlässlich der Bundestagswahl 2002 mit polarisierenden Zuspitzungen, die ihm den Vorwurf des Antisemitismus eintrugen, und damit neue Wähler vom rechten Rand der Gesellschaft für die FDP gewinnen zu wollen, trugen dazu bei, dass auch altverdiente und prominente Liberale des „linken“ Flügels der Partei, wie etwa Hildegard Hamm-Brücher, 2002 aus der FDP austraten.
Die auf dem Bundesparteitag der FDP 2005 in Köln gefassten Beschlüsse zur Bürgerrechtspolitik beinhalten u.a. die Ablehnung von Großer Lauschangriff, flächendeckender Videoüberwachung und biometrischem Reisepass.
Auf wirtschaftlichem Gebiet fordert sie eine grundlegende Steuerreform, eine Reform der Sozialversicherung, die Einführung eines Bürgergelds sowie eine Entbürokratisierung der Wirtschaft mit dem Ziel, das Wachstum zu fördern und dadurch Arbeitsplätze zu schaffen.
Nach der Bundestagswahl 2005 wurde die FDP unter ihrem Spitzenkandidaten Guido Westerwelle mit 9,8 % der Wählerstimmen bzw. 61 Mandaten nach der CDU/CSU und der SPD wieder zur drittstärksten Fraktion im 16. deutschen Bundestag gewählt.
Liberalismus in Österreich
Auch in Österreich erlebten die Liberalen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (nach 1860) einen Aufschwung und stellten eine bedeutende Fraktion im Parlament. So konnte sich langsam die Konfessionsfreiheit, Emanzipation der Juden und die Trennung von Schule und Kirche durchsetzen. Dies alles gegen die Widerstände des Kaisers und der mit ihm vebündeten konservativen Tiroler Abgeordneten.
In der Republik Österreich gibt es - mit kleinen Ausnahmen - keine eigenständige liberale Partei mehr. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sich auf Dauer keine politische Partei halten, die ausschließlich den Zielen des Liberalismus verpflichtet gewesen wäre; die wenigen Vertreter des politischen Liberalismus waren stets gezwungen, sich anderen, eigentlich nicht-liberalen und stark etatistischen Parteien anzuschließen, der ÖVP, die SPÖ oder die Grünen. 1949 formierte sich zwar der "Verband der Unabhängigen" (VdU), der einen liberalen Flügel hatte, doch stand diesem ein ungleich gewichtigerer "nationaler" Flügel gegenüber, dessen Mitglieder zumeist Altnazis waren und weiterhin ein deutsch-nationales bzw. - mehr oder weniger offen - nationalsozialistisches Gedankengut pflegten und die eigentlich liberalen Vertreter rasch marginalisierten oder aus der Partei drängten. Dasselbe gilt auch für die in "Freiheitliche Partei Österreichs" (FPÖ) umbenannte Nachfolgepartei des VdU, und zwar nicht erst, seitdem 1986 Jörg Haider, ein rechtspopulistischer Politiker aus Kärnten, Parteiobmann der FPÖ geworden war. Erst 1993 entstand als Abspaltung der FPÖ mit dem Liberalen Forum um Heide Schmidt wieder eine kleine liberale Partei. Diese konnte sich bis 1999 im österreichischen Parlament halten; bei den Wahlen 1999 und 2002 scheiterte sie jedoch an der 4-Prozent-Klausel.
Liberalismus in der Schweiz
Nach ersten Anfängen im Kanton Aargau um 1835 (siehe Aargauer Klosterstreit) setzten sich die liberalen gegen die katholischen Kantone im Sonderbundskrieg von 1847 ganz durch, und es wurde 1848 eine liberale Verfassung verabschiedet, in der es unter anderem hieß:
:Art. 4. Alle Schweizer sind vor dem Gesetze gleich. Es gibt in der Schweiz keine Untertanenverhältnisse, keine Vorrechte des Orts, der Geburt, der Familien oder Personen.
Die liberale Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) beziehungsweise ihre Vorgänger sind seit 1848 in Bundesrat (Regierung) und Bundesversammlung (Parlament) vertreten. Daneben existiert noch die heute vor allem in den protestantischen Kantonen der Westschweiz und in Basel verankerte, stark föderalistische Liberale Partei der Schweiz (LPS), die aber nie nationale Verbreitung fand.
Liberalismus in Italien
Auch in Italien hatte der Liberalismus im 19. Jahrhundert seine große Zeit und zwar unter König Viktor Emanuel II. und Camillo Cavour, der von 1852 bis 1861 als Ministerpräsident des Königreichs Piemont-Sardinien maßgeblich an der Einigung Italiens beteiligt war.
Sein liberaler Antiklerikalismus bestimmte auch die Verfassung des Königreichs Italien (1861 - 1946).
Bis zum Eintritt des konservativen Partito Popolare (Volkspartei) von Don Luigi Sturzo in die politische Landschaft 1919 stellten verschiedene liberale Parteien die Mehrheit im Parlament der italienischen Monarchie.
In der Republik Italien wurde der politische Diskurs vom Kampf zwischen konservativen Christdemokraten (DC) und der Kommunistischen Partei Italiens bestimmt. Es existierten zwar zwei (meist an der Regierung beteiligte) Liberale Parteien (PLI und PRI), die aber nie aus dem Schatten der großen DC hervortreten konnten. Aktuell spielt der Liberalismus in Italien eine eher unbedeutende Rolle, allenfalls die Radikale Partei mit der ehemaligen EU-Kommissarin Emma Bonino konnte gewisse Achtungserfolge erzielen, z.B. bei der Europawahl 1999. Auch Vittorio Sgarbi, vom konservativen Haus der Freiheiten hat eine Liberale Partei gegründet, die mit dem PRI zusammenarbeitet. Die PRI, die Radikalen und zwei weitere Parteien gehören der ELDR an und ihre Abgeordneten sind Mitglieder der ALDE. In der Liberalen Internationale ist die [http://www.liberali.it Federazione dei Liberali] als Beobachter vertreten.
Kritik
Die reine Form des wirtschaftlichen Liberalismus wird das Laissez-faire, auch Manchesterliberalismus genannt. Unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise stellte John Maynard Keynes ( - 1883, †1946) vor allem dieses wirtschaftliche Laissez-faire infrage. Er war der Meinung, dass der Staat bei konjunkturellen Einbrüchen aktiv eingreifen muss, um fehlende private Nachfrage durch staatliche Nachfrage zu ersetzen. Andere sehen hierin eine schädigenden Marktverzerrung zugunsten der Unternehmen, die von der staatlichen Nachfrage profitieren und führt auch ohne Kreditfinanzierung zu zukünftigen finanziellen Steuerbelastungen kleiner Unternehmen.
An der naturrechtlichen Herleitung des Privateigentums entzündet sich eine Kritik, die diesen Naturbegriff des Naturzustands hinterfragt. Ein solcher Zustand erweise sich bei näherer Betrachtung als Fiktion, da einerseits beispielsweise Boden schon immer irgendwann von jemandem bearbeitet wurde, also demnach Eigentum wäre, andererseits aber auch verwildern und verwittern kann, und somit in einen Naturzustand zurückkehren könne, der die eigentumsrechlichen Effekte der Bearbeitung wieder aufhebt. In der Praxis ergebe sich aus so einer naturrechtlichen Herleitung des Eigentumsrechts immer, dass derjenige, der im Besitz von etwas ist, dies auch bleiben soll, ohne weiteres Hinterfragen der konkreten gesellschaftlichen Verhältnisse. In Konsequenz aus dieser Kritik verpflichtet Eigentum nach dem deutschen Grundgesetz zur Beachtung des Gemeinwohls.
Einen scharfen Feind fand der politische Liberalismus im Nationalsozialismus.
Auch Karl Marx formulierte seine Schrift Das Kapital als Kritik der politischen Ökonomie des Liberalismus.
Heute wird der Liberalismus auch vom Kommunitarismus kritisiert, bzw. ergänzt.
Bedeutende Liberale
Siehe auch
- Anarchismus
- Badischer Liberalismus
- Considerations on Representative Government
- Libertarismus
- Linksliberalismus
- Manchesterliberalismus
- Nationalliberalismus
- Neoliberalismus
- Technoliberalismus
- Liberale Theologie
Literatur
Klassiker
- John Locke: Über die Regierung ISBN 315009691X
- John Stuart Mill: Über die Freiheit ISBN 3150034914
- Montesquieu: Vom Geist der Gesetze ISBN 3150089530
- Adam Smith: Der Wohlstand der Nationen; ISBN 342330149-X
Moderne
- Wolfgang Fach: Die Regierung der Freiheit; Frankfurt a.M., Edition Suhrkamp, 2003; ISBN 351812334-3
- Milton Friedman: Kapitalismus und Freiheit ISBN 349223962-5
- Friedrich von Hayek, Die Verfassung der Freiheit ISBN 316145844-3
- Dieter Langewiesche, Liberalismus in Deutschland, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1988
- Ludwig von Mises: Liberalismus ISBN 3896654281
- Karl Popper, Die Offene Gesellschaft und ihre Feinde ISBN 3161459512 (Band1) ISBN 3825217256 (Band 2)
Weblinks
- [http://www.liberale.at/ Liberales Forum Österreich]
- [http://www.liberal.ch Liberale Partei der Schweiz]
- [http://www.liberale.de FDP Deutschland]
- [http://www.liberalismus.at Info | | |