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Nord-Süd-Konflikt

Nord-Süd-Konflikt

Mit dem Begriff Nord-Süd-Konflikt bezeichnet man folgende eng zusammenhängende Konflikte:
- die Auseinandersetzung der früheren Kolonialmächte mit ihren Kolonien, als in diesen Unabhängigkeitsbestrebungen aufflammten (1940-1975), siehe auch Entkolonisierung
- der darauf folgende wirtschaftliche Konflikt zwischen den sogenannten Industrieländern und den Entwicklungsländern: Von seiten der Entwicklungsländern wird der Vorwurf erhoben, die Industrieländer nutzten ihre wirtschaftliche Macht, um die Abhängigkeit der Entwicklungsländer von ihnen zu festigen, beziehungsweise billige Preise und Löhne zu ihren Gunsten auszunutzen. Siehe dazu auch Neokolonialismus und Globalisierung. Der Begriff rührt von der Tatsache her, dass die Mehrheit der Industrieländer und früheren Kolonialmächte auf der Nordhalbkugel der Erde liegen, während die Entwicklungsländer und früheren Kolonien meist auf der Südhalbkugel zu finden sind.

Geschichte des Nordsüdkonfliktes

Die politische Entkolonisierung

Der Nord-Süd-Konflikt begann in den 40er Jahren mit den aufflammenden Unabhängigkeitsbestrebungen in den asiatischen Kolonien Großbritanniens, wie Jordanien, Indien etc. Darauf folgten in den 50er, 60er und 70er Jahre die Unabhängigkeitskriege in Afrika. Erst Anfang der 80er Jahre war dieser Prozess der politischen Entkolonisierung im Großen und Ganzen abgeschlossen, heute gibt es nur noch wenige und vergleichsweise unbedeutende Kolonien. Der Kalte Krieg beeinflusste diesen Prozess, da in mehreren Fällen seitens der USA und der UdSSR versucht wurde, die neu unabhängig gewordenen Staaten in ihren Block zu integrieren. Viele der neuen Staaten reihten sich jedoch in die in den 60er Jahren entstandene Bewegung der blockfreien Staaten ein, die jede Einflussnahme seitens der Ost-West-Mächte zurückwiesen.

Wirtschaftlicher Nordsüdkonflikt

Das wirtschaftliche Element tauchte schon kurz nach den Unabhängigkeitsbestrebungen der früheren Kolonien auf. Viele Ressourcen, vor allem Rohstoffe wie Erdöl, waren nach wie vor in den Händen der Kolonialmächte, was in einigen Fällen zu Verstaatlichungen führte, in anderen Fällen jedoch die wirtschaftliche Abhängigkeit der Kolonien von ihren vorherigen Kolonialmächten weiterhin garantierte. Das entscheidende Element war jedoch das Handeln der multinationalen Konzerne, die in vielen Fällen die günstigen Preise in den Entwicklungsländern insgesamt (also nicht nur in den ehemaligen Kolonien) ausnutzten, um sich billige Rohstoffe und billige Arbeitskraft zu sichern. Diese Konzerne waren meist in den Industrieländern beheimatet, lagerten aber bestimmte Bereiche in die Entwicklungsländer aus, wobei dies meist die Bereiche waren, die einerseits arbeitsintensiv sind, andererseits keine besonderen Bildungsanforderungen stellen (z.B. die Beschäftigung von Näherinnen für Modekonzerne oder das Pflücken von Kaffeebohnen). Dabei kam es immer wieder zu Konflikten wegen den Arbeitsbedingungen, die meist deutlich unter dem Niveau der Industrieländer lagen und lange Arbeitszeiten, niedrige Löhne und teilweise Kinderarbeit einbezogen. Zudem gab es in einigen Fällen auch ökologische Probleme, etwa die Verschmutzung des Wassers einiger Flüsse in Nigeria seitens der Ölkonzerne, oder die Bildung von landwirtschaftlichen Monokulturen. Ein weiteres Problem ist die in vielen Fällen fehlende Diversifizierung der Wirtschaft in den Entwicklungsländern. So ist in vielen Fällen der primäre und der tertiäre Sektor (also Rohstofförderung und Dienstleistungen) praktisch für die ganze Wirtschaftskraft der Länder verantwortlich, während der sekundäre Sektor, die Industrie, stark unterentwickelt ist. So kommt es oft zu Abhängigkeit der Wirtschaft der Entwicklungsländer von Importen von industriellen Produkten aus den Industrieländern. Dieses Phänomen der wirtschaftlichen Abhängigkeit der Entwicklungsländer von den multinationalen Konzernen aus den Industrieländern wird heute mit dem Begriff Neokolonialismus (auch Neoimperialismus) bezeichnet, was sich auf die wirtschaftliche Ausbeutung dieser Länder bezieht, die in vielerlei Hinsicht den Bedingungen in der Kolonialzeit ähnelt. In einigen Fällen wurde seitens kritischer Bewegungen versucht, Standards für einen "fairen Handel" (Fair Trade) einzuführen, diese blieben jedoch meist Randerscheinungen, die auf die realen Bedingungen nur wenig Einfluss hatten.

Widerstand und Anti-Globalisierungs-Tendenzen

Besonders seit den 1980er Jahren regte sich in den Entwicklungsländern aktiver Widerstand gegen diese wirtschaftliche Ausbeutung seitens der multinationalen Konzerne. In vielen Ländern wurden etwa hohe Barrieren für die Ansiedlung ausländischer Konzerne gesetzt, beziehungsweise versucht, mit Hilfe von Importrestriktionen die Entwicklung eigener Industrien zu fördern. Dies war nicht immer erfolgreich, dennoch gibt es Länder wie etwa Südkorea, die durch solche Maßnahmen einen starken Entwicklungsschub hatten. Andererseits versperren sich viele Staaten durch solche Maßnahmen den Vorteilen des internationalen Handels. Ein anderes Element war das Aufkommen der sogenannten Globalisierungskritiker, die mit weltweiten und lokalen Aktionen versucht, die Bevölkerung auf das Phänomen des Neokolonialismus und auf die negativen Begleiterscheinungen der Globalisierung aufmerksam zu machen. Es bleibt anzumerken, dass der wirtschaftliche Nordsüdkonflikt bisher nicht zu kriegerischen Auseinandersetzungen geführt hat. Dennoch sehen viele Kritiker den Neokolonialismus als eine der Hauptursachen für das Wiederaufflammen des Terrorismus in den 1990er Jahren und im beginnenden 21. Jahrhundert. Siehe auch: Kolonialismus, Imperialismus, Anglozentrismus

Weblinks


- [http://www.germanwatch.org/ Germanwatch]
- [http://www.nord-sued-konflikt.de.vu/ Der Nord-Süd-Konflikt] Kategorie:Politologie Kategorie:Volkswirtschaftslehre

Entkolonisierung

Dekolonisation bedeutet die Beendigung des Kolonialstatus oder die Auflösung kolonialer Herrschaft. Gleichbedeutend werden die Begriffe Entkolonialisierung und Entkolonisierung sowie Dekolonialisierung und Dekolonisierung gebraucht. Im Allgemeinen denkt man dabei an eine Entwicklung nach dem zweiten Weltkrieg, in der Indien (1947), Indonesien (1949) und später die Kolonien in Afrika ihre Selbständigkeit erlangten. Im Zuge dessen wurden zwischen 1943 und 2002 120 ehemalige Kolonien (oder Territorien) unabhängig. Für Afrika gilt 1960, als die meisten Staaten die Unabhängigkeit erlangten, als das Jahr der Dekolonisation. Innerhalb der zwei Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 50 Kolonien in die formale Unabhängigkeit entlassen. Dennoch blieben politische, soziokulturelle und ökonomische Bindungen zur ehemaligen Kolonialmacht weitestgehend bestehen. Bis heute fühlen sich die ehemaligen Kolonialmächte ihren Kolonien eng verbunden und beanspruchen ein besonderes Mitspracherecht für diese Staaten auf der internationalen Ebene. In einer erweiterten Betrachtung ist Dekolonisation freilich ein Prozess, der bereits lange vor dem Höhepunkt der Aufteilung der Welt unter den Kolonialmächten in der Zeit des Imperialismus stattfand, insbesondere mit dem Unabhängigkeitskrieg der Vereinigten Staaten von Amerika 1775-1783 und der Kolonien Südamerikas 1813-1824.

Literatur


- Rainer Tetzlaff, Ulf Engel, Andreas Mehler (Hrsg.) - Afrika zwischen Dekolonisation, Staatsversagen und Demokratisierung. Hamburg 1995, Band 45, ISBN 3-928049-30-5, , 298 S
- [http://www.weltpolitik.net/Sachgebiete/Globale%20Zukunftsfragen/Entwicklungspolitik/Grundlagen/Die%20Entwicklungspolitik%20im%20Wandel%20der%20Zeit.html Johannes Winter: Die Entwicklungspolitik im Wandel der Zeit]

Siehe auch


- Kolonie
- Weltmacht
- Großmacht
- Entwicklungsland
- Kolonisation
- Kolonialismus
- Imperialismus
Kategorie:Kolonialismus

Entwicklungsland

Ein Entwicklungsland ist nach allgemeinem Verständnis ein Land, das hinsichtlich seiner wirtschaftlichen, sozialen und politischen Entwicklung einen relativ niedrigen Stand aufweist. Dabei handelt es sich um einen Sammelbegriff für Länder, die nach allgemeinem Sprachgebrauch als "arm" gelten. Welches Land als Entwicklungsland gilt oder nicht, ist vom Maßstab, an dem man die Entwicklung eines Lands misst, abhängig (siehe Abschnitt Gemeinsame Merkmale der Entwicklungsländer). Der Begriff entstammt der Fach- und Alltagssprache der Entwicklungspolitik und genießt allgemein eine hohe Akzeptanz. Diese hohe Akzeptanz entsteht auf der einen Seite durch eine relativ wertfreie Wortwahl und auf der anderen Seite durch eine begriffliche Unschärfe. Dem Ausdruck Entwicklungsland liegt - trotz verschiedenster Versuche - kein theoretisches Konzept zugrunde. Ein Versuch der näheren Bestimmung dieses Begriffs führt zwangsläufig zu der Frage, was Entwicklung überhaupt bedeutet.

Allgemeiner Sprachgebrauch

Grundlegende Anmerkungen

Für den Begriff "Entwicklungsland" gibt es eine Vielzahl von Synonymen. Einige Beispiele dafür sind: Dritte Welt, Vierte Welt oder Fünfte Welt. Alle diese Begriffe sind - ebenso wie "Entwicklungsland" selbst - teilweise umstritten und werden von einigen Fachleuten abgelehnt. Kritiker des Begriffs "Entwicklungsland" wenden beispielsweise ein, dass er etwas suggeriert, was manchmal gar nicht stattfindet: nämlich Entwicklung. Einer der prominentesten Kritiker dieses Begriffs ist der schwedische Ökonom Gunnar Myrdal. Nicht mehr gebräuchlich sind: "unterentwickelte Länder" (underdeveloped countries), "rückständige Länder" (backward countries) oder "nicht-entwickelte Länder" (undeveloped countries). Diese Begriffe erschienen zum ersten Mal im UNO-Programm von 1949, sind jedoch stark wertbehaftet und können von den Bewohnern der betroffenen Länder als verletzend empfunden werden. Sie werden deshalb von UNO und Weltbank nicht mehr verwendet und sollten auch im öffentlichen Sprachgebrauch abgelehnt werden.

Internationale und nationale Sprachregelungen

International gibt es keine eindeutige Sprachregelung. So wurde zum Beispiel in Folge einer UN-Vollversammlung im Jahr 1971 die Least Developed Countries (LLDC) von den Less Developed Countries (LDC) unterschieden. Nicht alle UN-Organisationen unterscheiden jedoch zwischen den beiden Gruppen. Für den deutschen Sprachgebrauch besteht das Problem der Übersetzbarkeit der Begriffe. Der umständliche Ausdruck "weniger entwickelte Länder" hat sich daher nie durchgesetzt. So verwendet das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) entweder den englischsprachigen Begriff "LDC" oder den deutschen unbestimmten Begriff "Entwicklungsland". Auch macht das BMZ keinen Unterschied zwischen LDC und LLDC und kürzt die "Least Developed Countries" mit LDC ab. Die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) vermeidet den Begriff "Entwicklungsland" zugunsten des Begriffs "Partnerländer".

Der Ausdruck Nord-Süd

Der Ausdruck "Nord-Süd" wird zunehmend von den Entwicklungsländern selbst benutzt. Auch den Ausdruck "Nord-Süd-Beziehungen" kann man zunehmend als Ersatz für den Begriff "Entwicklungspolitik" finden. Das BMZ verwendet beispielsweise diese Bezeichnung. Dieser Begriff ist weitgehend wertfrei, da er eine geographische Lage ausdrückt, auch wenn die Entwicklungsländer nicht zwangsläufig auf der südlichen Halbkugel liegen. Gleiches gilt im umgekehrten Sinne auch für den Begriff "Norden". Der Begriff "Westen" als Synonym für reiche Staaten ist geographisch ebenso ungenau; außerdem ist er ein Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges.

Industriestaaten und Nicht-Industriestaaten

Mit "Industriestaaten" versucht man die industrialisierten Staaten von den Entwicklungsländern sprachlich abzugrenzen, die diesen Zustand zu erreichen bestreben. Die historische Industrialisierung Europas lässt sich jedoch nicht mit den Prozessen vergleichen, die heute in den Entwicklungsländern stattfinden. Außerdem stellt sich das Zuordnungsproblem mit den industrialisierten, ehemaligen sozialistischen Ländern (Ostblock). Sinngemäss müsten die mit dem Ausdruck Industriestaaten gemeinten Länder heute als "Dienstleistungsstaaten" bezeichnet werden, wenn man den Anteil des Industrie- bzw. Dienstleistungsektors am Bruttosozialprodukt vergleicht.

Der Begriff Dritte Welt

Hauptartikel: Dritte Welt Der Begriff "Dritte Welt" stammt aus den 50er Jahren und war ursprünglich politisch geprägt. Er definierte die Blockfreien Staaten, welche sich nicht durch den Kalten Krieg ideologisch vereinnahmen lassen wollten. Bereits vor dem Ende des Ost-West-Konfliktes, genauer gesagt zu Beginn der 80er Jahre, wurde gefordert auf den Begriff "Dritte Welt" zu verzichten. Ulrich Menzel begründete und untermauerte diese Forderung im Jahr 1992 in seinem Buch "Ende der Dritten Welt" mit der These, dass die Zweite Welt verschwunden wäre, und es dadurch auch keine Dritte Welt mehr geben könne. Viele ehemalige "Dritte-Welt-Gruppen" nannten sich daraufhin in "Eine-Welt-Gruppen" um. Das BMZ verwendet den Begriff "Dritte Welt" nicht mehr. Trotzdem ist der Ausdruck noch nicht verschwunden und existiert weiter fort, vor allem in der Alltagssprache wird er noch benutzt.

Reich und arm

Die Begriffe "reich" und "arm" definieren den Entwicklungszustand eines Landes nur unzureichend. Sie finden ihre Verwendung eher in Verbindung mit dem Vermögen von Einzelpersonen. So gibt es Armut auch in Ländern mit hohem Durchschnittseinkommen (beispielsweise in Deutschland oder der Schweiz) und Reichtum in Entwicklungsländern (zum Beispiel in den ölexportierenden Ländern).

Strukturelle Probleme der Entwicklungsländer und ihre Ursachen

Hauptartikel: Entwicklungstheorie, Entwicklungspolitik Strukturelle Probleme wirken grundsätzlich über einen längeren Zeitraum und äußern sich in der Vernetzung von bestimmten Phänomenen. Mit Strukturen sind die Basisselemente und Wirkungszusammenhänge, welche die internen Vorgänge und Reaktionsweisen eines Systems prägen, gemeint. In der Regel sind für die strukturellen Probleme der Entwicklungsländer eine Vielzahl verschiedenster Faktoren verantwortlich. Zu den Ursachen dieser strukturellen Probleme und des relativ geringen Entwicklungsniveaus in den betroffenen Ländern existieren eine Vielzahl von Entwicklungstheorien. Die meisten Theorien betonen dabei entweder stärker die endogenen (vom betreffenden Land selbst verursachten) oder die exogenen (extern verursachten) Faktoren. Ein Ziel der Entwicklungspolitik ist, diese strukturellen Probleme zu beseitigen.

Strukturelle Probleme und ihre Wirkungszusammenhänge

Charakteristisch für Entwicklungsländer ist die oft unzureichende Fähigkeit die eigene Bevölkerung mit lebensnotwendigen Gütern und lebenswichtigen Dienstleistungen zu versorgen; mit anderen Worten: ihr ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang hat beispielsweise die Weltbank nachgewiesen, dass die Mehrheit der lateinamerikanischen Staaten bereits durch eine geringe Umverteilung des vorhandenen Reichtums in der Lage wären, die Massenarmut zu überwinden. Hier handelt es sich also nicht um ein Produktionsproblem, sondern um ein politisches Strukturproblem. Strukturelle Probleme müssen aber nicht zwangsläufig politischer Natur sein, sondern können auch in anderen Bereichen existieren (Wirtschaft, Gesellschaft, Umwelt etc.). So führt die Unterversorgung der Bevölkerung zu Armut, Hunger und dadurch zu einer geringeren Produktivität. Dies hat eine noch schlechtere Versorgungslage zum Ergebnis. Chronische Unterernährung führt darüber hinaus (vor allem bei Kindern) zu einer von vorneherein gehemmten geistigen und körperlichen Entwicklung. Letztendlich ist ihre Fähigkeit durch Kreativität oder Produktivität ihre eigene Situation zu verbessern, also sich zu entwickeln, eingeschränkt und es handelt sich um ein sozio-strukturelles Problem. Ein anderes strukturelles Problem ist die Diskriminierung von Frauen, was in den letzten Jahren vermehrt als eine grundlegende Ursache der Problemen der Entwicklungsländer erkannt wurde. Ebenso gravierend kann sich ein allzu schnelles Bevölkerungswachstum auf die bereits vorhandenen Entwicklungsprobleme auswirken. Wenn das Wirtschaftswachstum mit dem Bevölkerungswachstum nicht mehr Schritt halten kann, kommt es zum Beispiel in den Städten zu Slumbildung und Arbeitslosigkeit, sowie im ländlichen Raum zu Ernährungsproblemen und unangemessener Landnutzung (einhergehend mit irreversiblen ökologischen Schäden).

Auswirkungen der Erdölkrise von 1973 auf die Entwicklungsländer

Die Ölkrise von 1973 führte zu einer Preisexplosion des Erdöls, wovon die erdölexportierenden Länder (OPEC und nicht-OPEC) profitierten. Die ölimportierenden Industrieländer waren sowohl Opfer als auch Begünstigte (als Lieferanten der zunehmend nachgefragten Investitions- und Konsumgüter). Die ölimportierenden Entwicklungsländer konnten jedoch die entstandenen Verluste nicht durch Gegengeschäfte ausgleichen (nimmt man den Kapitalrückfluss von Arbeitsmigranten einmal aus) und wurden in ihrer Entwicklung gebremst oder zurückgeworfen. In den 80er-Jahren kam es dann schließlich aufgrund verschiedener weltwirtschaftlicher Entwicklungen zu einem dramatischen Preissturz, was zur Folge hatte, dass sich das Pro-Kopf-Einkommen von Ländern wie Libyen oder Nigeria halbierte. Allgemein sind Entwicklungsländer durch Erdölkrisen stärker betroffen als Industrieländer und es ist davon auszugehen, dass kommende Energiekrisen weiterhin einen hemmenden Faktor in ihrer Entwicklung darstellen werden.

Gemeinsame Merkmale der Entwicklungsländer

Unter den Merkmalen versteht man die Symptome der strukturellen Probleme. Seit den 50er-Jahren gibt es schon die sogenannten "Merkmalslisten", welche die zentralen Entwicklungsprobleme aufzulisten versuchen. Es ist umstritten mit welchen gemeinsamen Merkmalen die Entwicklungsländer beschrieben werden können, sollte es solche gemeinsamen Merkmale überhaupt geben. Die Kritik an einem Merkmalskatalog für Entwicklungsländer basiert vor allem auf der Tatsache, dass die Gemeinsamkeiten zweier Entwicklungsländer in Bezug auf diesen Merkmalskatalog nicht zwangsläufig größer sein müssen als zwischen einem Entwicklungsland und einem Industrieland. Auch bei einzelnen Industrieländern können die in der Liste aufgeführten Merkmale beobachtet werden. Deshalb wirft die Klassifizierung von Entwicklungsländern anhand von schematisierten Merkmalen immer wieder Fragen auf, da die verschiedenen Merkmale und ihre relative Bedeutung kontrovers diskutiert werden. Darüber hinaus bestehen zwischen den genannten Punkten Wechselwirkungen.

Ökonomische Merkmale

Klassifizierung Ein großer Teil der ökonomischen Merkmale entsteht als direkte Folge der geringen Wertschöpfung in den Entwicklungsländern. So ist meist ein hoher Anteil der Bevölkerung in den Entwicklungsländern im primären Sektor tätig, wo volkswirtschaftlich keine große Wertsteigerung erzielt wird. Die einseitige Exportpalette (z.B. landwirtschaftliche Güter oder Bodenschätze) und die außenwirtschaftliche Ausrichtung auf die Industrieländer wurzelt auch in der kolonialen Vergangenheit. Andere ökonomische Merkmale sind:
- Geringes BSP/BIP pro Kopf
- Extrem ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung (Gini-Index)
- Niedrige Spar- und Investitionstätigkeit
- Bedeutende Rolle des primären und des informellen Sektors
- Passive Handelsbilanz
- Einseitige Exportpalette
- Außenwirtschaftliche Ausrichtung auf die Industrieländer
- Schlechte Handelsbedingungen (Terms of Trade)
- Hohe Auslandsverschuldung
- Kapitalflucht
- Starke regionale Disparitäten zwischen Zentrum und Peripherie
- Hohe Arbeitslosigkeit
- Unzureichende Infrastruktur

Ökologische Merkmale

Infrastruktur Indonesien.]] Viele Entwicklungsländer sind in besonderem Ausmaß von ökologischen Problemen betroffen. So kommen das UN-Umweltprogramm UNEP und das World Watch Institute zu dem Schluss, dass in den Entwicklungsländern 90 % des weltweiten Artensterbens, der Bodenerosion und der Waldrodung stattfinden. Da die natürlichen Ressourcen der Entwicklungsländer zu ihren wichtigsten Reichtümern und damit zur eigenen Existenzgrundlage zählen, treffen Umweltkrisen die Entwicklungsländer besonders hart. Aufgrund der globalen Auswirkungen von Umweltkrisen müssen hier aber auch Rolle und Verantwortung der Industrieländer betrachtet werden. Die Debatte um das Kyoto-Protokoll ist ein aktuelles Beispiel dafür. Gravierende ökologische Merkmale sind:
- Umweltzerstörung durch unkontrollierte Verstädterung
- Bodendegradation (z.B. Versalzung)
- Desertifikation
- Bedrohung der Biodiversität
- Vernichtung der Tropenwälder
- Grundwasserbelastungen durch unzureichende Umweltstandards
- Gesundheitsgefährdende Luftverschmutzung in Ballungsgebieten

Demographische Merkmale

Ballungsgebieten (2005) - typische Form für ein Entwicklungsland, viele Kinder, niedrige Lebenserwartung]] Siehe auch: Bevölkerungsstruktur in Entwicklungsländern Viele Entwicklungsländer befinden sich noch in einer frühen Phase des demographischen Übergangs. Das bedeutet, dass ihre Bevölkerungsdynamik sich durch eine hohe Geburtenrate und eine hohe, jedoch stark rückläufige Sterberate (zum Beispiel durch bessere medizinische Versorgung) charakterisieren lässt. Dies führt zu einem starken und oft unkontrollierbaren Bevölkerungswachstum, welches mit einer extremen Verjüngerung der Bevölkerungsstruktur einhergeht. Beispiele für demographische Merkmale sind:
- hohe Geburtenrate
- hohe aber abnehmende Säuglings- und Kindersterblichkeit
- hohes Bevölkerungswachstum
- geringe durchschnittliche Lebenserwartung
- grenzüberschreitende Migration
- unkontrollierte Binnenmigration

Volksgesundheitliche Merkmale

Migration Der gesundheitliche Zustand der Bevölkerung in Entwicklungsländern ist oft problematisch. Dies äußert sich beispielsweise in einer geringen Lebenserwartung und einer hohen, jedoch stark rückläufigen Säuglingssterberate. Wegen mangelnder Hygiene in Slums (z.B. fehlende Abwasserreinigung) ist die Bevölkerung in Armenvierteln besonders anfällig für Krankheiten und Epidemien (zum Beispiel Cholera; siehe Abb. rechts). Beispiele für volksgesundheitliche Merkmale:
- unzureichende und/oder ungesunde Ernährung
- Mangel an sauberem Trinkwasser
- fehlende Abwasserreinigung
- Gesundheitsmängel und unzureichende medizinische Versorgung
- Mängel in der schulischen Gesundheitserziehung
- unkontrollierte Ausbreitung von Pandemien (z.B. AIDS)

Sozio-kulturelle Merkmale

Unter sozio-kulturellen Merkmalen versteht man das Zusammenwirken von gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen Verhaltensweisen. Ein sozio-kulturelles Merkmal einiger Entwicklungsländer ist beispielsweise die Benachteiligung der Frauen, wodurch Entwicklungspotentiale blockiert werden. Auch das entwicklungshemmende wirtschaftliche Verhalten einer reichen Oberschicht kann ein sozio-kulturelles Merkmal sein. Weitere sozio-kulturelle Merkmale:
- starke Orientierung auf Primärgruppen
- geringe soziale Mobilität
- Kinderarbeit
- unzureichende Bildung, hohe Analphabetenquote
- Schatzbildung der Oberklasse, statt Reinvestitionen

Politische Merkmale

Die politischen Probleme der Entwicklungsländer werden seit Ende der 80er-Jahre wieder verstärkt berücksichtigt. Die politischen Merkmale sind dabei nicht nur die Folge des staatspolitischen Unvermörgens politischer Elite in einem Entwicklungsland, sondern auch der mangelnden Effizienz und Stabilität der politischen Institutionen, sowie der defizitären Präsenz des Staates in den Provinzen. Das Funktionieren eines politischen Systems hängt weiterhin auch von der politischen Kultur eines Landes ab. Dazu kommt die Korruption, durch welche Staatseinnahmen nicht für Entwicklungsprogramme im eigenen Land, sondern für unsachgemäße Zwecke verwendet werden. Weitere politische Merkmale sind:
- autoritärer Staat (undemokratische Strukturen, Militärdiktaturen)
- Verletzungen der Menschenrechte
- gewaltsame Konflikte mit umliegenden Staaten und hohe Rüstungsausgaben
- geringe Akzeptanz der politischen Institutionen in der Bevölkerung
- geringe Besteuerung der Spitzeneinkommen
- Klientilismus - vgl. auch Patronage
- politische Instabilität
- Bürgerkrieg oder bürgerkriegsähnlicher Zustand bis hin zum Verfalls der Staatlichkeit überhaupt (Failing States - vgl. auch Warlords)

Kapitalmangel und unzureichende Faktorausstattung

Oft tauchen in Merkmallisten die Punkte "unzureichende Faktorausstattung" oder "Kapitalmangel" auf. Mit unzureichender Faktorausstattung bezeichnet man Merkmale, die aus dem Geodeterminismus abgeleitet werden können: ungünstige Klimabedingungen, fehlende Bodenfläche (zum Beispiel bei einem Inselstaat), Mangel an Bodenschätzen, Isolierung durch Binnenlage usw. Kritiker bezweifeln, dass eine unzureichende Faktorausstattung oder ein Kapitalmangel eines Landes zwangsläufig auf ein Entwicklungsland hinweist. Es handelt sich somit nicht um typischen Merkmale von Entwicklungsländern; das Fehlen von Wirtschaftsfaktoren und von Kapital kann durch andere Maßnahmen ausgeglichen werden. Auch der umgekehrte Schluss ist nicht zulässig: Das Vorhandensein bestimmter natürlicher Gegebenheiten, wie zum Beispiel Klima, Böden oder insbesondere Rohstoffe, führt nicht automatisch zu einer Entwicklung. In einer Reihe von vielen anderen Faktoren kann es dabei beispielsweise auf die Rohstoffverarbeitung ankommen, die erst zur höheren Wertschöpfung führt oder auf eine geschickte Politik, die es vermag den Rohstoffreichtum in Entwicklung umzusetzen. Der Kapitalmangel ist ebenfalls überbetont. Das Vorhandensein von Kapital macht noch keine Entwicklung eines Landes aus (Beispiel: ölexportierende Staaten). Folgende Punkte verhindern auch bei vorhandenem Kapital eine positive Entwicklung:
- Luxuskonsum: dazu zählen Schatzbildungen der Oberklassen, Korruption, geringe Besteuerung der Spitzeneinkommen
- Kapitalflucht
- Gewinntransfer: der Gewinn ausländischer Unternehmen führt zu einem Kapitalabfluß eines Teils des im Inland erwirtschafteten Kapitals.
- hohe Rüstungsausgaben
- Mangel an Good Governance: defizitäre Besteuerung (insbesondere der Oberschicht), ineffiziente und damit kostenaufwendige Verwaltungsstruktur, mangelnde Rechtssicherheit

Die Einteilungen der UNO

Less Developed Countries (LDC) und Least Developed Countries (LLDC)

Good Governance Good Governance Die Einteilung der Entwicklungsländer in LDC-Staaten und LLDC-Staaten ist im internationalen Bereich sehr gebräuchlich. Die Aussonderung der LLDC-Staaten erfolgte auf einer UN-Vollversammlung im Jahre 1971. Eine deutsche Entsprechung für diese Begriffe gibt es nicht. Nach einer Reform aus dem Jahre 1991 geschieht dies anhand von vier Kriterien:
- Bruttonationaleinkommen pro Kopf: Messung ökonomischer Armut (Durchschnitt aus 3 Jahren unter 900 US-$).
- Human Assets Index (HAI): liefert Aussagen über soziale Merkmale, wie Gesundheit und Bildung. Historisch ersetzt er den früheren Augmented Physical Quality of Life Index (APQLI). (Kalorienverbrauch pro Kopf in % des Minimalbedarfs, Kindersterblichkeitsrate, Alphabetisierungsrate unter Erwachsenen und Einschulungsrate in Sekundarschulen)
- Economic Vulnerability Index (EVI): beschreibt die Verwundbarkeit von Gesellschaften und ersetzte den alten Economic Diversification Index (EDI). (Konzentration der Exporte, Instabilität der Exporterlöse, Agrarproduktion, Anteil von verarbeitender Industrie und Dienstleistungen am BIP)
- Einwohnerzahl: maximal 75 Mio (alle Länder mit mehr als 75 Mio. Einwohnern sind aus der Gruppe der LLDC-Staaten ausgeschlossen) Die differenzierten zugrundeliegenden Indikatoren geniessen weltweit eine hohe Akzeptanz. Kritisiert wird der Bevölkerungsindikator, aufgrund dessen diese Einteilung wenig über die tatsächliche Verteilung von Armut in der Welt aussagt, die mögliche politische Instrumentalisierung dieser Klassifizierung und dass die Einteilung sehr aufwendig zu stande kommt. Die Aufnahme in die LLDC-Länder kann für den betroffenen Staat durchaus begehrt sein, da in den Geberländern die Qualität der Entwicklungspolitik oft an ihrer Ausrichtung auf die LLDC-Staaten gemessen wird. Daher erhalten diese bevorzugt nichtrückzuzahlende Zuschüsse (Grants) oder Kredite zu günstigeren Bedingungen (International Development Association, IDA).

UNO-Ländergruppierungen in Folge der Ölkrise

Hinter den Abkürzungen "MSAC", "LLC" und "SIS" verbergen sich weitere Klassifikationen der UNO. Die Bezeichnung "MSAC" (Most Seriously Affected Countries) entstand in Folge der Ölkrise 1973 und bezeichnet ein UNO-Sonderprogramm für die am stärksten betroffenen Länder. Diese Unterteilung verschwand gegen Ende der 80er Jahre aus dem UN-Vokabular. Geblieben sind von die Bezeichnungen "LLC" und "SIS". Mit "LLC" (Landlocked Countries, Binnenstaaten) werden Länder bezeichnet, deren Außenhandel unter ihrer geographischen und küstenfernen Lage erheblich leidet. Dazu zählen vor allem Ruanda, Burundi, Nepal oder in Südamerika beispielsweise Bolivien. Durch ihre ungünstige Lage können sich sowohl Importe, als auch Exporte erheblich verteuern. Die "SIS" (Small Island States) formierten sich später zur "AOSIS" (Association of Small Island States). Ihre Mitglieder vertreten gemeinsame Interessen beispielsweise in Umweltfragen (z. B. Anstieg des Meeresspiegels).

Der Human Development Index (HDI)

Hauptartikel: Human Development Index Im Jahre 1990 wurde vom UNDP (United Nations Development Program) der Versuch unternommen einen Gegenentwurf zum eindimensionalen Konzept der Weltbank zu entwerfen. Dabei sollten zunehmend auch soziale Faktoren berücksichtigt werden. Der HDI wird im jährlich vom United Nations Development Programme (UNDP), dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, herausgegebenen Human Development Report (HDR) veröffentlicht. Kritik am HDI kam zu großen Teilen aus politischen Motivationen: Frauengruppen beklagten sich über die hohe Position Japans, ostasiatische Länder gegen die Bewertung ihrer Menschenrechtslage und andere Länder wegen ihrer Eingruppierung vor oder hinter einem bestimmten anderen Land. Auf Antrag Indiens wird der HDI seit der Mitte der 90er Jahre in offiziellen UN-Dokumenten nicht mehr erwähnt.

Einteilungen der Weltbank

Die klassische Einteilung der Weltbank nach dem Pro-Kopf-Einkommen

Im Unterschied zu den UNO-Einteilungen in LDC und LLDC misst die Weltbank die Förderungswürdigkeit eines Landes ausschließlich mit dem Pro-Kopf-Einkommen bzw. nach dem Bruttonationaleinkommen-pro-Kopf. Sie unterscheidet dabei zwischen "Ländern mit niedrigem Einkommen" (LIC; Low Income Countries) und "Ländern mit mittlerem Einkommen" (MIC; Middle Income Countries). Die MIC werden dabei noch in eine untere und in eine obere Einkommensgruppe eingeteilt. Nach der Klassifizierung von 2004 gibt es 61 LIC und 93 MIC, darunter auch einige aus Osteuropa, dem Kaukasus und Zentralasien. Nach dem Stand vom 30. Juni 2004 betrug die Obergrenze für LIC 765 US-$, für die unteren MIC 766 - 3035 US-$ und für die oberen MIC 3036 - 9385 US-$. Die Obergrenzen können sich aber geringfügig von Jahr zu Jahr ändern und sind im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen. Manchmal benutzt die Weltbank auch die Ländergruppe der LIFDC (Low Income Food Deficit Countries), um innerhalb der LIC noch einmal Länder mit schwerwiegenden Ernährungsproblemen auszugliedern. In der Klassifizierung von 2004 taucht dieser Begriff aber nicht auf. Die Weltbank benutzt diese Klassifizierung als analytische Datenbasis für ihre Kreditvergabepraxis. Im Sprachgebrauch der Bretton-Woods-Institutionen ist ansonsten der Begriff "Developing Countries" gebräuchlich. Im weiteren macht die Weltbank klar, dass die Einteilung in diese Gruppen nach Pro-Kopf-Einkommen nicht notwendigerweise den Entwicklungsstand eines Landes widerspiegelt. Der große Vorteil dieser Klassifizierung ist seine einfache Struktur. Aufgrund der oft erhobenen und berechtigten methodischen Einwände bei der Beschränkung auf das Pro-Kopf-Einkommen hat die Einteilung der Weltbank nur einen begrenzten Aussagewert über die Entwicklung einzelner Länder. Das hat aber auch einen Grund: die Weltbank ist eben eine Bank und beschränkt sich naturgemäß und im Gegensatz zur UNO auf ökonomische Faktoren.

Die Betonung der Schuldenlast

Aufgrund der großen entwicklungspolitischen Bedeutung der Schuldenlast der Entwicklungsländer, hat die Weltbank die zusätzlichen Gruppen "SILIC" (Severely Indebted Low-Income Countries) und "SIMIC" (Severely Indepted Middle-Income Countries) gebildet. Bei letzteren gibt es die Abstufung in "mäßig verschuldet" (MIMIC) und "wenig verschuldet" (LIMIC). "Severely Indepted" bedeutet, dass drei von vier Kennziffern eine kritische Marke überschreiten. "Moderately indepted countries" sind solche, die bei drei von vier Kennziffern 60 % der kritischen Marke überschreiten, diese aber nicht erreichen. Der Rest wird als "less indepted countries" bezeichnet. Bei den vier Kennziffern handelt es sich um (die Werte in den Klammern geben die kritische Marke an):
- Verhältnis zwischen Schuldenstand und BNE (50 %)
- Schuldenquote (275 %)
- Schuldendienstquote (30 %)
- Zinslast am Schuldendienst (20 %) Derzeit gelten 45 Länder als "severely indepted" und 43 Länder als "moderately indepted". Zu letzteren zählen auch einige obere MIC wie die Türkei, Argentinien und Lettland. Die vier Schlüsselindikatoren weisen auf zentrale Probleme der verschuldeten Entwicklungsländer hin. Allerdings ist die kritische Marke von entscheidender Bedeutung und deshalb heftig umstritten. Während der 90er Jahre konnte ein Teil der SILIC ihre Schuldenlast nicht mehr alleine tragen, sie wurden unter den Begriff "HIPC" (Highly Indepted Poor Countries) zusammengefasst und die HIPC-Initiative ist einer groß angelegten Entschuldungsinitiative, die derzeit 42 Länder umfasst, von denen aber nur 22 SILIC sind.

Spezialfälle

Die ölexportierenden Länder

Die Vorstellung von "reichen" ölexportierenden Ländern (meist eine Projektion der reichen und kleinen Golfstaaten) ist falsch. In einer Rangfolge, die neben dem Pro-Kopf-Einkommen auch soziale Indikatoren berücksichtigt, schneiden beispielsweise die arabischen Staaten sehr schlecht ab. Durch ihre Erdölreserven und durch die Politik der OPEC konnten diese zwar gewaltige Einkommenssprünge verzeichnen, waren jedoch nicht in der Lage ihre Produktivkräfte mit lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen zu versorgen. Ölmilliarden wurden für unproduktive Zwecke verwendet wie zum Beispiel Luxus oder den achtjährigen Krieg zwischen dem Irak und dem Iran. Als weiteren negativen Effekt konnten durch den Ölboom marode und menschenrechtsfeindliche Regime aufrecht erhalten werden, da sie sich Loyalität und Schutz erkaufen konnten. Besonders negative Beispiele dazu sind Nigeria oder Venezuela. Nuscheler bezeichnet die ölexportierenden Länder daher auch als: "Fata Morgana der Entwicklung". Ölexportierende Länder spielen in der Gruppe der Entwicklungsländer eine besondere Rolle: Sie haben ein Gut, das die Industrieländer unbedingt brauchen. Die OPEC-Staaten halten ca. 3/4 der weltweiten Ölreserven und im Nahen Osten befinden sich 2/3 der Weltreserven. Dadurch entsteht eine gestärkte weltpolitische Verhandlungsposition, die ihnen einiges an politischer Macht zukommen lässt. Man unterscheidet die ölexportierenden Länder daher aus guten Gründen von den LDC und LLDC. Sie haben durch ihre Öleinahmen ein Potential für Entwicklung, welches andere Entwicklungsländer nicht haben. Diese Länder werden auch in der Zukunft weltpolitisch relevant bleiben, ganz im Gegensatz zu einigen anderen Entwicklungsländern, die nach dem Ende des Kalten Krieges in eine Irrelevanzfalle geraten sind. Die Industrieländer benötigen nach wie vor das begehrte Öl und somit werden die ölexportierenden Länder ihre strategische und geopolitische Bedeutung beibehalten.

Schwellenländer

Hauptartikel: Schwellenland Schwellenländer (Newly Industrializing Economies) sind eine Gruppe von Staaten, die traditionell noch zu den Entwicklungsländern gezählt werden, aber nicht mehr deren typische Merkmale aufweisen. Deshalb werden sie begrifflich von den Entwicklungsländern getrennt. Die deutsche Bezeichnung suggeriert, dass sie an der Schwelle zum Industriestaat stehen, diese "Schwelle" ist jedoch nicht definiert. Der englischsprachige Begriff entstand in den 70ern und bezog sich ursprünglich auf die asiatischen Tigerstaaten. Von verschiedenen Seiten (Weltbank, OECD, IWF, EG) wurden in den letzten Jahrzehnten Listen mit Schwellenländern erstellt. Eine verbindliche Liste der Schwellenländer gibt es jedoch nicht, ihre Zahl schwankt je nach Liste zwischen 10 und 30. Die Weltbank und der Internationale Währungsfond (IWF) kategorisieren jeweils 10 Länder als Schwellenländer. Die OECD weist hingegen wesentlich mehr Länder als Schwellenländer aus. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und die Europäische Union unternahmen gemeinsam den Versuch auch soziale und politische Indikatoren zur Bestimmung von Schwellenländern durchzusetzen, wurden jedoch auf internationaler Ebene abgewiesen. Daraufhin zog das BMZ seine 30 Schwellenländer umfassende Liste, die unter anderem auch Ecuador und Nicaragua enthielt, wieder zurück. Vereinfacht kann man folgende Länder zu den Schwellenländer zählen: Volksrepublik China, einige südamerikanische Staaten, Brasilien, Indonesien, Mexiko, Malaysia, Singapur, Südkorea und Thailand.

Transformationsländer

Eine besondere Beachtung erfahren im Rahmen einer Einteilung der Entwicklungsländer die ehemaligen sozialistischen Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Folgende Gründe sprechen für eine eigene Ländergruppe:
- Ihre Entwicklungsdefizite haben andere historisch-kulturelle Ursachen, als diejenigen typischer Entwicklungsländern. Sie durchlaufen typische Probleme beim Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft.
- Sie besitzen ein hoch entwickeltes Humankapital. Allerdings bestehen hier Unterschiede zwischen den kaukasischen, den zentralasiatischen und den europäischen Staaten.
- Sie besitzen eine ausdifferenzierte Industriestruktur und ein technologisches Entwicklungspotential und unterscheiden sich in diesem Punkt deutlich von den Entwicklungsländern.
- Die europäischen Staaten profitieren von ihrer Nähe zur EU, wodurch sie auf westliche Investoren und Zugang zum EU-Markt hoffen können.
- Russland ist noch immer militärische und politische Großmacht, Energiemacht, ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat und ständiger Gast der G-7 (ab 2006 Vollmitglied). Bei den Transformationsländern unterscheidet man zwischen den Ländern, die durch ihre kollektive Einbindung in die EU, Teil der Ersten Welt geworden sind (Polen, Tschechien, Ungarn, Slowakei, Slowenien, Litauen, Lettland, Estland) und den Newly Declining Countries (NDC), die weiterhin zwischen weiterem Abstieg und Stabilisierungsbemühungen stehen (Länder im Kaukasus und Zentralasien).

Failed States

Durch gewaltsamen und blutigen Konflikte in den 90er Jahren wurde die Gruppe der Failed States gebildet. Als Ländergruppe tauchen die Failed States erstmals in einem Artikel von Le Monde diplomatique 1999 auf. Sie sind charakterisiert durch den vollständigen Kollaps des Staatsapparats, wobei der Staat (bzw. Reste davon) nicht mehr fähig ist sein Territorium zu kontrollieren, keine staatlichen Dienstleistungen mehr anbietet und eine politische Ordnung nicht mehr erkennbar ist. Diese Länder fallen dadurch sowohl aus dem Erklärungsbereich der Entwicklungstheorien als auch aus dem Zielgebiet der Entwicklungspolitik. Zu ihnen zählen mehrheitlich afrikanische Staaten wie beispielsweise DR Kongo, Liberia, Somalia oder Sierra Leone. Darüber hinaus schafft das hier entstehende Ordnungsvakuum besondere Anforderungen an die Entwicklungspolitik und Sicherheitspolitik, da die Krisen solcher Länder die Entwicklung und Sicherheit ganzer Regionen und schließlich der ganzen Welt bedrohen (internationaler Terrorismus). Wie mit solchen Staaten umgegangen werden soll ist globalpolitisch noch sehr unklar.

Abschließende Bemerkung

Terrorismus]] Wie aus dem Artikel hervorgeht, hat es in den letzten 50 Jahren eine Vielzahl verschiedener Einteilungen der Entwicklungsländer gegeben, einige betonen ökonomische Faktoren (Weltbank), andere versuchen in einer komplexen Art und Weise soziale Faktoren zu berücksichtigen (LDC-Einteilung der UNO). Parallel dazu ergaben sich eine Vielzahl von Gruppierungen aus politischen, wirtschaftlichen oder strategischen Gründen (SIS oder OPEC-Staaten). Zusätzlich zu diesen Gruppierungen zählen noch andere, wie die G-77 oder die Bewegung der blockfreien Staaten, die den Rahmen dieses Artikels jedoch sprengen würden. Eine Sonderrolle spielt der heftig umstrittene HDI-Index, der vorgibt "menschliche Entwicklung" messen zu können. Die Heterogenität verschiedener Klassifizierungsansätze und der damit verbundene Begriffsdschungel, findet seine direkte Entsprechung in der Tatsache, dass genauso wie die Industrieländer auch die Entwicklungsländer höchst unterschiedlich sind. Die Länder dieser Welt befinden sich in einem Bereich zwischen den klärungsbedürftigen Begriffen "reich" und "arm". Je nachdem ob der Blickwinkel eher auf ökonomische, soziale, politische oder ökologische Faktoren abzielt, ändert sich die Reihenfolge der Länder. Dadurch werden die erwähnten Einteilungen aber nicht wertlos, denn sie sind eine Orientierungshilfe, welche Länder im Vergleich zu anderen eher "reich" oder eher "arm" sind. Dies ist nicht nur zu Studienzwecken hilfreich, sondern auch in der entwicklungspolitischen Praxis, da die Geberländer und die multilateralen Organisationen bemüht sind ihre Entwicklungspolitik auf die ärmsten Länder auszurichten. Diese Einordnungen basieren allesamt auf Makrodaten, und können deshalb nur einen Makro-Rahmen abbilden. Sie sagen allesamt nichts zu den sozialen und ökonomischen Unterschieden innerhalb eines Landes aus. Besonders in Entwicklungsländern sind die inneren Disparitäten oft größer als die Unterschiede zwischen den Entwicklungsländern. Entwicklung ist ein hoch-komplexer Begriff und umso mehr man versucht ihn zu verallgemeinern, umso weniger kann mit ihm erklärt werden.

Siehe auch


- Portal:Entwicklungsländer
- Entwicklungsstrategie
- Nachhaltige Entwicklung
- Landwirtschaft in Entwicklungsländern
- Industrialisierung der Entwicklungsländer
- Tourismus in Entwicklungsländern
- Entwicklungsländer und Weltwirtschaft
- Verstädterung in Entwicklungsländern

Literatur


- Bundeszentrale für politische Bildung (BpB): Entwicklungsländer, Informationen zur politischen Bildung, Nr. 252, Bonn 1996.
- Hein, Wolfgang: Unterentwicklung - Krise der Peripherie, Opladen 1998, ISBN 3810016632
- Hemmer, Hans-Rimbert: Wirtschaftsprobleme der Entwicklungsländer, München 2002, ISBN 3-8006-2836-8
- Nohlen, Dieter (Hrsg.): Lexikon Dritte Welt, Reinbek bei Hamburg 2002, ISBN 3-499-61468-5
- Nuscheler, Franz: Lern- und Arbeitsbuch Entwicklungspolitik, Bonn 2004, ISBN 3-8012-0350-6

Weblinks


- [http://www.un.org/special-rep/ohrlls/ohrlls/default.htm Office of the High Representative for the LLDCs, LDCs and Small Island Developing States (UN-OHRLLS)] Kategorie:Volkswirtschaftslehre ! ja:開発途上国 ko:개발도상국

Neokolonialismus

Neokolonialismus ist eine Bezeichnung für das internationale kapitalistische Wirtschaftssystem in Bezug auf das Verhältnis zwischen den Ländern und Konzernen der so genannten "Ersten Welt" und der "Dritten Welt" nach Auflösung der Kolonialreiche des 18. und 19. Jahrhunderts.

Begriffsklärung

Der Begriff des "Neokolonialismus" dient als Beschreibung für die Bestrebungen von Regierungen und Unternehmen der reichen Industrienationen - vor allem der USA, aber auch der EU - Kontrolle über die Ressourcen, Finanz- und Warenmärkte ärmerer Länder zu sichern. Als Werkzeuge dieses Systems dienen demnach beispielsweise Entscheidungen über die Vergabe bzw. Nicht-Vergabe von Krediten, oder die Gewährung von Schuldennachlässen. In der Kritik stehen dabei insbesondere der Internationale Währungsfond (IWF), die Weltbank (WB) und die Welthandelsorganisation (WTO). Über die unmittelbaren wirtschaftlichen Maßnahmen hinaus umfasst das System des Neokolonialismus auch die Installation und Unterstützung von Regimen - darunter zahlreicher Diktaturen in Afrika und früher auch in Lateinamerika (z. B. Pinochet) -, die den Interessen der multinationalen Konzernen dienen und nicht den Interessen der in diesen Ländern lebenden Bevölkerung. Es umfasst auch die Kontrolle der Berichterstattung über diese Länder. Der Vorwurf an IWF und Weltbank lautet, dass Länder von diesen Organisationen dazu gezwungen werden, Maßnahmen zu ergreifen die vor allem den Interessen der reichen Staaten entsprechen, aber wenig bis keine Rücksicht auf die Entwicklung der betroffenen Volkswirtschaften nehmen - oft mit dem Ergebnis, dass die Armut der Bevölkerung sogar noch zunimmt. Als Beispiel können die Argentinien-Krise (1998-2002) oder die bislang (2004) weitgehend ergebnislosen Verhandlungen über die Öffnung der US- und EU-Märkte für Agrarprodukte aus afrikanischen Ländern angeführt werden. Als eine weitere Folge dieser einseitigen Wirtschaftpolitik wird angeführt, dass die Investitionen multinationaler Konzerne, oft einhergehend mit steuerlichen und arbeitsrechtlichen Begünstigungen für die Investoren, nur wenigen Personen in den betroffenen Ländern Profite verschaffen, während die Mehrheit der Bevölkerung keinerlei Nutzen daraus ziehen kann. Im Gegenteil nutzen die international agierenden Firmen die niedrigen Löhne und Sozialstandards und verursachen darüber hinaus mitunter auch großen ökologischen Schaden (Auswirkungen der Erdölförderung in Nigeria, Abholzung von tropischen Wäldern, um Edelhölzer zu gewinnen, Förderung von Bodenschätzen, Lagerung von Giftmüll). Während also diese Länder als Reservoir für billige Arbeitskräfte und Rohmaterialien benutzt werden, wird gleichzeitig eine nachhaltige Entwicklung und der Zugang zu modernen Technologien und Produktionsmethoden verhindert.

Entwicklung

Der Begriff des Neokolonialismus fand zuerst in der Folge der Auflösung der früheren Kolonialreiche nach dem Zweiten Weltkrieg Verbreitung und wurde anfangs meist im Zusammenhang mit afrikanischen Ländern verwendet. Politiker und Aktivisten in den gerade unabhängig gewordenen Länder beklagten, dass ihre Länder nun zu Opfern einer neuen Art des Kolonialismus wurden; ausgeübt von den früheren Kolonialmächten und auch anderen wohlhabenderen Nationen. Insbesondere wurde - und wird manchmal bis heute - Frankreich vorgeworfen, eine neokolonialistische Politik zu verfolgen und bei Bedarf sogar mit Militäreinsätzen dafür zu sorgen, dass seine Interessen nicht bedroht werden. Auch Unabhängigkeitsbewegungen in noch unter der Kontrolle europäischer Staaten stehenden Ländern übernahmen das Konzept des Neokolonialismus in ihre Argumentation. Beispiele hierfür sind die marxistischen, anti-kolonialistischen Organisationen FRELIMO und MPLA in den, bis in die 1970er Jahre von Portugal kontrollierten, Ländern Mosambik und Angola. Zu Beginn der 2000er Jahre wird als Beleg für den Neokolonialismus unter anderem die Schuldensituation vieler afrikanischer Länder gegenüber dem Internationalen Währungsfond (IWF) und die Weltbank (WB) angeführt: jedes Jahr wird von diesen Ländern mehr Geld an IWF und WB bezahlt, als sie von diesen Organisationen an Darlehen bekommen, was eine wirtschaftliche Entwicklung und den Aufbau von Gesundheits- oder Bildungswesen weitgehend unmöglich macht. Diese Abhängigkeit von weiteren Darlehen und der Notwendigkeit von Schuldenerlässen zwingen die betroffenen Länder Programmen zuzustimmen, die von den internationalen Organisationen vorgegeben werden. Gemäß den Grundsätzen der WTO bestehen diese Programme im Allgemeinen zuallererst in Privatisierungen und der Öffnung der Märkte für Investoren. Die Folgen sind der Verkauf von Wirtschaftsbetrieben und Infrastruktur an ausländische Unternehmen, also ein weiterer Verlust an Eigenständigkeit und ein weiterer Verfall der ohnehin oft kaum entwickelten Gesundheits- und Bildungssysteme. In diesem Sinne äußerte sich auch Dr. Jeffrey Sachs, Berater des UN-Generalsekretärs Kofi Annan in Fragen der Wirtschaft und Entwicklung, als er eine kompletten Schuldenerlass (rund 200 Mrd. US-Dollar) für die afrikanischen Länder forderte und die betroffenen Regierungen aufforderte, ganz einfach die Zahlungen an IMF/WB einzustellen, falls diese nicht zustimmten: :"Die Zeit ist gekommen, diese Scharade zu beenden. Die Schulden sind unerschwinglich. Wenn sie die Schulden nicht erlassen, würde ich eine Blockade empfehlen; tun Sie es selbst. Afrika sollte sagen: "Danke sehr, aber wir brauchen dieses Geld um die Bedürfnisse unserer Kinder, die heute sterben, zu stillen. Also werden wir die Beträge, statt in die Schuldentilgung, in drängende soziale Investitionen stecken, in Gesundheit, Bildung, Trinkwasser, der Kontrolle von AIDS und andere Notwendigkeiten."" Kritiker des IWF verweisen auf Studien über die Auswirkungen der vom Währungsfond geforderten Abwertung von Währungen als Voraussetzung für Darlehen zur Finanzierung der Schuldentilgung. Sie argumentieren, dass der IWF zwar eine Abwertung der nationalen Währungen fordert, zugleich aber darauf besteht, dass die Darlehen in US-Dollar, englischen Pfund, Euro, Yen oder anderen verhältnismäßig harten Währungen der "Ersten Welt" zurückzuzahlen seien. Dadurch würden die Schulden weiter erhöht, eine Rückzahlung unmöglich und die Länder immer weiter in Verschuldung und eben neokolonialistischer Abhängigkeit gehalten.

Kritik

Kritiker des Begriffes argumentieren, dass die reichen Länder, bzw. deren Konzerne, zwar von den billigen Arbeitskräften und Ressourcen profitieren, dabei aber in den jeweiligen Ländern Impulse zur Modernisierung setzen.

Literatur


- Mongo Beti, Main basse sur le Cameroun. Autopsie d'une décolonisation (1972), reédité chez La Découverte, Paris 2003 Ein Klassiker der Kritik des Neokolonialismus. Der damalige französische Innenminister Raymond Marcellin ließ das Buch verbieten. Es konnte erst nach mehrjährigen juristischen Auseinandersetzungen wieder erscheinen.

Siehe auch


- Imperialismus
- Kolonialismus
- Neoliberalismus
- Globalisierung
- Globalisierungskritik

Weblinks


- http://www.francewatcher.org/ Kategorie:Kolonialismus

Globalisierung

Unter Globalisierung versteht man den Prozess der zunehmenden weltweiten Vernetzung der Menschen und Gesellschaften und der Verbilligung ihres Marktzugangs auf Grund technischen Fortschritts in den Bereichen Information, Kommunikation, Transport, Verkehr und Kapital sowie der zunehmenden Liberalisierung des Welthandels. thumb thumb

Allgemeine Begrifflichkeit

Der aus der Ökonomie und Soziologie stammende Begriff Globalisierung, der 1961 erstmals in einem englischsprachigen Lexikon auftaucht, dringt nach 1990 in die öffentlichen Debatten und bezeichnet einen mehrdimensionalen Prozess der Zunahme der transnationalen, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Beziehungen. Diesen Prozess treiben die Menschen voran, seit sie in der Lage sind, überregionalen Handel zu betreiben. Eine andere, wenig gebräuchliche Bezeichnung ist Mondialisierung (nach dem im Französischen bevorzugten Begriff Mondialisation). Einige bezeichnen den beschriebenen Prozess nicht als Globalisierung, sondern als Entnationalisierung oder Denationalisierung, um auszudrücken, dass der Nationalstaat im Zuge der Globalisierung immer mehr an Macht und Bedeutung verliert.

Kapital- und Warenverkehr

Der weltweite statistisch nachweisbare Warenhandel stieg zwischen 1950 und 1998 um das 17-fache, während die statistisch dokumentierte Produktion von Gütern sich nur um das sechsfache vergrößerte. Die Zahl der direkten Auslandsinvestitionen war zwischen 1970 und 1998 von 21 auf 227 Milliarden US-Dollar gestiegen
- Einfluss der Industriestaaten Industrieländer brauchen eine globale Weltwirtschaft, um ihre spezialisierten hochqualitativen Waren auf größeren, weniger gesättigten Märkten absetzen zu können. So beträgt z. B. der Exportanteil des deutschen Maschinenbaus 70 Prozent. Im Gegenzug wollen die Länder, in die diese Waren exportiert werden, ihre Waren in den Industrieländern absetzen können (notwendiges Handelsgleichgewicht, siehe Magisches Viereck). Dabei ist die staatliche Handlungsfähigkeit dadurch eingeschränkt, dass es bei zu hohen Steuern zu Firmenabwanderung kommt und andererseits die Staatsverschuldung begrenzt bleiben muss. Dies bedeutet letztlich einerseits einen Impuls, aber auch einen begrenzten Handlungsspielraum der Politik für unliebsame, aber vielleicht notwendige Veränderungen (Sozialabbau, z. B. Rentenkürzungen).
- Einfluss der Schwellenländer Es zeigen sich Chancen auf Anschluss an die Weltwirtschaft und verhältnismäßigen Wohlstand durch relativ niedrige Löhne bei relativ niedrigen Lebenskosten. Andererseits drastischer Niedergang von nicht wettbewerbsfähigen Unternehmen in diesen Ländern, z. B. China aber auch Indien. Diese Länder haben ein hohes Rohstoffvorkommen.
- Einfluss der Entwicklungsländer Durch politische Instabilität und schlechte Infrastruktur ist selbst bei niedrigsten Löhnen eine Produktionsverlagerung in diese Länder nicht immer wirtschaftlich lohnend. Somit entsteht eine Abgrenzung von der Globalisierung, und weitere Rückständigkeit. Zudem wird durch Einfuhrzölle der Industriestaaten und Förderung der dortigen Bauern ein Export von landwirtschaftlichen Produkten weitestgehend unterbunden, was zu weiterer Verarmung führt.
- Rolle von produzierenden Unternehmen Zum Teil sind diese zur Arbeitsplatzverlagerung gezwungen, um die Existenz der Firma zu sichern. Andere Firmen handeln nur aus Profitdenken ohne etwas wie unternehmerische Ehre. Führungen von Aktiengesellschaften sind zum reinen Profitdenken verpflichtet. Durch lokale Entscheidungen von Firmen ändern sich in der Summe globale Parameter (durch die profitable Arbeitsstättenverlagerung vieler Firmen steigen in Deutschland die Arbeitslosenversicherungsabgaben, und die Verbrauchermärkte schrumpfen. Einige Firmen und Branchen sind machtlos der Globalisierung ausgeliefert, z. B. Speditionsbetriebe.
- Einfluss von Banken und Finanzwesen Diese gelten dank moderner EDV als die Hauptbeschleuniger der Globalisierung, denn es lassen sich Milliardenbeträge innerhalb von Sekunden über den Globus verschieben. Andererseits stehen sie selbst unter einem globalen Wettbewerbsdruck, der sie zu Geldanlagen mit den höchsten Profitchancen ohne Rücksicht auf soziale Folgen zwingt. Die eigentliche Macht haben somit die, die das Geld haben, ihnen steht es frei ihre Finanzmittel auch sozial- und umweltverträglich bei etwas geringeren Zinsen z. B. bei der Gemeinschaftsbank anzulegen.
- Macht und Verantwortung von Verbrauchern Diese können entscheiden zwischen dem Kauf von Fair trade-Produkten oder einer Geiz ist geil-Mentalität. Die Bevorzugung von im eigenen Land produzierten Produkten kann sinnvoll sein, um mit eigenem Verhalten die heimische Volkswirtschaft zu stärken.
- Auswirkungen auf die Umwelt Durch Produktionsverlagerung in Länder mit den niedrigsten Umweltstandards. Überproduktion von Waren ohne existenzielle Bedeutung von teilweise minderer Qualität aus Billiglohnländern verschwendet die Ressourcen der Erde.
- regionale Ausbildungen der Globalisierung Die EU-Osterweiterung lässt eine Arbeitsplatzverlagerung in Länder mit den niedrigsten Produktionskosten befürchten. Andererseits fließt von Deutschland aus Kapital in Länder mit niedrigeren Steuern (u. v. a. Schweiz, Österreich). In anderen Regionen laufen ebenfalls Entwicklungen zu Freihandelsräumen: so in Nordamerika die NAFTA-Zone, in Südamerika der Mercosur und in Asien der ASEAN-Raum.

Transport und Verkehr

Die Zahl der Personen-Kilometer im internationalen Flugverkehr hat sich seit 1950 mehr als verhundertfacht. Auch die Menge der Luftfracht hat sich seit 1950 mehr als verhundertfacht. Der Umfang der zu See transportierten Güter steigt seit 1920 stark. Mit der Ausweitung des Zug-, Automobil- und Luftverkehrs weiten sich der grenzüberschreitende Personenverkehr und der Tourismus aus.

Kommunikationsprozesse

Die Zahl der Telefonanschlüsse am weltweiten Telefonnetz hat sich seit 1960 verzehnfacht. Neben dem Telefon entwickeln sich mit dem Mobiltelefon, der VoIP-Telefonie, dem Videoconferencing, dem Fax und dem Internet neue Kommunikationstechnologien. Internetbasierende Telefonie ermöglicht eine global vernetzte Zusammenarbeit durch eine praktisch kostenlose permanente Kommunikationsverbindung in hoher Qualität. Vor allem über das Internet haben sich die grenzüberschreitenden Kommunikationsprozesse vervielfacht und die Zahl der Internetanschlüsse steigt weiter exponentiell, allerdings über den Globus sehr ungleich verteilt und in totalitär regierten Ländern streng überwacht. Videoconferencing]]

Kultur

Befürworter einer Globalisierung der Kultur sehen darin eine Entwicklung zur weltweiten Verfügbarkeit von Elementen aller Kulturen (beispielsweise Restaurants deutscher Tradition in Afrika, afrikanische Musik in Deutschland, das in England erfundene Chicken Tikka in Indien, die Inbesitznahme der englischen Sprache durch ehemalige Kolonien etc.). Die Verdrängung der einheimischen Kulturen spiele sich, sagen sie, häufig nur auf einer oberflächlichen Ebene ab. Einflüsse würden lokal modifiziert und in die eigenen kulturellen Wertvorstellungen eingebunden. Außerdem verbessere sich die Situation von vielen Menschen, bzw. Menschengruppen durch den Kontakt mit der westlichen Kultur (zum Beispiel Gleichberechtigung der Frau). Es bilde sich eine „universale“ Kultur heraus, es entstünden aber auch hybride Formen aus verschiedenen Traditionen und der Moderne (Postmoderne) – und danach der Postpostmoderne usw. Unter Globalisierung der Kultur verstehen vor allem die Kritiker einer aus ihrer Sicht bestehenden „westlichen“ Dominanz die Ausbreitung „westlicher“ Wertvorstellungen und Lebensstile. Eine massive Verbreitung westlicher Werte finde vor allem über das Fernsehen und das Kino statt, aber auch Musik und Mode (wie zum Beispiel die Krawatte) würden weltweit vom Westen beeinflusst. Der Massentourismus in die exotischen Urlaubsländer allerdings führe – so die Kritiker – dort immer häufiger zum deutlichen Rückgang der kulturellen Traditionen, weil im Zuge einer wachsenden Abhängigkeit fast nur noch für die Touristen gelebt und gearbeitet werde. Globalisierung führt aber nicht nur zu einer Verbreitung der „westlichen“ Kultur, sondern auch der globale Einfluss „östlicher“ Kulturen wird deutlicher. „Westliche“ Unternehmer und Politiker führen öfter die für sie im „östlichen“ Ausland besseren Umgebungsbedingungen an und stellen damit das, was für „westlich“ gehalten wird, teilweise in Frage. Das Verhalten eines Teils der „asiatischen“ Arbeitnehmer beispielsweise wird im „Westen“ nicht selten als positives Beispiel für die Wirkung „asiatischer Werte“ gesehen, die als „Dynamik“ verstanden wird, von denen man lernen könne. So stößt nicht nur die Ausbreitung westlicher Wertvorstellungen und Lebensstile auf Kritik, sondern andererseits sehen sich auch konservativere Vertreter einer Kultur, die sie als „christlich-abendländische“ Kultur charakterisieren, von Globalisierungseffekten bedrängt. Die Auswirkungen dieser Ängste zeigen sich dann beispielsweise in der Diskussion um Quotenregelungen beim Rundfunk für deutsche und nicht-deutsche Musik oder hier zu Lande in der Debatte um "Leitkultur" oder der "Kopftuchdebatte". Die Globalisierung macht die Arena nicht nur freier für den Kampf der Kulturen selbst, sondern wir erleben – weil Toleranz in unterschiedlichen Kulturen einen unterschiedlichen Stellenwert hat – auch einen harten Kampf um die Spielregeln des Kulturkampfes.

Internationaler Rechtsverkehr

Grundlage aller Globalisierung ist ein Miteinander der Völker in geregelten, rechtlichen Bahnen, eben dem internationalen Rechtsverkehr. Neben einer Vielzahl von völkerrechtlichen Verträgen ist die im Jahre 1961 beschlossene Haager Konvention Nummer 12 zur Befreiung ausländischer öffentlicher Urkunden von der Beglaubigung bzw. Legalisation die wichtigste Rechtsnorm. Die darin vorgesehene Entbürokratisierung und Vereinfachung des Rechtsverkehrs zwischen den Staaten hat eine Globalisierung, wie sie sich heute darstellt, erst ermöglicht. Sie ermöglicht wegen des hohen Mitgliederstandes einen beinahe weltumspannenden Rechtsverkehr, ohne dass die diplomatischen Dienste in Anspruch genommen werden müssen (siehe auch Apostille und Legalisation).

Internationale Politik

Globalisierungsprozesse sind vielfältig und komplex, sie beschreiben eine Vielzahl ineinander fließender wirtschaftlicher, politischer, ökonomischer, gesellschaftlicher und technischer Prozesse. Sie stellen neue Ansprüche an die Zusammenarbeit zwischen Staaten und an die Entwicklung von supranationalen Organisationen (siehe auch Weltkonzern, Weltwirtschaft). Als erstes Parlament der Welt hat der Deutsche Bundestag 1999 eine Kommission eingerichtet, die sich systematisch mit den Fragen der Globalisierung beschäftigte, die Enquete-Kommission Globalisierung der Weltwirtschaft – Herausforderungen und Antworten, (BT-Drs. 14/2350), Vorsitzender der Enquete-Kommission war der Abgeordnete Ernst Ulrich von Weizsäcker (SPD), Stellvertreter der Abgeordnete Thomas Rachel (CDU). Der Abschlussbericht der Kommission wurde 2002 dem Parlament vorgelegt (BT-Drs. 14/9200 [http://www.bundestag.de/gremien/welt/glob_end/]).

Internationale Organisationen

WTO

Entscheidenden Anteil an der Ausweitung der Globalisierung hat die Welthandelsorganisation (WTO), deren Ziel die Liberalisierung des internationalen Handels ist.

IWF

Der Internationaler Währungsfond (IWF) spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulierung der Weltfinanzen und beim Management der internationalen Schuldenkrise. Ziele:
- Förderung der internationalen Zusammenarbeit in der Währungspolitik.
- Ausweitung des Welthandels.
- Stabilisierung von internationalen Finanzmärkten.
- Kann kurzfristige Kredite vergeben, zum Ausgleich von Zahlungsdefiziten
- Überwachung der Geldpolitik.
- Den laufenden internationalen Zahlungsverkehr von staatlichen Beschränkungen des freien Devisenverkehrs freizuhalten.
- Technische Hilfe

OECD

Die OECD hat das Ziel, die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit zu fördern. Sie ist hauptsächlich in den Bereichen Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik, Energie (Internationale Energieagentur), Bildung und Forschung sowie in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit tätig. Die OECD ist eine Organisation der westlichen Industrieländer. Die 1960 gegründete Organisation versucht, die Wirtschaftspolitik der 29 Mitgliedstaaten zu koordinieren und deren Entwicklungshilfe zu fördern. Sie umfasst alle westeuropäischen Länder - einschliesslich der Schweiz, der Türkei und Tschechien - sowie die USA, Kanada, Mexiko, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland.

Gegenläufige Tendenzen

Einschränkung durch Regionalisierung

Nicht nur von Ländern, sondern auch von Produktanbietern wird versucht, die Globalisierung im Warenverkehr einzuschränken. Im Warenverkehr sind immer noch regionale Grenzen zu überschreiten. Neben bereits vorhandenen Grenzen können auch neue Grenzen errichtet werden. Ein konkretes Beispiel mit großer wirtschaftlicher Bedeutung ist der Regionalcode bei DVDs und die Kriminalisierung von Abspielgeräte-Herstellern, Software-Entwicklern und Besitzern legal erworbener DVDs, die mit technischen Mitteln versuchen, diese konstruierte Handelsbeschränkung zu umgehen. Die Angebotsseite versucht in diesem Beispiel, durch Regionalisierung von Produkten beim globalen Verkauf die freie Wahl der Nachfrageseite beim globalen Einkauf zu begrenzen. Im globalen Marketing ist regionale Segmentierung also ein wichtiger Faktor. Dass eine solche Segmentierung nicht nur eine hingenommene Umgebungsbedingung, sondern ein gepflegtes Marketinginstrument sein kann, zeigt sich beispielsweise auch in den Unterschieden bei der Implementierung von Internationalisierung (I18N) und Lokalisierung (L10N) einerseits in kommerziellen und andererseits in freien Betriebssystemen für Computer.

Diskussion

Die Auswirkungen der beschriebenen Prozesse der Globalisierung werden sehr kontrovers diskutiert:

Vorteile

Als positive Auswirkungen der Globalisierung werden u. a. genannt:
- Globalisierung fördere das Wachstum, erhöhe den Wohlstand und schaffe mehr Warenvielfalt. Globalisierung sei keineswegs eine Auseinandersetzung um einen weltweit fest vorgegeben Wohlstand in dem der eine gewinnt, was der andere verliert.
- Durch weltweit wachsende Arbeitsmärkte steigen die Exporte, andere Güter werden billiger importiert als selbst produziert und schaffen in ihren Herkunftsländern mehr Einkommen und steigende Nachfrage. So ermöglicht die internationale Arbeitsteilung bei funktionsfähigen Märkten hohe zusätzliche Wohlstandsgewinne, indem sie Produktionsfaktoren weltweit effizienter einsetzt. Nicht funktionsfähige Märkte verursachen hingegen Wohlstandsverluste. Denn sie verhindern notwendige Anpassungen an sich verändernde Rahmenbedingungen.
- Mit der wettbewerblichen Intensivierung der weltweiten Handelsbeziehungen und überregionaler Arbeitsteilung gehe unter Ausnutzung der komparativen Kostenvorteile eine Steigerung der weltweiten Produktivität und des Wohlstands der beteiligten Produzenten einher.
- Die Globalisierung beschleunige die technische Entwicklung. So setzten sich bessere und günstigere Produkte schneller gegenüber schwachen lokal produzierten Produkten durch, was für den Käufer von Vorteil ist. Somit könne der Käufer seinen Lebenskomfort besser oder mit einem geringen materiellen Aufwand decken.
- Die Armut in der Welt und der Hunger seien in den letzten Jahrzehnten drastisch zurückgegangen, dies wird allerdings prozentual an der Weltbevölkerung gerechnet.
- Der Kulturaustausch bewirke, dass die Menschen voneinander lernen. Die Zahl der Kriege sei signifikant zurückgegangen.

Kritik

Siehe Hauptartikel: Globalisierungskritik Wenn heutzutage die „Globalisierung“ kritisiert wird, kommt das von den unterschiedlichsten Gruppierungen aller politischer Spektren; hier den so genannten „Globalisierungsgegnern“: Die (dem linken Spektrum zugeordnete) Globalisierungskritik beispielsweise vom Weltsozialforum (WSF), von Peoples Global Action (PGA), ATTAC und BUKO richtet sich gegen die „neoliberale Globalisierung“ sowie dem Kapitalismus an sich. Gemeint ist vor allem die deregulierte Öffnung der Märkte weltweit im Sinne des Neoliberalismus: Alle Waren und alle Dienstleistungen, einschließlich der Bildungseinrichtungen, des Öffentlichen Verkehrswesens und der Güter der Grundversorgung (zum Beispiel Trinkwasser), sollen der Kritik zufolge nicht unbeschränkt privatisiert und überall verkauft und gekauft werden können. Kritisiert wird, dass diese Form der Globalisierung zu einer Zunahme der weltweiten sozialen Ungleichheit führe. Kritiker bemängeln die mangelnde Transparenz und demokratische Legitimation von Gremien wie der WTO, des IWF oder der Weltbank. Es wird also gar nicht die Globalisierung an sich kritisiert, die ja an sich linken Vorstellungen sehr entgegenkommt, sondern die derzeitig stattfindende Ausprägung wird angeprangert, die vor allem an einer Globalisierung des Marktes und der Geschäftsbeziehungen, sehr viel weniger aber an der Globalisierung von Menschenrechten, Arbeitnehmerrechten, ökologischen Standards oder Demokratie interessiert scheint, und auf die der Bürger, im Gegensatz zu Lobbygruppen der Wirtschaft, kaum noch Einfluss hat. Auch werden in Anlehnung an das Stolper-Samuelson-Theorem Lohnsenkungen in reicheren Ländern befürchtet. Dem wird wiederum entgegengehalten, dass in der Realität die Löhne kapitalreicher Länder in den letzten Jahrzehnten (absolut gesehen) stark angestiegen sein sollen. Globalisierungskritiker verweisen hierbei aber auf relative Zahlen, die tatsächlich sinkende Realeinkommen bei den meisten Menschen der Industrienationen belegen sollen. Hier solle der technische Fortschritt mit konsekutiver Steigerung der Produktivität eine Rolle spielen. Von Kritikern wird auch eingewendet, dass Dienstleistungen sich nicht global handeln ließen und Lohndumping somit kaum zu befürchten sei. Globalisierungsgegner wenden darauf ein, dass dies branchenspezifisch durchaus vorkomme, zum Beispiel in auf Kommunikation, Elektronik und Mikroprozessoren basierenden Branchen wie den Call-Centern und Software-Schmieden, aber auch (wenn nicht global, so doch regional) im Baugewerbe und bei landwirtschaftlicher Saisonarbeit oder in Au Pair-Arbeitsverhältnissen; zudem nehme die (teils illegalisierte) Arbeitsmigration von so genannten Gast- und SaisonarbeiterInnen auch objektiv in vielen Industrienationen zu. Als Konsequenz fordern einige Gewerkschaften und Globalisierungskritiker daher trotz der Gefahr von Nettowohlfahrtsverlusten u. a. gesetzliche Regelungen der Mindestlöhne und einen verbindlichen Grundsatz vom „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“. Ein weiterer Kritikpunkt ist die zunehmende Umweltzerstörung, da die Abgase, beispielsweise von Flugzeugen, Autos und Fabriken, immer mehr zunehmen. Auch verbreiten sich durch den zunehmenden Tourismus Tropenkrankheiten in gemäßigten Breiten, weil man sich zum Beispiel im Flugzeug anstecken kann oder im Flugzeug Krankheitserreger schnell um den Globus transportiert werden können. Die Globalisierungskritik von rechtsextremen Gruppierungen hingegen wie etwa der NPD wendet sich gegen die zunehmende Vereinheitlichung der Kulturen und gegen die abnehmende Bedeutung der Nationalstaaten (und somit von Nationalismus). Rechtsextreme wenden sich dabei insbesondere gegen die im Zuge der Globalisierung erfolgende Zuwanderung, die die von ihnen behauptete rassische Reinheit der Völker gefährde. Häufig vermischt sich diese Ablehnung der Globalisierung auch mit anti-amerikanistischen Haltungen. Globalisierungsbefürworter wenden ein, dass trotz aller Kritik transnationaler Handel (siehe dort) doch für einen (absoluten) Wohlstandsgewinn sorge. Dies lasse sich am komparativen Kostenvorteil illustrieren. Globalisierungskritiker behaupten jedoch, diese These stünde nicht im Widerspruch zur Anklage der Anti-Globalisierungsbewegung, dass es zu einer Zunahme der weltweiten sozialen Ungleichheit im Sinne einer Umverteilung „von unten nach oben“ komme (siehe eingangs). Aus Erwägungen der Systemtheorie stammt der Begriff der Globalen Beschleunigungskrise, der von dem Physiker Peter Kafka geprägt wurde. Danach führt ein sehr schneller und global vereinheitlichter Strukturwandel zwangsläufig in eine instabile Gesamtlage der menschlichen Zivilisation und der menschenfreundlichen Biosphäre.

Siehe auch


- Deglobalisierung
- Globales Dorf
- Globales Lernen
- Globalgeschichte
- Hyperkulturalität
- Unternehmensstandort
- Neoliberalismus
- Welthandelsorganisation
- Globalismus
- Glokalisierung
- Globalität

Literatur


- Ulrich Beck: Was ist Globalisierung? ISBN 3-51840-944-1
- Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf Grenzen der Globalisierung - Ökonomie, Ökologie und Politik in der Weltgesellschaft., Münster 2002, 5. Auflage, ISBN 3-92958-675-4
- Jagdish Bhagwati: In Defense of Globalization. Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0195170253
- Thomas L. Friedman: Globalisierung verstehen. Zwischen Marktplatz und Weltmarkt. ISBN 3612267957
- Hans-Olaf Henkel: Die Ethik des Erfolgs. Spielregeln für die globalisierte Gesellschaft ISBN 3430142865
- Henning Klodt: Wege zu einer globalen Wettbewerbsordnung ISBN 3896652451
- Lester Thurow: Die Zukunft der Weltwirtschaft ISBN 3593374013
- Paul R. Krugman: Der Mythos vom globalen Wirtschaftskrieg ISBN 3593361477 Globalisierungskritik
- Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf Globalisierung der Unsicherheit ISBN 3-89691-513-4
- Torsten Bewernitz: global X - Kritik, Stand und Perspektiven der Antiglobalisierungsbewegung Unrast Verlag, ISBN 3-89771-418-3
- Bernard Cassen, Susan George, Horst-Eberhard Richter, Jean Ziegler: Eine andere Welt ist möglich. ISBN 387975845X
- Naomi Klein: No Logo! Riemann Verlag, 2002, ISBN 3570500284
- Hans-Peter Martin, Harald Schumann: Die Globalisierungsfalle. Angriff auf Wohlstand und Demokratie. Rowohlt, 1996, ISBN 3-499-60450-7
- Tobias ten Brink: VordenkerInnen der globalisierungskritischen Bewegung - Pierre Bourdieu, Susan George, Antonio Negri. Neuer ISP-Verlag Köln 2004. ISBN 3-89900-020-X
- Stefan Thiesen:
RABENWELT – eine postmoderne Novelle zur globalisierten Welt- und Sinnkrise ISBN 3934195040
- Joseph E. Stiglitz:
Die Schatten der Globalisierung ISBN 3-88680-753-3

Weblinks


- [http://www.mondialisierung.org GERM – Studien- und Forschungsgruppe Mondialisierungen] Mehrsprachige Seite mit zahlreichen wissenschaftlichen Texten zum Thema Globalisierung.
- [http://www.handbuchderglobalisierung.de Handbuch der Globalisierung]
- [http://www.globalisierung-online.de Einführung bei Globalisierung online]
- [http://www.bpb.de/publikationen/U1INL3,0,0,IZPB_Globalisierung.html Grundlegende Informationen der Bundeszentrale für politische Bildung]
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Großbritannien

Das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland (engl. United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland - meist verkürzt zu United Kingdom oder UK) ist eine konstitutionelle Monarchie im Nordwesten Europas. Der größte Inselstaat Europas besteht aus den Landesteilen England, Wales und Schottland auf der Insel Großbritannien und Nordirland auf der Insel Irland. __TOC__ Im deutschen Sprachraum wird der Name oft auf Vereinigtes Königreich, entsprechend den amtlichen Kurzformen verkürzt. Die Bezeichnung Großbritannien wird ugs. oft als Synonym verwendet, bezeichnet aber nur Teile der britischen Inseln, nämlich nur die Insel, auf der England, Wales und Schottland liegen, und nicht noch das benachbarte Nordirland. Die Bezeichnung England schränkt das Vereinigte Königreich noch mehr ein. Zwar ist England der größte und nach wie vor beherrschende Landesteil, aber eben nur ein Teil des Landes und der Insel. So würde sich ein Schotte oder Nordire selbst nicht als Engländer bezeichnen. Woher das „Groß“ in „Großbritannien“ stammt, wird im Französischen klar: „Großbritannien“ ist die „Grande-Bretagne“, im Unterschied zu der auch im Deutschen so genannten „Bretagne“. Die Bezeichnung Britannia hingegen stammt aus der Spätantike, nämlich aus dem Wortschatz der Urengländer, dem keltischen Brith, was buntfarbig oder gefleckt bedeutet. Offenbar war es dort einst Sitte, sich zu bemalen.

Geographie

Bretagne Der größte Teil Englands besteht aus flachen Ebenen. Eine imaginäre Linie zwischen den Flüssen Tees (bei Middlesbrough) und Exe (bei Exeter) unterteilt England in einen sehr flachen und in einen eher hügeligen Teil. Die wichtigsten Hügelzüge (Gebirgsketten) von Nord nach Süd sind die Cumbrian Mountains, die Pennines, der Peak District, die Cotswolds und die Chilterns. Die wichtigsten Flüsse sind Themse, Severn, Trent, Great Ouse und Humber. Die größten Städte sind London, Birmingham, Manchester, Sheffield, Liverpool, Leeds, Bristol und Newcastle-upon-Tyne. Wales ist abgesehen von einer flachen Ebene im Süden äußerst hügelig. Der höchste Berg, der Snowdon, ist 1.085 Meter hoch. Nördlich des Festlandes liegt die Insel Anglesey. Die größte Stadt ist Cardiff an der Südküste. Die Geographie Schottlands ist sehr unterschiedlich, mit den flachen Lowlands im Süden und Osten sowie den teils gebirgigen Highlands im Norden und Westen. Der Ben Nevis (1.344 Meter) ist der höchste Berg Großbritanniens. Es gibt zahlreiche lange und tiefe Meeresarme, Firths und Lochs. An der Nord- und Westküste gibt es eine stattliche Anzahl von Inseln, darunter die Hebriden, die Orkney- und die Shetlandinseln. Die größten Städte sind Edinburgh, Glasgow und Aberdeen. Nordirland umfasst den nordöstlichen Teil der Insel Irland. Das Gelände ist hügelig. Ziemlich exakt in der Mitte des Territoriums liegt der Lough Neagh, der größte Binnensee der Britischen Inseln. Die wichtigsten Städte sind Belfast und Derry. Siehe auch: Liste der Seen in Großbritannien, Liste der Berge in Großbritannien

Klima und Vegetation

Das Klima von Großbritannien und Nordirland variiert, ist jedoch gemäßigt. Es ist aufgrund des Golfstroms markant wärmer als in anderen Gebieten auf den gleichen Breitengraden (wie z. B. Polen). Allgemein ist das Klima im Süden wärmer und trockener als im Norden. Der Wind bläst hauptsächlich von Südwesten, vom Atlantischen Ozean her. Während mehr als der Hälfte des Jahres ist der Himmel bewölkt. Das Land ist relativ selten von Naturkatastrophen betroffen, vor allem im Winter können jedoch starke Sturmwinde und Überschwemmungen auftreten. Die Regenmenge beträgt im Norden durchschnittlich 1.000 mm pro Jahr, im Süden 700 mm. Die Grafschaft Essex ist die trockenste Gegend des Landes. Die jährliche Regenmenge beträgt hier nur 600 mm, obwohl an über 100 Tagen im Jahr Regen fällt. In manchen Jahren kann die Regenmenge nur 450 mm betragen, weniger als z. B. in Jerusalem oder Beirut. Der früher weit verbreitete Laub- und Mischwald ist wegen Raubbau und Landwirtschaft auf 8 % zurückgedrängt worden. Jetzt versucht man die Wälder wieder aufzuforsten. Die Gebirge sind mit Mooren und Heiden bedeckt.

Bevölkerung

Das Vereinigte Königreich hatte bei der letzten Volkszählung im Jahre 2004 60.294.000 Einwohner. Sie gliedert sich in Engländer (83,6 %), Schotten (8,6 %), Iren (2,9 %), Waliser (4,9 %) und Andere 7,9 %.

Sprachen

Das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland hat keine offizielle Amtssprache. Englisch ist jedoch de facto offizielle Sprache und wird von 95 % der Bevölkerung als einzige Sprache gesprochen. Als „Hochsprache“ gilt die so genannte Aussprachevariante der Received Pronunciation. Dieses Englisch wird auch in den meisten Schulen Deutschlands unterrichtet. Allerdings haben zwei Teilstaaten offizielle Sprachen: In Wales sind sowohl Englisch als auch Walisisch offizielle Sprachen. In Nordirland sind dies Englisch, Irisch und Ulster Scots. Zusätzlich wird in den Äußeren Hebriden die Schottisch-Gälische Sprache anerkannt. Daneben gibt es in Großbritannien diverse lokale Dialekte des Englischen, die aber keinen offiziellen Status haben und meist rein mündlicher Natur sind. Noch bis in die jüngste Vergangenheit hinein empfand man Dialekte und dialektal gefärbte Aussprache im klassenbewussten Königreich als sozialen Makel. Die Minderheitensprachen sind durch die Europäische Charta für Regional- und Minderheitensprachen anerkannt und geschützt. Walisisch genießt in Wales Gleichberechtigung mit Englisch; in Schottland ist dies Scots, in Cornwall die Kornische Sprache, in Nordirland das Ulster Scots. Die Gehörlosen verwenden die British Sign Language. Laut der Volkszählung von 2001 wird Walisisch von rund 20 % der Bevölkerung in Wales gesprochen (ca. 600.000 Menschen), schottisches Gälisch von rund 60.000 Menschen, Irisch von rund 20.000 Menschen (7 % der Bevölkerung Nordirlands) und Kornisch von 3.500 Menschen (etwa 0,6 % der Bevölkerung von Cornwall). Schreibweise des Landesnamens in den offiziell anerkannten Sprachen:
- United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland (Englisch)
- Teyrnas Unedig Prydain Fawr a Gogledd Iwerddon (Walisisch)
- An Rìoghachd Aonaichte na Breatainn Mhòr agus Eirinn a Tuath (schottisches Gälisch)
- Ríocht Aontaithe na Breataine Móire agus Thuaisceart Éireann (Irisch)
- An Rywvaneth Unys a Vreten Veur hag Iwerdhon Glédh (Kornisch)
- Unitit Kinrick o Great Breetain an Northren Ireland (Scots)

Minderheiten

Es gibt mehrere ethnische Minderheiten im Vereinigten Königreich, die ca. 7,9 % der Bevölkerung ausmachen. Zu über 50 % sind ihre Angehörigen im Vereinigten Königreich selbst geboren worden. Der relativ große Anteil dieser Minderheiten erklärt sich aus der Einwanderung einer großen Anzahl von Bewohnern ehemaliger britischer Kolonien in der Karibik und des indischen Subkontinents, vor allem in den 1950ern und den 1960ern. Es gibt folgende Hauptminderheiten: Karibischer oder afrikanischer Abstammung („Black Caribbean“ bzw. „Black African“ - über 1,1 Millionen) Der Großteil der eingewanderten Westinder kam in den 1950ern, in der Hoffnung auf Arbeit und um der schlechten Lebensqualität in ihren Heimatländern zu entfliehen. Die meisten kamen aus Jamaika, Trinidad und Tobago und Dominica. Bei der letzten Volkszählung 2001 wurden 1.148.738 Menschen gezählt (davon 565.876 aus dem karibischen Raum und 485.277 aus Afrika), was etwa 2,1 % der Gesamtbevölkerung entspricht. Inder (über 1 Million - 2001) Die Inder stellen die größte Einwanderergruppe aus einem einzigen Land. Ihr Anteil an der Bevölkerung beträgt 1,8 %. Bei der letzten Volkszählung (2001) wurden 1.053.411 Menschen gezählt. Obwohl sie als eine einzige Minderheitengruppe zusammengefasst werden, gibt es weitere Unterschiede innerhalb derselben. 45 % der britischen Inder sind Hindus, die Sikhs folgen mit 29 % und an dritter Stelle die indischen Moslems mit 13 %. Diverse Gründe haben die Inder dazu veranlasst, nach Großbritannien auszuwandern; neben wirtschaftlichen Gründen wie Armut, Arbeitssuche oder dem Wunsch nach einem höheren Lebensstandard spielt auch politische Verfolgung eine Rolle. Pakistaner (747.285 - 2001) Pakistaner sind die zweitgrößte südasiatische Minderheit in Großbritannien. Sie kamen mit Seefahrern nach Großbritannien und suchten dort für kurze Zeit Arbeit, um Geld für ihre Familien zu verdienen, und fuhren dann wieder zurück nach Pakistan. Viele von ihnen aber blieben in Großbritannien. Der größte Teil der Pakistaner sind Anhänger des Islam. Bengalen (283.063 - 2001) Die Bengalen gehören ebenso wie die Inder und Pakistaner zu den sogenannten „Asian or Asian British People“. Die Gründe für ihre Einwanderung waren der Bürgerkrieg und die Abspaltung Bangladeschs von Pakistan 1971 ebenso wie die der Suche nach Arbeit und die Hoffnung auf einen höheren Lebensstandard. Die meisten Bengalen sind ebenfalls Muslime. Chinesen (247.403 - 2001) Ein Großteil der chinesischen Einwanderer in Großbritannien wanderte nach dem Zweiten Weltkrieg ein, vor allem aufgrund des Preisverfalls von Reis in Hongkong. Im Jahre 2001 lebten 247.403 Chinesen in Großbritannien, was 0,4 % der Gesamtbevölkerung entspricht. Heutzutage gehören die Chinesen zu den bestverdienenden und bestausgebildeten Einwohnern Großbritanniens. Sinti & Roma (ca. 120.000) Unter dem englischen Begriff „Gypsy“ oder „Traveller“ versteht man eine Vielzahl ethnischer Minderheiten. Die Minderheit, die den traditionellen „Zigeunern“ in ihrer Lebensweise am nächsten kommt, sind die