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Quecksilber

Quecksilber

Das chemische Element Quecksilber ist ein Metall. Es ist das einzige Metall und neben Brom das einzige Element, das bei Raumtemperatur flüssig ist. "Quecksilber" bedeutet ursprünglich "lebendiges Silber" (althochdeutsch quecsilbar zu germanisch kwikw = lebendig). Aufgrund seiner hohen Oberflächenspannung benetzt Quecksilber seine Unterlage nicht, sondern bildet abgeplattete einzelne Tröpfchen (Kohäsion). Das chemische Symbol des Quecksilbers ist Hg. Das ist die Abkürzung für hydrargyrum, zusammengesetzt aus der Vorsilbe hydr- und argyron = Silber, was aus dem Griechischen mit "flüssiges Silber" übersetzt werden kann. Vorallem ist es wie jedes andere Metall elektrisch leitfähig.

Vorkommen

Quecksilbervorkommen gibt es u. a. in Serbien, der Toskana, Italien, China und Spanien. Meist findet man es als Mineral in Form von Zinnober. Die Berichte über einen See aus gediegenem Quecksilber in Russland sind nicht belegbar. In Sibirien in der Nähe der Stadt Aktash gab es bis 1993 betriebene Quecksilberbergwerke. In etwa drei Kilometern Entfernung liegt der "Seelensee", der durch einen Fluss mit Abwassern aus der Quecksilbergewinnung verseucht wurde. Die Vegetation am Ufer des Sees zeigt deutlich die starke Umweltschädigung.

Verwendung

Thermometer

Die thermische Ausdehnung des Quecksilbers ist recht hoch und zwischen 0 °C und 100 °C direkt proportional zur Temperatur. Außerdem benetzt Quecksilber Glas nicht. Daher wird es gerne zum Einsatz in Thermometern benutzt. Bedingt durch seine starke Toxizität ist der Einsatz heutzutage auf den wissenschaftlichen Bereich beschränkt. Das erste Quecksilberthermometer wurde um 1720 von Daniel Gabriel Fahrenheit entwickelt.

Barometer

Die alte Bauform des Barometers ist ein u-förmiges, aufrecht stehendes Rohr, welches auf einer Seite oben geschlossen ist. Eine Quecksilbersäule in der geschlossenen Hälfte sinkt nur soweit ab, bis der Luftdruck und die Gewichtskraft des Quecksilbers sich im Kräftegleichgewicht befinden. Die alte Maßeinheit Torr für den Luftdruck ist daher die Höhe der Quecksilbersäule, wobei 1 mm Quecksilbersäule 133,21 Pascal entsprechen.

Amalgam

Quecksilber bildet mit anderen Metallen spontan Amalgame. Amalgame werden verbreitet als Zahnfüllmittel eingesetzt, da sie sich leicht verarbeiten lassen. In erkaltetem Zustand sind sie sehr widerstandsfähig. Sie sind jedoch in Verruf geraten, weil Quecksilberdämpfe giftig sind.

Elektrolyse

Weiter spielt es eine große Rolle bei der Herstellung von Erdalkalimetallen. Während der Elektrolyse wird das reduzierte Erdalkalimetall durch Quecksilber in einem Amalgam gebunden, damit es nicht sofort wieder eine chemische Bindung eingeht (Chloralkali-Elektrolyse). Das Amalgam wird später thermisch aufgebrochen.

Goldwäsche

Bei der Goldwäsche wird Quecksilber verwendet, um den feinen Goldstaub zu binden (siehe Amalgamation). Dies ist der Hauptgrund für die hohe Umweltverschmutzung bei dieser Art der Goldgewinnung. Siehe auch: Amazonas

Sonstige Anwendungen

In manchen Ländern werden/wurden quecksilberorganische Verbindungen zum Beizen von Saatgut verwendet. Dabei kam es im Irak 1971-1972 zu Massenvergiftungen infolge des Verzehrs von Saatgut. Verwendung in Knopfzellen, Quecksilberdampflampen, Energiesparlampen. Die Eigenschaft von Quecksilber sich wie eine nichtbenetzende Flüssigkeit zu verhalten (Ausnahme in Verbindung mit Kupfer) ist Grundlage für die Quecksilber-Porosimetrie. Hierbei wird, vereinfacht gesagt, Hg unter Druck (0 bis 4000 bar) in Poren unterschiedlicher Größe gedrückt. Über den aufgewendeten Druck und das dabei „verbrauchte“ Hg können Aussagen über die Beschaffenheit, Form, Verteilung und Größe von Poren und Hohlräumen gemacht werden. Anwendung findet diese Methode unter anderem in der Mineralogie und Pharmazie.

Wichtige Quecksilberverbindungen


- Quecksilber(I)-chlorid (Kalomel)
- Quecksilber(II)-oxid
- Quecksilber(II)-chlorid (Sublimat)
- Quecksilber(II)-amidchlorid (D0602Z)
- Quecksilber(II)-sulfid (Zinnober)
- Quecksilber(II)-fulminat (Knallquecksilber))

Trivia


- Bei den mittelalterlichen Alchemisten symbolisierte das Einhorn das Quecksilber.

Literatur


- Günther Tölg, Irmgard Lorenz: Quecksilber - ein Problemelement für den Menschen? Chemie in unserer Zeit 11(5), S. 150 – 156 (1977), ISSN 0009-2851
- Klaus Brodersen: Quecksilber - ein giftiges, nützliches und ungewöhnliches Edelmetall. Chemie in unserer Zeit 16(1), S. 23 – 31 (1982), ISSN 0009-2851
- Fritz Schweinsberg: Bedeutung von Quecksilber in der Umweltmedizin - eine Übersicht. Umweltmedizin in Forschung und Praxis 7(5), S. 263-278 (2002), ISSN 1430-8681
- Ebinghaus, Ralf et al.: Mercury Contaminated Sites - Characterization, Risk Assessment and Remediation. Springer Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-540-63731-1
- Watras, Carl J. and Huckabee, John W.: Mercury Pollution - Integration and Synthesis. Lewis Publishers, Ann Arbor 1994, ISBN 1-56670-066-3 LCCN 94-15244
- Dr. med. Joachim Mutter: Amalgam - Risiko für die Menschheit. Quecksilbervergiftungen richtig ausleiten. [http://www.fitfuerslebenverlag.de/katalog/Buecher_detail/amalgam.html Inhaltsangabe zum Buch] Fit fürs Leben Verlag in der NaturaViva Verlags GmbH, 71256 Weil der Stadt. ISBN 3-89881-522-6

Siehe auch


- Minamata-Krankheit (chronische Vergiftung durch Quecksilber)
- Hautaufhellung
- [http://www.mercury2006.org Konferenz in Madison/Wisconsin zu allen relevanten Quecksilber-Themen, August 2006]

Weblinks


- [http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Quecksilber Mineralienatlas - Quecksilber]
- [http://medicine-worldwide.de/meldungen/news_archive.html?id=1136 Quecksilberbelastung führt zur Alzheimerschen Erkrankung] Kategorie:Chemisches Element Kategorie:Gruppe-12-Element Kategorie:Periode-6-Element Kategorie:Übergangsmetall Kategorie:Schwermetall Kategorie:Gift ja:水銀 ko:수은 ms:Raksa simple:Mercury (element) th:ปรอท

Chemisches Element

Stoffe, die ausschließlich aus Atomen mit gleicher Anzahl an Protonen im Kern (Kernladungszahl) bestehen, bezeichnet man als chemische Elemente. Sie treten im Universum mit einer bestimmten Elementhäufigkeit auf. Im Gegensatz zu den Elementen stehen die Verbindungen und die Stoffgemische. Früher war die Definition dieses Begriffs intuitiver, aber unpräziser: Robert Boyle definierte ein chemisches Element als einen Reinstoff, der mit chemischen Methoden nicht weiter zerlegt werden kann. Diese Definition hat den Nachteil, dass man nie sicher sein kann, ob man die chemischen Methoden völlig ausgeschöpft hat. Hätte man es z. B. im Labor nicht geschafft, Wasser zu zerlegen, so hätte man es als Element einordnen müssen. Der heutige Element-Begriff, der für die Stoffe eine Einteilung nach ihren Bestandteilen, den Atomen, vornimmt, ist abstrakter, dafür aber präzise. Seine praktische Bedeutung liegt darin, dass er Atome mit gleichem chemischen Verhalten (dem Verhalten bei chemischen Reaktionen) zusammenfasst. Das physikalische Verhalten von Atomen ein und desselben Elements kann dabei durchaus unterschiedlich sein, z. B. können die Atome eines Elements sich in der Masse unterscheiden (Isotope) und bei nuklearen Reaktionen unterschiedlich verhalten. Nach der Kernladungszahl (auch Ordnungszahl) ihrer Atome ordnet man die Elemente im Periodensystem der Elemente (PSE) an. Dieses System wurde vom russischen Gelehrten Dmitri Iwanowitsch Mendelejew zeitgleich mit dem deutschen Lothar Meyer 1869 begründet.

Kernladungszahl und Masse

Die Erklärungen dafür, dass die Massezahl nicht genau dem Vielfachen der Masse des Wasserstoffatoms entspricht, sind:
- Protonen und Neutronen, die den Hauptanteil der Masse bilden, sind fast, jedoch nicht genau, gleich schwer.
- Natürliche Elemente bestehen aus einer Mischung von Atomen mit unterschiedlicher Neutronenzahl. Eine Atomart überwiegt meist bei weitem, diese bestimmt dann die Massenzahl (Ausnahme Chlor Cl mit der 35,5-fachen Masse)
- Das natürliche Mischverhältnis ist bei einem Element meist gleich (Ausnahme ist Blei, das unterschiedliche durchschnittliche Atommassen zeigt, wenn man es aus verschiedenen Lagerstätten gewinnt)
- Bei sehr genauen Messungen zeigt sich die Bindungsenergie als Massendefekt, so dass die Kernmasse stets minimal kleiner ist als die Summe der Massen der Protonen und Neutronen.

Rein- und Mischelemente

Der Kern des Wasserstoffs besteht fast immer aus nur einem Proton. Wasserstoff mit einem Proton und einem Neutron im Kern (Deuterium) tritt in natürlichem Wasserstoff mit einem Anteil von 0,015 % auf. Der Heliumkern besteht aus zwei Protonen und zwei Neutronen. Es existieren aber auch Helium-Atome, die zwei Protonen, aber nur ein Neutron, enthalten. Diese treten in natürlichem Helium jedoch nur mit einem Anteil von 0,000137 % auf. Chlor (17 Protonen) besteht aus einer Mischung aus Atomen mit 18 Neutronen (75,8 %) und 20 Neutronen (24,2 %). Chemische Elemente, die nur aus einer Atomart bestehen, heißen Reinelemente, wenn sie dagegen aus zwei oder mehr Atomarten bestehen, heißen sie Mischelemente. Atome des gleichen Elements mit unterschiedlicher Neutronenzahl nennt man Isotope.

Chemische Verbindungen

Chemische Elemente können, bis auf wenige Ausnahmen, chemische Verbindungen eingehen. Dabei sind mehrere der elementaren Atome zu Molekülen zusammengeschlossen. Natürliche oder künstliche Stoffe sind entweder Elemente oder Verbindungen. Gewöhnliches Wasser H2O ist eine Verbindung aus den Elementen Wasserstoff H (2 Atome pro Molekül) und Sauerstoff (1 Atom pro Molekül). Metalle wie Eisen Fe oder Kupfer Cu sind dagegen stets Elemente. Elemente können auch eine Verbindung mit sich selbst eingehen. Bei vielen Gasen wie Chlor Cl oder Fluor F verbinden sich zwei Atome desselben Elements zu einem Molekül, also Cl2 bzw. F2.

Die Entstehung von Elementen

Bereits beim Urknall entstanden die leichten Elemente Wasserstoff (ca. 75%) und Helium (ca. 25%), zusammen mit geringen Mengen Lithium und Beryllium. Schwerere Elemente entstehen im Universum durch Kernreaktionen in den Sternen (meist durch Kernfusion). Am Anfang steht der Wasserstoff mit einem Atomgewicht von ca. 1,0 (ein Proton). In Hauptreihen-Sternen, wie auch unserer Sonne, verschmilzt unter hoher Temperatur (mehrere Millionen C°) und hohem Druck Wasserstoff zu Helium. (Atomgewicht ca. 4,0) Dabei verschmelzen 4 Wasserstoffatomkerne über mehrere Zwischenstufen zu einem Heliumatomkern. Dieser ist ein wenig leichter als die vier Protonen zusammen, die Massendifferenz wird als Energie in Form von (Gamma-)Strahlung frei. Die Fusion geht auf diese Art (Atome mit geringerer Protonenzahl und Atomgewicht verschmelzen zu höheren unter Abgabe von Energie) in den meisten Sternen bis zum Kohlenstoff, in massereichen bis zum Eisen weiter. Die Energieausbeute wird dabei immer geringer. Eisen ist der am dichtesten gepackte Atomkern, bei Fusionsreaktionen darüber hinaus wird Energie verbraucht anstatt freigesetzt. Sterne sind auf Energiegewinnung aus Kernfusion angewiesen, um ihren Gravitationskollaps aufzuhalten, daher können derartige Reaktionen nicht in nennenswertem Umfang stattfinden. Elemente schwerer als Eisen entstehen in Sternen am Ende ihrer Lebensdauer. Dabei fangen Atomkerne Neutronen ein und werden so in Elemente höherer Ordnungszahl umgewandelt. Dies geschieht im sogenannten s-Prozess (bei massearmen Sternen) oder im r-Prozess (bei massereichen Sternen während einer Supernova). Ein Stern verliert am Ende seiner Lebensdauer große Mengen Material (kontinuierlich durch Sonnenwind oder explosiv in einer Supernova), dadurch gelangen die entstandenen Elemente zurück in das interstellare Medium. Jüngere Sternensysteme enthalten daher bereits von Anfang an auch geringe Mengen schwererer Elemente, die z.B. Planeten wie in unserem Sonnensystem bilden können.

Liste chemischer Elemente

A Actinium - Aluminium - Americium - Antimon - Argon - Arsen - Astat B Barium - Berkelium - Beryllium - Bismut - Blei - Bohrium - Bor - Brom C Cadmium - Cäsium - Calcium - Californium - Cer - Chlor - Chrom - Curium D Darmstadtium - Dubnium - Dysprosium E Einsteinium - Eisen - Erbium - Europium F Fermium - Fluor - Francium G Gadolinium - Gallium - Germanium - Gold H Hafnium - Hassium - Helium - Holmium I Indium - Iod - Iridium J Jod siehe Iod K Kalium - Kobalt - Kohlenstoff - Krypton - Kupfer L Lanthan - Lawrencium - Lithium - Lutetium M Magnesium - Mangan - Meitnerium - Mendelevium - Molybdän N Natrium - Neodym - Neon - Neptunium - Nickel - Niob - Nobelium O Osmium P Palladium - Phosphor - Platin - Plutonium - Polonium - Praseodym - Promethium - Protactinium Q Quecksilber R Radium - Radon - Rhenium - Rhodium - Roentgenium - Rubidium - Ruthenium - Rutherfordium S Samarium - Sauerstoff - Scandium - Schwefel - Seaborgium - Selen - Silber - Silizium - Stickstoff - Strontium T Tantal - Technetium - Tellur - Terbium - Thallium - Thorium - Thulium - Titan U Unnilpentium (
- ) - Unnilquadium (
- ) - Ununoctium - Ununhexium - Ununquadium - Ununbium - Ununtrium - Ununpentium - Ununseptium - Ununnilium (
- ) - Uran V Vanadium W Wasserstoff - Wolfram X Xenon Y Ytterbium - Yttrium Z Zink - Zinn - Zirkonium
- veralteter Name

weitere Darstellungsformen


- Sortierung nach Symbol
- Liste der chemischen Elemente nach der Ordnungszahl
- Periodensystem
- Periodensystem mit Elektronenkonfiguration

Literatur


- Lucien F. Trueb: Die chemischen Elemente. Ein Streifzug durch das Periodensystem. S. Hirzel Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-7776-1356-8

Weblinks


- [http://www.chemieseite.de/ www.chemieseite.de] enthält ausführliche Beschreibungen der Hauptelemente.
- [http://chemlab.pc.maricopa.edu/periodic/lyrics.html] Lied der chemischen Elemente Kategorie:Chemie

Siehe auch


- Elektronegativitäten der Elemente,
- Elementnamensgebungskontroverse,
- Systematische Elementnamen,
- Verdampfungswärme der chemischen Elemente
- Nebulium
- Kalzium ist ein Computerprogramm für das Betriebssystem Linux, das sehr viele Informationen zum Periodensystem und den Elementen bietet.
- Phlogiston
- Nukleosynthese ja:元素 ko:화학 원소 ms:Unsur kimia simple:Element th:ธาตุเคมี

Metall

] Metalle sind die größte Gruppe der chemischen Elemente, etwa 80 % der Elemente sind Metalle. Sie sind im allgemeinen gute elektrische Leiter. Im Periodensystem der Elemente sind sie nicht bestimmten Reihen oder Perioden zugeordnet, vielmehr befinden sie sich links und unterhalb einer Linie vom Bor zum Polonium. Oben rechts befinden sich die Nichtmetalle, dazwischen die Halbmetalle.

Metalle in der Chemie

Grundsätzliches

Metallatome sind durch folgende Eigenschaften gekennzeichnet:
- Die Zahl der Elektronen in der äußeren Schale ist gering und kleiner als die Koordinationszahl
- Die Ionisierungsenergie ist klein (< etwa 10 eV) Daraus ergibt sich, dass Metallatome sich nicht wie viele Nichtmetalle über Atombindungen zu Molekülen oder Gittern verbinden können. Allenfalls in Metalldämpfen kommen solche Atombindungen vor, z. B. besteht Natriumdampf zu etwa 1 % aus Na2-Molekülen. Metalle ordnen sich vielmehr zu einem Metallgitter, in dem die Valenzelektronen über das ganze Gitter verteilt sind, man spricht auch von einem Elektronengas. In dem Elektronengas ordnen sich die positiv geladenen Atomrümpfe. Eine exaktere Betrachtung unter Berücksichtigung des Orbitalmodells liefert das Energiebändermodell. In Verbindung mit Nichtmetallen treten die Metalle im Allgemeinen als Kationen auf, d. h. die äußeren Elektronen werden vollständig an die Nichtmetallatome abgegeben und es bildet sich eine Ionenverbindung (Salz). In einem Ionengitter werden die Ionen nur durch elektrostatische Kräfte zusammengehalten.

Eigenschaften

Aus der Bindungsart und dem Gitteraufbau resultieren folgende typische Eigenschaften der Metalle:
- Undurchsichtigkeit durch leicht verschiebbare Elektronen (dadurch, dass die Elektronen nicht an bestimmte Energieniveaus (Orbitale) gebunden sind, sondern frei in Form eines Elektronengases vorkommen, können sie viele Wellenlängen absorbieren und haben deshalb eine grau bis schwarze Farbe)
- Glanz, bedingt durch leicht verschiebbare Elektronen an der Oberfläche (dadurch dass die Elektronen nicht an bestimmte Energieniveaus (Orbitale) gebunden sind, sondern frei in Form eines Elektronengases vorkommen, können sie die ganze zuvor aufgenommene Energie wieder emittieren. So entsteht der Glanz)
- Gute Verformbarkeit (Duktilität): Im Metallgitter befinden sich Versetzungen, die sich schon bei einer Spannung unterhalb der Trennspannung bewegen können; je nach Gittertyp verformt sich also ein Metall eher, als dass es bricht
- Hoher Schmelzpunkt durch die allseitig gerichteten Bindungskräfte
- Gute Elektrische Leitfähigkeit durch leicht verschiebbare Elektronen
- Gute Thermische Leitfähigkeit durch leicht verschiebbare Elektronen ----

Schmelz- und Siedetemperaturen

Die folgende Tabelle zeigt die Schmelz- und Siedetemperaturen einiger Metalle (in °C bei Normaldruck):

Wärmeleiteigenschaften

Die für die Wärmeleitung relevaten Eigenschaften wie Dichte, Wärmekapazität, Wärmeleitfähigkeit und Temperaturleitfähigkeit variieren stark. So hat etwa Silber mit 427 W/(m K) eine ca. 20-fach höhere Wärmeleitfähigkeit als Mangan. Weitere Werte.

Einteilung

Traditionell unterteilt man Metalle nach der Dichte in Schwermetalle und Leichtmetalle, nach der Reaktivität in Edelmetalle und unedle Metalle. Daneben ist gerade für das chemische Verhalten die Zugehörigkeit zu Haupt- oder Nebengruppen des Periodensystems entscheidend. Siehe auch: Refraktärmetalle

Für technisch verwendete Metalle

Die technisch verwendete Metalle werden entsprechend ihrem Basismetall und nach dem Verwendungszweck unterteilt:
- Metalle
  - Eisenwerkstoffe
    - Stahl (unlegiert, niedriglegiert, hochlegiert)
    - Gusseisen (Grauguss, Stahlguss, Temperguss)
  - Nichteisenmetalle
    - Reinmetalle
      - Edelmetalle
      - Schwermetalle (ρ ≥ 4,5 g/cm3)
      - Leichtmetalle (ρ < 4,5 g/cm3)
    - Nichteisen-Legierungen
      - Knetlegierungen
      - Gusslegierungen ----

Vorkommen

Der Erdkern besteht zum größten Teil aus Eisen, da es das physikalisch stabilste Element ist. In der Erdkruste dagegen überwiegen die Nichtmetalle, relativ häufige Metalle sind Aluminium, Eisen, Mangan, Titan, Calcium, Magnesium, Natrium und Kalium. Viele seltene Metalle treten aber in ihren Abbaustätten stark angereichert auf, so dass sich ein Abbau lohnt. Gesteine, die klassische Werkmetalle in abbauwürdigen Konzentrationen enthalten, werden Erze genannt. Zu den wichtigsten Erzen gehören:
- Oxide
- Sulfide
- Carbonate Andere Metallverbindungen wie Kochsalz oder Kalk werden dagegen nicht als Erze bezeichnet. Manche Edelmetalle, v. a. Gold, kommen auch gediegen, d. h. in reiner Form und nicht als Verbindung/Erz vor.

Verbindungen

Die Verbindungen oder auch Lösungen von verschiedenen Metallen heißen Legierungen. Diese haben oft völlig andere physikalische und chemische Eigenschaften als die reinen Metalle. Vor allem die Härte ist teilweise um Größenordnungen höher. Ebenso ist vielfach die Korrosionsbeständigkeit deutlich erhöht. Reine Metalle werden praktisch nicht verwendet, außer bei der Herstellung elektrischer Leitungen, da reine Metalle die größte Leitfähigkeit besitzen. Hier werden unlegierte Metalle verwendet, vor allem Kupfer und Aluminium. Mit vielen Nichtmetallen werden Ionenverbindungen eingegangen, wobei aber gerade bei Übergangsmetallen und bei größeren Anionen (wie dem Sulfid-Ion) alle Übergangsstufen zur Atombindung vorkommen. Mit Nichtmetallen wie Wasserstoff, Kohlenstoff und Stickstoff werden auch Einlagerungsverbindungen gebildet, wobei sich die Nichtmetallatome in Lücken des Metallgitters befinden, ohne dieses wesentlich zu verändern. Diese Einlagerungsverbindungen behalten die typischen Metalleigenschaften wie die Elektrische Leitfähigkeit. Metallkationen, v. a. die der Nebengruppenmetalle, bilden mit Basen (Wasser, Ammoniak, Halogeniden, Cyanid u. v. a.) Komplexverbindungen, deren Stabilität nicht allein durch die elektrostatische Anziehung erklärt werden kann. Metalle in höheren Oxidationsstufen bilden auch Komplexanionen, z. B. löst sich Chromtrioxid CrO3 in Kalilauge unter Bildung des Chromat-Anions CrO42-: CrO3 + 2 KOH -> K2CrO4 + H2O

Verwendung

Viele Metalle sind wichtige Werkstoffe. Unsere moderne Welt wäre ohne Metalle unmöglich. Nicht ohne Grund werden Phasen der Menschheitsentwicklung nach den verwendeten Werkstoffen als Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit bezeichnet. Die folgende Tabelle enthält die wichtigsten Metalle und Legierungsbestandteile, keine Verbindungen.
- Aluminium: bedeutendstes Leichtmetall
- Beryllium
- Bismut: Legierungen
- Blei: Legierungen, Bleiakkumulator, Lote, Korrosionsschutz, Gewicht
- Cadmium: Bestandteil von Akkumulatoren
- Chrom: Legierungsbestandteil (Chrom-Vanadium-Stahl, Chrom-Nickel-Stahl), Überzugsmetall
- Eisen: wichtigstes Werkmetall (Gusseisen, Stahl), viele Legierungen
- Gold: Schmuckmetall, Blattgold, Elektrotechnik, Wertanlage, Währungsabsicherung
- Iridium
- Kalium: legiert mit Natrium als Kühlmittel in Kernreaktoren
- Kobalt: Magnete
- Kupfer: Elektrotechnik (zweithöchste Leitfähigkeit nach Silber), Bronze, Messing
- Magnesium: für besonders leichte Werkstücke mit nicht allzuhohen Ansprüchen an die Festigkeit; Einweg-Blitzbirnen bzw. Blitzlichtpulver
- Mangan: Legierungsbestandteil (Manganstahl)
- Molybdän: Legierungsbestandteil (Molybdän-Stahl) zur Erhöhung der Warmfestigkeit
- Natrium: legiert mit Kalium als Kühlmittel in Kernreaktoren
- Nickel: Legierungen (Nickel-Eisen, Nickel-Chrom, Nickel-Kupfer etc.), Legierungsbestandteil (Chrom-Vanadium-Stahl, Chrom-Nickel-Stahl), Magnete
- Osmium: legiert mit Wolfram in Glühlampen
- Palladium: Katalyse, Wasserstoffspeicherung
- Platin: Schmuckmetall, Katalyse, Wertvollstes Metall
- Quecksilber: Thermometer
- Rhodium: Schmuckmetall
- Ruthenium
- Silber: Schmuckmetall, Fotografie
- Tantal: Kondensatoren
- Titan: für Leichtbauweise ohne Rücksicht auf die hohen Kosten, Schmuck
- Uran: Kernreaktoren, Radioaktivität
- Vanadium: Legierungsbestandteil (Chrom-Vanadium-Stahl) für wärmfeste Stähle, Katalysator zur Synthetisierung von Schwefelsäure (Vanadium-V-Oxid)
- Wolfram: Glühlampen (höchster Schmelzpunkt aller Metalle), Spezialstähle, Wolframcarbid
- Zink: Legierungsbestandteil (Messing), Zinkdruckgussteile (Zamak-Legierung), Verzinkung von Stahlteile (Feuerverzinkung, Bandverzinken, ..)
- Zinn: Legierungsbestandteil (Bronze), Lote (Lötzinn), Weißblech, Zinnfiguren
- Zirkonium: Lamdasonde im Auto (Messung des Sauerstoffgehalts im Abgas)

Metalle in der Astronomie

In der Astronomie bezeichnet Metall jedes chemische Element mit einer Ordnungszahl höher als Helium. Diese Unterscheidung ist sinnvoll, da Wasserstoff und Helium zusammen mit einigen Spuren von Lithium die einzigen Elemente sind, welche im Universum auftreten, ohne ein Produkt der Kernfusion innerhalb von Sternen zu sein. Die Metallizität von Objekten des Weltraums kann daher als Indikator für seine stellare Aktivität aufgefasst werden.

Metall in der Chinesischen Philosophie

Metall bezeichnet ein Element der traditionellen Fünf-Elemente-Lehre.

Siehe auch


- Metallurgie
- MetallgitterMetallbindung
- HalbmetallNichtmetall
- Periodensystem
- Festkörper

Weblinks


- Animationen der Atome von Metallen und Nichtmetallen: http://www.physik.rwth-aachen.de/~harm/aixphysik/atom/Periodic/index.html ! Kategorie:Stoffgruppe Kategorie:Metallurgie ja:金属 ko:금속 simple:Metal th:โลหะ

Brom

Brom ist ein chemisches Element im Periodensystem der Elemente mit dem Symbol Br und der Ordnungszahl 35. Es ist das einzige bei Raumtemperatur und Normaldruck flüssige nichtmetallische Element. Auf Grund seines stechenden Geruchs schlug Joseph Louis Gay-Lussac den Namen Brom (von altgriechisch βρωμος (brómos) = Gestank, wegen des beißenden Geruchs von Bromdämpfen) vor. Vorsicht: Brom ist äußerst giftig, seine Dämpfe sollten nicht eingeatmet werden. Da Brom ätzend ist, sollte es in seiner flüssigen Form keine Haut berühren.

Geschichte

Brom wurde 1826 erstmals durch den französischen Chemiker Antoine-Jérôme Balard aus Meeresalgen isoliert. Eine technische Herstellung erfolgte erst ab 1860.

Vorkommen

Natürlich kommt Brom nur in Verbindungen vor. Der größte Teil liegt als gelöstes Bromid im Meerwasser vor. Einige Kalisalze enthalten ebenfalls geringe Mengen Brom. Eine Gewinnung aus den Restlaugen der Kaligewinnung ist aber nicht mehr wirtschaftlich.
Die Herstellung elementaren Broms erfolgt durch Oxidation von Bromid-Lösungen durch Chlor. Als Bromidquelle nutzt man überwiegend Meerwasser, vereinzelt auch Sole (stark salzhaltiges Wasser aus großer Tiefe).

Eigenschaften

Sole Die rotbraune Flüssigkeit bildet unangenehm stark stechend riechende, schwere Dämpfe, die um einiges giftiger sind als Chlor. Brom, neben Quecksilber das einzige bei Normbedingungen flüssige Element, hat eine ziemlich hohe Dichte. Festes Brom ist dunkel, bei weiterer Abkühlung hellt es auf. In Wasser ist es mäßig, in organischen Lösungsmitteln wie Alkohol, Kohlenstoffdisulfid oder Tetrachlorkohlenstoff sehr gut löslich. In Wasser gelöstes Brom, wird durch Licht unter Sauerstoffentwicklung zum Bromid reduziert. Mit Wasserstoff reagiert es im Gegensatz zum Chlor erst bei höheren Temperaturen unter Bildung von Bromwasserstoff.
- \mathrm :Brom reagiert mit Wasserstoff zu Bromwasserstoff Mit vielen Metallen (z.B. Aluminium) reagiert es sehr exotherm unter Bildung des jeweiligen Bromides. Feuchtem Brom widerstehen nur Tantal und Platin. Brom verhält sich chemisch wie das leichtere Chlor, reagiert aber wesentlich weniger energisch. Feuchtigkeit erhöht die Reaktivität des Broms stark. Brom stellt ein mittelstarkes Oxidationsmittel dar.

Verwendung


- Scavenger zum Entfernen des Bleis aus Zylindern bei Nutzung von verbleitem Benzin
- Chemisches Polieren von Galliumarsenid (als Lösung in Methanol)
- Flammschutzmittel für (Elektronik-)Platinen (als mehrfach bromierte Biphenyle bzw. Diphenylether)
- Schädlingsbekämpfung (als Methylbromid)
- Wurmmittel
- Desinfektionsmittel (milder als Chlor)
- Arzneimittel (Narkose-, Beruhigungs- und Schlafmittel)
- Fotoindustrie (Silberbromid als Bestandteil der lichtempfindlichen Suspension)
- Bleichmittel (Alkalihypobromite)
- Farben
- Indikatoren (beispielsweise: Nichtgesättigte Verbindungen entfärben Bromwasser)
- Feuerlöschmittel
- Lösungsmittel
- Bromate als Oxidationsmittel
- Bromhaltiger Kautschuk zur Herstellung "luftdichter" Reifen
- Tränengas (Tribromaceton)

Sicherheitshinweise

Elementares Brom ist hochgiftig, Kontakt oder Aufnahme von geringen Mengen verursachen sofortige Gesundheitsprobleme.
Aufbewahrung in Behältern aus Glas, Blei, Monel® oder Nickel.

Verbindungen


- Bromargyrit
- Bromphenolblau
- Bromstyrol (Riechstoff)
- Bromthymolblau
- Bromwasserstoff
- Silberbromid

Weblinks


- [http://periodic.lanl.gov/elements/35.html Los Alamos National Laboratory - Bromine]
- [http://www.webelements.com/webelements/elements/text/Br/index.html WebElements.com - Bromine]
- [http://environmentalchemistry.com/yogi/periodic/Br.html EnvironmentalChemistry.com - Bromine]
- [http://www.lenntech.com/deutsch/Data-PSE/Br.htm Gesundheitliche Auswirkungen von Brom & Auswirkungen von Brom auf die Umwelt] Kategorie:Chemisches Element Kategorie:Halogen Kategorie:Periode-4-Element ja:臭素 ko:브로민 th:โบรมีน

Althochdeutsch

Als Althochdeutsch (Ahd.) bezeichnet man die älteste schriftlich bezeugte Form der deutschen Sprache in der Zeit etwa von 750 bis 1050. 1050 Das Althochdeutsche ist keine einheitliche Sprache, wie der Begriff suggeriert, sondern die Bezeichnung für eine Gruppe von westgermanischen Dialekten, die südlich der so genannten „Benrather Linie“ (die von Düsseldorf-Benrath ungefähr in west-östlicher Richtung verläuft) gesprochen wurden. Diese Dialekte unterscheiden sich von den anderen westgermanischen Sprachen oder Dialekten durch die Durchführung der Zweiten (oder Hochdeutschen) Lautverschiebung. Die Dialekte nördlich der „Benrather Linie“, das heißt, im Bereich der norddeutschen Tiefebene und im Gebiet der heutigen Niederlande, haben die Zweite Lautverschiebung nicht durchgeführt. Diese Dialekte werden zur Unterscheidung vom Althochdeutschen unter der Bezeichnung Altsächsisch (seltener: Altniederdeutsch) zusammengefasst. Aus dem Altsächsischen hat sich das Mittel- und Neuniederdeutsche entwickelt. Da das Althochdeutsche eine Gruppe nahe verwandter Dialekte war, gab es im frühen Mittelalter auch keine einheitliche Schriftsprache; die überlieferten Textzeugnisse lassen sich den einzelnen Dialekten zuweisen, so dass man oft treffender von Altfränkisch, Altbairisch, Altalemannisch etc. spricht. Die althochdeutsche Überlieferung besteht zu einem großen Teil aus geistlichen Texten (Gebeten, Taufgelöbnissen, Bibelübersetzung); nur vereinzelt finden sich weltliche Dichtungen (Hildebrandslied) oder sonstige Sprachzeugnisse (Inschriften, Zaubersprüche). Charakteristisch für die althochdeutsche Sprache sind die noch vokalisch volltönenden Endungen (vgl. Latein), zum Beispiel: Im Zusammenhang mit der politischen Situation ging im 10. Jahrhundert die Schriftlichkeit im Allgemeinen und die Produktion deutschsprachiger Texte im Besonderen zurück; eine Neueinsetzung einer deutschsprachigen Schriftlichkeit und Literatur ist ab etwa 1050 zu beobachten. Da sich die schriftliche Überlieferung des 11. Jahrhunderts in lautlicher Hinsicht deutlich von der älteren Überlieferung unterscheidet, bezeichnet man die Sprache ab etwa 1050 als Mittelhochdeutsch.

Literatur


- Rolf Bergmann u. a. (Hrsg.): Althochdeutsch # Grammatik. Glossen. Texte. Winter, Heidelberg 1987, ISBN 3-533-03877-7 # Wörter und Namen. Forschungsgeschichte. Winter, Heidelberg 1987, ISBN 3-533-03940-4
- Wilhelm Braune: Althochdeutsche Grammatik. Niemeyer, Tübingen 2004, ISBN 3-484-10861-4
- Rudolf Schützeichel: Althochdeutsches Wörterbuch.Niemeyer, Tübingen 1995, ISBN 3-484-10636-0
- Stefan Sonderegger: Althochdeutsche Sprache und Literatur: eine Einführung in das älteste Deutsch. Darstellung und Grammatik. de Gruyter, Berlin (u. a.) 1987, ISBN 3-11-004559-1

Siehe auch

Deutsche Sprachgeschichte, althochdeutsche Literatur

Weblinks


- [http://www.cis.uni-muenchen.de/ahdeutsch/haupt.html www.cis.uni-muenchen.de/ahdeutsch/haupt.html] – Althochdeutsches Wörterbuch des 8. Jahrhunderts
- [http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/althochdeutscheswoerterbuch/nhd-ahd.pdf Neuhochdeutsch-althochdeutsches Wörterbuch] – im PDF-Format Kategorie:Deutsche Sprache Kategorie:Sprachstufe

Oberflächenspannung

Die Oberflächenspannung ist ein Effekt, der dazu führt, dass sich die Oberfläche einer Flüssigkeit wie eine elastische Folie verhält und in einen möglichst glatten Zustand minimaler Ausdehnung strebt. Das heißt, die Oberfläche einer Flüssigkeit strebt immer den energieärmsten Zustand an. Je größer die Oberflächenspannung eines Festkörpers dabei ist, desto geringer ist auch dessen Benetzbarkeit und damit umso "kugelförmiger" die Gestalt des Wassertropfens (großer Kontaktwinkel). Als Oberflächenspannung (Formelsymbol: σ, γ; SI-Einheit: N/m) bezeichnet man weithin auch die Grenzflächenspannung, die auf die Grenzfläche zweier Stoffe in beliebiger Phase wirkt.

Bedeutung der Oberflächenspannung

Phase Die Oberflächenspannung bewirkt, dass manche Insekten, die Wasserläufer, auf der Wasseroberfläche laufen können. Sollte das Insekt jedoch die Oberfläche durchstoßen, würde es untergehen. Man kann auch flache Gegenstände wie zum Beispiel Rasierklingen oder ein Stück Aluminiumfolie auf eine Wasseroberfläche legen, ohne dass sie dabei untergehen, sobald sie jedoch weit genug eingetaucht werden, sinken sie auf den Grund. Eine hohe Oberflächenspannung erschwert Benetzungsvorgänge, beispielsweise benetzt hochreines Wasser die Stoffe von Kleidungsstücken nur schlecht, es perlt ab. Dies ist einer der Gründe dafür, warum man beim Waschen Waschmittel zugibt, das mit seinen seifenartigen Stoffen (Tensiden) das Benetzen erleichtert.

Was ist Oberflächenspannung?

Vergrößert man die Oberfläche einer Flüssigkeit, so muss man - eben aufgrund der Oberflächenspannung - eine Arbeit verrichten. Die Oberflächenspannung wird nun so definiert: Die Arbeit, die zur Vergrößerung der Oberfläche verrichtet werden muss, geteilt durch die Fläche, die dabei zusätzlich entsteht. Die Oberflächenspannung kann daher auch als Oberflächenenergiedichte bezeichnet werden. Bei der Vergrößerung der Fläche muss man eine Kraft ausüben, beispielsweise wenn man eine an einem Draht hängende Flüssigkeitslamelle vergrößert, indem man den Draht nach oben zieht. Die Kraft ist der Drahtlänge proportional, und für Flüssigkeiten ist die Kraft pro Längeneinheit gleich der Änderung der Oberflächenenergie.

Thermodynamische Definition

Eine allgemeinere thermodynamische Definition der Oberflächenspannung ist: Die Oberflächenspannung σ ist die Ableitung der freien Enthalpie G nach der Fläche A bei konstanter Temperatur T und bei konstantem Druck p: : \sigma = \left(\frac \right)_ Die Freie Enthalpie hat die Dimension einer Energie. Somit hat σ die Dimension einer Energie/Fläche (SI-Einheit: J/m2 = N/m).

Wie entsteht die Oberflächenspannung?

Sie entsteht aus der gegenseitigen Anziehungskraft der Moleküle oder Atome, aus denen die oberflächenbildende Phase aufgebaut ist. Wenn man die Oberfläche bzw. Grenzfläche in erster Näherung als Schnittfläche betrachtet, dann kann man die Oberflächenenergie als Energie der nichtabgesättigten Bindungen pro Fläche verstehen (Kohäsion). Die Oberflächenspannung ist für makroskopische Systeme keine Funktion der Oberflächengeometrie.

Ursache: Anziehende Kräfte

Kohäsion Rechts ist schematisch gezeigt, dass die anziehenden Kräfte auf ein Teilchen (Atom oder Molekül) an einer Oberfläche unsymmetrisch wirken. Derartige Bilder werden oft zur Erklärung der Oberflächenspannung verwendet, sie dürfen aber nicht falsch verstanden werden.

Was dieses Schema in Bezug auf die Oberflächenspannung richtig wiedergibt

# Die Oberflächenspannung kommt durch die anziehenden Kräfte zwischen den Flüssigkeitsteilchen zustande; diese sind im Mittel stärker als die Kräfte zwischen zwei Teilchen in der Gasphase oder zwischen einem Teilchen in der Flüssigkeitsoberfläche und einem nahen Gasteilchen. # Die Ursache der Oberflächenspannung ist der Symmetriebruch an der Oberfläche im Vergleich zum Inneren der Flüssigkeit und zum Inneren der Gasphase.

Vorsicht vor Fehlinterpretationen!

Die Oberflächenspannung wirkt in der Oberfläche, nicht senkrecht dazu! Sie kommt zwar durch die im Schema angedeuteten Anziehungskräfte zustande, ihre Richtung ergibt sich aber nicht einfach aus der Summe der gezeigten Kraftvektoren! Das Schema zeigt nur die anziehenden Kräfte, es treten aber auch abstoßende Kräfte auf, wenn sich zwei Teilchen zu nahe kommen. Im Gleichgewicht gibt es keine resultierende Kraft, die in Richtung Flüssigkeitsinneres wirkt! Falls eine solche auftreten sollte, würde sie das Teilchen nach innen beschleunigen, bis die abstoßenden Kräfte überhandnehmen. Daraus folgt, dass an der Oberfläche die mittleren Teilchenabstände und damit die Dichte anders sind als im Inneren der Phasen: Aufgrund der ständigen Bewegung der Teilchen einer Flüssigkeit - sie verschieben sich gegeneinander, prallen voneinander ab etc. - sind die mittleren Gleichgewichtsabstände in der Oberfläche größer und die Dichte ist kleiner. Eine Verringerung der Oberfläche führt daher zu einem Energiegewinn, und dieser ist die Ursache der Oberflächenspannung. Die Oberflächenspannung ist eine Eigenschaft, die auch im thermodynamischen Gleichgewicht auftritt, wenn also die Flüssigkeit im Gleichgewicht mit ihrem Dampf steht. Dann ändert sich die Position der Phasengrenze nicht, und es wirken im Mittel auf ein Teilchen auch keine Kräfte senkrecht zur Phasengrenze, das heißt im Mittel wird ein Teilchen weder in Richtung Flüssigkeitsinneres noch in Richtung Gasphase beschleunigt, und zwar unabhängig davon, wo es sich befindet. Natürlich wirkt im Gleichgewicht auch keine Kraft, die Teilchen innerhalb der Grenzfläche beschleunigt.

Folgen der Oberflächenspannung

In dem Bestreben die Oberflächenenergie zu verringern, also die offenen Bindungen auf der gesamten Oberfläche abzusättigen, wird die Oberfläche von Flüssigkeiten verringert. Da bei gegebenem Volumen eines Körpers eine Kugel die geringste Oberfläche hat, versuchen Flüssigkeiten, auf die (wie etwa in der Schwerelosigkeit) keine weiteren Kräfte wirken, die Kugelform anzunehmen (siehe Artikel Seifenblase). In einem Flüssigkeitstropfen, beispielsweise in einem kleinen Wassertropfen, oder einer Gasblase in einer Flüssigkeit, herrscht aufgrund der Oberflächenspannung an der Grenzfläche Flüssigkeit/Gasphase ein erhöhter Druck, ebenso im Inneren einer Seifenblase. Die Druckerhöhung wird durch die Young-Laplace-Gleichung beschrieben.

Messung der Oberflächenspannung

Man kann die Oberflächenspannung zum Beispiel mit Hilfe der Ring- (von Lecomte De Noüy), Platten- (von Wilhelmy) oder Bügel-Methode (von Lenard), mit einem Tensiometer oder durch den Kapillareffekt messen. Auch kann man über eine optische Auswertung den hängenden Tropfen vermessen und so die Oberflächenspannung der Flüssigkeit ermitteln. Kleine Übersicht über die Methoden:
- Du-Noüy-Ringmethode: Klassische Methode zur Messung der Grenzflächenspannung und Oberflächenspannung. Unkritisch auch bei schwierigen Benetzungsverhältnissen. Gemessen wird die Kraft einer vom Ring hochgezogenen Flüssigkeitslamelle.
- Wilhelmy-Plattenmethode: Universalmethode, speziell geeignet für Oberflächenspannungsmessungen über einen längeren Zeitbereich. Gemessen wird die Kraft, die sich durch die Benetzung der senkrecht aufgehängten Platte ergibt.
- Spinning-Drop-Methode: Zur Bestimmung von Grenzflächenspannungen. Besonders geeignet für niedrige bis extrem niedrige Messbereiche. Gemessen wird der Durchmesser eines rotierenden Tropfens in der schweren Phase.
- Pendant-Drop-Methode: Geeignet für Grenz- und Oberflächenspannungsmessungen. Messmöglichkeiten auch bei extremen Drücken und Temperaturen. Optische Erfassung der Tropfengeometrie.
- Blasendruck-Methode: Optimale Messtechnik zur Oberflächenspannungsmessung in Abhängigkeit vom Oberflächenalter. Gemessen wird der maximale Blasendruck.
- Tropfen-Volumen-Methode: Überlegene Methode zur dynamischen Messung von Grenzflächenspannungen. Gemessen wird die Tropfenanzahl, in die sich ein vorgegebenes Flüssigkeitsvolumen teilt.
- Prüftinten-Methode: Ein in der Industrie (z.B. bei der Verklebung von Selbstklebefolien)auf Kunststoffen angewandter Test.Auf die zu prüfende Oberfläche wird mittels Pinsel eine gefärbte Flüssigkeit ("Tinte") mit definierter Oberflächenspannung aufgetragen. Wenn die Oberfläche von der Tinte benetzt wird (d.h. der Pinselstrich bleibt für > 3 Sekunden bestehen ohne sich zusammenzuziehen) ist die Oberflächenspannung der geprüften Oberfläche gleich oder größer als die der Prüftinte. Zieht sich der Pinselstrich dagegen binnen 3 Sekunden zusammen, ist die Oberflächenspannung der geprüften Oberfläche kleiner als die der Prüftinte.

Werte der Oberflächenspannung

Wasser hat also eine vergleichsweise hohe Oberflächenspannung, nur die von Quecksilber ist noch wesentlich höher. Für Wasser gilt ausgehend von dem Wert bei 20 °C und der gewünschten Temperatur T in Kelvin die folgende Näherungsgleichung: :\sigma = 007275 \cdot (1-0002 \cdot (T - 291))

Abhängigkeit der Oberflächenspannung von Zusammensetzung und Temperatur

Grenzflächenaktive Substanzen setzen die Oberflächenspannung herab; ihr Effekt kann auch durch einen der Oberflächenspannung entgegengesetzten Lateraldruck π beschrieben werden; π ist kein eigentlicher Druck, sondern hat dieselbe Einheit wie die Oberflächenspannung. Die angrenzende Luftschicht ist vom Dampf der Flüssigkeit gesättigt. Das Eindringen anderer Dämpfe von außen kann die Oberflächenspannung erheblich verändern. Die Oberflächenspannung ist auch temperaturabhängig und nimmt im Allgemeinen mit steigender Temperatur ab. Am kritischen Punkt ist sie gleich null. Die Temperaturabhängigkeit wird durch die Eötvössche Regel beschrieben; die oben bereits angebene Gleichung :\sigma = 007275 \cdot (1-0002 \cdot (T - 291)) ist ein für Wasser geltender Speziallfall dieser Regel.

Historisches

Der Begriff der Oberflächenspannung wurde erstmals 1629 von N. Cabeo verwendet und 1751 von Segner klarer gefasst. Zur Theorie wurde 1805 von Thomas Young, 1806 von Pierre-Simon Laplace, 1830 von Poisson Wertvolles (siehe auch Young-Laplace-Gleichung, Youngsche Gleichung) und 1842 bis 1868 von Joseph Plateau beigetragen.

Weblinks


- [http://www.unimeter.net/interim/4_OberflSpannung_A.htm Oberflächenspannung von Flüssigkeiten und Messmethoden]
- [http://www.kruss.de/messtechnik/oberflaechenspannung_de.html Theoretische Einführung zur Messung der Oberflächenspannung] Kategorie:Strömungslehre Kategorie:Weiche Materie ja:表面張力

Serbien

Serbien (serb. Србија/Srbija ) ist eine Republik in Südosteuropa und Mitglied der Staatengemeinschaft Serbien und Montenegro. Die offizielle Bezeichnung lautet Republik Serbien (Република Србија/Republika Srbija). Der Nationalfeiertag ist der 15. Februar. Der Landescode nach ISO 3166-1 lautet: CS für Serbien und Montenegro (früher YU). Nachbarländer sind Montenegro, Albanien, Mazedonien, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Kroatien und Bosnien und Herzegowina.

Geographie

Bosnien und Herzegowina Der nördliche Teil Serbiens gehört zur Pannonischen Tiefebene, der südliche Teil des Landes wird zum großen Teil von mehreren Mittelgebirgszügen eingenommen, die eine Verbindung zwischen dem Dinarischen Gebirge im Westen und dem Balkan-Gebirge im Osten bilden. Hydrographisch gehört der größte Teil Serbiens zum Einzugsbereich der Donau, die in ihrem Mittellauf auf einer längeren Strecke das Land durchquert. Die wichtigsten Donaunebenflüsse in Serbien sind die Save (in die wiederum die Drina mündet), die Morava, die Theiß und der Timok. Lediglich der äußerste Südwesten des Landes wird durch den Weißen Drin zur Adria hin entwässert. Die größte Insel Serbiens ist die 60 km² große Flussinsel Ostrvo in der Donau östlich von Belgrad bei Kostolac. Die 12 längsten Flüsse in Serbien:
- Donau (serb. Dunav) 588 km (gesamt 2783 km)
- Zapadna Morava 308 km (gesamt 308 km)
- Južna Morava 295 km (gesamt 295 km)
- Ibar 272 km (gesamt 272 km)
- Drina 220 km (gesamt 346 km)
- Save 206 km (gesamt 945 km)
- Timok 202 km (gesamt 202 km)
- Velika Morava 185 km (gesamt 185 km)
- Theiß (serb. Tisa)168 km (gesamt 966 km)
- Nišava 151 km (gesamt 218 km)
- Tamiš 118 km (gesamt 359 km)
- Kolubara 110Km (gesamt 110 Km)
- Begej 75 km (gesamt 244 km) Die 6 größten Seen Serbiens:
- Djerdapsee (serb. Đerdapsko jezero) 163 km² (gesamt 253 km²)
- Vlasinasee (serb. Vlasinsko jezero) 16 km²
- Perućacsee (serb. Perućko jezero) 12,4 km²
- Gazivodesee (serb. Gazivode jezero) 11,9 km²
- Zvorniksee (serb. Zvorničko jezero) 8,1 km²
- Zlatarsee (serb. Zlatarsko jezero) 7,25 km² Die 9 höchsten Gipfel Serbiens:
- Đeravica 2.656 m
- Crni vrh 2.585 m
- Gusam 2.539 m
- Bogdaš 2.533 m
- Žuti kamen 2.522 m
- Ljuboten 2.498 m
- Veternik 2.461
- Crni krš 2.426 m
- Hajla 2.403 m

Geschichte

Hajla Hauptartikel: Geschichte Serbiens, Geschichte Serbiens/19. Jahrhundert bis heute Die erste namentliche Erwähnung der Serben findet sich beim griechischen Historikern, welche den Großteil der einfallenden slawischen Stämme unter dem Sammelbegriff der Serben bezeichnet haben. Bekannt ist hieraus, daß der ein gentildemokratisch gewählter Wojwode namens Višeslav 522 die Serben aus ihrer, heute ostdeutschen Urheimat, der Lausitz, nach Süden geführt habe. Erstmalige urkundliche Erwähnung findet der Staat Serbien angeblich im Jahre 822 bei Einhard, dem Biographen Karls des Großen. Außerdem bezog sich ein Schreiben des byzantinischen Kaisers Konstantin VII. Porphyrogenitus im 10. Jahrhundert darauf, daß die Serben bereits seit der Mitte des 7. Jahrhunderts auf dem Balkan lebten. Im Jahre 622 erreichten sie die südlichen Gebiete Griechenlands, wo sie in manchen Teilen, wie z.B. im Taygetosgebirge des Chalkidiki, bis ins 14.Jhdt. als Sprachinseln erhalten blieben. Serbien stand von seinen Anfängen bis zu seiner endgültigen Unabhängigkeit 1878 lange Zeit unter dem Einfluss des Byzantinischen beziehungsweise Osmanischen Reichs - teils war es Vasallenstaat, teils dem osmanischem Reich völlig einverleibt. Eine Ausnahme bildete die Zeit des unabhängigen Serbischen Reichs (1180 - bis etwa 1389). Im Ersten Balkankrieg 1912-1913 besiegte das Bündnis aus Serbien, Bulgarien, Griechenland und Montenegro das Osmanische Reich. Dieses verlor durch den Vertrag von London vom Mai 1913 fast alle seine europäischen Besitzungen. Bulgarien auf der einen und Serbien und Griechenland auf der anderen Seite gerieten jedoch in heftigen Streit um die Aufteilung des von ihnen eroberten Mazedonien. Daraufhin unternahm am 29. Juni ein bulgarischer General ohne Befehl einen Angriff auf Serbien. So kam es zum Zweiten Balkankrieg, in dem Serbien gemeinsam mit Griechenland, Rumänien und dem Osmanischen Reich Bulgarien angriff. Konfrontiert mit dieser Übermacht blieb Bulgarien nur die Kapitulation. Es musste im Vertrag von Bukarest vom August 1913 seine im Ersten Balkankrieg gewonnenen Territorien wieder abtreten. Infolge der Balkankriege wurde der nordwestliche Teil Makedoniens serbisch. Am Ende des Ersten Weltkrieges entstand 1918 aus Serbien, dem bis dahin unabhängigen Montenegro sowie den meisten südslawisch besiedelten Ländern Österreich-Ungarns das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, das sich ab 1929 Jugoslawien nannte. Innere Konflikte des monarchischen Staates wurden durch die Ermordung des serbischen Königs Alexander zusammen mit dem französischen Außenminister in Marseilles Mitte der 30-er Jahre zu einem Erstarken anderer nationaler Bewegungen. Diese, darunter die kroatische Ustaša-Bewegung, annektierte ab 1941 mit der Hilfe der Achsenmächte weite Territorien Serbiens im Norden inklusive der Stadt Novi Sad und auch sonst aller serbisch besiedelten Gebiete in Bosnien und der Herzegowina. Möglich gemacht wurde das jedoch erst durch eine folgenschwere Unterschrift der damaligen Regierung unter Cvetković und Maček für ein Bündnis mit dem Deutschen Reich, was seinerseits Anfang April 1941 einen Volksaufstand in der serbischen Hauptstadt Belgrad auslöste. Nur Tage danach, am 6.April 1941 bombardierte der österreichische Nazi-General Alexander Löhr die Stadt und forderte rund 20.000 zivile Opfer. Serbien wurde dem General Böhme unterstellt, der dort schneller als sonst wo die Judenvernichtung vorantrieb. Während des Zweiten Weltkriegs war Serbien ideologisch geteilt zwischen kommunistischen und monarchistischen Bewegungen, von denen die letztere unter Minister Nedić kritiklos den Serbenmord (100 Zivilisten für einen Wehrmachler) der deutschen und kroatischen Okkupatoren hinnahm und offen mit den Nazis kollaborierte. Mit dem zweitwichtigsten Četnik-Führer Ljotić war die Spitze der Quisling-Gruppen erklommen worden, denn dieser beteiligte sich sogar an militärischen Aktionen der Wehrmacht zum Schaden der eigenen Bevölkerung. Bis 2003 blieb Serbien Teil Jugoslawiens, von 1992 an nur noch zusammen mit Montenegro, mit dem es seit 2003 den Staatenbund Serbien und Montenegro bildet.

Politik

1992 1992 Serbien ist einer der beiden letzten aus Jugoslawien hervorgegangenen Staaten. Nach dem Zerfall der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien (SFRJ) bildeten Serbien und Montenegro ab 1992 zunächst die Bundesrepublik Jugoslawien. Diese wurde durch Parlamentsbeschluss des damaligen Bundesparlaments am 4. Februar 2003 aufgelöst und durch den losen Staatenbund zweier unabhängiger Staaten namens Serbien und Montenegro (Srbija i Crna Gora) abgelöst. Parteien in Serbien sind die SRS (Serbische Radikale Partei, rechtsnational), DSS (Demokratische Partei Serbiens, Zentrum), G17-Plus (liberal), DS (Demokratische Partei, liberal), SPS (Sozialistische Partei Serbiens), SPO (Serbische Erneuerungsbewegung, parlamentarisch-monarchistisch), NS (Neues Serbien, Zentrum) und andere. Bei den Wahlen am 28. Dezember 2003 kandidierten insgesamt 19 Listen, manche davon aus mehreren Parteien bestehend. Im Herbst 2003 brach die bisherige Regierungskoalition unter dem Namen DOS (Demokratische Oppositition Serbiens) auseinander, so dass es am 28. Dezember 2003 zu Neuwahlen kam. Mit knapp 28% der Stimmen beziehungsweise etwa 35% der Parlamentssitze wurde die SRS, geleitet von Vojislav Šešelj, gegen den in Den Haag seit 24. Februar 2003 ein Gerichtsverfahren läuft, stärkste Partei, blieb jedoch in der Opposition. Denn nach etwa zweimonatigen Verhandlungen bildete der demokratische Block eine Minderheitsregierung bestehend aus DSS, G17+, SPO-NS (unter Ausnahme der DS). Zunächst war diese Regierung partiell auf parlamentarische Unterstützung durch Miloševićs SPS angewiesen, was auch als Destabilisierungsfaktor gesehen wurde. Stabilisieren konnte sich die Regierungskoalition Ende September 2005, als die muslimische Sandžak-Partei dem Kabinett beitrat. Mitte März 2004 verübten ethnische Albaner schwere Pogrome gegen die im Kosovo lebende serbische Minderheit. Dabei wurden über 4.000 Menschen vertrieben, 19 getötet, 1.000 Häuser in Brand gesteckt, 27 serbisch-orthodoxe Kirchen und Klöster zerstört. Am 30. März 2004 wurde ein kontroverses Gesetz erlassen, durch welches die Republik Serbien verpflichtet ist, Angeklagten vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag alle Spesen zu ersetzen. Allerdings wurde drei Tage darauf ein Erlass veröffentlicht, wonach sich dieses Gesetz nicht auf die Familie von Slobodan Milošević erstreckt. Am 27. Juni 2004 wurde ein neuer Präsident gewählt, nachdem mehrere vorangegangene Versuche wegen zu niedriger Wahlbeteiligung gescheitert waren. Die Beteiligung musste über 50% betragen; diese Quote wurde jedoch nie erreicht. Nach Abschaffung der 50%-Hürde gewann der liberale und Europa zugewandte Reformer Boris Tadić von der DS gegen Tomislav Nikolić von der nationalistischen Radikalen Partei mit 53,24% der Stimmen die Präsidentschaftswahl. Am 17. August 2004 hat die serbische Nationalversammlung einstimmig das frühere königliche Wappen und die Hymne Bože Pravde des 19. Jahrhunderts als zu verwendende nationale Symbole vorgeschlagen, jedoch nur provisorisch, bis eine endgültige Lösung bestimmt wird. Die Hymne und das Wappen aus Zeiten der serbischen Monarchie sollen die letzten kommunistischen Symbole ersetzen. Das Wappen zeigt einen doppelköpfigen silbernen Adler, ein silbernes Kreuz und eine Krone.

Politische Gliederung

19. Jahrhundert Innerhalb Serbiens existieren die autonomen Provinzen (serb. autonomne pokrajine) Vojvodina und Kosovo (albanisch: Kosova, amtliche serbische Bezeichnung: Kocoвo и Meтoхиja / Kosovo i Metohija, deutsch Kosovo und Metochien, als Kurzform Kosmet), die von 1974 bis 1989 eine weitgehende Selbständigkeit innerhalb Serbiens und Jugoslawiens besaßen. Unter Slobodan Milošević wurde die Autonomie der beiden Provinzen auf den Status vor der Verfassungsänderung von 1974 zurückgestuft, was vor allem im Kosovo zu Protesten führte. Seitdem wurden die Provinzregierungen nicht mehr gewählt, sondern von der Zentralregierung ernannt. Mit der Wende vom 5. Oktober 2000 wurde beschlossen, dass das Regionalparlament der Vojvodina von den Bürgern Vojvodinas direkt und demokratisch gewählt werden kann. Kosovo steht seit Juni 1999 unter UN-Verwaltung (UNMIK), ist jedoch völkerrechtlich weiterhin ein Teil Serbiens. Derjenige Teil Serbiens (mehr als die Hälfte des Landes), der nicht zu diesen beiden Provinzen gehört, bildet keine eigene politische Einheit, deshalb gibt es auch keine offizielle Bezeichnung für ihn. Informell sind die Bezeichnungen Engeres Serbien (serbisch uža Srbija) und Zentralserbien gebräuchlich. Zu administrativen Zwecken ist Serbien in 30 Bezirke (serb. Okrug) gegliedert (einschließlich der Stadt Belgrad). 18 Bezirke liegen im Engeren Serbien, 7 in der Vojvodina und 5 im Kosovo. (näheres siehe: Bezirke Serbiens) Die örtlichen Selbstverwaltungseinheiten in Serbien sind die opštine (Sg. opština, wörtlich Gemeinde, der Größe nach oft eher Landkreise). Von diesen gibt es 108 im Engeren Serbien, 54 in der Vojvodina und 30 im Kosovo.

Bezirke

Bezirke Serbiens Bezirke Serbiens Bezirke Serbiens im engeren Serbien:
- Bezirk Belgrad (Beograd) (Београдски округ)
- Bor (Борски округ)
- Braničevo (Браничевски округ)
- Jablanica (Јабланички округ)
- Kolubara (Колубарски округ)
- Mačva (Мачвански округ)
- Moravica (Моравички округ)
- Nišava (Нишавски округ)
- Pčinja (Пчињски округ)
- Pirot (Пиротски округ)
- Podunavlje (Подунавски округ)
- Pomoravlje (Поморавски округ)
- Raška (Рашки округ)
- Rasina (Расински округ)
- Šumadija (Шумадијски округ)
- Toplica (Топлички округ)
- Zaječar (Зајечарски округ)
- Zlatibor (Златиборски округ) in der Vojvodina:
- Severna Bačka (Северно-Бачки округ)
- Južna Bačka (Јужно-Бачки округ)
- Zapadna Bačka (Западно-Бачки округ)
- Severni Banat (Северно-Банатски округ)
- Srednji Banat (Средње-Банатски округ)
- Južni Banat (Јужно-Банатски округ)
- Srem (Сремски округ) im Kosovo:
- Kosovo (Косовски округ)
- Kosovo-Pomoravlje (Косовско-Поморавски округ)
- Kosovska Mitrovica (Косовско-Митровачки округ)
- Peć (Пећки округ)
- Prizren (Призренски округ)

Bevölkerung

Prizren Die Zusammensetzung der Bevölkerung ist in den drei Landesteilen sehr unterschiedlich. Im Engeren Serbien leben zum allergrößten Teil Serben, daneben auch Roma und Vlachen. In der Region von Stari Ras bzw. Sandschak lebt auch eine größere Minderheit von Bosniaken, im Preševo-Tal im südlichsten Zipfel des Engeren Serbiens eine albanische Minderheit. Die Vojvodina ist schon seit Jahrhunderten geprägt durch ein buntes Völkergemisch - vor allem aus Serben, Ungarn, Slowaken, Kroaten, Roma, Juden und früher auch etwa 200.000 bis 350.000 Deutschen, die nach dem 2. Weltkrieg vertrieben wurden). Das Kosovo wird von Albanern dominiert. Ergab die im Jahr 1981 durchgeführte Volkszählung noch einen albanischen Bevölkerungsanteil von 80%, gehen die Schätzungen nach dem Kosovo-Krieg von über 90% aus. Viele zuvor dort wohnende Serben, wie auch Angehörige anderer Minderheiten, etwa Roma, Bosniaken, Goranen und Türken zogen weg oder wurden vertrieben, zu einem Teil auch als Racheakt für zuvor von staatlicher (serbischer) Seite ausgeübte Repression. In die Vojvodina und das Engere Serbien kamen in den letzten Jahren etwa 490.000 (Binnen)-Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten in Kroatien, Bosnien und Herzegowina und dem Kosovo (etwa 180.000 aus Kroatien, 90.000 aus Bosnien und Herzegowina, 220.000 aus dem Kosovo).

Nationalitäten

Zusammensetzung der Bevölkerung nach Nationalitäten laut offiziellem Ergebnis der Volkszählung vom April 2002, ohne Kosovo-Metohija: Das umfassende Gesamtergebnis der Volkszählung vom April 2002 findet sich [http://www.statserb.sr.gov.yu/zip/esn31.pdf HIER] (englisch).

Größte Städte

Die größten Städte Serbiens sind [geschätzte Einwohnerzahlen für die eigentlichen Städte für 2004, gefolgt von der Einwohnerzahl der jeweiligen (Groß-)Gemeinde laut der Volkszählung von 2002]: 2002 im Engeren Serbien: #Belgrad (serbisch Beograd) etwa 1.290.000 (1.576.124) #Niš etwa 175.000 (250.518) #Kragujevac etwa 147.000 (175.802) #Čačak etwa 74.000 (117.072) #Kruševac etwa 65.000 (131.289) #Leskovac etwa 64.000 (156.252) #Smederevo etwa 64.000 (109.809) #Valjevo etwa 62.000 (96.761) in der Vojvodina: #Novi Sad etwa 192.000 (299.294) #Subotica etwa 101.000 (148.401) #Zrenjanin etwa 81.000 (132.051) #Pančevo etwa 77.000 (127.162) im Kosovo: #Priština etwa 210.000 #Prizren etwa 127.000 #Peć etwa 83.000 #Đakovica etwa 79.000 #Kosovska Mitrovica etwa 77.000 #Gnjilane etwa 71.000 Siehe auch: Liste der Städte in Serbien, Liste deutscher Bezeichnungen serbischer Orte

Infrastruktur

Serbien ist ein wichtiges Transitland im Verkehr von Ungarn/Ostmitteleuropa nach Griechenland, Bulgarien, Mazedonien und Albanien. Die serbische Eisenbahn betreibt Verbindungen von Belgrad aus nach Bar, Thessaloniki, Istanbul und in die EU-Länder. Von Šid nach Leskovac führt eine Autobahn, die E75. Das Straßennetz Serbiens ist im Allgemeinen gut ausgebaut. In Serbien gibt es zwei internationale Flughäfen, in Belgrad und in Niš, die von vielen internationalen Flugrouten bedient werden. An der Donau gibt es viele Flußhäfen, die auch neuerdings eine touristische Route bedienen.

Wirtschaft

Serbien hat in den letzten 15 Jahren sein BIP wegen der Sanktionen, der kriegerischen Auseinandersetzungen mit den ex-jugoslawischen Nachbarstaaten und der Nato-Bombardements von 1999, um die Hälfte reduziert. Dennoch besteht große Hoffnung und Zuversicht, daß besonders im Jahre 2005 die Früchte der neuen Demokratie in Serbien reifen und geerntet werden. Serbien erhofft sich für dieses Jahr über 2 Milliarden € Direktinvestitionen, die auch zum Teil aus den Privatisierungen des Bankenwesens und anderer staatlicher Betriebe entspringen sollen. Die Privatisierung der staatlichen Betriebe soll etwa 2007 abgeschlossen sein. Das Außenhandelsbilanzdefizit konnte im Vergleich zum Vorjahr um knapp 37% gesenkt werden. Die Exporte im ersten Halbjahr 2005 betrugen 1667,7 Mio. €, die Importe 3614 Mio. €. Die Einnahmen durch den Tourismus sind um 50% gestiegen und der Standortvorteil aus geo-strategischer Sicht (Serbien hat 7 Nachbarländer) zieht mittlerweile große ausländische Firmen an. Der durchschnittliche Nettolohn in Serbien beträgt circa. 200€ (2005), die Inflation liegt bei 13,8% (2004) und es herrscht 20% Arbeitslosigkeit (ohne Kosovo). Das Freihandelsabkommen Serbiens mit der Russischen Föderation sticht dabei besonders ins Auge und könnte ein großer Anreiz für ausländische Investoren sein, wenn da nicht die immer noch blühende Korruption und die Rechtsunsicherheit wären. In einem Mitte September 2005 veröffentlichten Bericht der Weltbank, wird Serbien und Montenegro als führendes Reformland im Bereich der Entwicklungförderung von Unternehmen und Schaffung von Arbeitsplätzen bezeichnet. Dies läßt sich auch anhand der immer zahlreicheren Joint-Ventures mit ausländischen Unternehmen belegen. Serbien und Montenegro gehört auch zu den Ländern, die eine Flat-Tax eingeführt haben. Die Einkommensteuer beträgt pauschal 14% und die Körperschaftsteuer 10%.

Literatur


- Malte Olschewski: Der serbische Mythos. Die verspätete Nation., Herbig 2000, ISBN 3776620277.
- Steven W. Sowards: Moderne Geschichte des Balkans. Der Balkan im Zeitalter des Nationalismus, BoD 2004, ISBN 3-8334-0977-0.

Siehe auch


- Portal:Südosteuropa/Serbien
- Welterbe, Nationalparks und Schutzgebiete in Serbien
- Serbisch-Orthodoxe Kirche
- Serbische Küche
- Serbischer Dinar
- Serbische Persönlichkeiten bzw. Bekannte Serben
- Serbische Schrift
- Bezirke Serbiens

Weblinks


- [http://www.serbia.sr.gov.yu/ Offizielle Webseite der Republik Serbien (englisch)]
- [http://www.serbien-montenegro.de/index.htm Serbien-Montenegro.de - Info-Portal (deutsch)]
- [http://www.goethe.de/ms/bel/deindex.htm Goethe-Institut Belgrad]
- [http://www.mzs.info/index.html Michael-Zikic-Stiftung]
- [http://www.royalfamily.org/index_eng.html Offizielle Webseite des Serbischen Königshauses (englisch)]
- [http://www.srbija.sr.gov.yu/?change_lang=en Serbiens Informationsportal (englisch)] Kategorie:Staat als:Serbien ja:セルビア ko:세르비아 simple:Serbia

Italien

Italien (italienisch Italia) ist ein Staat in Europa am Mittelmeer. Angrenzende Staaten sind Frankreich, Schweiz, Österreich, Slowenien, sowie die Enklaven San Marino und die Vatikanstadt (in Rom). Zu Italien gehören die Mittelmeer-Inseln Sizilien, Sardinien und Elba. Italien ist unter anderem bekannt für seine Küche, Mode- und Designerartikel, Bekleidungsindustrie, Architektur, Kunst, Musik und Touristenziele.

Geografie

Die Form des Landes erinnert an die eines Stiefels. Diese Halbinsel wird vom einem Gebirgszug, dem Appenin, in der Längsachse durchzogen. Im Norden gehört ein Teil der Alpen zu Italien. Entlang der Westküste Italiens ziehen sich von Norden in Richtung Süden u. a. die Italienische Riviera in Ligurien, die Etruskische Riviera in der Toskana sowie der Golf von Neapel in Kampanien. Die Ostküste wird von Triest im Norden bis zum Gargano im Norden Apuliens (nach anderen Darstellungen: bis zur Straße von Otranto) als die Italienische Adriaküste bezeichnet. Siehe auch Riviera. Die längsten Flüsse sind Po, Etsch, Arno und Tiber. Zu den größten italienischen Seen zählen der Gardasee, der Lago Maggiore und der Comer See in Oberitalien sowie der Lago di Bolsena und der Lago Trasimeno in Mittelitalien. Neben dem Vesuv auf dem italienischen Festland stehen auf italienischen Inseln gleich zwei weitere bekannte Vulkane: der Ätna und der Stromboli (und weitere kleinere um Sizilien herum). Neben der Hauptstadt Rom sind die bedeutendsten Städte Mailand, Neapel, Genua, Turin, Venedig, Bologna, Florenz, Bari, Catania und Palermo. Der höchster Berg Italiens ist der Mont Blanc de Courmayeur 4.748 m.

Bevölkerung

Italien hat eine Einwohnerzahl von 58.462.375 Einwohnern und rangiert in der Weltrangliste auf Platz 22, innerhalb der Europäischen Union liegt das Land auf dem 4. Rang hinter Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

Stadt- und Landbevölkerung

Rund 67% der Einwohner Italiens, vornehmlich im Norden, leben in Städten. Vor allem von 1950 bis 1960 herrschte eine starke Abwanderung aus den unterentwickelten Landregionen in die Städte (Landflucht). Seit den 1980er Jahren hat sich dieser Trend zu Gunsten der Vororte und Kleinstädte umgekehrt.

Größte Städte

(Einwohner 31. Dezember 2004)

- Rom - 2.553.873
- Mailand - 1.299.439
- Neapel - 995.171
- Turin - 902.255
- Palermo - 675.277
- Genua - 605.084
- Bologna - 374.425
- Florenz - 368.059
- Bari - 328.458
- Catania - 305.773
- Venedig - 271.251
- Verona - 259.068
- Messina - 247.592
- Padua - 210.821
- Triest - 207.069
- Tarent - 201.349 (Stand 2001)
- Brescia - 192.164
- Reggio di Calabria - 183.041
- Prato - 180.674
- Modena - 180.110
- Parma - 174.471
- Cagliari - 161.465

- Perugia - 157.842
- Livorno - 155.986
- Reggio nell'Emilia - 155.191
- Foggia - 154.780
- Ravenna - 146.989
- Salerno - 135.818
- Rimini - 134.700
- Ferrara - 131.907
- Sassari - 124.929
- Siracusa - 123.332
- Pescara - 122.577
- Monza - 122.263
- Bergamo - 116.510
- Vicenza - 113.483
- Latina - 111.946
- Forli - 111.495
- Trient - 110.142
- Terni - 108.999
- Giugliano in Campania - 105.951
- Novara - 102.746
- Ancona - 101.797

Lebenserwartung

Italien ist nach Japan das Land mit der höchsten Lebenserwartung der Welt. Sie beträgt bei Männern 78 Jahre, bei Frauen rund 83. Rund 19 % der Italiener sind älter als 65 Jahre. Die Italiener führen somit in Europa vor den Griechen und den Schweden die Liste der "langlebigsten" Bevölkerung an. Als Grund wird häufig die italienische Küche, also die mediterrane Ernährung,angeführt.

Religiöse Zugehörigkeit

Mit 83,2 % Katholiken und 16,2 % Konfessionslosen ist Italien ein katholisch geprägtes Land. Nur 0,6 % der Einwohner gehören anderen Religionen an, darunter 231.226 Zeugen Jehovas und 35.000 Juden sowie Protestanten und Muslime. Die Katholische Kirche ist traditionell sehr stark in Italien, was sich in einer hohen Zahl an Priestern (25,823) und Kardinälen (38) wiederspiegelt [http://www.nationmaster.com/red/country/it/Religion&b_cite=1].

Sprachen

Neben der Amtssprache Italienisch gibt es noch die regionalen Amtssprachen Deutsch, Französisch, Ladinisch und Slowenisch. Darüber hinaus stehen weitere Minderheitensprachen unter besonderem Schutz (durch die Verfassung und ein präzisierendes Gesetz aus dem Jahr 1999): Albanisch, Katalanisch, Griechisch, Kroatisch, Franko-Provenzalisch, Furlanisch, Okzitanisch und Sardisch. Zum Teil streben die jeweiligen Gemeinschaften einen Ausbau ihrer Sprache zur Amtssprache an.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Italiens Italien, vor allem Mittel- und Süditalien, ist schon seit der Antike ein wichtiges europäisches Kulturzentrum und war Zentrum des Römischen Reichs. Nach dem Einfall der Goten zersplitterte das Land in viele kleine Staaten und wurde so zu einem „politischen Spielball“ der umliegenden Großmächte. In der Risorgimento-Epoche, Mitte des 19. Jahrhunderts, wurde Italien unter Vorherrschaft des Königreichs Piemont-Sardinien, vor allem durch die Freiwilligenverbände unter Giuseppe Garibaldi, zum Königreich Italien vereinigt. Da Italien sich zu Beginn des ersten Weltkriegs aus dem Dreibund gelöst hatte und der Entente beigetreten war, konnte das Königreich auf der Seite der Siegermächte das österreichische Südtirol annektieren. Im Oktober 1922 übernahmen Benito Mussolini und seine Fascii genannten Gefolgsleute durch den Marsch auf Rom die Macht in Italien. Schritt für Schritt wandelte Mussolini das Königreich in einen totalitären Staat um und setzte sich, ähnlich wie später Hitler, selbst als "Duce" an die Spitze von Volk und Staat. Noch vor Beginn des Zweiten Weltkrieges überfiel Italien Abessinien, diese völkerrechtswidrige Besetzung war Teil von Mussolinis erklärtem Ziel, das alte (antike) Römische Reich wieder aufleben zu lassen. Durch verschiedene Abkommen band sich Mussolini an das Deutsche Reich und Adolf Hitler. Schließlich trat Italien auf der Seite der Achsenmächte, nach merklichem Zögerns des Duce, in den Zweiten Weltkrieg ein. Mit dem Rückzug der italienischen Truppen vor den anrückenden Alliierten und dem Sturz der faschistischen Regierung in Rom im Herbst 1943, wechselte Italien die Fronten und erklärte nunmehr seinem vormals Verbündeten den Krieg. Der folgende Einmarsch der deutschen Wehrmacht wurde mit dem Widerstand der Resistenza beantwortet. Als sich die deutschen Verbände im Juni 1944 bis zur „Gotenlinie“ im Apennin zurückzogen und italienische Partisanen ihre Überfälle auf deutsche Soldaten verstärkten, kam es zu Massakern an der Zivilbevölkerung und weiteren schweren Kriegsverbrechen durch die deutschen Besatzer. Am 28. April 1945 kapitulierten die Wehrmachtsverbände in Italien vor den Westalliierten . Durch den Frontwechsel blieb Italien nach Kriegsende von größeren Gebietsabtretungen verschont. (Umland von Triest an Jugoslawien bzw. Slowenien und Kroatien, Dodekanes an Griechenland, kleinere Grenzberichtigungen zugunsten von Frankreich). Die jüngste Geschichte Italiens zeichnet sich durch häufige Regierungswechsel und hohe Inflation aus. Italien ist Gründungsmitglied der Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (Vorläufer der EU) und hat 2001 seine Währung „Lira” durch den Euro abgelöst.

Politik

Hauptartikel: Italienische Politik Italien ist seit 1946 eine parlamentarische Republik. Staatsoberhaupt ist der Staatspräsident, das Parlament besteht aus zwei Kammern (Abgeordnetenkammer und Senat), die alle fünf Jahre gewählt werden und absolut gleichberechtigt sind. Regierungschef ist der Ministerpräsident, seit 2001 Silvio Berlusconi. Zudem ist Italien Mitglied in mehreren überstaatlichen Organisationen. Mit dem 4. April 1949 erfolgte der Eintritt in die NATO. Seit dem 14. Dezember 1955 gehört Italien den Vereinten Nationen an. Zudem ist das Land als Gründungsmitglied der Europäischen Union am 1. Januar 1958 ein bedeutender Ansprechpartner in Europa. Siehe auch: Liste der italienischen Premierminister

Schulwesen und Bildung

Hauptartikel: Schulsystem in Italien Das Schulwesen Italiens ist - vor allem im Pflichtschulbereich - durch große Einheitlichkeit gekennzeichnet. Die wesentlichen Bestimmungen für Unterricht und Erziehung sind in Mailand nicht anders als in Palermo. Unterschiede gibt es lediglich im Bereich der beruflichen Bildung, die zum Kompetenzbereich der einzelnen Regionen gehört. Das Schulsystem gliedert sich in folgende drei Bereiche: Kindergarten (scuola dell' infanzia, 3-6), Pflichtschule (scuola elementare, 6-11; scuola media 11-14) , Oberstufe (Liceo: classico, scientifico, linguistico, artistico, economico, tecnologico, musicale, delle scienze umane; 14-19). Die früheren Fachoberschulen (istituti tecnici), die auch schon früher zur allgemeinen Hochschulreife führten, werden in Gymnasien umgewandelt. Italien hat in der Fremdsprachenausbildung in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht: Englisch wird bereits in der Grundschule unterrichtet, eine zweite lebende Fremdsprache kommt in der Sekundarstufe I dazu. Die 5-jährigen Gymnasien sehen daneben i.d.R. Lateinunterricht vor, beim altsprachlichen Liceo Classico kommt noch Griechisch dazu. Die Schulpflicht ist 2004 von 9 Jahren (6-15) auf 12 Jahre (6-18) verlängert worden. Wer bereits nach der 12. Klasse das Gymnasium ohne Abitur (Diploma di Maturitá, 13. Klasse) verlässt, erhält automatisch eine Zugangsberechtigung zu einer Art Fachhochschule. Wer mit 14 nicht auf das Gymnasium gehen will, muss eine Ausbildung an einer regionalen Berufsfachschule machen (die u.U. mit einer Staatsprüfung und dem beruflichen Abitur abgeschlossen werden kann). Nach dem ersten Ausbildungsjahr kann alternativ eine betriebliche Ausbildung durchgeführt werden. Wer vor Vollendung des 18. Lebensjahres einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss erreicht, wird von der zwölfjährigen Schul- und Ausbildungspflicht freigestellt.

Gesundheit und Gesundheitssystem

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