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Perg

Perg

Perg ist eine im oberösterreichischen Mühlviertel gelegene Bezirkshauptstadt. Sie liegt auf einer Seehöhe von 250 m im unteren Mühlviertel und hat ca. 7.400 Einwohner.

Geografie

Perg liegt inmitten des Bezirkes Perg auf 250 m Höhe im Mühlviertel am nördlichen Rand der fruchtbaren Machlandebene am Übergang zu den Ausläufern des Böhmischen Granitplateaus wenige Kilometer nördlich der Donau. Das Gemeindegebiet grenzt im Westen an Schwertberg, im Norden an Allerheiligen und Windhaag, im Osten an Münzbach und Arbing, im Süden an Mitterkirchen und Naarn. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 8,1 km, von West nach Ost 6,3 km. Die Gesamtfläche beträgt 26,5 km². 17,7 % der Fläche sind bewaldet, 68,7% der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt. Die Naarn durchfließt die Gemeinde von Nord nach Süd, zuerst in einem engen, tiefeingeschnittenen Durchbruchstal, dann im Machland im regulierten Bett des Naarnkanals. Auch verkehrspolitisch bildet Perg eine wichtige Drehscheibe: Bahn, Bundesstraße und die Umfahrung erschließen den Bezirk in westöstlicher Richtung. Ortschaften: Auhof, Aisthofen, Dörfl, Karlingberg, Kickenau, Lanzenberg, Lehenbrunn, Mitterberg, Pergkirchen, Thurnhof, Tobra, Weinzierl, Zeitling.

Wappen

Offizielle Beschreibung des Gemeindewappens: In Rot auf schwarzem Dreiberg ein silbernes, auf der mittleren und hinteren Kuppe stehendes, aufgerichtetes Einhorn. Die Gemeindefarben sind Rot-Weiß-Schwarz.

Geschichte

Ursprünglich im Ostteil des Herzogtums Bayern liegend, gehörte der Ort seit dem 12. Jahrhundert zum Herzogtum Österreich. 1269 gewährte König Ottokar von Böhmen, damals auch Herzog von Österreich, den Bürgern von Perg Handelsvorrechte. 1349 starben ein Drittel der Bewohner an der Pest. Seit 1490 wird der Ort dem Fürstentum 'Österreich ob der Enns' zugerechnet. 1542 wurde Perg eine selbstständige Pfarre. Während der Napoleonischen Kriege war der Ort mehrfach besetzt. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum "Gau Oberdonau", 1939 wurden die Dorfgemeinden Weinzierl und Pergkirchen der Gemeinde Perg angeschlossen. 1969 erfolgte die Stadterhebung. Seit September 1989 besteht zwischen Perg und der oberbayrischen Stadt Schrobenhausen eine Städtepartnerschaft.

Öffentliche Einrichtungen

Perg ist Sitz vieler Ämter, Institutionen und Behörden, unter ihnen: Stadtgemeinde, Bezirkshauptmannschaft, Finanzamt, Bezirksgericht, AMS, Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer und Bauernkammer.

Kultur und Freizeit

Auch im Sport- und Freizeitbereich hat Perg viel zu bieten: die Machland-Badewelt, das Waldbad, Bezirkssporthalle, das Jugendzentrum, Tennis-, Squash- und Turnhalle, Fußball-, Tennis- und Faustballplätze sowie ein Skatepark stellen ein reichliches Angebot für sportliche Betätigung dar. Weiters bietet sich die Benützung der herrlich angelegten Rad- und Wanderwege an. Das Pergfest, das alljährlich im Spätsommer stattfindet, verwandelt das Stadtzentrum in einen riesigen Freiluftkonzertsaal und zieht ebenso wie die jährlich im Juli stattfindenden [http://www.dioezese-linz.at/pfarren/perg/muekis/ Mühlviertler Kinderspiele (MÜKIS)] der [http://www.dioezese-linz.at/pfarren/perg/ Pfarre Perg] Besucher aus der ganzen Umgebung an. Zu den großen Sportvereinen zählen die ASKÖ und UNION Perg. Mit einigen Sportarten bieten sie mehreren hundert aktiven SportlerInnen die Möglichkeit den jeweiligen Lieblingssport auszuüben. In den Sparten Fußball und Volleyball wird neben dem Erwachsenensport besonders auf die Nachwuchsarbeit Wert gelegt. Perg ist eine Stadt mit sehr reichem Kulturleben: Theateraufführungen, Vorträge, Ausstellungen und Konzerte werden laufend von Privatpersonen ebenso angeboten wie von den bestehenden Vereinen wie beispielsweise Heimatverein, Stadtmusikkapelle, Musikverein Pergkirchen, Theatergruppe, Puppenbühne, Kammerchor, [http://www.kbw-ooe.at/perg/ Katholisches Bildungswerk] uvm. Einige davon wirken neben österreichweit bekannten Künstlern jährlich bei Oberösterreichs größtem Kinderkulturfest, den Mükis (Mühlviertler Kinderspielen), mit.

Infrastruktur

Neben den bestehenden 3 Kindergärten des [http://members.aon.at/kindergarten.perg Kindergartenvereines Perg] und der Spielwerkstätte Unteres Mühlviertel sowie der Pflichtschulen (Volksschule Perg und Volksschule Pergkirchen, Hauptschule 1, Hauptschule 2, Polytechnische Schule) ist Perg auch Standort eines BORG, einer BHAK und einer BHAS, einer HLW (ehem. HBLA f.w.B.), einer HTBLA für EDV und Organisation, einer Volkshochschule sowie einer Landesmusikschule und damit Schul- und Ausbildungszentrum von überregionaler Bedeutung. Perg ist auch ein Ärztezentrum: Neben einem Erste-Hilfe-Zentrum und einer Notarztstation haben praktische Ärzte, ein Facharzt für Augenheilkunde, für Lungenkrankheiten, für Hautkrankheiten, für Frauenheilkunde, für Orthopädie, für Radiologie, für Urologie, für Neurologie, für Innere Medizin, für Hals-, Nasen-, Ohrenkrankheiten, sowie ein Facharzt für Kinderkrankheiten in der Stadt ihre Praxis.

Sehenswertes

Für den kulturell Interessierten sind die Stadtpfarrkirche, die Kalvarienbergkapelle, das Seifensiederhaus, die Pestsäule, das Heimathaus-Stadtmuseum, der in Sandstein gehauene "Erdstall", die Mühlsteinbrüche sowie 3 Galerien einen Besuch Wert.

Söhne und Töchter der Stadt


- Maria Berger, österreichische Politikerin, Mitglied des Europäischen Parlaments
- Josephus Calasanz Fließer, katholischer Bischof der Diözese Linz
- Johann Schober, österreichischer Jurist, Beamter und Politiker Kategorie:Ort in Oberösterreich

Oberösterreich

Oberösterreich (alter Name: Erzherzogtum Österreich ob der Enns) ist eines der neun Österreichischen Länder. Es grenzt an Deutschland, Tschechien und an die österreichischen Bundesländer Niederösterreich, Steiermark und Salzburg. Mit einer Fläche von 11.980 km² und 1,3 Millionen Einwohnern ist Oberösterreich das viertgrößte Bundesland Österreichs (Vergleich: Wien und Niederösterreich haben mehr Einwohner; Steiermark, Tirol und Niederösterreich eine größere Fläche). Im Mühlviertel wohnen einige 100 Sinti, die dort schon seit dem Mittelalter anzutreffen sind. Die wenigsten bekennen sich zu ihrer Volksgruppe.

Geschichte

Das Geburtsjahr von Oberoesterreich König Otokar II, der sein Stammland Böhmen zu einer Höhe emporhob wie kein Herrscher vor ihm, wollte auch in Österreich und Steiermark seine Dynastie gründen und in den Alpenländern seine Macht ebenso gipfeln lassen als in Böhmen. Auch unserem Lande ob der Enns wendete er seine volle Aufmerksamkeit zu und trennte den früher zur Steiermark gehörigen Landstrich von dieser ab, gestaltete das ganze Gebiet zum „Fürstenthum ob der Enns“ aus. Der verlässliche Geschichtsforscher Julius Strnadt bezeichnet mit historischer Wahrscheinlichkeit das Jahr 1260 als Geburtsjahr des Landes ob der Enns. Im Jahre 1264 erscheint der Name Austria superior „Oberösterreich“ oder supra anasum – „Ob der Enns“ urkundlich und Konrad von Sumerau erscheint als „Landrichter der Provinz Oberösterreich“ Seit 1490 erlangte es als Teilfürstentum 'Österreich ob der Enns' eine gewisse Selbstständigkeit. Seit dieser Zeit hielten die oberösterreichischen Stände eigene Landtage in Linz. Neben Herren, Rittern und Prälaten spielten dabei auch die landesfürstlichen Städte eine wichtige Rolle. Seit 1530 öffnete sich das Land der Reformation; 30 Jahre späte waren die Oberösterreicher mehrheitlich evangelisch. Bei der habsburgischen Länderteilung von 1564 fiel Oberösterreich zusammen mit Niederösterreich und den böhmischen Ländern an Kaiser Maximilian II. Nach 1600 setzte unter Kaiser Rudolf II. und seinem Nachfolger Matthias die Gegenreformation ein. Deshalb gingen die oberösterreichen Stände 1619 ein Bündnis mit den böhmischen Ländern ein. Die Aufständischen wurden durch die Truppen des bayerischen Kurfürsten Maximilian im Auftrag Kaiser Ferdinands II. 1620 besiegt. Für einige Jahre kam Oberösterreich unter bayerische Besatzung. Der evangelische Adel musste konvertieren oder das Land verlassen. 1779 kam das Innviertel von Bayern zu Oberösterreich. Während der Napoleonischen Kriege war Oberösterreich mehrfach besetzt. Das Salzburger Land wurde von 1814 bis 1854 von der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz aus verwaltet. 1918 wurde der offizielle Landesname Oberösterreich. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 erfolgte die Umbenennung zum "Gau Oberdonau". Nach 1945 erfolgte die Wiederherstellung Oberösterreichs als österreichisches Bundesland.

Verwaltung

Oberösterreich wird traditionell in vier Viertel eingeteilt, das Hausruckviertel, das Innviertel, das Mühlviertel und das Traunviertel. Heutzutage ist es üblich, den Bereich zwischen den Städten Linz, Eferding, Wels, Steyr und Enns als Zentralraum zu bezeichnen. Außerdem erfolgt eine Trennung des Traunviertel in Salzkammergut und die Region Pyhrn-Eisenwurzen. Nach der heutigen Verwaltungseinteilung gliedert sich das Bundesland in 3 Statutarstädte und 15 politische Bezirke.

Statutarstädte


- Linz
- Steyr
- Wels

Bezirke


- Braunau am Inn
- Eferding
- Freistadt
- Gmunden
- Grieskirchen
- Kirchdorf an der Krems
- Linz-Land
- Perg
- Ried im Innkreis
- Rohrbach
- Schärding
- Steyr-Land
- Urfahr-Umgebung
- Vöcklabruck
- Wels-Land Siehe auch: Gemeinden in Oberösterreich

Wichtige Städte in Oberösterreich

Linz (Landeshauptstadt), Wels, Steyr, Leonding, Vöcklabruck, Gmunden, Hallstatt, Braunau am Inn, Ried im Innkreis, Enns, Bad Ischl, Traun, Schärding, Ansfelden, Marchtrenk; Siehe auch: Schulen in Oberösterreich Siehe auch: Landeshymne

Bevölkerung

Geologie

Nördlich des Donautales befindet sich die Böhmische Masse (auch Böhmisches Massiv), die geologisch älteste Landschaft Österreichs. Hier dominieren Granite und Gneise. Nach Süden hin überwiegt der Kalk, etwa im Dachstein/Hallstätterkalk. Dieser, in der Trias entstandene Kalk, ist reich an Fossilien. Besondere Fundorte für Ammoniten sind die Berge um Gosau, westlich des Dachsteines (östlichster Nordalpengletscher) gelegen.

Topografie

Gebirge

Dachsteinmassiv, Höllengebirge, Sengsengebirge, Totes Gebirge

Seen

Praktisch alle der großen oberösterreichischen Seen liegen im Salzkammergut, so etwa Almsee, Attersee, die Gosauseen, Hallstätter See, Irrsee, Langbathsee, Mondsee, Offensee, Traunsee und Wolfgangsee

Flüsse

Alm, Donau, Enns, Inn, Krems, Große Mühl, Kleine Mühl, Naarn, Steyr, Traun, Aist, Antiesen

Weblinks


- [http://www.ooe.gv.at/ Oberösterreichische Landesregierung]
- [http://www.meinereise.at/rioliste.cfm?bundesland=3 Gemeinden in Oberösterreich] Detailinformationen zu allen Gemeinden in Oberösterreich

Siehe auch


- Portal:Oberösterreich Kategorie:Österreich ! Kategorie:Bundesland in Österreich als:Oberösterreich

Bezirk Perg

Der Bezirk Perg ist mit einer Gesamtfläche von 611,86 km² der kleinste der vier politischen Bezirke des Mühlviertels. In ihm leben über 60.000 Menschen.

Verwaltung

Er ist in 3 Gerichtsbezirke (Mauthausen, Grein und Perg) gegliedert und in 26 Gemeinden aufgeteilt. Unter diesen 26 politischen Gemeinden sind 2 Städte (Perg und Grein) und 16 Marktgemeinden, der Rest sind Ortsgemeinden. Sitz der Bezirkshauptmannschaft ist Perg. (alle Einwohnerzahlen Stand: 15. Mai 2001)

Geographie

Der Bezirk Perg liegt im Südosten des Mühlviertels. Er erstreckt sich von Luftenberg im Westen bis nach Hirschenau im Gemeindegebiet von St. Nikola im Osten und bis nach St. Georgen/Walde im Norden. Im Süden werden die Grenzen größtenteils durch die Donau gebildet. Im Gemeindebereich Luftenberg-Langenstein aber springt die Bezirksgrenze über den Strom: Der Ausee in der Nähe von Asten liegt zwar südlich zur Gemeinde Luftenberg und damit zum Bezirk Perg. Die Schloßau mit der Ruine Spilberg hingegen liegt nördlich der Donau, gehört aber zur Gemeinde Enns und damit zum Bezirk Linz-Land. Auch im Bereich des Kraftwerkes Mitterkirchen verläuft die Bezirksgrenze nicht im Donaubett, sondern sie folgt dem Verlauf des heutigen Donaualtarmes südlich des Kraftwerkes. Ursache für diese uns heute oft kurios anmutende Grenzziehung sind die in früherer Zeit immer wieder stattfindenden Verlagerungen des Donaubettes durch die Natur als Folge von Hochwässern, die erst durch die Regulierung ihrer Ufer im vorigen Jahrhundert beendet werden konnten. Ursache war in jüngerer Zeit aber auch die Kraftwerksbautätigkeit des Menschen, wo die Anlagen im Trockenen gebaut wurden und anschließend der Flusslauf entsprechend verändert wurde. Nachbarbezirk im Westen ist Urfahr/Umgebung, im Osten bildet die niederösterreichische Landesgrenze, die Bezirke Melk und Zwettl, den Abschluss. Im Norden grenzt Perg an den Verwaltungsbezirk Freistadt, im Süden an Linz/Land und an den niederösterreichischen Bezirk Amstetten. Der Bezirk Perg reicht vom stark gegliederten Berg- und Hügelland im Norden über die Mittellagen, mit in ihnen eingelagerten Becken (z.B. Klamer Becken), bis zu den Donauebenen. Die Hochlagen des Bezirkes sind Ausläufer des Böhmischen Massivs, eines Mittelgebirges, sie erreichen im Burgstall in der Gemeinde St. Georgen/Walde ihre höchste Erhebung mit 948 m. Besonders die Hoch- und Mittellagen im nordöstlichen Teil sind naturbelassenes, waldreiches Hügelland von großer landschaftlicher Schönheit. Die Anteile des Bezirkes an den Donauebenen gehören zur Landschaftsregion des Alpenvorlandes. Das ebene und äußerst fruchtbare Machland reicht von Mauthausen bis Dornach (Saxen), wo sich dann das Granitplateau im Greiner Wald bis zur Donau vorschiebt. Von hier bis zur östlichen Bezirksgrenze und darüber hinaus bis Ybbs bildet die Donau den Strudengau, ein 25 km langes Durchbruchstal, in dem sich Orte, Straße und Bahn auf oft engstem Raum zwischen steil abfallenden, dicht bewaldeten Hängen und dem Fluss drängen. Hier, ganz im Osten des Bezirkes, misst man mit 220 m die geringste Seehöhe. Der Bezirk Perg wird zur Gänze zur Donau hin entwässert. Viele seiner Flüsse und Bächen haben sich auf ihrem Weg zur Donau tief in die Ausläufer des Granitmassivs eingeschnitten und so enge, landschaftlich sehr reizvolle Durchbruchstäler geschaffen (Gusental, Josefstal = Aisttal, Naarntal, Klamschlucht, Stillsteinklamm.....). Die wichtigsten Flüsse in ihrer Reichenfolge von West nach Ost sind Gusen (Große Gusen, Kleine Gusen), Riederbach, Aist (Feldaist, Waldaist), Naarn (Große Naarn, Kleine Naarn), Klambach, Kämpbach, Gießenbach, Dimbach, Sarmingbach, Kleine Isper. Die Vielzahl der Flüsse und Bäche hat zu einer ausgeprägten Kleingliederung der Landschaft geführt. 800 bis 900 m hohe Kuppen und im Unterlauf oft schluchtartig hunderte Meter eingetiefte, unübersichtliche Täler machen diesen Teil des Bezirkes zum verkehrsfeindlichsten und auch in seiner übrigen Nutzung am meisten beeinträchtigten. Die landschaftliche Verschiedenheit des Bezirkes spiegelt sich auch in der ungleichmäßigen Verteilung der Bevölkerung wider: Streusiedlungen und nur wenige geschlossenen Orte im stark gegliederten, bewaldeten, klimatisch raueren Norden. Dichte Besiedlung entlang der Übergangszone vom Granit zur Donauniederung, wo sich wegen der guten Verkehrsverbindungen auch der überwiegende Teil der bezirksinternen Großbetriebe angesiedelt hat. Der Bezirk Perg ist eine vom Menschen geformte Agrar- und Industrielandschaft, eine be- und zersiedelte Kulturlandschaft, die sich mit nahezu unberührter urtümlicher Naturlandschaft zu einem Lebensraum von hoher Lebensqualität ergänzt Perg

12. Jahrhundert

Das 12. Jahrhundert begann am 1. Januar 1101 und endete am 31. Dezember 1200. Es ist die Epoche des europäischen Hochmittelalters.

Zeitalter/Epoche


- Auf der Grundlage von Handel und Handwerk entwickelt sich das Bürgertum und Zünfte entstehen.
- Durch systematische Übersetzung von Büchern aus dem Arabischen ins Lateinische wird die Basis für den wissenschaftlichen und geistigen Aufstieg Europas geschaffen. Gleichzeitig weicht mit dem Aufblühen von Städten in Mitteleuropa die dörfliche Beschränktheit der Bevölkerung.
- Die katholische Kirche beginnt die Inquisition einzuführen, die 1235 von Papst Gregor IX. offiziell eingesetzt wird.
- Im Kaiserreich China entwickelt sich eine allgemeine Volksschrift.
- Gegen Ende des Jahrhunderts wird in Mittelamerika das Reich der Tolteken durch die Chichimeken-Indianer vernichtet.

Ereignisse/Entwicklungen


- Anfang des Jahrhunderts werden in Deutschland erstmals den Vornamen Familiennamen beigefügt.
- 1103 - Der deutsche Kaiser sichert den Juden seinen Schutz zu
- Alfons I. (Portugal) wird 1009 erster König von Portugal.
- Um 1120 übersteigt die Bevölkerungszahl Englands 3 Millionen.
- Um 1130 gibt es in Straßburg die erste städtische Müllabfuhr.
- 1137 - in Montpellier (Südfrankreich) wird eine Hochschule für Medizin gegründet
- Ab etwa 1140 führen die mongolischen Kin in China die Zopftracht ein.
- Zweiter und dritter Kreuzzug
- Der Abt Suger errichtet einen Neubau der Abtei Saint-Denis nördlich von Paris, der als das erste Gebäude im Stil der Gotik gilt.
- In der europäischen Musik entstehen die ersten mehrstimmigen, schriftlich fixierten Kompositionen. Die Entwicklung erreicht am Ende des Jahrhunderts in der Notre-Dame-Schule einen ersten Höhepunkt
- Die Araber übernehmen von den Indern die indischen Zahlen, die mit ihrem Stellenwertsystem revolutionär sind.
- 1173 - Der Papst verbietet allen Christen, Handel mit den Arabern zu treiben.
- Der erste Derwisch-Orden (Tariqa) wird von dem bekannten Sufi Abd al-Qadir al-Dschilani gegründet.
- In Angkor (Kambodscha) wird der Angkor Wat erbaut.
- In Europa treten die ersten Inquisitionstribunale auf.
- Das Mausoleum von Halikarnassos wird durch ein Erdbeben zerstört.
- 1199 - Papst Innozenz III. verbietet dem einfachen Volk das Lesen der Bibel.
- In diesem Jahrhundert wird ganz Europa flächendeckend vom Christentum erschlossen.

Persönlichkeiten

+ Lothar von Supplinburg, letzter deutscher Kaiser aus sächsischem Haus
- Roger II., König von Sizilien und Süditalien
- Petrus Abaelardus, französischer Philosoph und Scholastiker
- Arnold von Brescia, italienischer Freiheitskämfer und Reformator
- Wace, französischer Dichter und Geschichtsschreiber
- Gerhard von Toledo, italienischer Gelehrter
- Bernhard von Clairvaux, französischer Kreuzzugsprediger
- Peter Waldes, französischer Freiheitskämfer und Reformator
- Mosche ben Maimon (Moses Maimonides), jüdischer Philosoph, Rechtsgelehrter und Arzt
- Thomas Becket, englischer Priester und Staatsmann
- Ibn Rushd (Averroes), arabischer Philosoph und Naturforscher in Spanien
- Salah ad-Din Yusuf ibn Ayub (Saladin), arabischer Sultan
- Friedrich Barbarossa, Kaiser des Heiligen Römischen Reichs
- Heinrich der Löwe, deutscher Fürst
- Hildegard von Bingen, deutsche Mystikerin
- Moses Maimonides, jüdischer Philosoph, Rechtsgelehrter und Arzt
- Innozenz III., italienischer Papst
- Snorri Sturluson, isländischer Geschichtsschreiber, Staatsmann und Dichter
- Heinrich VI., deutscher Kaiser
- Richard Löwenherz, englischer König
- Dominikus, spanischer Dichter
- Franziskus, italienischer Wanderprediker
- Hermann von Salza, deutscher Staatsmann
- Albertus Magnus, deutscher Gelehrter

Erfindungen und Entdeckungen


- um 1110 verbreitet sich in Mitteleuropa der Steinkohlebergbau
- um 1120 kommen in Deutschland Bleistifte aus Graphit auf
- um 1130 wird im Kaiserreich China das Schießpulver aus Salpeter erfunden (anderen Quellen zufolge war Schwarzpulver in China schon um das Jahr 1000 bekannt)
- um 1130 wird in Europa die Alkoholherstellung durch Destillation bekannt 01-12 ! ja:12世紀 ko:12세기 simple:12th century th:คริสต์ศตวรรษที่ 12

1349

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Höhepunkt der Pest-Epidemie in Europa verbunden mit antisemitischen Massakern.
- Wilhelm von Gennep wird Erzbischof von Köln
- In England wird als Folge des Hundertjährigen Krieges das Französisch als Schulfach abgeschafft.
- Frankreich erwirbt die Dauphiné, eine Gegend im Burgund.
- Johann der Gute wird König von Frankreich.
- 30. Januar. Günther von Schwarzburg wird von den Wittelsbachern zum Gegenkönig des Luxemburger Karl IV. erhoben. Er stirbt allerdings schon fünf Monate später.
- 11. Juli Zweite Krönung Karls IV. nach dem Tod Schwarzburgs. Diesmal ist sie allerseits anerkannt.
- 24. August - Beginn eines Pogroms gegen Juden in Köln, die der Schuld an der Pest verdächtigt werden. Mehrere Tausend Menschen kommen um oder werden vertrieben, das jüdische Viertel wird vom Mob niedergebrannt.
- 20. Oktober - Papst Clemens VI. verbietet das Flagellantentum.
- Epiros wird durch Johannes Kantakuzenos erobert.
- Pedro IV. von Aragón vertreibt Jaume III. und in der Folge wird Mallorca aragonische Provinz. Bis zur Autonomie von 1983 wird die Insel vom Festland her regiert.

Geboren


- 9. September - Albrecht III. (Österreich), Herzog von Österreich († 1395)

Gestorben


- 24. Januar - Lucchino Visconti, Regent von Mailand (
- 1287)
- 10. April - Wilhelm von Ockham (oder 1350) (
- um 1285)
- 14. Juni Günther XXI. von Schwarzburg, kurzfristiger Gegenkönig der Luxemburger (
- 1304)
- 14. August - Walram von Jülich, Erzbischof von Köln (
- um 1304)
- 18. November - Friedrich der Ernsthafte, trat als Alleinerbe unter Vormundschaft seiner Mutter die Nachfolge seines verstorbenen Vaters in der Markgrafschaft Meißen und der Landgrafschaft Thüringen an (
- 1310)

anderweitiges


- Black Metal Band 1349 http://www.legion1349.com/ ko:1349년

Pest

Die Pest (v. lat. pestis = Seuche) ist eine hochgradig ansteckende Krankheit. Erreger der Erkrankung ist das Bakterium Yersinia pestis (Fam. Enterobacteriaceae, Classis Zymobacteria Gammaproteobacteria). In großen Pandemien hat diese Krankheit immer wieder die Weltbevölkerung getroffen und damit die Geschichte der Menschheit beeinflusst. Für den Verlauf der Geschichte in Europa ist vor allem die große Pestepidemie im 14. Jahrhundert prägend gewesen. Da jedoch zu dieser Zeit noch jegliche Mittel zur exakten Diagnostik sowie eindeutig verwertbare Augenzeugenberichte fehlten, ist nicht zweifelsfrei erwiesen, dass es sich bei den damaligen Epidemien um einen Ausbruch der Pest im eigentlichen Sinne (Yersinia pestis als Erreger) handelte. Mit dieser Pestepidemie befasst sich ein separater Artikel mit dem Titel Schwarzer Tod. Schwarzer Tod (nach J. Columbina). Durch diese Kleidung hofften die Ärzte während der Pestepidemie von 1656 in Rom, sich vor der Pestansteckung zu schützen. Sie trugen einen Wachsmantel, eine Art Schutzbrille und Handschuhe. In dem Schnabel befand sich „wolriechende Specerey“.]]

Arten

Man unterscheidet vier Erscheinungsformen der Pest: Beulenpest, Pestsepsis, Lungenpest sowie die abortive Pest. Bei Pandemien treten alle Formen der Erkrankung auf, eine Beulenpest entwickelt sich ohne Behandlung außerdem fast immer in eine Pestsepsis und eine Lungenpest.

Beulenpest

Rom Bei der Beulenpest, auch Bubonenpest genannt (v. lat. bubo = Beule), erfolgt die Ansteckung gewöhnlich durch den Biss des Rattenflohs. Wenn ein Floh seinen Wirt wechselt und ein neues noch nicht infiziertes Nahrungsopfer beißt, überträgt er damit auf biologischem Wege das Bakterium, welches sich in dem Floh vermehrt hat. Der Rattenfloh ist eigentlich eng an sein Wirtstier gebunden. Er befällt erst dann den Menschen, wenn er keinen geeigneten Wirt mehr findet. Daher ging zumindest der Beulenpest immer ein massenhaftes Rattensterben voraus. Die Inkubationszeit liegt bei wenigen Stunden bis sieben Tagen. Die Symptome sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, starkes Krankheitsgefühl, Benommenheit und später Bewusstseinsstörungen. Der Name Beulenpest stammt von den stark geschwollenen, sehr schmerzhaften Beulen am Hals, in den Achselhöhlen und in den Leisten, die durch die Infektion der Lymphknoten und Lymphgefäße im Bereich des Flohbisses entstehen. Diese Beulen können bis zu zehn Zentimeter groß werden und sind aufgrund innerer Blutungen in den Lymphknoten blau-schwarz gefärbt. Die Geschwüre zerfallen, nachdem sie eitrig eingeschmolzen sind. Die Beulenpest als solche ist nicht tödlich, und die Beulen sind nach Öffnung auch heilbar. Allerdings kommt es bei bis zu 75% der unbehandelten Patienten zu einer Infektion des Blutes und somit zur Pestsepsis und zur Lungenpest oder zu einer Streuung der Erreger mit ausgedehnten Hautblutungen. Diese Formen führen unbehandelt zum Tod. Die Beulenpest verbreitet sich im Winter langsamer als im Sommer, da der Überträgerfloh bei Temperaturen unter 12 °C in eine Kältestarre fällt. Der epidemische Höhepunkt dieser Pestart fiel stets mit der Fortpflanzungszeit der Flöhe im Herbst zusammen.

Pestsepsis

Die Pestsepsis entsteht durch Infektion des Blutes. Dies kann durch Infektion von außen, zum Beispiel über offene Wunden, geschehen, aber auch als Komplikation aus den beiden anderen schweren Verlaufsformen, zum Beispiel durch Platzen der Pestbeulen nach innen. Die Erreger im Blut verteilen sich mit dem Blutstrom im gesamten Körper. Die Infektion bewirkt hohes Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und ein allgemeines Unwohlsein, später großflächige Haut- und Organblutungen. Pestsepsis ist unbehandelt praktisch immer tödlich, in der Regel spätestens nach 36 Stunden. Heute kann durch die Behandlung mit Antibiotika die Sterblichkeit deutlich gesenkt werden.

Lungenpest

Antibiotika Die Lungenpest kann sich im Verlauf der Beulenpest entwickeln, wenn die Erreger in die Blutbahn geraten, und man spricht dann von einer sekundären Lungenpest. Wird sie aber durch eine Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen, spricht man von einer primären Lungenpest. Diese Krankheit verläuft heftiger, weil die Abwehrbarrieren der Lymphknoten durch direkte Infektion der Lunge umgangen werden. Sie beginnt mit Atemnot, Husten, Blaufärbung der Lippen und schwarz-blutigem Auswurf, der extrem schmerzhaft abgehustet wird. Daraus entwickelt sich ein Lungenödem und ein Kreislaufversagen, welches unbehandelt nach zwei bis fünf Tagen zum Tod führt. Die Inkubationszeit beträgt nur ein bis zwei Tage, die Sterblichkeitsrate liegt hier bei 95 %.

Abortive Pest

Die abortive Pest ist die harmloseste Variante der Pest. Sie äußert sich meist nur als leichtes Fieber und leichte Schwellung der Lymphdrüsen. Nach überstandener Infektion haben sich Antikörper gebildet, die eine langanhaltende Immunität gegen alle Formen der Erkrankung gewährleisten.

Übertragungsweg

:„Am Morgen des 16. April trat der Arzt Bernard Rieux aus seiner Wohnung und stolperte mitten auf dem Flur über eine tote Ratte (...) Am selben Abend sah er aus dem Dunkel des Gangs eine dicke Ratte auftauchen, mit feuchtem Fell und unsicherem Gang. Das Tier blieb stehen, schien sein Gleichgewicht zu suchen, wendete sich gegen den Arzt, blieb wieder stehen, drehte sich mit einem leisen Schrei im Kreis und fiel schließlich zu Boden, wobei aus den halb geöffneten Lefzen Blut quoll...“ Immunität Mit diesen Zeilen leitet der französische Literaturnobelpreisträger Albert Camus seinen 1947 erschienenen Roman Die Pest ein. Wenn das Werk Camus' auch fiktiv ist, so beschreibt er doch treffend das große Rattensterben, das einer Pestepidemie vorauszugehen pflegt. Flöhe, insbesondere aber der Rattenfloh Xenopsylla cheopsis spielen bei der Übertragung des Pesterregers eine große Rolle. Flöhe sind Parasiten, die von außen an ihrem Wirt schmarotzen, selber aber gelegentlich Parasiten in ihrem Inneren beherbergen und ihren Wirt mit diesem Parasiten infizieren können. Das Pestbakterium ist ein solcher Parasit. Wechselt der Rattenfloh von einem infizierten Nager – beispielsweise der Wanderratte oder der Hausratte – nach dessen Tod auf einen anderen Wirt über, ist er in der Lage, diesen mit dem Pestbakterium zu infizieren. Der Rattenfloh bevorzugt dabei als neuen Wirt wiederum Ratten, für die die Pesterkrankung ebenso tödlich ist wie für den Menschen. Fehlt es aber an Ratten, nimmt der Rattenfloh auch Menschen als neue Wirte an und infiziert dann auch diese mit dem Pestbakterium (Zoonose). Diese Situation ergibt sich vor allem, wenn viele Ratten aufgrund der Pest sterben. Die Frage, welche weiteren Floharten neben dem Rattenfloh an der Übertragung der Pest beteiligt sind, wurde seit den 1950er Jahren unter Naturwissenschaftlern und Medizinhistorikern kontrovers diskutiert. Mittlerweile besteht Übereinstimmung, dass etwa 30 Floharten sich als Überträger der Pestbakterien eignen, darunter auch der Menschenfloh (Pulex irritans). Das Pestbakterium kann darüber hinaus längere Zeit auch ohne tierischen Wirt überleben – beispielsweise in Erde, im Staub, im Kot oder in Tierkadavern – und von dort aus Krankheitsopfer infizieren. Neben dieser indirekten Ansteckung kann es allerdings auch zu einer direkten Ansteckung an infizierten Nagetieren oder Menschen über offene Wunden und Speichel kommen. Gelangt der Erreger im Menschen in den Lungenblutkreislauf, entsteht die sekundäre Lungenpest mit hochinfektiösem blutigem Auswurf. Wer Kontakt mit einem darunter leidenden Patienten hat, kann sich direkt mit dieser sogenannten primären Lungenpest infizieren. Ist der Sprung des Pestbakteriums aus einer Nagerpopulation auf den Menschen erst einmal gelungen, dann ist dies sehr rasch der hauptsächliche Infektionsweg. Bereits 100 bis 200 eingeatmete Erreger reichen für eine Infektion aus. Auch Raubtiere, die infizierte Ratten gefressen haben, können die Bakterien und die Flöhe weiter übertragen. Hauskatzen erkranken ebenfalls an der Pest, bei Hunden ist dies nicht bekannt. Diese Übertragungswege sind im Normalfall zwar selten, spielen jedoch im Rahmen von größeren Pandemien eine Rolle.

Wilde Nagetierpopulationen als Rückzugsgebiet des Pestbakteriums

Hunde Die Pestbakterien kommen auch heute noch in wilden Nagetierpopulationen vor – wie beispielsweise bei den Präriehunden, Erdhörnchen und Murmeltieren. Diese wilden Populationen sind die natürlichen Reservoire des Pestbakteriums, von denen aus gelegentlich häusliche Nager wie beispielsweise Ratten infiziert werden. Während in Europa und Australien keine infizierten Tierpopulationen bekannt sind, kommen solche im Kaukasus, Russland, in Südostasien, der Volksrepublik China, der Mongolei, Süd- und Ostafrika, Mittel- und Südamerika sowie im Südwesten der USA vor. Nach Nordamerika gelangte der Erreger dabei über ein Handelsschiff während der Pestepidemie, die ab 1894 in Südostasien grassierte. Während nur sehr wenige Menschen in Nordamerika an der Pest erkrankten, infizierte der Erreger die amerikanische Eichhörnchenpopulation. Gelegentlich kommt es daher auch heute noch in Nordamerika zu Übertragungen von Tier zu Mensch. Meist sind es Jäger, die sich bei einem Nagetier anstecken; Norman F. Cantor verweist jedoch auch auf einen nordamerikanischen Fall aus den 1980er Jahren, bei dem eine Frau ein Eichhörnchen mit einem Rasenmäher überfuhr und sich dabei mit der Pest infizierte. Der Pestausbruch in der indischen Stadt Surat im Jahre 1994 bestätigt daher die Aussage, die Camus bereits 1947 gegen Ende seines Romans Die Pest macht: :„Während Rieux den Freudenschreien lauschte, die aus der Stadt empordrangen, erinnerte er sich daran, daß diese Fröhlichkeit ständig bedroht war. Denn er wußte, was dieser frohen Menge unbekannt war und was in den Büchern steht: Daß der Pestbazillus niemals ausstirbt oder verschwindet, sondern jahrzehntelang in den Möbeln und der Wäsche schlummern kann, daß er in den Zimmern, den Kellern, den Koffern, den Taschentüchern und den Bündeln alter Papiere geduldig wartet und daß vielleicht der Tag kommen wird, an dem die Pest zum Unglück und zur Belehrung des Menschen ihre Ratten wecken und erneut aussenden wird (...)“ Weltweit registriert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) etwa 1000 bis 3000 Pestfälle pro Jahr, meistens in Form kleinerer, örtlich begrenzter Epidemien. In Europa gab es den letzten dokumentierten Pestausbruch im Zweiten Weltkrieg. Man nimmt an, dass die Pest gegenwärtig in Europa nicht mehr existiert.

Medizinische Behandlung

Zweiten Weltkrieg

Historische Entwicklung

Während der mittelalterlichen Pestepedemien kauten Ärzte auf der Angelikawurzel (Engelwurz), um sich vor Ansteckung zu schützen. Noch 1771 gab der französische Autor Buchoz seinen Lesern den Rat, bei Pestepidemien seine Kleidung mit einem Pulver aus Engelwurz zu bestreuen. Die medizinische Diagnostik und Behandlung der Krankheit basiert weitgehend auf den Forschungen und klinischen Beobachtungen eines Pestausbruchs, der Ende des 19. Jahrhunderts in der Mongolei begann. Der Bakteriologe Alexandre Yersin isolierte 1894 in Hongkong den Pesterreger, der später nach ihm als Yersinia pestis benannt wurde. Die Ausbreitung der Pest konnte jedoch nur teilweise eingedämmt werden. 1896 erreichte sie Bombay, wo Masanori Ogata und Paul-Louis Simond nachwiesen, dass der Biss des Rattenflohs den Erreger vom Tier auf den Menschen überträgt. Sowohl in China als auch in Bombay wurde darüberhinaus der Charakter und Verlauf der Epidemie umfassend klinisch beschrieben. Damit war der Grundstein für ein wissenschaftliches Verständnis der Pestinfektion gelegt, die Dezimierung der Ratten wurde zur Vorbeugung von Pestausbrüchen betrieben. Ein wirksames Gegenmittel der Erkrankung beim Menschen war damit noch nicht gefunden. Die Grundlage hierfür war die Entdeckung des Penicillins im Jahre 1928.

Diagnose und Therapie heute

Die Diagnose erfolgt über den Nachweis der Erreger im Blut, im Sekret der Beulen oder bei der Lungenpest im Auswurf. Antikörper lassen sich ab dem zehnten Krankheitstag nachweisen. Behandelt wird die Pest heutzutage mit Antibiotika, und bei frühzeitiger Erkennung bestehen gute Chancen auf Heilung. Eingesetzte Antibiotika sind beispielsweise Streptomycin und Chloramphenicol sowie Kombinationen aus Tetracyclinen und Sulfonamiden. Darüberhinaus stehen Schutzimpfungen zur Verfügung, die allerdings nur drei bis sechs Monate wirken und nur gegen die Beulen-, nicht aber gegen die Lungenpest wirken. Die Autoren Eberhard-Metzger und Ries weisen jedoch auf die schlechte Verträglichkeit dieser Schutzimpfungen hin. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt diese Impfung daher nur Risikogruppen, zu denen beispielsweise Bauern, Landarbeiter und Jäger in Regionen zählen, in denen infizierte Nagetierpopulationen verbreitet sind. Weitere Maßnahmen, um eine Pestepidemie einzudämmen, sind verbesserte Hygiene, Bekämpfung der Ratten und die Verhinderung des Transports von Ratten auf Schiffen. Da nach dem Tod der Ratten die Flöhe ihren Wirt wechseln, müssen die Menschen mit Insektiziden vor den Flöhen geschützt werden.

Quarantäne und Meldepflicht

Die Pest gehört neben den Pocken, Cholera und hämorrhagischem Fieber (Ebola, Lassa u.A.) in Deutschland zu den vier Quarantäne-Krankheiten. Patienten, die daran erkrankt sind, müssen in speziellen Infektionsabteilungen abgeschirmt werden. Länderübergreifende Quarantäneregelungen für Schiff-, Luft-, Zug- oder Kraftfahrzeugverkehr sind im [http://www.admin.ch/ch/d/sr/0_818_102/ internationalen Sanitätsreglement] von 1971 festgehalten. Ein Hinweis auf die Pest, die Erkrankung an oder der Tod durch Pest müssen in Deutschland nach dem [http://www.bmi.bund.de/cln_012/nn_122688/SiteGlobals/Forms/Suche/serviceSucheFormular,templateId=processForm.html?resourceId=122734&input_=&pageLocale=de&searchEngineQueryString=Infektionsschutzgesetz&sortString=-dateOfIssue&searchArchive=2&searchIssued=0&pat Infektionsschutzgesetz] auch bei Verdacht namentlich gemeldet werden. Die Meldungen werden von den Gesundheitsämtern an die Landesgesundheitsbehörde und das Robert-Koch-Institut weitergeleitet. Das Robert-Koch-Institut meldet sie gemäß internationalen Vereinbarungen an die Weltgesundheitsorganisation.

Die Pest als biologische Waffe

Die Pest wird von der Weltgesundheitsorganisation zu den zwölf gefährlichen biologischen Kampfstoffen gezählt. Zu diesem sogenannten dreckigen Dutzend gehören neben der Pest auch Milzbrand- und Tularämiebakterien, Pocken-, Ebola- und Marburg-Viren. Der erste historisch belegte Einsatz der Pest als biologische Waffe fand 1346 in der Hafenstadt Kaffa statt, als der Tartarenführer Khan Djam Bek Pestleichen über die Mauern der Stadt werfen ließ und die Belagerten vor der Pest die Flucht ergriffen. Während des Zweiten Chinesisch-Japanischen Krieges stellte die japanische Armee im Einheit 731 genannten Gefangenenlager bei Harbin in der Mandschurei Waffen her, die mit Pest infizierte Flöhe enthielten und deren Einsatz in der Republik China in den Jahren 1940 bis 1942 lokale Pestausbrüche verursachten. Bei der Zerstörung der Produktionsstätten durch die japanische Armee 1945 bei Kriegsende kamen mit Pest infizierte Ratten frei und lösten in den Provinzen Heilongjiang und Jilin eine Epidemie mit über 20.000 Todesopfern aus. Zur Zeit des Kalten Krieges beschäftigten sich russische Wissenschaftler mit dem Einsatz von Pesterregern als biologische Waffe. Wie der ehemalige russische Forscher für biologische Waffen Ken Alibek berichtete, gelang es Russland Ende der 1980er Jahre, die Pest in eine sprühfähige Form zu bringen und gegen Antibiotika resistent zu machen. In Deutschland beschäftigt sich das Robert-Koch-Institut mit den Gefahren durch biologische Kampfführung. Dort wurde auch die Informationsstelle des Bundes für biologische Sicherheit (IBBS) eingerichtet. Wie groß die Gefahr eines Angriffs mit biologischen Kampfstoffen tatsächlich ist, ist sehr umstritten. Die IBBS rät nicht zu einer Impfung gegen die Pest in Deutschland. Diese Empfehlung gilt sowohl für die Bevölkerung insgesamt als auch für Risikogruppen.

Geschichte

Pest, Pocken und Milzbrand

Große Pandemien sind bereits aus der Bibel überliefert: die Pest gehört zu den Plagen, die in der biblischen Erzählung Ägypten heimsuchen, und sie löst auch das Massensterben der Philister aus, die sich der jüdischen Bundeslade bemächtigt hatten. Da jegliches Mittel zur Diagnostik ebenso wie eindeutig verwertbare Augenzeugenberichte fehlen, ist nicht zweifelsfrei erwiesen, dass es sich bei den Pandemien, die uns aus der Zeit bis zum späten Mittelalter überliefert wurden, jeweils um einen Ausbruch der Pest handelt. Historiker nennen eine Vielzahl möglicher anderer Krankheiten. Das Spektrum reicht von Ebola-ähnlichen Krankheiten, Pocken, einer durch Kühe übertragenen Milzbrand-Infektion bis zu Gonorrhoe. Was die Ansteckungswege und die Symptomatik betrifft, kommen als Alternative zur Pest neben den Pocken eher Fleckfieber, Cholera und Typhus in Frage. Letztendlich stammt das Wort Pest aus dem Lateinischen und bedeutet nichts anderes als Seuche. Es steht darüber hinaus für Unglück, Verderben, verderbliche Person oder Sache, Scheusal, Unhold, Qual, Leiden, Hungersnot. Die klassischen Texte, von der Aeneis über die Ilias bis zur Bibel, bezeichnen daher alle großen Seuchen als Pest. Von den im nachfolgenden genannten Krankheitswellen sind viele Historiker jedoch überzeugt, dass Auslöser der Epidemien tatsächlich der Pesterreger war.

Antike bis Frühmittelalter

Die große Seuche im antiken Griechenland

Eine Seuche, der viele Menschen zum Opfer fielen, wurde bereits im antiken Griechenland um 430 v. Chr. von Thukydides ausführlich beschrieben. Thukydides berichtet, wie die Krankheit, die jäh in einer entscheidenden Phase des Peloponnesischen Krieges auftrat, im mit Kriegsflüchtlingen überbevölkerten Athen zu wüten begann. :„Die Körper lagen, während sie verendeten, einer über dem anderen; einige wälzten sich, nach Wasser lechzend, auf den Wegen, die zu den Brunnen führten, halb tot auf der Erde. Die geweihten Stätten, in denen man sich eingerichtet hatte, lagen voller Leichen, die Menschen waren da gestorben, wo sie sich hinbegeben hatten. Vor einer solchen Entfesselung des Leids achteten sie, da sie nicht wußten, was aus ihnen würde, überhaupt nichts mehr, nicht göttliche, nicht menschliche Ordnung.“ (Thuk. II 52) Perikles, der berühmte athenische Feldherr und Politiker, starb an der Seuche ebenso wie eine große Anzahl anderer Athener. Diodor schätzte, dass Athen damals ein Drittel seiner Bevölkerung verlor. Zwei Jahre lang wütete die Epidemie in Athen und trug mit zu Athens Niederlage im Peloponnesischen Krieg bei, den Athen gegen Sparta führte. Ob Auslöser dieser Seuche der Pesterreger war, ist heute nicht mehr beweisbar. Viele Historiker unterstellen, dass es sich bei dieser Seuche entweder um die Pest oder um die Pocken handelte. Da Thukykides jedoch die typischen Charakteristika wie die Pestbeulen und die schwärzlichen Flecken auf der Haut nicht beschrieb, die beschriebenen Symptome in ihrer Gesamtheit auf keine heute bekannte Krankheit passen, werden von Historikern und Medizinern auch andere Erreger diskutiert und auch nicht ausgeschlossen, dass die Griechen von einer mittlerweile ausgestorbenen Krankheit heimgesucht wurden. Unabhängig davon, welche Krankheit es letztendlich war, war ihre Auswirkung - ein dramatischer Bevölkerungsrückgang, der Zusammenbruch des sozialen Gefüges, die fatalen wirtschaftlichen Konsequenzen und der Verfall der militärischen Stärke sowie der politischen Macht - vergleichbar mit den Auswirkungen späterer, eindeutig belegter Pestepidemien.

Die Pest im Römischen Reich

Auch das Römische Reich wurde mehrfach von großen Epidemien getroffen. Die erste war die so genannte Antoninische Pest zur Zeit des Kaisers Marc Aurel (161180), die von den aus den Partherkriegen zurückkehrenden Soldaten verbreitet wurde. Ob es sich bei dieser Epidemie um die Pest handelte, ist allerdings unklar. Pestwellen mit tiefgreifenden Auswirkungen auf das Römische Reich traten insbesondere in der Zeit zwischen 250 und 650 n. Chr. auf. Die so genannte Justinianische Pest zur Zeit Kaiser Justinians (527565), die 542 in Konstantinopel ausbrach, hat vielleicht zum Misserfolg der Restauratio imperii beigetragen und gilt als die größte antike Pestepidemie in Europa. Sie brach zunächst im Orient aus und verbreitete sich rasant. 544 ließ Justinian, der selbst erkrankt gewesen war, aber überlebt hatte, zwar das Ende der Pestepidemie verkünden, doch brach sie 557 erneut aus, kehrte im Jahre 570 nochmals wieder und trat bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts in etwa zwölfjährigem Rhythmus immer wieder in Erscheinung, bevor sie nach etwa 770 wieder für über fünf Jahrhunderte verschwand. Vom frühen Mittelalter an bis zum Ausbruch des so genannten Schwarzen Todes in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts scheint Europa von der Pest weitgehend verschont geblieben zu sein.

Der „Schwarze Tod“ – die mittelalterlichen Pestepidemien

14. Jahrhundert Mit der Bezeichnung „Schwarzer Tod“ wird heutzutage die große Pestepidemie bezeichnet, die in Europa von 1347 bis 1353 wütete. Über die nachfolgende Zusammenfassung hinaus sind die Auswirkungen dieser Pestepidemie auf die mittelalterliche Gesellschaft ausführlich in einem eigenen Hauptartikel Schwarzer Tod beschrieben. Die Seuche war offenbar in den 30er Jahren des 14. Jahrhunderts in Zentralasien ausgebrochen und breitete sich entlang der Handelswege auch Richtung Europa aus. 1347 erreichte sie das an der Krim gelegene Kaffa. Kaffa, das heutige Feodosija, war als genuesische Handelsstadt eng in das Handelsnetz der Genueser eingebunden, das sich über den gesamten Mittelmeerraum erstreckte. Von Schiffen verbreitet erreichte die Krankheit noch im selben Jahr die Küstenstädte Konstantinopel, Kairo sowie das sizilianische Messina. Im März 1348 hatte die Epidemie über den Landweg bereits Toulouse erreicht, im Mai erkrankten die ersten Opfer in Paris, im August starben die ersten in Avignon an der Pest. Deutschland, Norwegen, Schweden und Irland wurden 1349 von der Pest erreicht. Man schätzt, dass etwa 20 bis 25 Millionen Menschen, rund ein Drittel der damaligen Bevölkerung Europas, durch den Schwarzen Tod umkamen. Über die Anzahl der Opfer in Asien und Afrika liegen keine seriösen Angaben vor. Jegliche Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu behandeln, da zeitgenössische Quellen die Anzahl der Toten eher zu hoch ansetzten, um den Schrecken und die Unbarmherzigkeit dieser Pandemie zu unterstreichen. Der Schwarze Tod wütete nicht gleichmäßig in Europa, sondern ließ einige wenige Gebiete fast unberührt. Große Teile Polens, Belgiens und Süddeutschlands blieben beispielsweise von dieser ersten Pestwelle verschont. Auch Mailand entging der Heimsuchung durch die Pest, während in Florenz vier Fünftel der Bürger starben. In der Einleitung zu seiner Novellensammlung Decamerone schildert Boccaccio eindrucksvoll, wie verheerend sich die Epidemie auswirkte: Boccaccio :„So konnte, wer – zumal am Morgen – durch die Stadt gegangen wäre, unzählige Leichen liegen sehen. Dann ließen sie Bahren kommen oder legten, wenn es an diesen fehlte, ihre Toten auf ein bloßes Brett. Auch geschah es, dass auf einer Bahre zwei oder drei davongetragen wurden, und nicht einmal, sondern viele Male hätte man zählen können, wo dieselbe Bahre die Leichen des Mannes und der Frau oder zweier und dreier Brüder und des Vaters und seines Kindes trug.“ (Boccacio, Decamerone) Viele der Menschen empfanden die Pest als Gottesstrafe. Religiöse Bewegungen entstanden spontan im Gefolge oder in Erwartung der Pest: Eine der auffälligsten waren die Bewegung der Flagellanten, die sich als Buße für ihre eigenen Sünden so wie die der Gesellschaft in öffentlichen Umzügen selbst geißelten und in den Städten Reue und Umkehr predigten. Sie verstanden sich als direkte Mittler zwischen Himmel und Erde – ohne Einschaltung der kirchlichen Autoritäten. Papst Klemens VI. verbot daher bereits 1348 öffentliche Selbstgeißelungen, ohne dieses Verbot jedoch durchsetzen zu können. 1348). Holbein verdeutlichte, dass die Pest weder Stand noch Klasse kannte.]] Bereits Anfang 1348 war das Gerücht aufgekommen, die Pest werde durch Brunnenvergiftung verbreitet. In der Karwoche wurden in der Provence erstmals Juden wegen der Pest verfolgt; der Vorwurf, sie träufelten Gift in Brunnen und Quellen und verbreiteten so die Pest, ist wenig später in den Quellen zu finden. In Savoyen bekannten sich im Herbst 1348 jüdische Angeklagte unter der Folter solcher Vergehen für schuldig. Die Geständnisse fanden rasch Verbreitung und bildeten die Basis für eine Welle von Judenpogromen vor allem im Elsaß, in der Schweiz und in Deutschland. Nicht selten gerieten die Juden dabei zwischen die Fronten älterer Auseinandersetzungen, so etwa in Straßburg. Die Lage der jüdischen Minderheit im Reich war durch die Auseinandersetzungen zwischen den Häusern der Wittelsbacher und der Luxemburger äußerst prekär. Nachdem eine erste Pogromwelle um März 1349 abgeflaut war, war diese Großwetterlage für den Beginn einer zweiten Welle verantwortlich: Im Kampf um die Loyalität einzelner Städte (Frankfurt am Main, Nürnberg) gab Karl IV. die Juden den Interessen der städtischen Führungsgruppen preis. Die oft behauptete Verantwortung der Flagellanten für die Judenpogrome lässt sich in den seltensten Fällen nachweisen, am ehesten noch für Köln. In den meisten Fällen gilt, dass die Juden noch vor dem Eintreffen der Pest ermordet wurden. In Böhmen und Österreich wurden sie von der Landesherrschaft, in Regensburg von der Stadtgemeinde geschützt. Langfristig bewirkte und beschleunigte die Pest durch den massiven Bevölkerungseinbruch einen tiefgreifenden Wandel in der mittelalterlichen Gesellschaft, der sich langfristig positiv bemerkbar machte. So bezeichnete David Herlihy die Pest als die Stunde der neuen Männer: Die Entvölkerung ermöglichte einem größeren Prozentsatz der Bevölkerung den Zugang zu Bauernhöfen und lohnenden Arbeitsplätzen. Unrentabel gewordene Böden wurden aufgegeben, was in manchen Regionen dazu führte, dass Dörfer verlassen oder nicht mehr wiederbesiedelt wurden (sogenannte Wüstungen). Die Zünfte ließen nun auch Mitglieder zu, denen zuvor die Aufnahme verweigert worden war, und während der Markt für landwirtschaftliche Pachten zusammenbrach, stiegen die Löhne in den Städten deutlich an. Die Identifikation der mittelalterlichen Seuchen mit der durch Yersinia pestis verursachten Pest wurde und wird nach wie vor mehrfach angezweifelt, so durch die Historiker David Herlihy, Samuel K. Cohn und Sue Scott, den Zoologen Chris Duncan und den Anthropologen James Wood. Dabei trifft insbesondere der Einwand, dass weder die damalige rasante Ausbreitungsgeschwindigkeit noch die historisch beschriebenen Krankheitszeichen mit den bei einer Beulenpest zu erwartenden übereinstimmten. Auch war damals keine zu erwartende Epizootie bei Hausratten beobachtet worden. Alternativ wird nunmehr die Möglichkeit diskutiert, dass es sich entweder um Milzbrand oder eine langsame Variante eines hämorrhagischen Fiebers gehandelt haben könnte. Ein Argument dafür liefert auch eine Mutation des Gens CCR5 im Menschen. Diese Mutation mit dem Namen CCR5Δ32 wird in ca. 10% der europäischen Bevölkerung gefunden, nicht aber in Asien oder Ostafrika. Mathematische Modelle zur Verbreitung dieser Mutation lassen auf einen großen Selektionsdruck vor etwa 700 Jahren schließen, dem Zeitpunkt der Pest in Europa. Diese Mutation könnte somit ein genetischer Überlebensvorteil bei der Pest gewesen sein. Diese Veränderung auf dem CCR5-Gen schützt heute den homozygotischen Träger vor einer HIV-Infektion. Wenn es nur von einem Elternteil vererbt wird, verzögert es den Ausbruch von AIDS durchschnittlich um drei Jahre. Vor Yersinia pestis schützt diese Mutation dagegen nicht. Bei der im Mittelalter als Pest bezeichneten Krankheit könnte es sich somit um ein direkt von Mensch zu Mensch übertragenes hämorrhagisches Fieber gehandelt haben, also eine Viruserkrankung, deren bekannteste Form das Ebola-Fieber ist.

Neuzeit

15. bis 19. Jahrhundert

Nach der schweren Pestepidemie, die 1347 begann, endemisierte sich die Seuche: In lokalen und regionalen Epidemien suchte sie die nächsten drei Jahrhunderte in nahezu regelmäßigen Abständen europäisches Gebiet heim. Die Stadt St. Gallen wurde beispielsweise zwischen 1500 und 1640 mindestens vierzehn Mal von der Pest heimgesucht. Nach 1580 traten außerdem in Zyklen von vier bis fünf Jahren zusätzlich die Pocken auf, an denen vor allem junge Kinder starben. Der nur drei Wochen dauernden Pestepidemie von 1555 im hessischen Nidda fielen 300 Menschen, d.h. ein Drittel der Bevölkerung, zum Opfer. Ähnliches gilt für die kleine Stadt Uelzen, die zu Beginn des 16. Jahrhunderts ungefähr 1200 Einwohner hatte. Uelzen gehört zu den Städten, die bereits im 16. Jahrhundert genaue Register über ihre Einwohner führten. So weiß man, dass im Jahr 1566 in Uelzen genau ein Viertel der Einwohner starben, nämlich 295, von denen 279 der Pest erlagen. 1597 - Uelzens Einwohnerschaft war mittlerweile auf ungefähr 1600 Einwohner angestiegen - starben 554 Einwohner, davon 510 an der Pest. Zu weiteren schweren Epidemien kam es 1665/66 in London mit etwa 99.000 Toten und 1678/79 in Wien zu der Zeit, als dort der sogenannte liebe Augustin lebte. Die letzten Pestepidemien trafen Europa im 18. Jahrhundert: Von 1709 bis 1711 wütete die Pest in Ostpreußen; starben dort gewöhnlich pro Jahr 15.000 Menschen (von einer Einwohnerschaft von etwa 600.000), kamen in diesen drei Jahren insgesamt 230.000 Menschen ums Leben. Aus Sorge vor einem Ausbruch auch in Berlin ließ König Friedrich I. (Preußen) dort ein Pesthaus errichten, aus dem die Charité hervorging. Im Mai 1720 trat die Pest wieder in Marseille und in der Provence auf und verschwand erst wieder 1722. Nachdem 1771 in Moskau eine weitere Pestepidemie aufgetreten war, blieben weitere Pestepidemien in Europa aus. Moskau Das Erlöschen der Pest in Europa bringt man damit in Zusammenhang, dass seit dem 16. Jahrhundert die Hausratte allmählich von der Wanderratte verdrängt wurde. Da die Wanderratte scheuer ist als ihre Vorgängerin, kommt es weniger häufig zu direkten Kontakten zwischen Mensch und Tier, was eine Ansteckung durch pestinfizierte Flöhe reduziert. Der Historiker Vasold, der sich sehr intensiv mit der Pest beschäftigt hat, weist jedoch daraufhin, dass der Ausbruch in Moskau im Jahre 1771 zu einem Zeitpunkt erfolgte, als die Wanderratte die Hausratte schon längst verdrängt hatte. Eine weitere mögliche Erklärung ist, dass sich der Pesterreger genetisch verändert hat oder dass Ratten immun gegen den Pesterreger wurden und nach der Infizierung durch den Floh nicht mehr starben, so dass es für die Flöhe keine Notwendigkeit mehr gab, abzuwandern. Auch die Fortschritte im Gesundheitswesen und die Verbesserung der Hygiene haben dazu beigetragen, dass Pestepidemien ausblieben. Die letzte Pandemie begann in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts in Zentralasien und kostete während der nächsten 50 Jahre weltweit rund 12 Millionen Menschenleben. Während dieser Pestepidemie konnte der Erreger identifiziert und der Übertragungsweg erklärt werden.

Die Pest heute

Die Pest ist auch heute noch nicht besiegt: Von 1979 bis 1992 meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1451 Todesfälle in 21 Ländern. In den USA gab es beispielsweise 1992 dreizehn Infektionen und zwei Todesfälle. Die letzte größere Pestepidemie ereignete sich von August bis Oktober 1994 im indischen Surat. Die WHO zählte 6344 vermutete, 234 erwiesene Pestfälle und 56 Tote. Der dort festgestellte Pesterreger wies dabei bislang noch nicht beobachtete Eigenschaften auf. Er zeichnete sich durch eine schwache Virulenz aus und gilt aufgrund einiger molekularbiologischer Besonderheiten als neuartiger Erregerstamm. Im Februar 2005 breitete sich die Lungenpest im Nordwesten Kongos aus. Nach Berichten der WHO gab es 61 Tote. Durch das Eingreifen von Ärzte ohne Grenzen konnte eine weitere Verbreitung verhindert werden.

Die Pest in Literatur und Kunst

Ärzte ohne Grenzen)]] Kaum eine andere Katastrophe prägte die kollektive Vorstellung von Machtlosigkeit, Untergang und Unglück so sehr wie die Heimsuchung durch die Pest. Die frühesten Seuchenberichte stammen von antiken Autoren wie Homer, Thukydides, Lukrez, Prokopios von Caesarea und Ovid. In Buch VII, 501-613 seiner Metamorphosen berichtet er sehr detailliert über die [http://www.latein-pagina.de/ovid/ovid_m7.htm Pest von Aegina]. Vor allem jedoch die Pestepidemie des 14. Jahrhunderts hat sich stark auf Kunst und Literatur ausgewirkt. Die Menschen erwarben sogenannte Pestblätter, um sich mit Hilfe der darauf abgebildeten Heiligen vor der Pest zu schützen. Boccaccio schrieb vor dem Hintergrund der Pest, die 1348 in Florenz wütete, seine Novellensammlung Il Decamerone: Sieben Damen und drei junge Männer fliehen vor der Pest aus Florenz auf einen Landsitz. In einem bemerkenswerten Kontrast zu der Düsterkeit und Dramatik der Pestschilderungen stehen hierbei die erotisch-heiteren Geschichten, die sich die zehn Florentiner zur Unterhaltung erzählen. Sie finden einen Ausweg aus der Katastrophe in einem leichteren Leben. Die außergewöhnliche Situation der Pest gibt ihnen die Möglichkeit, in ihren Erzählungen die mittelalterlichen Normen und Werte zu hinterfragen. In Lübeck entstand 1350 unter dem Eindruck der verheerenden Pestepidemie das Gemälde „Totentanz“ in der neu erbauten Marienkirche. Im selben Jahr schuf Francesco Traini die Wandmalereien des Campo Santo von Pisa. Der Tod ist hier kein Knochenmann, sondern eine schwarz gekleidete, alte Frau, die mit wehenden Haaren und einer breitschneidigen Sichel in der Hand auf eine Gruppe sorgloser, junger Menschen herabfährt. Zu den Meisterwerken der Sepulkralkunst, das auf das veränderte Bild des Todes in der spätmittelalterlichen Kunst hinweist, zählt auch das gegen Ende des 14. Jahrhunderts entstandene Grabmal des Kardinals La Grange. Der Kardinal ist als fast nackter, verwesender Leichnam dargestellt und die Inschrift mahnt alle noch Lebenden, wie nichtig das Leben sei: Was blähst du dich auf in deinem Stolz. Staub bist du und Staub musst du werden, ein verfaulter Kadaver, die Speise der Würmer. Die vermutlich erste medizinische Dissertation über die Pest verfasste der aus Nidda stammende Arzt Johannes Pistorius der Jüngere: De vera curandae pestis ratione (Über die rechte Art, die Pest zu behandeln), Frankfurt 1568. In Wien entstand 1879 die – als solche heute oft gar nicht mehr erkannte – Pestballade O du lieber Augustin, alles ist hin. (vgl. Marx Augustin), die der Pest einen Galgenhumor entgegensetzt. 1722 erschien in London Daniel Defoes Journal of the Plague Year (zu deutsch: Die Pest zu London). Die Erzählung wurde zu einem Zeitpunkt veröffentlicht, als ein Pestausbruch in Südfrankreich eine erneute Heimsuchung durch diese Krankheit befürchten ließ, und fand breite Leserschaft. Lange Zeit galt sie als Augenzeugenbericht des Pestausbruchs im Jahre 1665. Defoe war jedoch zum Zeitpunkt des Ausbruches noch ein Kind von vier oder fünf Jahren; die Erzählung aber schildert den Pestausbruch aus der Sicht eines erwachsenen Mannes, der in sachlichem Ton die Ereignisse beschreibt und mitleidsvoll und einfühlsam die Reaktionen seiner Mitbürger verfolgt. Gemeinsam mit Robinson Crusoe und Moll Flanders begründete diese Erzählung den Ruf von Daniel Defoe als Schaffer der Kunstform des realistischen Romans. Daniel Defoe In den I Promessi Sposi schildert Alessandro Manzoni das Wüten der Pestepidemie im Mailand des Jahres 1630. Seiner Darstellung liegen Berichte mehrerer Zeitzeugen zugrunde, namentlich die Historiae Patriae des Historiografen Giuseppe Ripamonti (15731643) und die Pestchronik des Arztes Alessandro Tadino (Ragguaglio dell’origine et giornali successi della gran peste contagiosa, venefica et malefica, seguita nella città di Milano...), die 1648 erschienen war. Goethe – vermutlich der erste deutsche Leser von Manzonis Roman (dieser hatte ihm die Promessi Sposi gleich nach dem Druck des dritten Bandes 1827 zugesandt) – bemerkte zwar, der Autor stehe in den Pestkapiteln „als nackter Historiker“ da und bemängelte das „umständliche Detail“ bei Dingen „widerwärtiger Art“. Dessen ungeachtet gilt die erbarmungslos präzise Schilderung der Seuche in den Promessi Sposi heute als ein Glanzpunkt der italienischen Prosa. – Mit Ereignissen in Mailand während des Pestjahrs 1630 beschäftigt sich auch Manzonis 1829 entstandene Storia della Colonna Infame. Edgar Allan Poe schuf 1842 die Erzählung Die Maske des Roten Todes, die eigentlich durch einen Zeitungsbericht über eine Choleraepidemie in Paris inspiriert war, aber Ähnlichkeit zu anderen Pesterzählungen aufweist. Obwohl eine Krankheit (der Rote Tod, Red Death) das halbe Land dahinrafft, gibt der Herzog Prince Prospero, der auf sein Schloss geflüchtet ist, einen pompösen Maskenball. Die Rahmenhandlung, bei der man vor der Epidemie in den Hedonismus flieht, erinnert hier an Boccaccios Decamerone, doch nimmt Poes Geschichte eine andere Wendung. Am Ende dringt der Rote Tod auch in das Schloss ein, und weil sich der Herzog nicht um sein Land gekümmert hat, wütet die Epidemie weiter. In der Rahmennovelle Die schwarze Spinne verarbeitete Jeremias Gotthelf 1843 alte Sagen über einen Handel mit dem Teufel zu einer gleichnishaften Erzählung über die Pest. Arnold Böcklin schuf zu diesem Thema 1889 in Italien das Bild Pest/Der Schwarze Tod, das heute im Basler Kunstmuseum ausgestellt ist. Böcklin personifiziert die Pest in seinem Bild als fliegendes, blindes Monstrum, vor dem es kein Entrinnen gibt. Die Sense und die skelettartige Gestalt greifen auf die mittelalterliche Todessymbolik zurück. Albert Camus schrieb den Roman Die Pest (fr. La Peste) über einen neuzeitlichen Pestausbruch in der algerischen Stadt Oran (publiziert 1947). Darin trifft ein Arzt trotz der Aussichtlosigkeit und Absurdität des Kampfes gegen die Pest auf Menschlichkeit und Solidarität. Die Pest wird hierbei oft als Symbol auf den Nationalsozialismus interpretiert.

Bekannte Opfer der Pest

Der Pest erlagen viele Millionen Menschen. Zu den Opfern dieser Krankheit zählen u.a. (in chronologischer Reihenfolge):
- Perikles, Stratege und führender Politiker im antiken Athen, † 429 v. Chr.
- Claudius II., römischer Kaiser, † 270
- König Alfons XI. von Kastilien, † 1350 war der einzige regierende Monarch, der während der großen Pestepidemie in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts selbst an der Pest starb
- Margarethe I., Königin von Dänemark, Norwegen und Schweden, † 1412 in Flensburg
- Jan Žižka, Heerführer der Hussiten, † 1424
- Eduard I., König von Portugal, † 1438
- Johann Hunyadi, ungarischer Nationalheld, † 1456
- Alfons I., König von Portugal, † 1481
- Andreas Bodenstein, Reformator, † 1541 in Basel
- Hans Holbein der Jüngere, Maler, † 1543 in London
- Theodor Bibliander, reformierter Theologe, † 1564 in Zürich
- Christoph Froschauer, Buchdrucker, † 1564 in Zürich
- Bernardino Ochino, reformatorischer Theologe, † 1564 in Slavkov
- Albrecht von Brandenburg Preußen, erster preußischer Fürst, † 1568 in Tapiau
- Tizian, italienischer Maler, † 1576 in Venedig im Alter von 99 Jahren
- Anna von Dänemark, Kurfürstin von Sachsen (Mutter Anna), † 1585
- Jean Bodin, französischer Staatsphilosoph und Hexentheoretiker, † 1596
- Peter Binsfeld, Weihbischof von Trier und Hexentheoretiker, † 1598
- Bernhard Textor, Theologe, † 1602 in Dillenburg
- Johann Buxtorf der Ältere, Theologe, † 1629 in Basel
- Friedrich von Spee, Jesuit, † 1635 in Trier
- Wilhelm Schickhardt, Professor für biblische Sprachen, Astronomie und Mathematik, Konstrukteur der ersten mechanischen Rechenmaschine, † 1635 in Tübingen
- Juana Inés de la Cruz, mexikanische Nonne und Dichterin, † 1695 in Mexiko-Stadt, nachdem sie sich als Krankenschwester infizierte

Zitierte Werke


- Boccaccio; Il decamerone - Eine englische Übersetzung aus der Einleitung, aus der die obigen Zitate stammen, findet sich unter [http://www.fordham.edu/halsall/source/decameronintro.html Introduction to il decamerone]
- Albert Camus: Die Pest, 1947
- Thukydides berichtet in seinem Werk über den Peloponnesischen Krieg ausführlich über die Seuche, die die Athener heimsuchte. Neben der Reclam- (oder der Bibliothek der Alten Welt) Übersetzung ist diese auch nachlesbar unter folgender englischsprachiger Website: [http://www.perseus.tufts.edu/cgi-bin/ptext?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0200&query=chapter%3D%23193&layout=&loc=2.48.1 Peloponnesischer Krieg]: Thukydides; Der Peloponnesische Krieg (Reclam), hrsg. von H. Vrestka und W. Rinner, Stuttgart 2000. ISBN 3-150-01808-0

Literatur


- Pauline Allen: The Justinianic Plague, in: Byzantion 49 (1979), S. 5-20.
- Klaus Bergdolt: Der schwarze Tod in Europa, Becksche Reihe, C.H. Beck Verlag, München 2003, ISBN 3-406-45918-8
- Norman F. Cantor: In the Wake of the Plague – The Black Death and the Word it made, London 1997, ISBN 0-7434-3035-2
- Claudia Eberhard Metzger, Renate Ries: Verkannt und heimtückisch – Die ungebrochene Macht der Seuchen, Basel 1996, ISBN 3-7643-5399-6
- Franz-Reiner Erkens: Buße in Zeiten des Schwarzen Todes: Die Züge der Geissler, in „Zeitschrift für historische Forschung“, 26. Band 1999, Berlin, S. 483–513
- František Graus: Pest - Geißler - Judenmorde. Das 14. Jahrhundert als Krisenzeit, Göttingen 1987, ISBN 3-525-35622-6
- David Herlihy: Der Schwarze Tod und die Verwandlung Europas, Berlin 1997, ISBN 3-8031-3596-6
- Kay Peter Jankrift: Krankheit und Heilkunde im Mittelalter, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, ISBN 3-534-15481-9
- Arno Karlen; Die fliegenden Leichen von Kaffa - Eine Kulturgeschichte der Plagen und Seuchen, Berlin 1996, ISBN 3-353-01054-8
- Mischa Meier (Hg.): Pest. Die Geschichte eines Menschheitstraumas, Klett-Cotta, Stuttgart 2005, ISBN 3608943595. Gesamtdarstellung der Pestgeschichte von der Antike bis in die Moderne.
- William Naphy, Andrew Spicer: Der schwarze Tod, Magnus Verlag, Essen 2003, ISBN 3-88400-016-0
- Norbert Ohler: Sterben und Tod im Mittelalter, Patmos Paperback, ISBN 3-491-69070-6
- Jacques Ruffié,

1490

Geboren


- 17. Februar: Charles De Bourbon-Montpensier, französischer Heerführer († 1527)
- 21. Februar: Hans Dürer, deutscher Maler, Zeichner und Graveur
- 17. Mai: Albrecht von Brandenburg-Preußen, erster Herzog von Preußen († 1568)
- 28. Juni: Albrecht (Brandenburg), Erzbischof von Magdeburg und Kurfürst von Mainz und Markgraf von Brandenburg († 1545)
- 10. November: Johann III. (Kleve), Regent der Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg († 1539)
- 26. Dezember: Friedrich Myconius, deutscher Prediger und Reformator († 1546)
- Vittoria Colonna, italienische Dichterin († 1547)
- Michael Gaismair, Bauernführer († 1532)

Gestorben


- 26. April: Matthias Corvinus, König von Ungarn (
- 1443)
- 12. Mai: Johanna von Portugal, portugiesische Prinzessin aus dem Hause Avis (
- 1452)
- Wilhelm von Wertheim, Domherr und Generalvikar in Köln als:1490 ko:1490년

1542

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Gründung der römischen Inquisition
- Franz I., König von Frankreich, und Karl V., Kaiser des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation und spanischer Souverän, nehmen wieder ihre Fehde auf
- Karl der V. lässt die „Nuevas Leyes“ über die indischen (amerikanischen) Kolonien verbreiten
- 6. Mai: Francisco de Xavier y Jassu gelangt in Goa an und beginnt mit der christlichen Missionierung in Indien
- Ende der Gonzalo Pizarro's Expedition
- Säkularisierung des Zisterzienser Klosters Lehnin in der Mark Brandenburg, rund 25 Kilometer südwestlich von Potsdam

Geboren


- 22. April: Georg Rollenhagen, deutscher Schriftsteller, Pädagoge und Prediger († 1609)
- 24. Juni: Johannes vom Kreuz, Dichter, Mystiker und Kirchenlehrer († 1591)
- 4. Oktober: Robert Bellarmin, italienischer Gelehrter, Theologe und Jesuit († 1621)
- 15. Oktober: Jalaluddin Muhammad Akbar, Sohn Humayuns, Großmogul von Indien in den Jahren 1556–1605 († 1605)
- 8. Dezember: Maria Stuart, schottische Königin (enthauptet 1587)

Gestorben


- 6. Januar: Bernard van Orley, niederländischer Maler (
- 1491 oder 1492)
- 10. Januar: Gerhard Geldenhauer, Humanist und Theologe (
- 1482)
- 21. Mai: Hernando de Soto, spanischer Konquistador an den Ufern des Mississippi (
-  zwischen 1496 und 1500)
- 19. Juni: Leo Jud, Schweizer Reformator (
- 1482)
- 25. November: Heinrich Stromer, Leipziger Universitätsprofessor, Arzt und Gründer von Auerbachs Keller (
- 1476)
- 14. Dezember: Jakob V., König von Schottland (
- 1512)
- September: Peter Henlein, deutscher Schlosser und Erfinder der tragbaren Uhr (
- um 1485)
- Sebastian Franck: deutscher Schriftsteller und Mystiker (
- 1499) ko:1542년 simple:1542

Napoleonischen Kriege

Die Koalitionskriege (abgesehen vom ersten auch napoleonische Kriege genannt) dauerten von 1792 bis 1815. Sie standen in der Kontinuität der Konflikte, die durch die französische Revolution hervorgerufen wurden. Sie folgen auf die Zeit der Kabinettskriege.

Übersicht

In wechselnden Koalitionen europäischer Mächte wurden insgesamt vier Kriege gegen die französische Republik beziehungsweise Napoleon Bonaparte geführt. Sie lassen sich in folgende Phasen einteilen:
- die Revolutionskriege (1792-1802) - 1. und 2. Koalition
- die Napoleonischen Kriege (1804-1812) - 3. bis 5. Koalition
- den Russlandfeldzug (1812) und die Befreiungskriege (1813-1814) - 6. Koalition
- den Feldzug nach Napoleons Rückkehr aus der Verbannung (1815)

Die erste Koalition

Die erste Koalition (1792-1797) aus Österreich, Preußen, Großbritannien, Spanien und Piemont gegen Frankreich war der erste Versuch, republikanische Entwicklungen aufzuhalten. Diese erste Koalition wurde durch die französischen Bemühungen der Levée en masse - der Mobilisierung der Massen - besiegt. Der Frieden von Campo Formio vom 17. Oktober 1797 zwischen Österreich und Frankreich beendete den 1. Koalitionskrieg. Österreich wurde gezwungen, Verzicht auf große Teile Oberitaliens zu leisten, diese wurden zur Cisalpinischen Republik. Weiter wurde Österreich das Versprechen abgenommen, beim Rastatter Kongress für die Abtretung sämtlicher linksrheinischer Gebiete des Deutschen Reichs an Frankreich zu stimmen. In einem Geheimartikel trat Österreich darüber hinaus sämtliche vorderösterreichischen Besitzungen südlich des Rheins im heutigen Kanton Aargau, darunter das Fricktal, an Frankreich ab.

Die zweite Koalition

Die zweite Koalition (1798-1801) aus Russland, Großbritannien, Österreich, dem Osmanischen Reich, Portugal, Neapel und dem Kirchenstaat gegen Frankreich scheiterte ebenso. Napoleon Bonaparte beherrschte Frankreich seit 1799. Es gelang ihm jedoch nicht, Großbritannien direkt anzugreifen oder zu verheeren. Er versuchte daher, eine doppelte Bedrohung gegenüber dem Vereinigten Königreich aufzubauen: er marschierte im Sommer 1798 in Ägypten ein und schickte ein Expeditionsheer nach Irland. Die französische Flotte wurde jedoch durch Horatio Nelson am 1. August in der Schlacht auf dem Nil bei Aboukir (Abu Qir) geschlagen, und auch in Irland herrschte recht bald wieder Ruhe. Napoleon war gezwungen in Ägypten zu verharren und sich letztlich von dort zurückzuziehen, sodass die Koalition mit Ausnahme Preußens Vorteile aus der Situation zog. Mehrere Schlachten in der Schweiz und in Italien wurden gewonnen, jedoch zog sich Russland bald darauf aus der Koalition zurück; die britischen Handlungsmöglichkeiten waren aufgebraucht, die Österreicher standen dem zurückgekehrten Napoleon bei der Schlacht von Marengo am 14. Juni 1800 und bei der Schlacht von Hohenlinden am 3. Dezember allein gegenüber und unterlagen folglich empfindlich. Der Vertrag von Amiens (1802) brachte einen vorläufigen Frieden zwischen den Briten und Franzosen, zugleich bedeutete dies das Ende der zweiten Koalition. Neue Feindseligkeiten brachen am 18. Mai 1803 aus. Statt die Wiederherstellung der französischen Monarchie herbeizuführen, stand nun der Kampf gegen Napoleon im Vordergrund. Bonaparte verkündete das Kaiserreich Frankreich am 28. Mai und krönte sich am 2. Dezember 1804 in Notre-Dame de Paris selbst zum Kaiser.

Die dritte Koalition

Die dritte Koalition gegen Frankreich (aus Österreich, Großbritannien, Russland und Schweden) bestand ab 1805. Auf französischer Seite wurde der Plan entwickelt, in England einzumarschieren. Invasionstruppen von 150.000 Mann wurden bei Boulogne versammelt. Pierre de Villeneuve führte die vereinigte französisch-spanische Flotte nach Cádiz und verließ den Ort mit seiner Flotte dann Richtung Neapel am 19. Oktober. Bei der Schlacht von Trafalgar am 21. Oktober wurde er von Horatio Nelson vernichtend geschlagen und gefangen genommen. Großbritannien sicherte sich damit die nahezu uneingeschränkte Seeherrschaft, die es bis zum Ende der Koalitionskriege auch nicht mehr verlieren sollte. Im April 1805 hatten Großbritannien und Russland einen Vertrag unterzeichnet, um Holland und die Schweiz zu befreien. Österreich trat der Allianz bei, nachdem Genua annektiert wurde und Napoleon zum König Italiens ausgerufen wurde. Die französische Armee zog im späten August von Boulogne nach Deutschland. Bei den Schlachten um Ulm (25. September - 20. Oktober) besiegten die Franzosen 70.000 Österreicher unter Karl Mack von Leiberich. Die Schlacht von Austerlitz (die sog. Dreikaiserschlacht) am 2. Dezember brachte erneut eine schwere Niederlage für die vereinigte russische und österreichische Armee. Es wurde ihnen der Pressburger Frieden auferlegt.

Die vierte Koalition

Die vierte Koalition (1806-1807) aus Preußen, Sachsen (Obersachsen) und Russland gegen Frankreich bestand von 1806 bis 1807. Das partikularistische Deutschland, der Rheinbund und die Hansestädte verhielten sich neutral. Preußen erklärte allein den Krieg. Dieser führte in der Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 zu einer schweren Niederlage. Am 27. Oktober hielt Napoleon Einzug in Berlin. Bei der Schlacht bei Preußisch Eylau (7. - 8. Februar 1807) musste sich Napoleon noch den Russen geschlagen geben, das Kriegsglück wendete sich jedoch zu seinen Gunsten bei der Schlacht von Friedland am 14. Juni. Der russische Zar Alexander I. und Napoleon schlossen in Tilsit am 7. Juli 1807 Frieden. Der Erfurter Kongress 1808 führt zu der Einigung zwischen Napoleon und Zar Alexander I. dahingehend, dass Russland Druck auf Schweden ausübt, um sich den kontinentalen Ländern anzuschließen. Dies führte zum finnischen Krieg und der Teilung Schwedens am Bottnischen Meerbusen. Der östliche Teil wurde das russische Großherzogtum Finnland.

Die fünfte Koalition

Die fünfte Koalition gegen Frankreich wurde 1809 zwischen Großbritannien und Österreich geschlossen. Den Briten gelangen nur kleinere Siege, insbesondere in den französischen Kolonien. Eine Seeschlacht bei Kopenhagen am 2. September 1807 wurde gewonnen. Die Walcheren-Expedition 1809 scheiterte. Der Kampf mit Frankreich wurde fortan als Wirtschaftsblockade betrieben. Die Seewege zum Kontinent wurden abgeschnitten. Während Napoleon in Spanien kämpfte, traf Österreich 1809 Vorbereitungen die Franzosen in Bayern anzugreifen. Im April 1809 marschierte die österreichische Armee unter Erzherzog Karl von Österreich in Bayern ein. Das I. Korps (Feldmarschall Graf Bellegarde) und II. Korps (Generalfeldzeugmeister Graf von Kolowrat) der österreichischen Armee rückten nördlich der Donau gegen Regensburg vor. Der Hauptteil der österreichischen Armee, die Korps III (Feldmarschallleutnant Prinz Hohenzollern-Hechingen), IV (Feldmarschall Orsini-Rosenberg), V (Feldmarschall-Leutnant Erzherzog Ludwig), VI (Feldmarschall-Leutnant Freiherr von Hiller) und die Reservekorps I (Feldmarschall Fürst von Liechtenstein) und II (Feldmarschall-Leutnant Freiherr von Kienmayer) überschritten am 10. April 1809 den Inn und rückten weiter an die Isar vor. Erzherzog Karl wollte das isolierte, französische 3. Korps unter Marschall Davout südlich von Regensburg vernichten, bevor sich dieser mit dem Rest der napoleonischen "Rheinbundarmee" bei Donauwörth vereinigen konnte. Bei Donauwörth stand das 8. (württembergische) Korps unter Vandamme, bei Augsburg standen die französischen Korps von Marschall