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Mykenische Kultur

Mykenische Kultur

Als "mykenisch" (mykenische Kultur, mykenische Zeit, mykenische Periode) wird die festlandsgriechische Kultur der Späten Bronzezeit (Späthelladikum) bezeichnet, die circa 1600 v. Chr. auftrat und bis ins 11. Jahrhundert v. Chr. hinein bestand. Einige Forscher nehmen an, dass das mykenische Griechenland mit dem in hethitischen Quellen genannten Land Ahhijawa (Herleitung von Achaier= Bezeichnung von Griechen bei Homer) gleichzusetzen ist. Die mykenische Periode wird auch in Frühmykenisch, Mittelmykenisch und Spätmykenisch unterteilt, was den späthelladischen Hauptphasen (SH I, II und III) entspricht. Sie wird als die erste Hochkultur des europäischen Festlandes angesehen. Im Gegensatz zu den Trägern der minoischen Kultur sprechen die Bewohner des griechischen Festlandes (eine alte Form von) Griechisch. Die mykenische Kultur tritt fast unvermittelt kurz um 1600 hervor in Form von sehr reich ausgestatteten Schachtgräbern in Mykene. Auch in anderen Gegenden Griechenlands werden Tote bald mit sehr reichen Grabbeigaben bestattet. Außerdem tritt zu Beginn des Späthelladikums erstmals mykenische Keramik auf. Sie ist hellgrundig mit dunklem Firniss. Sie löst die mittelhelladische graue minysche Ware ab, die allerdings in SH I noch vorkommt. Zunächst sehr starker "minoischer" Einfluss. Kontakte gibt es aber nicht nur mit Kreta, sondern auch mit Ägypten. In der mittelmykenischen Zeit (SH II, etwa 1400-1300) werden die Schachtgräber teilweise von Tholos-Gräbern abgelöst. In dieser Phase wird Kreta von Festlandsgriechen erobert, so dass die Träger der mykenischen Kultur die ganze Inselwelt und Milet an der kleinasiatischen Westküste kontrollieren. Es ist nicht klar, ob - und wenn ja, zu welcher Zeit - ein größeres mykenisches Reich existierte oder ob es mehrere voneinander unabhängige mykenische Kleinstaaten gab. Nach Ausweis von Tontafeln in Liniear-B-Schrift einer Silbenschrift, die aus der kretischen Schrift entwickelt wurde (siehe Linearschrift A), gab es um 1200 v. Chr. auf dem Festland mehrere unabhängige Staaten (beispielsweise Pylos, Theben, Mykene). Die Zeit der ersten beiden Phasen der spätmykenischen Zeit (SH IIIA und SH IIIB; circa 1400 - 1200) stellt den Höhepunkt der mykenischen Kultur dar. Mykenische Keramik und andere Waren des Späthelladikums werden in viele Gegenden des Mittelmeerraums exportiert. Kurz nach 1200 v. Chr. (Am Ende von Spätmykenisch B SH III B) werden viele der bisher bekannten Siedlungen, vor allem die Oberstädte der mykenischen Zentren, zerstört. Die Ursachen hierfür sind nach wie vor ungeklärt. Die früher vertretene Theorie, die eine massive gewaltsame Einwanderung der Dorer für die Zerstörungen verantwortlich machte, kann ziemlich sicher ausgeschlossen werden. Denn in der Phase SH III C setzt sich die mykenische Kultur - wenn auch auf niedrigerem Niveau - eindeutig fort. Vor allem in der mykenische Keramik wird die Tradion bruchlos fortgesetzt. Dagegen gibt es keine klaren Indizien für zugewanderte Bevölkerung. Im Laufe der Phase SH III C kommt es auf dem Festland immer wieder zu Zerstörungen. Teilweise werden Siedlungen an unwirtlichen, aber gut geschützten Orten angelegt. Daneben werden auch die meisten Palastzentren, wie Tiryns und Mykene weiterbesiedelt. Vermutlich lebten in den Palästen eine neue Aristokratenschicht. Schriftfunde aus dieser Zeit sind bislang nicht ans Licht gekommen, abgesehen von Linear B- Zeichen auf einem einzelnen Gefäß, gefunden bei Milet, das in diese Phase datiert wird. Daher meinen viele Althistoriker und Archäologen, dass die Schriftlichkeit mit der Zerstörung der Zentren um 1190 v. Chr. verlorengegangen sei. Die Bedeutung der Phase SH III C tritt erst seit wenigen Jahrzehnten zu Tage. Jüngst wurden Vasenmalereien aus dieser Periode gefunden, die große Schiffe wiedergeben. Seehandel oder Unternehmungen zu See hat es in jener Zeit demnach gegeben. Immer mehr Gelehrte vertreten die Auffassung, dass die Phase SH III C einen gewichtigen Einfluss auf die Ausbildung eines Teils der griechischen Sagen, so die Werke Homers hatte. Zwischen etwa 1075 und 1025 v. Chr. geht die Periode SH III C in die submykenische Periode und dann in die protogeometrische Periode über. Gleichzeitig geht man immer mehr zur Brandbestattung über. In einigen Regionen Griechenlands ist die submykenische Periode nicht fassbar, dort folgt der späten SH III C-Phase die protogeometrische Periode. Die mykenische Kultur und Geschichte wird von der wissenschaftlichen Teildisziplin Mykenologie erforscht. Dieses Fach steht zwischen der klassischen Archäologie und der Alten Geschichte.

Literatur


- Chadwick, John: Die mykenische Welt, Reclam, Stuttgart 1979. ISBN 3-15-010282-0
- Meletzis, Spyros und Papadakis, Helen: Korinth. Mykene. Tiryns. Nauplia., Schnell u. Steiner, München 1978. ISBN 3-7954-0589-0 Kategorie:Griechische Geschichte (Antike) Kategorie:Archäologische Kultur ja:ミケーネ文明

Bronzezeit

Die Bronzezeit ist die Periode in der Geschichte der Menschheit, in der Werkzeuge aus Bronze hergestellt wurden. Im Allgemeinen geht die Jungsteinzeit bzw. die Kupferzeit der Bronzezeit voran. (Siehe auch Dreiperiodensystem) Die Bronzezeit wird zur Urgeschichte oder Frühgeschichte gezählt. Insbesondere aus Europa, dem westlichen Asien und Ägypten sind Bronzezeitkulturen bekannt (z. B. Troja).

Geschichte

Vor der Bronze als erste Legierung verwendeten die Menschen der Jungsteinzeit bereits gediegene Metalle wie Gold und Kupfer, die hauptsächlich aus Erzen gewonnen wurden.
Auf die damit verbundenen Metallverarbeitungstechniken konnte bei der Entdeckung der Legierungstechnologie zurückgegriffen werden. Bronze besteht aus 90 % Kupfer und 10 % Zinn und ist weitaus härter als Kupfer selbst, weswegen es rasche Verbreitung fand. Erstes bearbeitetes reines Kupfer wurde in Anatolien bei Konya sowie in Ägypten gefunden. Kupfererz wurde schon vor 6000 v. Chr. verhüttet. In Europa ist die Verarbeitung von Kupfererz seit etwa 3000 v. Chr. bekannt. Die Bronzeherstellung ist in Ägypten zuerst nachgewiesen (ca. 3500 v. Chr.). In China begann die Bronzezeit im 3. Jahrtausend v. Chr., spätestens während der Xia-Dynastie. Mit der Verwendung der Bronze gingen mehrere Technologien einher: So wurde der Bergbau für Kupfererz und Zinnerze vervollkommnet. Zur Metallgewinnung waren Verhüttungstechniken nötig, da weder Kupfer noch Zinn in größeren Mengen gediegen vorkommen. Mussten Kupferwerkzeuge nach dem Guss noch durch Schmieden in Form gebracht und gehärtet werden, machte der Bronzeguss die Serienfertigung von nahezu fertigen Werkstücken möglich. Der Fernhandel entwickelte sich weiter, Schiffbau und Seefahrt mussten betrieben werden, um die Erze von ihren Gewinnungsstätten (insbesondere Zypern (Kupfer) und Britannien (Zinn) zum Festland zu transportieren. Bronzebarren eigneten sich als wertvolles Handelsgut (Zahlungsmittel), nicht dagegen Bronzegegenstände. Die bronzezeitlichen Kulturen sind landwirtschaftlich geprägt, und leiten gebietsweise die Urbanisierung (Stadtgründungen) ein. Die ersten staatlichen Gebilde entstanden und führten zu Hochkulturen, meist als Stadtstaaten, teilweise (wie in Ägypten und China) auch als Großreiche. China In dieser Zeit wurden in mehreren Kulturen der Handel und mit ihm Schriften entwickelt, beispielsweise in China, Ägypten, Palästina (Phönizien) oder Mesopotamien. Je nachdem, ob bereits eine Schrift entwickelt wurde und historisch verwertbare Aufzeichnungen angefertigt wurden, fällt der Anfang der Zinn- und Kupferverhüttung sowie der Bronzeherstellung und -bearbeitung regional in die Vorgeschichte (z. B. Mittel- und Nordeuropa), Frühgeschichte, (östlicher Mittelmeerraum, vorderer Orient) oder in die Geschichte (China). Auch in Südamerika wurde bereits in präkolumbischer Zeit Bronze hergestellt. Die ältesten Funde stammen aus Argentinien. Südamerikanische Kulturen hatten bereits vor Christi Geburt einen Fundus an metallurgischen Techniken entwickelt, so auch die Legierung von Kupfer mit Gold und Zinn. Abgelöst wurde die Bronzezeit durch die Eisenzeit, in der Bronze zwar weiterhin für Kult- und Alltagsgegenstände verwendet, in der Technik und Waffenherstellung aber vom Eisen verdrängt wurde. Anhand der Bestattungsformen werden in Mitteleuropa nach der durch einfache Flachgräber dominierten Frühbronzezeit die mittelbronzezeitliche Hügelgräberkultur und ab etwa 1350 v. Chr. die spätbronzezeitliche Urnenfelderkultur unterschieden. Aus der Frühzeit der Bronzeverarbeitung lässt sich evtl. die Entstehung des Zwergenmythos erklären.

Mitteleuropa

Die Bronzezeit unterteilt sich im westlichen Teil Mitteleuropas in drei Epochen:
- Frühbronzezeit (ca. 2150-1550 v. Chr.)¹
- Mittelbronzezeit (ca. 1550-1350 v. Chr.)
- Spätbronzezeit (ca. 1350-800 v. Chr.) ¹ In Troja, d. h. dem westlichen Teil Vorderasiens, wird der Beginn der Frühbronzezeit auf Grundlage der 14C-Datierung der Phase Troja I um 2800 v. Chr. angesetzt. Etwa zeitgleich begann mit dem Frühhelladikum die Bronzezeit auf dem griechischen Festland. Auch in Südosteuropa und im Karpatenbecken begann die Frühbronzezeit z. T. bereits um die Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr.

Siehe auch:


- Portal:Vor- und Frühgeschichte

Literatur


- Anthony F. Harding, European Societies in the Bronze Age (Cambridge 2000).
- Albrecht Jockenhövel / Wolf Kubach (Hrsg.), Bronzezeit in Deutschland (Hamburg 1994).
- Hermann Müller-Karpe, Handbuch der Vorgeschichte, Bd. 4: Bronzezeit (München 1980).
- Ernst Probst, Deutschland in der Bronzezeit (München 1996).

Weblinks


- [http://www.archaeologie-online.de/links/154/156/index.php Weblinks zur Bronzezeit] bei http://www.archaeologie-online.de
- [http://www.geocities.com/Athens/Crete/4162/bronze_d.htm Bronze- und Urnenfelderzeit in Europa]. Kommentierter Index zur Bronzezeit und Urnenfelderzeit, geographisch gegliedert.
- [http://www.kulturenderbronzezeit.de.vu Kulturen der Bronzezeit].
- [http://www.bronzezeit-pioniere.de.vu Pioniere der Bronzezeitforschung].
- [http://www.uni-muenster.de/UrFruehGeschichte/pbfmain.htm Prähistorische Bronzefunde]. Wissenschaftliches Editionsunternehmen zu den prähistorischen Bronzefunden der Alten Welt.
- [http://www.porta-praehistorica.de Porta praehistorica et antiqua]. In diesem Diskussionsforum werden in erster Linie Fragen zur Lebensweise, Kleidung, Ernährung und Kultur der Menschen in der Ur- und Frühgeschichte und der Antike behandelt, wobei natürlich auch die Bronzezeit eine Rolle spielt.
-
- [http://www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Lexikon/Bronzezeit.htm Archäologisches Lexikon im Landschaftsmuseum Obermain: Kurzer Überblick über die Bronzezeit in Oberfranken].
- [http://www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Lexikon/Goldkegel.htm Archäologisches Lexikon im Landschaftsmuseum Obermain: Goldene Hüte und Zeremonialgewänder]. Kategorie:Zeitalter !Bronzezeit ja:青銅器時代 ko:청동기 시대 simple:Bronze Age

1600 v. Chr.


Zu diesem Jahrhundert v. Chr. existieren noch keine Wikipedia-Artikel zu den Jahrzehnten.
---- Das 16. Jahrhundert v. Chr. begann am 1. Januar 1600 v. Chr. und endete am 31. Dezember 1501 v. Chr..

Zeitalter/Epoche

Ereignisse/Entwicklungen


- um 1530/1500 v. Chr. traditionelles Datum eines großen Vulkanausbruchs auf der Insel Thera, bei dem u.a. die minoische Siedlung Akrotiri verschüttet wird.
- 1506 v. Chr. - Thutmosis I. wird Regent von Ägypten; er errichtet als erster Regent sein Grab im Tal der Könige bei Karnak.

Persönlichkeiten


- Anjotef VI. (altägyptischer König)

Erfindungen und Entdeckungen

00-16 ja:紀元前16世紀

Hethiter

Die Hethiter waren ein kleinasiatisches Volk des Altertums mit einer indogermanischen Sprache. Die Hethiter bildeten im 2. Jahrtausend v. Chr. ein Großreich. Ihre Hauptstadt war die meiste Zeit Hattusa, das heutige Boğazkale (Anfang des letzten Jahrhunderts Boğazköy genannt). Ihre Existenz war mit Ausnahme einiger verstreuter Bibelstellen bis zum 19. Jahrhundert unbekannt. Schon die klassische Antike hatte keine Erinnerung mehr an sie; die Überreste ihrer Kultur wurden für ägyptisch gehalten. Von den Hethitern werden die Hattier unterschieden, die die vorindogermanische Bevölkerung Anatoliens darstellen.

Die Entdeckung der Hethiter

Der erste archäologische Hinweis auf die Hethiter tauchte in den assyrischen Handelskolonien in Kanesch (dem heutigen Kültepe) auf, wo Aufzeichnungen einen Handel zwischen den Assyrern und einem gewissen "Land Hatti" belegten. Einige Namen in den Aufzeichnungen waren weder Hattisch (Altanatolisch) noch Assyrisch sondern eindeutig indogermanisch. Die Inschrift auf einem 1884 von William Wright bei Boğazköy gefundenem Denkmal schien zu eigenartigen hieroglyphischen Inschriften in Aleppo und Hamath (Nordsyrien) zu passen. 1887 wurden die Archive von Tell-el- Amarna gefunden, die die diplomatischen Korrespondenzen von Amenophis III. und seinem Sohn Echnaton enthielten. Zwei der Briefe aus einem "Königreich Cheta" - in derselben Gegend wie das Hatti-Land in den mesopotamischen Texten gelegen - waren in gängiger akkadischer Keilschrift aber in einer unbekannten Sprache geschrieben. Sie konnten von den Wissenschaftlern gelesen, aber nicht verstanden werden. Kurz danach schlug Archibald Sayce eine Identifizierung des Hatti-Landes, des "Königreiches Cheta" und dem aus der Bibel bekannten Volksstamm der "Hethiter" vor. Dies konnte sich im frühen 20. Jahrhundert durchsetzen, sodass (zu Recht oder nicht) der biblische Name "Hethiter" auf die in Boğazköy gefundene Zivilisation überging. Bei 1905 begonnenen sporadischen Ausgrabungen in Boğazköy fand der Archäologe Hugo Winckler ein königliches Archiv mit 10000 Tafeln, die in Keilschrift und derselben unbekannten Sprache abgefasst waren wie die ägyptischen Briefe aus "Cheta", so dass die Identität dieses Namens mit den Hethitern bestätigt werden konnte. Er bewies, dass die Ruinen bei Boğazköy die Überreste der Hauptstadt eines mächtigen Reiches sind, das zeitweilig auch das nördliche Syrien kontrollierte. Schließlich wurde die Sprache dieser Tafeln vom tschechischen Linguisten Bedřich Hrozný (1879-1952) entziffert, der seine Resultate bei einem Vortrag am 24. November 1915 vorstellte. Sein Buch "Die Sprache der Hethiter; Ihre Struktur und ihre Zugehörigkeit zur Indogermanischen Sprachfamilie" erschien 1917 in Leipzig. In diesem Buch konnte er zeigen, dass die bislang geheimnisvolle Sprache der Hethiter zu den indogermanischen Sprachen zählt und somit deren älteste schriftlich festgehaltene Vertreterin ist. Das Deutsche Archäologische Institut gräbt Hattuscha seit 1932 (mit kriegsbedingten Unterbrechungen) systematisch aus.

Geschichtliche Übersicht

Hauptartikel: Geschichte der Hethiter

Vorgeschichte

Im 3. Jahrtausend v. Chr. besiedelte das Volk der Hattier Anatolien. Mit ihm vermischten sich die Hethiter als anatolische Sprachträger, die in der zweite Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. wahrscheinlich aus dem Kaukasus in dieses Gebiet einwanderten. Eine Präzisierung des Zeitpunkts ist schwierig, da weder eine gewaltsame Invasion noch eine Völkerverschiebung im großen Umfang stattfand. Anscheinend kamen hethitische Gruppen nach und nach nach Anatolien und vermischten sich teilweise mit der einheimischen hattischen Bevölkerung. Etwa gleichzeitig kamen auch andere indoeuropäische Einwanderer: Die Luwier ließen sich im Süden und Westen und die Palaier im Norden und Nordwesten Anatoliens nieder. Die Hethiter bildeten die neue Führungsschicht. Unter weiteren nomadischen Einflüssen kristallisierte sich Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. das Großreich der Hethiter heraus. Die Hethiter übernahmen von den Hattiern die Bezeichnung Hatti für das Land. Ihre Sprache nannten sie dagegen Nesisch, nach der Stadt Kanesch/Nescha. Der erste hethitische Großkönig, der in Hattuscha/Boğazköy seine Residenz nahm, stammte wie Anitta ursprünglich aus Kuschar, einer Stadt, die noch nicht wiederentdeckt worden ist.

Das hethitische Großreich

Kuschar Zu diesem Reich zählten weite Teile Anatoliens und zeitweise auch die nördliche Hälfte des heutigen Syrien. Hauptstadt des Reiches war Hattuscha (heute türk. Bogazköy/Bogazkale) im Norden von Zentralanatolien, etwa 150 km östlich von Ankara. Hattuscha wurde berühmt, vor allem durch ca. 30 000 Texttafeln, die hier Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt wurden. Bis dahin hatte man von den Hethitern nur über die altorientalischen Keilschrifttexte und die ägyptischen Hieroglyphen erfahren, die bereits Anfang des 19. Jahrhunderts entziffert worden waren. Dank dem tschechische Orientalisten Friedrich Hrozny konnten ab 1915 auch die hethitischen Texte entziffern werden. Dadurch hatte man über einzigartige Quellen zu Geschichte, Religion und Kultur dieses einzigartigen Volkes. Die Herrscher Ägyptens und Babyloniens betrachteten den hethitischen Großkönig als gleichrangigen Partner, mit dem sie sowohl diplomatische Kontakte und Handelsbeziehungen unterhielten als auch Vormachtkämpfe führten. Ein einzigartiges Beispiel für dieses Spiel der Mächte ist die Schlacht bei Kadesch (1274 v. Chr.) und der nachfolgende Friedensvertrag zwischen Ramses II. und Hattusili III. Hierbei handelt es sich um den ältesten bekannten Friedensvertrag der Welt, von dem unter anderem eine Kopie - als ein Symbol für den Frieden - im UNO-Gebäude in New York City zu sehen ist. Nach dem Untergang des hethitischen Großreichs im frühen 12. Jahrhundert v. Chr., evident durch die Zerstörung der meisten bisher bekannten städtischen Zentren Zentralanatoliens durch Brände und den Verlust unzähliger Schätze, überleben im Osten und sehr wahrscheinlich auch im Süden (Tarhuntassa) noch mehrere Jahrhunderte einige späthethitische (Klein-)Fürstentümer wie Karatepe, Meliddu und Zincirli, die z. T. offenbar zunehmend aramäisiert werden und schließlich unter assyrische Herrschaft fallen.

Schrift und Sprache

Hauptartikel: Hethitische Sprache Die Sprache der Hethiter zählt zur anatolischen Untergruppe der indogermanischen Sprachfamilie. Von den Hattiern, die eine vermutlich vor-indoeuropäische Alt-anatolische Sprache sprachen, übernahmen sie die Bezeichnung Hatti für das Land. Ihre Sprache nannten die Hethiter dagegen Nesili (Nesisch), nach der Stadt Kanisch/Nescha. Das Hethitische (auch Hittitisch), ist die älteste bekannte indogermanische Sprache. Im Hethiterreich scheinen auch noch verschiedene andere Sprachen wie Luwisch oder Palaisch gebräuchlich gewesen zu sein, die allerdings mit dem Hethitischen mehr oder weniger eng verwandt waren. Das Luwische spielte für den Kult eine besondere Rolle. Mit diesen Sprachen bildet das Hethitische den anatolischen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie, der sich von den übrigen Zweigen vor allem im Wortschatz teilweise stark unterscheidet. Man schrieb auch mit unterschiedlichen Schriftsystemen. Während die offizielle diplomatische Korrespondenz und die Palastarchive in der assyrischen (akkadischen) Keilschrift verfasst wurden, benutzte man für die zahlreichen Felsreliefs und offiziellen Inschriften die sogenannte Hieroglyphenschrift, die, wie man heute weiß, einen luwischen Dialekt darstellt. Auch das Hurritische war eine wichtige Diplomatensprache, die besonders im Kontakt mit dem Mittanireich Verwendung fand.

Die Struktur des Hethiterreiches

Das Reich der Hethiter war ein relativ kompliziertes Gebilde mit deutlichen Anklängen an ein feudales System. An der Spitze stand der Großkönig (Labarna, später auch Tabarna), der oberster Priester, Richter und Feldherr war und über eine Anzahl nachgeordneter Könige herrschte, die größtenteils aus den angestammten Herrscherhäusern der Gebiete kamen. Diese Vasallenkönige mussten dem Großkönig einen persönlichen Eid ableisten, der bei jedem Wechsel auf dem hethitischen Thron erneuert werden musste, was auch regelmäßig zu Unruhen führte. Neben diesen Vasallenkönigen gab es in der Großreichszeit (also ab etwa 1350 v. Chr.) die Vizekönigreiche von Kadesch und Aleppo in Nordsyrien, die von Mitgliedern der königlichen Sippe verwaltet wurden und vor allem im militärischen Bereich große Selbständigkeit gegenüber der Zentralgewalt genossen. Eine ähnliche Position hatte auch der König von Mira, der ebenfalls in der Spätzeit für die westlichen Gebiete Anatoliens zuständig war. Neben dem Großkönig stand die Großkönigin, die Tawananna, die erstaunlich selbständig war und im eigenen Namen Staatsverträge abschließen konnte. Sie war oberste Priesterin und verlor diese Position auch beim Tod ihres Gemahls nicht. Neben dem König stand der hethitische Senat (Panku), der an Gesetzen und Verträgen mitwirkte und sogar das Recht hatte, über den König zu richten. Dies war in der "Verfassung des Telipinu" (um 1460 v. Chr.) festgelegt. "Verfassung" ist hier eine nicht so weit hergeholte Analogie - das Dokument sieht einer modernen Verfassung wirklich relativ ähnlich. Im Kern ist es eine Nachfolgeregelung für den Thron des Großkönigs, worin genau festgelegt wird, in welcher Reihenfolge die Prinzen thronfolgeberechtigt sind. Zum Wächter dieser Bestimmungen wird der Panku eingesetzt, der somit die oberste Legalitätsinstanz bildet. Der eigentliche Zweck dieser "Verfassung", den ständigen Thronwirren ein Ende zu setzen, wurde allerdings verfehlt: auch in der späteren hethitischen Geschichte sind Thronstreitigkeiten und Usurpationen ein ständig wiederkehrendes Vorkommnis. Insgesamt zeigt sich hier aber eine Interpretation des Königtums als Primus inter pares, wie sie im Alten Orient eher selten ist.

Die Hethiter in der Bibel

Vor den archäologischen Funden in Hattusa waren die Hethiter nur aus der Bibel bekannt, so dass lange Zeit geglaubt wurde, sie seien ein einheimischer Stamm in Kanaan gewesen. Die Identifizierung mit den Hethitern Kleinasiens war auch längere Zeit umstritten, es wurde an eine zufällige Namensgleichheit geglaubt. Allerdings waren die aus den syrischen Vizekönigreichen hervorgegangenen späthethitischen Kleinstaaten dem Staat Israel benachbart und erscheinen wohl daher in der Bibel. Eine andere Möglichkeit (die die erste nicht ausschließt) wäre, dass im Zug des Seevölkersturmes auch hethitische Elemente in den Vorderen Orient gekommen sein dürften. Jedenfalls werden die Namen von einigen Stadtfürsten nach dieser Zeit als hethitisch oder luwisch identifiziert; sogar der Name des Berges Zion könnte möglicherweise hethitisch sein. Im Alten Testament werden sowohl das Volk der Hethiter als auch einzelne Mitglieder dieses Volks des Öfteren erwähnt, unter anderem in vier der fünf Bücher des Mose, im Buch Josua und im Buch der Richter. Urija (Uria), der Ehemann von Bathseba, mit der König David die Ehe brach, und den der König später bei einer Schlacht in den Tod schickte, war ebenfalls Hethiter. [http://www.michaelmaxwolf.de/bilder/antike/alter_orient/friedensvertrag_keilschrift.jpg Der Friedensvertrag zwischen dem Hethitischen Reich und Ägypten in Keilschrift]

Siehe auch


- Liste der hethitischen Großkönige

Literatur


- Akurgal, Ekrem: Die Kunst der Hethiter, Hirmer, München 1961.
- Bittel, Kurt: Die Hethiter, Beck, München 1976. ISBN 3-406-03024-6
- Bryce, Trevor: The Kingdom of the Hittites, Clarendon Press, Oxford 1998. ISBN 0-19-814095-9
- Brandau, Birgit und Schickert, Hartmut: Hethiter. Die unbekannte Weltmacht, Piper, München 2001. ISBN 3-492-04338-0
- Lehmann, Johannes: Die Hethiter. Volk der 1000 Götter, Pawlak, Herrsching 1986. ISBN 3-88199-269-3
- Neve, Peter: Hattusa - Stadt der Götter und Tempel, von Zabern, Mainz 1993. ISBN 3-8053-1478-7
- Die Hethiter und ihr Reich, Theiss, Stuttgart 2002. ISBN 3-8062-1676-2

Weblinks


- [http://www.michaelmaxwolf.de/antike/alter_orient/hethiter.htm Ausführliche Informationen zu den Reichen der Hethiter mit 3 großen historischen Karten]
- [http://www.dainst.org/index_643_de.html Berichte zu den aktuellen Ausgrabungen und Forschungen des DAI in Hattuscha]
- [http://www.hattuscha.de Onlinebericht über Hattuscha mit historischem Abriss über die Hethiter]
- [http://www.hethitologie.de Zur Fachgeschichte und Kurzbiographien bekannter Hethitologen] ! Kategorie:Historische asiatische Ethnie Kategorie:Alter Orient ja:ヒッタイト

Ahhijawa

Ahhijawa ist die Bezeichnung eines Staats, einer Region oder eines Volks in hethitischen Texten. Aus den Dokumenten geht hervor, dass Ahhijawa westlich von Hatti lag. Sowohl Nordwest- als auch West- und Südwest-Kleinasien werden als Gebiet für Ahhijawa diskutiert. Möglicherweise handelte es sich aber hierbei um ein mykenisches Reich, dass auch Teile des Küstenstreifens in Westkleinasiens umfasste. Ahhijawa hatte wechselhafte Beziehungen zum Hethiterreich. Der älteste bisher gefundene Text, der Ahhija(wa) erwähnt, stammt aus der Regierungszeit des hethitischen Großkönigs Arnuwanda I. (Anfang 14. Jahrhundert v. Chr.). Dabei geht es teilweise um Ereignisse, die bereits in der Regierungszeit seines Vorgängers stattfanden. Somit stand Ahhijawa bereits spätestens gegen Ende des 15. Jahrhundert v. Chr. in den Blickpunkt der Hethiter. Mursili II. zog um oder kurz vor 1300 gegen die Stadt Millawanda, das von vielen mit Milet gleichgesetzt wird, und zerstörte es wohl. Einige Jahre vor der Mitte unterstützte der König von Ahhijawa offenbar einen aufständigen westanatolischen Fürsten. Der hethitische Herrscher Hattušili III. war jedoch um gute Beziehungen zu Ahhijawa bemüht und bat den König von Ahhijawa, den er als gleichberechtigt anerkannte, die Aufständigen nicht weiter zu unterstützen. Zur Zeit Tuthallia IV. (ca. 1240-1215 v. Chr.) wurde der Herrscher von Ahhijawa allerdings als feindlich angesehen und aus einer Liste der gleichgestellten befreundeten Könige nachträglich gestrichen. Zudem wurde im Sausgamuwa-Vertrag ein Embargo verhängt: der Vasall in Amurru sollte verhindern, dass Schiffe von Ahhijawa in seine Häfen einlaufen und Kontakt mit assyrischen Händlern aufnehmen. Heftig umstritten ist seit 80 Jahren die Gleichsetzung der Ahhijawa mit den Achäern. Erstmals wurde sie 1924 von Emil Forrer vorgeschlagen. Achäer wurden in der Antike einerseits die ursprünglichen Bevölkerung eines Teils Mittelgriechenlands genannt; andererseits begegnet der Ausdruck Achäer aber auch an zahlreichen Stellen in der Ilias als eine von drei Bezeichnungen für die Griechen vor Troja bei Homer. Der Streit, ob mit Ahhijawa Achäer, also (mykenische) Griechen, gemeint sind, ist immer noch nicht entschieden. Die vorherrschende Meinung der Althistoriker und klassischen Archäologen befürwortet eine Gleichsetzung, die Hethitologie ist eher skeptisch. Eine eigene Position nimmt der Geologe Eberhard Zangger ein, der die These vertritt, dass Ahhijawa mit einem - von ihm angenommenen - mächtigen Reich von Troja gleichzusetzen ist. Bei den Befürwortern der Gleichsetzung von Ahhijawa mit Achäern, also mykenischen Griechen, gibt es zwei Meinungen, was genau mit Ahhijawa gemeint ist: Die erste nimmt ein mykenisches Großreich an, das sich vom griechischen Festland bis zur Ostägäis und eventuell Küstenstreifen des Westkleinasiatischen Festlandes (z. B. Milet) erstreckte. Als Zentrum dieses Reichs wird Mykene oder neuerdings auch Theben angenommen. Denn in Theben wurden unlängst zahlreiche kostbare assyrische Siegel gefunden, die ein Geschenk des assyrischen Herrschers waren. Demzufolge hat dieser versucht das (hypothetische) mykenische Großreich als Verbündeten zu gewinnen. (In den Epen Homers sind die Griechen nur im Krieg zu einem Bund von Stadtstaaten zusammengeschmiedet unter der Führung Agamemnons, des Königs von Mykene. Allerdings wird in dem Schiffskatalog in der Ilias der König von Theben, an erster Stelle genannt.) Gegen diese These spricht jedoch, dass nach Ausweis der Linear-B-Dokumente es am Ende des 13. Jahrhundert viele kleinere und offenbar autonome mykenische Reiche gab. Einer Oberhoheit Mykenes oder Thebens ist nirgendwo auch nur angedeutet. Ein weiteres Argument gegen diese These ist, dass Ahhijawa von Zentralanatolien offenbar auf dem Landwege zu erreichen war. Die zweite Meinung geht davon aus, dass hinter Ahhijawa ein ostägäisches Reich steckt, dass einige Inseln, eventuell Teile Kretas und Milet (= hethitisch "Milawanda"(?)) umfasste. Auch diese These kann mit einigen guten Argumente aufwarten: Zum einen hätte ein solches Reich und dessen Zentrum dem Reich der Hethiter viel näher gelegen; des weiteren scheint Ahhijawa seinen Höhepunkt erst erreicht zu haben, als sich auf dem griechischen Festland die Lage zuspitzte. Nebenbei sei bemerkt, dass die Inseln und Milet von den Zerstörungen und Umwälzungen, die sich gegen 1200 v. Chr. ereigneten, weitgehend verschont blieben. Im 12. Jahrhundert bildeten einige östliche Inseln und Milet eine kulturelle koine. Sollte Milet eine - eventuell von mehreren - Residenz des Herrschers von Ahhijawa gewesen sein, wäre Ahhijawa durch hethitische Boten auch auf dem Landwege erreichbar gewesen. Die Gegner der Gleichsetzung Ahhijawa = Achaier lokalisieren das Land in unterschielichen Regionen West, Südwest oder Nordwest-Kleinasiens. Der Geoarchäologe Zangger setzt es gar mit dem - seiner Meinung nach - sehr mächtigem Reich von Troja gleich.

Literatur


- Emil Forrer, Vorhomerische Griechen in den Keilschrifttexten von Boghazköi, MDOG 63, 1924.
- Gustav Adolf Lehmann: Die politisch-historischen Beziehungen der Ägäis-Welt des 15.-13. Jh. v. Chr. zu Ägypten und Vorderasien. In: Zweihundert Jahre Homer-Forschung, Colloquium Rauricum 2, Stuttgart 1991, 105-126.
- Wolf-Dietrich Niemeier: Hattusa und Ahhijawa im Konflikt um Millawanda/Milet. in: Die Hethiter und ihr Reich. Das Volk der 1000 Götter., 2002.
- Eberhard Zangger: Ein neuer Kampf um Troja. Archäologie in der Krise. München 1994. Kategorie:Altertum Kategorie:Antike Kategorie:Ethnie

Achaier

Die Achaier oder Achäer waren ein indogermanischer vor- bzw. frühgriechischer Volksstamm. Ursprünglich lebten sie in Thessalien. Durch die Dorische Wanderung wurden sie in die nach ihnen benannte Landschaft Achaia im Nordwesten der Peloponnes verdrängt. In Homers Epen steht die Bezeichnung neben Danaer für Griechen insgesamt. Viel diskutiert ist die Frage, ob mit den in hetitischen Schriftquellen des öfteren erwähnten Ahhijawa um "Achäer" gehandelt haben könnte. Derzeit geht die Mehrzahl der Forscher davon aus. Demnach wäre der Begriff Achäer nicht auf Griechen einer bestimmten Region bezogen, sondern - wie bei Homer - ehemals ein Sammelbegriff für die Griechen der mykenischen Zeit gewesen. Auch die z.Z. des Merenptah und Ramses III. erwähnten und zu den sog. "Seevölkern" gerechneten "Aqwaiwascha" werden von einem Teil der Forschung mit Ahhijawa und Achäern gleichgesetzt. Die Achaier waren auch namensgebend für den Achaiischen Bund, einem gegen Makedoniens Expansion ausgerichteten Städtebund (280 - 146 v. Chr.). Der Achaiische Bund beherrschte zeitweilig fast die ganze Peleponnes, bis er schließlich um 146 v. Chr. vom Römischen Reich erobert wurde. Siehe auch: Portal:Antike, Portal:Geschichte Liste achäischer Stadtgründungen Kategorie:Griechische Geschichte (Antike)

Hochkultur


- Als Hochkultur wird in der Geschichtswissenschaft eine frühe Gesellschaftsordnung bezeichnet, die fortschrittlicher als andere Kulturen ist und sich von ihren Vorgängern und/oder Nachbarn unter anderem durch bestimmte Merkmale auszeichnet.
- Als Hochkultur wird in der Soziologie die Kultur der Elite im Gegensatz zur Massenkultur unterschieden. Kategorie:Soziologie Kategorie: Geschichtswissenschaft

Weblinks

[http://www.Antikefan.de Antike Hochkulturen im Mittelraum, Kleinasien und Europa]

Europa

Europa ist das westliche Fünftel der eurasischen Landmasse und wird von Europäern üblicherweise als eigenständiger Kontinent betrachtet, obwohl es eigentlich ein Subkontinent ist. Insgesamt hat Europa eine Fläche von 8,327 Millionen Quadratkilometern, was Europa nach Australien zum zweitkleinsten Kontinent macht. Dennoch besitzt Europa mit rund 730 Millionen Einwohnern die drittgrößte Bevölkerung aller Kontinente. Die Ausdehnung erstreckt sich von der Nordsee und dem Atlantischen Ozean im Westen bis zum Ural im Osten. Ural

Geographie

Europa hat eine Fläche von 8,327.000 km² und eine Küstenlänge von 37.200 km. Der nördlichste Punkt des Kontinents liegt bei ca. 71,2° n. Br. in Knivskjelodden, Norwegen, der südlichste Punkt in Tarifa im Süden Spaniens. Damit beträgt die Nord-Süd Ausdehnung ca. 3.800 Kilometer. Von Ost nach West erstreckt sich die Landmasse Europas vom Uralgebirge in Russland bis zur Atlantikküste Portugals, was ca. 6.000 Kilometer West-Ost Ausdehnung bedeutet. Insgesamt ist Europa stark zergliedert. Es beinhaltet einige größere Halbinseln, wie die Iberische Halbinsel, die Apenninhalbinsel, die Skandinavische Halbinsel und die Balkanhalbinsel, sowie viele weitere, kleinere Halbinseln wie Bretagne und Jütland. Außerdem gibt es noch eine Vielzahl von Inseln, die größten sind die Britischen Inseln, Island, Sardinien und Sizilien. Sizilien Im Norden grenzt Europa an einzelne Randmeere des Nordpolarmeeres wie die Barentssee und das Europäische Nordmeer. Obwohl sich die Nebenmeere Nord- und Ostsee streng genommen innerhalb des Kontinents befinden, wird die Nordsee auch als seewärtige Grenze angesehen. Im Südosten grenzt Europa an das Kaspische Meer, im Süden an das Schwarze Meer und an das Mittelmeer, und im Westen an den Atlantischen Ozean. Der höchste Punkt des Kontinents liegt je nach Definition der "Grenzen" Europas entweder im nördlichen Kaukasus in Russland (Elbrus (5.642 Meter)) oder aber in den Alpen zwischen Frankreich und Italien (Montblanc (4.808 Meter)). Der niedrigste Punkt Europas liegt mit 28 Metern unter dem Meeresspiegel an der Nordküste des Kaspischen Meeres. Siehe auch: Mittelpunkt Europas

Innereurasische Grenze

Das Ural-Gebirge, der Ural-Fluss, das Kaspische Meer, die Manytschniederung nördlich des Kaukasus, das Schwarze Meer sowie Bosporus, Marmarameer und Dardanellen bilden unter anderem die Grenze zwischen Europa und Asien. Siehe auch: Innereurasische Grenze

Untergliederung


- Nordeuropa
  - Nordwesteuropa
  - Nordosteuropa
- Mitteleuropa
  - Ostmitteleuropa
- Osteuropa
- Südeuropa
  - Südosteuropa
- Westeuropa

Flüsse

Westeuropa Die längsten Flüsse Europas (über 1.000 km) sind: #Wolga (3.531 km) #Donau (2.850 km) #Ural (2.428 km) (an der "innereurasischen" Grenze) #Dnjepr (2.200 km) #Don (1.870 km) #Petschora (1.809 km) #Kama (1.805 km) #Oka (1.500 km) #Belaja (1.430 km) #Dnjestr (1.352 km) #Rhein (1.320 km) #Wjatka (1.314 km) #Elbe (1.165 km) #Desna (1.130 km) #Weichsel (1.047 km) #Düna (1.020 km) #Loire (1.020 km) #Choper (1.010 km) #Tajo (1.007 km) Siehe auch: Liste europäischer Flüsse, Die längsten Flüsse der Erde

Berge

Die höchsten Berge in Europa sind: #Elbrus (5.642 m), Russland, Kaukasus (umstritten, weil innereurasische Grenze unterschiedlich festgelegt ist) #Dykh Tau (5.203 m), Russland, Kaukasus (umstritten) #Rustaveli (5.201 m), Georgien, Kaukasus (umstritten) #Koshtan Tau (5.150 m), Russland, Kaukasus (umstritten) #Pushkin (5.100 m), Russland, Kaukasus (umstritten) #Shkhara (5.068 m), Russland/Georgien, Kaukasus (umstritten) #Kazbek (5.047 m), Russland/Georgien, Kaukasus (umstritten) #Mizhirgi (5.025 m), Russland, Kaukasus (umstritten) #Katyn (4.974 m), Russland, Kaukasus (umstritten) #Shota Rustaveli (4.960 m), Russland, Kaukasus (umstritten) #Borovikovs topp (4.888 m), Russland, Kaukasus (umstritten) #Mont Blanc (4.808 m; mit Eiskappe), Grenze Frankreich-Italien, Alpen #Dufourspitze (4.634 m; Monte-Rosa-Massiv), Grenze Schweiz-Italien, Alpen #Dom (4.545 m), Schweiz, Alpen #Weisshorn (4.505 m), Schweiz, Alpen #Lyskamm (4.480 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen #Matterhorn (4.478 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen #Dent Blanche (4.357 m), Schweiz, Alpen #Finsteraarhorn (4.274 m), Schweiz, Alpen #Zinalrothorn (4.221 m), Schweiz, Alpen #Alphubel (4.206 m), Schweiz, Alpen #Rimpfischhorn (4.199 m), Schweiz, Alpen #Aletschhorn (4.192 m), Schweiz, Alpen #Dent d'Hérens (4.171 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen #Breithorn (4.164 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen #Jungfrau (4.158 m), Schweiz, Alpen #Mönch (4.107 m), Schweiz, Alpen #Ecrins (4.101 m), Frankreich, Alpen #Schreckhorn (4.078 m), Schweiz, Alpen #Gran Paradiso (4.061 m), Italien, Alpen #Großes Fiescherhorn (4.049 m), Schweiz, Alpen #Piz Bernina (4.049 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen #Weissmies (4.023 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen #Ortler (3.905), Italien, Alpen Die bekanntesten Vulkane in Europa sind:
- Ätna (italien. Etna) (veränderlich um 3.370-3.400 m), Sizilien, Italien
- Hvannadalshnjúkur (2.119 m, unter dem Vatnajökull), höchster Berg auf Island
- Grímsvötn (1.725 m; unter dem Vatnajökull), Island
- Herðubreið (1.682 m, unter dem Vatnajökull), Island
- Vesuv(io) (ca. 1.200 m), Italien
- Stromboli (ca. 926 m), vulkanische Insel, Italien
- Santorini (Σαντορίνη) (575 m), vulkanische Insel, Griechenland

Klima

Der Kontinent liegt hauptsächlich in den gemäßigten Breiten. Das Klima ist in Europa im Vergleich mit Gebieten gleicher geographischer Breite in anderen Erdteilen wegen des Einflusses des relativ warmen Golfstroms milder. Die durchschnittliche Jahrestemperatur von Neapel beträgt beispielsweise 16 °C, während das auf nahezu gleicher Breite liegende New York 12 °C erreicht. Schwankungen der Temperatur innerhalb eines Jahres sind in den größten Teilen des Erdteils relativ gering. Kühlen Winter stehen milde Sommer gegenüber. Nur in Gebieten, die weit vom Meer, also auch von dessen klimatisch ausgleichenden Einfluss entfernt liegen, sind die Temperaturunterschiede in verschiedenen Jahreszeiten stärker. In größten Teilen Osteuropas ist das Klima durch das Fehlen des Meeres in unmittelbarer Nähe vorwiegend kontinental geprägt. Kalte Winter und heiße Sommer sind in diesen Regionen vorherrschend. Durch die Erdrotation und der damit verbundenen ablenkenden Kraft kommen Winde hauptsächlich aus westlicher Richtung. Da in den Küstengebieten Westeuropas deswegen Winde vornehmlich vom Atlantischen Ozean wehen, kommt es fast ganzjährig zu Regen. In Ost-und Mitteleuropa ist die Niederschlagsmenge dagegen vergleichsweise gering, da wiederum der Einfluss des Meeres auf diese Regionen zu gering ausfällt. Hochgebirge können die Niederschlagsmenge ebenfalls stark beeinflussen. So ist der mittlere Jahresniederschlag nördlich der Alpen deutlich geringer als südlich. Die Alpen wirken in diesem Fall als Barriere, durch den es nur wenige Regenfronten schaffen durchzudringen. In Gebieten nahe des Mittelmeers herrscht überwiegend mediterranes Klima, das heißt trockene und heiße Sommer, während es im Winter mild und feucht ist. Im Sommer gibt es vorwiegend Winde aus nördlicher Richtung, im Winter bringen westliche Winde aus Richtung des Atlantischen Ozeans dagegen häufigen Niederschlag mit. Im Norden Europas herrscht arktisches Klima, im Südosten an der Wolga dagegen Kontinentalklima mit heißen Sommern und geringem Niederschlag.

Bevölkerung

Europa hat mit ca. 730 Millionen Einwohnern nach Asien und Afrika die drittgrößte Bevölkerungszahl aller Kontinente und gehört zu den dichter besiedelten Teilen der Erde. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte beträgt 66/km². Vor allem in West-, Mittel- und Südeuropa ist die Bevölkerungsdichte relativ hoch, während sie weiter nach Norden und Osten stark abnimmt.

Sprachen

Mehr als 90 Prozent der Einwohner Europas sprechen indogermanische Sprachen. Am weitesten verbreitet sind slawische, germanische und romanische Sprachen. Auch Griechisch, Albanisch, die baltischen und keltischen Sprachen, sowie das Romani zählen zu den indogermanischen Sprachen. Die uralischen Sprachen stellen die zweitgrößte Sprachfamilie Europas dar. Sie unterteilen sich weiter in die samojedischen Sprachen, die von einigen wenigen Tausend im Menschen im äußersten Nordosten Europas gesprochen werden, und in die finno-ugrischen Sprachen. Hierzu zählen vor allem Finnisch, Ungarisch, Estnisch als Amtssprachen, ferner die in Lappland gesprochenen samischen Sprachen und einige Minderheitensprachen, vor allem in Russland. Im europäischen Teil der Türkei ist mit Türkisch eine altaische Sprache Amts- und Titularsprache. Andere Turksprachen sind als Minderheitensprachen in Ost- und Südosteuropa verbreitet, so etwa das Gagausische und das Tatarische. Mit Kalmückisch wird am Ostrand des Kontinents auch eine Sprache des mongolischen Zweigs der Altaisprachen in Europa gesprochen. Mit Maltesisch ist auf der Insel Malta zudem eine Sprache des semitischen Zweigs der afroasiatischen Sprachen Amtssprache. Die in Spanien und Frankreich gesprochene baskische Sprache wird keiner größeren Sprachfamilie zugerechnet, ihr Ursprung konnte durch die moderne Sprachwissenschaft nicht rekonstruiert werden und ist nach wie vor unbekannt. Darüber hinaus werden heute in Europa zahlreiche weitere Sprachen aus anderen Sprachfamilien gesprochen, die durch Einwanderer in jüngerer Zeit hierher gelangt sind. Am gebräuchlichsten in Europa ist das lateinische Alphabet, gefolgt von dem kyrillischen Alphabet (in Russland, Weißrussland, der Ukraine, Bulgarien, Serbien, Mazedonien und Teilen Montenegros) und dem griechischen Alphabet. Siehe auch: Liste von Sprachen in Europa, Minderheitensprachen in der Europäischen Union, Amtssprachen der Europäischen Union

Religionen

Ca. 75% der Europäer sind Christen (vor allem katholisch, protestantisch, orthodox). 7 % sind Muslime (vor allem in Südosteuropa sowie Einwanderer aus islamischen Ländern in England, Frankreich, Deutschland, Italien), außerdem gibt es Juden sowie eine größere Zahl von in jüngerer Zeit aus anderen Teilen der Welt nach Europa gekommener oder neu entstandenener Religionen. Ca. 18 % der Europäer sind konfessionslos, besonders in den Städten und den ehemals kommunistischen Ländern im Osten, zum Teil aber auch in Deutschland. Das Christentum erreichte Europa erstmals im 1. Jahrhundert nach Chr. Der Islam breitete sich im 8. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel, wurde aber im Zuge der "Reconquista" vom 13. bis zum 15. Jahrhundert wieder verdrängt. Europäer verbreiteten das Christentum durch Einwanderung und Mission in Amerika, Australien und in geringerem Maße auch auf anderen Kontinenten (Teile Südostasiens, Afrikas und Ozeaniens). Heute ist Europa weitgehend säkularisiert.

Städte und Metropolen

Ozeanien Lissabon war eine der ersten kosmopolitischen Metropolen der Welt, da sie in Zeiten des Imperialismus Zentrum eines großen Kolonialreiches war. Noch 1950 befanden sich vier Städte der heutigen Europäischen Union unter den zwanzig größten der Welt, seitdem wachsen die europäischen Städte kaum noch, verlieren teilweise an Einwohnerzahlen. Diese vier größten EU-Städte waren London auf dem zweiten Platz hinter New York, Paris auf dem vierten Platz hinter Tokio, Mailand und Neapel belegten noch Platz 13 bzw. 19. Doch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts holten die Städte der restlichen Welt, besonders die der Entwicklungsländer, z. B. Mexiko-Stadt, Manila oder São Paulo, bei den Einwohnerzahlen auf und führen jetzt die Tabelle der Welt an. Problematisch beim Vergleich der Metropolen ist die in Deutschland übliche Abgrenzung anhand der Gemeindegrenzen, da andere Staaten dies in ihren Statistiken nicht tun (z.B. USA, Frankreich, Australien, Großbritannien). Daher fehlen in der unteren Auflistung der Metropolen polyzentrische Stadtregionen wie Rhein-Ruhr und Rhein-Main in Deutschland oder das oberschlesische Industriegebiet in Polen. Die europäischen Hauptstädte finden sich in der Liste der Hauptstädte der Welt. Entfernungen verschiedener europäischer Städte (Alle Messungen sind in Luftlinie angegeben):
- Amsterdam (NL) – Warschau (PL), ca. 1.100 km
- Helsinki (FIN) – Rom (I), ca. 2.200 km
- Belgrad (SCG) – Dublin (IRL), ca. 2.150 km
- Edinburgh (GB) – Hamburg (D), ca. 900 km
- Istanbul (TR) – Lissabon (P), ca. 3.200 km
- Sagres (P) – Ust Kara (RUS), ca. 5.580 km
- Wien (A) – Bratislava (SK), ca. 60 km

Kultur und Bildung

In allen Staaten Europas gibt es eine Schulpflicht oder mindestens eine Bildungspflicht, die oft vom 6. oder 7. bis zum 15. oder 16. Lebensjahr dauert. Die Grundschulzeit beträgt vier bis fünf Jahre in den meisten, sieben oder acht Jahre in den wenigsten Ländern. Danach folgt meist eine weiterführende Schule, die auch verschiedene Schultypen und -arten umfassen kann. Die Analphabetenrate ist in fast allen Ländern durch verschiedene Förderungen des Bildungssystems sehr niedrig. In vielen Ländern gibt es außerdem sehr renommierte Hochschulen und Universitäten, teilweise auch mit bestimmten fachlichen Schwerpunkten. Bildhauerei, Malerei, Literatur, Architektur und Musik haben in Europa eine lange Tradition. Viele Städte, wie beispielsweise Paris, Rom, Berlin und Moskau werden heute als kulturelle Zentren betrachtet. Außerdem besitzen viele Städte wichtige Theater, Museen, Orchester und weitere bedeutende Einrichtungen.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Europas Für den Menschen war Europa erst die dritte Wahl. Vor etwa 800.000 Jahren soll die Besiedlung durch den Homo antecessor begonnen haben, etwa eine halbe Million Jahre, nachdem Ostasien von Afrika aus besiedelt worden war. Während die Entwicklung des Homo sapiens in Afrika ablief, war Europa die Domäne von Homo heidelbergensis und Homo neanderthalensis. Trotz - oder vielleicht auch wegen - der widrigen Bedingungen durch die Eiszeit sollen diese Menschen vor etwa 100.000 Jahren angefangen haben, die Kultur der Altsteinzeit zu verfeinern. Mit der Jungsteinzeit und der Bronzezeit begann in Europa eine lange Geschichte großer kultureller und wirtschaftlicher Errungenschaften, zunächst im Mittelmeerraum, dann auch im Norden und Osten. Besonders die griechische Kultur, das Römische Reich und das Christentum hinterließen ihre Spuren bis heute. In der späteren Antike vereinigte das Römische Reich erstmals das gesamte südliche Europa zusammen mit den anderen Küstenländern des Mittelmeeres in einem Großreich. Im Römischen Reich konnte sich die neue Religion des Christentums schnell ausbreiten. Trotz aller Verfolgungen wurde das Christentum unter Kaiser Konstantin I. Staatsreligion und wirkt bis heute fort. Das Mittelalter war geprägt von der Konkurrenz zwischen dem neuen römischen Kaiser im Westen und dem alten römischen Kaiser in Byzanz, auf deren beiden Einflussspären die Spaltung in ein westliches und östliches Europa zurückgeht. Missionare verbreiteten das Christentum über Nord- und Osteuropa, so dass ganz Europa christlich wurde. Im westlichen Europa gab es Auseinandersetzungen zwischen von Kaiser und Papst um die Vorherrschaft. Die Reformation im 16. Jahrhundert spaltete die Kirche in einen katholischen und evangelischen Teil. Religionskriege waren die Folge. 1618 bis 1648 verwüstete der Dreißigjährige Krieg weite Teile Mitteleuropas. Seit dem 15. Jahrhundert bauten europäische Nationen (besonders Spanien, Portugal, Russland, die Niederlande, Frankreich und das Vereinigte Königreich) koloniale Imperien mit großen Besitztümern in Afrika, Amerika und Asien. Europa ist der Kontinent, der die anderen Erdteile am meisten beeinflusst hat (zum Beispiel durch christliche Missionierung, Kolonien, Sklavenhandel, Warenaustausch und Kultur). Im 18. Jahrhundert setzte die Bewegung der Aufklärung neue Akzente und forderte Toleranz, die Achtung der Menschenwürde, Gleichheit und Freiheit. 1789 kam durch die Französische Revolution zum ersten Mal das Bürgertum an die Macht. Im frühen 19. Jahrhundert musste sich halb Europa nach dem Willen des französischen Kaisers Napoleon richten, bis er 1812 in Russland ein Fiasko erlebte. Die Industrialisierung begann in Teilen Europas im 18. Jahrhundert und veränderte rasant den Alltag breiter Bevölkerungsschichten. Als Folge der Verarmung der Arbeiter entstand im 19. Jahrhundert die Kommunistische Bewegung. Daneben war das 19. Jahrhundert stark bestimmt vom Gedanken der Demokratie, vom Reaktionismus und vom Imperialismus. Sowohl der Erste Weltkrieg (1914 bis 1918) als auch der Zweite Weltkrieg (1939 bis 1945) brachen in Europa aus und richteten riesige Zerstörungen an. Nach dem Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg war Europa in zwei große politisch-ökonomische Blöcke geteilt: pseudo-sozialistische Nationen in Osteuropa und kapitalistische Nationen in Westeuropa. Man sprach auch vom Eisernen Vorhang, der die Staaten Europas voneinander trennte. Erst Perestroika und Glasnost führten in der Sowjetunion Mitte der 1980er Jahre zu einem politischen Kurswechsel. 1989 brach der Ostblock auf, die Berliner Mauer fiel, und die Sowjetunion und der Warschauer Pakt lösten sich auf. Seit den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wachsen die Kulturen Europas verstärkt zusammen, was sich zum einen durch Institutionen wie die EU, aber auch durch die Bevölkerungs- und Wirtschaftsschwerpunkte zeigt (siehe auch Blaue Banane). Siehe auch: Wiege Europas, Alteuropa

Politik

Europäische politische Organisationen

In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde als erste gemeinsame europäische Institution der Europarat gegründet, der nach Ende des Ost-West-Konfliktes 47 Staaten umfasst. Ebenfalls von großer Bedeutung ist die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die 1975 als Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbei in Europa (KSZE) damals blockübergreifend gegründet wurde, und der neben europäischen Ländern auch die USA und Kanada angehören. Wer im politischen Sinne von "Europa" spricht, meint aber meist die Europäische Union (EU) oder ihre Vorläufer: 1951 schlossen sich Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Deutschland, Italien und Frankreich zur Montanunion bzw. EGKS (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl) zusammen. Der Versuch, eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) sowie eine Europäische Politische Gemeinschaft (EPG) zu gründen, scheiterte 1954 an der französischen Nationalversammlung. Daraufhin wurden 1957 mit den Römischen Verträgen die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom) sowie die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) gegründet. Der Sammelbegriff Europäische Gemeinschaften (für EGKS, Euratom und EWG) wurde im alltäglichen Sprachgebrauch mehr und mehr durch den Singular Europäische Gemeinschaft verdrängt. Mit dem Maastrichter Vertrag wurde schließlich die die alten Gemeinschaften und Kooperationsformen überwölbende Europäische Union gegründet. Ein Großteil der Mitgliedsländer der ebenfalls in den 50er Jahren gegründeten EFTA (European Free Trade Association) ist mittlerweile in die EG/EU übergetreten - die verbliebene EFTA ist ihr über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) eng verbunden. Nach der Erweiterung der EU um Polen, Tschechien, Ungarn, die Slowakei, Estland, Lettland, Litauen, Slowenien, Malta und Zypern im Jahre 2004 zählt diese 25 Mitglieder. Siehe auch: Europäisches Parlament, NATO, Europawahl, Politische Architektur Europas

Staaten in Europa

Politische Architektur Europas
- Albanien
- Andorra
- Belgien
- Bosnien und Herzegowina
- Bulgarien
- Dänemark (einschließlich der autonomen Färöer; das ebenfalls autonome Grönland ist geografisch Teil Nordamerikas)
- Deutschland
- Estland
- Finnland (mit den staatliche Besonderheiten aufweisenden Ålandinseln)
- Frankreich (mit Ausnahme der überseeischen Territorien in Nord- und Südamerika, Afrika, Ozeanien)
- Griechenland (einschließlich der souveränen Mönchsrepublik Athos)
- Großbritannien und Nordirland (einschließlich der direkt der Krone unterstehenden Insel Man und der Kanalinseln sowie des Überseegebietes Gibraltar)
- Irland
- Island (liegt geografisch auf dem mittelatlantischen Rücken)
- Italien
- Kroatien
- Lettland
- Liechtenstein
- Litauen
- Luxemburg
- Malta
- Mazedonien
- Moldawien
- Monaco
- Niederlande
- Norwegen
- Österreich
- Polen
- Portugal (mit Ausnahme des näher an Nordafrika liegenden Madeira und der auf dem mittelatlantischen Rücken liegenden Azoren)
- Rumänien
- Russland (ein Viertel der Landmasse in Europa, dies ist das historische Kernland Russlands mit 75 % seiner Bevölkerung)
- San Marino
- Schweden
- Schweiz
- Serbien und Montenegro (Staatenbund aus Serbien und Montenegro)
- Slowakei
- Slowenien
- Spanien (mit Ausnahme der spanischen Plazas de soberanía und der Kanarischen Inseln in Nordafrika)
- Tschechien
- Ukraine
- Ungarn
- Vatikanstadt
- Weißrussland Siehe auch: Liste europäischer Nachbarstaaten

Folgende Staaten liegen mit weniger als 5% ihrer Landfläche in Europa


- Kasachstan (nur ein sehr kleiner Teil der Landfläche liegt in Europa, der Rest in Asien; bei Sportveranstaltungen wird Kasachstan gelegentlich Europa zugerechnet)
- Türkei (nur 3% der Fläche liegt geographisch in Europa, der Rest in Asien; bei Kulturveranstaltungen wird die Türkei Europa zugeordnet (in allen internationalen Sportveranstaltungen, Eurovision Song Contest u.a.); sie ist Mitglied des Europarats und hat eine Zollunion mit der EU, ist Beitrittskandidat der EU und in allen anderen europäischen Gremien vertreten)

Weitere Staaten, die gelegentlich zu Europa gerechnet werden

Aus historischen, kulturellen oder politischen Gründen werden gelegentlich auch folgende Staaten zu Europa gerechnet:
- Armenien (geschichtlich eng mit Europa verbunden, christliche Bevölkerung mit indogermanischer Sprache, Territorium liegt geographisch in Asien, Mitglied des Europarates)
- Aserbaidschan (liegt geographisch in Asien; bei Sportveranstaltungen wird es Europa zugerechnet; Mitglied des Europarates)
- Georgien (geschichtlich eng mit Europa verbunden, christliche Bevölkerung, Territorium liegt geographisch in Asien; Mitglied des Europarates)
- Israel (liegt geographisch in Asien; bei Kulturveranstaltungen wird Israel oft Europa zugeordnet (Fußball-Europameisterschaft, Eurovision Song Contest).)
- Zypern (Insel im östlichen Mittelmeer, die geographisch zu Asien gezählt wird; geschichtlich eng mit Europa verbunden, seit Mai 2004 Mitglied der EU)

Abhängige Gebiete in Europa


- Åland (autonome Inselgruppe und Provinz vor Finnland)
- Berg Athos (autonome Mönchsrepublik unter Oberhoheit Griechenlands)
- Färöer (autonome Region innerhalb Dänemarks)
- Gibraltar (Überseeterritorium des Vereinigten Königreiches)
- Isle of Man (untersteht direkt der britischen Krone)
- Oblast Kaliningrad (Teil Russlands, Exklave zwischen Polen und Litauen)
- Kanalinseln (unterstehen direkt der britischen Krone)

Von europäischen Staaten abhängige Gebiete auf anderen Kontinenten


- Alborán, vulkanische spanische Mittelmeerinsel, unbewohnt, unter Naturschutz, zwischen Andalusien und Nordafrika
- Anguilla, eine britische Insel in der Karibik (Mittelamerika)
- Die Niederländischen Antillen (De Nederlandse Antillen: Bonaire, Curaçao, Saba, Sint Eustatius (Statia), Sint Maarten) gehört zu den Niederlanden, jedoch nicht zur EU, in der Karibik (Mittelamerika)
- Aruba, intern autonomer Landesteil der Niederlande in der Karibik (Mittelamerika)
- Die Azoren, portugiesische Inselgruppe zwischen Europa und Nordamerika im Atlantik
- Bermuda, britisches Überseegebiet, Inselgruppe östlich North Carolinas im Atlantik
- Britisches Antarktis-Territorium (British Antarctic Territory) ein völkerrechtlich nicht anerkannter Teil des Südpols wird von Großbritannien beansprucht: die Antarktische Halbinsel, die Südlichen Orkneyinseln, die Südlichen Shetlandinseln, einen Festlandsektor bis zum Pol (Antarktis)
- Britische Jungferninseln (the British Virgin Islands) in der Karibik (Mittelamerika)
- Das Britische Territorium im Indischen Ozean (British Indian Ocean Territory) britisches Überseegebiet, die Kronkolonie Tschagos-Archipel (Flottenstützpunkt), sechs weitgehend unbewohnte Atolle im Indischen Ozean
- Ceuta, autonom verwaltete Exklave Spaniens, Nordmarokko, 21 km vor Gibraltar (Nordafrika)
- La Islas Chafarinas, unbewohnter spanischer Archipel, 4 km vor der Küste Ostmarokkos (Nordafrika)
- Clipperton-Insel oder Passionsinsel (Île Clipperton, Île de la Passion) unbewohntes französisches Atoll südwestlich von Mexiko (Pazifik)
- Îles éparses (Les Îles éparses de l'océan Indien) unselbständige und weitgehend unbewohnte zu Frankreich gehörige Inseln und Atolle um Madagaskar und im Indischen Ozean
- Falklandinseln, britisches Überseegebiet, östlich Feuerland im südlichen Atlantik (Südamerika)
- Guadeloupe, Überseedépartement Frankreichs, Inselgruppe in der Karibik (Mittelamerika)
- Französisch-Guayana (Guyane française) Überseedépartement Frankreichs in Südamerika
- Grönland (Grønland) autonomes Gebiet Dänemarks (jedoch nicht Teil der EU) in Nordamerika
- Die Kaimaninseln (Cayman Islands) britisches Überseegebiet in der Karibik (Mittelamerika)
- Die Kanarischen Inseln gehören zu Spanien und liegen westlich von Nord-Afrika
- Madeira, autonome Provinz Portugals, Archipel aus mehreren bewohnten und unbewohnten kleinen und der Hauptinsel Madeira ca. 600 km westlich vor Marokkos im Atlantik
- Martinique, Überseedépartement Frankreichs in der Karibik (Mittelamerika)
- Mayotte, französisches Überseeterritorium am Rande der Komoren zwischen Madagaskar und Ostafrika
- Melilla, autonom verwaltete Exklave Spaniens in Ostmarokko (Nordafrika)
- Montserrat, britisches Überseegebiet in der Karibik (Mittelamerika)
- Neukaledonien (Nouvelle-Calédonie) französische Überseegemeinschaft mit besonderem Status, Inselgruppe nahe Vanuatu vor der Nordküste Australiens
- Isla Perejil, winzige zwischen Spanien und Marokko umstrittene Felseninsel 200 m vor der Mittelmeerküste Marokkos (Nordafrika)
- Pitcairninseln (Pitcairn Islands Group) britische Kronkolonie, weit verteilt und isoliert gelegene Gruppe von vier Inseln, davon eine bewohnt, im südöstlichen Pazifik
- Französisch-Polynesien (Polynésie Française) französisches Überseedépartement (Südlicher Pazifik)
- Réunion (La Île de la Réunion) gehört zu Frankreich, liegt im Indischen Ozean östlich vor Madagaskar
- St. Helena (the Crown Colony of Saint Helena and Dependencies) britische Kronkolonie, relativ zentral zwischen Afrika (Angola) und Südamerika im Südatlantik gelegen
- Saint-Martin (Sint Maarten) karibische Insel mit einem französischen Teil (Saint-Martin) und einen niederländischen Teil (Sint Maarten) (Mittelamerika)
- St. Pierre und Miquelon, mehrere kleine unselbständige französische Inseln östlich vom kanadischen Neufundland (Nordamerika)
- Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln, britisches Überseegebiet, meist unbewohnte Inselgruppe im Südatlantik
- Französische Süd- und Antarktisgebiete (Terres australes et antarctiques françaises) ein völkerrechtlich nicht anerkannter Teil des Südpols und einige Inseln und Inselgruppen im Indischen Ozean südöstlich von Afrika
- Turks- und Caicosinseln, britisches Überseegebiet, Gruppe aus acht Inseln am westlichen Rande der Karibik zum Atlantik
- Peñón de Vélez de la Gomera, spanische Halbinsel an der marokkanischen Mittelmeerküste (Nordafrika)
- Wallis und Futuna (Territoire des Iles Wallis et Futuna) französisches Überseeterritorium nordöstlich von Fidschi (Südlicher Pazifik)

Wirtschaft

Im 19. Jahrhundert war Europa durch die in England beginnende und auf den ganzen Kontinent übergreifende Industrielle Revolution konkurrenzlos die führende Wirtschaftskraft. Später brachten verschiedene internationale Einrichtungen und Organisationen, wie die EFTA (Europäische Freihandelszone) und die Europäische Union einen Wachstumsschub, der in vielen Teilen Europas bis in die 70er und teilweise in die 80er anhielt. Die Versorgung der Bevölkerung Europas konnte durch die Verringerung von Handelsbeschränkungen ebenfalls weiter ausgebaut werden. Seit dem 1. Januar 1999, gilt in 12 Staaten der EU der Maastricht-Vertrag, mit dem alle 12 Länder eine Währungsunion bilden und somit ihre jeweiligen Landeswährungen abschafften und den Euro, zunächst noch als bargeldloses Zahlmittel einführten. Heute ist Europa ein wohlhabender Kontinent mit großen Industriemetropolen, gewinnbringender Landwirtschaft und einem boomenden

Minoische Kultur

Nach dem mythologischen König Minos wird die antike Kultur Kretas der Bronzezeit als minoisch, kretisch-minoisch oder kretominoisch bezeichnet. Im Unterschied dazu heißt die zeitgleiche Kultur des griechischen Festlandes helladisch. Die minoische ist die früheste Hochkultur in Europa. Der Name Europa leitet sich von der phönizischen Königstochter Europa ab, die der Sage nach von Zeus nach Kreta entführt wurde. Der Begriff "minoisch" wurde bereits 1883 von Arthur Milchhöfer verwendet und durch Sir Arthur Evans bekannt.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Kretas Die ältesten Besiedlungsspuren stammen aus dem Neolithikum. Ca. um 3000 v. Chr. beginnt in Kreta die Bronzezeit. In einigen Orten bilden sich wirtschaftlich dominierende Oberschichten. Ungefähr ein Jahrtausend später entstehen Paläste, wie sie in Knossós, Mália, Phaistós, Galatas und Káto Zákros ausgegraben wurden. Um 1700 v. Chr. führt ein Erdbeben zur Zerstörung der alten Paläste und zum anschließenden Wiederaufbau. Nach einer weiteren tektonischen Erschütterung werden die neuen Paläste etwa 100 Jahre später noch prächtiger ausgestaltet. In der Phase SM I B (s. u.) beginnt der Einfluss mykenischer Griechen auf der Insel wirksam zu werden. Wahrscheinlich um 1430 v. Chr. kommt es zur endgültigen Zerstörung der Paläste. Nur der Palast in Knossos wird wieder aufgebaut. Dort ist nun eine griechische Herrscherschicht feststellbar. Um 1330 v. Chr. wird auch der Palast in Knossos niedergebrannt.

Chronologie

1330 v. Chr. Eine Gliederung der minoischen Epochen lässt sich mit den Periodisierungen von Sir Arthur Evans (Entdecker des Palastes von Knossos) und Nikolaos Platon (Entdecker des Palastes in Káto Zákros) vornehmen. Evans unterteilt die minoische Geschichte, entsprechend der gefundenen Keramikstile, in Frühminoisch, Mittelminoisch und Spätminoisch. Diese Phasen lassen sich weiter in die Abschnitte I, II und III unterteilen. Die Klassifizierung nach Platon richtet sich nach den Bauphasen der minoischen Paläste. Dabei wird unterschieden zwischen der Vorpalastzeit, Altpalastzeit (Zeit der alten Paläste), Neupalastzeit (Zeit der neuen Paläste) und Nachpalastzeit (Zeit nach der endgültigen Zerstörung des Palastes von Knossos). Die Zuordnung der Epochen zu bestimmten Jahreszahlen ist nicht gesichert und wird weiter diskutiert. Wichtigster Anhaltspunkt für die zeitliche Einordnung sind Funde kretischer Importware in Ägypten und umgekehrt, jedoch ist auch die Chronologie Ägyptens vom jeweils aktuellen Stand der Forschung abhängig. Sollte sich bestätigen, dass der Vulkanausbruch auf Thera tatsächlich um 1630 v. Chr. war, und nicht wie bisher angenommen 1530/00, verschieben sich einige Zeitstufen des Mittel- und Spätminoikums. Insbesondere der Beginn der Stufen SM I A und SM IB und das Ende von MM III wären mindestens ein Jahrhundert früher anzusetzen. Die meisten Archäologen sind jedoch skeptisch bzgl. der Frühdatierung des Ausbruchs, so dass meist an der traditionellen Chronologie festgehalten wird. Die Sychronisation mit der Ägyptischen Chronologie (s. o.) kommt ebenfalls mit den traditiotionellen Daten wesentlich besser hin.

Vorpalastzeit

Die Vorpalastzeit (ca. 3100 - 2000 v. Chr.) ist durch eine starke Zunahme der Siedlungsdichte in Kreta gekennzeichnet. Die Siedlungen sind meist kleine Dörfer, in denen fünf bis acht Familien (25-50 Personen) in dicht aneinandergebauten Häusern wohnen. Die enge Bebauung hatte wohl verteidigungstechnische Gründe, so bilden die Häuser der Siedlung von Phornou Korphi eine geschlossene Fassade. In der Keramikproduktion tauchen viele neue Formen auf und es wird mit der Metallverarbeitung begonnen. Kuppelgräber finden sich hauptsächlich im Süden der Insel. Grabbeigaben weisen auf die Herausbildung gesellschaftlicher Eliten hin. Handelskontakte bestehen vor allem mit den Kykladeninseln, aber auch nach Ägypten und zum Vorderen Orient. Während der Phase FM III ist ein starker Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen. Mehrere Siedlungen werden aufgegeben. Die Ursachen sind unklar und die Fundsituation dürftig. In der folgenden Epoche MM I kommt es dann wieder zu einem Aufschwung, auch in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht.

Altpalastzeit

In der Altpalastzeit (ca. 2000 - 1700 v. Chr.) entstehen Paläste als zentrale Verwaltungseinheiten. In der prämonetären Wirtschaft Kretas dienten sie als Umschlagsstellen für Waren aller Art. Ebenso hatten die Paläste kultische Funktionen und waren Sitz einer religiösen und politischen Elite. Im Land entstehen erstmals Städte mit hochwertigen Trinkwasser- und Abwassersystemen. Im 17. Jh. v. Chr werden die Paläste durch ein Erdbeben zerstört, aber schnell wieder aufgebaut.

Neupalastzeit

Der Übergang zur folgenden Neupalastzeit (1700 - 1400 v. Chr.) ist also relativ glatt. Der Palast von Knossos wird beim Wiederaufbau vergrößert, der Palast von Phaistos dagegen verkleinert. Die Periode zeichnet sich durch ihre hochentwickelte Architektur aus. Um 1430 v. Chr. sind überall auf Kreta Spuren von Bränden und Zerstörungen nachweisbar. Diese sind wohl auf die Eroberung Kretas durch mykenische Festlands-Griechen zurückzuführen. Die palatialen Zentren wurden zerstört. Lediglich Knossos bestand bis ca. 1375/1330 v. Chr. fort, offenbar schon als Sitz eines mykenischen Herrschers. Jedenfalls ist der Palast erst in dieser Zeit zerstört worden.

Nachpalastzeit

Griechen In der Nachpalastzeit (1450/1400 - 1100/1050 v. Chr.) besteht die Kunst der minoischen Kultur weiter. Während vorher die minoische Kultur die mykenische Kultur stark beeinflusst hat, verschmilzt nun mykenisches und minoisches. Allerdings bleiben auf Kreta typisch minoische Elemente bis zum Ende dieser Periode erhalten (teilweise mit Nachwirkungen in Achaische Zeit). Kreta ist politisch teil der mykenischen Welt und von Griechen beherrscht. Mykenische Herrscher regierten nur in Knossós und eventuell auch in Kydonia (Chania). Die anderen ehemaligen minoischen Paläste wurden nie wieder bezogen. In der Zeit um ca. 1200 v. Chr. gab es auf dem Festland viele Zerstörungen und Umwälzungen, von denen auch Kreta nicht verschont geblieben zu sein scheint. Das minoisch-mykenische hielt sich noch bis ca. 1050. Die Geschichte Kretas in den "Dunklen Jahrhunderten" zwischen 1100 und 750 v. Chr. ist bis heute weitgehend im Dunkeln.

Theorien über den Untergang

"Dunklen Jahrhunderten" Der Untergang der Minoer ist bis heute rätselhaft und bot von jeher Stoff für Spekulationen. James Baikie veröffentlichte 1910 ein Buch, in dem erstmals der Ausbruch der Vulkaninsel Thera für das Ende der Minoer verantwortlich gemacht wird. Der griechische Archäologe Spyridon Marinatos griff diese Idee 1939 auf, und veröffentlichte seine Theorie wonach der Ausbruch um das Jahr 1500 v. Chr. sämtliche minoischen Küstenstädte zerstört haben muss. Naturwissenschaftliche Untersuchungen in neuerer Zeit ergaben Hinweise, dass der Ausbruch über 100 Jahre früher als bisher angenommen, nämlich 1628 v. Chr. stattgefunden haben könnte. Träfe dieses Datum zu, müßte man alle bisher um 1500 v.Chr. datierten minoischen Artefakte auch auf Kreta ins späte 17. Jh. datieren. Für Frage, ob der Untergang der "minoischen" Kultur durch die Eruptionen auf Santorin hervorgerufen wurde, spielt die Datierung des Aufbruchs demnach keine Rolle. Wichtig ist aber, daß es auf Kreta noch Keramikstufen gibt, die nicht auf Thera vorkommen. Diese bezeugen, daß sich der Niedergang auf Kreta erst 1-2 Generationen nach dem Ausbruch vollzog. Einige Zeit nach dem Ausbruch wurde die Insel sogar wieder von Minoern besiedelt, di