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| Oranien-Nassau |
Oranien-NassauOranien ist der Name des regierenden Königshauses der Niederlande.
Ursprünglich stammt der Name Oranien von der burgundischen Grafschaft Oranien, dem späteren Fürstentum Orange, in der Rhôneebene im heutigen Frankreich.
Begründung des Hauses Oranien-Nassau
Der Sage nach wird die Stadt Orange im südfranzösischen Departement Vaucluse um das Jahr 800 von einem Wilhelm (Guilhelm d'Orange) eingenommen, er ist Lehensmann von Kaiser Karl dem Großen und gilt demnach als einer der Stammväter des Hauses Oranien-Nassau. Dieser Guilhem d'Orange wird ebenfalls mit Guilhem de Toulouse oder Wilhelm von Aquitanien und Saint-Guilhem (siehe Saint-Guilhem-le-Désert) in Verbindung gebracht.
Fürstentum
1163 wird die Grafschaft von Kaiser Friedrich I. Barbarossa zum Fürstentum erhoben. Über die Geschlechter Montpellier und Baux kommt das kaum 300 Quadratkilometer große Fürstentum Anfang des 15. Jahrhunderts zum Hause Châlon. Der französische König Franz I. annektiert das Fürstentum und der letzte aus dem Hause Châlon, Philibert von Châlon, wird von 1524 bis 1526 gefangengehalten. Philibert nimmt danach als Feldherr Kaiser Karls V. am Sacco di Roma teil, verteidigt später Neapel gegen die Franzosen und bekommt als Belohnung 1529 sein Fürstentum zurück. Philibert stirbt mit 28 Jahren kinderlos. Seine Schwester Claudia von Châlon ist mit Heinrich III. von Nassau verheiratet (die Nassauer sind bereits im Besitz von großen Teilen der Niederlande). Der Sohn von Claudia und Heinrich, René, erbt das Fürstentum. Bevor René auch ohne rechtmäßigen Erben stirbt, benennt er seinen Cousin Wilhelm als Erben, der sich dadurch Prinz von Oranien nennen darf. Bedingung von Kaiser Karl V. ist jedoch, dass Wilhelm an seinem Hof in Brüssel katholisch erzogen wird.
Wilhelm III. von England
Als Wilhelms Urenkel Wilhelm III. (zusammen mit Maria Stuart König und Königin von England) 1702 kinderlos stirbt, wird das Fürstentum an seinen Cousin Johann Wilhelm Friso von Nassau-Diez († 1711) vererbt. Jedoch erhebt auch der König von Preußen Friedrich I. als näherer männlicher Verwandter von Wilhelm I. von Oranien (sowohl Friedrichs Mutter Luise Henriette von Oranien als auch Friedrichs Großmutter väterlicherseits Elisabeth Charlotte von der Pfalz waren Enkelinnen Wilhelms I.) Anspruch auf den Titel.
Oranien fällt an Frankreich
Nach einigem Hin und Her kommt das Gebiet des Fürstentums 1713 endgültig an Frankreich, Titel und Wappen fallen an den preußischen König Friedrich I. 1733 erwerben zusätzlich die Nassauer wieder das Recht auf Titel und Wappen, daher gibt es heute auch zwei „Prinzen von Oranien“, nämlich den Thronfolger des Hauses Oranien-Nassau, z.Zt. (2004) Willem-Alexander und den Chef des Hauses Hohenzollern, z.Zt. (2004) Georg Friedrich Ferdinand.
Der Sohn von Johann Wilhelm Friso, Wilhelm IV. († 1751) wurde 1747 Erbstatthalter aller niederländischen Provinzen, vereinigte somit nochmals alle deutschen und niederländischen Besitzungen des Hauses und führte zuerst den Titel eines Fürsten von Oranien und Nassau. Der Enkel des vorherigen wurde 1815 als Wilhelm I. König der Niederlande.
Siehe auch
Haus Nassau, Mitglieder des Königshauses, Genealogisches Handbuch des Adels, Dillenburg
Kategorie:Adelsgeschlecht
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Niederländisches KönigshausDem Niederländischen Königshaus gehören per Definition sowohl das regierende, wie auch das zurückgetretene Staatsoberhaupt sowie die Mitglieder der Königlichen Familie, die für die Thronfolge in Frage kommen, an.
Ehepartner der Mitglieder des Königshauses zählen ebenfalls zum Königshaus.
Mitglieder
Zur Zeit besteht das Königshaus aus folgenden Personen:
(Die Ziffer bezeichnet den Rang in der Thronfolge)
- Königin Beatrix ∞ Prinz Claus († 2002)
: - Prinz Willem-Alexander (1. Sohn der Königin) (1)
:: - Prinzessin Máxima (Ehefrau von Prinz Willem-Alexander)
::: - Prinzessin Catharina-Amalia (Tochter von Willem-Alexander und Máxima) (2)
::: - Prinzessin Alexia (Tochter von Willem-Alexander und Máxima) (3)
: - Prinz Constantijn (3. Sohn der Königin) (4)
:: - Prinzessin Laurentien (Ehefrau von Prinz Constantijn)
::: - Gräfin Eloise Sophie Beatrix Laurence (geb. 8. Juni 2002 in Den Haag) (5)
::: - Graf Claus-Casimir Bernhard Max Marius (geb. 21. März 2004 in Den Haag) (6)
- Prinzessin Margriet (Schwester der Königin) (7)
: - Pieter van Vollenhoven (Ehemann von Prinzessin Margriet)
:: - Prinz Maurits Willem Pieter Hendrik (1. Sohn von Margriet und Pieter van Vollenhoven) (8)
::: - Prinzessin Marilène (Ehefrau von Prinz Maurits)
:::: - Anastasia (Anna) Margriet Joséphine (geb. 15. April 2001 in Amsterdam)
:::: - Lucas Maurits Pieter Henri (geb. 26. Oktober 2002 in Amsterdam)
:::: - Felicia Juliana Bénedicte Barbara (geb. 31. Mai 2005 in Amsterdam)
:: - Prinz Bernhard Lucas Emanuel (Bernhard jr.) (2. Sohn von Margriet und Pieter van Vollenhoven) (9)
::: - Prinzessin Annette (Ehefrau von Prinz Bernhard jr.)
:::: - Isabella Lily Juliana (geb. 14. Mai 2002 in Amsterdam)
:::: - Samuel Bernhard Louis (geb. 25. Mai 2004 in Amsterdam)
Ehemalige Mitglieder
- Prinz Claus (Ehemann der Königin), starb am 6. Oktober 2002
- Königin Juliana (Mutter der Königin), starb am 20. März 2004
- Prinz Johan Friso (2. Sohn der Königin), heiratete am 24. April 2004 ohne Zustimmung der Regierung Mabel Wisse Smit und verlor infolgedessen seinen Platz in der Thronfolgerreihe.
- Prinz Bernhard (Vater der Königin), starb am 1. Dezember 2004
- Gräfin Emma Luana Ninette Sophie (Tochter von Prinz Johan Friso von Oranien-Nassau und Mabel Wisse Smit), geb. am 26. März 2005 in London
- Prinz Pieter-Christiaan Michiel (3. Sohn von Margriet und Pieter van Vollenhoven), seit dem 25. August 2005 mit Anita T. van Eijck verheiratet. Da für die Ehe keine Genehmigung eingeholt wurde, verlor der Prinz seinen Anspruch auf eine eventuelle Thronfolge.
- Prinz Floris Frederik Martijn (4. Sohn von Margriet und Pieter van Vollenhoven), seit dem 20. Oktober 2005 mit Aimée Söhngen verheiratet. Auch er holte keine Genehmigung ein und schied damit aus dem Königshaus aus.
Weblinks
- [http://www.koninklijkhuis.nl Website des Niederländischen Königshauses] (nl, en)
Niederlande
Die Niederlande (niederländisch Nederland) sind Teil des Königreichs der Niederlande in Westeuropa. Sie sind einer der am dichtesten besiedelten Staaten der Welt. Rund ein Viertel des Landes liegt unterhalb des Meeresspiegels und ist mit rund 3.000 km Deichen geschützt.
Im deutsch- und englischsprachigen Raum wie auch in den Niederlanden selbst wird anstelle der offiziellen und korrekten Bezeichnung Niederlande umgangssprachlich häufig der Name Holland für das gesamte Staatsgebiet verwendet. Diese Bezeichnung stammt von der alten Grafschaft Holland her und bezieht sich eigentlich nur auf die heutigen Provinzen Nord- und Südholland. - Siehe dazu auch die Rubrik "Die Niederlande im deutschen Sprachgebrauch" am Seitenende.
Geografie
Räumliche Lage
Das ganze Landes liegt weniger als einen Meter über, einige Gebiete sogar unterhalb des Meeresspiegels.
Der höchste Punkt des Landes, der Vaalserberg im Südosten, befindet sich 322 m über dem Amsterdamer Pegel, dort liegt auch gleichzeitig das Dreiländereck zu Deutschland und Belgien. Die flachen Gebiete werden in der Regel durch Deiche vor Sturmfluten geschützt.
Teile der Niederlande, wie zum Beispiel fast die gesamte Provinz Flevoland, wurden durch Landgewinnung dem Meer abgewonnen. Sie werden als Polder bezeichnet.
Ungefähr ein Fünftel (18,41 %) der Landesfläche ist mit Wasser bedeckt, wovon den größten Teil das IJsselmeer ausmacht, eine ehemalige Nordsee-Bucht, die 1932 durch einen 29 km langen Abschlussdeich eingepoldert wurde.
Die wichtigsten Flüsse in den Niederlanden sind der Rhein, die Waal und die Maas.
Maas
Die Hauptwindrichtung in den Niederlanden ist Südwest, daraus resultiert ein gemäßigtes maritimes Klima mit kühlen Sommern und milden Wintern.
Siehe auch: Niederländische Inseln, Westfriesische Inseln
Nachbarländer
Die Niederlande grenzen im Westen und Norden an die Nordsee, im Osten an Deutschland und im Süden an Belgien.
Siehe auch: Städte in den Niederlanden
Bevölkerung
Die Niederlande sind mit etwa 480 Einwohnern pro Quadratkilometer Landfläche eines der am dichtesten besiedelten Länder der Welt (zum Vergleich: Deutschland 236, Monaco 16.435, Namibia 2).
Niederländisch ist die Amtssprache im gesamten Staat; daneben werden niederdeutsche Mundarten gesprochen. Das Friesische ist Amtssprache in der Provinsje Fryslân und dort auch Rundfunk- und Verwaltungssprache. Im Nordosten werden niedersächsische Dialekte gesprochen, im Südosten hochdeutsche Mundarten.
In den Niederlanden wohnen Einwanderer aus der ganzen Welt: Indonesien, Karibik, Südamerika, Afrika, Türkei, Polen etc.
Die wichtigsten Religionen (Stand: 2002) sind der Katholizismus (31 %), der Protestantismus (21 %) und der Islam (5,5 %). Die meisten Protestanten gehören einer calvinistischen Kirche an.
40 % der Niederländer fühlen sich keiner Religionsgemeinschaft zugehörig.
Die katholische Bevölkerung lebt vor allem im Süden, die protestantische vor allem im Norden des Landes.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte der Niederlande
Nach der Aufteilung des Frankenreiches gehörten die niederen Lande zum ostfränkischen Königreich (Regnum Teutonicae) und danach zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Unter Kaiser Karl V., der zugleich spanischer König war, war das Land in siebzehn Provinzen aufgeteilt und umfasste auch den Großteil des heutigen Belgiens. Nach der Unabhängigkeitserklärung der sieben nördlichen Provinzen (Allianz von Utrecht) vom 23. Januar 1579 und dem folgenden Achtzigjährigen Krieg gegen die spanischen Habsburger wurde die formelle Unabhängigkeit von Spanien im Westfälischen Frieden am 15. Mai 1648 besiegelt, der, gleichzeitig mit der Schweiz, zur Trennung vom mittelalterlichen deutschen Reich führte. Dieses Datum gilt als Geburtstag der heutigen Niederlande.
In der Folge wuchsen die Niederlande (de nederen duitsche landen) als Republik der Vereinigten Niederlande, zu einer der größten See- und Wirtschaftsmächte des 17. Jahrhunderts. Während dieser Zeit wurden Kolonien und Handelsposten auf der ganzen Welt errichtet. Bekannt ist die Gründung von Nieuw Amsterdam, welches später in New York umbenannt wurde. In Asien schufen die Niederländer ihr Kolonialreich 'Nederlands-Indie', das heutige Indonesien, welches erst 1946 unabhängig wurde. Auch im nordöstlichen Südamerika (Surinam) und der Karibik entstanden Niederländische Kolonien (Aruba, Curaçao), (Bonaire), (Saba), (St. Eustatius) und (St. Maarten); diese Inseln sind heute stiller Teil der niederländischen Monarchie (Königreich).
1796 wurde mit französischer Unterstützung die Batavische Republik gegründet (benannt nach dem germanischen Stamm, der das Gebiet zwischen Rhein und Maas zuerst besiedelt hatte, den Batavern); 1806 machte Napoleon daraus das Königreich Holland.
Nach der Einverleibung durch Frankreich unter Napoleon I. wurde 1815 das Königreich der Niederlande gegründet, das auch das heutige Belgien umfasste. Erster König wurde Wilhelm I. aus dem Haus Oranien-Nassau. Belgien und damit das die niederfränkischen Flandern erlangte nach der belgischen Revolution von 1830 seine Unabhängigkeit, die allerdings erst 1839 von Wilhelm I. anerkannt wurde.
Der niederländische König war gleichzeitig Großherzog von Luxemburg, wo das Salische Gesetz kein weibliches Staatsoberhaupt zuließ. Als Wilhelm III. bei seinem Tod 1890 nur eine Tochter (Königin Wilhelmina) hinterließ, ging der Luxemburger Thron auf eine andere Erbfolgelinie im Haus Nassau über und Wilhelms Vetter Adolf von Nassau übernahm dort die Regierung.
Die Niederlande blieben im Ersten Weltkrieg offiziell neutral und konnten sich auch erfolgreich aus dem Krieg halten. Sie hielten ihre Truppen aber dennoch bis zum Kriegsende mobilisiert und hatten überdies mit einer großen Flüchtlingswelle zu tun.
Auch im Zweiten Weltkrieg versuchte die niederländische Regierung zunächst, sich aus dem Krieg herauszuhalten. Anderslautenden Warnungen glaubte sie nicht. Hitler jedoch befahl die Okkupation der Niederlande um so Frankreich unter Umgehung der "Maginot Linie" von Norden her einnehmen zu können. Nach dreitägigem Kampf zwangen die deutschen Truppen am Abend des 14.Mai 1940 die Niederlande mit dem Bombardement von Rotterdam zur Aufgabe. Die Innenstadt wurde durch Bomben und durch die anschließenden Brände weitgehend zerstört. Es war das erste Flächenbombardement im zweiten Weltkrieg. Die Niederlande waren von Mai 1940 bis Mai 1945 besetzt. Viele Niederländer arrangierten sich mit dem Regime und viele Mitläufer verinnerlichten auch die Ideologie eines großdeutschen bzw. großgermanischen Reiches. Die Judenverfolgung schlug in den Niederlanden besonders heftig zu: aus keinem anderen europäischen Land wurde ein so großer Bevölkerungsanteil abtransportiert. Noch immer ist die Rolle niederländischer Verwaltungsstellen und etwa der Niederländischen Eisenbahn beim Abstransport der Juden nicht restlos geklärt. Die Bevölkerung hatte aber mehrheitlich unter der Besatzung zu leiden und auch unter der Judenverfolgung (Anne Frank). Der südliche Teil der Niederlande wurde in der zweiten Hälfte des Jahres 1944 von den Alliierten befreit, der Norden des Landes erst durch das Kriegsende. 1949 kam die westdeutsche Stadt Elten (bei Kleve) mit Umgebung bis 1963 unter niederländische Verwaltung. Deren Bewohner blieben formal bundesdeutsche Staatsbürger, erhielten allerdings niederländische Pässe und wurden auch niederländischen Staatsbürgern rechtlich gleichgestellt. Forderungen nach Angliederung von Teilen des Münsterlandes und des grenznahen Rheinlandes an die Niederlande, deren Bürger niedersächsische und niederfränkische Dialekte - ebenso wie in den Niederlanden - sprachen, konnte sich in den Niederlanden letztlich jedoch nicht durchsetzen.
Im Februar 1953 verheerte eine Sturmflut den Südwesten der Niederlande und forderte 1800 Tote.
Die Niederlande sind Gründungsmitglied der Benelux-Wirtschaftsunion (seit 1944 geplant, am 3. Februar 1958 festgelegt und am 1. November 1960 in Kraft getreten). Sie waren ebenfalls Mitbegründer der NATO und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (und damit der Europäischen Union).
In der jüngsten Vergangenheit stand das multikulturelle politische Toleranzmodell der Niederlande auf dem Prüfstand. Ihre liberale Politik machte den Weg auch für eingewanderte radikale Islamisten und so genannte Hassprediger frei: Am 2. November 2004 kam es zum Mord an dem Regisseur Theo van Gogh. Die Folge des Mordes waren Anschläge auf Moscheen und Hassbekundungen gegen muslimische Bürger. Große Bevölkerungsteile fordern seither eine rigorose Politik gegen gewalttätige Einwanderer und eine Änderung der zu liberalen Einwanderungspolitik. Zahlreiche Politiker können seither nur noch unter Polizeischutz arbeiten und werden weiterhin von Islamisten bedroht.
Politik
Seit dem Ende der französischen Revolution im Jahre 1815 sind die Niederlande eine konstitutionelle Monarchie mit dem Königshaus Oranien-Nassau an der Spitze. Es herrscht allgemeines Wahlrecht ab 18 Jahren.
Staatsoberhaupt
Staatsoberhaupt seit 1980 ist Königin Beatrix von Oranien-Nassau.
Gemäß der Verfassung ist sie Mitglied der Regierung und ernennt die Minister. In der Praxis lässt sie nach Wahlen einen informateur (meist ein hoher Beamter) die Parlamentsfraktionen befragen. Nach dessen Berichterstattung bestellt die Königin einen formateur, der das Kabinett zusammenstellt. Dabei kann es sich bereits um den künftigen Ministerpräsidenten handeln.
Parlament
Das Parlament (Staten-Generaal, Generalstände) besteht aus zwei Kammern.
Die Wahl der 150 Mitglieder der Zweiten Kammer (Tweede Kamer) findet im Normalfall alle vier Jahre statt. Diese Kammer ist das Parlament im eigentlichen Sinne, als Volksvertretung und Kontrolle der Regierung.
Die Erste Kammer (Eerste Kamer), inoffiziell auch Senat genannt, setzt sich aus 75 Vertretern der Provinzparlamente zusammen, die ebenfalls alle vier Jahre gewählt werden. Die Arbeit der Ersten Kammer besteht vor allem in der Begutachtung von Gesetzen, die die Zweite Kammer erarbeitet hat; unter Umständen kann die Erste Kammer ein Gesetz durch ein Veto blockieren.
Der heutige Ministerpräsident Jan Peter Balkenende von den Christdemokraten ist seit 2002 im Amt.
Parteien
- Christlich-Demokratischer Apell/CDA (christlich-konservativ)
- Partei der Arbeit/PvdA (sozialdemokratisch)
- Volkspartei für Freiheit und Demokratie/VVD (liberal-konservativ)
- Sozialistische Partei/SP (links)
- Liste Pim Fortuyn/LPF (rechtspopulistisch)
- Grüne Linke/GL (ökologisch und sozialistisch)
- Democraten 66/D66 (sozial-liberal)
- Christen Union/CU (extrem christlich-konservativ)
- Staatskundig Reformierte Partei/SGP (extrem christlich-konservativ)
- Neue Kommunistische Partei der Niederlanden/NCPN (kommunistisch)
Siehe auch: Liste der niederländischen Ministerpräsidenten
Gesellschaftspolitik
In den letzten Jahrzehnten wurden die Niederlande unter anderem für ihre liberale gesetzliche Reglementierung weicher Drogen (siehe Coffee Shop), der Prostitution (sie ist ein gesetzlich anerkanntes Gewerbe und Prostituierte sind daher sozialversichert), von Abtreibung und Sterbehilfe bekannt. Die Niederlande gehörten auch zu den ersten Staaten, die die Ehe für Homosexuelle ermöglichten.
Mit Ausnahme der so genannten Randstad (Amsterdam, Rotterdam und Den Haag) hinken Offenheit und Toleranz in der Bevölkerung der eigenen liberalen Gesetzgebung jedoch noch Jahrzehnte hinterher und die Intoleranz wird hinter der vor allem in den Medien und der Politik demonstrativ vorgetragenen Political Correctness versteckt. So ist es in einigen Teilen des Landes um die Akzeptanz offen gelebter Homosexualität weit schlechter bestellt als in den meisten Teilen Deutschlands und oftmals finden verbale oder gar gewalttätige Übergriffe gegenüber Homosexuellen statt.
Am 2. November 2004 wurde der islamkritische Filmregisseur Theo van Gogh in Amsterdam ermordet. In Folge kam es zu Brandanschlägen auf Moscheen und zu moslemischen Übergriffen auf Kirchen. Die Vorfälle lösten heftige Diskussionen über die Integration von Ausländern und über das Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen aus.
Militär
Es besteht keine allgemeine Wehrpflicht. Die Streitkräfte umfassen insgesamt 53.130 Personen, davon entfallen auf das Heer 23.150, auf die Luftwaffe 11.050 und auf die Marine 12.130 Soldaten. Die Militärausgaben betragen 1,6 % des BIP (zum Vergleich, Deutschland: 1,5 %, USA: 3,4 %). Die Führung des niederländischen Heeres ("Koninklijke Landmacht") ist durch das 1. D/NL-Korps eng mit der Deutschen Bundeswehr verzahnt.
Provinzen
1579 mit sieben Provinzen begonnen, kamen später die sogenannten Generalitätslande (NL: generaliteitslanden) als Provinzen Nord-Brabant und Limburg hinzu. Drenthe wurde ebenfalls eine eigene Provinz, und die dominierende Provinz Holland wurde 1840 aufgespalten in Nord-Holland und Süd-Holland. Die jüngste Provinz ist Flevoland, das erst 1986 als Provinz gegründet wurde. Seit dem 1. Januar 1986 gliedern sich die Niederlande in 12 Provinzen (NL: provincies).
Die Provinzen wiederum gliedern sich in 483 Gemeinden (gemeenten).
Wirtschaft
Hauptartikel: Wirtschaft der Niederlande
Die Niederlande haben ein gut funktionierendes, offenes Wirtschaftssystem.
Seit den 1980er Jahren hat die Regierung ihre ökonomischen Eingriffe weitgehend zurückgenommen.
Beim produzierenden Gewerbe dominieren Nahrungsmittel- und chemische Industrie, Erdölraffinerien und die Herstellung von Elektrogeräten.
Lange vor seinen europäischen Nachbarn sorgte das Land für einen ausgewogenen Staatshaushalt und bekämpfte erfolgreich die Stagnation im Arbeitsmarkt.
Die moderne und hoch technologisierte Landwirtschaft ist außerordentlich produktiv: neben Getreide-, Gemüse-, Früchte- und Schnittblumenanbau - die Tulpenzüchtung beeinflusste sogar die Geschichte des Landes - gibt es noch Milchviehhaltung in großem Maßstab. Letztere liefert die Grundlage für den Holländer Käse als wichtiges Exportprodukt.
Die niederländische Landwirtschaft beschäftigt knapp unter 4 % der Arbeitnehmer, trägt jedoch erheblich zum Export bei. Die Niederlande sind nach den USA und Frankreich der weltweit drittgrößte Exporteur landwirtschaftlicher Erzeugnisse.
Als Mitbegründer der Euro-Zone wurde in den Niederlanden für Bankgeschäfte am 1. Januar 1999 die vorherige Währung, der Gulden, durch den Euro ergänzt.
Drei Jahre später, am 1. Januar 2002, ersetzen die Euromünzen und -banknoten für die Konsumenten den Gulden als Zahlungsmittel.
Naturressourcen
Die Niederlande verfügen über Erdgaslager, aus denen nahe Groningen sowie in der südlichen Nordsee in großem Maßstab gefördert wird. 1996 wurden 75,8 Mrd. m³ (nach BP) gefördert. Damit stehen die Niederlande im Ländervergleich bei der Erdgasförderung auf Platz fünf, nach Russland (561,1 Mrd. m³), USA (546,9 Mrd. m³), Kanada (153,0 Mrd. m³) und Großbritannien (84,6 Mrd. m³). Weiterhin gibt es an der emsländischen Grenze kleinere Erdölreserven und größere Salzlagerstätten bei Delfzijl und Hengelo. Abgesehen von Torf (u. a. im Bourtanger Moor) verfügen die Niederlande über keine weiteren nennenswerten Bodenschätze.
Kultur
Feiertage
Malerei
Viele weltberühmte Maler waren Niederländer.
Die Blütezeit der Republik im 17. Jahrhundert, das sogenannte Goldene Zeitalter brachte große Künstler wie Rembrandt van Rijn, Johannes Vermeer, Frans Hals, Carel Fabritius, Gerard Dou, Paulus Potter oder Jan Steen hervor.
Berühmte Maler späterer Epochen waren Vincent van Gogh und Piet Mondriaan. M. C. Escher ist ein bekannter Grafiker.
Architektur
Niederländische Architekten gaben wichtige Impulse für die Architektur des 20. Jahrhunderts. Hervorzuheben sind vor allem Hendrik Petrus Berlage und die Architekten der De Stijl-Gruppe (Robert van't Hoff, J.J.P. Oud, Gerrit Rietveld). Johannes Duiker war ein Vertreter des Neuen Bauens. Die sogenannte Amsterdamer Schule (Michel de Klerk) leistete einen bemerkenswerten Beitrag zur expressionistischen Architektur.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg traten innovative niederländische Architekten hervor. Aldo van Eyck und Herman Hertzberger prägten die Architekturströmung Strukturalismus. Piet Blom wurde durch seine eigenwilligen Baumhäuser bekannt.
Wissenschaft
Aus den Niederlanden stammten Erasmus von Rotterdam, Baruch Spinoza und Christiaan Huygens. René Descartes verbrachte den Großteil seiner Schaffenszeit in den Niederlanden. Überhaupt fanden seit der frühen Neuzeit zahlreiche verfolgte Wissenschaftler in den Niederlanden Asyl und Wirkungsmöglichkeiten.
Die moderne Soziologie verdankt ihrem niederländischen Begründer S. Rudolf Steinmetz bedeutende Anregungen.
Literatur
Im "Goldenen Zeitalter" (De Gouden Eeuw) der Niederlande blühte neben der Malerei auch die Literatur, als bekannteste Vertreter wären Joost van den Vondel und P. C. Hooft zu nennen.
Wichtige Autoren im 20. Jahrhundert waren Harry Mulisch, Jan Wolkers und Simon Vestdijk.
Und während der deutschen Besatzung verfasste Anne Frank in Amsterdam ihr weltbekanntes Tagebuch.
Musik
Das niederländische Musikleben war im Bereich der klassischen Musik lange Zeit nicht auf dem Niveau anderer europäischer Staaten organisiert. Erst Ende des 19. Jahrhunderts fand eine Professionalisierung statt und es bildeten sich zahlreiche Orchester und Kammerensembles. Wichtige Komponisten im 20. Jahrhundert sind Julius Röntgen, Willem Pijper, Mathijs Vermeulen, Louis Andriessen, Otto Ketting, Ton de Leeuw, Theo Loevendie, Misha Mengelberg, Tristan Keuris und Klaas de Vries (Liste niederländischer und flämischer Komponisten). Die wohl bekannteste niederländische Rockband Golden Earring hatte in den 1970er Jahren ihren größten Hit mit "Radar Love".
Die Niederlande haben eine sehr lebendige Musik-Szene auf hohem Niveau. Es gibt zahlreiche Veranstaltungslokale und in den Medien wird den Künstlern viel Raum gegeben. Seit einigen Jahren ist "nederlandstalige muziek", Musik in der Landessprache sehr erfolgreich. Die berühmtesten Pop/Rockbands sind Blof, die meistgespielte Band im niederländischen Radio der vergangenen Jahre, und [http://www.acdaendemunnik.nl/ Acda en de Munnik], ein Duo, das mit Kleinkunstprogrammen bekannt geworden ist. Noch höhere Plattenverkaufszahlen erzielen Schlagerkünstler, wie Marco Borsato und [http://www.fransbauer.nl/ Frans Bauer]. Bekannte niederländische Rapper sind Ali B und Lange Frans & Baas B.
Natursehenswürdigkeiten
- De Hollandse Biesbosch, eine Fluss- und Sumpflandschaft
- Keukenhof
- die Nationalparks De Hoge Veluwe und Veluwezoon in der Veluwe
- die Naturschutzgebiete auf Texel
- Reeuwijkse Plassen bei Gouda
- Schiermonnikoog
- Die Deltawerke Schutzwehre gegen Sturmfluten. Gebaut nach der Sturmflut von 1953
Landesübliche Küche
Das inoffizielle Nationalgericht Stamppot ist zumeist eine passierte Mischung aus Kartoffeln und Gemüse. Häufig wird dabei Grünkohl (niederl. Boerenkool) verwendet. Teilweise werden auch angebratene Zwiebeln mit Schinkenspeck untergemengt.
Eine regelrechte Snackbarkultur ist in den letzten Jahrzehnten entstanden. In diesen Fastfoodrestaurants erhält man Pommes Frites (niederl. Patat) mit Mayonnaise, Ketchup (auch gemischt mit Zwiebeln = special) oder Erdnusssoße (niederl. Pindasaus).
Letztere hat sich durch die Einflüsse der Kolonialzeit etabliert. Überhaupt sind indonesische Einflüsse in der niederländischen Küche kaum zu übersehen, auch wenn die meisten Gerichte dem holländischen Geschmacksempfinden angepasst wurden.
Neben den Pommes Frites werden in den Snackbars auch fritierte Fleisch- und Käsegerichte angeboten.
Eine wirkliche Einzigartigkeit stellt der "Hollandse Nieuwe" dar. Dabei handelt es sich um rohe Heringsfilets, die am Schwanz gehalten über Kopf verzehrt werden, und über viele wertgebende Inhaltsstoffe verfügen sollen.
International bekannt ist der niederländische Käse (niederl. Kaas), der sowohl als Brotbelag als auch in Stücke geschnitten verzehrt wird. Am weitesten verbreitet ist der Gouda, der seinen Ursprung in der gleichnamigen Stadt hat. Er ist in unterschiedliche Reifegrade eingeteilt. Jonger Kaas ist am kürzesten gelagert und schmeckt sahnig mild. Belegen ist die nächste Stufe mit einem würzigem Geschmack und einer festen Konsistenz. Oude Kaas ist die teuerste und aromatischste Lagerstufe. Besonders bekannt ist der "Oud Amsterdam".
Das niederländische Frühstück ist eher spärlich und besteht meist aus einem Brot und einer Tasse Kaffee. Mittags gibt es ebenfalls belegte Brote dazu Milch oder Buttermilch.
Die Hauptmahlzeit stellt das Abendbrot dar, welches aus warmen Speisen besteht und gegen fünf Uhr nachmittags eingenommen wird.
Die Niederlande im deutschen Sprachgebrauch
Der grammatikalisch richtige Gebrauch des Namens Niederlande ist vielen Sprechern nicht geläufig, was zu der fälschlichen Verwendung des Namens Holland beiträgt. Niederlande stellt eine Pluralform dar; vergleichbar mit den USA (die USA). Den Ländernamen gibt es im Singular nicht.
Die Deklinationstabelle lautet wie folgt:
- Nominativ Plural: die Niederlande
- Genitiv Plural: der Niederlande
- Dativ Plural: den Niederlanden
- Akkusativ Plural: die Niederlande
Beispielsätze
- Nominativ: Die Niederlande sind Mitglied der EU.
- Genitiv: Das Bruttosozialprodukt der Niederlande beträgt x Euro.
- Dativ: Deutschland hat den Niederlanden Hilfe versprochen.
- Akkusativ: Viele deutsche Touristen besuchen die Niederlande.
Bei Satzkonstruktionen mit in ist zu beachten, dass in sowohl mit richtungsanzeigendem Akkusativ als auch mit ortsanzeigendem Dativ gebraucht werden kann:
- Ich fahre in die Niederlande. (richtungsanzeigender Akkusativ)
- Ich bin in den Niederlanden. (ortsanzeigender Dativ)
Weitere Themen
- Tourismus in den Niederlanden
- Nationalparks in den Niederlanden
- Liste der Bahnhöfe in den Niederlanden
- Niederländische Kolonien
- Niederländisch-Indien
- Liste der Königinnen und Könige der Niederlande
- Liste bekannter Niederländer
- Portal:Niederlande
- Portal:Benelux
- Niederlandistik Über Niederländische Sprache und Kultur
Weblinks
- [http://www.government.nl Offizielle Netzpräsenz der Regierung der Niederlande (englisch)]
- [http://www.koninklijkhuis.nl/ Offizielle Netzpräsenz des niederländischen Königshauses]
- [http://www.niederlandenet.de NiederlandeNet.de: Größtes Informationsportal über die Niederlande und die deutsch-niederländischen Beziehungen in deutscher Sprache]
- [http://www.niederlandeweb.de Offizielle Netzpräsenz der niederländischen Botschaft und Generalkonsulate in Deutschland]
- [http://www.netherlands-embassy.at Offizielle Netzpräsenz der niederländischen Botschaft in Wien]
- [http://www.niederlande-im-unterricht.de Deutsches Unterrichtsmaterial über die Niederlande für diverse Fächer, ausgerichtet auf die Lehrpläne Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens]
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?land_id=123 Länder- und Reiseinformationen] des Auswärtigen Amtes - [http://www.datenmatrix.de/cgi-local/hdbg-karten/karten.cgi?action=detail&templ=01_01_karten_detail&id=29 Karte: Die Niederlande um 1620 : Historische Karten (Haus der Bayerischen Geschichte)]
Kategorie:Staat
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Kategorie:Monarchie
Kategorie:Land in der EU
als:Niederlande
[[got:
Fürstentum OrangeDie Grafschaft Orange, später das Fürstentum Orange, entstand um 800, als die Stadt Orange von einem Guilhelm eingenommen wurde. Im 11. Jahrhundert verselbständigte sich die Grafschaft, die bislang zur Grafschaft und später zur Markgrafschaft Provence gehört hatte.
Die Grafschaft kam teilweise durch Erbschaft (1182), teilweise durch Kauf (1289) an die Herren von Les Baux, nachdem Kaiser Friedrich Barbarossa einem Teil des Gebiets 1163 den Fürstentitel zuerkannt hatte.
1393 ging das rund 300 Quadratkilometer große Fürstentum an das Haus Chalon (eine Seitenlinie des Haus Ivrea-Burgund, die nach einem Erbfall Namen und Wappen der ursprünglichen Hauses Chalon angenommen hatte).
Der französische König Franz I. annektiert das Fürstentum und der letzte Fürst von Orange aus dem Hause Chalon, Philibert de Chalon, wurde von 1524 bis 1526 gefangengehalten. Philibert nahm danach als Feldherr Kaiser Karls V. am Sacco di Roma teil, verteidigte später Neapel gegen die Franzosen und bekam als Belohnung 1529 sein Fürstentum zurück, starb aber bereits im Jahr darauf im Alter von 28 kinderlos.
Seine Schwester Claude de Chalon war mit Heinrich III. von Nassau verheiratet (die Nassauer waren bereits im Besitz großer Teile der Niederlande), der Sohn des Paares, René, erbte das Fürstentum. Bevor er jedoch 1544 ebenfalls ohne Nachkommen starb, benannte er seinen Vetter Wilhelm I., als Erben, der sich dadurch Prince d’Orange (Fürst von Oranien) nennen durfte – unter der Bedingung Kaiser Karls V., dass er an dessen Hof in Brüssel katholisch erzogen wurde. 1560 konnte er das von Frankreich besetzte Fürstentum in Besitz nehmen, kurz bevor er zum Führer des Aufstands der Niederlande gegen Spanien wurde.
Als Wilhelms Urenkel Wilhelm III. (zusammen mit Maria Stuart König und Königin von England) 1702 kinderlos starb (Frankreich hielt das Land 1672-1697 und 1701-1702 erneut besetzt) , wurde das Fürstentum an seinen Vetter Johann Wilhelm Friso von Nassau-Diez († 1711) vererbt – und der seit 30 Jahren schwelende oranische Erbfolgestreit näherte sich seinem Ende, obwohl nun auch der König von Preußen Friedrich I. als näherer männlicher Verwandter Wilhelms I. von Oranien (sowohl Friedrichs Mutter Luise Henriette von Oranien als auch Friedrichs Großmutter väterlicherseits Elisabeth Charlotte von der Pfalz waren Enkelinnen Wilhelms I.) Anspruch auf den Titel erhob.
1713 fiel das Land nun endgültig an Frankreich und schied damit aus dem Heiligen Römischen Reich aus. Titel, Wappen hingegen sowie das Fürstentum Neuenburg, die Grafschaft Moers, der obere Teil des Herzogtums Geldern (Obergeldern) und die Grafschaft Lingen aus dem Besitz der Nassauer gingen an den preußischen König Friedrich I. 1733 erwarben die Nassauer zusätzlich wieder das Recht auf Titel und Wappen Oraniens, weswegen es heute zwei „Prinzen von Oranien“ gibt, zum einen den Thronfolger des Hauses Oranien-Nassau, zur Zeit (2005) Willem-Alexander, zum anderen den Chef des Hauses Hohenzollern, zur Zeit (2005) Georg Friedrich Ferdinand.
Grafen von Orange
- Renaud I., Graf von Orange
- Bertrand, dessen Sohn, um 1062
- Renaud II., dessen Sohn, † vor 1121
- Tiburtia I., dessen Tochter, † vor 1150, ∞
- Wilhelm I. de Montpellier († 1156), Herr von Aumelas
- Wilhelm II., deren Sohn, Graf von ½ Orange 1150-1160,
- Wilhelm III., dessen Sohn, Graf von ½ Orange 1160-1175
- Renaud IV., dessen Sohn, Graf von ¼ Orange 1175-1190, schenkt seinen Besitz dem Johanniterorden
- Tiburtia III., dessen Schwester, † vor 1180, schenkt ¼ Orange dem Johanniterorden
Der Johanniterorden verkauft seine Hälfte von Orange 1307 an Bertrand III. von Orange (siehe unten)
- Tiburtia II., Schwester Guillaumes I., Gräfin von ½ Orange 1173-1182, ∞ Bertrand des Baux († 1181)
Fürsten von Orange
- Wilhelm IV., deren Sohn, Graf von ½ Orange 1182-1219, nennt sich Fürst von Orange
- Wilhelm V., dessen Sohn, Fürst von ¼ Orange 1219-1239
- Wilhelm VI., dessen Sohn, Fürst von ¼ Orange 1239-1248
- Raimund V., dessen Bruder, Fürst von ¼ Orange ab 1248
- Bertrand II. des Baux, dessen Sohn, Fürst von ¼ Orange vor 1288, tauscht 1289 ¼ Orange gegen Courteson – Nachkommen: die Herzöge von Andria
- Raimund II., Bruder Wilhelm V., Fürst von ¼ Orange 1219-1282
- Bertrand III., dessen Sohn, Fürst von ¼ Orange 1282-1335, tauscht Courteson gegen ein weiteres ¼ Orange 1289, kauft 1307 die zweite Hälfte von Orange
- Raimund III., dessen Sohn, Fürst von Orange 1335-1340
- Raimund IV., dessen Sohn, Fürst von Orange 1340-1393
- Marie, dessen Tochter, Fürstin von Orange 1393-1417, ∞ Johann III. de Chalon-Arlai, Fürst von Orange 1393-1418
- Johann III. de Chalon-Arlai, Fürst von Orange 1393-1418, ∞ Marie, Fürstin von Orange 1393-1417, Tochter des Fürsten Raimund IV.,
- Ludwig genannt le Bon (der Gute), deren Sohn, Fürst von Orange 1418-1463, ∞ Johanna von Mömpelgard (Montbéliard), Erbin von Montfaucon
- Wilhelm VII., deren Sohn, Fürst von Orange 1463-1475
- Johann II. de Chalon, dessen Sohn, Fürst von Orange 1475-1477
- Philipp von Zähringen, Großneffe Louis’, Sohn des Markgrafen Rudolf V. von Hachberg, Fürst von Orange 1478-1482
- Johann II. Fürst von Orange (2. Mal) 1482-1502
- Philibert de Chalon, dessen Sohn, Fürst von Orange 1502-1522, abgesetzt
- Gaspard II. de Coligny, Fürst von Orange 1522-1526
- Philibert, Fürst von Orange (2. Mal) 1526-1530
- Claude de Chalon, dessen Schwester, ∞ Heinrich III. von Nassau-Breda
- Renatus, deren Sohn, Fürst von Orange 1530-1544
- Wilhelm I., dessen Vetter und Testamentserbe, Fürst von Orange 1544-1584, Statthalter von Holland und Seeland
- Philipp Wilhelm, dessen Sohn, Fürst von Orange 1584-1618,
- Moritz, dessen Bruder, Fürst von Orange 1618-1627, Statthalter von Holland und Seeland
- Friedrich Heinrich, dessen Bruder, Fürst von Orange 1627-1647, Statthalter von Holland und Seeland
- Wilhelm II., dessen Sohn, Fürst von Orange 1647-1650, Statthalter von Holland und Seeland
- Wilhelm III., dessen Sohn, Fürst von Orange 1650-1702, Statthalter von Holland und Seeland, 1688 König von England
- Johann Wilhelm Friso, Großneffe Wilhelms II., Fürst von Orange 1702-1711, Statthalter von Friesland 1702-1711
- Wilhelm IV., dessen Sohn, Fürst von Orange 1711-1751, Erbstatthalter der Niederlande 1747-1751
- Wilhelm V., dessen Sohn, Fürst von Orange 1751-1806, Erbstatthalter der Niederlande 1751-1795
- Wilhelm VI., dessen Sohn, Fürst von Orange 1806-1815, König Wilhelm I. der Niederlande 1815-1840
Als niederländischer Thronfolger
- Willem (Wilhelm II.) (1815-1840, Titel abgegeben bei der Thronbesteigung)
- Willem (Wilhelm III.) (1840-1849, Titel abgegeben bei der Thronbesteigung)
- Willem, ältester Sohn von Wilhelm III. aus seiner ersten Ehe (1849-1879)
- Alexander, zweiter Sohn von Wilhelm III. aus seiner ersten Ehe (1879-1884)
- Willem-Alexander (seit 1980), Kronprinz
Kategorie:Historisches Territorium
Kategorie:Frankreich
Rhône
Die Rhône (im deutschsprachigen Teil des Wallis auch Rhone oder Rotten) ist ein 812 km langer europäischer Fluss und der zweitlängste und wasserreichste Strom Frankreichs.
Die Rhône entspringt in der Schweiz am Rhonegletscher und mündet in Frankreich in der Nähe der Städte Arles und Marseille unter Bildung eines Deltas ins Mittelmeer. Der eigentliche deutsche Name der Rhône, Rotten, ist nur noch im Oberwallis in Gebrauch, meist in der Form Rottu (vgl. Radio Rottu. Das grammatikalische Geschlecht des Flusses ist im Lateinischen ("Rhodanus"), Französischen ("le Rhône") und im Walserdeutschen ("der Rotten") männlich, was für Flüsse eher untypisch ist.
Nach dem Fluss ist auch das französische Département Rhône benannt.
Die Rhône entspringt dem Rhonegletscher im Nordosten des Kantons Wallis in der Schweiz und fließt anfangs von Ost nach West. In Martigny macht die Rhône einen markanten 90°-Bogen (das Rhône-Knie) und fließt Richtung Norden. Sie mündet in Bouveret in den Genfersee, den sie in Genf wieder verlässt. Anschließend fließt sie dem Jura entlang nach Süden bis Culoz, wo sie den Jura nach Westen durchbricht. Ab Lyon fließt sie von Nord nach Süd und mündet schließlich in der Nähe von Marseille in das Mittelmeer. Zwischen den beiden Mündungsarmen liegt die Camargue, bekannt durch ihre weißen Pferde, schwarzen Rinder sowie die Sumpf- und Wasservögel (vor allem Flamingos, Reiher und Ibisse).
Im klimatisch begünstigten Rhônetal werden viele Obstsorten kultiviert, so z.B. Pfirsiche, Kirschen, Aprikosen und Erdbeeren.
Berühmt ist das Tal der Rhône auch für seine Weinberge, (z.B. im Wallis, an den Hängen des Genfersees, südlich von Lyon und bei Châteauneuf-du-Pape).
Größere Städte an ihrem Lauf :
- Brig
- Sion oder Sitten, die Hauptstadt des Wallis
- Genf
- Lyon
- Vienne
- Valence
- Châteauneuf-du-Pape (Rotweinstadt)
- Avignon, die Stadt der Päpste mit seinen berühmten Brücken
- Arles, mit seiner Römersiedlung
- Tarascon
Bedeutende Nebenflüsse:
- Arve
- Ain
- Saône
- Isère
- Ardèche
- Durance
- Gard
Die Saône hat, wenn sie in Lyon in die Rhône mündet, bereits eine längere Strecke als diese hinter sich gebracht. Zählt man die Länge Rhône-Saône, erhöht sich daher die maximale Länge des Flusssystems von 812 auf 860 km, das Ensemble Rhône-Saône-Doubs ist sogar 1025 km lang.
Weblinks
- [http://www.kajaktour.de/rhone.htm Kajaktour Obere Rhône]
Kategorie:Fluss in der Schweiz
Kategorie:Fluss in Frankreich
ja:ローヌ川
Orange (Frankreich)
Orange ist eine Stadt im südfranzösischen Département Vaucluse. Die Einwohnerzahl liegt bei etwa 28.000.
Geschichte
Im Jahre 105 v. Chr. ereignete sich bei Orange, das in der Antike Arausio hieß, eine Schlacht der Römer mit den Kimbern und Teutonen. Dabei kamen über 100.000 Römer ums Leben. Von 350 bis 1801 war Orange Bistum. 529 fand in Arausio ein Konzil statt. Im 16. Jh. fiel die Stadt als Hauptstadt des Fürstentums Oranien (daher auch der Name Orange) an die niederländische Linie von Nassau. 1713 kam Orange nach dem Vertrag von Utrecht zu Frankreich.
Seit den 1990er Jahren stellt die rechtsextreme Front National mit Jacques Bompard den Bürgermeister der Stadt. Dies wird von der Partei oft als "Vorzeigemodell" für Wahlwerbung genutzt.
Entwicklung der Einwohnerzahl:
- 1990 - 26.964 (5. März)
- 1999 - 27.989 (8. März)
Sehenswürdigkeiten
8. März
8. März
Die Stadt ist bekannt für eine Reihe römischer Bauwerke, insbesondere für das sehr gut erhaltene Theater und den Triumphbogen, die während der Herrschaft von Kaiser Augustus gebaut wurden. 1981 wurden diese Bauwerke von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.
Arc de Triomphe
An der Straße nach Lyon steht der Triumphbogen. Es wurde nach dem Sieg von Cäsar im Jahre 49 v. Chr. errichtet. Drei Bögen bilden den Durchgang. Nach Erstellung des Triumphbogen waren auf der oberen Attika eine Quadriga und Statuen aus Bronze, die heute nicht mehr erhalten sind. Das Reliefbild auf dem Triumpbogen zeigt eine Gallierschlacht.
Théâtre Romain
In der Innenstadt von Orange steht das Römische Theater, eines der besterhaltenen der Welt. Es wurde im 1. Jahrhundert n.Chr. erbaut. Das Theater bietet ca. 7.000 Personen Platz. Die Rückwand der Bühne ist 103 m lang und 38 m hoch, und als einziges römisches Theater der Welt ist die Kaierstatue (Augustus) erhalten. Im Westen des Theaters steht die Ruine eines Tempels. Heute werden wieder Theaterstücke und auch Opern in der beeindruckenden Kulisse aufgeführt.
Andere Sehenswürdigkeiten
Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Kathedrale Notre Dame aus den Jahren 1083 bis 1126 und das Rathaus (Hôtel de Ville) von 1671. Beide Bauwerke befinden sich in der nördlich vom Theater gelegenen Altstadt.
Gegenüber des Römischen Theaters steht das Musée Municipal mit antiken Funden.
Vom Hügel Colline St-Eutrope südliche des Römischen Theaters hat man einen schönen Ausblick auf die Stadt.
Sehenswürdigkeiten in der Umgebung
- Châteauneuf-du-Pape, berühmter Wein-Ort
- Gorges de l'Ardèche, ein Nebenfluss der Rhône, der eindrucksvolle Schluchten bildet
- Aven d'Orgnac, größte Tropfsteinhöhle
Söhne und Töchter der Stadt
- Agénor Étienne de Gasparin, reformierter Publizist und Kämpfer für die Religionsfreiheit in Frankreich
- Michel Petrucciani, französischer Jazzpianist
Weblinks
- [http://www.provenceweb.fr/f/vaucluse/orange/orange.htm Internetpräsenz der Stadt]
- [http://www.orange-autrement.net/ Alternative Internetpräsenz (frz.)]
Kategorie:Ort in Provence-Alpes-Côte d'Azur
Kategorie:Weltkulturerbe
ja:オランジュ
800
Politik und Weltgeschehen
- 24. November - Karl der Große trifft in Rom ein, um auf einer am 1. Dezember beginnenden Synode die Vorgänge um das Attentat auf Papst Leo III. im April 799 zu klären. Leo leistet am 23. Dezember einen Reinigungseid, um die Anschuldigungen seiner Gegner zu entkräften. Diese, angeführt von den Adligen Paschalis und Campulus, werden daraufhin zum Tode verurteilt, dann aber zu Verbannung ins Frankenreich begnadigt.
- 25. Dezember - Karl der Große wird von Papst Leo III. in der Petersbasilika von Rom zum römischen Kaiser ("Augustus" und "Imperator") gekrönt, wobei das anwesende Volk mit den Worten "Karl, dem Augustus, dem von Gott gekrönten großen und friedbringenden Kaiser der Römer, Leben und Sieg!" die Akklamation leistet. Als Begründung dient dem Papst die angebliche Thronvakanz in Konstantinopel, wo seit 797 mit Irene erstmals eine Frau Alleinherrscherin ist. Karl bleibt die Anerkennung als weströmischer Kaiser durch Konstantinopel zunächst versagt ("Zweikaiserproblem"). Faktisch bedeutet die Krönung die Begründung des abendländischen Kaisertums, das sich als Fortsetzung des römischen Kaisertums versteht (Translatio imperii). Unklar ist, ob die Krönung in dieser Form von Karl selbst gewollt war.
- Gemeinsamer Feldzug Asturiens (unter Alfons II. und des Frankenreiches (Heerführer: Ludwig der Fromme) gegen die Mauren. Lérida und Huesca werden erobert, Barcelona belagert und 803 eingenommen; die Eroberungen bilden die Grundlage für die Spanische Mark.
- Die Aghlabiden erringen als Emire von Ifriqiya/Tunesien faktisch die Unabhängigkeit von den Kalifen der Abbasiden in Bagdad. Die Dynastie regiert bis 909 im Maghreb.
- Liudger gründet das Kloster Werden (heute zu Essen), das sich in der Folge zum bedeutendsten Kloster der Region entwickelt. Es ist Eigenbesitz der Familie Liudgers.
- König Kulasekhara begründet in Kerala in Südindien das zweite Chera-Reich.
- In Schweden löst die Wikingerzeit die Vendelzeit ab.
- um 800 - Esslingen am Neckar erhält das Marktrecht.
- um 800 - Gründung des Frauenklosters Herford.
- um 800 - Die Kariben dringen vom amerikanischen Kontinent auf die karibischen Inseln vor.
- Abu al-Kindi; islamischer Philosoph
- um 800 - Harald Klak, König von Dänemark († um 846)
-
ko:800년
simple:800
Karl der Große
Karl I., der Große, lat. Carolus Magnus oder Karolus Magnus, franz./engl. Charlemagne, engl. gelegentlich auch Charles the Great, ( - wahrscheinlich 2. April 748 in Prüm; † 28. Januar 814 in Aachen) aus dem Geschlecht der Karolinger, Enkel von Karl Martell. Seit 768 König der Franken (die Krönung fand in Noyon statt) und am 25. Dezember 800 von Papst Leo III. in Rom zum römischen Kaiser gekrönt. Den Beinamen "der Große" erhielt er bereits zu seinen Lebzeiten.
Leben und Herrschaft: Festigung und Expansion, Einheit von Kirche und Reich
Karl wird Alleinherrscher: Die Lage des Reiches 771
Karl war der ältere Sohn des späteren Königs Pippin des Jüngeren und dessen Frau Bertrada. Sein Geburtsort ist unbekannt (spekuliert wird über Aachen, Düren, Herstal bei Lüttich sowie Prüm, wo er im Umfeld der Abtei vermutlich auch aufgewachsen ist), sein Geburtsjahr umstritten (742 oder 747 oder 748). Sein Biograf Einhard schreibt, dass über seine Kindheit und Jugend schriftlich nichts überliefert sei und auch bei der Abfassung der Biografie (etwa 15 Jahre nach Karls Tod) keine Personen mehr gelebt hätten, die davon hätten erzählen können (cap. IV). Nach dem Tod seines Vaters 768 teilte er - er war 26 (oder 20?)- die Herrschaft mit seinem Bruder Karlmann. Nach Karlmanns Tod wurde er 771 Alleinherrscher. Zu jener Zeit fielen die früh christianisierten Franken in barbarische Gebräuche zurück und vernachlässigten die erworbene Bildung und Religion. Die Sachsen im heutigen Norddeutschland beharrten auf ihrem Heidentum. Im Süden stritt die katholische Kirche mit den Langobarden um Einfluss, Besitz und Macht auf der Apenninen-Halbinsel, auf der iberischen Halbinsel (s. Emirat von Córdoba) drängten die Sarazenen immer weiter nach Norden, im Osten fielen Awaren ein - kurz: Europa war in Aufruhr, und der Bestand des Frankenreiches schien bedroht. Karl I. war offenbar von Anfang an zu einer Neuordnung der Verhältnisse in Westeuropa entschlossen und scheute sich während der Zeit bis 800 nicht, an den unterschiedlichsten Fronten gleichzeitig zu kämpfen.
772: Beginn der Sachsenkriege
Bereits 772 begannen die Sachsenkriege, die 32 Jahre währten und die den "Vater Europas" (Pater Europae), wie Karl später verklärend auch genannt wird, nicht nur in bestem Licht erscheinen lassen.
Siehe Sachsenkriege (Karl der Große) (Sonderartikel)
774: Unterwerfung der Langobarden
Im März 773 baten päpstliche Gesandten am Hof Karls um Unterstützung gegen die Langobarden. 774 eroberten die Franken Pavia. Karl setzte den letzten Langobardenkönig Desiderius ab; dessen zuvor geheiratete Tochter verstieß er bald darauf. Er ließ sich nun selbst zum König der Langobarden krönen. Papst Stephan III. († 772) hatte die Langobarden in einem Brief an die Frankenkönige Jahre zuvor als "eine treulose und stinkende Nation" denunziert, "die nicht einmal zu den Nationen gerechnet wird und von der gewiss die Aussätzigen ihren Ursprung haben". Im Süden blieb das Herzogtum Benevent bis zur Eroberung durch die Normannen im 11. Jahrhundert selbstständig, wenngleich es auch zu den Satellitenstaaten des Fränkischen Reiches gezählt werden muss. Karl bestätigte auch die Pippinische Schenkung seines Vaters an die Kirche, aus der später der Kirchenstaat hervorgehen sollte.
Siehe: Langobardenfeldzug
778: Kriegszüge gegen die Mauren
Weit geringeren Erfolg zeitigte ein Kriegszug nach Spanien im Jahr 778. Anlass dafür war ein Hilfegesuch des Emirs von Saragossa, der um Unterstützung gegen den Kalifen Abderahman von Córdoba bat: Beim Rückzug wurde ein Teil des fränkischen Heeres von den vermeintlichen "Heiden" (so zeitgenössische Quellen) aufgerieben. Dabei fiel auch der Graf der bretonischen Mark, Hruotland, der Befehlshaber der vernichteten fränkischen Nachhut. Das Geschehen wird später im Rolandslied wiederaufgegriffen. Aquitanien wurde als ein Unterkönigtum für Karls minderjährigen Sohn Ludwig eingerichtet; zusammen mit seinem zum italischen Unterkönig ernannten Bruder Pippin wurde er 781 vom Papst gesalbt und gekrönt. Die Verhältnisse im Pyrenäenraum konnten so zunächst stabilisiert werden, der Herrschaftsbereich der Franken wurde - wenn auch nur zeitweise - bis nach Gerona, Cerdagne, Urgel und Barcelona erweitert. Erst als Folge späterer Auseinandersetzungen mit den Sarazenen (so nannte das spätere Mittelalter die Mauren) wurde 806 die Spanische Mark jenseits der Pyrenäen gegründet.
Die Beziehungen zur arabischen Welt scheinen trotz der Feldzüge und durch die aufgegebene, weil letztlich gescheiterte Eroberung und Rechristianisierung Spaniens nicht generell schlecht gewesen zu sein: 797, nach anderen Quellen 801, schenkte der Kalif von Bagdad, Harun al-Rashid, Karl I. den ersten in der überlieferten Geschichte nördlich der Alpen gesichteten Elefanten namens Abul-Abbas - es war überdies ein asiatischer, weißer Elefant.
788: Bayern verliert seine Selbständigkeit
788 wurden auch die Baiern (so die alte Schreibweise) endgültig dem Reich einverleibt, im Osten die Awarische Mark (ab 856 Marchia Orientalis) als Grenzmark gegen die Awaren errichtet, und unter fränkische Oberhoheit gestellt. Der letzte bayerische Stammesherzog Tassilo III., der sein Lehen 757 von Pippin bekommen hatte, versuchte vergeblich, die Eigenständigkeit durch ein Bündnis mit den eigentlich schon unterworfenen Langobarden zu retten. Am Aufbegehren gegen die Franken, die man durch die Auseinandersetzungen mit den Sachsen als voll ausgelastet einschätzte, war auch Herzog Arichis II. von Benevent beteiligt. Die Unbotmäßigkeiten der italienischen Koalitionäre Tassilos waren u.a. durch Belagerungen von Capua und Salerno 786/787 beendet worden. Das bayerische Gebiet, das ab 798 von Salzburg aus zu einer eigenen Kirchenprovinz ausgebaut wurde, blieb nach der Angliederung gleichwohl als politische Entität erhalten. Unter den als Präfekten bezeichneten Amtsträgern des Königs (im 9. Jahrhundert als Unterkönigtum) wahrte es durchaus eine Sonderstellung innerhalb des fränkischen Reichsverbands.
Die Eingliederung der Baiern ins Frankenreich war neben der Unterwerfung der Sachsen die wichtigste Voraussetzung für die spätere Herausbildung des Heiligen Römischen Reiches und damit Deutschlands unter den Ottonen und Österreichs unter den Babenbergern.
Um 800: Der neue Schutzherr Roms und der Kirche
Babenberger]
795 wurde Leo III. zum Papst gewählt. Er versicherte sich umgehend der Unterstützung des Frankenkönigs und übersandte Karl I., dem Schutzherrn der Kirche (patricius romanorum) den Schlüssel zum Grab Petri sowie das Banner Roms. Das Papsttum war seit einiger Zeit unter den Einfluss des in diverse Fraktionen aufgesplitterten römischen Stadtadels geraten, der bei der Papstwahl ausschlaggebend war. 799 spitzte sich die Konfrontation mit dem Adel zu; das Kirchenoberhaupt war Ziel eines Attentats bzw. Absetzungsversuches. Leo III., dem u.a. ein unwürdiger Lebenswandel (darunter Ehebruch und Meineid) vorgeworfen wurde, flüchtete zu Karl nach Paderborn. Was dort und unter Umständen schon weit vorher abgemacht wurde, ist nicht geklärt: Möglicherweise wurde erst hier, vielleicht aber auch schon Jahre zuvor die Kaiserkrönung vereinbart. Denkbar wäre auch, dass es dazu überhaupt keine Absprache gegeben hat. Die historische Forschung stört sich vor allem an der Anmerkung Einhards: "Hätte Karl vom Vorhaben Leos gewusst, hätte er die Kirche nicht betreten" (Vita Karoli Magni, cap. XXVIII). Eine andere Quelle hingegen, die Lorscher Annalen, berichtet von einer Synode der fränkischen und römischen Bischöfe, bei der man dem Frankenherrscher die Kaiserwürde angetragen habe. Möglicherweise bezieht sich die Anmerkung Einhards nicht auf die Kaiserkrönung selbst, sondern auf deren Umstände und ihren protokollarischen Ablauf.
Karl jedenfalls zog im Sommer 800 nach Rom. Leo III. empfing ihn Ende November weit vor den Toren der Ewigen Stadt und legte am 23. Dezember einen Reinigungseid ab, der ihn von den Vorwürfen der Verschwörer aus Kreisen des Adels entlasten sollte. In wie weit dieser freiwillig von ihm geleistet wurde muss dahingestellt bleiben.
Am Weihnachtstag des Jahres 800 wurde Karl von Papst Leo III. zum Kaiser gekrönt. Dieser Titel war seit der Absetzung von Romulus Augustulus im Jahr 476 in Westeuropa nicht mehr geführt worden. Durch die Hinzufügung der Formel "von Gottes Gnaden" (lat. Dei gratia) zum Herrschertitel wurde damit auch das Gottesgnadentum erstmals institutionalisiert, auf das sich z.B. die deutschen Kaiser bis 1918 beriefen. Karls voller Titel ab 800 lautete: Karolus serenissimus augustus a Deo coronatus magnus pacificus imperator Romanum gubernans imperium, qui et per misericordiam dei rex Francorum atque Langobardorum (frei übersetzt: "Karl, allergnädigster erhabener, von Gott gekrönter, großer Frieden stiftender Kaiser, das römische Reich regierend, von Gottes Gnaden auch König der Franken und Langobarden").
Als patronus et advocatus der Kirche hatte Karl I. nun endgültig den byzantinischen Kaiser abgelöst - wie zuvor schon den Langobarden Desiderius. Der Patriarch von Jerusalem schickte die Schlüssel des Heiligen Grabes an Karl I. als symbolische Anerkennung der Schutzherrschaft Karls I. über die Christenheit. Die Krönung zum Kaiser bedeutete somit eine Herausforderung für das byzantinische Kaisertum (Basileios), dem gegenüber Karl die Gleichberechtigung beanspruchte - wenn nicht mehr.
Karl verstand sich als Augustus Imperator Renovati Imperii Romani (Kaiser des erneuerten Römischen Reiches) und somit als direkter Nachfolger der römischen Kaiser. Sein fränkisches Reich war damit das Nachfolgereich des römischen Kaiserreiches, das er aufgrund seiner Legitimation durch die Kirche sanctus (heilig) nannte. Die Einheit von Kirche und Reich war nun ganz offiziell Staatsdoktrin. Als Beschützer des Papstes und des christlichen Glaubens war Karl der Große sehr darauf bedacht, dass in seinem Reich jeder das Pater Noster (Vaterunser) kannte. Zeitweilig standen Verunglimpfungen von Priestern oder des Christentums und seiner Symbole sogar unter Todesstrafe.
Nach 800: Die Ausweitung des Frankenreiches im Osten
Christentums
Als Ersatz für deportierte Sachsen ließ Karl I. im Nordosten des Reiches (Transalbingien) elbslawische Abodriten und auch Franken ansiedeln. Ab 804 kam es zu Auseinandersetzungen mit den Dänen, deren König Göttrik (auch: Godfred) nach Friesland bzw. Sachsen ausgriff und, unterstützt von den Wilzen, die Abotriten bekämpfte. Das zum Schutz vor den Franken errichtete Danewerk zwischen Treene und Schlei wird 808 erstmals in den Fränkischen Reichsannalen erwähnt. 810 plünderten die Dänen Friesland und die friesischen Inseln. Den Abodriten im Osten Holsteins gelang es jedoch, sich mit fränkischem Beistand von dänischer Oberhoheit freizuhalten; 811 kam es zu einem Friedensvertrag mit den Dänen. Allerdings blieb das Verhältnis von Franken und Abodriten ambivalent, wie die Umstände der Errichtung des Sachsenwalls (Limes Saxoniae) um 810 belegen.
Das Verhältnis zu den slawischen Stämmen östlich von Sachsen und Thüringen war ebenfalls zwiespältig: 789 kam es zu einem Feldzug der Franken gegen die Wilzen; nach der langwierigen Unterwerfung der Sachsen wurden auch die Sorben 806 von den Franken besiegt, nachdem deren Herzog Miliduoch getötet worden war. Zeitgenössischen Quellen zufolge versuchten sie in den darauffolgenden Jahrzehnten jedoch mehrfach abzufallen. Auch scheint es hier eine oder gar mehrere Grenzmarken gegeben zu haben; die Forschungslage hierzu ist jedoch unklar (siehe auch: Limes Sorabicus).
Böhmen geriet nach einer Kampagne in den Jahren 805 und 806 in fränkische Abhängigkeit und wurde tributpflichtig. In einer Urkunde von 817, in der die Provinzen und Völker des Frankenreiches aufgelistet werden, werden die Beheimi als eines der abhängigen Völker genannt. Auch sie wurden nach und nach offenbar erfolgreich christianisiert: 845 ließen sich 14 Herzöge aus Böhmen in Regensburg taufen; der bayrische Klerus war Hauptträger der Missionierung. Ab Mitte des 9. Jahrhunderts - Karls Enkel Ludwig der Deutsche war seit 843 König (s. Vertrag von Verdun) - wurde Böhmen immer mehr zum Zankapfel zwischen dem Ostfrankenreich und dem Großmährischen Reich des Sventopluk; ab 862 wurden auch die Ungarn zum Problem. Die Expansion der Franken in diesen Raum begründete - neben den Besiedlungswellen unter den Přemysliden - den politisch wie kulturell nachhaltigen deutschen Einfluss im östlichen Mitteleuropa in den folgenden Jahrhunderten (s. Deutsche Ostsiedlung).
806 bis 812: Auseinandersetzung mit Byzanz
Nikephoros I., byzantinischer Kaiser („Basileus“) seit 802, empfand die Kaiserwürde Karls als Anmaßung und verweigerte deren Anerkennung. Eine 803 in Konstantinopel eingetroffene fränkische Gesandtschaft musste unverrichteter Dinge wieder heimreisen. Der Konflikt verschärfte sich noch, als Karl die von Byzanz beanspruchten Regionen Dalmatien und Venetien als seinem Machtbereich zugehörig behandelte. Nikephoros entsandte daraufhin 806 die oströmische Flotte und verhängte eine Seeblockade über Venedig. Karls Sohn Pippin, König von Italien, konnte in der Folge jedoch Venedig erobern, was Nikephoros offenbar verhandlungsbereiter machte. Eine Ende 810 in Italien eingetroffene byzantinische Gesandtschaft, die eigentlich den inzwischen verstorbenen König Pippin († 8. Juli 810) hatte erreichen wollen, wurde von Karl nach Aachen bestellt und 811 mit einem freundlichen, in der Kaiserfrage allerdings kompromisslosen Schreiben zurückgeschickt. Bei deren Rückkehr war allerdings der byzantinische Kaiser Nikephoros I. auf einem Bulgarenfeldzug gefallen († 26. Juli 811). Sein Schwiegersohn Michael I. Rangabe riss bald die Macht an sich. Anders als sein Vorgänger war er an einem dauerhaften Übereinkommen mit dem Westen interessiert. Daher entsandte Kaiser Michael I. nun seinerseits eine byzantinische Gesandtschaft nach Aachen, die dort 812 eintraf. In einer öffentlichen Zeremonie huldigte diese Karl dem Großen und nannte ihn „Kaiser“. Damit war das Kaisertum Karls des Großen vom byzantinischen Reich diplomatisch anerkannt. Karl musste dafür allerdings wieder auf Venetien und Dalmatien verzichten.
Zudem sahen sich die byzantinischen Kaiser weiter als höherstehend an: die Nachfolger Michaels I. fügten ihrem Titel „Kaiser“ bald den Genitiv „der Römer“ hinzu: damit sollte ihr einzigartiger Rang als alleinige Nachfolger der römischen Kaiser dokumentiert werden. Die auf Karl den Großen folgenden westlichen Kaiser nannten sich dagegen zunächst nur „imperator augustus“ (erhabener Kaiser). Der Titulatur „erhabener Kaiser der Römer“ (Romanorum imperator augustus) begegnet man im Westen, d. h. im Heiligen Römischen Reich, erst seit Otto III. 996.
Karl I. als Reformer: Neuordnung des Reiches im Innern
Otto III.]
Mit teilweise tiefgreifenden Reformen, die sein Sohn und Nachfolger Ludwig der Fromme meist weiter vorantrieb, ordnete Karl I. das Frankenreich auch im Innern neu. So schaffte er die Stammesherzogtümer ab, wobei die rechtliche Eigenständigkeit der Stämme allerdings gewahrt wurde. Karl ordnete überdies die Aufzeichnung der Stammesrechte an. Im Lex Frisionum etwa wurden den Friesen im Nordwesten und Norden des Reiches auf der Grundlage ihrer überkommenen Gesetze und Gepflogenheiten bedeutende Privilegien zugestanden. Sie wurden zu "Freien" und durften u.a. ihren Podestat selbst wählen. Auch die Einteilung Frieslands in drei klar definierte Bezirke wurde im - hier beispielhaft angesprochenen - Lex Frisonium festgeschrieben.
Die Reichsverwaltung, die Karl I. zu vereinheitlichen trachtete, übertrug dieser im Wesentlichen seinem Hofklerus und einem neu geschaffenen Dienstadel.
Die Hofkapelle war zentrales Verwaltungsorgan der weltlichen und geistlichen Ordnung im Reich. Die Ausführung der Verwaltung des Reiches lag in den Händen der Grafen. Diese fungierten im Rahmen der sogenannten Grafschaftsverfassung als königliche Amtsträger bei der Ausübung der Regalien (Grafenbann) und waren in bestimmten Bereichen Stellvertreter des Königs (Mark-, Burg- und Pfalzgrafen). Besondere Bedeutung erlangten die Markgrafen: Sie waren die Regenten in den neu geschaffenen Grenzmarken und hatten in diesem Bereich weitreichende Sonderrechte, etwa als Militärbefehlshaber und Gerichtsherren. Die Landgrafen mussten Wehrpflichtige stellen.
Die Übertragung von Ämtern und Lehen an die führenden Adelsfamilien (die "Großen") sicherte deren Loyalität und begründete eine neue Reichsaristokratie. Die Grafschaftsverfassung wurde zum wichtigsten Instrument zur Wahrung der Einheit des Reiches, obgleich es an den unterschiedlichen Traditionen im Westen bzw. Osten des Reiches (römische Civitas versus germanischer Gau) seine Grenzen fand. In letzteren mögen auch die gänzlich verschiedenen Entwicklungen im Hinblick auf Staatsaufbau und Staatsrecht gründen: sie mündeten im heutigen Frankreich als einer zentralistischen Präsidialrepublik einerseits, in dem die Regionen und Départements im Wesentlichen bloße Verwaltungseinheiten sind, und in der Verfasstheit Deutschlands andererseits - einer föderalistischen "Parlaments"-Republik mit weitreichenden Hoheitsrechten der Bundesländer, die vielfach noch auf überkommene Stammesgrenzen zurückzuführen sind.
Mit den Kapitularien wurde zudem eine weitgehend einheitliche Gesetzgebung geschaffen, das Gerichtswesen und die Rechtsprechung reformiert (u.a. Einführung von Rügezeugen und von Schöffen). Die Regierbarkeit von Karls Riesenreich sollten vor allem sogenannte Königsboten, die missi dominici, sichern. Diese wurden meist paarweise entsandt (ein weltlicher und ein geistlicher Vertreter), um Anweisungen und Erlasse des Königs und Kaisers durchzusetzen. Sie konnten in einem zugeteilten Bezirk gfs. auch die unmittelbare Reichsgewalt ausüben.
Eine herausragende Rolle bei der Neuordnung und Festigung im Innern spielte die Kirche, die Karl durch den massiven Ausbau der klerikalen Infrastruktur (u.a. wurden zahlreiche neue Bistümer gegründet, wobei sich Karl das Recht vorbehielt, die Bischöfe selbst zu ernennen), durch umfangreiche Schenkungen, die Bekräftigung des Zehntgebots und durch Reformen zum wahrscheinlich wichtigsten Band der Einheit seines Reiches machte. Die Benediktregel (ora et labora) wurde für die Klöster verbindlich wie auch für die Stiftsgeistlichkeit die vita communis. Die von Pippin in die Wege geleitete Liturgiereform wurde weitergeführt.
Das ehedem gänzlich uneinheitliche Geldwesen wurde ebenfalls reformiert. Die Goldbindung des Geldes wurde aufgegeben, der Silberdenar als reichsweit geltende verbindliche Währung eingeführt. Ein Solidus bzw. Schilling waren 12 Denar; ein Pfund (libra), dessen Gewicht gegenüber dem antiken Maß erhöht wurde, entsprach 20 Solidi. In Karls Münzordnung wurde festgelegt, dass aus einem Pfund Silber 240 Pfennige (Denare) geprägt werden müssen. Der angelsächsische König Offa von Mercien übernahm zur gleichen Zeit diese Regelung, die in England in der Tat bis 1971 in Kraft war.
Vorfahren, Ehen, Nachfolge und Erben
Vorfahren
Nachfolge
1971
Nach altem fränkischen Brauch ordnete Karl 806 seine Nachfolge durch einen Reichsteilungsplan, die sogenannte Divisio Regnorum. Nachdem seine beiden älteren Söhne jedoch früh verstorben waren, erhob Karl 813 seinen - nach damaligem Verständnis - einzigen legitimen Erben Ludwig (Ludwig der Fromme) zum Mitkaiser; 814 folgte er dann seinem Vater in der Herrschaft.
Nach 47-jähriger Herrschaft starb Karl der Große am 28. Januar 814 in Aachen und wurde im Atrium der Marienkirche beigesetzt. Die Todesursache (Infekt mit Rippenfellentzündung?) ist nicht mit letzter Sicherheit geklärt, doch spricht Einhard, Vita Karoli Magni, Kap. 30, dazu passend von Fieber, zu welchem Schmerzen in der Seite hinzugekommen seien, so dass Karl nach siebentägigem Krankenlager verschieden sei.
Schon frühzeitig verstand sich Karl als der einzige rechtgläubige Verteidiger und Wahrer der Christenheit, und folgerichtig würdigt ihn die Grabinschrift als imperator orthodoxus, der das regnum Francorum edel (nobiliter) erweitert habe.
Ehefrauen
- Himiltrud (vermutlich eine Friedelehe um 768)
- ∞ 769 eine Tochter des Langobardenkönigs Desiderius, die er 770, spätestens Anfang 771 verstieß; ihr Name wird fälschlicherweise oft mit Desiderata angegeben, tatsächlich ist er unbekannt
- ∞ 771 vor dem 30. April Hildegard (de gente Suaborum, - 758, † 30. April 783) Tochter des Grafen Gerold und der Imma, einer Tochter des alemannischen dux Hnabi
- ∞ um Oktober 783 Fastrada († 10. August 794 in Frankfurt am Main), Tochter des (vermutlich thüringisch-mainfränkischen) Grafen Radulf
- ∞ 794/Herbst 796 Luitgard († 4. Juni 800) Alemannin
weitere Beziehungen hatte er zu:
- Madelgard
- Gerswind Saxonici generis
- Regina (800)
- Adelind (806)
Nachkommen
- aus seiner Verbindung zu Himiltrud:
- Pippin der Bucklige ( - 770; † 811)
- aus seiner Ehe mit Hildegard:
- Karl der Jüngere ( - 772/773, † 811) 788 König in Neustrien
- Adalhaid ( - September 773/Juni 774, † Juli/August 774 in Südgallien)
- Rotrud ( - wohl 775, † 6. Juni 810)
- Karlmann ( - 777, † 8. Juli 810), als Pippin König von Italien
- Ludwig der Fromme ( - 778, † 840)
- Lothar ( - Juni/August 778 in Chasseneuil bei Poitiers)
- Bertha ( - 779/780, † nach 14. Januar 828), 814 vom Hof verwiesen
- Gisela ( - 781 vor Mai, † nach 800)
- Hildegard ( - 782 nach 8. Juni, † zwischen 1. und 8. Juni 783)
Bertha hatte eine Beziehung mit Karls Hofgeistlichen Angilbert, aus der die Kinder Ridhard († 813) und Hartnid hervorgingen. Berthas Liaison war Vorbild für die Sage von Eginhard und Emma.
Bei Karls "Sekretär" Einhard heißt es, sowohl Rotrud als auch Bertha seien unverheiratet geblieben. Möglicherweise lebten beide Töchter jedoch in Friedelehen, die für Einhard nicht standesgemäß und somit nicht legitim waren.
- aus seiner Ehe mit Fastrada:
- Theodrada ( - wohl 785, † 9. Januar 844/853, im Kloster Schwarzach am Main), vor 814 Äbtissin von Argenteuil
- Hiltrud ( - wohl 787, † nach 800)
- von einer unbekannten Frau:
- Hruodhaid ( - wohl 787, † nach 800)
- aus seiner Verbindung mit Madelgard:
- Ruothild († 24. März852) Abt von Faremoutiers
- aus seiner Verbindung mit Gerswind:
- Adalthrud
- aus seiner Verbindung mit Regina:
- Drogo ( - 17. Juni 801, † 8. Dezember 855), 818 geistlich, 820 Abt von Luxeuil, 823 Bischof von Metz, 834 Erzbischof und Erzkapellan
- Hugo ( - 802/806, † 14. Juni 844), 818 geistlich, Mönch zu Charroux, 822/823 Abt von St. Quentin, 836 Abt von Saint-Bertin, 834-840 Erzkanzler Ludwigs des Frommen
- aus seiner Verbindung mit Adelind:
- Theoderich ( - 807, † nach 818), 818 geistlich
Karl wird zudem nachgesagt, mit diversen Konkubinen mindestens 18 leibliche Nachfahren gezeugt zu haben.
Ludwig I., der Fromme, dessen Linie historisch bedeutsam bleibt, ist seinerseits Vater von Lothar I. ( - 795; † 855), Pippin I. (König von Aquitanien, † | | |