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Mozaraber

Mozaraber

Mozaraber (von arabisch: mustar`rib „arabisiert“); Bezeichnung für Christen unter der muslimischer Herrschaft in Andalusien Als Mozaraber wurden Christen bezeichnet, die nach dem Zusammenbruch des Westgotenreichs unter muslimische Herrschaft gekommen waren und sich in der äußeren Lebensform den Muslimen anpassten. Sie mussten Kopfsteuer bezahlen, lebten aber in eigenen Wohnvierteln mit eigener Rechtsprechung und Verwaltung. Die Arabisierung der Christen erfolgte vor allem in den Städten, wo viele Christen auch in der Verwaltung und den Finanzbehörden der Umayyaden tätig waren. Nur zeitweise kam es zu religiösen Spannungen, so im 9. Jahrhundert als es unter Muhammad I. auf Betreiben der Asketen Perfectus, Eulogius und Isaak zu religiösen Exzessen in Córdoba kam. Zwischen 851 und 859 wurde von Christen mehrmals der Islam und der Prophet Muhammad geschmäht und beleidigt, um mit dem zu erwartenden Todesurteil das Martyrium zu erleiden. Erst nachdem eine Synode das mutwillige Martyrium verdammte, flauten die Spannungen wieder ab. Mit der zunehmenden Orientalisierung Andalusiens nahm aber seit dem 10. Jahrhundert die Abwanderung der Mozaraber in die christlichen Reiche des Nordens zu. Diese wurde im 12. Jahrhundert noch verstärkt, als die Almoraviden und Almohaden auf die Mozaraber zunehmend Druck ausübten, um den Übertritt zum Islam zu erreichen. Auch wurden Teile der Mozaraber nach Marokko umgesiedelt um den christlichen Eroberern nahestehende Bevölkerungsgruppen zu entziehen. Durch die eingewanderten Mozaraber wurden in den christlichen Königreichen die Verbindung zwischen lateinisch-christlicher sowie muslimisch-arabischer Kultur hergestellt. Dabei übten die Mozaraber erheblichen Einfluss auf die Volksdichtung in Nordspanien und Südfrankreich aus. Des Weiteren führten die Mozaraber neue Techniken in die Architektur ein, so im Gewölbe- und Bogenbau, z.B. den Hufeisenbogen.

mozarabisch

Mit mozarabisch bezeichnet man den mit islamischen Formelementen durchsetzten Stil christlicher Künstler, wie man ihn häufig in Südspanien findet.

Mozarabische Sprache

Die von den Mozarabern gesprochenen Dialekte des Vulgärlateins werden als mozarabische Sprache bezeichnet.

Literatur


- Lexikon der Arabischen Welt; Stephan und Nandy Ronart, Artemis Verlag, 1972, ISBN 3760801382 Kategorie:Christentumsgeschichte Kategorie:Geschichte des Islam

Westgoten

Goten#Westgoten

9. Jahrhundert

Das 9. Jahrhundert begann am 1. Januar 801 und endete am 31. Dezember 900.
In Europa ist es die Epoche des Frühmittelalters.

Zeitalter/Epoche

Ereignisse/Entwicklungen


- Besiedlung der Färöer durch Spelleraner
- Beginn des historischen Khmer-Reiches in Angkor (Kambodscha) durch Vereinigung zuvor eigenständiger Königreiche
- In Japan beginnt 858 die Herrschaft der Familie Fujiwara die das Kaiserhaus kontrolliert und somit zur tatsächlichen Regierung wird.
- Durch den Bau der Hammaburg wird die Stadt Hamburg begründet.
- Nach 884: Gründung der Theelacht zu Norden (Niedersachsen) - die wohl älteste und heute noch blühende Genossenschaft
- Die Wikinger fallen in der zweiten Hälfte des 9.Jh in Frankreich ein
- Einweihung des ersten buddhistischen Klosters Samye in Tibet durch den tantrischen Meister Padmasambhava im Jahr 814

Persönlichkeiten


- Karl der Große, fränkischer Kaiser
- Photius der Große, byzantinischer Patriarch
- Nikolaus I., römisch-katholischer Papst

Erfindungen und Entdeckungen


- Entdeckung Islands durch Gardar Svavarsson (um 875)
- Erste Windmühle um 900 01-09 ! ja:9世紀 ko:9세기

Asket

Askese (griech.: ασκεσις askesis von ασκεω askeo = üben, sich befleißigen) ist der Verzicht (Abstinenz) auf Genuss, häufig verbunden mit Konzentration auf bestimmte geistliche Übungen, die dem Erlangen eines als höherwertig/innerlich befriedigender erachteten, normalerweise religiösen, Zieles dienen. Askese basiert grundsätzlich auf einer freien Entscheidung und ist eine bewusste und besondere Leistung - ein Asket verzichtet, aber er dürfte, wenn er wollte.

Abgrenzung des Begriffs

Askese ist nicht der Verzicht auf von der Allgemeinheit als überflüssig Entlarvtes, sondern beinhaltet immer den Verzicht auf etwas, das vom sozialen Umfeld als angemessen angesehen wird. Ebenso ist der Verzicht auf Dinge, die in der entsprechenden Kultur als unrein oder unerlaubt gelten oder nicht vorhanden sind, keine Askese -- Beispiele wären Schweinefleisch in Israel, Alkohol in Saudi-Arabien.

Arten von Askese

Askese wird verstanden hinsichtlich #des eigenen Körpers ##Nahrungsaskese ##sexuelle Enthaltsamkeit oder Zölibat ##Vernachlässigung der Körperpflege, (kein Waschen etc.) ##Verzicht auf körperliche Bedürfnisse (Schlaf, Wärme) #der äußeren Lebensgrundlagen (Verzicht auf Eigentum) #der eigenen Persönlichkeit (eigenes Aufgehen in einer Gemeinschaft und/oder einer übergeordneten Wesenheit, z.B. Gott) ##Kommunikationsverzicht (Schweigegebot) ##Isolation (Klausur, Einzelzelle) ##Heimatlosigkeit (Wanderprediger, Bettelmönche) ##Gebundenheit (Gehorsam, Mobilitätsverzicht)

Gründe für Askese

Askese kann ein Zweck als solcher, kann aber auch mit einem konkreten Ziel verbunden sein, wie beispielsweise Fasten, um geistige Klarheit für eine wichtige Entscheidung zu gewinnen, oder Fasten für ein politisches Ziel (Hakim Ourghi). Ebenso gibt es Askese aus Solidarität mit Notleidenden, z.B. Verzicht in der Fastenzeit, wobei das gesparte Geld an Brot für die Welt o.ä. gespendet wird. Askese ist oft mit einer grundsätzlich negativen Sicht auf die Welt so wie sie ist und die eigene Person so wie sie ist verbunden. Ein solcher Asket beabsichtigt, sich durch seine asketischen Übungen zu bessern und von den Unvollkommenheiten der Welt zu lösen; und in manchen Religionen - sich schließlich ganz davon zu erlösen. Andererseits gibt es auch Askese, die der Lebensfreude und dem Genuss zu anderen Zeiten nicht negativ gegenübersteht: in diesem Fall ist die Absicht hinter der Askese, von diesem Genuss nicht abhängig zu werden oder den Genuss nicht zur Selbstverständlichkeit werden zu lassen. Die Mystikerin Theresa von Ávila hat das verdeutlicht mit "Wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn, wenn Fasten, dann Fasten". Um Askeseübungen für ganze Gesellschaften möglich zu machen, gestalten zahlreiche Weltreligionen eine Reihe periodischer Askeseformen, wobei bestimmte Zeitabschnitte als Buß- oder Trauerzeiten begangen werden.

Geschichte

Eine Reihe religiös-ethischer Systeme standen der Askese fremd gegenüber, z.B. manche Naturreligionen (siehe dazu besonders: Initiation), Zoroastrismus oder Konfuzianismus.

Askese in Asien

Das vermutlich älteste durch Askese geprägte System ist der Hinduismus. Bereits die Indus-Kultur kannte Asketen. Sie treten auf als Yogis, Sadhus oder Sannyasins, wobei der Tantrismus das entsprechende System mit Shiva an der Spitze dafür schuf. Der Jainismus basiert auf einer Fastentradition, die in Gandhi einen Höhepunkt fand. Auch der Buddhismus versteht sich in seiner Vergangenheit und Gegenwart als Bewegung der Askese, wie am Leben Buddhas und der von ihm gegründeten Mönchsgemeinschaften abzusehen ist. Von nur einer Mahlzeit am Tag über das Schlafen in sitzender Stellung unter freiem Himmel bis zu den Selbstverbrennungen von Mönchen während des Vietnamkrieges reichen die asketischen Lebensäußerungen. Allerdings lehnt der Buddhismus extreme Askeseformen im Normalfall ab. Er fordert keine Askese im Sinne einer entsagenden oder bußfertigen Lebenshaltung, sondern eine pragmatische Haltung der Mitte, die alle Extreme (Selbstkasteiung oder Zügellosigkeit) meidet.

Griechische und römische Antike

Der Begriff Askese bedeutet ursprünglich Übung oder Training und bezog sich auf das Exerzieren der griechischen Soldaten bzw. die Lebensweise der Athleten. Die Lebensweise der Kyniker führte wohl bestimmte asketische Züge auf (Triebbeherrschung, Armut und Heimatlosigkeit), da sie darin aber einen unmittelbaren Lustgewinn sowie eine Zerstörung etablierter Strukturen sahen, wird diese nicht zur Askese gezählt. Ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. finden sich deutlich mit dem Verzicht und Weltverneinung einhergehende Züge, die mit der Gnosis und dem Neuplatonismus einhergehen. Die in die Extreme gehende Gnosis gebietet ihren Anhängern entweder radikale Enthaltsamkeit oder weitestgehende sexuelle Freizügigkeit. Die Stoa wertet die zeitlichen Güter ab; der griechische und römische Kult begreift Fasten und sexuelle Enthaltsamkeit als einen Bestandteil des Ritus, um auf die Götter einwirken zu können. (siehe: Mysterien von Eleusis) Der Manichäismus, als ein auf der Dualität von Licht und Finsternis basierendes System, funktionalisiert die Askese zur Erreichung vollkommener Absage an die Welt. Manis drei Siegel erstrecken sich auf das Siegel #des Mundes: Verzicht auf Fleisch, Fisch, Wein und Alkohol #der Hände: Verzicht auf Arbeit #des Leibes: Verzicht auf Fortpflanzung

Askese im Judentum

Das Judentum, eine grundsätzlich eher weltbejahende Religion weist bestimmte asketische Züge auf, insbesondere bezüglich des Studiums der Heiligen Schrift. Am Versöhnungstag (Jom Kippur) wird auf Essen und Trinken verzichtet. Fasten kommt auch als geistliche Vorbereitung vor oder um Gott zu zeigen, dass man es in einer Sache ernst meint. Nasiräer waren diejenigen, die ihr natürliches Leben (z.B. Genuss von Wein, Schneiden des Haars) zugunsten des Torastudiums zurückstellten, während ihres ganzen Lebens oder während einer bestimmten Zeit. Im Alten Testament war der Verzicht auf einen festen Wohnsitz bekannt (siehe Rekabiter).

Askese im Islam

Die islamische Lebensweise versteht sich in bestimmten Zügen als asketische Lebensweise. Askese entspricht wörtlich der Grundbedeutung des arabischen Begriffs Dschihad (Heiliger Krieg, eigtl.: "Bemühung"). Dem Begriff kleiner Dschihad, der die eigentliche Kampfhandlung meint, wird dabei von den Sufis auf den großen Dschihad übertragen, der den Kampf gegen die eigenen niederen Triebe zum Inhalt hat (siehe auch: nafs), um den weltlichen (dunya = "Welt") Verlockungen zu wiederstehen. Besonders traten in der muslimischen Askese Gruppierungen hervor, wie die verschiedenen Sufiorden (Tariqas), deren Anhänger als Derwische oder Fakire bezeichnet werden. Die Sufis suchen durch Askese und tägliche regelmäßige Meditation (dhikr, das bedeutet Gedenken, also Gedenken an Gott, bzw. Dhikrullah) und kriegerischer Tätigkeit, also Dschihad, Gott nahe zu kommen oder mit Gott schon im irdischen Leben eins zu werden. Sie verfolgen dabei den Grundsatz zu sterben bevor man stirbt.

Askese im Christentum

Das Christentum kennt die Askese wohl; es gibt eine christliche Askese. Das Christentum ist jedoch keine asketische Religion etwa im Sinne des Hinduismus. Es hat eine Vielzahl asketischer Traditionen aufgenommen, geprägt und ausgebaut. Andererseits weist es eine Reihe askesekritischer Züge auf.

Bibel

Der bekannteste Asket im Neuen Testament ist Johannes der Täufer mit seiner Gruppe, der den Verzicht auf Eigentum, Wohnsitz etc. praktizierte und gebot. Die Essener waren eine Gruppe frommer Juden, die in asketischer Gemeinschaft lebten und auf persönlichen Besitz verzichteten.
Jesus fastete zeitweilig selbst, erließ aber kein allgemeines Gebot zur Askese. Manche sagen ihm im Gegenteil ein durchaus sinnenfrohes Leben nach. Zudem zeigte er eine deutliche Kritik an asketischen Praktiken, sofern sie veräußerlicht waren.
Andererseits befindet sich ein christliches Leben vollständig unter Gottes Herrschaft, und stellt infolgedessen - asketisch - anderes als zweitrangig zurück.
Direkte Anleitungen zu einem Leben mit asketischen Zügen ergehen an den engeren Kreis der Nachfolger Christi. Dazu zählt der Eigentumsverzicht, sexueller Verzicht und Verzicht auf eigenen Willen - diese Punkte gelten nicht als bindende Gebote, sondern, insbesondere in der katholischen Kirche, als evangelische Räte (Armut, Keuschheit, und Gehorsam) die nicht heilsnotwendig sind, aber förderlich zu einem gottgefälligen Leben. Diese evangelischen Räte sind ein wesentlicher Teil der Ordensgelübde. Der Empfehlung von Keuschheit in Mt. 19, 12 bis zur Selbstkastration bzw. dem Abschneiden der eigenen Brüste wurde in bestimmten Fällen wörtlich Folge geleistet, z. B. von Origenes, der gnostischen Sekte der Enkratiten oder den Skopzen im Russland des 19. Jahrhunderts. In allen Haupttraditionen des Christentums wird der Vers jedoch dahin ausgelegt, dass es sich um eine Empfehlung zur Keuschheit als Willensentscheid handelt.

Frühe Kirchengeschichte

Tertullian entfaltete systematische Anweisungen für ein asketisches Leben von Christen, wobei hauptsächlich auf der Ehelosigkeit ein Schwergewicht lag. Origenes prägte diesen Weg von der vita activa zur vita contemplativa weiter aus. Wahre, auf Grundlage der Askese bewirkte, Gottesschau sei nur bestimmten Erwählten möglich. Am Ende des dritten Jahrhunderts entwickelte sich von Ägypten ausgehend ein monastisches Einsiedlertum, dessen berühmtester Vertreter der heilige Antonius (Antonius der Große) war. Siehe auch: Styliten, Eremiten, Anachoreten). Im vierten Jahrhundert fasste zuerst Pachomios mit Hilfe der ersten christlichen Mönchsregel, der so genannten "Engelsregel" diese Einsiedler in Gemeinschaften zusammen, aus denen die ersten christlichen Klöster entstanden. Unabhängig von Ägypten entwickelten sich in Syrien die Gemeinschaften der Bundessöhne und der Messalianer. Basilius von Caesarea verfasste in Anlehnung an Pachomios und Makarius/Symeon eine Mönchsregel, deren asketische Anordnungen neben dem Genussverzicht körperliche Arbeit und intensives Bibelstudium umfassten und die bis heute die Mönchsregel der orthodoxen Kirchen ist. Basilius predigte Verzicht auf Eigentum und Sicherheit zugunsten Notleidender, praktizierte aber auch Fasten (einschließlich ständigem Verzicht auf Fleisch) und nächtliches Gebet mit Schlafverzicht. Benedikt von Nursia verfasste aufgrund der Regel von Basilius seine eigene Mönchsregel, die bis heute in einigen westlichen Orden bestimmend ist. Für die irischen Mönche war die Peregrinatio (Heimatlosigkeit) ein wesentlicher Faktor ihrer Askese, der die gesamte Geschichte von Europa beeinflusste: viele europäische Länder wurden durch irische Wandermönche christianisiert.

Katholische Kirche

Als Tugendmittel, durch deren Gebrauch die Askese die Erlangung der religiösen und sittlichen Vollkommenheit anstrebt, gelten in der katholischen Kirche:
- die Andacht, die Meditation und Kontemplation umfasst, und der sich als Hilfsmittel die asketische oder Erbauungsliteratur bietet, ebenso die religiöse Kunst
- das Bibelstudium
- das Gebet, teils als freies, teils als Formulargebet
- der gemeinschaftliche Gottesdienst, Erbauungsstunden und Konventikel
- die Sakramente. Als die Verzichtgebote in den Klöstern gelockert werden, entstehen im Mittelalter neue asketische Bewegungen innerhalb der Kirche und der Orden (z. B. die Zisterzienser). Franz von Assisi muss sich für seine in kirchlichen Augen provokativ anmutende asketische Bewegung in Solidarität mit den Armen eine kirchliche Billigung regelrecht erstreiten (Franziskaner etc.)
Aber auch außerhalb der Kirche erblüht asketisches Leben in häretischen Bewegungen (Katharer, Waldenser etc.).
Im Mittelalter erfährt zudem die Askese ein Steigerung hin zur bewussten Peinigung des eigenen Leibes. (Geißler) Im Zuge der Gegenreformation entwarf Ignatius von Loyola auf katholischer Seite die Exerzitien der Jesuiten, ein dreißigtägiges Programm mit intensiven geistlichen Übungen verbunden mit strengen asketischen Regeln. Während vom Mittelalter an bis weit ins 20. Jahrhundert hinein in der katholischen Kirche der freitägliche Verzicht auf Fleisch Kirchengebot war, gilt das heute nur noch für die Freitage in der Passionszeit.

Orthodoxe Kirchen

Die orthodoxen Kirchen haben bis heute eine ausgeprägte asketische Tradition mit vier mehrwöchigen Fastenzeiten im Kirchenjahr für alle Gläubigen (Passionszeit, Apostel-Fasten, Dormition, Advent). Das orthodoxe Fasten ist um einiges strenger als das westliche; die meiste Zeit sind sämtliche tierischen Produkte, Wein und Öl verboten, und es ist immer mit intensivem Gebet verbunden. Im Gegensatz z.B. zum Katholizismus, sieht die orthodoxe Kirche in der Askese keine Bußübung für Sünden. Durch asketischen Übungen setzt der Mensch seine Prioritäten anders als im normalen irdischen Leben und wird frei für geistliche Gemeinschaft mit Gott.

Lutherische Kirche

Die lutherische Reformation verwarf programmatisch das katholische Ideal der Askese, da sie damit einen Rückfall in die Gesetzlichkeit des Glaubens verbunden sah. :"Das Fleisch, seine grobe, böse Lust, müssen wir mit Fasten, Wachen, Arbeiten tödten und stillen... Es sind viel blinde Menschen, die ihr Casteien... allein darum üben, daß sie meinen, es seien gute Werke, daß sie damit viel verdienen... Darum lasse ichs geschehen, daß ihm ein Jeglicher erwähle, Tage, Speise, Menge zu fasten, wie er will, so fern, daß ers nicht da lasse bleiben, sondern habe Achtung auf sein Fleisch; wie viel das selbige geil und muthwillig ist, soviel lege er Fasten, Wachen und Arbeit darauf und nicht mehr, es habe es geboten Papst, Kirche, Bischöfe, Beichtiger oder wer da will..." (Martin Luther)

Reformierte Kirchen

Die Schweizer Reformierten im zwinglianischen Zürich und der Calvinismus praktizierten von Anfang an einen in gewissen Zügen asketischen disziplinierten Lebensstil mit Verzicht auf weltlichen Luxus, aber ohne Weltflucht. Dieser Lebensstil wurde auch von anderen Gruppen in calvinistischer Tradition aufgenommen, z.B. von den Puritanern.

Pietismus

Bestimmte Bewegungen innerhalb des Protestantismus haben eine religiös motivierte Wiederbelebung weltverneinender Züge in ihre Programme aufgenommen, z.B. der Pietismus: ::Wir entsagen willig ::Allen Eitelkeiten, ::Aller Erdenlust und Freuden. (Gerhard Tersteegen) Diese Lebenshaltung war nicht durch strenges Fasten oder Zölibat bestimmt, sondern durch strikten Verzicht auf weltliche Vergnügungen wie Musik und Tanz -- sogar Lachen konnte als unangebracht angesehen werden. Bei den Methodisten war zur Zeit ihres Gründers John Wesley zweimal wöchentliches Fasten für Prediger obligatorisch, für andere empfohlen.

Christentum heute

Während es, abgesehen von der orthodoxen Kirche, kaum mehr kirchlich verordnete Askese gibt, sind Fasten und Verzicht in den letzten Jahrzehnten insbesondere von charismatischen Kreisen wieder entdeckt worden. Insbesondere in der Fastenzeit gibt es zahlreiche Aktionen, die von ein- oder mehrwöchigem vollständigem Nahrungsverzicht bis zu zeitweiliger Fernseh- oder Kaugummiabstinenz reichen. Ziel dabei ist: mehr Freiraum für geistliche Aktivitäten (Gebet, Bibelstudium, Meditation) und innere Freiheit gegenüber Konsumgewohnheiten.

"Moderne" Askese

Max Weber hat den Begriff der Askese umgedeutet. Sie sei als "innerweltliche Askese" durch den Geist des Protestantismus in die Moderne eingezogen, um die menschliche Kultur auf nachhaltige Weise äußerlich zu prägen und zu verändern, wie kein Lebensentwurf zuvor. So wurde unternehmerischer Erfolg im reformiert-puritanischen Kapitalismus als Belohnung für Verzicht und Entsagung aufgefasst. Askese und Religion gingen und gehen miteinander einher, wobei sie sich offenkundig zunehmend verselbständigen und auch voneinander lösten. Demgemäß kann eine Vielzahl heutiger auf Verzicht basierender Lebensentwürfe nur in bestimmter Hinsicht als asketisch verstanden werden, da sie (wie modisches Schlank- und Heilfasten, oder Vegetarismus) den religiösen bzw. weltabgewandten Idealen der Askese teilweise oder vollständig zuwiderlaufen. Die "Geiz ist geil"-Werbekampagne erreicht durch die jonglierende Vermischung von asketischem Gedankengut mit Elementen des Hedonismus einen absurden Höhepunkt, und bricht in der Konsequenz dem asketischen Grundanliegen die Spitze ab. Neuerdings tritt asketisches Gedankengut als Konsumkritik -und -verzicht in Gestalt der Lieder von Judith Holofernes (Wir sind Helden) auf die Bühne der Popkultur: ::Tausche blödes altes Leben gegen neue Version ::Ich hatte es kaum zu Hause ausprobiert, da wusste ich schon: ::An dem Produkt ist was kaputt, das ist die Reklamation.

Weblinks


- [http://medi-report.de/nachrichten/2000/07/20000707-01.htm Askese aus medizinischer Sicht]
- [http://www.stjosef.at/morallexikon/askese.htm Askese (Lexikon der christlichen Moral)] Kategorie:Religion Kategorie:Wertvorstellung

851

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Erste Erwähnung des Wittener Stadtteil Herbede.
- Erste schriftliche Erwähnung des Ortes Wallonhurst, dem heutigen Wallenhorst, in der Schrift De miraculis sancti Alexandri

Geboren


-

Gestorben


- ko:851년

859

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Erste urkundliche Erwähnung von Uthweiler
- Gründung von Königswinter
- Gründung von Nowgorod

Geboren


-

Gestorben


- ko:859년

Islam

Der Islam ( islām Hingabe an Gott; al-islām der Islam) ist mit ca. 1,2 Milliarden Anhängern nach dem Christentum (ca. 2,0 Milliarden Anhänger) die zweitgrößte Religion der Welt. Seine Anhänger werden als Muslime oder (deutlich seltener und veraltet) als Mohammedaner bezeichnet; letzteres stößt indes als Fremdbezeichnung unter den meisten Muslimen auf Ablehnung, da die Muslime nicht - wie das Wort suggeriert - Mohammed, sondern einzig den einen Gott anbeten. Vor allem in älterer Literatur werden Muslime häufig mit der persischen Variante des arabischen Wortes als Moslems bezeichnet. Der Islam ist eine monotheistische Religion, die sich streng vom Polytheismus und auch von der christlichen Vorstellung von Inkarnation und Trinität abgrenzt. Er gründet sich auf den Koran, der für Muslime das unverfälschte Wort Gottes ist. Zweite Erkenntnisquelle sind die Worte und Handlungen (Sunna) des Propheten Mohammed.

Die Entstehung des Islam

Mohammed]] Der Religionsstifter Mohammed (: der Vielgelobte) wurde um 570 als Sohn eines Händlers in Mekka im heutigen Saudi-Arabien geboren. Nach der Überlieferung soll ihm 610 der Erzengel Gabriel erschienen sein, und ihm die ersten Verse (Ayāt) des Korans übermittelt haben. Im Verlauf der folgenden 23 Jahre soll ihm dann Vers für Vers davon offenbart worden sein. Der Islam begreift sich als Fortsetzung göttlicher Offenbarung. Deshalb sehen sich Muslime in der Kontinuität von Judentum und dem Christentum. Mohammed wird deshalb auch als das „Siegel der Propheten“ bezeichnet. In diesem Sinne werden im Islam auch alle vorher von Gott gesandten Propheten, die in der Bibel genannt werden, als eigene Propheten verstanden. Es gibt aber Abweichungen: So ist nach islamischem Glauben Jesus ein Prophet, der jedoch weder am Kreuz starb noch auferstand. Einige Personen, die im Juden- bzw. Christentum nicht als Propheten gesehen werden, werden im Islam als solche verehrt, zum Beispiel Adam.

Grundlagen des Islam

Die fünf Säulen

Die Grundsätze des Islam, die fünf Säulen, die zu erfüllen jeder Muslim verpflichtet ist, sind:
- Das Glaubensbekenntnis Schahada (): Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer (dem einzigen) Gott und Mohammed ist der Gesandte Gottes. (s.o.) Die Schiiten fügen in der Regel noch den Satz hinzu: und Ali ist der Freund Gottes. Gemeint ist hier Ali ibn Abi Talib. Im Sufismus (islamische Mystik) wird der erste Teil der Schahada auch interpretiert mit: Ich bekenne, dass es nichts außer Gott gibt bzw. Es gibt nichts. Es gibt nur den Einen (die Einheit). Das Aussprechen der Schahada in ehrlicher Absicht (niya) reicht aus, um Muslim zu werden. Sie ist auch das erste, was einem Neugeborenem ins Ohr geflüstert wird, und der letzte Gruß an einen Sterbenden. In der heutigen islamischen Kultur, verliert ein Moslem, der den Islam verläßt, häufig seine familiären und gesellschaftlichen Bindungen, seine Rechte und Erbansprüche. In der Rechtstheorie, in einigen Ländern auch in der Rechtspraxis, wird das Abfallen vom Islam mit dem Tode bestraft.(Siehe: ridda)
- Das Gebet Salat () ist religiöse Pflicht. Es wird zu festgelegten Zeiten verrichtet, zu denen der Muezzin ruft: in der Morgendämmerung, mittags, nachmittags, abends und nach Einbruch der Nacht. Zuvor erfolgt die rituelle Reinigung (arabisch: "wudu'" ;persisch: "âbdast") mit reinem Wasser. Sollte dieses nicht in ausreichender Menge zu Verfügung stehen oder als Trinkreserve benötigt werden, wird symbolisch Sand oder Staub verwendet (tayammum). Das Zusammenlegen oder Nachholen von Gebeten ist unter bestimmten Bedingungen gestattet, z. B. auf Reisen. Am Freitag muss das Mittagsgebet (Freitagsgebet) in der Gemeinschaft (das Gebet in der Moschee ist nicht Pflicht, zwingend ist für das Freitagsgebet die Gemeinschaft) stattfinden, dann (oder davor) wird auch gepredigt (Khutba). Viele Muslime beten aber auch sonst möglichst in der Moschee. Die Teilnahme am Freitagsgebet ist Pflicht für alle männlichen erwachsenen Muslime.
- Die Almosensteuer Zakat (). Die Erträge werden für Bedürftige, Kranke, Befreiung Gefangener, den Dschihad oder zum Aufbau religiöser Schulen verwendet. Die Höhe variiert je nach Einkunftsart (Handel, Viehzucht, Anbau) zwischen 2,5-10% ebenso wie die Besteuerungsgrundlage (Einkommen oder Gesamtvermögen). Zakat stellt eine der drei nach islamischem Recht erlaubten Steuerformen dar; die anderen beiden sind die Grundsteuer (Charadsch) und die Kopfsteuer (Dschizya), die von Nichtmuslimen in islamischen Gesellschaften als Gegenleistung für ihre Duldung (siehe: Dhimmi) verlangt wird. Die Zakat ist eine fromme Handlung und religiöse Pflicht des Muslims und kann somit nur Muslimen zu Gute kommen.
- Das Fasten Saum (). Im Monat Ramadan, der sich jedes Jahr um 10 Tage verschiebt, wird von Beginn der Morgendämmerung - wenn man einen „weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden“ kann (Koran 2:187) - bis zum vollendeten Sonnenuntergang gefastet, nichts gegessen, nichts getrunken, nicht geraucht, kein ehelicher Verkehr und manche andere Enthaltsamkeit im Verhalten geübt. Das Fasten wird nicht aus gesundheitlichen Gründen befolgt, sondern um Gottes Befehl während des Tages zu genügen. Insofern ist das oft praktizierte ausgiebige Fastenbrechen bei Nacht zwar nicht unbedingt ideal, verletzt jedoch auch nicht die religiöse Pflicht. Oft bricht man das Fasten mit einer Dattel und einem Glas Milch, nach Vorbild des Propheten. Der Fastenmonat wird mit dem Fest des Fastenbrechens ('Īd al-fitr) beendet.
- Die Pilgerfahrt Haddsch (). Einmal in seinem Leben soll der Muslim die Pilgerfahrt nach Mekka antreten. Sie findet im letzten Mondmonat statt, und wird dann zur Pflicht für ihn, wenn er dazu in der Lage ist. Entscheidend dafür ob die Pilgerfahrt zur Pflicht wird, sind unter anderem seine finanziellen und gesundheitlichen Lebensumstände.Die Einschränkung der ritualrechtlichten Pflicht der Pilgerfahrt ist in Sure 3, Vers 97 begründet: :::"...und die Menschen sind Gott gegenüber verpflichtet, die Wallfahrt nach dem Haus (d.i. die Kaaba von Mekka) zu machen - soweit sie dazu eine Möglichkeit finden ". Die Interpretation des hier verwendeten Ausdruckes "Möglichkeit finden" erfolgt in einem Prophetenspruch (Hadith), dessen Isnad allerdings als "schwach" eingestuft ist. Demnach ist der Besitz von Reiseproviant und Reittier (arabisch: al-zâd wa-'l-râhila) die Grundvoraussetzung für die Erfüllung dieser rituellen Pflicht. Die Pilger müssen nach ihrer Ankunft in Mekka u.a. die Kaaba sieben Mal umkreisen, auf dem Hügel Arafat verweilen, zwischen den beiden Hügeln Safa und Marwa laufen - damit vollziehen sie den Durst von Hagar und Ismael auf der Suche nach Wasser in der Wüste nach (vgl. 1. Mose 21, 9-21) -, Opferschafe schlachten und den Satan rituell steinigen.

Glaubensgrundsätze

Im Islam gibt es sechs Glaubensartikel, nämlich den Glauben an:
- Gott (Allah)
- seine Engel
- seine Offenbarung (heilige Bücher: Tora, die Evangelien, den Koran etc.)
- seine Gesandten, die Propheten Gottes: darunter Adam, Abraham, Moses, Jesus und zuletzt Mohammed
- den Tag des jüngsten Gerichts und das Leben nach dem Tod: Der Mensch werde eines Tages für seine Taten zur Verantwortung gezogen und mit dem Höllenfeuer bestraft bzw. mit dem Paradies belohnt
- die göttliche Vorsehung. Erwähnt werden diese Glaubensartikel sowohl im Koran (z.B. in an-Nisā'(4):136: :::Ihr Gläubigen! Glaubt an Gott und seinen Gesandten und die Schrift, die er auf seinen Gesandten herabgeschickt hat, und an die Schrift, die er schon (früher) herabgeschickt hat! Wer an Gott, seine Engel, seine Schriften, seine Gesandten und den jüngsten Tag nicht glaubt, ist (damit vom rechten Weg) weit abgeirrt. Auch in Hadithen wie folgendem Ausspruch des Mohammed heißt es: :::Der Glaube besteht darin, dass du an Gott glaubst und an seine Engel, an seine Bücher, an seine Propheten und an den Jüngsten Tag, sowie an die göttliche Vorsehung des Guten und des Bösen. Die genaue Liste der Glaubensartikel varriiert leicht zwischen den Rechtsschulen und gelegentlich sogar zwischen einzelnen Gelehrten. Das Glaubenskonzept der Schia ist praktisch identisch und wird nur durch einige Punkte erweitert, die z.B. die Verehrung der Imame betreffen. Lediglich die Ismaeliten weichen durch ihre monistischen Vorstellungen vom Wesen der Engel und des Prophetentums deutlicher davon ab. Nach muslimischem Verständnis sandte Allah den Koran durch den Erzengel Gabriel als „göttliches Zeichen“ an Mohammed, zur Verkündigung an die Menschen. Die „göttlichen Zeichen“ seien für jeden Menschen erkennbar, sofern er „vernünftig“ überlege. Um den Koran zu verstehen, müsse der Mensch sich von seinen „schlechten Eigenschaften“ und seinen „falschen Ideen“ befreien, damit sein Geist sich durchsetze. Dies erreiche man durch ständige Selbstüberwindung und den Kampf gegen die Ungerechtigkeit in der Welt. Die Menschen sollten „Stellvertreter Allahs auf Erden“ sein, indem sie verantwortlich handelten und für Gerechtigkeit einträten. Der Islam ist eine ausgeprägt monotheistische Religion. Die christliche Vorstellung der Dreifaltigkeit wird missverstanden und daher ausdrücklich als im Ansatz polytheistisch abgelehnt, ebenso jede Personifizierung oder gar bildliche Darstellung Gottes. Gott wird durch seine 99 wundervollen Namen beschrieben, die nur ihm alleine zustehen. Die Menschen können über Gott nur wissen, was er ihnen selbst in seiner Gnade offenbart hat, da es die menschliche Vorstellungskraft weit überschreitet, sich direkt ein Bild von Gott zu machen. Anders als Jesus Christus im Christentum ist Mohammed ein sterblicher Mensch, der jedoch von Gott als ein Prophet auserwählt wurde, um den Menschen die Wahrheit zu verkünden. Schon vor ihm habe eine Vielzahl anderer Propheten der Menschheit die göttliche Botschaft überbracht, jedoch sei diese immer wieder verfälscht worden, so dass der Koran die einzige wirklich verlässliche Quelle sei. Unter diesen Propheten finden sich sämtliche Propheten, die in der Bibel genannt werden, einschließlich Jesus (arabisch Isa). Außer ihm werden auch Abraham (Ibrahim), Moses (Musa) und Josef (Yusuf) im Koran erwähnt. Der Mensch ist im Islam nicht an die Vermittlung durch eine Institution gebunden, sondern jedes Individuum kann sich durch seine guten Taten und seine "Gottesfurcht" direkt einen Platz im Himmel verdienen – allerdings nur für sich selbst, nicht für andere. Somit wird die Eigenverantwortung jedes Einzelnen betont. Im Volksislam wird dieses Prinzip durch die Heiligenverehrung etwas aufgeweicht. Neben der Eigenverantwortung steht die Verantwortung für andere: Jeder Muslim ist verpflichtet, zu „gebieten, was recht ist“ und zu „verbieten, was verwerflich ist“ (amr bi-l-ma'rūf wa nahy ani l-munkar ) (mehrfach im Koran, z. B. in Sure 7, Vers 157). Dieser Grundsatz hat, durch den resultierenden Gruppendruck gegen „verwerfliches“ Verhalten, in der islamischen Geschichte zum einen die Gemeinschaft gestärkt, aber auch dafür gesorgt, dass der berühmte Vers „Es gibt keinen Zwang im Glauben“ in der Praxis nie wirklich relevant wurde. Siehe hierzu auch Hisba. Wer im Islam ehrliche Reue zeigt, kann immer zu Gott zurückfinden. Andererseits strebt der Islam auch auf Erden einen "Idealzustand" an. Dabei sollte man vielleicht eher von einem Zustand sprechen, der unter Berücksichtigung der Mängel und Unvollständigkeiten der Menschen möglichst nahe an den Idealzustand herankommt. Nach der Überlieferung war die frühislamische Gesellschaft ein solcher „Idealzustand“. Der wesentliche Unterschied zwischen „Fundamentalisten“ und „gemäßigten Muslimen“ besteht darin, dass erstere den damaligen Zustand als für alle Zeiten vorbildhaft betrachten. Gemäßigte Muslime glauben zwar auch, dass es die unter den damaligen Umständen in einer Gesellschaft von Wüstenomaden bestmögliche Annäherung war, betonen aber, dass die zu Grunde liegenden Ziele unter geänderten Bedingungen auch auf veränderte Weise angestrebt werden sollen.

Der Dschihad

Der Dschihad (arab. »sich bemühen, sich anstrengen, kämpfen«) ist ein wichtiges Glaubensprinzip. Seine Bedeutung im Islam ist so groß, dass zeitweise diskutiert wurde, ob der Dschihad als sechste „Säule des Islam“ gerechnet werden sollte. Das „Bemühen auf dem Wege Gottes“ umfasst die eigene spirituelle und moralische Verbesserung, die Verbesserung des Gemeinwesens bzw. seiner Mitbrüder, und auch die Verteidigung des Glaubens mit der Waffe. Manche Muslime deuten Dschihad als Feldzug gegen ‚Ungläubige‘, also Nichtmuslime. In der Praxis sind damit oft die westlichen Industrieländer gemeint. Diese Interpretation wird zum Beispiel von Al-Qaida unter Osama bin Laden vertreten, jedoch von den einschlägigen Gelehrten des Islams und der breiten Basis abgelehnt.

Die Scharia

Unter Scharia (arab. »der Weg zur Wasserstelle«) versteht man das islamische Recht, d.h. die Gesamtheit von religiösen Regeln und Pflichten der Muslime (Gebet, Reinigung, Fasten, etc.) zum einen, und die Regelungen zwischenmenschlicher Beziehungen (Ehe- Kauf- Vertragsrecht usw.), ferner das Strafrecht (hudùd / 'uqùbât), aber auch das Kriegsrecht (siyar), d.h. die Regelung der Beziehungen zu der nichtmuslimischen Welt zum anderen. Im Sufismus (islamische Mystik) hat die Scharia den Stellenwert der Basis für den Weg des Gottessuchenden. Weitere Stationen sind in der Reihenfolge: Tariqa (der mystische Weg), Haqiqa (Wahrheit) und Ma'rifa (Erkenntnis).

Richtungen

Sunniten

Der Islam ist in mehrere Richtungen gespalten. Die Sunniten bilden mit etwa 90% die zahlenmäßig größte Gruppierung. Sie unterteilen sich wiederum in die sunnitischen Rechtsschulen der Hanafiten, Malikiten, Hanbaliten und Schafiiten.

Wahhabiten

Der Wahhabismus ist eine äußerst strenge Auslegung der hanbalitischen Rechtsschule der Sunniten, zum Zeitpunkt seiner Entstehung auch eine politische Strömung.

Schiiten

Die Schiiten sind die zweite große Richtung. Deren Hauptrichtung sind die so genannten Imamiten oder Zwölferschia, die vor allem im Iran, Irak, Aserbaidschan, Bahrain und dem Libanon weit verbreitet sind. Weiter gibt es die Anhänger der Siebenerschia (Ismailiten), die vorwiegend auf dem indischen Subkontinent (Mumbai, Karatschi und Nordpakistan) sowie in Afghanistan und Tadschikistan leben. Die Zaiditen oder Fünferschia finden sich heute nur noch im Jemen.

Charidschiten

Die Charidschiten sind heute die kleinste Richtung des Islams, die heute noch bestehde Untergruppierung heißt Ibaditen. Sie leben vor allem in Südalgerien (Mzab), auf der tunesischen Insel Djerba und in Oman.

Sufismus

Wie fast alle Religionen bzw. religiöse Richtungen besitzt auch der Islam einen inneren (esoterischen) und einen äußeren (exoterischen) Aspekt. Die mystische innere Dimension des Islam ist der Sufismus (arabisch tasawwuf ). Der innere Aspekt wird auch Tariqa, der äußere Schari'a genannt. Nach Auffassung der Sufis gehören diese beiden Aspekte untrennbar zusammen, als Beispiel dient das Symbol einer Öllampe: Die Flamme der Lampe steht für Tariqa, also für die Essenz der Religion, die ohne das schützende Glas beim ersten Windhauch erlöschen würde. Das Glas, also die Hülle, steht für Schari'a, aber ohne eine Flamme hätte das Glas alleine als Lampe keinen Sinn. Von puritanischen Gruppen wie den Wahhabiten werden die Sufis oft als Ketzer bezeichnet und deswegen abgelehnt.

Weitere Gruppen

Weitere Gruppen sind die Aleviten und die Ahmadiyya. Aus dem schiitischen Islam haben sich auch die eigenständigen Religionen der Drusen, der Jesiden, des Babismus und die Religion der Baha'i entwickelt.

Geschichte

Die politische Geschichte des Islam und des Kalifats wird in eigenen Artikeln behandelt. Eine Herrscherliste bietet die Liste der Kalifen.

Gegenwart

Liste der Kalifen]] Heute ist der Islam in vielen Ländern des Nahen Ostens, Nordafrikas, Zentral- und Südostasiens verbreitet. Hauptverbreitungsgebiet ist dabei der Trockengürtel, der sich von der Sahara im Westen über den Nahen Osten und den Kaukasus bis nach Zentralasien im Osten zieht. Das bevölkerungsreichste muslimische Land ist Indonesien. Muslimisch geprägte Länder in Europa sind Bosnien und Herzegowina, der europäische Teil der Türkei und Albanien. Viele weitere Länder haben muslimische Minderheiten. Die Anhängerzahl des Islam wird auf zwischen 900 Millionen und 1,4 Milliarden geschätzt.

Islamische Konferenz

Die islamischen Länder sind in der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) organisiert, der auch einige Staaten mit größeren muslimischen Minderheiten angehören.

Umsetzung der Scharia

Seit der Kairiner Deklaration 1990 soll die Scharia wieder Basis der Gesetzgebung in allen islamischen Ländern sein. Die praktische Umsetzung ist jedoch sehr unterschiedlich. in Tunesien beschränkt sich die Umsetzung nur auf das Zivilrecht, in Saudi-Arabien und Sudan hingegen kommt sie vollständig zur Geltung. In der Türkei wird die Scharia in der Rechtssprechung überhaupt nicht praktiziert. Allerdings sieht die soziale Realität in Teilen der Gesellschaft anders aus. So existiert z.B. die offiziell nicht anerkannte islamische Ehe. Zuweilen gilt die Scharia nur in islamisch dominierten Landesteilen (Nigeria). Besonders drakonische Strafen (Amputation, Steinigung), die oft international kritisiert werden, finden in relativ wenigen islamischen Ländern Anwendung und werden auch innerhalb des Islams teilweise kritisiert, weil dabei meist die in der Scharia vorgeschriebenen strengen Schutzbedingungen für Angeklagte außer Acht gelassen werden, so zum Beispiel die Pflicht, mindestens vier erwachsene männliche Muslime als Zeugen vorzuführen, welche die Tat selbst mit eigenen Augen gesehen haben. Es gibt allerdings hier eine Grauzone, z. B. bei sogenannten «Ehrendelikten» (beispielsweise Tötungen wegen Ehebruchs). Selbst in der laizistischen Türkei konnte bis vor kurzem noch bei solchen Delikten mit mildernden Umständen gerechnet werden. Erst 2004 wurde ein Gesetz durch das Parlament beschlossen, das so genannte „Ehrenmorde“ an Mädchen und Frauen wie vorsätzlichen Mord mit lebenslanger Haftstrafe ahndet. Ein Bereich der Scharia, der wohl nur noch im Sudan und in Mauretanien existiert, ist die Sklaverei.

Wirtschaftliche und soziale Situation

Alle islamischen Staaten gehören zu den Schwellenländern oder Entwicklungsländern. Keines der Länder hat den Sprung zu einem Industrieland geschafft, was manche Forscher in Zusammenhang mit gesellschaftlichen Normen der entsprechenden Länder bringen. Die arabischen Länder, wo der Islam seinen Ursprung hat, bestehen zudem im Wesentlichen aus Wüsten mit verhältnsmäßig wenigen fruchtbaren und bewohnbaren Flächen. Der Wassermangel behinderte, und erschwert auch heute, eine etwa mit Europa vergleichbare wirtschaftliche Entwicklung. Im Wirtschaftsleben besteht durch das Verbot Zinsen zu nehmen ein grundlegender Unterschied zum Kapitalismus westlicher Prägung. Nicht zuletzt waren die meisten muslimischen Länder Afrikas und Asiens bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts von europäischen Kolonialmächten besetzt. Aber das derzeit mit Abstand größte hinderniss für einen wirtschaftlichen Aufstieg dieser kernregion des Islam ist der Analphabetismus: Laut dem Arab Human Development Report (AHDR) der UNO sind die Hälfte aller Frauen und ein Drittel aller Männer in der Arabischen Welt Analphabeten. 32 Millionen Menschen leiden an Unterernährung. Das Bruttosozialprodukt aller 22 Länder der Arabischen Liga (300 Millionen Einwohner) lag 1999 mit 531,2 Milliarden Dollar noch unter dem des christlichen Spanien (40 Millionen Einwohner) mit 595,5 Milliarden Dollar. Zehn Millionen Kinder unter 15 Jahren besuchen keine Schule. Fast 40 Prozent der 15- bis 24-Jährigen in Algerien sind arbeitslos, in Marokko und Ägypten jeweils 35 Prozent. In den meisten Staaten mit muslimischer Mehrheitsbevölkerung sind autokratische Regierungen an der Macht. Die Reaktion auf diese Lage ist in manchen Ländern eine verstärkte Zuwendung der Bevölkerung zu islamistischen Gruppierungen, zumal diese sich stark im sozialen Bereich einsetzen. Der militante Islam (der Islamismus) spiegelt nach dem früheren deutschen Außenminister Klaus Kinkel, "die wirtschaftliche, politische und kulturelle Enttäuschung" der Muslime wider.

Die Heiligen Städte des Islam

Im Islam gilt eine Vielzahl von Städten als heilig, wobei dreien eine besondere Bedeutung zukommt: Zuerst natürlich Mekka als Geburtsort Mohammeds mit der Kaaba als zentralem Heiligtum des Islam, das die Gebetsrichtung (Qibla) bestimmt. Darauf folgt mit Medina, nördlich von Mekka gelegen, der Ort, an dem der Islam erste politische Wirkungskraft entfaltete, und schließlich Jerusalem, das nach muslimischer Überlieferung die erste Qibla-Richtung vorgab und der Ort ist, den die Muslime als geographische Position der im Koran (Sure 17, „Die nächtliche Reise“) erwähnten al-Aqsa-Moschee definiert haben. Daneben gibt es eine große Zahl an Wallfahrtsorten unterschiedlicher Bedeutung. Meist handelt es sich dabei um Grabstätten, etwa von Gefährten Mohammeds, der Imame der Schia oder von Sufi-Scheichs. Führend in der Zahl heiliger Orte ist vermutlich der nordafrikanische Volksislam mit unzähligen Grabstätten von Marabuts. Abgesehen von den ersten drei heiligen Stätten ist der Status der «heiligen» Städte - wie die Heiligenverehrung selbst - im Islam ein äußerst kontroverses Thema. Marabut]] Jerusalem stellt in der Liste der heiligen Städte insofern einen Sonderfall dar, als sich der aus dem Koran hergeleitete Anspruch historisch nicht belegen lässt. Trotzdem ist er für Muslime einhellig eine Glaubenswahrheit, was ihn in der praktischen Auswirkung einer „historischen Wahrheit“ gleichstellt.

Der Islam und andere Religionen

Der Islam unterscheidet bei seiner Betrachtung Andersgläubiger zwischen monotheistischen und polytheistischen Religionen. Juden, Christen und Johanneschristen haben eine Sonderstellung als "Leute der Schrift", wie sie im Koran genannt werden. Im islamischen Staat haben sie die Stellung der sogenannten "Dhimmi", die eine Schutzsteuer entrichten müssen, dafür weder die gesetzliche Armensteuer zahlen müssen, noch in der Armee dienen müssen. Ihnen muss vom Staat gewährleistet werden, dass ihnen Gotteshäuser zur Verfügung gestellt werden und sie ihre Religion frei ausüben können. Trotz der Aussage "kein Zwang im Glauben" [Koran: Sure 2 Vers 256] werden nach der Scharia Polytheisten nicht geduldet, siehe dazu auch Glaubensfreiheit im Islam. Der Islam teilt die Welt in zwei Gebiete, zum einen das "Gebiet des Islam" (Dar al-Islam) in dem der Islam schon herrscht und das "Gebiet des Krieges" (Dar al-Harb), die übrige Welt dessen Bewohner noch mittels oft kriegerischer Mittel, von den Vorzügen des Islams "überzeugt" werden müssen.

Siehe auch


- Euroislam
- Liste islamischer Begriffe auf Arabisch
- Islamische Organisationen in Deutschland
- Islamische Organisationen in Österreich
- Islamische Organisationen in der Schweiz
- Kein Zwang im Glauben - zur Religionsfreiheit im Islam
- Islamischer Kalender
- Berühmte Muslime
- Islamismus
- Fiqh

Literatur

Übersetzungen und Literatur zum Koran und den Hadithen finden sich in den entsprechenden Artikeln und werden deshalb hier nicht aufgeführt.

Grundwissen


- Ralf Elger (Hrsg.): Kleines Islam-Lexikon. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47556-6
- Ralf Elger: Islam. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 2002, ISBN 3-596-15368-9
- Gerhard Endreß: Der Islam. Eine Einführung in seine Geschichte. München 1997 (C.H. Beck Studium), ISBN 3-406-42884-3
- John L. Esposito: Von Kopftuch bis Scharia. Was man über den Islam wissen sollte. Leipzig 2004 (Reclam Leipzig), ISBN 3-379-20105-7
- Richard Hartmann: Die Religion des Islam. Berlin 1944 - Nachdruck Wiss. Buchgesellschaft 1992, ISBN 3-534-80132-6
- Malise Ruthven: Der Islam. Eine kurze Einführung. Reclam, Stuttgart 2000, ISBN 3-15-018057-0
- Udo Schaefer: Glaubenswelt Islam. Eine Einführung. Religionswissenschaftliche Texte und Studien, Band 7. Georg Olms Verlag, Hildesheim 2002, ISBN 3-48710-159-9
- Annemarie Schimmel: Die Religion des Islam. Eine Einführung. Reclam, Stuttgart 1990, ISBN 3-15-008639-6
- Montgomery W. Watt: Der Islam. 3 Bände. Kohlhammer, Stuttgart 1980-1990 (Band 2: ISBN 3-17-005707-3)
- Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (Hrsg.): Was jeder vom Islam wissen muss. Gütersloher Verlagshaus, GTB 786, 5. Auflage 1996, ISBN 3579007866

Geschichte


- Josef van Ess: Theologie und Gesellschaft im 2. und 3. Jahrhundert der Hidschra. Springer, Berlin 1991-1995 (sechs Bände)
- Ulrich Haarmann (Hrsg.): Geschichte der arabischen Welt. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47486-1
- Heinz Halm: Der Islam. Geschichte und Gegenwart. C.H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-519172
- Günter Kettermann: Atlas zur Geschichte des Islam. Darmstadt 2001, ISBN 3-534-14118-0
- Marcel Rebiai: Islam, Israel und die Gemeinde Schleife 2004, ISBN 3-907-82742-2
- Hans Küng: Der Islam. Geschichte, Gegenwart, Zukunft. München/Zürich 2004, ISBN 3-492-04647-9
- Tilman Nagel: Geschichte der islamischen Theologie. Beck, München 1994, ISBN 3-406-37981-8
- Albrecht Noth, Jürgen Paul (Hrsg.): Der islamische Orient. Grundzüge seiner Geschichte. Ergon, Würzburg 1998, ISBN 3-932004-56-6

Verhältnis zum Westen und aktuelle Probleme


- Adel Theodor Khoury: Der Islam und die westliche Welt. Primus Verlag, ISBN 3-89678-437-4
- Samuel P. Huntington: Kampf der Kulturen. Goldmann-Verlag, 2002, ISBN 3-442-15190-2
- Mark A. Gabriel: Islam und Terrorismus. Resch, Lake Mary/Florida 2004, ISBN 3-935197-39-X
- Bat Ye'or: Der Niedergang des orientalischen Christentums unter dem Islam. Resch-Verlag, Gräfelfing 2002, ISBN 3-935-19719-5

Weblinks


- [http://www.islam.de/72.php Darstellung des Islam durch den Zentralrat der Muslime in Deutschland]
- [http://www.bpb.de/publikationen/5IY8HR,0,0,Der_Islam.html „Der Islam“ von der Bundeszentrale für politische Bildung]
- [http://wwwuser.gwdg.de/~mriexin/euroislam.html Der Islam in Westeuropa-Linkliste] ja:イスラム教 ko:이슬람교 ms:Islam simple:Islam th:ศาสนาอิสลาม

Martyrium

Unter dem Begriff Martyrium versteht man ein meist freiwilliges oder in Kauf genommenes Leiden durch einen Märtyrer - bisweilen bis zum Tod - um des Glauben willen. In seiner ursprünglichen Bedeutung wird der Begriff heute kaum noch angewandt und im religiösen Bezug meist für die Selbstmordanschläge vor allem im Nahen und Mittleren Osten genutzt. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist der Begriff Martyrium aber heute eher mit einem sich dahinziehenden, unmenschlichen Leiden, das willkürlich zugefügt wird verbunden, wobei seine religiöse Bedeutung dabei immer weiter in den Hintergrund rückt. Wenn zum Beispiel Journalisten, Touristen oder Soldaten im Ausland in Geiselhaft geraten, wird häufig von einem Martyrium gesprochen. Siehe auch: Kasteiung, Geißelung Kategorie:Religion

Andalusien

Andalusien (spanisch Andalucía) ist von den 17 autonomen Gemeinschaften Spaniens die südlichste, die auf dem Festland liegt. Andalusien grenzt im Norden an Kastilien-La Mancha und an die Extremadura und im Süden an das Mittelmeer und den Atlantik. Im Osten grenzt sie an Murcia und im Westen an Portugal. Die Hauptstadt Andalusiens ist Sevilla. Die wichtigsten Naturräume Andalusiens sind die südliche Abdachung der Sierra Morena, das Becken des Guadalquivir und die Betische Kordillere, zu der die Sierra Nevada gehört. Der Campo de Gibraltar, mit dem Felsen von Gibraltar bildet den südlichsten Teil des europäischen Festlandes. Bei Tarifa, der südlichsten Stadt, liegen Europa und Afrika nur 14 km voneinander entfernt, getrennt durch die Straße von Gibraltar.

Provinzen

Andalusien ist in 8 Provinzen unterteilt:
- Sevilla
- Granada
- Córdoba
- Cádiz
- Málaga
- Huelva
- Jaén
- Almería Außer den gleichnamigen Provinzhauptstädten sind weitere bekannte Städte Jerez de la Frontera und Ronda. Im Jahr 2001 hatte die Region 9 Mio. Einwohner, dabei sind das Tal des Guadalquivir und der Küstenstreifen südlich der Sierra Nevada am dichtesten bevölkert.

Herkunft des Namens

Zur Herkunft des Namens Andalusien, spanisch Andalucía, der aus der von den zu Beginn des 8. Jahrhunderts einwandernden Mauren benutzten Bezeichnung Al-Andalus (الأندلس) hervorging, gibt es verschiedene Deutungen. Eine populäre, aber unter Historikern heute kaum mehr vertretene Ansicht führt das arabische Al-Andalus auf den Namen der Vandalen zurück, die im Zuge der Völkerwanderung im 5. Jahrhundert Zwischenstation im Süden der iberischen Halbinsel machten. Eine andere Theorie leitet Al-Andalus von landa-hlauts – gesprochen landalos – ab, dem Namen, den die Westgoten der früheren römischen Provinz (Hispania) Baetica gegeben hatten. Schließlich gibt es die Herleitung vom arabischen al-an'dallus, das sich als ein Garten übersetzen lässt und angesichts der im Verhältnis zu Nordafrika weit fruchtbareren iberischen Halbinsel als naheliegende Namensgebung erscheint.

Sprache

Es wird Andalusisch, ein Spanischer Dialekt gesprochen, welcher für jemanden mit wenig Sprachkenntnissen fast unverständlich ist, aber auch Spanier aus anderen Regionen haben Schwierigkeiten, den Dialekt zu verstehen. Es ist ein Dialekt, der die Umgangssprache Lateinamerikas stark beeinflusst hat. Besonders berühmt geworden ist die Region durch ihre Musik, den Flamenco. Obwohl für viele Andalusier Andalusisch eine Sprache ist, ist diese von der Autonomen Regierung Andalusiens nicht annerkannt worden.

Geschichte

Der lateinische Name Andalusiens lautete Hispania Baetica, benannt nach dem Großen Fluss Baetis (auch: Betis), dem die Araber später seinen bis heute bestehenden Namen Guadalquivir gaben. Zu Zeiten der römischen Herrschaft in Hispanien lernten die Andalusier schnell die lateinische Sprache und vertrugen sich recht gut mit den römischen Legionären. Diese überwinterten mit Vorliebe in diesem wärmsten Teil der Iberischen Halbinsel. In der fruchtbaren Ebene des Guadalquivir wurden schließlich zahlreiche römische Niederlassungen gegründet, aus denen sich später große Städte nach römischem Vorbild entwickelten. So wurde Andalusien zu einer urbanen Region, und viele Bewohner dieses Landstriches erhielten sogar die römische Staatsbürgerschaft. Außerdem richteten die Römer Schifffahrtswege über Flüsse und Meereshäfen ein und bauten Landstraßen, um Gemüse und Obst von hier nach Italien und in andere Provinzen zu bringen. Auch das Christentum fasste hier im 4. Jahrhundert Fuss. Provinz] In der Spätantike, als das Weströmische Reich Auflösungserscheinungen zeigte, fielen zu Beginn des 5. Jahrhunderts Vandalen und andere germanische Stämme in Hispanien ein. Nach der Mitte des 5. Jahrhunderts eroberten die Westgoten Hispanien und begründeten ein eigenes Reich mit der Hauptstadt Toledo. Im 6. Jahrhunderts wurden Teile Andalusiens von den Byzantinern besetzt, die sich jedoch zu Beginn des 7. Jahrhunderts zurückziehen mussten. 711 überschritten die Araber die Meerenge und eroberten binnen weniger Jahre den Großteil des Westgotenreichs (siehe auch Islamische Expansion). Andalusien stand von allen spanischen Regionen am längsten unter arabischer Herrschaft. Ihre Blüte erreichte diese unter dem Emirat von Córdoba, dem Kalifat von Córdoba sowie den Nasriden in Granada. Die Einflüsse der Muslime sind auch heute noch vor allem in der Architektur zu sehen: die Alhambra in Granada, die Mezquita in Córdoba, die Giralda in Sevilla. Die Herrschaft der Mauren in Spanien wurde durch die Reconquista 1492 in Granada beendet (vergleiche auch: Geschichte Spaniens).

Literatur


- André Clot: Das maurische Spanien - 800 Jahre islamische Hochkultur in Al Andalus

Siehe auch


- Andalusischer Dialekt
- Liste der Gemeinden in der Provinz Almería
- Liste der Gemeinden in der Provinz Cádiz
- Liste der Gemeinden in der Provinz Córdoba
- Liste der Gemeinden in der Provinz Granada
- Liste der Gemeinden in der Provinz Huelva
- Liste der Gemeinden in der Provinz Jaén
- Liste der Gemeinden in der Provinz Málaga
- Liste der Gemeinden in der Provinz Sevilla
- Costa del Sol
- Costa de la Luz
- Straße von Gibraltar
- Ruta de los Pueblos Blancos
- Stierkampf

Weblinks


- [http://www.juntadeandalucia.es Website der Regierung von Andalusien (Junta de Andalucía) (spanisch)]
- [http://www.andaluciajunta.es www.andaluciajunta.es - Webportal für Andalusien]
- [http://www.costadelaluz-aktuell.com Costa de la Luz (deutsch)]
- [http://www.andavida.com Informationen über Andalusien]
- [http://www.guiadeayuntamientos.info www.guiadeayuntamientos.info] spanischsprachige Website mit Informationen über sämtliche spanische Gemeinden Kategorie:Spanische autonome Gemeinschaft Kategorie:Historische Landschaft Kategorie:Historisches Territorium ja:アンダルシア州

Almoraviden

Die Almoraviden (Arabisch = Grenzkämpfer) waren eine Berberdynastie in Marokko, Algerien und Andalusien in der Zeit von 1046 bis 1147.

Geschichte

Anfang des 11. Jahrhunderts nomadisierten Viehzüchter der Sanhadscha-Berber in der westlichen Sahara, wo sie den Karawanenhandel zwischen dem Sudan und dem Maghreb kontrollierten (siehe: Transsaharahandel). Allerdings wurde dieser Handel durch das Vordringen der Magrawa (Zanata) im westlichen Algerien und die Unterwerfung von Sidschilmasa zunehmend gestört. Mitte des Jahrhunderts wurde sie von Ibn Yasin für einem orthodoxen sunnitischen Islam missioniert und zum Kampfbund der Almoraviden unter Yahya ibn Umar (1046-1056)zusammengeschlossen. Mit dem Tod Ibn Yasin verlor die Bewegung der Almoraviden ihren geistigen Führer, womit das weltliche Emirat in den Vordergrund trat. 1070 gründete Abu Bakr ibn Umar (1056-1087) Marrakesch in Südmarokko als Hauptstadt des Reiches. Er wurde aber 1072 von seinem Stellvertreter und Vetter Yusuf ibn Taschfin entmachtet, weshalb er sich in die Sahara zurückzog. Yusuf ibn Taschfin (1061-1106) organisierte das Reich vor allem mit Unterstützung der Religions- und Rechtsgelehrten. Unter ihm eroberten die Almoraviden in Nordmarokko (1075) die Reiche der Magrawa und Salihiden sowie das westliche Algerien von den Hammadiden (1082). Schon 1086 kam es auf Ersuchen der muslimischen Fürsten von Andalusien zu einem Feldzug nach Europa. Bei diesem Vorstoß wurde Kastilien unter Alfons VI. bei Zallaca vernichtend geschlagen. In der Folgezeit (bis 1092) setzten die Almoraviden durch die Annexion der Taifa-Königreiche ihre Herrschaft in Andalusien durch. Nur Valencia unter El Cid und Saragossa unter den Hudiden konnten ihre Selbständigkeit zunächst behaupten. Die Durchsetzung des puritanischen Islam der Almoraviden in der städtischen andalusischen Kultur führte zu erheblichen Widerständen. Dennoch bestand ein erheblicher kultureller Einfluss Andalusiens auf Marokko. Unter Ali ibn Yusuf (1106-1143) konnte auch Valencia und Saragossa in Andalusien sowie die Balearen unterworfen werden. Allerdings ging Saragossa schon 1118 an Aragon verloren und im südlichen Marokko begann sich die militante Reformbewegung der Almohaden zu verbreiten. Nach dem Tod Ali ibn Yusuf (1143) begann der schnelle Niedergang des Reichs. Schon unter den ersten beiden Herrschern besaßen die Statthalter der einzelnen Provinzen eine erhebliche Autonomie gegenüber der Zentrale in Marrakesch. Nun konnten sich die Almoraviden in Marrakesch aber immer schwerer gegen die Statthalter durchsetzen. Nach Aufständen der Muriden unter Ibn Qasi und Ibn al-Mundir mussten sich die Almoraviden aus Andalusien zurückziehen, was den Aufstieg von Ibn Mardanisch begünstigte. In Andalusien wurden nur Sevilla, Granada und die Balearen behauptet. Auch Marokko musste gegen die erstarkten Almohaden verteidigt werden. Mit der Erstürmung Marrakesch durch die Almohaden (1147) und dem Tod des letzten Almoraviden Ishaq endet die Dynastie. Die Bedeutung der Almoraviden liegt vor allem in der Bekämpfung der Charidschiten und anderer islamischer Sekten sowie der Sicherung der konfessionellen Einheit Marokkos auf Grund der Rechtsschule der Malikiten. Siehe auch Imperium der Almoraviden.

Herrscher


- Yahya ibn Umar (1046-1056)
- Abu Bakr ibn Umar (1056-1087) Dynastie der Taschfiniden
- Yusuf ibn Taschfin (1072-1106)
- Ali ibn Yusuf (1106-1143)
- Taschfin ibn Ali (1143-1145)
- Ibrahim ibn Taschfin (1145)
- Ishaq ibn Taschfin (1145-1147)

Literatur


- Geschichte der Arabischen Welt, Ulrich Haarmann, C.H. Beck München, 2001
- Lexikon der Arabischen Welt, Artemis Verlag, Stephan und Nandy Ronart, 1972 Kategorie:Dynastie Kategorie:Berber Kategorie:Spanische Geschichte

Marokko

---Sidenote START---
Das Königreich Marokko (المملكة المغربية ) ist ein Staat in Nordwest-Afrika. Es grenzt an Algerien, Mauretanien, die beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla, den Atlantik und das Mittelmeer. Marokkos Südgrenze bleibt jedoch wegen des Westsaharakonfliktes bis zum Abhalten eines UNO-Referendums über die zukünftige Zugehörigkeit der Westsahara international umstritten.

Landesname

Während sich das Land in der eigenen offiziellen Staatsbezeichnung "al-Mamlakah al-Maghribiyah" anspruchsvoll und eher allgemein als "Maghrebinisches Königreich" bezeichnet (bis in die 1960er übrigens "Scherifisches Maghrebinisches Königreich") hat sich international die europäische Ableitung des Namens der ehemaligen Hauptstadt Marrakesch für das gesamte Königreich Marokko durchgesetzt.

Geographie

Die wichtigsten Städte sind (Stand Volkszählung 2. September 2004): # Casablanca: 2.933.684 Einwohner # Rabat: 1.622.860 Einwohner # Fès: 946.815 Einwohner # Marrakesch: 823.154 Einwohner # Agadir: 678.596 Einwohner Siehe auch: Liste der Städte in Marokko

Bevölkerung

Rund 60% (Januar 2005) der Bevölkerung leben in Städten. Nordmarokko mit der alten Metropole Fes sind eher arabisch, Südmarokko und dessen Metropole Marrakesch eher berberisch geprägt.

Sprache

Die landesweite Amtssprache ist Arabisch. Von Marokkanern berberischer Abstammung werden auch diverse Berbersprachen (Tachelhit, Tamazight, Ghomara, Tarifit, Senhaja de Srair, und ehemals auch Judeo-Berberisch) gesprochen. Französisch wird im gesamten Land als Geschäfts- und Bildungssprache benutzt, verliert aber langsam an Bedeutung bei der Bevölkerung. Im Norden Marokkos wird zusätzlich Spanisch gebraucht (aber auch andere westliche Sprachen). Im Süden ist Französisch sehr angebracht um sich zu verständigen. Englisch ist kaum verbreitet.

Religion

98% der Bevölkerung sind Muslime, 1,4% Christen und 0,6% Juden. Der Islam in Marokko ist durchaus liberaler als in anderen arabischen Staaten, was vermutlich mit der engen Bindung an Europa zusammenhängt. Nicht mehr alle Frauen tragen ein Kopftuch oder Schleier. Besonders in den Städten kleiden sich immer mehr Frauen nach europäischen Vorbild betont modisch. Auch alleine Ausgehen ist für Frauen zumindest in den Städten kein Problem mehr.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Marokkos Marokko wurde seit Beginn der historischen Überlieferung von Berberstämmen bewohnt, die im 3. Jahrhundert v. Chr. das Königreich Mauretanien bildeten. Nach der römischen Herrschaft mussten sich die Berber am Ende des 7. Jahrhunderts den Muslimen unterwerfen. Schnell wurde der Islam von den Berbern übernommen, doch kam es wegen Diskriminierungen durch die arabischen Muslime bald zu Aufständen. Diese führten schon im 8. Jahrhundert zur Bildung eigenständiger Reiche. Die bedeutendsten Dynastien im Mittelalter waren die Almoraviden, die Almohaden und Meriniden. Den Almoraviden gelang im 12. Jahrhundert sogar die erstmalige Vereinigung des Maghreb unter dem Einschluss von Andalusien. Die folgenden Dynastien blieben in ihrer Herrschaft weitgehend auf Marokko beschränkt. Seit dem 15. Jahrhundert war die Berberbevölkerung auch weitgehend arabisiert. Mit den Alawiden kam im 17. Jahrhundert die bis heute in Marokko regierende Dynastie an die Macht. Sie konnte die Unabhängigkeit des Landes gegenüber den europäischen Kolonialmächten lange behaupten und musste erst 1912 das französische Protektorat anerkennen. Doch schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg war Frankreich gezwungen, Marokko in die Unabhängigkeit zu entlassen (1956). Im selben Jahr gab auch Spanien sein 1912 besetztes an der marokkanischen Mittelmeerküste gelegenes Protektorat Spanisch-Marokko zurück. 1976 annektierte Marokko nach dem Grünen Marsch von 1975, an dem über 350.000 unbewaffnete marokkanische Zivilisten teilnahmen, die benachbarte Westsahara, die bisher als Kolonie von Spanien verwaltet wurde und vorher unter weitgehendem marokkanischem und (gebietsweise) mauretinischem Einfluss stand. Der damalige König Marokkos, Hassan II., bat den internationalen Gerichtshof in Den Haag um ein Urteil, das die historische Zugehörigkeit der Westsahara zu Marokko belegen sollte. Der internationale Gerichtshof in Den Haag sprach Marokko jedoch sämtliche Besitzansprüche auf die besetzten Gebiete ab, worauf Marokko das Urteil schlicht ignorierte. Die UNO forderte Marokko auf, in einer Volksabstimmung die verbliebene und die vertriebene Bevölkerung der Westsahara über Freiheit oder Zugehörigkeit zu Marokko entscheiden zu lassen. Hassan II. stimmte diesem Vorgehen zu, die Abstimmung hat jedoch bis heute nicht stattgefunden. Indes betreibt Marokko eine umfassende Besiedlungspolitik in der Sahara, wohl um den marokkanischen Bevölkerungsanteil bis zur Abstimmung groß genug werden zu lassen. Ein Teil der saharouischen Bevölkerung lebt in Flüchtlingslagern in der algerischen Sahara. Wegen der Aufnahme der Arabischen Demokratischen Republik Sahara in die Afrikanische Union (AU) hat Marokko als einziger afrikanischer Staat es vorgezogen, nicht Mitglied der AU zu sein. Siehe auch: Westsaharakonflikt, Liste der Könige Marokkos, Liste der französischen Generalresidenten für Marokko, Liste der Premierminister von Marokko.

Politik

Marokko ist eine konstitutionelle Monarchie, deren derzeitiges Staatsoberhaupt, seit dem 23. Juli 1999, König Mohammed VI. ist. König Mohammed VI. gehört der Dynastie der Alawiden an, die seit über drei Jahrhunderten über Marokko herrscht. Er ist nicht nur weltliches, sondern als Führer der Gläubigen auch geistiges Oberhaupt der marokkanischen Bevölkerung. Der König ernennt nicht nur den Premierminister, der in der Regel von der stärksten politischen Partei des Parlamentes vorgeschlagen wird, sondern auch das gesamte Kabinett und verfügt daneben über zahlreiche Befugnisse, die seine Position als mächtigste Instanz des Staates untermauern. Im Vergleich zu europäischen Monarchien hat der marokkanische König weitergehendere Kompetenzen, wobei jedoch in der Praxis der Premierminister die politischen Tagesgeschäfte führt. Derzeitiger Premierminister ist seit dem 7. November 2002 der parteilose Driss Jettou. Marokko verfügt seit einer konstitutionellen Reform von 1996 über ein parlamentarisches Zweikammernsystem aus Nationalversammlung und Senat. Darüber hinaus gewährt die Verfassung des Landes eine unabhängige Judikative. Die Richter des Obersten Gerichtshofes werden vom König ernannt. Siehe auch: Politisches System Marokkos

Außenpolitik

Marokko war das erste Land, welches die jungen Vereinigten Staaten von Amerika im Jahre 1777 offiziell anerkannte. Der "Moroccan-American Treaty of Friendship" von 1783, welcher von US-amerikanischer Seite von John Adams und Thomas Jefferson unterzeichnet wurde, ist somit auch Amerikas längster ungebrochener Freundschaftsvertrag mit einem anderen Staat. Die US-Marokkanischen Beziehungen sind so gut, dass die Vereinigten Staaten Marokko den Status eines Hauptverbündeten Alliierten außerhalb der NATO (Major Non-Nato Ally) im Juni 2004 zuerkannten (Quelle: [http://www.state.gov/r/pa/ei/bgn/5431.htm background note on Morocco, Oct. 2004] des US-Außenministeriums). Marokkos Politik ist dediziert pro-westlich und pro-europäisch, wobei es starke politische, kulturelle und auch soziale [http://europa.eu.int/comm/external_relations/morocco/intro/ Bindungen zu Europa] unterhält. Mit Spanien existieren noch ungelöste Territorialstreitigkeiten über die Exklaven Ceuta und Melilla, sowie über die küstennahen Inseln Isla Perejil, Chafarinas, Alhucemas und Vélez de la Gomera. Die Souveränität Spaniens über die genannten Gebiete werden von Marokko nicht anerkannt. Der Streit eskalierte 2002, als marokkanische Truppen die Isla del Perejil besetzten. Ein spanisches Armeekommando überwältigte die marokkanischen Soldaten unblutig und repatriierte sie.

Regionen und Provinzen

Im Rahmen eines Dezentralisierungsprogramms wurden 1997 die Provinzen zu Regionen zusammengefasst.
- (Oued Eddahab-Lagouira)
- (Laayoune-Boujdour-Sakia El Hamra)
- Guelmim-Es Smara
  - Tiznit
  - Tata
  - Tan-Tan
- Souss-Massa-Draa
  - Agadir
  - Ouarzazate
  - Zagora
  - Mhamid
- Gharb-Chrarda-Beni Hassan
  - Kenitra
- Chaouia-Ourdigha
  - Ben Slimane
  - Settat
  - Oued Zem
- Marrakech-Tensift-El Haouz
  - Marrakech
  - Essaouira
  - el Kelaa des Sraghna
- Oriental
  - Nador
  - Oujda
  - Bou Arfa
- Casablanca
- Rabat-Salé-Zemmour-Zaar
  - Rabat-Salé
  - Khemisset
- Doukkala-Abda
  - El Jadida
  - Safi
- Tadla-Azilal
  - Beni Mellal
  - Kasba Tadla
  - Azilal
- Meknès-Tafilalt
  - Meknès
  - Khenifra
  - Ksar es Souq
- Fès-Boulmane
  - Fès
  - Boulmane
- Taza-Al Hoceima-Taounate
  - Taza
  - Al Hoceima
  - Taounate
- Tanger-Tétouan
  - Tanger
  - Tétouan
  - Chechaouene Oued Eddahab-Lagouira, der größte Teil von Laayoune-Boujdour-Sakia El Hamra und Teile von Guelmim-Es Smara bilden die Westsahara, deren Zugehörigkeit zu Marokko international nicht anerkannt ist.

Wirtschaft

Marokko ist reich an Phosphat, weshalb ca. 75 % des weltweit geförderten Phosphats aus Marokko stammt. Daneben gibt es Rohstoffvorkommen von Phosphor, Erdöl, Erdgas, Kohle, Salz, Eisenerz, Blei, Kupfer, Zink, Silber, Gold, Mangan, Nickel, Kobalt. Seinen Bedarf an Energie kann Marokko nur zu rund 13 % aus eigenen Mitteln decken. Die Landwirtschaft Marokkos macht 16 % am BIP aus (Stand: 2003), kann jedoch als wichtigster Wirtschaftssektor betrachtet werden, da hier ca. 43 % der erwerbstätigen Bevölkerung beschäftigt sind. Angebaut werden Getreide, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst, Oliven, Zitrusfrüchte, Baumwolle, Wein, Mandeln, Datteln und Tabak. Die Viehzucht in den Steppen der Meseta, im Osten des Landes und in den Gebirgen wird teilweise nomadisch betrieben (Schafe, Ziegen, Rinder, Esel, Kamele, Pferde). Rund 10 % des Waldbestandes sind Korkeichen (Marokko ist der drittgrößte Korkproduzent der Erde). Küsten- und Hochseefischerei an der Atlantikküste sind bedeutend für den Export. Im Industriesektor, dem Bergbau und der Bauwirtschaft werden insgesamt 33 % des Bruttoinlandproduktes erwirtschaftet (Stand: 2003). Die Industrie verarbeitet vor allem die Agrar- und Fischfangerträge. Wichtig ist auch die Textilindustrie, wobei aber auch die traditionelle Verarbeitung von Leder, Textilien und Metall nach wie vor eine Rolle spielt. Des Weiteren sind die Produktion von elektrotechnischen Gütern, die Metallverarbeitung, die Produktion von Autoteilen und die chemische Industrie maßgebend für den marokkanischen Industriesektor. Im Dienstleistungsbereich werden 53 % (Stand: 2003) des BIP Marokkos erwirtschaftet, wobei es sich hierbei hauptsächlich um Dienstleistungen den Tourismus betreffend handelt. Etwa 80 % der Touristen die Marokko besuchen sind Europäer. Außenwirtschaft: Exportiert werden jährlich Güter in einem Gesamtwert von ca. 7,1 Mrd. Euro (Stand: 2003). Hauptexportgüter des Königreiches sind Nahrungsmittel und Tabak, welche ca. 33,6 % des Exportvolumens ausmachen, Konsumgüter (22,1 %), Phosphate und Düngemittel (21,7 %) sowie Fisch und Fischereiprodukte (14,5 %). Hauptabnehmer marokkanischer Güter sind Frankreich (27 %), Spanien (13 %), Großbritannien (8 %) sowie Deutschland und Italien (jeweils 6 %). Importiert werden nach Marokko jährlich Güter im Gesamtwert von ca. 9,6 Mrd. Euro. Hauptsächlich handelt es sich hierbei um industrielle Vorprodukte und Halbfertigwaren (23,8 %), Maschinen und Transportmittel (20,2 %) sowie Nahrungsmittel (13,5 %). Hauptlieferanten dieser Importgüter sind Frankreich (24,3 %), Spanien (9,8 %) und Großbritannien (6,0 %). Eine der weitaus wichtigsten Einnahmequellen Marokkos sind jedoch vor allem die Geldüberweisungen der im Ausland lebenden und arbeitenden Marokkaner. Allein in Europa leben ca. 1 Million marokkanische Arbeitsemigranten, die durch ihre Überweisungen für eine Devisenzufuhr von etwa 2,2 Milliarden Euro sorgen, eine Summe welche die Einnahmen aus dem Tourismus oder dem Export von Phosphaten übersteigt und somit unerlässlich für Marokko ist. Marokko verfügt über eine marktwirtschaftlich orientierte Wirtschaftsordnung, welche den Schutz des Eigentums, Gewerbe- und Niederlassungsfreiheit und Wettbewerb vorsieht. Zu Zeiten Hassans II. stellte Marokko einen Antrag zur Aufnahme in die EG, welcher jedoch abgelehnt wurde. Marokkos Ziel der EU beizutreten ist mit der Unterzeichnung eines [http://europa.eu.int/comm/external_relations/morocco/intro/ Assoziationsabkommens mit der EU] im Jahr 1996 (in Kraft getreten im Jahr 2000) ein Stück näher gerückt. Seit den 1990ern gilt die marokkanische Wirtschaft als liberalste und offenste Volkswirtschaft des Maghreb. Seit den späten 1980er Jahren bemüht sich das Königreich seine Staatsbetriebe zu privatisieren, wobei bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt weniger als ein Viertel dieser staatlichen Unternehmen diesen Prozess durchlaufen haben. Erst vor Kurzem erlaubte Marokko ausländischen Kreditinstituten den Erwerb von Minderheitenbeteiligungen an marokkanischen Banken. Eine weitere Öffnung des Marktes für ausländische Investoren wurde bereits angekündigt. Mit den Vereinigten Staaten von Amerika wurde eine Freihandelszone vereinbart. Das [http://www.moroccousafta.com/ftafulltext.htm US-marokkanische Freihandelsabkommen] wurde am 22. Juli 2004 vom US-Senat bei einer Stimmenmehrheit von 85 zu 13 ratifiziert und wird, sobald es in Kraft tritt, den Handel für 95 % der Industrie- und Konsumgüter ohne Zölle ermöglichen und den Handel mit Agrargütern für beide Länder erheblich erleichtern. Für das Jahr 2010 ist auch die Verwirklichung einer Freihandelszone mit der EU geplant.

Verkehr

Marokko hat Flughäfen in Casablanca, Tanger, Rabat, Tétouan, Al Hoceima, Fès, Oujda, Marrakesch, Ouarzazate, Essaouira und Nador. Der für den Tourismus wichtigste Flughafen ist Agadir. Ebenfalls vorhanden sind Autobahnen.

Kultur


- Nationalfeiertag ist der 30. Juli (Thronbesteigung des Königs).
- Liste der zum Weltkulturerbe gehördenden Stätten in Marokko

Weblinks


- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?land_id=106 Seite des Auswärtigen Amtes Deutschland]
- [http://europa.eu.int/comm/external_relations/morocco/intro/ Beziehungen zwischen Marokko und der EU] (auf Englisch)
- [http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/geos/mo.html Morocco], aus dem CIA World Factbook (auf Englisch).
- [http://imurig.c.la Berberische Musik aus Marokko zum online anhören mit Texten und Biographien]
- [http://wikitravel.org/de/Marokko Reiseinfos zu Marokko] auf Wikitravel Kategorie:Staat Kategorie:Mittelmeer Kategorie:Monarchie ja:モロッコ ko:모로코 ms:Maghribi simple:Morocco zh-min-nan:Morocco

Architektur

Einen umfassenden Einstieg in die Thematik der Architektur und des Bauens bietet auch das Portal:Architektur und Bauwesen.

Begriff

Etymologie

Das Wort Architektur ist zusammengesetzt aus den griech. Wörtern αρχη [arché] (= Anfang, Ursprung, Grundlage, das Erste) und τεχνη [techné] = Kunst, Handwerk. Es ließe sich daher wörtlich mit „Erstes Handwerk“ oder „Erste Kunst“ übersetzen. Die ursprüngliche Verwendung des Wortes Architektur bezieht sich auf die Tätigkeit und das Wissen des Architekten: altgriechisch architéktos = Oberster Handwerker (Zimmermann), Baukünstler, Baumeister. Die Definition dessen, was „Architektur“ heute ist, hängt demnach vom Berufsfeld des Architekten ab. Der Begriff hat sich im Laufe der Geschichte immer wieder gewandelt und ist in ganzen Tiefe nur historisch fassbar. Die Vieldeutigkeit des Wortes Architektur ist vor allem geprägt durch den zweiten Wortteil [techné] und die architektur-theoretischen Interpretationen darüber: Er kann verstanden werden als Kunst, Technik oder Tektonik. Alles dies sind Aspekte, die Architektur gleichermassen und in jeder Hinsicht umfassen und als Begriff mitbeschreiben und sie deutlich zur Bautechnik abgrenzen. Zur Unterscheidung der Definition von Architektur in qualitativer Hinsicht siehe den folgenden Abschnitt "Genauere Definition und Theoriebildung". Die übertragenen Bedeutungen des Wortes Architektur können aus der „tektonischen“ Interpretation abgeleitet werden. Mit Architektur kann die strukturell organisierte Beziehung von materiellen wie ideellen Teilen oder Modulen beschrieben werden(z.B. in einer Wand (Organisation/Struktur) bestehend aus Mauersteinen (Modul) nach dem Prinzip von Tragen und Lasten (Beziehung)). Dabei wird allerdings das gestaltprägende Element, das in der Regel durch das Wort Architektur mitgemeint ist, vernachlässigt.

Allgemeine Definition

Während Architektur über Jahrhunderte im allerweitesten Sinne als Bauen jeglicher Art verstanden wurde (daher der Begriff Baukunst), wird inzwischen Architektur schon viel öfter über seinen Raum schaffenden Charakter definiert (Raumkunst). Architektur besteht aus diesem Blickwinkel in der Dualität von Raum und Hülle. Architektur schafft eine Grenze zwischen außen und innen. Architektur generiert durch diese Grenze bzw. Hülle einen Raum zum Aufenthalt und Tätigwerden von Menschen, sowie zur Aufbewahrung seiner Dinge, geschützt vor den unerwünschten Einflüssen der Außenwelt (vergleiche Kleidung).

Genauere Definition und Theoriebildung

Die genaue Definition von Architektur ist insbesondere seit Beginn des 20. Jahrhunderts umstritten. Entsprechend werden die meisten Definitionsversuche nur im Kontext bestimmter Debatten um Inhalt, Aufgabe und Bedeutung der Architektur verständlich, wobei auch das jeweilige zeitgenössische Bauen mit seinen ästhetischen, technischen, ökonomischen und politischen Implikationen zu berücksichtigen ist. Ähnlich wie beim Begriff des Kunstwerkes scheint es beim Architekturbegriff nicht möglich, sich auf die bloße Beschreibung eines Wortes oder einer Sache zu beschränken. Jede differenziertere Begriffsbestimmung erweist sich bei näherer Betrachtung als ein Ringen um Definitionshoheit und Geltungsmacht (siehe hierzu die Schriften des französischen Philosophen Michel Foucault). In diesem Fall darüber, wie Etwas beschaffen sein soll, damit es als „Architektur“ bezeichnet werden darf oder kann - – besonders wenn es sich durch festzulegende Codierungen um Dinge von „erhöhtem“ Wert handeln soll. Aufgrund des so implizierten normativen Aspektes bleibt jede inhaltliche Bestimmung von Architektur kontrovers und ist im Kern ideologisch geprägt. Jeder (inhaltliche) Definitionsversuch - soweit er eine Reflexion enthält - ist bereits Architekturtheorie. Ein einflussreicher (und stark ideologisch gefärbter) Diskurs darüber, was Architektur eigentlich sei, was Aufgabe des Architekten zu sein habe, ist die Unterscheidung von „Architektur“ und „bloßen Bauen“. Diese Gegenüberstellung soll Architektur anhand einer besonderen gestalterischen Qualität vom einfach nur Nützlichen oder Notdürftigen unterschieden und führt zur Frage, ob und wodurch sie sich auszeichne oder gar zur Baukunst werde (siehe dazu auch Ästhetik). Dabei hat sich die herrschende Auffassung dessen, was bei Entwurf und Herstellung eines Bauwerkes die konstitutiv architektonische Leistung sei und damit das Bauwerk über das rein Zweckhafte hinaus erhebe, im Laufe des vergangenen Jahrhunderts deutlich gewandelt: Bis Ende des 19. Jahrhundert war es vor allem die Verwendung bestimmter überlieferter Bauformen - der sogenannte Stil - mit meist reichen ornamentalen Ausschmückungen, in denen sich der künstlerische Rang als Mehrwert und Schönheit eines Bauwerkes in bewusster Opposition zu einer Sphäre purer Pragmatik] manifestierte. Hingegen wurde mit dem sog. [[Funktionalismus]] des 20. Jahrhunderts ein Begriff von Architektur vorherrschend, der auf den ersten Blick nur zweckhaft bedingte Gebäude (auch Ingenieurkonstruktionen) als Architektur verstanden wissen wollte. Dabei wurden die konstruktiven, [[proportionsgebenden und raumbildenden Aspekte des Bauens zum eigentlichen gestalterischen Thema von Architektur erklärt. Mitunter hat man auch die geringfügigsten gestalterischen Interventionen im Rahmen funktionalistischer Planungen in den Rang einer (bau-)künstlerischen Leistung erhoben. Zugleich wurde mit zahlreichen Proklamationen zur „Modernität“, „Fortschrittlichkeit“ und dem „Ausdruck unserer Zeit“ eine symbolische Überhöhung oder Verklärung der funktionalistischen Architektur angestrebt. Nach mehreren Versuchen, diese Auffassung in der sog. Postmoderne und dem Dekonstruktivismus zu revidieren, lebte das funktionalistische Architekturverständnis wieder auf. Inzwischen kam die Frage nach dem Vorrang und der Bedeutung der Konstruktion in der Architektur im Verhältnis zu ihren formalkünstlerischen Aspekten zu erneuter Aktualität (siehe dazu: Technizismus, Architektur ohne Architekten).

Zitate zum Thema Architektur

Die folgenden Beispiele von Definitionsversuchen illustrieren die Kontroverse um die Bestimmung von Inhalt und Aufgabe der Architektur und zeigen zugleich wie aktuell die Frage bleibt, wann Bauen überhaupt als „Architektur“ anzusehen sei und was in Abgrenzung vom bloß Nützlichen und bloß Künstlerischem ihre eigentliche Qualität ausmacht: Architektur ohne Architekten Skizze von Leonardo da Vinci, 1485/90, Venedig, Galleria dell' Accademia]]
- Nach Vitruv (De Architectura) beruht Architektur auf drei Prinzipien: Stabilität (Firmitas), Nützlichkeit (Utilitas) und Schönheit (Venustas).
- Architektur ist Harmonie und Einklang aller Teile, die so erreicht wird, dass nichts weggenommen, zugefügt oder verändert werden könnte, ohne das Ganze zu zerstören. (Leon Battista Alberti 1452 in: De re aedificatoria)
- Dabei ist meist angenommen worden, dass ein Bauwerk erst anfange ein Kunstwerk zu werden, wenn es mehr tue als dem bloßen Bedürfnis zu genügen. (Hermann Muthesius 1908 über den Architekturbegriff des 19. Jahrhunderts in: Die Einheit der Architektur)
- Hermann Muthesius] Nur ein ganz kleiner Teil der Architektur