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MusikpädagogikDie Musikpädagogik befasst sich mit dem Zusammenhang von Musik und Mensch in Aneignungs- und Vermittlungsprozessen. Dabei spielen Perspektiven der Erziehung, der Bildung, des Lehrens, des Lernens und des Unterrichts eine Rolle. Dabei ist die Musikpädagogik als Wissenschaft von der musikpädagogischen Praxis zu unterscheiden.
Nur ein Teil der musikpädagogischen Wissenschaft umfasst wiederum die Didaktik des Faches Musik, wie es an den allgemeinbildenden Schulen unterrichtet wird. Andere Bereiche sind etwa die elementare Musikpädagogik, die Pädagogik des lebenslangen Musiklernens oder die vergleichende Musikpädagogik, welche sich mit Musik und ihrer Vermittlung in anderen Ländern beschäftigt.
In der Didaktik der Musik wird grundsätzlich gefragt, wozu Musik vermittelt werden soll, welche Inhalte und Themen dabei am wichtigsten sind, und wie und mit welchen Mitteln und Medien dies optimal zu geschehen hat. Letzteres wird wiederum auch als die Methodik des Musikunterrichts bezeichnet und beschreibt damit ein weiteres Teilgebiet der Musikpädagogik.
Die Musikpädagogik ist andererseits zunächst auch ein Teil der Pädagogik im gesamten. Wissenschaftlich gewonnene Erkenntnisse der allgemeinen Pädagogik sind oftmals für die Musikpädagogik ebenso wertvoll und gültig, hierzu gehören z. B. Erkenntnisse darüber, dass sich Menschen etwas besonders dann gut aneignen - also lernen - können, wenn sie motiviert sind und sich in positiver Grundhaltung befinden und wenn es sie ein wenig herausfordert, sie aber nicht überfordert werden. (Leider werden solche grundsätzlichen Erkenntnisse in der Praxis der Musikpädagogik nicht immer berücksichtigt.)
Nachbardisziplinen wie die Psychologie, die Soziologie, die Anthropologie und die Medizin sowie die Musikwissenschaft, die Geschichtswissenschaft und die Kunstpädagogik liefern ebenfalls wichtige Erkenntnisse und Methoden für musikpädagogische Fragestellungen.
Musikpädagogische Forschung
Die musikpädagogische Forschung lässt sich methodisch in drei Richtungen gliedern:
#In der historischen Forschung wird z.B. untersucht, wie sich die Musikerziehung in der Weimarer Republik, im 3. Reich in der Nachkriegs-BRD sowie der ehemaligen DDR entwickelt hat. Ideengeschichte, Institutionengeschichte, Wissenschaftsgeschichte und Begriffsgeschichte wären einige Teilgebiete hierbei.
#Die systematische Forschung fragt unter Zuhilfenahme theologischer, philosophischer und pädagogischer Gedankenzusammenhänge grundsätzlich nach den Zielen der Musikpädagogik, nach ihren Werten und Normen, ihren gesellschaftlichen Bedingungen und ihrem Sinn.
#Der empirisch-analytische Ansatz versucht musikbezogene Lernprozesse zu beschreiben, zu erklären und zu verbessern. Hierzu existieren zahlreiche Forschungen, wie z.B. die jüngst populär gewordenen Forschungen zu sog. "Transfereffekten" der Musikpädagogik. Bei solchen außermusikalischen Begründungen für die Aneignung von Musik geht es um Auswirkungen auf die Persönlichkeit des Menschen, auf seine Identität.
Es wird versucht durch Langzeitstudien nachzuweisen, dass Musik, Musizieren und Musikerziehung kognitive, kreative, ästhetische, soziale, emotionale und psychomotorische Fähigkeiten fördern. Insbesondere die Verbesserung der Intelligenz durch den sog. "Mozart-Effekt" wurde mehrfach in der Öffentlichkeit diskutiert. In Fachkreisen ist dies mitterweile sehr umstritten.
Angesichts neuerer interdisziplinärer Forschungen aus den Bereichen Hirnforschung, Psychologie und Pädagogik darf jedoch z.B. vermutet werden, dass der Umgang mit Musik so früh wie möglich in der Lebensspanne und auf allen Ebenen der Aneignung am sinnvollsten, nachhaltigsten und effektivsten ist.
Hermeneutisch wird versucht, die gegenwärtige Realität der musikpädagogischen Praxis zu verstehen und vor dem Hintergrund ihrer geschichtlichen Entwicklung zu deuten.
Grundlage für diese Forschung ist immer auch die künstlerisch-praktische, die musiktheoretisch-analytische und die historische Beschäftigung mit Musik. Ohne musikalische Fähigkeiten und Kenntnisse fehlt einer solchen Forschung naturgemäß die fachliche Grundlage.
Ausgangspunkt für eine Erforschung ist bereits die Frage, „Was ist Musik?“. „Wie wirkt Musik?“, „Was bedeutet Musik?“ und „Welche Funktion hat Musik?“ (in der Werbung, in politischen Kontexten, im Fussballstadion, in der Disco ...) sind weitere zentrale Fragen, ohne deren Beantwortung man kaum Aussagen darüber treffen kann, wie welche Musik am besten vermittelt und gelernt werden kann und soll.
Neben der Ausbildung musikpraktischer Fähigkeiten im Singen und im Instrumentalspiel ist der Begriff der „Ästhetischen Bildung“ für die Musikpädagogik wichtig geworden. Hiermit wird Musik als ein Verständnis der Welt berücksichtigt, als Kultur, als Sprache und als Lebenssinn. Musikalische Bildung ist wiederum nur dann möglich - so die herrschende Lehrmeinung der Musikpädagogen -, wenn musikalische Erfahrungen gemacht werden. Musik zu erfahren schließt die Musikpraxis, das Fühlen (resp. Hören) von Musik und das Nachdenken über Musik mit ein. Musik soll dabei auch verstanden werden.
Musikpädagogische Praxis
Status quo
Diese musikbezogenen Erfahrungen und dieses Verstehen von Musik finden leider an den allgemeinbildenden Schulen in Deutschland und Österreich immer weniger statt. Die Praxis der Musikpädagogik ist in diesem Bereich in einer deutlichen Krise. Zum Teil ist dies selbstverschuldet, etwa aufgrund einer immer noch starken Fixierung auf „klassische“ Bildungsinhalte oder durch die Anbiederungsversuche an die Schüler mit einem reinen Pop-Hit-Unterricht.
Zum Teil ist das gesellschaftliche Umfeld hierfür verantwortlich, denn das Fach Musik hat bei Eltern, Schüler und Politikern einen zunehmend geringen Stellenwert. Stunden werden gestrichen, Lehrer fehlen, Das Fach Musik wird abgewählt oder nicht mehr angeboten. Die Ökonomisierung der Schule im Hinblick auf einen funktionsfähigen Bürger, der vor allem im Wirtschaftsprozess funktionieren soll, der aber nicht mehr gebildet sein muss, trägt ebenfalls hierzu bei. Musikalische Sozialisation beschränkt sich zunehmend auf den Konsum eines kleinen Ausschnittes populärer Musik.
Dies dokumentiert sich auch im Bereich der Musikschulen (privat und öffentlich), die häufig von Schließungen bedroht sind momentan. Hier ist auch die wirtschaftliche Gesamtsituation mit verantwortlich.
Verbesserungsversuche
Positive Ansätze zur Verbesserung der Situation der Musikpädagogik sind z.B. zu erwarten durch:
- die Rückbesinnung auf die Vermittlung grundlegender Inhalte und Kompetenzen
- die frühe Förderung von Kindern, insbesondere durch häufiges, freudvolles Singen
- Modelle zum gemeinsamen Musizieren in der Gruppe/der Klasse auf verschiedenen Instrumenten, beispielsweise in Bläserklassen
- den Einbezug neuer Medien (z.B. Komponieren am Computer)
- fächerverbindende Ansätze (Musik im Kontext von Bildern, Geschichten, historischen oder gesellschaftlichen Themen ...)
- interkulturelle Themenstellungen
Spezialgebiete der Musikpädagogik
Weiterhin gibt es auch therapeutische Ansätze in der Musikpädagogik, die sich in der Musiktherapie - einer eigenen Fachrichtung - sammeln. Musik wird hier sowohl rezeptiv als auch praktisch angewendet, um therapeutische Effekte zu erzielen. Dies geschieht, weil Musik emotional aktivieren, Spannungen regulieren sowie Kontakte und Erlebnisfähigkeit fördern kann.
Weitere Ziele der Musikpädagogik
Musik ist ein gutes Medium um positive Persönlichkeitsmerkmale zu fördern: Sie fördert potentiell z.B. Extraversion im ausdrucksstarken Spiel, Teamfähigkeit im Ensemblemusizieren, Gewissenhaftigkeit gegenüber dem musikalischen Werk und der Musiksozietät, emotionale Stabilität im Podiumsstress der Kunstdarbietung und Intelligenz in der kongenialen Interpretation eines musikalischen Werkes.
Der Umgang mit Musik kann auch dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche in ihrem Verstehen und Handeln dazu befähigt werden, ihre Perspektive im Spiegel der Perspektive des Anderen zu sehen. In der Musikpraxis kann man lernen, seine Position zu relativieren und in den Kontext der Musik einzubringen.
Literatur
- Kaiser, Hermann J. und Nolte, Eckhard, Musikdidaktik, Mainz 1989, Schott, ISBN 3-7957-0202-X.
- Kraemer, Rudolf-Dieter, Musikpädagogik - Eine Einführung in das Studium, Augsburg 2004, Wißner, ISBN 3-89639-380-4.
- Schmidt, Hans-Christian (Hg.), Geschichte der Musikpädagogik, in: Handbuch der Musikpädagogik, Kassel 1986, Bärenreiter, ISBN 3-7618-0781-3.
Weblinks
- [http://www.ampf.info Arbeitskreis musikpädagogische Forschung]
- [http://www.musikpädagogik.net Föderation musikpädagogischer Verbände]
- [http://musikpaedagogik.org Materialen/Links für den Musikuntericht]
- [http://www.Musiklehrer.de Musiklehrerverzeichnis]
- [http://www.lehrsaiten.de Portal für Violinpädagogen]
siehe auch
Musik, Musiker, Musikunterricht, Musikalische Früherziehung, Musikästhetik, Musiksoziologie, Musikpsychologie, Liste der Musikhochschulen und Konservatorien in Deutschland, Musikschule, Kirchenmusikschule
Kategorie:Musikwissenschaft
Kategorie:Musikberuf
Kategorie:Ausbildung und Pädagogik (Musik)
Kategorie:Pädagogische Fachrichtung
Musik
Die Musik (griechisch μουσική (τέχνη) - musiké (téchne) - Kunst der Musen, in der lateinischen (ars) musica bereits in der eingeengten Bedeutung Tonkunst, Tonwerk, musikalische Darbietung, bereits im Althochdeutschen als Lehnwort; ähnliche Entlehnung in unzähligen weiteren Sprachen) bezeichnet
- die Tonkunst: die künstlerische Erzeugung akustischer Ereignisse;
- Werke der Tonkunst;
- umgangssprachlich die Wiedergabe musikalischer Werke ("Wollen wir Musik hören?").
Für eine strukturierte Linkliste siehe: Portal:Musik.
Genauere Begriffsbestimmung und das Material der Musik
Musik ist gestaltete Zeit (im Gegensatz etwa zur bildenden Kunst, die Raum gestaltet). Musik kann nur als Ablauf in der Zeit erlebt werden. Aus diesem Grund setzt Musik beinahe begriffsnotwendig eine rhythmische Ordnung ihres Rohmaterials (Geräusche, Töne, Klänge) voraus. Außer durch Rhythmus kann musikalisches Material durch Melodie (die Abfolge verschiedener Tonhöhen) und Harmonie (die Gleichzeitigkeit bestimmter Tonhöhen) organisiert sein. In Einzelfällen wird auch ein räumlicher Effekt, der dadurch entsteht, dass jedes Instrument an einer Stelle erklingt und somit (begrenzt) ortbar ist, gezielt eingesetzt, etwa in mehrchöriger Musik mit entsprechender räumlicher Aufstellung der einzelnen Gruppen.
Eine genaue Bestimmung, was Musik ist und was nicht, ist nicht möglich. Gestaltung durch den Menschen ist keine notwendige Voraussetzung, sofern man nicht die Laute der Vögel ausschließen möchte. Gedankenloses Vor-sich-hin-pfeifen, die Fahrgeräusche einer Lokomotive und das Stimmen eines Instruments sind andere Grenzfälle, an denen jeder Versuch einer scharfen Abgrenzung von Musik und Nicht-Musik scheitern muss. Schließlich haben avantgardistische Komponisten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ganz bewusst die Grenzen dessen, was Musik ist, gesprengt, indem sie darauf verzichteten, Rhythmus, Harmonie, geschweige denn Melodie zu gestalten: Beispielsweise wurden mit dem Tonbandgerät aufgezeichnete Allerweltsgeräusche in den Konzertsaal geholt, die Beschränkung auf tonale (Dur- und Moll-)Systeme aufgegeben (Atonalität; Arnold Schönberg, Theodor W. Adorno), musikalische Werke unter Zufallsbedingungen hergestellt (Aleatorik) oder Stille als Musikstück deklariert (John Cage).
Musikwissenschaft
Die Musikwissenschaft und ihre Disziplinen behandeln mit wissenschaftlicher Methodik die Entwicklung und Entstehung von Musik (Musikgeschichte), ihre Komponisten, deren Werke und Interpreten sowie die Musikinstrumente (Instrumentenkunde).
Weitere Forschungsrichtungen der Musikwissenschaft sind die Musiktheorie, als Werkzeug der Analyse und als Kompositionskunde, mit der Königsdisziplin Harmonielehre, sowie die Musiksoziologie und Musikpsychologie.
Die Musikwissenschaften werden grob in drei Gruppen eingeteilt:
# systematische Musikwissenschaften: Musiksoziologie, Musikästhetik, musikalische Akustik, Musikpädagogik, Musikpsychologie, musikalische Volkskunde (Musikethnologie), Physiologie des Instrumentalspiels
# angewandte Musikwissenschaften: Musikkritik, Musiklehre, Instrumentenbau
# historische Musikwissenschaften: Instrumentenkunde, Notationskunde, Satzkunde, Ikonographie, Quellenkunde, Stilkunde, Biographie, musikalische Aufführungspraxis
Gattungen, Formen, Genres und Stile
Mit der Systematisierung von Musik nach intersubjektiven Kriterien beschäftigen sich die Disziplinen Gattungskunde und Formenlehre sowie die Stilkunde (siehe Stilrichtungen der Musik).
Die Musikwissenschaften haben mehrere Ordnungsdimensionen entwickelt, die mit unterschiedlichem Erfolg auf Musik angewendet werden.
Nach Art der Beteiligung:
- Vokalmusik (siehe auch a cappella)
- Instrumentalmusik
Nach wertmäßiger Einordnung:
- E-Musik (so genannte Ernste Musik),
- U-Musik (Unterhaltungsmusik, Populäre Musik).
(wobei gerade diese Unterteilung, so wie auch die ihr zu Grunde liegenden Werte, verschiedentlich hinterfragt und auch abgelehnt wurden und werden)
Nach Herkunft:
- Musik aus der europäischen Abstammungslinie (alte, klassische, romantische, zeitgenössische Musik)
- Außereuropäische Musik, heute auch Weltmusik genannt, die von der Musikethnologie untersucht wird
Nach Verwendungszweck, bzw. Anlass der Entstehung:
- Funktionale Musik, von liturgischer Musik über Militärmusik, Filmmusik bis zur Muzak
- Autonome Musik, die um ihrer selbst willen komponiert und aufgeführt wird
- Programmmusik, der ein außermusikalisches Programm zugrundeliegt
- Virtuosenmusik, die nur der Zurschaustellung der Fähigkeiten eines Virtuosen dient
- Gelegenheitskomposition, im Gegensatz zu gültigen Werken eines Komponisten
- Sakrale Musik und Liturgische Musik, z.B. Choral, Kirchenlied, Messe, Oratorium
- Profane Musik oder Weltliche Musik
Nach Tonsystemen:
- Kirchentonarten
- Neuntonmusik (speziell... siehe Osvaldo Antonio Ovejero [http://www.mica.at/person/person_detail.asp?clr=5&iID=69010 externer Link] )
- Zehntonmusik (fernöstlich)
- Zwölftonmusik (üblich)
- Vierteltöne
Nach Menge der Beteiligten:
- Solo
- Duett/Duo
- Terzett/Trio
- Quartett
- Quintett
- Sextett
- Septett
- Oktett
- Nonett
- Dezett
- Orchester
- Chormusik
- Ensemble
Als Spezialfall des 19. und 20. Jahrhunderts nach Tonalitätsvorstellung:
- Tonale Musik
- Atonale Musik
Beziehung zu anderen Kunstformen
Architektur
In der griechischen und römischen Antike waren Musik und Architektur viel enger miteinander verknüpft als dies heute der Fall ist. Architekten, Musiker und Philosophen haben in den Jahrhunderten nicht nur immer wieder Verbindungen zwischen den beiden Künsten gesucht und auch geschaffen, sondern sich auch wechselseitig neue Impulse gegeben. Der Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling sagte im Jahre 1859: Architektur ist erstarrte Musik. In ähnlicher Weise ist bei Arthur Schopenhauer zu lesen: Architektur ist gefrorene Musik. Mehr zur Beziehung von Musik und Architektur siehe Architektur#Musik.
Literatur
Die Verbindung von Musik und Text/ Literatur ist in vielen Musikstilen elementarer Bestandteil bzw. konstituiert bestimmte musikalische Gattungen (Oper/ Kunstlied/ Popsong) überhaupt erst. Von Interesse dabei ist der Gesamtausdruck, der im Zusammenspiel von Musik und Text entsteht.
Es kann aber auch vorrangig um eine inhaltliche Mitteilung gehen, wie sie mit dem Liedtext scheinbar beabsichtigt ist. Liebes- und Protestlied sind solche Formen der direkten Aussage. Allerdings wird durch die musikalische "Verpackung" der Inhalt mit einer Wertung versehen, die Sender und Empfänger in der Kommunikation entweder verstehen oder missverstehen können.
Eine indirektere Verbindung von Musik und Literatur stellen Schauspilemusiken dar, die in ihrer Wirkung bereits eine gewisse Nähe zur Filmmusik aufweisen.
Anwendung
Während Musik oft als reine und zweckfreie Kunst angesehen wird, ist ihre gezielte Nutzung weit verbreitet: Zum Beispiel zum Wecken bestimmter Emotionen (z. B. Werbung, Filmmusik), zur Verdeutlichung von Inhalten, die über ein anderes Medium (z. B. Text, Stimme, Video/Animation) übermittelt werden, zu therapeutischen Zwecken (Musiktherapie), u. v. m. Auch die Kombination mit anderen Kunstformen ist in der Musik besonders häufig, z.B. mit Lyrik (Lied, Oper, Popsong usw.) oder Tanz (Ballett).
Aufgrund dieser kommunikativen Funktion bezeichnet man Musik auch als eine universelle Sprache.
Musik kann entweder spontan entstehen (Improvisation), oder nach schriftlich fixierten Aufzeichnungen ausgeübt werden (Komposition, Notenschrift).
Geschichte
Die Entwicklung der Musik kann in Epochen unterteilt werden, die sich in der konventionellen Musikgeschichte an die Formen der Bildenden Kunst und Architektur anlehnen (z.B. Musik der Antike, Renaissancemusik, Barockmusik, Klassische Musik usw.); neuere Forschungen bemühen sich jedoch, eine Historiographie zu entwickeln, die weniger von den äußeren Rahmenbedingungen als vielmehr der musikalischen Strukturen selbst ausgeht.
In der Chronologie der musikalischen Entwicklung können folgende eurozentristische Abschnitte unterschieden werden:
- Mittelalter - Musik vor dem 13. Jahrhundert, Musik des 13. Jahrhunderts
- Musik der Neuzeit - Musik des 14. Jahrhunderts, Musik des 16. Jahrhunderts, Musik des 17. Jahrhunderts, Musik des 18. Jahrhunderts, Musik des 19. Jahrhunderts
- Musik der Moderne und Postmoderne - Musik des 20. Jahrhunderts
Musiksoziologie
Musik ist nicht nur Selbstzweck und Kulturgut, sondern auch eine umsatzstarke Branche der Kulturindustrie. Die heutige Musikindustrie prägt musikalische Entwicklungen (Casting-Bands, Schaffen von Opernstars), absorbiert und kommerzialisiert unabhängig entstandene Formen (Jazz, Punk) und übt in Form von massiver Lobbyarbeit Einfluss auf politische Entscheidungen aus (Copyright). Weitere Themenbereiche der Musiksoziologie sind Identitätsbildung durch geteilte Musikpräferenzen (siehe auch Jugendmusikkultur) und die Eingebundenheit der Musikausübung und des Musikonsums in gesellschaftliche Strukturen wie Geschlecht, soziale Klasse und Lebensstil.
Musik und Mensch
Kulturhistorisch und bei der Entstehung der Säugetier-Art Mensch (Evolution) spielen Musik und ihre Wahrnehmung durch Ohr, Gehirn und die individuelle Rezeption im Sinne einer sofortigen, unvermeidbaren Bewertung eine enorme Rolle. Musikgeschmack, Musikvorlieben, musikalische Bildung haben alle hörenden Menschen - sie sind sich nur nicht einig in der Bewertung. Diese ist immer subjektiv und gleichzeitig ist sie kulturell geprägt (musikalische Sozialisation).
Ob Musik zur Kommunikation vor der Sprachentwicklung oder beide in einer wechselseitigen Beeinflussung stattfanden, wird sich nicht mehr klären lassen. Aber Musik als Kommunikationsmitttel ist weltweit verbreitet. Die Psychologie sagt, dass Musik Emotionen transportiert aber auch Emotionen verändert.
Das ist unabhängig von der Frage des Unterschieds von Vokalmusik und der Nutzung von Instrumenten zur Musikerzeugung oder -verstärkung.
Musiktechnologie
Neben den Unternehmen der Medienindustrie übt auch die Musiktechnologie zunehmenden Einfluss auf Hörgewohnheiten und das Musikangebot aus. Für die Rezeption von aufgezeichneter Musik sind Abspielgeräte (Tonbandgerät, Schallplattenspieler, CD-Spieler, MP3-Player usw.) notwendig, die sich zunehmend an den Möglichkeiten der Computertechnologie orientieren. Mit der Einführung der Audio-CD begann die Digitalisierung der Musik; durch das Aufzeichnungsformat MP3 wurde die psychoakustische Kompression von Musik eingeführt, bei der solche Anteile aus Musikdaten entfernt werden können, die für die Klangqualität als weniger wichtig erachtet werden. Da damit die Gefahr von unberechtigten Kopien (Raubkopien) heraufbeschworen wurde, werden heute Audiodateien zusehends mit Hilfe von DRM Digital Rights Management versehen, das nur eine feste Anzahl autorisierter Kopien erlauben soll.
Mit der Einführung neuer Technologien wie z. B. der DVD-Audio oder der SACD (Super Audio CD) ist die bis dato vorherrschende Wiedergabe-Technologie im Ein-Kanal- (Mono) bzw. Zwei-Kanal-Verfahren (Stereo) um mehrkanalige (im allgemeinen Fünf-Kanal-, "Surround" genannte) Wiedergabemöglichkeiten erweitert worden.
Der Einfluss der Technologie auf die Musik geht aber weit über die Verfahren zur Speicherung und Wiedergabe von Musikstücken hinaus. Wie seit jeher Instrumentenbauer die technischen Möglichkeiten ihrer Zeit auf der Suche nach dem vollendeten Klang auszuschöpfen suchten, so hat auch das 20. Jahrhundert die Elektronik zur Schaffung neuer Musikinstrumente mit eigenständigem Klangcharakter genutzt. Beispiele hierfür sind u.a. die Elektrogitarre, die Hammondorgel oder der Synthesizer. Des weiteren wird in modernen Produktionsstudios immer mehr auf Computer zur Erstellung von Musik gesetzt. Wichtig sind hier Systeme wie MIDI oder Software Synthesizer, mit denen ganze Orchester imitiert werden können.
Neben der Speicherung und Produktion von Musik wird auch das Nachschlagen durch moderne Technologie vereinfacht. In den fünfziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts erschienen Bücher wie Barlow und Morgensterns "A Dictionary of Musical Themes" und Parsons' "A Directory of Tunes and Musical Themes", die es dem Leser ermöglichen, Melodien z. B. anhand des Parsons-Codes zu identifizieren. Inzwischen gibt es aber viel bessere Methoden dafür, z. B. Musipedia, eine Online-Suchmaschine für Melodien.
Wirkungen
Der Musik werden die unterschiedlichsten emotionale und psychologische Wirkungen zugeschrieben; das Spektrum reicht von der einer heilenden Wirkung (z. B. Musik von Bach und Mozart, New Age-Musik) bis hin zu "destruktiven" Wirkungen (z. B. bei Death Metal, Gothic, Musik von Schönberg), die durchaus beabsichtigt sein können.
Bis heute konnten die Musikwissenschaft und ihre Hilfsdisziplinen nicht abschließend klären, in welchem Grad diese Wirkungen mit den kulturellen Rahmenbedingungen zusammenhängen; so wurde durch die Verbreitung der Rockmusik noch vor wenigen Jahrzehnten der Untergang des Abendlandes befürchtet; andererseits weist die Medienwirkungsforschung zumindest in speziell dispositionierten Fällen Wirkungen wie Selbsttötungen nach. Allerdings sind auch diese Forschungsergebnisse umstritten.
Auch Pflanzen und Tiere sollen auf Musik reagieren; bestimmter Musik wird eine positive Wirkung auf das Wachstum von Zimmerpflanzen nachgesagt; selbst in der Tierhaltung wird gelegentlich Musik eingesetzt.
Vollkommen im Bereich der Spekulation liegt die Unterstellung der universellen Verständlichkeit von Musik; so kommunizieren Erdenbewohner in Steven Spielbergs Spielfilm Unheimliche Begegnung der dritten Art mit außerirdischen Besuchern über Tonfolgen und Klänge. Selbst die heutigen Raumsonden der NASA und ESA enthalten Aufzeichnungen von Musik, die der Verständigung mit außerirdischen Lebensformen behilflich sein sollen (siehe Sounds of Earth).
Literatur
- MGG - Musik in Geschichte und Gegenwart: allgemeine Enzyklopädie der Musik hrsg. von Friedrich Blume. Bärenreiter Metzler. MGG Personenteil in 17 Bänden (1999 ff.), MGG Sachteil in 10 Bänden. [http://www.mgg-online.com]
- Leonard Bernstein: Musik - die offene Frage. Vorlesungen an der Harvard-Universität. München: Goldmann, 1976. ISBN 3-442-33052-1
- Hans Renner: Grundlagen der Musik - Musiklehre. Stuttgart: Reclam, 1953. ISBN 3-15-007774-5
- dtv-Atlas Musik. Bd. 1 u. 2. ISBN 3423030224
- Harenberg Komponistenlexikon. Dortmund 2001. ISBN 3-611-00978-4
"Das grosse Lexikon der Musik", herausgegeben von Marc Honegger und Günther Massenkeil, Freiburg im Breisgau 1978 und 1987
Siehe auch
- Portal:Musik
- Musikliteratur
- Universalien der Musikwahrnehmung
Weblinks
- [http://www.miz.org/ Deutsches Musikinformationszentrum, Bonn]
- [http://dma-opac.ddb.de/ Online-Katalog (OPAC)] des Deutschen Musikarchivs Berlin
- [http://www.gnoosic.com/ Gnoosic - Das webbasierte Empfehlungssystem für Musik]
- [http://www.music-map.de/ Music-Map - Die Welt der Musik nach Geschmack sortiert]
- [http://de.musipedia.org/ Musipedia - kollaborative Musikenzyklopädie, eine Art Wikipedia für Musik]
- [http://www.hirnforschung.de/Musik.php4 Newsletter zu Gehirn und Musik von hirnforschung.de]
- [http://www.gratisipodvideo.de.vu/ Seite des beliebtesten Musikplayers, des Ipods]
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Kategorie:Musiktheorie
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ErziehungErziehung und erziehen (lt.Duden von ahd. irziohan = herausziehen) bedeutet, jemandes Geist und Charakter zu bilden und seine Entwicklung zu fördern.
Konkret bedeutet "Erziehung" vor allem folgende vier Bereiche:
# Die mehr oder weniger zielgerichtete Etablierung erwünschter Verhaltensweisen, Werten und Normen bei Kindern und Jugendlichen und damit verbunden auch das Setzen von Grenzen. Ziel der Erziehung ist es, ihnen ihren Platz in Sozialen Gruppen (zum Beispiel die Familie) zuzuweisen und später, um sie an das Leben und Überleben in der Gesellschaft anzupassen ("fit for life"). Entscheidend ist, dass Erziehung immer nur im sozialen Kontext - also durch andere Individuen - stattfinden kann, und anders als Bildung ausschließlich für die Orientierung im sozialen Umfeld nützlich ist. Dennoch ist eine scharfe Abgrenzung zwischen Bildung und Erziehung nicht immer möglich und sinnvoll. Oftmals werden Bildungsinhalte in einen gesellschaftlichen Kontext gerückt, so dass diese wiederum zunächst zur Erziehung werden (z. B. Hände waschen nach der Toilette). In vielen Sprachen gibt es deshalb auch nur ein Wort für beide Begriffe, z. B. das englische "education". Bei Erwachsenen wird der Begriff Erziehung im allgemeinen nicht mehr als Prozess verstanden, da man davon ausgehen sollte, dass die Entwicklung des Erwachsenen soweit abgeschlossen ist. Man verwendet hier den Begriff Erwachsenenbildung, wenn man von Weiter- und Fortbildung spricht.
# Die eigene Erziehung, also die Verhaltensweisen, Werte und Normen, die uns Eltern, Verwandte, Schule und andere pädagogische Einrichtungen als Prägung auf den Weg ins Erwachsenenleben mitgegeben haben. Manchmal besteht die Selbsterziehung auch in bewußter Abkehr vom bisherigen Weg - siehe z. B. Umkehr oder Wende.
# Die Ausbildung spezieller Fähigkeiten, wenn sie als Suffix auftaucht, z. B. in Musikerziehung, Sporterziehung, Verkehrserziehung.
# Das Heranziehen von Tieren zu einem erwünschten Verhalten (siehe auch Dressur) oder von Nutzpflanzen zu einem günstigen Wuchs.
Nähere Erläuterung
Im Folgenden sind Methoden und Bedingungen von Erziehung unter modernen pädagogischen (erziehungswissenschaftlichen) Gesichtspunkten dargestellt.
In der Pädagogik versteht man unter Erziehung das absichtliche (also nicht im Affekt getätigte) Bereitstellen oder Ausnutzen von Lernmöglichkeiten. Dabei geht man bewusst, planvoll, methodisch und zielgerichtet vor und kann dieses Vorgehen auch verantworten. Das heißt, der Erziehende macht sich vorher darüber Gedanken, was er erreichen möchte. Er überlegt die Erziehungsziele, die zu ihrer Realisierung geeigneten Methoden und kann auch begründen, warum dieses Vorgehen nötig ist.
Dieser Vorgang geschieht grundsätzlich in personaler Interaktion. Das heißt, der Erzieher reagiert auf ein Verhalten des Zu-Erziehenden (früher auch: "Zögling") und/oder umgekehrt. Die dabei entstehende Wechselwirkung (keine Manipulation) zwischen Erzieher und zu Erziehendem unterscheiden die Erziehung von der bloßen Konditionierung oder einer Abrichtung.
Voraussetzung für das Gelingen von Erziehung ist ein Vertrauensverhältnis und eine gewisse Autorität (die früher mehr als heute betont wurde) sowie das Eingebundensein in die jeweilige Peer group. Ohne diese Voraussetzungen ist der Jugendliche auf sich allein gestellt, und kann bei ungünstigen Voraussetzungen in eine soziale Abwärtsspirale geraten, die ihn, je nach Veranlagung bis in die Kriminalität oder die psychiatrische Anstalt führen kann.
In einer alternativen, von Wolfgang Brezinka präferierten Definition werden unter Erziehung Handlungen verstanden, mit deren Hilfe versucht wird, andere Menschen dahin gehend zu beeinflussen, dass ihr Gefüge der psychischen Dispositionen in irgendeiner Hinsicht dauerhaft verbessert wird, oder seine als wertvoll beurteilten Bestandteile zu erhalten. Andererseits soll auf diese Weise die als schlecht bewertete Entstehung von Dispositionen verhütet werden.
Erziehungsstile
Des Weiteren wird zwischen verschiedenen Erziehungsstilen unterschieden. Unter einem Erziehungsstil versteht man Methoden und Grundsätze, sowie den theoretischen Hintergrund, nach denen man eine Erziehung (meist die Kindererziehung) aufbaut. Die Beschreibung verschiedener Erziehungsstile besteht in der Übertragung von Führungsstilen auf das Verhalten in Erziehungsprozessen. Analog werden auch hier drei Hauptstile (kursiv geschrieben) unterschieden, wobei noch zwischen weiteren vier unterschieden wird.
# Autokratischer Erziehungsstil: Bei dem autokratischen Erziehungsstil wird gegenüber dem Educandus (= zu Erziehender) ein hohes Maß an Autorität ausgeübt. Eine mögliche Eigeninitiative und die Meinung des zu Erziehenden wird unterdrückt bzw. nicht berücksichtigt.
# Autoritärer Erziehungsstil: Der autoritäre Stil, der mit einem interventionalen Erziehungsbegriff einhergeht, setzt stark auf die Erziehungsmittel Belohnung und Bestrafung und weniger auf Überzeugung, vermittelt aber meist Sicherheit. Erziehungsmaßnahmen sind oft undurchsichtig und erwartungsgemäß kaum durch demokratische Meinungsbildungsprozesse legitimiert. Die Meinung des zu Erziehenden wird zwar akzeptiert, zum Schluss bestimmt jedoch der Educans (= Erzieher), der erst später in den Hintergrund tritt.
# Demokratischer Erziehungsstil: Ein demokratischer Erziehungsstil lässt sich mit dem reformpädagogischen Erziehungsbegriff verbinden. Hier spielt Konsens beim Einsatz von Erziehungsmaßnahmen eine größere Rolle. Erziehungshandeln soll für alle Beteiligten transparent sein. Der zu Erziehende wird als ernster Gesprächspartner betrachtet und soll mit steigendem Alter selbstständiger und eigenverantwortlicher handeln. Die Notwendigkeit, manchmal Grenzen zu setzen, wird im Regelfall besprochen.
# Egalitärer Erziehungsstil: Innerhalb des egalitären Erziehungsstils haben Erzieher und zu Erziehender die selben Rechte und Pflichten. Die Meinung des zu Erziehenden wird nicht nur eingeholt und berücksichtigt, sondern besitzt das gleiche Gewicht wie die des Erziehenden.
# Permissiver Erziehungsstil: Der permissive Erziehungsstil ist eine gemäßigte Form des laissez-faire-Erziehungsstils. Der Erziehende hält sich bei der Erziehung eher zurück, ein Setzen von Grenzen findet nur selten statt.
# Laissez-faire Erziehungsstil: Der laissez-faire Erziehungsstil korrespondiert mit dem antipädagogischen Erziehungsbegriff. Erziehung wird hier als eine nicht legitime Maßnahme gegenüber Kindern aufgefasst und dementsprechend unterbleiben zielgerichtete Erziehungsmaßnahmen.
# Negierender Erziehungsstil: Beim negierenden Stil kann nicht von bewußter Erziehung gesprochen werden; das Verhalten des zu Erziehenden wird vom Erzieher nicht beeinflusst. Es bestehen keine Erziehungsmaßnahmen und kein Interesse gegenüber der Entwicklung des zu Erziehenden.
In der Praxis ist die Unterscheidung eines Erziehungsstils und der damit verbundenen Erziehungsmethoden nicht eindeutig, da zum einen nicht immer eine klare Trennung der Erziehungsstile möglich ist, zum anderen, weil häufig Mischformen auftreten. So kann es zum Beispiel sein, dass Erzieher mit überwiegend demokratischem Stil in einigen Bereichen autoritäre Methoden anwenden.
Kritik traditioneller Erziehung / Anti-Erziehung
Die Kritik der Erziehung wendet sich insbesondere gegen nicht kindgerechte Methoden von Erziehung. Der Begriff des unbedingten Gehorsams stößt nach den Erfahrungen des Dritten Reichs auf vehemente Ablehnung und markiert ein Ende preussischer Erziehungsideale.
Die aus der Auseinandersetzung mit der Nazizeit und dem Protest gegen den Vietnamkrieg entstandene Protestbewegung der 68er-Generation führte in ihrem Verlauf auch zur antiautoritären Erziehung, einer Strömung, die radikal jegliche autoritären Methoden in der Erziehung ablehnte.
Die neuere Kritik stellt die Notwendigkeit von Grenzen dagegen nicht in Frage, verurteilt aber umso schärfer Übergriffe gegen Kinder und Jugendliche - ein Trend, der sich seit 1970 durch die Enttabuisierung der Kindesmisshandlung zeigt und in Deutschland 2000 darin gipfelte, dass Schlagen von Kindern gesetzlich verboten wurde (Kindesrecht auf eine Erziehung ohne Gewalt).
Als tieferer Hintergrund wird angenommen, dass am Verhalten der schwächsten Mitglieder der Gesellschaft eine bislang unbeachtete Frontlinie verläuft, an der sich persönlicher und gesellschaftlicher Druck entlädt. Demzufolge seien alle Verhaltensweisen zu verurteilen, die auf subtilem Wege das systematische Auslöschen des kindlichen Willens verfolgen. Dieses im 18. bis 19. Jh. vielfach noch offen verfolgte Ziel wird heute als schwarze Pädagogik gebrandmarkt.
Kritik der Erziehung
Jedem Erziehungsbegriff liegt ein Manipulationsideal zugrunde, das heißt die Erzieher und die Erziehungswissenschaftler unterstellen, es gäbe bestimmte Methoden, getrennt von Wissen und Einsichten im Denken der Zöglinge, die zur Ausbildung verschiedener gewünschter Persönlichkeitseigenschaften führen würden. Das Menschenbild, von dem dabei ausgegangen wird, enthält die Voraussetzung, daß dem Individuum (quasi genetisch) ein Bedürfnis nach Orientierung und Moral innewohne, welches durch Erziehung befriedigt werden müsse. Der Begriff der Erziehung bezieht aus diesem Menschenbild - insofern quasi "automatisch" - die Legitimation seiner Anwendung. Jenseits einer solchen interessegeleiteten Begriffskonstruktion erweist sich aber, daß bei Erziehung sehr alltagspraktische Gegensätze zwischen Erziehern und den zu Erziehenden ausgetragen werden - in der Regel ohne vernunftgeleitete Debatten über Gründe und Erklärungen - um bestimmte bei den Zöglingen erwünschte Verhaltensweisen durchzusetzen bzw. ihnen die Übernahme der jeweils gewünschten Moral nahezulegen. Insofern spielen die Theorien der Erziehung am Ende bei der Erziehungspraxis eine rein ideologische Rolle, je nach dem unter welchen "höheren moralischen Gesichtspunkten" und für welche aktuellen gesellschaftlichen Zwecke und Ideale die Erziehung jeweils gerechtfertigt werden soll.
Zitate
Kinder werden als asoziale und egoistische Wesen geboren. Die Werte der Zivilisation, die des Menschen Gemeinschaft von der Horde unterscheidet, müssen ihnen erst nach und nach vermittelt werden. Das ist Aufgabe der Erziehung.
:Ulrich Wickert, aus: "Zeit zu handeln"
Das Schleifen tut weh. Hat einer aber seinen Schliff weg, ist er meist stolz auf seine Qualitätsverbesserung.
:Fritz Wöss, aus: "Hunde wollt ihr ewig leben"
Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.
:Mark Twain
Siehe auch
- Portal:Pädagogik, Geschichte der Pädagogik
- Sozialpädagogik
- Bildung
- Schule, Internat, Kindergarten, Jugendarbeit
- Hilfe zur Erziehung
- Antipädagogik
- UNESCO, UNICEF
- Sicherheitserziehung für Kinder
- Verwöhn-Verwahrlosung
- Wertvorstellung
Weblinks
- [http://www.bv-paed.de BV-Päd.] Berufsverband der Erziehungswissenschaftlerinnen und Erziehungswissenschaftler e.V., BV.Päd., in Dortmund.
- [http://www.vbe.de VBE] Bundesverband für Bildung und Erziehung
- [http://www.fachportal-paedagogik.de/ Fachportal Pädagogik]
- [http://www.bildungsserver.de/zeigen.html?seite=136 Deutscher Bildungssserver]
- [http://www.giersbeck.de/erzneu2.htm Anregungen zu einer sich selber reflektierenden Erziehung] (Essay über einen neueren Ansatz, sehr komprimiert)
- [http://www.bruehlmeier.info/paedagogik.htm Aufsätze zu pädagogischen Themen des Schweizer Pädagogen Arthur Brühlmeier]
- Der nachstehende Link entspricht in seiner radikalen Ansicht nicht der allgemeinen Lehrmeinung und benutzt weiterhin falsche Definitionen der Erziehungstile zur Kritik. Er versucht aber mit seiner Grundsatzkritik an Erziehung einige Probleme und Gefahren jener aufzuzeigen: http://kraetzae.de/erziehung/erziehen_ist_gemein/
- [http://www.paedagoklick.de www.paedagoklick.de]
Kategorie:Pädagogik Kategorie:Pädagogische Psychologie
ja:教育
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LernenUnter Lernen versteht man den individuellen Erwerb von Kenntnissen sowie von geistigen und körperlichen Fertigkeiten und Fähigkeiten. Lernen kann als systematische Änderung des Verhaltens aufgrund gewonnener und durchdachter Informationen (Wissen) durch Wahrnehmung von Veränderungen in der Umwelt bezeichnet werden.
Einleitung
Etymologisch ist das Wort "lernen" mit den Wörtern "lehren" und "List" verwandt und gehört zur Wortgruppe von "leisten", das ursprünglich "einer Spur nachgehen, nachspüren" bedeutet. Im Gotischen heißt "lais" "ich weiß", bzw. genauer "ich habe nachgespürt" und "laists" für "Spur". Die indogermanische Wurzel - lais- bedeutet "Spur, Bahn, Furche" (vgl. http://learn.idoneos.com/ und Duden/Etymologie).
Schon von der Herkunft her hat Lernen etwas mit Spuren hinterlassen zu tun. Lernen soll im Gedächtnis ebenso Spuren hinterlassen (subjektivierender Anteil), wie in der Umwelt (objektivierender Anteil).
Grundlagen des Lernens
Mitbedingung für Lernen ist die Fähigkeit zur Erinnerung (Gedächtnis). Jedoch ist Lernen mehr als das reine Abspeichern von Informationen. Lernen beinhaltet die Wahrnehmung der Umwelt, die Verknüpfung mit Bekanntem (Erfahrung) und das Erkennen von Regelmäßigkeiten. Die Fähigkeit zu lernen ist somit eine Grundbedingung für Mensch und Tier, sich den Gegebenheiten des Lebens und der Umwelt anpassen zu können. Zur Dressur von Tieren ist deren Lernfähigkeit eine Voraussetzung. Für den Menschen ist die Fähigkeit zum Lernen auch eine Voraussetzung für Bildung, also ein reflektiertes Verhältnis zu sich, zu den anderen und zur Welt.
Wissenschaftlich beschäftigen sich u.a. mit dem Lernen: die Lernpsychologie, die Pädagogische Psychologie, die Neurobiologie, die Didaktik bzw. Pädagogik. Unterschiedliche Lerntheorien versuchen die Vorgänge und Bedingungen des Lernens zu beschreiben.
Wer lernt (siehe Lernkurve), kann auch vergessen (siehe Vergessenskurve) - beispielsweise wenn regelmäßige Übung oder Anwendung unterbleibt.
In der Pädagogischen Psychologie unterscheidet man verschiedene Bereiche, unter denen das Lernen erörtert wird: Reifung, Erziehung, Sozialisation, Verhaltensänderung, Wissenserwerb, Psychologie des Lerners, Psychologie des Erziehenden / Lehrenden, Psychologie der pädagogischen Interaktion, Lernen mit Medien, Lernumwelt, Unterricht.
Aspekte des Lernens
Lernen ist nicht immer ein bewusster Vorgang oder absichtsvoll (siehe auch inzidentelles Lernen und implizites Lernen) und häufig beiläufig und ungeplant (siehe informelles Lernen). Lernen kann jedoch unter zu Hilfenahme von Lehrmethoden zu einem selbstgesetzen Ziel führen.
Zunächst sollen Bedingungen des Lernens erläutert werden, dann sollen zwei Lernmodelle ausführlich erörtert werden. Gesondert werden Gedächtnis, Umwelt und Motivation behandelt werden. Schließlich sollen mit dem Lehr-Lern-Verhältnis und dem Erfassen von Texten zwei spezifische Aspekte behandelt werden.
Bedingungen des Lernens
Unter Bedingungen des Lernens versteht man alle Einflüsse, die den Lernprozessen ihren spezifischen Charakter geben. Dieser kann sowohl von Bedingungen der Wahrnehmung (sensorisch), von Bedingungen der Denkleistungen (kognitiv), von Bedingungen des „Sich-Fühlens“ (emotional) und von Bedingungen regulativer und stark sozialisierter Denkleistungen (volitiv) abhängen.
Sensorische Bedingungen
Zu den sensorischen Bedingungen des Lernens gehören alle Wahrnehmungskanäle und deren Weiterleitung in den Nervenbahnen. Gewöhnlich unterscheidet man sieben Wahrnehmungssysteme:
- auditives System (Hören)
- vestibuläres System (Schwerkraft und Bewegung)
- propriozeptives System (Muskeln und Gelenke, Tiefen- oder Stellungssinn)
- taktiles (haptisches) System (Berührung, Tastsinn)
- visuelles System (Sehen) (siehe auch: visuelles Lernen)
- gustatorisches System (Schmecken)
- olfaktorisches System (Riechen)
In unserer Kultur spielen die beiden letzten Sinneskanäle für das (schulische) Lernen kaum eine Rolle, obwohl in Konzepten wie „Lernen mit allen Sinnen“ (Kinästhetisches Lernen) auch dafür geworben wird.
Zentral werden Hören und Sehen als Lernkanäle angesehen, doch setzen sich gerade im Grund- und Sonderschulbereich, aber auch in der Erwachsenenbildung immer mehr handlungsorientierte Ansätze durch, die vestibuläres, propriozeptives und taktiles System mit einbinden. Beispielhaft wird dies anhand vieler Ansätze der Bewegungstherapie, aber auch im Zuge konstruktivistischer Lernmodelle. Dies soll weiter unten noch einmal erläutert werden.
Drei Stufen der Wahrnehmungsentwicklung (Sensorische Integration)
AFFOLTER (1975) unterscheidet bei der Wahrnehmungsentwicklung drei Stufen. Diese drei Stufen geben an, wie Wahrnehmungsreize verarbeitet werden.
Die einfachste Stufe ist die modale Entwicklungsstufe. In dieser werden Reize zunächst unspezifisch verarbeitet, dann aber zunehmend differenziert und voneinander abgegrenzt. So können Säuglinge schon verschiedene Stimmen voneinander unterscheiden und erkennen bestimmte Melodien wieder.
Die nächste Stufe nennt Ayres die intermodale Stufe. Hier verbinden sich Reize unterschiedlicher Kanäle zu einer Repräsentation. So kann der Säugling ab einem gewissen Alter die Stimme und das Gesicht der Mutter miteinander verbinden.
Die dritte Stufe, die seriale Stufe, integriert unterschiedliche Reize in zeitlichen und räumlichen Repräsentationen und verknüpft sie zu bedeutungsvollen Ganzheiten.
Affolter kann allerdings kaum mehr als ein abstraktes Modell bereit stellen. Ein Säugling reagiert meist von Anfang an auf ein Geräusch mit Bewegungen und es lässt sich nicht genügend abgrenzen, ob es sich hier nur um Reflexe handelt, oder bereits ein Lernprozess statt gefunden hat.
So merkt Herbert Günter (1998) richtig an: „... es handelt sich hierbei ... um ineinander verschachtelte Phasen, ... . Die einzelne, isolierte Information ohne jegliche Beziehung und Bindung zu anderen Sinneskanälen ist bedeutungslos.“
Wichtiger allerdings sind die Annahmen, die AYRES (1984) dann zur weiteren Entwicklung der sensorischen Integration gemacht hat: diese führen zum Aufbau komplexer Systeme, so genannter höherer Hirnfunktionen, die ein koordiniertes Verhalten und schließlich ein zielgeleitetes und systematisches Handeln erst möglich machen.
Ein Modell der sensorischen Integration
AYRES stellt folgendes Modell auf, die die Entwicklung höherer Hirnfunktionen aus basalen Wahrnehmungsprozessen erklärt:
Bild:Sensorische_Integration_(nach_AYRES).jpg
Ayres Modell allerdings behauptet nur, dass der Aufbau von komplexen Hirnfunktionen so statt findet. Eine wirkliche Erklärung, wie es statt findet, hat sie nicht.
Ein anderes Modell, sowohl von seiner Struktur als auch mit den selben Problemen des Beweisens stammt von Luria (1970)
Die Sinneskanäle
Hören besteht aus der Schallaufnahme, deren Weiterleitung im Hörnerv und die Verarbeitung in der primären Hörrinde. Neben der Fähigkeit, verschiedene Geräusche voneinander zu unterscheiden, ist hier vor allem die Lokalisierung von Schallgeräuschen im Raum wichtig.
Beim Sehen werden Lichtreize von der Netzhaut über die Sehbahn zur Sehrinde weitergeleitet. Grundlegende Leistungen der visuellen Wahrnehmung sind die Weite des Gesichtsfeldes, das Erfassen von Raumtiefe und die Farbtüchtigkeit.
Das vestibuläre System besteht vor allem aus dem Vestibularapparat, der dicht beim Ohr sitzt und dessen Vernetzung mit der Gelenkstellung (propriozeptives System) und der Blickmotorik. Dieses System ist wesentlich an der Körperhaltung, aber auch an der Körperkoordination beteiligt.
Das propriozeptive System ist das zunächst unscheinbarste System im Körper. Anders als die klassischen Sinne (Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Fühlen) und der Gleichgewichtssinn, der im Kinderspiel besonders auffällig erprobt wird, tritt es so selbstverständlich in Erscheinung, dass es oft vergessen wird. Dieser häufig auch als Stellungssinn bezeichnete Wahrnehmungskanal entsteht aus Nervenimpulsen von den Muskeln. Diese nehmen Reize zur Gelenkstellung, Bewegung und Muskelkraft auf. Die weitere Verarbeitung von propriozeptiven Reizen ist relativ komplex und bindet verschiedene Hirnregionen ein.
Dem verwandt ist das taktile System, auch Hautsinn genannt. Die biologische Verwandtschaft wird nicht nur durch ähnliche Reizaufnahmen, sondern auch durch ähnliche Weiterverarbeitung nahe gelegt. Das taktile System empfängt Druck- und Berührungsreize (mechanosensorisches System), sowie Kälte- und Wärmereize (thermosensorisches System).
Das gustatorische System nimmt Reize auf der Zungenoberfläche auf. Diese lassen sich in vier verschiedenen Geschmacksqualitäten einteilen: süß, sauer, salzig und bitter. Komplexere Geschmacksempfindungen entstehen dagegen nicht auf der Zunge, sondern durch Einarbeiten olfaktorischer Reize.
Von der Nasenschleimhaut aufgenommene Reize werden komplex weiter geleitet. Beim olfaktorischen System wird angenommen, dass es Appetitverhalten, affektives und sexuelles Verhalten sowie vegetative Reaktionen (z.B. Speichelfluss, Übelkeit) regelt.
Störungen der Sinneskanäle
Störungen der Sinneskanäle sind recht vielfältig. Neben sog. peripheren Schädigungen, die die Reizaufnahme betreffen, gibt es zentrale Schädigungen. Blindheit kann z.B. durch Schädigung der Netzhaut peripher verursacht werden, aber auch zentral durch Ausfall der Sehrinde im Hirn.
Störungen der taktilen Sensibilität können z.B. durch Narbengewebe oder durch spezifische Lepraerkrankungen peripher hervorgerufen werden, durch Multiple Sklerose dagegen im Rückenmark und Hirnstamm an zentraler Stelle.
Neben solchen Formen der pathologischen Veränderung von Reizaufnahme, -weiterleitung und -verarbeitung gibt es heute stark die Diskussion von diffusen Formen der Sinnesstörungen im Zusammenhang mit schulischer Bildung und Intelligenzschwächen. Diese diffusen Formen macht man heute weitestgehend für die nicht deutlich klassifizierbare Gruppe von Schülern mit Lernbeeinträchtigungen und Lernbehinderungen verantwortlich. Auch für das als ADS bekannte Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom werden solche diffusen Störungen angenommen.
Verschiedene Modelle und Begriffe des Lernens
Unterschiedliche Formen des Lernens sind bekannt und werden von verschiedenen Lerntheorien beschrieben. Die genaue Funktionsweise des Lernens ist allerdings wissenschaftlich noch nicht geklärt und durchaus umstritten, weshalb sich verschiedene Lerntheorien in Ansätzen und Herangehensweisen durchaus widersprechen können.
Die Lerntheorien und Ansätze können z.B. hinsichtlich der Lernorte und Methoden unterschieden werden. Planmäßiges Lernen etwa erfolgt unter Anwendung von Lehrmethoden, die das Lernen unterstützen sollen, im Bildungswesen, also durch den Besuch von Schule, Angeboten der Erwachsenenbildung oder E-Learning. Dabei ist mittlerweile allgemein anerkannt: nicht jeder lernt auf jede Weise gleich leicht, es gibt unterschiedliche Lerntypen.
Unter anderem das Konzept des Widerständigen Lernens, das von Klaus Holzkamp entwickelt wurde, zeigt dann auch, dass sich der Lernerfolg nicht formelhaft aus Lernziel und Lernmethode zusammensetzt. Dies liegt im institutionalisierten Bildungswesen u.a. auch daran, dass neben den offiziellen Lernzielen auch heimliche Lehrpläne wirken. Vor allem kritisiert Holzkamp jedoch, dass die gängigen Lern- und Motivationstheorien nicht von den Interessen des lernenden Subjekts ausgehen, sondern sich nur mit dem Problem befassen, wie dem Lernenden von außen etwas nahegebracht werden kann. Gegen die Fremdbestimmung wurde daher das Konzept des expansiven Lernens entwickelt, das in subjektwissenschaftlicher Herangehensweise von den Eigeninteressen der Lernenden Person ausgeht.
Die ganze Lebensspanne wird heute mit dem Begriff des lebenslangen Lernens einbezogen. Soziales Lernen, Globales Lernen und Interkulturelles Lernen sind besondere Lern- und Lehransätze hinsichtlich der mit ihnen benannten Bildungs- und Erziehungsziele. Der Begriff des Organisationalen Lernen bezieht sich auf angeleitetete Veränderungsprozessen im betrieblichen Management bzw. ganzer Organisationen.
Aus dem Bereich der Informatik, nämlich der Künstlichen Intelligenz stammen weiterhin die Begriffe Überwachtes Lernen sowie Maschinelles Lernen.
Neuronale Netze als Unterrichtsarrangement
Gegenwärtig bestehen Bestrebungen, die Erkenntnisse der Gehirnforschung stärker für die methodische Gestaltung des Unterrichts umzusetzen. Ein fruchtbares Modell für eine solche Umgestaltung bieten die neuronalen Netze. Neuronale Ensembles lernen dann, wenn zwischen den Neuronen stabile Konstellationen entstehen. Auf eine Lernergruppe bezogen bedeutet es, dass zwischen den Lernern durch stoffbezogene intensive und langfristige Interaktionen stabile Verbindungen aufgebaut werden. Ferner sollen diese "neuronalen Netze" selbst kollektiv Wissen konstruieren. Realisiert wird dieses Modell beispielsweise im Rahmen der Unterrichtsmethode Lernen durch Lehren.
Neurobiologie des Lernens
Ein großer Zweig der Neurowissenschaften beschäftigt sich mit dem Lernen auf molekularer Ebene. In diesem Wissenschaftszweig versuchen Forscher heraus zu bekommen, wie Sinneseindrücke im Gehirn prozessiert und abgespeichert werden. Dieses System ist komplex, jedoch wächst das Wissen darum von Tag zu Tag.
Zunächst ist es wichtig, den Unterschied zwischen dem Lernen des Computers und dem Lernen eines Gehirns zu unterscheiden. Die Effizienz unseres Lernens ist abhängig von der Aufmerksamkeit. Dinge, denen wir viel Aufmerksamkeit entgegenbringen, können wir das ganze Leben lang behalten, während der größte Teil dessen, was wir den ganzen Tag über sehen, hören oder schmecken sehr schnell wieder vergessen wird und nicht in das Langzeitgedächtnis übernommen wird.
Im Gehirn gibt es ein spezielles System, das für Aufmerksamkeitsprozesse zuständig ist, das Aufsteigende Retikuläre Aktivierende System ARAS. Es wird beeinflußt von dem limbischen System und dem Hypothalamus. Funktionell bedeutet dies, Aufmerksamkeit ist abhängig von der emotionalen Bedeutung einer Situation, und von der vegetativen Konstitution des Organismus (Müdigkeit, Schmerz, Hunger, Sexualtrieb, etc.)
All diese Sachen nehmen Einfluß auf das Lernen und ermöglichen so die Aufnahme von Informationen, die uns wichtig erscheinen und das Ignorieren von unwichtigen Dingen.
Efferent beeinflußt das ARAS den unspezifischen Thalamus, das Tor zum Bewußtsein. Diese Beeinflussung muß man sich so vorstellen, dass das ARAS dieses Tor öffnen oder schließen kann. Beispielsweise im Schlaf oder während einer Narkose wird der Thalamus so stark vom ARAS gehemmt, dass es nicht möglich ist, Informationen an die Großhirnrinde (Kortex) weiterzuleiten. Die Aufmerksamkeit ist auf dem Tiefpunkt. Schmerzen, Emotionen wie Aufregung etc. aktivieren das ARAS, und es sorgt für eine Öffnung des Thalamus und damit für maximale Aufmerksamkeit.
Nicht alles, was unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht, wird auch in das Gedächtnis übernommen. Generell unterteilt man in:
- deklaratives Gedächtnis, das Informationen und Sprache speichert und dies weiter in ein
- Ultrakurzzeitgedächtnis, Sekunden bis Minuten, Kapazität ca. 7 Zeichen (z.B. eine Telefonnummer mit 7 Ziffern)
- Kurzzeitgedächtnis, bis Tage
- Mittellangzeit Gedächtnis, Wochen bis Jahre
- Langzeitgedächtnis, bis maximal lebenslang
- implizites Gedächtnis, das für motorisches Lernen wie Gehen, Fahrradfahren oder Turnübungen verantwortlich ist.
An der Überführung von Gelerntem in das Langzeitgedächtnis sind viele Schritte beteiligt. Gelerntes durchläuft im Gehirn bestimmte Neuronenschleifen. Das sind hintereinander geschaltete Neurone, die aktiviert werden und in der Lage sind sich selbst zu verstärken. Man spricht von einer Konsolidierung (=Verfestigung). Die daran beteiligten molekularen Mechanismen sind:
- Langzeit-Potenzierung
- Posttetanische Potenzierung
- synaptische Bahnung
Diese Konsolidierung findet hauptsächlich im limbischen System statt. Beteiligt sind die Amygdala, der Hippocampus und die Strukturen, die am Papez-Kreis beteiligt sind. Dabei werden Informationen in ganz verschiedenen Arealen der Großhirnrinde abgelegt. Diese Areale werden als Assoziationskortex bezeichnet. Er ist bei uns Menschen am differenziertesten gegenüber allen anderen Lebewesen ausgebildet. Je wichtiger eine Information ist, desto öfter wird sie durch die Bildung neuer synaptischer Verschaltungen (siehe: synaptische Plastizität) abgelegt. Dabei verfolgt das Gehirn, dass Informationen in funktionellen Zusammenhängen und an vielen Orten parallel gespeichert werden. Das Modell des Großmutterneuron, das immer dann feuert, wenn man seine Großmutter sieht und sonst nicht ist heute nicht mehr aktuell. Vielmehr wird durch das Erblicken der Großmutter ein bestimmtes räumliches und zeitliches Muster von Aktionspotenzialen generiert. Die Tatsache, dass an diesem Muster Neuronen beteiligt sind, die über das ganze Großhirn verteilt liegen, hat Vorteile:
- Auch nach einem Zelluntergang in bestimmten Bereichen (Tumoren, Infarkt, Gewalteinwirkung) können die wichtigen und stark konsolidierten Informationen noch von den verbleibenden Neuronen generiert werden. Sie sind redundant
- Dem Menschen ist es möglich, innerhalb von ca. 500 Millisekunden einen bekannten Menschen (wie die Großmutter) 100%ig zu erkennen. Ein Computer ist zu dieser Leistung nicht fähig, obwohl seine Rechenleistung (1GHz) die des Menschen (1000 Hz) um den Faktor 10 6 übersteigt. Grund dafür ist die enorme Parallelverschaltung beim Wiedererkennen von Gelerntem. Das Gehirn ist in 500 ms (nach Abzug der Zeit, die für die Leitung von der Netzhaut zum prim. visuellen Kortex notwendig ist = 100 ms) zu ca. 80 weiteren Verschaltungen in der Lage. Nur dadurch, dass ein Neuron mit bis zu 20.000 weiteren Neuronen Kontakte besitzt, ist es möglich, dass innerhalb dieser Zeit theoretisch jede Nervenzelle der Großhirnrinde in ein Muster aus Aktionspotentialen involviert werden kann.
Literatur
- Frigga Haug: Lernverhältnisse - Selbstbewegungen und Selbstblockierungen ISBN 3886193241
- Bednorz, P. & Schuster, M.: Einführung in die Lernpsychologie. 2002. Verlag UTB Reinhardt, ISBN 3-8252-1305-6
- Klaus Holzkamp: Lernen - Subjektwissenschaftliche Grundlegung. 1993 Campus Verlag (Frankfurt am Main)
- Werner Metzig, Martin Schuster: Lernen zu lernen - Lernstrategien wirkungsvoll einsetzen. Berlin, Heidelberg: Springer Verlag, 2003. ISBN 3540442642
- Manfred Spitzer: Lernen. Heidelberg: Spektrum Verlag, 2002. ISBN 3-8274-1396-6
- Steeg, Friedrich H.: Lernen und Auslese im Schulsystem am Beispiel der "Rechenschwäche". Ffm./Berlin/Bern/N.Y./Paris/Wien 1996, Peter-Lang-Verlag, ISBN 3-631-30731-4 [http://www.resi-verlag.de/rezensio.htm Rezensionen und Buchdownload]
- Patrick Haas: Der Lern Faktor - Methoden für effektiveres Lernen in Schule, Studium und Beruf. Norderstedt: BoD, 2005. ISBN 3833429143
Siehe auch
- Lernmethoden, Lerntechniken, Lerntheorien, Lerntypen, Lernwerkzeuge
- Gehirngerechtes Arbeiten, E-Learning
- Globales Lernen, Interkulturelles Lernen
- Lernen durch Lehren
- Selbstbestimmtes Lernen
- Widerständiges Lernen, Wissenstrieb, Kluges Lernen
- Portal:Bildung und Schulwesen
- Analphabetismus, Analphabit, Legasthenie, Dyskalkulie
- Lernverhalten von Pferden
- Mnemotechniken
- Lernpsychologie, Lernkurve, Lernen lernen
Weblinks
- [http://www.ni.schule.de/~pohl/lernen/kurs/index.htm Das Lernen lernen]
- [http://www.bruehlmeier.info/lernen_kopie.htm Aspekte der Lernpsychologie] – Lehrtext des Schweizer Pädagogen Arthur Brühlmeier
- [http://www.brainboard.de.vu Forum zur Thematik Lernen]
- [http://www.lernportal.com Startportal zum Thema Lernen]
- [http://www.ikud.de/iikdiaps3-98.htm Kulturelle Schemata und interkulturelles Lernen] Aufsatz von Prof. Dr. K.-H. Flechsig
- [http://www.stangl-taller.at/ARBEITSBLAETTER/LERNEN/ Lernen] Hypertext zur Psychologie des Lernens
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Kategorie:Gedächtnis
ja:学習
ko:학습
WissenschaftWissenschaftliche Wissensbildung besteht im Kern darin, auf methodisch kontrollierte Weise "Wissen zu schaffen", das von jedem hinreichend Sachkundigem in prinzipiell allen Einzelheiten nachvollziehbar und überprüfbar ist. Sie zielt somit über gewöhnliches Alltagswissen hinaus, das auf mehr oder weniger begrenzter persönlicher Erfahrung und Intuition basiert und deswegen auf Meinungen und Überzeugungen beruht, die in ihrer Gültigkeit subjektiv beschränkt sind.
Gültigkeit
Für Kenntnisse und Erkenntnisse, die auf methodisch kontrollierte Weise erarbeitet wurden und deswegen als wissenschaftlich ausgezeichnet werden können, wird allgemeine Gültigkeit beansprucht und weithin auch akzeptiert, insbesondere dann, wenn sie aus ihrer sprachlichen Formulierung in traditionell Theorien genannten Gesamtdarstellungen logisch Handlungsanweisungen ableitbar sind, deren praktische Anwendung oder Umsetzung "in die Tat" regelmäßig zu Ergebnissen führt, die ebenfalls aus diesem Wissen logisch ableitbar sind und deswegen "vorausgesagt" oder prognostiziert werden können.
Aufgrund ihrer allgemeinen Bedeutung und vor allem wegen ihrer praktischen Relevanz ist Wissenschaft mittlerweile zu einem nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens erfassenden, organisierten und vielfach vernetzten "wissenschaftlich-industriellen Komplex" geworden.
Der heutige Wissenschaftsbetrieb gilt
- dem Erwerb von Wissen durch Forschung mit Methoden, die normativ als wissenschaftlich ausgezeichnet und allgemein als solche akzeptiert sind,
- der durchgehenden und damit nachvollziehbaren Dokumentation dieses Wissens in wissenschaftlichen Arbeiten aller Art bis hin zu ganzen Wissensgebieten in Handbüchern und Enzyklopädien sowie
- der organisierten und systematischen Weitergabe dieses Wissens in Form geeigneter Unterrichtung und Lehrbücher.
Definition des Bundesverfassungsgerichtes
Im Hochschulurteil des Bundesverfassungsgerichtes der Bundesrepublik Deutschland zur Freiheit der Wissenschaft (Artikel 5 Abs. 3 des Grundgesetzes)
wird der Begriff Wissenschaft wie folgt charakterisiert:
Der gemeinsame Oberbegriff "Wissenschaft" bringt den engen Bezug von Forschung und Lehre zum Ausdruck. Forschung als "die geistige Tätigkeit mit dem Ziele, in methodischer, systematischer und nachprüfbarer Weise neue Erkenntnisse zu gewinnen" (Bundesbericht Forschung III BTDrucks. V/4335 S. 4) bewirkt angesichts immer neuer Fragestellungen den Fortschritt der Wissenschaft; zugleich ist sie die notwendige Voraussetzung, um den Charakter der Lehre als der wissenschaftlich fundierten Übermittlung der durch die Forschung gewonnenen Erkenntnisse zu gewährleisten. Andererseits befruchtet das in der Lehre stattfindende wissenschaftliche Gespräch wiederum die Forschungsarbeit.
Gemäß Bundesverfassungsgericht ist folglich als wissenschaftlich anzusehen und damit geschützt:
[...] jede wissenschaftliche Tätigkeit, d. h. auf alles, was nach Inhalt und Form als ernsthafter planmäßiger Versuch zur Ermittlung der Wahrheit anzusehen ist. Dies folgt unmittelbar aus der prinzipiellen Unabgeschlossenheit jeglicher wissenschaftlichen Erkenntnis.
(BVerfGE 35, 79 - Hochschul-Urteil) [http://www.oefre.unibe.ch/law/dfr/bv035079.html]
Hinweis: In diese Definition fallen nicht Arbeiten von Journalisten oder Kriminologen.
Wissenschaftliches Arbeiten in der Gesellschaft
Wissenschaftliches Arbeiten dient der Vermittlung von Kulturgut, das sich über Jahrtausende entwickelt hat, der Grundlagenforschung, der Weiterentwicklung bestehender Ergebnisse, der Gewinnung neuer Erkenntnisse und auch der Suche nach neuen Technologien. Inhalte, Methoden und Ziele der Wissenschaft werden stets auch von außerwissenschaftlichen Faktoren beeinflusst. Die Kommunikation der Wissenschaftler untereinander und mit der Gesellschaft gewährt Inspiration und Kritik, bis hin zum Vorwurf, dass berufsmäßige Wissenschaftler für ihren Lebensunterhalt auf Finanzen der Gesellschaft, der Wirtschaft oder spezieller Gruppierungen angewiesen sind.
Für die interdisziplinäre Forschung wurden in den letzten Jahrzehnten eine Reihe von (Forschungs-)Instituten geschaffen, in denen industrielle und universitäre Forschung zusammenwirken. Zum Teil verfügen Unternehmen aber auch über eigene Forschungseinrichtungen, in denen Grundlagenforschung betrieben wird. Die Arbeit der Wissenschaft ist essentielle Voraussetzung für produktive Forschung, kann aber auch in gemeinsamem Irrtum bestärken; nicht zuletzt deshalb werden wichtige Ergebnisse zuweilen von wissenschaftlichen Außenseitern erzielt. Gemeinsame Begeisterung für aktuelle Themen kann sogar die Form einer wissenschaftlichen Mode annehmen.
Die Weitergabe wissenschaftlicher Erkenntnisse kann propädeutisch erfolgen.
Wissenschaftliche Einrichtungen
Ein großer Teil wissenschaftlicher Arbeit findet traditionell an Universitäten statt. Doch auch Akademien, privat finanzierte Forschungsinstitute und die Industrie finanzieren die Tätigkeit vieler Wissenschafter. Mit staatlicher Förderung stellen auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) oder anderer Träger den Max-Planck-Instituten, der ESA, dem CERN und anderen Groß-Forschungsprojekten die notwendigen Ressourcen zur Verfügung. In Österreich entsprechen der DFG die Forschungsfonds FWF und FFF in der Schweiz und Frankreich die Nationalen Forschungsfonds. Andere Fonds werden z.B. von Großindustrien oder dem Europäischen Patentamt dotiert.
Der für Wissenschafter so zentrale Austausch mit anderen Forschern erfolgt durch Wissenschaftliche Veröffentlichungen und bei Fachkonferenzen, bei Kongressen der internationalen Dachverbände und scientific Unions (z.B. IUGG, COSPAR, IUPsyS, ISWA, SSRN) oder der UNO-Organisation. Auch Einladungen zu Seminaren, Institutsbesuchen, Arbeitsgruppen oder Gastprofessuren spielen eine Rolle. Von großer Bedeutung sind auch Auslandaufenthalte und internationale Forschungsprojekte.
Wissenschaftliche Methode
Wissenschaft ist eine Methode zum Wissenserwerb. Ziel der wissenschaftlichen Methode ist es, ausgehend von einer oder mehreren Hypothesen eine tragfähige Theorie zu entwickeln.
Kriterien für wissenschaftliches Arbeiten
Wissenschaftliche Arbeit muss besondere Kriterien erfüllen:
#Wissenschaft ist nicht dogmatisch. Wissenschaft unterscheidet sich von Religion, indem sie keinen Anspruch auf die absolute Wahrheit erhebt. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind falsifizierbar, d.h. sie können überprüft werden und sich als falsch herausstellen. Die Zuverlässigkeit religiöser Aussagen lässt sich hingegen nicht überprüfen.
#Wissenschaftliche Ergebnisse werden ausführlich dokumentiert. Dafür gibt es Standards, die die Nachvollziehbarkeit aller Teilschritte der Schlussfolgerungen sicherstellen sollen. Wichtig ist dabei auch eine ausführliche Dokumentation verwendeter Quellen und die Berücksichtigung des aktuellen Standes der Forschung auf einem Gebiet. Dadurch werden Forschungsergebnisse vergleichbar und ein inhaltlicher Fortschritt in einem Fachgebiet erst möglich. Forschungsarbeiten beziehen sich aufeinander. Sie stützen, widerlegen oder verfeinern vorhandene Theorien.
#Ein wichtiges Prinzip jeder ernsthaften Wissenschaft ist die Skepsis im Sinne einer kritischen Haltung gegenüber eigenen wie fremden Ergebnissen und Thesen. Wissenschaftliches Wissen unterscheidet sich von doktrinärem Wissen dadurch, dass beim doktrinären Wissen offene oder subtile Machtmittel zur Durchsetzung von Behauptungen benutzt werden und Hinterfragung durch einzelne unerwünscht ist, während wissenschaftliches Wissen zumindest prinzipiell von jedem durch den Gebrauch des eigenen Verstandes und eigener Erfahrung eigenständig überprüft werden kann. Auf die gleiche Weise kann wissenschaftliches Wissen auch von Offenbarungswissen abgegrenzt werden. Offenbarungswissen, welches etwa durch innere Erkenntnis einzelner zustandekommt, kann durch andere nicht eigenständig überprüft werden und ist somit nicht wissenschaftlich.
Prozess der wissenschaftlichen Erkenntnis
Wissenschaftliche Erkenntnis wird idealtypisch in folgenden Schritten gewonnen (in manchen Wissenschaften ist nur ein Teil der aufgezählten Schritte durchführbar und oft werden Erkenntnisse auch ganz anders gewonnen, einschließlich der Hilfe des Zufalls):
Diese Darstellung gilt dabei nur für diejenigen Wissenschaftszweige, die analytisch arbeiten. Für die historisch-hermeneutischen Wissenschaften gelten andere Prinzipien der Gewinnung von Wissen.
Anforderungen an eine wissenschaftliche Theorie
- Zirkelfreiheit, d.h. der Verzicht auf Aussagen, die sich (teilw.) auf sich selbst als Voraussetzung beziehen.
- innere Konsistenz (Widerspruchsfreiheit)
- äußere Konsistenz - Widerspruchsfreiheit in Bezug auf andere anerkannte Theorien
- Erklärungswert - bislang ungeklärte Sachverhalte können durch die Theorie erklärt werden
- Empirische Überprüfbarkeit
- sparsame Erklärung
- Falsifizierbarkeit: Eine Theorie muss so formuliert werden, dass sie Voraussagen trifft, die prinzipiell durch ein Experiment widerlegt werden könnten. Nicht falsifizierbare, also experimentell nicht widerlegbare Theorien gelten nach diesem Kriterium als unwissenschaftlich.
Kriterien eines wissenschaftlichen Experiments
- Objektivität (Intersubjektive Überprüfbarkeit): Ein Experiment ist objektiv, wenn verschiedene Forscher unter den selben Bedingungen die selben (End-)Ergebnisse erzielen.
- Reliabilität (Zuverlässigkeit): Ein Experiment ist reliabel, wenn es bei wiederholter Anwendung unter gleichen Bedingungen gleiche Ergebnisse liefert, die Ergebnisse also reproduzierbar sind.
- Validität (Gültigkeit): Ein Experiment ist valide, wenn die Versuchsanordnung tatsächlich das misst, was sie zu messen vorgibt. Hierzu muss sichergestellt sein, dass andere, nicht beobachtete Eigenschaften keinen Einfluss auf das Ergebnis haben. Allerdings erfordert dies sehr weit reichende Standardisierung der Versuchsbedingungen. Dies wiederum kann die Gültigkeit negativ beeinflussen. Wenn beispielsweise in streng kontrollierten Tierversuch Verhaltensauffälligkeiten durch Behandlung A erfasst werden sollen, kann es sein, dass sich die Verhaltensauffälligkeit nicht durch die Behandlung, sondern durch die Umstände (kleiner, langweiliger Käfig etc.) hervorgerufen werden.
- Standardisierung und Vergleichbarkeit: Ergebnisse eines Experiments sind nur dann vergleichbar, wenn sie bestimmten, vorher festgelegten Standards genügen. Um die Wiederholbarkeit und Überprüfung eines Versuchs zu gewährleisten, gehörte es somit zu den wissenschaftlichen Tugenden, die Versuchsanordnung so einfach wie möglich zu halten.
Wissenschaftstheorie
Als Begründer der modernen wissenschaftlichen Methode gilt Francis Bacon. Im 20. Jahrhundert hat sich unter Anderen Karl Popper als Begründer des kritischen Rationalismus in der Wissenschaftstheorie einen Namen gemacht; das Kriterium der Falsifizierbarkeit, ursprünglich von Popper formuliert, hat sich als Qualitätsmerkmal seriöser Wissenschaft weitgehend durchgesetzt, es dient der Unterscheidung von Wissenschaft und Pseudowissenschaft bzw. Glaubenslehren.
Insbesondere die Kritik T.S. Kuhns an der von Popper dargelegten Wissenschaftsentwicklung führte allerdings zu diversen Weiterentwicklungen des Falsifikationsbegriffes in der neueren wissenschaftheoretischen Entwicklung. Zu nennen wären hier etwa die von Imre Lakatos entwickelte Sichtweise der Wissenschaft als das Verfolgen komplexer Forschungsprogramme oder der - neben anderen - von Joseph D. Sneed entwickelte wissenschaftstheoretische Strukturalismus.
Philosophisch steht dahinter ursprünglich der kritische Rationalismus, der eine Theorie nur dann als wissenschaftlich anerkennt, wenn sie falsifizierbar (das heißt prinzipiell widerlegbar, siehe oben) ist. Abgesehen davon, dass komplexe Theorien im allgemeinen nicht verifizierbar sind, würde Verifizierbarkeit allein - ohne gleichzeitge Falsifizierbarkeit - nicht ausreichen, um eine Theorie als wissenschaftlich einzustufen. Erst die Falsifizierbarkeit garantiert, dass eine Theorie Einschränkungen über mögliche Beobachtungsdaten macht, und damit überhaupt eigentliche Information über die uns empirisch zugängliche Welt enthält. Der kritische Rationalismus wurde und wird von seinen Gegnern zuweilen auch als "Falsifikationismus" bezeichnet und wird insbesondere unter dieser Bezeichnung im Gegensatz zu anderen philosophischen Denkrichtungen gesehen (siehe unten).
Es waren die bereits oben erwähnten Wissenschaftstheoretiker Thomas Kuhn sowie Paul Feyerabend, die mit wissenschaftshistorischen und wissenschaftssoziologischen Untersuchungen aufzuzeigen suchten, dass wissenschaftliche Forschung in der Praxis anders ablaufe als der Kritische Rationalismus von Popper es behauptet, oder - wie die Verteidiger Poppers entgegnen - seine Gegner es ihm unterstellen. Wissenschaftler trachten demnach in den gewöhnlichen Phasen ihrer Forschung kaum danach die Grundannahmen ihrer Theorien zu hinterfragen, sondern bewegen sich im Rahmen eines unhinterfragten Paradigmas bzw. Forschungsprogramms, das ihnen Wege zur Lösung jener Rätsel aufzeigt, welche das Paradigma aufwirft. Das Paradigma bzw. Forschungsprogramm steht im Zuge dieser gewöhnlichen Phase der Forschung nicht zur Disposition, besteht also aus Vorannahmen, deren Falsifizierbarkeit meist gar nicht möglich sei. Gemäß Imre Lakatos sei dies auch nicht nötig, da ihre Hauptfunktion mehr darin bestehe die "Struktur" einer Theorie zu bestimmen und es nur nötig sei, diese Vorannahmen durch falsifizierbaren Zusatzannahmen zu einer kompletten, falsifizierbaren Theorie erweitern zu können. Kuhns Struktur wissenschaftlicher Revolutionen, Lakatos Methodologie wissenschaftlicher Forschungsprogramme und Feyerabend anarchistische Erkenntnistheorie sind zudem Wegbereiter der modernen Wissenschaftsforschung (Karin Knorr-Cetina, Bruno Latour), die bestrebt ist, das reale Forschungsverhalten der Wissenschaftler im Labor und im Feld zu untersuchen. Die dabei zu Tage geförderten Daten widersprächen sehr stark den klassisch-wissenschaftstheoretischen Annahmen Poppers oder des Wiener Kreises über das Wesen wissenschaftlicher Forschung.
Der Konstruktivismus geht in seiner Ablehnung noch weiter und lehnt die These des Falsifikationismus ab, dass laufende Veränderung von falsifizierten Thesen eine asymptotische Annäherung an die Wirklichkeit brächten.
Der Relativismus sieht wissenschaftliche Paradigmen sogar als Sache des Glaubens an, die jeweils nur innerhalb einer bestimmten Wissenschafts-Kultur als wahr oder falsch gelten könnten.
Darüber hinaus hat sich - ausgehend von den USA - in den letzten beiden Jahrzehnten eine sich dezidiert parteiisch gebende Forschung etabliert, bei der einer Wissenschaft nicht nur eine beobachtende und beschreibende, sondern auch eine politisch verändernde Funktion zugewiesen wird. Dazu gehören z.B. als pointiert feministisch ausgewiesene Forschungsbereiche. Der klassische, der weltanschaulichen Neutralität verpflichtete Wissenschaftsbegriff wird hier abgelehnt und als androzentrisch diskreditiert: Es wird dargestellt, inwieweit jede Wissenschaft von Menschen und ihren Werten&Zielen geprägt wird.
Ethik wissenschaftlichen Handelns
siehe Hauptartikel Wissenschaftsethik
Kritik und Konflikte
"Elfenbeinturm"
Eine Form der Wissenschaftskritik richtet sich gegen den Rückzug der Wissenschaft in ihren sprichwörtlichen Elfenbeinturm. Die Kritiker nehmen die Wissenschaft als schwer nachzuvollziehendes Gedankengebäude wahr, das nur noch Eingeweihten verständlich ist. Bei den Naturwissenschaften verstellt Mathematik den Zugang, bei den Geisteswissenschaften eine unverständliche Fachsprache. Obwohl sich viele Menschen für wissenschaftliche Fragestellungen und populärwissenschaftlich aufgearbeitete Ergebnisse interessieren, wird die eigentliche wissenschaftliche Arbeit als unverständlich wahrgenommen.
Die Kritiker erleben Wissenschaftler entweder als Rationalisten, die ohne Bezug zur sinnlichen Erfahrung (Empirie) komplizierte Modelle entwickeln, als übertrieben skeptische Wissenschaftsgläubige, als Bürokraten eines unüberschaubaren akademischen Apparats oder als Diener der Wirtschaft oder des Staates.
Wissenschaftsgläubigkeit und Betrug
Eine andere Form der Kritik richtet sich gegen die Verwendung von Wissenschaft als "Ersatzreligion" (Szientismus), ein Kennzeichen ist der Glaube an Naturgesetze. Wissenschaftliche Theorien, die nach dem modernen Wissenschaftsbegriff falsizierbar (widerlegbar) sind, würden als unanfechtbare Gewissheiten angesehen. Es wird kritisiert, manche Wissenschaftler sähen die Welt ausschließlich durch die Brille ihrer bevorzugten wissenschaftlichen Theorien. Beobachtungen, die mit ihnen nicht vereinbar schienen, würden ausgeblendet; im Extremfall führe das zur Fälschung von Experimenten, um eigene Theorien zu schützen. In der gemäßigten Form erkläre diese Neigung, am eigenen Weltbild festzuhalten, manche Verzögerung, mit der sich neue Paradigmen in der Wissenschaft durchsetzen könnten. Auch wird kritisiert, Wissenschaftsgläubige würden den Aufwand eigener sorgfältiger wissenschaftlicher Arbeit scheuen und sich an Autoritäten orientieren.
Wissenschaft und Religion
Heftige Kritik an der Gültigkeit wissenschaftlicher Theorien entzündete sich in manchen Zeitepochen an Widersprüchen zu religiösen Überlieferungen und Dogmen.
In den Naturwissenschaften ist das wohl facettenreichste Beispiel die Kreationismus-Debatte um eine Vereinbarkeit von biblischer Schöpfungsgeschichte mit Theorien der Kosmologie oder der Evolutionsbiologie. Ein älteres Beispiel ist der Umgang der katholischen Kirche mit Galileo Galileis öffentlichem Abrücken vom geozentrischen Weltbild.
In den Geisteswissenschaften stoßen manche historisch-kritische Analysen von Bibel und anderen heiligen Büchern auf Kritik. Insbesondere, wenn die aufgrund neuerer Quellenlage oder früherer Übertragungsfehler überarbeiteten Glaubenstexte im Widerspruch zur dogmatisch akzeptierten Version des Glaubenstextes stehen.
Da für den Gläubigen das Dogma per definitionem wahr ist, wird mancher einseitige Kritiker die wissenschaftliche Theorie abtun und den dogmatischen Lehrsatz unreflektiert aufrechterhalten. Im Fundamentalismus (z.B. des Islam) haben wörtliche Auslegungen heiliger Texte eine hohe Priorität.
Eine differenziertere Form der Kritik akzeptiert die wissenschaftliche Methode weitgehend und übernimmt ihre Fachbegriffe. Bisweilen werden im philosophisch-religiösen Bereich Ausnahmen von wissenschaftlichen Kernprinzipien wie Reproduzierbarkeit oder Falsifizierbarkeit eingefordert oder Kernbegriffe anders definiert.
Meistens lösen sich aber Widersprüche zwischen naturwissenschaftlich und religiös begründeten Aussagen dadurch, dass sie verschiedene Ebenen betreffen. So thematisiert die Schöpfungsgeschichte der Bibel das Verhältnis zwischen Gott, Welt und Mensch, aber nicht die Wissenschaft von der sichtbaren Natur (siehe auch biblische Exegese und Hermeneutik).
Einteilung der Wissenschaften
Eine allgemeingültige Einteilung der Wissenschaften existiert nicht; die Einteilung der Wissenschaften hängt von vielen Vorentscheidungen ab und hat häufig auch willkürliche Aspekte. Es existieren deshalb verschiedene Systematiken (siehe zum Beispiel die Dewey Decimal Classification). Frühere Autoren sprachen von einem Baum der Wissenschaft sowie der Unterteilung in Einzelwissenschaften und Universalwissenschaft.
Viele Disziplinen stellen eine Mischung verschiedener Fachgebiete dar und entziehen sich deshalb einer eindeutigen Zuordnung. Als Beispiel sei hier die Wirtschaftsinformatik genannt, die neben einem Kern eigener Inhalte unter anderem auch Teile aus Informatik, Mathematik, Wirtschaftswissenschaften und Kommunikationswissenschaften enthält.
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