Home About us Products Services Contact us Bookmark
:: wikimiki.org ::
Mykale

Mykale

Mykale war in der Antike der Name eines Gebirgszuges an der Westküste Kleinasiens (in der heutigen Türkei), nördlich der Mündung des Mäander, in der Nähe der antiken Stadt Milet. In der Meerenge zwischen diesem Vorgebirge und der Insel Samos lieferten sich die griechische und die persische Flotte 479 v. Chr. während der Perserkriege eine Seeschlacht, die etwa gleichzeitig mit der Schlacht von Platää stattfand. Der spartanische König Leotychides II. und der athenische Feldherr Xanthippos siegten über die Perser. Die Griechen zerstörten (diesmal auch von den Ioniern unterstützt) die Reste der persischen Flotte, welche die Seeschlacht bei Salamis überstanden hatten. Der Kampf fand fast an Land statt, da die persischen Schiffe unter dem Schutz des Heeres an Land gezogen worden waren und die griechischen Truppen dort die Schiffe zerstörten. Der griechische Tyrann Polykrates wurde auf Mykale hingerichtet. Kategorie:Griechische Geschichte (Antike) Kategorie:5. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Perserkriege (Schlacht)

Antike

Der Begriff Antike (von lat. antiquus, alt, altertümlich) bezeichnet die Epoche des Altertums im Mittelmeerraum. Sie reicht etwa von 1200 v. Chr. (bzw. 800 v. Chr., siehe zeitliche Abgrenzung) bis ca. 600 n. Chr. und unterscheidet sich von vorhergehenden und nachfolgenden Epochen durch gemeinsame und durchgängige kulturelle Traditionen. Seit dem ersten Jahrhundert n. Chr. bildete zudem der Mittelmeerraum im Rahmen des Römischen Reichs eine politische und kulturelle Einheit. Im engeren Sinne bezeichnet man mit der Antike die Geschichte des archaischen und klassischen Griechenlands, des Hellenismus und des Römischen Reichs (Republik, Prinzipat und Spätantike). Im weiteren Sinne bezieht die Antike auch die Geschichte der altorientalischen, nahöstlichen Hochkulturen Ägyptens, Mesopotamiens, Syriens, Persiens und Kleinasiens mit ein, die etwa mit dem Beginn der Schriftlichkeit um 3500 v. Chr. einsetzt. Dieser universalhistorische, über die Klassische Altertumswissenschaft hinausgehende Ansatz wurde unter anderem von dem Historiker Eduard Meyer im 19. Jahrhundert gefordert. Wieder aufgegriffen wurde dies in letzter Zeit etwa durch den deutschen Althistoriker Josef Wiesehöfer, einen anerkannten Experten für das antike Persien. Josef Wiesehöfer

Epochenabgrenzung

Historisch bezeichnet Antike im Sinne der klassischen Altertumswissenschaft die Zeit von der allmählichen Herausbildung der griechischen Staatenwelt bis zum Ende des weströmischen Reichs im Jahr 476 bzw. bis zum Tod des oströmischen Kaisers Justinian I. 565. Immer öfter wird auch die arabische Expansion ab 632 als Enddatum genannt (siehe Islamische Expansion). Der Anfang der antiken Kultur im klassischen Sinne wird im Allgemeinen mit der Entstehungszeit der Homerischen Epen und dem Beginn der griechischen Kolonisation des Mittelmeerraums im 8. Jahrhunderts v. Chr. angesetzt. Die Griechen verbreiteten ihre Bildung und Kultur in den folgenden Jahrhunderten im gesamten Mittelmeerraum und seit Alexander dem Großen auch im Orient und nach Zentralasien hinein. Die Römer brachten die antike Kultur bis nach Mittel- und Nordwesteuropa, wo sie sich seit dem frühen Mittelalter zur christlich-abendländischen Kultur wandelte. Je nach Forschungsrichtung werden aber durchaus auch die Zeiten der minoischen und der mykenischen Kultur von etwa 19001100 v. Chr. sowie die Epoche der so genannten dunklen Jahrhunderte 1200750 v. Chr. zur griechisch-römischen Antike gerechnet. Als Epochengrenzen zum Mittelalter sind auch die Jahre 325 (Konzil von Nicäa), 393 (letzte Olympische Spiele der Antike), 476 (Absetzung des Romulus Augustulus), 498 (Taufe des Frankenkönigs Chlodwig I.), 529 (Gründung des ersten abendländischen Mönchsklosters durch Benedikt von Nursia; zugleich Schließung der platonischen Akademie als symbolisches Datum in der Philosophie nach dem Tod des "letzten" antiken Philosophen Boëthius 524), der Tod Kaiser Justinians I. 565, das Ende der Völkerwanderung mit dem Langobardeneinfall in Italien 568 oder die Eroberungszüge der Araber im 7. Jahrhundert vorgeschlagen worden. Im Allgemeinen wird das Ende der Antike heute in etwa mit dem Jahr 600 angesetzt; darin kommt zum Ausdruck, dass es letztlich keinen eindeutigen einmaligen Einschnitt zwischen Altertum und Mittelalter gab. Zum Ende der Antike siehe vor allem Spätantike.

Ursprünge der antiken Kultur

Die Ursprünge der europäischen Antike liegen im Dunkeln. Ihre Vorgeschichte ist etwa in der Zeit von ca. 2000- ca. 1600 v. Chr., im Mittelhelladikum anzusiedeln. Zu Beginn dieses Zeitabschnitts - teils auch schon im letzten Abschnitt des Frühhelladikums FH III ca. 2200-2000 v. Chr. - wanderten indoeuropäische Stämme in Griechenland ein. Offenbar unter Einfluss der sogenannten minoischen Kultur auf Kreta, der ersten Hochkultur Europas, die ihre Blüte von ca. 1900 - 1450 v. Chr. hatte, entwickelte sich auf dem Festland aus der Kultur des Mittelhelladikums die mykenische Kultur (ca. 1600 - 1050/00 v. Chr.). Sie hat Ihren Ausgangspunkt vermutlich in der Argolis und erscheint unvermittelt mit reichen Schachtgräbern (ab ca. 1600 v. Chr.). Unter anderem übernahm die mykenische Kultur von der minoischen die Schrift. Die auf Kreta (unter anderem) verwendete sog. Linearschrift A), die aber bisher nicht vollständig entschlüsselt werden konnte, da die Texte in unbekannter Sprache geschrieben sind, wurde zur sog. Linearschrift B modifiziert. Die Linearschrift B begegnet auf zahlreichen Tontäfelchen u.a. der Paläste in Pylos, Theben, Mykene auf dem griechischen Festland und dem mittlerweile mykenisch beherrschtem Knossos auf Kreta. Knossos Bekannt sind die prächtigen Zentren der mykenischen Kultur. Bedeutende Fundorte sind Mykene, Pylos und Tiryns auf der Halbinsel Peloponnes, Orchomenos und Gla in Böotien (letzteres keine Burg), Milet in Westkleinasien usw. Die Zentren hatten eine Oberstädte, Burgen genannt, die im 13. Jh. in vielen Fällen stark befestigt wurden. Reiche Kuppelgräber, feine, teils reich bemalte Keramik, kunstvolle Gold-, Silber und Faiencerarbeiten etc. zeugen vom Reichtum und von der Spezialisierung des Wirtschaftssystems, das zentral gesteuert wurde. Intensive Handelskontakte wurden mit dem Nahen Osten, Assyrien und Ägypten gepflegt. Mykenische Keramik war in weiten Teilen des Mittelmeergebiets beliebt. Wahrscheinlich gab es sogar griechische Handelsniederlassungen in Süditalien. Etwa 1200-750 v. Chr. setzt man traditionell das "Dunkle Zeitalter" an, aus dem uns nur wenig überliefert ist. Zu Beginn dieser Phase werden viele der Burgen des griechischen Festlands zerstört. Die mykenische Tradition besteht jedoch noch ca. 150 Jahre weiter, bevor der Übergang in die sog. Protogeometrische Periode (ca. 1050 - 900 v. Chr.) erfolgt. Der Überlieferung nach setzt ca. 1050 v. Chr. die sehr umstrittene "Ionische Wanderung" ein, in deren Verlauf die Einwohner des griechischen Festlandes die Inseln der Ägäis und Kleinasiens kolonisierten. Auf dem griechischen Festland bietet sich ein diffuses Bild: wenige Siedlungen wurden bisher entdeckt und die meisten machen einen - im Vergleich zur mykenischen Zeit - ärmlichen Eindruck. Ganz anders hingegen Lefkandi auf Euböa: dort wurden neben einer Siedlung mit einem großen Gebäude des Fürsten von Lefkandi Gräber gefunden die sehr reich ausgestattet waren. Das Dunkle Zeitalter hellt sich in den letzten Jahrzehnten - dank vieler neuer Funde - immer mehr auf. Nach Annahme der Homerforschung spiegeln unterschiedliche Passagen der Ilias die Verhältnisse dieser Zeit wider. Sie war offenbar wichtig für die Entwicklung der griechischen Gesellschaft, auch hin zur griechischen Polis. Ab dem 8. Jh. sind die Kontakte zum vorderen Orient wieder sehr intensiv und es entstehen Handelsstationen auf Zypern (Kition) und in Syrien (Al Mina). Vermutlich bereits im späten 9. Jh. v. Chr. hat man von den Phöniziern das Alphabet übernommen.

Anfänge des klassischen Griechenland

Mit dem so genannten archaischen Zeitalter begann im frühen 8. Jahrhundert v. Chr. die eigentliche Antike. Seit dem Jahr 776 v. Chr. ist die Siegerliste der olympischen Spiele überliefert. Von etwa 770 bis 540 v. Chr. breiteten sich die Griechen während der Großen Kolonisation im westlichen Mittelmeer (vor allem Sizilien und Unteritalien, siehe auch Magna Graecia), an der nördlichen Ägäis und am Schwarzen Meer aus. In Kleinasien waren Griechen bereits vorher ansässig. In dieser Zeit (etwa zwischen 750 und 650 v. Chr.) wurden auch die Homerischen Epen (Ilias und Odyssee) schriftlich fixiert, die ältesten Literaturdenkmäler des Abendlands; auch Hesiod wirkte um diese Zeit (700 v. Chr.) (siehe auch: altgriechische Literatur)

Entstehung der Polis

Zugleich bildete sich das System der griechischen Stadtstaaten, der Poleis heraus, wobei die Mehrzahl nur über eine sehr kleine Bevölkerung verfügte. Der werdende Militärstaat Sparta im Süden der Peloponnes unterwarf zwischen 720-600 v. Chr. Messenien und kontrollierte damit den gesamten südwestlichen Teil der Halbinsel. Die Stadt mit ihrer oligarchischen Verfassung kann als das erste Beispiel der fortan beherrschenden Polis-Struktur gelten.
Auch in vielen anderen griechischen Stadtstaaten regelten Verfassungen das Zusammenleben der Bürger, aber auch die Tyrannis, wie sie um 650 v. Chr. beispielsweise in Korinth und Megara bestand, war keine Seltenheit. In Athen bildete sich Schritt für Schritt ein demokratisches System heraus. Nach den Gesetzgebungen Drakons (621 v. Chr.) und Solons (594/593 v. Chr.) gelang es Peisistratos und seinen Söhnen etwa zwischen 561 und 510 v. Chr. zwar noch einmal, eine Tyrannis zu errichten. Bis 501 v. Chr. brachten die Reformen des Kleisthenes von Athen aber den endgültigen Durchbruch für die attische Demokratie.

Blütezeit Athens

Mit Athens Unterstützung der kleinasiatischen Griechenstädte im Ionischen Aufstand um 500 v. Chr. begann ein annähernd zweihundertjähriger Konflikt mit dem Perserreich, zunächst in Gestalt der Perserkriege, über die uns der "Vater der Geschichte", der Historiker Herodot, mal mehr, mal weniger zuverlässig informiert. Als die Perser zu einer Strafexpedition in Griechenland einfielen, wurden sie 490 v. Chr. von den Athenern in der Schlacht bei Marathon besiegt. Zehn Jahre später unterlag der persische Großkönig Xerxes I. der athenischen Flotte unter Themistokles in der Seeschlacht von Salamis und 479 v. Chr. den vereinigten Heeren der griechischen Poleis in der Schlacht von Plataiai. Persien war vorerst zurückgedrängt, während die griechischen Poleis in Kleinasien befreit wurden. Kleinasien Mit der Gründung des Attischen Seebunds 477 v. Chr. unter der Vorherrschaft Athens setzte die Blütezeit der Stadt ein, die bis zum Ende der Regierungszeit des Perikles im Jahr 429 v. Chr. reichte. Damals entstanden einige der bedeutendsten philosophischen, literarischen und architektonischen Werke der griechischen Antike, etwa die Tragödien von Aischylos, Sophokles und Euripides oder der Parthenontempel auf der Akropolis. Auch der Philosoph Sokrates, der Lehrer Platons, wirkte damals in Athen.

Kampf um die Hegemonie

Die zunehmende Rivalität zwischen der Seemacht Athen und der Landmacht Sparta mündete 431 v. Chr. in den fast 30 Jahre währenden Peloponnesischen Krieg, den der Historiker Thukydides eindringlich beschrieb. Der sehr wechselhaft verlaufende Konflikt endete, auch aufgrund der Unterstützung Spartas durch das Perserreich, 404 v. Chr. mit der vollständigen Niederlage Athens und der Errichtung einer zeitweiligen spartanischen Hegemonie über Griechenland.
In der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. führten die griechischen Städte einen fast permanenten Krieg aller gegen alle - in wechselnden Koalitionen und unter fortwährender Einmischung der Perserkönige, wobei die Sehnsucht nach einem allgemeinen Frieden auch zu propagandistischen Zwecken eingesetzt wurde (siehe den Königsfrieden von 386 v. Chr.). Theben löste Sparta 371 v. Chr. nach der Schlacht von Leuktra als Hegemon ab, doch auch Thebens Vorherrschaft war nur von kurzer Dauer; der Peloponnesische Krieg hatte somit, wie sich im Nachhinein zeigte, das Machtgleichgewicht nachhaltig destabilisiert. Auf Sizilien behauptete sich derweil das mächtige Syrakus gegenüber der Handelsrepublik Karthago, welche mit den griechischen Poleis ("Westgriechen") seit dem frühen 5. Jahrhundert v. Chr. im Konflikt lag. Auf Sizilien hielt sich zudem, im Gegensatz zum Mutterland, in vielen Städten die Tyrannis als Regierungsform (siehe Dionysios I. von Syrakus, Agathokles von Syrakus und andere). Dem andauernden Machtkampf im griechischen Mutterland machte erst die gewaltsame Einigung Griechenlands durch Philipp II. von Makedonien ein Ende. Der von Athenern wie Demosthenes als nicht-griechischer Barbar betrachtete König errang mit seinem glänzend geschulten Heer in der Schlacht von Chaironeia 338 v. Chr. die Hegemonie über Hellas, die im Jahr darauf im Korinthischen Bund bekräftigt wurde.

Zeit des Hellenismus (336 bis 30 v. Chr.)

Hellenismus Nach der Ermordung Philipps 336 v. Chr. führte sein Sohn Alexander der Große ein griechisch-makedonisches Heer nach Asien und eroberte in wenigen Jahren das gesamte Perserreich. Der Alexanderzug bahnte der griechischen Kultur im ganzen damals bekannten Orient den Weg, von Ägypten über Mesopotamien und Persien bis zu den Grenzen Indiens. Nach Alexanders Tod 323 v. Chr. in Babylon teilten seine Nachfolger, die Diadochen, in lange währenden Kriegen das Reich unter sich auf. In allen Teilreichen - vom ptolemäischen Ägypten im Westen bis zum Seleukidenreich im Osten - bildete der Hellenismus in den folgenden Jahrhunderten die prägende Kultur. Das Zeitalter des Hellenismus war geprägt von einem fast andauernden Kampf der drei Großmächte (Ptolemäer, Seleukiden und Antigoniden) um die Vorherrschaft. Rom intervenierte zu Beginn des 2. Jahrhunderts v. Chr. in Griechenland. 146 v. Chr. unterstellte das Römische Reich die Mitglieder des unterlegenden Achaiischen Bundes der Provinz Macedonia; Korinth als führende Polis wurde zerstört. Jedoch blieben viele Poleis wie Athen und Sparta zumindest vorerst formell unabhängig. Bald darauf folgte der Erwerb Pergamons und 64/63 v. Chr. die Beseitigung der Überreste des Seleukidenreiches. Als letzter Nachfolgestaat des Alexanderreichs wurde im Jahre 30 v. Chr. das ptolemäische Ägypten, dessen letzte Herrscherin Kleopatra VII. war, ins Römische Reich eingegliedert. Damit war die hellenistische Staatenwelt als machtpolitischer Faktor ausgelöscht. Die griechische Kultur jedoch lebte mit unverminderter Kraft im Römischen Reich fort und prägte es bis zu seinem Untergang im Westen 476 und darüber hinaus bis in die Zeit des Byzantinischen Reiches.

Römisches Reich

Nach den Griechen wurden die Römer zu den zweiten Trägern und Vermittlern der antiken Kultur. Je weiter sie als Eroberer in die Länder der Levante vordrangen, desto stärker ließen sie sich von deren Kultur beeinflussen. Literatur, Philosophie, Kunst, Architektur und Alltagskultur der Griechen wurden von den Römern dann auch im westlichen Mittelmeerraum verbreitet - und weit darüber hinaus bis zum Rhein und zu den britischen Inseln.

Ursprünge Roms

Rom, der Legende nach 753 v. Chr. gegründet, entstand neueren Forschungen zufolge erst gegen Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr. aus dem Zusammenschluss mehrerer dörflicher Siedlungen an einer Furt am Unterlauf des Tibers. Politisch und kulturell stand Rom lange unter etruskischem Einfluss. Die Etrusker wiederum unterhielten schon früh Kontakt mit griechischen Kolonisten.

Die Römische Republik (ca. 500 bis 27 v. Chr.)

Römische Republik Um 500 v. Chr. befreiten sich die Römer vom etruskischen Stadtkönigtum und bildeten wohl um 475 v. Chr. eine republikanische Regierungsform aus. In den Zwölftafelgesetzen, die um 450 v. Chr. entstanden, wurden die ersten zivil-, straf- und prozessrechtlichen Normen des römischen Rechts festgehalten. Die Verfassung sah von da an ein Zusammenwirken der drei Institutionen Senat, Magistratur und Volksversammlung vor, die sich in ihrer Macht theoretisch gegenseitig beschränkten. Die offizielle Bezeichnung der Republik lautete S.P.Q.R. für Senatus Populusque Romanus (dt.: Senat und Volk von Rom). Faktisch dominierte jedoch der Senat, der sich aus Angehörigen der adligen Familien, der Patrizier zusammensetzte. Aus ihm gingen auch die Konsuln hervor, die beiden auf ein Jahr gewählten obersten Magistrate der Republik. Das höchste den nichtadligen Plebejern zugängliche Amt war das des Volkstribunen, der ein Vetorecht gegen Senatsbeschlüsse besaß. Vetorecht Bis zum Jahr 272 v. Chr. unterwarfen die Römer ganz Italien südlich der Poebene. In den Punischen Kriegen gegen die Seemacht Karthago im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. begann der Aufstieg Roms zur antiken Supermacht, die für Jahrhunderte die gesamte Mittelmeerwelt beherrschte. Nach 200 v. Chr. mischte sich Rom auch in die Politik der hellenistischen Großmächte ein und wurde zur Protektoratsmacht im östlichen Mittelmeerraum. 148 v. Chr. wurde das Makedonien der Antigoniden, 63 v. Chr. das Reich der Seleukiden, und schließlich 30 v. Chr. das Ägypten der Ptolemäer römische Provinz. Gleichzeitig kam es jedoch im Inneren zu einer ganzen Reihe von Krisen, in denen der Kampf der an den überkommenen sozioökonomischen Strukturen festhaltenden Optimaten gegen die auf Reformen drängenden Popularen sich spiegelte. In der Epoche der Bürgerkriege erreichte die Krise der späten Römischen Republik ihren Höhepunkt und es zeichnete sich ab, dass die Republik als solche sich überlebt hatte: So wurde der Prinzipat möglich. Bereits Gaius Julius Caesar hatte als Diktator auf Lebenszeit (dictator perpetuus) eine quasi-monarchische Stellung erlangt. Als erster römischer Kaiser gilt jedoch sein Großneffe und Erbe Augustus, dem es gelang, mit dem Prinzipat eine dauerhafte monarchische Staatsordnung an die Stelle der zerrütteten Republik zu setzen.

Die Römische Kaiserzeit (27 v. Chr. bis 284 n. Chr.)

Das von Augustus errichtete Kaiserreich (Prinzipat) wurde von ihm und seinem Nachfolger Tiberius noch sicher geführt. Unter Caligula, Claudius und Nero kam es nach einem Krisenjahr (Vierkaiserjahr) zum Regierungsantritt der Flavier (Vespasian, Titus, Domitian) die insgesamt recht erfolgreich herrschten. Nach der Ermordung Domitians folgte allerdings eine weitere Krise des Herrschaftssystems, die jedoch unter den so genannten Adoptivkaisern weitgehend behoben werden konnte. Das Imperium erlebte seine größte Blüte und Ausdehnung denn auch unter eben diesen Adoptivkaisern in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts (Expansion unter Trajan, Rücknahme und Sicherung der Grenzen unter Hadrian). Bald nach der Mitte des 2. Jahrhunderts n.Chr. wuchs jedoch der Druck auf die Reichsgrenzen immer stärker an. Im Norden und Nordosten bedrängten die Germanen, im Osten die Parther (die sich trotz mancher Niederlage behaupten konnten) und später die Sassaniden das Reich. Mit dem Tod von Mark Aurel, dem Philosophenkaiser im Geiste der Stoa, der sich entgegen seinen Neigungen bald nach Übernahme der Herrschaftsfunktionen nahezu ständig zu kriegerischer Verteidigung der Reichsgrenzen genötigt sah, endete im Jahre 180 ein Zeitalter, das viele als ein goldenes begriffen hatten – was aber wohl nur mit Abstrichen gelten kann. Nach dem schwachen Commodus stabilisierten die Severer die Grenzen wenigstens teilweise, bevor es unter den so genannten Soldatenkaisern zur Reichskrise des 3. Jahrhunderts kam, die geprägt war von raschen Regierungswechseln, zentrifugalen Tendenzen im Inneren (Abspaltung des Imperium Galliarum; Verlust mehrerer Provinzen an Palmyra) und dem stetig wachsenden Druck auf die Grenzen. Neben den verschiedenen Germanenstämme (wie die Alamannen und Goten), übte vor allem das Sassanidenreich im Osten einen enormen Druck aus. Nach dem Sturz des letzten Partherkönigs im Jahr 224, erneuerten die Sassaniden das Perserreich in Anlehnung an das Reich der Achämeniden. Großkönig Schapur I. besiegte mehrmals ein römisches Heer und nahm Kaiser Valerian sogar gefangen – ein einmaliger Vorgang in der römischen Geschichte. Auch die Nachfolger Schapurs sollten sich den Römern als in der Regel gewachsene Gegner erweisen.

Die Spätantike (284 bis 565/632 n. Chr.)

Es gelang gegen Ende des 3. Jahrhunderts mit der Einführung der Tetrarchie durch Kaiser Diokletian noch einmal eine Stabilisierung des Reiches zu erreichen. Diese Zeit der beginnenden Spätantike ist gekennzeichnet von Umbrüchen. Die Anerkennung und Privilegierung des Christentums unter Kaiser Konstantin I. (welches vorher teils blutig verfolgt worden war) stellte bereits eine wesentliche Abkehr von der antiken Kultur dar, insbesondere von der antiken Philosophie und dem Religionspluralismus.
Ein letzter Versuch, die heidnischen Kulte durch die Verbindung mit neuplatonischem Gedankengut wieder zu beleben, scheiterte mit dem Tod Kaiser Julians im Jahr 363; alle nachfolgenden Kaiser waren Christen.
Valentinian I. stabilisierte den Westen des Reiches, doch kam es im Zuge der Völkerwanderung 378 zur Schlacht von Adrianopel und zu einer neuen Krisenzeit. Kaiser Theodosius I. wiederum konnte den Osten des Reiches stabilisieren und war zugleich der letzte Kaiser, der über das gesamte Imperium Romanum herrschen sollte; er erklärte das Christentum schließlich zur Staatsreligion. Allerdings lassen sich noch bis mindestens in das 6. Jahrhundert hinein Heiden auf dem Boden des Imperiums nachweisen. Nach der Teilung des Reiches unter den Söhnen des Kaisers Theodosius 395 erwies sich letztlich nur das von Konstantinopel (Byzanz) aus regierte, überwiegend griechischsprachige Oströmische Reich auf Dauer als lebensfähig (Latein blieb hier aber noch bis ins 7. Jahrhundert Amtssprache). Das so genannte Weströmische Reich hatte dem Ansturm der Hunnen und Germanen immer weniger entgegenzusetzen. Es kam zu einer langsamen Auflösung des weströmischen Heeres, während die Germanen von mehreren Westprovinzen direkten Besitz ergriffen und dabei an die Stelle der römischen Autoritäten traten. Die Veränderungsprozesse im Zuge der Völkerwanderung scheinen dabei bei weitem nicht so einfach gewesen zu sein, wie man lange glaubte, und sind heute wieder Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion. 410 wurde Rom von den Westgoten, 455 von den Vandalen geplündert. Im Jahr 476 setzte der Germanenfürst Odoaker, ein Skire, den letzten Westkaiser Romulus Augustulus ab (obwohl der letzte anerkannte Westkaiser Julius Nepos noch bis 480 lebte) und unterstellte sich der nominellen Oberherrschaft des oströmischen Kaisers.
Die traditionelle Geschichtsschreibung sah in diesem damals nur wenig beachteten Akt oft das "Ende der Antike"; heute ist man von dieser Sichtweise abgekommen. Vielmehr wird das 6. Jahrhundert heute meist mit gutem Grund noch zur Antike gezählt. Der oströmische Kaiser Justinian I. (527-565) versuchte noch einmal mit recht beachtlichem Erfolg eine Wiederherstellung des Gesamtreiches, die letztlich jedoch nicht gelang - zumal an der Ostgrenze die Sassaniden das Reich weiter unter Druck setzten. Im Oströmischen Reich lebten antike Kultur und Geisteswelt aber noch bis weit ins Mittelalter fort, allerdings bildete hier die arabische Expansion des 7. Jahrhunderts einen deutlichen Einschnitt, der das spätantike frühbyzantinische Reich vom Byzanz des Mittelalters trennte.

Bedeutung und Nachwirken der Antike

Die Bedeutung der Antike für den weiteren Verlauf der Weltgeschichte kann gar nicht hoch genug veranschlagt werden. In dieser Epoche liegen die Wurzeln für die Entwicklung der westlichen Welt. Ionische Naturphilosophie, attische Demokratie, römisches Recht und religiöser Pluralismus waren Hinterlassenschaften, an die neuzeitliche Aufklärer, Staatstheoretiker, Naturwissenschaftler, Menschenrechtsverfechter u.a.m. anknüpfen konnten. Bis heute erhaltene Zeugnisse der Antike sind - neben überlieferten Texten philosophischer, literarischer oder historischer Natur - zahlreiche Objekte der griechischen und römischen Kunst: von großen Skulpturen bis zur Kleinkunst, Töpferei etc. Wichtige Antikensammlungen befinden sich in Rom, Athen, Neapel, Paris, London, München, St. Petersburg, Wien und Berlin. Für die Kenntnis des antiken Alltags sind vor allem archäologische Ausgrabungen wie die in Pompeji, Olympia, Delphi oder Pergamon von Bedeutung. Als man im Italien des 15. Jahrhunderts die erhaltenen (meist römischen) Überreste neu zu schätzen lernte und in der Kunst nachahmte, bezeichnete man dies als Renaissance, als Wiedergeburt der Antike. Es muss jedoch beachtet werden, dass die Antike dem Mittelalter auch nie völlig entschwunden war und es, neben den Byzantinern und Arabern, unter anderem der Tätigkeit der Mönche und der Karolingischen Renaissance zu verdanken war, dass nicht noch mehr verloren ging. In der neueren Forschung wird auch betont, dass durchaus gewisse Kontinuitätslinien zwischen der Antike und dem Mittelalter bestehen. Seit dem 18. Jahrhundert trat infolge der Arbeiten von Johann Joachim Winckelmann die klassische griechische Kunst zunehmend ins Zentrum des Interesses. Im 19. Jahrhundert sprach man im Zusammenhang mit den Arbeiten von Architekten und Künstlern wie Karl Friedrich Schinkel, Franz Karl Leo von Klenze und Berthel Thorwaldsen von der "Renaissance der griechischen Antike", heute vom Neuhumanismus. Vor allem aber setzte die Wiedergeburt des antiken Geistes in der Renaissance der jahrhundertelangen Dominanz religiösen Denkens ein Ende und mündete schließlich in die Epoche der europäischen Aufklärung und in die Moderne. Fast alle Ideen der neuzeitlichen Aufklärung haben antike Vorläufer. Ohne griechische Wissenschaft und Philosophie, ohne das römisches Recht, ohne Architektur und Kunst von Griechen und Römern sind die neuzeitliche westliche Kultur und Zivilisation nicht denkbar. Siehe auch: Klassizismus, Philosophie der Antike

Quellen in Auswahl

Der Großteil der antiken Literatur (und damit auch der Geschichtsschreibung) ist uns nicht erhalten, sodass unser Wissen über die Antike zum Teil sicher durch Überlieferungszufälle verzerrt wird. Man hat geschätzt, dass uns kaum 10% der griechischen Literatur überliefert ist (siehe H. Strasburger: Umblick im Trümmerfeld der griechischen Geschichtsschreibung, in: Historiographia antiqua, Festschrift W. Peremans, Leuven 1977, S. 3-52). In Teilen sieht es besonders trostlos aus (Hellenismus), in anderen Bereichen etwas besser (klassische Zeit Griechenlands sowie Spätantike). Insgesamt ist die Quellenlage jedoch problematisch. Neben den erzählenden Quellen müssen natürlich auch Inschriften und Reden sowie archäologische und numismatische Quellen etc. herangezogen werden. Eine Zusammenfassung mit ausführlichen Angaben bieten die entsprechenden Artikel (Geschichtsschreibung) im Pauly (RE; KlP; DNP) oder anderen Lexika. Im folgenden seien einige der wichtigsten (erhaltenen) antiken Autoren genannt.
- Herodot, Historien
- Thukydides, Der Peloponnesische Krieg
- Xenophon, Hellenika
- ders., Der Zug der Zehntausend
- Arrian, Alexanders des Großen Zug durch Asien
- Pausanias, Beschreibung Griechenlands
- Plutarch, Große Griechen und Römer
- Polybios, Historien
- Livius, Römische Geschichte
- Diodor, Bibliothek
- Sallust, Die Verschwörung des Catilina
- ders., Der Krieg gegen Jugurtha
- Caesar, Der Gallische Krieg
- ders., Der Bürgerkrieg
- Tacitus, Annalen
- ders., Germania
- Flavius Josephus, Der jüdische Krieg
- Sueton, Leben der Caesaren
- Ammianus Marcellinus, Res Gestae
- Zosimos, Neue Geschichte
- Anonymus, Historia Augusta
- Prokopios von Caesarea, Kriege, Bauten und Geheimgeschichte Eine äußerst wichtige Sammlung stellt Jacoby dar: Felix Jacoby, Fragmente der Griechischen Historiker (FGrHist), Berlin (später Leiden) 1923 ff. [http://www.klassphil.uni-muenchen.de/%7Ewaiblinger/jacoby.html Vorläufiges Register]

Literatur

Allgemein: Ausführliche Angaben sind entweder den Bibliographien der unten genannten Werke (besonders sei dabei auf The Cambridge Ancient History und Oldenbourg Grundriss der Geschichte hingewiesen) zu entnehmen oder den Bibliographien, die in der HU-Linkliste aufgeführt sind (siehe beispielsweise [http://www.uni-essen.de/geschichte/alte_seite/6A1-HilfsmittelAG.htm Bibliographie des Hist. Seminars der Uni Essen]). Zu den in der Alten Geschichte üblichen Ankürzungen vgl. neben den Lexika auch [http://www.archeolinks.com/aristarchos.htm Aristarchos].

Einführungen


- Manfred Clauss: Einführung in die alte Geschichte, München 1993.
- Rosemarie Günther: Einführung in das Studium der Alten Geschichte, Paderborn 2001.

Allgemeine Überblickswerke


- The Cambridge Ancient History, diverse Hrsg., 14. Bde. (teils in Teilbänden), 2. völlig neubearb. Aufl., Cambridge 1970ff. Umfassende und sehr wichtige Gesamtdarstellung des Antike. Die zweite Aufl. ist vollständig neubearbeitet worden.
- Geschichte der Antike. Ein Studienbuch, hrsg. von H.-J. Gehrke und H. Schneider, Stuttgart 2000. ISBN 3-476-01455-X Grundlegende Einführung!
- Geschichte kompakt Antike der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft; noch im Entstehen begriffen. Gute Einführungen mit einem teils hervorragenden, in die Darstellung integrierten Forschungsüberblick (z.B. R. Schulz, Athen und Sparta, Darmstadt 2003).
- Das Erste Europa, 1000 v. Chr. – 500 n. Chr. (Handbuch der Geschichte Europas, Band 1), von Wolfgang Schuller, Stuttgart 2004. Sehr knappe Darstellung der Ereignisgeschichte, wofür eine gute strukturelle und forschungsgeschichtliche Darstellung geboten wird.
- Oldenbourg Grundriss der Geschichte, hrsg. von Jochen Bleicken und anderen, Bd. 1-4, versch. Auflagen, München 1980 ff. Dreiteilung jedes Bandes: 1) sehr knappe Darstellung, 2) Forschungsüberblick und 3) umfassende Bibliographie. Unersetzbar für den Einstieg in die wissenschaftliche Arbeit!
- Oldenbourg Geschichte Lehrbuch: Antike, hrsg. von Eckhard Wirbelauer, München 2004. Umfassender und zugleich origineller, witziger Einstieg in die antike Geschichte, der alle wichtigen Themen abdeckt; die Ereignisgeschichte wird aber nur sehr, sehr knapp behandelt.

Chronologisch geordnete Darstellungen neueren Datums

Älteren Datums, aber immer noch sehr nützlich, sind die Darstellungen zur griechischen Geschichte von Karl Julius Beloch, Georg Busolt und Eduard Meyer.
- Hermann Bengtson: Griechische Geschichte. Von den Anfängen bis in die römische Kaiserzeit, Handbuch der Altertumswissenschaft III. 4, Reprint der 5. durchgesehen und erg. Auflage von 1977, München 1996. ISBN 3-406-06660-7 (als Ausgabe ohne wissenschaftlichen Apparat: Griechische Geschichte, 9. Auflage, München 2002. ISBN 3-406-02503-X)
- Detlef Lotze: Griechische Geschichte. Von den Anfängen bis zum Hellenismus. München 2000. (Siehe auch weitere Bände aus dieser Reihe von Baltrusch, Bringmann, Brandt, Funke, Mischa Meier, Welwei etc. Jedoch: nur für den ersten Überblick geeignet.)
- Michael Stahl: Gesellschaft und Staat bei den Griechen, 2 Bde., Paderborn 2003. Sehr gutes Überblickswerk.
- Oswyn Murray: Das frühe Griechenland, München 1982. Ausgezeichnete Darstellung der griechischen Frühzeit bis hin zu den Perserkriegen.
- Simon Hornblower: The Greek World, Routledge Ancient History, 3. Aufl., London-New York 2002. Hervorragende Gesamtdarstellung der "klassischen Zeit".
- John K. Davies: Das klassische Griechenland und die Demokratie, München 1982.
- Christian Meier: Athen. Ein Neubeginn der Weltgeschichte, Berlin 1993. Großartige Gesamtdarstellung Athens im 5. Jahrhundert, aber ohne Fußnoten, dafür gut geschrieben.
- Frank W. Walbank: Die hellenistische Welt, München 1983.
- Graham Shipley: The Greek World after Alexander, Routledge Ancient History, London-New York 2000. Mit die beste Gesamtdarstellung des Hellenismus.
- Ernst Kornemann: Weltgeschichte des Mittelmeerraumes. Von Philipp II. von Makedonien bis Muhammed, München 1967.
- Hermann Bengtson: Grundriss der Römischen Geschichte mit Quellenkunde. Republik und Kaiserzeit bis 284 n. Chr., Handbuch der Altertumswissenschaft III. 5, München 1982. ISBN 3-406-08617-9
- Klaus Bringmann: Geschichte der römischen Republik, München 2002. Solide Darstellung.
- Karl Christ: Geschichte der römischen Kaiserzeit, 4. aktual. Aufl., München 2002. Beste deutsche Darstellung der Kaiserzeit bis Konstantin dem Großen.
- David S. Potter: The Roman Empire at bay. AD 180-395. Routledge History of the Ancient World, London u.a. 2004. ISBN 0-415-10058-5 Hervorragende Darstellung, die auch soziokulturelle Aspekte mit einbezieht.
- Alexander Demandt: Die Spätantike, Handbuch der Altertumswissenschaft III. 6, München 1989. (als inhaltlich gekürzte Ausgabe ohne wissenschaftlichen Apparat: Geschichte der Spätantike, München 1998. ISBN 3-406-44107-6)
- Averil Cameron: The Mediterranean World in Late Antiquity. AD 395-600, London/New York 1993 Eine ganz ausgezeichnete englische Einführung in die Spätantike.
- Arnold H. M. Jones: The Later Roman Empire 284-602. A Social, Economic and Administrative Survey, 3 Bde., Oxford 1964 (ND in 2 Bde. Baltimore 1986). Umfassendste moderne, von einem Autor verfasste Darstellung der Spätantike, jedoch durch die Faktendichte teils schwer lesbar und inzwischen teilweise überholt.

Spezialisiertere Darstellungen


- Jochen Bleicken: Verfassungs- und Sozialgeschichte des Römischen Kaiserreiches, 2 Bde., Paderborn, München, Wien, Zürich 1981
- Ders.: Die athenische Demokratie, 4. Aufl., Stuttgart 1995.
- Donald Kagan: The Peloponnesian War, London 2003. Siehe auch Kagans vierbändige Darstellung des Pelop. Krieges; hier eine intelligente und zusammenfassende Darstellung für ein breiteres Publikum.
- Karl-Wilhelm Welwei: Das klassische Athen. Demokratie und Machtpolitik im 5. und 4. Jahrhundert, Darmstadt 1999. Detaillierte Darstellung der Politik Athens und dessen Aufstieg zur Hegemonialmacht.
- Karl-Wilhelm Welwei: Sparta. Aufstieg und Niedergang einer antiken Großmacht, Stuttgart 2004. Wohl die beste deutschsprachige Darstellung der Geschichte Spartas.
- Karl-Wilhelm Welwei: Die griechische Polis. Verfassung und Gesellschaft in archaischer und klassischer Zeit, 2. Aufl., Stuttgart 1998.
- Josef Wiesehöfer: Das antike Persien. Von 550 v. Chr. bis 650 n. Chr., 3. Auflage, Artemis und Winkler, Düsseldorf/Zürich 2002. Gutes Überblickswerk bezüglich des antiken Persiens; dort auch weitere Hinweise.

Lexika


- RE: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, hrsg. von G. Wissowa et al., in 2 Reihen. Stuttgart 1894–1980. (Pauly-Wissowa) Trotz des Alters in seiner Gesamtheit nicht überholtes Grundlagenwerk.
- KlP: Der Kleine Pauly, Lexikon der Antike, hrsg. von K. Ziegler – W. Sontheimer, 5 Bde., Stuttgart – München 1964–1975. Hervorragendes Lexikon auf Grundlage der RE, jedoch mit verkürzten und neugeschriebenen Artikeln.
- DNP: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike, hrsg. von H. Cancik - H. Schneider, Stuttgart – Weimar 1996 ff. Teils stark schwankende Qualität der Beiträge.
- LAW: Lexikon der Alten Welt, hrsg. von C. Andresen et al., Zürich – Stuttgart 1965.
- RGA: Reallexikon der germanischen Altertumskunde, begründet von Johannes Hoops, 2., völlig neu bearb. und stark erw. Aufl., hrsg. von Heinrich Beck - Herbert Jankuhn - Hans Kuhn - Kurt Ranke - Reinhard Wenskus, Berlin-New York 1973 ff. Noch im Entstehen begriffene Neubearbeitung des wichtigen Lexikons von Hoops.
- OCD: The Oxford Classical Dictionary, hrsg. von S. Hornblower - A. Spawforth, verbesserte 3. Aufl., Oxford 2003. Bestes einbändiges Lexikon über die Antike mit teils herausragenden Artikeln.
- RAC: Reallexikon für Antike und Christentum, hrsg. von Th. Klauser et al., Stuttgart 1950 ff. Noch nicht abgeschlossen; besonders Augenmerk gilt der Spätantike.

Klassische, teils veraltete Darstellungen


- Edward Gibbon: Verfall und Untergang des römischen Imperiums, 6 Bde, dtv, München 2003 (Zum ersten Mal komplett und ungekürzt bis zum Ende Westroms, die Geschichte von Byzanz ist immer noch ausgespart.)
- Karl Julius Beloch: Griechische Geschichte, 4 Bde. in 8 Teilbände, Straßburg 1893ff., 2. überarb. Aufl. 1912ff. (Bedeutende, aber nicht immer unumstrittene Darstellung.)
- Johann Gustav Droysen: Geschichte des Hellenismus, Berlin 1877.
- Theodor Mommsen: Römische Geschichte, Berlin 1902.
- Georg Wissowa: Religion und Kultus der Römer, Beck, München 1902; 2. Aufl. 1912, Nachdruck 1971 (Handbuch der Altertumswissenschaft V.4) ISBN 3-406-03406-3
- Eduard Meyer: Caesars Monarchie und das Prinzipat des Pompejus. Innere Geschichte Roms von 66 bis 44 v. Chr., 1918; 3. Aufl. 1922
- Helmut Berve: Sparta, Bibliographisches Institut, Leipzig 1937 (politisch stark gefärbt)
- Matthias Gelzer: Julius Caesar. Der Politiker und Staatsmann, 3. Aufl., Callwey, München 1941.

Siehe auch für einen detaillierteren Überblick


- Portal:Antike Übersichtsportal, siehe dort für weitere Angaben zu den einzelnen Epochen.
- Liste antiker Stätten
- Philosophie der Antike
- Staatsformen der Antike
- Dunkle Jahrhunderte
- Perserreich
- Antikes Griechenland
- Hellenismus und Diadochen
- Römisches Reich
- Römische Republik
- Römische Kaiserzeit
- Weströmisches Reich
- Byzantinisches Reich
- Spätantike
- Untergang des Römischen Reiches
- [http://la.wikipedia.org Die lateinische Wikipedia]

Anderes thematisch Verwandtes


- Griechische Literatur
- Römische Literatur
- Mythologie
- Gesellschaft für antike Philosophie

Weblinks


- [http://ag.geschichte.hu-berlin.de/site/lang__de/3853/Default.aspx Umfangreiche und hervorragend ausgesuchte Linkliste der HU Berlin.]
- [http://www.kirke.hu-berlin.de/vl/vlagdt.html KIRKE - Wohl das beste Linkportal in deutscher Sprache zum Thema Antike.]
- [http://www.perseus.tufts.edu/ Perseus Project - antike Texte mit englischer Übersetzung, und gleichzeitig wohl die wichtigste Quellensammlung zur antiken Geschichte im Netz.]
- [http://www.gottwein.de/ Navicula Bacchi - Umfangreiche Materialsammlung für Alte Sprachen und Antike Geschichte im Gymnasialunterricht und darüber hinaus.]
- [http://www.livius.org/ Livius.org (englisch) - mit teils sehr empfehlenswerten Artikeln]
- [http://elearning.unifr.ch/antiquitas/index.php?lang=2&antiquitas=cc95589a8f137bed667e87eca4461e11 Antiquitas - Einführung in die Alte Geschichte]
- [http://rsw.beck.de/rsw/shop/default.asp?docid=155108 Linkliste, erstellt von Prof. Hartmut Leppin (ergänzend zu seiner Einf

Kleinasien

Kleinasien (Asia Minor) oder Anatolien (türkisch Anadolu vom griechischen Anatole (ανατολη) für Aufgang, Osten) ist jener Teil der Türkei, der zu Vorderasien gehört. Häufig wird auch Zypern zu Kleinasien gerechnet.

Geografie

Zypern

Fläche und Abgrenzung

Kleinasiens Fläche beträgt 757.000 km² und macht 96 Prozent des türkischen Staatsgebietes aus, aber nur etwa 3% von ganz Asien. Es wird im Süden begrenzt vom Mittelmeer (türk. Akdeniz, siehe auch Rhodos und Zypern). Im Norden wird es vom Schwarzen Meer begrenzt, im Westen von der Ägäis (griechische Inseln), im Nordwesten von Bosporus, Marmarameer und Dardanellen. Die östliche Grenze von Kleinasien ist nicht genau definiert, der Einfachheit halber wird sie meist mit der östlichen Landesgrenze der Türkei gleichgesetzt.

Bevölkerung und Religion

Die Bevölkerung hat sich seit 1930 (12 Millionen) auf derzeit 55-58 Millionen (ohne europäische Türkei) vergrößert, was einer Verdoppelung alle 30 Jahre entspricht. Sie besteht heute aus Türken, Kurden und Angehörige andere türkischer Stämme. Daneben existieren noch andere Minderheiten wie die Zaza, Araber, Armenier, Assyrer, Bulgaren, Georgier, Griechen (die bis zum „Bevölkerungstausch“ 1922/23 über 10 Prozent ausmachten) und Tscherkessen. Hinsichtlich der Religion dominiert der Islam (98%, davon 70-80% Sunniten und über 20-30% Aleviten). Die Christen machen 0,2% aus, zählten aber um 1910 noch etwa 20% (vornehmlich Griechen im Westen und Norden Pontos-Griechen). Von anderen kleinen Religionsgemeinschaften (genaue Zahlen werden nicht erhoben) sind etwa 20.000 Juden zu erwähnen.

Zwei Hauptstädte und zwei Meerengen

Als Grenze zwischen Europa und Asien gilt seit der Antike der Bosporus. Das an ihm liegende Istanbul hat sich seit 1970 von 2 auf etwa 10 Millionen Einwohner vergrößert. Es war bis 1453 byzantinische, dann osmanische und bis 1923 türkische Hauptstadt. 1923 wurde die Hauptstadt in das viel kleinere, aber für Kleinasien zentrale Ankara verlegt. Die „Stadt am Bosporus“ hat wegen der interkontinentalen Meeresenge einen europäischen Stadtteil (früher Konstantinopel bzw. Stambul) und einen Stadtteil in Kleinasien (Üsküdar). Sie werden durch dichten Schiffsverkehr und zwei Brücken miteinander verbunden. Die zweite Meeresenge zu Kleinasien sind die Dardanellen (antiker Hellespont) zwischen der europäischen Halbinsel Gallipoli (türk. Gelibolu) und der Region von Troja und Çanakkale. Geologisch gesehen gehören aber Asien und Europa zusammen - als zusammenhängender Großkontinent Eurasien.

Geschichte

Frühgeschichte und antike Provinzen

Der Name „Kleinasien“ leitet sich historisch von der römischen Provinz Asia ab, die aber nur den westlichsten Teil der heutigen Türkei bildete. Um 2000 v. Chr. bestand in Anatolien das Fürstentum der Hatti (auch Protohethiter). Es wurde von Indoeuropäern abgelöst, deren Migration einige Völker vom Kaukasus hierher brachte: Die Völker der Pala ließen sich im Norden (speziell in Paphlagonien) nieder, die Nesi und Luwier in Mittel- und Südanatolien. Nach ersten Fürstentümern gründeten sie ab 1660 v. Chr. das Grosskönigreich der Hethiter (1460 - 1190 v. Chr.). Diese Föderation war neben Ägypten die zweite Supermacht der damaligen Zeit. Im 9. Jahrhundert v. Chr. etabliert sich das Reich Urartu im späteren Armenistan am ostanatolischen Euphrat. König Sa(r)dur I. (um 830) errichtet die Hauptstadt Tuschpa am Van-See. Hochwertige Bewässerung und Zucht, Metalle und eigene Hieroglyphen wurden entwickelt. Um 620 v. Chr. wird das Reich von den Skythen erobert und vernichtet. Nach 700 v. Chr. begannen griechische Ionier und Dorer entlang der Ägäisküste Kolonien zu gründen. In den Jahrhunderten danach wurden u.a. folgende Landschaften unterschieden:
- Vom Nordwesten nach Süden Hellespont (Dardanellen), Mysien, Lydien, Karien und Lykien,
- an der Südküste Pamphylien, Pisidien und Kilikien,
- im Norden Bithynien, Pontus, Paphlagonien und Armenien
- und im Landesinneren Galatien (bzw. Phrygien) und Kappadokien. 546 v. Chr. eroberte Persiens Großkönig Kyros II. Lydien und danach die griechischen Städte an der Küste und Lykien. Um 500 v. Chr. wurde Südanatolien dem Perserreich angegliedert. Alexander d. Gr. setzt mit seinem Heer 334 v. Chr. über das Marmarameer und schlägt die Perser. Fast ganz Anatolien wird dem Makedonischen Weltreich einverleibt. Nach Alexanders Tod teilen die Diadochen das Reich, Kleinasien geht an Seleukos I..
Sein Konkurrent Philetairos spaltet 282 v. Chr. davon das Reich von Pergamon ab, bis es 133 v. Chr. an Rom vererbt (!) wird. Um 275 siedeln sich Kelten aus Thrakien nach Plünderungen in Zentralanatolien an und gründen das Reich Galatien.

Römerreich, Christentum und Byzanz

Ab 60 v. Chr. kamen die Küstenregionen durch Pompeius zum römischen Reich. Ein starker Gegner war König Mithridates VI. Eupator von Pontus (121-63 v.Chr.). Später wurde auch das Landesinnere annektiert und um das Jahr 65 die Provinzen neu gegliedert (Pontus im Norden, Cilicia (Kilikien) im Süden und Syria im Osten). Die Könige von Galatien, Kappadokien, und Paphlagonien behielten als Vasallen Roms und als "Puffer" gegen Nachbarvölker ihren Thron. Mit der „Pax Romana“ des Augustus begann um die Zeitenwende eine Blütezeit bis zum 2. Jahrhundert n.Chr. (Kaiser Trajan und Hadrian). Um das Jahr 50 begann das Christentum Fuß zu fassen zuerst in Perge, später bis zur Hauptstadt Efesos und bis Griechenland - siehe z.B. die Paulusbriefe an verschiedene Gemeinden. Auch einige Bischofssitze entstanden - u.a. in Myra, in dem um 350 der heilige Nikolaus wirkte - und auch die ersten Konzile fanden in Kleinasien statt. 324 wurde Konstantinopel zur Residenz des oströmischen Reiches. Nach dem Untergang Westroms (476 blieb Kleinasien für 700 bis 1100 Jahre unter byzantinischer Herrschaft und wirkte in die weitere Umgebung (z.B. bis nach Russland) hinein.

Seldschuken, Mongolen und Osmanen

Im 11. Jahrhundert drangen aus dem Osten die turkmenischen Seldschuken vor und wurden von Arabien unterstützt. Nach dem Sieg bei Malazgirt (1071) fiel der Großteil Anatoliens an sie. Das Zentrum ihres Reiches war Ikonion (die heutige Großstadt Konya), 200 km südlich von Ankara (Ankyra, ab 1023 Angora).
Im 12. Jahrhundert konnte Byzanz einige Gebiete wieder zurückgewinnen. Das oströmische Reich endete erst 1453 mit dem Fall von Konstantinopel an die Osmanen. Mit den Mongolen Mitte des 13. Jahrhundert zerfiel das Seldschukenreich in viele Turkfürstentümer. Eine ihrer Dynastien, nach ihrem Führer Osman I. (1281-1326) die Osmanen benannt, unterjochte die umliegenden Gebiete und eroberte 1326 auch den byzantinischen Norden bei Bursa. Im Osmanischen Reich verloren alle o.a. antiken Provinzen endgültig ihre Autonomie und meist auch ihren Namen.

Erster Weltkrieg und „Bevölkerungstausch“

Vor und nach dem 1. Weltkrieg zerfiel das Osmanenreich, das im 16. Jahrhundert bis Bosnien und Ungarn expandiert war. Sein kleinasiatischer Teil wurde unter Atatürk im Krieg gegen die Griechen vereint, die nach 1918 von Smyrna (Izmir) aus Richtung Ankara vorgedrungen waren. Diese Kämpfe endeten erst 1922 mit der Vertreibung einiger Millionen Menschen und dem „Bevölkerungsaustausch“ 1923 (Vertrag von Lausanne). Heute gliedert sich die Türkei in 81 Provinzen, davon 77 in Kleinasien und 4 im europäischen Teil westlich Istanbuls. Siehe auch: Türkischer Befreiungskrieg

Siehe auch


- Ostanatolien
- Chalyber, Rumelien
- assyrische Keilschrift, Thales von Milet, Hellenismus
- Hochgebirge, Großer Mäander, Erdbeben, Plattentektonik Kategorie:Region Kategorie:Geographie (Türkei) ! Kategorie:Halbinsel ja:アナトリア半島 ko:소아시아 simple:Asia Minor th:อนาโตเลีย

Türkei

Die Türkei (Eigenbezeichnung Türkiye) ist der Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches und ging nach dem Ersten Weltkrieg aus diesem hervor. Die Türkei ist eine laizistische Republik. Der Laizismus geht auf den Staatsgründer Mustafa Kemal "Atatürk" zurück. Atatürk war bestrebt, durch viele gesellschaftliche Reformen die Türkei nach dem Vorbild Europas zu modernisieren. Seit dem 3. Oktober 2005 laufen die Beitrittsverhandlungen der Türkei mit der Europäischen Union.

Geografie

Lage

Europäischen Union Die Türkei erstreckt sich geografisch über zwei Kontinente. Anatolien, der asiatische Teil des türkischen Staatsgebiets, nimmt etwa 97 % der Fläche ein. Der europäische Teil bildet das östliche Thrakien und umfasst etwa 3 % der Landesfläche (23.623 km²). Die Landesgrenzen der Türkei haben eine Gesamtlänge von ca. 9.848 km, davon sind 7.200 km vom Meer umgrenzt. Im Westen der Türkei liegt das Ägäische Meer, im Süden das Mittelmeer und im Norden das Schwarze Meer. Daneben teilt die Türkei mit acht Nachbarländern eine Grenze mit einer Gesamtlänge von 2.648 km. Im Nordwesten grenzt sie an Griechenland (206 km Grenze) und Bulgarien (240 km), im Nordosten an Georgien (252 km), Armenien (268 km), Aserbaidschan (Exklave und autonome Republik Nachitschevan) (9 km), im Osten an den Iran (499 km) und im Süden an den Irak (352 km) und Syrien (822 km). Vor allem der Norden der Türkei gehört zu den am stärksten erdbebengefährdeten Regionen der Welt und wurde in den letzten Jahren immer wieder von Erdbeben erschüttert. Da eine gewisse chronologische Ost-West-Abfolge der Erdbeben in der Nordtürkei festzustellen ist, gehen Experten davon aus, dass in absehbarer Zeit auch İstanbul von einem großen Beben erschüttert werden könnte. Die letzten großen Beben in der Provinz Kocaeli waren weniger als 100 km von İstanbul entfernt.

Landschaftsbild

Kocaeli Die Türkei wird in sieben Regionen unterteilt: Thrakien- und Marmararegion, Ägäis, Schwarzmeer-Region, Zentral-Anatolien, Mittelmeerraum, Ost- und Südost-Anatolien. Diese Regionen unterscheiden sich stark bezüglich Vegetation und Wetterbedingungen. Thrakien liegt westlich vom Bosporus auf der europäischen Seite. Auf der thrakischen Hochebene bildet der Fluss Meriç die Grenze zu Griechenland. Östlich vom Bosporus liegt die Marmara-Region. Das Marmarameer trennt Europa von Asien und das Ägäische Meer vom Schwarzen Meer. Zum Mittelmeer hin erstrecken sich die Dardanellen auf einer Länge von 60 km. Die beiden Landzungen sind bei Çanakkale mit bis zu 4 km am breitesten. Am Bosporus liegt die Millionen-Metropole İstanbul. Die Landschaft in dieser Region ist hügelig und von Büschen und Wäldern bedeckt. Der fruchtbare Ackerboden weicht im Osten einer Steppenlandschaft. Die Region bildet das wirtschaftliche Zentrum der Türkei. Die Millionenstadt Bursa ist als Kurort berühmt für seine Schwefel- und Thermalquellen. Sie liegt zu Füßen des Uludağ-Gebirges. Der Berg ist sowohl im Sommer (Flucht vor der Hitze) als auch im Winter (Wintersport) ein beliebtes Ausflugsziel. Die Ägäis-Region wird ebenfalls landwirtschaftlich intensiv genutzt. Die stark hügelige Landschaft erstreckt sich entlang der Westküste zwischen Çanakkale und Bodrum. Die Küstenregion gehört zu den am besten touristisch erschlossenen Regionen der Türkei. Neben Zypressen und Ölbäumen prägen Weinreben die Landschaft. In dieser Region finden sich viele antike Bauten aus der Zeit der griechichen Besiedlung, z. B. Troja, Assos (Behramkale), Pergamon (Bergama), Ephesus (Efes), Priene, Milet, Didyma und Euromos. Die Schwarzmeer-Region umfasst den nördlichen Küstenstreifen der Türkei. Sie ist geprägt durch ein mildes, feuchtes Klima, und auf ihrer bergigen Landschaft erstrecken sich große Wälder. Auf dem sehr fruchtbaren Boden werden Tee, Tabak, Mais und Haselnüsse angebaut. Die zentralanatolische Region umfasst die inneranatolischen Hochebenen. Hier liegen der Salzsee Tuz Gölü (salziger als das Tote Meer) und Gebirgsketten, die stellenweise bis zu 3.900 m hochragen. Im Osten liegt Kappadokien, das wegen seiner in Tuffstein getriebenen Wohnhöhlen und Felsenkirchen in bis zu 2.000 m hohen Bergkegeln bekannt ist. Inneranatolien ist überwiegend durch eine Steppenlandschaft geprägt und gehört zu den trockensten Gebieten Anatoliens; in der Region um den Tuz Gölü nimmt die Landschaft wüstenähnliche Gestalt an. Deshalb ist die landwirtschaftliche Nutzung in dieser Region nicht so stark ausgebildet, wie in den zuvor genannten Regionen. Vor allem Weizen, Gerste und Obst werden hier angebaut. Das Klima dieser Region ist geprägt durch heiße, trockene Sommer (über 40 Grad) mit kalten Abenden. Die Winter sind sehr kalt (unter -20 Grad). Die Mittelmeer-Region wird im Norden vom Taurus und im Osten vom Nur Dağları (Amanosgebirge) begrenzt. Landwirtschaftlich werden in dieser Region überwiegend Zitrusfrüchte, Bananen, Tomaten, Erdnüsse und Baumwolle angebaut. Baumwolle Südostanatolien ist die älteste Kulturregion der Türkei. Sie wird vom Taurus-Gebirge umschlossen. Hier verlaufen die beiden Flüsse Euphrat und Tigris. Landwirtschaftlich wird diese Region durch Weizen-, Gersten-, Wein-, Oliven- und Pistazienanbau genutzt. Neben Gebirgsverläufen ist die Region östlich des Euphrat durch ein Hochplateau geprägt. Zur weiteren landwirtschaftlichen Kultivierung werden im Rahmen des Südostanatolien-Projekts entlang des Euphrat und Tigris über 20 Staudämme errichtet. Höchste Berge der Türkei:
- Ararat (Büyük Ağrı dağı) - 5.165 m
- Buzul Dağı - 4.116 m
- Süphan Dağı - 4.058 m
- Kaçkar Dağı - 3.932 m
- Erciyes Dağı - 3.917 m
- Uludağ - 2.543 m Uludağ Wichtigste Flüsse der Türkei:
- Kızılırmak 1.355 km
- Euphrat (Fırat)
- Sakarya
- Murat
- Tigris (Dicle)
- Seyhan
- Ceyhan
- Göksu, Çoruh, Großer Mäander (Büyük Menderes). Seen der Türkei:
- Van Gölü 3.713 km²
- Tuz Gölü 1.500 km² (Salzsee)
- Beyşehir Gölü 656 km²
- Eğridir Gölü 468 km²
- Akşehir Gölü 353 km²
- İznik Gölü 298 km² Bedeutende Inseln der Türkei:
- Gökçeada 279 km²
- Marmara Adası 117 km²
- Bozcaada 36 km²
- Uzunada 25 km²
- Alibey 23 km²
- Paşalimanı 21 km²
- Avşar 21 km²

Klima

Flora und Fauna

Die Fläche der Türkei wird zu 26,2 % von Wald eingenommen, landwirtschaftlich werden 36,3 % der Gesamtfläche genutzt. Die Flora der Türkei gilt als die vielfältigste und abwechslungsreichste im Nahen Osten. Es finden sich rund 9.000 Arten mit 850 Gattungen; im Süden vor allem Pflanzen, die sich an die trockenen Sommer angepasst haben, z. B. immergrüne Hecken und Sträucher, Eichenbäume, Oliven- und Johannisbrotbäume. In den Hochebenen sind wilde Blumen und Bodendecker heimisch. Die Steppen werden von Sträuchern, Nadelwäldern und Schwarzkiefern beherrscht, die trockenen Gebiete auch von Disteln und Kakteengewächsen (Dornpolster). Im Norden, vor allem an der Schwarzmeerküste, finden sich ausgedehnte Haselnuss-, Mais- und Teeplantagen, im Süden eher Obst- und Baumwollplantagen. Auch sind viele Niederwildarten und Wildschweine heimisch, obwohl sich ihr Bestand durch die Jagd beständig dezimiert. An Nutztieren finden sich vorrangig Rinder, Pferde, Büffel, Schafe und Ziegen. Der Kamelbestand ging in den letzten Jahrzehnten beständig zurück; sie werden heute vorrangig für sportliche Wettkämpfe und nicht mehr als Lastenträger gezüchtet. Die größten Raubtiere, die heute noch in der Türkei leben, sind u. a. Braunbären, Wölfe, Schakale und einige Luchsarten. Der letzte türkische Leopard soll 1979 in Hakkari von einem Bauern erlegt worden sein. Die Türkei ist Brut- und Überwinterungsplatz für zahlreiche Vogelarten. Südlich von Bandırma - im Kuscenneti-Nationalpark - liegt ein bekanntes Vogelparadies, wo Pelikane, Wildenten, Störche, Kormorane, Nachtigallen und Fasane ihre Heimat gefunden haben.

Städte

Fasane Die Verstädterung ist in der Türkei weit voran geschritten, 74 % der Gesamtbevölkerung leben in der Stadt. Während der Südosten der Türkei sehr dünn besiedelt ist, konzentriert sich die Bevölkerung in den großen Städten der Westküste. Stadt Hauptstadt ist das in Zentralanatolien gelegene Ankara mit 3.203.362 Einwohnern. Ankara ist auch eine wichtige Wirtschafts- und Universitätsstadt. Größte Stadt und zugleich wirtschaftliches und kulturelles Zentrum ist das am Bosporus gelegene Istanbul (früher Konstantinopel), das auf beiden Seiten der Meeresenge liegt und sich so auf zwei Kontinente über eine Fläche von 1.269 km² erstreckt. Die eigentliche Stadt hat 8.803.468 Einwohner; in der Metropolregion, die mit der Bodenfläche der Provinz Istanbul identisch ist, leben auf einer Fläche von 5.220 km² - das ist mehr als doppelt so groß wie das Saarland - 11.588.545 Menschen. Damit ist Istanbul eine der größten Städte der Welt. İzmir ist mit 2.232.265 Einwohnern die drittgrößte türkische Stadt und verfügt nach Istanbul über den zweitgrößten Handelshafen. Bursa (1.194.687 Einwohner) die ehemalige Hauptstadt des Osmanischen Reiches ist heute ein wichtiger Wirtschaftsstandort für die Automobil- und Textilindustrie. Die wichtigste Stadt im Südosten der Türkei ist Diyarbakir. Diyarbakir besitzt nach der Chinesischen Mauer die größte und besterhaltenste Befestigungsanlage der Welt. Sie besteht zum größten Teil aus Basalt. Die Anlage wird in einen inneren und einen äußeren Abschnitt unterteilt. Weitere wichtige Städte sind Adana (1.130.710 Einwohner), Gaziantep (853.513 Einwohner), Konya und die Touristenhochburg Antalya (Stand 2000). Siehe auch: Liste der Städte in der Türkei, Geschichte Istanbuls

Bevölkerung

Hauptartikel: Minderheitenpolitik der Türkei

Ethnien

Die genaue ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung in der Türkei ist nicht exakt feststellbar. Bei offiziellen Volkszählungen wird die ethnische Zugehörigkeit nicht erfasst. Ermittelt wird hingegen Muttersprache und Zweitsprache, wobei die Zahlen bei vielen Minderheiten aufgrund der türkischen Assimilationspolitik stark rückläufig sind. Hinzu kommt, dass sich in der Türkei seit Jahrtausenden die verschiedensten Volksgruppen mischen, so dass die Zurechnung eines Menschen zu einer Volksgruppe vielfach eine Definitionsfrage ist. Besonders umstritten ist die genaue Zahl der Kurden, der größten und sich der Assimilation am stärksten entziehenden Minderheit. Die Angaben zu den Ethnien differieren je nachdem, welche Quellen herangezogen werden, stark. Demnach leben in der Türkei folgende Ethnien: 70–80 % Türken, ca. 20–30 % Kurden, 2–3 % Zaza, 2 % Araber, 0,5 % Tscherkessen, 0,5 % Georgier sowie diverse andere ethnische Gruppen und Nationalitäten (Abchasen, Albaner, Aramäer, Armenier, Assyrer, Bosniaken, Bulgaren, Griechen, Lasen, Tschetschenen). Die Bevölkerungsgruppe der Türken wird unterschiedlich definiert. Die türkische Regierung zählt seit 1965 Bevölkerungsgruppen dazu, die von anderen Quellen zum Teil als Angehörige anderer Turkvölker angesehen werden. Dies betrifft etwa 2–5 Millionen Krimtataren und Tataren, etwa 0,5–2 Millionen Aserbaidschaner,etwa 330.000 Yörük-Türkmenen, bis zu 200.000 Mescheten, etwa 100.000 Tahtaci, etwa 60.000 Terekeme, etwa 14.000–20.000 Gagausen, etwa 2.000 Usbeken sowie jeweils etwa 1.000 Kasachen, Kirgisen, Kumyken, Turkmenen und 500 Uiguren. Siehe auch: Türken, Turkvölker, Liste der türkischen Stämme

Religion

Hauptartikel: Religion in der Türkei Das Prinzip der in der Türkei praktizierten Version des Laizismus schreibt eine strenge Trennung von Religion und Staat vor, genauer gesagt eine strikte Unterordnung der Religion unter den Staat. Artikel 24 der Verfassung von 1982 beschränkt die Glaubensfreiheit auf das Individuum. Religionsgemeinschaften können aus dem Verfassungsabschnitt keine Rechte geltend machen. Diese Haltung resultiert aus der herrschenden Ideologie des Kemalismus in der türkischen Gesellschaft. Die sunnitisch-islamischen Einrichtungen werden vom staatlichen Diyanet İşleri Bakanlığı, dem Präsidium für Religionsangelegenheiten, verwaltet. Es regelt die Ausbildung der etwa 100.000 Imame und Muezzine, bezahlt und erhält die Moscheen und gibt landesweit den Inhalt der zu haltenden Predigten vor. Die anderen Religionsgruppen verwalten sich dagegen selbst, erhalten weniger staatliche Unterstützung, genießen dafür aber mehr innere Autonomie. Nach offiziellen Statistiken sind 99,8 % der türkischen Bevölkerung Muslime. Davon sind etwa 65 bis 70 % Sunniten, die restlichen 30 bis 35 % Aleviten. Nach anderen Schätzungen gibt es 75 bis 80 % Sunniten und 20 bis 25 % Aleviten. Außerdem leben in der Türkei 0,2 % Christen (125.000) und 0,04 % Juden (23.000). Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten jedoch noch etwa 20 % Christen auf dem Gebiet der heutigen Türkei. Die offiziellen Zahlen sind jedoch irreführend, weil jeder Einwohner der Türkei, wenn er nicht explizit als einer anderen Religion zugehörig erklärt wird, automatisch als Moslem erfasst wird. Ein Gegenstück zum Kirchenaustritt gibt es nicht, so dass auch Atheisten und Agnostiker offiziell als Moslems geführt werden. Die Zahl der nicht religiösen Einwohner der Türkei ist daher nicht bekannt.

Sprachen

In der Türkei werden folgende Sprachen verwendet:
- > 90 % Türkisch (Amtssprache) sowie türkische Dialekte wie Azeri oder Tatarisch etc.
- 16–17 % kurdische Sprachen und Dialekte
- 2 % arabische Sprachen und Dialekte
- 1–2 % Zazaki (von den meisten Zaza als eigenständige Sprache gesehen, jedoch oftmals als kurdischer Dialekt bezeichnet)
- sonstige Sprachen von ethnischen Minderheiten (Aramäisch, Armenisch, Albanisch, Georgisch, Griechisch, Lasisch, Tscherkessisch) Siehe auch: Turksprachen, Türkische Sprache, Türk Dil Kurumu

Soziales

Türk Dil Kurumu Seit der Republiksgründung im Jahre 1923 wuchs die Bevölkerung der Türkei schnell an. 1927 lebten in der Türkei knapp 14 Millionen Menschen, 2003 waren es knapp 70 Millionen (siehe Grafik). In den letzten Jahren hat sich das Bevölkerungswachstum sehr verlangsamt. Während es 2000 noch 1,7 % betrug, wird für 2004 von einem Bevölkerungswachstum von 1,13 % ausgegangen. Die Türkei ist gleichzeitig ein Auswanderungs- und Einwanderungsland. Aus dem Balkan, Nahen Osten, Griechenland, Iran, Zentralasien, Krim usw. kamen nach dem Fall der eisernen Mauer Aussiedler in die Republik. Auf der anderen Seite verließen viele Minderheiten die Türkei, etwa Kurden, Assyrer, Griechen, Juden, Jesiden, Zaza usw. sowie Millionen von eigentlichen Türken. Nachfolgend sind die Einwohnerzahlen der Türkei in ausgewählten Jahren aufgelistet:
- 1927: 14 Millionen
- 1961: 29 Millionen
- 1983: 49,5 Millionen
- 2004: 69 Millionen Die Türkei verfügt über eine sehr junge Bevölkerung, der Altersdurschnitt der türkischen Bevölkerung liegt bei etwa 27,3 Jahren (Stand 2004). Die Altersstruktur setzte sich 2004 folgendermaßen zusammen: 26,6 % der Staatsbürger sind zwischen 0 und 14 Jahre alt, 66,8 % zwischen 15 und 64 Jahre und nur 6,6 % über 65 Jahre alt. Das durchschnittliche Alter der Bevölkerung lag 2004 bei etwa 27,3 Jahren. 2004 Der Staat stellt für alle Bürger eine medizinische Grundversorgung zu Verfügung. 1999 kam im Durchschnitt ein Arzt auf 859 Einwohner. Die Lebenserwartung liegt in der Türkei bei 72,08 Jahren, wobei sie bei den Männern 69,68 Jahre beträgt und bei den Frauen 74,61 Jahre. Beim Lebensstandard, der durch den Human Development Index repräsentiert wird, liegt die Türkei weltweit auf dem 96. Platz (Stand 2003). Damit gehört sie zu den Ländern mit einem mittleren Entwicklungsstand (zum Vergleich: Deutschland belegt den 19. Platz). Seit der Republiksgründung wird versucht, die Stellung der Frau in der türkischen Gesellschaft zu verbessern. Die Türkei gehörte zu den ersten Staaten, die das Frauenwahlrecht einführten. Seit 1930 dürfen Frauen in der Türkei wählen und seit 1934 können sie sich selbst zur Wahl stellen. Dennoch zählt die Unterdrückung von Frauen und häusliche Gewalt in der Türkei zum Alltag. Erst 2004 wurde ein Gesetz durch das Parlament beschlossen, das so genannte „Ehrenmorde“ an Mädchen und Frauen wie vorsätzlichen Mord mit lebenslanger Haftstrafe ahndet. Davor wurden bei solchen Morden unter dem Motiv der Familienehre vor den Gerichten mit Erfolg mildernde Umstände geltend gemacht. Diese mildernden Umstände wurden mit dieser Strafrechtsreform nichtig.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte der Türkei, Kleinasien, Seldschuken, Byzantinisches Reich, Osmanisches Reich, Völkermord an den Armeniern, Kleinasiatische Katastrophe, Türkischer Befreiungskrieg, Zypernkonflikt, Türkischer EU-Beitritt Auf dem Gebiet der heutigen Türkei lebten und herrschten die Hethiter, Armenier, Griechen, die Perser und nach ihnen Alexander der Große. Anschließend gliederte das Römische Reich die heutige Türkei in sein Herrschaftsgebiet ein. Die Herrschaft des vereinten römischen Reiches hielt bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. Danach fiel Kleinasien nach der Teilung des Römischen Reiches an Byzanz. Zeitweilig herrschten die ersten Turkvölker in Teilen von Anatolien mit den Dynastien der Schwarzen Hunnen und Wolgabulgaren. Wolgabulgaren Die endgültige türkische Besiedlung Anatoliens begann mit dem Eintreffen der Seldschuken im 11. Jahrhundert n. Chr. Die ursprüngliche Heimat der Türken lag in Zentralasien und Westchina. Die Seldschuken schlugen die byzantinische Armee in der Schlacht von Mantzikert im Jahre 1071 vernichtend. Daraufhin eroberten sie große Gebiete Ost- und Mittelanatoliens. Nach dem Überfall der Mongolen wurde das seldschukische Reich geschwächt, so dass sich viele türkische Stämme verselbstständigten. Aus einem dieser türkischen Fürstentümern (Beyliken) erwuchs das spätere Osmanische Reich. Um 1299 begründete Osman I. (
- 1259, †1326; (regierte 1299-1326) das nach ihm benannte Osmanische Reich und die Osmanen-Dynastie. Nach der Eroberung Konstantinopels im Jahre 1453 herrschten die Osmanen, über große Teile des Nahen Ostens, Nordafrikas, der Krim, des Kaukasus und des Balkans. Im späten 17. Jahrhundert begann der Niedergang des Osmanischen Reiches, das immer weiter aus seinen europäischen Gebieten zurückgedrängt wurde. Das ab dem 19. Jahrhundert stark zunehmende Unabhängigkeitsstreben diverser Nationen im Vielvölkerstaat des Osmanischen Reiches, die Besetzung Nordafrikas durch europäische Mächte und schließlich die Niederlage im Ersten Weltkrieg bewirkten seinen endgültigen Verfall. Im Ersten Weltkrieg kämpfte das Osmanische Reich an der Seite der Mittelmächte. Nachdem Frankreich und Großbritannien den Armeniern einen selbstständigen Staat in Ostanatolien versprochen hatten, begannen sich die Armenier mit Hilfe der Russen gegen die Türken zu erheben. Die osmanische Regierung befürchtete eine Schwächung ihrer Ostfront. Unter dem Vorwand einer angeblichen Umsiedlungsaktion wurden 300.000 bis 1,5 Millionen Armenier ermordet (Siehe auch: Völkermord an den Armeniern). Nach der Niederlage der Mittelmächte verlor das Osmanische Reich infolge des Friedensvertrages von Sèvres seine verbliebenen Gebiete außerhalb von Anatolien und Thrakien. Darüber hinaus sollte das Gebiet der heutigen Türkei weitgehend zerstückelt werden. Griechenland wurden die Stadt Smyrna (türkisch İzmir) und Teile von Westanatolien zugesprochen, die Region um Adana sollte an die Italiener gehen und der französische Besitz sollte neben Syrien auch Kilikien umfassen. In den östlichen Landesteilen der heutigen Türkei mit den Städten Kars, Ardahan und Erzurum sollte ein armenischer Staat entstehen. Südlich davon und östlich des Euphrat wurde den Kurden eine autonome Region zugesprochen. Diese Pläne wurden allerdings nicht umgesetzt. Atatürk organisierte ab dem 19. Mai 1919 den politischen und militärischen Widerstand gegen diese Pläne. Besonders heftig waren ab 1920 die Kämpfe mit Griechenland. Der Krieg endete am 9. September 1922 mit der Einnahme und dem Niederbrennen des damals mehrheitlich griechisch bewohnten Smyrna (İzmir). Der Sieg der Türkei gipfelte in der Kleinasiatischen Katastrophe, in dessen Folge viele Griechen und Türken aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Nach dem Sieg der Türkei wurden am 24. Juli 1923 mit dem Vertrag von Lausanne die Bestimmungen aus dem Vertrags von Sèvres revidiert. Mit dem Vertrag wurden die bis heute gültigen Grenzen des neuen Staates völkerrechtlich anerkannt. Gleichzeitig wurde der „Bevölkerungsaustausch“ mit Griechenland in geregelte Bahnen gelenkt. Nachdem alle ausländischen Kräfte aus Anatolien vertrieben wurden, rief Mustafa Kemal am 29. Oktober 1923 die Republik (Türkiye) aus. Der Name der Türkei leitet sich ab von türk („Volk das an seine Traditionen stark angebunden ist“ (Töre)) und iye („Land“, „Heimat“). (Siehe auch: [http://de.wikipedia.org/wiki/Etymologische_Liste_der_L%C3%A4ndernamen#T Namensherkunft Türkei]). Im Laufe seiner Amtszeit führte Atatürk tiefgreifende Reformen im politischen und gesellschaftlichen System durch, die die Türkei in einen modernen, säkularen, weltlichen und am Westen orientierten Staat verwandelten. Unter anderem wurde im Jahre 1922, noch vor der Ausrufung der Republik, das Sultanat abgeschafft und am 29. Oktober 1923 das Kalifat. 1924 schaffte die Türkei die religiösen Gerichte ab, 1925 wurden im Zuge einer umfassenden „Kleiderreform“ Fez (traditionelle türkische Kop