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| Otto Fuchs |
Otto FuchsNeithart Fuchs ist der Titel eines spätmittelalterlichen Schwankbuchs. Es erschien zwischen 1491 und 1566 in drei süddeutschen Druckausgaben mit Holzschnitten.
Das Schwankbuch enthält eine "Lebensgeschichte in Liedern", die sich an die Figur des Minnesängers Neidhart anlehnt, der schon im 13. bis 15. Jahrhundert mit zahlreichen komischen und obszönen Schwankerzählungen zum sprichwörtlichen Bauernhasser stilisiert worden war. Das Schwankbuch nennt seinen Helden Neithart Fuchs und macht ihn zum »lustigen Rat« Herzog Ottos des Fröhlichen von Österreich (1301-1339) und »Kollegen« des allgemein als historisch geltenden Pfarrers von Kahlenberg. Es ist daher möglich, aber kaum nachweisbar, daß es im 14. Jahrhundert am Wiener Hof einen Neidhart-Nachfolger gegeben haben könnte, der in die Rolle des Lieddichters Neidhart schlüpfte und womöglich zu den Verfassern und Verbreitern der Pseudo-Neidhart-Lieder gehörte.
Die "Geschichte" dieser Figur montierte ein unbekannter Verfasser aus echten Liedern Neidharts, jüngeren Liedern im Neidhart-Stil (sogenannten Pseudo-Neidharten) und zwölf Neidhart-Schwänken zusammen.
Textausgaben
- Die Historien des Neithart Fuchs. Nach dem Frankfurter Druck v. 1566. Hrsg. von Erhard Jöst. Göppingen 1980.
Weblinks
- [http://lingonauten.de/aktaion/weekly/27101998.html Matthias Zarbock: Das Schwankbuch "Neithart Fuchs" - vom Lied zum Schwankzyklus]
- [http://www.literature.at/webinterface/library/ALO-BOOK_V01?objid=10906 Digitalisat der älteren Ausgabe]
- [http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/wien/stephanskirche/neidhardfuchs.html Sage von Otto Fuchs]
Neithart Fuchs
Neithart Fuchs
NeidhartNeidhart, genannt von Reuental (1. Hälfte 13. Jahrhundert) war einer der bedeutendsten und fruchtbarsten deutschen lyrischen Dichter des Mittelalters. 56 bis 132 Lieder und 55 Melodien sind überliefert insbesondere aus den Jahren 1210-1240 überliefert worden. Die vielfältigen Abdrucke seiner Werke und nachgeahmte Werke im sogenannten Neidhart-Stil ("Pseudo-Neidharte") lassen auf seine Beliebtheit und die weite Verbreitung der Werke zur damaligen Zeit schließen.
Leben
Neidhart war wahrscheinlich der Sprössling eines adligen Geschlechts aus Bayern; nachher lebte er aber in Österreich im Salzburger Raum und dichtete wahrscheinlich zwischen 1210 und 1240. Der Name oder die Herkunft sind nicht eindeutig eruierbar. Fakt ist, daß die Manessische Handschrift einen „her nithart“ kennt, die Kleine Heidelberger Liederhandschrift einen „von Riuwental“. Auf Grund der Themen der Lieder kann man den bayrisch-salzburgerischen Raum als Schaffensgebiet ausmachen.
Der Name ist wahrscheinlich allegorisch gemeint gewesen - so ist "nithart" ein Name für den Teufel und 'Reuental' (mhd. riuwental) kein existierender Ortsname, sondern die ironische Herkunftsangabe des lyrischen Ichs: das Jammertal.
In den Dichtungen von Wolfram von Eschenbach finden wir Anspielungen auf Neidhart, die vermuten lassen, daß er um 1230 gelebt haben muß.
Ein Grabmahl (Tumbagrab) findet sich an der Südseite des Stephansdomes in Wien.
Wirken
Neidhart begründete eine Spielart des Minnesangs, die Karl Lachmann als "höfische Dorfpoesie" bezeichnet, indem er in seinen Liedern vornehmlich das hoffärtige Treiben und die derbere Liebesweise der Bauern mit geistreich humoristischer Laune schilderte.
Neidharts Lieder sind in Sommerlieder, Winter- und Schwanklieder gegliedert. Es sind fast 200 Werke von ihm überliefert, einige davon noch mit Melodie, wobei man annimmt, daß rund ein Drittel davon nicht von ihm stammt.
Die Hauptfigur in seinen Werken ist meist der ritter von Riuwental. Neidhart lässt die Welt der hohen Minne mit der oft tristen Realität der Dorfbevölkerung aufeinanderprallen. Seine Lieder enthalten Sozialkritik, die als Humor verpackt den Status Quo kritisieren. Manche Interpretationen sagen ihm auch "Bauernfeindlichkeit" in seinen Liedern nach - so wird zum Beispiel davon berichtet, daß aufgebrachte Bauern das Neidhart-Grab in Wien mit Heugabeln attackiert haben sollen.
Die Sommerlieder sind einfache, unstollige Reigenlieder zum Thema Minne, in der als Ritter auftretender Liebhaber beim Dorftanz um ein Bauernmädchen wirbt und sich dabei mit rivalisierenden Bauernburschen (mhd. dörper= Bauer, im Sinne von Tölpel) auseinandersetzen muss. Die Gesprächslieder der Bäuerinnen (Tochter und Mutter, liebeslustige Alt, befreundete Mädchen) handeln um die Frage, wie man die Gunst des ritters von Riuwental erringen könne. Die satirische Darstellung des Geschehens ist zumeist parodisierend und stellt einen starken Kontrast zum Hohen Minnesang dar.
Die Winterlieder sind in Kanzonenform gedichtet und schildern Tanz und Spiel in der Bauernstube. Das lyrische Ich ist hier der zumeist erfolglose Werbende. Sein Interesse richtet sich auf Bauernmädchen und stößt dabei auf anmaßend auftretende dörper-Mitwerber, oftmals kommt es zu rohen Drohungen und Handgreiflichkeiten.
Die späteren Versionen der Winterlieder zeichnen sich zunehmend durch Absagen des Sängers an den Minnedienst aus, eine Anlehnung an die Alterslieder von Walther von der Vogelweide.
Eine noch dem 13. Jahrhundert angehörige Sammlung seiner Lieder befindet sich auf Schloss Riedegg und wurde von Georg Friedrich Benecke 1832 herausgegeben. Eine erste kritische Ausgabe veranstaltete Moriz Haupt (1858).
Neidhart wurde durch seine grosse Bekanntheit später selbst zum Protagonisten. Unter dem Namen "Neidhart Fuchs" dichtete der wohl historische nachweisbare Otto Fuchs als eine Art Hofnarr (" maitre de plaisir ") des österreichischen Herzogs Otto des Fröhlichen (1301-39) in Neidharts Manier.
Überhaupt erhielten in lyrischer Form erzählte Bauernschwänke schlechthin den Namen "Neidharte".
Werke
Wiederkehrende Themen
Neidharts Werke befassen sich mit unterschiedlichsten Themen. Einige wurden hier herausgegriffen:
Kreuzzugskritik
In Ez gruonet wol diu heide [http://www.literature.at/elib/www/wiki/index.php/Ez_gruonet_wol_diu_heide_%28Neidhart_von_Reuenthal%29 eLib Austria Volltext] ist der Mühsal der Kreuzzüge gewidmet. So wird über das Heimweh gesprochen, die Angst, die Heimat nicht wiederzusehen (den lieben tac lâze uns got geleben, daz wir hin heim ze lande strîchen!) und ob es nicht klüger wäre, zu Hause zu bleiben, als in der Ferne zu kämpfen (Er dünket mich ein narre,
swer disen ougest hie bestât.). Eine Kreuzzugsbeteiligung Neidharts ist dadurch nicht erwiesen, gut denkbar ist auch, daß das Lied geschrieben wurde um mögliche Kreuzfahrer abzuhalten.
Werben
In verschiedenen Liedern wird das Werben des Ritters um eine Frau beschrieben (zB Meienzit [http://www.literature.at/elib/www/wiki/index.php/Meienzit_%28Neidhart_von_Reuenthal%29 eLib Austria Volltext]). In Ez verlos ein ritter sîne scheide ([http://www.literature.at/elib/www/wiki/index.php/Ez_verlos_ein_ritter_s%C3%AEne_scheide_%28Neidhart_von_Reuenthal%29 eLib Austria Volltext]) ist es in Umkehrung der klassischen Minnesituation einmal anders: Ein Ritter versucht verzweifelt, diverse Avancen einer Frau abzuwehren und sieht schließlich keinen anderen Ausweg als die Flucht ( wer solte des getrûwen?" zieht wieder: 'diu würze ist noch niht gebrûwen.).
Titel in Auszügen
- Bluomen und daz grüene gras ([http://www.literature.at/elib/www/wiki/index.php/Bluomen_und_daz_gr%C3%BCene_gras_%28Neidhart_von_Reuenthal%29 eLib Austria Volltext])
- Der walt mit loube stât [http://www.nd.edu/~gantho/anth354-532/Neidhart354-363.html Volltext]
- Ein altiu diu begunde springen [http://www.nd.edu/~gantho/anth354-532/Neidhart354-363.html Volltext]
- Ez gruonet wol diu heide ([http://www.literature.at/elib/www/wiki/index.php/Ez_gruonet_wol_diu_heide_%28Neidhart_von_Reuenthal%29 eLib Austria Volltext])
- Ez verlos ein ritter sîne scheide ([http://www.literature.at/elib/www/wiki/index.php/Ez_verlos_ein_ritter_s%C3%AEne_scheide_%28Neidhart_von_Reuenthal%29 eLib Austria Volltext])
- Komen sint uns die liehten tage lange
- Meienzit ([http://www.literature.at/elib/www/wiki/index.php/Meienzit_%28Neidhart_von_Reuenthal%29 eLib Austria Volltext])
- Nu ist der küele winder gar zergangen
- Owê, sumerwünne [http://www.nd.edu/~gantho/anth354-532/Neidhart354-363.html Volltext]
- Ûf dem berge und in dem tal [http://de.wikisource.org/wiki/%C3%9Bf_dem_berge_und_in_dem_tal Wikisource]
Historisches
Neidhartsgrab
Das Neidhartsgrab in Wien: Ein Grabmahl (Tumbagrab) findet sich an der Südseite des Stephansdomes in Wien. Man nimmt an, daß das Grab von Rudolf IV. später in Auftrag gegeben wurde, der historische Neidhart aber auf dem später aufgelassenen Friedhof bei der Kirche begraben war. Rudolf IV. hatte wohl durch die Stiftung des Grabes politische Absichten: Seine Politik war auf eine stärkere Unabhängigkeit Österreichs hin ausgerichtet (Versuch, Wien als Bischofssitz zu ethablieren, Privilegium Major etc). Darin sah er sich in der Tradition eben jener Babenberger, an deren Hof Neidhart und später Neidhart Fuchs wirkten. Weiters zeigt sich in Neidharts Werken eine Nähe zum Bürgertum, welche auch Rudolf IV. zB durch die Schaffung einer Universität oder die Bemühungen um Aufhebung des Zunftzwanges zeigt.
Neidhart-Fresken
Die Neidhart-Fresken aus dem 14. Jahrhundert befinden sich in einem Haus auf der Tuchlauben in Wien. Sie zeigen Szenen aus Werken Neidharts.
Textausgaben
- Siegfried Beyschlag (Hg.): Die Lieder Neidharts: der Textbestand der Pergament-Handschriften und der Melodien, Text und Übertragung, Einführung und Worterklärungen, Edition der Melodien von Horst Brunner, Darmstadt 1975 ISBN 3-534-03592-5
- Reinhard Bleck: Neidhart: Leben und Lieder, (=Göppinger Arbeiten zur Germanistik; Nr. 700), Göppingen 2002 ISBN 3-87452-950-9
- Die Lieder Neidharts, Herausgegeben von Edmund Wießner, fortgeführt von Hanns Fischer, 5., verbesserte Auflage hg. von Paul Sappler, mit einem Melodienanhang von Helmut Lomnitzer, (=Altdeutsche Textbibliothek; Nr. 44), Tübingen 1999 ISBN 3-484-20144-4 oder ISBN 3-484-21144-X
- Lieder: Auswahl mit den Melodien zu neun Liedern; mittelhochdeutsch/neuhochdeutsch / Neidhart von Reuental, (=Reclams Universal-Bibliothek; Nr. 6927), Übersetzt und hrsg. von Helmut Lomnitzer, Stuttgart 1993 ISBN 3-15-006927-0
Literatur
- [http://susi.e-technik.uni-ulm.de:8080/Meyers2/seite/werk/meyers/band/12/seite/0042/meyers_b12_s0042.html#Neidhart%20von%20Reuenthal Neidhart von Reuenthal], in: Meyers Konversationslexikon, 4. Aufl. 1888-90, Bd. 12, S. 42.
- Siegfried Beyschlag: Neithart und Neidhartianer, in: Die deutsche Literatur des Mittelalters, Verfasserlexikon, Band 6, Berlin/New York 1987, Spalte 871 - 893 ISBN 3-11-010754-6
- Renate Schipke: Neidharts Lieder u.a. ('Riedegger' Handschrift) [Kat.Nr.46], in: Peter Jörg Becker und Eef Overgaauw (Hgg.): Aderlass und Seelentrost. Die Überlieferung deutscher Texte im Spiegel Berliner Handschriften und Inkunabeln, Mainz 2003, S.105ff. ISBN 3-8053-3154-1
- Edmund Wießner: Kommentar zu Neidharts Liedern, Nachdruck der Ausgabe Leipzig, Hirzel, 1954, 2. Aufl., mit einem Nachwort von Ingrid Bennewitz-Behr und Ulrich Müller, Leipzig 1989 ISBN 3-7401-0142-3
- Edmund Wießner (Hg.): Vollständiges Wörterbuch zu Neidharts Liedern, Nachdruck der Ausgabe Leipzig, Hirzel, 1954, 2., um ein Nachwort erweiterte Auflage, Leipzig 1989 ISBN 3-7401-0141-5
- Das Neidhart-Grabmal im Wiener Stephansdom. Untersuchungen zur Bau- und Restauriergeschichte, Friedrich Dahm, in: Neidhartrezeption in Wort und Bild, Hg. Gertrud Blaschitz, Krems 2000, 123-155.
- Bauernfeindlichkeit. Die Historien des Ritters Neithart Fuchs, Erhard Jöst, (Göppinger Arbeiten zur Germanistik 192) Göppingen 1976.
Weblinks
-
- [http://www.literature.at/elib/www/wiki/index.php/Neidhart_von_Reuenthal Neidhart von Reuenthal bei eLib Austria]
- [http://www.univie.ac.at/kunstgeschichte-tutorium/stephansplatz/006neidhart.htm "Neidhart Fuchs" am Stephansplatz]
Neidhart von Reuental
Neidhart von Reuental
Neidhart von Reuental
Neidhart von Reuental
Neidhart von Reuental
Neidhart von Reuental
Neidhart von Reuental
SchwankDer Schwank ist eine volksnahe Erzählung. Meist handeln zwei Personen, die sich über zum Teil triviale, teils lustige Dinge – auch Themen, die sonst in der Erzählkunst nicht oder selten angesprochen werden, wie Sexualität, Schule oder andere Dinge – austauschen.
Als Themen dienen Situationen oder Begebenheiten aus dem Alltag, wobei sehr oft Dialoge zwischen konträren Parteien (z. B. Herr und Knecht, Betrüger und Betrogener) dargestellt werden. Eine grobe Wortwahl ist nicht selten.
Der Erzählstil ist sehr gradlinig, aus diesem Grunde ist der Schwank für die kurzweilige Unterhaltung gut geeignet.
Kategorie:Literaturgattung
Kategorie:Volkskunde
Kategorie:Mittelalter (Literatur)Kategorie:Literaturepoche
Kategorie:Mittelalter
Lipót SchulhofLipót Schulhof ( - 1847; † 1921) (in der ungarischen Schreibweise Schulhof Lipót) war ein ungarischer Astronom.
In der Zeit der Österreich-Ungarischen Monarchie war Deutsch die überwiegende Amtssprache, so dass Schulhof auch unter dem Namen Leopold Schulhof (oder Schulhoff) geführt wurde.
Schulhof arbeitete an den Observatorium von Wien und Paris, wobei er sich der Beobachtung von Kometen und Asteroiden widmete und deren Bahnen berechnete. Er sagte u.a. die Wiederkehr des Kometen 15P/Finlay voraus.
1875 entdeckte er den Asteroiden (147) Protogeneia.
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Schulhof, Lipót
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